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Author: Klaus Stopp

Trumps Politik provoziert Zinserhöhungen

So wie es aussieht, läuft in den USA alles auf eine Konfrontation zwischen US-Präsident Donald Trump und Notenbankchefin Janet Yellen hinaus. Mit deutlichen Worten hat sie die Märkte auf bald steigende Zinsen eingestimmt. Ein solcher Schritt nach oben sei unter gewissen Bedingungen auf einer der nächsten Sitzungen „wahrscheinlich angebracht”, hatte Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats gesagt. Dazu müssten sich der Arbeitsmarkt und die Inflation im Einklang mit den Erwartungen der Zentralbank entwickeln. Yellen fügte hinzu, es sei unklug, die Straffung zu lange hinauszuzögern. Die nächste Fed-Sitzung ist für März terminiert. Es ist aber davon auszugehen, dass die Notenbank mit einem Zinsschritt bis Juni warten wird.

Die Fed hatte den Leitzins zuletzt Ende 2016 auf das aktuelle Niveau von 0,5% bis 0,75% angehoben. Mit Blick auf die gute Konjunktur hatte die Fed damals drei Zinserhöhungen für 2017 in Aussicht gestellt. Nun ist aber davon auszugehen, dass die Wirtschaft durch Trumps Politik zusätzlichen Schub bekommen wird. Schließlich plant dieser radikale Steuersenkungen und Investitionen in Billionenhöhe. Die mit dieser Perspektive gekoppelte Unsicherheit macht es nach Einschätzung von US-Währungshüter Jeffrey Lacker erforderlich, dass die Zinsen schneller steigen als an den Märkten derzeit allgemein erwartet wird.

Indessen hat der Vizechef der US-Notenbank, Stanley Fischer, seine Sorge über die Haushaltspolitik der Trump-Administration geäußert und damit auf einen weiteren Unsicherheitsfaktor hingewiesen. Es gebe deutliche Unsicherheit über das, was kommen werde, sagte Fischer und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Regulierung der Banken, die Trump ja offenbar aufweichen will. Die neue US-Regierung hat angekündigt, die 2010 in den USA im sogenannten Dodd-Frank-Act festgeschriebene Neuregulierung der US-Finanzmärkte zu überprüfen. Fischer, der als einer der Architekten des Dodd-Frank-Gesetzes gilt, ist überzeugt, dass eine deutliche Verringerung der Kapitalvorgaben bei den Banken die Sicherheit des Finanzsystems gefährden würde. Er hoffe aber natürlich, dass das nicht passiere.

Ins gleiche Horn stieß Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, als er diese Woche vor Rückschritten bei der global vereinbarten Regulierung der Finanzmärkte gewarnt hat. Schäuble will daher dem neuen US-Finanzminister Steven Mnuchin nahe legen, die nach der Finanzkrise mühsam erreichte Regulierung nicht wieder zurückzunehmen. Jede freiheitliche Ordnung zerstöre sich ohne Regeln und Grenzen, so Schäubles Credo.

Ähnlich deutlich äußerte sich der EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis, der mit Blick auf US-Pläne vor einem weltweiten Deregulierungswettlauf warnt. “Wir müssen wirklich alles Mögliche tun, um einen Wettlauf nach unten bei der Finanzregulierung zu verhindern”, machte Dombrovskis gegenüber der Börsen-Zeitung klar.

Donald Trumps Steuerpläne und ihre Auswirkungen

Noch weiß niemand genau, was „D.T. – der Unberechenbare“ plant, wenn er bei der avisierten Steuerreform von einem „Riesending“ spricht. Doch scheinbar beflügelt dies die Börsianer, der Phantasie freien Lauf zu lassen. Normalerweise verabscheuen Investoren vage Aussagen. Allerdings gilt dies nicht für Maßnahmen, welche die Konjunktur beleben könnten. Und da es hierbei sowohl für die Bürger als auch für die Unternehmen darum geht, eines der antiquiertesten Steuermodelle zu überarbeiten, sollte am Ende mehr Geld für den Konsum zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund gibt es momentan an den Aktienmärkten kein Halten mehr.

Anders stellt sich die Situation an den Bondmärkten dar. Zwar trennen sich Investoren nicht generell von ihren Beständen, aber eine Reduzierung ist doch zu registrieren. Ob sich Investoren hierbei von der erstarkten Währung, von den anstehenden Zinsanhebungen seitens der US-Notenbank oder aber von der Furcht vor einer möglicherweise ausufernden Verschuldung treiben lassen, ist nicht eindeutig zu klären. Es dürfte sich dabei wohl um eine Mischung aus allen drei genannten Gründen handeln.

So betrug Ende 2016 der prozentuale Anteil der ausländischen Investoren am rund 20 Billionen US-Dollar schweren Staatsanleihenmarkt erstmals seit 2009 nur noch weniger als 30%. Dies ergibt sich aus den von der US-Notenbank und dem Finanzministerium veröffentlichten Zahlen. Dieser Trend ist allerdings auch in anderen Industriestaaten zu registrieren. Waren 2008 noch 36% der britischen Staatsanleihen in den Händen ausländischer Investoren, so wurde dieser Anteil im November 2016 nur noch mit ca. 27% beziffert. Dieser Rückgang war sicherlich nicht zuletzt eine Folge des britischen Referendums, aber auch Deutschland sieht sich mit diesem Verhalten der Investoren konfrontiert. Waren 2014 noch 57% der Staatsanleihen im Besitz ausländischer Investoren, so waren es Ende 2016 „nur“ noch 49%.

Doch fehlen den Investoren die echten Alternativen. Weltweit müssen immer größere Summen investiert werden, doch die dafür geeigneten Finanzmärkte sind in ihrem Volumen begrenzt. Dass die Notenbanken noch zusätzlich für eine Materialverknappung sorgen, macht die Sache für Anleger nicht einfacher. Somit werden die Zinsen auch in naher Zukunft nicht auf den historischen Durchschnitt der letzten Jahre steigen. Denn deutlich steigende Zinsen würden die Finanzsysteme kollabieren lassen und die Notenbanken sind entschlossen, dies zu verhindern.

Wie allerdings auch in den USA der angekündigten und bereits gelebten „Schulden-Orgie“ begegnet werden soll, ist noch nicht ersichtlich. Zumal den erhöhten Ausgaben geringere Steuereinnahmen gegenüber gestellt werden und dadurch haushaltspolitische Probleme auf die nachfolgenden Generationen verschoben werden. Zumindest darin besteht zwischen den USA und der EU eine gedankliche Verbundenheit.

Angst vor rechts sorgt für Unruhe an den Bondmärkten

Die Anleger am Rentenmarkt befürchten Wahlerfolge populistischer Rechtsparteien in den Niederlanden und in Frankreich. Dies lässt sich an den Rendite-Entwicklungen der Staatsanleihen europäischer Länder ablesen.

So driften die Renditedifferenzen (Spreads) von niederländischen sowie französischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen weiter auseinander. Nach einem Niveau von 0,64% zum Jahresende 2016 sind die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen aus Paris aktuell auf eine Größenordnung von 1,05% gestiegen. In der Spitze lagen sie im laufenden Jahr bereits bei 1,13%. Zehnjährige Bundesanleihen, die weiterhin als sicherer Hafen gelten, rentieren aktuell mit ca. 0,37% nach 0,17% Ende 2016 und 0,48% in der Spitze. Niederländische Staatsbonds werfen derzeit eine Rendite von ca. 0,68% ab, nach 0,31% Ende 2016. Je höher die Renditen sind, desto mehr misstrauen Anleger dem Schuldner und desto mehr muss dieser als Risikoprämie an den Gläubiger bezahlen.

Der französische Finanzminister muss daher die Anleger mit attraktiven Konditionen ködern, um Käufer für seine Staatsanleihen zu finden. Die Investoren wollen mehr Zinsen als Gegenleistung für die politischen Unsicherheiten. So hoch wie aktuell war die Risikoprämie für Paris zuletzt im Jahr 2012, als die Griechenland-Krise ihren Höhepunkt hatte.

Frankreich steht im April bzw. Mai vor einer entscheidenden Wahl. Sollte dann die Nationalistin Marine Le Pen tatsächlich Staatsoberhaupt werden, würde das Land die Euro-Zone verlassen. So hat es Le Pen zumindest angekündigt. Diese Unsicherheit kostet Frankreich bereits jetzt viel Geld. Sollte sich Frankreich unter einer Le Pen tatsächlich für den „Frexit“, also den Austritt aus der Euro-Zone, entscheiden, müsste es den Franc wiederbeleben. Aber weil das Land mit einer Abschottungspolitik seine Wirtschaft massiv schwächen würde, dürfte der „neue Franc“ gegenüber anderen Währungen wie dem Euro stark abwerten. Dann würde es dem überschuldeten Staat noch schwerer fallen, seine Verbindlichkeiten unter Kontrolle zu bringen.

Bereits am 15. März gibt es Wahlen in den Niederlanden, wo der Rechtspopulist Geert Wilders Chancen auf einen Wahlsieg hat. Dass mittlerweile selbst der Spread der zum Kern der Eurozone zählenden Niederlanden in die Höhe schießt, verdeutlicht die Furcht der Anleger vor einem Triumph Wilders.

EU soll von Odysseus lernen

Will sich die Europäische Union (EU) retten, so soll sie von Odysseus, dem größten Helden der griechischen Mythologie, lernen. Ihn, den sie auch den „Listenreichen“ nennen, soll sich die EU zum Vorbild nehmen, so suggerieren es der Leiter des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, und der Ökonom Johannes Becker.

Weil Griechenland wieder mal von seinen Gläubigern Konzessionen als Gegenleistung für Reformen fordert, schwindet erneut die Hoffnung, dass es noch in diesem Monat zu einer Einigung über das Hilfsprogramm von Europäischer Union (EU), Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) kommt. Immerhin müsste es bis zum 20. Februar zu einer Einigung kommen. „Alles liegt wieder auf dem Tisch”, wie es Fuest ausdrückt.

Aber damit dreht sich Europa im Kreis. Überschuldete Staaten mit ungelösten Strukturproblemen refinanzieren sich aufgrund einer falsch verstandenen EZB-Politik des billigen Geldes immer noch auf einfache Weise und können so die Staatspleite abwenden. Doch damit wird die Währungsunion selbst aufs Spiel gesetzt. Die Frage ist, ob sich dieser Teufelskreis durchbrechen lässt. Fuest und Becker sagen Ja, indem sie mit ihrem Buch „Der Odysseus-Komplex“ einen „pragmatischen Vorschlag zur Lösung der Eurokrise” liefern.

Souveräne Staaten hätten dasselbe Problem wie Odysseus, sagen die Autoren. „Sie können sich von sich aus nur bedingt binden”, so Fuest. Wie Odysseus dem Klang der Sirenen, so müssten die Schuldensünder der EU der Versuchung neuer Schulden widerstehen lernen. Staaten aber werden sich solange höher verschulden, wie die Haushaltspolitik politisch in der Macht jedes einzelnen Staates liegt. Um diese Situation zu überwinden, so das Kalkül von Fuest und Becker, ist es unabdingbar, dass die Staaten Kompetenzen abgeben. Schließlich hat sich Odysseus auch nicht selbst an den Mast gebunden, um dem Gesang der Sirenen standzuhalten. Nein, er hat sich von seiner Crew fesseln lassen.

Fuest und Becker haben dieses Ansinnen mit konkreten Vorschlägen untermauert. Demnach soll jeder Staat Verantwortung übernehmen – mit so genannten Accountability Bonds, frei übersetzt: nachvollziehbare oder verantwortungsvolle Staatsanleihen. Dies soll für zukünftige Schulden gelten, Altschulden bleiben außen vor.

Schulden sollen laut Fuest und Becker oberhalb der Defizitgrenzen nur noch mit nachrangigen Anleihen finanziert werden dürfen. Im europäischen Fiskalpakt beträgt diese Grenze 0,5% des Bruttoinlandsproduktes. Die überbordenden Schulden würden also als Erstes ausfallen. Diese dürfen dann nicht von der EZB gekauft werden und auch von Banken nur mit hoher Eigenkapitalunterlegung gehalten werden. Folglich werden deutlich höhere Zinsen für diese Anleihen erwartet, weil die Kosten der Verschuldung nicht auf andere Länder abgewälzt werden können. Ergo: Die herrschende Subventionierung des Schuldenmachens durch Elemente der Solidarhaftung würde abgeschafft werden. Überbordendes Schuldenmachen wäre jedem Mitgliedsland möglich - die Frage wäre dann nur, ob es noch Investoren geben wird, die dafür bezahlen.

Für die Autoren liegt der Vorteil in ihrem Modell darin, dass nur ein kleines Segment dem Markt ausgesetzt werde. Und die Investoren haben die Wahl: Wollen sie die Unsicherheit mit besserer Rendite oder Sicherheit mit weniger Rendite. Dabei handelt es sich um einen Vorschlag, der den ursprünglichen Mechanismen einer Kreditfinanzierung entspricht. Bedenkenswert!

Rom hat zwei weitere Problem-Banken an der Backe

Die Regierung in Rom erwägt offenbar, erneut ein Hilfspaket über 5 Mrd. € für zwei angeschlagene Banken zu schnüren. Diesmal soll das Geld an die Veneto Banca und die Banca Popolare di Vicenza, zwei Institute in Venetien, gehen.

Bereits Ende 2016 hatte die EU-Kommission die Rettung der italienischen Promi-Krisenbank Monte dei Paschi und eines weiteren Instituts genehmigt. Den neuen Sorgenkindern war zwar 2016 bereits vom privaten Bankenrettungsfonds Atlante geholfen worden, aber genützt hat es offenbar wenig. Laut „Financial Times“ sollen die beiden Banken bereits im Juli 2016 bei der Europäischen Kommission um sogenannte ELA-Hilfen (Emergency Liquidity Assistance) gebeten haben. Nun hat man die Kommission um Erlaubnis für eine vorsorgliche Re-Kapitalisierung der beiden Banken über ca. 5 Mrd. € gebeten.

Diese Vorgehensweise stellt die Inanspruchnahme einer Spezialklausel der europäischen Abwicklungsrichtlinie dar, mit der sich das eigentliche Verbot einer langfristigen Kapitalstütze durch den Staat relativ geschickt umgehen lässt. Derselbe Mechanismus soll nach den Vorstellungen von Rom auch bei der 8,8 Mrd. € teuren Rettung von Monte dei Paschi zum Zuge kommen.

PEMEX trotzt Leitzinserhöhung

Die mexikanische Notenbank erhöhte letzte Woche erwartungsgemäß die Leitzinsen um 0,5% auf 6,25%. Mit diesem Schritt kämpft man zum einen gegen die gestiegene Inflation und zum anderen möchte man dem Kursverfall des mexikanischen Pesos im Zuge der US-Präsidentenwahl von Donald Trump entgegenwirken. Die Gunst der Stunde nutzte unter anderem der mexikanische Mineralölkonzern PEMEX und begab gleich 3 Anleihen. McKesson und Securitas refinanzierten sich ebenfalls über den Kapitalmarkt und setzten somit den Trend einer regen Emissionstätigkeit im Bondbereich der letzten Wochen fort.

PEMEX ging gleich mit einer 4 ½-, 7- sowie 11-jährigen Anleihe an den Markt und sammelte so insgesamt spielend 4,25 Mrd. € ein. Die erste 1,75 Mrd. € schwere Anleihe (XS1568875444) ist am 21.08.2021 fällig und zahlt den Investoren einen jährlichen Kupon in Höhe von 2,50%. Emittiert wurde zu 99,957%, dies entsprach +240 bps über Mid Swap. Der 7-jährige Bond (XS1568874983) hat ein Emissionsvolumen von 1,25 Mrd. € und ist am 21.02.2024 endfällig. PEMEX zahlt seinen Gläubigern Zinsen in Höhe von 3,75% jährlich. Begeben wurde das Papier zu 99,463%, was einem Emissionsspread von +340 bps über Mid Swap entsprach. Die dritte Tranche (XS1568888777), ein bis zum 21.02.2028 laufender Bond, hat einen Zinssatz von 4,875% jährlich und das Emissionsvolumen beträgt 1,25 Mrd. €. Der Emissionspreis belief sich auf 99,135%, was einem Spread von +405 bps über Mid Swap gleich kam.

McKesson legte gleich 2 Bonds mit je 600 Mio. € Volumen auf. Die erste Tranche (XS1567173809), ein 4-jähriger Bond, ist am 17.08.2021 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 0,625%. Der Emissionspreis lag bei 99,872%, was +123,1 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach. Eine zweite 8-jährige Anleihe (XS1567174286) mit Fälligkeit am 17.11.2025 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,50% jährlich und konnte zu einem Preis von 99,289% ausgegeben werden. Dies entsprach einem Emissionsspread von +150,5 bps über Bund. Das amerikanische Unternehmen aus dem Gesundheitswesen sowie PEMEX entschieden sich bei ihren Bonds für eine Mindeststückelung von 100.000 € und eine Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten. Aufgrund der Mindeststückelung werden hier primär institutionelle Investoren angesprochen.

Der schwedische Sicherheitskonzern Securitas mit Sitz in Stockholm sammelte 350 Mio. € frisches Geld am Kapitalmarkt ein. Die Anleihe (XS1567901761) hat einen jährlichen Kupon von 1,125% und ist am 20.02.2024 fällig. Begeben wurde das Papier zu 99,753%, was einem Emissionsspread von +132,3 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach. Securitas hat sich ein optionales Kündigungsdatum am 20.11.2023 zu 100% in die Anleihebedingungen schreiben lassen und entschied sich ebenfalls für die Mindeststückelung von 100.000 €.

An der 200 Tage-Linie gescheitert

Zurzeit blicken Rentenhändler neidisch auf ihre Aktienkollegen, denn die erzielen in den unterschiedlichen Marktsegmenten täglich neue Höchststände und an den Rentenmärkten fehlt jeglicher klarer Trend. Jedes Mal wenn man allerdings als Rentenhändler denkt, es wäre endlich soweit, dann kommt von irgendwo ein neues Störfeuer und alles wird wieder neu durchdacht. Mit dieser Unsicherheit müssen die Handelsteilnehmer zwar schon mehrere Wochen leben, aber das macht die Sache nicht einfacher. Der Trend fehlt und mancher Händler empfindet die tägliche Arbeit wie ein langweiliges Fußballspiel, bei dem sich im Mittelfeld zwei Mannschaften gegenüberstehen und sich nicht aus der Deckung wagen.

Bleibt also nur die Hoffnung, dass sich das „Spiel” so entwickelt wie am gestrigen Abend in der Allianz Arena, als der FC Bayern dem englischen Tabellenvierten seine Grenzen aufgezeigt hat. Diese wurden dem Rentenbarometer allerdings bereits vor Augen geführt, als die 200-Tage-Linie sich als unüberwindbare Hürde herausstellte. Im Anschluss daran und nicht zuletzt als Folge der haussierenden Aktienkurse hat der Euro-Bund-Future den Rückzug angetreten und handelt aktuell bei 163,45%.

Charttechnisch ergibt sich weiterhin eine Tradingrange zwischen der Widerstandslinie bei 163,37% bzw. der psychologischen Marke von 164,00% und einer ersten Unterstützung bei 162,91%. Das Problem der Händler ist allerdings eher die Tatsache, dass sich jeder vor dem Tag fürchtet, an dem es an den Aktienmärkten zu einer kräftigen Korrektur kommt. Denn dann könnten die Kurse der Anleihen von zwischenzeitlichen Tauschoperationen profitieren. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und beide Märkte müssten mit fallenden Notierungen leben.

Business as usual

In dieser Handelswoche wurden in den USA lediglich den Investoren Material zum Kauf angeboten, die entweder auf der Suche nach kurzen Laufzeiten oder nach einer Fälligkeit in 30 Jahren mit Inflationsbindung waren. Im Rahmen der Refinanzierung wurden auf diesem Wege T-Bills für 108 Mrd. USD und 7 Mrd. USD als Linker platziert.

In Euroland zeigte sich Italien zum Wochenstart mit diversen Aufstockungen am Kapitalmarkt aktiv, bevor am heutigen Donnerstag noch zwei weitere Eurostaaten ebenfalls Material zur Verfügung stellen. Spanien stockt hierbei drei (A19B40 / 2022 ; A19CK5 / 2027 ; A1HNMJ / 2028) sowie Frankreich zwei Anleihen (A19B3W / 2020 ; A189GE / 2022) auf. Zusätzlich begibt Frankreich noch eine neue inflationsindexierte Anleihe mit einer Fälligkeit 3/2028 (FR0013238268). Insgesamt werden dadurch ca. 20 Mrd. € eingesammelt.

Rubel wieder ohne Krim-Malus

Viele offene Baustellen sorgen aktuell in der Eurozone für eine gewisse grundsätzliche Unsicherheit an den Märkten, so auch am Devisenmarkt. Damit hat es die europäische Gemeinschaftswährung momentan schwer sich zu behaupten und verliert weiter an Wert. Der ohnehin angeschlagene Euro geriet diese Woche durch die Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen hinsichtlich der weiteren US-Zinspolitik weiter unter Druck. Somit setzte die Einheitswährung ihren Trend der vergangenen Tage fort und fiel deutlich unter die Marke von 1,06 USD. Zeitweise wurden sogar Wechselkurse von 1,0545 USD erreicht, obwohl er Anfang Februar noch sein bisheriges Jahreshoch bei 1,0829 USD erreichen konnte. Zur Stunde notiert der Eurokurs bei 1,0620 USD.

Eine ziemlich bemerkenswerte Entwicklung kann die Währung Russlands vorweisen. Im Vergleich zum Euro konnte sich der russische Rubel deutlich verbessern und endlich wieder die psychologisch wichtige Marke von 60,00 Rubel unterschreiten. So stieg er bis auf 59,7941 RUB und notierte damit so hoch wie zuletzt im Juni 2015. In der Zwischenzeit bewegte sich der Devisenkurs in einer Handelsrange zwischen 93,6757 RUB (Januar 2016) und 57,0859 (Juni 2015). Aktuell kostet der Euro allerdings wieder etwas mehr als 60,00 Rubel.

Die Unsicherheit um den Euro ruft die Fremdwährungsanleihen immer wieder auf den Plan. So nutzten einige Anleger die Chance um sich in Währungsanleihen zu engagieren. Favorisiert wurden hierbei Bonds auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie auch russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Teure Scheidung vom Kontinent

Das hatten die populistischen Befürworter des Brexits vor dem Referendum der Briten über den EU-Austritt am 23. Juni vergangenen Jahres wohl übersehen – oder ganz bewusst verschwiegen: Bis zu 60 Mrd. € könnte die EU-Kommission von London aus gemeinsam eingegangenen Verpflichtungen fordern. Der Brexit könnte Großbritannien also teuer zu stehen kommen. Bei den Forderungen zwischen 40 und 60 Mrd. € geht es insbesondere um Haushaltsverpflichtungen aus dem siebenjährigen, mittelfristigen Finanzrahmen der EU, welcher bis 2020 läuft und den Großbritannien mitgetragen hat. Hierbei handelt es sich unter anderem um Pensionslasten für britische EU-Mitarbeiter sowie um Kosten, die im Zusammenhang mit Strukturprojekten oder z. B. dem Rettungsprogramm für Irland stehen und die auch nach dem EU-Austritt noch fällig wären.

Für Brüssel ist das ein zentrales Thema für die anstehenden Brexit-Verhandlungen. Denn, wenn London nicht zahlen würde, wären die 27 bleibenden Länder gezwungen, die Rechnung zu übernehmen.

Das Brexit-Gesetz ist am Mittwoch in die entscheidende Abstimmung im britischen Unterhaus gegangen. Dabei hat sich Premierministerin Theresa May die Zustimmung für den Austrittsantrag von der EU geben lassen. Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hatte die Abgeordneten seiner Partei unter Fraktionszwang zugunsten des EU-Austritts gesetzt. Labour wolle aber versuchen, Änderungen am Gesetzestext vorzunehmen, um sich Einfluss auf die Brexit-Verhandlungen mit der EU zu sichern. Brexit-Staatssekretär David Jones versprach zwar, dass das britische Parlament über ein Abkommen mit der EU am Ende der zweijährigen Austrittsverhandlungen abstimmen dürfe, eine Ablehnung werde dann aber nicht zu Nachverhandlungen führen.

Premierministerin May kündigte an, sie werde gleich zu Verhandlungsbeginn mit der EU versuchen, eine Regelung für die Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und für Briten in der EU zu finden. In Schottland stößt die Entscheidung für den Brexit indessen weiter auf Ablehnung. Das Regionalparlament in Edinburgh votierte in einer Protestabstimmung mit 90 zu 34 Stimmen gegen das Brexit-Gesetz der britischen Regierung. Die schottische Regierung hatte zu der Abstimmung aufgerufen, obwohl diese keine rechtliche Relevanz hat.

Zitterpartie in Athen um Beteiligung des IWF

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die europäischen Geldgeber bewegen sich im Streit um das dritte Rettungspaket für das krisengeschüttelte Griechenland aufeinander zu. Die Lücke zwischen den Ansichten werde kleiner, sagte IWF-Europadirektor Poul Thomsen. Eine Übereinstimmung in allen Punkten ist aber noch nicht in Sicht.

Der IWF ist zwar nach wie vor der Ansicht, dass Griechenland ohne eine größere Schuldenentlastung nicht in der Lage sein wird, sich aus eigener Kraft wieder zu berappeln. Aber offenbar trägt hier die Sturheit von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Früchte, der erklärt hatte, ohne IWF-Beteiligung könnte die europäische Griechenland-Hilfe sogar komplett beendet werden. So kann sich der Fonds offenbar inzwischen vorstellen, unter bestimmten Voraussetzungen einen Überschuss von 3,5% für eine begrenzte Zeit als nachhaltig zu betrachten. Bisher hatte der IWF einen Überschuss von 1,5% propagiert, sonst würde man die Konjunktur in Hellas abwürgen. Die jetzige Annäherung kann als Signal gewertet werden, dass der IWF eventuell beim dritten Rettungspaket doch mit dabei sein wird. Man muss es nur noch gesichtswahrend formulieren. Besonders Deutschland hat immer wieder betont, dass eine Zustimmung für das dritte Rettungspaket von der Beteiligung des IWF abhänge. Der IWF dagegen fordert seit Langem einen Schuldenschnitt, den die Eurogruppe ablehnt. Denn damit wären Steuergelder für Athen unwiderruflich verloren.

Helfen könnte auch, wenn es der Regierung in Athen endlich gelingen würde, ihre Steuereinnahmen zu erhöhen und auf eine breitere Basis zu stellen, wie der IWF nun fordert. Noch immer zahlen 60% der griechischen Haushalte keine Einkommensteuer. Außerdem gehe es darum, faule Kredite bei den Banken massiv zu reduzieren, um wieder mehr Geld an Unternehmen verleihen zu können. Derzeit tut sich Griechenland schwer damit, eine funktionierende Steuerfahndung zu etablieren und das Eintreiben bereits festgestellter Steuerschulden zu optimieren. Hier sehen einige der IWF-Direktoren die Möglichkeit, den höheren Haushaltsüberschuss zu erzielen. Griechenlands Schulden hatten 2016 laut IWF 183% des Bruttoinlandsproduktes erreicht. Die Maastricht-Verträge der EU erlauben 60%.

