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Author: Klaus Stopp

Janet Yellen mit der Geldpolitik der ruhigen Hand

Mit der gestrigen Veröffentlichung des Fed-Beschlusses endete ein zweiwöchiger Zeitraum mit Leitzinsentscheidungen der vier wichtigsten Notenbanken. Nachdem die Bank of Japan (BoJ), die Bank of England (BoE) und die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihren Sitzungen die Beibehaltung der Leitzinsen beschlossen hatten, wurde auch von den amerikanischen Notenbankern keine Änderung der Zinspolitik erwartet. Vielmehr richtete sich das Augenmerk der Beobachter auf einen erhofften Hinweis bezüglich des Zeitpunkts für den Einstieg in die Bilanznormalisierung. Die gestern hierzu gewählte Formulierung „baldmöglichst” ist allerdings alles andere als konkret und somit rückt der Termin der nächsten Fed-Sitzung am 20. September wieder in den Mittelpunkt des Interesses.

Der zusätzliche Hinweis, dass auch weiterhin die auslaufenden Anleihen ersetzt werden, dämpft aber die Hoffnung auf eine baldige Reduzierung der Bilanzsumme, die in den Jahren seit der Finanzkrise auf 4,5 Billionen US-Dollar angestiegen ist. Zugleich betonte Janet Yellen die Notwendigkeit schrittweiser Zinserhöhungen, da die konjunkturelle Entwicklung diese zulasse. Doch die Erwartungen der Analysten sind diesbezüglich geteilt. So ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bis zum Jahresende von über 60% zum Monatsanfang auf zuletzt nur noch 45% gefallen. Dieser Meinungsumschwung resultiert sicherlich auch aus den durchaus begründeten Zweifeln über die Fähigkeit der Trump-Regierung, ihre angekündigte Politik durchzusetzen.

Die einzige Konstante bei D.T., dem Unberechenbaren, ist nämlich die Unbeständigkeit. Aus diesem Grund ist die wohldurchdachte und dosierte Geldpolitik der amerikanischen Notenbanker - unter dem Vorsitz von Janet Yellen - eine Wohltat für alle Finanzmarktakteure. Doch die Tage der „Geldpolitik der ruhigen Hand” könnten bald Geschichte sein, auch wenn der US-Präsident sich zuletzt gegenüber dem Wall Street Journal positiv über ihre Arbeit geäußert hat.

Die Krise feiert einen runden Geburtstag

Im Jahr 2007 war’s, als hierzulande mit Bekanntwerden der Schieflage der IKB die Finanzkrise eingeläutet wurde. Man wusste damals zwar noch nicht, was da alles kommen würde, aber die Schwierigkeiten des vermeintlich soliden Mittelstandfinanzierers waren die Schatten, welche die 2008 um sich greifende Finanzkrise vorauswarf. Beschleunigt durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers verbreitete sich dann die Krise in Windeseile und ließ in Deutschland die WestLB sowie die Hypo Real Estate verschwinden. Anderen Instituten sollte der Bankenrettungsfonds SoFFin unter die Arme greifen.

Dass inzwischen, zum zehnjährigen Geburtstag der Krise, die Finanzwelt sicherer geworden ist, wird zwar immer wieder behauptet. Aber sind wir da, wo wir sein müssten? Das hat neulich der damalige Staatssekretär Jörg Asmussen gefragt. „Nein, noch nicht“, hat er sich selbst geantwortet. Trotz Fortschritten bei den Kapitalmarktvorschriften sind die Reparaturarbeiten noch längst nicht abgeschlossen, wie auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann einräumt.

Zu groß sind immer noch die Altlasten in Form von faulen Krediten und die Gefahren aufgrund von Verflechtungen zwischen Staaten und Banken sowie der Banken untereinander. Ob sich mit den neuen Auflagen, insbesondere in Form von Eigenkapitalanforderungen und der Einrichtung eines europäischen Sicherungsfonds, ein neuer Flächenbrand verhindern ließe, kann nur der Praxisfall zeigen. Denn, so hart es klingt, die nächste Krise kommt bestimmt. Die entscheidende Frage wird dann sein, ob das System standhalten wird.

Und was die Staaten angeht, so ist die Schuldenlast in der Euro-Zone zwar leicht gesunken, was sich in einem Rückgang der durchschnittlichen Schuldenquote von 91,2% auf 89,5% des durchschnittlichen BIPs niederschlägt. Dennoch betragen die Verbindlichkeiten aller Länder der Euro-Zone stattliche 9,7 Billionen €. Kein Grund zur Entwarnung also, macht die hohe Quote doch insgesamt deutlich, wie fragil das ganze System ist und wodurch es ins Wanken geraten könnte, wenn sich die Wirtschaftsleistung verringert.

Aber auch die enge Verflechtung von Banken und Staaten trägt die Gefahr der Ansteckung in sich. Noch immer müssen Banken für Staatsanleihen kein Eigenkapital, also keinen Risikopuffer, vorhalten - genau der Umstand, den Weidmann als Brandbeschleuniger der letzten Krise bezeichnet hat. Auch der Umgang mit Krisenbanken in der jüngsten Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Länder, allen voran Italien, nicht um europäische Abwicklungsregeln scheren, wenn es die eigenen Institute trifft. Nur in Spanien hat man im Fall der Banco Popular erlebt, dass es gemäß europäischer Abwicklungsregeln zum Bail-in gekommen ist.

Immerhin wurden inzwischen, zehn Jahre nach Ausbruch der Krise, die Eigenkapitalquoten der Institute kräftig nach oben geschraubt - europaweit auf 13,7%. Wie gesagt, ob dies ausreichen würde, einen Flächenbrand zu verhindern, könnte nur der Praxistest zeigen – eine Situation, die sich selbstverständlich keiner herbeiwünscht.

EU-Staaten profitieren vom Niedrigzins

Am Ende profitieren sie alle von der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) – die vereinigten Schuldnerstaaten von Europa, einschließlich der Bundesrepublik. Seit 2008 haben die Staaten laut Bundesbank insgesamt rund 1 Bill. € gespart. Für Deutschland errechnet sich eine Entlastung von 240 Mrd. €, was rund 7,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.

Eine noch höhere Einsparquote erreichte Italien, das von 2008 bis 2016 auf 10,5% Ersparnis gemessen am BIP kommt. Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen dürften die Staatsfinanzen auch noch weiter entlastet werden. Dennoch sollten sich Finanzpolitiker nicht zurücklehnen, sondern sich auf Zeiten steigender Zinsen vorbereiten. Noch immer wird die Zeit, welche die EZB durch die niedrigen Zinsen den Staaten erkauft hat, nicht richtig genutzt - etwa zum Abbau der Schuldenquoten. Diese liegen mit 133% des BIPs in Italien und Portugal (130%) besonders hoch. Spanien und Frankreich liegen bei knapp 100%, Deutschland bei 68%. Bekanntlich liegt die Maastricht-Obergrenze allerdings bei 60% und die verantwortlichen Politiker sollten sich stets vor Augen führen, wie hoch die Haushaltsdefizite wären, wenn die Manipulation der Zinsen durch die EZB nicht so gnadenlos umgesetzt werden würde. Dann würden in vielen europäischen Staaten die Alarmglocken permanent läuten.

Ob vor diesem Hintergrund EZB-Präsident Mario Draghi, der an den Märkten als Schutzpatron Italiens gilt, tatsächlich den Ausstieg des milliardenschweren Anleihenankaufprogramms der EZB vorbereitet, muss sich erst noch zeigen. Schließlich ist die EZB der einzige große Player, der derzeit italienische Staatsanleihen aufkauft. Wäre dies nicht mehr der Fall, würden die Zinsen für italienische Bonds in die Höhe schnellen. Dies würde das System wegen der hohen Staatsverschuldung, der schwächelnden Wirtschaft und einem Berg fauler Bankkredite noch mehr ins Wanken bringen, als es ohnehin schon der Fall ist. Daher muss Italien ein Ende der Niedrigzinsphase am meisten fürchten.

Das Comeback von Hellas

Nach einer Zwangspause von drei Jahren kehrt Griechenland an den Kapitalmarkt zurück. Erstmals seit April 2014 platziert das Land wieder eine Staatsanleihe – diesmal über ein Volumen von 3 Mrd. € und mit einem Kupon von 4 3/8 % bei einer Endfälligkeit am 1.8.2022 (A19MEC). Die Nachfrage belief sich mit 6,5 Mrd. € auf mehr als das Doppelte der Emission, die Rendite liegt bei 4,625%. Darin spiegelt sich dennoch eine gewisse Skepsis wider, denn 2014 wurden bei der bislang letzten Anleihe (Emissionsvolumen und Laufzeit waren identisch) mehr als 20 Mrd. € gezeichnet. Die Rendite belief sich damals auf 4,95%.

Diese langersehnte Emission stellt für Athen somit einen wichtigen Test dar. Denn die Kapitalmarktfähigkeit von Hellas ist die Voraussetzung dafür, dass die EZB griechische Staatstitel in ihr Aufkaufprogramm aufnimmt, woran Athen großes Interesse hat. Ob dies gelingt, hängt davon ab, ob das Land die Tragfähigkeit seiner Schulden nachweisen kann. Noch immer ist das Rating des Landes weit von Investment Garde entfernt. Immerhin hat die Ratingagentur S&P den Ausblick für Griechenland von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Moody’s hat zuletzt sein Rating auf Caa2 angehoben. Um über die Aufnahme in das Ankaufprogramm zu entscheiden, behält sich die EZB eine weitere, eigene Analyse der Schuldentragfähigkeit vor. Und es ist ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Zuletzt hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) avisiert, Griechenland mit weiteren 1,6 Mrd. € Kredithilfe zu unterstützen. Diese Zahlung verknüpfte der Fonds jedoch mit der Bedingung, dass die europäischen Hellas-Gläubiger dem Land Schuldenerleichterungen gewähren würden. Dagegen hat sich die Bundesregierung immer wieder ausgesprochen – und daran dürfte sich auch, zumindest bis zur Bundestagswahl im September, nichts ändern. Somit ist der IWF-Beschluss nicht mehr und nicht weniger als eine Mogelpackung. Aber das ist ja nichts Neues!

Brexit-Unterhändler leisten sich eine Sommerpause

Man ist sowieso schon unter Zeitdruck und gönnt sich nun noch eine Verhandlungspause von einem Monat. Erst Ende August sollen die Brexit-Verhandlungen der Unterhändler aus London und Brüssel weitergehen, die aufgrund von tiefgehenden Meinungsunterschieden ohnehin kaum aus den Startlöchern gekommen sind. Nun spricht der britische Handelsminister Liam Fox plötzlich von einer Übergangsperiode bis maximal 2022, betont aber im gleichen Interview mit der BBC, die EU bis Ende März 2019 verlassen zu wollen. Ja, was denn nun?

Sobald man die EU verlassen hätte, müsse man sehen, wie ein möglichst sanfter Übergang gelingen könne, so Fox. Dies kann nach seiner Vorstellung in einer Übergangsperiode von etwa 24 Monaten machbar sein, während der Großbritannien weitere Handelsabkommen schließen könne. Offenbar dämmert es den Briten, dass der eigene, ehrgeizige Zeitplan nicht zu halten ist. Ansonsten will man zwar erst einmal raus aus der EU, um dann offenbar doch noch einen weichen Brexit hinzubekommen, wie Fox sagte. Letztlich bedeutet der Vorschlag einer Übergangsfrist lediglich eine Ausdehnung der Verhandlungsphase. Zudem gibt London noch ganz nebenbei bekannt, bereits Sondierungsgespräche mit den USA über eine bipolare Vereinbarung zu führen.

Unterdessen mehren sich die negativen Signale, die von einem drohenden EU-Austritt Großbritanniens ausgehen. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für das Land nach unten korrigiert. Das Wirtschaftswachstum werde lediglich um 1,7% und nicht um 2% zunehmen.

Und nachdem bisher mehrere Banken aufgrund des Brexits die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt angekündigt hatten, gab nun die Bank of America bekannt, die Europa-Zentrale ihres Investmentgeschäfts ebenfalls aus London abzuziehen. Allerdings soll es nicht nach Frankfurt, sondern nach Dublin gehen.

Vielleicht ist es ja diese magische Kraft des Faktischen in Form der Verlagerung von Arbeitsplätzen, die den Verhandlungspartnern in Sachen Brexit nach der Sommerpause neuen Schwung verleiht.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Draghi und die Kunst des Eierlaufens

Zum Abschluss des zweitägigen EZB-Ratstreffens hat Mario Draghi am heutigen Donnerstag die Gelegenheit, seine Gedanken bezüglich der zukünftigen Ausrichtung der Geldpolitik - im Rahmen einer Pressekonferenz - der gespannten Zuhörerschaft mitzuteilen. Als er Ende Juni auf der Konferenz im portugiesischen Sintra einen ersten Einblick gewährt hatte, kam es an den Finanzmärkten zu heftigen Reaktionen. Ob der EZB-Chef mit seinen Äußerungen nur die Stabilität der Märkte testen wollte oder schlichtweg zu euphorisch war, kann nur er selbst beantworten. Dennoch weiß Draghi seit dieser Veranstaltung, was er tunlichst nicht sagen sollte!

Somit steht er heute vor einer sehr heiklen Mission: Einerseits den Kurswechsel zu kommunizieren, aber andererseits möglichst keine oder nur geringe Reaktionen hervorzurufen. Vielleicht wäre in diesem Fall das Motto „Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“ wieder mal das einzig Richtige. Die Kunst des Sprechens liegt also manchmal nicht darin, was man sagt, sondern eher darin, was man nicht sagt. Dadurch bliebe die Phantasie erhalten und Super-Mario könnte sich bis zum 7. September überlegen, wie er eine Schockreaktion verhindern will. In diesem Zusammenhang wird auch sehr häufig auf seine anstehende Rede (Ende August) bei der von der US-Notenbank veranstalteten Konferenz in Jackson Hole verwiesen. Bei seiner bisher letzten Rede vor diesem Auditorium hatte er im August 2014 den massiven Ankauf von Anleihen angekündigt. Vielleicht schließt sich in diesem Jahr der Kreis dahingehend, dass er nach drei Jahren in seiner Rede an gleicher Stelle das Ende verkünden wird.

Somit wird das zentrale Anliegen der heutigen Sitzung sein, die Erwartungen auf die September-Sitzung der EZB zu lenken und den Ausstieg vorsichtig in Aussicht zu stellen. Untermauert werden könnte dies durch das Streichen der Formulierung: „falls erforderlich, die Anleiheankäufe auszuweiten“. Es liegt also noch ein weiter Weg vor dem jetzigen und zukünftigen EZB-Präsidenten, und manches erinnert hierbei an das auf Kindergeburtstagen beliebte Spiel des Eierlaufens. Auch dabei kommt es auf Geschicklichkeit an, und man muss sich entscheiden, ob man eher langsam oder schnell das Ziel erreichen will. Denn zu viel Zeit sollte man sich seitens der Notenbanker nicht lassen, um im Falle einer notwendigen Unterstützung durch die Geldpolitik wieder Möglichkeiten zu haben. Als Vorbild dient hierbei sicherlich die US-amerikanische Notenbank Fed, aber nicht die Bank of Japan.

Yellens Nachfolger läuft sich warm

Vergangene Woche hat Fed-Chefin Janet Yellen die Börsen auf weitere Zinserhöhungen eingestimmt. Die Zentralbank erwarte, dass die Konjunktur behutsame Anhebungen erlauben werde, sagte Yellen in Washington. Die Wirtschaft werde in den nächsten Jahren wie bisher mit moderater Geschwindigkeit wachsen. Verlässliche und mit Bedacht vorgetragene Ankündigungen waren die Märkte von Yellen stets gewohnt. Damit hat Yellen den bisherigen Kurs der Fed bestätigt.

Die Ankündigung war daher im Grunde nichts Besonderes, wenn da nicht eine andere Nachricht aus dem Weißen Haus gewesen wäre, mit der „D. T., der Unberechenbare“ Yellens wahrscheinlichen Nachfolger ins Spiel gebracht hat. Wenn nicht alles täuscht wird nämlich Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn neuer Präsident der Fed werden, wie das politische Magazin „Politico“ berichtete. Die Amtszeit Yellens, die von Trump während des Wahlkampfs massiv kritisiert worden war, endet damit im Februar 2018. Von seiner harten Kritik war Trump zwar im April abgewichen und hatte sogar eine zweite Amtsperiode Yellens nicht mehr ausgeschlossen, aber D.T. ist ein Meister der Sprunghaftigkeit.

Dass sich nun Cohn gedanklich bereits warmlaufen darf, schwächt jedenfalls die Autorität von Yellen, deren Job als das wichtigstes Amt in der globalen Finanzwelt gilt. An der Wall Street steht Cohn, der eigentlich gerne Chef von Goldman Sachs werden wollte, für niedrige Zinsen und einen billigen Dollar. Würde er diese Haltung an der Spitze der Fed umsetzen, könnte es einem Konjunkturprogramm für Trump gleichkommen. Die Frage ist daher, ob Yellen, die als Chefin auf Abruf zur „lame duck“ werden kann, nicht die Zinsen in einer Art Torschlusspanik schneller erhöhen wird als bisher von der Fed vorgesehen. Aufgrund ihrer bisherigen, eher besonnenen Vorgehensweise erscheint dies nicht sehr wahrscheinlich. Dennoch beschert die verfrühte Positionierung ihres Nachfolgers durch Trump den Kapitalmärkten einmal mehr ein neues Stück Unsicherheit.

London fehlt der Kompass für den Brexit

Allmählich müssen die Londoner Banken handeln. Vor dem Hintergrund des drohenden Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union machen immer mehr Institute Nägel mit Köpfen und suchen sich ihre Brückenpfeiler auf dem Kontinent. Wegen des Brexits benötigen sie von März 2019 an eine EU-Banklizenz, wenn sie ihre Services in den verbleibenden 27 Staaten anbieten wollen. So planen Institute wie Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre jeweils rund 200 Mitarbeiter in Frankfurt zumindest zu verdoppeln. JP Morgan erwägt sein Headquarter für das Investment Banking am Main aufzuschlagen, während die Citigroup dort ihre Zentrale für Wertpapierhandel in der EU ansiedeln will. Die Bank of America zieht es zwar nicht nach Frankfurt, liebäugelt dafür aber mit einer Niederlassung in Dublin. Tatsächlich scheint sich Frankfurt zum Favoriten unter den Standorten herauszukristallisieren, unter denen Londoner Banken auswählen können, um eine EU-Banklizenz über März 2019 hinaus aufrechterhalten zu können. Nicht von ungefähr erwartet der Branchenverband Frankfurt Main Finance für die Mainmetropole auf Sicht von fünf Jahren mit einem Brexit-bedingten Stellenzuwachs von 10.000 Jobs.

Langsam scheint auch den Briten klar zu werden, was der Brexit nicht nur für den Bankenstandort der City of London bedeuten wird. So lässt eine Umfrage aufhorchen, wonach inzwischen mehr als die Hälfte der Briten ein erneutes Referendum wünschen. Zu diesem Stimmungsumschwung hat auch der Eindruck beigetragen, dass sich die Situation für im Land lebende EU-Bürger und Briten auf dem Kontinent eben doch verschlechtern würde. Ebenso wird klar, dass sich für Großbritannien langfristige, milliardenschwere Verpflichtungen aus der bisherigen EU-Mitgliedschaft ergeben werden. Und von der Behauptung, wonach das Land wöchentlich 350 Mio. Pfund an Mitgliedsbeiträgen zugunsten des eigenen Gesundheitssystems sparen könnte, will keiner der Austrittbefürworter mehr etwas wissen. So hatte sich diese zentrale Behauptung von Brexiteers wie Nigel Farage als schlichte Lüge entpuppt. Hinzu kommt die Problematik, die sich an der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und Nordirland, das mit UK austreten müsste, ergeben würde.

Immer deutlicher wird also, welch komplexes Unterfangen der Brexit darstellt und wie schwer es sein wird, bis zum avisierten Austrittsdatum März 2019 tragfähige Regelungen auszuhandeln. Hinzu kommt der Richtungsstreit unter den Konservativen, die sich nicht auf einen harten oder weichen Brexit-Kurs einigen können. Der Regierung in London unter der geschwächten Premierministerin Theresa May scheint hier planlos und ohne Kompass vorzugehen. Während Finanzminister Philip Hammond wiederholt vor den wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexit warnt, beharrt der rechte Parteiflügel auf einen schnellen Austritt aus der EU um jeden Preis. Gleichzeitig gilt es für viele politische Beobachter als sicher, dass May diese Legislaturperiode nicht überstehen wird. Die Frage ist nur, wann und von wem die Attacke kommen wird. Einer, der sie beerben könnte, ist der europaskeptische Brexit-Minister David Davis. Angesichts der Planlosigkeit, die London derzeit vermittelt, mag man auf eine möglichst frühe Revolte hoffen. Dann wäre wenigstens hier etwas mehr Klarheit erreicht. Vielleicht ist es ja schon im Herbst soweit – dann nämlich, wenn die Tories ihren nächsten Parteitag abhalten.

Russische Bank fährt in die Pleite

Es ist eine der größten russischen Banken, die sich da in die Pleite manövriert hat. Vergangene Woche hat sich die Zentralbank in Moskau die schwankende Jugra-Bank vorgenommen und unter staatliche Aufsicht gestellt. Dies ist nichts Neues im Staate von Wladimir Putin. Seit 2013 wurden ganze 338 Geldinstitute geschlossen, weil sie nicht den geforderten Standards entsprochen hatten. Aber weil es sich immer nur um kleine Institute handelte, war das gesamte Bankensystem nicht ins Wanken geraten.

Nun aber ist erstmals ein großer Player betroffen, der unter den insgesamt 550 russischen Banken zu den größten 30 Instituten gehört. Mit 170 Mrd. Rubel (ca. 2,8 Mrd. €) mussten bisher die Zentralbank und die Einlagensicherung für die Bank einspringen. Das ist der größte Versicherungsfall in der russischen Finanzgeschichte. Für vorerst ein halbes Jahr wurde das Geldinstitut unter die Verwaltung der Agentur für Einlagensicherung gestellt. Die Forderungen der Gläubiger sind so lange eingefroren.

Beobachter gehen nun davon aus, dass die Zentralbank diesmal sogar die Notenpresse wird anwerfen müssen, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Auszahlungen an die Sparer, von denen jeder Anspruch auf Versicherungszahlungen von 1,4 Mio. Rubel hat, sollen kommende Woche beginnen. Ob die Jugra-Bank am Ende von einem größeren Institut übernommen oder abgewickelt wird, steht noch nicht fest.

Klar ist allerdings, dass die Jugra-Bank nicht die einzige ist, die Moskau Sorgen macht. Auch der staatliche Platzhirsch, die Sberbank, kämpft mit einem faulen Großkredit. Den hat sie in Kroatien in Höhe von 1,1 Mrd. € an den landesweit größten Retailkonzern Agrokor vergeben. Nach dessen Pleite hat die Sberbank die Hoffnung auf Rückzahlung inzwischen aufgegeben. Immerhin ist die Sberbank durch das misslungene Kreditengagement in Kroatien nicht ins Wanken geraten. Das Institut hat seinen Erholungskurs fortgesetzt und kann für das erste Halbjahr 2017 trotz erhöhter Rücklagen für Agrokor einen gestiegenen Gewinn ausweisen.

IWF mahnt Madrid: Banken krisenfest zu machen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Spanien angemahnt, die Finanzbranche des Landes besser für die nächste Krise zu wappnen und die Ertragskraft der Banken zu stärken. Trotz jüngster Fusionen sieht der IWF noch Spielraum für weitere Zusammenschlüsse und geeignete Maßnahmen, um die Profitabilität der Institute zu steigern.

So fordert der Fonds in seinem jährlichen Spanien-Bericht ein „proaktiveres Vorgehen“ zu Versäumnissen der Vergangenheit. Dies würde helfen, das Bankensystem auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Der IWF erkennt aber auch an, dass die vor kurzem erfolgte Übernahme - der in die Krise geratenen Banco Popular durch die Großbank Santander - die Unsicherheit im Bankensystem reduziert hätte.

Weiter fordert der IWF von der Regierung in Madrid, die Staatsschulden und die Arbeitslosigkeit zu senken. Es sei an der Zeit, die verbliebenen Verwundbarkeiten anzugehen. Für das spanische Wirtschaftswachstum rechnet der Fonds für 2017 mit einem kräftigen Plus von 3,1% - gegenüber einer bisherigen Prognose von 2,6%.

Was folgt nach sieben mageren Jahren in Hellas?

