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Author: Klaus Stopp

Italien kämpft an mehreren Fronten

Italien kommt einfach nicht zur Ruhe, weder politisch noch wirtschaftlich. Insbesondere die Bankenbranche sorgt beim Regierungschef Matteo Renzi sicherlich für manche schlaflose Nacht. Nicht genug, das Italiens Banken einen Berg fauler Kredite von ca. 360 Mrd. € vor sich herschieben und niemand sagen kann, wie in diesem Falle mit der erst seit Jahresanfang geltenden EU-Richtlinie zur Rettung maroder Banken umgegangen wird. Italiens Notenbankchef Ignazio Visco hält die Möglichkeit von Staatshilfen für strauchelnde Kreditinstitute seines Landes weiterhin für möglich und auch für sinnvoll. Doch dazu ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Den Banken Italiens droht allerdings auch von anderer Seite Ungemach. So hat die kanadische Rating-Agentur DBRS angekündigt, eine Herabstufung des Landes zu prüfen, was wiederum Auswirkungen auf die Refinanzierungskonditionen der heimischen Banken haben würde. Doch auch der Risikoaufschlag beim Anleihen-Ankauf durch die Europäische Zentralbank (EZB) würde angepasst werden müssen, da mit dieser angedachten Herabstufung keiner der vier von der EZB ausgewählten Bonitätswächter Italien mehr mit „A“ bewerten würde. Zur Begründung eines solchen Schrittes wird auf die Kombination aus schwacher wirtschaftlicher Entwicklung und hoher Staatsverschuldung sowie die politische Unsicherheit des anstehenden Referendums verwiesen. Das Ergebnis dieser Volksbefragung hat auch Matteo Renzi sehr eng mit seiner politischen Zukunft verknüpft, wie es inzwischen so Usus geworden ist.

Bedenklich im Zusammenhang mit der Ankündigung seitens der DBRS ist allerdings, dass man sich in Rom nicht mit den zugrundeliegenden Fakten einer solchen Herabstufung beschäftigt, sondern einen Widerspruch gegen die Überprüfung der bisherigen Einstufung in Erwägung zieht. Der hierbei angeführte Grund der Bekanntgabe außerhalb des dafür vorgesehenen Mitteilungskalenders ist vielleicht juristisch haltbar, sagt aber sehr viel über die Nervenanspannung bei den politisch Verantwortlichen Italiens aus.

Man darf also durchaus auf die neuesten Entwicklungen in der Sache „Italien“ gespannt sein.

Muss sich Europa neu erfinden?

Diese Frage stellt sich der interessierte EU-Bürger nicht erst seit dem Brexit-Referendum, sondern bereits seit vielen Jahren. In den Zeiten der Finanzkrise wurden viele Unterschiede bei der Wirtschafts-, Steuer- und Haushaltspolitik überdeutlich. Aber auch im Umgang mit Flüchtlingen wurden getroffene Entscheidungen in den Mitgliedsstaaten oftmals als Diktate abgetan und somit nicht umgesetzt.

Insbesondere die Regierungschefs von Griechenland und Italien sind von der Haltung ihrer Partner in Nordeuropa bezüglich der Migrationspolitik sehr enttäuscht. Bis September 2017 sollen 160.000 Flüchtlinge aus Italien und Griechenland aufgenommen werden, aber bisher wurden nur ca. 3.700 Menschen entsprechend der Beschlüsse vom September 2015 umverteilt. Nicht zuletzt aus diesem Grund und um dem sogenannten haushaltspolitischen Spardiktat der Nordeuropäer zu begegnen, hat Alexis Tsipras die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Italien, Malta, Portugal, Spanien und Zypern für den 9. September des Jahres zu einer Konferenz nach Athen eingeladen. Das Ziel dieser Konsultationen ist die Bildung einer Allianz gegen die Sparmaßnahmen. Dies wurde auf dem EU-Gipfel am 28. und 29. Juni zwischen Tsipras und Renzi unter dem Begriff „Pro-Wachstumsagenda” andiskutiert.

Gemeinsame Probleme sind oftmals ein Grund, um sich dem Projekt „gemeinsame Zukunft“ zu widmen. Insbesondere nach dem Brexit-Referendum scheint es an der Zeit zu sein, Europa zu verändern. Jetzt muss es gelingen, den nationalistischen Kräften in Europa die Grundlage zu entziehen und nicht mit fragwürdigen Entscheidungen gegenüber Defizitsündern das Gesamtkonstrukt in Frage zu stellen. Gleichzeitig sollte aber auch den Nettozahlern nicht das Gefühl des Aufbaus einer Transferunion gegeben werden.

Viel Zeit hat man nicht mehr, denn ansonsten kann dieses Treffen der Anfang vom Ende des gemeinsamen europäischen Gedankens sein. Ob das den Zerfall Europas in seine Einzelbestandteile oder eine Aufteilung der Eurozone in einen Nord- und einen Südteil bedeuten würde, muss abgewartet werden. Vielleicht wird aber auf diesem kleinen Gipfel nicht nur die Transferunion gefordert, sondern werden neue Möglichkeiten für ein friedvolles geeinigtes Europa gefunden. Querdenken ist in diesen Tagen nicht nur erlaubt, sondern einzufordern!

Auch Banken müssen betriebswirtschaftlich denken

Bereits seit Wochen und Monaten fragen sich viele Privatpersonen, ob es auch für sie irgendwann soweit sein wird, dass Strafzinsen fällig werden. Noch wird es von Bankenvertretern - wie dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer - nicht für möglich gehalten. Seines Erachtens ist der Wettbewerbsdruck zu groß. Dennoch hat bisher die thüringische Skatbank den Negativzins für Beträge ab 500.000 € eingeführt. Die Alternativ-Bank GLS plant einen Solidarbeitrag zu erheben und ab September wird die dritte genossenschaftliche Bank, die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, ein „Verwahrentgelt“ für Beträge ab 100.000 € einführen. Des Weiteren ist zu befürchten, dass die Banken sich andere Mittel und Wege suchen werden, um den bei ihrer Hauptertragsquelle - dem Zinsüberschuss - entstandenen Verlust auszugleichen.

Wenn Banken die ihnen für das Aufrechterhalten des Geschäftsbetriebs in Rechnung gestellten Strafzinsen nicht an ihre Kunden weitergeben können, so werden sie nicht umhinkommen, Gebührenerhöhungen zu beschließen. Dies ist auch das Ergebnis, welches die FMH-Finanzberatung gestern veröffentlicht hat. Auch Banken müssen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ihre Leistungen bewerten und man stelle sich mal vor, was die Bankenaufsicht mit einem Kreditinstitut machen würde, das aufgrund seines Geschäftsmodells nachhaltig Verluste schreibt. Banken sind also gezwungen zu reagieren, machen dies allerdings bisher sehr vorsichtig.

Trotz aller gegenteiligen Statements werden die Kleinsparer auf diese Weise indirekt für die Niedrigzinspolitik der Europäischen Notenbank zur Kasse gebeten. Diese Konditionenanpassungen werden die Privatpersonen in unterschiedlicher Weise treffen und so zu dem ein oder anderen Ende einer langjährigen Geschäftsbeziehung führen.

