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Author: Klaus Stopp

Schon wieder Südamerika

Nicht nur Investoren, sondern auch die Bevölkerung Venezuelas sehnt sich zurück in die Zeit, als noch Hugo Chávez die Geschicke des südamerikanischen Staates lenkte. Zu diesem Zeitpunkt war zwar sicherlich auch nicht alles Gold, was glänzt, aber zumindest konnte die Bevölkerung von dem Reichtum des Landes profitieren. Als aber im Jahre 2013 die Staatsführung an Nicolás Maduro übertragen wurde, begann die Leidenszeit insbesondere der ärmeren Bevölkerungsschichten. Die Regierung Venezuelas hat über viele Jahre hinweg von den steigenden Preisen des „Schwarzen Goldes“ profitiert und somit - in dem Bewusstsein, dass man eines der erdölreichsten Länder der Welt ist - keinerlei Bemühungen unternommen, diese Abhängigkeit zu mildern. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass der dramatische Öl-Preisverfall die Regierung in Caracas in finanzielle Nöte brachte, und die Verschuldung an den internationalen Finanzmärkten bis auf fast 200 Mrd. USD anwuchs.

Jedoch hat Venezuela von dem wieder kräftig gestiegenen Ölpreis nicht profitieren können, da inzwischen die Förderung auf das niedrigste Niveau seit fast drei Jahrzehnten gefallen ist. Dies verschärfte die Situation in dem hochverschuldeten Staat nochmals. Und so kam es, dass Venezuela vor der größten Staatspleite in der Wirtschaftsgeschichte steht. Bisher hatte Argentinien diese „Auszeichnung“ für sich beanspruchen dürfen. Vor 16 Jahren ging es damals „nur“ um 100 Mrd. USD, und viele Privatinvestoren haben mit argentinischen Anleihen schmerzliche Verluste erlitten.

Die politische Führung Venezuelas hat das wirtschaftlich schwer gebeutelte Land inzwischen weitgehend isoliert. Denn Kritiker im In- und Ausland werfen Präsident Maduro vor, die Demokratie abschaffen und eine Diktatur errichten zu wollen. Infolgedessen haben sowohl die EU als auch die USA Sanktionen gegen die venezolanische Regierung verhängt. Auf dieser US-Sanktionsliste stehen unter anderem die Namen von Venezuelas Vizepräsident El Aissami und Wirtschaftsminister Zerpa. In einem am vergangenen Montag anberaumten Gespräch zwischen diesen Vertretern der Regierung und Gläubigern konnte keine Einigung erzielt werden, da erstens keine konkreten Pläne für eine Umschuldung vorgestellt wurden und zweitens nur wenige Verhandlungspartner bereit waren, sich mit den beiden Regierungsvertretern - aus Angst vor Repressalien - an einen Tisch zu setzen. Lediglich mit Moskau, das sich bekanntlich mit US-Sanktionen auskennt, konnte gestern eine erste Schulden-Umstrukturierung i.H.v. ca. 3 Mrd. USD vereinbart werden. China, das Forderungen über 23 Mrd. USD an Venezuela hat, bot zwar keine Umschuldung an, betonte aber wie normal die Zusammenarbeit in allen Bereichen verlaufe.

An den Finanzmärkten hat allerdings die drohende Staatspleite Venezuelas viele Spekulanten angelockt. Verantwortlich hierfür ist sicherlich die Hoffnung, dass Mut und Beharrlichkeit sich wie bei Argentinien lohnen werden. Jedoch sollte man immer bedenken, dass sich Geschichte nur selten wiederholt, und nur wenige Investoren mit Argentinienbonds wirklich Geld verdient haben. Zu lange musste gestritten werden, und nur die involvierten Hedgefonds ermöglichten die Lösung. Darüber hinaus wurden die Bonds an den Finanzmärkten immer noch mit Stückzinsen gehandelt. Dies bedeutet, dass der Käufer dem Verkäufer die aufgelaufenen Zinsen zahlt, unabhängig davon, ob er sie später bekommen wird oder nicht. Da am Dienstag bei zwei Anleihen Venezuelas (A1ANQ2 und A1ANQ3) der „Technische Default“ festgestellt wurde, und infolgedessen die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch den Zahlungsverzug bzw. begrenzten Zahlungsausfall verkündeten, ist an verschiedenen Börsen vorübergehend der Handel in diesen Anleihen - aus Gründen des Anlegerschutzes - ausgesetzt worden. An anderen Börsenplätzen wurde die Art der Notierung von „clean“ auf „dirty“ umgestellt. Risikobewusste Anleger sollten sich somit stets vor einer Ordererteilung in Venezuela-Bonds sachkundig machen, welche Art der Notierung an dem entsprechenden Handelsplatz zugrunde liegt. Denn der alleinige Vergleich der Börsenpreise ist nicht aussagekräftig!

Ohne Deal wird’s ein teurer Abschied von den Briten

Mit Engelszungen haben europäische Wirtschaftsvertreter auf Theresa May eingeredet, um der britischen Premierministerin klarzumachen, wie teuer ein ungeregelter EU-Austritt ihres Landes werden würde. Man erwarte bis zum nächsten EU-Gipfel Mitte Dezember von der Londoner Regierung Ergebnisse, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter. Aber das klingt schon wie das Pfeifen im Walde, bereiten viele Unternehmen doch schon Notfallpläne für den Fall eines harten Brexits vor. Kein Wunder also, dass das Thema Brexit für zahlreiche Volkswirte inzwischen zu einem zentralen Risiko für die europäische Wirtschaft 2018 geworden ist.

Die Überzeugung, dass ein Brexit ohne Deal für die Wirtschaft fatal wäre, eint die 15 Wirtschaftsverbände, die unter anderem aus Frankreich, Irland, Schweden und Deutschland nach London gekommen waren. Allein auf die deutsche Automobilindustrie würden Zölle in Höhe von jährlich 2,35 Mrd. € zukommen. Hinzu kommt die Sorge der Arbeitgeber, welchen legalen Status ihre Mitarbeiter in Großbritannien im Falle eines ungeregelten Ausstiegs nach dem März 2019 wohl hätten. Und weil die Verhandlungspartner aus Brüssel und London nicht vorankommen, drängen die Unternehmen nun auf Übergangsregeln, sollte es hart auf hart kommen.

Wegen der stockenden Verhandlungen hatte Brüssel der Regierung in London vergangene Woche eine Zwei-Wochen-Frist für Zugeständnisse gesetzt. Gibt es bis dahin keine Grundsatzeinigung, wird man im Dezember nicht wie geplant mit den Gesprächen über die künftigen Beziehungen starten können. Dann aber wäre auch klar, dass die ohnehin schon knappe Zeit für ein Austrittsabkommen noch knapper werden würde. Brüssel beharrt zu Recht darauf, zuerst die britischen Finanzverpflichtungen nach mehr als 40 Jahren EU-Mitgliedschaft, den künftigen Status der nordirisch-irischen Grenze sowie Garantien für Millionen EU-Bürger in Großbritannien zu klären.

Ein Riesenproblem bei den Verhandlungen ist auch die Kakophonie im britischen Kabinett und der konservativen Partei. May, die mit Brexit-Minister David Davis die Verhandlungen führt, verliert in ihrer Partei zunehmend an Rückhalt. Vierzig Abgeordnete der regierenden Tories sind bereit, ihr das Misstrauen auszusprechen. Damit fehlen nur noch acht Unterzeichner, um eine Neuwahl an der Parteispitze zu erzwingen.

Und glaubt man einem Medienbericht, so haben zwei ihrer Minister in einem geheimen Brief May aufgefordert, notfalls einen „harten Brexit” durchzuziehen. Außenminister Boris Johnson und Umweltminister Michael Gove, die im Wahlkampf beide für den Brexit getrommelt hatten, forderten, dass alle Übergangsregelungen nach einem Austritt aus der EU spätestens am 30. Juni 2021 enden müssten. Was soll mit solchen markigen Worten demonstriert werden – Entschlusskraft oder Stärke gar? Wann setzen sich solche Herren einmal mit den Folgen für die Volkswirtschaft auseinander? Vielleicht findet eine solche Debatte ja im Parlament statt, wenn die Abgeordneten über ein künftiges Brexit-Abkommen abstimmen sollen. Ob dann noch die Sachargumente zum Tragen kommen, darf allerdings bezweifelt werden!

Tsipras gibt den Weihnachtsmann

Alexis Tsipras gibt den Weihnachtsmann. Rechtzeitig zum Christfest will der griechische Ministerpräsident die Bedürftigen seines Landes mit einem Sozialpaket in Höhe von 1,4 Mrd. € bedenken. Dessen Finanzierung wird möglich, weil der Überschuss im Staatshaushalt über den 1,75% liegt, welchen die internationalen Gläubiger von Griechenland gefordert hatten.

Damit zahlt Athen zum zweiten Mal in Folge ärmeren Rentnern und Familien sowie Arbeitslosen im November und Dezember eine zusätzliche Unterstützung aus. Insgesamt sollen die Gelder etwa 3,4 Millionen Menschen zu Gute kommen. Je besser die Finanzlage des Landes werde, desto mehr Unterstützung erhielten diejenigen, die es am nötigsten haben, so Tsipras. Jetzt mag man nicht daran zweifeln, dass in Griechenland viele Menschen durchaus bedürftig sind. Dennoch kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass die Zahlungen eine Reaktion auf Tsipras schlechte Umfragewerte sein könnten und somit haftet dem Ganzen ein „Gschmäckle“ an.

Gleichzeitig müht sich das Land, das immer noch eine Schuldenquote von 179% des Bruttosozialprodukts aufweist, um eine routinemäßige Rückkehr an die Kapitalmärkte. Bereits im Juli hat Athen eine fünfjährige Anleihe erfolgreich begeben. Die seit Wochen immer wieder ins Spiel gebrachte Umstrukturierung von 20 Anleihen über insgesamt knapp 30 Mrd. € auf vier bis fünf Tranchen wurde am gestrigen Mittwoch endlich Gewissheit. Die neuen Bonds sollen eine Laufzeit von 5 bis 25 Jahren haben und die Zinssätze variieren je nach Laufzeit zwischen 3,5% und 4,2%. Damit sollen griechische Staatsanleihen wieder handelbarer gemacht werden.

Darüber hinaus soll es bis August 2018 zwei oder drei weitere Emissionen über 6 Mrd. € geben, um mit deren Erlös zusammen mit dem Rettungsfonds ESM einen Finanzpuffer von 15 Mrd. € aufzubauen. Dies alles soll der Beruhigung der Finanzmärkte und der künftigen Normalisierung der Kapitalbeschaffung dienen.

Eine Voraussetzung dafür ist aber auch ein gutes Abschneiden der griechischen Banken bei dem im Februar anstehenden Stresstest. Mit einer durchschnittlichen Kernkapitalquote von 17% gelten die Institute zwar als gut kapitalisiert, aber kritisch zu sehen ist die Höhe fauler Kredite - mit rund der Hälfte aller ausgereichten Darlehen ist dies eine enorme Quote!

Der Aufschwung in Euroland gewinnt an Breite

Überraschend stark präsentierte sich die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2017. Steigende Exporte und höhere Investitionen haben das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September um 0,8% wachsen lassen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal gab es einen Wachstumsschub von 2,3%. Dabei profitiert Europas größte Volkswirtschaft von einer verbesserten Weltkonjunktur und dem Aufschwung in der Euro-Zone. Kein Zweifel, die deutsche Wirtschaft befindet sich im Höhenflug – und zwar seit 13 Quartalen in Folge. Und wenn es nach den meisten Experten geht, wird der Boom auch 2018 anhalten.

Dafür sorgen günstige Rahmenbedingungen wie niedrige Zinsen, eine geringe Teuerungsrate und eine entsprechend hohe Kaufkraft der Verbraucher. Mit 1,6% im Oktober blieb die Inflation unter dem Zielwert der EZB von knapp 2%.

Der Aufschwung hat nun auch auf das restliche Europa übergegriffen. So kletterte das BIP in den 19 Euroländern im 3. Quartal um 0,6%. Besonders erfreulich ist dabei die Entwicklung in den bisher schwächelnden Volkswirtschaften. So schaffte auch Spanien ein Wachstum von 0,8%, während Frankreich und Italien um jeweils 0,5% zulegen konnten. Spanien ist damit wieder auf dem Niveau von vor der Finanzmarktkrise angekommen, während Italien immer noch hinterherhinkt. Allerdings ist ein Wachstum von 0,5% für Italien ein gutes Ergebnis, da das Land zu normalen Zeiten eine solche Quote meist nur im ganzen Jahr geschafft hat. Aber natürlich darf man nicht vergessen, von welch niedrigem Niveau man kommt.

Der Aufschwung in Euroland hat also nun an Breite gewonnen und selbst Nachzügler auf Trab gebracht. Das steilste Wachstum innerhalb der Euro-Zone legte übrigens Lettland mit 1,5% hin, während für Griechenland, das immer noch am Finanztropf seiner Europartner hängt, zunächst noch keine Daten von Eurostat vorlagen.

Deutsche Banken bleiben bei europaweiter Einlagensicherung hart

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) wird nicht müde, vor der Einführung einer europäischen Einlagensicherung zu warnen. Denn noch immer bergen die Pläne der EU-Kommission die große Gefahr, dass deutsche Sparer für marode europäische Institute haften müssen, die in ihrem Kern als unsolide gelten. Aus diesem Grund ist es angesagt, die Risiken in den einzelnen Bankensektoren zunächst zu reduzieren. In einem ersten Schritt müssen erst einmal die nationalen Einlagensicherungssysteme und das Schutzniveau vollständig harmonisiert werden. Erst dann kann der nächste Schritt erfolgen. Geschieht dies nicht, läuft man nach Überzeugung des Verbandes Gefahr, das Vertrauen der Bankkunden in Deutschland aufs Spiel zu setzen. Und Vertrauen ist ja bekanntlich das höchste Gut in einer Bank-Kunden-Beziehung.

Aber auch die zunehmende Regulierung und die damit einhergehende ausufernde Bürokratie macht den Geldhäusern zu schaffen. Dazu trägt aktuell die neue Finanzmarkt-Richtlinie der Europäischen Union (EU), MiFID II, bei. Diese regelt viele sinnvolle Dinge, aber das Prinzip der Verhältnismäßigkeit werde teilweise mit Füßen getreten, machte BdB-Präsident Walter Peters unlängst klar.

Um die weitere Belastung durch die Niedrigzinsphase etwas zu reduzieren, hat der Verband nun vorgeschlagen, einen Freibetrag für die Überschussliquidität der Banken bei der EZB und eine Halbierung des negativen Einlagenzinses in Höhe von bislang 0,4% einzuführen. Noch besser wäre es, die EZB würde ihren für 2018 angedeuteten Kurswechsel entschlossener durchführen. Die anziehende Konjunktur in Euroland sowie die sich aufbauenden Risiken würden dies allemal rechtfertigen.

Weihnachten steht vor der Tür

In etwas mehr als fünf Wochen ist Weihnachten und die Kinder überlegen bereits fleißig, was sie alles auf den Wunschzettel schreiben können. Die Spannung steigt somit zunehmend. Auch am Markt für Corporate Bonds ist in diesen Wochen besonders viel los und einige Unternehmen starten bereits jetzt ihre Weihnachtsoffensive. So refinanzierten sich mit British Telecommunications, Toyota Motor Credit, PostNL und Ferrari gleich vier in der Branche bekannte Unternehmen am Kapitalmarkt.

Den Auftakt machte British Telecommunications mit einem 1,1 Mrd. € schweren Bond (A19SLK), der am 21.11.2024 fällig wird. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Zins von 1% ausgestattet und wurde zu 99,263% begeben, was einem Emissionsspread von +62 bps über Mid Swap gleichkam. Der britische Telekommunikationsdienstleister ließ sich eine Make Whole Option sowie ein Kündigungsrecht am 21.08.2024 zu 100% in die Emissionsbedingungen aufnehmen. Die Mindeststückelung wurde auf 100.000 € festgelegt.

Toyota Motor Credit erfreute dabei die Investoren mit zwei Anleihen und einer Mindeststückelung von je 100.000 €. Insgesamt platzierte der Automobilhersteller aus den USA 1,2 Mrd. €. Der 4-jährige Bond (A19SLA) ist am 21.07.2021 fällig und wurde als Zerobond begeben. Emittiert wurde zu 99,81%, was einem Spread von +3 bps über Mid Swap gleichkam. Die zweite Tranche (A19SLB) mit Fälligkeit am 21.11.2024 zahlt dem Investor jährlich 0,625% Zinsen. Der Reoffer lag bei 99,727% (+17 bps über Mid Swap).

Als dritter im Bunde legte der niederländische Postdienstleister PostNL einen 7-jährigen Bond (A19SFZ) mit einem Emissionsvolumen von 400 Mio. € auf. Fällig ist das Papier am 21.11.2024. Der Dienstleister mit Hauptsitz in Den Haag zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt 1% Zinsen p.a. an die Investoren. Der Emissionspreis belief sich auf 99,987%, was einem Spread von +50 bps über Mid Swap entsprach. PostNL ließ sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen und legte die Mindeststückelung auf 100.000 € fest. Des Weiteren ist der Bond seitens des Emittenten am 21.08.2024 zu 100% kündbar.

Zu guter Letzt reihte sich der Arbeitgeber des deutschen Formel 1 Fahrers Sebastian Vettel – Ferrari – ein und begab eine Anleihe (A19SDD) mit einem Volumen von 700 Mio. €. Der italienische Automobilhersteller aus Maranello stattete den Bond mit einem Zins von 0,25% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 16.01.2021 jährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu 99,557% (+45 bps über Mid Swap). Die Anleihe ist ebenfalls mit einer Make Whole Option und einer Mindeststückelung von 100.000 € ausgestattet.

„Central Bank Communications“ vertreibt die Sorgen

Die in dieser Woche abgehaltene Konferenz „Central Bank Communications“ der führenden Notenbanker konnte anscheinend die Gemüter der besorgten Rentenhändler wieder etwas beruhigen. So wurde von den Chefs der Zentralbanken der wichtigsten Industriestaaten immer wieder betont, dass die Transparenz in geldpolitischen Fragen in Zukunft sogar noch ausgebaut werden soll. Somit ist nach Ansicht der Marktteilnehmer ein hinreichendes Frühwarnsystem installiert, was Investoren auf dem ermäßigten Niveau wieder zugreifen ließ.

Noch in der vergangenen Woche wurde mit 163,63% ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt erreicht und Gewinnmitnahmen sowie Absicherungsmaßnahmen ließen das Sorgenbarometer am Dienstag sogar bis auf 161,91% abstürzen. Jedoch konnte die psychologische Marke von 162% nicht nachhaltig unterschritten werden, was zu einer 66%-igen Gegenreaktion (163,06%) führte, die fast punktgenau erreicht wurde.

Dennoch darf auch in den kommenden Tagen ein Test der Unterstützungslinie bei 162,43% nicht ausgeschlossen werden. Mit dem Durchbrechen dieser “Leitplanke“ wäre sogar ein erneuter Test des Bereichs um 162% und ein Rücksetzer bis auf ca. 161,77% möglich. Nach oben blickend verlaufen die Widerstandslinien in der Nähe von 163,06% und 163,40%. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 162,65%.

Bund verdient weiterhin Geld bei der kurzen Refinanzierung

In dieser Handelswoche wurden in den USA lediglich die üblichen T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten im Gesamtvolumen von 128 Mrd. USD aufgelegt und die 10-jährigen TIPS um 11 Mrd. USD aufgestockt.

In der Eurozone hat Italien am Tag vor dem Scheitern ihrer Fußball-Nationalmannschaft noch die Investoren mit der Aufstockung diverser Altemissionen erfreut, bevor am Dienstag die Niederlande (A19C29 / 2027) aktiv wurde. Taggleich und zur Wochenmitte stellte Deutschland mit zwei Emissionen Material zur Verfügung. Zum einen wurden eine neue 2-jährige Bundeschatzanweisung (110470) im Volumen von 5 Mrd. € und zum anderen weitere 3 Mrd. € in der aktuellen 10-jährige Benchmark-Anleihe (110242) im Tenderverfahren angeboten.

Hierbei wurden für die kurzen Titel insgesamt Käufe von ca. 6,1 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,71%. Zur Marktpflege wurde allerdings fast 1 Mrd. € zurückbehalten. Die Anleihe mit Fälligkeit in 2027 hingegen war technisch unterzeichnet, da lediglich Kaufinteresse für nominal 2,97 Mrd. € bekundet wurde. In diesem Fall wurden 525 Mio. € zur Marktpflege umgebucht und die zugeteilte Durchschnittsrendite belief sich auf 0,36%.

Den Schlusspunkt unter eine Woche ohne Rückzahlung, aber mit Neuemissionen für ca. 26 Mrd. €, setzen heute Spanien (A19JJJ / 2021 ; A19P6R / 2022 ; A19KVL / 2027 ; A181RK / 2066) und Frankreich mit 3 Straight Bonds (A1AS9F / 2020 ; A19PMK / 2023 ; A1ZVTR / 2025) sowie 3 Linkern (A18Y73 / 2021 ; A1HGEZ / 2024 ; A18675 / 2047).

Eurostärke auf breiter Front

In der vergangenen Woche hatte der Euro eindeutig das Nachsehen zu seinem Pendant aus den USA. Diese Woche sieht es wiederum ganz anders aus. Wie so oft gilt die Devise, die Börse ist keine Einbahnstraße.

Die Verluste der jüngeren Vergangenheit konnte der Euro in den vergangenen Handelstagen gänzlich wettmachen und stieg auf ein neues Monatshoch bei 1,1861 USD. In der Vorwoche handelte er zeitweise noch bei 1,1554 USD und damit so schwach wie vor gut drei Monaten. Starke BIP-Zahlen für Deutschland und auch für Italien beflügelten die europäische Gemeinschaftswährung. Die Hängepartie um die geplante US-Steuerreform wirkt sich ebenfalls belastend auf den US-Dollar aus. Somit präsentiert sich die Einheitswährung derzeit allgemein stark und notiert heute Morgen weiterhin gut behauptet bei ca. 1,1790 USD.

Eine wahre Berg- und Talfahrt ist beim Pfund-Sterling zu beobachten. Die Brexit-Verhandlungen sowie die aktuelle politische Situation bringen die Währung immer wieder aufs Neue unter Abgabedruck. Konnte das Pfund Anfang November noch bei Kursen von 0,8733 GBP kurz durchatmen, geht der Währung Großbritanniens jetzt wieder die Luft aus. Zur Stunde handelt der Euro knapp unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 0,90 GBP.

Enttäuschende Daten zur Lohnentwicklung und damit sinkende Aussichten auf steigende Zinsen haben den australischen Dollar ebenfalls auf Talfahrt geschickt. Davon konnte der Euro profitieren und stieg kurzzeitig über die Marke von 1,56 AUD und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2016.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in der vergangenen Berichtswoche Bonds lautend auf US-Dollar, australische Dollar, türkische Lira und vereinzelt auch auf südafrikanische Rand sowie russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

The Year After

Once upon a time - so beginnen normalerweise Märchen, die wir unseren Kindern vorlesen. Jedoch heute sagen wir: „Es war einmal vor einem Jahr, da wurde in den USA Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten gewählt und hat nebenbei alle Meinungsforscher Lügen gestraft.“ Viele Menschen denken noch heute mit Schrecken an diesen Tag zurück und freuen sich gleichzeitig ganz besonders, weil er es voraussichtlich nur noch drei Jahre sein wird. Obwohl seinen Anhängern eine Wiederwahl sinnvoll erscheint, wage ich zu behaupten, dass zur Vermeidung dieses Ereignisses im Jahr 2020 viele Nichtwähler von 2016 diesen Fehler nicht ein zweites Mal begehen werden. Zu vieles erinnert in diesem Zusammenhang an die Brexit-Abstimmung in Großbritannien, deren Ausgang die Bevölkerung ebenfalls überraschte.

Jedoch muss man in einer Demokratie mit einer solchen Entscheidung des Volkes umgehen können. Heute ist somit die Zeit gekommen, um in Anlehnung an den US-Fernsehfilm aus dem Jahre 1983 „The Day After“ nun auf die Schaffenszeit von D.T., dem Unberechenbaren, zu blicken. Die Bewertung seiner Leistungen fällt hierbei sehr unterschiedlich aus. So sind seine Anhänger der Meinung, dass es noch keinen US-Präsidenten gegeben hat, der sich mehr für ihre Belange eingesetzt hat, während seine Kritiker sagen, dass er die USA politisch immer mehr ins Abseits führt und isoliert. Denn seine tollpatschigen Kommentare sowie Tweets sind oftmals ein Spiegelbild seiner wirren Gedanken - und zerstören nur Vertrauen. Insbesondere Börsianer wissen, wovon ich spreche, denn auf dem Börsenparkett gilt immer noch das gesprochene Wort, anders als bei Trump.