Sieben magere Jahre der Schuldenkrise hat Griechenland hinter sich. Vergangene Woche hat nun die EU-Kommission das Land aus dem im Jahr 2009 eröffneten Defizitverfahren entlassen. Die Anstrengungen und Opfer hätten sich gelohnt, nun könne Athen das Kapitel Austerität abschließen und sich auf Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze freuen, sagte der für Finanzfragen zuständige Kommissar, Pierre Moscovici.

Für 2016 verzeichnet Athen nach offizieller Statistik einen Haushaltsüberschuss von 0,7% des Bruttoinlandsprodukts. Für das laufende Jahr wird ein Fehlbetrag von 1,2% prognostiziert. 2018 soll’s dann wieder einen Überschuss von 0,6% geben. Immerhin, denn noch 2013 hatte das Budgetdefizit 13,1% der Wirtschaftsleistung betragen.

In Griechenland stellt sich aber auch die Frage nach den Folgen eines rigiden Sparkurses, den die Regierung von Alexis Tsipras aller sonstigen starken Worte zum Trotz auf Druck der EU durchsetzen musste. In Prozentzahlen liest sich die Entwicklung positiv, aber das Bruttoinlandsprodukt ist niedriger denn je und mehr Bürger als zuvor können ihre Steuern nicht zahlen. Mit 1,5 Millionen Menschen lebt ein großer Teil der Griechen in akuter Armut.

Dafür hält sich die Finanzbehörde ausgerechnet an den Pensionisten schadlos, deren Rente seit Jahren sukzessive gekürzt wurde. Von 2019 an soll es eine Reduktion um weitere 18% geben, damit 1,8 Mrd. € gespart werden. Dass den sieben mageren Jahren nun sieben fette folgen werden, dürfte zumindest für diese Klientel bereits jetzt ausgeschlossen sein.

Nach der Entlassung Griechenlands aus dem EU-Defizitverfahren verbleiben mit Spanien, Großbritannien und Frankreich noch drei Mitgliedsstaaten unter ständiger Beobachtung der Kommission. Während die Briten wegen des Brexits ab 2019 kein Thema mehr sein werden, könnte Spanien nach EU-Prognosen 2018 unter die Drei-Prozent-Schwelle rutschen. Damit verbliebe Frankreich als einziges Sorgenkind, das nach jüngsten Berechnungen 4 Mrd. € zusätzlich einsparen muss, um die Ziele von 2017 noch zu erreichen.

Der Sommerpause zum Trotz

In dieser Berichtswoche nutzte Thermo Fisher Scientific die Gunst der Stunde und refinanzierte sich erfolgreich am Kapitalmarkt. Aber auch die Eurofins Scientific SE und der Betreiber von Einrichtungshäusern in Europa Steinhoff Europe AG konnten jeweils eine Neuemission am Markt platzieren. Zumindest kurzfristig gab es daher ein wenig Bewegung am Primärmarkt für Corporate Bonds. Jedoch ist für die nächsten Wochen - nach aktuellem Stand - nur mit einer sehr geringen Emissionstätigkeit zu rechnen.

Das börsennotierte Unternehmen Thermo Fisher Scientific emittierte gleich vier Anleihen im Gesamtvolumen von 2,6 Mrd. €. Der 500 Mio. € schwere Floater (XS1651071521) ist am 24.07.2019 fällig und der Zinssatz richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor +23 bps. Begeben wurde das Papier zu 100,205%. Die weiteren 3 Tranchen (XS1651071877, XS1651071950, XS1651072099) haben jeweils ein Emissionsvolumen von 700 Mio. € und Laufzeiten von 9, 12 und 20 Jahren. Die erste Tranche ist am 23.01.2026 fällig und hat einen Zinssatz von jährlich 1,4%. Begeben wurde das Papier zu 99,526%, was einem Spread von +70 bps über Mid Swap gleichkam. Die Anleihe besitzt eine Kündigungsoption am 23.11.2025 zu 100%. Der zweite Bond mit Fälligkeit am 24.07.2029 zahlt den Investoren jährlich 1,95% Zinsen und wurde zu 99,282% (+90 bps über Mid Swap) begeben. Ebenfalls räumte Thermo Fisher sich hier am 24.04.2029 ein optionales Kündigungsrecht zu 100% ein. Die letzte Anleihe im Bunde ist mit einem Kupon von 2,875% p.a. ausgestattet und am 24.07.2037 fällig. Der Reoffer lag bei diesem Bond bei 99,76%, was +140 bps über Mid Swap entsprach. Auch hier gibt es 3 Monate vor Endfälligkeit ein optionales Kündigungsrecht zu pari.

Steinhoff Europe AG emittierte einen 8-jährigen 800 Mio. € schweren Bond (XS1650590349) mit Fälligkeit am 24.01.2025 und zahlt den Investoren jährlich 1,875% Zinsen. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,444%, was einen Emissionsspread von +130 bps über Mid Swap bedeutete.

Als Dritter im Bunde emittierte das mit bioanalytischen Dienstleistungen für die Bereiche Lebens- und Futtermittel, Pharmazeutika sowie Umwelt tätige Unternehmen Eurofins Scientific SE einen 7-jährigen Bond (XS1651444140) mit einem Emissionsvolumen von 650 Mio. €. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in Luxemburg zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zur Fälligkeit am 25.07.2024 jährlich 2,125% Zinsen an die Gläubiger. Der Emissionspreis belief sich auf 99,046%, was +170 bps über Mid Swap entsprach.

Alle Unternehmen legten für ihre Bonds eine Mindeststückelung von 100.000 € fest und ließen für ihre Titel - mit Ausnahme des Floaters von Thermo Fisher - eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Höhenflug oder Tauchstation?

Im Hinblick auf die heute anstehende EZB-Sitzung ist der Kursverlauf beim Euro-Bund-Future nur damit zu erklären, dass die Investoren trotz einer unterschwelligen Angst vor fallenden Notierungen neutral das Ergebnis abwarten wollen. Notierte das Rentenbarometer vor neun Tagen nur noch knapp über der Marke von 160%, so konnte es sich inzwischen wieder knapp über 162% hocharbeiten. Zum Handelsstart notiert es heute bei ca. 161,71%.

In den kommenden Wochen und Monaten wird sich das Schicksal dann entscheiden. Denn falls es in den kommenden Monaten zum Wegfall der künstlich erzeugten Nachfrage kommen wird, stellt sich die Frage nach echten Interessenten für Staatsanleihen aus der Peripherie und somit ist eine Spreadausweitung bereits vorprogrammiert.

Nach der heutigen Pressekonferenz wird sich sehr schnell zeigen, ob der Euro-Bund-Future nochmals zum Höhenflug ansetzen oder aber erneut auf Tauchstation gehen wird. Charttechnisch bedeutet dies, dass nur ein dauerhaftes Überwinden der 162,40%-Marke das Erklimmen neuer, alter Höhen ermöglicht. Aber zugleich würde das Abprallen die Gefahr eines Abverkaufs bei Renten erhöhen und einen Test der Unterstützungslinie bei ca. 160% wahrscheinlich machen.

Um nicht Gefahr zu laufen, in die sogenannten Bullen- oder Bärenfallen zu tappen, ist es sinnvoll, nur beim Bruch wichtiger Chartmarken die vorher eingegangene Position zu überdenken und abzusichern. Das Motto des heutigen Handelstages lautet also: Kühlen Kopf bewahren und nichts überstürzen.

Bund zahlt für 29 Jahre 1,29%

In dieser Handelswoche wurden in den USA insgesamt für 137 Mrd. USD Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten aufgelegt. Abgerundet wird dies am heutigen Donnerstag durch die Emission einer 10-jährigen TIPS im Volumen von 13 Mrd. USD.

In der Eurozone richtet sich heute das Augenmerk auf die Aufstockung dreier Anleihen Spaniens (A19JJJ / 2021 ; A19B40 / 2022 ; A19KVL / 2027) und sechs französischer Staatsanleihen (A19FUW / 2027 ; A1G87J / 2027 ; A19HR9 / 2048 ; A19DMN / 2028 ; A1GMH7 / 2027 ; A18675 / 2047). Bereits am gestrigen Mittwoch wurde planmäßig das Emissionsvolumen der Bundesanleihe (110234 / 2046) um 1 Mrd. € auf nun insgesamt 23 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,29%. Insgesamt wurde diese Anleihe nach der Erstbegebung im Februar 2014 zu 99,40% fünfzehnmal aufgestockt und zwar zu Preisen zwischen 105,58% und 157,52%. Bei diesem Tender wurde ein durchschnittlicher Preis von 129,16% erzielt.

Der Euro und die Bergwertung

Es läuft gerade die Tour de France, bekanntlich das schwerste Radrennen der Welt. Über Sieg und Niederlage entscheiden die Bergetappen und die außergewöhnlich schwierigen Anstiege.

Die europäische Gemeinschaftswährung hat hingegen derzeit keinerlei Probleme mit Anstiegen und meistert diese mit Leichtigkeit. So hat es der Euro in dieser Woche erneut geschafft, Bestmarken zu erklimmen. Aufgrund der abermals gescheiterten Gesundheitsreform in den USA sowie wachsender Skepsis über die Reformpläne von Präsident Trump und deren Umsetzung hatte der Euro kräftigen Rückenwind erhalten. In der Folge stieg der Wechselkurs bis auf 1,1583 USD und notierte damit so hoch wie zuletzt Anfang Mai vergangenen Jahres (1,1616 USD). Im weiteren Wochenverlauf rücken wieder die Notenbanken in den Fokus der Märkte und das kann zu größeren Kursbewegungen am Devisenmarkt führen. Nach dem heutigen Beschluss der BoJ die Leitzinsen nicht zu verändern und im Vorfeld der EZB-Ratssitzung handelt der Euro zum Tagesstart etwas leichter bei 1,1515 USD.

Die Schwäche des Greenbacks zeigt sich auch im Vergleich zum australischen Dollar. So kletterte die Währung Australiens auf ein 2-Jahres-Hoch bei 0,7989 USD. Im Vergleich zum Euro konnte der Aussie-Dollar ebenfalls überzeugen und verteuerte sich seit Ende Mai von 1,52276 AUD bis auf 1,4424 AUD. Dies ist bemerkenswerterweise auch auf die Veröffentlichung des Notenbankprotokolls vom Juli zurückzuführen. Darin wird von einem anziehenden Wachstum gesprochen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung im Mai 2018 erhöht.

In dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf australische Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie US-Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Die Hütchenspieler vom Stiefel

Obwohl bereits in der vergangenen Woche kurz erwähnt, erscheint die Schuldenpolitik der italienischen Regierung - nach einer Art konspirativen Sitzung in Rom - nochmals eine genauere Betrachtung wert. Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass im Anschluss an dieses Treffen weder von der EU-Kommission noch von der bundesdeutschen Regierung Kommentare abgegeben wurden. Ebenso wenig waren auf dem G20-Gipfel Misstöne zu vernehmen. Doch insbesondere vor dem Hintergrund leicht anziehender Refinanzierungskosten in der Eurozone stellen sich immer mehr Investoren und Politiker die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit der italienischen Staatsschulden.

Spätestens seit den ersten Hinweisen auf ein nahendes Ende der ultralockeren EZB-Geldpolitik ist man jenseits der Alpen bestrebt, eine Lösung des Schuldenproblems zu finden. Und hierbei scheint es keine Tabus zu geben. Die Möglichkeiten zur Reduzierung der drückenden Verbindlichkeiten Roms erstrecken sich von einem Schuldenschnitt über die Einführung einer Parallelwährung bis hin zum Austritt aus der Währungsunion. Die Überlegungen von Wirtschaftswissenschaftlern, Politikern, Schuldenexperten und Investoren zielen anscheinend insbesondere darauf ab, die Schmerzgrenzen Deutschlands auszuloten. Wird doch Deutschland bei jeder sich bietenden Gelegenheit als der große Profiteur der europäischen Finanzkrise genannt. Nicht nur durch die Ersparnisse bei der Haushaltsfinanzierung und die hohen Exportüberschüsse ist der Nutznießer der EZB-Geldpolitik ins Fadenkreuz der übrigen Euroländer geraten. Wie verrückt die Welt inzwischen geworden ist, zeigt sich daran, dass die ursprünglichen Verursacher der Krise nun sogar einen Teil der Ersparnisse Berlins für sich reklamieren, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass sich auch ihre Zinslast mit Hilfe der EZB und somit Deutschlands drastisch verringert hat. Nur haben die Politiker selbstzufrieden die erkaufte Zeit nicht für eine Haushaltssanierung genutzt.

Konnte man in den vergangenen Wochen den Eindruck gewinnen, dass nach den Frankreich-Wahlen in der Eurozone etwas Ruhe eingekehrt war, so dürfte sich in den kommenden Wochen die Lage in der drittgrößten Wirtschaftsnation der Eurozone, Italien, wieder zuspitzen. Denn eines sollte allen Beteiligten klar sein, Italien ist nicht Griechenland und somit zu groß, um nebenbei gerettet werden zu können. Dass Italien gemäß Weltbank-Index auf dem zweitletzten Platz in der Eurozone vor Griechenland gelistet wird und das Pro-Kopf-BIP so langsam wächst wie in kaum einem anderen Euroland, lässt allerdings nur wenig Hoffnung auf Besserung aufkeimen.

Doch die Zeit drängt, denn die politischen Risiken der anstehenden Wahl in Italien sollten nicht unterschätzt werden, zumal über die Hälfte der zur Wahl stehenden Parteien nicht gerade als europafreundlich einzustufen sind. Die Eurozone braucht aber eine stabile, europafreundliche Regierung in Rom, um die Herausforderungen in Europa bewerkstelligen zu können. Sich zum jetzigen Zeitpunkt von dem europäischen Gedanken zu verabschieden, wäre allerdings das falsche Zeichen gegenüber den Machtblöcken Russland und den USA. Somit darf man gespannt sein, was den Hütchenspielern vom Stiefel in den kommenden Wochen und Monaten noch einfallen wird, um eine möglichst weitgehende Vergemeinschaftung der europäischen Schulden zu erreichen.

In Italien wird sich das Schicksal der Eurozone entscheiden. Dessen sollte man sich bewusst sein!

Berg fauler Bankkredite soll abgetragen werden

Insbesondere seit der Finanzkrise 2008 haben Europas Banken einen Berg fauler Kredite angehäuft. Seitdem ist es insbesondere den Notenbanken und nur zu einem geringen Anteil den Politikern gelungen, einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Dennoch sind kleine Banken auf Altlasten in Höhe von rund einer Billion Euro sitzengeblieben. „Problemkredite“, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, lassen sich eben nicht über Nacht aus der Welt schaffen.

Das dürfte auch den EU-Finanzministern klar sein, welche die faulen Kredite so rasch wie möglich abbauen wollen. Ein entsprechender Aktionsplan sieht vor, unter anderem die Aufsicht zu stärken und die Regeln für die Gründung sogenannter Bad Banks zu vereinheitlichen. Wolfgang Schäuble hat ja schon Recht, wenn er sagt, man müsse es vorsichtig machen, aber man müsse es angehen. So drängt der deutsche Finanzminister darauf, die gute wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen, um potenzielle Risiken abzubauen.

Allerdings zeigt der Aktionsplan der EU-Finanzminister auch, welche Gratwanderung Brüssel hier eingeht. Denn wenn die Bankenaufsicht den Instituten künftig auferlegen kann, ihre Kapitalpuffer zur Risikovorsorge weiter zu erhöhen, sorgt dies wiederum für einen eingeengten Spielraum bei der Kreditvergabe. Salopp gesagt, beißt sich die Katze hier in den Schwanz.

Bliebe also noch das Instrumentarium einer Bad Bank, an die man die faulen Kredite auslagern könnte. Immerhin, aus Angst vor einer Vergemeinschaftung der Bankrisiken ist eine gesamteuropäische Bad Bank vom Tisch. Stattdessen verständigten sich die Minister auf EU-weite Regeln für nationale Verwertungsgesellschaften (AMC) - also Bad Banks auf Länderniveau, die Problemdarlehen zu Preisen ankauft, welche für die Institute vorteilhaft sind, so zumindest die Theorie. Um Missbrauch zu verhindern, wurden zugleich strikte Vorgaben für Staatshilfen geschaffen.

Ob die dann auch eingehalten werden, muss man erst mal abwarten. Denn insbesondere die Banken der Südländer haben teilweise ein solches Ausmaß an faulen Krediten in den Büchern, dass der Glaube an möglichst staatsferne Lösungen schwerfällt. So weisen griechische Banken Problemkredite von 46% des gesamten Darlehensbestands auf, Portugal fast 20% und Italien rund 15%. Der EU-Durchschnitt liegt bei 5,1%. Deutsche Banken kommen auf 2,5%.

Wird die HSH Nordbank kentern?

Im Schatten der Diskussion um faule Kredite bei Europas Banken hat auch ein deutsches Institut gehörig Schlagseite bekommen. Wackelige Schiffskredite über 10 Mrd. € haben die HSH Nordbank so ins Schlingern gebracht, dass nach dem Willen der EU-Kommission bis Februar 2018 ein Käufer gefunden werden muss.

Als Finanzinvestoren werden Apollo und Cerberus genannt. Aber auch die Beteiligungsgesellschaft Lone Star und der Investor J.C. Flowers, der einen Minderheitsanteil an der HSH hält, kommen in Frage. Aber die haben nur Interesse an den gesunden Teilen, die das profitable Kerngeschäft der HSH ausmachen. Von der internen Bad Bank, in der die faulen Schiffskredite eingebracht sind, wollen sie nichts wissen – es sei denn, die Eigner, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, legen noch etwas drauf. Das aber hieße, dass zusätzlich zu den Garantien, mit denen die Länder das Institut vor bestimmten Risiken abschirmen, ein weiterer Finanzbedarf von 3 bis 4 Mrd. € entstehen könnte.

Als wahrscheinlich gilt es, dass die bestehende Bad Bank (genannt „Abbaubank“) mit weiteren Bürgschaften der Länder ausgestattet und unter deren Dach abgewickelt wird. Als Vehikel stünde dafür die HSH Portfoliomanagement AöR der Länder bereit, die von der HSH bereits faule Schiffskredite übernommen hat. Dazu könnte sich auch Niedersachsen gesellen, deren Nord LB selbst unter faulen Schiffskrediten leidet.

Die Frage ist nun, ob eine separate Abwicklung der Abbaubank möglich sein wird, ohne ein weiteres Beihilfeverfahren der EU auszulösen. Brüssel hat die Unterstützung der Länder nur unter der Auflage genehmigt, dass die Bank privatisiert oder geschlossen wird. Sollte aber die komplette HSH abgewickelt werden, müssten die Länder mit weiteren Belastungen rechnen. Somit wären wohl auch private Anleger betroffen. Immerhin hat die HSH Investmentzertifikate über mehrere Milliarden € begeben, von denen das Gros von den Sparkassen an ihre Privatkunden verkauft wurde. Sollte die HSH also geschlossen werden, droht den Anlegern der Ausfall ihrer Forderungen. Denn laut EU-Bankenabwicklungs-Richtlinie müssen die Anleger für Verluste aus einer Bankenpleite haften. In einem solchen Fall würde sich zeigen, was den Sparkassen die „Institutssicherung“ wert ist, nach der sie füreinander haften.

Des Brexits langer Schatten

Der geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) wirft seinen langen Schatten voraus. So rechnet die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) aufgrund der mit dem Brexit verbundenen Unsicherheit mit einem deutlichen Dämpfer für die britische Wirtschaft. Für 2017 erwartet S&P nur noch ein Wachstum von 1,4% und 2018 gar von 0,9%. Im vergangenen Jahr war die britische Wirtschaft noch um 1,8% gewachsen. Die Schätzung sei aber eher noch optimistisch, heißt es in einer Mitteilung der Ratingagentur. S&P führt seine Prognose insbesondere auf das schwache Pfund und die dadurch gesunkene Kaufkraft einerseits sowie die zögerlichen Investitionen infolge der Brexit-Unsicherheiten andererseits zurück.

Inzwischen kam es bereits bei der ersten zentralen Frage der Brexit-Verhandlungen zum Zwist zwischen dem Europaparlament und der Regierung in London. Sollte Letztere das Angebot für Bleiberechte der 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien nicht nachbessern, werde man notfalls ein Veto gegen das geplante Austrittsabkommen einlegen, drohte Brüssel. Die Zukunft der 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien und der 1,2 Millionen Briten in der EU ist ein zentrales Thema für die zweite Verhandlungsrunde über den britischen EU-Austritt am kommenden Montag.

Premierministerin Theresa Mays Angebot vom Juni an alle EU-Bürger, sich um ein Bleiberecht bewerben zu können, reicht dem EU-Parlament nicht aus. Brüssel besitzt hier einen starken Hebel, weil das Parlament einem Abkommen mit Großbritannien letztlich zustimmen muss und damit eben auch blockieren könnte.

Zudem ist der Konjunkturoptimismus britischer Firmen im zweiten Quartal deutlich zurückgegangen. Die Ursachen sind in den Wahlen vom Juni zu suchen, bei denen Mays Torys ihre Mehrheit verloren haben. Hinzu kommt, dass inzwischen das Gros der britischen Unternehmen Nachteile durch den Austritt aus der EU befürchtet und daher einen sanften Brexit fordert.

Kein Zweifel, May weht der Wind kräftig ins Gesicht. Nicht umsonst reden manche Beobachter derzeit bereits von der „Woche der Wahrheit“ für die Premierministerin. Fast schon verzweifelt mutete es da an, als sie am Dienstag alle Parteien im britischen Unterhaus aufforderte, in puncto Brexit Ideen und Ansichten beizusteuern, um diese Herausforderungen bewältigen zu können. Das sei schließlich ein Markenzeichen der Demokratie, sagte May, die seit der von ihr selbst eingetüteten Neuwahl im Juni eine Minderheitsregierung anführt. Ihr jetziger Aufruf nach Zusammenarbeit mit den Oppositionsparteien klingt allerdings eher nach einem Hilferuf als nach einem Plan.

Macron und die Quadratur des Kreises

Emmanuel Macron versucht sich an der Quadratur des Kreises. So mutet es zumindest an, wenn man sieht, was der neue französische Präsident alles gleichzeitig anpackt. Die französische Regierung will nicht nur sparen, um erstmals seit einem Jahrzehnt die europäische Defizitgrenze einzuhalten. Nein, sie will außerdem auch noch Unternehmen und Bürger steuerlich entlasten.

Durch einen Nachlass bei den Steuern in Höhe von fast 11 Mrd. € will Paris einen Schub für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum auslösen. Erleichterungen soll es bei der Wohnungs-, der Vermögens- sowie der Unternehmenssteuer geben. Letztere soll schrittweise von 33,3% auf 25% gedrückt werden. Bis 2022 soll die Erleichterung bei der Steuerlast sogar auf 20 Mrd. € ansteigen.

Parallel dazu leitet die Regierung Einsparungen in Höhe von 4,5 Mrd. € ein, die dafür sorgen sollen, dass Frankreich endlich wieder die europäische Defizitgrenze von 3% einhalten kann. Wie das erreicht werden soll? Das Gros der Einsparungen sollen das Innen- und das Verteidigungsministerium tragen. Weder öffentliche Dienstleistungen noch Kommunen und Regionen sollen zur Finanzierung herangezogen werden. Vielmehr ist vorgesehen, dass etwa Ausschreibungen verbessert und der Fuhrpark effektiver gemanagt werden soll. Es sei einfach eine Frage der Strenge, hatte dazu Haushaltsminister Gerald Darmanin gesagt.

In Sachen Defizitgrenze wird man schon bald sehen, ob Macron hier reüssieren kann oder ob er sich doch an der Quadratur des Kreises versucht hat. Denn die gehört ja bekanntlich zu den unlösbaren Aufgaben der Geometrie.

Französische Reederei sammelt 650 Mio. € ein

Auch in dieser Berichtswoche hielten sich die meisten Unternehmen am Primärmarkt zurück und somit dünnte die Liste der Neuemissionen weiter aus. Mit der französischen Reederei CMA CGM und dem staatlichen Energieversorger Lietuvos energija aus Litauen wagten sich immerhin zwei nicht unbekannte Unternehmen an den Kapitalmarkt und sammelten insgesamt 950 Mio. € ein.