Die geldpolitische Debatte zwischen BoE und EZB ist vorprogrammiert

Die Bank of England (BoE) hat es am vergangenen Donnerstag geschafft, die Finanzmärkte zu überraschen und die Kurse der unterschiedlichen Assetklassen positiv zu beeinflussen. Die Senkung des Leitzinses von 0,50% auf 0,25% war der allseits erwartete erste Schritt und der zweite und dritte folgte sogleich. Die Ausweitung der Staatsanleihenkäufe um 60 Mrd. GBP in den kommenden 6 Monaten und der Ankauf von Unternehmensanleihen im Volumen von 10 Mrd. GBP während der nächsten 18 Monate waren hingegen nicht von allen Marktbeobachtern in Erwägung gezogen worden. Die Einführung eines Term Funding Scheme zur Stützung der Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken rundete das Maßnahmenpaket ab. Die anschließende Ankündigung, dass man durchaus gewillt sei, die Zinsen nochmals im Verlauf des Jahres zu senken, hat ebenfalls ihre Wirkung nicht verfehlt und strahlt noch immer auf die Finanzmärkte aus. So beläuft sich die Rendite der 10-jährigen britischen Staatsanleihen aktuell auf 0,525%, nachdem sie am vergangenen Donnerstag vor der Zinsentscheidung noch bei ca. 0,80% verharrte. Zur Erinnerung: Am Tag vor dem Brexit-Referendum rentierten die 10-jährigen Gilts bei 1,371%.

Die seitens der BoE-Notenbankenvertreter unter Vorsitz von Mark Carney beschlossenen Maßnahmen sind alternativlos gewesen, aber in punkto Zinspolitik lassen die Erläuterungen Carneys zukünftig eine geldpolitische Debatte zwischen der BoE und der EZB erwarten. So sieht der britische Notenbankgouverneur die effektive Untergrenze bei den Leitzinsen knapp über null und nicht wie die EZB im negativen Bereich. Damit ist ein Negativzins unter seinem Vorsitz auszuschließen. Seines Erachtens wird eine solche Maßnahme nach hinten losgehen, weil die Banken im Zweifel ihre Kreditzinsen erhöhen müssten, um ihre Margen zu schützen. Es wird also spannend sein zu beobachten, wie zwei Notenbanken auf engstem Raum mit unterschiedlicher geldpolitischer Sichtweise und wirtschaftlichen Verflechtungen ihre zukünftige Zinspolitik betreiben.

In diesem Zusammenhang sei noch kurz ein Mitglied des Geldpolitischen Rates der japanischen Notenbank zitiert, der das Limit der durch eine Notenbank anzukaufenden Staatsanleihen nur dadurch begrenzt sieht, was die Regierung ausgibt. Hoffentlich hat das nicht „Super-Mario“ gehört.

EU-Defizitsünder werden in Watte gepackt

Bis zum 15. Oktober haben Portugal und Spanien Zeit bekommen, um neue Pläne zu präsentieren, wie sie ihre Haushalte in Ordnung bringen möchten. Das ist das vorläufige Ergebnis der Verstöße gegen die europäischen Schuldenregeln. Zuvor hatte die EU-Kommission bereits für einen Straferlass plädiert, um die EU-kritische Stimmung nicht weiter anzuheizen. Sollten sich die Regierungen der beiden Länder nicht an die Vorgaben halten, so würde als Sanktionierungsmöglichkeit noch die Kürzung der EU-Fördermittel bestehen.

Über diese Möglichkeit will die EU-Kommission, also die Straferlass-Befürworter, nach der Sommerpause mit Vertretern des Europaparlaments beraten. Das Ergebnis dieser Unterredung sollte allerdings nicht überraschen. Bereits im Jahre 2003 wurden die Defizitverfahren gegen Frankreich und Deutschland nicht umgesetzt und dies rächt sich nun. Denn den Vorwurf „Die Kleinen fängt man und die Großen lässt man laufen” kann man nicht entkräften und um den europafeindlichen Kräften nicht noch mehr „Munition“ zu liefern, beißt man in den sauren Apfel und macht auf „liebes Kind“.

Doch mit solchen Einzelaktionen kann man nicht verhindern, dass Europa bei der Bevölkerung auf den Prüfstand gestellt wird. Sollte es einen politischen TÜV geben, so würden sicherlich verschiedene europäische Gremien ihre Betriebserlaubnis verlieren. Und das wäre auch gut so!

Sind die Sommerferien bald vorbei?

Ein Großteil der Deutschen befindet sich aktuell im Urlaub und somit ist es nicht verwunderlich, dass auch am Primärmarkt für Corporate Bonds Ferienstimmung aufkommt.

Solch ruhige Phasen bieten sich allerdings auch immer an, den Blick zurück und nach vorne zu werfen. Nach Informationen der Bayerischen Landesbank und der Ratingagentur S&P ist ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, denn bis zum Jahresende soll sich bei gerateten Corporate Bonds sogar ein Refinanzierungsbedarf in Höhe von ca. 276 Mrd. USD aufgestaut haben. Das wäre volumenstechnisch mehr als die bisher seit Jahresbeginn aufgelegten Unternehmensanleihen im Volumen ca. 201 Mrd. USD. Diese prognostizierte Zunahme der Emissionstätigkeit lässt hoffen und positiv für Corporates auf die kommenden Monate blicken.

Den Anfang machte der Portugiesische Versorger EDP, der eine 7½-jährige Anleihe (A184XQ) im Volumen von 1 Mrd. € begab. Der Investor erhält hierbei eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,125% bis zur Endfälligkeit am 12.02.2024. Die Anleihe wurde mit +113 bps über Mid Swap bzw. 99,616% gepreist. EDP entschied sich für eine Mindeststückelung von 100.000 € weshalb die Anleihe eher für institutionelle Anleger von Interesse sein dürfte.

Mit Liquidität schafft man alles

Im Gleichschritt marschieren weiterhin die Assetklassen und lassen die Investoren ungläubig auf die Kurstafeln blicken. Mit den Notenbanken als großem Bruder schwinden die Ängste vor Fehlinvestitionen und das Hirn wird nur noch selten eingesetzt. Es ist schon ungewöhnlich, wenn die Kurse von Aktien und Renten über einen längeren Zeitraum Hand-in-Hand nach oben tendieren, aber auch diese Phase wird vorübergehen.

Bei solch einem atypischen Verhalten ist es sicherlich sinnvoll, die Charttechnik zu befragen. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 167,91%, nahe dem 1. Widerstand bei 168% (mehrere Hochs im Juli). Ein Durchstoßen dieser Marke würde die Blicke auf das bisherige Allzeithoch bei 168,86% lenken, denn es ist nicht auszuschließen, dass im Zuge der Liquiditätsschwemme dieses Niveau erneut getestet wird. Der kurzfristige Aufwärtstrend mit einer täglichen Steigung von 8 Ticks bildet momentan bei 166,37% eine erste Unterstützungslinie. Sollte diese durchbrochen werden, so würde eine zweite, sehr massive Unterstützung bei ca. 165,61% (mehrere Hochs und Tiefs im Juni) zum Tragen kommen.

Österreich knapp hinter Deutschland

In dieser Handelswoche waren lediglich Österreich und Deutschland am Kapitalmarkt aktiv. Beide Länder stockten ihre 10-jährigen Emissionen auf und verdeutlichten hierbei den aus den Zinskurven resultierenden Renditeabstand. Das Volumen der österreichischen Bundesanleihe (A18X6P) wurde um 500 Mio. € auf rund 7 Mrd. € und das deutsche Pendant (110240) um 5 Mrd. € auf 10 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte in der Alpenrepublik zu einer Rendite von +0,073% und in Deutschland zu -0,094%.

USA-interessierte Anleger durften in dieser Woche nicht nur in den üblichen Geldmarkttiteln (55 Mrd. USD für 4 Wochen ; 40 Mrd. USD für 3 und 34 Mrd. USD für 6 Monate), sondern auch in T-Notes mit einer Laufzeit von 3 Jahren (24 Mrd. USD) und 10 Jahren (23 Mrd. USD) investieren. Den Schlusspunkt bildet heute die Versteigerung der T-Bonds über 15 Mrd. USD. Somit wurden insgesamt 191 Mrd. USD refinanziert.