Beim Blick auf die Entwicklung an den Finanzmärkten könnte man allerdings den Eindruck gewinnen, dass der Slogan „America First“ die Investoren ermutigt hat, dem Mann zu vertrauen, der die USA wie ein Unternehmen führen möchte. Der Jahresvergleich spricht eindeutig für diese Aufbruchsstimmung.

Aber niemand vermag zu sagen, ob das unter einer anderen Präsidentschaft nicht auch so eingetreten wäre. Denn eine Hausse hat immer mehrere „Väter“ und ist nicht das Ergebnis eines Ereignisses.

In Vorfreude auf seine doppelt so langen Twitter-Nachrichten, mit denen er uns alle noch mehr an seinen Gedanken teilhaben lassen kann, richten wir allerdings schon heute den Blick auf die Halbjahresbilanz seiner Amtszeit am 8.11.2018. Vielleicht werden die Börsianer dann schon überlegen, ob man zukünftig in der Wallstreet nicht nur George Washington, sondern auch einem anderen US-Präsidenten gedenken sollte.

EZB geht einen Schritt vor und zwei zurück

Nach vielen Jahren des extrem billigen Geldes hat die Europäische Zentralbank (EZB) vorletzte Woche bekanntlich einen vorsichtigen Kurswechsel avisiert. Statt 60 Mrd. € sollen von Januar 2017 an nur noch 30 Mrd. € für den Ankauf von Anleihen eingesetzt werden. Auf den ersten Blick ist das immerhin eine Halbierung des bisherigen Programms. Aber eben nur auf den ersten Blick. Bei genauerer Betrachtung wird das Programm zum einen um neun Monate bis mindestens September 2018 gestreckt – dazu noch mit offenem Ausgang. Und zum anderen fallen in den kommenden Monaten durchschnittlich Reinvestitionen in Höhe von 11 Mrd. € an, was das monatliche Volumen der Anleihekäufe wieder auf 41 Mrd. € erhöhen wird. Diese Rechnung ergibt sich aus den Fälligkeiten des QE-Portfolios der EZB, wonach von November 2017 bis Oktober 2018 rund 130 Mrd. € - darunter öffentliche Anleihen für 101 Mrd. € - fällig werden, die am Markt zu reinvestieren sind. Da fühlt man sich doch an das Motto „Ein Schritt vor, zwei zurück“ erinnert. Der Löwenanteil der zu reinvestierenden Mittel wird dabei mit 44 Mrd. € auf das zweite Halbjahr 2018 entfallen.

Der Einstieg in den Ausstieg einer expansiven Geldpolitik ist also höchstens ein halbherziger. Denn es wird weiter billiges Geld in die Euro-Zone gepumpt. Kein Wunder, dass Führungskräfte in deutschen Unternehmen mehrheitlich Kritik an dem „stoischen Kurs“ der EZB üben, wie die Welt schreibt. So sind nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger knapp zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass das Stillhalten der Währungshüter die Akzeptanz der EZB schwächt. Wichtiger Kritikpunkt in diesem Kontext ist der Umstand, dass der EZB-Chef mit dem bricht, was bisher gegolten hat: Bei steigender Konjunktur, wie sie jetzt herrscht, die Zinsen zu erhöhen. Draghi aber hat indessen klargemacht, dass zuerst die Staatsanleihekäufe auslaufen müssten, bevor an der Zinsschraube gedreht werde.

Wie expansiv die EZB in ihrer Geldpolitik vorgeht, wird durch einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed deutlich. Während die Bilanzsumme der Fed gerade mal 23% des Bruttoinlandsprodukts beträgt, sind es bei der EZB rund 40%. Eine derart aufgeblähte Bilanzsumme passt aber nicht zu einer guten Konjunktur in der Euro-Zone, von der ja sogar die lange leidenden Südländer profitieren.

Wenn dann Draghi auch noch sagt, die niedrigen Leitzinsen der EZB belasten die Zinseinnahmen der Banken im Durchschnitt des Euroraums nicht, wird klar, dass er und die meisten Geschäftsbanker keine Freunde mehr werden.

Bank of England in der Zwickmühle

Ring frei zur nächsten Runde im Streit um den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU)! Gestern hat die 6. Runde der bisher ergebnislosen Verhandlungen zwischen Brüssel und London begonnen. Es geht vor allem ums Geld. 60 bis 100 Mrd. € will die EU haben, Großbritannien nicht einmal die Hälfte zahlen. Es geht aber auch um 3 Mio. EU-Bürger, die bei einem No-Deal befürchten müssen, aus dem Land geworfen zu werden. Kein Wunder, dass die Begleitmusik der Brexit-Verhandlungen als äußerst aufgeregt beschrieben werden kann.

So drängen etwa britische Unternehmen auf eine Übergangsfrist, rückt doch der 30. März 2019 immer näher. Einer Umfrage des Wirtschaftsverbands CBI unter ihren Mitgliedern zufolge werden bis März 2018 rund 60% der Unternehmen ihre Notfallpläne in Kraft setzen, wenn bis dahin keine Übergangsphase vereinbart wurde. Allein im Finanzsektor darf mit einem Verlust von bis zu 75.000 Stellen gerechnet werden, wie die Bank of England unlängst vorgerechnet hat. Bereits am ersten Tag nach dem EU-Austritt rechnet der Vize-Chef der britischen Zentralbank, Sam Woods, mit der Abwanderung von 10.000 Jobs. Gleichzeitig will die britische Regierung Tausende Staatsbedienstete zusätzlich einstellen. Allein beim Zoll sollen es bis zu 5.000 neue Mitarbeiter sein, die London gedenkt anzuheuern.

Vor diesem Hintergrund taucht immer öfter das Wort vom „Basis-Deal“ auf. Nach Aussagen seines Brexit-Ministers, David Davis, wird Großbritannien zumindest einen solchen Basis-Deal mit der Gemeinschaft verhandeln wollen. Sollte man sich nicht auf ein formelles Handelsabkommen einigen können, dann wäre der Basis-Deal eine Art Plan B für London.

Gleichzeitig stimmt der britische Notenbankchef Mark Carney seine Landsleute auf eine Wachstumsdelle nach dem Brexit ein. Denn es ist zu befürchten, dass das Wachstum des Inselstaates deutlich geringer ausfallen wird - zumindest kurzfristig und die Wirtschaft sich zuerst neu orientieren muss.

Weil das britische Pfund aufgrund des Brexits stark an Wert verloren hatte, erhöhte die Bank of England in der vergangenen Woche erstmals seit 2007 die Zinsen von 0,25% auf 0,5%. Damit kassierte die Bank of England einen Teil ihrer geldpolitischen Lockerung, mit der sie einem Absturz der britischen Wirtschaft entgegenwirken wollte. Niedrige Zinsen und eine erhöhte Geldmenge sollten ursprünglich die Wirtschaft insgesamt stützen. Eine schwache Währung aber hatte dafür gesorgt, dass sich die Importe immer mehr verteuerten. Um hier gegenzusteuern, hat die Notenbank nun reagiert und versucht das Pfund durch höhere Zinsen zu stärken. Ein klassischer Zielkonflikt also, der die Bank of England in eine Zwickmühle gebracht hat.

Italien schließt auf

Gute Wirtschaftsnachrichten aus Italien hat man schon lange nicht mehr vernommen. Nun meldet Rom, dass die Konjunktur in dem Mittelmeerland an Fahrt aufnimmt. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt um rund 0,5% zum Vorquartal gewachsen, heißt es. Somit könnte sich das Wachstum bei über 2% im Durchschnitt pro Jahr stabilisieren, prognostiziert Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan.

Und auch von der Problembank Monte dei Paschi, Italiens drittgrößtem Kreditinstitut, ist eine frohe Kunde zu vernehmen. Das Institut hat sich wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekämpft. 242 Mio. € Nettogewinn meldet die älteste Bank der Welt, welcher der italienische Staat - mit Genehmigung der EU - mit 5,4 Mrd. € unter die Arme gegriffen hatte. Allerdings ist dieser Gewinn ausschließlich auf einen Sondereffekt in Höhe von 0,5 Mrd. € aus dem Rettungsplan zurückzuführen. Als Hauptproblem des Instituts gilt weiterhin ein Riesenberg an wackeligen Krediten, die es erst einmal abzubauen gilt.

Diese Problematik gilt aber nicht nur für Monte dei Paschi, sondern für eine Vielzahl von Banken in Italien und auch Spanien. Darauf hat dieser Tage Mario Draghi persönlich hingewiesen. Viele Banken seien immer noch nicht in der Lage, große Verluste zu verkraften, mahnte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die das Volumen der faulen Kredite bei den 120 direkt von ihr beaufsichtigten Banken im Euroraum auf 844 Mrd. € beziffert. Das sind zwar rund 85 Mrd. € weniger als im Vorjahr, aber noch lange kein Grund zur „Selbstgefälligkeit“, wie Draghi sagte.

Unter‘m Strich konnten italienische Banken ein Fünftel der faulen Kredite auf jetzt 212 Mrd. € abbauen und damit mehr als andere Euroländer. Erfolge bei der Reduzierung von Problemkrediten melden auch spanische Banken wie BBVA oder Santander. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass diese Entwicklung in einem freundlichen Konjunkturklima stattfindet. So dürften die Verbesserungen zumindest teilweise auf die verbesserte Lage in der Wirtschaft zurückzuführen sein.

Dort ist die Stimmung so gut wie seit 2007 nicht mehr. Draghi sei Dank, sind sowohl der Geschäftsklimaindex als auch das Konsumbarometer in Italien gestiegen. Doch was die wirtschaftliche Entwicklung Italiens angeht, so kann man hier von einer Aufholjagd oder einer Art Nachholeffekt gegenüber den anderen Euroländern sprechen. Ist doch Italiens Wirtschaft über ein Jahrzehnt lang der Euro-Zone hinterhergehinkt. Nun macht sich das Land dran, diese Wachstumslücke allmählich zu schließen.

Wirtschaft boomt - doch Zinsen bleiben unten

Äußerst optimistisch gaben sich in dieser Woche die Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die man gerne die „Fünf Weisen“ nennt, bei der Vorstellung ihres Jahresgutachtens. So erhöhten sie ihre Wachstumsprognose kräftig – und zwar von 1,4% auf 2% für das laufende Jahr. 2018 soll die deutsche Wirtschaft sogar um 2,2% wachsen, ging der Sachverständigenrat doch bisher nur von 1,6% aus.

Dabei raten die „Fünf Weisen“, die Chancen aus der guten konjunkturellen Lage zu nutzen. Der Haushaltsüberschuss von gut 31 Mrd. € sollte gezielt für wachstumsfreundliche Reformen eingesetzt werden. Auch ließen sich höhere öffentliche Investitionen sowie Bildungs- und Forschungsausgaben durch Umschichtungen in den Haushalten finanzieren.

Darüber hinaus macht sich der Sachverständigenrat für eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastungen stark – insbesondere durch eine Reform der Einkommensteuer, um den Bürgern Mehreinnahmen aus der kalten Progression zurückzugeben und plädiert für eine allmähliche Abschaffung des Solidaritätszuschlags.

Ist also mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung alles im grünen Bereich? Mitnichten, die Wirtschaft befindet sich in einer Boomphase, droht aber nun zu überhitzen, analysiert der Rat. So sehen die „Fünf Weisen“ deutliche Anzeichen für eine Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten. Die deutsche Wirtschaft ist also längst in einer Situation, in der erforderlich wäre, dass die zuständige Notenbank die Zinsen erhöht. Jedoch ziert sich die EZB und riskiert einen „Kolbenfresser“.

Der neue Fed-Vizechef und die Fintechs

Erst wenige Tage in Amt und Würden, hat der neue Fed-Bankenaufseher Randal Quarles vor Risiken in der Finanzbranche gewarnt. Sein Hinweis, dass Ursachen für Krisen einem Wandel unterliegen, ist richtig. Darüber hinaus können sie auch an bisher unbeobachteten Stellen entstehen. Er fordert also, den Blick für neue Risiken zu schärfen und nicht nach den alten Mustern zu verfahren.

Der als Fed-Vizechef für diesen Bereich verantwortliche ehemalige Mitarbeiter des Finanzministeriums wurde von Donald Trump als erster Notenbanker im Fed-Führungsgremium installiert. Sein Hinweis auf die junge Branche der Fintechs kann als erster, dezenter Versuch bewertet werden, die nach der Finanzkrise verabschiedeten Regulierungsvorschriften aufzuweichen und so die Pläne zur Deregulierung des US-Präsidenten voranzutreiben. Jedoch hat Quarles Recht, wenn er die IT-lastigen Geschäftsmodelle, und hierbei insbesondere die Frage der Cybersicherheit, zum Thema macht.

Wie groß die Gefahren sind und zu welchen Verwerfungen Hackerangriffe führen können, weiß man nicht erst seit dem Bitcoin-Diebstahl im August 2016. Somit ist das Schärfen der Blicke für neue potentielle Schwachstellen im System mehr als sinnvoll und man sollte beide Aspekte zur Vermeidung einer neuen Finanzkrise berücksichtigen.

Warnsignal für die Türkei

Es gibt Auszeichnungen, auf die man gut und gerne verzichten kann – etwa die, auf der Liste der sogenannten „fragilen Fünf“ (Fragile Five) zu landen. Darunter versteht man jene fünf Währungen beziehungsweise Volkswirtschaften, die als besonders anfällig gelten für das Zurückführen des Quantitative Easing der US-Zentralbank Fed und einem daraus resultierenden starken US-Dollar.

Initiiert wurde diese Liste 2013 von der Investmentbank Morgan Stanley. Nun hat die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) diese Liste mit Variablen unterfüttert, die das externe Finanzrisiko des Staates anhand von Daten wie der Zahlungsbilanz, den Devisenreserven und Verschuldungszahlen messen.

Nachdem es Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika geschafft haben, von der Liste zu verschwinden, finden sich jetzt Argentinien, Pakistan, Ägypten und Katar dort wieder. Das einzige Land, das es nicht geschafft hat, von der Liste herunterzukommen, ist die Türkei. Sie wird von S&P als das Land angesehen, das bei allen sieben Variablen zu den anfälligsten Staaten der Welt zählt. Für die Türkei ist das ein lautes Warnsignal.

Mercedes Benz mit Absatz Rekord

In dieser Berichtswoche vermeldete Mercedes Benz einen neuen Absatzrekord. Im Oktober lieferte der Automobilhersteller weltweit 183.000 Fahrzeuge aus. Dies ist ein Plus von 5,6% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und gleichzeitig ein neuer Bestwert für einen einzelnen Monat. Auch auf Jahresbasis konnte der Absatz von Januar bis Oktober um 11,1% auf ca. 1,9 Mio. Fahrzeuge gesteigert werden.

Nicht nur die Aktionäre dürften über die guten Zahlen von Mercedes Benz erfreut gewesen sein, sondern auch zinsinteressierte Privatanleger. Denn die Daimler AG mit ihrer eingetragenen Handelsmarke Mercedes Benz begab einen neuen Bond (A2GSLY) mit einer Mindeststückelung von 1.000 €. Dabei zahlt das Unternehmen den Investoren jährlich einen Kupon von 1% bis zur Fälligkeit am 15.11.2027. Die 1 Mrd. € schwere Emission wurde zu 99,349% begeben, was einem Spread von +25 bps über Mid Swap gleichkam.

Aber auch andere Unternehmen wurden in dieser Woche am Kapitalmarkt aktiv. So emittierten Whirlpool Finance sowie Eurofins Scientific ebenfalls je einen Bond, entschieden sich aber für eine Mindeststückelung von 100.000 € und sprechen daher eher institutionelle Investoren an. Dabei gehört der US-amerikanische Konzern Whirlpool zu den weltweit führenden Herstellern von Haushaltsgeräten und dürfte vielen Investoren bekannt sein. Der neue Bond (A19R3K) spült dem Unternehmen 600 Mio. € in die Kassen und ist mit einem jährlichen Kupon von 1,1% ausgestattet. Fällig wird das Wertpapier am 09.11.2027 und kann seitens des Emittenten ab dem 09.08.2027 jederzeit zu 100% gekündigt werden. Der Reoffer lag bei 98,914%, was einem Emissionsspread von +40 bps über Mid Swap entsprach. Whirlpool ließ sich zusätzlich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Komplettiert wird das Trio in dieser Woche von Eurofins Scientific. Das Unternehmen bietet bioanalytische Dienstleistungen für die Bereiche Lebens- und Futtermittel, Pharmazeutika sowie Umwelt an und legte einen Perpetual Bond (A19R3N) mit einem Emissionsvolumen von 400 Mio. € auf. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in Luxemburg zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 13.11.2025 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 3,25%. Im Anschluss richtet sich der Zinssatz nach dem 3-Monats-Euribor +5,167 PP. Die Zinsen werden fortan vierteljährlich gezahlt und die Anleihe ist ab diesem Zeitpunkt zu jedem Zinstermin zu 100% kündbar. Der Emissionspreis belief sich auf pari (+266,7 bps über Mid Swap).

In Erwartung der Fed und des Jahresultimos

Am gestrigen Mittwoch war es wieder soweit. Das Sorgenbarometer der Eurozone folgte dem amerikanischen Trend fallender Renditen und markierte ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt bei 163,63%. Dieses Niveau konnte allerdings nicht gehalten werden und so gab der Euro-Bund-Future diese Gewinne bis zum Handelsschluss wieder ab, um nahezu auf dem Dienstagabend-Level zu schließen. Obwohl der kurzfristige Aufwärtstrend noch intakt ist, schöpfen die bearischen Rentenhändler Mut, dass es nun endlich zur ersehnten Gegenbewegung kommen könnte. Denn bedingt durch den steilen Anstieg seit dem 26. Oktober ist bereits ein Unterschreiten der Marke von 163,34% als ein Verkaufssignal zu deuten.

Jedoch ist auch in den kommenden Wochen mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Level zu rechnen, denn bereits in 6 Wochen ist Weihnachten und in den noch verbleibenden Handelswochen werden nur noch in Extremsituationen neue Positionen eingegangen. Wer in den vergangenen Wochen nichts verdient hat, braucht auf den letzten Drücker auch nicht mehr die großen Risiken einzugehen. Somit ist die Fed-Sitzung am 13. Dezember das Highlight der kommenden Wochen und die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe wird sich auch zum Jahresschluss nicht auf dem von vielen Marktteilnehmern prognostizierten Level von 0,75% einpendeln. Bereits seit Wochen ist diese Rendite in einer Tradingrange zwischen 0,247% und 0,51% gefangen und ein Ausbruch ist vorerst auch nicht zu erwarten. Zu groß ist die Einflussnahme der EZB auf die Marktentwicklung und somit ist eher mit einem erneuten Test der Up-Side bei ca. 0,25% zu rechnen.

Aktuell notiert das Rentenbarometer bei ca. 163,32% und somit leicht unter dem gestrigen Schlusskurs.

Rekordnachfrage nach Linker

In den USA konnten die Investoren in dieser Woche wieder einen Wunschzettel beim US-Department of the Treasury abgeben. Denn nach dem Motto: „Herz, was begehrst Du?“ wurden Bonds mit nahezu allen Fälligkeiten angeboten. So wurden T-Bills mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 148 Mrd. USD aufgelegt. Aber auch T-Notes mit Fälligkeiten in 3 und 10 Jahren fanden ihre Abnehmer. Heute wird zu guter Letzt noch die Auktion der 30-jährigen T-Bonds stattfinden, so dass insgesamt in dieser Woche 210 Mrd. USD refinanziert wurden. Wenigstens hierbei beweisen die USA Woche für Woche eine in Euroland nicht gekannte Größe.

Denn in der Eurozone waren in der gleichen Zeit lediglich Österreich, Deutschland und Portugal tätig geworden. Österreich hat hierbei am Dienstag zwei Bonds (A19PCF / 2022 ; A19GCS / 2027) und Portugal zur Wochenmitte eine Anleihe (A19BUN / 2027) aufgestockt. Deutschland war an beiden Tagen ebenfalls präsent und hat entsprechend dem Emissionskalender einmal das Emissionsvolumen der 5-jährigen Bundesobligation Serie 176 (114176) um 3 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,39%. Trotz der mittleren Laufzeit wurden nur Zeichnungsaufträge für nominal ca. 3,5 Mrd. € abgegeben. Ganz anders war dies bei der Aufstockung der inflationsindexierten Anleihe (103055), die erst 2030 endfällig ist. Angeboten wurden nominal 500 Mio. € , jedoch wurden Gebote für mehr als 1,4 Mrd. € abgegeben. Auch bei der Zuteilung wurde die erhöhte Nachfrage deutlich. Wurde bei der Aufstockung am 4. Juli noch eine reale Durchschnittsrendite von -0,45% erzielt, so ergab sich jetzt eine von -0,74%. Noch nie gab es einen solchen Run auf einen Linker, was die Ängste der Investoren widerspiegelt.

Greenback im Aufwind

In einer ziemlich ereignisarmen Woche befindet sich die europäische Gemeinschaftswährung derzeit auf der Verliererseite. Das Pendel beim Devisenpaar Euro/Dollar schwingt momentan eindeutig in die Richtung des Greenbacks und so fiel der Euro in dieser Woche bis auf 1,1554 USD zurück. Er sank damit auf den niedrigsten Stand seit dem 20. Juli dieses Jahres.

Anfang September handelte die Einheitswährung zeitweise bei Kursen um die Marke von 1,21 USD. Für den weiteren Wochenverlauf werden keine wegweisenden Impulse für EUR-USD erwartet. Für etwas Bewegung am Devisenmarkt könnte die angestrebte Steuerreform in den USA sorgen. Jedoch fehlt da bislang immer noch ein konkreter Fahrplan und deshalb handelt der Euro heute Morgen wenig verändert bei ca.1,1590 USD.

Während der Euro zum US-Dollar schwächelt, konnte er indessen im Vergleich zur türkischen Lira mit 4,5239 TRY ein neues Allzeithoch markieren. Eine überraschend hohe Inflation von 11,9% zum Vorjahr und damit dem höchsten Stand seit Herbst 2008 haben zu dem Wertverfall beigetragen. Trotz dieser Inflationszahlen wird die türkische Zentralbank vorerst weiter abwartend agieren und die Leitzinsen unverändert belassen.

Bei den Fremdwährungsanleihen wurden in der vergangenen Berichtswoche Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie auch russische Rubel vermehrt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de [Link: http://track.adform.net/C/?bn=15804634]

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Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

Reformationstag „Light“ à la Draghi

In dieser Woche wurde erstmals der Reformationstag bundesweit als Feiertag begangen - und zwar zu Ehren Martin Luthers, der vor 500 Jahren, am 31. Oktober, seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben soll. Im Vergleich dazu hat EZB-Präsident Mario Draghi am vergangenen Donnerstag nur eine Mini-Reform initiiert und somit sicherlich nicht den Grundstein für einen neuerlichen Reformationstag gelegt. Zu unspektakulär waren seine Ankündigungen bezüglich der künftigen Geldpolitik der von ihm geführten Europäischen Zentralbank (EZB).

Die von ihm verkündeten Beschlüsse bedeuten zumindest einmal den Einstieg in den Ausstieg, der jedoch mit einer Reihe von Entscheidungen zeitlich nach hinten verschoben wurde. Es besteht zwar kein Anlass auf die Echternacher Springprozession zu verweisen, denn man beschreitet nun endlich den Pfad der Normalisierung. Aber das Tempo wurde deutlich gedrosselt, wodurch man das Ziel erst viel später wird erreichen können. Das im Volumen halbierte Ankaufprogramm wurde zwar vorerst bis September 2018 terminiert, jedoch wird uns das Thema spätestens dann erneut beschäftigen. Auch die Tatsache, dass die Reinvestitionen auf der Pressekonferenz so eingehend erläutert wurden und ab dem 6. November sogar gesonderte Mitteilungen wert sind, macht die Brisanz dieser Thematik mehr als deutlich. Der Wiederanlage kommt also zukünftig ein besonderes Gewicht zu, und dies kann sogar zu noch stärkeren Abweichungen vom Kapitalschlüssel führen. Darüber hinaus sollen die Kaufvolumina in den privaten Teilen des Kaufprogramms beträchtlich bleiben, was wiederum die Folge der bereits ausgereizten Mengenbegrenzung bei Staatsanleihen sein dürfte. Der Beschluss des sehr sanften Ausstiegs erinnert somit doch sehr stark an das Motto: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“.

In diesem Zusammenhang verweist der EZB-Präsident stets auf die noch zu geringe wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und die daraus resultierende Notwendigkeit der geldpolitischen Unterstützung. Die aktuell - aus Sicht der Notenbanker - weiterhin zu geringe Inflation in der Eurozone ist ein anderes Argument für die taubenhaften Töne seitens der EZB-Verantwortlichen. Die große Mehrheit im EZB-Rat scheint diese Meinung zu teilen und hat sich entschlossen, das QE-Ende offen zu halten. Gleichzeit wurde auch betont, dass die Zinsen erst dann steigen werden, wenn die Ankäufe beendet wurden. Da an den Finanzmärkten nicht mit einem abrupten Ende in 2018 gerechnet wird, ist das ein eindeutiges Indiz für eine Niedrigzinspolitik, die uns auch ins Jahr 2019 und eventuell noch über das Ende der Amtszeit von Super Mario hinaus (31.10.2019) begleiten wird.

