Liebe Leserinnen und Leser,
obwohl sich per Saldo in den vergangenen Handelstagen am Zählerstand vieler Indizes nicht viel bewegte, war ein ungewöhnlich heftig ausgetragener Kampf zwischen Bullen und Bären zu beobachten. Im DAX konnten Sie diesen an der Widerstandszone oberhalb von 6.300 Punkten beobachten, an der die Bullen mehrfach binnen Minuten um bis zu 100 Punkte zurückgeworfen wurden. Dadurch rückt auf den DAX bezogen der Tag der Entscheidung immer näher, ganz salopp würde ich die Situation als “Make or Break” umschreiben. Dadurch stellt sich natürlich immer deutlicher die Frage, ob man hier als privater Trader oder Anleger im Begriff ist, Cent-Stücke vor einer heranbrausenden Dampfwalze aufzusammeln. In den vergangenen Wochen habe ich mich hier optimistisch zu Gunsten von steigenden Kursen geäußert und nur kurzfristige Bedenken wegen der aktuellen Indikatorenlage angemeldet. Auch heute will ich diese Meinung grundsätzlich wegen der Datenlage des „inneren Marktes” wiederholen, aber auch auf psychologische Komponenten und Handlungszwänge von großen institutionellen Anlegern verweisen. Denn während wichtige Indizes wie der DAX an wichtigen Punkten festhängen, sendet der „innere Markt” eindeutig positive Signale. Der Bullish Percent des breiten Aktienmarktes der NYSE, der den Prozentsatz der auf einem objektiven Kaufsignal handelnden Aktien zählt, handelt in einer positiven X-Spalte und hat bereits das zweite Kaufsignal in Folge generiert. Auch der entsprechende Index der Nasdaq steht auf einem Kaufsignal. Demnach sind die Bullen mittelfristig eindeutig im Vorteil und das Risiko relativ gering, da die meisten Sektoren Kapitalzuflüsse aufweisen. Falls Sie sich für meine unkonventionellen Analysen anhand der P & F Philosophie interessieren, dann beachten Sie doch bitte auch meinen kostenlosen Newsletter.
Meiner Meinung nach deutet die positive Verfassung unterhalb der Oberfläche der Indizes auf eine langsame Verschiebung der fundamentalen Daten. Ich gehe davon aus, dass einige institutionelle Investoren die in den USA herrschende extrem negative Stimmung dazu nutzen, ganz langsam von Anleihen in Aktien zu schichten. Mal abgesehen von der extremen Überbewertung von Anleihen bei gleichzeitig hohen Risiken spricht ein steigendes Gewinnmomentum von US-Aktien für diesen Schritt. Denn von der kritischen Presse fast unbemerkt steigt das Verhältnis von neuen Aufträgen zum Auftragsbestand in der US-Industrie sehr dynamisch. Auch verbessert sich das Verhältnis von Konsum- hin zu Investitionskrediten kontinuierlich. Daher tippe ich darauf, dass wir in der anstehenden Berichtssaison bessere Zahlen und vor allem optimistischere Ausblicke sehen werden, als viele Anleger heute kalkulieren. Dies könnte die Ursache des freundlichsten September in den US-Indizes seit 70 Jahren sein und darauf hindeuten, dass sich die „starken Hände” neu positionieren - ganz egal was die Presse schreibt, die natürlich auch eigene Ziele vor den Kongresswahlen verfolgt.
Kursaufschwung trotz Rezessionsangst
Während der vergangenen Wochen war die öffentliche Meinung gegenüber Aktien auch in Deutschland sehr zurückhaltend, wenn nicht gar pessimistisch. Fast überall wurde die Gefahr einer drohenden Deflation in Verbindung mit einer neuerlichen Rezession diskutiert. Trotzdem schaffte der DAX das Kunststück, von der Presse natürlich unbemerkt, seit etwa einem Jahr tendenziell eine aufsteigende Gerade von jeweils höheren Tiefs zu bilden. Der mittelfristige Seitwärtstrend blieb aber dennoch intakt, da es dem Index an den höheren Hochs mangelte, also nur eine Bedingung für einen Aufwärtstrends erfüllt wurde. Der folgende P & F Chart zeigt deutlich, dass der DAX bei aller Ehrfurcht vor den Widerständen eher nach oben als nach unten will und Kursrückschläge relativ schnell wieder auf frisches Kaufinteresse stoßen.