Brasilien - nicht nur für Sportler lohnenswert

Während in Brasilien die Olympischen Spiele stattfinden und mancher Sportler sich Hoffnung auf den Gewinn einer Medaille macht, lohnt der Blick nach Südamerika. Trotz schlechter Wirtschaftsdaten und politischer Unruhen hat die brasilianische Währung gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten wieder deutlich zulegen können. Wurde die europäische Gemeinschaftswährung am 24.09.2015 noch bei 4,7830 BRL gehandelt, so notiert sie aktuell bei ca. 3,4900 BRL.

Doch auch der Greenback steht im Fokus der Anleger und erfreut sich großer Handelsaktivitäten. Alle US-Konjunkturdaten werden in den kommenden Wochen auf Hinweise einer wirtschaftlichen Stabilität untersucht, um schnell auf eine mögliche Zinsanhebung reagieren zu können. Hat man in der vergangenen Woche noch für September mit einem solchen Schritt gerechnet, so hat sich inzwischen die Meinung etabliert, dass man sich noch etwas Zeit lassen wird. So konnte sich der Euro von seinem Tief bei 1,1043 USD auf fast 1,12 USD erholen und handelt zurzeit bei ca. 1,1165 USD.

Rege Handelsaktivitäten konnten aber auch in Fremdwährungsanleihen auf türkische Lira und südafrikanische Rand festgestellt werden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:

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Author: Klaus Stopp

Die Märkte warten auf ein Signal aus London

Am heutigen Tag richten sich die Blicke der Börsianer nach London, denn dort tagt der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) und wird über die zukünftige Zinspolitik beraten. Am Markt herrscht einvernehmlich die Meinung vor, dass die Bank Rate von 0,50% auf 0,25% gesenkt wird. Es wäre die erste Reduzierung nach 7 ½ Jahren und alles andere als ein solcher Beschluss wäre ein Desaster für die Finanzmärkte. Darüber hinaus sind allerdings auch weitere flankierende Maßnahmen wie Ausweitung des Funding for Lending Schemes (FLS) oder der Wertpapierankäufe vorstellbar und notwendig, um der extrem hohen Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zu entsprechen.

Doch das Enttäuschungspotential ist extrem hoch. Erst am 15. September würden die britischen Notenbanker wieder zusammenkommen, aber das wären weitere 6 Wochen der Spekulation und der Unsicherheit. Das Grundproblem bei solchen Entscheidungen ist allerdings, dass Notenbanken mit ihrer Geldpolitik nur agieren oder reagieren können. Manchmal ist es besser, noch abzuwarten und in anderen Situationen ist es dringend erforderlich, sofort zu reagieren. Darüber hinaus bleibt den Verantwortlichen in nicht eindeutigen Konjunkturzyklen nur, wie die amerikanische Notenbank auf die Kraft der Worte zu setzen. Und das wird auch heute nicht anders sein.

Schenkt man jüngsten britischen Konjunkturdaten Glauben, so leidet die Wirtschaft bereits jetzt massiv unter dem Brexit. Das Stimmungsbarometer des Instituts Markit ist im Juli auf 48,3 Punkte gefallen, nachdem es im Juni noch bei 52,4 Punkten und somit über der sogenannten Wachstumsschwelle von 50 Punkten gelegen hat. Hervorgerufen wird dieser sogar noch stärker als erwartete Rückgang durch die Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Großbritannien. Dies kam zum Beispiel im Teilindex für die Bestellungen überdeutlich zum Ausdruck, der so stark einbrach wie seit 1998 nicht mehr.

Vor Monaten hat man sich noch mit den USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, wer zuerst die Zinsen erhöhen wird. Dass man den USA hierbei bereits im Dezember des vergangenen Jahres den Vortritt lassen musste, konnte man noch verkraften. Aber jetzt nach dem Brexit-Referendum auch noch die entgegengesetzte Richtung einschlagen zu müssen, schmerzt die Notenbanker besonders. Bei allen heute und zukünftig zu treffenden Entscheidungen gilt es, ein großes Maß an Fingerspitzengefühl zu beweisen, um nicht mit einem unbedachten Kommentar oder übertriebenem Aktionismus Panikstimmung zu erzeugen.

Das 26. Konjunkturpaket soll es richten

Bereits am vergangenen Freitag hat die japanische Notenbank (BoJ) beschlossen, die Leitzinsen nicht weiter nach unten anzupassen und zugleich angekündigt, zukünftig mehr Wertpapiere anzukaufen. Allerdings handelt es sich hierbei um börsengehandelte Fonds und nicht - wie erhofft - auch um Staatsanleihen. Mit diesen Maßnahmen legten die Notenbanker ihre Rahmenbedingungen fest, wie sie die Regierung im Kampf gegen Wirtschaftsschwäche und Deflation unterstützen wollen.

Jetzt galt es nur noch, auf die ergänzenden Erläuterungen der japanischen Regierung zu warten. Am Dienstag war es dann soweit. Das größte Konjunkturpaket seit der Finanzmarktkrise hat insgesamt ein Volumen von 28,1 Bill. Yen (ca. 248 Mrd. €), allerdings belaufen sich die eigentlichen Fiskalmaßnahmen lediglich auf 13,5 Bill. Yen. Die restlichen 14,6 Bill. Yen beruhen auf nicht direkt definierten Ausgaben und auf Maßnahmen öffentlich-privater Partnerschaften. Insgesamt hat das Maßnahmenpaket zwar die Erwartungen der Marktteilnehmer übertroffen, aber die Tatsache, dass im laufenden Haushaltsjahr lediglich 4,6 Bill. Yen veranschlagt wurden, hat zunehmend für Enttäuschung gesorgt.

Seit 1990 haben die Regierungen in Tokio 25 Konjunkturpakete ohne nachhaltigen Erfolg aufgelegt und somit sind Zweifel angebracht, ob wirklich das 26. die erhoffte Wende bringen wird. An der Börse scheint diese Hoffnung von Tag zu Tag zu schwinden. Kritisch wird inzwischen auch gesehen, dass die Bank of Japan nicht - wie von vielen Marktbeobachtern erwartet – das Anleihenkaufprogramm aufstockte. Dies ließ Spekulationen aufkommen, dass der BoJ zukünftig die finanziellen Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen werden und man dadurch gezwungen sei, die Unterstützung der heimischen Wirtschaft mehr in die Hände der japanischen Regierung zu legen.

Ob die japanische Notenbank wirklich an ihre geldpolitischen Grenzen gestoßen ist, werden die nächsten Monate zeigen. Auch wenn normalerweise die Notenbanken am längeren Hebel sitzen, so musste sogar die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015 am Devisenmarkt kapitulieren. Denn irgendwann ist einfach Schuss!

Entschuldung durch Schulden

Es ist schon eine verrückte Finanzwelt, die solche Auswüchse hervorbringt. In der Vergangenheit mussten Schuldner Zinsen an die Gläubiger zahlen und heute zeigen sich die Investoren finanziell erkenntlich bei den „guten“ Emittenten. In der Hoffnung ihr Geld bei Endfälligkeit zurückzuerhalten, sind viele Investoren - teilweise freiwillig, teilweise gezwungenermaßen - bereit, eine Sicherheitsprämie zu zahlen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind neben der wirtschaftlichen Kraft Deutschlands sowie der zuverlässigen Haushaltspolitik diverse Krisen und insbesondere die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Aber nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen Euroländer profitieren von dieser Zinspolitik. Doch einen großen Unterschied gibt es. Die anderen Staaten haben eine geringere Zinsbelastung als früher, aber nur Deutschland kehrt den Spieß um und verdient teilweise Geld mit seinen Schulden. Dies lässt andere Finanzminister neidisch nach Deutschland blicken! Doch Neid muss man sich hart erarbeiten, Mitleid hingegen wird einem geschenkt.