Spanische Bonds kriegen die Kurve

Nach den politischen Turbulenzen erinnern sich Anleger offenbar wieder an Spaniens Wirtschaftswachstum und seine Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt. Und sie haben sich bewusstgemacht, dass die Ratingagenturen seit September Portugal und Italien besser benoten. Das nimmt insgesamt Druck von südeuropäischen Bonds und die schwindende Furcht vor einem Zerfall Spaniens hat dem dortigen Kapitalmarkt zusätzlich Auftrieb gegeben.

Nachdem die Rendite der 10-jährigen spanische Staatsanleihen (A19KVL) noch infolge der Unabhängigkeitserklärung für Katalonien von 1,52% auf 1,57% gestiegen war, hat sich der Markt inzwischen wieder beruhigt. Am Mittwoch rentierte dieser Bond sogar wieder bei 1,46%. Aber nicht nur spanische Staatsanleihen haben sich wieder gefangen, sondern auch an der Aktienbörse stieg der spanische Leitindex am Montag im Anschluss an eine Großdemonstration in Barcelona für die Einheit Spaniens um 1,5%, während der Bankenindex sogar 2,2% gewann. Beide Indices konnten dieses Niveau anschließend halten und sogar noch leicht hinzugewinnen.

Denn an den Kapitalmärkten ist man wieder zuversichtlicher, was die weitere Entwicklung in Spanien angeht. Zeigen die Proteste doch, dass es durchaus ernst zu nehmende Kräfte in Katalonien gibt, die für die Einheit Spaniens eintreten. Spaniens Regierungschef Rajoy plant für den 21. Dezember Neuwahlen in Katalonien und jüngsten Umfragen zufolge würden die Separatisten dann ihre bisherige Mehrheit im Regionalparlament verlieren.

Inzwischen sind bekanntlich der angeklagte Ex-Regionalpräsident von Katalonien, Carles Puigdemont, und weitere führende Politiker vom spanischen Gerichtshof vorgeladen worden. Die 14 Angeklagten müssten zudem binnen drei Tagen den Betrag von 6,2 Mio. € hinterlegen, was den geschätzten Kosten des für illegal erklärten Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober entspricht. Puigdemont hat sich mit mehreren anderen ehemaligen Regionalministern nach Belgien abgesetzt und ist nach den Worten seines Anwalts nicht bereit, nach Spanien zu reisen, sondern steht lediglich in Belgien für eine Befragung zur Verfügung.

Auf Yellen-Kurs ohne Yellen

Janet Yellen ist offenbar aus dem Rennen. Wie US-Medien berichten, ist die Entscheidung, wer die US-Notenbank (Fed) ab dem nächsten Februar führen wird, bereits gefallen. Demnach wird D. T., der Unberechenbare, den Vertrag der bisherigen Notenbank-Chefin nicht verlängern und die Entscheidung am Donnerstagnachmittag bekanntgeben. Als wahrscheinlichster Nachfolger an der Fed-Spitze gilt inzwischen Jerome Powell, der bereits seit 2012 im Gouverneursrat der Fed sitzt, dem obersten Gremium der Bank. Bisher hat Powell sämtliche Entscheidungen von Präsidentin Yellen mitgetragen und würde somit für Kontinuität in der Zinspolitik stehen. Das dürfte auch einer der Hauptgründe dafür sein, dass Donald Trump an Powell Gefallen findet. Will doch der US-Präsident auf keinen Fall die Börsen verschrecken, wo Yellen große Anerkennung genießt. Ein Kurswechsel in der Geldpolitik würde vermutlich für Unruhe sorgen und damit zu Kursverlusten führen. Das will Trump sicherlich vermeiden. Mit der Wahl von Powell würde die Fed also auf Yellen-Kurs bleiben, nur eben ohne Yellen. Bei der gestrigen Fed-Sitzung wurde keine Änderung der Leitzinsen beschlossen und zugleich mit dem Hinweis auf ein solides Wirtschaftswachstum und eine gute Lage am Arbeitsmarkt die Grundlage für eine Zinserhöhung im Dezember - zumindest verbal - geschaffen.

Eine Nichtverlängerung des Postens an der Fed-Spitze hat es in der neueren Geschichte der Notenbank zwar nicht gegeben, aber wenn es so kommen sollte, würde dies nicht an der allseits anerkannten Yellen liegen, sondern eher an dem Umstand, dass Trump hier eine eigene Duftmarke setzen will. Denn Handlungsfähigkeit will der Präsident auf jeden Fall zeigen, nicht nur aufgrund seines ausgeprägten Egos, sondern auch wegen seiner schlechten Zwischenbilanz. Obwohl die republikanische Partei über die Mehrheit in beiden Kongresskammern verfügt, kann Trump bisher keine nennenswerten Erfolge vorweisen.

Daher kann die immer wieder avisierte große Steuerreform schon entscheidend für die Bilanz seiner Legislaturperiode werden. Hierzu wurde die Vorlage eines detaillierten Konzepts in den letzten Wochen immer wieder verschoben und jetzt final für den heutigen Donnerstag angekündigt. Im Kern soll das Steuersystem einfacher, gerechter und verständlicher werden, wogegen sicherlich nichts spricht. Besonders profitieren sollen die einfachen Arbeiter, kleinere Unternehmen und mittlere Einkommensschichten.

Jedoch ist die Regierung vorerst ein Konzept für eine solide Gegenfinanzierung schuldig geblieben. Zumal nach den bisher bekannten rudimentären Eckpunkten die Reform mit mehr als zwei Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren zu Buche schlagen dürfte. Im schlimmsten Fall würde dies aber bedeuten, dass die Staatsverschuldung, deren Anteil ohnehin schon 115% der Wirtschaftsleistung beträgt, weiter ansteigen würde.

Steht Italien vor seinem Comeback?

Die Botschaft hört man gern, allein man glaubt nicht gleich daran. Italien habe die Trendwende geschafft, hieß es dieser Tage aus Rom. Die gefährliche Mischung aus hohen Schulden, grassierender Arbeitslosigkeit und schwachem Wachstum ist demnach überwunden. Italien sei wieder auf Wachstumskurs. Davon ist Yoram Gutgeld überzeugt, der als einer der wichtigsten Wirtschaftsberater des früheren Premiers Matteo Renzi und des aktuellen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni gilt.

Die Regierung in Rom habe unter Renzi mit einer Kombination aus Arbeitsmarktreform, niedrigeren Steuern und Bürokratieabbau das Steuer herumgerissen, so Gutgeld. Das Exportwachstum Italiens liege mit einer Rate von 5% über dem von Deutschland. Sogar die Jugendarbeitslosigkeit habe man von 40% auf 35% drücken können. Doch damit nicht genug. Das Land hat nach Lesart von Gutgeld auch seine bisher als ineffizient geltende Bürokratie in den Griff bekommen. Nirgendwo sonst in Europa seien die Kosten der Regierung so günstig. Während die Italiener nicht einmal 19% der Wirtschaftsleistung für den öffentlichen Dienst ausgeben würden, seien es in anderen Ländern deutlich mehr.

Gestützt werden Gutgelds Thesen von der Ratingagentur Standard & Poor’s, die vergangene Woche die Bonitätsnote des Landes auf BBB nach oben korrigiert und den Schritt explizit mit den ersten sichtbaren Reformerfolgen begründet hat. Nun könnten die strukturellen Reformen das Wachstum deutlich beleben und auch die Schuldenquote reduzieren, schreiben die S&P-Analysten.

Ob Italien sein Comeback schon eingeläutet hat, muss sich aber erst noch zeigen. Angesichts einer Schuldenquote von 133% des Bruttoinlandsprodukts ist zumindest klar, dass dieser Weg kein leichter sein wird. Im Übrigen drängt auch die Zeit. Schließlich hat kein anderes Land so sehr von der EZB-Politik Mario Draghis profitiert wie Italien. Sollte Draghi ab September 2018 die Anleihekaufprogramme tatsächlich weiter ausschleichen lassen, verbleibt dem Land nicht mehr viel Zeit, die überfälligen Strukturreformen umzusetzen. Glaubt man Gutgeld ist ein guter Anfang bereits gemacht. Andere wie etwa der frühere Premier Mario Monti beklagen hingegen, dass die quantitativen Lockerungen Italiens Reformeifer eher gebremst hätten. Daher mag es erzieherische Wirkung haben, wenn nun das Ende des Anleihekaufprogramms eingeläutet ist.

Im Übrigen wird sich an der Entwicklung Italiens auch die Frage entscheiden, ob die EZB-Rechnung der extrem niedrigen Zinsen aufgeht oder nicht. Damit ist ausgerechnet Draghis Heimatland das Testfeld, auf dem man das langfristige Ergebnis seiner Strategie der expansiven Geldpolitik beurteilen kann.

Zum Gruseln: Weltspartag ohne Zinsen

Am 31. Oktober war wieder Weltspartag, an dem früher die Banken ihre Kunden mit diversen Geschenken für große und kleine Sparer gelockt haben. Doch der Weltspartag, der auf den ersten Internationalen Sparkassenkongress im Oktober 1925 zurückgeht, ist längst kein Weltzinstag mehr. Die Zinsen dümpeln an der Nulllinie vor sich hin. Und wenn man noch die Kapitalertragsteuer und die Inflation berücksichtigt, ist Sparen schon seit vielen Jahren ein Verlustgeschäft. Daher ist Sparen auch nicht mehr unbedingt die am besten geeignete Form, Vermögen aufzubauen, wie auch so mancher Banker eingesteht.

Sicher, das Schaffen von finanziellen Rücklagen ist nach wie vor wichtig. Aber angesichts der niedrigen Zinsen ist manchem Sparer eher zum Gruseln zumute – und zwar nicht wegen Halloween. So hat sich die Idee des Sparens in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Das Zurücklegen von Geld aber gleich als sinnlos zu erklären, wie es die Interhyp tut, geht dann doch zu weit. So preist der Vermittler privater Baufinanzierungen - nicht ganz uneigennützig - den Immobilienerwerb als intelligente Investitionsstrategie zum Vermögensaufbau. Immobilienfinanzierung als das neue Sparen, wie es die Interhyp darstellt? Für den finanzkräftigen Anleger mag das mit Einschränkung gelten, für Otto Normalverbraucher wäre es aber risikobehaftet, sich mit einem Immobilienkauf in ein finanzielles Abenteuer zu stürzen.

Wie sehr Deutschland inzwischen zum Topstandort für Immobilieninvestoren geworden ist, macht eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit dem Urban Land Institute deutlich. Dies liegt allerdings weniger an dem niedrigen Zinsniveau, sondern geht vielmehr auf die Brexit-Entscheidung Großbritanniens zurück. So addierte sich in den vergangenen zwölf Monaten das Investitionsvolumen in Deutschland auf 68 Mrd. €, nach 54 Mrd. € im Vorjahr. In Großbritannien sanken die Investitionen dagegen von 66 Mrd. € auf 64 Mrd. € und dadurch hat Deutschland Großbritannien auf Platz eins in Europa verdrängt.

Takko Lux refinanziert sich mittels zweier Bonds

In der Bekleidungs- und Textilbranche gab es in dieser feiertagsverkürzten Handelswoche gleich zwei Unternehmen, die sich am Primärmarkt refinanzierten. So sammelte Takko Lux mittels zweier Bonds und das Modeunternehmen CBR Fashion mittels seiner Finanztochter CBR Fashion Finance frisches Geld ein. Des Weiteren begaben der Spezialchemiekonzern Ineos Finance und das in der Ölindustrie tätige Unternehmen Saipem Finance jeweils eine Anleihe.

Das westfälische Modeunternehmen Takko emittierte mittels seiner luxemburgischen Finanztochter Takko Lux einen Floater sowie einen festverzinslichen Bond (A19RD5). Mit einem festen Kupon in Höhe von 5,375%, der halbjährlich zur Auszahlung kommt, sammelte das Unternehmen aus Telgte 285 Mio. € am Bondmarkt ein. Fällig wird das Papier am 15.11.2023 und wurde zu pari begeben (+545 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Der 225 Mio. € schwere Floater (A19RD4) hat ebenfalls eine Laufzeit bis zum 15.11.2023. Allerdings richtet sich der Zins nach dem vierteljährlichen Euribor +5,375 PP. Zusätzlich wurde ein 0% Euribor Floor in die Anleihebedingungen aufgenommen, so dass der Zins für den Investor immer mindestens 5,375% beträgt. Der Emissionspreis lag bei 100%. Bei beiden Anleihen ließ sich Takko Lux eine Make Whole Option sowie zusätzliche Kündigungstermine zu unterschiedlichen Zeiten in den Emissionsbedingungen festschreiben.

CBR Fashion vertreibt die beiden Marken Street One und CECIL. Das niederländische Modeunternehmen sammelte mit seinem 5-jährigen Bond (A19RLJ) 450 Mio. € frisches Geld ein und zahlt seinen Investoren bis zur Fälligkeit am 01.10.2022 einen Zins in Höhe von 5,125%, der halbjährlich in den Monaten April und Oktober ausgezahlt wird. Emittiert wurde zu pari, was einem Emissionsspread von +511 bps über Bund entsprach. Neben einer Make Whole Option ist die Anleihe seitens des Emittenten jederzeit innerhalb eines Kalenderjahres ab dem 01.10.2019 zu 102,563%, ab dem 01.10.2020 zu 101,281% und ab dem 01.10.2021 zu 100% kündbar.

Als Dritter im Bunde legte der Spezialchemiekonzern Ineos Finance einen 8-jährigen Bond (A19RLS) mit einem Emissionsvolumen von 550 Mio. € auf. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in der Schweiz zahlt für die Aufnahme des Kredits bis zur Fälligkeit am 15.11.2025 jährlich Zinsen in Höhe von 2,125%. Jeweils im Mai und November eines jeden Jahres erhalten die Investoren die Zinsen anteilig gutgeschrieben. Der Emissionspreis belief sich auf 100%, was +197 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichkam. Zusätzlich wurde der Bond mit einer Make Whole Option sowie drei weiteren Kündigungsterminen ausgestattet.

Zum Abschluss begab die Tochter des italienischen Unternehmens Saipem, Saipem Finance, eine Anleihe (A19RN2) mit einem Volumen von 500 Mio. €. Der mit der Herstellung und Installation von Maschinen für die Erdölgewinnung tätige Konzern stattete den Bond mit einem Zins von 2,625% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 07.01.2025 jährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu pari (+209,8 bps über Mid Swap). Eine Make Whole Option ergänzt die Details zu diesem Bond.

Alle Emittenten entschieden sich bei den genannten Anleihen für eine Mindeststückelung von 100.000 € und dürften daher vorwiegend für institutionelle Investoren interessant sein.

Draghi zog den Bären das Fell über die Ohren

Am vergangenen Samstag wurde während des Spitzenspiels der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und RB Leipzig von den Gästefans gesungen: „Ohne Schiri habt ihr keine Chance“. Auf den Bondmarkt übertragen könnten momentan die bearisch eingestellten Rentenhändler skandieren: „Ohne Draghi hättet ihr keine Chance“. Aber auch mit solchen Erkenntnissen ist die Niederlage bzw. die Fehleinschätzung nicht einfacher zu ertragen.

So ließ der EZB-Präsident auch im dritten Jahr der Ankaufprogramme auf der Pressenkonferenz keine Zweifel aufkommen, wer die Power hat und mit wem man sich nicht anlegen sollte. Jeder Börsianer bzw. Investor, der auf einen schnellen und klar geregelten Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gehofft hatte, wurde eines Besseren belehrt. Hatte man am Tag der EZB-Ratssitzung noch südlich der unteren Trendlinie (161,10%) den Handel gestartet, so hat man inzwischen sogar kurzzeitig die Widerstandslinie bei 162,52% überschritten und den „Bären“ wurde das Fell über die Ohren gezogen.

Jedoch sollte man dies nicht überbewerten. Denn obwohl die EZB-Ankaufprogramme weiterhin auf einem ausgetrockneten Kapitalmarkt stattfinden, werden sich die Renditen der europäischen Staatsanleihen nicht vollständig dem Einfluss der zu erwartenden US-Zinspolitik entziehen können. Bemerkenswert ist in der jetzigen Markteuphorie allerdings, dass Renten- und Aktiennotierungen „Hand-in-Hand-Gehen“ und das lange Zeit praktizierte, spiegelverkehrte Handelsmuster der Vergangenheit angehört. Die Frage wird nun allerdings sein, wer sich aus diesem Gleichschritt zuerst verabschiedet, Aktien oder Renten?

Aktuell notiert das Rentenbarometer nach dem gestrigen Zinsentscheid in den USA bei 162,46% und somit in der Nähe der oberen Begrenzungslinie.

XXXL nun auch in den USA?

In den USA wurden am gestrigen Mittwoch erstmals nach dem Fed-Beschluss zur Reduzierung der Bilanzsumme die Quartal-Auktionspläne veröffentlicht und die Marktteilnehmer warteten gespannt, ob darin Hinweise für eine geänderte Fälligkeitsstruktur versteckt sind. Dies war aber nicht der Fall und in den USA wird es vorerst keine 100-jährige Anleihe geben. Somit wurden für die kommende Woche lediglich die üblichen T-Bills mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten angekündigt. Für Investoren, die bereit sind den USA für einen längeren Zeitraum ihr Geld anzuvertrauen, werden dann auch T-Notes mit Fälligkeit in 2020 und 2027 sowie 30-jährige T-Bonds angeboten. In dieser Handelswoche wurden allerdings lediglich Geldmarktpapiere mit einem Gesamtvolumen von 128 Mrd. USD aufgelegt.

In Euroland wird heute neben Frankreich mit drei Bonds (A19QFA / 2028 ; A1Z7JJ / 2031 ; A19HR9 / 2048) das in der UEFA-Rangliste für Klubwettbewerbe führende Spanien mit der Aufstockung von vier Altemissionen (A19P6R / 2022 ; A19KVL / 2027 ; A19G01 / 2027 ; A0NXYY / 2040) am Kapitalmarkt aktiv. Bereits zum Wochenauftakt hat Italien mittels Auktionen in diversen Bonds, die aus steuerlichen Gründen nicht an deutschen Regionalbörsen handelbar sind, Material zur Verfügung gestellt und somit die Gunst der Stunde genutzt. Denn am vergangenen Freitag hatte Standard & Poor‘s das lang- und kurzfristige Kreditrating Italiens von BBB- auf BBB (mit Ausblick stabil) angehoben.

Von dieser Einstufung ist Griechenland noch weit entfernt, aber dennoch reifen in der griechischen Regierung bereits Überlegungen, sich mit Auslaufen des Hilfspakets im August 2018, wieder am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Um die Bereitschaft der Investoren - ohne die eine solche Maßnahme fehlschlagen würde - auszuloten, ist in den kommenden Monaten mit der Begebung neuer Anleihen zu rechnen.

Draghi als Grubenschubser für den Euro

Am vergangenen Donnerstag wurde der Außenwert des Euros mit Mario Draghis halbherzigem Abgesang auf die ultralockere Geldpolitik neu festgestellt. Nach der Bekanntgabe der Beschlüsse hat die europäische Gemeinschaftswährung von in der Spitze 1,1836 USD auf 1,1639 USD nachgegeben und kämpft seit diesem Zeitpunkt sogar mit der psychologischen Marke von 1,16 USD. Dieses Niveau war seit Ende Juli für Devisenhändler kein Thema mehr gewesen, jedoch spricht momentan nichts für eine Trendumkehr beim Euro. Lediglich in einer möglichen Schwäche des Greenbacks - infolge politischer Kapriolen - ist eine Mini-Chance zu sehen, die Währung der Euroländer wieder zu stärken. Die eigenen, hausgemachten Probleme (Spanien, Katalonien, Italien und QE ohne Ende) sind nicht in der Lage diese Wende herbeizuführen. Aktuell notiert der Euro bei 1,1640 USD.

Die Schwäche des Euros wird aber auch gegenüber dem Britischen Pfund deutlich. Trotz der zähen Brexit-Verhandlungen und in Erwartung der ersten Zinsanhebung seit 10 Jahren bei der heutigen BoE-Sitzung (um einen Viertelpunkt auf 0,5%) handelt die europäische Gemeinschaftswährung wieder auf dem Juni-Niveau bei 0,8780 GBP. Jedoch ist es am Devisenmarkt wie im richtigen Leben. Man muss nur lange genug suchen, dann entdeckt man etwas, was einen wieder groß und wichtig und nicht nichtig und klein (Reinhard Mey) erscheinen lässt.

Zumindest gegenüber der türkischen Lira (aktuell: ca. 4,44 TRY) sowie dem südafrikanischen Rand (ca. 16,27 ZAR) konnten die hohen Niveaus gehalten werden und in diesen beiden Fremdwährungen konnten verstärkt Handelsaktivitäten registriert werden. Darüber hinaus richteten Privatinvestoren aber weiterhin ihren Fokus auf US-Dollar-Bonds.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Erhöhe in der Zeit, dann hast Du in der Not!

In dieser Woche dreht sich wieder alles um das liebe Geld. Bei den Jamaika-Sondierungsgesprächen legten die Verhandlungsführer ihre jeweiligen Vorstellungen den möglichen Koalitionspartnern dar. Insgesamt sind Ausgaben in der Größenordnung von 100 Mrd. € für die anstehende Legislaturperiode erläutert worden. Wie diese Ausgabenpolitik aber mit der Politik der „Schwarzen Null“ vereinbar sein wird, bzw. an welcher Stelle Ausgabenkürzungen vorgenommen werden sollen, bleibt die Gretchenfrage und dürfte eine der größeren Hürden auf dem Weg zu einer neuen Regierung für die Bundesrepublik Deutschland sein. Doch auch an anderer Stelle darf man in monetärer Hinsicht erwartungsvoll in die Zukunft blicken.

Denn an diesem Donnerstag wird Super-Mario uns wieder seine Sicht auf die zukünftige Geldpolitik der von ihm geführten Europäischen Zentralbank (EZB) darlegen. Es ist zu befürchten, dass die Hoffnung von auf Zinseinkünfte angewiesenen Investoren erneut einen Dämpfer erhalten wird und die natürlichen Marktmechanismen weiterhin ausgehebelt werden. Zumal sich immer noch der Eindruck aufdrängt, dass die Finanzmärkte ohne die Droge des billigen Geldes nicht überlebensfähig sind. Hierüber herrscht inzwischen größtenteils Konsens unter den Gelehrten. Somit geht es bei der heutigen EZB-Sitzung und der anschließenden Pressekonferenz in erster Linie um die weitere Ausgestaltung der Anleihekaufprogramme. Jedoch darf das damit in direktem Zusammenhang stehende Anwachsen der Target2-Salden nicht ignoriert werden und ist deshalb sicherlich auch ein Thema im EZB-Rat.

Der deutsche Target-Saldo ist nämlich inzwischen auf den neuen Rekordwert von ca. 879 Mrd. € geklettert. Im Gegenzug belaufen sich die Verbindlichkeiten Italiens auf ca. 378 Mrd. €, die von Portugal auf 79 Mrd. €. Diese unbesicherten Kredite der Deutschen Bundesbank an andere europäische Zentralbanken werden immer mehr zu einer tickenden Zeitbombe, die es zu entschärfen gilt. In diesem Zusammenhang wird in den Geberländern des Öfteren eine mögliche Besicherung mit Edelmetallbeständen ins Spiel gebracht, was allerdings schon daran scheitert, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen würden. So werden die Goldreserven Italiens nur mit 85 Mrd. € bewertet. Es wäre also lediglich der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Doch was wird uns Mario Draghi bei seiner heutigen Pressekonferenz zu berichten haben? Die Drosselung des monatlichen Kaufvolumens von 60 Mrd. € auf 30 Mrd. € gilt als so gut wie sicher. Aber noch viel wichtiger ist, ob zur generellen QE-Dauer etwas gesagt wird. Nach den bisherigen Erfahrungen, die man in der Vergangenheit mit dem amtierenden EZB-Präsidenten machen konnte, ist zu befürchten, dass er sich mit konkreten Zeitschienen zurückhalten wird, und der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik weiter in die Ferne verschoben wird. Und das, obwohl die Zeit drängt. Denn nicht von ungefähr hat Janet Yellen vor wenigen Tagen mit einem Hinweis für Irritationen gesorgt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die kurzfristigen Zinssätze irgendwann wieder gesenkt werden müssen, ist beunruhigend hoch“, hatte die Fed-Chefin gesagt. Mit anderen Worten: „Erhöhe in der Zeit, dann hast Du in der Not!“ Jedoch scheint diese Botschaft bei Super-Mario noch kein Gehör gefunden zu haben.