Fed muss abspecken

Vor vielen Jahren, als die Finanzwelt noch in Ordnung war, interessierten sich nur wenige Analysten für die Bilanzsummen der einzelnen Notenbanken. Aber zur Stabilisierung der Finanzmärkte haben die Währungshüter während der Weltfinanzkrise und teilweise bis zum heutigen Tag massiv interveniert. Infolge der selbst auferlegten Ankaufprogramme sind die Bilanzen der Zentralbanken angeschwollen und es ist nun an der Zeit, diesem Trend ein Ende zu setzen.

In den USA spricht man in diesem Zusammenhang von einer Mammutaufgabe, die es zu stemmen gilt. Obwohl von offizieller Seite immer wieder das Ende der Ankäufe durch die amerikanische Notenbank (Fed) betont wird, so wird dabei stets verschwiegen, dass Fälligkeiten und Zinszahlungen unmittelbar re-investiert werden. Doch auf diesem Wege wird das Investitionsvolumen nicht reduziert und somit schrumpft auch die Bilanzsumme von aktuell ca. 4,5 Bill. USD nicht auf ein vertretbares Niveau. Würde man auf eine Re-Investition verzichten, so könnten nach Commerzbank-Berechnungen in den kommenden fünf Jahren mittels Fälligkeiten Bestände in Höhe von ca. 1,5 Bill. USD abgebaut werden. Dadurch wäre ein Niveau erreicht, das von vielen Kapitalmarktexperten als sinnvoll und vertretbar angesehen wird. Doch noch vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2007/2008 addierten sich die Positionen der Fed auf lediglich 800 Mrd. USD, was allerdings angesichts der wachsenden Wirtschaft nicht mehr als Gradmesser herangezogen werden kann. Sollte der Abbau der eigenen Positionen allerdings nicht so abrupt vonstattengehen, so wird der Bilanzabbau noch etliche Jahre dauern.

Die Frage ist also inzwischen nicht mehr ob, sondern wann damit begonnen wird. Hierbei erwarten viele Marktteilnehmer - trotz anstehender Zinserhöhungen - einen Start Anfang des kommenden Jahres. Zu diesem Zeitpunkt wird auch geklärt sein, wer für die nächsten Jahre der Fed vorstehen und die amerikanische Geldpolitik prägen wird. Denn der Vertrag von Janet Yellen wird im Januar 2018 auslaufen, und momentan gilt es als unwahrscheinlich, dass eine weitere Amtszeit vom neuen US-Präsidenten gewünscht wird.

In den noch verbleibenden Monaten wird das Augenmerk der Fed-Präsidentin sicherlich auf die konjunkturelle Entwicklung der USA gerichtet sein, um gegebenenfalls zur Jahresmitte mit Zinserhöhungen einzugreifen. Dies würde allerdings fallende Kurse der angekauften US-Staatsanleihen und normalerweise Abschreibungen nach sich ziehen. Doch nicht so in den USA. Hier wurde bereits vor Jahren eine Klausel eingebaut, die es der Fed erlaubt, die Verluste der einzelnen regionalen Zentralbanken als eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzministerium zu buchen, anstatt gegen das eigene Fed-Kapital. Im Notfall muss man sich eben nur zu helfen wissen.

Target2-Salden mit neuem Rekord

Manche Ökonomen bezeichnen es als „Kapitalflucht nach Norden“, was da an der Entwicklung der so genannten Target2-Salden ablesbar ist. So sind die Forderungen der Deutschen Bundesbank an die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen des Zahlungssystems Target2 von Ende Dezember 2016 bis 31. Januar diesen Jahres um 42 Mrd. € auf den Rekordwert von 796 Mrd. € geklettert. Dieser Trend besteht seit 2014 und spiegelt im Kern die Anleiheankäufe der EZB wider.

Innerhalb des Target2-Systems stehen hohe Verbindlichkeiten der südeuropäischen Länder den Forderungen weniger anderer Länder, Deutschland, Niederlande und Finnland, gegenüber. Target2-Salden sind Ausdruck der Zahlungsbilanz, die im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr innerhalb der Eurozone entstehen. Fließt dem Bankensystem einer Volkswirtschaft der Eurozone mehr Zentralbankgeld über das Target2-System zu als abfließt, entsteht ein positiver Saldo. Sofern mehr Zentralbankgeld abfließt, baut sich ein negativer Target2-Saldo auf. Die Target2-Salden zeigen, dass damit die Banken in Südeuropa zwar liquide gehalten werden, die Ungleichgewichte in Euro-Land aber immer größer werden. Wirtschaftliche Probleme werden lediglich mit einer immensen Geldflut durch das Anleihe-Ankaufprogramm der EZB überdeckt.

Wenn man so will, steckt dahinter der wahre Kern, den Donald Trump meint, wenn er von Währungsmanipulationen durch die EZB redet. Denn durch die Flutung der Märkte mit Zentralbankgeld sorgt die EZB für einen permanent unterbewerteten Euro, den andere als Mittel des Exportkrieges wahrnehmen könnten.

Sofern ein Land nun die Euro-Zone verlassen will, muss es seine Verbindlichkeiten im Rahmen des Target2-Systems vorher begleichen. Aus diesem Grund käme Italien oder Frankreich ein Austritt extrem teuer. EZB-Präsident Mario Draghi hat darauf laut Reuters erst vor kurzem in einem Brief an zwei italienische Europa-Abgeordnete hingewiesen.

Neues ‘Tatort‘-Team in Washington?

Seit seinem Amtsantritt treibt D. T., der Unberechenbare, mit seinen Tweets und Dekreten die Weltöffentlichkeit vor sich her. In Medien und Talkshows versucht man ebenso wie in der Wirtschaftswelt die kurzatmigen Äußerungen des neuen US-Präsidenten zu interpretieren. Dabei sorgen sie wohl genau für jene Unruhe, die der rechtsgerichtete Chefberater von Trump, Steve Bannon, im Sinn hat, wenn er gegen die von ihm zum Feind erklärten Eliten hetzt.

Sich dennoch mit kühlem Kopf klar zu machen, was die möglichen Folgen der Trump’schen Politik sein könnten, ist Aufgabe von Wirtschaftsvertretern und Notenbankern außerhalb der USA. So hat es Außenhandelspräsident Anton Börner in dieser Woche getan, indem er die protektionistischen Töne aus den USA angesprochen hat, die zu einem konkreten Risiko für deutsche Unternehmen werden könnten. Und er sprach dabei sogar von einer Katastrophe. Sollten die Ideen des US-Präsidenten für neue Handelsbarrieren tatsächlich, insbesondere gegen China, umgesetzt werden, dann würde sich dies zweifelsohne aufgrund des großen Handelsvolumens katastrophal auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft auswirken. Der Chef des Branchenverbandes BGA in Berlin nannte Trump einen von sich absolut überzeugten und machtbesessenen Familienunternehmer ohne Bindung zur sozialen Marktwirtschaft.

Bei der Verhängung von Strafzöllen gegenüber einzelnen Unternehmen oder Ländern würde Donald Trump allerdings in Konflikt mit der Welthandelsorganisation WTO geraten, so Börner. Sollte der US-Präsident dennoch diese roten Linien austesten wollen, gelte es gemeinsam, also Politik und Wirtschaft, stark aufzutreten und harte Antworten zu formulieren.

Für den Fall, dass sich im Zuge eines Handelskriegs der USA mit China das Wirtschaftswachstum in China merklich abkühlen sollte, hätte dies aus Börners Sicht auch negative Auswirkungen auf deutsche Ausfuhren nach Fernost. Eine weltweite Rezession wäre dann laut BGA unausweichlich. Hinter die aktuelle Prognose für die Exportentwicklung von plus 2,5% für 2017 setzte Börner daher ein großes Fragezeichen.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sah sich gezwungen, auf die Äußerungen von Trump zu reagieren, der sich beklagt hatte, es würden in Deutschland zu wenig Chevrolets fahren, während in den USA viele Mercedes-Fahrzeuge zu sehen seien. Ja, das sei schon eine merkwürdige Vorstellung von fairem Handel, wenn für jedes importierte deutsche Auto ein amerikanisches nach Deutschland exportiert werden solle, sagte er dazu dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland”.

Weidmann stellte dabei die Frage, ob denn die Amerikaner zum Ausgleich dafür, dass bei uns im Fernsehen amerikanische Erfolgsserien laufen, nun jeden Sonntag ‘Tatort’ schauen müssten. Vielleicht könnte dann ja ein neues Tatort-Team in Washington ermitteln. Der Kern internationaler Arbeitsteilung sei ja gerade, so Weidmann, dass jeder das mache, was er am besten könne - und nicht jedes Land alles selbst produziere. Wenn die Politik Handelsbarrieren errichtet oder einen Abwertungswettlauf anzettelt, gibt es am Ende nur Verlierer, so Weidmanns Credo.

Auch EZB-Präsident Mario Draghi hat den Vorwurf der Trump-Regierung gekontert, wonach Europa und vor allem Deutschland sich mit dem schwachen Euro Vorteile auf dem Weltmarkt verschaffen würden. „Wir sind keine Währungsmanipulatoren“, hatte Draghi in Brüssel gesagt. Vielmehr spiegele die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) den unterschiedlichen Zustand der Wirtschaft im Währungsraum im Vergleich zu den USA wider. Der gemeinsame Markt würde mit anhaltenden wettbewerbsgetriebenen Abwertungen nicht überleben.

Ob solche Argumente bei einer Administration ankommen, die sich „alternativen Fakten“ verschrieben hat, darf bezweifelt werden. Man hofft aber, dass die Mechanismen der wirtschaftlichen Fakten, die auch die internationalen US-Konzerne durchaus verstehen, ihre magische Kraft entfalten mögen.

Der Bondprimärmarkt bricht im Januar alle Rekorde

Noch nie zuvor wurden in einem Monat so viele Bonds emittiert wie im Januar 2017. Den Statistiken zufolge wurden Anleihen für 530,84 Mrd. US-Dollar emittiert und der Rekord vom Januar 2013 (501,59 Mrd. US-Dollar) konnte sogar deutlich übertroffen werden. Auch im Euroraum braucht man sich mit dem Emissionsvolumen von rund 30 Mrd. Euro nicht zu verstecken. Es war der zweitstärkste Monat nach Januar 2009 mit gut 50 Mrd. € und in dieser Februar-Berichtswoche ging es nahtlos weiter mit Unilever, Ryanair und Avinor.

Des Weiteren konnte Hapag-Lloyd die Aufstockung eines Bonds (A2E4V1) um 200 Mio. € auf 450 Mio. € erfolgreich abschließen. Der Ausgabepreis wurde mit 102,375% festgelegt, was einem Spread von +665 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entspricht. Die Investoren erhalten bis zur Fälligkeit am 01.02.2022 Zinsen in Höhe von jährlich 6,75%.

Unilever legte gleich 2 Bonds mit einem Volumen von je 600 Mio. € auf. Die erste Tranche (XS1566100977), ein 6-jähriger Bond ist am 14.02.2023 fällig und mit einem Kupon in Höhe von 0,375% ausgestattet. Der Emissionspreis lag bei 99,905%, was +15 bps über Mid Swap entsprach. Die zweite, 10-jährige Anleihe (XS1566101603) mit Fälligkeit am 14.02.2027 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,00% jährlich und konnte zu einem Preis von 99,726% ausgegeben werden. Dies bedeutete einen Emissionsspread von +30 bps über Mid Swap.

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair sammelte ebenfalls erfolgreich 750 Mio. € am Kapitalmarkt ein. Der Bond (XS1565699763) ist am 15.08.2023 endfällig und weist einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,125% auf. Der Ausgabepreis lag bei 99,381%, was einer Benchmark von +92 bps über Mid Swap gleichkam.

Als letzter im Bunde reihte sich in dieser Woche Avinor in die Emisssionsflut ein und begab eine Anleihe (A19C1B) mit einem Volumen von 500 Mio. €. Das norwegische Staatsunternehmen, welches unter anderem 46 Flughäfen betreibt, stattete den Bond mit einem Zins von 1,25% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 09.02.2027 jährlich gezahlt wird. Der Reoffer lag bei 99,534%, was einem Emissionsspread von +87,7 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach.

Alle Emittenten haben eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und die Mindeststückelung auf 100.000 € festgelegt, womit sie primär institutionelle Investoren ansprechen.

Ist die Euro-Finanzkrise zurück?

Hatte man am vergangenen Donnerstag noch die Angst der Investoren vor steigenden Zinsen in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt, so kann man heute feststellen: „Manchmal kommt es doch anders als man denkt.“ Denn in dieser Woche hat das Sorgenbarometer seinem Namen alle Ehre gemacht und sich infolge der wieder aufflammenden Euro-Finanzkrise positiv entwickelt. Die politischen Risiken in den USA waren vorerst vergessen und man widmete sich den hausgemachten Problemen Europas.

Hierbei werfen die Wahlen in diversen Euro-Staaten, die fehlende Kapitaldecke vieler europäischer Banken, die griechische Tragödie, der Brexit und ein möglicher „Frexit“ dunkle Schatten auf die europäische Staatengemeinschaft. Deutsche Staatsanleihen wurden somit verstärkt nachgefragt, was wiederum zu einer deutlichen Spreadausweitung gegenüber den anderen europäischen Staaten führte. So ist beispielsweise der Renditespread gegenüber Frankreich auf ein Mehrjahreshoch gestiegen.

Aus charttechnischer Sicht richten sich jetzt alle Blicke auf den Test der 200-Tage-Linie beim Euro-Bund-Future, die aktuell bei 164,29% verläuft. Sollte diese Hürde genommen werden, so ist ein Test des zum Jahresauftakt erzielten Höchstkurs bei 164,94% möglich. Die somit in den ersten Handelswochen erzielte Bandbreite zwischen 161,31% und 164,94% ist Beweis genug für die fehlende klare Linie. Doch Angst frisst bekanntlich Hirn und daher kann in dieser politisch unkalkulierbaren Zeit auch eine vorübergehende Rückkehr zu bisherigen Tiefstständen nicht ausgeschlossen werden. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 164,10%.

Niederlande machte den Anfang

Nachdem in der vergangenen Handelswoche für Investoren „Magerkost“ angesagt war, hatte man jetzt wieder die Qual der Wahl. Sowohl die üblichen T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten als auch 3-jährige sowie 10-jährige T-Notes und 30-jährige T-Bonds im Gesamtvolumen von 169 Mrd. USD suchten ihre Abnehmer.

In der Eurozone wurden für den gleichen Zeitraum Emissionen für insgesamt ca. 12 Mrd. € in Aussicht gestellt. Gleich zum Wochenstart emittierten die Niederlande eine 10-jährige Staatsanleihe (A19C29), bevor Österreich am Dienstag zwei Anleihen zum Kauf anbot (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026). Deutschland stockte am gleichen Tag die erst 2046 endfällige inflationsindexierte Anleihe (103057) um 500 Mio. € auf insgesamt 5,5 Mrd. € auf. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,48%. Zur Wochenmitte stellte die Finanzagentur zusätzlich Material der aktuellen 10-jährigen Benchmark Anleihe (110241) zur Verfügung. Hierbei wurden 3 Mrd. € offeriert, die mit einer Durchschnittsrendite von 0,33% zugeteilt wurden. Das Gesamtvolumen der Emission beläuft sich inzwischen auf 8 Mrd. €. Den Schlusspunkt setz(t)en mit je zwei Anleihen Portugal (A1Z6CE / 2022 ; A1HKUP / 2024) und Irland (5 und 10 Jahre).

Der Euro wackelt wieder

Der richtige Winter mit zweistelligen Minusgraden scheint vorerst vorbei zu sein. Die Temperaturen steigen in den Plusbereich und auch die Sonnenstunden werden wieder mehr.

Im Gegensatz dazu wird die Stimmung an den Finanzmärkten immer eisiger und statt der Temperaturen steigt die Unsicherheit der Marktteilnehmer.

So hat es die europäische Gemeinschaftswährung dieser Tage schwer, sich bei dem derzeitigen Marktgeschehen zu behaupten. Nachdem in der Vorwoche der Euro seitens der Vereinigten Staaten noch starkgeredet wurde und in Folge auf ein neues Jahreshoch (1,0829 USD) stieg, hat er seit Wochenbeginn stetig an Wert eingebüßt. Die aktuellen politischen Unsicherheiten im Euroraum und nicht die Stärke des Greenbacks ließen den Euro zeitweise bis auf Kurse von 1,0640 USD abrutschen. Aufgrund fehlender Impulse startet der Euro heute Morgen wenig verändert bei 1,0680 USD in den Handel.

Etwas mehr zu bieten hat da nach wie vor die türkische Lira. In den bisher wenigen Handelswochen in 2017 bewegte sich die Währung der Türkei in einer Handelsspanne zwischen 3,70 TRY zu Jahresbeginn und 4,20 TRY (12. Januar 2017). Die Volatilität der Währung spiegelt die teilweise sehr schwierige politische Situation und die Unsicherheit im Land wider. Zur Stunde handelt die türkische Lira wieder unter der wichtigen Marke von 4,00 TRY.

Das Vertrauen in den Euro ist durch die jüngsten Entwicklungen nicht unbedingt gestiegen. Die Privatanleger sind somit bestrebt ihr Vermögen sorgfältig und risikobewusst anzulegen. So stehen Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, brasilianische Real, türkische Lira sowie russische Rubel in der Gunst der Anleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

Draghi erweitert den Begriff „Inflation” um einige Facetten

Allmählich könnte Mario Draghi in Erklärungsnot geraten. Seit nunmehr vier Jahren liegt die Inflation im Euroraum weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch im Januar ist die Teuerungsrate überraschend stark im Euroraum auf 1,8% angestiegen. Damit ist das Ziel von Draghi, mit einer Politik des billigen Geldes die Inflation auf die Zielmarke von 2% zu bringen und so eine Deflation zu verhindern, in greifbare Nähe gerückt. Damit läuft der EZB-Präsident allerdings Gefahr, sein wichtigstes Argument zu verlieren, mit dem er die expansive Geldpolitik stets begründet hat.

Bislang jedoch lässt Draghi Signale vermissen, die etwa auf eine schrittweise Drosselung der Wertpapierkäufe (Tapering) hindeuten könnten. Im Gegenteil, man habe nicht einmal darüber diskutiert, hatte Draghi auf der jüngsten EZB-Pressekonferenz, die noch vor der Bekanntgabe der Inflationszahlen stattgefunden hatte - mit Blick auf einen schrittweisen Abschied von der Politik des billigen Geldes, gesagt. Stattdessen erweiterte er vorsorglich schon mal den Begriff der Inflation. Denn nun müssen laut Draghi gleich vier Kriterien erfüllt sein, bevor die EZB Maßnahmen gegen die Teuerung ergreift. Die Inflationstrends in den einzelnen Ländern der Euro-Zone müssen sich angleichen. Die Teuerung darf nicht nur vorübergehend sein, sondern muss sich nachhaltig manifestieren. Sie muss selbsttragend sein und nicht allein das Ergebnis der ultralockeren Geldpolitik. Und schließlich muss die Inflation übergreifend in der gesamten Euro-Zone ein bestimmtes Niveau überstiegen haben.

Natürlich sollte die Inflation nicht allein von dem statistischen Basiseffekt getragen sein, der im Januar wirksam geworden ist. Aber mit den Kriterien, die Draghi nun definiert hat, baut er eine Argumentationswand auf, die schwer zu umgehen sein wird und der EZB noch auf lange Zeit die Gründe für eine ultralockere Geldpolitik liefern kann.

Draghis erweiterte Definition der Teuerungsrate sorgte bei dem früheren EZB-Chefökonom Otmar Issing für ein gewisses Erstaunen. Eine Preiskonvergenz zwischen den Ländern sei zwar erwünscht, gehöre aber keineswegs zum Inflationsziel der EZB, sagte er. Überhaupt wird die EZB bei Bedarf immer argumentieren können, die Inflation sei nicht selbsttragend und nur auf die ultralockere Geldpolitik zurückzuführen. Da scheint am Ende einer gewissen Beliebigkeit in der Argumentation doch Tür und Tor geöffnet worden zu sein.

Indessen hat Bundesbankpräsident Jens Weidmann davor gewarnt, die Geldpolitik in der Eurozone länger als nötig expansiv ausgerichtet zu lassen. Die Notenbanken dürften nicht zum Gefangenen der Märkte oder der Finanzpolitik werden, betonte Weidmann vor dem CDU-Wirtschaftsrat. Besonders die Staatsanleihenkäufe würden aber genau diese Gefahr mit sich bringen, weil dadurch die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt würde. „Die Krisenfeuerwehr muss darauf achten, dass der Löschwasserschaden nicht größer wird als der Brandschaden selbst“, so der Bundesbankpräsident.

Weidmann interpretiert den Inflationssprung in Deutschland auf 1,9% (Januar) mit dem Anziehen der Energiepreise. Umgekehrt sei das Absinken der Teuerungsrate in den vergangenen Jahren insbesondere auf den Energiepreisverfall zurückzuführen. Dieser Effekt werde nun aus der Inflationsrate „herausgewaschen“. Das Risiko einer Deflation ist nach Überzeugung von Weidmann daher schon in der Vergangenheit gering gewesen. Schenkt man den Kapitalmarktexperten der BNP Paribas Glauben, dann wird die EZB die Exit-Debatte zumindest zur Jahresmitte eröffnen. „Die Worte hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!”

Klug auf Trump reagieren – wie geht das?

D.T. - der Unberechenbare hat es früher als gedacht geschafft, das Land und die Weltgemeinschaft zu vereinen. Zumindest im Protest gegen ihn! Jens Weidmann hatte wohl geahnt, was da aus Washington kommen würde. Bereits vergangene Woche hatte der Bundesbankpräsident gesagt, die Europäische Union müsse der zunehmenden Tendenz zu Abschottung und Nationalismus klug begegnen – und „sich nicht der Logik von Handelskriegen ergeben“. Die will der neue US-Präsident Donald Trump offenbar führen, wofür er neben Mexiko und China auch die Bundesrepublik als Gegner ausgemacht hat. Trumps Chef-Wirtschaftsberater Peter Navarro warf ausgerechnet den Deutschen via „Financial Times” vor, den relativ niedrigen Eurokurs für Handelsvorteile auf Kosten der USA und seiner europäischen Partner zu nutzen. Außerdem bezeichnet er Deutschland als eines der Haupthindernisse für ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA.

Eine Administration in Washington, die sich gerne „alternative Fakten“ zu eigen macht, wird da wohl kaum wahrnehmen wollen, dass Deutschland immer dafür geworben hat, dass die Europäische Zentralbank eine unabhängige Politik mache, wie es Kanzlerin Angela Merkel ausdrückte. Deutsche Unternehmen bemühten sich, mit wettbewerbsfähigen Produkten und fairem Wettbewerb auf dem Weltmarkt erfolgreich zu sein. Im Übrigen ist nicht der Euro schwach, sondern der Dollar stark. So argumentiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), im „Spiegel“. Nicht nur der Euro, sondern viele andere Währungen weltweit hätten gegen den US-Dollar abgewertet, der in Erwartung höherer Zinsen und eines Konjunkturprogramms haussiere.

Trotz falscher Argumente gesteht Fratzscher aber der Argumentation aus Washington auch einen wahren Kern zu. So spiegele Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 270 Mrd. € oder fast 9% der deutschen Wirtschaftsleistung massive Ungleichgewichte und Probleme in der deutschen Wirtschaft wider. Das Problem sieht Fratzscher also nicht darin, dass Deutschland zu viel exportiere oder deutsche Exporteure „zu wettbewerbsfähig“ seien.

Er sieht den Hauptgrund für die exzessiven Exportüberschüsse in einer privaten und öffentlichen Investitionsschwäche, weshalb Deutschland selbst den größten Schaden durch seine zu hohen Exportüberschüsse habe und am meisten von dessen Abbau profitieren würde. Anstatt also jährlich 9% der Wirtschaftsleistung zu exportieren und zu verleihen, sollte die Bundesrepublik einen Teil davon im Inland in bessere Verkehrsinfrastruktur, in den Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, in Bildung und Ausbildung sowie in Forschung und Entwicklung stecken. Davon würde Deutschland nicht nur kurzfristig, sondern langfristig profitieren und zwar durch ein stärkeres Wachstum sowie Wettbewerbsfähigkeit, bessere Einkommen und mehr Wohlstand.

Natürlich muss die deutsche Politik die Drohung aus Washington ernst nehmen – was sie ja auch tut. Immerhin sind bis zu 1,6 Mio. Arbeitsplätze in Gefahr, sollten die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA im Extremfall auf Null heruntergefahren werden, wie Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, es in einem Horrorszenario beschreibt. Um aber nun möglichst klug auf die Drohungen von Trump zu reagieren, gilt es, dass Europa als Binnenmarkt und Währungsunion zusammensteht und Deutschland im Sinne von Fratzscher über die teilweise gerechtfertigte Kritik an den Exportüberschüssen zugunsten von Investitionen nachdenkt. Dies könnten ja Wege sein, sich nicht der Logik von Handelskriegen zu ergeben - so, wie es Bundesbankpräsident Weidmann gemeint hat.

Banken können kein Fett ansetzen

„Spare in der Zeit, so hast du in der Not.” Dieses Sprichwort besagt bekanntlich, dass man für schlechte Zeiten Geld zurücklegen sollte, solange es einem wirtschaftlich gut geht.

Normalerweise gilt das auch für Banken. Diese bilden in Boomzeiten Rücklagen, um für schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. In einer solchen Aufschwung-Phase, in der die Banken eigentlich Reserven bilden sollten, befinden wir uns momentan. Die Arbeitslosigkeit ist gering, die Bürger konsumieren immer mehr, die Unternehmen wachsen, die Kreditausfälle sind niedrig, wie es Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret im Interview mit dem „Tagesspiegel“ ausdrückte. Doch beim Betrachten der Ertragskraft der Banken kommt Dombret der Vergleich mit einer Ampel in den Sinn, die auf Dunkelgelb steht. „Wir müssen aufpassen, dass sie nicht auf Rot umschlägt“, sagt er. In solch einer Phase wie der derzeitigen sollten nach seiner Überzeugung Banken in der Lage sein, wenigstens ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen. Daher frage er sich, wann, wenn nicht jetzt die Banken Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden sollen.

Als Hauptgrund für die missliche Lage hat der Bundesbanker die niedrigen Zinsen ausgemacht. Für die deutschen Banken, die 75% der Erträge aus der Zinsmarge schöpfen, laufen immer mehr hochverzinste Kredite aus, während die Institute neue Kredite nur zu sehr viel niedrigeren Zinsen ausreichen können. Parallel scheuten die allermeisten Institute davor zurück, von den Sparern Negativzinsen zu verlangen. Wenn sie aber auf der einen Seite weniger einnehmen und auf der anderen Seite gleich viel ausgeben würden, dann schrumpfe das Ergebnis. „Auf Dauer kann das nicht gut gehen“, schlussfolgert Dombret.

Ein Gespenst kehrt zurück

„Der Alptraum von 2015 kehrt zurück“, titelte die Athener Wirtschaftszeitung Imerisia. Gemeint war das Hick-Hack der neu gewählten Syriza-Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras, der in fünf Monaten sinnloser Konfrontationsstrategie gegen die internationalen Geldgeber das Land an den Rand des Bankrotts führte. Um dies zu verhindern, musste er im Juli 2015 ein hartes Sparprogramm unterschreiben.