So haben sich die Zinsausgaben des Bundes im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 2,7 Mrd. € auf 7 Mrd. € reduziert. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass auch noch Zinsen auf Altemissionen zu zahlen sind. Aber für viele neu begebene Wertpapiere des Bundes muss nicht nur kein Zins mehr bezahlt werden, sondern die Gläubiger zahlen bereits beim Erwerb mehr als Ihnen später am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird. Nach Recherchen der „Bild“-Zeitung belaufen sich diese „Überzahlungen“ alleine im ersten Halbjahr 2016 auf ca. 1,5 Mrd. €.

Allerdings ist es auch in diesem Fall so, dass alles zwei Seiten hat. Den Finanzminister freut es, aber alle Privatanleger, Kapitalsammelstellen und auch die Banken stöhnen unter der Last der Negativzinsen.

Japans oberster Bankenaufseher warnt die Zentralbanken

Japan gilt als das Paradebeispiel, wie man mit einer Finanzkrise lange vor Europa und den USA sowie einer extremen Staatsverschuldung noch immer als kreditwürdig gilt. Doch das bedeutet nicht, dass Japan alles richtig gemacht hat und man den gleichen Weg beschreiten sollte.

Bereits Ende der 90er-Jahre waren die japanischen Banken infolge der hausgemachten Immobilienkrise gezwungen worden, ihre Bilanzen zu entgiften und dies hat sie in der globalen Finanzkrise vor großen Verlusten beschützt. Zumal eine Rückkehr zu alten Verhaltensmustern bei der Kreditvergabe in Japan nie wieder stattgefunden hat. Die Risikolust wurde auf ein Minimum reduziert und somit war dem Gewinnwachstum die Grundlage entzogen. Diesen Gedanken teilt auch der oberste Bankenaufseher Japans, Nobuchika Mori, und er warnt zugleich die anderen Zentralbanken davor, die gleichen Fehler zu begehen.

Denn in den Krisen wird stets darauf geachtet, wie man Banken mit immer neuen Kapitalanforderungen und anderen Einschränkungen widerstandsfähiger machen kann. Das ist in gewissen Zinsphasen auch sinnvoll, aber wenn wie jetzt die Zinsen teilweise unter null gesenkt wurden, dann schwächt man die Banken, weil sie bei der klassischen Kreditvergabe der Möglichkeit des Geldverdienens beraubt werden. War man vor Jahren in Japan noch stolz auf die sauberen Bilanzen der Banken, so werden die Banken nun gedrängt, mehr Risiken einzugehen und das wiederum schafft Angriffspunkte für neue Krisen.

Die Kunst der Bankenaufsicht liegt also weltweit nicht im Aufoktroyieren von Vorschriften, sondern im ausgewogenen Gestalten von Kapitalanforderungen und Risiken. Auswüchse der Vergangenheit gilt es zu vermeiden und gleichzeitig stehen die Bankenmodelle vor einem Gezeitenwechsel. Aber um Wirtschaftswachstum zu erreichen, ist jede Volkswirtschaft in gewissen Grenzen auf risikobereite Banken angewiesen. Wären die deutschen Banken nach dem Zweiten Weltkrieg mit den heutigen Vorschriften konfrontiert gewesen, so hätte es kein deutsches Wirtschaftswunder gegeben! Dem Wirtschaftswachstum muss wieder mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden und nicht dem risikolosen, margenarmen Geschäft, das keinem Beteiligten nutzt.

Kommt nach der Diagnose auch die Therapie?

Der Bankenstresstest, der uns vermitteln sollte, dass die Mehrzahl der europäischen Banken gut aufgestellt ist und auch einen Schock abfedern kann, wurde nach Meinung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) diesem Anspruch gerecht. Über die Sinnhaftigkeit eines solchen Tests kann weiterhin diskutiert werden, zumal die Prüfungen auf Szenarien von vor über einem Jahr aufbauten und die aktuelle Niedrigzinsphase außer Acht gelassen wurde.

Die Verlierer dieser Simulation, und darüber sind sich die meisten Fachleute einig, sind die deutschen Banken. Unter den 10 krisenanfälligsten Banken der 51 getesteten Kreditinstitute sind die Commerzbank und die Deutsche Bank zu finden und dies stellt kein Ruhmesblatt dar. Das Abschneiden der italienischen Banken hingegen war zu erwarten und wird von allen Vertretern der deutschen Bankenbranche gerne als Negativbeispiel verwendet, um von den eigenen Problemen abzulenken.

Ob der Stresstest das Geld wert ist, was er gekostet hat, steht auf einem anderen Papier. Denn alleine schon die Tatsache, dass die Förderbank Nordrhein-Westfalen ohne Risiko- und Kundengeschäft auf Platz 1 gelandet ist, lässt tief blicken. Grundsätzlich krankt die europäische und insbesondere die deutsche Bankenbranche an der fehlenden Profitabilität. Wo keine Gewinne erzielt werden, kann auch kein Eigenkapital aufgebaut werden. Viel wichtiger als die bekanntgegebenen Ergebnisse ist, dass auf die Diagnose auch eine Therapie folgen muss. Doch davon ist noch nichts zu spüren.

Nur noch vereinzelte Emissionsaktivitäten am Primärmarkt

Warum sollte es in diesem Jahr anders sein als in den Jahren zuvor? Trotz des für Unternehmen lukrativen Marktumfeldes halten sich die Finanzchefs in den Sommermonaten merklich zurück bei der Begebung neuer Anleihen. Insbesondere die namhaften Gesellschaften haben entweder keinen Bedarf an neuen Mitteln oder sie bedienen sich wie die Autovermittlung Sixt bzw. die Norma Group, einem führenden Anbieter von Verbindungstechnik, des wesentlich flexibleren Schuldschein-Marktes. So refinanzierte Sixt 375 Mio. € und Norma umgerechnet ca. 150 Mio. € bei institutionellen Anlegern.

Doch manche Unternehmen setzen weiterhin auf die klassische Refinanzierungsform der Anleihe und so legte das spanische Telekomunikations-Unternehmen Cellnex in dieser Woche einen am 16.01.2024 endfälligen Bond (A184QY) mit einem jährlichen Kupon von 2,375% auf. Hierbei wurde der „Anlage-Notstand“ vieler Investoren deutlich, denn für ein Volumen von 750 Mio. € wurden Zeichnungsaufträge von ca. 4 Mrd. € aufgegeben. Gepreist wurde die Emission bei +245 bps über Mid Swap, was einem Kurs von 99,175% entsprach.

Als Mindeststückelung wurde hierbei nominal 100.000 € gewählt und der Emittent ließ zum 16.10.2023 die bei vielen Neuemissionen zur Anwendung kommende Make-Whole-Option festschreiben. Somit richtet sich auch dieser Bond in erster Line an institutionelle Investoren und vermögende Privatkunden.

Seitwärts im Niemandsland

Nachdem das Rentenbarometer in den beiden ersten Handelstagen der neuen Woche einen leichten „Schwächeanfall“ erlitten hat, wurde dieser Trend am gestrigen Mittwoch zumindest vorübergehend gestoppt. Die kleine Gegenreaktion endete allerdings bei 166,92%, knapp oberhalb der Begrenzungslinie des kurzfristigen Abwärtstrends. In Erwartung der heutigen Zinsentscheidung aus London und der morgigen US-Arbeitsmarktdaten ist von einer Seitwärtsbewegung im Niemandsland auszugehen.