CMA CGM ist ein Schifffahrts- und Logistikunternehmen mit Sitz in Marseille und derzeit mit 400 Containerschiffen die drittgrößte Reederei der Welt. Den Investoren der 650 Mio. € schweren Anleihe (A19LKG) werden bei halbjährlicher Erstattung Zinsen i.H.v. 6,5% p.a. ausgezahlt. Der Bond ist am 15.07.2022 fällig und mit einer Make Whole Option sowie drei optionalen Kündigungsterminen und entsprechenden Rückzahlungskursen ausgestattet. Der erste ist am 15.07.2019 zu 103,25%, der zweite folgt ein Jahr später am 15.07.2020 zu 101,625% und der letzte ist ein Jahr vor Endfälligkeit am 15.07.2021 zu 100%. Das Papier wurde zu pari begeben, was einem Emissionsspread von +667 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichkam.

Der Energiekonzern Lietuvos energija sammelte ebenfalls erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt ein. So flossen 300 Mio. € in die Kassen des staatlichen Unternehmens mit Sitz in Vilnius. Der am 14.07.2027 endfällige Bond (A19LD4) ist mit einem jährlichen Zins von 2% ausgestattet und der Emissionspreis betrug 98,284%, was einem Spread von +120 bps über Mid Swap entsprach.

Sowohl CMA CGM als auch Lietuvos energija entschieden sich für eine Mindeststückelung von 100.000 € und daher dürften die Bonds eher für institutionelle Investoren interessant sein.

Gesund sieht anders aus!

Noch vor wenigen Wochen hatten nur wenige Marktteilnehmer damit gerechnet, dass die irgendwann zu erwartende Marktkorrektur schon so kurz bevorsteht. Doch unverhofft kommt oft und so gibt es an den Finanzmärkten weder eine Startaufstellung wie bei der Formel 1 noch die Regel, dass man erst losfahren darf, wenn die Ampeln ausgehen. An den Finanzmärkten gibt es nur „fliegende“ Starts und somit muss man jederzeit auf der Hut sein.

Natürlich ist es jetzt - nach einem Rückgang beim Rentenbarometer um fast 5 Punkte - ein Einfaches zu sagen: Das war’s dann wohl. Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Sicherlich wird der Weg nach oben steinig sein, aber auszuschließen ist in diesen Zeiten nichts mehr. Obwohl sich erst mit einem nachhaltigen Unterschreiten der 10-Jahres-Rendite bei 0,50% die dunklen Wolken wieder verziehen würden. Jedoch wäre hierzu ein Anstieg beim Euro-Bund-Future über die psychologische Marke bei 162% notwendig und dazu muss man schon viel Phantasie haben. Trotz der gestrigen Gegenbewegung lässt sich konstatieren, dass das Sorgenbarometer der Eurozone aktuell wirklich nicht besonders gesund aussieht.

Beim Blick auf den Chart ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 160,71% und eine weitere bei 160,46%. Somit ist vorerst zu erwarten, dass in den kommenden Tagen die Tradingrange zwischen 160,71% und 161,52% nicht „freiwillig“ verlassen wird. Die äußeren Einflüsse seitens der Notenbanker sind allerdings nicht vorhersehbar und daher ist jederzeit ein Test der Downside möglich. Aktuell notiert der September-Kontrakt bei 161,31%.

Bund bietet für 10 Jahre Nominalzins von 0,50%

In dieser Woche hat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland planmäßig eine neue 10-jährige Benchmark-Anleihe (110242) aufgelegt. Für die mit einem Emissionsvolumen von 5 Mrd. € geplante Anleihe wurden insgesamt Kaufaufträge für ca. 5,65 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,59%. Zur Marktpflege wurden 990,4 Mio. € zurückbehalten. Nachdem noch im Vorjahr die damals aktuelle Anleihe (110240 / 2026) mit einem Kupon von 0% ausgestattet wurde, war bereits bei der im Februar aufgelegten Gattung (110241 / 2027) der Kupon mit 0,25% fixiert. Dieser Trend setzte sich zwar auch bei diesem Tender fort, aber man sollte nicht den Fehler machen, diese Schritte für zukünftige Neuemissionen als gegeben einzuplanen.

Aber auch andere Euroländer haben sich in dieser Woche am Kapitalmarkt aktiv gezeigt. So stockten die Niederlande eine Anleihe (A1ZDY6 / 2047) und Portugal zwei Bonds (A19BUN / 2027 ; A1ZU1N / 2045) auf. Am heutigen Donnerstag werden Irland nochmals die Emissionsvolumina von zwei Anleihen (A1ZUS5 / 2022 ; A1ZVUJ / 2045) und Italien von vier Bonds mit Fälligkeiten in drei, sieben, 15 und 20 Jahren erhöhen.

In den USA haben Investoren heute noch die Chance, sich an der Refinanzierung des Haushaltes mit einer Laufzeit von 30 Jahren zu beteiligen. Zuvor wurden bereits die üblichen Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 112 Mrd. USD offeriert. Aber auch für T-Notes mit Fälligkeiten in 3 bzw. 10 Jahren wurden Käufer gesucht. Mit diesen Kapitalmarkttiteln wurden zusätzlich 56 Mrd. USD aufgenommen.

Euro weiter im Aufwind

Bei der europäischen Gemeinschaftswährung war in den vergangen Monaten eine klare Richtung zu erkennen und so konnte sie in den vergangenen Handelstagen ihre Dominanz, abgesehen von kleineren Rücksetzern, weiter ausbauen.

Zum wiederholten Male profitierte der Euro von negativen Nachrichten in Zusammenhang mit der US- Präsidentschaftswahl. Diese wollen auch nach über einem halben Jahr Trump-Präsidentschaft nicht enden. Zudem waren es Äußerungen von Fed-Vertretern zur künftigen Geldpolitik und gute EU-Konjunkturdaten, die sich ebenfalls belastend auf den Greenback auswirkten. Somit profitierte der Euro nicht nur von seiner eigenen Stärke, sondern auch von der Schwäche des US-Dollars. Dementsprechend war ein neues 14-Monats-Hoch mit 1,1489 USD die logische Konsequenz. Nach der gestrigen Anhörung der Fed-Chefin Yellen vor dem US-Kongress und der Veröffentlichung des Beige Book startet die Einheitswährung heute Morgen bei 1,1450 USD in den Handel.

Neben dem schwachen US-Dollar hat es auch das britische Pfund sehr schwer, positiv zu überzeugen. So handelte EUR-GBP bei einem Wechselkurs von 0,89489 GBP, so hoch wie zuletzt im November 2016.

Innerhalb der vergangenen Handelswoche standen insbesondere Währungsanleihen auf US-Dollar sowie russische Rubel im Fokus der Privatanleger. Darüber hinaus waren Bonds lautend auf norwegische Kronen, südafrikanische Rand und türkische Lira mehrheitlich nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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85716 Unterschleißheim

Deutschland

www.baaderbank.de

Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Am kommenden Montag sind wir schlauer

Die aktuelle Handelswoche ist erneut von den Entscheidungen der Notenbanken geprägt. So haben am gestrigen Mittwoch die Fed-Minutes die bisher angenommenen Thesen untermauert, dass die US-Notenbank schon im Herbst mit dem Bilanzabbau beginnen wird. Bei den noch zu erwartenden Zinsanhebungen scheint sich allerdings unterschwellig eine abwartende Haltung bei verschiedenen Ratsmitgliedern zu etablieren. Denn zuerst sollen die bisherigen Anhebungen - möglicherweise in Kombination mit einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr - zur Entfaltung kommen, bevor man im neuen Jahr weitere Maßnahmen beschließen wird.

Das am heutigen Donnerstag zu veröffentlichende Protokoll der EZB-Sitzung vom 8. Juni wird solche Themen nicht beinhalten. Darin werden Analysten eher nach Hinweisen auf eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik suchen, was bereits der überraschende Tenor der Rede Draghis im portugiesischen Sintra war.

Doch erst mit der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten am morgigen Freitag wird sich zumindest für die USA abzeichnen, ob die konjunkturelle Erholung nur eine vorübergehende Erscheinung war oder auch in den kommenden Monaten mit einer nachhaltigen Belebung des US-Arbeitsmarktes zu rechnen ist. In diesem Zusammenhang wird auch der G20-Gipfel in Hamburg Aufschluss darüber geben, ob die Weltgemeinschaft zukünftig wieder gemeinsam Lösungen erarbeiten möchte oder sich Egozentriker weiter ihre spezielle Welt schaffen.

Somit darf man also gespannt sein, wie die Kapitalmärkte auf diese Vielzahl an Ereignissen reagieren werden und ob die Rendite der 10-jährigen deutschen Benchmark-Anleihe am Montagmorgen über oder unter der magischen Marke von 0,50% in den Handel starten wird.

Wer A sagt, muss auch B wie Bail-in sagen

Jens Weidmann hat sich bei so manchen Südländern, insbesondere Italien, wieder mal unbeliebt gemacht. So bemängelte der Bundesbank-Präsident in dieser Woche die mangelhafte Einhaltung europäischer Regeln bei der Abwicklung von Banken. In solchen Vorfällen drücke sich der Unwillen vieler Europäer aus, sich von der EU reinreden zu lassen, meinte er in einer Rede in Stuttgart anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundesbank. Das wiederum mache eine „mutige” Vertiefung der Währungsunion unmöglich.

Deutlich wird dies nach Einschätzung von Weidmann nicht nur am Umgang mit den Haushaltsregeln, sondern auch an der Einhaltung der neuen Abwicklungsprinzipien für Banken. Dabei spielte er mit seinem Hinweis „insbesondere in Ländern, die ein Mehr an Gemeinschaftshaftung fordern, sollte man sich dies verdeutlichen“ auf die Regierung in Rom und auf die Erlaubnis der EU-Kommission an, bei der Abwicklung zweier kleinerer italienischer Sparkassen Steuergelder in zweistelliger Milliardenhöhe einzusetzen. Darüber hinaus hat Brüssel vorläufig einer Rettung der weitaus größeren Monte dei Paschi zugestimmt.

Damit hat die EU zwar den Umstand berücksichtigt, dass eine striktere Einhaltung der Regeln, etwa durch ein Bail-in vorrangiger Anleihen, die Stabilität des italienischen Bankensektors gefährdet hätte. Auf der anderen Seite gehört es allerdings zu den Standardvorschlägen von Ländern wie Italien, die Währungsunion durch die Schaffung einer gemeinsamen Einlagensicherung, einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung und die Ernennung eines europäischen Finanzministers zu vertiefen. Anders ausgedrückt: Es soll zu einer stärkeren Risikoteilung kommen. Aber auch hierbei gilt: Wer A sagt, muss auch B wie Bail-in sagen.

Dies kann jedoch nicht erfolgen, wenn gemeinsam beschlossene Regeln nicht eingehalten werden. So kann „kein hinreichendes Vertrauen” entstehen, führte Weidmann weiter aus. So lange keine Bereitschaft bestehe, Souveränitätsrechte auf die europäische Ebene zu übertragen, bleibe nur der Weg, die nationale Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten zu stärken, schlussfolgert der Bundesbank-Präsident ganz in unserem Sinne.

In diesem Zusammenhang lässt auch noch ein weiterer Umstand aufhorchen. Zum Wochenstart haben sich in Rom Wirtschaftswissenschaftler, Investoren, Schuldenexperten und Politiker getroffen, um darüber zu debattieren, wie man ohne zu sparen die Schuldenlast nachhaltig reduzieren kann. Die dabei angedachten Lösungen würden allerdings die Eurozone in Schutt und Asche legen. Solche Gedankenspiele verdeutlichen, dass trotz Macron Europa noch lange nicht gesundet ist.

Plazet aus Brüssel für Bankenrettung durch Rom

Die EU-Kommission hat dem italienischen Rettungsplan für die Traditionsbank Monte dei Paschi (MPS) ihr Plazet erteilt. Damit darf der italienische Staat dem Institut vorsorglich mit 5,4 Mrd. € unter die Arme greifen. Bis zum ersten Halbjahr 2018 könne es der Bank gelingen, die notleidenden Kredite fast vollständig auszugliedern, sagte Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan.

Eine bereits im Juni getroffene Grundsatzeinigung zwischen Rom und Brüssel unterlag noch zwei Bedingungen, die erst jetzt erfüllt sind. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) inzwischen bestätigt, dass die MPS solvent ist. Außerdem hat Italien nun die Zusage privater Investoren zum Ankauf notleidender Kredite der Bank erhalten. Die faulen Kredite gelten als das Hauptproblem des bereits 1472 gegründeten Traditionshauses und diese sollen nun zu Marktbedingungen an eine privat finanzierte Zweckgesellschaft abgetreten werden.

Die Kapitalspritze war nach EU-Recht nur deshalb erlaubt, weil die Bank als grundsätzlich überlebensfähig gilt und die Rekapitalisierung als Vorsorgemaßnahme von der EZB eingestuft wurde. Voraussetzung dafür war, dass Gläubiger und Anteilseigner 4,3 Mrd. € beisteuern und somit nur beschränkt Steuergelder eingesetzt werden müssen. Damit stellt sich dieser Fall anders dar als bei den Ende Juni von Rom geretteten Krisenbanken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza, für welche die Regierung ein Notfallpaket über 17 Mrd. € schnürte. Diese Institute hatte die EZB als nicht überlebensfähig eingestuft.

Allerdings ist die Entscheidung der EU-Kommission nicht unumstritten. Die EU-Kommission breche unverhohlen die Regeln der Bankenunion, die von den EU-Staaten und dem Europaparlament beschlossen wurden, sagen Kritiker. „Die Glaubwürdigkeit der Bankenunion ist schwer beschädigt“, sagte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Sven Giegold. Schließlich wird dabei - entgegen ursprünglicher Beteuerungen - das Geld der Steuerzahler benutzt. Daher sehen die EU-Regeln eigentlich vor, dass im Falle einer Bankenpleite zunächst Aktionäre und Kreditgeber haften müssen. Da in Italien aber zahlreiche Privatanleger den Instituten Geld über Anleihen geliehen haben, neigt die Regierung in Rom eher dazu, den Privatpersonen einen solchen Aderlass zu ersparen.

Die europäischen Banken haben Problemdarlehen in Höhe von rund 900 Mrd. € in ihren Büchern. Um dieser Last besser Herr zu werden, hat sich nun EZB-Direktor Yves Mersch offen für ein EU-weites Register für faule Bankkredite gezeigt. Eine solche Art von Berichtssystem zusammen mit Transparenz-Standards stellt seines Erachtens eine Möglichkeit dar, das Problem der vielen notleidenden Darlehen zu bekämpfen, sagte Mersch. Aber man müsse darauf achten, die kreditgebenden Banken „nicht über Gebühr zu stigmatisieren und die Vertraulichkeit angemessen zu respektieren“.

Mehr Transparenz und Standardisierung bei ausfallgefährdeten Krediten könnten nach dieser Überlegung helfen, einen Markt für solche Risiko-Darlehen zu schaffen. Die EU bemüht sich schon seit langem um eine Lösung dieses Problems. Denn die faulen Kredite drücken nicht nur auf die Gewinne der Banken, sondern bremsen auch das Wachstum in der EU.

Man darf gespannt sein, wie Italien bei der nächsten Bankenpleite reagieren wird. Denn die könnte bereits vor der Tür stehen. So muss die Banca Carige in Genua mit einer Kapitallücke von 600 Mio. € auf Geheiß der EZB frisches Geld aufnehmen und die faulen Kredite in den Büchern reduzieren.

Haftungsgemeinschaft durch die Hintertür?

Der Umstand, dass die Zukunft der EU und damit auch die Interessen der Bundesrepublik stark mit der künftigen Performance von Emmanuel Macron verbunden sind, hat sowohl in Brüssel als auch in Berlin zu kreativen Überlegungen bei der Schuldenfinanzierung geführt.

Als einen neuen Ansatz betrachtet man dabei in Brüssel die sogenannten European Safe Bonds, also Anleihen, welche die Euro-Zone stabilisieren und fatale Ansteckungsgefahren von Staats- und Bankpleiten mindern sollen. Dabei würde eine Schuldenagentur vorher Bonds der 19 Euro-Staaten kaufen, sie ähnlich wie bei US-Hypothekenverbriefungen zu European Safe Bonds bündeln und an Großanleger weiterverkaufen. Zu diesem Zwecke würde die paneuropäische Schuldenagentur zwei Tranchen im Verhältnis 70 zu 30 ausgeben: eine sichere und eine risikobehaftete, die sogenannte Junior-Tranche. Letztere wäre nachrangig und würde für erste Ausfälle herangezogen werden, um damit die erste Tranche der European Safe Bonds abzusichern.

Interessant ist, dass im Gegensatz zu der Idee der Eurobonds explizit keine gemeinsame Haftung der Euro-Staaten vorgesehen ist. Dennoch gilt die Schaffung eines sicheren gemeinsamen Wertpapiers als Ziel. Nur die erste, risikolose Tranche der European Safe Bonds würde dann als sicheres Papier gelten, weshalb die Banken dafür kein Risikokapital als Sicherheit zurücklegen müssten. Derzeit gilt diese Regelung für alle Staatsanleihen der Eurozone. Dieses Privileg soll entfallen, jedoch ist fraglich, ob eine solche Maßnahme gegen die Stimmen der Südländer durchzusetzen wäre.

Wie die „Welt“ schreibt, bezweifelt man beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) außerdem, dass es im Krisenfall genügend Nachfrage nach nachrangigen Titeln geben würde. Bei einem solchen Praxistest dürften sich der staatliche Rettungsfonds ESM oder die EZB gezwungen sehen, einzugreifen, mutmaßt man beim IW. Solche Interventionen aber könnten dazu führen, dass der Disziplinierungseffekt, der von einem Risikoaufschlag für weniger solide Staaten ausgeht, wegfallen könnte. Daher müssten laut IW Länder wie Deutschland befürchten, am Ende doch für die Schulden anderer Länder mithaften zu müssen. Die European Safe Bonds, die mancher auch Eurobonds light nennt, würden dann die Einführung einer Haftungsgemeinschaft durch die Hintertür darstellen.

Dazu trägt auch die Sorge bei, dass die European Safe Bonds kein Spitzenrating AAA erhalten könnten, wie es Bundesanleihen derzeit haben. So hat Standard & Poor’s bereits signalisiert, dass die erstrangige Tranche der neuen Finanzierungskonstrukte lediglich ein BBB- Rating erhalten würde.

Auf dem Papier bieten European Safe Bonds durchaus einige Vorteile, es kommt aber darauf an, dass das Konstrukt der neuen Anleihen in Krisensituationen nicht ausgehöhlt wird. Denn die European Safe Bonds können nur dann reüssieren, wenn sie nach den klaren Regeln, die man ihnen gibt, auch umgesetzt werden.

Märkte, hört die Signale!

Wenn man die Signale aus dem Hause der Europäischen Zentralbank (EZB) richtig deutet, steht die Zinswende unmittelbar bevor – zumindest der vorsichtige Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik. Mario Draghi hatte vergangene Woche geradezu überbordend optimistisch gesagt, alle Zeichen deuten auf eine Verfestigung und Verbreiterung der konjunkturellen Erholung in Euroland hin. Weiter gab er sich zuversichtlich, dass die europäische Notenbank demnächst wieder mit einer Inflation von zwei Prozent konfrontiert werde. Diese Botschaft war so deutlich, dass die Kapitalmärkte regelrecht erschreckt wurden. Sowohl der Kurs des Euros als auch die Kapitalmarktzinsen stiegen in Folge kräftig an.

In der Zwischenzeit legten weitere Vertreter der EZB nach – etwas vorsichtiger zwar, aber wie der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, sagte, sei die Mission der Zentralbank noch nicht erfüllt. Die EZB brauche Ausdauer und Geduld in ihrer aktuellen Geldpolitik, so Praet. Die Inflation werde in Richtung des Zielwerts der EZB steigen, allerdings nur schrittweise. Der unterliegende Preisauftrieb, der sich in der Kerninflation ausdrückt, sei nach wie vor gedämpft. Damit bestätigte Praet Äußerungen von Draghi, die vergangene Woche Spekulationen auf eine absehbar straffere Geldpolitik ausgelöst hatten. Indessen kündigte EZB-Direktor Yves Mersch an, dass die EZB „in nicht allzu ferner Zukunft“ die spezielle Rolle der so genannten ABS-Papiere für die Zeit nach 2017 überprüfen will. Diese Titel sind wichtiger Teil des laufenden Anleihekaufprogramms der Notenbank, das noch bis Ende dieses Jahres Bestand hat.

Man darf nun davon ausgehen, dass die EZB nach der Sommersaison im September oder spätestens im Oktober entscheiden wird, wie es mit den Wertpapierkäufen nach dem Jahresende weitergeht.

Hapag-Lloyd mit 450 Mio. € Emission

Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd trotzt der Branchenkrise und bringt eine neue Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 450 Mio. € an den Markt. Der Containerriese steuert mit seiner Aktie ebenfalls Richtung MDax. Die fünftgrößte Reederei der Welt mit Firmensitz in Hamburg und 230 Schiffen generiert fast 11 Mrd. € Umsatz. Aufgrund des geringen Streubesitzes von gerade mal 15,6% handelt die Aktie allerdings nur im SDax. Das soll sich nun ändern. Vorstandschef Rolf Habben sagte zur von der HV abgesegneten Kapitalerhöhung von umgerechnet 400 Mio. US-Dollar, dass möglichst viele Papiere über den Markt verkauft werden sollen. Zusätzlich ist im Gespräch, dass der Großaktionär TUI sein Paket über die Börse verkauft, was den Streubesitz um zusätzliche 7,9% erhöhen würde.

Auch die aktuelle Katar-Krise betrifft den Konzern wohl kaum. Seit der Fusion mit der arabischen United Arab Shipping (UASC) halten die Emirate Katar und Saudi-Arabien zusammen ca. 24% der Anteile an Hapag-Lloyd, aber die Stadt Hamburg bleibt mit 52% Mehrheitseigentümer.

Aufgrund der Nachfrage bei der Bond Emission (A2GSC1) konnte das ursprünglich geplante Volumen von 300 Mio. € auf 450 Mio. € erhöht werden. Die Anleihe ist am 15.07.2024 endfällig und zahlt den Investoren einen Zins in Höhe von 5,125%, welcher halbjährlich zur Auszahlung kommt. Die Anleihe wurde zu pari begeben, was einem Emissionsspread von +505 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichkam. Ausgestattet ist der Bond mit drei optionalen Kündigungsterminen. Der erste ist am 15.07.2020 zu 102,563%, der zweite folgt ein Jahr später am 15.07.2021 zu 101,281% und der letzte ist ein Jahr vor Endfälligkeit am 15.07.2022 zu 100%. Durch die gewählte Mindeststückelung von 100.000 € spricht Hapag-Lloyd eher institutionelle Investoren an.

Am gestrigen Mittwoch wagte sich ebenfalls die Annington Funding an den Kapitalmarkt und platzierte erfolgreich 4 Anleihen in britischen Pfund und eine Euro-Anleihe. Dabei ist der 600 Mio. € schwere Bond (XS1645519031) am 12.07.2024 fällig und ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,65% ausgestattet. Der Reoffer lag bei 100%, was einem Spread von +110 bps über Mid Swap entsprach. Die Mindeststückelung wurde ebenfalls auf 100.000 € festgelegt und Annington ließ sich sowohl eine Make Whole Option als auch einen festen Kündigungstermin am 12.06.2024 zu pari in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Was ist der Unterschied zum Bungee-Springen?

Beim Blick auf den Chart vom vergangenen Donnerstag kamen sich die Rentenhändler vor wie beim Bungee-Springen. Doch im Unterschied dazu, geht es nach dem Erreichen des Tiefpunktes dort wieder – zumindest – für kurze Zeit nach oben und was noch viel wichtiger ist: Man kann auch nicht mehr so tief fallen wie im ersten Abwärts-Move. Das kann man beim Euro-Bund-Future allerdings so nicht behaupten.

Zwar hat bisher das Low bei 161,52% gehalten und es kam auch zu einer technischen Gegenreaktion über die 162%-Marke. Aber angesichts der Tatsache, dass man innerhalb weniger Tage von 165,44% um fast vier volle Punkte in die Tiefe stürzte, lässt viele Investoren ihre Anlagestrategie überdenken. Doch wer denkt, dass sich mit dieser Bewegung die Materialknappheit verflüchtigen wird, der hat weit gefehlt. Die Marktreaktion ist lediglich dem Einsatz von Absicherungsinstrumenten zu verdanken. Im Hinblick auf die zu erwartenden Daten von den Notenbanken, der Wirtschaft und der Weltpolitik ist vorerst mit einer Seitwärtsbewegung zwischen der Unterstützungslinie bei ca. 161,52% und dem ersten rechnerischen Widerstand bei ca. 162,83% (33% Gegenreaktion der Abwärtsbewegung) zu rechnen.

Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 161,60% und die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe beläuft sich dabei auf 0,48%. Sollte der Negativtrend anhalten, so ist ein Test der zuletzt im Dezember 2015 zu erzielenden Rendite von 0,67% zu erwarten. Dies würde ohne gravierende Basisverschiebung einem Future von ca. 160% entsprechen.

Der Bund und seine Regeln

Obwohl in dieser Woche die US-Amerikaner zum 242. Mal ihre Unabhängigkeit gefeiert haben, war die Kassenlage nicht so angespannt und es wurden lediglich Geldmarktpapiere für nominal 112 Mrd. USD offeriert. Somit konnten interessierte Investoren nur zwischen Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten wählen. Erst in der kommenden Woche werden zusätzlich Bonds mit Fälligkeiten in drei, zehn und 30 Jahren emittiert.

In der Eurozone waren neben dem frisch gebackenen Confed-Cup-Sieger Deutschland noch Österreich, Spanien und Frankreich am Kapitalmarkt aktiv. Die Alpenrepublik stockte hierbei am Dienstag zwei Altemissionen (A19GCS / 2027 ; A18X6Q / 2047) auf. Am heutigen Donnerstag werden Spanien mit vier Gattungen (A19B40 / 2022 ; A1ZZBE / 2030 ; A0NXYY / 2040 ; A18YZ6 / 2046) und Frankreich mit drei Bonds (A19FUW / 2027 ; A1G87J / 2027 ; A19HR9 / 2048) dem Beispiel folgen.

In Deutschland wurde zuerst am Dienstag das Emissionsvolumen der inflationsindexierten Anleihe (103055 / 2030) um 500 Mio. € auf nunmehr 9 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,45%. Am Mittwoch wurde die Woche aus Sicht der Deutschen Finanzagentur mit der Neubegebung der 5-jährigen Bundesobligation Serie 176 (114176) abgeschlossen. Dass hierbei zum wiederholten Male gegen die selbst auferlegten Regeln bei Neuemissionen verstoßen wurde, scheint an den Kapitalmärkten keine besondere Rolle mehr zu spielen. In diesem Fall erfüllt die erste Tranche im Volumen von 4 Mrd. € nicht die Voraussetzung der Future-Belieferung, da hierfür ein Emissionsvolumen von mindestens 5 Mrd. € nötig wäre. Aber durch die Aufstockung am 9. August um weitere 4 Mrd. € wird dieser Malus noch vor der theoretischen Belieferung beseitigt. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,14% und es lagen insgesamt Kaufaufträge für 4,518 Mrd. € vor.

Euro profitiert von schwindender Trump-Euphorie

Das erste Halbjahr stand ganz im Zeichen des Euros. Dieser kannte nur eine Richtung und zwar gen Norden. Noch am Anfang des Jahres handelte die europäische Gemeinschaftswährung um die Marke von 1,04 USD und markierte am 03.01.2017 ihr Jahrestief bei 1,0341 USD. Anschließend konnte sie sich immer weiter erholen und verzeichnete am 29.06.2017 nicht nur ihr bisheriges Jahreshoch bei 1,1445 USD sondern auch den höchsten Stand seit Mai 2016.

Die Gründe für diese Entwicklung können sehr einfach auf den Punkt gebracht werden. Zum einen ist die „Trump-Euphorie“ wie vom Winde verweht und zum anderen legte sich die Angst vor dem Zerfall der Gemeinschaftswährung. Deshalb konnte der Euro knapp 5% nach dem ersten Wahlgang in Frankreich zulegen, obwohl die Umsetzung der Ziele kein Spaziergang werden dürfte. Aber sie erscheinen allemal realistischer als die des US-Präsidenten Donald Trump. Ein weiterer Grund für den Anstieg des Euros dürfte eine mögliche Zinswende bei der EZB sowie der Ausstieg aus dem Quantitative Easing Programm (QE) sein. Sollte dies bis Mitte 2018 nicht erfolgen, könnte es einen Dämpfer für den Euro geben. Allerdings sprechen die Konjunkturdaten der Eurozone, die aktuell besser sind als die in den USA, ebenfalls für einen weiteren Anstieg. Daher rücken die beiden Hochpunkte der letzten beiden Jahre bei 1,1614 USD und 1,1711 USD in den Fokus. Aktuell handelt die Gemeinschaftswährung um die Marke von 1,1345 USD.

Auch in dieser Woche wurden wieder verstärkt Anleihen auf US-Dollar von den Privatanlegern nachgefragt. Ebenso beliebt waren Bonds lautend auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

EZB testet die Märkte

Hoppla, was war das denn? Kaum hatte EZB-Präsident Mario Draghi verlautbart, dass der Konjunkturaufschwung im Euro-Währungsraum aus seiner Sicht an Schub gewinne, kam es zu heftigen Ausschlägen an den Kapitalmärkten. Sofort machten Spekulationen um eine straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Runde. Während der Euro sich um einen US-Cent verteuerte, büßten die Aktienbarometer Dax und EuroStoxx50 spürbar an Wert ein. Doch nicht nur das, auch der Rentenmarkt reagierte heftig. So ging der wegweisende Bund Future am Dienstag von 165,33% auf 163,13% um satte zwei Prozentpunkte in die Knie.

Die Reaktionen der Märkte machen deutlich, wie sensibel die Marktakteure den Worten lauschen, die aus dem Hause der EZB dringen. Bei einer Notenbank-Konferenz hatte Draghi gesagt, alle Zeichen deuteten auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin. Faktoren, welche die Inflation drückten, seien vor allem temporär. Am Markt wurde dies vielfach als ein klares Indiz für eine gewachsene Bereitschaft der EZB zur Straffung der Geldpolitik gedeutet. Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt so recht der Glaube daran und die Dementis folgten bereits am gestrigen Mittwoch. Denn kurz vor der nächsten Zinsentscheidung will sich Draghi immer noch nicht auf eine mögliche Leitzinserhöhung festlegen. So sei starke geldpolitische Hilfe trotz abnehmender Konjunkturrisiken noch immer nötig, sagte er.

Man kann vielmehr die ermutigenden Konjunkturaussagen von Draghi als Testballon deuten, der einmal losgelassen wurde, um zu sehen, wie die Märkte denn auf Andeutungen reagieren, die auf eine Kehrtwende in der Gelpolitik hinweisen. So gesehen hat die EZB ein Testergebnis erhalten: Die Märkte sind extrem sensibel, was die Erwartung einer Änderung der Zinspolitik angeht. Der Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik, sollte er überhaupt absehbar bevorstehen, wird also kein leichter sein. Und so hat die EZB auch rasch versichert, dass die positiven Konjunkturdaten noch keinen Grund darstellen, ihre lockere Geldpolitik zurückzufahren. EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio hält daher „vorschnelle” Reaktionen für falsch. Dass die geldpolitische Wende aber dringend erforderlich sei, darauf hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit einem ungewöhnlich deutlichen Warnsignal hingewiesen.

Warnsignal der Bank der Zentralbanken

Mit einem deutlichen Warnsignal hat sich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu Wort gemeldet. So sagte der BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana auf der Generalversammlung der in Basel ansässigen Zentralbank der Zentralbanken, er sehe die Zeit für Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gekommen, um damit besser für den nächsten Schock oder Abschwung gewappnet zu sein.

Die BIZ hält damit ihre Kritik an der extrem expansiven Geldpolitik der Zentralbanken aufrecht. Allerdings erkennt sie auch die Gründe für deren vorsichtiges Handeln an. Weiterhin ist das Basler Institut der Überzeugung, dass der Geldpolitik viel zu lange zu viel aufgebürdet wurde. In dem derzeit günstigen Konjunkturumfeld legt die BIZ den Notenbanken nahe, die geldpolitische Normalisierung einzuleiten. Der Grund ist klar: Damit könnte der geldpolitische Handlungsspielraum ausgedehnt werden, sollte es wieder zu einer Rezession kommen. Schließlich sind die Leitzinsen so niedrig, dass eine weitere Senkung nur mehr eine stumpfe Waffe bei der Stimulierung der Konjunktur wäre.

Italien probt erneut den Sündenfall

Polemisch gesprochen hat man in der Europäischen Union bisweilen den Eindruck, dass es keine Regel gibt, die nicht gebrochen werden kann. Bei Betrachtung der gerade erst erfolgten Rettung zweier italienischer Krisenbanken durch den Steuerzahler kommt wieder mal ein solcher Gedanke auf.

So hat die Regierung in Rom für die Stützung der notleidenden Institute Banca Popolare di Vicenza und die Banca Veneto 5,2 Mrd. € zur Verfügung gestellt - ein Betrag, der noch auf bis zu 17 Mrd. € steigen kann. Wohlgemerkt: Die EZB, welche die beiden Institute für nicht überlebensfähig hält, hatte zuvor die Rettung der Banken verwehrt.

Mit der Aktion sollen der Bankenbetrieb aufrechterhalten und die Sparer geschützt werden. Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte zwar, die beschlossenen Maßnahmen stünden im Einklang mit den EU-Regeln zu Regierungshilfen für Banken. Die EU aber hatte auf eine Abwicklung nach italienischem Insolvenzrecht gepocht - vergeblich, wie sich herausstellte.

Nach den Vorstellungen in Rom soll der gesunde Teil der beiden Regionalbanken an die Intesa Sanpaolo verkauft werden. Der schlechte Teil soll ausgelagert werden. Diesen Plan müssen noch das Parlament sowie die Bankenaufseher von EU und EZB absegnen.

Eigentlich verbieten die europäischen Regeln staatliche Rettungsaktionen für Banken. Nur weil die ebenfalls angeschlagene Monte dei Paschi di Siena langfristig als profitabel gilt, durfte Rom in Einklang mit der EU der Traditionsbank vor einigen Wochen mit einer milliardenschweren Kapitalspritze helfen. 2016 hatte man versucht über den Rettungsfonds „Atlante” mit 3,5 Mrd. € an Steuergeldern die Veneto Banca und die Banca Popolare di Vicenza zu retten - wie sich inzwischen herausstellt, offenbar erfolglos. Italien, zu dessen Grundproblemen ein maroder Bankensektor gehört, probt also nicht zum ersten Mal den Sündenfall.

Kein Wunder also, dass die aktuelle Banken-Rettung in Italien für die deutschen Sparkassen ein Beleg ist, warum eine europäische Einlagensicherung abgelehnt werden müsse. Nach dem Fall Monte dei Paschi zeige auch der Umgang mit den beiden Volksbanken in Norditalien, dass Haftung und Risiko weiterhin auf nationaler Ebene bleiben müssen, hieß es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Daher würde man völlig falsche Strukturen aufbauen, wenn zusätzlich über eine weitere europaweite Vergemeinschaftung von Bankrisiken etwa im Rahmen einer zentralisierten Einlagensicherung nachgedacht wird. Dies bedeutet nicht, dass man nicht die europäische Idee weiter unterstützt. Wenn aber beim Abwicklungsprozedere von Krisenbanken die Allgemeingültigkeit von Regeln an ihre Grenzen stößt, kann auch die Vergemeinschaftung der Bankrisiken nicht über ganz Europa ausgedehnt werden. Dies nüchtern zu betrachten, wäre im Sinne einer Stärkung der europäischen Idee.

Bei EZB schlummert ein hohes Verlustpotenzial

Wer Ramschpapier als Sicherheiten akzeptiert, dem drohen hohe Verluste. So einfach wie einleuchtend ist die Quintessenz von Kjell Nyborg, Ökonom aus Norwegen, der die Wertigkeit der Anleihen analysiert hat, welche die Europäische Zentralbank (EZB) als Sicherheiten für Geldleihegeschäfte akzeptiert.

Mit Zentralbankgeld schöpft die EZB Werte aus dem Nichts, um es Banken zu leihen, die damit Mindestreserven für die Einlagen ihrer Kunden bilden, Bargeldwünsche befriedigen und untereinander Zahlungen abwickeln. Gerät eine solche Bank ins Wanken, kann sich die EZB ja an den hinterlegten Sicherheiten schadlos halten. Das funktioniert aber nur, wenn diese Sicherheiten auch wertstabil sind und die Zentralbank sie nicht zu hoch beliehen hat. Funktioniert dieser Mechanismus nicht, entstehen dem Geldverleiher Verluste. So einfach ist das. Bei der EZB werden diese auf die nationalen Zentralbanken des Euro-Systems verteilt, entsprechend der Anteile der einzelnen nationalen Zentralbanken am voll eingezahlten Kapital der EZB. Davon entfällt auf die Bundesbank aktuell ein Anteil von 25,6%.

„Je schlechter die Sicherheiten und je geringer der Bewertungsabschlag, desto schwächer ist die auf ihnen basierende Währung“, sagt Nyborg, der darauf hinweist, dass sich unter den zugelassenen Sicherheiten auch Anleihen der Banco Popular befinden, die jüngst abgewickelt worden ist. Oder Papiere der italienischen Krisenbanken Banca Popolare di Vicenza, Veneto Banca und Banca Monte dei Paschi di Siena, welche die EZB als Sicherheiten weiterhin akzeptiert.

Und auf eine weitere Sicherheitslücke weist Nyborg hin: Die Mehrheit der zugelassenen Anleihen wird gar nicht mehr gehandelt. Es gibt also keinen Marktpreis für sie und damit keinen objektiven Wert. Daher verlassen sich die Notenbanker auf ihre hauseigenen Schätzungen. Zweifel meldet Nyborg auch an den Wertabschlägen an, welche die EZB für Staatsanleihen vornimmt. So setzte sie in der Euro-Krise für italienische und spanische Staatsanleihen die gleichen Bewertungsabschläge an wie für deutsche Staatsanleihen, obwohl das Ausfallrisiko für erstgenannte Anleihen schon damals deutlich höher war als für Bundespapiere. Hinzu kommt das Anleihekaufprogramm, in dessen Rahmen die EZB seit 2015 Titel im Wert von fast zwei Billionen € gekauft hat und ihre Bilanzsumme auf 4,2 Billionen € hat anschwellen lassen. Ebenso wie das Geldleihegeschäft erhöhen auch die Anleihekäufe der EZB die Risiken der Notenbank. Anfallende Verluste würden den nationalen Notenbanken zufallen - entsprechend ihres Anteils am EZB-Kapital. Für die Bundesbank wäre dies ein maximales Verlustpotenzial von sagenhaften 196 Mrd. € - ein Risiko, das ohne Zustimmung des Bundestags getragen wird und auf das uns erst mal wieder ein Norweger aufmerksam machen muss, der ja gar nicht in Euro bezahlt.

Schulden für die Ewigkeit

Ausgerechnet der ewige Pleitestaat Argentinien, der in den vergangenen 200 Jahren achtmal insolvent war, leiht sich nun Geld, das erst in 100 Jahren zur Rückzahlung ansteht. Doch trotz seiner schlechten Reputation konnte der Schuldner spielend eine Anleihe im Volumen von 2,75 Mrd. USD am Kapitalmarkt platzieren (A19J68). Für das Papier, das am 28. Juni 2117 fällig wird, lagen Kaufaufträge über 9,75 Mrd. USD vor.

Nicht nur Argentinien ist der Verlockung erlegen, sich die aktuell niedrigen Zinsen für Jahrzehnte zu sichern. Auch Frankreich brachte bereits 2005 einen Ultra-Langläufer mit 50 Jahren Laufzeit heraus, um im Mai 2017 ihre bis 2066 laufende Anleihe um eine Milliarde Euro aufzustocken.

Im Oktober 2016 war es Österreich, welches einen Bond über 2 Mrd. € am Kapitalmarkt platzierte, der erst 70 Jahre später zurückgezahlt wird. Ein weiteres Beispiel ist Italien, das ebenfalls im Oktober 2016 eine 50-jährige Anleihe herausgab. Bereits 2013 hatte Italien einen Bond mit gleicher Laufzeit gebracht. Erfahrungen mit 50 Jahre Laufzeit hat auch Belgien. Während Irland; Mexiko und der brasilianische Ölkonzern Petrobras 100-jährige Anleihen platziert haben.

Klar ist in allen Fällen, dass man bei der Verantwortung für die Rückzahlung der Schulden gleich mehrere Generationen übersprungen hat.

Es ist verwunderlich, dass zumeist die „Wackelkandidaten“ unter den Schuldnern sich die Zinsarmut zu Nutze machen und nicht etwa Deutschland, das sich aktuell sicherlich auch bei diesen Fälligkeiten sehr günstig refinanzieren könnte. Bisher hat sich die Finanzagentur noch gegen eine Laufzeit von mehr als 32 Jahren ausgesprochen, aber das muss nicht für immer so bleiben. Sicherlich würde man mit einem solchen Paradigmenwechsel noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Gilt doch Deutschland hinsichtlich der Zinsersparnis bereits als der große Profiteur und würde noch argwöhnischer beäugt werden. Sollten jedoch mal wieder gemeinsame Euro-Bonds ins Gespräch kommen, so wären andere Finanzminister sicherlich zum Umdenken bereit.

US-Banken bestehen die Stresstests

Die 34 größten US-Banken können aufatmen. Sie haben die diesjährigen Stresstests der Fed bestanden. Demnach hat sich die Kreditqualität in bestimmten Immobiliengeschäften sogar verbessert. Selbst für ein extremes Szenario mit einem Einbruch der Weltwirtschaft und einem starken Anstieg der Arbeitslosenrate sieht die Fed die Banken in der Lage, die Kreditversorgung aufrechtzuerhalten.

Auch wenn die getesteten Banken im schlimmsten Fall auf Kredite von insgesamt 383 Mrd. USD verzichten müssten, würden sie dennoch über deutlich mehr Kapital verfügen als vorgeschrieben. Die Quote hat sich laut Fed im Jahresvergleich verbessert.

Als Konsequenz aus der Finanzkrise von 2008 führte die Notenbank die Tests ein, um die Stabilität der Branche regelmäßig zu überprüfen. Die Belastungstests bestehen aus zwei Teilen und der zweite Teil gilt als der härtere. Aber auch in diesem Fall gab die Fed am gestrigen Abend grünes Licht und segnete bei allen 34 Instituten die vorgelegten Kapitalpläne ab.

Ferienstimmung macht sich breit

Mit Niedersachsen ist Ende vergangener Woche das erste Bundesland in die wohlverdienten Sommerferien gegangen. Auch am Primärmarkt für Corporates Bonds wird es in den nächsten Wochen wahrscheinlich etwas ruhiger zugehen. In dieser Berichtswoche wagten sich jeweils mit einem Doppelpack Daimler und BP Capital an den Kapitalmarkt.

Daimler legte neben einem Floater über 1,25 Mrd. € noch zwei weitere Bonds mit insgesamt 2,8 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A2GSCW), ein 12-jähriger Bond, ist am 03.07.2029 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 1,5%. Das Emissionsvolumen beträgt 1,5 Mrd. €. Der Emissionspreis lag bei 99,913%, was +60 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 1,3 Mrd. € schwere 20-jährige Anleihe (A2GSCX) mit Fälligkeit am 07.03.2037 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 2,125% jährlich und konnte zu einem Preis von 99,855% ausgegeben werden. Dies entspricht einem Emissionsspread von +85 bps über Mid Swap. Beide Anleihen sind mit einer privatanleger-freundlichen Mindeststückelung von 1.000 € ausgestattet.

Ebenfalls einen Doppelpack über 1,5 Mrd. € emittierte BP Capital. Mit Fälligkeiten am 26.06.2025 und 26.06.2029 refinanziert sich das Unternehmen mit Sitz in Großbritannien langfristig am Kapitalmarkt. Dabei ist der 8-jährige Bond (A19KJG) mit einem Zins von jährlich 1,077% ausgestattet, was wiederum bei einem Emissionspreis von pari einen Spread von +57 bps über Mid Swap ergab. Diese erste Tranche ist 850 Mio. € schwer. Das zweite Papier (A19KJH) mit einem Emissionsvolumen von 650 Mio. € zahlt den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 1,637%. Emittiert wurde ebenfalls zu 100%, was einem Spread von +72 bps über Mid Swap entsprach. Die gewählte Mindeststückelung von 100.000 € spricht eher institutionelle Investoren an. BP ließ sich bei beiden Anleihen ein optionales Kündigungsrecht seitens des Emittenten jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit zu 100% in die Anleihebedingungen festschreiben.

Nichts für schwache Nerven!

Zum Wochenauftakt herrschte bei den Rentenhändlern noch Friede, Freude, Eierkuchen. Aber dann kam es am Dienstag zu einem ersten Stresstest für die Futuremärkte. Denn Mario Draghi ließ mit seinen Kommentaren zur Geldpolitik die Marktteilnehmer aufhorchen und diese schickten das Rentenbarometer im Stile von „Geier-Sturzflug“ auf Talfahrt. Über zwei Punkte büßte der Euro-Bund-Future (165,33% auf 163,13%) ein, der Buxl-Future sogar fast vier Punkte (170,32% auf 166,36%) und auch der Bobl-Future notierte ca. einen Punkt tiefer.

Nachdem seit Monaten seitens der EZB den Besitzern von „hochwertigen“ Bonds ein Gefühl der Sicherheit vermittelte wurde, zeigen diese Reaktionen auf inzwischen durch EZB-Insider dementierte Äußerungen wie nervös die Marktteilnehmer sind. Jedoch haben die Investoren entsprechend der alten Weisheit: „Kein Rauch ohne Feuer“ das Gottvertrauen vorerst verloren. Auch hat die Marktreaktion gezeigt, dass es keine spiegelbildliche Gegenbewegung gab, sondern beide Assetklassen miteinander, also Hand in Hand, marschierten.

In solchen ungewöhnlichen Marktphasen lohnt sich jedoch immer ein Blick auf die Charttechnik des angeknacksten Sorgenbarometers. Als Unterstützungslinie fungiert momentan das gestrige Tief bei 162,78% und nach oben verläuft der erste nennenswerte Widerstand bei 163,89%. Sollte diese Leitplanke in den kommenden Tagen wieder überwunden werden, so bietet sich eine Absicherung alter Longpositionen an. Denn die Welt ist nicht stabiler geworden. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei ca. 162,70% und hat zumindest im frühen Handel bereits mit 162,59% die Downside getestet.

Spanien fast vierfach überzeichnet

In den USA wurden in dieser Handelswoche zum einen Geldmarktpapiere im Volumen von 112 Mrd. USD mit den üblichen Laufzeiten (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) und für 101 Mrd. USD T-Notes mit Fälligkeiten in zwei, fünf und sieben Jahren begeben.

In Euroland hatten für den gleichen Zeitraum lediglich Deutschland und Italien Kapitalmaßnahmen angekündigt. Es mag Zufall sein, dass insbesondere Italien hierbei einen kräftigen Schluck aus der Pulle nahm (ca. 10 Mrd. €) und sich Deutschland mit der Aufstockung der zweijährigen Bundes-Schatzanweisungen (110468) um 4 Mrd. € auf ein Gesamtvolumen von 9 Mrd. € begnügte. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,61% und die Nachfrage überstieg den Aufstockungsbetrag um fast 70%.

Doch das war im Vergleich zu der außerplanmäßig aufgelegten neuen zehnjährigen Staatsanleihe Spaniens nicht der Rede wert. Diese Anleihe (ES0000012A89) ist mit einem jährlichen Kupon von 1,45% ausgestattet, am 31.10.2027 endfällig und wurde bei 99,249% ausgegeben. Für die geplante 8 Mrd. € schwere Emission wurden sogar Orders im Volumen von fast 29 Mrd. € aufgegeben, was wiederum nur mit Materialknappheit bei Investitionen zu erklären ist.

Draghi und der Euro

Der Geldautomat ist 50 geworden. Ein halbes Jahrhundert lang genießen wir nun die Bequemlichkeit zu jeder Tag- und Nachtzeit an Bargeld zu kommen. Am 27.06.1967 feierte damit der erste Automat in Enfiled Town, nördlich von London, seine Premiere. Seither ist er aus dem Alltag von Millionen Menschen nicht mehr wegzudenken.

Hebt man derzeit Geld ab und möchte dieses in US-Dollar wechseln, so bekommt man aktuell mehr für sein Geld. Denn die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich nach einem kurzen Rücksetzer (1,1128 USD) in der vergangenen Woche wieder im Aufwind und konnte endlich die Marke bei 1,13 USD nachhaltig überwinden. Mit 1,1388 USD konnte sogar ein neues 12-Monats-Hoch erklommen werden. Ursache des neuerlichen Kursanstiegs sind die von Mario Draghi auf einem Notenbank-Forum gemachten Aussagen, welche die Marktteilnehmer so deuten, dass eine mögliche Tapering-Ankündigung im September bevorstehe. Jedoch vermeldete die EZB am gestrigen Mittwochnachmittag, dass sie die Reaktion der Märkte auf die Draghi-Rede als falsch einstuft. In der Folge fiel der Euro innerhalb weniger Minuten von 1,1380 USD bis auf 1,1292 USD zurück. Nach dem Auf- und Ab handelt die Einheitswährung heute Morgen über 1,14 USD, nachdem inzwischen das neue 12-Monats-Hoch bei 1,1431 markiert wurde.