Das Gespenst des Schuldenschnitts ist nicht tot zu kriegen

Während die Kapitalmärkte über einen möglichen vorsichtigen Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) spekulieren, darf der Blick auf die Schuldenkinder der Europäischen Union (EU) nicht vergessen werden. Sicher, die Wirtschaft in der Währungszone läuft unterm Strich gut und die Inflation nähert sich allmählich dem Ziel von 2%. Genügend Gründe also, die Zinszügel endlich wieder anzuziehen, sollte man meinen. Aber die EZB muss eben auch die Eurostaaten berücksichtigen, die immer noch hohe Altlasten mit sich herumschleppen.

Vor diesem Hintergrund betrachtet eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln die Tragfähigkeit der Staatsschulden in den Krisenstaaten Italien, Spanien und Portugal und kommt zu ernüchternden Ergebnissen. Selbst unter der Annahme einer gut laufenden Konjunktur werden insbesondere Italien und Portugal nicht vor 2022 in der Lage sein, ihre Schuldenquote unter 100% des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Auch unter besten Voraussetzungen wird das für diese beiden Staaten nicht zu schaffen sein und lediglich Spanien könnte hierbei die 90%-Marke erreichen.

Dabei unterstellt der federführende IW-Experte Jürgen Matthes eine gewisse Ausgabendisziplin, was eher optimistisch erscheint. Hat doch der Favorit für die Wahlen in Italien im Frühjahr, Matteo Renzi, bereits angekündigt, die Ausgaben erhöhen zu wollen. Im pessimistischen Szenario des IW, das neben geringer Budgetdisziplin höhere Zinsen und schwächeres Wachstum unterstellt, würde die Schuldenlast Italiens daher bis 2022 von derzeit 133% sogar auf 140% steigen.

Darüber hinaus würden zügig ansteigende Zinsen im Euroraum die ohnehin schon immense Schuldenlast in diesen Ländern weiter erhöhen. Eine spürbare Entschuldung würde somit vollends in weite Ferne rücken. Es stellt sich also die Frage, ob denn die Schuldentragfähigkeit dieser Staaten noch gegeben ist. Verschärfen würde sich das Problem, wenn Banken Staatsanleihen nicht mehr als risikolose Papiere halten dürften, wie es IW-Forscher Mattes anregt, sondern diese Anlagen mit Eigenkapital unterlegen müssten.

Es bleibt also der Eindruck, dass das Gespenst eines Schuldenschnitts nicht tot zu kriegen ist. Einem solchen Szenario aber wäre nur schwer zu entgehen. Auch wenn man selbst nicht in den Staatsanleihen der betroffenen Länder investiert wäre, würden die Auswirkungen jeden treffen – eben indirekt über die eigene Renten- oder Lebensversicherung, die alle in europäischen Staatsanleihen engagiert sind. Gleichzeitig wird dabei die Falle deutlich, in der die Banken sitzen, denen man den Aufkauf von Staatsanleihen ohne Eigenkapitalunterlegung immer noch gestattet. Aber je länger dies der Fall ist, desto fataler werden die Verflechtungen zwischen Banken und Staaten.

Athen schraubt Erwartungen wieder herunter

Die erfreulichen Nachrichten aus Griechenland hatten sich in letzter Zeit gehäuft und es wurde immer wieder betont, dass sich die Wirtschaft in Hellas dank eines neuen Touristenbooms schneller als gedacht erhole. Deshalb plant die griechische Regierung diejenigen zu belohnen, die unter dem Spardiktat der vergangenen Jahre am meisten gelitten haben. Hierzu sollen im nächsten Monat die Details einer „Social Dividend“ in Höhe von 1 Mrd. € bekannt gegeben werden. Doch aus diesen Träumen wurde man jetzt unsanft gerissen. Nach neuesten Berechnungen ist die griechische Wirtschaft 2016 nicht, wie ursprünglich angenommen, um 0,6% gewachsen, sondern um 0,2% geschrumpft. Vor allem geringere Konsumausgaben hatten dafür gesorgt, dass das Land doch wieder in eine Rezession gerutscht war.

Athen schraubte in der Folge seine Erwartungen für 2017 herunter, und zwar von 2,7% auf 1,8%. Die internationalen Gläubiger wollen nun in einer dritten Prüfungsrunde untersuchen, ob Griechenland unter diesen Voraussetzungen die fiskalischen Vorgaben überhaupt erreichen kann: einen Primärüberschuss im Haushalt von 1,75% des BIPs in diesem und 3,5% im nächsten Jahr.

Hierzu sind Prüfer des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und des Euro-Stabilitätsfonds (ESM) wieder in Athen eingetroffen. Nachdem Alexis Tsipras bisher immer wieder versucht hatte, den IWF aufgrund seiner strikten Reformvorgaben aus der Runde hinauszudrängen, umschmeichelt nun Griechenlands Premier die IWF-Chefin Christine Lagarde. Offenbar hat er erkannt, dass er sie braucht, um Schuldenerleichterungen durchzusetzen. So verkündete Tsipras nach einem Treffen mit Lagarde, der IWF sei fortan als Partner im griechischen Rettungsprogramm willkommen. Hatte der Fonds doch immer wieder von den europäischen Gläubigern gefordert, den Griechen ihre erdrückende Schuldenlast zu erleichtern. Also auch hier ist das Gespenst des Schuldenschnitts nicht tot zu kriegen.

Indessen reagieren drei griechischen Großbanken auf den Druck der Zentralbank in Athen. So peilen die Institute Piraeus, National und Alpha einen milliardenschweren Verkauf von Problemkrediten zum Jahresbeginn 2018 an. Bis März kommenden Jahres will das Trio die Rekordsumme von 5,5 Mrd. € an wackeligen Krediten veräußern. Derzeit schlummern bei griechischen Banken insgesamt faule Kredite in Höhe von 103 Mrd. €. Dies Summe muss auf Druck der EZB bis Ende 2019 auf 38 Mrd. € abgebaut werden.

Draghi feiert Teilerfolg

Deutschland darf auch künftig für die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen ankaufen. Entsprechende Eilanträge, mit denen eine weitere deutsche Beteiligung gestoppt werden sollte, hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe abgelehnt. Damit blieben die Anträge des früheren CSU-Politikers Peter Gauweiler und der ehemaligen AfD-Politiker Bernd Lucke, Hans-Olaf Henkel sowie anderer Kläger erfolglos. Das Gericht argumentierte, die Anträge seien unzulässig, weil eine einstweilige Anordnung die Entscheidung im Hauptverfahren schon vorweggenommen hätte. Dies kann als Teilerfolg von EZB-Chef Mario Draghi gewertet werden.

Bisher hat die EZB für mehr als zwei Billionen € Anleihen der Euro-Länder angekauft. Über 425 Mrd. € davon hat die Bundesbank in deutsche Staatspapiere gesteckt. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Sommer Zweifel geäußert, ob das Programm noch in den Kompetenzbereich der EZB falle oder ob eine unzulässige Staatsfinanzierung vorliege. Erst wenn der EuGH darüber entschieden hat, wird das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht fortgesetzt. Und das kann bekanntlich noch dauern!

Nestle Finance mit privatanleger-freundlicher Mindeststückelung

Die Herbstferien haben in einigen Bundesländern bereits begonnen und somit nutzen manche Akteure die Gelegenheit, noch etwas Sonne für die graue Jahreszeit zu tanken. Andere wiederum waren in dieser Berichtswoche am Kapitalmarkt aktiv, um sich bei günstigen Konditionen refinanzieren zu können. So begaben Nestle Finance sowie Verizon jeweils einen 3er-Pack und Procter & Gamble platzierte erfolgreich eine Dualtranche. Danone versuchte es hingegen mit einer nachrangigen Hybridanleihe.

Die Finanzierungstochter Nestle Finance des in der Lebensmittelbranche tätigen Großkonzerns Nestle sammelte 2 Mrd. € am Kapitalmarkt mittels 3 Anleihen ein. Die erste 500 Mio. € schwere Tranche (A19RCA) ist am 18.01.2024 fällig und hat einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,375%. Begeben wurde der Bond zu 99,256%, was einem Emissionsspread von +8 bps über Mid Swap gleichkam. Der zweite Bond (A19RCB) hat ein Emissionsvolumen von 750 Mio. € und zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 02.11.2029 einen jährlichen Zins von 1,25%. Der Reoffer lag bei 99,547% (+20 bps über Mid Swap). Die dritte Anleihe (A19RCC) läuft bis zum 02.11.2037 und ist mit einem Kupon von 1,75% ausgestattet. Die 750 Mio. € konnte Nestle Finance bei 99,067% erfolgreich platzieren, was einem Spread von +32 bps über Mid Swap entsprach. Alle 3 Anleihen besitzen eine Make Whole Option sowie ein festes Kündigungsdatum jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit. Für Privatanleger könnten diese drei Bonds aufgrund der privatanleger-freundlichen Mindeststückelung von 1.000 € interessant sein.

Verizon sammelte ebenfalls mittels 3 Anleihen 3,5 Mrd. € am Kapitalmarkt ein. Die erste Tranche (A19RHA) des Telekommunikationsdienstleisters über 1,25 Mrd. € hat einen Kupon in Höhe von 1,375% und ist am 27.10.2026 endfällig. Der Ausgabepreis lag bei 99,681%, was einen Spread von +65 bps über Mid Swap bedeutete. Die zweite 0,75 Mrd. € schwere Tranche (A19RHB) ist mit einem Zins von 1,875% und einer Fälligkeit am 26.10.2029 ausgestattet. Begeben wurde dieses Papier zu 98,962% (+90 bps über Mid Swap). Komplettiert wird der 3er-Pack mit einer 21-jährigen Anleihe (A19RHC) im Volumen von 1,5 Mrd. €, die am 15.01.2038 fällig wird. Verizon zahlt den Gläubigern jährlich 2,875% Zinsen und das Papier hatte einen Emissionsspread von +145 bps über Mid Swap (Ausgabepreis 99,432%). In die Anleihebedingungen ließ sich das Unternehmen einen Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten aufnehmen und legte die Mindeststückelung für alle Bonds auf 100.000 € fest.

Procter & Gamble hingegen nahm mittels einer 7- und 12-jährigen Anleihe frisches Geld am Kapitalmarkt auf. Mit dem ersten 500 Mio. € schweren Bond (A19RCW) refinanziert sich das Unternehmen bis zum 25.10.2024 zu einem jährlichen Zins von 0,5%. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,378%, was einem Spread von +8 bps über Mid Swap gleichkam. Der zweite Bond (A19RCX) hat ebenfalls ein Emissionsvolumen von 500 Mio. € und läuft bis zum 25.10.2029. Procter & Gamble zahlt den Anlegern bis zur Fälligkeit jährlich 1,25% Zinsen. Der Reoffer lag bei 99,701% und entsprach damit einem Emissionsspread von +20 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen wurde eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen aufgenommen und mit der Mindeststückelung von 100.000 € werden eher institutionelle Investoren angesprochen.

Als letzter im Bunde begab der französische Lebensmittelkonzern Danone eine nachrangige Hybridanleihe mit einem Volumen von 1,25 Mrd. €. Der Bond (A19RCU) hat bis zum 23.06.2023 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 1,75% und anschließend richtet sich der Zins bis zum 23.06.2028 nach dem 5-jährigen Euro Swap (+1,428 PP). Vom 23.06.2028 bis zum 23.06.2043 ändert sich der Aufschlag auf 1,678 PP. Ab diesem Datum zahlt Danone den 5-jährigen Euro Swap +2,428 PP. Der Bond ist ab dem 23.06.2023 jährlich zu 100% seitens des Emittenten kündbar. Ausgegeben wurde das Papier zu pari (+142,8 bps über Mid Swap). Eine 100.000 € Mindeststückelung komplettiert die Daten des Bonds.

Unsicherheit erzeugt Druck

In dieser Handelswoche kann man die Tendenz am Rentenmarkt mit dem Slogan: „Im Zeichen der EZB“ umschreiben. Nicht unüblich ist das dabei registrierte Handelsmuster, nachdem in der Vorwoche noch die „spanische Grippe“ Anlass für eine freundliche Entwicklung des Rentenbarometers gab. Denn im Vorfeld einer Zinsentscheidung müssen sich die Marktteilnehmer immer entscheiden, welche Marktreaktion auf welchen Beschluss folgen wird. Im Falle der EZB-Sitzung und der ultralockeren Geldpolitik überwieg somit seit vielen Jahren zumeist die Angst vor einer Zinswende, zumal der Druck aus den eigenen Reihen, Wirtschaftswissenschaftlern und Ausschussmitgliedern bei supranationalen Institutionen, kontinuierlich erhöht wird. Dies hat auch diesmal zu Gewinnmitnahmen bzw. zu Absicherungsmaßnahmen und beim Euro-Bund-Future zum Verlassen seines im Juli begonnenen Aufwärtstrends geführt.

Jedoch steht und fällt die weitere Entwicklung mit der heutigen Botschaft von Mario Draghi. Werden die Signale von den Marktteilnehmern als „hawkishe“ Botschaft verstanden, so ist der Weg bei der 10-jährigen Bund-Rendite auf 0,75% frei. Sollte Super Mario aber versuchen, wie die Schlange Kaa seine Zuhörer in geldpolitische Trance zu versetzen, so wäre es nicht verwunderlich, wenn die seit Freitag erfolgten Kursverluste wieder ausgebügelt werden könnten. Da aber niemand weiß was er wie sagen wird, ist man gut damit beraten, sich mit Hosenträgergurten am Schreibtischstuhl für das heute Nachmittag möglicherweise stattfindende Wechselbad der Gefühle (Volatilität) zu präparieren und nur beim Erreichen vorher definierter „Ausreißer“ aktiv zu werden. Charttechnisch betrachtet verläuft eine erste Widerstandslinie bei 161,14% und eine zweite bei 161,24%. Ein Überwinden dieser beiden Marken würde den Weg in die Region zwischen 161,80% bis 161,90% frei machen. Nach unten blickend wäre ein Test der am 28. September erreichten 160,24% und gegebenenfalls der psychologisch wichtigen Marke bei 160% in Erwägung zu ziehen.

Aktuell notiert der Euro-Bund-Future noch bei 161,02% und die Rentenhändler harren der Dinge, die da heute noch kommen werden.

Bund erfreut sich reger Nachfrage

In den USA hatten die Investoren wieder die Qual der Wahl. Denn neben den üblichen T-Bills für insgesamt 123 Mrd. USD, wurden auch als T-Note mit unterschiedlichen Ausstattungen und Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren noch zusätzlich 103 Mrd. USD refinanziert.

In Euroland hingegen waren lediglich Belgien und Deutschland am Kapitalmarkt aktiv und nahmen ca. 6 Mrd. € auf. Hierzu stockte Belgien drei Altemissionen (A180Z5 / 2023 ; A1GSKN / 2026 ; A18YM3 / 2047) auf und Deutschland erhöhte das Emissionsvolumen seiner aktuellen 10-jährigen Benchmark-Anleihe (110242) um 3 Mrd. € auf nunmehr 20 Mrd. €. Die Zuteilung der um ca. 1 Mrd. € überzeichneten Gattung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,48% und zur Marktpflege wurden ca. 614 Mio. € zurückbehalten.

Verteilt Mario Draghi Süßes oder Saures?

Am 31.Oktober ist Halloween, das Fest des Grauens. Ob es am Devisenmarkt bereits vor Halloween zu einer gespenstischen Stimmung kommt, werden die kommenden Tage zeigen.

Denn mit der heutigen EZB-Sitzung steht für die Marktbeobachter ein immens wichtiges Ereignis kurz bevor. Mit höchster Anspannung werden die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi zur künftigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank erwartet. Im Vorfeld der Ratssitzung handelte die Gemeinschaftswährung ohne klare Tendenz und somit ergab sich eine relativ enge Handelsspanne zwischen 1,1725 USD und 1,1858 USD.

Ob die Währungshüter für die Märkte „Süßes oder Saures“ bereithalten, bleibt abzuwarten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Euro seine seit Tagen stabile Seitwärtsbewegung verlassen und während der Pressekonferenz auf die einzelnen Meldungen sehr volatil reagieren wird. Heute Morgen notiert die Einheitswährung bereits wieder etwas fester bei 1,1820 USD.

Wie in der Woche zuvor bleibt der Neuseeland-Dollar auf Talfahrt. Gut vier Wochen nach den Wahlen kommt es im Land nun doch zu einem Regierungswechsel. Dieser ist so vom Markt nicht erwartet worden. Zudem plant die neue Linksregierung, wie im Wahlkampf angekündigt, das Mandat der Notenbank zu überprüfen und zu reformieren. Infolgedessen geriet der Kiwi-Dollar unter Druck und fiel zum Euro deutlich. Bei einem Devisenkurs von 1,7216 NZD notiert der Kiwi-Dollar so schwach wie zuletzt im Februar 2016. Nach Aussage von verschiedenen führenden Devisenhändlern besteht noch weiterhin Abwärtspotenzial bei der Währung aufgrund der neuen politischen Ausrichtung.

In diesem Zusammenhang waren bei den Kiwi-Bonds leicht erhöhte Handelsaktivitäten zu registrieren. Darüber hinaus standen Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand und russische Rubel im Fokus der Privatanleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

Weihenstephaner Str. 4

85716 Unterschleißheim

Deutschland

www.baaderbank.de

Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Wo bleiben die Dachdecker für die Finanzpolitik?

Auf der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank traf sich das „Who is Who“ der Finanzbranche, um sich über die unterschiedlichsten Aspekte der Finanzpolitik auszutauschen. Immer wieder wurde von diversen Fachleuten darauf hingewiesen, dass es jetzt darauf ankomme, sich einen Spielraum für kommende Krisen zu schaffen. Hierzu wurde auch das dem früheren US-Präsidenten John F. Kennedy zugeschriebene Zitat „Wenn die Sonne scheint, muss man das Dach reparieren“ bemüht. Doch dazu muss das Wetter über einen längeren Zeitraum mitspielen, und man braucht Dachdecker, die ihr Handwerk verstehen.

Auffällig war in diesem Zusammenhang, dass die Notenbanker mit ihrer Arbeit zufrieden waren und nur wenig bzw. keine Kritik an ihrer Handlungsweise zuließen. So verwies auch EZB-Chef Mario Draghi immer wieder darauf, dass die Inflation in der Eurozone trotz der Konjunkturbelebung zu niedrig und somit die lockere Geldpolitik weiter notwendig sei. Den von vielen geforderten Zinserhöhungen erteilte er eine klare Absage und betonte, dass man sich wohl noch in Geduld üben müsse. Diese Message haben inzwischen zwar alle Marktteilnehmer verstanden, aber viel interessanter ist die Ausgestaltung der anstehenden Übergangsphase. Deshalb darf man gespannt sein, was am kommenden Donnerstag, den 26. Oktober, zu diesem Thema beschlossen wird.

Denn nicht alle Mitglieder des EZB-Rats sind der Meinung, dass die expansive Konjunkturhilfe noch beibehalten werden muss. So warnte EZB-Direktor Benoit Coeuré am Rande der Tagung vor den negativen Folgen eines zu langen Festhaltens an den massiven Wertpapierkäufen, denn dadurch würden finanzielle Ungleichgewichte aufgebaut werden. Aber auch der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wurde nicht müde, das Einhalten der Länderschlüssel und Obergrenzen bei den Anleiheankäufen anzumahnen und endlich den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik zu beschließen.

Noch vor wenigen Wochen waren die Börsianer davon überzeugt, dass man mit schnellen und großen Schritten nun endlich auch in Europa einen Normalisierungsprozess einläuten werde. Aber inzwischen hat man den Eindruck, dass die Finanzmärkte nur unzureichend auf diese Wende vorbereitet sind und somit nach dem Motto „lower but longer“ die Wertpapierankäufe auch im kommenden Jahr beibehalten werden. Eine Halbierung der monatlich 60 Mrd. € auf 30 Mrd. € über einen Zeitraum von mindestens neun Monaten (oder sogar bis zum Jahresende 2018) ist eine der am meist genannten Varianten. Somit wäre auch in Zukunft eine Versorgung der Märkte mit billigem Geld gewährleistet und die Grundlage für nicht enden wollende Finanzblasen geschaffen. Eine unendliche Geschichte macht also ihrem Namen alle Ehre, weshalb man gespannt sein darf, wie Super-Mario am nächsten Donnerstag diesen erneuten Richtungswechsel den Marktbeobachtern schmackhaft machen wird.

Brexit-Strategie nach dem OPel-Prinzip

Betrachtet man sich die Vorgehensweise der britischen Regierung, mit der sie die Brexit-Verhandlungen betreibt, fühlt man sich ans OPel-Prinzip erinnert: Ohne Plan, einfach los - ohne hier den echten Opelanern zu nahe treten zu wollen.

Nachdem die Brexiteers aus London auch in der 5. Verhandlungsrunde mit einer No-Deal-Option die Gespräche vollends in eine Sackgasse manövriert haben, soll nun Großbritanniens Forderung nach einer schnellen Ausweitung der Brexit-Verhandlungen beim heute beginnenden EU-Gipfel klar abgelehnt werden. Klartext: London blitzt in Brüssel ab. Noch immer konnte sich die britische Regierung nicht durchringen, feste Zusicherungen für die eingegangen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU zu geben. Ebenso fehlt es an Lösungen für die besondere Situation des an das britische Nordirland grenzende Irland. Damit bleibt die EU ihrer bisherigen Verhandlungslinie treu, wonach über die künftigen Beziehungen zu Großbritannien erst dann gesprochen werden soll, wenn ausreichende Fortschritte bei den wichtigsten Trennungsfragen erzielt wurden.

Was dazu aus London zu hören ist, klingt schon eher wie das Pfeifen im Walde. So sagte der britische Finanzminister Philip Hammond, er sehe keine wachsende Gefahr für ein Scheitern der Verhandlungen über ein Abkommen mit der EU. Auch der britische Verkehrsminister Chris Grayling ließ verlauten, er rechne trotz der stockenden Brexit-Gespräche nicht mit einem Austritt ohne Abkommen.

In dieser Situation passt den austrittswilligen Briten eine Studie der Universität Sussex überhaupt nicht in den Kram, wonach ein Brexit ohne Abkommen einen britischen Privathaushalt pro Jahr durchschnittlich um 260 Pfund (292 Euro) mehr belasten würde. Gründe: Steigende Preise für Nahrung, Kleidung und Transport. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass London angekündigt hatte, Zölle auf importierte Waren aus EU-Ländern zu erheben, sofern keine Einigung über die Handelsbeziehungen zur EU nach dem Ausstieg Großbritanniens gefunden wird. Die Kosten für einen einzelnen Haushalt würden damit jährlich um 0,9% steigen, heißt es in der Studie.

Ebenso wenig dürfte man in 10 Downing Street in London hören wollen, dass nun auch noch die OECD vor einer Wirtschaftsflaute nach dem Brexit warnt. Ein ungeordneter Austritt würde dem Handel erheblich schaden, argumentieren die Pariser Ökonomen. Großbritannien müsse aber genau das anstreben, was Hasardeure wie der britische Außenminister Boris Johnson in Kauf nehmen würden: „engst mögliche wirtschaftliche Beziehung“ mit der EU, um die Folgen des Ausstiegs abzufedern.

Und zwischen den Zeilen signalisiert die OECD vor allem eins: Findet einen Weg zum Exit in den Brexit! „Sollte der Brexit durch eine politische Entscheidung (wechselnde Mehrheit, neues Referendum) rückgängig gemacht werden, wäre die positive Wirkung auf das Wachstum bedeutend“, heißt es in dem Bericht der OECD.

Macron geht eine Wette ein

Es ist mehr als nur eine Nagelprobe, die Emmanuel Macron zu bestehen haben wird, um seinen Reformkurs zur Erneuerung Frankreichs durchzusetzen. Von einem seiner Kernthemen, der Reform des französischen Arbeitsrechts, hat sich der 39-jährige Regierungschef in Paris auch trotz heftiger Proteste nicht abbringen lassen. Jetzt will er nach fünf Monaten im Amt mit der Streichung der Vermögenssteuer eine andere seiner Ankündigungen in die Tat umsetzen - und begibt sich prompt wieder auf’s Glatteis.

Macron würde damit die obersten Einkommensschichten um 3,2 Mrd. € entlasten, während Geringverdiener die anstehenden Kürzungen des Wohngelds zu spüren bekommen. Seit 1989 zahlen 350.000 französische Haushalte mit einem Vermögen über 1,3 Mio. € eine Steuer auf Vermögen wie Spargelder, Aktien und Immobilien. Die Abgaben sind gestaffelt. Den höchsten Steuersatz haben mit 1,5% diejenigen, die über Immobilienbesitz im Wert von mehr als 10 Mio. € verfügen.

Die Vermögenssteuer auf Immobilien will Macron belassen, die auf Kapitalvermögen streichen. Ob gemäß Macrons Motto „Die Unternehmer sind die Ersten in der Seilschaft” es auf diese Weise neben der Bereicherung der Reichen auch zu Investitionen und damit neuen Jobs kommen wird, muss sich freilich erst noch zeigen. Es ist eine Wette von Macron, die laut der Zeitung „Le Monde“ darin besteht, ob die Begüterten mitmachen und ihr Geld, das sie künftig durch die Steuerreform sparen, eigennützig anlegen oder es in einer für die Gesellschaft nützlichen Weise zur Verfügung stellen.