Seitdem wurden von Athen Reformen wie die Liberalisierung der Arbeitsgesetze, die Einschränkung der Gewerkschaftsrechte und die Öffnung des Energiemarktes vielfach verschleppt, weshalb die Verhandlungen mit den Gläubigern in der Sackgasse stecken. Die wiederum sind sich uneinig. So macht der Internationale Währungsfonds (IWF) seine weitere Beteiligung an dem Rettungsprogramm von einem Schuldenschnitt abhängig. Das will vor allem Wolfgang Schäuble nicht. Dennoch will der Bundesfinanzminister den IWF als Kontrolleur an Bord halten und sollte das nicht gelingen, wird er sich erneut für einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone aussprechen. Wie gefährlich die Situation ist, geht aus einem Bericht zur Schuldentragfähigkeit Griechenlands hervor, den der IWF am 6. Februar vorlegen will. Darin prognostiziert der Fonds bei Umsetzung der Reformen eine Schuldenexplosion. Daher brauche man eine „substanzielle Umschuldung”, so der IWF, was ein anderes Wort für Schuldenschnitt darstellt.

Ein Schuldenschnitt aber kommt für die Europartner nicht in Frage, was die Prüfung des Reformprogramms und damit neue Hilfen verzögert. Bis Juli, wenn Athen für den Schuldendienst 7,4 Mrd. € aufbringen soll, muss aber eine Lösung her. Dass Athen dieses Jahr wieder an den Kapitalmarkt zurückkehrt, wie von Tsipras angekündigt, erscheint vor diesem Hintergrund sehr unwahrscheinlich. Das Gespenst des Grexit spukt wieder in Athen.

Abzulesen ist das auch an der jüngsten Entwicklung der Renditen für griechische Staatsanleihen. Diese sind seit Ende November des vergangenen Jahres beispielsweise bei einer Fälligkeit in 2023 von ca. 6,50% auf ca. 7,80% geklettert. Wie groß allerdings die Verunsicherung in puncto Athen ist, verdeutlicht auch eine im Jahr 2014 begebene Anleihe (A1ZL72), die am 17.07.2017 endfällig ist und mit über 9% rentiert.

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Politiker und auch Notenbanker kennen zwar die Problematik einer zu hohen Staatsverschuldung schon seit vielen Jahren, verschließen aber oftmals zu gerne die Augen vor den harten Fakten. So ist es nicht verwunderlich, dass in der Phase der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone zu wenig zum Zwecke der Haushaltssanierung unternommen wurde. Die dunklen Wolken über der Eurozone haben sich also nie so richtig aufgelöst, sondern wurden nur wegen anderer Probleme nicht mehr wahrgenommen.

So hat die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Daniele Nouy, erst kürzlich Italien und somit seinen Politikern bescheinigt, in den vergangenen drei Jahren zu wenig dafür getan zu haben, die notleidenden Kredite der italienischen Banken zu verringern. Das gleiche gilt auch für das Haushaltsdefizit Italiens. Aber für solche Fälle hat man ja italienische Freunde in den wichtigen Schaltzentralen Europas, welche einen radikalen Umbau der Finanzierung von Euro-Staaten in Erwägung ziehen. So ist dem Weißbuch der EU-Kommission zu entnehmen, dass man zusammen mit Notenbankern Überlegungen anstellt, sogenannte European Safe Bonds (ESB) einzuführen, um die Ansteckungsgefahr bei Banken- und Staatspleiten zu reduzieren.

Die deutsche Reaktion auf dieses Ansinnen ließ allerdings nicht lange auf sich warten und ist an Deutlichkeit kaum zu überbieten. Die Sprecherin des Finanzministeriums Friedericke von Tiesenhausen wies darauf hin, dass sich an der ablehnenden Haltung der Bundesregierung gegenüber Eurobonds nichts geändert hat. Besonders betonte sie, dass es sich auch zukünftig bei der Eurozone nicht um eine Verschuldungsgemeinschaft handele. Außerdem ist ein neuer Name oder eine neue Verpackung nicht gleichbedeutend mit einem neuen Konzept.

In diesem Zusammenhang warnte auch der Wissenschaftliche Beirat des Finanzministeriums in einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor der Einführung von Eurobonds durch die Hintertür, da diese künstlich generierten Bonds als Sovereign Bond Backed Securities (SBBS) besonders anfällig für eine politische Einflussnahme sein dürften. Deutschland würde als privilegierter Partner den schwächeren Mitgliedern von Nutzen sein, seine Unabhängigkeit opfern und politisch erpressbar werden.

Somit gilt auch weiterhin: Wehret den Anfängen. Denn mitgefangen ist auch mitgehangen!

Getreu dem Motto „nicht kleckern, sondern klotzen”

Der Software Riese Microsoft zeigte den europäischen Unternehmen, wie spielend an den Kapitalmärkten Geld aufzunehmen ist. Am Montag sammelte das Unternehmen 17 Mrd. US-Dollar für allgemeine Geschäftszwecke ein. Die Nachfrage nach den sieben Bonds belief sich laut den Konsortialbanken auf ca. 37,3 Mrd. US-Dollar. Nach Aussage der Analysten sollen damit Investitionen und Aktienrückkäufe getätigt werden. Die 3, 5, 7, 10, 20, 30 sowie sogar 40 jährigen Anleihen sind mit Kupons in Höhe von 1,85% bis 4,50% ausgestattet. Neben Microsoft refinanzierte der amerikanische Telekommunikations-Dienstleister AT&T ebenfalls mittels sechs Bonds mit unterschiedlichen Laufzeiten insgesamt 10 Mrd. US-Dollar.

Im Euroraum gab es lediglich nennenswerte Neuemissionen von Sixt Leasing SE, Auchan Holding SA und Louis Dreyfus Company in einer Gesamthöhe von 1,25 Mrd. €.

Der Leasing-Ableger des Autovermieters Sixt begab einen 4-jährigen Bond (A2DADR) mit einer Laufzeit bis zum 03.02.2021 und refinanzierte somit 250 Mio. €. Die Sixt-Leasing SE zahlt seinen Investoren jährlich 1,125% Zinsen und stattete das Papier mit einer Mindeststückelung von 1.000 € sowie einer Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten aus. Emittiert wurde zu 99,099%, dies entspricht +188,50 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe.

Die Holding der französischen Warenhauskette Auchan sammelte 600 Mio. € frisches Geld am Kapitalmarkt ein. Die Anleihe (A19CN3) hat einen jährlichen Kupon von 0,625% und ist am 07.02.2022 fällig. Begeben wurde das Papier zu 99,971%, was einem Emissionsspread von +95,90 bps über Mid Swap entsprach.

Als dritter im Bunde legte Louis Dreyfus einen 5-jährigen Bond (A19CWC) mit einem Emissionsvolumen von 400 Mio. € auf. Der französische, private Mischkonzern mit Sitz in Paris ist im Agrarbereich, Metall- und Energiesektor, Schiffbau sowie im Immobilienmarkt tätig und muss für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt 4% Zinsen p.a. an die Investoren zahlen. Der Emissionspreis belief sich auf 99,445%, was einem Spread von + 143,7 bps über Bund gleich kam.

Sowohl Auchan als auch Louis Dreyfus entschieden sich bei der Emission für eine Mindeststückelung von 100.000 € und eine Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten. Aufgrund der Mindeststückelung werden hier eher institutionelle Investoren angesprochen.

Die Entscheidung naht

Die nächsten Handelstage werden darüber entscheiden, ob sich die Angst vor steigenden Zinsen oder aber die Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen am Rentenmarkt durchsetzen wird. Momentan ist weiterhin kein klarer Trend zu erkennen, aber die Tatsache, dass die Trump’sche Aktienhausse etwas an Schwung verliert, der US-Dollar schwach geredet wird und dennoch die Bonds nicht entsprechend profitieren können, spricht eine eindeutige Sprache. Es ist zwar noch zu früh, um auf einen starken Renditeanstieg zu setzen, aber die Spreads zwischen den einzelnen Märkten lassen die Kurse in kleinen Schaukelbewegungen gen Süden tendieren. Technische Gegenbewegungen sind zwar nicht auszuschließen, werden aber meist zur Absicherung von Altpositionen genutzt.

Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen der Notenbankpolitik dies- und jenseits des Atlantiks als dass man diese vernachlässigen könnte, aber sicherlich wird die US-Geldpolitik die Marschrichtung vorgeben. Daran werden auch die Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) nur bedingt etwas ändern können.

Am gestrigen Abend ging die erste Fed-Sitzung nach der Inauguration Donald Trumps zu Ende und es wurde einstimmig beschlossen, die Leitzinsen nicht anzutasten. Bei der anschließenden Erklärung wurde darüber hinaus auf ein positives Konjunkturbild verwiesen, allerdings ohne eine baldige Straffung der Notenbankpolitik zu signalisieren. Mit einer weiteren Zinserhöhung in den USA ist allerdings frühestens im März des Jahres zu rechnen. Somit versucht man sich in der Zwischenzeit an den aktuellen charttechnischen Leitplanken zu orientieren, wobei sich der Bereich um 162% als Widerstand etabliert hat und Unterstützungslinien bei ca. 161,45% und 160,90% verlaufen. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 161,75%.

Aller guten Dinge sind drei!

Zum dritten Mal in Folge hat am gestrigen Mittwoch die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue fünfjährige Bundesobligation (114175) mit einem Kupon von 0,0% im Tenderverfahren begeben können. Insgesamt wurden den interessierten Investoren nominal 4 Mrd. € zum Kauf angeboten, die in der Summe von den eingereichten Kaufaufträgen übertroffen wurde. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,28%. Somit sind die Anleger weiterhin bereit, auf eine jährliche Verzinsung in den kommenden fünf Jahren zu verzichten und darüber hinaus weniger Geld bei der Rückzahlung zu erhalten als beim Kauf zu zahlen. Doch in dieser Handelswoche waren auch Eurostaaten am Kapitalmarkt aktiv, denen solche Konditionen zwar gefallen würden, die aber nur davon träumen können. So refinanzierten sich mittels diverser Anleihen neben Italien auch noch Frankreich (A1VQ1A / 2026, A1Z7JJ / 2031) und Spanien (A18W6G / 2019 , A1ZXQ6 / 2030 ; A0DW8E / 2037) und sammelten dabei ca. 20 Mrd. € ein.

In der Trump’schen Finanzwelt wurden in dieser Woche „nur“ Geldmarktpapiere im Volumen von 127 Mrd. USD mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei, sechs und 12 Monaten aufgelegt und gönnte somit den Investoren eine kurze Verschnaufpause, bevor in der kommenden Woche auch T-Notes wieder auf der Agenda stehen.

Die Suche nach dem Wettbewerbsvorteil

Ein „Währungskrieg“ ist ein Wirtschaftskonflikt, bei dem Volkswirtschaften versuchen, ihre Währung abzuwerten und dadurch ihre jeweilige internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der anderen Volkswirtschaften zu verbessern, so die Definition bei Wikipedia.

Die aktuelle Nachrichtenlange und insbesondere die Meldungen aus Übersee scheinen dieses Thema erneut zu entfachen. So äußern sich die Vereinigten Staaten unmissverständlich, dass sie nicht an einem starken US-Dollar interessiert sind und werfen gleichzeitig anderen Volkswirtschaften vor, ihre Währung künstlich abzuwerten. Diese Aussagen zeigten sofort Wirkung und der Devisenmarkt reagierte entsprechend. In der Folge verlor der Greenback auf breiter Front gegenüber den zehn anderen wichtigen Währungen und die europäische Gemeinschaftswährung stieg zeitweise bis auf 1,0812 USD - ein neues Jahreshoch. Zur Stunde handelt die Einheitswährung nach wie vor robust um die Marke von 1,0790 US-Dollar.

Wie in der Woche zuvor präsentiert sich das Pfund Sterling stark und stieg zum US-Dollar in dem noch jungen Jahr 2017 auf eine neue Bestmarke von 1,2680 USD. Im Vergleich zum Euro handelt das Pfund auf Vorwochenniveau bei Wechselkursen um 0,8515 GBP.

Dieser Tage wiedererstarkt zeigt sich ebenfalls die Landeswährung Norwegens. So verbesserte sich die norwegische Krone im Vergleich zum Euro stetig und markierte in dieser Handelswoche ein neues 12-Monatshoch bei 8,8359 NOK, nachdem sie noch zu Jahresbeginn um die Marke von 9,10 NOK gehandelt wurde.

Ein sogenannter „Währungskrieg“ sorgt für eine Belebung der Handelsaktivitäten bei Fremdwährungsanleihen und so standen in dieser Berichtswoche Bonds denominiert auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie norwegische Kronen im Fokus der Privatanleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Währungshüter mit Anlagenotstand

In der Vergangenheit hatten die Hüter der Devisenreserven meist das klassische Prinzip „Kaufe ultrasichere Wertpapiere“ angewandt, um Gelder gewinnbringend zu verwalten. Hierbei wurde oftmals in US-Staatsanleihen investiert, was wiederum von vielen Marktteilnehmern nicht als unproblematisch eingestuft worden war. Die dadurch entstandene „Überkreuzverflechtung“ zwischen Staaten kann in einer gegenseitigen Abhängigkeit gipfeln und somit schnell zum Zankapfel werden. Doch auch in Zeiten eines festen US-Dollars ist diese Alternative nicht mehr das alleinige „Überlebenselixier“. Und so mussten Notenbanker umdenken und sich nach neuen Investitionsmöglichkeiten umschauen.

Deshalb haben sich die Währungshüter weltweit entschlossen, einen Teil ihrer Devisenreserven in Aktien, Firmenanteile und andere risikoreiche Finanzanlagen zu investieren. Diese Spekulation zur Gewinnmaximierung, die oftmals an externe Geldmanager ausgelagert wird, hat den Nebeneffekt, dass sie zu Marktverzerrungen führt. Durch eine erhöhte Nachfrage, welche auf ein begrenztes Angebot an Firmenanteilen trifft, werden die Aktienkurse in die Höhe getrieben. Doch nicht alle Finanzmärkte sind für solche Aktivitäten geeignet. So führte eine übermäßige Nachfrage an den kleinen Märkten für australische und neuseeländische Dollar sowie für norwegische Kronen zu Verwerfungen, da diese Märkte nicht die Liquidität absorbieren können, welche nach Anlage verlangt. Problematisch ist hierbei auch die Tatsache, dass manche dieser Nationen im Falle einer Abwertung ihrer Währung in einen Teufelskreis geraten und zum Ausgleich ihrer erlittenen Verluste noch mehr Risiko eingehen.

Somit ist der Wechsel vom Liquiditäts- zum Investmentmanager vorprogrammiert, zumal die weltweit seit 1995 von 1,4 auf 11 Bill. US-Dollar angestiegenen Devisenreserven nicht nebenbei zu verwalten sind. Jede Kapitalsammelstelle versucht - wie jeder Investor - das Optimum bei der Anlage der liquiden Mittel zu erzielen. Zusätzlich sorgen die diversen QE-Maßnahmen der Notenbanken für Verzerrungen an den Märkten. Vieles erinnert an ein Pulverfass, auf dem wir sitzen, mit einer Lunte, deren Länge wir nicht kennen!

Geht der Schuss für Trump nach hinten los?

Donald Trump macht Ernst. Statt Freihandel setzt der neue US-Präsident auf Protektionismus. Kaum im Amt, lässt Trump seinen Ankündigungen Taten folgen und erteilt nicht nur dem Mauerbau zu Mexiko die Genehmigung, sondern auch dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP, das 2018 in Kraft treten sollte, eine Absage. Damit droht auch das Handelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA, das noch gar nicht ausverhandelt ist, erst recht zu scheitern.

Barack Obama hatte in jahrelangen Verhandlungen den Freihandels-Pakt TPP mit Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam ausgearbeitet. Tatsächlich ratifiziert hatte es bisher nur Japan. Zusammen sind die TPP-Länder für rund 40% der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich. TPP hätte zahlreiche Standards der Mitgliedsländer in den Bereichen Umweltschutz, Arbeitnehmerrechte und Schutz für bestimmte Industrien vereinfacht. Ziel war es, einen riesigen Binnenmarkt nach EU-Vorbild mit 800 Mio. Menschen zu formen, was laut Obama bis zu 650.000 neue Arbeitsplätze in den USA hätte schaffen können.

Trump hatte dagegen im Wahlkampf von TPP als „Arbeitsplatzvernichter“ gesprochen. Allerdings versprach auch Hillary Clinton, TPP zu stoppen, allerdings vor allem wegen fehlender Arbeits- und Umweltstandards. Wen die TPP-Partner von Beginn an außen vor gelassen hatten, war China. Schließlich wollte man ein Gegengewicht zur größten Handelsnation in Asien bilden.

Denn auch ohne die USA sind die Bündnispartner Japan, Australien und Neuseeland bemüht, die von Trump aufgekündigte Vereinbarung zu retten. Die Absage der neuen Regierung in Washington sei auch eine Chance für TPP, sagte Australiens Premierminister Malcolm Turnbull. Schließlich könne man TPP auch ohne die USA weiterentwickeln. Und mehr noch: Das Bündnis könne sich möglicherweise auch für China öffnen, sagte Turnbull.

Bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Australiens Handelsminister Steven Ciobo bekannt gegeben, dass sein Land zusammen mit den anderen TPP-Staaten sowie Kanada und Mexiko ein Konzept „TPP 12 minus eins” prüft. In diesem Rahmen gebe es Spielraum für China, so Ciobo. Einzig Japan will davon nichts wissen. Dennoch, sollte das Reich der Mitte also tatsächlich irgendwann TPP beitreten dürfen, wäre ironischerweise genau das Land der große Gewinner, das man ursprünglich draußen halten wollte. Für Trump würde der Schuss dann nach hinten losgehen.

Der Fall zeigt, dass die handelspolitischen Gewichte weltweit bereits wenige Tage nach dem Amtsantritt von Donald Trump in Bewegung geraten sind. Dies verdeutlicht aber auch, dass es noch Länder gibt, die selbstbewusst gegenüber protektionistischen Tendenzen die Werte des Freihandels verteidigen.

Europa muss sich neu orientieren

Es dürfte klar sein, dass durch den Umbruch, den Donald Trump einläutet, auf Europa größere Anstrengungen zukommen werden. Davon ist jedenfalls Friedrich Merz überzeugt. So schreibt der Deutschland-Aufsichtsratschef des Vermögensverwalters Blackrock und Vorsitzender des Vereins „Atlantik-Brücke”, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt von neuen Herausforderungen für Europa in Fragen der Außen-, Handels- und Finanzpolitik. Das Ganze liest sich wie ein Weckruf an die EU.

Merz sieht in der neuen US-Finanzpolitik ein abruptes Ende der Regulierung und eine Rückabwicklung von Bestimmungen, die man als Lehren aus der Finanzkrise bisher im Konsens zwischen Europa und Amerika eingeführt hat. Europäischen Banken, so seine Erwartung, werde es künftig noch schwerer fallen, in den USA Geschäfte zu machen. In der Handelspolitik wird es Europa laut dem CDU-Politiker noch sehr bedauern, „leichtfertig“ zum Scheitern eines transatlantischen Handelsabkommens beigetragen zu haben. Und zum guten Schluss werde unter Trump nun auch das Verhältnis zwischen Europa und den USA neu justiert, was außenpolitische Neuerungen zur Folge haben werde.

Dass man sich in Brüssel neu orientieren muss, darauf weist auch „Noch-Bundeswirtschaftsminister” Sigmar Gabriel hin. „Europa sollte jetzt schnell an einer neuen Asienstrategie arbeiten”, sagte er dem Handelsblatt. Demnach solle der Blick insbesondere in Richtung Indien und China gehen. „Die Räume, die Amerika frei macht, müssen wir jetzt nutzen“, so Gabriels Credo. Sollte Trump einen Handelskrieg mit Asien und Südamerika beginnen, sieht Gabriel neue Chancen für die heimische Industrie. Allerdings weist er auch auf mögliche Schwachstellen eines Freihandelsabkommens mit China hin. Das Land sei aktuell nicht bereit, ein fairer Partner auf Augenhöhe für Investoren zu sein, so der Bundeswirtschaftsminister. Bei einer China-Reise habe er kürzlich wiederholt staatlich bedingte Nachteile für deutsche Firmen in dem Land bemängelt.

Wie eventuelle neue Handelsabkommen speziell im asiatischen Raum aussehen werden, ist noch offen. Offener aber sind auch neue Denkmodelle, die man sich bisher gar nicht vorstellen konnte. Sollte es tatsächlich so sein, dass die protektionistische Handelspolitik von Trump immer mehr Partner in die Arme von China treibt und die Macht Pekings sogar stärkt, kann dies doch nicht im Sinne der USA sein.

Aber vielleicht wird man eine solche Situation anschließend als „alternative Fakten“ in Washington wieder anders darstellen - so wie es die Trump-Beraterin Kellyanne Conway bei ihrem Erklärungsversuch bezüglich der Aussagen von Trumps Pressechef Sean Spicer zu den Besucherzahlen anlässlich der Amtseinführung des neuen Präsidenten versucht hat. Immerhin, mit dem Begriff „alternative facts“ steht das Unwort des Jahres 2017 schon im Januar des noch neuen Jahres fest.

Neue Hürde für May

Die Brexit-Befürworter haben mit der Entscheidung des höchsten britischen Gerichts in London einen Rückschlag erlitten. Das Parlament muss über die Austrittserklärung Großbritanniens aus der EU abstimmen. Die Aufkündigung der EU-Mitgliedschaft kann also nur durch das britische Parlament erfolgen. Wie die Richter des Supreme Court bestimmten, muss die Regierungschefin die Abgeordneten fragen, ehe sie Artikel 50 des Lissabon-Vertrages aktiviert und damit offiziell den EU-Ausstieg ihres Landes beantragt.

Bisher hatte Premierministerin Theresa May die Auffassung vertreten, dass sie die Entscheidung alleine treffen und die Austrittsverhandlungen mit der EU ohne Einspruch Westminsters führen könne. Doch jetzt hat das Parlament das Sagen und wahrscheinlich werden die Abgeordneten eine stärkere EU-Nähe einfordern. Denn die Oppositionsparteien planen, die erwartete Gesetzesvorlage zum EU-Austritt mit Änderungsanträgen zu befrachten, bevor sie ihre Zustimmung geben. Damit dürfte der ohnehin enge Zeitplan für die Verhandlungen mit der EU weiter unter Druck geraten und aus dem „harten Brexit“ könnte doch noch ein ganz weicher werden.

Deshalb sind Zweifel angebracht, ob die Regierung ihre Austrittserklärung wie geplant bis März in Brüssel wird einreichen können. Dennoch ist zu erwarten, dass das Parlament in Westminster schließlich zustimmen wird, denn bis auf einen Abgeordneten haben dies alle konservativen Abgeordneten bereits avisiert. Und auch die Führung der oppositionellen Labour-Party wehrt sich nicht grundsätzlich, will aber eine Reihe von Zusatzanträgen einbringen. Insbesondere geht es Labour um den „vollen, tariffreien Zugang zum Binnenmarkt“ und die „Wahrung von Arbeiterrechten, von sozialen Rechten und den Umweltschutz“. Leidenschaftlich pro-europäisch bleibt die kleine Fraktion der Liberaldemokraten. Ganz gegen den EU-Austritt stellt sich auch die SNP aus Schottland, wo 62% für den Verbleib in der EU gestimmt hatten.

Als großer Verlierer des Brexits sieht man sich jetzt schon in Irland. Für die Grüne Insel ist Großbritannien der wichtigste Handelspartner. Außerdem sind die Bindungen zur EU für Dublin enorm wichtig. Dank Binnenmarkt und jahrzehntelanger Unterstützung durch die EU mauserte sich Irland vom Armenhaus zum Aufsteiger, der mittlerweile vom Empfänger zum Beitragszahler geworden ist. Doch nicht nur das, die EU-Mitgliedschaft Irlands und Großbritanniens war ein entscheidender Grund für das Ende des Nordirland-Konflikts. Offene Grenzen und ein gemeinsamer Binnenmarkt kommen eben einer Einheit des Landes schon recht nahe. Sollte sich dies wieder ändern, befürchtet so mancher in Nordirland ein erneutes Aufbrechen des längst beigelegten Konflikts.

Indessen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei der Gestaltung des Brexits den Briten das Modell der Schweiz nahegelegt. London solle sich ein Beispiel daran nehmen, wie klug die Schweiz nationale Souveränität und enge Zusammenarbeit mit der Europäischen Union verbinde, sagte er der „Neuen Zürcher Zeitung”. Die Schweiz hat über bilaterale Verträge Zugang zum EU-Binnenmarkt. Statt Quoten für ausländische Arbeitskräfte einzuführen, gewähren die Eidgenossen eigenen Bürgern bei der Besetzung offener Stellen Vorrang.

Schäuble zeigte sich überzeugt, dass der Brexit langfristig schlecht für Großbritannien sein wird. Kurzfristig laufe die Wirtschaft derzeit zwar gut, aber das führt der Bundesfinanzminister vor allem auf die Pfund-Schwäche zurück. Und Länder, die auf Abwertungen ihrer Währung setzten, seien langfristig nicht erfolgreich, so Schäubles Resümee.

Schulden für Athen werden gestreckt

Angesichts der Aufmerksamkeit, die derzeit Donald Trump auf sich zieht, ist es im täglichen Nachrichtenstrom nahezu untergegangen, dass die Länder der Eurozone Griechenland endgültig grünes Licht für begrenzte Schuldenerleichterungen gegeben haben. Dies haben der Euro-Rettungsfonds ESM und sein Vorläufer EFSF beschlossen. Dabei wurden für Athen Risiken durch Zinssteigerungen in den kommenden Jahrzehnten abgefedert und eine Verlängerung der Laufzeiten von Teilen der griechischen Schulden gewährt. Die kurzfristigen Schuldenerleichterungen seinen „ein wichtiger Schritt”, um die Tragfähigkeit der griechischen Schulden zu gewährleisten, sagte dazu ESM-Chef Klaus Regling.

Das ist auch bitter nötig, weist Athen doch mit 176,9 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) den höchsten Schuldenstand in der Euro-Zone auf. Aber immerhin, dies waren im 3. Quartal des vergangenen Jahres 2,9%-Punkte weniger als drei Monate zuvor. Überhaupt ist der Schuldenstand in der Euro-Zone im 3. Quartal 2016 auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren gefallen, denn die zusammengerechnete Verschuldungsquote der 19 Euro-Staaten sank auf 90,1% des BIPs.

Zwar stimmt die Richtung, gewiss, aber dennoch sollte keiner beim Lesen dieser Zahlen bereits eine Trendumkehr bejubeln. Dies würde doch zu sehr an Pippi Langstrumpf erinnern, die sich die Welt so macht, wie es ihr gefällt.

Deutsche Telekom mit Dreierpack

Um die Finanzierungsstruktur zu optimieren, hat die Deutsche Telekom mehrere Euro-Anleihen begeben. Wie der Bonner Konzern zum Wochenstart mitteilte, handelt es sich hierbei um drei Anleihen.