Das bedeutet unter charttechnischen Gesichtspunkten eine Tradingrange zwischen 166,38% (Tief vom 2.8.) und 167,37% (Hoch vom 2.8.). Erst beim Verlassen dieses Korridors kommen die Widerstandslinie bei 168% (mehrere Hochs im Juli) und die Unterstützung bei ca. 166,00% zum Tragen. Es ist zu befürchten, dass also auch der Euro-Bund-Future, der aktuell bei 166,75% notiert, eine kleine Sommerpause einlegt.

Europäisches Dreigestirn aktiv

In dieser Handelswoche haben sich in Euroland lediglich drei Länder am Kapitalmarkt aktiv gezeigt und insgesamt ca. 16 Mrd. € refinanziert. Bereits am gestrigen Mittwoch hat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue 2-jährige Bundesschatzanweisung (110465) im Volumen von 5 Mrd. € platzieren können. Insgesamt lagen Kaufaufträge für über 6,5 Mrd. € vor, aber nur ca. 4 Mrd. € wurden bei einer Durchschnittsrendite von -0,60% zugeteilt. Die restliche Milliarde wird zur Marktpflege verwendet. Darüber hinaus werden heute Spanien eine inflationsindexierte (A1ZQ4J / 2019) und zwei klassische Anleihen (A18YPG / 2021 ; 197017 / 2029) sowie Frankreich diverse Anleihen (A18YPD / 2026 ; 686543 / 2032 ; A0AXNP / 2035 ; A1GMH7 / 2027 ; 352709 / 2029) aufstocken.

In den USA gönnte man den Investoren eine Pause und emittierte „lediglich“ 119 Mrd. USD als Geldmarkttitel mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten. In der kommenden Woche werden allerdings wieder Anleihen mit Fälligkeiten in drei, zehn und 30 Jahren angeboten.

Türkische Bonds im Fokus

In dieser Handelswoche waren aufgrund der jüngsten Ereignisse rund um das Thema Türkei insbesondere Handelsaktivitäten bei Anleihen auf Türkische Lira zu beobachten. Zu stark sind die Auswirkungen der „Entdemokratisierung“ auf die Wirtschaftsleistung des Landes, um diesen Faktor außer Acht zu lassen. Bereits durch den gescheiterten Putschversuches soll der Türkei ein Schaden von umgerechnet 90 Mrd. € entstanden sein. Unter diesen Voraussetzungen ist es sogar beachtlich, dass die türkische Landeswährung gegenüber dem Euro recht stabil bei ca. 3,3670 TRY gehandelt wird. Die infolge des Putschversuchs erreichten 3,4074 TRY wurden bisher nicht mehr überboten und das vorherige Niveau bei ca. 3,21 TRY gilt als realitätsfremd. Doch das kann sich in den nächsten Wochen noch ändern.

Trotz aller Sonderfaktoren ist allerdings das Währungspaar USD/EUR weiterhin das aus europäischer Sicht am meisten beobachtete und gehandelte. Nach dem jüngsten Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank Fed und infolge diverser US-Konjunkturdaten konnte die europäische Gemeinschaftswährung von dem Tiefpunkt bei 1,0959 USD in der Spitze auf 1,1233 USD klettern. Zu groß ist die Unsicherheit, ob und wann der US-Leitzins angehoben wird, aber auch die nicht zu starke negative Auswirkung des Brexit ließen den Euro auf ein 6-Wochen-Hoch klettern. Am Tag vor den US-Arbeitsmarktdaten notiert die Währung der Euroländer aktuell bei 1,1140 USD.

Privatanleger setzen weiterhin verstärkt auf Fremdwährungsanleihen, um einerseits dem Niedrigzinsumfeld im Euroland zu entgehen und andererseits die damit verbundenen Devisenkursveränderungen bewusst in Kauf zu nehmen. Im Fokus standen insbesondere Anleihen auf Türkische Lira, US-Dollar, Brasilianische Real und Australische Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

Weihenstephaner Str. 4

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Deutschland

www.baaderbank.de

Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Fed lässt alles beim Alten

Zum fünften Mal in Folge hat die US-Notenbank Fed den Schlüsselzins zur Versorgung der Banken mit Geld nicht angefasst und lässt ihn auch fast 5 Wochen nach dem Brexit unverändert bei 0,25% bis 0,50%. Die Entscheidung fiel mit 9:1 Stimmen. Lediglich die Chefin der Fed in Kansas City, Ester George, sprach sich für eine Leitzinserhöhung aus. Dies kann als Zeichen gedeutet werden, dass eine Anhebung der Zinsen nicht generell vom Tisch ist, aber zumindest bis zum 21.September, dem nächsten Fed-Treffen, gewartet werden muss. Ob sich allerdings dann - so kurz vor der Präsidentschaftswahl - die Notenbanker zu einem solchen Schritt durchringen werden, darf bezweifelt werden.

Ursprünglich hatte die Fed-Chefin eine Erhöhung für Juni oder Juli des Jahres angedeutet, aber auch gestern hat sich der geldpolitische Ausschuss der Fed nicht getraut, diesen Schritt zu gehen. Es könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass man die Phantasie zwar am Leben halten möchte und dabei wie bei der Echternacher Springprozession vorgeht. So hat die Fed-Chefin auf eine Verringerung der kurzfristigen Risiken für den US-Wirtschaftsausblick und auf die Belebung des US-Arbeitsmarktes verwiesen, aber anscheinend haben diverse internationale Entwicklungen ein aggressiveres Vorgehen verhindert.

Einerseits möchte man sicherlich gerne mit einem solchen Zinsschritt die Robustheit der US-Wirtschaft unterstreichen, aber zugleich befürchtet man die Stärkung der heimischen Währung und die damit geringeren Exportmöglichkeit eigener Waren. Aber auch ein Anstieg der staatlichen Refinanzierungs-Kosten und ein „Störfeuer“ für die Aktienkurse an der Wallstreet gilt es zu vermeiden. Um alle diese Aspekte zu berücksichtigen, bedarf es Fingerspitzengefühl und zwar einer großen Menge.

Bankenkrise Reloaded

Am morgigen 29. Juli gibt die EU-Bankenbehörde EBA die Ergebnisse des jüngsten Stresstests für die europäische Finanzbranche bekannt. Die EU-Bankenbehörde EBA will ihre Zeugnisse an diesem Tag erst um 22 Uhr veröffentlichen – also dann, wenn auch die US-Börsen geschlossen sind. Damit haben Investoren genügend Zeit, die Ergebnisse bis zur Öffnung der Märkte am kommenden Montag richtig einzuschätzen.

Angesichts der faulen Kredite, welche die italienischen Banken in den Büchern haben, sind die Finanzmärkte auf die Zensuren gespannt. Aber auch die beiden größten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, stehen im Fokus des Interesses. Nachdem klar geworden ist, dass die Commerzbank in diesem Jahr um ihren Milliardengewinn bangen muss, schrumpft die Kapitaldecke des Instituts. Und auch die Deutsche Bank steckt im Schlamassel, sieht sie sich doch in den USA mit einer neuen Klage wegen undurchsichtiger Hypothekengeschäfte konfrontiert. Dabei gehört das Geldhaus mit einer Kernkapitalquote von 10,7% schon jetzt nicht gerade zu den stärksten der Branche.