Es ist da wohl eher ein symbolischer Akt, wenn der Präsident die Besteuerung von Yachten, Luxus-Limousinen, Antiquitäten und Edelmetallen auch künftig beibehalten will.

Trump steht bei Weltbank auf der Bremse

An Appellen, vom Multilateralismus nicht abzukommen, hat es auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, die am vergangenen Sonntag in Washington zu Ende gegangen war, nicht gefehlt. Ob der, dem diese Botschaft insbesondere gegolten hat, aber dafür empfänglich ist, darf bezweifelt werden. Immer wieder hatte man den Elefanten im Porzellanladen angesprochen – ohne dass die US-Regierung unter D. T., dem Unberechenbaren, beim Namen genannt wurde.

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, dass globale Probleme nicht mit Alleingängen gelöst werden können und zitierte eine Studie, wonach die ärmsten 10% rund 63% ihrer Kaufkraft verlieren würden, wenn alle Grenzen dichtgemacht würden. Natürlich war dies eine klare Kritik an Trump und dessen „America first”-Politik.

Doch allen Aufrufen zum Trotz hat man den Eindruck, dass die Kritik, die ja von Sachargumenten getragen wird, an Trump nicht nur abprallt, sondern ihn geradezu animiert, sich noch mehr in die Kontroverse zu begeben. So scheinen auch die Spannungen zwischen den Washingtoner Finanzinstitutionen und Washington zuzunehmen. Im Mittelpunkt steht dabei zurzeit insbesondere die Weltbank. Die USA weigern sich aktuell einer Kapitalerhöhung der Weltbank zuzustimmen, sofern sie nicht ihre Kreditvergaben in China drosselt. Ohne die USA aber kann die Weltbank ihr Kapital nicht erhöhen, verfügen diese doch über eine Sperrminorität und dominieren die Institution auch politisch.

China ist zwar mit 60 Mrd. USD hinter Indien der zweitgrößte Kreditnehmer bei der Weltbank, gemessen an der Größe des Landes ist dies aber wenig. Mexiko etwa hat nur unwesentlich weniger Geld erhalten. Die Weltbank versucht seit einigen Jahren verstärkt in Asien Fuß zu fassen, wo sie es zunehmend mit regionalen Entwicklungsbanken zu tun hat. Mit der Kapitalerhöhung wolle man dem steigenden Bedarf nach Kapital in Schwellenländern Rechnung tragen, hatte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim auf der IWF-Tagung klargemacht. Ob es diese Strategie ist, welche der Trump-Administration nicht passt, oder ob über die Weltbank indirekt politischer Druck auf China aufgebaut werden soll, ist unklar. Klar ist nur, dass einmal mehr Trumps Unberechenbarkeit die Märkte belastet.

Die Furcht vor Basel III

Und plötzlich scheint das Mammutprojekt Basel III, in dessen Rahmen der so genannte Basler Ausschuss aus internationalen Bankenaufsehern und Notenbankern Regeln über Modelle zur Absicherung von Bankrisiken berät, vor dem Abschluss zu stehen. So hatte Bundesbankchef Jens Weidmann verkündet, dass unter den jahrelangen Streit zwischen Europäern und Amerikanern bei der Bankenregulierung schon bald ein Strich gesetzt werde.

Im Kern geht es um weltweite Mindeststandards zur Eigenkapitalunterlegung für global tätige Banken. Der sich andeutende Kompromiss soll nun so aussehen, dass der Wert nach dem die Banken mit internen Modellen ihre Bilanzrisiken herunterrechnen dürfen, bei 72,5% liegen darf. Dies aber hat die deutsche Kreditwirtschaft alarmiert, bestehen sie doch darauf, mehr Freiheit bei der Anwendung eigener Risikomodelle anwenden zu dürfen, während die Amerikaner strengere Standardmodelle fordern.

Sparkassen und private Banken sind überzeugt, dass die neuen globalen Regeln europäischen Instituten massive Nachteile gegenüber amerikanischen bescheren werden. So warnt der Bankenverband vor „faulen Kompromissen und vorschnellen Lösungen“. Ein höherer Standardsatz würde die bisher günstige Kreditvergabe im Mittelstand und Handwerk erschweren, argumentieren die deutschen Banken. Insgesamt wäre Europa, das traditionell eine stärker auf Krediten basierende Finanzierungsstruktur aufweist, massiver davon betroffen als die eher kapitalmarktbasierten USA.

Nun hoffen die deutschen Sparkassen und Privatbanken, dass es noch zu Änderungen kommen wird – vor allem, weil auch Frankreich Widerstand gegen das Reformpaket leistet. Es ist allerdings zu befürchten, dass Basel III weitgehend ausverhandelt ist und das Regulierungsprojekt bald offiziell abgesegnet wird.

Innogy setzt auf Privatanleger

In den vergangenen Wochen wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass die Europäische Zentralbank Frankreich bei dem Ankauf von Firmenanleihen bevorzugt behandelte und systematisch vom Kapitalschlüssel abweicht. Dies könnte sich auch zukünftig so verhalten und vielleicht ist das ein Grund, dass in dieser Woche u.a. drei französische Unternehmen (RTE, Vallourec und CMA CGM) mit Neuemissionen aktiv wurden.

So legte der französische Versorger RTE eine 750 Mio. € schwere Anleihe mit Endfälligkeit am 23.10.2037 auf. Der mit einem Kupon von 1,875% und einer Make Whole Option ausgestattete Bond (A19QX7) wurde bei 99,078% gepreist, was einem Emissionsspread von +47 bps über Mid Swap entsprach.

Im Unterschied hierzu mussten die beiden anderen Emittenten aber ihre Bonds mit deutlich höheren Kupons ausstaffieren. Das auf die Herstellung von Rohren für die Energiemärkte spezialisierte Unternehmen Vallourec hat bei der 5-jährigen Anleihe im Volumen von 400 Mio. € (A19QUZ) einen Kupon i.H.v. 6,625% und das französische Schifffahrts- und Logistikunternehmen CMA CGM für seine am 15.01.2025 endfällige 500 Mio. € Emission 5,25% festschreiben lassen (A19Q55). Die Zinszahlung an die Investoren erfolgt jeweils halbjährlich. Die Mindeststückelung dieser drei französischen Bonds beläuft sich auf nominal 100.000 € und zielt somit eher auf institutionelle Anleger ab.

Diesem Trend hat sich in dieser Woche allerdings die Finanztochter des Industrieversorgers Innogy nicht angeschlossen und eine Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 850 Mio. € sowie einer Mindeststückelung von 1.000 € zur Freude der Privatanleger aufgelegt. Der am 19.10.2027 endfällige Bond (A19QW4) wurde mit einem jährlichen Kupon i.H.v. 1,25% zu 98,987% begeben, was einem Spread von +47 bps über Mid Swap gleich kam. Innogy Finance selbst bezeichnet diese Emission als “Grüne Anleihe”, mit deren Erlös nachhaltige Projekte refinanziert werden sollen.

Das fallende Dreieck

Am gestrigen Handelstag hat die Rentenhändler allen Anschein nach etwas der Mut verlassen. So konnte das Rentenbarometer das am Dienstag erreichte Niveau (162,78%) nicht erneut übertreffen und hat erstmals nach sieben Tagen wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Obwohl größtenteils von einer Fortsetzung der expansiven Geldpolitik ausgegangen wird, haben Gewinnmitnahmen den Aufwärtstrend vorerst gestoppt. Das kann sich allerdings schon bald wieder ändern, wenn z. B. im Konflikt zwischen Spanien und Katalonien keine Lösung gefunden werden kann.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die Risiken einer Longposition im Euro-Bund-Future auf diesem Niveau noch vertretbar waren oder ob eine Absicherung der Bestände die bessere Alternative gewesen wäre.

Charttechnisch ist der kurzfristige Aufwärtstrend allerdings immer noch intakt und die Unterstützungslinie verläuft aktuell bei 161,84%. Diese sich täglich um 0,14 Prozentpunkte nach oben verschiebenden Leitplanke bildet in Kombination mit einer oberen Trendkanallinie bei 162,75% ein fallendes Dreieck und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Ausbruch aus dieser Formation erfolgen wird. Zurzeit wird das Sorgenbarometer der Eurozone bei 162,17% gehandelt und man darf gespannt sein, welche Begrenzungslinie zuerst getestet wird.

Bund refinanziert 2 Jahre zu -0,75%

In den USA ist nicht nur wegen einer möglicherweise anstehenden Fed-Zinsentscheidung im Dezember stets Inflation ein Thema, sondern auch im Vorfeld der Aufstockung der 30-jährigen TIPS um 5 Mrd. USD am heutigen Donnerstag. Vorher wurden bereits 116 Mrd. USD mittels T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten refinanziert.

In der Eurozone wurde zum Wochenstart die Slowakei mit zwei Aufstockungen von Altemissionen (A181DY / 2023 ; A1ZUZV / 2027) aktiv. Am nächsten Tag folgte Deutschland mit der Erhöhung des Emissionsvolumens der aktuellen 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110469) um 4 Mrd. € auf insgesamt 13 Mrd. €. Die Zuteilung erfolgte bei durchwachsener Nachfrage mit einer Durchschnittsrendite von -0,75% ggü. dem vorherigen Tender (-0,73%). Für die Marktpflege wurden fast 780 Mio. € zurückbehalten. Zur Wochenmitte war die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland sogar ein zweites Mal am Kapitalmarkt präsent und versteigerte nominal 1 Mrd. € der 2048 endfällig werdenden Bundesanleihe (110243) auf insgesamt 3 Mrd. €. Hierbei wurden Orders für über 1,3 Mrd. € aufgegeben und die Abrechnung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,22% - unter Berücksichtigung einer Marktpflegequote von ca. 190 Mio. €. Am heutigen Donnerstag beschließen Frankreich und Spanien den Reigen der Auktionen. Frankreich bietet Material in 6 Altemissionen (A180JV / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1ZKFM / 2024 ; A1ZW79 / 2025 ; A1GMH7 / 2027 ; 123136 / 2032) und Spanien in 4 Gattungen (A19JJJ / 2021 ; A1ATVW / 2025 ; A19KVL / 2027 ; A18YZ6 / 2046) neu an.

Warten auf die EZB und Katalonien

Die Stimmung an den weltweiten Finanzmärkten könnte kaum besser sein, zumindest ist dies der Eindruck, wenn man auf die Aktienmärkte blickt. Denn diese erreichen derzeit immer neue Rekordstände. Am Devisenmarkt hingegen fehlen aktuell die Impulse für eine klare und eindeutige Richtung. In den kommenden Tagen und Wochen stehen wichtige Termine auf der Agenda und somit halten sich die Marktteilnehmer mit größeren Engagements zurück. Im Fokus steht dabei insbesondere die Nachfolge für den Fed-Vorsitz sowie das EZB-Treffen in der nächsten Woche.

So bewegt sich das Devisenpaar Euro/US-Dollar in relativ ruhigem Fahrwasser, auch wenn die Gemeinschaftswährung momentan aufgrund des Katalonien-Konflikts und einer möglichen Verlängerung des Anleihekaufprogramms unter leichtem Abgabedruck steht. Der Euro handelte zum Wochenausklang noch auf einem Oktoberhoch bei 1,1880 USD um im weiteren Handelsverlauf bis auf 1,1730 USD abzurutschen. Zur Stunde notiert die Einheitswährung wieder etwas höher als die Tage zuvor bei 1,1815 USD.

Trotz des stärker werdenden US-Dollars schaffte es der Euro in der Vorwoche neue Bestmarken zu einer anderen Dollarwährung zu erklimmen. Im Vergleich zum Kiwi-Dollar stieg der Euro heute Morgen bis auf 1,6781 NZD und handelte damit so hoch wie zuletzt im Mai 2016.

In der vergangenen Berichtswoche zählten Währungsanleihen lauten auf türkische Lira, russische Rubel, südafrikanische Rand sowie US-Dollar zu den Favoriten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Der Krug der Verschuldung geht solange zum Brunnen bis er bricht

Aus den USA erreichte uns erst kürzlich die Nachricht, dass der Versicherungskonzern AIG nicht mehr der besonderen Aufsicht durch die Behörden unterliegt. Auf den ersten Blick könnte man also zu dem Ergebnis gelangen, dass anscheinend neun Jahre nach der Rettung durch den Staat Normalität an den Finanzmärkten eingetreten ist. Doch davon sind wir weit entfernt. Dafür verantwortlich ist lediglich die Tatsache, dass das Unternehmen Vermögenswerte in Milliardenhöhe verkauft hat. Nach Ansicht des Kontrollgremiums FSOC ist nämlich das Unternehmen jetzt nicht mehr relevant für das Weltfinanzsystem.

Diese Nachricht alleine bedeutet also keine Entwarnung - nicht zuletzt, weil sich die Anzeichen eines Wiederaufflammens der Krise mehren. So steigt erstmals seit der Finanzkrise die globale Schuldenlast wieder - und zwar auf insgesamt mehr als 217 Billionen US-Dollar. Bemerkenswert ist hierbei, dass das jährliche Bruttoinlandsprodukt weltweit nur mit ungefähr einem Drittel davon beziffert wird. Wie lange das noch gut gehen wird, ist die Gretchenfrage. Deshalb kommt einem unvermittelt die deutsche Redensart „Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht“ in den Sinn.

Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und Asien sind bereits die Risiken sichtbar. Aber der Partystimmung an den Börsen tut das bisher keinen Abbruch. So fragt man sich in den USA, wann die Autofinanzierungsblase platzt. Ähnlich sieht es dort auch im Kreditkartensektor aus. Aber auch in Europa werden immer mehr Reisen, Haushaltsgeräte, Autos und andere Gebrauchsgegenstände auf Kreditbasis finanziert. Man lebt wieder auf Pump und nicht zuletzt in den USA fallen vermehrt Kredite aus! Noch sind wir zwar mit einer Ausfallrate von 3,29% der Kreditkartenschulden weit von dem Wert während der Finanzkrise (10%) entfernt, aber die Quote stieg zuletzt im fünften Quartal in Folge.

In Asien nutzen die Verbraucher die relativ niedrigen Zinsen ebenfalls und verschulden sich manchmal bis über beide Ohren. Teilweise liegt die Verschuldungsquote bereits höher als in vielen Industrieländern und lässt bei einem jährlichen Anstieg von über 10% gegenüber dem Vorjahr aufhorchen. In China sind es allerdings die staatlichen Unternehmen, die zu diesem dramatischen Verschuldungsanstieg beitragen. Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben zwar Chinas Wirtschaft kontinuierlich wachsen lassen, aber dadurch wurde auch eine große Kreditblase geschaffen, die es nun zu entschärfen gilt.

Noch werden die mahnenden Worte belächelt, aber man sollte sich selbst eine Strategie zur Vermögenssicherung überlegen. Vorausschauend zu agieren ist nicht nur beim Autofahren wichtig, sondern auch an den Finanzmärkten. Auch dort gilt es, auf Sicht zu fahren und den Bremsweg einzukalkulieren.

Wann strafft die EZB die Zügel?

Mit einem abrupten Ende der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnet ohnehin keiner. Vielmehr ist mit einem vorsichtigen Rückzug in Trippelschritten zu rechnen, mit dem die EZB ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe allmählich zurückfahren wird. Nachdem ihr Präsident Mario Draghi nun bereits mehrmals signalisiert hat, dass er demnächst verraten wird, wie man von Januar 2018 an weiter vorzugehen gedenke, dürfte die EZB bei der nächsten Notenbanksitzung im Oktober ihre Pläne offenbaren. Auf diese Informationen warten die Marktteilnehmer schon seit geraumer Zeit. Nach dem bisherigen Stand soll das Ankaufprogramm für Anleihen, in dessen Rahmen die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere im Volumen von 60 Mrd. € ankauft, ja mindestens bis Ende 2017 laufen. Die Frage ist aber nicht nur das „Wie“, sondern auch das „Wann“. Bis zum 26. Oktober müssen wir uns zumindest noch gedulden, um zu erfahren, wie ernst es Mario Draghi mit dem Einstieg in den Ausstieg ist.

Jedoch ist „Super-Mario“ ja kein Greenhorn und äußert sich in seinen Reden nie eindeutig, sondern eher im Sinne eines „Hü und Hott“. Stets lässt er sich ein argumentatives Hintertürchen offen. So auch zuletzt, als der EZB-Chef sagte, er sei zwar zuversichtlicher geworden, dass sich die Inflation wieder dem Inflationsziel von knapp zwei Prozent annähern werde. Denn zugleich fügte er hinzu, dass um dieses Ziel zu erreichen, jedoch eine weiterhin expansive Geldpolitik nötig sei. Und weiter: Die sogenannte Kerninflationsrate, also ohne Energie- und Lebensmittelpreise, sei in den vergangenen Monaten nur leicht gestiegen. Die Zentralbank müsse daher geduldig und ausdauernd sein. Und es gebe immer noch eine Unterauslastung der Wirtschaft.

Zuversichtlich gab sich Draghi mit Blick auf die Konjunktur in der Währungsunion. So erläuterte er, der wirtschaftliche Aufschwung erfolge auf breiter Basis mit Blick auf Länder und Sektoren, was für eine Straffung der Geldpolitik spräche. Aber auch hierbei blieb er seiner „Hü- und Hott“-Strategie treu und verwies auf weiterhin geopolitische Risiken für das Wachstum.

Schützenhilfe für die Befürworter einer strafferen Geldpolitik gab es vor zwei Wochen von der US-Notenbank Fed, als sie einen nächsten Zinsschritt in diesem Jahr sowie weitere drei in 2018 angedeutet hat. Damit erleichtert es die Fed der EZB, ebenfalls diesen Weg einzuschlagen. Denn durch die Maßnahmen der US-Notenbank kletterte der US-Dollar und der Aufwertungsdrang des Euros wurde gedämpft. Schließlich hatte dessen Stärke zuletzt das EZB-Inflationsziel von 2% als realitätsfremd erscheinen lassen. Zusätzlich neue Spielräume in der Geldpolitik erhalten die Notenbanken aber auch nicht zuletzt durch die generellen Wachstumstendenzen der Volkswirtschaften.

Bliebe allerdings noch eine Unsicherheit: Der Vertrag von Fed-Präsidentin Janet Yellen läuft im Januar 2018 aus. Höchste Zeit für D. T., den Unberechenbaren, sich über eine Neubesetzung Gedanken zu machen. Wobei die Marktteilnehmer im Sinne von Verlässlichkeit und Kontinuität durchaus auch eine Vertragsverlängerung von Yellen goutieren würden. Aber eine solche Entscheidung würde nicht in das bisherige Verhaltensmuster des amtierenden US-Präsidenten passen.

Unsicherheit in Spanien stößt Börsianern sauer auf

Den Börsianern stößt die Unsicherheit um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien sauer auf. Nachdem die Katalanen am Sonntag ein Referendum über die Loslösung von Spanien abgehalten hatten, blieben die Börsen nervös.

An den Bondmärkten gingen die Kurse der spanischen Staatsanleihen weiter in die Knie. So rutschte im zehnjährigen Bereich eine bis 10/2027 laufende spanische Staatsanleihe (A19KVL) auf 97,10% ab und die dabei erzielte Rendite von 1,76% war die höchste seit über drei Monaten. Jedoch fiel auch der Kurs eines fünfjährigen spanischen Bonds (A19B40) auf pari zurück. Diesem Trend konnten sich auch Banktitel nicht entziehen und so notierte am gestrigen Abend eine bis 1/2027 laufende Anleihe von Santander (A19BHM) nur noch bei 105,50%, nachdem noch Anfang August mit 108,16% ein Zwölfmonatshoch erzielt worden war. Gleichzeitig weitete sich die Rendite auf ca. 2,45% aus.

Unter Druck geriet auch der Aktienmarkt an der Madrider Börse, wo insbesondere Bankentitel zu den Verlierern gehörten. Der Leitindex der Madrider Börse IBEX 35 verlor gestern rund 2,8% auf ein Niveau von 9,964,90 Punkten, was dem tiefsten Stand seit fast sieben Monaten entspricht. Bekanntlich war das Referendum des wirtschaftsstarken Kataloniens zuvor von der Zentralregierung und dem Verfassungsgericht für illegal erklärt worden. Vergleichbar wäre, wenn Bayern eine Abstimmung anberaumen würde, mit der man über den Verbleib des Freistaats in der Bundesrepublik Deutschland abstimmen lassen wollte.

Nicht zuletzt durch das ungeschickte Verhalten von Spaniens Ministerpräsident Rajoy ist die Situation festgefahren und eine Lösung mit ihm nur noch schwer vorstellbar. Die nächste Eskalationsstufe könnte gezündet werden, wenn der Chef der Regionalregierung in Barcelona, Carles Puigdemont, die Unabhängigkeit Kataloniens erklären sollte. Seine Regierung werde Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche handeln, wenn alle Stimmen ausgezählt seien, kündigte Puigdemont an. Und doch klang das ein bisschen nach Zeitspiel - auf der Suche nach einem Vermittler. Denn schließlich weiß man ja, dass 90% der 42% zur Wahl gegangenen Katalanen für die Abspaltung gestimmt hatten.

Brexit-Gespräche treten auf der Stelle

Dass der Brexiteer Boris Johnson ein Polterer ist, hat der britische Außenminister wiederholt bewiesen. Nun aber hat er seiner Reputation eine weitere Geschmacklosigkeit hinzugefügt. Auf dem Parteitag der konservativen Tories in Manchester sagte Johnson, Libyen könne zu einem attraktiven Ziel für Touristen und Investoren werden, die Küstenstadt Sirte gar ein neues Dubai. Vorher müssten aber erst „die Leichen weggeräumt werden”. Diese Bemerkung stieß sowohl bei der Opposition als auch bei den Konservativen auf zum Teil harsche Kritik und hat die Debatte um seine Person weiter befeuert.

Nachdem das Enfant Terrible der britischen Tories in den vergangenen Wochen Premierministerin Theresa May mehrfach düpierte, erwies sich diese aber für eine Entlassung Johnsons als zu schwach und äußerte sich auf dem Parteitag überraschend zahm zum Brexit-Kurs. Zuvor war noch spekuliert worden, ob Boris Johnson die amtierende Premierministerin stürzen wolle. Jedoch mimte er auf dem Parteitag gegenüber May den „Wolf im Schafspelz“ und attackierte stattdessen Labour-Chef Jeremy Corbyn. Den Brexit verteidigte er hingegen vehement und bezeichnete ihn als eine „demokratische Revolution, die wir in eine kulturelle und technologische Erneuerung verwandeln können”. Dafür wurde er mit großem Beifall der Delegierten bedacht.

Die konkreten Verhandlungen zwischen Brüssel und London kommen allerdings im Moment nicht vom Fleck, da anscheinend die britische Regierung überhaupt nicht weiß, was sie eigentlich will. Zwar ist laut Brexit-Minister David Davis in der Frage der Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und Briten in der EU eine baldige Lösung in Sicht. Aber selbst wenn das stimmen sollte, ist man noch nicht so weit, um in Gespräche über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien einzutreten. Insbesondere bei den finanziellen Forderungen, welche die EU an Großbritannien hat, ist man nicht vorangekommen. Daher sollte diese zweite Phase der Brexit-Verhandlungen aufgeschoben werden, wie eine breite Mehrheit der Europaabgeordneten nun fordert. Zuerst muss die Scheidung geregelt werden, heißt es. Dazu braucht es jedoch eine Delegation aus London, die einen Plan hat und darum sollte sich Theresa May jetzt endlich kümmern. So schwach sie sein mag, sollte man stets bedenken, dass es ohne sie auch nicht einfacher wäre. Erst recht nicht, wenn ihr Nachfolger Boris Johnson hieße.

Im Übrigen hat Europa auch noch anderes zu tun, als sich mit den planlosen Briten herumzuschlagen. Denn die Zukunft der Europäischen Union ist schließlich wichtiger als der Brexit, wie Barnier anmerkte.

BaFin weist auf Bail-in-Risiko hin

BaFin-Chef Felix Hufeld offenbarte auf einer bankenaufsichtlichen Fachtagung der Deutschen Bundesbank in Frankfurt die Risiken, welche Anleger in Deutschland durch einen möglichen Bail-in drohen. Denn deutsche Bankkunden halten mehr bail-in-fähige Anlagen als allgemein angenommen wird und liegen demnach bei diesem risikobehafteten Material nach Italien auf Platz zwei. Bei diesen Wertpapieren handelt es sich insbesondere um unbesicherte nachrangige Verbindlichkeiten wie Inhaberschuldverschreibungen, die noch höhere Zinsen bieten. „Bail-in-fähig“ bedeutet, dass die Kundenanlagen im Falle der Abwicklung eines Instituts ganz oder teilweise abgeschrieben werden, damit möglichst wenig an Steuergeldern eingesetzt werden muss.

