Categories: Kultur
Author: Heidi Müller

„Wenn man eine Stadt wie Paris 92mal zusammensetzt, so kömmt eine Stadt wie Gotha heraus“, übertrieb seinerzeit der Gothaer Professor J.G.A. Galletti gefühlsmäßig nur geringfügig.
Ja, das Gotha in Thüringen ist gemeint. The only one. Es glaubt einem keiner, der noch nie hier zu Gast war, mit welchen Schätzen die kleine Stadt protzen könnte. Doch sie gibt sich immer noch bescheiden, haut nicht so auf den Putz, wie sie eigentlich könnte.
Jetzt macht sie gerade mit ihrer großen Cranach-Ausstellung von sich reden. Sie erinnern sich? Lucas Cranach der Ältere, der vielseitigste Künstler des 16. Jahrhunderts, der berühmteste Maler der Reformation. Mehr noch: gewiefter Unternehmer, einflussreicher Lokalpolitiker und genialer Marketing-Mann. 1508 erhielt er sozusagen sein eigenes Label: die geflügelte Schlange mit dem Ring im Maul. Seine meinungsmachenden Flugblätter haben den Clerus ganz schön verhohnepipelt. Die Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha verfügt übrigens über die größte Grafiksammlung aus dieser Zeit: Über 800 solcher Flugblätter liegen in den überbordenden Depots.

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Fotos: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Die Sonderausstellung „Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation” der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zeigt 220 Werke des Genies. Mit Leihgaben u.a. aus den großen Sammlungen in Berlin, Dresden, Frankfurt am Main, Hamburg, Kopenhagen, Madrid, Prag und Toledo (Ohio) handelt es sich um eine der größten Ausstellungen zum Werk Cranachs in Deutschland. Sie ist noch bis zum 19. Juli im neu eröffneten Herzoglichen Museum zu sehen. www.cranach2015.de

Lucas Cranach der Ältere hat übrigens auch in Gotha geheiratet. Ach ja, die Liebe. Eigentlich müsste in der Stadt rund um die Uhr John Paul Youngs Evergreen „Love is in the Air“ erklingen. Denn Amor muss ein wahrer Freund Gothas sein. Im herzoglichen Museum ist auch  das berühmte „Gothaer Liebespaar“ ausgestellt? Als erstes selbständiges Doppelportrait in der deutschen Malerei besitzt es einen hohen kunstgeschichtlichen Wert und gilt als “das klassische Liebespaar der altdeutschen Kunst”.  Der portraitierte Graf lebte nach dem Tod seiner Gattin in nicht legitimer Ehe mit einer bürgerlichen holden Maid.

Auch im Vier Sterne-Hotel Am Schlosspark war Amor nicht untätig. www.hotel-am-schlosspark.de In den heutigen Konferenzräumen des Hauses Lindenauallee 20, im Augustenburger Palais, wuchs die letzte deutsche Kaiserin auf und verlobte sich eben da selbst mit dem nachmaligen Kaiser Wilhelm II. „Hier verlebte unsere unvergessliche Kaiserin Auguste Viktoria ernste aber doch glückliche Jugendjahre“ steht auf einer schlichten Gedenktafel zu lesen. Gotha, das sind Superlative ohne Unterlass: das imponierende Schlossmuseum von Schloss Friedenstein, die größten frühbarocken Anlage Deutschlands, ist eine wahre Schatzkammer mit Kunst aus nahezu allen Epochen. Oder der Schlosspark, der erste englische Garten auf dem europäischen Kontinent: „Welch ein himmlischer Garten entspringt aus Oed’ und aus der Wüste“ frohlockte schon Goethe.

Wer angemessen in einem Burg-Ambiente übernachte möchte, der kann sich im Landhaus & Burghotel Romantik wie eine Prinzessin fühlen. www.landhaus-hotel-romantik.de In der durchgestylten medusenverzierte Burgsuite mit  hätte sich bestimmt Gianni Versace wie zuhause gefühlt. Doch leider konnte er wohl zeitlebens Thürnigen nicht erleben.

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Die Burgsuite, Foto: Burghotel Romantik


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