Zum einen wird eine 1 Mrd. € schwere Anleihe (A19CF5), die am 30.10.2021 endfällig ist, mit 0,375% p.a. verzinst. Der Emissionspreis wurde bei 99,784% fixiert, was einem Spread von +33 bps über Mid Swap entsprach. Die zweite Tranche (A19CF6), eine jährlich mit 0,875% verzinste Gattung, welche am 30.01.2024 fällig wird, hat ein Emissionsvolumen von 1,25 Mrd. €. Hier wurde der Emissionspreis bei 99,838% festgelegt (+53 bps über Mid Swap). Mit dem gleichen Emissionsvolumen wurde auch die dritte Anleihe (A19CF7) - mit Laufzeitende 30.01.2027 - ausgestattet. Verzinst wird der Bond mit 1,375% p.a., was bei einem Kurs von 99,168% einem Emissionsspread von +117,1 bps über Bund entsprach.

Diese drei Tranchen wurden alle mit einer Mindeststückelung von nominal 1.000 € aufgelegt.

Doch auch der viertgrößter Anbieter im internationalen Tabakmarkt, die Imperial Brands, wurden am Primärmarkt für Corporates aktiv. Mit einer Dualtranche wurde insgesamt 1 Mrd. € am Kapitalmarkt zu gleichen Teilen refinanziert, wobei eine Anleihe (XS1558013014) am 27.07.2021 endfällig und mit einem Kupon von 0,50% ausgestattet ist. Emittiert wurde zu 99,422% (+112,6 bps über Bund). Die zweite Tranche (XS1558013360) ist am 27.01.2025 zur Rückzahlung fällig und wird jährlich mit 1,375% verzinst. Der Emissionspreis belief sich auf 99,617%, was einem Spread von + 143,7 bps über Bund gleich kam. Bei diesen beiden Wertpapieren wurde eine Mindeststückelung von 100.000 € und eine Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten festgeschrieben.

Die Zuversicht schwindet

Seit Jahren profitieren die Aktienmärkte von der Versorgung mit billigem Geld seitens der Notenbanken, was wiederum auch die Kurse der Bonds nach oben trieb. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Die Notierungen für Anleihen haben den Rückzug angetreten und die Aktien setzten alleine ihre Kletterpartie fort. Sicherlich ist der Preisverfall bei den Renten nicht im Sinne der Europäischen Zentralbank (EZB), aber am Markt setzt man mangels Alternativen weiterhin auf Aktien und verlässt sich nicht mehr nur auf das Ankaufprogramm der EZB.

Doch dieser Sentimentwechsel löst noch keine massiven Verkäufe aus, sondern es werden lediglich vorhandene Positionen mittels der unterschiedlichen Futures abgesichert. Viele Marktteilnehmer glauben nicht länger an die unendliche Rentenhausse, aber da sie eine Materialknappheit befürchten, haben sie sich für diese Vorgehensweise entschieden. Und sollte es in naher Zukunft doch zu einer technischen Reaktion an den Aktienmärkten kommen, so können diese Sicherungsmaßnahmen schnell wieder rückgängig gemacht werden, um von der Umkehr der Zahlungsströme zu profitieren.

Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 161,50%, was einer Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe von ca. 0,48% entspricht. Somit scheint die Marke von 0,50% nur noch eine Frage der Zeit zu sein, was gleichbedeutend mit einem Test der Unterstützungslinie bei 161,05% wäre. Die Blockade auf dem Weg nach oben verläuft momentan in einem Bereich zwischen 162,20% und 162,49%. Nur ein nachhaltiges Überwinden dieser Hürde würde eine Trendwende initiieren. Darüber hinaus sind die jetzt zu erzielenden Renditen weder „Fisch noch Fleisch“ und helfen den Fondsmanagern nicht wirklich weiter. Somit scheint in den kommenden Tagen eher die Downside getestet zu werden und diesen Trend können nur neue Hiobsbotschaften jenseits des „Großen Teichs“ beenden.

Bund zieht Aufstockung durch

In den USA stand in dieser Handelswoche die Refinanzierung unterschiedlichster Geldmarkttitel und Anleihen auf der Agenda. So wurden T-Bills mit den üblichen Fälligkeiten (4 Wochen, 3 und 6 Monate) im Gesamtvolumen von 107 Mrd. USD emittiert. Ergänzt wurde die Palette im Gesamtvolumen von 103 Mrd. USD mit 2-jährigen T-Notes (als Straight Bond und als Floating Rate Note) und mit zwei weiteren T-Notes (5 und 7 Jahre).

In Euroland hingegen wurden lediglich Anleihen für ca. 8 Mrd. € begeben. Neben dem wöchentlichen Daueremittenten Italien, stockten die Niederlande eine 5-jährige Anleihe (A1VPZX) um 3 Mrd. € und Deutschland die ehemals 30-jährige Anleihe (110234) um 1 Mrd. € auf insgesamt 20 Mrd. € auf. Die Zuteilung der langlaufenden und leicht überzeichneten Anleihe erfolgte zu einer Durchschnittsrendite von 1,20%.

Pfund Sterling im Aufwind

Die Machtverhältnisse in den USA wurden am vergangenen Freitag groß gefeiert und dabei wurde auf die seitens „D.T. – der Unberechenbare“ angestrebten Größenverhältnisse zwischen Europa und den USA hingewiesen. Doch zumindest in dieser Hinsicht hat die europäische Gemeinschaftswährung inzwischen die Oberhand gewonnen. So stieg der Euro in dieser Woche auf ein neues Januar-Hoch bei 1,0775 US-Dollar und entfernte sich weiter von seinem 14-Jahrestief (1,0341 USD / 03. Januar 2017). Zur Stunde handelt die Einheitswährung bei 1,0730 USD.

Der offizielle Amtsantritt von Donald Trump und dessen gestrige Ankündigung des Mauerbaus konnten die angeschlagene mexikanische Landeswährung nicht weiter schwächen. So handelte der Peso zum US-Dollar aktuell bei 21,08 MXN, nachdem er noch am 11. Januar sein bisheriges Tief bei 22,0385 MXN erreicht hatte. Im Vergleich zum Euro verlor der Peso allerdings an Wert und markierte ein neues Allzeittief bei 23,5065 MXN. Dies war aber auch auf die derzeitige Stabilität des Euros zurückzuführen und zurzeit handelt er bei 22,65 MXN.

Das Pfund Sterling hat am gestrigen Mittwoch gegenüber den zehn wichtigsten Währungen im Plus notiert. Zum US-Dollar verteuerte sich das Pfund und stieg auf ein 6-Wochen-Hoch bei 1,2663 USD. Der Euro notiert zum Sterling derzeit bei 0,85 GBP, in der Vorwoche lag der Wechselkurs noch bei 0,88541 GBP.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche verstärkt Anleihen auf türkische Lira, mexikanische Peso und brasilianische Real auf den Kauflisten. Aber auch die „Klassiker“ in Form von US-Dollar Bonds wurden wieder vermehrt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Geldpolitik am Scheideweg

Die Frage, ob sich die Notenbanken bereits verausgabt haben, kann momentan noch nicht endgültig beantwortet werden. Mit Niedrigzinsen sollte das Wirtschaftswachstum in Schwung gebracht, mit Anleihekäufen durch Notenbanken die Renditen gedrückt sowie die Kreditvergabe befeuert werden. Diese Ziele wurden sicherlich größtenteils erreicht. Aber nun haben sich verschiedene Rahmenbedingungen geändert, was wiederum die Notenbanker zum Umdenken zwingt. Erste Anzeichen von Inflation, sinkende Arbeitslosigkeit, konjunktureller Aufschwung, politscher Widerstand und die Angst vor den negativen Konsequenzen der „Politik des billigen Geldes“ bedeuten, dass die Geldpolitik am Scheideweg steht.

Obwohl jedem klar denkenden Menschen bewusst sein sollte, dass diese Phase irgendwann kommen würde, haben die Politiker die ihnen eingeräumte Zeit zur Haushaltssanierung nicht entsprechend genutzt. Dies lässt für die kommenden Monate eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Notenbankern und Politikern erwarten. Einen ersten Vorgeschmack liefert hierbei der Ton zwischen dem neuen US-Präsidenten Donald Trump und der noch ein Jahr unter Vertrag stehenden Fed-Chefin Janet Yellen. Die Bestrebungen der Politiker die Unabhängigkeit der Notenbanken zu beschneiden und sie als verlängerten Arm der Politik zu implementieren, ist allerdings keine US-amerikanische Erfindung, sondern erhält auch in Euroland und Großbritannien entsprechende Unterstützung.

So wird die Bank of England u.a. aufgrund ihrer Entscheidungen, die sie im Anschluss an das Brexit-Votum getroffen hatte, immer wieder kritisiert (Leitzinssenkung und Wiederbelebung QE). Aber auch der deutsche Widerstand gegen die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt die Währungshüter verstärkt auf ihre Unabhängigkeit verweisen. Anscheinend sind die Notenbanker nicht länger gewillt, die Tatenlosigkeit der Politiker zu kaschieren und fordern fiskalische Impulse, um die Geldpolitik als alleinige Konjunkturstütze zu entlasten. In diesem Zusammenhang erscheint das Bestreben des deutschen Finanzministers, Wolfgang Schäuble, den Überschuss aus dem Jahre 2016 in Höhe von 6,2 Mrd. € zum Schuldenabbau zu verwenden, nicht im Sinne der EZB zu sein. Die Mittelverwendung entzweit auch Politiker aller Parteien, obwohl eine Schuldentilgung alternativlos ist, wenn man einen Funken Verantwortungsgefühl gegenüber den nachfolgenden Generationen verspürt. Doch das Wort „Schuldentilgungsplan“ wurde anscheinend noch nicht in alle Sprachen übersetzt.

Über mangelnde Unterstützung seitens ihrer Regierung können sich die japanischen Notenbanker zwar nicht beklagen, aber die bisherigen Konjunkturförderprogramme haben nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Somit ist es nicht verwunderlich, dass von einer weiteren Ausweitung der ultralockeren Geldpolitik abgesehen wird. Selbst die Schweizerischen Notenbanker sehen Negativzinsen nur noch als Mittel zur Steuerung des Außenwerts ihrer Heimatwährung an und warnen vor den Folgen der Niedrigzinspolitik.

Einfache Zeiten kommen auf die Notenbanker somit nicht zu, so dass ihr Aufgabengebiet zukünftig wohl um einen Punkt erweitert werden muss: Die Suche nach alternativen Wegen zu wirtschaftlichem Wohlstand.

Die May ist gekommen

Sie strebt den „klaren Bruch“ mit der Europäischen Union (EU) an, Theresa May - die britische Premierministerin will den „härtesten Brexit, den man sich vorstellen kann“, wie es der Vorsitzende der Europa-SPD, Jens Geier, formulierte.

Die May ist gekommen und hat in einer lange erwarteten Rede in London dargelegt, wie sich ihre Regierung das künftige Verhältnis zwischen London und Brüssel vorstellt. Um die Einwanderung aus der EU seitens 10 Downing Street kontrollieren zu können, will May die Mitgliedschaft im begehrten EU-Binnenmarkt aufgeben und raus aus der Zollunion. Stattdessen kündigte sie an, ein Freihandelsabkommen mit Europa aushandeln zu wollen. Dabei verfolgt London ehrgeizige zeitliche Ziele. Bis 2019 will man draußen sein, was Geier als „völlig unmöglich“ bezeichnet. Dafür bedürfe es mindestens eines Zeitraums von 5 Jahren. In der Zwischenzeit falle das Königreich in seinen Beziehungen zur EU auf einen Standard zurück, der hinter dem der Schweiz oder der Türkei liege, warnte der Sozialdemokrat Geier im ARD-Hörfunk-Interview.

London will also nicht teilweise EU-Mitglied bleiben, ein angeschlossenes EU-Mitglied oder ähnliches. „Nein, das Vereinigte Königreich wird die Europäische Union verlassen“, sagte May. Und dennoch will sie Großbritannien wiederum den „bestmöglichen Zugang“ zur EU verschaffen. Ja, was denn nun? Im Grunde will May, dass der Handel so frei wie möglich bleibt und London eine totale Kontrolle über die Einwanderung hat. Was will denn London geben, wenn es so viel nehmen will? Insbesondere hofft die Regierungschefin, eine Sonderregelung für den Finanzbereich aushandeln zu können, „die uns die Freiheit gibt, finanzielle Dienste auch jenseits unserer Grenzen anzubieten“.

Der Grund, warum May so offensiv aufgetreten ist, dürfte auch in der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten liegen. Hatte er doch vor einigen Tagen versichert, die Briten würden in der vordersten Reihe stehen, um ein „großartiges“ Freihandelsabkommen mit den USA zu unterzeichnen.

Bis zu so einer Unterzeichnung ist es aber noch ein steiniger Weg. Und für einen solchen sollte sich die EU auch in den Verhandlungsdelegationen gut rüsten. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte ja bereits Ende vergangenen Jahres Zeitdruck auf London ausgeübt und sich als Mann mit klarer Kante gezeigt. Nachdem er aber EU-Abgeordneten bei einem privaten Treffen anvertraut hatte, dass er mit London einen gesonderten Zugang zu den Banken in der City of London aushandeln wolle, muss hier erst einmal abgewartet werden. Barnier hatte argumentiert, er wolle die finanzielle Stabilität in der EU nicht gefährden. Zumindest die eher konservative Presse in UK hatte daraufhin gejubelt, „Europa braucht uns mehr, als wir sie brauchen” (Daily Mail). Aber vielleicht zeigt sich Barnier hier auch nur als nüchterner Politiker mit Einsicht in die Realitäten. Mit ausreichendem Stehvermögen versehen wäre er dann nicht der schlechteste Mann, um die Interessen der EU in den Verhandlungen mit den Briten federführend zu vertreten – ganz nach dem Motto: Brexit bleibt Exit.

Cryan kommt Schritt für Schritt voran

In den vergangenen Tagen ist der Deutschen Bank einiges gelungen, was man Vergangenheitsbewältigung nennen kann. Gut, die Reputation des größten deutschen Geldhauses ist nach wie vor nicht die Beste. Aber man kann den Eindruck gewinnen, dass der seit Juli 2015 amtierende Vorstandschef John Cryan seinem Ziel, das Bankhaus wieder auf Vordermann zu bringen, Schritt für Schritt näher kommt.

Dies gelingt zum einen durch die Milliarden-Einigung mit den US-Behörden, die nun in trockenen Tüchern ist. Hiermit wurde ein unrühmliches und teures Kapitel in der Geschichte der Bank endlich geschlossen. Im Streit mit dem US-Justizministerium um dubiose Hypothekengeschäfte zahlt das Frankfurter Geldhaus die bereits im Dezember angekündigte Vergleichssumme über insgesamt 7,2 Mrd. US-Dollar (6,7 Mrd. €). Diese setzt sich aus 3,1 Mrd. US-Dollar Bußgeld und zusätzlichen 4,1 Mrd. US-Dollar als Wiedergutmachung für geschädigte Hausbesitzer, Kreditnehmer und Gemeinden zusammen. Der Deutschen Bank war vorgeworfen worden, mit windigen Hypothekengeschäften Anleger getäuscht und auf diese Weise zum Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts 2008 und damit zur Finanzkrise beigetragen zu haben. Ursprünglich hatte eine Strafe von 14 Mrd. US-Dollar gedroht.

Zum anderen gilt die Kappung von Bonuszahlungen für außertariflich bezahlte Mitarbeiter als beschlossene Sache. Etwa 90 Prozent der Bonuszahlungen werden dieser Personengruppe laut „Spiegel Online“ gestrichen. Dies trifft in großem Ausmaß auch Investmentbanker in London und New York. Allerdings sind Ausgleichspakete vorgesehen, um die Auswirkungen zu begrenzen und eine Massenabwanderung von Mitarbeitern zu verhindern. Dabei geht es vor allem um Führungskräfte, die wichtige Kundenkontakte haben. Diese sollen weiter Boni erhalten, die aber entweder erst ab 2021 ausgezahlt oder in Aktien mit Sperrfrist gewährt werden. In diesem Zusammenhang wurde gestern bekanntgegeben, dass auch der Vorstand auf seine variable Vergütung für das Jahr 2016 verzichtet und dadurch mit gutem Beispiel vorangehen will. Ob damit eine von Cryan versprochene neue Unternehmenskultur umgesetzt werden kann, muss sich noch zeigen.

Darüber hinaus ist in dieser Woche der Deutschen Bank die Rückkehr an den Kapitalmarkt gelungen. Erstmals seit März 2016 hat das Geldhaus wieder eine Anleihe begeben, nachdem Investoren im vergangenen Jahr - mit Blick auf die drohende Strafe in den USA - Bedenken wegen der Bedienung der Anleihen geäußert hatten.

Somit emittierte die Deutsche Bank am Montag eine 5-jährige Euro-Emission (WKN: DL19TA) mit einem Kupon von 1,50% (+150 bps über Mid Swap). Das Papier im Volumen von 1,5 Mrd. € ist im Januar 2022 endfällig und richtet sich mit einer Mindeststückelung von 100.000 € insbesondere an institutionelle Investoren. Bei einem aktuellen Kurs von ca. 99,85% rentiert der Titel mit ca. 1,53%. Für CEO Cryan dürfte die Emission ein weiterer Schritt in Richtung Normalisierung sein.

Türkische Bonds gehen auf Talfahrt

Jetzt sind es die Kapitalmärkte, welche die Türkei verstärkt unter Druck setzen. Nachdem die Lira aufgrund der politischen Unruhen bereits im Sommer einen Wertverlust zu verkraften hatte, verlor sie nun innerhalb weniger Tage gegenüber dem Euro weitere 12% an Wert und markierte ein neues Rekordtief. Für einen Euro bekam man in der Spitze ca. 4,17 türkische Lira und vor weniger als zwei Jahren waren es nur 2,5 Lira. In der Folge dieser Entwicklung versuchten internationale Kapitalanleger ihre Verluste zu begrenzen, was eine regelrechte Kapitalflucht ausgelöst hat. Investoren trennten sich im großen Stil von ihren in türkischer Lira begebenen Anleihen.

Aber auch an Staatsanleihen, die in anderen Währungen begeben wurden, ging diese Entwicklung nicht spurlos vorbei. So fiel ein bis 3/2022 laufender Titel (A1GWJH) vergangene Woche auf 98,275%, um sich inzwischen wieder auf ca. 99,00% zu erholen. Damit rentiert das in US-Dollar notierte Papier mit ca. 5,35%. Ähnlich verlief die Entwicklung bei einer auf Euro lautenden Staatsanleihe aus Ankara - wie etwa bei einem bis 4/2023 laufenden Papier (A1ZGRG), das derzeit einen Kurs von ca. 103% (ca. 3,48% Rendite) aufweist, nachdem es am 11.01. bereits auf 101,95% gefallen war.

Der Wertverfall bedroht die erfolgreiche türkische Wirtschaftspolitik, die als eine Machtbasis von Präsident Erdogan gilt. Dieser machte zum wiederholten Male das Ausland für die Entwicklung an den Kapitalmärkten verantwortlich. Er ging dabei soweit, „einen Terroristen mit einer Waffe in der Hand und einem Terroristen mit Dollars, Euros und Zinsen“ gleichzusetzen. Ihr Ziel sei es, die Türkei in die Knie zu zwingen. „Den Wechselkurs benutzen sie als Waffe”, so Erdogan.

Tatsächlich mag man die Gründe für den Wertverfall nicht alle als hausgemacht bezeichnen, aber dahinter steckt schlicht und einfach Finanzmarktlogik. Weil steigende Zinsen in den USA erwartet werden, fließt zurzeit Geld aus vielen Schwellenländern in die USA, wo obendrein ein politisch motivierter, starker US-Dollar für zusätzliche Anreize sorgt.

Aber natürlich ist ein Großteil der Probleme politischer Natur. Da ist die Hetze gegen Gülen-Anhänger und die Lähmung bürokratischer Prozesse zu nennen, nachdem 100.000 Staatsbedienstete entlassen und 40.000 Menschen verhaftet wurden. Hinzu kommt das chronische Leistungsbilanzdefizit der Türkei, das insbesondere von hohen Energieimporten herrührt und aufgrund der geschwächten Währung nun noch größer werden dürfte. Auch eine Zinserhöhung der Zentralbank im November auf nunmehr 8% hatte den Verfall der Lira nicht stoppen können. Dabei sehen sich die Währungshüter, die formal als unabhängig gelten, dem Druck von Erdogan ausgesetzt. So forderte der Präsident entgegen jeglichen ökonomischen Sachverstands von der Zentralbank, doch bitteschön die Zinsen zu senken. Erst als er vergangene Woche einlenkte und der Zentralbank freie Hand gab, konnte sich der Lira-Kurs wieder etwas stabilisieren.

Ende Januar wird nun die Rating-Agentur Fitch über ihre Bonitätseinstufung der Türkei neu entscheiden. Es ist die letzte der drei großen Agenturen, bei der das Land „Investment”-Status genießt. Entscheidet sich auch Fitch für ein Downgrade, dürfte es mit der Lira weiter bergab gehen.

Xi Jinping stiehlt allen die Schau

In Davos hat sich zum Auftakt des 47. Weltwirtschaftsforums alles um Xi Jinping gedreht. In seiner Eröffnungsrede hat der chinesische Staatschef mehrere verschiedene Spitzen gegen die USA losgelassen und vor allem eins abgelegt: ein Bekenntnis zu einer offenen Weltwirtschaft.

Man habe die Arme offen und heiße die Leute auf dem chinesischen Expresszug willkommen, sagte Xi in einer blumigen Rede. Er betonte, dass die wirtschaftliche Globalisierung zu Fortschritten in Wirtschaft und Technologie geführt und die Menschen zusammengebracht habe. Allerdings sei die Globalisierung ein zweischneidiges Schwert, besonders dann, wenn die Weltwirtschaft unter Druck stünde.

Chinas Staatschef sieht daher an verschiedenen Ecken Handlungsbedarf. Das globale Wirtschaftswachstum müsse gesteigert werden. Es gehe dabei keineswegs nur um die Debatte, ob nun mehr geldpolitischer Stimulus oder eher die Fiskalpolitik helfen könne, sondern um die Entwicklung neuer Strukturen, die ein innovationsbasiertes Wachstum ermöglichten. Geht es nach Xi, soll die Welt sich dabei zu einer offenen Weltwirtschaft verpflichten.

Niemand werde aus einem Handelskrieg als Sieger hervorgehen, warnte er, ohne die USA explizit zu nennen. Dennoch dürfte klar sein, dass dies als Spitze gegen den Protektionismus der neuen Regierung in Washington galt. Als weitere Spitze gegen Trump wurde Xis Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen gewertet. Er ermahnte die Unterzeichnenden, den Vertrag nun einzuhalten.

Mit Xi hat sich in der verschneiten Umgebung des Schweizer Skiorts erstmals ein chinesischer Staatschef als glühender Verteidiger des Welthandels präsentiert - und das in einer Zeit, in der viele beginnen, dem Protektionismus das Wort zu reden. Nun muss sich zeigen, wieviel Wert Xis Worte in der wirtschaftlichen Praxis haben werden.

Fresenius macht sich hübsch

Die Emissionstätigkeit der Unternehmen fiel im Vergleich zum Jahresstart in der vergangenen Woche verhaltener aus. Dennoch zeigte sich mit dem Gesundheitskonzern Fresenius ein Unternehmen am Kapitalmarkt aktiv, das nicht nur private und institutionelle Anleger ansprechen möchte, sondern durch die Anpassung der Emissionsbedingungen seine Bonds auch für das QE-Programm der EZB aufhübschte. Somit konnten mittels vier 4 Bonds spielend 2,6 Mrd. € am Markt refinanziert werden.

Bei der ersten Gattung handelt es sich um eine 5-jährige 700 Mio. € schwere Anleihe (A19B3F) mit Laufzeitende am 31.01.2022. Die Investoren erhalten eine jährliche Verzinsung von 0,875%. Der Emissionspreis betrug 99,732% (+85 bps über Mid Swap). Bei der zweiten Tranche handelt es sich um einen 7-jährigen Bond (A19B3G) mit identischem Emissionsvolumen und einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,5% bis zur Fälligkeit am 30.01.2024. Ausgegeben wurde das Papier bei 99,875% und somit +120 bps über Mid Swap. Die dritte Anleihe (A19B3H) ist eine 10-jährige, 700 Mio. € große Benchmark Anleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 2,125%. Fällig wird das Papier am 02.01.2027. Das Preising erfolgte mit +152 bps über Mid Swap. Folglich errechnete sich der Reoffer bei 99,359%. Das Quartett komplettiert eine 15-jährige Anleihe (A19B3J), welche mit einem Volumen von 500 Mio. € sowie mit 3% jährlicher Verzinsung und einer Fälligkeit am 30.01.2032 ausgestattet ist. Dieser Bond wurde zu 99,275% emittiert und somit +253,9 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gepreist.

Fresenius entschied sich bei allen hier genannten Anleihen zur Aufnahme eines optionalen Sonderkündigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option), aber auch für eine Mindeststückelung von 1.000 €.

Nicht ganz so schwergewichtig, aber dennoch mit einer neuen Anleihe im Volumen von 1 Mrd. € kam Linde an den Markt. Das 5-jährige Papier (A19BT2) ist mit einem Kupon in Höhe von 0,25% jährlich bis zur Endfälligkeit am 18.01.2022 ausgestattet. Emittiert wurde das Papier zu 99,713% und damit + 22 bps über Mid Swap. Auch diese Anleihe wurde mit einer kleinsten handelbaren Einheit von 1.000 € begeben.

Die Reise ins Dreieck

Aktuell bewegt sich das Sorgenbarometer seitwärts um die Marke von 163,60%. Doch in den kommenden Tagen müssen sich die Rentenhändler zumindest vorübergehend für einen Trend entscheiden, denn charttechnisch bildete sich eine Dreiecksformation heraus, deren Spitze fast identisch mit der psychologisch wichtigen Linie bei 164% ist. Dabei verläuft die obere Trendlinie momentan bei ca. 164,30% und eine erste Unterstützungslinie bei ca. 163,42%, die allerdings bereits im gestrigen Handel durchbrochen wurde. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei ca. 163% und somit nur noch unweit vom bisherigen Jahrestief bei 162,47% (09.01.17).

Mit dem morgigen offiziellen Amtsantritt von „D.T. – dem Unberechenbaren“ wird eine neue Ära eingeläutet und sollten sich die Aktienkurse auf Talfahrt begeben, so könnte dies zu einer spiegelbildlichen Entwicklung an den Rentenmärkten führen. Allerdings sollte der „Anlagenotstand“ in Euroland einen „Aktiencrash“ verhindern und eher zu einem moderaten Zinsanstieg bei 10-jährigen Bundesanleihen führen.

Von der heutigen EZB-Sitzung werden zwar keinerlei Zinsanpassungen erwartet, aber die anschließende Pressekonferenz des EZB-Präsidenten Mario Draghi wird mit Spannung erwartet. Zumal in dem erst kürzlich veröffentlichten Protokoll der Sitzung vom 8. Dezember des vergangenen Jahres zu lesen war, dass sich innerhalb des EZB-Rates Widerstand gegen die anschließend verkündeten Maßnahmen regte und auch mehrere Varianten durchdiskutiert wurden. Somit werden die heutigen Worte von „Super Mario“ erneut auf die Goldwaage gelegt und vielleicht schon ein neuer Trend initiiert.

