Aber wo lauern die Risiken und welche Sektoren sind jetzt interessant?
Sehr geehrte Damen und Herren,
langsam wird die Hartnäckigkeit dieses Aufwärtstrends sogar einem fast schon notorischen, aber nicht blauäugigen Optimisten wie mir, etwas unheimlich. Wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen streben die Kurse in die Höhe, und scheinen die Kerbe der Krise schneller ausmerzen zu wollen, als es die kühnsten Optimisten kürzlich noch träumten.
Seit mehreren Wochen konzentrieren sich die Investoren bereits auf die guten Nachrichten und ignorieren die schlechten, bzw. interpretieren diese als gut!
Seit einigen Wochen wird jede kleine Delle in den Charts rasch als Gelegenheit zum (nach) kaufen genutzt. Ebenfalls wurden in den vergangenen Wochen reihenweise tendenziell negative Chartformationen von den Bullen förmlich überrannt. Damit sind ganz offensichtlich die wichtigsten Komponenten einer Hausse erfüllt, obwohl sich derzeit kaum jemand traut, dieses Wort in den Mund zu nehmen.
Gute Nachrichten als Gefahr für den Aufwärtstrend?
Nach wie vor leben wir in einer Zeit, in der man wütende E-mails bekommt, wenn man den aktuellen Aufwärts-Impuls als Hausse bezeichnet. Trotzdem suche ich natürlich auch nach Kurswendemustern und Argumenten, ob es nicht an der Zeit sei, die Party zu verlassen obwohl es gerade so lustig ist.
Auf der anderen Seite aber sollte man sich nicht frühzeitig gegen den Strom stemmen, denn dies ist keinesfalls unter Antizyklik zu verstehen.
Momentan halten Bullen und Bären ein in etwa ausgeglichenes „Blatt” in den Händen! Es gibt immer mehr konjunkturelle Daten die belegen, dass sich die Wirtschaft schneller erholt als man es kürzlich zu träumen wagte. Dafür allerdings haben die Indizes bis jetzt auch einen ganz schönen „Schluck aus der Pulle” genommen! Dies könnte genau der Zeitpunkt sein, den die Bullen fürchten sollten. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass die launische Diva Börse zuschlägt, wenn sich exakt das ereignet, was die Masse seit langem herbeisehnt: das Ende der Krise!
Der Zeitpunkt, an dem die guten Nachrichten so „erdrückend” sind, das auch der letzte Bär aus seinen Shorts gequetscht wird, könnte nahe sein. Dies wäre für das „Smart Money” die ideale Gelegenheit, die Chips vom Tisch zu nehmen und Leerverkäufe zu tätigen.
Diese Denkweise ist auch geld- und zinspolitisch nicht ohne Charme. Denn egal wie groß die Not der Haushaltspolitiker sein mag eine gewisse Inflation zu tolerieren: mit dem Ende der Rezession wird die Börsianer auch in diesem Aufschwung wieder der Virus der Zinsangst packen! Obwohl die FED eine annähernde Null-Zinspolitik etabliert hat.
Bis diese oder andere Ängste von den Marktteilnehmern „gespielt” werden, empfehle ich investiert zu bleiben und die Stopps sinnvoll anzupassen. Nochmals deutlich: Dies ist keine Crashwarnung und kein Aufruf, das Depot zu liquidieren. Ich will Sie nur daran erinnern, dass die Börse ein Haifischbecken ist und Ihnen hier niemand Gutes tun will. Um hier zu überleben muss man um einige Ecken denken.
Übrigens zeigt auch das von mir favorisierte Modell der Marktbreite (der innere Markt) noch keine Verkaufssignale, obwohl wir uns zweifelsfrei auf recht überkauftem Niveau befinden. Es gibt hier aber nach wie noch keine Verkaufssignale und die Marktbreite blieb in den letzten drei Wochen in etwa konstant.
Der Konsumsektor lässt sich nicht Kleinreden
Sehr interessant ist momentan der Konsumsektor, der trotz hysterischer Warnung von mehr oder weniger gescheiten Leuten einfach nicht unter Druck geraten will. Kürzlich wiederholte sogar Gewerkschaftsboss Bsirske dieses Credo aus purer Verzweiflung, ein wichtiges Wahlkampfthema noch auf der Zielgerade zu verlieren. Es ist schon amüsant zu lesen, wie sehr sich mache Leute offenbar darüber ärgern, dass die Deutschen trotz Krise einfach weiter konsumieren. Obwohl doch nach dem Lehrbuch der Konsum in Deutschland einbrechen müsste. Ein starkes Stück, welches gerade am Donnerstag wieder von der Gesellschaft für Konsumforschung bestätigt wurde.