Die Kurse kriechen schon fast klassisch an der Mauer der Angst empor und stecken negative Nachrichten und die Angriffe der Bären überraschend gut weg. Speziell im P & Figure Chart, der das leise und irritierende „Rauschen” der Charts filtert, erkennt man gut den wichtigen Widerstandsbereich zwischen 6.300 und 6.350 Punkten. Trotz der beschriebenen guten Ausgangslage für die Bullen sollten Sie aber nicht voreilig zu hochgehebelten Indexpapieren greifen, da nach wie vor das durch die lange 0-Säule im August ausgelöste Verkaufssignal im Raum steht. Obwohl oberhalb dieses Widerstands die Kurse wahrscheinlich blitzschnell anziehen, sollten Sie die kurzfristige Gefahr eines Scheiterns an diesem Punkt nicht unterschätzen, die Risiken gut im Auge behalten und sich eher an den Märkten mit besserem Chance-Profil orientieren, z.B. Nebenwerte, Rohstofftitel und Aktien der Schwellenländer.
Finger weg von Modeaktien
Nun werden Sie sich fragen, warum ich trotz der sehr positiven Vorzeichen des inneren Marktes kurzfristig vorsichtig bin. Dies hängt natürlich damit zusammen, dass es völlig normal ist, dass sich die Stärke von Trends verändert, wofür es aber fundamentale und psychologische Gründe gibt. Heute ist der erste Handelstag des vierten Quartals und mithin gibt es keinen Grund mehr für die Fondsmanager, bestimmte Aktien zu kaufen, um diese der verehrten Kundschaft im Quartalsreport zu zeigen. Der starke Rückenwind für die Lieblinge der Wall-Street, z.B. Titel wie Apple, Ebay und Amazon, könnte sich schon bald umkehren und von vorne blasen. Natürlich wird dieser Stimmungswechsel dadurch verstärkt, dass der freundlichste September seit 70 Jahren hinter uns, die unsichere Berichtssaison aber vor uns liegt. Daher würde ich jetzt nicht empfehlen, in den Lieblingsaktien der Analysten investiert zu sein. Ebenfalls sind die meisten Sektoren kurzfristig recht überkauft und heiß gelaufen, weshalb man jetzt nicht unbedingt den Kursen nachjagen sollte. Ein weiteres Argument zu Gunsten der Bären ist der nach wie vor schwache Banksektor, der sich der Rallye nicht anschließen will. Dies ist für eine gesunde Aufwärtsbewegung der Kurse sehr ungewöhnlich und deutet darauf, dass die Quartalsergebnisse der Banken enttäuschen werden.
S & P 500: Ausbruch erfolgreich
Bekanntlich lege ich keinen besonderen Wert auf die Analyse von engen Indizes wie dem DAX oder dem Dow Jones und beschäftige mich eher mit den breiten Indizes wie der NYSE oder dem gleichgewichteten S & P 500. Im Gegensatz zum bekannteren kapitalgewichteten S & P 500 Index mit dem Kürzel SPX wird hier jeder Titel gleichgewichtet.

Sehr gut erkennt man im Chart den erfolgreichen Ausbruch über den wichtigen Widerstand bei etwa 1.710 Punkten. Falls nach einem etwaigen kurzfristigen Pullback die Kurse nicht mehr in die Seitwärtsrange zwischen 1.700 und 1.500 zurückfallen, wäre dies ein sehr wichtiger Hinweis für andere wichtige internationale Indizes wie den DAX. Immerhin deutet die Formation des dreifachen Ausbruchs im Point & Figure Chart des S & P 500 auf ein Anschlusspotential bis etwa 2.000 Punkten, was natürlich etwas Zeit benötigt. Trotz dieser sehr bullischen Perspektive muss aber auch beachtet werden, dass speziell die in diesem Index enthaltenen sehr liquiden „Big-Caps” im neuen Quartal und nach Ende des „Window-Dressing” für Korrekturen anfällig sind. Bereits ab heute würde es mich nicht wundern, wenn das Interesse vieler Investment-Manager vorrübergehend an diesen Aktien abnehmen würde. Bitte beachten Sie, dass gerade die großen Werte bei drohenden Gefahren schnell und relativ lautlos in den Markt gedrückt werden können. Die vergangenen Tage haben den Eindruck erweckt, als ob große Adressen die Kurse oben halten, hinten herum aber Stücke abgeben würden.