Zuletzt hatten bei der Abwicklung der italienischen Institute BP Vicenza und Veneto Banca sowohl Aktionäre als auch Anleihegläubiger und Inhaber von Zertifikaten durch einen Bail-in ihre Investitionen verloren. Dasselbe war bei der durch Santander übernommenen spanischen Banca Popolare passiert.

Wie Hufeld sagte, reiche seine Phantasie aus, um sich Situationen vorzustellen, in denen solche Fälle auch in Deutschland passieren könnten. „Wir sitzen häufig auch in einem kleinen Glashäuschen”, sagte er. In der deutschen Selbstwahrnehmung dagegen sei häufig „alles supertoll” und nur die europäischen Nachbarn hätten Probleme, aber das sei ein Trugschluss.

Peugeot sammelt 500 Mio. € ein

In dieser feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche ließen es die Unternehmen am Primärmarkt für Corporate Bonds eher ruhig angehen. So besorgten sich lediglich PSA Banque France, Total Capital International und Ovako frisches Geld am Kapitalmarkt.

Eine der Finanzierungsbanken des französischen Automobilherstellers Peugeot PSA Banque France begab eine 500 Mio. € schwere Anleihe (A19P37). Der 5-jährige Bond ist am 10.10.2022 fällig und mit einem Kupon von jährlich 0,625% ausgestattet. Der Ausgabepreis lag bei 99,501%, was einem Emissionsspread von +48 bps über Mid Swap entsprach. PSA Banque France legte die Mindeststückelung mit 100.000 € fest und spricht damit eher institutionelle Investoren an.

Ebenfalls mit dieser Mindeststückelung begab Total Capital International eine 1 Mrd. € schwere Anleihe (A19P36) mit einer Laufzeit bis zum 04.10.2029. Dieser 12-jährige Bond zahlt den Investoren jährlich 1,375% Zinsen und wurde zu 99,682% begeben. Dies kam einem Spread von +30 bps über Mid Swap gleich.

Als letzter im Bunde konnte der Produzent und Entwickler von Stahl-Lösungen Ovako erfolgreich 310 Mio. € am Kapitalmarkt einsammeln. Das Unternehmen mit Sitz in Stockholm, Schweden, stattete den am 5.10.2022 endfälligen Bond (A19PU9) mit einem Kupon in Höhe von 5% aus, der halbjährlich im April und Oktober ausgezahlt wird. Der Emissionsspread belief sich auf +532 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe, was einem Emissionspreis von pari entsprach. Ovako ließ neben einer Make Whole Option drei optionale Kündigungsrechte in die Anleihebedingungen aufnehmen. Folglich kann der Emittent die Anleihe am 05.10.2019 zu 102,50%, am 05.10.2020 zu 101,25% und am 05.10.2021 zu 100% kündigen. Auch bei diesem Bond wurde die Mindeststückelung auf 100.000 € festgeschrieben.

Zwischenhoch oder Trendwende?

Zwar ist inzwischen das Oktoberfest 2017 Historie und die Fahrgeschäfte wurden abgebaut, aber mancher Investor empfindet weiterhin so, als wäre er noch immer in der Gewalt der rotierenden Arme des „High Energy“ und wüsste nicht, wo oben und unten ist. Überwog am Donnerstag der vergangenen Woche infolge der Zinsanhebungsphantasie in den USA noch Panik bei den Rentenhändlern auf beiden Seiten des Atlantiks, so konnte sich das Stimmungsbild in den zurückliegenden Handelstagen deutlich aufhellen. Denn nach dem Durchsacken auf das Tief vom 28. September bei 160,24% folgte nicht der Ausverkauf bei Renten, sondern ein Rebound auf 161,82%. Jedoch muss zu einer weiteren Stimmungsverbesserung die psychologische Marke von 162% nachhaltig überwunden werden.

Noch scheint durch unterschiedliche geopolitische Themen am Rentenmarkt „eitler Sonnenschein“ zu herrschen, denn viele Investoren halten zwar theoretisch Gewinnmitnahmen bei Aktien für möglich, aber das ist sicherlich mit ein Grund, im Umkehrschluss nicht auf fallende Rentenkurse zu setzen. Jedoch erhöht sich charttechnisch bei einem Abprallen an der 162%-Marke die Gefahr eines kräftigen Rücksetzers bis in einen Bereich von ca. 160%.

Aktuell wird das Rentenbarometer allerdings noch bei 161,20% gehandelt und profitiert weiterhin von der laxen Geldpolitik der europäischen Zentralbank. Aus diesem Grund werden wir uns wohl noch etwas gedulden müssen, bis wir wissen, ob es sich aktuell nur um ein Zwischenhoch oder doch um eine Trendwende beim Euro-Bund-Future handelt.

Wie reagieren Investoren bei Spaniens Refinanzierung?

In dieser Handelswoche wurden in den USA lediglich Geldmarktpapiere im Gegenwert von 113 Mrd. USD neu emittiert. In der kommenden Woche werden zusätzlich Laufzeiten von 52 Wochen sowie drei, zehn und 30 Jahren angeboten.

In der Eurozone hingegen wurde zur Wochenmitte die aktuelle 10-jährige Benchmark-Anleihe der Bundesrepublik Deutschland (110242) um 3 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. € aufgestockt. Die Nachfrage überstieg das angebotene Volumen und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,44%. Zur Marktpflege wurden nominal ca. 580 Mio. € zurückbehalten. Zeitgleich hat sich Irland mit einer 5-jährigen Anleihe im Volumen von 4 Mrd. € (IE00BDHDPQ37) refinanziert.

Am heutigen Donnerstag werden Frankreich und Spanien am Kapitalmarkt aktiv. Hierbei darf man insbesondere gespannt sein, wie die Nachfrage nach den beiden Altemissionen Spaniens (A1ZJHS / 2024 ; 197017 / 2029) und der neu aufgelegten Anleihe bis 2022 (ES0000012A97) sein wird. Denn nach der gestrigen Ankündigung der Ratingagentur S&P, die Anleihen der Region infolge der Streitigkeiten zwischen Katalonien und Spaniens Zentralregierung auf eine Liste zur Prüfung für ein niedrigeres Rating zu setzen, ist ein nicht unwichtiger Aspekt neu hinzugekommen. Eine Entscheidung über das Rating dürfte innerhalb von drei Monaten fallen, aber Spanien wird bereits heute die Reaktionen der Investoren zu spüren bekommen. Zeitgleich begibt auch Frankreich einen neuen Bond bis 2028 (FR0013286192) und erweitert zwei Altemissionen (A1Z56L / 2025 ; A19HR9 / 2048) volumenstechnisch.

Wer wird den Fed-Vorsitz übernehmen?

Die Frage nach dem oder der kommenden Fed-Vorsitzenden beherrschte auch in dieser Handelswoche die Aktivitäten an den Devisenmärkten. Hieß es zuletzt noch, dass der „Falke“ Kevin Warsh als aussichtsreichster Kandidat gelte, so wird inzwischen mit Jerome Powell ein eher dem Lager der „Tauben“ zugeordneter Anwärter auf den Chefposten bei der amerikanischen Notenbank gehandelt. Doch vielleicht wird in den kommenden Tagen - in Anlehnung an den FC Bayern bei seiner Besetzung des Trainerpostens - noch der ein oder andere Anwärter zu diesem illustren Kreis dazu stoßen. Zurzeit scheint lediglich sicher zu sein, dass Janet Yellen keine Chance auf eine weitere Amtszeit hat.

Die unterschiedliche geldpolitische Zuordnung der Kandidaten hat in den vergangenen Tagen - je nach Einschätzung der Marktteilnehmer, zum Grad der Wahrscheinlichkeit einer Benennung - immer wieder zu einer Neubewertung des Greenbacks geführt. Darüber hinaus haben aber auch andere Themen wie die US-Steuerreform und eine noch in diesem Jahr mögliche Zinsanhebung dem Währungspaar Euro/US-Dollar zu einer Tradingrange zwischen 1,1694 USD und 1,1832 USD verholfen. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei ca. 1,1765 USD.

Handelsaktivitäten waren jedoch nicht nur in Fremdwährungsanleihen lautend auf US-Dollar, sondern auch auf australische Dollar, russische Rubel und britische Pfund zu registrieren.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Stolpersteine auf dem Weg nach Jamaika

Dass es nicht einfach werden wird, war von Anfang an klar. Nach dem kategorischen Nein der SPD zu einer Regierungsbildung werden die vielen Stolpersteine deutlich, die auf dem Weg zu einem möglichen Jamaika-Regierungsbündnis aus CDU/CSU, der FDP und den Grünen liegen. Nun versuchen insbesondere die kleinen Parteien CSU, FDP und Grüne den Preis für einen Koalitionsvertrag in die Höhe zu treiben. Zurückhaltung macht sich daher aufgrund der unsicheren Regierungsbildung an der Börse breit. Auch der Euro schwächelte und die RWE-Aktie musste aufgrund der unklaren Aussichten bei der Energiepolitik einen deutlichen Abschlag hinnehmen.

Und da wären wir auch schon bei einem Knackpunkt, der Energiepolitik. Während hier die Grünen bis 2020 die Abschaltung der „20 schmutzigsten Kohlekraftwerke” versprochen haben, um das deutsche Klimaziel noch einzuhalten, schweigt sich die FDP zur Kohle aus. Ein staatlich forcierter Ausstieg aus der Kohle würde aber so ziemlich das Gegenteil liberaler Politikgrundsätze darstellen – auch wenn sich die Liberalen zum Klimavertrag von Paris bekennen. Ebenso weit liegen die Ansätze in der Verkehrspolitik auseinander. Während man sich im Grunde ja einig ist, dass saubere Autos kommen müssen, wollen die Grünen ab 2030 keine Verbrennungsmotoren zulassen, während die FDP eine solche Festlegung ablehnt und Technologieoffenheit großschreibt. Schwierig wird es auch bei der Frage nach einer Obergrenze für Flüchtlinge, die die CSU durchsetzen will, aber im Grunde von allen anderen Verhandlungspartnern verneint wird.

Ohne hier jetzt alle Themen abzuarbeiten, wird anhand dieser Beispiele deutlich, wie schwierig es sein wird, bei den Verhandlungen auf einen Nenner zu kommen. So zeichnet sich jetzt schon ab, dass alle Beteiligten gleich mehrere Kröten werden schlucken müssen, sollte man sich auf einen Koalitionsvertrag einigen.

Dass dies nicht von heute auf morgen geschehen kann, muss man den Verhandlungspartnern zugestehen. Dennoch wäre eine möglichst frühe Einigung im Interesse der Kapitalmärkte, deren Akteure gerne wissen wollen, woran sie sind. Denn Stabilität ist Börsianern ein hohes Gut.

Die war in einem gewissen Sinn durch die bisherige schwarz-rote Koalition gegeben – etwa auf dem Feld der Außenpolitik. Stabilität ist aber nicht mit Stillstand zu verwechseln, den so mancher Wirtschaftsvertreter bei der Großen Koalition (Groko) ausgemacht hat. Daher erhofft man sich von einem Jamaika-Bündnis in der Wirtschaft zukunftsweisende Impulse in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, wie eine Umfrage der Welt ergab. Warten wir’s also ab, ob es die zum Teil sehr unterschiedlichen Partner schaffen, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen.

Ungeachtet der Regierungsbildung dürfte ein Unsicherheitsfaktor in Form der AfD bleiben, die das Niveau der Debattenkultur im Parlament nach unten ziehen und das Ansehen Deutschlands im Ausland verschlechtern dürfte. Und für eine auf Export gepolte Wirtschaft ist ein solcher Unsicherheitsfaktor ohnehin nie gut.

Macron prescht in Europa vor

Nicht weniger als eine „Neugründung Europas“ ist es, die Emmanuel Macron bei seiner mit Spannung erwarteten Rede an der Pariser Universität Sorbonne gefordert hat. Kein Zweifel, mit seinen Reformvorschlägen zur EU ist der französische Präsident vorgeprescht – und das in einer Zeit, in der in Deutschland eine neue Regierung gebildet werden muss. Aus diesem Grund dürften Macrons Ideen auch die ohnehin schon komplizierten Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht unbeeinflusst lassen.

Mit Verve macht sich Macron für eine Erneuerung der Europäischen Union stark, deren Basis selbstverständlich die Achse Frankreich-Deutschland bilden soll. Dabei dürften seine Vorschläge nicht allen politischen Kräften in Berlin zu pass kommen.

Insbesondere seine Vorschläge für ein Eurobudget, einen Eurofinanzminister und ein Parlament für die Eurozone werden in Berlin eher mit großer Skepsis aufgenommen. Vor allem die FDP fürchtet, dass Frankreich am Ende doch nur eine Transferunion wolle. So haben die Liberalen, aber auch die CSU bekanntlich ja schon mal ihren Widerstand gegen einen gemeinsamen Haushalt angekündigt.

Beide dürften deshalb versuchen, in einem Koalitionsvertrag festzuschreiben, dass die EU keine Transferunion werden dürfe. Im Übrigen sitzt mit der AfD nun eine Anti-Euro-Partei im Bundestag, die jede Nachgiebigkeit der Bundesregierung in finanziellen Fragen als Verrat an der Stabilität des Staates anprangern dürfte.

Ungeachtet solch ideologisch geprägter Haltungen bleibt sachlich festzuhalten, dass kein europäisches Land so umfangreich vom Euro profitiert wie Deutschland. Deshalb sollte die neue Regierung in Berlin sehr wohl sorgfältig abwägen, inwieweit eine Vertiefung der Eurozone etwa durch die Institutionalisierung eines Euro-Finanzministers am Ende doch der deutschen Volkswirtschaft nützen würde. Dasselbe gilt für die von Finanzminister Wolfgang Schäuble favorisierte Idee eines Europäischen Währungsfonds, der wohl was kosten, aber die Europäer vom IWF unabhängig machen würde.

Macron hat seine europapolitische Vision jedenfalls an die Wand geworfen. Jetzt muss es ihm die deutsche Regierung nachtun. Andernfalls würde Berlin durch weiteres Zögern an Einfluss auf die weitere Entwicklung der Euro-Zone verlieren.

May redet Großbritannien herunter

Die Reaktion auf die Grundsatzrede von Theresa May vom vergangenen Freitag erfolgte prompt. Nachdem die britische Premierministerin eine befristete Übergangsphase von rund zwei Jahren nach dem Brexit vorgeschlagen hatte, korrigierte die US-Ratingagentur Moody’s ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit Großbritanniens nach unten.

Die Bonitätsnote für das Land werde von Aa1 auf Aa2 gesenkt, teilte Moody’s mit. Die Aussicht für die Staatsfinanzen habe sich „erheblich verschlechtert“, begründet die Ratingagentur diesen Schritt. So erwartet Moody’s für Großbritannien steigende Schulden, der Erfolg von Konsolidierungsbemühungen sei fraglich. Die Probleme werden nach Einschätzung von Moody‘s durch eine wahrscheinliche wirtschaftliche Abschwächung auf mittlere Sicht infolge des Austritts aus der Europäischen Union verschärft.

May hatte angedeutet, dass ihr Land während der vorgeschlagenen Übergangszeit Beiträge in den EU-Haushalt zahlen könnte. Kein Mitgliedsland der EU müsse wegen des Brexits mehr Geld einzahlen oder bekomme weniger heraus. Großbritannien werde Verpflichtungen einhalten, die wir während unserer Mitgliedschaft gemacht haben, sagte sie, ohne eine konkrete Zahl zu nennen.

London zahlt jährlich etwa 10 Mrd. € netto in den Brüsseler Haushalt ein. Bei einer zweijährigen Übergangsphase müsste London demnach noch ungefähr 20 Mrd. € trotz seines Austritts aus der EU zahlen. Dies würde aber noch lange nicht an die Rechnung heranreichen, die Brüssel aufgemacht hat. Bekanntlich fordert die EU-Kommission zwischen 60 Mrd. € und 100 Mrd. € von London.

Damit wäre allerdings nur ein Teil dieser Forderung abgegolten, die London der EU nach Ansicht von Brüssel schuldet. London hat diese Forderungen bekanntlich zurückgewiesen. Die Rechnung der EU umfasst gemeinsam eingegangene EU-Finanzverpflichtungen für Haushalt, Fördertöpfe und Pensionslasten.

May beschwor zudem in ihrer Rede die Vision für eine neue „tiefe und besondere“ Beziehung zwischen der EU und Großbritannien – was immer damit gemeint sein mag. Brüssel will jedoch über die künftigen Beziehungen mit Großbritannien erst sprechen, wenn „ausreichender Fortschritt“ bei wichtigen Trennungsfragen erreicht ist.

Trump bleibt Unsicherheitsfaktor

D. T., der Unberechenbare, hat es nicht geschafft: Der von Donald Trump so heftig betriebene Versuch, die verhasste Gesundheitsreform „Obamacare” abzuschaffen, ist im dritten und letzten Anlauf endgültig gescheitert. Die US-Republikaner hatten es einfach nicht vermocht, im Kongress die nötige Mehrheit zu organisieren. Hier scheint wohl in der Tat einmal die Vernunft gesiegt zu haben.

Aber damit nicht genug. Zu allem Übel, das Trump an diesem Tag widerfahren ist, kam die Niederlage seines Favoriten in der republikanischen Vorwahl zur Senatswahl in Alabama hinzu. Darüber hinaus hat Senator Bob Corker aus Tennessee seinen Rückzug aus der Politik bis Ende 2018 avisiert. Damit wird es Trump künftig schwer haben, seine zentralen Wahlversprechen einzulösen.

Nachdem es nicht gelungen ist, eine Mehrheit für die Abschaffung der von Barack Obama eingeführten Gesundheitsfürsorge herzustellen, konnte der Präsident in acht Monaten Amtszeit noch kein einziges zentrales Vorhaben seiner Regierung durchsetzen.

Und dass sich im Vorwahlkampf der Republikaner in Alabama ein extrem konservativer Richter namens Roy Moore gegen einen von Trump unterstützten Kandidaten durchsetzen konnte, lässt nichts Gutes vermuten. Es ist eher ein Hinweis auf das Ringen innerhalb der republikanischen Partei zwischen moderaten und radikalkonservativen Kräften, wobei in diesem Fall Letztere siegten. Moore wurde in seinem Wahlkampf von Steve Bannon, Trumps ehemaligem Chefstrategen im Weißen Haus und jetzigem Chefredakteur der rechtsradikalen Internetseite Breitbart News, unterstützt.

Des Weiteren heizt der amerikanische Präsident den Konflikt mit Nordkorea eher noch an und trägt damit weiter zu den Unsicherheiten an den Märkten bei. Anstatt sich mit dem diktatorischen Staat um eine diplomatische Lösung zu bemühen, legt Trump sich im Inland lieber mit den protestierenden Footballspielern an, die während des Abspielens der Nationalhymne aus Protest knieten.

Insgesamt ist Trump ein schwer auszurechnender Politiker. Selbst seine engsten Mitarbeiter wirken immer wieder überrascht von seinen unbeständigen Positionen. Dadurch schafft er eine Situation andauernder Unsicherheit. Wie und was ein Politiker letztlich entscheidet, ist für andere oft schwer vorhersehbar. Zudem wirkt seine Haltung nicht in sich konsistent und schlüssig, sondern oft von überraschenden Kurswechseln geprägt. Und genau diese Willkür ist es, die die Kapitalmärkte nicht mögen.

VW Leasing mit Doppelpack

In der Automobilbranche dreht sich aktuell immer noch alles um das Thema “Abgase”. Sowohl der Streit um falsch angegebene Abgaswerte als auch die Diskussion, ob es in Zukunft Dieselfahrverbote geben wird, ist in aller Munde. Europas größter Automobilhersteller Volkswagen geht aktuell nicht nur mit einer Werbung in die Offensive und bietet den Kunden für den Tausch eines alten Dieselfahrzeuges gegen ein neues eine Prämie an, sondern wurde in dieser Berichtswoche auch auf dem Bondmarkt aktiv.

Dabei emittierte die Volkswagen Tochter Volkswagen Leasing GmbH gleich 2 Bonds mit insgesamt 2,25 Mrd. €. Die erste Tranche (A2GSFP), ein 3-jähriger Bond ist am 05.10.2020 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 0,25%. Das Emissionsvolumen beträgt hier 1,25 Mrd. €. Der Emissionspreis lag bei 99,973%, was +32 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 1 Mrd. € schwere 7-jährige Anleihe (A2GSFQ) mit Fälligkeit am 04.04.2024 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,125% jährlich und wurde zu einem Preis von 99,424% ausgegeben. Dies entsprach einem Emissionsspread von +80 bps über Mid Swap. Beide Anleihen sind mit einer privatanlegerfreundlichen Mindeststückelung von 1.000 € ausgestattet.

Ebenfalls ein Doppelback in Höhe von 1,075 Mrd. € emittierten zwei Zweckgesellschaften im Zusammenhang mit der Übernahme von Stada. Dabei sammelte die Nidda Healthcare Holding mit einem 8-jährigen Bond (A2GSKU) 735 Mio. € am Kapitalmarkt ein. Das Papier ist mit einem Zins von jährlich 3,5% ausgestattet, was bei einem Spread von +350 bps über Bund einen Emissionspreis von pari ergab. Die Zinszahlung an die Investoren erfolgt halbjährlich. Die zweite Anleihe (A2GSKT) wurde von Nidda Bondco GmbH mit einem Emissionsvolumen von 340 Mio. € begeben. Der Kupon beträgt 5% p.a. und wird, wie bei der ersten Tranche, im März und September an die Investoren gezahlt. Emittiert wurde ebenfalls zu 100%, was einem Spread von +486 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach. Die gewählte Mindeststückelung von 100.000 € spricht eher institutionelle Investoren an. Beide Gesellschaften ließen sich bei Ihren Emissionen drei optionale Kündigungsrechte am 30.09.2020, 30.09.2021 und 30.09.2022 und eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen festschreiben.

Als letzter im Bunde legte die niederländische Brauerei Heineken einen 12-jährigen Bond (A19PVS) mit einem Emissionsvolumen von 800 Mio. € auf. Der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt mit Sitz in Amsterdam zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt 1,5% Zinsen p.a. an die Investoren. Der Emissionspreis belief sich auf 99,035%, was einem Spread von +50 bps über Mid Swap gleichkam. Auch Heineken wählte eine Mindeststückelung von 100.000 € und ließ sich eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen aufnehmen. Zusätzlich kann der Bond seitens des Emittenten drei Monate vor Endfälligkeit zu 100% gekündigt werden.

Euro kommt ins Straucheln

Die europäische Gemeinschaftswährung konnte Anfang September noch überzeugen und notierte mit 1,2092 USD so hoch wie zuletzt im Januar 2015.

Zum Monatsende allerdings kommt die Einheitswährung deutlich unter Druck. Seit dem Wochenende hat der Euro mit dem Wahlausgang in Deutschland zu kämpfen. Darüber hinaus findet der US-Dollar wieder leicht zu seiner alten Stärke zurück. Auftrieb erhielt der Greenback insbesondere von den jüngsten Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen, die nochmals die Zinsanhebungsphantasien für dieses Jahr beflügelte. So fiel der Euro seit Wochenbeginn von 1,1937 USD bis auf 1,1717 USD zurück und markierte damit ein neues Monatstief. Das aktuelle Marktgeschehen ist geprägt von geopolitischen Sorgen sowie den Äußerungen verschiedener Notenbankvertreter zur künftigen Geldpolitik der Fed und der EZB. Somit bleibt das Währungspaar Euro/Dollar anfällig für potenziell kursbewegende Nachrichten. Zur Stunde handelt die Gemeinschaftswährung bei 1,175 USD.

Entgegen dieser Entwicklung präsentiert sich die Einheitswährung zur türkischen Lira stark. So konnte der Euro das bisherige Jahreshoch bei 4,2129 TRY verbessern und markierte eine neue Bestmarke bei 4,2192 TRY.

Ähnlich gut kann sich der Euro zum südafrikanischen Rand behaupten. So stieg der Devisenkurs zeitweise bis auf 16,0549 ZAR und setzte damit ebenfalls einen neuen Jahresbestwert.

Im Fokus der Privatanleger standen in dieser Woche vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, türkische Lira, norwegische Kronen und vereinzelt auch südafrikanische Rand.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Vor der Wahl ist nach der Wahl: Stabilität ist bei Börsianern Trumpf

Ohne Frage ist die Bundestagswahl für die deutschen Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung - nicht zuletzt, weil mit der AfD ein bisher nicht gekannter Unsicherheitsfaktor ins Parlament einziehen dürfte. Und Unsicherheit ist nun einmal ein Gift, das die Kapitalmärkte hassen. Sicher scheint, dass Angela Merkels CDU der Sieg nicht mehr zu nehmen ist - vorausgesetzt, die Demoskopen erleben nicht wieder ein Waterloo wie beim Brexit. Auch vor diesem Hintergrund lautet das erste Bürgergebot: Wählen gehen!