Sollte man den Euro in norwegische Kronen tauschen wollen, ist dies aktuell ein guter Zeitpunkt. Die Währung Norwegens schwächelt momentan, nicht zuletzt aufgrund der Preisentwicklung am Ölmarkt. Dies konnte der Euro für sich nutzen und stieg bis auf 9,6291 NOK, dem höchsten Stand seit Februar 2016. Zur Stunde notiert das Währungspaar EUR/NOK bei ca. 9,57 NOK.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen im Fokus, aber auch US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Was wollen uns die Notenbanken sagen?

Im Nachgang zum EZB-Zinsentscheid vom 8. Juni tagten in der vergangenen Woche die amerikanische Notenbank (Fed), die Bank of England (BoE), die japanische (BoJ) und nicht zuletzt die Schweizer Notenbank (SNB). Hierunter entschied sich lediglich die Fed für eine Änderung der Zinspolitik, aber dennoch lassen sich in den anderen Fällen - trotz des Beibehaltens der Leitzinsen - aus den anschließenden Statements Tendenzen für die weitere Geldpolitik herauslesen.

Doch der Reihe nach.

In den USA hat man nach der Zinserhöhung immer wieder weitere Zinsanpassungen in Aussicht gestellt. Mit einem zeitlichen Abstand von nur einer Woche haben sich inzwischen einige US-Notenbanker geäußert und Bedenken angemeldet. So mahnt der Chef der Fed von Chicago, Charles Evans, angesichts der niedrigen Inflationsdaten etwas mehr Zurückhaltung an und auch der Fed-Gouverneur von Dallas, Robert S. Kaplan, denkt in die gleiche Richtung. Denn die konjunkturelle Entwicklung ist nicht so eindeutig wie viele Politiker es gerne hätten. So bietet der aktuell niedrige Ölpreis Platz für die unterschiedlichsten Interpretationen. Von Überkapazitäten bis hin zu Ermüdungserscheinungen in wirtschaftlicher Hinsicht. Was die möglichen Zinsanhebungen angeht, sollte man aber auch nicht die anstehende Neubesetzung der Fed-Spitze außer Acht lassen.

Wenig überraschend war das Festhalten der britischen, japanischen und schweizerischen Notenbanker an der bisherigen Notenbankpolitik. Dennoch lohnt sich eine nähere Betrachtung der dafür verantwortlichen Rahmenbedingungen und Begleitumstände. So hat man sich in Tokio weiterhin zum Ziel gesetzt, mit künstlicher Nachfrage die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen bei null zu stabilisieren. Auch das Eingeständnis des SNB-Präsidenten Thomas Jordan, dass ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik für sein Haus noch in weiter Ferne liegt, lässt tief blicken. Sicherlich liegt dieser Wortwahl die Erkenntnis zugrunde, dass man erst über einen solchen Schritt nachdenken wird, wenn die EZB die Zinswende faktisch umgesetzt hat. Denn es führt kein Weg daran vorbei, dass die SNB ein Gefangener der EZB ist!

Die größte Überraschung lieferten die Währungshüter in London als sie mit lediglich 5:3 für die Beibehaltung des aktuellen Leitzinses stimmten. Angesichts eines schwachen Wirtschaftswachstums, das sicherlich in direktem Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen und der politischen Unsicherheit zu sehen ist und einer Inflationsrate von fast 3%, ist die BoE in einer Zwickmühle. Jedoch hat der englische Notenbankchef Mark Carney inzwischen unmissverständlich den Marktteilnehmern ins „Gebetbuch“ geschrieben, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei, um die Zinsen zu erhöhen. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten und man kann konstatieren, dass die Händler die Botschaft verstanden haben!

Heikle Missionen für die EZB

Als die Deutsche Bundesbank in der vergangenen Woche ein Symposium abhielt, das an den 60. Geburtstag der Notenbank erinnern sollte, war den Teilnehmern nicht wirklich zum Feiern zumute. Vielmehr herrschte eine ernsthafte Stimmung. Dafür sorgte insbesondere der gastgebende Bundesbank-Präsident. So sieht Jens Weidmann die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend in Gefahr und befürchtet, zum Erfüllungsgehilfen der Politik zu werden. Dies könnte dazu führen, dass politischer Druck auf das Euro-System ausgeübt werde, um die sehr lockere Geldpolitik länger aufrechtzuerhalten, als dies mit Blick auf die Preisstabilität angemessen wäre, warnte er.

Anders sieht dies offenbar EZB-Vize Vitor Constancio, der an anderer Stelle sagte, es könnte unter Umständen sinnvoller sein, eine Bank zu retten, als diese abzuwickeln. Er verwies dabei auf das Beispiel der während der Finanzkrise angeschlagenen US-Institute, welche mit später sogar vollständig zurückgezahlten Steuergeldern gerettet wurden. Dagegen kamen die Folgen der Lehmann Brothers-Pleite die Steuerzahler weltweit teuer zu stehen.

Die Crux an diesen Äußerungen besteht in dem Umstand, dass die EZB vor jeder Bankenabwicklung eine Einschätzung darüber abgeben muss, ob ein staatlicher Eingriff erlaubt wird oder nicht. So könnten manche Länder, wie etwa Italien im aktuellen Fall (siehe Artikel „Die Uhren in Spanien und Italien ticken unterschiedlich“) der beiden angeschlagenen Institute Popolare di Vicenza und Veneto Banca, die Aussagen von Constancio als Freibrief für eine staatliche Rettung begreifen. Gleichzeitig hat Constancio der EZB selbst, die den Fall jeder angeschlagenen Bank prüfen muss, mit seinen Äußerungen einen Bärendienst erwiesen.

Auch die jahrelang praktizierte Praxis der ultralockeren Geldpolitik der EZB war auf dem Bundesbank-Symposium ein Thema. Änderungen im Kontext mit den Anleihekäufen der EZB beeinflussten die Refinanzierungskosten der Regierungen inzwischen stärker, als dies Leitzins-Veränderungen tun würden, bemerkte Weidmann. Schließlich ist die Notenbank mit Staatsanleihen über 1,4 Billionen Euro längst zum größten Gläubiger der Euro-Zone geworden und bis zum Jahresende kommen Monat für Monat ca. 50 Mrd. € neu hinzu. Ein Exit aus dem Ankaufprogramm ist damit zur heiklen Mission geworden, denn bereits die kleinsten Hinweise auf eine Anpassung der Geldpolitik können Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen.

Die Uhren in Spanien und Italien ticken unterschiedlich

Wenn es um Bankenabwicklung geht, so haben die Regierungen in Spanien und Italien verschiedene Denkansätze. Dies wird am Umgang der beiden Länder mit den angeschlagenen Instituten Banco Popular in Spanien sowie der Popolare di Vicenza und Veneto Banca in Italien deutlich.

Im ersten Fall der Banco Popular wurde entsprechend den neuen europäischen Regeln zur Bankenabwicklung tatsächlich ein Institut in die Abwicklung geschickt, und das zum ersten Mal. Damit sollen Banken künftig ohne den Einsatz von Steuergeldern gerettet oder abgewickelt werden. Deshalb hat die Abwicklungsbehörde SRB in Brüssel beschlossen, die Banco Popular, die über nicht mehr genügend Liquidität verfügte, an die spanische Bank Santander zu verkaufen.

Dies will dagegen der italienische Staat bei den Instituten Popolare di Vicenza und Veneto Banca partout verhindern. Sollte dies nicht gelingen, dann müssten auch in diesem Fall Inhaber vorrangiger Anleihen und Besitzer großer Sparguthaben Einbußen hinnehmen.

Die Regierung in Rom will daher die Verluste für die privaten Investoren mit Hilfe von Staatsgeldern begrenzen. Faule Kredite würde man in eine „Bad Bank“ einbringen, die teilweise mit Steuergeldern finanziert würde. Allerdings müssten auch die Inhaber nachrangiger Anleihen und Aktionäre einen Teil der Lasten tragen, schreibt das „Handelsblatt“. Die Investmentbank Rothschild soll nun Käufer für die gesunden Teile der beiden Krisenbanken finden, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfahren hat. Als möglicher Interessent wird die Großbank Intesa Sanpaolo gehandelt.

In Rom hofft man, eine Lücke in den neuen Regeln zur Bankenabwicklung nutzen zu können. Banken, die nicht als systemrelevant gelten, können nämlich im Rahmen eines normalen Insolvenzverfahrens abgewickelt werden. Damit wären der Mitgliedsstaat Italien und nicht die EU-Behörden für die Abwicklung zuständig. Der Teufel liegt also im Detail, sprich im Kleingedruckten.

Jetzt gilt’s für Macron

Jetzt hat er sie also, die absolute Mehrheit in der französischen Nationalversammlung. Kein Zweifel, das, was Emmanuel Macron in kurzer Zeit erreicht hat, kommt einem politischen Erdrutsch gleich und fordert einem Respekt ab. Die geringe Beteiligung des Souveräns am zweiten Wahlgang sowie die Ausprägung des Sieges von La République en Marche, die hinter den Erwartungen zurücklag, sind da nicht mehr als Wermutstropfen in einem gefüllten Champagnerglas.

Die eigentlichen Herausforderungen stehen dem neuen Herrn im Elysée-Palast allerdings erst noch bevor. Denn jetzt muss Macron liefern. „Er muss vorlegen - erst das wird ihm die Wucht verleihen, die er gerne hätte”, sagte der Politikwissenschaftler Josef Janning im Deutschlandfunk. Das Ergebnis bei der Parlamentswahl sei zwar eindrucksvoll, der Rückhalt für Macron sei aber nicht eindeutig. Weder kontrolliere er den Senat, noch sei klar, wie sich die neuen lokalen Abgeordneten im Parlament ihm gegenüber verhalten werden.

Innenpolitisch steht für Macron die Umsetzung eines Reformprogramms an, das nicht populär sein kann. Denn um wirtschaftlich etwas bewegen zu können, müssen Eingriffe in das Arbeitsrecht vorgenommen werden. Und dann wird sich schnell zeigen, wie sich der zu erwartende Konflikt mit den streithaften französischen Gewerkschaften entwickelt. Bekanntlich sind diese ja durchaus in der Lage, etwa mit LKW-Blockaden, das Land lahmzulegen. Man darf gespannt sein, wie sich Macron in einem solchen, möglichen Kräftemessen schlagen wird.

Natürlich werden von ihm auch neue Impulse für das deutsch-französische Verhältnis und für die Europäische Union erwartet. Denn gemeinsam mit Macrons Regierung sollte Deutschland in den kommenden zwei Jahren Europa stärken können. Bereits heute beim Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs kann hierfür der Grundstein gelegt werden.

Wie schnell jedoch die politische Realität den Überflieger einholen kann, zeigt die jüngste Rücktrittswelle im Kabinett von Macron. Nach Verteidigungsministerin Sylvie Goulard gaben auch Justizminister François Bayrou und Europaministerin Marielle de Sarnez ihre Posten auf. Alle drei gehören der Zentrumspartei MoDem an. Die Partei wird derzeit von einer Scheinbeschäftigungsaffäre erschüttert. Es besteht der Verdacht, dass MoDem Mitarbeiter von EU-Abgeordneten für Parteiaufgaben eingesetzt hat. Wenn es Macron aber gelingt, derartigen Missbrauch nachhaltig zu unterbinden, kann er neue Voraussetzungen für die Glaubwürdigkeit von Politik schaffen.

Unsicherheiten prägen Brexit-Verhandlungen

Am morgigen Freitag, den 23. Juni, jährt sich das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union zum ersten Mal. Und dennoch lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass die Briten keinen so rechten Plan haben, wie der Austritt denn vollzogen werden soll. Rätselraten besteht darüber, wie die angeschlagene Premierministerin Theresa May ihre verkündete Linie für einen „harten“ Brexit durchziehen will. Oder ist sogar damit zu rechnen, dass sie ihre Drohungen wahrmacht, die Gespräche notfalls ganz abzubrechen?

Dabei sitzt die Premierministerin, die für so manchen als überfordert gilt, in der Zwickmühle zwischen den konservativen Hardlinern ihrer Tory-Partei und der Bevölkerung, die sich zunehmend von ihr, aber auch von der Idee eines harten Brexit abwendet. Nach einer YouGov-Umfrage fordert etwa die Hälfte der Gegner der May-Strategie einen „weicheren“ Brexit, während sich die andere Hälfte entweder ein zweites Referendum wünscht oder den EU-Austritt gleich ganz abblasen möchte.

Die Frage ist jedoch, auf welcher Basis London denn in den Gesprächen mit der EU, die am Montag begonnen haben, verhandeln will – zumal der Deal mit der nordirischen DUP, die May als Mehrheitsbeschaffer braucht, immer noch nicht steht. Aber die Uhr tickt. Denn spätestens im November 2018 muss der Brexit ausverhandelt sein. Im Anschluss werden dann die EU-Mitgliedstaaten und das britische Parlament bis März 2019 über das Ergebnis abstimmen. So schreibt es Artikel 50 der EU-Verträge vor. Ob May bis dahin noch in 10 Downing Street residiert gilt als offen. Sowohl eine Tory-Revolte als auch mögliche Neuwahlen könnten sie bis dahin aus dem Amt gefegt haben.

Der Verhandlungsprozess ist also von jeder Menge Unsicherheiten geprägt, was bekanntlich die Kapitalmärkte nicht besonders lieben. Für die Öffentlichkeit wäre auch interessant zu wissen, wie regelmäßig man während dieser Zeit über den Verlauf der Verhandlungen unterrichtet wird. Wird es Wasserstandsmeldungen geben oder soll nur am Ende ein Ergebnis verkündet werden?

Von Sommerpause kann noch keine Rede sein

Die bereits in der Vorwoche auf Roadshows beworbenen Bonds des französischen Unternehmens Plastic Omnium und des weltweit größten Catering-Konzerns Compass Group wurden inzwischen aufgelegt. Der erstgenannte Emittent zahlt jährlich 1,25% Zinsen für die am 26.06.2024 endfällige und 500 Mio. € schwere Gattung (A19KHA). Der Emissionskurs wurde bei 99,363% fixiert (+95 bps über Mid Swap). Der an zweiter Stelle genannte Catering-Konzern musste bei einer ähnlichen Laufzeit (03.07.2024) den Investoren lediglich einen Kupon i.H.v. 0,625% in Aussicht stellen, um 750 Mio. € refinanzieren zu können. Gepreist wurde der Bond (XS1637093508) bei 99,171% (+35 bps über Mid Swap).

Sowohl diese beiden als auch die im Weiteren genannten Gattungen wurden alle mit einer Make Whole Option ausgestattet und sind nur mit einer Mindeststückelung von 100.000 € handelbar.

Jeweils drei Anleihen emittierten British Telecommunication und das Tochterunternehmen der französischen Elektrizitätsgesellschaft EDF, CTE.

So zahlt BT seinen Investoren für eine am 23.06.2022 endfällige Anleihe (A19KH3) jährlich 0,5% und bei einer Investition in die zwei Jahre länger laufende Gattung (A19KH4) sogar 1% an Zinsen. Die am 23.06.2027 zur Rückzahlung anstehende Anleihe (A19KH5) im Volumen von 1,15 Mrd. € ist mit einem Kupon von 1,5% ausgestattet worden. Da die beiden erstgenannten Tranchen im Volumen von jeweils 575 Mio. € aufgelegt wurden, konnte die Gesellschaft insgesamt 2,3 Mrd. € refinanzieren.

Die CTE, eine französische Tochtergesellschaft der EDF, hingegen konnte mittels der drei Anleihen sogar annähernd 3 Mrd. € einsammeln. Investoren werden bei der am 29.09.2024 endfälligen Gattung (A19KGX) mit 0,875% p.a., bei dem am 29.07.2028 rückzuzahlenden Bond (A19KGY) mit 1,5% p.a. und bei der am 29.07.2032 fälligen Tranche (A19KGZ) mit 2,125% p.a. entlohnt.

Herzrhythmus-Störungen im Niemandsland

Bei hohen Temperaturen drosseln die meisten Menschen ihren Energieverbrauch. Aber von Bewegungsarmut kann man beim Euro-Bund-Future trotz der Hitzewelle nicht sprechen. So erinnert der Kursverlauf in den vergangenen Tagen eher an ein EKG, wobei einem manche Ausschläge wie Herzrhythmus-Störungen vorkommen. Hatte man anfangs nach der Fed-Sitzung noch den Eindruck, dass alles im Markt eingepreist war, so war das nur der Startschuss für ein Hin und Her. Das Hoch des Rentenbarometers wurde bei 165,44% und das Low bei 164,13% markiert.

Doch kann man konstatieren, dass ein klarer Trend nicht zu erkennen ist. Die Tendenz wird zumeist durch Kommentare führender Notenbanker erzeugt, die nach abgeschlossener Sitzungsperiode nicht müde werden, auf ihre Sicht der Geldpolitik hinzuweisen. Sollten zukünftig aus dieser Richtung keine neuen Impulse kommen, so hat man immer noch die Möglichkeit, sich der Charttechnik zu bedienen. Bei dieser Art der Analyse wird deutlich, dass eine Konsolidierung bis in den Bereich von 164,50% zwar durchaus möglich erscheint, aber auch ein Anstieg auf ca. 165,48% nicht auszuschließen ist. Dennoch wäre auch bei einer Seitwärtsbewegung in dieser Range nicht eindeutig vorhersehbar, wohin die Reise geht. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 165,12% und somit eigentlich im Niemandsland.

Argentinien wagt sich aus der Deckung

Aller guten Dinge sind 3. In dieser Handelswoche wurden lediglich von der Slowakei zwei (A1888L / 2026 ; A19D6Y / 2037), von Belgien drei (A19C7W / 2024 ; A19B7A / 2027 ; A18YM3 / 2047) und von Deutschland eine Anleihe, die ehemalige 30-jährige Anleihe (113548 /2044) im Gesamtvolumen von ca. 4 Mrd. € aufgestockt. Hierbei erfolgte die Zuteilung bei einer Durchschnittsrendite von 1,02%.

In den USA hingegen wurden hauptsächlich Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 127 Mrd. USD aufgelegt. Abgerundet wird die Emissionswoche am morgigen Freitag mit der Aufstockung der aktuellen TIPS, die im Februar 2047 endfällig werden, um nominal 5 Mrd. USD.

Das Highlight der Woche stellte aber eine ganz andere Neuemission dar. Der argentinische Staat, der in den vergangenen 200 Jahren nach Berechnungen des Handelsblattes achtmal pleiteging, bot interessierten Anlegern einen 100-jährigen Bond (A19J68) zum Preis von 90% an. Diese Anleihe, die am 28.06.2117 endfällig ist, wurde in der Währung USD begeben und mit einem 7,125%-igen Kupon ausgestattet. Damit folgt Argentinien einem bereits von Mexiko sowie dem brasilianischen Ölkonzern Petrobras beschrittenen Weg und kann sich sicher sein, dass kein Fondsmanager, der diesen Bond jetzt ins Depot einbucht, sich bei Endfälligkeit dafür rechtfertigen muss. Allerdings werden viele Privatkunden, sich an ihre Erfahrungen mit diesem Emittenten erinnern und einen großen Bogen um ein solches Investment machen. Doch den Mutigen gehört vielleicht die Welt.

Nicht nur bei der Sonne war eine Wende zu beobachten

Gestern war Sommersonnenwende und somit der längste Tag des Jahres. Dies bedeutet aber auch, dass ab diesem Zeitpunkt die Nächte wieder länger werden. Am Devisenmarkt war beim Währungspaar Euro/Dollar ebenfalls eine kleine Wende zu beobachten. So stieg der Euro vergangene Woche im Vorfeld der Fed-Sitzung und infolge schlechter US-Konjunkturdaten auf ein neues Jahreshoch bei 1,1296 USD. Er scheiterte somit erneut an der magischen Marke von 1,13 USD, dem höchsten Stand seit den US-Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr.

Mehrfach hatte der Euro Anlauf genommen, um diese Hürde zu meistern, aber nach der Fed-Entscheidung markierte er sogar mit 1,1119 USD ein neues Juni-Tief. Zur Stunde handelt die europäische Gemeinschaftswährung wenig verändert bei 1,1160 USD.

Konträr hierzu entwickelte sich der Außenwert des Euros gegenüber der Währung der anderen politischen Großmacht. Nach der dritten Leitzinssenkung durch die russische Notenbank in diesem Jahr (um 25 Basispunkte auf nun 9,00%) stieg der Euro von 64,50 RUB auf ein neues Jahreshoch bei 67,3791 RUB.

Auch in dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, türkische Lira, norwegische Kronen, australische Dollar sowie vereinzelt russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Entziehungskur für gedopte Finanzmärkte

Am gestrigen Mittwochabend verkündigte die Präsidentin der amerikanischen Notenbank, Jenet Yellen, die von allen Marktteilnehmern erwartete Leitzinsanhebung. Damit demonstrierte sie eine Berechenbarkeit, die in den USA zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt üblich ist. Die auf nachvollziehbaren Fakten beruhende Änderung der Geldpolitik stellte keine Überraschung dar und man darf gespannt sein, ob bereits im September der von Janet Yellen angekündigte weitere Schritt folgen wird. Obwohl die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal mit etwas weniger Schwung gestartet war, steht sie nach Meinung der Notenbanker auf einem soliden Fundament.

Dennoch wurde der Beschluss nicht einstimmig gefasst. Ein Mitglied sprach sich gegen die Erhöhung aus. Bei der anschließenden Pressekonferenz wurde auch eine Bilanzverkürzung in Milliardenschritten in Aussicht gestellt. Die entsprechenden Entscheidungen hierzu sollen noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Darüber hinaus wurden auch Fragen zur persönlichen Zukunft der Fed-Präsidentin gestellt. Hierzu ließ sie aber verlauten, bisher nicht mit D.T. über ihre Zukunftspläne gesprochen zu haben.

Auch wenn man nicht immer alle Facetten der unterschiedlichen Notenbankpolitik gutheißen darf, so steht allerdings außer Frage, dass die wichtigen Notenbanken mit dem Festhalten an den selbst gesteckten Zielen eine gewisse Konstanz ausstrahlen, die es in der klassischen Politik leider nur noch zu selten gibt. Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Europa. So hat sich in Großbritannien Theresa May das „Eigentor des Jahres“ geschossen und in Italien könnte es in diesem Jahr noch zu Neuwahlen kommen, wobei die Mehrzahl der zur Wahl stehenden Parteien für einen EU-Austritt werben. In Österreich hingegen steht bereits fest, dass die Bevölkerung zumindest einmal, am 15. Oktober, zur Stimmabgabe aufgerufen ist, denn unter Umständen gibt es hierbei die nächste Folge von „Pleiten, Pech und Pannen”. Der einzige Stern am europäischen Himmel scheint momentan der neugewählte französische Präsident Emmanuel Macron zu sein, der mit seiner vor einem Jahr gegründeten Partei „En Marche“ ein politisches Erdbeben ausgelöst hat. Dies war und ist Ausdruck der Unzufriedenheit mit den alten, etablierten Politikern. So etwas könnte zumindest theoretisch auch in Deutschland passieren, aber uns fehlt einerseits das „neue“ Gesicht dazu und andererseits setzt in diesen Krisenzeiten die Bevölkerung noch auf die politische Erfahrung unserer führenden Köpfe. Dadurch erhofft man, Schaden von Deutschland abzuhalten.

Diesen Anspruch haben oftmals auch die Notenbanker, die sich immer noch zieren, die Normalisierung der Geldpolitik in Angriff zu nehmen. Es mehren sich zwar erste vorsichtige Hinweise darauf, aber der Ausstieg aus dem Krisenmodus erfolgt zu zögerlich. Die Finanzmärkte sind gedopt, hängen an der Geldspritze und manchmal hat man den Eindruck, dass die Notenbanker nur ganz vage eine Vorstellung haben, wie man eine Entziehungskur einleitet. Die japanische Notenbank versucht diese Umkehr bereits seit Jahrzehnten und man darf gespannt sein, ob der Fed das Vorhaben gelingen wird. Noch ein Zinsschritt in diesem und jeweils drei weitere in den nächsten beiden Jahren sind ambitioniert. Zumal die noch zu klärende Personalie an der Fed-Spitze nicht ohne Einfluss sein wird.