Im folgenden Sektorchart sind die europäischen Konsumaktien des europäischen Dow Jones EuroStoxx abgebildet.
Sektorchart Retail
Quelle:tradesignalonline.com
Quelle: tradesignalonline.com
Stabiles Kaufsignal im Sektor
Sehr gut erkennt man den Absturz der europäischen Retail-Aktien im vergangenen Spätsommer und die sich anschließende Bodenbildung.
Diese war übrigens bei 200 Punkten abgeschlossen und wurde mit einem Rücktest knapp oberhalb dieser Marke im Mai erfolgreich bestätigt. Bitte achten Sie übrigens immer auf diesen Rücktest in einer Formation. Erst nach einem erfolgreichen Test steigen die echten Investoren im großen Stil in einen Wert oder einen Sektor ein. Deutlich erkennt man im Chart die Dynamik der Nachfrage in den langen X-Säulen, die den Nachfrageüberschuss signalisieren.
Seit einigen Tagen läuft eine kleine Konsolidierung im Sektor, wie Sie an der O-Spalte rechts oben erkennen können. Diese ist bisher keinesfalls besorgniserregend, da der Retail-Sektor von einem übergeordneten sehr positivem Kaufsignal dominiert wird. Denn die jüngste X-Säule überragt die vorigen drei X-Säulen, was einem Ausbruch über ein dreifaches Hoch gleichkommt. Auch wenn der Sektor noch eine Weile Kraft schöpft oder das Niveau von etwa 215 Punkten testet, gehe ich davon aus, dass der Index seinen nächsten Widerstand bei 240 bald überwinden kann.
Die wachsende Attraktivität des Index erkennen Sie übrigens auch an den positiven wichtigen gleitenden Durchschnitten. Mittlerweile notiert der Index nicht nur über diesen Durchschnitten, sondern diese weisen auch eine positive Steigung auf. Dies ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass man sich mit einiger Sicherheit in einem Sektor oder einem Einzeltitel bewegt. An diesem Beispiel erkennt man deutlich die Vorzüge der P & F-Charts. Die wesentlichen Widerstände und Unterstützungen sind viel deutlicher als im Kerzenchart und der Investor wird kaum vom unbedeutenden „Rauschen” im Chart beeinflusst.
Warum ist Sektoranalyse sinnvoll?
Gemäss der Point & Figure-Philosophie liegt das Hauptrisiko nicht in der einzelnen Aktie, in der man investiert ist. Ganz im Gegenteil liegen sogar 80 % des Risikos im Sektor und im breiten Markt! Daher ist es sehr wichtig, zuerst den Sektor der Aktie zu analysieren, in die man investieren will. Nur falls der Sektor als Ganzes einen positiven Trend aufweist, oder besser noch relative Stärke aufbaut, sollte man die Investition in einen einzelnen Titel erwägen.
Aber auch die Investition in Sektor-Zertifikate oder ETF`s halte ich für sinnvoll, da man hier im Gegensatz zu einem Index-Investment nicht die schwachen Sektoren mitkaufen muss. Mittlerweile gibt es ein ordentliches Angebot von entsprechenden Papieren, konservative und gehebelte! Interessant ist derzeit die Douglas-Aktie, die den Aufschwung der anderen konsumnahen Titel kaum mitgetragen hat, aktuell aber eine wachsende relative Stärke gegen den Sektor aufweist. Trotz der jüngst positiven Kursentwicklung konnte Douglas bisher noch nicht sehr stark an der Entwicklung teilhaben und hat erst kürzlich Ihre Bodenbildung abgeschlossen.
Mit herzlichen Grüßen aus dem Rheinland
Ihr Klaus Buhl
Der Autor kombiniert für seine Kunden u.a. vermögensverwaltende und alternative Fondskonzepte in einem Fondsdepot, bei dem der Werterhalt in Vordergrund steht. Hier gehts zum Newsletter…