Überwiegend dürften die Marktteilnehmer und Börsianer zu einer schwarz-gelben Koalition aus Union und FDP tendieren, etwa weil man sich davon mehr Freiheiten für Unternehmen erhofft. Die Frage ist aber, wie sich eine widerspenstige FDP zur eigenen Profilierung gebärden würde, um nicht wieder wie im Anschluss an die letzte Koalition mit der Union (2009 - 2013) aus dem Parlament zu fliegen. Außerdem verfügt die Partei über eine dünne Personaldecke. Selbst Sympathisanten der Liberalen reden ja hinter vorgehaltener Hand von einer One-Man-Show des Christian Lindner.

Stabilität versprechen sich indessen viele von einer Fortsetzung der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Und das dürften auch die Märkte mögen – vor allem dann, wenn die von der Union in Aussicht gestellten Steuerversprechungen eingelöst werden sollten. Natürlich dürfte es in einer Großen Koalition ein Ringen um die Wiedereinführung der Vermögenssteuer oder eine Anhebung der Erbschaftssteuer geben. Schließlich sorgt auch das Gefühl, dass es gerecht im Land zugeht, für eine nachhaltige Stabilität in der Gesellschaft.

Verbal vorbereitet haben in den vergangenen Tagen Union, FDP und Grüne auch die Möglichkeit einer Jamaika-Koalition - eben ein Bündnis aus diesen drei Parteien. Unter anderem offenbarte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, dass er mit einem wie seinem baden-württembergischen Pendant und Duzfreund Winfried Kretschmann „morgen im Bund koalieren“ könne, wie er der Stuttgarter Zeitung gestand. Immerhin kämen dann mit den Grünen Vertreter an die Regierung, die existenzielle Themen wie die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens oder das Insektensterben stärker ins Licht rücken würden. Schließlich soll das Klimaabkommen auch dazu dienen, die Kapitalströme weg von fossilen Brennstoffen zu lenken.

Unterm Strich sehen Börsianer aber eher gelassen auf die Bundestagswahl. Das liegt auch daran, dass die beiden großen Parteien explizit pro-europäisch sind. Man erinnere sich noch an die jüngsten Wahlen in Frankreich und den Niederlanden, wo die jeweils zweitplatzierte Partei einen scharfen anti-europäischen Kurs vertreten hat. Eine Angst um den Euro kann die Bundestagswahl damit jedenfalls nicht auslösen.

Fed gibt Startschuss für Abbau der Bilanzsumme

In Erwartung der gestrigen Zinssitzung der US-Notenbank Fed hatten sich die Akteure an den Kapitalmärkten in den vergangenen Tagen eher zurückgehalten. Nun hat Notenbank-Chefin Janet Yellen geliefert, indem sie den Startschuss für den Abbau einer enorm aufgeblähten Bilanz gegeben hat.

Schrittweise soll der auf 4,5 Billionen USD angehäufte Bestand an Staatsanleihen abgetragen werden, der nach der Finanzkrise zur Stützung der Wirtschaft gebildet worden war. Ab Oktober soll dieser monatlich um 10 Mrd. US-Dollar reduziert und das Tempo sukzessive bis auf 50 Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Der Abbau des Portfolios gilt nach acht Jahren Aufschwung als ein weiterer Schritt zu einer Normalisierung der Geldpolitik. Die Maßnahme war von der Fed sorgfältig vorbereitet und transparent kommuniziert worden. Daher kam diese Ankündigung für die Märkte nicht überraschend.

Auch mit einer Veränderung des Leitzinses hatte im Vorfeld kaum jemand gerechnet. So hat die Fed den Zielsatz für den Schlüsselzins in der Spanne von 1,0% bis 1,25% belassen. Zuletzt hatte die US-Notenbank Mitte Juni den Leitzins um 0,25% erhöht, was die vierte Erhöhung seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise darstellte. Zwischen Ende 2008 und Ende 2015 verharrte der Zinssatz an der Nulllinie.

Mit Spannung aber war erwartet worden, ob die Fed ein Signal für eine Leitzinsanhebung geben würde. Noch auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole Ende August hatte dies Yellen vermieden. An den Märkten war im Vorfeld der Zinssitzung eine Leitzinserhöhung im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 56% eingepreist worden. Die Prognosen der Fed-Mitglieder deuten nach der gestrigen Sitzung auf eine Anhebung in diesem Jahr sowie auf drei weitere im kommenden Jahr hin.

Besserung der einstigen Sorgenkinder

Sie galten lange als Sorgenkinder der Europäischen Union (EU). Doch nun haben Irland und Portugal wieder bessere Bonitätsnoten erhalten. So hat die US-Ratingagentur Moody’s wegen seiner robusten Wirtschaftsentwicklung das Rating von Irland von zuletzt A3 auf A2 hochgestuft. Der Ausblick sei „stabil“. Moody’s bescheinigt dem Euroland damit eine gute bis befriedigende Bonität. Irland hatte in der Finanz- und Schuldenkrise an der Grenze zur Staatspleite gestanden und war 2010 mit internationalen Geldern gerettet worden. 2014 verließ das Land den Euro-Rettungsschirm wieder und finanziert sich heute selbstständig am Kapitalmarkt.

Einen bedeutenden Schritt hat auch Portugal bei seiner Kreditwürdigkeit gemacht. Für die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) stellen die portugiesischen Staatsanleihen kein Ramsch mehr dar. S&P hob das Rating um eine Note auf BBB- an. Damit hat das Land nach mehr als fünf Jahren wieder das Gütesiegel Investment Grade. Die Ratingagentur begründete dies mit Fortschritten beim Schuldenabbau und bei der Wirtschaftsentwicklung. Der Ausblick für das Euroland ist ebenfalls „stabil“. Damit erwartet S&P auch auf absehbare Zeit keine Veränderung der Lage.

Die beiden anderen Agenturen Moody’s und Fitch sehen Portugal dagegen noch im Ramschbereich, in dem ein Investment als spekulativ gilt. Portugal konnte 2014 nach einer schweren Schuldenkrise ein internationales Rettungsprogramm verlassen. Das Euro-Land hatte insgesamt 78 Mrd. € von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds erhalten.

Heraufgestuft wurde von S&P auch die Kreditwürdigkeit von Zypern. Die Bonitätsnote steigt um eine Stufe auf BB, teilte S&P in London mit. Der Ausblick für das Rating ist positiv.

Ringen um Draghis Nachfolge in vollem Gange

Der Kampf um die Nachfolge von Mario Draghi an der Spitze der EZB ist in vollem Gange. Vor allem Frankreich und Italien sperren sich dagegen, Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf den Posten zu heben. Wie der Spiegel schreibt, hätten die beiden Länder nichts dagegen, einen Deutschen mit der Aufgabe zu betrauen. Aber Weidmann sollte es genau nicht sein. Denn mit seiner Person sei eben eine flexible und pragmatische Krisenpolitik, wie sie der massive Ankauf von Staatsanleihen darstellt, nicht zu machen, fürchten die beiden Südländer.

Dort ist die Skepsis gegenüber Weidmann besonders groß, hat er doch stets auf eine strikte Einhaltung der EU-Schuldenregeln gedrungen und zu große Zugeständnisse an Schuldenländer kritisiert. Ebenso hat sich Weidmann immer wieder gegen Draghis ausgedehnte Anleihekäufe ausgesprochen.

Weidmann selbst hat stets beteuert, für eine zweite Amtszeit bei der Bundesbank zur Verfügung zu stehen. Seine erste endet im April 2019. Draghis Posten wird dagegen erst Ende Oktober 2019 frei. Da erscheint es nicht aus der Welt, Weidmanns Amtszeit auf jeden Fall zu verlängern – auch wenn er später dann doch zur EZB wechseln sollte. Als sein härtester Rivale gilt Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau. Offiziell liegt die Auswahl der Mitglieder des EZB-Direktoriums in den Händen demokratisch legitimierter Gremien - Europäischer Rat, Europäisches Parlament und Eurogruppe – und nicht bei der EZB.

Brexit-Showdown zwischen May und Johnson?

Boris Johnson hat mal wieder provoziert, diesmal die Premierministerin seiner eigenen Partei, Theresa May. Im Daily Telegraph hat der britische Außenminister einen Artikel veröffentlicht, in dem er all jenen, die an der Umsetzung des EU-Austritts zweifeln, die Leviten gelesen hat. Man werde mit der „neuen nationalen Unternehmung mächtig erfolgreich sein“, versicherte er, der selbst ein ausgemachter Brexiteer ist. Und er beklagte sich prompt über zunehmende Bürokratie der EU und deren angeblich mangelnde Flexibilität, um auf britische Wünsche einzugehen.

Und dann schrieb Johnson, dass Großbritannien bei einem Brexit nichts für den Zugang zum Europäischen Binnenmarkt zahlen solle. Das Land werde sich vielmehr nach dem Brexit „die Kontrolle über rund 350 Millionen Pfund pro Woche zurückholen”.

Der Daily Telegraph schrieb bereits von einem „Brexit Showdown“ zwischen May und Johnson, will doch der Außenminister in diesen Tagen von der Premierministerin fordern, keine milliardenschweren Zahlungen an die EU zu leisten. Denn damit greift Johnson, der sich ohnehin für den besseren Premierminister hält, seine Chefin direkt an, die laut Financial Times bereit ist, der EU 20 Mrd. € zu zahlen. Brüssel will allerdings bis zu 100 Mrd. €.

May, die vor Wiederaufnahme der bisher miserabel gelaufenen Brexit-Verhandlungen mit einer Rede am Freitag eigentlich das Heft wieder in die Hand nehmen wollte, ist durch Johnsons Ausführungen desavouiert. Der Independent geht mit Bezug auf hochrangige konservative Abgeordnete sogar soweit, dass Johnson May dazu aufgefordert habe, ihn zu entlassen. Dass diese aber den offenen Konflikt mit ihrem aufmüpfigen Minister scheut, kann als Zeichen der Schwäche von May gedeutet werden.

Doch während in 10 Downing Street noch über die richtige Brexit-Strategie gestritten wird, ist angesichts des nahenden EU-Austritts die Liebe der Briten für Europa wiedererwacht. Jetzt, wo es ans Eingemachte geht, merken sie, wie wichtig die EU ist. Diese These vertritt Thomas Wieser, der Koordinator der Eurogruppe. So europäisch hätten sich die Engländer seit Jeanne d’Arc nicht mehr gefühlt, meint er. Am Ende werde es ohnehin nicht zum Brexit kommen, sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), im Welt-Interview. Der Brexit sei bisher nur verbal vollzogen. Was immer komme, so Börners Erwartung, werde ganz stark abgefedert werden, um die Wirtschaft nicht zu überfordern. So hat eine neue Umfrage von Reuters ergeben, dass ein EU-Austritt Großbritanniens allein bei Banken und Finanzdienstleistern in einem ersten Schritt 10.000 Jobs kosten wird.

Engie mit Dreier Pack

Nicht nur auf dem Markt für Corporate Bonds sind die Unternehmen zurzeit wieder sehr aktiv. Auch der Bund begab erstmalig seit 2 Jahren am gestrigen Mittwoch wieder eine 30-jährige Benchmarkanleihe. Die 2 Mrd. € schwere Emission des Bundes (110243) hat einen Kupon in Höhe von 1,25% p.a. und ist am 15.08.2048 fällig. Es wurden Zeichnungsaufträge über nominal 2,932 Mrd. € abgegeben und davon 1,6306 Mrd. € mit einer Durchschnittsrendite von 1,27% zugeteilt. Der Differenzbetrag von 369,4 Mio. € wurde zur Marktpflege zurückbehalten. Im Bereich der Unternehmensanleihen sammelten Engie, Grenke, Magna und Gecina erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt ein.

Engie legte gleich 3 Bonds mit insgesamt 2 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A19PP1), ein 6-jähriger Bond, ist am 28.02.2023 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 0,375%. Der Emissionspreis lag bei 99,552%, was +17 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 12-jährige Anleihe (A19PP2) mit Fälligkeit am 28.02.2029 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,375% jährlich und konnte zu einem Preis von 99,437% ausgegeben werden. Dies entspricht einem Emissionsspread von +40 bps über Mid Swap. Zu guter Letzt legte Engie eine 20-jährige Anleihe (A19PP3), die am 28.09.2037 fällig wird, auf. Der Kupon beträgt 2% jährlich und das Papier wurde zu 99,089% begeben (+58 bps über Mid Swap). Engie räumte sich bei allen 3 Anleihen jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit ein optionales Kündigungsrecht zu 100% ein. In die Anleihebedingungen wurde zusätzliche eine Make Whole Option für alle Titel aufgenommen und die Mindeststückelung jeweils auf 100.000 € festgelegt.

Ebenfalls gute Umsätze waren in den ersten Handelstagen bei Grenke zu verzeichnen. Der deutsche Finanzdienstleister mit Sitz in Baden-Baden, der im Leasing von Produkten der Bürokommunikation zu Hause ist, konnte mit einem Fix-to-Float Bond (A2GSE4) überzeugen. Das Papier kann ab dem 31.03.2023 jährlich zu 100% durch den Emittenten gekündigt werden. Die 75 Mio. € schwere Anleihe ist bis zum 31.03.2023 mit einem Zins von 7% ausgestattet und im Anschluss richtet sich der Zins nach dem 5-jährigen Euro Swap +670,2 bps. Emittiert wurde zu pari. Die Mindeststückelung legte Grenke mit 200.000 € fest und ist von daher besonders für institutionelle Kunden interessant.

Der Automobilzulieferer Magna sammelte erfolgreich 600 Mio. € am Kapitalmarkt ein. Zinsen werden für den Bond (A19PLJ) bis zur Fälligkeit am 25.09.2027 jährlich in Höhe von 1,5% an die Investoren gezahlt. Begeben wurde der Bond zu 100%, was einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap gleichkam.

Gecina legte einen 11-jährigen 700 Mio. € schweren Bond (A19PPU) mit Fälligkeit am 26.01.2028 auf und zahlt den Investoren jährlich 1,375% Zinsen. Ausgegeben wurde das Papier zu 98,71%, was +60 bps über Bund bedeutete.

Wie Engie ließen sich Magna und Gecina neben einer Make Whole Option ebenfalls 3 Monate vor Endfälligkeit einen optionalen Kündigungstermin zu 100% in die Anleihebedingungen aufnehmen und legten die Mindeststückelung jeweils auf 100.000 € fest.

Notenbanken geben den Takt am Devisenmarkt vor

Zum 184. Mal startete am Wochenende die Münchner Wiesn. Das Oktoberfest beginnt traditionell im September und so fiebern die vielen Besucher aus aller Welt auf diesen Monat hin.

An den Finanzmärkten hingegen warteten die Marktteilnehmer ebenfalls gespannt auf den September, denn mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (Fed) äußerten sich gleich zwei der wichtigsten Notenbanken zu ihrer künftigen Geldpolitik. Mit Blick auf den Devisenmarkt hatten diese beiden Termine ein hohes Potenzial an größeren Kursbewegungen. Jedoch fielen die Reaktionen beim Währungspaar Euro/Dollar bisher nicht gravierend aus. So handelte die Gemeinschaftswährung im September in einer Tradingrange zwischen 1,1838 USD und 1,2092 USD. Nach der Fed-Sitzung am gestrigen Mittwochabend notiert die Einheitswährung heute Morgen etwas schwächer um die Marke von 1,19 USD.

Für etwas mehr Dynamik am Devisenmarkt sorgte in den vergangenen Handelstagen das britische Pfund. So überraschte die Bank of England (BoE) vergangene Woche im veröffentlichten Protokoll ihrer letzten Ratssitzung mit Hinweisen auf eine mögliche Rücknahme des geldpolitischen Stimulus. In Reaktion darauf konnte das Pfund Sterling deutlich zulegen. In der Folge fiel der Euro bis auf 0,87743 GBP zurück, nachdem er Ende August noch oberhalb der Marke von 0,93 GBP gehandelt wurde. Zur Stunde notiert der Eurokurs wieder etwas stärker bei 0,88 GBP.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, türkische Lira und norwegische Kronen im Fokus. Aber auch Bonds lautend auf US-Dollar sowie australische Dollar wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Robert Halver,

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Author: Klaus Stopp

Vorsicht bei Ausweitung der Eurozone geboten

Vielleicht wird EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ja doch noch als Modernisierer in die Annalen der Europäischen Union eingehen. In einer Grundsatzrede vor dem Europäischen Parlament hat der Luxemburger mit seinem Entwurf zur Weiterentwicklung der Gemeinschaft für frischen Wind gesorgt. Allerdings bedarf es dabei einer genauen Betrachtung seiner Vorschläge.

So hat sich Juncker dafür ausgesprochen, dass alle Mitgliedsländer der EU den Euro einführen sollten. Bisher gilt er nur in 19 von 28 Mitgliedsländern als offizielle Währung. Die Staaten, in denen der Euro bislang nicht gilt, sind Bulgarien, Dänemark, Großbritannien, Kroatien, Polen, Rumänien, Schweden, Tschechien und Ungarn. Vor einer tatsächlichen Einführung des Euro in diesen Ländern sollte man deren Budgetsituation genau unter die Lupe nehmen. Eine Ausweitung der Eurozone mag zwar eine Prüfung wert sein, aber in allen verbleibenden Ländern auf einmal den Euro einzuführen, muss doch mit Skepsis betrachtet werden. Nach heutigem Wissen war auch Griechenland nicht reif für den Euro. Den Fehler einer vorschnellen Einführung der Gemeinschaftswährung sollte man also nicht wiederholen. Im Übrigen stellt sich die Frage, ob Länder wie Dänemark und Schweden tatsächlich ein Interesse daran hätten.

Weiter schlägt Juncker vor, bis 2019 Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland abzuschließen, was angesichts der Abschottungstendenzen der USA sinnvoll erscheint. Die Abkommen sollen laut Juncker mit größtmöglicher Transparenz ausgehandelt und nationale sowie regionale Parlamente vom ersten Tag an umfassend informiert werden. Fehler, die man bei TTIP gemacht hat, gilt es zukünftig zu vermeiden.

Zudem schlägt der EU-Kommissionspräsident vor, Investoren aus Drittstaaten künftig genauer unter die Lupe zu nehmen. Dies trifft insbesondere Übernahmen durch chinesische Firmen, die dann strenger geprüft werden können.

Weiter will Juncker in der Flüchtlingskrise legale Migrationswege schaffen und die „skandalöse Situation in Flüchtlingslagern in Libyen“ beenden. Europa sei keine Festung, sagte er, sondern weiterhin ein Kontinent der Hoffnung. Juncker will aber Flüchtlinge ohne Anspruch auf Asyl konsequenter als bisher zurückschicken, damit den wirklich Hilfsbedürftigen geholfen werden könne. Dies sollte helfen, die Akzeptanz des Asylrechts zu erhöhen.

Wenn die EU noch effizienter zu arbeiten vermag, soll es nur recht sein. Dazu beitragen soll die Verschmelzung des Amtes des Ratspräsidenten mit dem des Kommissionspräsidenten - was nur mit Zustimmung des derzeitigen Ratspräsidenten Donald Tusk möglich ist. Juncker selbst käme für das neue Amt nicht mehr in Frage, da er 2019 in den Ruhestand gehen wird.

Zinswende vertagt bis ins Jahr 2018

Ein weiteres Mal hat die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche die Entscheidung vertagt, wann und wie die Zinswende kommen soll. Zwar spricht die niedrige Inflation von rund 1,5% im Euroraum eher für eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik. Doch gleichzeitig gewinnt die Konjunktur in Euroland an Fahrt, was für ein Anziehen der Zügel über höhere Zinsen sprechen würde. Sofern die Teuerungsrate und das Wirtschaftswachstum voneinander entkoppelt bleiben, droht die ultralockere Geldpolitik aber zu einer Überhitzung der Volkswirtschaft zu führen.

Hinzu kommt die anhaltende Forderung seitens der Finanzbranche, die auf eine Zinswende drängt - wovon Draghi sich bisher allerdings nicht beeindrucken ließ. Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte trotz des starken Euro enden, hallt es dem EZB-Präsidenten speziell von deutschen Banken entgegen. Nach Ansicht des Chefs des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, „überzieht die EZB langsam“.

Aktuell bereitet der EZB der kräftige Kursanstieg des Euro Kopfschmerzen, der seit Jahresbeginn mehr als 13% zugelegt hat, wodurch sich Produkte aus dem Euroraum auf dem Weltmarkt verteuern. Weil aber gleichzeitig Importwaren billiger werden, wird die Inflation gedrückt. Für die EZB wird es dann noch schwieriger, ihr Inflationsziel von knapp 2% zu erreichen. EZB-Chef Mario Draghi sitzt also in einer klassischen Zwickmühle.

Vor diesem Hintergrund hat Draghi die Entscheidung über die Zinswende erst mal wieder verschoben – und zwar bis ins kommende Jahr. Erst 2018 dürfte mit einer vorsichtigen Änderung der EZB-Geldpolitik zu rechnen sein. Schrittweise könnte dann die EZB die monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Mrd. € herunterfahren, um im Anschluss die Wirkung zu beobachten. Bis dahin dürfte es keine Erhöhung der Zinsen geben.

Eine solche Wende hat es lediglich in den USA schon gegeben. Deren Notenbank Fed trifft sich am kommenden Donnerstag wieder zu ihrer routinemäßigen Zinssitzung. Größere Entscheidungen sind zwar nicht zu erwarten. Aber dennoch gilt: Nach der EZB ist vor der Fed.

Österreichische Jahrhundertanleihe stark gefragt

Da hat man es in Wien nochmal wissen wollen. Rechtzeitig vor der für 2018 erwarteten Zinswende im Euroraum hat die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur eine Staatsanleihe (A19PCG) am Kapitalmarkt platziert, die erst am 20.9.2117, also in 100 Jahren, zurückgezahlt werden soll. Es ist die erste Anleihe dieser Art, die mit einem hohen Volumen (3,5 Mrd. €) von einem Euroland begeben wurde. Zuvor hatten schon Belgien und Irland wesentlich kleinere Emissionen als Private Placement untergebracht.

Auch Argentinien und Mexiko, also Länder mit einem schlechteren Rating als Österreich, haben bereits „Jahrhundert-Anleihen“ begeben. Frankreich, Spanien oder Italien emittierten dagegen regelmäßig 50-jährige Titel.

Was Wien mit seiner Emission recht gibt, ist der Umstand, dass der Bond, der lediglich einen Kupon von 2,1% hat, deutlich überzeichnet war. So lagen Orders in Höhe von 11 Mrd. € für die Anleihe vor. Das Interesse ist also riesengroß. Dennoch sollte den Anlegern klar sein, dass bei dem Titel mit Kursverlusten zu rechnen ist, wenn sich die Zinsen im Euroraum eines Tages ändern sollten.

Kurios an dieser Neuemission ist nicht nur, dass sich ein Staat wie Österreich für 100 Jahre verschuldet, obwohl er erst vor 99 Jahren gegründet wurde sondern auch in dieser Zeit zweimal zahlungsunfähig war.

Unterhaus in London entmachtet sich selbst

Nur kurz dürfte das Durchatmen von Premierministerin Theresa May gedauert haben, als sie ein Gesetz im britischen Unterhaus durchgebracht hat, mit dem nach dem Brexit ein Rechtsvakuum verhindert werden soll. Denn das Gesetz geht nun in arbeitsreiche Ausschussberatungen, wo 157 Änderungsanträge eingebracht wurden.

Mit dieser Maßnahme wird vorerst der EU-Rechtsbestand in britisches Recht übertragen. Im Anschluss sollen dann Schritt für Schritt alle Bestimmungen, die vom EU-Austritt der Briten betroffen sind, angepasst werden. Da es sich um Tausende von Regelungen handelt, will die Regierung in London die Gesetzgebungsgewalt dafür erhalten. Auf diese Weise entsteht die groteske Situation, dass der EU-Austritt zur Entmachtung des Parlaments führt. Wohlgemerkt, die Brexit-Befürworter hatten diesen mit dem Argument gefordert, dem Parlament seine Souveränität zurückzugeben. Nun aber entmachtet sich das Parlament quasi selbst.

Nicht von ungefähr warf der Brexit-Sprecher der oppositionellen Labour Party, Keir Starmer, der Regierung einen „Griff nach der Macht“ vor. So beschleicht manchen Briten das Gefühl, die Brexiteers wollten den EU-Austritt am Parlament vorbei über die Bühne bringen. Aber wo soll der bestmögliche Brexit, der am wenigsten wirtschaftlichen Schaden anrichtet, denn gefunden werden, wenn nicht im Parlament?