Schleppt sich Athen über die Ziellinie?

Nachdem zum Ende der Vorwoche bereits der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos in Deutschland um mehr Verständnis für die besondere Situation seines Heimatlandes geworben hat, treffen sich heute die Euro-Finanzminister in Luxemburg und beraten zum wiederholten Mal über die weitere Vorgehensweise. Athen braucht die Auszahlung der nächsten Kreditrate, um zumindest etwas Bewegungsspielraum zu haben. Die griechische Regierung liebäugelt bereits seit vielen Wochen und Monaten mit einer Rückkehr an die Kapitalmärkte, aber die dafür notwendigen Voraussetzungen sind immer noch nicht erfüllt. So hat erst in dieser Woche die Europäische Zentralbank (EZB) bekanntgegeben, dass auch in den kommenden Monaten nicht mit einer Aufnahme griechischer Staatsanleihen in das Ankaufprogramm zu rechnen sein wird. Zumindest hierbei hat also der gebetsmühlenartig vorgebrachte Hinweis des griechischen Staatsoberhauptes, dass es hierbei um etwas Größeres geht, nämlich Europa, noch nichts Positives bewirken können.

Wolfgang Schäuble hat in den vielen Dienstjahren als Finanzminister bewiesen, dass er gegen solche „Erpressungsversuche“ immun ist, aber ob er sich noch lange gegen ein erneutes Entgegenkommen gegenüber Athen sperren kann, darf bezweifelt werden. Denn ein Zerfallen Europas in seine Einzelteile ist zum jetzigen Zeitpunkt keine sinnvolle Option und das weiß auch er. Um der Forderung der Schuldenerleichterung nochmals Nachdruck zu verleihen, hat das griechische Parlament am vergangenen Freitag in einem Eilverfahren ein weiteres Spar- und Reformpaket verabschiedet. Hierbei wurde die bereits beschlossene Absenkung des Einkommenssteuer-Grundfreibetrages von 8.636 € auf 5.700 € um ein Jahr auf Anfang 2019 vorgezogen und der Zeitraum der gedeckelten Renten um ein Jahr auf 2022 nach hinten verlängert.

Ob sich die Mitglieder der Eurogruppe mit den jetzigen Maßnahmen zufrieden geben werden, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Denn es ist zu befürchten, dass auch heute das Papier des vorangegangenen Treffens der Eurogruppe vom 22. Mai des Jahres mit geringen Anpassungen wieder auf dem Tisch liegen wird. Und das wurde damals als unzureichend abgelehnt. Allerdings mehren sich die Hinweise, dass man sich auf den Vorschlag der IWF-Chefin Lagarde einigen könnte, um dadurch mal wieder das für Politiker so wichtige Gut - Zeit - zu gewinnen. Sollte dies nicht gelingen, so wäre bereits der erste Tagesordnungspunkt für das am 22. Juni stattfindende Treffen der Staats- und Regierungschefs gefunden.

Die Frage wird also sein, schleppt sich Griechenland heute mit letzter Kraft über die Ziellinie oder wird es demnächst von den anderen Staaten darüber getragen.

Theresa May, was nun?

So hatte sich Theresa May das nicht vorgestellt. Wollte sie doch nach den Parlamentswahlen gestärkt in die Brexit-Verhandlungen mit den anderen 27 EU-Staaten eintreten und eine harte Linie verfolgen. Doch mit dem Verlust der absoluten Mehrheit ist sie nun zuerst auf der Suche nach einer Mehrheit für ihre Politik im eigenen Land. Die Premierministerin ist durch diese Niederlage auch in ihrer Partei nicht mehr unumstritten und die Diskussion über ihre Nachfolge hat bereits begonnen.

Darüber hinaus kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es erneut zu Neuwahlen kommen wird oder ob sogar Labour eine Koalition schmieden kann, um den neuen Premierminister zu stellen. Theresa May scheint das alles allerdings nicht sonderlich zu interessieren, denn sie betreibt „Business as usual“. Zumindest konnte man bisher nicht den Eindruck gewinnen, dass ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Trotz der ungeklärten Machtverhältnisse soll der britische Unterhändler David Davis am kommenden Montag die Brexit-Gespräche aufnehmen. Am gleichen Tag wird auch die traditionelle Parlamentseröffnung (State Opening) stattfinden.

Die Erwartungen ob es durch diese innenpolitischen Machtverhältnisse nun zu einem weicheren oder einem harten Brexit kommen wird, darüber streiten die sogenannten Fachleute. Beim Gesellschaftsspiel Monopoly würde in einem solchen Fall auf der Ereigniskarte stehen: „Gehe zurück auf Los“. Somit ist alles möglich. Von Neuwahlen über ein zweites Referendum bis hin zum ungeordneten Brexit. Noch ist es zu früh, um eine seriöse Prognose zu erstellen. Doch sollte man auch bedenken, dass Theresa May nichts mehr zu verlieren hat und mit solchen Verhandlungspartnern ist nicht immer gut Kirschen essen! Für Spannung ist also gesorgt.

Strafzinsen für alle?

Schenkt man dem ehemaligen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber Glauben, dann sollten sich die Sparer in Deutschland von den Zeiten hoher Zinsen verabschieden und sich daran gewöhnen, dass die Zinsen niedrig bleiben werden. Auch nach der Fed-Entscheidung zur Anhebung des Leitzinses auf eine Spanne von 1,00% bis 1,25%, wird nicht unweigerlich die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik überdenken. Denn zu unterschiedlich sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den beiden Zuständigkeitsgebieten.

Wie Mario Draghi die Lage einschätzt, hat er am vergangenen Donnerstag bei der EZB-Pressekonferenz mehrmals deutlich zum Ausdruck gebracht. Nach seinen Aussagen ist die EZB gewillt, das aktuelle Zinsniveau noch für lange Zeit beizubehalten und das zwingt natürlich alle Kreditinstitute, die Negativzinsen zukünftig auch an Privatkunden weitergeben zu müssen. Hatte man früher das Gefühl, dass Banken und Sparkassen um Kunden buhlten, so könnte man inzwischen den Eindruck gewinnen, dass man sie abschrecken möchte. Zumeist gilt das nur für größere Geldbeträge. Aber die Volksbank Reutlingen hat mit ihrem neuen Preisverzeichnis zumindest die Voraussetzungen geschaffen, um Kunden sogar bei auf Guthaben Basis geführten Girokonten bzw. bei Festgeldern von Privatpersonen ab 10.000 € einen Strafzins von 0,5% in Rechnung stellen zu können. Noch betonen die Verantwortlichen, dass es sich hierbei lediglich um einen Vorratsbeschluss handelt und man davon bisher nicht Gebrauch mache. Aber schon bald werden andere Banken diesem Beispiel folgen müssen, um finanziellen Schaden abzuwenden.

Auch wenn der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, noch vor einigen Monaten Negativzinsen für Privatpersonen gänzlich von sich gewiesen hat, so hören sich seine heutigen Kommentare anders an. Heute spricht er nur noch davon, dass Sparkassen einen solchen Schritt nicht wollen und man sich mit der ganzen Kraft dagegen stemmt – auch zu Lasten der eigenen Ertragslage. So ändern sich die Zeiten!

Verschnaufpause am Primärmarkt

In Erwartung der anstehenden Entscheidungen und der Tatsache geschuldet, dass in verschiedenen Bundesländern auch noch heute Feiertag ist, gönnte sich der Primärmarkt für Corporate Bonds eine kleine Verschnaufpause.

Erwähnenswert war dennoch die Begebung zweier Anleihen der Tennet Holding BV, einem niederländischen Netzbetreiber mit Sitz in Arnheim. Die erste Tranche (A19J8L) ist am 26.06.2025 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,75% ausgestattet. Die 500 Mio. € große Emission wurde bei 99,268% (+33 bps über Mid Swap) begeben. Die zweite Anleihe gleichen Volumens (A19J8M) verfügt über einen Kupon von 1,375% und ist am 26.06.2029 zur Rückzahlung fällig. Gepreist wurde dieser Bond bei 99,784% (+45 bps über Mid Swap). Beide Gattungen sind mit einer Make Whole Option und einer Mindeststückelung von 100.000 € ausgestaltet worden.

Sein Kapitalmarktdebüt feierte die 2013 gegründete Immobilien-Investmentgesellschaft Globalworth mit Sitz auf Guernsey. Die begebene High-Yield Anleihe (A19J8N) ist am 20.06.2022 fällig, hat ein Emissionsvolumen von 550 Mio. € und war 3-fach überzeichnet. Den Investoren zahlt das Unternehmen jährlich einen Zins in Höhe von 2,875%. Der Emissionskurs von 99,427% entsprach einem Spread von +345 bps über Mid Swap. Auch dieses Unternehmen ließ sich in den Anleihebedingungen eine Make Whole Option festschreiben.

Für die Zeit nach den Zinsentscheidungen scheint allerdings die Pipeline wieder prall gefüllt zu sein. So bewerben aktuell das französische Unternehmen Plastic Omnium und der weltweit größte Catering-Konzern Compass Group auf Roadshows die geplanten Neuemissionen.

Die Bären haben ihre Chancen nicht genutzt

Die von Mario Draghi nur sehr verhalten angedeutete Zinswende hat dazu geführt, dass die Bären kapitulierten und den Bullen fast kampflos das Feld überließen. War vor Monaten noch alles auf steigende Zinsen infolge der Fed-Geldpolitik ausgerichtet, so hat sich das Sentiment des Euro-Bund-Future gänzlich gedreht. Die Ankündigung, die Zinsen noch für lange Zeit auf diesem Niveau zu belassen und auch nur in ganz kleinen Schritten die Trendwende einzuleiten, hat die Investoren zum Umdenken veranlasst. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass sich mit Frankreich ein starker Bündnispartner proeuropäisch ausrichtet, hat wiederum viele Investoren veranlasst insbesondere französische, aber auch deutsche Staatsanleihen zu kaufen. Was nicht fallen will, muss steigen! Diese alte Börsenweisheit gilt also immer noch.

Zugleich kann man die Tendenz am Rentenmarkt auch auf Basis der Rendite-Entwicklung für 10-jährige Bunds begründen. Nachdem es lange Zeit danach aussah, dass die 0,50% in Angriff genommen werde, hat sich die Rendite inzwischen wieder auf einem Niveau von ca. 0,25% eingependelt. Sollte es in naher Zukunft nicht wieder zu einem Renditeanstieg in Richtung 0,38% kommen, so ist mit einem erneuten Test des Bereichs um 0,15% zu rechnen. Aktuell rentiert die deutsche Benchmark-Anleihe in etwa der Mitte der angegebenen Tradingrange.

Für das Rentenbarometer, das aktuell bei 165,38% notiert, bedeutet dies eine Unterstützungslinie bei 164,10% und einem Widerstand bei 166,40%.

Die Zinsentscheidungen strahlen aus

Diese Woche steht im Zeichen der Notenbanken. So eröffnete die amerikanische Notenbank (Fed) am gestrigen Mittwoch den Reigen, am heutigen Donnerstag folgen die Schweizerische Notenbank (SNB) und die Bank of England (BoE). Zum Wochenschluss tagen dann noch die Bank of Japan und Russlands Notenbank. Es wird also trotz des heutigen regionalen Feiertags nicht langweilig werden.

Nachdem am vergangenen Donnerstag die europäische Zentralbank (EZB) und gestern die Fed mit ihren Entscheidungen bzw. Ausführungen die Märkte nicht sonderlich überraschten, präsentierte sich das Währungspaar Euro/Dollar in sehr ruhigem Fahrwasser. So handelte die Einheitswährung seit vergangenem Donnerstag zwischen 1,1166 USD und 1,1237 USD und daran hat sich auch heute in der Früh - trotz des gestrigen, abendlichen Anstiegs auf 1,1296 USD - nichts geändert (aktuell: ca. 1,1190 USD).

Anders erging es der Währung Großbritanniens seit der Bekanntgabe des Ergebnisses der Parlamentswahlen. Das Pfund Sterling kam gegenüber allen wichtigen Währungen unter Druck. Entsprechend konnte der Euro von der Schwäche des Pfund Sterling profitieren und stieg auf ein neues Jahreshoch bei 0,88664 GBP. Vor den Wahlen lag der Devisenkurs noch bei 0,8650 GBP. Zur Stunde handelt der Euro um die Marke von 0,8780 GBP und somit gut behauptet.

In dieser Berichtswoche standen Währungsanleihen lautend auf britische Pfund, US-Dollar, türkische Lira, norwegische Kronen und südafrikanische Rand im Fokus der Privatanleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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www.baaderbank.de

Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Hat sich Theresa May verkalkuliert?

Heute ist es soweit. Nachdem die Premierministerin Theresa May am 19. April des Jahres über die Auflösung des „House of Commons“ abstimmen ließ, sind nun die Briten aufgerufen, die Regierung für die nächsten fünf Jahre zu bestimmen. Es handelt sich hierbei um die ersten Wahlen nach dem Brexit-Votum im Juni des vergangenen Jahres. Der Plan von „Mutter Theresa“ war, sich für die anstehenden Verhandlungen mit einem eindeutigen Mandat seitens der Bevölkerung ausstatten zu lassen. Bis vor wenigen Wochen schien dieses Ansinnen auch realistisch zu sein, obwohl bei dieser Wahl auch die ehemaligen „Brexit-Gegner“ die Möglichkeit gehabt hätten, ihrem Unmut freien Lauf zu lassen.

Doch die politische Alternative war zu schwach und auch zu zerstritten, um der amtierenden Amtsinhaberin gefährlich zu werden. Jedoch kam dann der Terror nach Großbritannien und durch die jüngsten Ereignisse in Manchester und London rückten innenpolitische Themen in den Vordergrund. Inzwischen hat sich der Abstand zwischen den Tories und Labour so sehr verringert, dass eine zuverlässige Prognose des Wahlausgangs nicht mehr möglich erscheint. Dennoch wird von den Marktakteuren erwartet, dass die alte Regierung auch die neue Regierung sein wird. Somit würde Theresa May ohne den erhofften Mandatszuwachs die Scheidungsgespräche führen müssen, was eigentlich einer Schwächung ihrer Verhandlungsposition gleichkommt. Sollte jedoch wider Erwarten der Labour-Parteichef Jeremy Corbyn der neue Verhandlungsführer werden, so würde auch das kein Abrücken vom Brexit bedeuten. Beide Parteichefs stehen eindeutig zu dem ursprünglichen Auftrag und werden versuchen, das optimale Ergebnis für die Bevölkerung Großbritanniens zu erzielen.

Ob dies in der Kürze der Zeit überhaupt gelingen kann, ist nicht seriös zu prognostizieren. Denn nicht nur die Verhandlungen über die Entflechtung der Beziehungen mit den EU-Partnern und über das neue Miteinander sind zu führen, sondern auch die Ratifizierung durch die einzelnen Parlamente hat noch zu erfolgen. Es gibt zwar eine Möglichkeit den Zeitrahmen um ein weiteres Jahr zu erweitern, aber dazu müssten alle 27 EU-Staaten diesem Ansinnen zustimmen. Dies wiederum erscheint sehr unwahrscheinlich und deshalb sollten alle Beteiligten bestrebt sein, den Zeitplan einzuhalten. Zumal zwischen dem Einreichen der Scheidung und dem Beginn der Gespräche am 19. Juni bereits über zwei Monate ergebnislos verstrichen sind. Auch gilt es den ungeordneten Austritt zu vermeiden, da dies zu größeren Verwerfungen an den Kapitalmärkten führen würde. Allerdings muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass in den kommenden Monaten die Verhandlungen immer wieder ins Stocken geraten werden, was an den Finanzmärkten unmittelbar zu hektischen Marktbewegungen führen wird.

Bei dieser Gelegenheit sei Großbritannien nochmals ausdrücklich dafür gedankt, dass man sich immer gegen die gemeinsame Währung „Euro“ ausgesprochen hat. Befürchtete man bereits bei einem möglichen „Grexit“ größere Marktirritationen, so würde wahrscheinlich bei einem Austritt eines so wichtigen Landes wie Großbritannien die Phantasie der Notenbanker und Marktakteure nicht ausreichen, um Schutzmaßnahmen zu ergreifen, damit die Kapitalmärkte in einem halbwegs ruhigen Fahrwasser zu halten wären. Auch hierbei gilt also: „Kein Unglück ist so groß, es trägt ein Glück in seinem Schoß“.

Neue Erkenntnisse in Tallinn?

Noch bevor die Stimmen bei der Unterhauswahl in Großbritannien ausgezählt sind, richten sich am heutigen Donnerstag die Blicke der Finanzmarktakteure auf ein anderes, relevantes Großereignis, die turnusgemäße Sitzung der Europäischen Zentralbank. An diesem Donnerstag hat man sich in Tallinn, der Hauptstadt Estlands getroffen, um über die weitere Geldpolitik im Euroraum zu beschließen.

Hierbei wird zwar keine Änderung der Zinspolitik erwartet, aber bei der anschließenden Pressekonferenz wird man besonders aufmerksam den Worten von Mario Draghi lauschen. Erhofft man sich hierbei doch stets Hinweise auf zukünftige Vorgehensweisen. So können sich Analysten vorstellen, dass die Prognose eventuell sinkender Zinsen gestrichen wird. Dieser Teil der Forward Guidance zielte stets auf die Eindämmung von Deflationsrisiken, die inzwischen geschwunden sind. Auch wird allgemein erwartet, dass die Notenbanker die Risiken für den Wachstumsausblick nicht mehr abwärts gerichtet sehen, sondern in Reden inzwischen sogar des Öfteren als ausgewogen bezeichnen. Hierzu würde auch passen, wenn die Wachstumsprognosen nach oben angehoben würden. Hingegen wird keine Modifizierung der Passage, dass die Zinsen deutlich über die Dauer von Wertpapierkäufen hinaus auf dem aktuellen Niveau belassen werden, erwartet.

Somit wird der EZB-Rat den im Dezember 2016 beschlossenen Kurs bestätigen und erst im September erste Überlegungen zu einem möglichen Tapering offenbaren. Sofern man davon ausgehen kann, dass Zinsanpassungen erst nach dem Ende der Ankaufprogramme anstehen, ist nicht vor Mitte 2018 u.a. mit einer Anhebung des Satzes für Überschusseinlagen zu rechnen. Unter den Marktteilnehmern wird zumeist eine monatliche Rückführung der Ankaufvolumina um 10 Mrd. € ab Januar 2018 erwartet, doch angesichts des guten Konjunkturumfelds wäre auch eine Reduzierung um 20 Mrd. € denkbar.

Dann wäre man zwar immer noch meilenweit von einer Normalisierung der Geldpolitik entfernt, aber dadurch wäre die erste Hürde bereits mit Ende des 1. Quartals 2018 genommen. Doch das ist Zukunftsmusik!

IWF und der „vergiftete Apfel“

Am 15. Juni anlässlich des Eurogruppen-Treffen steht zum wiederholten Male die Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland auf der Agenda. Der EZB-Direktor Benoit Coeure hat die Finanzminister des Euroraums aufgefordert, rasch für Klarheit über geplante Schulden-Entlastungsmaßnahmen zu sorgen. Er betonte zugleich, dass diese Maßnahmen erst am Ende der Hilfsprogramme Mitte 2018 zum Tragen kämen, aber bereits jetzt für Klarheit beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EZB sorgen würden. Dies wäre eine notwendige Voraussetzung für die Aufnahme griechischer Staatsanleihen in das Programm für den Ankauf öffentlicher Anleihen.

Jedoch verhallen diese Appelle noch immer ungehört u.a. bei unserem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der bisher keinen Millimeter von seiner bisherigen Marschroute abweicht. Dies ist sicherlich mehreren Faktoren geschuldet. Zum einen der Tatsache, dass die Auszahlung weiterer Gelder nur unter Beteiligung des IWF vom Bundestag abgesegnet ist und man zum anderen im Hinblick auf die anstehenden Bundestagswahlen, der Bevölkerung einen Schuldenerlass nicht erklären könnte. Ob eine neue Bundesregierung mit einem vielleicht neuen Finanzminister diese Haltung beibehalten wird, kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden, jedoch wäre es nicht auszuschließen.

In der Zwischenzeit hat sich nun die IWF-Chefin Lagarde wieder zu Wort gemeldet und Deutschland und den anderen Gläubigern mehr Zeit angeboten, um sich der Meinung des IWF anzuschließen. Dieser fordert bereits seit längerer Zeit einen harten Schuldenschnitt. Und genau darin liegt das Problem, denn wenn es am Ende auf eine Schuldenerleichterung hinauslaufen würde, dann nutzt es den Gläubigern auch nichts, sich mehr Zeit für die Entscheidung zu nehmen. Doch Griechenlands Finanzminister, Euklid Tsakalotos, ist froh für jeden Vorschlag, welcher Athen einer Rückkehr an die Kapitalmärkte näher bringt.

Somit erinnert die Hellas-Krise weiterhin an ein Karussell. Man dreht sich im Kreis, irgendwann wird einem schwindelig und man entscheidet sich zum Ausstieg. Man darf gespannt sein, wer am 15. Juni oder auch anschließend noch dabei ist.

Wie rettet man eine Bank?

In diesem Jahr wird die Finanzkrise 10 Jahre alt, aber zu feiern gibt es nichts. Denn wie in den vergangenen Tagen bei der Monte dei Paschi di Siena festzustellen war, haben weder Notenbanker noch Politiker in dieser Zeit etwas dazugelernt. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wurde damals laut verkündet, dass es nie wieder passieren dürfe, Banken mit dem Geld der Steuerzahler zu retten. Soweit die Theorie von damals!

Da die Europäische Zentralbank (EZB) der Skandalbank die Überlebensfähigkeit bescheinigte, war nach der Zustimmung seitens der EU-Kommission der Weg frei, dass Italien mit Staatshilfen in Höhe von 6 Mrd. € der Bank unter die Arme greift. Somit ist unter Mitwirkung von institutionellen Anlegern und dem italienischen Staat eine der ältesten Banken der Welt gerettet worden und jetzt zu ca. 70% in Staatshand.

Wie unterschiedlich - trotz einheitlicher EU-Regeln - bei einer Bankenrettung vorgegangen wird, wurde gestern am Beispiel der Banco Popular Espanol deutlich. Die EZB hat in diesem Fall festgestellt, dass die Bank gemäß der Abwicklungsrichtlinie gescheitert ist oder scheitern dürfte. Daraufhin hat die spanische Banco Santander das Institut für den symbolischen Wert von einem Euro übernommen. Hierbei werden die Kosten nicht dem spanischen Steuerzahler aufgebürdet, sondern die Aktionäre und Inhaber nachrangiger Bonds zur Kasse gebeten. Ein erster echter Test von Europas Bankenabwicklungs-Regeln. Dass dabei der Wert sogenannter CoCo‘s oder Additional Tier 1 Bonds auf Null fiel wird sicherlich nicht ohne Nachwirkung auf dieses Marktsegment bleiben. Die Risiken dieser neuen Refinanzierungsmittel wurden hierbei schonungslos aufgedeckt.

Man darf gespannt sein, wie im nächsten Krisenfall seitens der EZB und der zuständigen Staatsregierung entschieden wird.

Schwemme am Primärmarkt

Obwohl in dieser verkürzten Handelswoche auch viele wichtige Ereignisse anstehen, hat dies die Emissionstätigkeit vieler Unternehmen nicht behindert und so wurden die unterschiedlichsten Gesellschaften am Primärmarkt aktiv.

So emittierte am gestrigen späten Nachmittag das amerikanische Telekommunikations-unternehmen AT&T neben einem Floater mit einer Fälligkeit in 2023 (XS1629866606) über 1,25 Mrd. € auch noch vier weitere Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und einer Mindeststückelung von nominal 100.000 €. Alle diese Wertpapiere wurden mit der Make-Whole-Option versehen. Der am 04.09.2023 fällige Bonds (XS1629865897) ist mit einem jährlichen Kupon von 1,05% ausgestattet und wurde bei 99,709 (+80 bps über Mid Swap) begeben. Die am 04.09.2026 endfällige Gattung (XS1629866192) wird jährlich mit 1,80% verzinst und wurde bei 99,835% (+115 bps über Mid Swap) emittiert. Für die Anleihe mit Laufzeitende 04.09.2029 (XS1629866275 / +140 bps über Mid Swap) werden jährlich 2,35% und für die in 19 Jahren endfällige Gattung (XS1629866432 / +185 bps über Mid Swap) sogar 3,15% an Zinsen bezahlt. Mittels dieses Fünferpacks wurden insgesamt 7 Mrd. € aufgenommen.