Doch es sind insbesondere die italienischen Geldhäuser, die durch den Stresstest unter Druck stehen. Sie tragen faule Kredite von 360 Mrd. € mit sich herum und werden wohl mit besonders schlechten Zensuren zu rechnen haben. Nicht umsonst hat EZB-Chef Mario Draghi bereits eine rasche Lösung der Probleme angemahnt – whatever that means. Es könnte nämlich sein, dass man die Stresstest-Ergebnisse heranzieht, um einen Grund zu haben, die italienischen Banken staatlich zu stützen. Nach einer derartigen Lösung sucht ja seit Wochen Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Regeln der Europäischen Bankenunion die Schuld für das eigene Dilemma zuschiebt. Nach seiner Lesart war es alleine die Brexit-Entscheidung der Briten, welche die Probleme der italienischen Banken verursacht hat. Und daher müsse man auch den Weg durch die Hintertür der staatlichen Hilfen gehen, den die Bankenunion erlaubt, wenn das gesamte Bankensystem in der EU bedroht sei. Dass die italienischen Geldhäuser schon viel länger riskante Kredite mit sich herumtragen, wird dabei elegant verschwiegen.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny will hingegen die Lage der italienischen Banken indessen „nicht überdramatisieren”, gesteht aber zu, dass es bei der drittgrößten italienischen Bank, Monte dei Paschi di Siena, „ein aktuelles Problem“ gebe. Daher sei es notwendig, „in sehr rascher Zeit eine konkrete Lösung zu finden”. Bei den anderen Instituten schätzt er die faulen Kredite als „ein lösbares Problem“ ein - etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank.

Sollte es aber tatsächlich zu einem staatlichen Eingriff zur Rettung der italienischen Banken kommen, dürfte Rom alleine dazu schwerlich in der Lage sein. Immerhin ist das Land schon jetzt in Höhe von 137% des BIPs verschuldet. Das sind zwar noch keine griechischen Verhältnisse (175%), aber man wäre auf einem guten Weg dorthin.

Auch in Portugal kämpfen wichtige Banken zunehmend mit Problemen. So braucht etwa die größte Bank des Landes, die Novo Banco, mehrere Milliarden an zusätzlichem Geld. Die Großbank Barclays geht davon aus, dass portugiesische Geldhäuser insgesamt bis zu 7,5 Mrd. € an Kapitalhilfen benötigen.

Die Branche ist also in vielen europäischen Ländern im Krisenmodus, weshalb eine Rückkehr der Bankenkrise zu befürchten ist. So kommt auch auf kleinere Institute in Deutschland ein neuer Branchencheck zu. Diesmal ist es die Bundesbank, die überprüfen will, wie kleine und mittlere Banken im Land mit den rekordniedrigen Zinsen zurechtkommen. Ein wichtiger Aspekt, der beim Stresstest für die großen Banken ausgeklammert wurde.

Zu allem Überfluss hat sich dann zum Thema Banken auch noch Boris Johnson, der neue Außenminister von Großbritannien, zu Wort gemeldet und vollmundig erklärt, dass die britischen Banken auch nach dem Brexit ihren EU-Pass behalten dürften. Eine Sichtweise, die sich nicht jedem Beobachter erschließt und für die er nur Erstaunen geerntet hat.

Anleger bleiben VW treu

Nachdem ein US-Gericht den Deal zwischen Volkswagen und US-Klägern abgesegnet hat, ist der Weg frei für den bisher höchsten Vergleich in der Automobilindustrie. Demnach zahlt der deutsche Automobilkonzern wegen manipulierter Abgaswerte umgerechnet 13,3 Mrd. € an VW-Fahrer und staatliche Institutionen.

Corporate Bonds des Konzerns setzten daraufhin ihren Höhenflug fort. So notiert ein bis 10/2021 laufender Titel der VW Financial Services (780516) mit rund 102,60% auf einem neuen Jahreshoch. Die Rendite liegt hier bei 0,25%. Auch im langfristigen Bereich vertrauen die Anleger weiterhin VW. So kletterte auch ein bis 1/2030 laufender Bond (A1ZUTM) auf sein Jahreshoch, das bei nun ca. 103,57% liegt, und rentiert mit ca. 1,33%.

Brüssel verschont wieder die Defizitsünder

Die EU-Kommission verschont vorerst die Defizitsünder Spanien und Portugal. So verzichtete die Brüsseler Behörde darauf, Strafzahlungen für die beiden Länder vorzuschlagen. Nicht einmal eine symbolische Strafe hat die Kommission gefordert, was sogar Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kritisierte. Die EU hätte theoretisch Strafen von bis zu 0,2% der jeweiligen Wirtschaftsleistung eines Landes verhängen können. Der Hinweis von Jean-Claude Juncker auf das Aussetzen der Gelder aus den Strukturfonds kann in diesem Zusammenhang nur als letzter Versuch gesehen werden, das Gesicht zu wahren.

Nun müssen die Finanzminister der EU-Staaten entscheiden, ob die Empfehlungen der EU-Kommission umgesetzt werden oder ob dennoch Strafen ausgesprochen werden sollen. Auch gegen Länder wie Deutschland und Frankreich waren in der Vergangenheit trotz mehrerer Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt keine Geldbußen verhängt worden. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich nicht ganz einfach, Spanien und Portugal zu erklären, warum sie denn nun zu zahlen hätten. Der Fall zeigt aber auch, dass es schwierig ist, seine Prinzipien durchzusetzen, wenn man sie gleich bei erster Gelegenheit schon nicht eingehalten hat. Aber wozu bedarf es dann eigentlich noch Prinzipien?

Spanien und Portugal wird vorgeworfen, jahrelang übermäßige Haushaltsdefizite aufgebaut zu haben, bzw. nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltslöcher vorgegangen zu sein. Spanien wies 2015 ein Defizit von 5,1% auf, Portugal verzeichnete 4,4%. Erlaubt ist nach den Maastricht-Kriterien eine maximale Neuverschuldung von jährlich 3,0% der Wirtschaftsleistung.

Tokio öffnet die Schleusen

Für die kommende Woche kündigte die japanische Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe ein neuerliches Konjunkturprogramm an, in dessen Rahmen die gigantische Summe von ca. 235 Mrd. € für eine nachhaltige Belebung der Konjunktur zur Verfügung gestellt werden soll. Bereits diesen Freitag wird die japanische Notenbank (BoJ) bekannt geben, wie man diesen „Kraftakt“ unterstützen wird. Man darf also durchaus gespannt sein, welche Register gezogen werden.

Die Maßnahmen dürften eine Mischung aus öffentlichen Ausgaben und Anreizen für günstige Kredite umfassen, die dem Privatsektor seitens der Finanzinstitute zur Verfügung gestellt werden. Bei diese Gelegenheit wird auch die BoJ ins Spiel kommen und entweder mit einer Zinssenkung oder der Ausweitung der Ankäufe von Anleihen, Aktien oder ETFs Liquidität in die Märkte pumpen. Der zwischenzeitlich in Erwägung gezogene Einsatz von „Helikopter-Geld“ scheint allerdings nicht praktikabel und somit keine Option zu sein.

Bereits die Ankündigung der Maßnahmen zu einem bewussten Konjunkturstimulus reichte aus, um die Aktienkurse der exportorientierten Unternehmen zu beflügeln. Dies wiederum erscheint logisch, da bereits durch die avisierte Geldschwemme eine Schwächung der eigenen Währung initiiert wurde. Dies könnte der Beginn eines Währungskrieges sein, weshalb es interessant zu beobachten sein wird, wie die exportorientierten Unternehmen außerhalb von Japan auf diese Ansage reagieren werden. Sicher kann man sich nur sein, dass man auf Reaktionen nicht lange wird warten müssen.

