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Categories: P&F-Technik
Author: Klaus Buhl

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Eigentlich waren die Konjunkturdaten über das vermeintliche Ende der Rezession, die uns vergangene Woche erreichten, ein Grund die Sekt-korken knallen zu lassen. Doch anstatt die wieder anziehende Dynamik des Wirtschaftswachstums mit einem Kurssprung zu quittieren, wie dies wahrscheinlich viele Marktteilnehmer erwartet haben, legten die Börsen den Rückwärtsgang ein. Vor allem den wie gewöhnlich flatterhaften DAX erwischte es temporär sehr kräftig mit einem Kursrückschlag von ca. 4 Prozent. Die Entwicklung der letzten Handelstage zeigt wieder einmal, dass die offizielle Berichterstattung in den Medien über die fundamentale Verfassung eines Landes der Börsenentwicklung meilenweit hinterher hinkt. In den dynamischen Schwellenländern, die sehr stark von ausländischen Kapitalströmen abhängig sind, gilt diese Beobachtung noch stärker als in den traditionellen Volkswirtschaften.
Ebenfalls erkennt man an diesem Beispiel, dass man sich als Trader an eine Systematik halten sollte und das die Lektüre von Marktberichten nicht weiter hilft. Heute kann es uns völlig egal sein, warum und aus welchen Gründen von wem jüngst die Gewinnmitnahmen ausgelöst wurden. Da man als durchschnittlicher Investor oder Trader leider über keine Glaskugel verfügt, gelingt es praktisch nie, die kleinen Marktbewegungen korrekt zu antizipieren. Daher konzentriere ich mich auf die P & F Charts und deren Philosophie, da diese nur die relevanten Kursbewegungen zeichnen und das unbedeutende „Rauschen” des Marktes ausblenden.

Ein wichtiges Instrument meiner Anlagestrategie ist auch der hier bereits mehrfach angesprochene NYSE Bullish Percent Index, der mittels der Marktbreite sehr gut die Gefahren- und die Investitionsphasen des Aktienmarktes verdeutlicht. Da die etablierten Aktienmärkte sich niemals länger vom US-Markt abkoppeln, gelten die Signale auch für die europäischen Indizes und den DAX. Demnach verharren die Börsen nach wie vor in der Gefahrenzone bei 78%! Dieses Niveau bedeutet, dass 78 % der an der NYSE gehandelten Werte auf einem objektiven P & Kaufsignal stehen und diese nur extrem selten erreichte Marktbreite kaum noch gesteigert oder länger durchgehalten werden kann. Denn diese enorme Marktbreite belegt, dass auch fundamental höchst fragwürdige Titel von der Welle nach oben gespült wurden, von denen die frühen Trader demnächst auch wieder abspringen werden. Sehr wichtig ist bei diesem Konzept zu beachten, dass die Gefahr einer größeren Korrektur erst gegeben ist, wenn die Marktbreite unter die Schwelle von 70 % fällt. Von diesem Punkt sind wir noch weit entfernt und man muss ehrfürchtig feststellen, dass Märkte länger überkauft bleiben können als man dies rational begreifen kann. Aber schließlich waren die Indizes im Winter auch historisch überverkauft, was sie aber nicht daran hinderte, noch weiter zu fallen. Deshalb hat es keinen Sinn, Entwicklungen zu antizipieren. Erfolgreiche Trader warten diszipliniert auf ein Kauf- oder Verkaufssignal. Noch gibt es kein Verkaufssignal vom NYSE BPI, es schadet aber nicht im Hinterkopf zu behalten, dass wir auf sehr überhitztem Niveau handeln!

DAX trotz Erholung im Konsolidierungsmuster

Ein richtiges spannendes Chartbild liefert uns nach dreiwöchiger Langeweile der DAX!

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Sehr gut erkennt man die Anfang August beginnende Unsicherheit, die den DAX am Widerstand bei 5.450 Punkten scheitern ließ. Es bildete sich ein negatives Doppeltop mit einem frischen Verkaufssignal. Dies erkennen Sie daran, dass die rechts oben zu erkennende O-Spalte die vorhergehende unterschritten hat. Mittlerweile stieg der Index wieder bis auf 5.300 Punkte an, was die P & F-Notierung aber noch nicht anzeigt. In dieser Notierung müssen mindestens 3 Kästchen ausgefüllt werden um eine neue X-Säule zu beginnen, was erst bei 5.350 der Fall wäre. Erst dann wäre der Trend wieder eindeutig positiv und die Bullen klar im Ballbesitz.

Interessant ist die aktuelle Chartformation aber auch aus anderen Gründen, die auf die Stärke der Bullen deuten. Die Konsolidierung im DAX reichte noch nicht einmal bis in die „logische” Unterstützungszone bei 5.150 Punkten. Schon oberhalb davon drehten die Kurse wieder nach Norden. Ebenfalls könnte sich im DAX sowie in den führenden Indizes wie Nasdaq und S & P 500 ein potentielles Fehlsignal bilden, welches die voreiligen Bären jetzt zum Eindecken ihrer flugs eröffneten Shortpositionen zwingen würde. Diese Formation, die im DAX bei einem Niveau von 5.350 Punkten abgeschlossen wäre, hat den anschaulichen Namen „Shake-Out”! Wie der Name andeutet, werden hier nervöse Marktteilnehmer voreilig aus ihren Positionen geschüttelt. Deren Stücke werden dann aber schnell wieder von den Unterinvestierten gekauft und der Aufwärtstrend setzt sich fort.
Sie erkennen das „Shake-Out” Muster im DAX an der langen X-Säule, die die stabile Nachfrage visualisiert, am folgenden Doppeltopp und dem Verkaufssignal. Sollten sich die Kurse hier wieder fangen und ein frisches Kaufsignal in Form einer X-Säule bilden, werden die Kurse wahrscheinlich noch im Herbst in der Gegend von 5.900 Punkten anklopfen. Obwohl der breite Markt und die meisten Sektoren mehr oder wenig überkauft sind, tippe ich darauf, das die Bullen noch nicht locker lassen und sich die Sommer-Rallye noch eine Weile fortsetzt.

Volatilität fällt weiter

Auch die Vola deutet darauf hin, dass die Bullen weiter im Ballbesitz bleiben.

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Langfristig pendelt die Vola zwischen 23 und 28, schoss aber im vergangenen Herbst auf unglaubliche Rekordwerte von 78 ! Je höher die Vola und damit die Panik steigt, desto schneller fallen die Kurse in der Regel. Derzeit weicht die Vola aus den Märkten und hat mittlerweile ein durchschnittliches Niveau von 25 erreicht.

Die Korrektur der Aktienmärkte Mitte Juli wurde von einem Vola-Anstieg begleitet, der sich aber nicht durchsetzen konnte. Sehr deutlich zeigt der Chart das Widerstandsniveau bei 34, was nicht überwunden werden konnte. Wie im Lehrbuch hangelt sich die Vola unterhalb der „bärischen Widerstandslinie” entlang, nur um an dieser immer wieder nach unten abzuprallen.
Mich erinnert dies sehr an die Marktverfassung des Jahres 2003. Nach der damaligen Baisse blieben die Indizes ungewöhnlich lang im überkauften Bereich, während die Vola kontinuierlich aus den Märkten wich. Auch dies spricht dafür, dass wir natürlich jederzeit heftige Korrekturen sehen können, aber das der langfristige Trend nach wie vor und trotz (oder besser wegen?) aller Bedenken nach oben zeigt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und viel Erfolg bei Ihren Engagements!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Buhl


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