Bund mit neuem Rendite-Minusrekord

In dieser Handelswoche wurde den Marktteilnehmern die Tragweite der EZB-Entscheidungen vom Dezember vergangenen Jahres nochmals deutlich vor Augen geführt. Obwohl sich am langen Ende die Rendite gegenüber dem bisherigen Tief deutlich erhöht hat, wurde am kurzen Ende ein neuer Rendite-Tiefstand markiert. Bei der Aufstockung der 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110466) um 5 Mrd. € auf 13 Mrd. € wurden insgesamt Kaufaufträge im Gegenwert von 5.072 Mrd. € aufgegeben. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,75%. Bei der ersten Aufstockung am 6. Dezember 2016 erreichte man den bisherigen Tiefpunkt mit einer Rendite von -0,71%. Diese Entwicklung ist der Tatsache geschuldet, dass seit Jahresbeginn die Mindestrestlaufzeit für Wertpapiere, die im Rahmen des Anleihekaufprogramms erworben werden dürfen auf ein Jahr reduziert wurde.

In der Eurozone stockten die Slowakei (A1HCKU / 2024; A1888L / 2026; A1ZB9Q / 2029), Spanien (A18W6G / 2019; A1HK7U / 2023) sowie Frankreich (A189GE / 2022; A1HBNB / 2021; A1GMH7 / 2027; A18675 / 2047) diverse Anleihen auf bzw. Frankreich und Spanien emittierten 2 neue Gattungen mit mittleren Laufzeiten. Insgesamt wurde den Investoren in dieser Woche neues Material für nominal fast 20 Mrd. € angeboten.

In den USA beschränkte man sich in der Woche der „Machtübergabe“ auf die Emission von Geldmarkttiteln mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei und sechs Monaten im Gesamtvolumen von 124 Mrd. USD und als letzte Anleihe in der Amtszeit Obamas wird am heutigen Donnerstag eine 10-jährige inflation-linked T-Note begeben. In der kommenden Woche stehen neben den üblichen T-Bills auch Bonds mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren zur Refinanzierung an.

Der Euro entfernt sich von der Parität

Aller guten Dinge sind drei, doch was den Devisenmarkt betrifft sind es momentan genau drei verschiedene Weltwährungen, die für einige Turbulenzen sorgen.

Ganz vorne findet sich die türkische Lira gefolgt vom mexikanischen Peso. Ebenfalls zu den schwächsten Währungen zählt bislang das Pfund Sterling. Obwohl die Währung aufgrund der Rede von Premierministerin Theresa May diese Woche deutlich zulegen konnte und zeitweise bei 0,86265 GBP gehandelt wurde, präsentiert sich das Pfund insgesamt sehr anfällig und notiert aktuell bei 0,866 GBP. Im Vorfeld der Rede bewegte sich der Wechselkurs zum Euro gar bei 0,88541 GBP und damit auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2016.

Bei dem anderen Sorgenkind, der türkischen Lira scheint die Talfahrt vorerst gestoppt zu sein. Nach den massiven Kursverlusten in der Vorwoche und einem neuen Allzeittief bei 4,1785 TRY konnte sich die Lira etwas stabilisieren. Die Währung vom Bosporus notierte teilweise bei 3,95 TRY und handelt zur Stunde um die Marke von 4,035 TRY.

Auch die mexikanische Landeswährung steht nach wie vor gewaltig unter Druck. Kurz vor der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump handelt der Peso zum US-Dollar bei ca. 21,93 MXN und damit nur unweit seines historischen Tiefs von 22,0385 MXN, aufgestellt am 11. Januar 2017. Im Vergleich zum Euro hat der mexikanische Peso keine neuen Tiefstwerte erreicht. Mit einem Wechselkurs von 23,32 MXN handelt er allerdings nahe seines All-Time-Lows bei 23,45 MXN.

Die europäische Gemeinschaftswährung hingegen präsentiert sich dieser Tage wieder etwas stärker. So stieg der Euro zum US-Dollar bis auf 1,0719 USD und markierte damit den Höchstwert in 2017, den er allerdings kurz vor der heutigen EZB-Sitzung nicht halten konnte. Aktuell handelt die Einheitswährung bei 1,0640 USD.

Auch in dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden demnach Fremdwährungsanleihen auf türkische Lira, mexikanische Peso, brasilianische Real sowie US-Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Notenbanken bleiben auch 2017 marktbeherrschend

Zurückblickend lässt sich konstatieren, dass nichts an der Börse einfacher ist, als den Vortag nochmals zu handeln. Diese alte Börsenweisheit lässt sich auch auf einen längeren Zeitraum übertragen wie beispielsweise das Jahr 2016, das an ungewöhnlichen Ereignissen, welche die Börsen kräftig durchgeschüttelt haben, nicht arm war. So sorgten neben den regionalen Krisen insbesondere die Entscheidung über den EU-Austritt Großbritanniens und die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten oftmals zu nicht nachvollziehbaren Kursbewegungen.

Aber 2016 ist Vergangenheit und nun gilt es, sich für 2017 zu rüsten! Doch sind die Einflussfaktoren für das neue Jahr so unkalkulierbar, dass grundsätzlich alles möglich erscheint. Deshalb werden Wucht und Schnelligkeit von Marktverwerfungen die neue Normalität sein und uns durch das ganze Börsenjahr begleiten. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich Investoren insbesondere im noch neuen Jahr wie auf einem zugefrorenen See verhalten sollten. Auch dort ist die persönliche Einschätzung des Gefahrenpotentials unabdingbar. Ist das Eis an manchen Stellen noch dick und tragfähig, so kann es an anderen Stellen dünn und brüchig sein - oder durch eine zu große Belastung bzw. Tauwetter schnell seine Stabilität einbüßen.

Die Erzeuger von solchen Rahmenbedingen sind u.a. die Notenbanken, welche auch in diesem Jahr mit den Folgen politischer Ereignisse (Wahlen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und eventuell auch in Italien) umzugehen haben. Zusätzlich werden allerdings auch Themen wie die „Auferstehung“ der Bankenkrise, die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten Donald Trump, der Beginn der Brexit-Verhandlungen sowie die von manchen versuchte Selbstzerstörung des gemeinsamen Europas durch die Rückbesinnung auf nationale Werte die Märkte bewegen. Insbesondere „D.T. - der Unberechenbare” spielt mit Gedanken, sich von diversen Handelsabkommen zu befreien und die USA wie ein Unternehmen zu führen. Dieser neue Ansatz von Politik ist sicherlich nicht verwerflich, aber Handel und Frieden hängen eng miteinander zusammen. So ist jeder gute Kaufmann im Sinne guter geschäftlicher Beziehungen am Wohlergehen seiner Kunden interessiert und würde gegen diese nie einen „Krieg“ führen.

Das beste Beispiel für gelungene Friedenspolitik infolge einer Annäherung in wirtschaftlicher Hinsicht ist hierbei immer noch Europa. Auch wenn man nicht mit allen Errungenschaften in Europa glücklich ist, so kann man dennoch auf die bisher längste Friedensphase in Kerneuropa stolz sein. Dieses für die gesamte EU-Bevölkerung sehr hohe Gut gilt es auch in den kommenden Jahren zu erhalten und zu verteidigen. In Ermangelung politischer Unterstützung wird die Europäische Zentralbank weiterhin mit ihren geldpolitischen Entscheidungen für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sorgen müssen. Es bleibt abzuwarten, wie ihr dies gelingen wird.

Märkte unsicher über weiteren Fed-Kurs

Über den weiteren Kurs der US-Notenbank ist eine gewisse Verunsicherung an den Kapitalmärkten eingetreten. Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Protokoll der Federal Reserve Bank (Fed) über deren Dezember-Sitzung macht deutlich, dass die in Aussicht gestellten und bereits eingepreisten Zinserhöhungen noch nicht in Stein gemeißelt sind. Laut der Mitschrift der Fed-Sitzung gehen die Währungshüter zwar mehrheitlich davon aus, dass sich die US-Konjunktur besser entwickeln könnte als bisher angenommen. Jedoch wiesen die Teilnehmer darauf hin, dass noch erhebliche Unsicherheiten über den wirtschaftspolitischen Kurs der künftigen US-Regierung bestünden und kritisierten u.a. auch die Dollarstärke.

Allerdings: Sollte sich die US-Konjunktur besser entwickeln als erwartet, könnte die US-Notenbank auch gezwungen sein, gegenzusteuern und die Zinsen rascher anzuheben. Dieses Szenario hat in den vergangenen Wochen den US-Dollar immer stärker werden lassen. Doch dieser Trend ist momentan gebrochen, so dass Zweifel an rasch steigenden Zinsen angebracht sind.

Wie schwierig das Marktumfeld auch für Notenbanken ist, verdeutlicht die Tatsache, dass die US-Notenbank für 2016 „lediglich“ rund 92 Mrd. US-Dollar an das Finanzministerium in Washington überweisen wird, denn im Vorjahr waren es noch 97,7 Mrd. US-Dollar.

EZB in der Zwickmühle

Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu prognostizieren, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2017 vornehmlich mit dem Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Zinspolitik beschäftigen muss. Scheint doch mit dem Anstieg der Inflation auf 1,7% im Dezember der Punkt gekommen zu sein, an dem sich die Frage nach der Zinswende aufdrängt. Hinzu kommt, dass die europäische Wirtschaft insgesamt nicht schlecht dasteht.

Bereits festgelegt hat die EZB, ihr Wertpapierkaufprogramm (Quantitative Easing / QE) über März 2017 bis zum Jahresende zu verlängern – und zwar ab April mit einem von 80 auf 60 Mrd. € reduzierten Monatsvolumen. Allerdings mit der Option, das Volumen bei Bedarf wieder aufzustocken. Denn natürlich müssen die Notenbanker ihre Entscheidungen sorgfältig abwägen, um das zarte Pflänzchen aufkeimenden Wachstums nicht vorschnell wieder abzuwürgen. Sollten im Zuge möglicher weiterer Leitzinserhöhungen in den USA auch in Euroland die langfristigen Kreditzinsen anziehen, könnte dies die hiesige Wirtschaft schnell unter Druck bringen. So will die EZB flexibel bleiben und bei Bedarf die lockere Geldpolitik fortsetzen. Einen weiteren Grund, die Zinsen niedrig zu halten, liefern die Schuldensünder unter den EU-Ländern. Müssten diese höhere Zinsen an ihre Gläubiger zahlen, droht nicht nur Griechenland die Zahlungsunfähigkeit.

Deshalb darf der Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik nicht allzu früh erwartet werden, zumal deren Anhänger, die sogenannten Tauben, nach Einschätzung der „Börsen-Zeitung“ im EZB-Rat in der Überzahl sind. Somit bleiben uns die Risiken einer überzogenen Flutung der Märkte mit Geld, welche zu einer Fehlallokation von Ressourcen und dem Aufblähen von Blasen führen, noch lange Zeit erhalten.

Darüber hinaus würde ein später Einstieg in den Ausstieg besonders für Sparer zu einem unliebsamen Effekt führen. Sollte nämlich die Inflation in den Jahren 2017 bis 2019 von 1,3 auf 1,7% anziehen, wie es die Notenbanker erwarten, und gleichzeitig die Zinsen nahe der Nulllinie bleiben, würden Anleger unter’m Strich eine Menge Geld verlieren. Das schlimmste Jahr hat für die Sparer also erst vor wenigen Tagen begonnen!

Somit bleibt den Notenbankern nur die Hoffnung, dass die Inflation in den nächsten Monaten stagniert, da ihnen ansonsten bei Nichtreaktion eine politische Motivation unterstellt werden könnte. Man darf gespannt sein, wie sich die EZB aus der selbst gebauten Zwickmühle befreien wird.

Halten Bond-Anleger Volkswagen weiterhin die Treue?

Inzwischen ist der Deal in trockenen Tüchern, denn Volkswagen hat sich am gestrigen Abend mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich geeinigt. Demnach muss der Wolfsburger Autobauer Strafzahlungen in Höhe von 4,3 Mrd. US-Dollar leisten.

VW hat bislang insgesamt 18,2 Mrd. € für die Folgen des Abgasskandals zurückgelegt. Das Gros davon dürfte bereits für Entschädigungen von US-Kunden und Strafen in zivilrechtlichen Auseinandersetzungen reserviert sein und somit wird die zurückgelegte Summe nicht ausreichen.

Dennoch haben die Anleger am Bondmarkt VW die Treue gehalten. Die Anleihen des Autobauers tendierten in dieser Woche allesamt nach oben. So zog ein bis 4/2022 laufender Titel der VW Leasing (A0JCC0) auf rund 106,92% an, nachdem er am 6.12. bei 105,075% bewertet wurde. Ähnlich entwickelten sich die Corporates von VW im langfristigen Bereich, was an einer 1/2030 fälligen Anleihe (A1ZUTM) deutlich wird, die auf ca. 94,75% kletterte. Am 8.12. hatte dieser Bond noch bei 89,539% notiert. Die nächsten Handelstage werden zeigen, ob ein Umdenken der Investoren im Zuge der neuesten Entwicklung im Abgasskandal erfolgte oder ob man VW die Treue hält.

Rom stellt Rettungsplan für Banken auf

6,6 Mrd. € wird der italienische Staat zur Rettung der seit Jahren kriselnden Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) aufbringen, die nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) insgesamt 8,8 Mrd. € frisches Kapital benötigt. Die restlichen 2,2 Mrd. € müssen institutionelle Anleger beisteuern. Ihre Anleihen werden in Aktien umgewandelt, was einem Wertverlust von einem Viertel gleichkommen soll.

Italiens drittgrößtes Kreditinstitut und das älteste aktive Bankhaus der Welt leidet unter einem riesigen Berg fauler Kredite, der bis zu 45 Mrd. € betragen soll. Beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) Ende Juli 2016 hatte die BMPS am schlechtesten abgeschnitten.

Die EZB hatte der Bank bis zum 31. Dezember 2016 Zeit gegeben, um ihre Finanzlage ins Lot zu bringen. Ansonsten drohte man mit Abwicklung. Die italienische Regierung in Rom hat für BMPS sowie anderer Krisenbanken einen 20 Mrd. € schweren Rettungsfonds zur Verfügung gestellt. Davon profitiert nun als erste Bank die BMPS. Rechtliche Grundlage des mit Steuergeldern ausgestatteten italienischen Rettungsfonds ist eine immer noch geltende Krisen-Richtlinie der EU, die eine Ausnahmeregelung aus der Zeit der Finanzkrise darstellt.

Indessen fürchtet Ifo-Chef Clemens Fuest langfristig den Austritt Italiens aus der EU. Das Wohlstandsniveau für Italien liege auf dem Level des Jahres 2000, sagte er dem „Tagesspiegel“. Wenn sich daran nichts ändere, so meint Fuest, würden sich die Italiener irgendwann von der Eurozone verabschieden wollen. Probleme gebe es auch dann, wenn Italien einen Antrag beim Rettungsschirm ESM stellen würde. Mit seiner Zustimmung zu einem Rettungsprogramm für Italien würde der Bundestag dem Steuerzahler Risiken aufbürden, deren Höhe er weder kenne noch kontrollieren könne.

Spürbare Belebung zum Jahresstart

In den vergangenen Jahren kam der Emissionszug immer erst mit einiger Verspätung ins Rollen und es dauerte einige Wochen bis er Fahrt aufnahm. In diesem Jahr war das allerdings anders und bereits kurz nach dem Jahreswechsel kam „Leben in die Bude”.

Einen Blitzstart legte der bayerische Motorenbauer BMW mit einer Dualtranche hin. Es wurden insgesamt 2 Mrd. € refinanziert. Bei dem ersten Bond handelt es sich um eine 4-jährige 1,25 Mrd. € schwere Anleihe (A19BGQ). Die Investoren erhalten bis zur Fälligkeit am 12.01.2021 eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,125%. Emittiert wurde der Bond zu 99,741% (+20bps über Mid Swap). Die zweite Tranche (A19BGR) umfasst ein Volumen von 750 Mio. € und bietet eine jährliche Verzinsung von 0,75% bis zum Ende der Laufzeit am 12.07.2024. Das Preising erfolgte mit +42 bps über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 99,429% entsprach.

Auch HeidelbergCement rüstet sich für kommende Aufgaben im neuen Jahr durch die Emission einer 750 Mio. € schweren Anleihe (A19BPE). Das Papier bietet eine Verzinsung von 0,50% p.a. bei einer Laufzeit bis zum 18.01.2021 und ist mit einem optionalen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) ausgestattet. Der Emissionspreis wurde bei 99,822% fixiert (+55 bps über Mid Swap).

Ganz zur Freude vieler Privatanleger wurden die hier genannten Anleihen mit einer Mindeststückelung von 1.000 € emittiert.

Ein Jahr der Superlative wird bald Geschichte sein

Das Jahr 2016 neigt sich langsam dem Ende zu. Egal ob Ölpreis, Aktien- oder Rentenmärkte, überall gab es Rekorde zu verzeichnen. Nicht zuletzt auch bei der Emissionstätigkeit von Corporate Bonds. Insgesamt wurde ein Bruttoemissionsvolumen von 320 Mrd. € am Markt platziert und der bisherige Rekord mit 319 Mrd. € aus dem Jahre 2009 eingestellt.

Nicht ganz so aufregend verlief die vergangene Woche. Die Emittenten hielten sich zurück und so machte sich auch am Primärmarkt die „stade“ Zeit breit. Dennoch bestätigen bekanntlich Ausnahmen die Regel und so kam es, dass der US-amerikanische Medizingerätehersteller Zimmer Biomet Holdings eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1 Mrd. € emittierte. Beide Teile sind gleich gewichtet. Bei der ersten Anleihe handelt es sich um einen 6-jährigen Titel (A1899T) mit Laufzeitende am 13.12.2022. Das Unternehmen zahlt den Anlegern einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,414%. Gepreist wurde der Bond bei +115 bps über Mid Swap und dies ergab einen Ausgabepreis von Pari. Bei der zweiten Anleihe handelt es sich um einen 10-jährigen Bond (A1899U) mit jährlicher Verzinsung von 2,425% und Fälligkeit am 13.12.2026. Emittiert wurde das Papier ebenfalls zu Pari (Mid Swap +168 bps). Zimmer Biomet Holdings entschied sich bei beiden Bonds für die Festschreibung eines Sonderkündigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) sowie die Aufnahme der Mindeststückelung von 100.000 € in die Anleihebedingungen.

Orientierungsphase noch nicht abgeschlossen

Die ersten Handelstage des neuen Jahres verdeutlichen, dass im Rentenhandel die Orientierungsphase noch nicht abgeschlossen ist und die Händler auf der Suche nach dem Trend 2017 bisher nicht fündig wurden. Konnte das Rentenbarometer am 2. Januar bis auf 164,94% klettern, so markierte es nur eine Woche später mit 162,47% das bisherige Jahrestief. Inzwischen notiert der Euro-Bund-Future infolge der gestrigen Pressekonferenz von D.T. - dem Unberechenbaren wieder über der psychologischen Marke von 164%.

Bereits dieser Jahresauftakt zeigt, dass es noch einige Wochen dauern kann bis sich die Akteure an den Finanzmärkten mit den neuen Gegebenheiten arrangiert haben. Börsianer lieben die freie Sicht und stochern nicht gerne im Nebel. Selbstverständlich kann man zwar auch in solchen Märkten Gewinne erzielen, aber es sind doch eher zufallsbedingte Erträge.

Somit hoffen die Marktteilnehmer, dass sich in den kommenden Tagen die Nebelbänke auflösen. Solange dies aber nicht der Fall ist, muss auf Sicht gefahren werden und daher blickt man gespannt auf die heutige Rede der Fed-Präsidentin, Janet Yellen, die im Rahmen des Town-Hall-Meetings in Washington sprechen wird. Marktteilnehmer erhoffen sich hierbei neue Erkenntnisse zu Wachstums- und Inflationsperspektiven, um Rückschlüsse auf die weitere Geldpolitik in den USA ziehen zu können.

Bund plant erneut mit einem geringeren Refinanzierungsbedarf

Es war schon immer so, dass sich mit einem Jahreswechsel Neuerungen einstellen, aber manche Abläufe unverändert bleiben. So wird sich der Refinanzierungsbedarf der USA nicht reduzieren und wir werden weiterhin wöchentlich mit einer Flut von Geld- und Kapitalmarktpapieren konfrontiert. In dieser Handelswoche wurden beispielsweise T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei und sechs Monaten für insgesamt 107 Mrd. US-Dollar ausgegeben. Darüber hinaus wurden noch Kapitalmarktpapiere mit Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren in einem Gesamtvolumen von 56 Mrd. US-Dollar den interessierten Investoren zum Kauf angeboten.

In Euroland werden bekanntlich schon immer „kleinere Brötchen“ gebacken und so wurden nach der Weihnachtspause sowie dem Ende der Ferienzeit in vielen europäischen Ländern vereinzelt Emissionsaktivitäten beobachtet. Aufgestockt wurden hierbei Altemissionen in den Niederlanden (A1ZDY6 / 2047), Österreich (A18X6P / 2026 ; A18X6Q / 2047) und Italien im Volumen von insgesamt ca. 8 Mrd. €. Die beiden zusätzlich in Deutschland im Tender offerierten Anleihen rundeten die Angebotspalette ab, wobei die inflationsindexierte Anleihe (103056 / 2026) bei einer realen Durchschnittsrendite von -1,07% zugeteilt wurde. Das Emissionsvolumen erhöhte sich hierbei um 1 Mrd. € auf nun 9,5 Mrd. €. Die neu aufgelegte zehnjährige Anleihe (110241) mit einem Emissionsvolumen von 5 Mrd. € konnte hingegen mit einer Durchschnittsrendite von 0,36% zugeteilt werden.

Besonders erwähnenswert ist die Emissionsplanung des Bundes für das Jahr 2017. Für das Jahr 2016 waren ursprünglich Refinanzierungen in Höhe von ca. 210 Mrd. € vorgesehen, die allerdings aufgrund der hohen Steuereinnahmen unter die Marke von 200 Mrd. € gedrückt werden konnten. Zur Finanzierung des Bundeshaushaltes und seiner Sondervermögen plant der Bund im laufenden Jahr nur noch mit einer Mittelaufnahme von ca. 180 Mrd. €. Steuereinnahmen und reduzierte Zinszahlungen machen es möglich.

Türkische Lira im freien Fall

Albert Einstein hatte eine besondere Sicht auf den Jahreswechsel: Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht. Dieser zweite Teil trifft sicherlich auf viele Währungen zu.

So gab es für die europäische Gemeinschaftswährung weder im alten Jahr noch bisher im neuen viel Gutes zu vermelden. Gleich zum Handelsauftakt hatte der Euro einen Tiefschlag zu verkraften und fiel bereits am 3. Januar bis auf 1,0341 US-Dollar zurück, was ein neues 14-Jahres-Tief darstellte. Nach diesem schlechten Start konnte es fast nur noch besser werden. Die Gegenbewegung während der folgenden Handelstage ließ die Einheitswährung bis auf 1,0649 USD ansteigen. Nach der mit Spannung erwarteten ersten Pressekonferenz des künftigen US-Präsidenten Trump startet das Devisenpaar Euro/Dollar heute Morgen bei 1,0630 USD in den Handel.

Einen ordentlichen Fehlstart hatte die türkische Lira zu verzeichnen. Die Landeswährung der Türkei befindet sich bereits seit geraumer Zeit stark unter Druck. Insbesondere die Terroranschläge sowie die politischen Unsicherheiten sorgen immer wieder für historische Tiefstwerte. So fiel die Lira zum Euro auf ein Allzeittief bei 4,1785 TRY. Ein US-Dollar war zeitweise 3,9415 Lira wert und damit so viel wie nie zuvor. Aufgrund der aktuellen Situation im Land könnte sich der Abwertungstrend weiter fortsetzen.

Dementsprechend standen Währungsanleihen auf türkische Lira im Fokus der Privatanleger. Ebenfalls waren in Bonds lautend auf mexikanischen Peso, US-Dollar, südafrikanischen Rand und brasilianischen Real vermehrt Handelsaktivitäten zu beobachten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Droht auch den Unternehmen die Überschuldung?

Der Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung verdeutlicht, dass immer mehr Menschen und Haushalte in Deutschland überschuldet sind. Demnach stecken 2,05 Millionen Haushalte und somit ca. 4 Millionen Menschen in der Schuldenfalle. Seit 2006 ist ein stetiger Anstieg der betroffenen Personen sowie der Obdachlosen zu registrieren. Oftmals sind unvorhersehbare Veränderungen der Lebenssituation dafür verantwortlich, die zu finanziellen Schwierigkeiten führen.

Dank der Europäischen Zentralbank (EZB) haben dagegen Unternehmen nur sehr selten Probleme mit der finanziellen Ausstattung. Denn die Unternehmen können sich - bei guter Bonität - zu günstigen Konditionen an den Kapitalmärkten refinanzieren. Hatte BMW im Jahre 2008 für eine fünfjährige Anleihe noch einen Zins von 8,875% bieten müssen, so zahlt BMW auf eine in diesem Jahr begebene Anleihe mit vierjähriger Laufzeit nur noch 0,125% Zinsen.

Das führt inzwischen soweit, dass nach Recherchen des Handelsblattes Unternehmen dazu verleitet werden, massiv Schulden aufzubauen und Investitionen zu tätigen, die früher nicht bezahlbar gewesen wären. So sind die Schulden der Dax-Unternehmen seit der Finanzkrise im Jahre 2008 um 45% angestiegen, und es stellt sich die Frage: Wie verkraften diese Unternehmen eine Zinswende? Sollten zukünftig die Zinsen kräftig anziehen, so würde dies bei der einen oder anderen Gesellschaft zu einem Gewinneinbruch führen.

Doch auch der Blick zurück ist in diesem Zusammenhang wichtig, um die Auswirkungen eines solchen Szenarios richtig bewerten zu können. Was wurde mit dem Geld gemacht und ist es bei Endfälligkeit der Anleihe oder des Schuldscheins zur Tilgung der Schulden verfügbar? Sollte dies nicht der Fall sein, so droht den Unternehmen das „italienische Dilemma“. Ein immer größerer Schuldensaldo muss zu höheren Konditionen refinanziert werden, da man sich in der Zeit zwischen Begebung und Fälligkeit der Anleihe über die Rückführung der Schulden keine Gedanken gemacht hat.

Kommt es an den Kapitalmärkten zu dieser von den Sparern erhofften Trendwende bei den zu erzielenden Renditen, so werden nicht nur die betroffenen Unternehmen darunter leiden, sondern auch die Steuerzahler. Denn die niedrigen zu zahlenden Zinssätze haben sich in der Vergangenheit positiv auf die GuV der Gesellschaften ausgewirkt. Dadurch dass höhere Gewinne erzielt werden konnten, wurden auch höhere Steuern gezahlt. Doch damit wäre es dann vorbei. Die Unternehmen würden weniger Gewinne und im schlimmsten Fall sogar Verluste erzielen, was zu Mindereinnahmen bzw. sogar zu Steuerrückzahlungen führen würde.