Aber auch Volkwagen legte über sein Tochterunternehmen zwei perpetual Anleihen (XS1629774230 und XS1629658755) als Fix-to-Variable mit einer Mindeststückelung von 100.000 € auf.

Allerdings hat der Baustoffhersteller HeidelbergCement und der Versandhändler Otto in für Privatanleger wünschenswerter Stückelung neue Bonds emittiert. Die HeidelbergCement-Anleihe (A19JXW) ist am 14.06.2027 endfällig und verfügt über einen jährlichen Kupon von 1,5%. Gepreist wurde die Gattung bei 98,891%, was einem Emissionsspread von +85 bps über Mid Swap entsprach. Die bereits in der Vorwoche emittierte Otto-Anleihe (A2E4BN) ist mit einem 1,875%er-Kupon ausgestattet und wurde bei 99,514% (+152 bps über Mid Swap) aufgelegt. Auch diese beiden Gattungen sind mit einer Make-Whole-Option versehen.

Der Roll-Over verfälscht das Bild

Bereits am gestrigen Handelstag hatten die September-Renten-Futures auf deutsche Staatsanleihen ein höheres Handelsvolumen auszuweisen als in den bisher aussagekräftigen Juni-Kontrakten. Der Roll-Over war nicht zuletzt durch etwas ermäßigte Handelsaktivitäten in Erwartung des heutigen Super-Thursday unproblematisch verlaufen.

Hatten noch zu Wochenbeginn u.a. die Zuspitzung der Konflikte im arabischen Raum, die Aufkündigung des Klimaschutzabkommens durch die USA, die Terroranschläge, der unsichere Ausgang der Wahlen in Großbritannien, und am gestrigen Handelstag noch Gewinnmitnahmen bei verschiedenen Aktien die Nachfrage nach Bonds angeschoben, so hat sich in Erwartung der heutigen EZB-Zinsentscheidung das Sorgenbarometer auf diesem erhöhten Niveau stabilisiert.

Die Preise der neuen Kontrakte unterschieden sich teilweise deutlich von denen der Juni-Kontrakte, was mathematische Gründe hat und somit nur auf den ersten Blick eine Zinsveränderung vermuten lässt. So notiert der neue Euro-Buxl um 1,60 Prozentpunkte (PP) tiefer, der Euro-Bund um 2,14 PP höher, der Euro-Bobl um 0,89 PP höher und nicht zuletzt der Euro-Schatz um 0,10 PP tiefer.

Die Unterstützungslinien verlaufen beim September-Kontrakt des Euro-Bund-Futures aktuell bei 164,08% und bei 163,89%. Als Widerstandslinien haben sich die Bereiche um 165,33% und 165,93% herausgebildet. Momentan handelt das Sorgenbarometer bei ca. 164,67%.

Kann der Euro seinen Höhenflug fortsetzen?

Die europäische Gemeinschaftswährung hatte bereits Mitte Mai eine positive Entwicklung zu verzeichnen und handelte am 18. Mai schon bei 1,1130 USD.

Seither hat die Einheitswährung ihre Erfolgsstory sogar noch weiter fortsetzen können. Entgegen der Börsenweisheit „Sell in May and go away“ war der Monat Mai für den Euro ein sehr gutes Pflaster. Die Tradingrange lag in diesem Monat zwischen 1,0839 USD (11. Mai) und 1,1263 USD (23. Mai) und dieser positive Trend scheint sich im Juni noch fortsetzen zu können. Denn gleich zu Monatsbeginn konnte der Euro mit einem neuen Jahreshoch bei 1,1285 USD glänzen. Damit ist er nur noch marginal von der wichtigen Marke bei 1,13 USD entfernt, aufgestellt im November 2016 als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde. Diese Handelswoche hat jedoch noch einiges an kursbewegendem Potenzial zu bieten. Zum einen richten die Marktteilnehmer ihre Blicke auf die heutige EZB-Ratssitzung, die Anhörung des ehemaligen FBI-Chefs James Comey vor dem Senatsausschuss und das Wahlergebnis in Großbritannien. Alle diese Ereignisse können dazu führen, dass die Marke bei 1,13 USD übersprungen wird oder aber auch in weite Ferne rückt. Zu Handelsbeginn notiert die gemeinsame Währung Europas bei 1,1255 USD.

Für das britische Pfund waren die vergangen Handelstage sowie der Monat Mai alles andere als ein Erfolg. So handelte der Euro Anfang Mai noch bei 0,83838 GBP und unmittelbar vor den Parlamentswahlen sowie nach den terroristischen Anschlägen der jüngeren Vergangenheit wieder bei 0,87 GBP und damit deutlich höher als noch vor einigen Wochen.

In einer verkürzten Handelswoche waren vornehmlich Handelsaktivitäten in Bonds lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen und türkische Lira zu verzeichnen. Darüber hinaus wurden aber auch vereinzelt Währungsanleihen auf südafrikanische Rand, mexikanische Peso und brasilianische Real nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

Steht der Einstieg in den Ausstieg nun doch bevor?

Wenige Tage nachdem die Bundesbank angesichts des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer Überforderung der Geldpolitik gewarnt hatte, kam die Meldung, dass das Tempo der Ankäufe nochmal erhöht worden war. So nahmen die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken in der Woche zum 12. Mai Staatstitel über 12,03 Mrd. € in ihre Bücher auf, gegenüber 10,8 Mrd. € in der Vorwoche.

In Folge des Ankaufprogramms sind die Notenbanken die größten Gläubiger der Eurostaaten, wie Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in Frankfurt feststellte. Aber das birgt in den Augen der Bundesbank die Gefahr, dass die Geldpolitik möglicherweise ins Schlepptau der Fiskalpolitik geraten könnte. Auf diese Weise würde Druck aufgebaut, hohe Schulden durch niedrige Zinsen tragfähig zu machen - und zwar auch dann noch, wenn die Inflationsentwicklung eigentlich höhere Zinsen erfordern würde. Inzwischen hat das Eurosystem im Zuge seiner geldpolitischen Ankaufprogramme laut Bundesbank Staatsanleihen im Wert von rund 1,5 Bill. € in die eigenen Bücher genommen. Dieser Wert entspricht 14% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Euroraum. Bis zum Jahresende rechnet Thiele mit 2 Bill. € oder 18% des BIP.

Wie lange soll das noch so gehen? Denn die Wirtschaftslage im Euroraum hat sich positiv verändert, die Inflation ist bei 1,9% angekommen, die sich die EZB immer selbst als Marke für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik gesetzt hat. „This time hasn’t come yet“, sagte dazu Mario Draghi dieser Tage seinen Kritikern in den Niederlanden. Der EZB-Chef sieht die Inflation noch nicht nachhaltig auf dem Weg in Richtung des EZB-Zielwerts von knapp unter 2%. Dennoch gehen Beobachter wie Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts in München, davon aus, dass die Notenbank ihren Kurs nicht mehr lange wird durchhalten können.

Weiterhin Druck in diese Richtung macht auch Jens Weidmann, einer der schärfsten Kritiker der lockeren Geldpolitik. So helfen in den Augen des Bundesbank-Chefs die sich festigende wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum und der robuste Ausblick dabei, „die Normalisierung in den Blick zu nehmen“. Selbst Yves Mersch aus dem EZB-Direktorium äußerte sich vor kurzem in ähnlicher Form. Steht also der insbesondere von der Finanzbranche herbeigesehnte Einstieg in den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik kurz bevor? Zum Schwur kann es bereits im Juni kommen. Dann könnte die EZB tatsächlich, wie von vielen Beobachtern erwartet, ihre geldpolitischen Leitlinien ändern und im September bekannt geben, wie sie aus der expansiven Geldpolitik aussteigen will. Man darf also gespannt sein.

Alte Liebe, neu entdeckt

Mit Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy und Francois Hollande hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits drei französische Präsidenten „überlebt“. Betrachtet man das Verhältnis aber auf der Ebene von Deutschland und Frankreich, so mag die alte Ehe der Nachbarstaaten etwas in die Jahre gekommen sein. Mit dem Neuen im Elysée-Palast aber kommt wieder Schwung in die Beziehung. Emmanuel Macron ist mit dem Versprechen angetreten, dass Frankreich seine Verpflichtungen einhalten werde und die notwendigen Reformen von Paris ausgehen müssten. So spricht Macron immer wieder von „tiefgreifenden Reformen“ für sein Land. Damit hat er sich Respekt in der europäischen Gemeinschaft verschafft, besonders in Deutschland, das er bereits einen Tag nach seiner Amtseinführung besucht hat.

Bei seinem Treffen mit der Kanzlerin wurde ein Fahrplan vereinbart, der vorsieht, die mittelfristige Zukunft Europas zu erarbeiten. Themen sind dabei nicht nur der Austritt Großbritanniens, sondern auch die Frage, wie die Eurozone vertieft und krisenfester gemacht werden kann. Merkel sprach von einer „neuen Dynamik”, Macron skizzierte einen „Akt der Neugründung Europas und der Eurozone” in engster Abstimmung zwischen Paris und Berlin. Um die Europäische Union (EU) zu modernisieren, können sich beide Politiker auch vorstellen, bestehende Verträge zu ändern – solange es sinnvoll sei. Für ihn gebe es jedenfalls keine Tabus, versicherte Macron, der im Wahlkampf eine klar pro-europäische Linie gegen die rechtspopulistische EU-Gegnerin Marine Le Pen vertreten hatte. Positiv wurde in Berlin auch registriert, dass Macron eine Vergemeinschaftung alter Schulden ablehnt und sich gegen Eurobonds ausspricht. Allerdings machte sich der 39-Jährige für eine neue Investitionsoffensive in der Eurozone stark. „Wir müssen frisches Geld einbringen”, forderte er.

Auch wenn noch vieles unklar ist, etwa wie die Befugnisse eines Eurofinanzministers aussehen sollten, den Macron fordert, so ist doch offensichtlich, dass nach den Wahlen 2017 für Deutschland und Frankreich vier Jahre folgen werden, in denen sich die Zukunft der EU und der Eurozone entscheiden wird. Wenn es tatsächlich gelingen sollte, dass die beiden Partner zügig konkrete Projekte auf den Weg bringen, können davon wichtige Impulse für ein sichtbareres und stärkeres Europa, etwa in der Steuer-, Verteidigungs- und Außenpolitik, ausgehen, wie es Merkel sagt. Dann hätten Deutschland und Frankreich Europa vielleicht nicht neu erfunden, aber die Gemeinschaft vor ihrem Zerfall bewahrt.

Kritik an Deregulierung der US-Banken

Man reibt sich schon verwundert die Augen, wie die Prahlsucht von „D. T., dem Unberechenbaren“ gegenüber dem russischen Außenminister Sergej Lawrow dazu geführt haben mag, Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Das Sicherheitsrisiko, das von dem US-Präsidenten ausgeht, lässt daher viele Anleger mit Blick auf die US-Märkte erst einmal abwarten – zumal sich die vollmundig angekündigten Anschubmaßnahmen für die Konjunktur weiter verzögern.

Eine dieser Maßnahmen mag die Deregulierung der Finanzbranche sein, von der ein Push für die Wall Street ausgehen könnte. Schließlich drängte einer der ersten Erlasse Donald Trumps auf die Überprüfung der Wall-Street-Reformen der Obama-Ära, die vor allem im Dodd-Frank-Gesetz enthalten sind. Eine Rückabwicklung der Bankenregulierung, die als Konsequenz aus der Finanzkrise gezogen wurde, stößt aber auf immer mehr Kritik - nicht zuletzt bei der US-Notenbank Fed. Kein Geringerer als der Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis, Neel Kashkari, erteilte einer Lockerung der Regulierung eine klare Absage. Einen Teil der Regulierung würde er zwar zurücknehmen, aber nur für kleine Banken, nicht für die Institute an der Wall Street, sagte Kashkari, der selbst Republikaner ist. Vor diesem Hintergrund wachsen bei den US-Banken die Zweifel an einer Deregulierung. Die Wahrscheinlichkeit einer Gesetzesänderung sei sehr begrenzt, zitiert die „Financial Times“ einen Wall-Street-Banker.

Kritik kommt auch von der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Vizepräsident Vitor Constancio das Zurückdrehen der Reformen durch die Obama-Regierung für eine Art verzweifelten Versuch hält, zu einer alten Normalität zurückzukehren, die die Welt in die Krise geführt hat.

IWF fordert höhere Löhne in Deutschland

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat an die Bundesregierung appelliert, sich nicht auf der guten wirtschaftlichen Lage auszuruhen. Die deutsche Wirtschaft befinde sich zwar in einer glänzenden Verfassung, wozu Innovationen, frühere Reformen und ein gutes soziales Sicherungsnetz beitrügen. Allerdings fordert der Fonds von Deutschland Steuerentlastungen sowie höhere Löhne und zusätzliche Investitionen. Der zur Verfügung stehende finanzielle Spielraum sollte genutzt werden für Initiativen, um das Wachstumspotenzial ebenso zu verbessern wie Investitionen in die Infrastruktur, Digitalisierung, Kinderbetreuung, Flüchtlingsintegration und für eine Senkung der Steuerlast auf Arbeit, heißt es in dem neuen Länderbericht des IWF.

Dabei hält der IWF einen nachhaltigen Anstieg der Löhne und der Inflation in Deutschland für erforderlich, um die Preissteigerung in der Eurozone anzuheben und eine Normalisierung der Geldpolitik zu erleichtern. Eine stärkere Lohndynamik wäre hilfreich für die Wirtschaft und würde die Binnenkonjunktur ankurbeln. Im selben Zusammenhang fordert der IWF erneut einen Abbau des hohen deutschen Handelsüberschusses, den zuletzt sogar Wolfgang Schäuble als zu hoch bezeichnet hatte.

Der Bundesfinanzminister dürfte auch die Passage des Länderberichts aufmerksam gelesen haben, wonach eine Abkehr vom strikten Sparen in der Finanzpolitik empfohlen wird. Demnach soll die Bundesrepublik kleine Haushaltsdefizite in Kauf nehmen, um damit eine Steuerreform und Investitionsprogramme zu finanzieren.

Eine weitere Forderung des IWF lautet, höhere Abgaben für Spitzenverdiener in Deutschland einzuführen. So hält der Fonds höhere Steuern auf Eigentum für notwendig, um die Ungleichheit im Land stärker zu bekämpfen. Die Bundesregierung müsse mehr tun, damit Bürger aus verschiedenen Schichten am Wachstum teilhaben können. Der Währungsfonds kritisiert im Entwurf seines diesjährigen Deutschlandberichts vor allem die hohe Belastung von Menschen mit unteren Einkommen und die zu geringen Abgaben für Vermögende. Die Bundesregierung soll hierauf eher verschnupft reagiert haben.

Ein Maulwurf für den sanften Brexit

Die Bank of England (BoE) sitzt in der Zwickmühle. Auf der einen Seite will sie die lockere Geldpolitik beibehalten, um die britische Wirtschaft vor möglichen negativen Folgen des anstehenden Brexits zu schützen. Aber auf der anderen Seite ist die Inflation inzwischen auf 2,3% gestiegen, was immer mehr für eine Straffung der Geldpolitik sprechen könnte.

Zwischen den Stühlen sitzt Zentralbank-Chef Mark Carney auch bei seinem Vorgehen in der aktuellen politischen Situation im Zusammenhang mit den anstehenden Brexit-Verhandlungen. Während die britische Premierministerin Theresa May angekündigt hat, zur Not auch einen „harten Brexit” ohne Abkommen und Neuordnung zu akzeptieren, weiß Carney, dass dies nicht sehr bekömmlich für die Wirtschaft wäre. Also redet er einem „weichen Brexit“ das Wort, weshalb ihn die „Zeit“ auch schon mal als „Brexit-Maulwurf“ bezeichnet hatte. Schon früh hatte sich Carney in Hintergrundgesprächen für einen schonenden Übergang stark gemacht. Nun propagiert er auch offen sein Faible für die sanfte Lösung.

Carney gab sich vergangene Woche mit Blick auf die anstehenden Brexit-Verhandlungen zuversichtlich. So gehe die BoE von einem sanften Brexit mit einer Einigung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union sowie einer Übergangsphase aus, sagte er. Man habe keine alternativen Prognosen für einen ungeordneten Brexit ohne Einigung erstellt.

Zudem hält die Notenbank an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Der Leitzins verharrt weiterhin auf dem historischen Tief von 0,25%. Gleichwohl stellten die Londoner Währungshüter eine mögliche künftige Straffung in Aussicht.

Im Dauerwahlkampfmodus

Kaum ist mit der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen die dritte ihrer Art in Deutschland verdaut, richtet der politisch interessierte Europäer sein Augenmerk schon auf die nächsten Urnengänge. Am 8. Juni stehen Neuwahlen in Großbritannien an, am 11. und 18. Juni folgen die Parlamentswahlen in Frankreich. Und für September ist schließlich die Bundestagswahl terminiert, bevor es im Oktober in Österreich zu Neuwahlen kommt. Zuvor hatten in diesem Jahr die Voten in den Niederlanden und Frankreich die Gemüter erhitzt.

Kein Zweifel, wir sind im Dauerwahlkampfmodus. Erfreulich ist, dass die europafeindlichen, rechtspopulistischen Kandidaten auf nationaler Ebene nie reüssieren konnten – auch nicht bei der Präsidentschaftswahl in Österreich im vergangenen Jahr. Damit hat Europa Zeit gewonnen, sich neu zu erfinden. Und diese Zeit gilt es zu nutzen. Damit wurde aber auch ins Bewusstsein gerufen, dass es sich lohnt, für die europäische Idee einer liberalen Gesellschaft, die uns über 70 Jahre Frieden gebracht hat, zu streiten. Nicht umsonst gehen inzwischen die Leute unter dem Motto „Pulse of Europa“ jeden Sonntag in vielen europäischen Städten für Europa auf die Straße.

Emissionsreigen für Investoren

Nahtlos knüpft die rege Investitionstätigkeit der Unternehmen an die letzte Berichtswoche an. Gründe hierfür dürften die gestiegenen Konjunkturerwartungen, aber auch der Wahlausgang in Frankreich sein. Alleine über 10 Mrd. Euro sammelten E.ON, Louis Vuitton, IBM, Rallye, CNH Industrial und die Deutsche Telekom am Kapitalmarkt ein.

E.ON erfreute dabei die Privatanleger mit 3 Anleihen über Laufzeiten von 4, 7 sowie 12 Jahren und einer Mindeststückelung von 1.000 €. Insgesamt platzierte der Energieversorger aus NRW 2 Mrd. € und ließ sich bei allen 3 Anleihen eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben. Der 4-jähirge Bond (A2E4BD) ist am 23.08.2021 fällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,375% ausgestattet. Emittiert wurde zu 99,727%, was einem Spread von +32 bps über Mid Swap gleichkam. Die zweite Tranche (A2E4BE) mit Fälligkeit am 22.05.2024 zahlt dem Investor jährlich 0,875% Zinsen. Der Reoffer lag bei 99,347% (+50 bps über Mid Swap). Die 12-jährige Anleihe (A2E4BF) läuft bis zum 22.05.2029 mit einem Kupon in Höhe von 1,625% jährlich. Ausgegeben wurde das Papier zu 98,754% (+72 bps über Mid Swap).

Das börsennotierte Unternehmen LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton emittierte gleich 4 Anleihen im Gesamtvolumen von 4,5 Mrd. €. Der Floater (A19HWY) ist am 26.11.2018 fällig und der Zinssatz richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor +10 bps. Begeben wurde das Papier zu 100,40%. Die weiteren 3 Tranchen (A19HWZ, A19HW0, A19HW1) haben Laufzeiten von 3, 5 und 7 Jahren. Ausgestattet sind alle drei Anleihen mit einer Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten und die Verzinsung bewegt sich jährlich zwischen 0% und 0,75%. Alle Anleihen haben eine Mindeststückelung von 1.000 €.

Mit einem Doppelpack machte in dieser Woche IBM auf sich aufmerksam und sammelte insgesamt 2 Mrd. € am Kapitalmarkt ein. Die erste 1 Mrd. € schwere Tranche (A19HWW), ein 8-jähriger Bond ist am 23.05.2025 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 0,95%. Der Emissionspreis wurde mit 99,831% festgelegt. Dies entsprach +37 bps über Mid Swap. Über die 2. Anleihe (A19HWX) sammelte der US-amerikanische Konzern ebenfalls 1 Mrd. € zu einem jährlichen Zins von 1,5% bei den Investoren ein. Fällig ist das Papier am 23.05.2029 und der Reoffer bei 99,793% kam einem Spread von +50 bps über Mid Swap gleich.

Als vierter im Bunde legte CNH Industrial einen 5-jährigen Bond (A19HT0) mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. € auf. Der Hersteller von Investitionsgütern mit Sitz in Großbritannien zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt 1,375% Zinsen p.a. an die Gläubiger. Der Emissionspreis belief sich auf 99,335%, was einem Spread von +130 bps über Mid Swap entsprach.

Rallye legte einen 6-jährigen 350 Mio. € schweren Bond (A19HW2) mit Fälligkeit am 23.01.2023 auf und zahlt den Investoren jährlich 4,371% Zinsen. Ausgegeben wurde das Papier zu pari, was +451,8 bps über Bund bedeutete. IBM, CNH Industrial und Rallye ließen sich für ihre Titel eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen und legten die Mindeststückelung jeweils auf 100.000 € fest.

Als letzter im Bunde reihte sich die Deutsche Telekom ein und begab eine Anleihe (A19HWL) mit einem Volumen von 750 Mio. €. Die Telekom stattete den Bond mit einem Zins von 1,125% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 22.05.2026 jährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu 99,085% (+96,8 bps über Bund). Die Anleihe ist ebenfalls mit einer Mindeststückelung von 1.000 € begeben worden.

Euro auf der Überholspur

Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich aktuell auf einem bemerkenswerten Höhenflug. Nachdem die Präsidentschaftswahl in Frankreich den Euro bereits auf die Siegerstraße brachte, setzt dieser seinen Siegeszug in den vergangenen Handelstagen weiter fort.

So stieg die Einheitswährung innerhalb der Berichtswoche von seinem bisherigen Mai-Tief bei 1,0839 USD am vergangenen Donnerstag in beeindruckender Art und Weise bis auf 1,1172 USD. Dies ist ein neuer Bestwert in diesem Jahr und gleichzeitig der höchste Stand seit November 2016. Damals notierte der Euro um die Marke von 1,13 USD. Zum damaligen Zeitpunkt stieg der Euro in erster Reaktion auf einen möglichen Wahlsieg von Donald Trump stark an. Dieser Tage ist es eben erneut der amtierende US-Präsident, welcher mit seiner aktuellen Politik hauptsächlich für die Schwäche der eigenen Währung und gleichwohl für den festen Euro verantwortlich ist. Zudem überzeugt Europa derzeit mit positiven Nachrichten im Hinblick auf die Konjunkturdaten sowie auch die abnehmenden politischen Risiken. Damit hat die gemeinsame Währung Eurolands das Momentum klar auf ihrer Seite. Zur Stunde handelt der Euro weiterhin auf hohem Niveau und notiert aktuell bei 1,1130 USD.

Nicht nur zum Dollar präsentiert sich der Euro stark sondern auch zum südafrikanischen Rand. Die Währung Südafrikas zeigt sich weiterhin ziemlich anfällig, nicht zuletzt aufgrund der politischen Risiken im Land. Anfang Mai hat der Rand erstmals in 2017 die Marke von 15,00 ZAR nicht halten können und fiel zum Euro bis auf 15,0540 ZAR. Inzwischen konnte sich die Währung wieder etwas stabilisieren und handelt derzeit bei 14,80 ZAR.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Berichtswoche Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie auch mexikanische Peso im Fokus der Privatanleger.

Rückkehr zu „Business as usual“

Nachdem inzwischen in den USA der Government Shutdown abgewendet wurde, kann man sich auch dort dem „Business as usual“ zuwenden. Dies bedeutet in dieser Handelswoche einerseits die Refinanzierung mittels T-Bills im Volumen von 127 Mrd. USD mit den üblichen Laufzeiten und andererseits die Emission von T-Notes und T-Bonds für insgesamt 62 Mrd. USD. Somit konnten Investoren zwischen einem Anlagehorizont zwischen 4 Wochen und maximal 30 Jahren wählen.