Es kommt wieder Leben in die „Bude“

Obwohl die vergangenen Tage von einer abwartenden Haltung der Marktteilnehmer geprägt waren und viele bereits im wohlverdienten Sommerurlaub weilen, haben sich verschiedene Emittenten am Kapitalmarkt aktiv gezeigt.

So konnte mit Teva Pharmaceutical Finance ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden, der es sogleich schaffte, 3 Anleihen im Gesamtvolumen von 4 Mrd. € zu platzieren. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 1,75 Mrd. € schwere Anleihe (A1VQDC), die am 25.07.2020 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,375% ausgestattet ist. Gepreist wurde der Bond bei 99,644%, was einem Emissionsspread von +65 bps über Mid Swap entsprach. Die zweite Tranche (A1VQDA) umfasst 1,5 Mrd. € und bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,125% bis zum Laufzeitende am 15.10.2024. Die Anleihe wurde zu 99,231% begeben (+105 bps über Mid Swap). Der dritte Bond (A1VQDB) im Bunde umfasst ein Volumen von 750 Mio. €. Das Papier ist mit einer jährlichen Verzinsung in Höhe von 1,625% bis zur Endfälligkeit am 15.10.2028 ausgestattet. Das Pricing erfolgte mit +120 bps über Mid Swap. Folglich betrug der Ausgabepreis 98,898%. Der Emittent ließ bei allen Bonds ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen und entschied sich für eine Mindeststückelung von 100.000 €.

Ebenso schaffte das im Mobilfunksektor tätige Unternehmen Vodafone den Weg an den Primärmarkt und refinanzierte 1 Mrd. €. Dabei wurde eine Anleihe (A184MY) mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,6% und Fälligkeit am 29.07.2031 aufgelegt. Der Ausgabepreis wurde bei +95 bps über Mid Swap und somit bei 99,788% fixiert. Vodafone entschied sich bei diesem Bond ebenfalls für eine Mindestanlagesumme von 100.000 €, weshalb auch diese Anleihe insbesondere institutionelle Anleger interessieren wird.

Änderung des Verhaltensmusters

Momentan scheinen die gegenläufigen Entwicklungen an den Aktien- und Rentenmärkten der Vergangenheit anzugehören. Hatten noch vor wenigen Wochen fallende Aktienkurse zur Flucht in den sicheren Hafen - und umgekehrt - geführt, so schreiten beide Assetklassen nun im Gleichschritt. Wie lange das so sein mag, vermag allerdings niemand zu prophezeien.

Diese Entwicklung ist einzig und allein der Geldpolitik der führenden Notenbanken geschuldet und weil diesbezüglich keine Trendwende zu vermelden ist, wird diese „Karte“ weiterhin seitens der Investoren gespielt. Die Preise der Anleihen und auch der Future-Kontrakte entfernen sich immer weiter von der Realität und eine „rote“ Linie bei den Negativzinsen, die nicht überschritten werden sollte, scheint es ebenfalls nicht zu geben.

Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass ein kleiner Abwärtstrend nach oben verlassen wurde und das Rentenbarometer wieder über der psychologischen Marke von 167% notiert. Dies hat sich auch nach der gestrigen Fed-Sitzung nicht geändert. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future mit 167,47% in der vom bisherigen Höchstkurs bei 168,86% (24. Juni) und der starken Unterstützung bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) gebildeten Tradingrange.

Italien auf der Suche nach Investoren

Bezeichnenderweise hat in dieser Handelswoche Italien mittels der Aufstockung diverser Altemissionen am Kapitalmarkt ca. 10 Mrd. € refinanziert. Lediglich Deutschland zeigte sich ebenfalls aktiv und hat entsprechend dem Emissionskalender bei der bereits 2014 aufgelegten Bundesanleihe (110234), die am 15.08.2046 endfällig ist, das Emissionsvolumen um 1 Mrd. € auf insgesamt 18 Mrd. € erhöht. Hierfür wurden Kaufaufträge über insgesamt ca. 1,2 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,45%.

In den USA wurden im gleichen Zeitraum 114 Mrd. USD als T-Bills mit den üblichen Laufzeiten (4 Wochen, 3 und 6 Monate) emittiert. Zusätzlich wurden den Investoren auch T-Notes mit einer Fälligkeit in 2018 für 26 Mrd. USD, in 2021 für 34 Mrd. USD und in 2023 für 28 Mrd. USD zum Kauf angeboten. Abgerundet wurde das Emissionspaket in dieser Woche mit einer 2-jährigen Floating Rate Note im Volumen von 15 Mrd. USD.

Die Fed wirft ihre Schatten voraus

In dieser Woche fanden in den USA die Nominierungsparteitage der Demokraten und der Republikaner statt und jetzt ist es amtlich, dass sich erstmals eine Frau um das höchste Amt der USA bewirbt. Ob es Hillary Clinton gelingen wird, das Volk hinter sich zu bringen und als erste US-Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen, muss abgewartet werden. Entschieden ist dieser Wahlkampf noch lange nicht und es ist zu befürchten, dass er einer der schmutzigsten werden wird.

Doch vor der am 8. November anstehenden Abstimmung warteten die Marktteilnehmer auf das Ergebnis der gestrigen 2-tägigen Fed-Sitzung. In Erwartung einer Bestätigung der bisherigen Geldpolitik durch die amerikanische Notenbank hat sich das Währungspaar Euro/Dollar in den vergangenen Handelstagen als sehr schwankungsarm erwiesen (1,0950 USD / 1,1058 USD). Beeinflusst durch das gestrige Statement der Fed-Chefin, Janet Yellen, notiert die europäische Gemeinschaftswährung inzwischen bei 1,11 USD und somit etwas fester.

Die beiden anderen im Fokus stehenden Währungen (GBP und TRY) konnten sich in den vergangenen Tagen von ihren Tiefstständen etwas entfernen. In beiden Ländern ist allerdings die weitere Entwicklung sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht nicht absehbar, so dass sich viele Privatanleger mit in diesen Währungen begebenen Anleihen befassen und Handelsaktivitäten entfalteten. Darüber hinaus standen auch Anleihen lautend auf US- und Neuseeland-Dollar sowie Brasilianische Real im Fokus der Investoren.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

EuGH-Urteil öffnet Hintertür für italienische Bankenrettung

Das klingt zunächst einmal nach einer guten Nachricht für alle Steuerzahler. Grundsätzlich können Anteilseigner und nachrangige Gläubiger zur Sanierung von Banken herangezogen werden, urteilte in dieser Woche der Europäische Gerichtshof (EuGH). In Italien erhöht sich damit der Druck auf eine gesetzeskonforme und professionelle Sanierung der dortigen Banken, die faule Kredite in Höhe von rund 360 Mrd. € in den Büchern stehen haben. Damit bestätigt der EuGH das Bail-in-Prinzip, allerdings lässt er den EU-Mitgliedsländern gewisse Spielräume bei der Rettung maroder Banken und öffnet damit eine Hintertür für Rom.

So ist es gemäß EuGH den EU-Staaten möglich, die Halter nachrangiger Schuldtitel von der Rettung auszuklammern und den Instituten mit Steuermitteln unter die Arme zu greifen. Die Regierung von Matteo Renzi könnte sich dann als Retter inszenieren, der dafür gesorgt hat, dass zumindest nicht sämtliche Anleger ihr Geld verloren hätten. Allerdings besteht das Risiko, dass solche Beihilfen von der EU-Kommission zurückgewiesen werden. Vom Grundsatz her dürfte der Spruch des EuGH aber Italiens Verhandlungen mit der EU entgegen kommen, auch wenn es offiziell heißt, das Urteil hätte keinen Einfluss auf die aktuellen Gespräche. Ministerpräsident Matteo Renzi will derzeit gegen den Willen von Mitgliedsländern wie Deutschland oder Österreich in Brüssel den Weg dafür ebnen, den Instituten seines Landes mit staatlichen Garantien zur Seite springen zu dürfen.