Noch leben wir in Deutschland auf der „Insel der Glückseligen“, aber man sollte nicht blauäugig sein. Wie schnell die Renditen anziehen können, konnte man nach dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA erfahren.

Die Fed hat geliefert

Am gestrigen Abend war es endlich soweit. Nach langem Zögern hat die US-Notenbank Fed den überfälligen Schritt vollzogen und den Leitzins – wie von den Marktteilnehmern erwartet – um 0,25 Prozentpunkte angehoben.

Der einstimmig gefällte Beschluss, der aufgrund einer Arbeitslosenquote von 4,6% (nahezu Vollbeschäftigung in den USA), einem prognostizierten BIP-Wachstum für 2017 von 2,1% und einer erwarteten Kerninflation von 1,8% getroffen wurde, ist aber nur der Auftakt zu weiteren Zinserhöhungen. Die jetzige Spanne zwischen 0,50% bis 0,75% ist somit nur eine Station auf dem Weg zu einem langfristigen Leitzins von 3%. Für das kommende Jahr signalisierten die Notenbankvertreter unter dem Vorsitz ihrer Präsidentin Janet Yellen drei weitere Zinserhöhungen. Diesem steileren Pfad liegen allerdings die zu erwartenden konjunkturellen Impulse zugrunde, die von der neuen US-Regierung in Aussicht gestellt werden. Der neue US-Präsident hat sicherlich den Vorteil, dass er in beiden Kammern auf die Mehrheit der Stimmen bauen kann, aber auch für ihn gilt, im Oktober 2017 wird das Thema Schuldenobergrenze die Börsianer wieder umtreiben.

Somit darf man gespannt sein wie sich das Verhältnis zwischen Janet Yellen und Donald Trump weiterentwickeln wird. Zumal Ende Januar 2018 die erste Amtszeit der Fed-Präsidentin offiziell enden würde.

Nachlese zur EZB-Entscheidung

Eine vorweihnachtliche Überraschung präsentierte vergangene Woche EZB-Chef Mario Draghi. Die Entscheidung der Notenbank, ihr Anleihe-Kaufprogramm über das bislang geplante Ende im März 2017 für neun Monate bis Ende kommenden Jahres zu verlängern, kann man als ausgewogen bezeichnen. Denn gleichzeitig wurde das monatliche Kaufvolumen von 80 auf dann 60 Mrd. € reduziert. Optimisten erkennen darin eine gewisse Zuversicht, die zu einem langsamen Ausschleichen des Programms führen könnte. Doch als Tapering kann man eine solche Maßnahme nicht bezeichnen.

Bis Ende November hat die EZB Anleihen für 1,476 Bio. € gekauft. Bis März dürften weitere 320 Mrd. € dazukommen. Die jetzt beschlossene Verlängerung bis Ende 2017 wird weitere 540 Mrd. € freisetzen. Damit summiert sich das Kaufprogramm auf ca. 2,33 Bio. €. Aber auch die Erlaubnis ab Januar 2017 Anleihen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr (vorher: zwei Jahren) ankaufen zu dürfen, wurde bewusst erteilt, um endfällige Beträge wieder reinvestieren zu können.

Überraschungen sind es auch nicht gerade, welche sich die Märkte von einem Notenbankpräsidenten wünschen. Ok, die EZB ist noch einigermaßen im Rahmen geblieben, und die Aktienmärkte haben ihr es mit einem weiteren Anstieg gedankt. Aber das Signal dürfte klar sein: Europa wird sich noch auf eine sehr lange Phase mit extrem billigem Geld einstellen müssen. Ein Ausstieg aus dieser Politik sieht anders aus als das, was die EZB geboten hat.

Doch der gestrige Zinsschritt in den USA erhöht den Druck auf die EZB. In Erwartung einer ebenfalls steigenden Inflationsrate in 2017 wäre es auch bei uns angebracht, den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik vorzubereiten, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.

Kein Aufschub für italienische Krisenbank

Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena läuft die Zeit davon. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) dem Institut zur Erfüllung ihres Rettungsplans keinen Aufschub mehr gewährt hat, rückt ein Eingriff des Staates näher.

Wegen milliardenschwerer fauler Kredite braucht Monte dei Paschi dringend frisches Geld. Entsprechend sieht ein bereits im Sommer vereinbarter Sanierungsplan vor, den Kapitalpuffer zu stärken. Doch nun hat die Bank beantragt, die dafür vorgesehene Frist von Ende des Jahres auf den 20. Januar 2017 zu verschieben. Diesen Aufschub aber will die EZB der Krisenbank nicht gewähren. Wenn sich die Rekapitalisierung verzögere, drohe eine zusätzliche Verschlechterung des Zustandes der Bank und schließlich auch ein Risiko für deren Fortbestand, argumentiert die Notenbank.

Laut Rettungsplan sollen 5 Mrd. € beschafft werden, mit deren Hilfe Verluste bei der Auslagerung von faulen Krediten im Umfang von 28 Mrd. € an den Rettungsfonds Atlante abgedeckt werden sollen. Bis jetzt konnte nur ein Teil des Kapitalplans beschafft werden. Geht die Kapitalerhöhung mit den Investoren schief, wird die Bank um Staatshilfe bitten müssen.

Dass Monte dei Paschi nur ein Teil des Problems ist, macht die Wertung der Ratingagentur Moody’s deutlich, die den Ausblick für die gesamte italienische Bankenbranche von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hat. Vor diesem Hintergrund hat Italiens neuer Ministerpräsident Paolo Gentiloni der kriselnden Branche die Unterstützung seiner Regierung zugesichert. Diese sei zum Eingreifen bereit, um die Stabilität der Banken zu sichern und die Spareinlagen der Bürger zu schützen, sagte der Nachfolger des Sozialdemokraten Matteo Renzi, der wegen eines verlorenen Verfassungsreferendums zurückgetreten war. Die italienischen Banken sitzen auf faulen Krediten von rund 360 Mrd. €.

Die Option einer Rettung italienischer Banken durch den Staat hält auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann für möglich. „Dass sich neben den Investoren auch der Staat an einer Krisenlösung beteiligt, lässt sich wohl nie grundsätzlich ausschließen”, sagte Weidmann der FAZ. Nach der Finanzkrise galt es in Europa eigentlich als ausgemacht, dass Eigentümer und Gläubiger für Bankenpleiten haften sollten, aber nicht mehr die Allgemeinheit. Weidmann begründete die Möglichkeit einer Staatsrettung damit, dass „besonders schutzwürdige Anleger aus politischen Gründen“ geschont werden müssten.

Hohe „Überziehungskredite“ der Bundesbank bergen Risiken

Das Anleihekaufprogramm (QE) der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie eine Kapitalflucht aus Italien sorgen für unliebsame Entwicklungen bei der Bundesbank. In der Konsequenz sind die so genannten Targetsalden im Eurosystem in jüngster Zeit stark gestiegen. So stiegen die Forderungen der Bundesbank im November um 46 Mrd. € auf den Rekordstand von 754 Mrd. € an. Darauf weisen die beiden Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn und Clemens Fuest vom Münchener ifo-Institut hin. Der bisherige Rekordwert wurde im Sommer 2012 auf dem Höhepunkt der Krise mit 751 Mrd. € erreicht.

Die Targetsalden sind so etwas wie Überziehungskredite, welche die Bundesbank anderen Notenbanken im Eurosystem gewährt. Durch das QE-Programm der EZB schwemmt der Rückkauf von Staatspapieren durch die nationalen Notenbanken derzeit sehr viel Überweisungsgeld nach Deutschland, das zu einem großen Teil für den Kauf deutscher Aktien und Firmen verwendet wird. Damit sei es aus Sicht der Investoren in Sicherheit gebracht, sagte Sinn dem Handelsblatt.

Dadurch befreien sich die Staaten im Süden der Eurozone wie Spanien und Italien von einem erheblichen Haftungsrisiko. Denn anstatt einen institutionellen Investor als Gläubiger bedienen zu müssen, wechseln die Staatsanleihen in die Bilanz der heimischen Notenbank. Und dort sind sie, wie Sinn sagt, „unverzinsliche, niemals fällig zu stellende Buchschulden“.

Die erwähnten Targetforderungen in Höhe von 754 Mrd. € machen mit 49% knapp die Hälfte des Nettoauslandsvermögen der Bundesrepublik aus. Für die GIPS-Staaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien ist dies in den Augen von Sinn ein „prächtiges Geschäft“.

Wie nun die beiden Ökonomen Sinn und Fuest schlussfolgern, gehe Deutschland dadurch ein erhebliches Risiko ein, zumal im Oktober von den netto 808 Mrd. € an Targetforderungen 708 Mrd. € auf die Deutsche Bundesbank entfielen. Sobald nämlich ein Land aus der Währungsunion ausscheiden sollte, müsste die Bundesbank und damit der Bund mit erheblichen Verlusten rechnen. Denn dann würde die Zentralbank des ausscheidenden Landes pleitegehen. Ihre Targetschulden würden weiter auf Euro lauten, während ihre Forderungen auf die neue nationale, stark abwertende Währung lauten würden. Die Targetforderungen würden sich laut Sinn dann in Luft auflösen. Aus diesen Gründen fordert Fuest die Bundesregierung auf zu intervenieren, um die EZB dazu zu bringen, den übermäßigen Gebrauch der Überziehungskredite zu verhindern.

Differenzen um Athens Sparpläne

Es sind durchaus begründete Bedenken gegen unpopuläre Schritte, die einen Schuldenschnitt für Griechenland bisher verhindert haben. Athen wollte diesen bereits vergangene Woche durchsetzen. Doch die Euro-Finanzminister wollen unbedingt vermeiden, dass vor dem Wahljahr 2017 Maßnahmen beschlossen werden, welche antieuropäischen Kräften weiteren Auftrieb verleihen könnten. Allerdings sind die europäischen Geldgeber den Griechen unter anderem durch die zeitliche Streckung ihrer Schulden schon deutlich entgegengekommen. So wurden bereits längere Laufzeiten, Zinsermäßigungen, Zins- und Tilgungsaussetzungen sowie festgeschriebene Niedrigzinsen vereinbart. Diese wurden aber in Reaktion auf die angekündigte Weihnachts-Sonderzahlung für Rentner kurzfristig ausgesetzt.

Offen ist weiterhin die Frage nach der weiteren Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF), der schon seit längerer Zeit einen Schuldenschnitt fordert. Die Europäer - allen voran Deutschland - haben dagegen bisher immer auf einen strikten Sparkurs gepocht. Sollte es nun Ende 2017 oder Anfang 2018 doch zu wie auch immer gearteten Schuldenerleichterungen kommen, könnte der IWF ja im Boot bleiben.

So hat sich der Fonds aktuell erneut gegen weitere Sparprogramme in Griechenland ausgesprochen. Stattdessen plädiert der IWF für die Schaffung eines modernen Sozialsystems, das durch eine Neugestaltung des Steuer- und Rentensystems finanziert werden sollte. Nach Darstellung des IWF verschlingt das großzügige Pensionssystem Griechenlands 11% der Wirtschaftsleistung. Der EU-Durchschnitt liegt bei 2,25%. Außerdem zahlen laut IWF mehr als die Hälfte aller Haushalte in Hellas weiterhin keine Steuern. Im EU-Durchschnitt sind es 8%.

Hauptstreitpunkt zwischen den EU-Institutionen und dem Währungsfonds in Washington sind derzeit die Ansichten über die Höhe des Primärüberschusses. Mit den europäischen Geldgebern hat Athen vereinbart, einen Primärüberschuss - ohne Schuldendienst - von langfristig 3,5% zu erwirtschaften. Dadurch aber werden nach Ansicht des IWF, der 1,5% für nachhaltig hält, die Ausgaben zu stark verringert. Der IWF fordert daher von Griechenland keine größeren Sparanstrengungen, sondern eine Richtungsänderung des Sparprogramms.

Ein Jahr der Superlative wird bald Geschichte sein

Das Jahr 2016 neigt sich langsam dem Ende zu. Egal ob Ölpreis, Aktien- oder Rentenmärkte, überall gab es Rekorde zu verzeichnen. Nicht zuletzt auch bei der Emissionstätigkeit von Corporate Bonds. Insgesamt wurde ein Bruttoemissionsvolumen von 320 Mrd. € am Markt platziert und der bisherige Rekord mit 319 Mrd. € aus dem Jahre 2009 eingestellt.

Nicht ganz so aufregend verlief die vergangene Woche. Die Emittenten hielten sich zurück und so machte sich auch am Primärmarkt die „stade“ Zeit breit. Dennoch bestätigen bekanntlich Ausnahmen die Regel und so kam es, dass der US-amerikanische Medizingerätehersteller Zimmer Biomet Holdings eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1 Mrd. € emittierte. Beide Teile sind gleich gewichtet. Bei der ersten Anleihe handelt es sich um einen 6-jährigen Titel (A1899T) mit Laufzeitende am 13.12.2022. Das Unternehmen zahlt den Anlegern einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,414%. Gepreist wurde der Bond bei +115 bps über Mid Swap und dies ergab einen Ausgabepreis von Pari. Bei der zweiten Anleihe handelt es sich um einen 10-jährigen Bond (A1899U) mit jährlicher Verzinsung von 2,425% und Fälligkeit am 13.12.2026. Emittiert wurde das Papier ebenfalls zu Pari (Mid Swap +168 bps). Zimmer Biomet Holdings entschied sich bei beiden Bonds für die Festschreibung eines Sonderkündigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) sowie die Aufnahme der Mindeststückelung von 100.000 € in die Anleihebedingungen.

Geringe Umsatztätigkeit ermöglicht Manipulation

Auch wenn sich das Sorgenbarometer von seinem bisherigen Tief bei 159,91% wieder erholen konnte und in der Spitze über der 162er-Marke bei 162,62% notierte, kann von einer Entwarnung noch nicht gesprochen werden. Aktuell handelt der Euro-Bund-Future bei ca. 161,30%. Die Europäische Notenbank (EZB) möchte zwar einen Zinsanstieg vermeiden, aber die vielen Unwägbarkeiten in Europa werden manchen Investor zum Jahreswechsel bzw. Jahresbeginn zum Umdenken zwingen. Das Ankaufprogramm der EZB und auch die seitens der Regulierungsbehörden erzwungene Nachfrage nach LCR-fähigen Titeln wird zwar etwas Druck nehmen, aber grundsätzlich wird die schaukelartige Abwärtsbewegung beim Euro-Bund-Future erhalten bleiben. Die Positionierung für die Zeit nach dem Zinsentscheid in den USA und vor den Wahlen in Europa hat bereits begonnen. Denn es geht nicht mehr um das schnelle Geld, sondern um die strategische Ausrichtung.

Hierbei gilt es zu beachten, dass im Hinblick auf eine zu erwartende geringere Umsatztätigkeit kurz vor Jahresschluss die Gefahr der Marktmanipulation steigt. Investoren sind gut damit beraten, sich die Chartmarken nicht zu eng zu stecken sowie nur bei Ausreißern ihre Positionierung zu überdenken und zu reagieren.

Charttechnisch richten sich die Blicke vorerst auf die Widerstandslinie bei 163,18%, wobei ehemalige Unterstützungslinien bei 162,30%, 161,85% heute zu neuen Widerständen wurden. Lediglich der Bereich um 161,10% und die psychologische Marke von 160% sind aktuell als Unterstützungslinien noch auszumachen. Der seit Anfang Oktober „gelebte“ Abwärtstrend ist weiterhin intakt und wird in den kommenden Monaten das Marktgeschehen beeinflussen. Zwischenzeitliche Gegenbewegungen sind zwar nicht auszuschließen, werden aber immer wieder von den Marktteilnehmern zur Absicherung von Positionen genutzt.

Werden in den USA die Fälligkeitsstrukturen geändert?

Noch ist es nicht soweit, aber in den USA liebäugelt der designierte Finanzminister Steven Mnuchin mit der Ausgabe von T-Bonds mit Laufzeiten von 50 bzw. 100 Jahren. Donald Trumps Wahlkampf stand zwar unter dem Motto „Make America great again“, aber ob Investoren diesem Versprechen Glauben schenken und bei solchen Laufzeiten zugreifen werden, wird die Zukunft zeigen. Vorerst offeriert man allerdings noch die üblichen Laufzeiten den interessierten Anlegern. In dieser Handelswoche wurden für insgesamt 107 Mrd. USD Geldmarktpapiere (4 Wochen, 3 und 6 Monate) sowie für 56 Mrd. USD T-Notes (3 und 10 Jahre) und 30-jährige T-Bonds begeben.

In der Eurozone hingegen klingt das Jahr langsam aus. Viele Emittenten haben sich bereits zurückgezogen und bereits am Dienstag das Feld der Republik Österreich (A1Z3D2 / 2025 ; A18X6P / 2026) und heute Spanien (A18YPG / 2021 ; A1VQCB / 2026) überlassen. Die Platzierung der im Rahmen einer Aufstockung zur Verfügung gestellten Wertpapiere stellt/e allerdings kein Problem dar.

Greenback im Bann der Notenbanken

Es ist zwar noch nicht Weihnachten, aber für die Marktteilnehmer gab es bereits gestern Abend ein vorweihnachtliches „Geschenk“. Wie erwartet bescherte die US-Notenbank Fed den Märkten nach jahrelanger Nullzinspolitik eine zweite Zinserhöhung. Im Vorfeld der Fed-Sitzung zeigte sich die europäische Gemeinschaftswährung weniger schwankungsanfällig, ganz anders als im Vergleich zur Vorwoche. Denn im Nachgang zur EZB-Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag sprang der Euro in erster Reaktion bis auf 1,0874 USD, um im weiteren Handelsverlauf wieder unter die Marke von 1,06 USD zu rutschen. Mit der Fed-Entscheidung ist das letzte Großereignis für dieses Jahr ad acta gelegt. Die doch wenig überraschende Zinserhöhung durch die Fed hätte am Devisenmarkt sicherlich nur verhaltende Reaktionen hervorgerufen, wäre da nicht der Ausblick auf die zukünftigen Entscheidungen gewesen, der dem Euro zu schaffen macht. So startete der Euro heute Morgen nur noch knapp unter der Marke von 1,05 USD in den Handel.

Ganz arg „gebeutelt“ präsentiert sich aktuell die türkische Landeswährung. Infolge der Unruhen im Land sowie der politischen Unsicherheiten leidet die Wirtschaftskraft des Landes (BIP zum Vorjahr -1,8%), was wiederum zu einer dramatischen Abschwächung der Landeswährung führte. Im Vergleich zum Euro fiel die türkische Lira sogar auf ein neues Allzeittief bei 3,8156 TRY und handelt momentan bei ca. 3,70 TRY. Zum US-Dollar verbilligte sich die Lira gleichermaßen und notierte mit ca. 3,51 TRY nahe seinem Allzeittief (3,5840 TRY).

Im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage und das nahende Jahresende nimmt auch die Umsatztätigkeit bei den Fremdwährungsanleihen ab. Vereinzelt sind noch Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, russische Rubel sowie brasilianische Real gesucht.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Author: Klaus Stopp

Rätselraten um Draghis nächste Schritte

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich mit steigenden Risiken für die Finanzstabilität im Euroraum konfrontiert, wie aus ihrem Halbjahresbericht hervorgeht. Nun darf man gespannt sein, wie sich ihr Präsident Mario Draghi auf der heutigen Pressekonferenz dazu äußern wird. Die Gründe für die Unsicherheit sind vielschichtig und reichen von der zukünftigen US-Wirtschaftspolitik und dem Brexit bis hin zu den Schuldenkrisen in Griechenland und Italien. Europa hinkt zurzeit den stabilitätspolitischen Ansprüchen hinterher, denn die vielen nationalen Aspekte lassen ein einheitliches politisches Erscheinungsbild nicht aufkommen.

Die Risse am Gebäude „Europa“ sind nicht mehr zu überspachteln, sondern bedürfen einer Generalsanierung. Doch hierzu fehlt im Vorfeld der anstehenden Wahlen in diversen Kernländern der Eurozone (Deutschland, Frankreich, Niederlande und eventuell auch Italien) die politische Stabilität. Weiterhin auf Zeit zu spielen, ist keine sinnvolle Option, die sich Europa noch leisten kann. Somit nimmt jetzt - wie mit Beginn der Finanzkrise im Jahre 2007 - die EZB eine Schlüsselposition ein. Bereits damals mussten die Notenbanker in die Bresche springen und den Politikern Zeit erkaufen, die allerdings nicht wirklich genutzt worden ist.

Inzwischen hat sich aber die Situation derart gewandelt, dass durch die Folgen der Niedrigzinspolitik - wie bei einer Chemotherapie - auch gesunde Zellen (Kapitalsammelstellen, Versicherer, Banken, etc.) geschädigt wurden, die für die Finanzstabilität notwendig sind. Daher sind die heutigen Beschlüsse und Kommentare der verantwortlichen EZB-Banker wichtig, um die zukünftige Geldpolitik einschätzen zu können. So reichen die Meinungen der Experten von einer Ankündigung einer QE-Verlängerung um 6 oder 9 Monate bei gleichem Volumen bis hin zu einer Kombination aus Verlängerung bei gleichzeitiger Reduzierung des Ankaufvolumens. Doch der Medizinschrank der EZB beinhaltet noch andere Arzneien. Beispielsweise könnte auch die „Rendite-Ankaufschwelle“ außer Kraft gesetzt oder verschoben werden. Aber auch eine Erhöhung des maximalen Ankaufvolumens für Anleihen eines in Bedrängnis geratenen Staates wäre möglich.

Mit besonderem Interesse werden darüber hinaus auch die Inflationserwartungen für die Jahre 2017 bis 2019 sein, die Aufschluss über die Wirksamkeit der bisherigen Medikation seitens der EZB geben und somit einen Zeitrahmen für ein mögliches Tapering vorgeben werden. Die Herausforderung für Mario Draghi wird bei seiner letzten Pressekonferenz des Jahres sein, mit bedachten Worten hektische Marktreaktionen an den Finanzmärkten zu vermeiden.

Renzi bleibt trotz Rücktritt noch im Amt

Italien hat sich in eine Situation reinmanövriert, aus der es immer schwerer wird, wieder herauszukommen. Darauf deutet auch der Umstand hin, dass Staatspräsident Sergio Mattarella den Ministerpräsidenten Matteo Renzi gebeten hat, nach seiner Schlappe beim Referendum nicht sofort zurückzutreten. Erst soll Renzi noch das Haushaltsgesetz für das kommende Jahr durch das Parlament bringen. Diese Aufgabe wurde am Mittwochabend vollbracht, aber nun soll er noch bis zur Klärung seiner Nachfolge weiterhin die Regierungsgeschäfte leiten. Dieser Prozess soll bis Samstagabend abgeschlossen sein.

Nach dem deutlichen „No“ für seine Verfassungsreform von knapp 60% der Referendumsteilnehmer hatte Renzi zunächst seinen Rücktritt angekündigt. Doch auch mit der Verschiebung des Rücktritts bleibt unklar, wie es in Italien weitergehen wird. Sobald Mattarella Renzis Gesuch annimmt, wird der Rücktritt wirksam. Dann könnte er eine Übergangsregierung ernennen. Die andere Möglichkeit wäre, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen bereits im Frühjahr oder Sommer 2017 anzusetzen. Voraussetzung hierfür wäre aber eine Änderung des Wahlrechts.

Es scheint so, als lähme sich Italien wieder einmal selbst. Denn in dem drittgrößten Euro-Land steht die Lösung drängender Probleme an. Das Bruttosozialprodukt verharrt auf dem Niveau von 2000, dem Jahr des Beitritts zur Euro-Zone. Eine Folge davon ist der Umstand, dass jeder dritte Jugendliche ohne Job ist. Außerdem schieben die italienischen Banken faule Kredite von insgesamt 360 Mrd. € vor sich her.

Die Rettung des größten Sorgenkindes unter den Kreditinstituten, die Traditionsbank Monte dei Paschi, könnte nun eingeleitet werden. Laut Reuters bereitet sich das italienische Finanzministerium darauf vor, seinen Anteil an Monte dei Paschi di Siena aufzustocken. Der Plan sieht vor, dass die Behörde von Privatinvestoren nachrangige Schulden erwerben und diese in Aktien umwandeln könnte. Mit diesem Schritt will die Bank gut 1 Mrd. € einnehmen. Außerdem könnte das Finanzministerium nachrangige Forderungen von Privatinvestoren aufkaufen, um diese vor Verlusten zu schützen. Ca. 40.000 Privatanleger halten Anleihen der Krisenbank über rund 2 Mrd. €.

Eigentlich wäre ein solcher Schritt zu Lasten des Steuerzahlers nicht mit EU-Recht vereinbar. Vielmehr müsste Monte dei Paschi per Bail-In von den Gläubigern gerettet werden. Dann aber würden tausende Kleinanleger Gefahr laufen, einen Teil ihrer Ersparnisse zu verlieren. Erstaunlich ist, dass die Marktreaktionen, die man nach dem Abstimmungsergebnis in Italien hätte erwarten können, bisher ausgeblieben sind. So wäre ein Kursverfall des Euro nach dem „No“ beim Referendum nicht verwunderlich gewesen. Doch wie schon nach den im Grunde milden Reaktionen der Börsen in Folge des Brexit-Referendums und der Wahl von Trump wiegen einen die Märkte in trügerischer Sicherheit. Davon darf man sich als Anleger allerdings nicht einlullen lassen. Es ist vielmehr ratsam, wachsam zu bleiben. Denn der Zeitpunkt wird kommen, an dem plötzlich wieder die harten Fakten die Stimmung an den Börsen bestimmen werden.

EU setzt Brexiteers unter Druck

Während man in Großbritannien keine Eile mit einem Ausscheiden aus der Europäischen Union zu haben scheint, macht die Europäische Kommission (EU) Dampf. Der auf EU-Seite mit den Verhandlungen betraute Michel Barnier machte diese Woche klar, dass man statt voller zwei Jahre nur 15 bis höchstens 18 Monate für die Detailgespräche der Trennung zur Verfügung habe. Die restliche Zeit benötige man für die Ratifizierung des Abkommens.

Die in Artikel 50 der EU-Verträge festgelegte Frist von zwei Jahren beginnt, sobald Großbritannien offiziell ein Austrittsgesuch gestellt hat. Premierministerin Theresa May hatte dies bis Ende März avisiert. Der Prozess könnte sich aber verzögern, weil ein Gericht in London unlängst entschieden hat, dass es der Regierung nicht zustehe, den EU-Austritt ohne Einbeziehung des Parlaments auf den Weg zu bringen.

EU-Chefunterhändler Barnier hat in den vergangenen Wochen bereits 18 der verbleibenden 27 EU-Länder besucht und Einigkeit über vier Grundprinzipien für die Verhandlungen mit London konstatiert. Demnach soll die EU einig bleiben. Drittländer, zu denen dann auch Großbritannien zählen wird, können nie dieselben Rechte haben wie Mitgliedsländer. Außerdem wird es vor Einreichung des Austrittsgesuchs keine Verhandlungen geben. Und schließlich gelten für den Binnenmarkt vier Freiheiten, also auch die Freizügigkeit. Rosinenpickerei, wie sie vielleicht manchen in London vorschwebt, erteilte Barnier explizit eine Absage. Auch sagte er, mit den Begriffen „harter oder weicher Brexit“ könne er nichts anfangen.