Bewährungsprobe für Macron

Dass seine Popularität unter seinen Reformplänen für den Arbeitsmarkt leiden würde, dürfte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwartet haben. Schließlich zielt sein Vorhaben darauf ab, es den französischen Unternehmen zu ermöglichen, effizienter auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren. Dadurch sollen sie wettbewerbsfähiger und dynamischer werden – und auf diese Weise der französischen Wirtschaft Auftrieb verleihen. Umgekehrt heißt es aber auch, dass Arbeitnehmerrechte beschnitten werden, weshalb es kein Wunder ist, dass Menschen auf die Straße gehen. So haben in Frankreich mehr als 200.000 Menschen gegen die geplante Arbeitsmarktreform demonstriert. Von den größten Gewerkschaften hatte aber nur die linke CGT zu Protesten aufgerufen.

Ob sich Macron mit seiner Reform, die am 22. September verabschiedet werden soll, wird durchsetzen können, ist die eine Frage. Die andere aber dreht sich darum, ob seine Reformen auch tatsächlich von Erfolg gekrönt sein werden und somit einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sinkender Arbeitslosigkeit nach sich ziehen.

Mitentscheidend kann hier die Unterstützung der deutschen Regierung sein, von der manche erwarten, dass sie zusammen mit der Führung in Paris ein Bündel an Neuerungen für die EU entwickeln. Zuvor muss aber der Ausgang der Bundestagswahlen am 24. September und das Bilden der neuen Regierung abgewartet werden.

Vivendi bringt 850 Mio. € schwere 7-jährige Anleihe

Munter ging es in dieser Woche weiter mit der Ausgabe neuer Unternehmensanleihen. So konnten Belden, QuintilesIMS, Vivendi und die Softbank Group erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt einsammeln.

Die Softbank Group legte 2 Bonds mit insgesamt 2,25 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A19PD1), ein 8-jähriger Bond ist am 19.09.2025 fällig und hat einen Kupon in Höhe von jährlich 3,125%, der halbjährlich gezahlt wird. Das Emissionsvolumen beträgt hier 1,5 Mrd. €. Der Emissionspreis lag bei pari, was +256 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 750 Mio. € schwere 12-jährige Anleihe (A19PD2) mit Fälligkeit am 19.09.2029 zahlt dem Anleger halbjährlich Zinsen in Höhe von 4% p.a. und konnte zu einem Preis von 100% ausgegeben werden. Dies entspricht einem Emissionsspread von +300 bps über Mid Swap. Beide Anleihen haben ein optionales Kündigungsrecht jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit.

Vivendi ist der größte französische Medienkonzern und platzierte erfolgreich einen 850 Mio. € schweren Bond (A19N7U) mit Laufzeit bis zum 18.09.2024 am Kapitalmarkt. Vivendi zahlt seinen Investoren einen jährlichen Zins in Höhe von 0,875%. Das Papier wurde zu 99,367% begeben, was einem Emissionsspread von +55 bps über Mid Swap gleichkam. Vivendi legte ein optionales Kündigungsrecht am 18.06.2024 – 3 Monate vor Endfälligkeit – zu pari fest.

Als dritter im Bunde legte das mit IT-Dienstleistungen für den Pharmabereich tätige Unternehmen QuintilesIMS einen 8-jährigen Bond (A19N9R) mit einem Emissionsvolumen von 420 Mio. € auf. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in North Carolina in den USA zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zur Fälligkeit am 15.09.2025 Zinsen in Höhe von 2,875%. Die Zinszahlung teilt sich auf die Monate März und September auf. Der Emissionspreis belief sich auf 100%, was +287 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach. In die Anleihebedingungen wurden 3 optionale Kündigungsrechte am 15.09.2020 zu 101,438%, am 15.09.2021 zu 100,719% und am 15.09.2022 zu 100% aufgenommen.

Zu guter Letzt reihte sich Belden, ein Unternehmen mit Sitz in den USA welches Lösungen für die Datenübertragung entwickelt, ein und begab eine Anleihe (A19N68) mit einem Volumen von 300 Mio. €. Belden stattete den Bond mit einem Zins von 2,875% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 22.05.2026 halbjährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu pari (+286 bps über Bund). Das Unternehmen räumte sich zusätzlich 3 optionale Kündigungsrechte am 15.09.2020 zu 101,438%, am 15.09.2021 zu 100,719% und am 15.09.2022 zu 100% ein.

Alle Unternehmen ließen sich zusätzlich zu den beschriebenen Kündigungsrechten eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen. Des Weiteren legten sie für alle Bonds die Mindeststückelung auf 100.000 € fest.

Mario Draghi kann den Euro nicht schwächen

Die europäische Gemeinschaftswährung ist nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zurück in der Erfolgsspur. Im Nachgang zur EZB-Ratssitzung verteuerte sich der Euro und konnte erneut Bestmarken erklimmen.

Trotz der kritischen Worte von EZB-Präsident Mario Draghi zur derzeitigen Euro-Stärke stieg die Einheitswährung in der Folge weiter an. So konnte der Euro zum Wochenausklang mit 1,2092 USD sein bisheriges Jahreshoch bei 1,2070 USD (29. August) übertreffen und notierte damit so hoch wie zuletzt im Januar 2015. Die gemeinsame Währung Europas profitiert weiterhin von der Schwäche des Greenback und den politischen Unwägbarkeiten aus Washington. Zudem wirkte sich die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans „Irma“ belastend auf den US-Dollar aus. Der Start in die neue Handelswoche verlief allerdings etwas verhaltener. Der Euro rutschte wieder deutlich unter die Marke von 1,20 USD und notiert aktuell bei 1,1905 USD.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) erwartungsgemäß die Zinsen unverändert beließ, überraschte die Kanadische Zentralbank mit einer Zinserhöhung. Die Notenbank hob den Schlüsselzins um 0,25% auf nun ein Prozent an. Begründet wurde der Schritt mit einer robusten und florierenden Wirtschaft. In der Folge verlor der Euro zum kanadischen Dollar und fiel bis auf 1,44432 CAD zurück, nachdem er Ende August noch bei Kursen von 1,50748 CAD gehandelt hatte.

In der vergangenen Berichtswoche konnte eine leichte Zunahme der Handelsaktivitäten bei den Fremdwährungsanleihen registriert werden. Zu den Favoriten gehörten Bonds lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen, türkische Lira und vereinzelt auch australische sowie kanadische Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

EZB spielt auf Zeit

Heute ist es wieder mal soweit. Die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) treffen sich unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Mario Draghi, um über die weitere Geldpolitik zu beraten und zu beschließen. Die Spannung vor der wie auch immer gearteten Entscheidung wächst, da Super Mario bereits im Vorfeld darauf hingewiesen hat, dass man im Herbst über die Wertpapierankäufe beraten werde. Inzwischen hat der Herbst zumindest aus meteorologischer Sicht bereits begonnen, aber aus der kalendarischen müssen wir noch etwas warten. Solche Gedankenspiele verdeutlichen in besonderer Art und Weise die Einschätzung der Analysten.

Fakt ist, dass das Umfeld für einen Beschluss zugunsten eines beginnenden Taperings nicht ideal ist und man deshalb den Untergrund noch entsprechend präparieren muss. Beim Tennis würde man das als „Zurechtlegen des Gegners“ bezeichnen. Denn schon jetzt bereitet die Aufwertung der gemeinsamen Währung gegenüber dem Greenback (2 ½-Jahreshoch) den Notenbankern Kopfschmerzen - und das könnte sich schnell zu einer Migräne auswachsen. Hat man früher stets bei einem schwachen Euro auf die Bevorteilung Deutschlands verwiesen, so wächst nun bei einer festeren Währung die Angst vor einem Abwürgen der Wirtschaft in den konjunkturell schwachen Ländern. Aber auch im Hinblick auf die nahende Bundestagswahl ist davon auszugehen, dass die EZB-Verantwortlichen noch keine feste Marschroute bekanntgeben werden.

Es wird also weiterhin auf Zeit gespielt. Bei einer anderen Sportart (Handball) wäre schon längst wegen Zeitspiel abgepfiffen worden, aber nicht an den Finanzmärkten. Jedoch wird Mario Draghi heute das Thema nicht einfach totschweigen können. Vielmehr muss er, um seine Glaubwürdigkeit zu erhalten, zumindest einen Ausblick in die nahe Zukunft geben. Doch mit welchen Hinweisen wäre das möglich? Zum Beispiel, dass man in einem ersten Schritt interne Gremien damit beauftragen wird, einen Plan zu erarbeiten, wie die Reduzierung der Wertpapierkäufe schonend für die Finanzmärkte zu gestalten wäre. Denn seitens der EZB möchte man bei der Lockerung der Zügel keine Marktverwerfungen erzeugen. Und um zugleich die mit den Hufen scharrenden Marktteilnehmer im Zaume zu halten, wird man nicht umhinkommen, den Finger zu heben und darauf hinzuweisen, dass man jederzeit in der Lage ist, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen und die Märkte zu zügeln.

Es gilt also auch heute, genau zuzuhören, wenn MD aus Rom kurz nach seinem 70. Geburtstag vor die Presse tritt und uns mit seiner Verklausulierung der Dinge beglücken will.

Die USA im Auge des Hurrikans

Den USA droht weiteres Ungemach. Nach Hurrikan Harvey, der vor allem in der texanischen Stadt Houston verheerende Schäden angerichtet hat, rast nun Irma auf Florida zu. Dieser gefährliche Tropensturm hat bereits mit Spitzenwind-Geschwindigkeiten von bis zu 360 km/h die Urlaubsparadiese St. Barth und St. Martin verwüstet und soll der stärkste Hurrikan sein, der je gemessen wurde. Um allein die Schäden von Harvey zu beseitigen, braucht Texas mindestens 100 Mrd. USD. Eine erste Hilfszahlung in Höhe von knapp 8 Mrd. USD hat US-Präsident Donald Trump bereits beantragt, jedoch wird das nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sein.

Diese Finanzhilfe wäre allerdings problematisch gewesen, weil die USA voraussichtlich Ende September an ihre bisher festgelegte Schuldenobergrenze gestoßen wären. Jedoch wurde der US-Haushaltsstreit in der Nacht auf Mittwoch zunächst entschärft. Präsident Trump, der Unberechenbare, hat sich mit dem Kongress auf eine Zwischenfinanzierung bis zu 15. Dezember des Jahres geeinigt. Damit wurde ein „Government Shutdown” vorerst verhindert! Wäre das nicht gelungen, dann hätte sich die Situation aus dem Jahr 2011 wiederholen können, als langwierige Verhandlungen über die Erhöhung der Verschuldungsgrenze sowie die darauffolgende Abstufung der Bonität der USA zu einem Einbruch des S&P 500 Index um mehr als 15% geführt hatten.

Wahrscheinlich wäre diese Einigung ohne die Naturgewalten Harvey und Irma nicht so schnell möglich gewesen, denn bei diesen Gesprächen wurde auch die Nothilfe für die Opfer des Wirbelsturms Harvey geregelt. Dadurch wurde zumindest neben dem finanziellen Freiraum auch Zeit geschaffen, um neue Regelungen zu treffen, welche die Staatspleite im Dezember verhindern sollen.

Druck wurde hierbei sicherlich auch seitens der Rating-Agentur Moody’s aufgebaut, die nach eigenen Worten mit dem Gedanken spielte, den USA das begehrte „AAA”-Rating zu entziehen. Sollte das Land nur einmal seine Schulden nicht bedienen, wäre die Top-Bonitätsnote nicht mehr zu halten, teilte Moody’s hierzu mit. Es wäre dann auch unwahrscheinlich, dass das Land die Note wieder zurückbekomme, selbst wenn die Probleme gelöst seien.

Wie angespannt die Lage in den USA war, wurde aber auch am Geldmarkt deutlich. Dort musste am Dienstag die US-Regierung bei der Auktion von 4-Wochen-T-Bills einen Anstieg der Renditen von 0,96% in der Vorwoche auf 1,30% hinnehmen. Dies war deutlich mehr als Investoren dafür verlangten, Gelder für 3 Monate (1,02%) oder 6 Monate (1,115%) zur Verfügung zu stellen. Sicherheit bzw. Unsicherheit hat also doch ihren Preis! Nach den jüngsten Ereignissen hat sich die Rendite der 4-Wochen-Gelder wieder bei 1,0654% eingependelt.

Niedrigzins setzt kleine Banken unter Druck

Die Ertragssituation kleiner und mittelgroßer deutscher Banken ist aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase massiv unter Druck geraten. Wie eine Erhebung der Bundesbank ergab, gehen die Institute in den kommenden fünf Jahren von einer starken Belastung von Gewinn und Kapitalrentabilität aus.

Immerhin, laut Bundesbank sind die Institute in Bezug auf die Gesamtrentabilität nicht mehr so pessimistisch wie zuletzt noch vor zwei Jahren. Sie planen vielmehr, ihre Ausstattung mit hartem Kernkapital zu erhöhen und geben sich Fusionen gegenüber aufgeschlossen. Jedoch sei hierbei daran erinnert, dass zwei Lahme nicht wieder gehen und zwei Blinde nicht wieder sehen können.

Folgt man der Studie der Bundesbank weiter, prognostizieren die Banken einen Rückgang ihres Jahresüberschusses vor Steuern im Jahr 2021 von 9% gegenüber dem Wert von 2016. Parallel dazu gehen die Institute von steigenden Bilanzsummen aus, weshalb die Gesamtrentabilität um 16% auf 0,43% zurückgehen dürfte. Bei der vorangegangenen Umfrage im Jahr 2015 hatten Banken und Sparkassen noch mit einem Rückgang von 25% gerechnet.

Unterm Strich bewertet die Bundesbank die deutschen Banken als „überwiegend gut kapitalisiert“. Die Kapitalausstattung der meisten Institute helfe dabei, die negativen Effekte des Niedrigzinsumfelds abzufedern. Und noch lebt man von den Pfründen der Vergangenheit.

Schwellenländer fordern mehr Einfluss

Die als BRICS-Staaten organisierten großen Schwellenländer fordern von Europa und den USA mehr Mitsprache bei welt- und wirtschaftspolitischen Themen. Wie Chinas Präsident Xi Jinping beim jährlichen Gipfeltreffen der fünf Nationen China, Brasilien, Russland, Indien und Südafrika deutlich machte, wolle man in der Weltgemeinschaft künftig kräftiger mitmischen und mehr Einfluss nehmen.

Dazu wollen die BRICS-Staaten stärker als bisher in internationalen Institutionen vertreten sein. Denn Einrichtungen wie die Weltbank würden immer noch zu stark von den USA und Westeuropa bestimmt werden, so ihr Vorwurf. Dass sich die Länder im globalen Umgang nicht immer fair behandelt fühlen, machte auch Xi Jinpings Forderung nach einer gerechteren und vernünftigeren internationalen Ordnung deutlich.

Dabei nutzte er seinen Auftritt für einen Seitenhieb gegen protektionistische Tendenzen in den USA. „Multilaterale Handelsgespräche sind nur unter großen Schwierigkeiten vorangekommen und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens ist auf Widerstand gestoßen“, beklagte Xi Jinping, der bereits beim jüngsten Weltwirtschaftsgipfel in Davos als Verteidiger des freien Welthandels aufgetreten war. Xi Jinping sagte, China werde mit gutem Beispiel vorangehen. Man wolle weiter weltweit investieren und ausländische Investitionen willkommen heißen. Allerdings zieht auch China selbst wegen seiner eigenen Handelspraktiken immer wieder massive Kritik auf sich, weil es ausländischen Investoren den Marktzugang erschwert.

Um der Dominanz des Westens etwas entgegenzusetzen, erwägt der BRICS-Finanzausschuss die Schaffung einer gemeinsamen virtuellen Währung. Daher soll eine BRICS-Kryptowährung entwickelt werden, die dazu beitragen könnte, den US-Dollar und andere Währungen als Handelswährung unter den BRICS-Schwellenländern abzulösen. Die BRICS-Staaten sehen außerdem eine Umstellung ihres Außenhandels auf lokale Währungen mit dem chinesischen Yuan als Leitwährung vor. Die von den BRICS-Staaten 2014 ins Leben gerufene New Development Bank (NDB) soll diesen Prozess anführen.

Die Sommerpause ist vorbei

Endlich, wird sich so mancher Investor denken, neigt sich die Sommerpause dem Ende entgegen und die Unternehmen starten Ihre Aktivitäten in Bezug auf die Begebung von Neuemissionen. Der September hatte sich in den letzten Jahren zu einem besonders starken Emissionsmonat entwickelt und der Auftakt ist vielversprechend. So besorgten sich mit Daimler, Glaxosmithkline Capital, Telefónica Emisiones S.A.U. und Valeo gleich vier in der Branche bekannte Unternehmen frische Gelder am Kapitalmarkt. Wie günstig für CFOs die Refinanzierungsmöglichkeiten momentan sind, verdeutlicht die Tatsache, dass der Pool der Unternehmensanleihen mit Negativrenditen ein Sechs-Monats-Hoch erreichte.

Den Auftakt machte Daimler mit einem 500 Mio. € schweren Bond (A19NY8) der am 13.09.2021 fällig wird. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Zins von 0,20% ausgestattet und wurde zu 99,857% begeben, was einem Emissionsspread von +22 bps über Mid Swap gleichkam. Als besonders attraktiv für Privatanleger kann die von Daimler gewählte Mindeststückelung von 1.000 € angesehen werden.

Glaxosmithkline Capital erfreute die Investoren mit 3 Anleihen mit Laufzeiten von 3, 9 sowie 12 Jahren und einer Mindeststückelung von 100.000 €. Insgesamt platzierte das Pharmaunternehmen aus Großbritannien 2,4 Mrd. € und ließ sich bei allen 3 Anleihen ein optionales Kündigungsrecht jeweils einen bzw. drei Monate vor Laufzeitende zu je 100% einräumen. Der 3-jährige Bond (A19NX8) ist am 12.09.2020 fällig und wurde als Zerobond zu 99,958% begeben, was einem Spread von +12 bps über Mid Swap entsprach. Das optionale Kündigungsrecht ist bei diesem Bond auf den 12.08.2020 und somit einen Monat vor Endfälligkeit datiert. Die beiden weiteren Anleihen sind jeweils drei Monate vor Fälligkeit seitens Glaxosmithkline Capital kündbar. Die zweite Tranche (A19NX9) mit Fälligkeit am 12.09.2026 zahlt dem Investor jährlich 1% Zinsen. Der Reoffer lag bei 99,906% (+35 bps über Mid Swap). Die 12-jährige Anleihe (A19NYA), mit einem Kupon in Höhe von 1,375% jährlich, läuft bis zum 12.09.2029. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,474% (+45 bps über Mid Swap).

Als Dritter im Bunde legte Telefónica Emisiones S.A.U. einen 11-jährigen Bond (A19NYC) mit einem Emissionsvolumen von 1,25 Mrd. € auf. Fällig ist das Papier am 12.01.2028. Der Telekommunikationsdienstleister mit Sitz in Spanien zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt jährlich 1,715% Zinsen an die Investoren. Der Emissionspreis belief sich auf 100,003%, was ein Spread von +90 bps über Mid Swap bedeutete. Telefónica ließ eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen und legte die Mindeststückelung auf 100.000 € fest.

Als Letzter im Bunde reihte sich Valeo ein und begab eine Anleihe (A19NX7) mit einem Volumen von 600 Mio. €. Der französische Automobilzulieferer stattete den Bond mit einem Zins von 0,375% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 12.09.2022 jährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu 99,941% (+25 bps über Mid Swap). Die Anleihe ist ebenfalls mit einer Make Whole Option und einer Mindeststückelung von 100.000 € ausgestattet. Zusätzlich hat Valeo ein Kündigungsrecht für den 12.06.2022 zu pari festschreiben lassen.

Im Zeichen des Roll-Over

Viermal im Jahr müssen sich die Rentenhändler mit einem neuen Kontrakt auseinandersetzen und hierbei den mathematischen Besonderheiten viel Beachtung schenken. So auch in diesem Fall. Am heutigen Donnerstag endet der Handel im alten September-Kontrakt um 12:15 MEZ. Bereits seit Wochenbeginn wurden verstärkt die Future-Positionen in den neuen Kontrakt gerollt. Die Unterschiede zwischen „Neu“ und „Alt“ belaufen sich im Buxl- auf ca. -1,56 BP, beim Bund- auf ca. -2,88 BP, beim Bobl auf ca. -1,62 BP und beim Schatz-Future auf ca. -0,10 BP. In der Vergangenheit hat ein solches Gap oftmals dazu geführt, dass sich der neue Kontrakt aufmachte, den Stand des alten wieder zu erreichen bzw. zu übertreffen.

Doch solche „Bauernregeln“ sind nicht immer verlässlich und deshalb sollte man die Chartanalyse zu Rate ziehen. Die erste Unterstützungslinie verläuft im Dezember-Kontrakt aktuell bei 162,13% und eine weitere bei 161,76%. Nach oben geblickt sind Widerstandslinien bei 162,67 und 163,52% auszumachen. Jedoch sind auch die alten und durchaus bekannten Einflussfaktoren, wie beispielsweise Nordkorea-Konflikt, Außenwert des Euros und nicht zuletzt die Entwicklung an den Aktienmärkten, in den kommenden Wochen die für die Marktentwicklung relevanten Größen. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 162,28%.

Bundesobligation 176 war wieder gesucht

In dieser feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche mussten sich US-Investoren mit der Emission von T-Bills im Volumen von 92 Mrd. USD zufriedengeben. Hierbei wurden die üblichen Laufzeiten aufgelegt und erst in der kommenden Woche stehen auch wieder Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren auf der Agenda.

In Euroland waren mit Frankreich, Deutschland und Spanien drei in der WM-Qualifikation gut positionierte Länder am Kapitalmarkt aktiv und wurden durch ein diesbezüglich fast gescheitertes Österreich ergänzt. Österreich stockte bereits am Dienstag zwei Altemissionen (A19GCS / 2027 ; A0G4X4 / 2037) auf und zur Wochenmitte folgte Deutschland. Für die fünfjährige Bundesobligation Serie 176 (114176) wurden insgesamt Zeichnungsaufträge über nominal 3,937 Mrd. € abgegeben und bei einem angestrebten Aufstockungsbetrag von 3 Mrd. € wurden fast 2,5 Mrd. € mit einer Durchschnittsrendite von -0,36% zugeteilt. Der Differenzbetrag wurde zur Marktpflege zurückbehalten. Am heutigen Donnerstag gesellen sich mit Frankreich und Spanien noch zwei weitere Staaten zu der Gruppe der Emittenten. Paris erhofft sich hierbei Nachfrage nach drei Altemissionen (A19FUW / 2027 ; A18Z4K / 2036 ; A1AJL2 / 2060) und Spanien bei weiteren vier Bonds (A19B40 / 2022 ; A19KVL / 2027 ; A19DZD / 2033 ; A19G01 / 2027). Insgesamt wurden mit diesen Maßnahmen in dieser Woche ca. 17 Mrd. € refinanziert und Rückzahlungen standen keine an.

Franken als Krisenwährung

Die europäische Gemeinschaftswährung konnte ihre jüngste Kursrallye nicht weiter fortsetzen. Nachdem der Euro in der Vorwoche die wichtige Marke bei 1,20 USD überwinden konnte und kurzzeitig gar bei 1,2070 USD gehandelt wurde, konnte er im weiteren Handelsverlauf dieses Niveau nicht mehr halten.

Seit diesem Zeitpunkt bewegt sich die Einheitswährung seitwärts und tritt etwas auf der Stelle. Trotz der weiterhin sehr angespannten Nordkorea-Situation und der damit verbundenen geopolitischen Unsicherheit bewegte sich der Euro in den vergangenen Handelstagen in einer relativ engen Bandbreite zwischen 1,1823 USD und 1,1980 USD. Doch dies könnte sich wieder sehr schnell ändern, denn am heutigen Donnerstag steht turnusgemäß das EZB-Ratstreffen an. So üben sich die Marktteilnehmen in Geduld und warten sehr gespannt auf die anschließende Pressekonferenz und die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi zur künftigen Geldpolitik. In der Folge könnte es am Devisenmarkt zu größeren Marktbewegungen kommen, aber noch handelt der Euro im Vorfeld der heutigen EZB-Sitzung wenig verändert bei ca. 1,1940 USD.

Die sich zuspitzende Lange zwischen Nordkorea und den USA ließen die Anleger in sichere Häfen flüchten. Davon war insbesondere der Schweizer Franken betroffen. Im Vergleich zum US-Dollar konnte der Franken deutlich zulegen und notierte Ende August mit 0,9429 CHF auf einem 12-Monats-Hoch. Zum Euro ist die Entwicklung des Franken genau entgegengesetzt. So stieg der Euro Anfang August bis auf 1,15380 CHF und notierte damit so hoch wie zuletzt am 15. Januar 2015, als die Schweizerische Notenbank (SNB) die Abkopplung des Franken vom Euro bekanntgab. Inzwischen notiert die Einheitswährung allerdings wieder etwas schwächer bei 1,1405 CHF.

Auch die vergangene Berichtswoche war gekennzeichnet durch zurückhaltende Handelsaktivitäten. Hervorzuheben sind trotzdem Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen, australische Dollar sowie russische Rubel, bei denen eine gewisse Umsatztätigkeit zu registrieren war.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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