Diese Warnung von mir betrifft eher die kurzfristig orientierten Anleger unter Ihnen. Mittel- bis langfristig bleibe ich vor allem wegen des sehr robusten „inneren Marktes” optimistisch und erwarte eher positive als negative Überraschungen. Falls Sie sich für meine unkonventionellen Analysen anhand der P & F Philosophie interessieren, dann beachten Sie doch bitte auch meinen kostenlosen Newsletter.
Viel Erfolg mit Ihren Positionen und ein angenehmes und sonniges Wochenende wünscht Ihnen Ihr
Klaus Buhl







Gut erkennt man im Chart nicht nur den intakten Aufwärtstrend, sondern auch die seit vier Monaten andauernde Seitwärtsbewegung. Aktuell verbessert sich aber nicht nur der hier abgebildete äußere Chart in Form der rechten X-Säule, sondern auch der interne Kapitalzufluss in den gesamten Bankensektor. Deutlich wird dies hier am jüngsten Kaufsignal in Form der rechten X-Säule, die die vorhergehende überragt und das Verkaufssignal vom Tisch fegt. Dies ist für mich in so fern überraschend, als erst in diesen Tagen selbst die Deutsche Bank indirekt vor ihren eigenen Aktien warnte. In einer Sektorstudie wiesen die Analysten der Bank auf die Risiken des komplexen Geschäfts, Probleme der Refinanzierung und eine drohende Kapitalerhöhungen hin. Vor allem französische und deutsche Bankaktien solle man gemäß der Studie meiden. Ein völlig anderes Bild sprechen allerdings die Charts der Bankaktien. Falls Sie einmal schöne und auskonsolidierte Formationen sehen wollen, betrachten Sie bitte einmal die Charts der Commerzbank, Societe`General, der Bank of America und sogar der Citigroup! Kein Wunder, dass nicht nur der US-Bankensektor, sondern auch der europäische eine sehr gute Figur machen. Fragt sich nur, was die Deutsche Bank mit ihrer genannten negativen Studie bezwecken wollte. Da ich öffentlich zugänglichem Research grundsätzlich skeptisch gegenüber stehe, gehe ich davon aus, dass noch rasch einige gute Kunden und der Eigenhandel der Bank sich günstig im eigenen Sektor eindecken wollten!





Obwohl es sich hier um den Sektorchart der alltäglichen Verbrauchsgüter handelt, der also nicht sehr stark auf konjunkturelle Veränderungen reagieren sollte, erkennt man gut, wie stark deren Aktien mit der konjunkturellen Entwicklung korreliert sind. Ebenfalls wird deutlich, wie stabil diese Branche handelt, denn auf der waagerechten Achse sehen Sie den Zeitraum ab dem Jahre 2000 abgetragen. Einmal eingeschlagene Kursrichtungen werden sehr lange beibehalten. Bis zum auch für diesen Sektor außergewöhnlichen Krisenjahr 2008 weist der Sektor nur wenige Spaltenwechsel auf. Während der letzten 10 Jahre war es mit einfachen Mitteln möglich, lukrative trendfolgende Strategien mit Aktien oder ETF´s aus diesem Sektor zu verfolgen, da sich Aktien sehr stark korreliert innerhalb ihres Sektors bewegen, übrigens auch international. Speziell im Point & Figure Chart, der sich strikt auf die Ergebnisses des Kampfes zwischen Bullen und Bären konzentriert, erkennt man gut den stabilen Nachfrageüberhang im Konsumsektor seit diesem April! Vom Kurstief bei 19,50 zogen die Kurse bis auf aktuell über 26 an! Bemerkenswert ist hierbei, dass es zu keinem Zeitpunkt während der gesamten Rallye einen Grund gab, Positionen glattzustellen oder gar nervös zu werden. Im September (Ziffer 9) übersprang dann sogar die aktuelle X-Spalte, die für den Nachfrageüberschuss steht, die von oben kommende „bärische Widerstandslinie”. Dies ist eines der positivsten Ereignisse der P & F-Philosophie! Dies ist aber noch nicht alles. Denn mit dem bestätigenden Kaufsignal aus dem aktuellen Monat Oktober (Buchstabe A in der positiven rechten X-Spalte) ergibt sich weiteres Potential bis mittelfristig 30 bis 35 Punkte! Exakt an der Widerstandslinie bei 25 bestand auch ein massiver horizontaler Widerstand, der nun aufgelöst wurde. Gemäss diesem „äusserem” Chart verdient der Konsumsektor also weltweite Beachtung und Aktien der Branche sind bei Rücksetzern eine Versuchung wert!