Barnier hat damit klare Kante gezeigt und in erfrischender Weise klar gemacht, was die Prinzipien und Werte der EU sowie die damit verbundenen Vorteile sind. Die Briten müssen sich wohl daran gewöhnen, dass es wie bei der Schwangerschaft ist: Ein bisschen EU geht nicht.

Der Umstand, dass Barnier in Brüssel Englisch spricht, mag für einen Franzosen seiner Generation nicht selbstverständlich sein. Es ist aber wohl das einzige Zugeständnis, das er gegenüber den Briten machen wird. Denn ansonsten dürfte der Regierung in London klar geworden sein, dass ihr der 65-Jährige bei den Austrittsverhandlungen nichts schenken wird.

Showdown zwischen Trump und Fed?

Während des US-Wahlkampfs hat Donald Trump auch Janet Yellen beschimpft. Der Republikaner warf der Chefin der US-Notenbank Fed vor, die Zinsen auf Geheiß des amtierenden Präsidenten Barack Obama künstlich niedrig zu halten, um das Platzen einer Preisblase an der Wall Street während dessen Amtszeit zu verhindern. Yellen solle sich dafür schämen, was sie dem Land antue, so Trump.

Nun sind aus Trumps Lager versöhnlichere Töne zu hören. Der designierte Finanzminister Steven Mnuchin lobte gar die Fed-Präsidentin mit den Worten, sie habe gute Arbeit geleistet. Trump hatte ja bekanntlich im Wahlkampf angekündigt, Yellen nach Ablauf ihrer Amtszeit 2018 nicht für weitere vier Jahre nominieren zu wollen. Auch der künftige Handelsminister Wilbur Ross sagte, Yellen habe einen „ziemlich guten Job” gemacht.

Dennoch mehren sich die Stimmen von Beobachtern in den USA, die einen Streit zwischen Trump und der Fed über die Verantwortung bezüglich der Preisstabilität heraufziehen sehen. Nachdem die Fed seit der Finanzmarktkrise 2008/2009 die Zinsen nahe null gehalten hat, ist sie nun dabei, die Zinssätze wieder zu normalisieren. Daher gilt auch der nächste Schritt einer Zinserhöhung bei der Sitzung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch als ausgemacht.

Allerdings könnte der Plan von Trump, die Infrastrukturausgaben massiv zu erhöhen, zu einem starken Anziehen der Inflation führen. Um dann eine Überhitzung der Konjunktur zu verhindern, könnte sich die Fed gezwungen sehen, die Zinssätze schneller anzuheben als bisher gedacht. Eine solche Reaktion schließlich könnte Trumps geplante Impulse für die Konjunktur unterlaufen und zu einem Showdown zwischen dem Präsidenten und der Notenbank führen. Die Frage, ob die Zinsen weiter erhöht werden, scheint eine ausgemachte Sache zu sein. Nur eben die Geschwindigkeit, mit der dies geschehen wird, ist unklar.

Athens Schulden weiter auf die lange Bank geschoben

In der griechischen Schuldenkrise haben die Europartner die Kreditbedingungen für Athen erneut verbessert. So wurden die Rückzahlungsfristen für Kredite aus dem zweiten Hilfsprogramm von 28 auf 32 Jahre gestreckt und damit eine Lösung der Schuldenkrise weiter in die Zukunft verschoben. Mit derart „technischen Maßnahmen“, wie Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem es nennt, sollen die Kosten des griechischen Schuldendiensts reduziert werden.

Außerdem soll Athen von den derzeit extrem günstigen Zinsen profitieren. Als Ganzes könnten diese Maßnahmen den Schuldenstand von Athen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2060 um etwa 20 Prozentpunkte verringern, rechnet der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) vor. Aktuell betragen die griechischen Staatsschulden rund 315 Mrd. €, was ca. 180% der Wirtschaftsleistung entspricht.

Die neuen Schuldenerleichterungen sind unabhängig von der laufenden Überprüfung des Spar- und Reformprogramms des Landes zu sehen, bei der es vor allem bei der Arbeitsmarktreform noch Differenzen gibt. Für das dritte Hilfsprogramm über maximal 86 Mrd. € hatten sich die griechische Regierung und die Geldgeber auf ein umfangreiches Reformprogramm bis zum Jahr 2018 verständigt.

Wie Reuters berichtet, bezeichnete Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos die jüngste Entscheidung zwar als einen „bemerkenswerten Erfolg“. Er warnte die Geldgeber aber vor weiteren Auflagen nach Ende des laufenden Sparprogramms 2018. Außerdem wiederholte er die Forderung, griechische Staatspapiere müssten schon im ersten Quartal 2017 in das Anleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgenommen werden, was Athen der Rückkehr an den Kapitalmarkt näher bringen würde.

Offen ist weiterhin, ob sich der Internationale Währungsfonds (IWF) an dem griechischen Hilfsprogramm auch künftig beteiligen wird. Der Fonds hatte wiederholt weitreichende Schuldenerleichterungen für Griechenland gefordert, damit das Land längerfristig wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen stehen könne. Diesen Forderungen stand und steht insbesondere Deutschland sehr kritisch gegenüber, das in der Vergangenheit stets davon gesprochen hat, dass der IWF bis Ende 2016 auf jedem Fall mit an Bord sei. Doch das wird nicht machbar sein und so werden wir uns mit dem Thema Hellas auch im nächsten Jahr beschäftigen müssen.

Last-Minute-Angebote am Primärmarkt

Der eine oder andere von uns denkt darüber nach, mit einem günstigen Last-Minute-Angebot dem Stress, unserem kalten und teilweise regnerischen Wetter zu entfliehen und etwas Sonne in südlichen Gefilden zu tanken.

Am Primärmarkt für Corporate Bonds herrscht auch eine gewisse Last-Minute-Stimmung bei der Refinanzierung kommender Aufgaben. So kam es, dass sich das in der Tourismusbranche tätige Unternehmen Thomas Cook frisches Kapital im Gesamtvolumen von 750 Mio. € durch die Emission einer 5 1/2-jährigen Anleihe (A1895A) beschaffte. Das Unternehmen zahlt dem Anleger einen jährlichen Kupon in Höhe von 6,25% bis zur Fälligkeit am 15.06.2022. Der Emissionspreis lag bei Pari und somit bei +655 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. Thomas Cook ließ sich ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) sowie eine Mindeststückelung von 100.000 € in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Zur Freude vieler Privatanleger emittierte die Lanxess AG eine Hybrid Anleihe mit einer Mindestanlagesumme von 1.000 €. Die Anleihe (A2DACG) ist 500 Mio. € schwer und bietet dem Anleger jährlich einen fixen Kupon in Höhe von 4,50% bis zum 06.06.2023. Nach diesem Termin orientiert sich der Kupon an dem dann aktuellen 5-jährigen Euro Swap und bis zum 06.06.2028 wird ein Aufschlag von +451 bps gezahlt. Danach erhöht sich der Aufschlag für die Zeit bis zum 06.06.2043 auf +476 bps und im Anschluss bis zur Fälligkeit am 06.12.2076 auf +551 bps. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten am 6. Juni jeden Jahres (erstmals 2023) ausgestattet. Das Papier wurde mit 98,655% emittiert und somit bei +451 bps über Mid Swap.

Dem Beispiel der anderen Emittenten folgend debütierte Knorr-Bremse am Markt und begab erstmals eine 5-jährige Anleihe (A2DARP) im Gesamtvolumen von 500 Mio. €. Der Investor erhält eine Verzinsung von 0,50% p.a. Das Pricing erfolgte mit +45 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,651% entsprach. Die Mindestanlagesumme beträgt wie bei der zuvor genannten Anleihe 1.000 €. Allerdings ließ sich Knorr Bremse ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) festschreiben.

Roll-Over verfälscht den Eindruck

Der Abwärtstrend ist weiterhin intakt, auch wenn man infolge des Roll-Overs vom Dezember- in den März-Kontrakt einen anderen Eindruck hat. Betrachtet man den heute auslaufenden Dezember-Kontrakt, so haben zwar die diversen Unterstützungslinien und insbesondere die psychologische Marke von 160% gehalten, aber der Trend ist seit September gen Süden gerichtet. Verfälscht wird das Bild auf den ersten Blick durch den höheren Kurs des neuen März-Kontrakts.

Bei jedem Kontraktwechsel verändert sich der Wert aus mathematischen Gründen nicht zuletzt wegen der zugrundeliegenden Anleihen. So wird der neue Buxl-Future um ca. 1,90 Prozentpunkte tiefer, der neue Bund-Future sowie der entsprechende Bobl-Future um ca. 1,25 Prozentpunkte höher und der Schatz-Future wiederum um ca. 0,10 Prozentpunkte tiefer gehandelt.

In Phasen des Kontraktwechsels und im Hinblick auf die heutige EZB-Sitzung ist es angebracht, sich mit den für das Rentenbarometer charttechnisch relevanten Unterstützungs- und Widerstandslinien zu beschäftigen. Der Bereich um 160,72% ist eine erste leichte Unterstützungslinie und als Widerstand fungiert der Bereich um 163,80%. Aktuell handelt der Euro-Bund-Future bei 161,70%. Die Tatsache, dass die Notenbanken im Zweifelsfall die hohen Erwartungen nicht immer und ewig erfüllen können, ist ein Test der Unterstützung wahrscheinlicher als ein nachhaltiges Überspringen der 163%-Marke.

Bund öffnet das letzte Türchen an seinem Emissionskalender

In den USA ist das Emissionsjahr noch lange nicht vorüber, aber dennoch hat man in dieser Woche lediglich Geldmarkttitel zum Kauf angeboten. Für insgesamt 127 Mrd. USD wurden T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei, sechs und 12 Monaten aufgelegt. Aber bereits in der kommenden Woche wird das Angebot mit Fälligkeiten von drei, zehn und 30 Jahren erweitert.

In der Eurozone war in dieser Handelswoche lediglich Deutschland am Primärmarkt in Erscheinung getreten und öffnete am diesjährigen Emissionskalender das letzte Türchen. Hierbei handelte es sich um eine Aufstockung der aktuellen zweijährigen Bundesschatzanweisung (110466) im Volumen von 3 Mrd. € auf total 8 Mrd. €. Insgesamt wurden Gebote für ca. 4,7 Mrd. € abgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,71%. Zur Marktpflege wurden lediglich ca. 366 Mio. € zurückbehalten.

Außerhalb der Eurozone wurde darüber hinaus die Aufstockung der beiden Anleihen Großbritanniens mit Fälligkeit 7/2026 und 7/2047 beachtet. Die zu erzielende Rendite belief sich hierbei auf 1,394% bzw. 1,956%.

Totgesagte leben länger

Der allseits beliebte Adventskalender, welcher inzwischen nahezu alle Altersgruppen erfreut, versüßt die Adventszeit bis Weihnachten und verbirgt hinter den Türchen manchmal die oder andere Überraschung.

Was die europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer heutigen Pressekonferenz für die Marktteilnehmer bereit hält, bleibt abzuwarten. Mit großen Überraschungen ist allerdings nicht unbedingt zu rechnen. So fehlen der Einheitswährung im Vorfeld der Ratssitzung die entscheidenden Impulse.

Zum Wochenauftakt war noch deutlich mehr Bewegung am Devisenmarkt aufgrund des Referendums in Italien und der Euro fiel in der Nacht zum Montag in einer ersten Reaktion bis auf 1,0506 US-Dollar zurück. Damit notierte er so niedrig wie zuletzt im März vergangenen Jahres. Doch nur wenige Handelsstunden später drehte die europäische Gemeinschaftswährung deutlich ins Plus und stieg am selben Tag noch auf 1,0796 USD. Seither bewegt sich das Devisenpaar Euro/Dollar in einer sehr engen Bandbreite zwischen 1,0698 USD und 1,0785 USD. Die Marktakteure warten auf die EZB und so startet der Euro heute Morgen wenig verändert bei 1,0780 US-Dollar in den Handel.

Neben der EZB tagte in dieser Woche auch die Reserve Bank of Australia (RBA). Wie erwartet beließ die RBA den Leitzins bei 1,50%. Darüber hinaus wurden Konjunkturdaten veröffentlicht, demnach fiel das BIP im 3. Quartal auf 1,80%. Im Vorjahr wuchs die Wirtschaft noch um 3,10%, dies entspricht dem stärksten Rückgang seit 2008. So schwächelte auch die Landeswährung und verbilligte sich zum Euro in dieser Woche von 1,41471 AUD bis auf 1,45023 AUD. Im weiteren Handelsverlauf konnte sich der Aussie-Dollar allerdings wieder etwas erholen und notiert aktuell um die Marke von 1,4370 AUD.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Bonds lautend auf türkische Lira, brasilianische Real und norwegische Krone im Fokus der Privatanleger, aber auch US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

An der Notenbankpolitik scheiden sich die Geister

Der Wahlausgang in den USA und die daraus resultierenden Unsicherheiten überschatten zurzeit alle Volkswirtschaften. Hatte während des Wahlkampfes noch jede Hochrechnung zugunsten Trumps zu Kursverlusten an den Finanzmärkten geführt, so wurden mit dem Verkünden des Wahlergebnisses alle Bedenken über Bord geworfen. Allem Anschein nach erhofft man sich von dem designierten Präsidenten Donald Trump eine deutliche Belebung der US-Konjunktur, und die „alten Finanzmarkthasen“ fühlen sich an die Ära Ronald Reagan erinnert. Auch damals wurde Verschuldung ganz groß geschrieben. Allerdings haben die USA aktuell bereits eine Verschuldungsquote von 105% des BIPs erreicht und die jüngsten Hochrechnungen gehen für die Regentschaft Trumps von einem möglichen Anstieg bis auf 130% aus.

Solche Perspektiven rufen die Notenbanker der Welt auf den Plan, um Gefahren von den heimischen Wirtschaftsgebieten fernzuhalten. So hat die Bank of Japan (BoJ) mit einem unbegrenzten Anleihekaufprogramm die erste Karte ausgespielt, und die im Dezember des Jahres zu verkündende Zinsanhebung in den USA wird auch andere Notenbanken wie beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) zum Handeln zwingen. Die Märkte preisen diese diametrale Entwicklung der Geldpolitik zwischen den USA und Euroland bereits ein. Die Spreadentwicklung bei 10-jährigen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen erreichte in den vergangenen Handelstagen mit 2,09 Prozentpunkten ein 27-Jahreshoch - und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Sicherlich wird die EZB in den kommenden Wochen und Monaten unter Aufbringung aller zur Verfügung stehenden Mittel versuchen, das Zinsniveau in der Eurozone auf einem tiefen Level zu halten, was allerdings nicht einfach sein wird. Nicht erst seit der Kapitulation der Schweizer Notenbank bei der Verteidigung des Franken-Außenwertes sollte allen Beteiligten klar sein, dass solche regulatorischen Maßnahmen begrenzt sind.

Alle Marktteilnehmer sollten sich darüber hinaus der Tatsache bewusst sein, dass die amerikanischen Zinssätze schon immer alle Kapitalmärkte beeinflussten und es früher oder später zu Anpassungen gekommen ist. Geld kann zwar nicht denken, aber die Anleger versuchen das Optimum aus ihren Investitionen herauszuholen und erzeugen dadurch Kapitalströme, die eine Eigendynamik entwickeln können. Es wird also die Kunst der Notenbankpolitik sein, den Spagat zwischen sinnvollen, notwendigen und übereilten Beschlüssen zu schaffen – abgestimmt auf die nationalen Bedürfnisse und unter Berücksichtigung der Gesamtlage.

Wie umstritten die Notenbankpolitik ist, konnte Mario Draghi bei der diesjährigen Bankenkonferenz in Frankfurt erfahren. So wurde unter anderem angeprangert, dass die Geldpolitik mit ihren ultraniedrigen Zinsen den europäischen Banken entgegenwirke und der Aufbau von Eigenkapital erschwert werde. Nachvollziehbar war auch der Vorwurf, dass das niedrige Zinsniveau hauptsächlich den Staaten nütze. Der Hinweis auf die fehlende Liquidität an den Anleihemärkten infolge irrationaler EZB-Käufe scheint allerdings nicht auf taube Ohren gestoßen zu sein. So zeichnete sich am gestrigen Mittwoch ab, dass die EZB den Banken mehr Anleihen für eine Ausleihe zur Verfügung stellen möchte.

Doch sind solche Maßnahmen keine Änderung der Notenbankpolitik, sondern sie sollen nur Nebenwirkungen mildern, ohne die Therapie anzupassen.

Referendum in Italien lässt Nervosität an den Märkten steigen

Nach dem Brexit-Votum der Briten und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten geht an den Kapitalmärkten ein neues Gespenst um: Das Wort vom „Italexit” macht an den Börsen die Runde. Gemeint ist ein möglicher Austritt Italiens aus der Europäischen Union - eine Gefahr, die eng mit dem am 4. Dezember anstehenden Referendum verknüpft ist, an dem die Italiener über eine neue Verfassung abstimmen.

Die Crux daran ist, dass Ministerpräsident Matteo Renzi sein politisches Schicksal mit dem Ausgang der Wahl verbunden hat. Stimmen seine Landsleute den geplanten Veränderungen nicht zu, müsste er eigentlich zurücktreten, was die Krise in der EU wiederum verschärfen würde. Schon ist an den Märkten davon die Rede, dass das Referendum der Wendepunkt zwischen Himmel und Hölle sein könnte.

Aber um was geht es Renzi? Der Ministerpräsident will lediglich über Einschränkungen bei der Rolle des Senats und Zuständigkeiten der Regionalregierungen abstimmen lassen. Damit könnten Blockaden aufgelöst und Reformen in Italien besser durchgesetzt werden als bisher. Weil aber Renzi hoch gepokert und sein politisches Schicksal mit dem Ausgang des Votums verknüpft hat, ist die Situation eine diffizile. Meinungsforscher erwarten Renzi als großen Verlierer für den 4. Dezember. Beobachter fürchten nun, dass im Falle eines Rückzugs von Renzi Rechtspopulisten wie die Protestpartei der sogenannten Fünf-Sterne-Bewegung unter der Führung des Komikers Beppe Grillo Oberwasser bekommen könnten. Als relativ sicher gilt, dass ein Rücktritt Renzis Italien, wo die Arbeitslosenquote bei hohen 12% verharrt, wieder in ein politisches Chaos stürzen dürfte, obwohl noch jede Menge Hausaufgaben zu machen wären.

Diese Entwicklung hinterlässt auch am Rentenmarkt ihre Spuren. So entwickeln sich die größten Volkswirtschaften Südeuropas, Italien und Spanien, immer weiter auseinander. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen ist knapp zwei Wochen vor dem Referendum auf den höchsten Stand seit Juli 2015 gestiegen und liegt damit rund einen halben Prozentpunkt über der von spanischen Titeln. In dieser Entwicklung drückt sich das gestiegene politische Risiko im Vorfeld des Referendums aus. Spanien kommt dagegen die Entspannung seiner politischen Situation entgegen. Außerdem ist dort das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf seit Einführung des Euro im Jahr 1999 um über 14% gestiegen. In Italien liegt diese Quote dagegen um 3,8% darunter.

In Italien leiden die Banken weiterhin unter einem 360 Mrd. € schweren Berg an faulen Krediten. Allein die angeschlagene Banca Monte dei Paschi di Siena benötigt eine milliardenschwere Kapitalspritze. Eine Rettungsaktion für die italienischen Banken dürfte bei einem „No“ zu dem Referendum und damit einer politischen Niederlage für Renzi noch schwerer werden, als sie ohnehin schon ist.

Die Frage wird dann sein, ob die Europäische Zentralbank (EZB), die bereits vier Tage nach dem Referendum unter ihrem Chef Mario Draghi zusammenkommt, gegebenenfalls eine Verkaufswelle italienischer Staatsanleihen an den Rentenmärkten zu verhindern weiß.

Briten bekommen wegen Brexit kalte Füße

Bekommen die Briten Angst vor der eigenen Courage? Oder ist es die pure Einsicht in die Realitäten, die Theresa May dazu gebracht hat anzudeuten, dass Großbritannien, über 2019 hinaus keine klare Trennung von der Europäischen Union (EU) vollziehen könnte. Die Premierministerin hatte durchblicken lassen, dass die Administration in London eine Übergangslösung (transitional deal) untersuchen würde, in deren Rahmen Elemente der bisherigen Beziehungen zur EU beibehalten werden könnten. Diese Äußerungen sorgten sofort für Ärger bei den Hardlinern der Brexit-Befürworter, die bei einer Übergangslösung eine noch größere Unsicherheit als bei einem klaren Schnitt befürchten.

Überhaupt wächst die Furcht der Briten vor negativen Folgen für die Wirtschaft durch den Austritt aus der EU. So geben inzwischen nach einer Erhebung des Finanzdatenanbieters Markit 49% der befragten Privathaushalte an, sie würden mit schlechteren Aussichten rechnen. Angesichts eines um 10% geschrumpften Vermögens der britischen Haushalte zwischen Mitte 2015 und Mitte 2016 ist das auch kein Wunder. Wie die Credit Suisse in ihrem jährlichen Wohlstandsbericht ausführt, sei dies eine direkte Konsequenz des Brexit-Votums. Als Hauptgrund nennt die Schweizer Großbank insbesondere den Kurseinbruch des Britischen Pfunds. Dies wirkt sich auch auf die Dollar-Millionäre aus, deren Zahl in Großbritannien um 15% geschrumpft sei.

Dass nun die Regierung in 10 Downing Street einen Wettlauf für Steuerdumping anzuzetteln droht, stößt nicht zuletzt bei Finanzminister Wolfgang Schäuble auf scharfe Kritik. Noch sei Großbritannien Mitglied der EU und damit an europäisches Recht gebunden, sagte er. Laut May sollen die Unternehmenssteuern auf den niedrigsten Stand der führenden 20 Industrieländer (G20) gesenkt werden. Möglicherweise wolle London die Körperschaftsteuer auf unter 15% drücken, schreibt die Tageszeitung „The Telegraph”.

Aber auch nach einem Austritt aus der EU sieht Schäuble Großbritannien gebunden – und zwar an die Versprechungen beim G20-Gipfel in Antalya von 2015, wo von den Teilnehmern einschließlich UK versichert worden ist, in keinen Steuerwettlauf mit immer niedrigeren Sätzen einzutreten.

Wenn nun Großbritanniens Finanzminister Philip Hammond den ersten Staatshaushalt seit dem Brexit-Votum vom Juni vorlegen wird, steuert die Regierung in den kommenden fünf Jahren auf ein Haushaltsloch von 100 Mrd. Pfund zu, wie die „Financial Times“ schreibt. Die Ursachen sieht das Traditionsblatt in geringeren Steuereinnahmen und einem abgeschwächten Wirtschaftswachstum – alles eine Folge des Brexit-Votums.

Schuldenerlass für Athen – ja oder nein?

Jetzt hat Portugal der Diskussion um einen Schuldenschnitt für Griechenland neue Nahrung gegeben. Die Regierung in Lissabon spricht sich für einen solchen Schritt aus und stellt sich damit gegen die deutsche Position. Portugal ist darüber hinaus der Überzeugung, dass die Euro-Länder das bereits laufende dritte Hilfspaket für Griechenland auch ohne den Internationalen Währungsfonds (IWF) stemmen könnten. Der IWF macht seine künftigen Hilfen bekanntlich davon abhängig, wie Athen bei der Schuldentilgung geholfen wird. Auch der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos drängt die Gläubiger dazu, einer Umschuldung seines Landes zuzustimmen. Sonst werde die beste Gelegenheit vertan, die seit sieben Jahren anhaltende Krise in Hellas zu beenden. Schließlich hatte sich auch der scheidende US-Präsident Barack Obama für einen Schuldenerlass Griechenlands stark gemacht.

Wer sich gegen einen solchen Schritt am vehementesten stemmt, ist Deutschland in Person von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Er hat gerade zum wiederholten Male erklärt, Griechenlands Problem seien nicht die hohen Schulden, sondern die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Daher lehnt man in Berlin einen Schuldenschnitt kategorisch ab. Schäuble weiß natürlich auch, dass eine Schuldenerleichterung für Hellas im kommenden Wahlkampf in Deutschland den Rechtspopulisten in die Hände spielen würde und die CDU entscheidende Stimmen kosten könnte.

Für Tsakalotos und seine Regierung werden die kommenden Monate nun entscheidend. Dann muss Athen seinen Geldgebern darlegen können, dass alle vereinbarten wirtschaftlichen Reformen einschließlich Verbesserungen am Arbeitsmarkt und die Privatisierungen umgesetzt worden sind. Dies wären die Voraussetzungen für Erleichterungen beim Schuldenabbau. Tsakalotos weiß, dass die Zeit drängt. Sollte bis Anfang 2017 kein Schuldenerlass erreicht werden, kann sein Land im März nicht in das EZB-Programm für den Ankauf von Anleihen aufgenommen werden. Dies, so Tsakalotos‘ Hoffnung, könnte dazu beitragen, den lang ersehnten Wirtschaftsaufschwung einzuleiten. Immerhin, für 2017 rechnet Athen mit einem Wachstum von 2,7%.

Zum Backen braucht man Zucker. Für’s Depot auch?

Bereits in einem Monat ist Heiligabend und es ist nun langsam an der Zeit, die Weihnachtsbäckerei zu eröffnen. Neben Mandeln, Nüssen, Marzipan und vielen anderen guten Zutaten steigt dann auch die Nachfrage nach Zucker.

Beim Kauf der Backutensilien begegnet man stets dem weltweit tätigen Unternehmen Südzucker, das passend zur Weihnachtszeit eine Anleihe (A189JF) im Gesamtvolumen von 300 Mio. € mit einer „privatanleger-freundlichen“ Stückelung von 1.000 € emittierte. Das Unternehmen versüßt den Investoren das Engagement mit einem jährlichen Kupon von 1,25% bis zur Fälligkeit am 29.11.2023. Die Anleihe wurde zu 99,687% emittiert und somit bei +97 bps über Mid Swap. Südzucker entschied sich zur Aufnahme eines Sonderkündigungsrechts (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen.

Dem Beispiel Südzuckers folgend refinanzierte sich auch Grenke Finance mittels einer 5 1/4-jährigen 150 Mio. € schweren Anleihe (A189PU), die am 02.02.2022 endfällig ist. Auch in diesem Fall beläuft sich die Mindestanlagesumme auf 1.000 € und das Unternehmen zahlt hierfür jährlich Zinsen in Höhe von 1,125%. Der Ausgabepreis betrug 99,368% (Mid Swap +113 bps).

Auch BP gelang die erfolgreiche Platzierung einer 7 1/4-jährigen Anleihe (A189PV) im Volumen von 925 Mio. €. Das im Raffinerie- und Erdölsektor tätige Unternehmen zahlt dem Investor einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,117 % bis zum Laufzeitende am 25.01.2024. Die Begebung erfolgte zum Kurs von 100% und damit bei +77 bps über Mid Swap. BP ließ sich ein vorzeitiges Kündigungsrecht per 25.10.2023 zu pari festschreiben und entschied sich für eine Mindeststückelung von 100.000 €.