In Euroland rührt die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten von den unterschiedlichen Emittenten der Staatsanleihen sowie den entsprechenden Fälligkeiten her. So waren neben Italien am heutigen Tag bereits die Niederlande (A1VPZX / 2022), Österreich (A19GCS / 2027 ; A18X6Q / 2047), Portugal (A1Z6CE / 2022 ; A19BUN / 2027) und auch Deutschland mit der Aufstockung von Altemissionen aktiv geworden. Guter Nachfrage erfreute sich hierbei die inflationsindexierte Anleihe der Bundesrepublik Deutschland (103057 / 2046), die um 500 Mio. € auf insgesamt 6 Mrd. € aufgestockt werden konnte. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,27%. Auch die gestrige Erhöhung des Emissionsvolumens der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 175 (114175) um 3 Mrd. € auf insgesamt 15 Mrd. € ging problemlos über die Bühne. Zwar wurden lediglich Kaufaufträge für ca. 3,4 Mrd. € abgegeben, jedoch lag die Zuteilung bei einer Durchschnittsrendite von -0,31% im Rahmen der Erwartungen. Zur Marktpflege wurden ca. 570 Mio. € zurückbehalten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:

Robert Halver,

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Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Macron – zum Erfolg verdammt

Die Steine, die bekennenden Europäern beim Wahlsieg Emmanuel Macrons vom Herzen gefallen sind, waren riesengroß. Der Euro und das Haus der Europäischen Union (EU) sind mit dem Einzug des unabhängigen Kandidaten in den Elysée-Palast fürs Erste gerettet. Aber es ist doch eben nur Zeit, die der neue Präsident der Fünften Republik für die europäische Idee gewonnen hat. Und die gilt es unbedingt zu nutzen. Dass der Weg, den Macron zu gehen hat, kein leichter sind wird, ist allen politischen Beobachtern klar.

Dies wurde schon ein Tag nach Macrons Wahl deutlich, als linke CGT-Gewerkschafter gegen ihn und seine geplante Arbeitsmarktreform auf die Straße gingen. Eine Schonfrist für den neuen Präsidenten, welche die Franzosen „état de grace“ nennen, wurde nicht gewährt. Doch nicht nur die CGT ist es, die bereits die Messer wetzt. Auch Jean-Luc Mélenchons „Unbeugsames Frankreich“ und die Rechtspopulisten der Wahlverliererin Marien Le Pen warten ebenso wie die Sozialisten und Konservativen darauf, bei den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni dem Emporkömmling die Grenzen aufzuzeigen. Um zu verhindern, dass seine Revolution nicht bereits im Keim erstickt wird, muss Macrons Partei „En Marche“ bei dem Urnengang zur Nationalversammlung ordentlich punkten, was angesichts einer erst im Aufbau befindlichen Partei als enorm schwierig erscheint. Hinzu kommt der Umstand, dass aufgrund der hohen Anzahl ungültiger Stimmen und der Nichtwähler keine Mehrheit der Franzosen hinter Macron steht. Denn 4,2 Mio. Franzosen haben bewusst eine ungültige Stimme abgegeben. Dabei wird zwischen „Vote nul“ und „Vote blanc“ unterschieden, was aber an der Tatsache nichts ändert.

Daher wird es für den 39-Jährigen darauf ankommen, die Aufbruchsstimmung, die er bei einem Teil der Franzosen ausgelöst hat, auch auf seine Nichtwähler zu übertragen. Und dazu sollte ihm der Nachbar Deutschland, so gut er es eben kann, unter die Arme greifen. „Was Frankreich braucht, sind Ergebnisse“, sagt dazu Angela Merkel. Dass dabei die Bundesregierung „hilfreich“ sein werde, hat die Kanzlerin schon mal versichert - aber auch gesagt, dass deutsche Unterstützung französische Politik nicht ersetzen könne.

Dennoch dürfte in Berlin klar sein, dass man Macron helfen wird, die von der Kanzlerin angesprochenen Ergebnisse zu liefern. Dazu könnte eine bilaterale Investitionsoffensive beitragen, die über einen deutsch-französischen Investitionsfonds finanziert wird. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist Macrons Idee, den Krisentopf ESM in einen Europäischen Währungsfonds umzuwandeln, was in der Vergangenheit bereits von Vizekanzler Sigmar Gabriel und auch Finanzminister Wolfgang Schäuble unterstützt worden ist. Differenzen dürfte es dagegen bei der Einführung von Eurobonds geben, mit denen Macron und Gabriel liebäugeln, die CDU aber strikt dagegen ist. Hinzu kommt Macrons geäußerte Kritik an den hohen Handelsüberschüssen der Deutschen. Ohne Kompromisse wird’s also wohl nicht gehen.

Man darf auch gespannt sein, wie sich die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts des Wahlsiegs von Macron verhält. Wird sie ihre Niedrigzinspolitik zurückfahren, wie es Teile der deutschen Wirtschaft fordern? Immerhin könnte der neue Präsident die Notwendigkeit von Reformen zumindest teilweise der EZB in die Schuhe schieben.

Festzuhalten bleibt, dass die Gefahr einer tiefen politischen und ökonomischen Krise für die gesamte EU zunächst abgewendet ist, für Macron der eigentliche Weg aber erst jetzt beginnt. Mitentscheidend wird hierbei bereits der Ausgang der französischen Parlamentswahlen im Juni sein, die man wieder mal als Schicksalswahlen für Europa bezeichnen kann. Macron, der zunächst einmal seine Machtbasis sichern muss, ist zum Erfolg verdammt, und mit ihm die bekennenden Europäer. Deutschland muss also ein vitales Interesse daran haben, dass der Neue im Elysée-Palast reüssieren wird. Vielleicht geht von diesem Zwang ja auch ein Ruck aus, der die EU reformieren kann.

Die Brexit-Schatten werden länger

Die dunklen Schatten, die der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) wirft, werden länger und länger. Nachdem bereits mehrere Banken ihre Erwägungen mitgeteilt haben, wegen des Brexits Jobs aus London abzuziehen, spitzt sich nun der Streit um die Zukunft von Euro-Clearing nach dem Brexit zu. So stellt die EU-Kommission den Standort London für die Abwicklung von auf Euro lautende Finanzderivate ausdrücklich in Frage.

Geprüft werden drei Alternativen, wovon eine die Verlagerung des Clearings aufs europäische Festland darstellt. Tausende von Arbeitsplätzen könnten so nach Frankfurt wandern. Bis zur Sommerpause will nun der Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis einen Gesetzesvorschlag vorlegen, um das Derivate-Clearing für die Zeit nach dem Brexit zu regeln. Hintergrund dieser Überlegungen ist der Umstand, dass durch den Brexit das Clearing dem europäischen Recht und damit der Aufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB) entzogen würde. Und auf der anderen Seite müsste sie im Falle einer Schieflage eines großen Londoner Clearinghauses mit Finanzspritzen eingreifen.

Nach Dombrovskis‘ Gedankenspielen sollen entweder die EU-Aufseher einen verstärkten Zugriff auf Euro-Clearing in Großbritannien erhalten oder das Clearing wandert in ein anderes EU-Land. Die dritte Möglichkeit, dass die EU die britischen Aufsichtsregeln als gleichwertig mit den eigenen anerkennt, hält Dombrovskis für sehr unwahrscheinlich.

Dass eine Abwanderung des Euro-Clearings in der Londoner City zu Jobverlusten führen würde, gilt als ausgemacht. Laut Xavier Rolet, Chef der Londoner Börse, sind dadurch mehr als 80.000 Stellen gefährdet. Indirekt könnten sogar mehr als 200.000 Jobs betroffen sein. Keine guten Nachrichten für Premierministerin Theresa May also, deren Brexit-Szenario laut deutschen Medien („Spiegel“) ohnehin auf einer Reihe von Fehlkalkulationen beruht. Aber, so wie sie jüngst sagte, werde ihre Verhandlungsposition in der kontinentalen Presse falsch dargestellt. Am 8. Juni will sie sich nun bei den eilig ausgerufenen Neuwahlen, die wie eine Art zweites Referendum erscheinen, ein starkes Mandat für die Brexit-Verhandlungen abholen. Dies dürfte auch klappen, gibt es für den Wähler doch keine aussichtsreiche Alternative, die erfolgversprechend einen europafreundlichen Kurs vertritt. Und im Gegensatz zum ersten Referendum im Juni 2016 kann nun kaum mehr ein Wähler in Großbritannien behaupten, er wisse nicht, um was es beim Brexit gehe.

So paradox es auf den ersten Blick klingen mag, auch für die EU-Kommission wäre eine durch die Wahlen gestärkte May ein Segen. Denn dann wäre die Premierministerin, die ja einst gegen den Brexit getrommelt hatte, nicht mehr so sehr den Hardlinern unter den Brexiteers verpflichtet und es würde ihr leichter fallen, gegebenenfalls Zugeständnisse an die EU zu machen.

BaFin beschränkt CFD-Handel

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beschränkt den Handel mit finanziellen Differenzkontrakten (Contracts for Difference, CFDs). Kontrakte mit einer Nachschusspflicht dürfen Privatkunden demnach nicht mehr angeboten werden. Mit der Beschränkung des CFD-Handels macht die Aufsicht damit erstmalig von der Möglichkeit zur Produktintervention Gebrauch.

Die BaFin begründet diesen Schritt mit erheblichen Bedenken für den Anlegerschutz bei CFDs mit Nachschusspflicht. Sie hätten ein für Privatkunden unkalkulierbares Verlustrisiko, das sich nicht auf den Kapitaleinsatz des Kunden beschränkt, sondern sein gesamtes Vermögen erfassen und ein Vielfaches seines eingesetzten Kapitals betragen kann. „Das können wir aus Verbraucherschutzgründen nicht akzeptieren. Die Beschränkung des CFD-Handels ist deshalb ein notwendiger Schritt zum Schutz der Privatanleger“, begründete Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele das Einschreiten der Aufsicht.

Anbieter von CFDs mit Nachschusspflicht haben ab der Veröffentlichung der Allgemeinverfügung drei Monate Zeit, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Einige Anbieter haben bereits CFDs ohne Nachschusspflicht im Programm oder aufgrund der geplanten Allgemeinverfügung angekündigt, solche Angebote zu schaffen. 2016 war die BaFin bereits gegen sogenannte Bonitätsanleihen vorgegangen. In diesem Fall hatten die Anbieter unter anderem mit einer Namensänderung ein Produktverbot verhindern können. Dies wird aber diesmal nicht ausreichen.

Personalmangel im Weißen Haus

Personalnot drosselt den Aktivismus von „D. T., dem Unberechenbaren“. Das von US-Präsident Donald Trump angekündigte Vorhaben, die Finanzbranche wieder zu deregulieren, muss wegen fehlenden Personals verschoben werden. Daher kann eine im Februar angeordnete Überprüfung des sogenannten Dodd-Frank-Gesetzes, das die Regierung Obamas infolge der Finanzkrise eingeführt hatte, nicht wie geplant bis Anfang Juni abgeschlossen werden. Auch mehr als 100 Tage nach der Wahl sind im Finanzministerium immer noch viele Stellen unbesetzt. Stattdessen würde sich das Ministerium zunächst nur mit den Bankenvorschriften im engeren Sinn beschäftigen, berichtet Reuters mit Bezug auf Insiderinformationen. Übersetzt bedeutet das: Man liest sich noch in die Problematik ein.

Trump hatte im Februar eine Lockerung der Vorschriften für den Finanzsektor angeordnet und ein Dekret unterzeichnet, das den „Dodd-Frank-Act“ ins Visier nimmt. Außerdem hatte er vergangenen Monat angekündigt, die Aufspaltung großer Banken zu prüfen, was im Gegensatz zu dem ersten Ansinnen auf wenig Gegenliebe an der Wall Street stoßen dürfte. Es ist also nicht jedem Beteiligten klar, wie er die Finanzbranche für die Zukunft aufstellen möchte. Zumal er den Werbeslogan von Toyota inzwischen zu seinem persönlichen Motto gemacht hat!

Kanada fühlt sich an Subprime-Krise erinnert

In Kanada sorgt ein kleiner Immobilienfinanzierer namens Home Capital Group (HCG) für große Aufregung. Nachdem HCG einen Notkredit von 2 Mrd. kanadischen Dollar (1,3 Mrd. €) mit einem Zinssatz von über 20% aufgenommen hatte, war der Aktienkurs des Unternehmens zusammengebrochen. Mittlerweile ist die Hälfte des Kredits aufgebraucht und das Institut sucht verzweifelt nach neuen Liquiditätsquellen. Das Geschäftsmodell von HCG basiert auf Hypothekenkrediten für Kunden mit schlechter Bonität, die bei anderen Banken keinen Kredit bekommen.

Da werden Erinnerungen an die Subprime-Krise 2009 wach, denn nichts anderes als Subprime-Kredite sind es, mit denen HCG sein Geschäft macht. Jüngst war es zu einem Bankansturm (Bank Run) auf HCG gekommen, in dessen Rahmen die Kunden innerhalb weniger Wochen mehr als 2 Mrd. kanadische Dollar an hochverzinslichen Spareinlagen abgehoben hatten. Das Institut verfügt zwar noch über Reserven in Form von Termineinlagen, aber sobald diese auslaufen, dürften die Gläubiger diese auch sofort abziehen.

Die Frage ist nun, ob die Krise bei einem Unternehmen, das nur rund 1% des kanadischen Immobilienmarktes auf sich vereint, auf den gesamten Sektor überspringen könnte. Immerhin machen die kanadischen Subprime-Institute rund 13% des Hypothekenmarktes aus. Sollten die Vorgänge bei HCG dazu führen, dass die Kunden bei anderen kanadischen „Subprime”-Instituten ebenfalls ihre Einlagen abheben, könnte der gesamte Bankensektor infiziert werden.

Forderungssaldo der Bundesbank auf Rekordhöhe

Deutschland ist mit deutlichem Abstand der größte Gläubiger im Zahlungssystem der Euro-Notenbanken. So sind die Forderungen der Bundesbank auf ein neues Rekordhoch geklettert. Im April ist der Saldo um 13,69 Mrd. € auf 843,44 Mrd. € geklettert. Umgekehrt erhöhten sich die Target-2-Verbindlichkeiten bei Ländern wie Italien und Spanien zuletzt ebenfalls kräftig.

Über das Buchungssystem Target-2 wird im Euro-Währungsraum der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Banken abgewickelt. Die Target-Salden zeigen die Verbindlichkeiten und Forderungen an, die bei den Notenbanken durch die Transaktionen entstehen. Zu Verbindlichkeiten in der Bilanz eines Landes kommt es, wenn Banken mehr Geld ins Ausland überweisen, als ihnen zufließt. Erhöhte Verbindlichkeiten kann ein Zeichen für zunehmende Kapitalflucht sein. Die hohen Target-Forderungen könnten eine Gefahr für Deutschland werden, sollte es zu einem Zusammenbruch der Eurozone kommen. Dann würden die Salden nicht mehr beglichen werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) führt den jüngsten Anstieg der Ungleichgewichte bei den Target-Salden auf ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm zurück. Viele internationale Banken, von denen andere Euro-Notenbanken Wertpapiere kaufen, führen ein Konto bei der Bundesbank. Im Zuge der Wertpapierankäufe hat dies im Zahlungssystem eine Zunahme des Target-Saldos für Deutschland zur Folge.

Die Qual der Wahl

Die Investoren haben in dieser Berichtswoche die Qual der Wahl. Insgesamt gab es 6 nennenswerte Neuemissionen bei Unternehmen verschiedenster Sektoren. Da wären zum einen aus der Automobilbranche Hella, General Motors und Daimler sowie zum anderen ABB, Repsol und Kellogg.

General Motors und Daimler entschieden sich bei Ihren Neuemissionen für jeweils einen Floater mit einer Mindeststückelung von 100.000 €. Der US-Konzern begab eine 1 Mrd. € schwere Anleihe (A19G69) mit Fälligkeit am 10.05.2021. Der Zinssatz richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor (+68 bps) und kommt auch alle 3 Monate zur Auszahlung. Der Ausgabepreis lag bei 100%. Der deutsche Automobilhersteller Daimler hingegen refinanzierte lediglich 500 Mio. € über den Kapitalmarkt. Der Bond (A19HBM) ist am 11.05.2022 fällig und der Zinssatz richtet sich ebenfalls nach dem vierteljährlichen Euribor (+30 bps). Angeboten wurde die Anleihe zu 100,249%.

Der Dritte im Bunde, Hella, verdient sein Geld mit der Herstellung von Autoteilen und konnte erfolgreich eine Emission (A19HBR) im Volumen von 300 Mio. € zu einem jährlichen Zins von 1% platzieren. Der 7-jährige Bond ist am 17.05.2024 fällig und wurde zu 99,819% emittiert, was einem Spread von +53 bps über Mid Swap gleichkam. Hella erfreut mit der Mindeststückelung von 1.000 € sicherlich auch den ein oder anderen Privatanleger. Zusätzlich wurde eine Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten in die Anleihebedingungen aufgenommen.

Die restlichen drei Unternehmen legten ihre Bonds mit einer Mindeststückelung von 100.000 € auf. Kellogg sowie ABB ließen wie Hella eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen aufnehmen. Der spanische Erdölkonzern Repsol sammelte mit seinem 5-jährirgen Bond (A19HJ3) 500 Mio. € frisches Geld ein und zahlt seinen Investoren bis zur Fälligkeit am 23.05.2022 einen jährlichen Zins in Höhe von 0,5%. Emittiert wurde zu 99,568%, was einem Emissionsspread von +35 bps über Mid Swap entsprach.

Der bei Kindern besonders beliebte Hersteller von Cornflakes Kellogg refinanzierte sich mit 600 Mio. €. Der Bond (A19HJ4) ist am 17.11.2022 fällig und mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 0,8% ausgestattet. Der Reoffer lag bei 99,947% (+50 bps über Mid Swap). Das Schweizer Unternehmen ABB hat ebenfalls um die Gunst der Investoren gebuhlt und emittierte einen 7-jähirgen Bond (A19HJ0), der am 16.05.2024 fällig ist. Die 750 Mio. € schwere Anleihe zahlt den Gläubigern einen jährlichen Zins von 0,75%. Zusätzlich zur Make Whole Option gibt es ein optionales Kündigungsrecht am 16.02.2024 zu 100%. Angeboten wurde die Anleihe zu 99,674%, was einem Spread von +30 bps gleichkam.

Zu guter Letzt wurde gestern Abend bekannt, dass General Electric insgesamt 8 Mrd. € am Kapitalmarkt aufgenommen hat. Dazu wurden 4 Anleihen mit Laufzeiten von 5, 8, 12 und 20 Jahren emittiert. Wie groß das Interesse der Investoren war, lässt sich schon am Volumen der aufgegebenen Orders i.H.v. 22 Mrd. € erkennen.

Nur eine kleine Verschnaufpause?

Oftmals ist es die Phantasie, welche die Märkte beeinflusst. Aber nach der Wahlentscheidung in Frankreich lenken die Rentenhändler ihre Blicke wieder den harten Fakten zu. Auch wenn sich der Euro-Bund-Future zur Wochenmitte eine kleine Verschnaufpause gönnte, so ist doch in den kommenden Tagen und Wochen mit weiteren Rücksetzern zu rechnen. Das bedeutet aber nicht, dass es nie wieder zu steigenden Notierungen kommen wird! Die Trendwende ist eingeläutet und das Tal der Tränen ist aus Sicht der Investoren zumindest am langen Laufzeitende durchschritten.

Dies scheint zumindest auch die Meinung unseres Finanzministers zu sein. Doch von inflationsausgleichenden Renditen bei den vermeintlich „sicheren“ Investitionen kann weiterhin nur geträumt werden. Die Entwicklung am Rentenmarkt wird in den kommenden Wochen und Monaten von einer Vielzahl an Themen beeinflusst. Hierzu gehören u.a. die Konjunkturdaten Chinas, der Eurozone, Japans und der USA, das anstehende Tapering in der Eurozone und die zu erwartende Reduzierung der Fed-Bilanzsumme. Zusätzlich werden auch die politischen Entscheidungen in den USA, in den EU-Staaten, in Korea (Nord und Süd) und nicht zuletzt in Russland die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen lassen.

Sobald sich die ersten Anzeichen einer veränderten EZB-Geldpolitik vernehmen lassen, wird die Entwicklung der Renditespreads zwischen Deutschland und den anderen EU-Staaten zu beobachten sein. Doch auch der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen Bundesanleihen und T-Notes wird immer mehr in den Fokus der Investoren rücken. Nicht zuletzt wird darüber ein Druck auf die Europäische Zentralbank aufgebaut, was sich in der Währung widerspiegelt.

Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 160,15% und hat den seit Mitte April intakten Abwärtstrendkanal auch gestern nicht nachhaltig verlassen. Somit konnte heute zu Handelsbeginn die obere Begrenzungslinie (160,71%) nicht überwunden werden und die erste ausgeprägte Unterstützung ist bei 160,11% auszumachen. Erst ein Unterschreiten der psychologisch wichtigen Marke bei 160% würde den von vielen Investoren erhofften Test der 159,14% ermöglichen.

Rückkehr zu „Business as usual“

Nachdem inzwischen in den USA der Government Shutdown abgewendet wurde, kann man sich auch dort dem „Business as usual“ zuwenden. Dies bedeutet in dieser Handelswoche einerseits die Refinanzierung mittels T-Bills im Volumen von 127 Mrd. USD mit den üblichen Laufzeiten und andererseits die Emission von T-Notes und T-Bonds für insgesamt 62 Mrd. USD. Somit konnten Investoren zwischen einem Anlagehorizont zwischen 4 Wochen und maximal 30 Jahren wählen.

In Euroland rührt die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten von den unterschiedlichen Emittenten der Staatsanleihen sowie den entsprechenden Fälligkeiten her. So waren neben Italien am heutigen Tag bereits die Niederlande (A1VPZX / 2022), Österreich (A19GCS / 2027 ; A18X6Q / 2047), Portugal (A1Z6CE / 2022 ; A19BUN / 2027) und auch Deutschland mit der Aufstockung von Altemissionen aktiv geworden. Guter Nachfrage erfreute sich hierbei die inflationsindexierte Anleihe der Bundesrepublik Deutschland (103057 / 2046), die um 500 Mio. € auf insgesamt 6 Mrd. € aufgestockt werden konnte. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,27%. Auch die gestrige Erhöhung des Emissionsvolumens der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 175 (114175) um 3 Mrd. € auf insgesamt 15 Mrd. € ging problemlos über die Bühne. Zwar wurden lediglich Kaufaufträge für ca. 3,4 Mrd. € abgegeben, jedoch lag die Zuteilung bei einer Durchschnittsrendite von -0,31% im Rahmen der Erwartungen. Zur Marktpflege wurden ca. 570 Mio. € zurückbehalten.

Macron gibt Anlass zur Hoffnung, aber mehr noch nicht!

Die politischen Risiken sind nach der französischen Präsidentschaftswahl in der Eurozone merklich gesunken. Der Sieg von Emmanuel Macron ist auch ein Sieg für die europäische Gemeinschaft.

Der Ausgang der Wahl hatte somit unmittelbar Auswirkungen auf die Gemeinschaftswährung. Zum Wochenstart stieg der Euro in einer ersten Reaktion im frühen asiatischen Handel erstmals in diesem Jahr über die Marke von 1,10 USD. Bei einem Devisenkurs von 1,1023 USD war der höchste Stand seit November 2016 erreicht. Im weiteren Verlauf der Handelswoche musste die Einheitswährung allerdings die Gewinne wieder abgeben und notiert heute Morgen bei 1,0865 USD.

Mit dem Sieg von Macron ist die implizite Euro-Dollar-Volatilität, ein Maß für die erwarteten Schwankungen des Euros zum Greenback in den nächsten zwölf Monaten, auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014 gefallen. Daraus ist abzuleiten, dass sich die Marktteilnehmer nun weniger Sorgen um die Zukunft des gemeinsamen Währungsraums machen.

Die aktuelle Ölpreisentwicklung macht derzeit der norwegischen Krone zu schaffen. So fiel die Währung Norwegens zum Euro auf 9,5780 NOK und markierte damit ein neues Jahrestief. Inzwischen konnte sich die Krone wieder deutlich erholen und notiert zur Stunde bei. 9,36 NOK.

Trotz des gestiegen Vertrauens in Europa und damit auch in die gemeinsame Währung waren auch in dieser Berichtswoche Fremdwährungsanleihen zur Risikobeimischung gefragt. Zu den Favoriten zählten insbesondere Bonds lautend auf US-Dollar. Aber auch Währungsanleihen auf norwegische Kronen, mexikanische Peso, russische Rubel und türkische Lira wurden rege gehandelt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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