Nach unten gerichtete Treppenformation

In der vergangenen Handelswoche wurde die 160er Marke erfolgreich verteidigt und infolge einer logischen Gegenbewegung konnte sogar der Widerstand bei 161,46% überwunden werden. Dennoch gilt weiterhin: „Augen auf beim Euro-Bund-Future-Handel“. Dies wurde am gestrigen Mittwoch wieder überdeutlich ins Bewusstsein der Rentenhändler eingebrannt. Nachdem es zuvor infolge von Kommentaren diverser EZB-Notenbanker zu einer Stabilisierung auf höherem Niveau gekommen war, hat die Ankündigung der EZB, Teile der im Rahmen des QE erworbenen Wertpapiere im Repo den Banken zur Verfügung zu stellen, die Zinsfutures wieder auf Talfahrt geschickt.

Diese Aussage wurde bei verschiedenen Investoren als Demontage des Fangnetzes interpretiert, aber die Tatsache alleine, dass Material wieder in Umlauf gebracht wird, sagt nichts über die Kosten eines solchen Repos aus. Denn erst daraus könnten Rückschlüsse auf die zukünftige Vorgehensweise gezogen werden. Somit ist mit einer Beruhigung auf dem aktuellen Level zu rechnen und erst in den kommenden Tagen wird sich herauskristallisieren, ob die eindeutig nach unten gerichtete Treppenformation fortgeführt wird. Aktuell handelt das Sorgenbarometer bei 161,27%.

Unterstützungslinien werden weiterhin bei ca. 160,46%, der psychologischen Marke von 160% sowie dem Tief vom 14.11. bei 159,14% gesehen und Widerstände sind bei 161,46% und 162,56% existent.

Eurozone kocht auf Sparflamme

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden in dieser Woche insgesamt 228 Mrd. USD refinanziert. Sollte Donald Trump seine Pläne zur Konjunkturbelebung umsetzen, so könnten solche Summen zur Norm werden. Neben Geldmarkttiteln für 127 Mrd. USD wurden auch T-Notes mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren zum Kauf angeboten.

In der Eurozone teilen sich in dieser Handelswoche fünf Staaten ca. 11 Mrd. €, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Eröffnet wurde der Reigen gleich zum Wochenstart von der Slowakei. Belgien stockte am gleichen Tag drei OLOs mit Restlaufzeiten von 10, 15 und 31 Jahren auf (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A180Z6 / 2047). Am nächsten Tag trat mit Finnland - ein eher seltener Emittent - in Erscheinung (A185WG / 2023), bevor Portugal (A0DY6V /2021) und Deutschland zur Wochenmitte aktiv wurden.

Im Rahmen eines Tenderverfahrens wurde das Emissionsvolumen der aktuellen 10-jährigen Bundesanleihe (110240) um 3 Mrd. € auf insgesamt 25 Mrd. € erhöht. In der Summe wurden Aufträge für ca. 5,1 Mrd. € aufgegeben. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,21% und für die Marktpflege wurden ca. 485 Mio. € zurückbehalten.

Den krönenden Abschluss der Refinanzierungen nimmt am morgigen Freitag Italien mit der Aufstockung einer 2-jährigen inflationsindexierten Anleihe für sich in Anspruch. Diese Bonds werden allerdings auch weiterhin aus steuerlichen Gründen nicht an den deutschen Börsen gehandelt.

Euro auf dem Weg zur Parität?

Im März vergangenen Jahres hat der Euro mit 1,0458 USD ein 14-Jahrestief markiert und aktuell schickt sich die Gemeinschaftswährung an, dies zumindest nochmals testen zu wollen. Die Andeutungen diverser Notenbanker und insbesondere von Mario Draghi selbst, dass die aktuelle Geldpolitik der EZB noch einige Zeit beibehalten wird, lassen den Euro nicht zu Kräften kommen. Nach dem ganzen Trubel der vergangenen Tage und Wochen gönnen die Vereinigten Staaten sich und dem Euro eine kleine Verschnaufpause vom aktuellen Marktgeschehen und feiern Thanksgiving, einen der wichtigsten und beliebtesten Feiertage der USA.

Grundsätzlich ist in den kommenden Tagen mit einem weiteren Angriff auf die bisherigen Tiefststände zu rechnen, da keine Änderung der „Großwetterlage“ am Devisenmarkt zu erkennen ist. Ein Großteil der Stärke des US-Dollars entstammt der Schwäche des Euros, die wiederum der Europäischen Union und der EZB geschuldet ist. Seit dem vergangenen Donnerstag handelte der Euro zwischen 1,0519 USD und 1,0746 USD und notiert aktuell bei 1,0525 USD.

Seit Wochen stand am Devisenmarkt der mexikanische Peso unter Beobachtung und da sich nach der US-Wahl keine Entspannung einstellte, hat die Notenbank Mexikos - auch im Hinblick auf den niedrigen Inflationsausblick - den Leitzins um 50 bps auf nunmehr 5,25% angehoben. In nur 11 Monaten stieg er somit um insgesamt 225 bps auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Diese Maßnahme half der Landeswährung allerdings nur wenig, denn sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro handelt der Peso weiterhin auf dem Vorwochenniveau von 20,70 MXN respektive 21,80 MXN.

Bei den Fremdwährungsanleihen waren somit weiterhin Umsätze auf mexikanische Peso zu beobachten. Außerdem zählten Anleihen auf US-Dollar, türkische Lira sowie südafrikanische Rand zu den favorisierten Bonds.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

US-Zinspolitik wird für die Europäische Zentralbank zum Problem

Obwohl Donald Trump noch nicht in Amt und Würden ist, konnte er zumindest bei den zu erzielenden Renditen am Bondmarkt seinen Wahlslogan „Make America great again“ bereits umsetzen. In einer für viele Marktbeobachter atemberaubenden Schnelligkeit wurde diese Entwicklung vollzogen, da die andiskutierten Investitionsprogramme sowie die Steuererleichterungen eine Zinserhöhung durch die US-amerikanische Notenbank (Fed) unumgänglich erscheinen lassen. Eine Zinsanpassung auf der nächsten Fed-Sitzung am 14. Dezember des Jahres ist inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 94% am Markt eingepreist.

Dennoch sollte man vorsichtig sein, bereits alleine mit der Wahl von Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten Rückschlüsse auf die zukünftige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank zu ziehen. Nach den Worten des US-Notenbankers Robert Kaplan gibt es Politikansätze, die positiv für das Wirtschaftswachstum und solche, die negativ sein könnten. Niemand mag momentan mit Bestimmtheit sagen, was wie wirken wird. Das wäre Kaffeesatz-Leserei. Die Verunsicherung der Investoren ist allerdings sehr groß und somit ist es nicht verwunderlich, dass zwischenzeitlich bei US-Bonds mit einer Laufzeit von 30 Jahren Renditen von über 3% und bei einer Restlaufzeit von 10 Jahren mehr als 2,30% zu erzielen waren. Dieses Niveau scheint vorerst gehalten zu haben, aber sollte sich die US-Wirtschaft weiterhin positiv entwickeln, so wären bei neuen Engagements noch höhere Renditen möglich.

Des einen Freud ist des anderen Leid. So lässt sich der unerwartete Renditeanstieg umschreiben. Während Altinvestoren sich verwundert die Augen reiben, haben es Anleger bei Neuinvestitionen besser getroffen. Doch diese Entwicklung ist nicht auf den US-Bondmarkt beschränkt, sondern strahlt u. a. auch auf die europäischen Zinsmärkte aus. Hatten deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren (110240) z.B. am 06.07.16 noch mit -0,193% rentiert, so warfen diese Papiere am 14.11.16 - also nur 4 Monate später - eine Rendite von +0,40% ab. Noch deutlicher wird es bei der zu erzielenden Rendite der 30-jährigen Anleihe, die in diesem Zeitraum von 0,293% auf 1,062% kletterte. Ein solcher Anstieg ist für Deutschland zwar nicht unerheblich, aber dennoch zu verkraften. Ganz anders stellt sich die Situation allerdings für die europäischen „Sorgenkinder“ dar. So erhöhten sich die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen Italiens innerhalb von 4 Monaten von 1,054% auf 2,23%, für Portugal von 2,687% auf 3,683% und für Irland von 0,307% auf 1,103%.

Es ist davon auszugehen, dass in Euroland der Renditetiefpunkt erreicht wurde, ohne dass der Großteil der Marktteilnehmer dies wahrgenommen hat. Zu groß war das Vertrauen in die QE-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) - und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nun stellt sich die Frage, wie die EZB unter der Leitung von Mario Draghi auf diese neue Herausforderung reagieren wird. Wie irrational momentan gehandelt wird unterstreicht auch die heutige Ankündigung aus Japan. Dort wurde eine erste Runde nach oben offener Anleihekäufe „angedroht”. Es ist zu befürchten, dass auch die EZB den eingeschlagenen Weg nicht verlassen wird, sondern man diesen „ohne Rücksicht auf Verluste“ weiter beschreiten wird. Somit ist zu erwarten, dass am 8. Dezember - bei der nächsten EZB-Sitzung - eine Verlängerung der Anleihekaufprogramme mit angepassten Spielregeln beschlossen wird, woran auch eine positivere Entwicklung der Inflationsrate in der Eurozone nichts ändern sollte.

Dadurch manövriert man sich immer tiefer in eine Sackgasse und versucht verzweifelt, sich dem Einfluss der amerikanischen Geldpolitik zu entziehen. Doch in diesem Zusammenhang sei an zwei Aussprüche von Henry Kissinger erinnert: „America has no permanent friends or enemies, only interests.“ und „Who controls the money controls the world.”

Der Unsicherheitsfaktor Trump bleibt am Markt

Kein Zweifel, das Personalkarussell von Amerikas öffentlichen Spitzenämtern kommt kräftig in Fahrt. Dabei sorgen Spekulationen über das künftige Team des neuen US-Präsidenten Donald Trump sowie vorzeitige Rücktritte für eine anhaltende Verunsicherung an den Kapitalmärkten.

Zunächst war es die Chefin der Finanzaufsicht SEC, Mary Jo White, die wenige Tage nach dem Wahlsieg von Trump ihren Rücktritt erklärt hat. Im Januar wird die 68-Jährige ihren Posten aufgeben – ganze drei Jahre vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit. Beobachter fragen sich nun, wie dieser verfrühte Rückzug von White, die dazu beigetragen hatte die Finanzbranche an die kurze Leine zu nehmen, zu deuten ist. Geht die Aufseherin davon aus, dass es unter Trump ein Rollback der Bankenregulierung geben soll? Wandelt sich Trump gerade vom Schrecken der Wall Street zu deren Verbündetem?

Darauf deuten zumindest Spekulationen hin, wonach der wichtige Posten des Finanzministers mit einem hochkarätigen Ex-Banker besetzt werden könnte. Namen wie Steven Mnuchin, ehemaliger Topmanager der US-Investmentbank Goldman Sachs, und Jamie Dimon, JPMorgan-Chase-Chef, machen die Runde.

Betrachtet man den Aktienmarkt, so scheinen viele Investoren darauf zu spekulieren, dass Trump, der eigentlich angetreten war den Wall-Street-Sumpf „trockenzulegen”, das Rad der Regulierung wieder zurückdrehen könnte. Auf seiner Homepage avisierte er sogar, er wolle das von Banken ungeliebte Dodd-Frank-Gesetz, das eine Antwort auf die Finanzkrise war und Banken lästige Regeln auferlegt, wieder abschaffen. Tatsächlich spräche nicht viel dafür, dass er die Branche weiter an die Kandare nehmen wolle, wenn Spitzenbanker Mitglieder der Regierung wären.

Mit Spannung blicken Beobachter auch auf den nächsten Termin des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed, der sich Mitte Dezember wieder trifft. Die Fed hatte vor Jahresfrist begonnen, die Zinsen anzuheben, und beim nächsten Treffen sollte eigentlich ein weiterer Zinsschritt vollzogen werden. Nun aber hat Trump die Wahl gewonnen, der der Fed-Chefin Janet Yellen im Wahlkampf vorgehalten hatte, die nach seinen Worten unnötig niedrigen Zinsen sorgten künstlich für gute Stimmung an den Börsen und spielten nur seiner Kontrahentin Hillary Clinton in die Karten. Man darf daher gespannt sein wie Yellen, die noch einen Vertrag bis Januar 2018 besitzt, mit der Situation umgehen wird. Insbesondere nachdem ihr bereits während des Wahlkampfs vom neuen Präsidenten eine Zukunft in diesem Amt in Abrede gestellt wurde. Auch waren seine Äußerungen zur Geldpolitik sehr widersprüchlich und zeugen von einem hohen Maß an Wankelmütigkeit. Mal sagte er, als „Schuldenkönig“ liebe er Nullzinsen. Mal tönte er, man müsse echte Sparer vor der Fed schützen, die nur die Finanzwirtschaft begünstige.

Unausgegoren und von Machtkämpfen geprägt präsentiert sich nun auch das Umfeld von Trump, wie die jüngsten Rücktritte in seinem Übergangsteam deutlich machen. Sowohl Mike Rogers, Leiter des Geheimdienstausschusses, als auch Ben Carson, der einzige Schwarze, der als Anwärter auf einen Platz im Kabinett gehandelt wurde, nahmen diese Woche ihren Hut. Hinzu kommt der Umstand, dass der künftige Präsident Mitglieder seines Familienclans in wichtige Ämter und Beraterrollen hievte, was zumindest ein „Gschmäckle“ hinterlässt, aber eben auch zum Unsicherheitsfaktor Trump beiträgt.

Was die Märkte nun interessiert ist die Frage, ob Trump alle Auflagen, die unter Obama beschlossen wurden, tatsächlich rückabwickeln wird und kann – etwa die Krankenversicherung, das Steuersystem und eben die Bankenregulierung. Beobachter sind sich einig, dass dies nicht immer so ohne weiteres funktionieren dürfte – und wenn, dann nur im Rahmen langfristiger Prozesse. Aber vorerst scheinen Investoren zumindest am Aktienmarkt auf eine Trump-Rallye zu wetten. Die Frage, ob dies im Sinne langfristig stabiler Märkte immer geboten sein mag und letztendlich auch denen aus den Vorstädten zu Gute kommt, die Trump gewählt haben, scheint im Moment eher in den Hintergrund zu rücken.

Risikobewertung der Banken auf dem Prüfstand

Wie Banken ihre Risiken einschätzen und bewerten müssen, ist sowohl für die Bankenaufsicht als auch die Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer zentralen Frage im Rahmen von Basel III geworden. Nun hat die für die Bankenaufsicht zuständige EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger auf der Branchenkonferenz „Euro Finance Week“ angekündigt, in den nächsten drei Jahren die internen Risikomodelle gezielt überprüfen zu wollen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Modelle konsistente Ergebnisse liefern und ungerechtfertigte Unterschiede bei der Kalkulation einschränken.

Lautenschläger packt damit ein international heißes Eisen an, geht es doch bei den laufenden Verhandlungen über strengere Vorschriften für Banken auch um interne Risikomodelle. Schließlich bestimmen diese wesentlich mit, wie dick die Kapitaldecke einer Bank sein muss. Je riskanter das Kreditportfolio eines Instituts ist, desto mehr Eigenkapital muss es zur Sicherheit vorhalten. Der Knackpunkt aber ist, dass eine Bank, die ihre Risiken kleinrechnet, in guten Zeiten zwar teures Kapital sparen kann, in schlechten Zeiten aber umso schneller umkippt – im Zweifel zulasten des Steuerzahlers.

Wie die Finanzkrise offenbarte, haben viele Banken bestimmte Gefahren massiv unterschätzt. Außerdem war klar geworden, dass es insgesamt sehr große Unterschiede bei der Berechnung der Risiken gibt. Studien haben gezeigt, dass es nicht nur Unterschiede bei den Banken und ihren Modellen gibt, sondern dass auch die Bankenaufseher unterschiedlich mit den Modellen umgehen. Hier bedarf es dringend einer Vereinheitlichung auf allen Ebenen.

Der Wildwuchs an Risikomodellen der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass mittlerweile auch der Baseler Ausschuss an strengen Leitplanken für die Anwendung solcher Risikomethoden arbeitet. Vor allem die USA drängen dort auf Einschränkungen bei internen Modellen, was den Europäern vielfach zu weit geht. Der Präsident der deutschen Bankenaufsicht BaFin, Felix Hufeld, drohte deshalb bereits mit einem Scheitern der Reform. Schließlich würde für europäische Banken der Kapitalbedarf sprunghaft ansteigen.

Auch Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hat wichtige Änderungen der bisherigen Vorschläge gefordert. Es werde mit der Bundesbank keine Einigung um jeden Preis geben, sagte er und kritisierte, dass die diskutierten Vorschriften den Kapitalbedarf für Banken zu stark erhöhen würden. Dombret schlug nun vor, dass deutsche Darlehen stärker begünstigt werden. Diese seien sicherer als in vielen anderen Ländern, wo sich die Banken zu stark an den Marktpreisen von Immobilien orientierten. Deutsche Institute müssen den Wert einer Immobilie konservativer ermitteln als anderswo.

Und wo Dombret gar nicht mit sich reden lassen will, ist die Einführung eines so genannten ‘Output-Floors’. Einen solchen hat der Baseler Bankenausschuss vorgeschlagen, wonach es für die internen Modelle eine absolute Grenze geben soll. Meist ermitteln nämlich Banken mit eigenen Risikomodellen einen viel geringeren Kapitalbedarf als Institute, die das Standardverfahren nutzen. Damit soll ein geringerer Kapitalbedarf auf entweder 20% oder 40% gegenüber dem Standardmodell begrenzt werden. Dombret hält dagegen: In der Theorie gelte der ‘Output-Floors’ zwar als Mittel, um leichtsinniger Rechenakrobatik bei internen Modellen einen Riegel vorzuschieben. In der Praxis aber wirke er der Risikoorientierung entgegen. „Das können wir so nicht akzeptieren, denn an einer unerwünschten zusätzlichen Risikonahme von Banken sind wir nicht interessiert“, macht er klar. Basel III habe andere Instrumente wie die Leverage Ratio entworfen, um Modell- und Missbrauchsrisiken zu bekämpfen.

Mittelstandskredite mit weniger Eigenkapital unterlegen

Die EU-Kommission greift Banken bei der Vergabe von Mittelstandskrediten unter die Arme. Wie Reuters berichtet, können die Institute Darlehen in Höhe von bis zu 1,5 Mio. € an kleinere und mittelgroße Unternehmen (KMU) weiterhin mit weniger Eigenkapital unterlegen. Demnach bleiben für diese Kleinkredite 23,8% bei der Hinterlegung abzugsfähig. Bei größeren Darlehen sollen 15 % der verbleibenden Summe abgezogen werden können.

Der Chef des Deutschen Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon, begrüßte es, dass dieser sogenannte KMU-Skalierungsfaktor beibehalten wird. Er mahnte aber in Brüssel ein generelles Umdenken an, bei dem die internationalen Großbanken getrennt von den regional aufgestellten Geldhäusern betrachtet werden.

Diese Regelung ist Teil der Überarbeitung der Eigenkapitalverordnung (CRR) und der Eigenkapitalrichtlinie (CRD), die kommende Woche vorgestellt werden soll. Indessen kündigte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis an, den bürokratischen Aufwand für kleinere Banken bei den Bonusregeln für Manager zu lockern, wo dies möglich sei. Anders als Großbanken sind viele kleine Institute nicht börsennotiert und zahlen nur geringe Boni, unterliegen aber derselben Regulatorik.

Investoren stellen Pharmaunternehmen Mittel zur Verfügung

Im Herbst leiden viele Menschen unter den Symptomen eines grippalen Infekts und greifen zur Linderung der Beschwerden zu neuen oder altbewährten Arzneimitteln. Doch vor der Erteilung einer Genehmigung für den Einsatz dieser Medikamente steht die Forschung, die zeitaufwendig und teuer ist. Um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein, wurden in dieser Woche gleich zwei bekannte Pharmaunternehmen am Primärmarkt aktiv.

So refinanzierte der niederländische Pharmariese Mylan mittels 4 Anleihen insgesamt 3 Mrd. €. Die 3-fache Überzeichnung der Orderbücher zeugt von einem starken Interesse seitens der Investoren. Diese konnten entsprechend ihren Vorlieben und Bedürfnissen zwischen Laufzeiten von 2 bis 12 Jahren wählen. Die erste Tranche, ein 2-jähriger Floater (XS1522989869) im Volumen von 500 Mio. €, ist am 22.11.2018 fällig und mit einer quartalsweisen Verzinsung in Höhe von +87 bps über dem 3-Monats-Euribor ausgestattet. Bei den übrigen Anleihen handelt es sich um Anleihen mit festen Kupons und folgenden Ausstattungen:

A189GM; fällig: 23.11.2020; Vol.: 750 Mio. €; Kupon: 1,25% p.a.; +132 bps über Mid Swap/

A189GN; fällig: 22.11.2024; Vol.: 1 Mrd. €; Kupon: 2,25% p.a.; +180 bps über Mid Swap/

A189GP; fällig: 22.11.2028; Vol.: 750 Mio. €; Kupon 3,125% p.a.; +237 bps über Mid Swap.

Aber auch der Arzneimittelhersteller AbbVie emittierte einen Dreierpack an Bonds im Gesamtvolumen von 3,6 Mrd. €. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 3-jährige Anleihe (A189FJ) im Volumen von 1,4 Mrd. € mit Fälligkeit am 18.11.2019. Die Anleger erhalten einen jährlichen Kupon von 0,375%. Der Ausgabepreis lag bei 99,732% (+50 bps über Mid Swap). Die zweite 1,45 Mrd. € schwere Anleihe (A189FK) bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,375% bis zum Laufzeitende am 17.05.2024. Emittiert wurde die Anleihe zu 99,776% und somit bei +95 bps über Mid Swap. Den Hattrick komplettiert eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A189FL) mit jährlicher Kuponzahlung von 2,125% bis zum Laufzeitende am 17.11.2028. Der Ausgabepreis betrug 99,801% (+125 bps über Mid Swap).

Alle hier genannten Bonds verfügen mit Ausnahme des Floaters über ein optionales Sonderkündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option). Wegen des Mindestanlagebetrages von 100.000 € zielen diese Papiere zumeist auf institutionelle Anleger ab..

Angeknockt wie ein Boxer

Die vergangenen Handelstage hatten es für Rentenhändler in sich und die Frage ist erlaubt: „Konnte man das nicht kommen sehen?“ Am 30. September schien die Welt noch in Ordnung zu sein und das Sorgenbarometer notierte in der Spitze bei 166,36%. Nur sechs Wochen später markierte der Euro-Bund-Future im Dezember-Kontrakt mit 159,14% einen vorerst neuen Tiefpunkt. Bemerkenswert dabei ist allerdings, dass man nicht den Eindruck hat, die Sorgen der Welt seien weniger geworden. Nein, es sind nur andere und diese scheinen den sicheren Hafen „Renten“ nicht mehr zu befeuern. Aktuell handelt das Rentenbarometer wieder bei ca. 160,90% (heutige Eröffnung: 160,58%) und erinnert an einen angeknockten Boxer. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass jederzeit sowohl ein „K.o.“ als auch ein „Lucky Punch“ möglich ist, was eine Prognose nicht einfacher macht. Legt man die alte Börsenregel „Der Markt geht immer dorthin, wo es den meisten Investoren weh tut.“ zugrunde, so ist die Kurskorrektur noch nicht zu Ende.

Um in solchen Marktphasen ein Gespür für die weitere Marktentwicklung zu erhalten, ist die Chartanalyse immens wertvoll. Die hierbei zu benennenden Unterstützungslinien verlaufen momentan bei 159,36% bzw. 158,60%. Ob allerdings die Rückeroberung der 160er Marke nachhaltig gelingen wird, hängt von den kommenden Ereignissen ab. Nach Tagen der Spekulation werden die Fundamentaldaten wieder in den Fokus der Überlegungen rücken und vorübergehend die spiegelbildliche Korrelation zwischen Aktien und Renten ins Spiel bringen. Denn die Kursentwicklung an den Börsen war noch nie eine Einbahnstraße und wird es auch zukünftig nicht werden. Nach oben blickend ergeben sich ein erster Widerstand bei 161,46% und ein weiterer bei 162,56%.

Nur Frankreich und Spanien wagen sich aus der Deckung

In den USA wurden in dieser Handelswoche in erster Linie Geldmarkttitel zum Kauf angeboten. Insgesamt wurden 143 Mrd. USD als T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten aufgelegt. Abgerundet wird das Emissionspaket heute mit der Aufstockung der 10-jährigen inflationsindexierten Anleihe um 11 Mrd. USD. In der kommenden Woche stehen neben den üblichen Geldmarktpapieren auch wieder T-Notes mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren zur Refinanzierung an.

In der Eurozone werden in dieser Woche nur Frankreich und Spanien den Investoren mittels der Aufstockung von Altemissionen Material offerieren. Spanien erhöht heute das Emissionsvolumen von drei Bonds (A18W6G / 2019 ; A18YPG / 2021 ; A1VQCB /2026) und Frankreich meldet bei insgesamt drei Anleihen (A0D2UV / 2021 ; A0TRKW / 2023 ; A18675 / 2047) ebenfalls Interesse an und legt zusätzlich eine neue Anleihe (A189GE / 2022) auf.

Es gibt nur noch ein Thema: Trump

Mit einer Woche Abstand zur Präsidentschaftswahl in den USA können wir feststellen, die Welt dreht sich weiter, aber sie ist eine andere als zuvor. Der designierte US-Präsident Donald Trump hat die Märkte weltweit in Turbulenzen versetzt, insbesondere den Devisenmarkt.

So konnten wir beim Währungspaar Euro/Dollar in den vergangenen Handelstagen extreme Kursbewegungen beobachten. In erster Reaktion auf einen möglichen Wahlsieg Trumps stieg der Euro bis auf 1,13 USD an. Mit der Gewissheit eines neuen Präsidenten legte der US-Dollar eine beeindruckende Erfolgsstory aufs Parkett. Die Stärke des Dollars wird durch Spekulationen getrieben, wonach eine Trump-Regierung durch höhere Ausgaben die Wirtschaft sowie die Inflation ankurbeln wird und als Konsequenz die Federal Reserve (Fed) die Zinsen erhöhen muss. Seither befindet sich die europäische Gemeinschaftswährung im Sinkflug, der vorerst bei 1,0667 USD - einem neuen Jahrestief - abgebremst werden konnte. So niedrig notierte die Einheitswährung zuletzt im Dezember 2015, als die US-Notenbank Fed nach fast 10 Jahren erstmals wieder die Zinsen angehoben hatte. Aktuell handelt der Euro bei ca. 1,0725 USD und somit etwas über dem damaligen Tiefstkurs von 1,0524 USD.

Auch nach einer Woche Trump-Gewissheit notiert die Währung Mexikos noch immer mit 20,20 MXN in der Nähe des historisch niedrigen Niveaus von 21,3897 MXN. Auch gegenüber dem Euro konnte sich der Peso nur leicht von seinem Allzeittief bei 23,45 MXN entfernen und handelt derzeit mit 21,65 MXN.

Innerhalb der vergangenen Handelswoche standen aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten insbesondere Währungsanleihen auf US-Dollar sowie mexikanische Peso im Fokus der Privatanleger. Darüber hinaus waren auch Bonds lautend auf russische Rubel, südafrikanische Rand und türkische Lira mehrfach nachgefragt worden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:

Robert Halver,

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