Vielleicht fände die Notenbank in Rom dabei auch noch die Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn nachdem die EZB damit begonnen hat, auch Corporate Bonds von Industrieunternehmen anzukaufen, ist nicht mehr auszuschließen, dass sie demnächst auch Financials ankaufen wird. Zum Einstieg böten sich dafür ja Titel der italienischen Banken an. Die Kuh wäre damit zunächst mal wieder vom Eis, aber eine nachhaltige Lösung sähe anders aus.

Wie findet Draghi aus der Sackgasse?

Nachdem bereits am vergangenen Donnerstag die Bank of England auf ihrer geldpolitischen Sitzung die Zinspolitik nicht geändert hat, richten sich nun die Blicke gen Frankfurt. Dort treffen sich am heutigen Donnerstag die Mitglieder des Zentralbankrats der Europäischen Zentralbank (EZB), um über die weitere Notenbankpolitik zu beraten. Unter den Marktbeobachtern herrscht die Meinung vor, dass eine Kursänderung nicht zur Disposition steht. Dennoch sollten sich die führenden Notenbanker nicht nur mit den Folgen des Brexit für die Eurozone, sondern auch mit den Auswirkungen des Ankaufprogramms für Anleihen beschäftigen.

Denn früher oder später muss ein Überdenken der bisherigen Ankaufregeln in Angriff genommen werden. Das zur Verfügung stehende Material am Primär- und Sekundärmarkt wird nicht ausreichend sein, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Somit ist inzwischen eine Diskussion entbrannt, wie die EZB die Rahmenbedingungen verändern könnte, um wieder Handlungsspielraum zu erhalten. Mit seinem legendären Halbsatz „Whatever it takes“ hat sich Mario Draghi in diese Sackgasse manövriert und muss nun alle möglichen Szenarien in Betracht ziehen, um sich aus dieser misslichen Situation zu befreien. Die Sinnhaftigkeit dieses Maßnahmenkatalogs sollte an anderer Stelle beurteilt werden.

Eine Maßnahme, die immer wieder ins Kalkül gezogen wird, ist die Senkung des Einlagensatzes von derzeit -0,40% auf -0,50%, um dadurch Manövriermasse zu gewinnen. Auch die völlige Abschaffung der durch den Einlagensatz fixierten Untergrenze für Ankäufe wäre eine Möglichkeit. Es könnte den nationalen Notenbanken aber auch erlaubt werden, zumindest die bisherige Begrenzung der ankaufbaren Volumina von Altemissionen ohne CAC-Klauseln von derzeit 33% auf 50% zu erhöhen. Sollte man sich für die von den sogenannten Südländern präferierte Loslösung der Ankaufvolumen vom EZB-Kapitalschlüssel entscheiden, so würde unmittelbar der Vorwurf der verdeckten Staatsfinanzierung aufkommen. Das würde wiederum ein politisches Veto verschiedener Regierungschefs nach sich ziehen. Nicht auszuschließen ist auch, dass die Produktpalette um Aktien, Financials und andere Assetklassen erweitert wird, um die Finanzmärkte und auch die Banken mit Geld zu überhäufen.

Bevor man aber alles ankauft, was nicht schnell genug von anderer Stelle vom Markt genommen wurde und dadurch die bisherigen Qualitätsstandards nochmals vermindert werden, sollte - wie bei Ludwig Thoma - der Engel Aloisius die göttliche Eingebung den Verantwortlichen der EZB überbringen. Man kann nur hoffen, dass er sich in diesem Fall nicht auch wieder „verfliegt“.

EZB kauft auch Mini-Anleihen auf

Gespannt blickte der Rentenmarkt in dieser Woche auf die Liste der Corporate Bonds, welche die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihres Ankaufprogramms erstmals in dieser Art veröffentlicht hat. Darunter finden sich Titel von Top-Emittenten wie Allianz, Daimler, Bayer, Metro, BASF und VW, also Adressen, die nicht unbedingt zusätzliche Nachfrage durch die Notenbank benötigen würden.

Außerdem hat die EZB Corporates erworben, deren Emittenten gar nicht börsennotiert sind - darunter Robert Bosch, Hella oder Würth. Die EZB erwarb auch Anleihen mit Volumina von unter 300 Mio. €. Mit einem Emissionsvolumen von 140 Mio. € ist ein Bond von Heineken der kleinste Titel auf der Liste, der getrost als Mini-Anleihe bezeichnet werden kann. Insgesamt sind laut EZB 440 Corporates von europaweit verschiedenen Adressen angekauft worden.

Das Firmenanleihen-Programm der EZB startete am 8. Juni. Die Bundesbank ist eine von sechs nationalen Notenbanken, die im Auftrag der EZB die Titel ankauft. Unterm Strich hat die EZB inzwischen Firmenanleihen in einem Volumen von insgesamt 10,427 Mrd. € erworben, was zu einer spürbaren Verzerrung und Austrocknung des Marktes geführt hat.

Beim Stresstest für Banken kann diesmal keiner durchfallen

Am 29. Juli werden Zensuren verteilt. Unter anderem zwar auch an die bayerischen Schülerinnen und Schüler, aber insbesondere an die europäischen Banken. Denn an diesem Tag will die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests von 51 Banken veröffentlichen, darunter 37 aus dem Euroraum.

Jetzt könnte man ja annehmen, dass etwa die italienischen Banken wegen der faulen Kredite durch solch einen Test glatt durchfallen. 2014, als die EZB mit der EBA die Tests durchgeführt hat, war dies für immerhin neun italienische Banken der Fall. Aber beim aktuellen Stresstest kann keiner durchfallen. Man versucht lediglich die Widerstandsfähigkeit der Institute gegenüber angenommenen Krisenszenarien durchzuspielen. Einige Fachleute halten die Annahmen für das Stressszenario für zu milde, schreibt die FAZ. Nicht zuletzt, weil die Tests zu rückwärtsgewandt sind und für die Länder unterschiedlich heftige Konjunkturrückgänge unterstellt wurden.

Aber es darf ja auch keiner durchfallen, etwa die Banca Monte dei Paschi di Siena. Zu gefährlich wären die Schockwellen, die von einer solchen Einschätzung ausgehen könnten. Man fragt sich dabei freilich, wie sinnvoll dann noch ein Stresstest sein mag – dies erst recht, wenn man bedenkt, dass das Risiko der Niedrigzinspolitik und die Folgen bei den Prüfungen regelrecht ausgeklammert werden. Die EZB befürchtet, dass sonst Rückschlüsse auf ihre Geldpolitik gezogen werden könnten.

Somit kann also nach der Zeugnisvergabe kein Investor beruhigter in die finanzpolitische Zukunft blicken.

Den Notenbanken ist ihr klarer Code verloren gegangen

Wenn es eines gibt, gegen das die Kapitalmärkte allergisch sind, dann sind es Überraschungen. In jüngster Zeit kommt es immer wieder vor, dass gerade die Institutionen, die für Beruhigung sorgen sollten, mit ihren Maßnahmen das Gegenteil hervorgerufen haben. Die Rede ist von den Notenbanken.

So haben ausgerechnet die Zentralbanken immer wieder Entscheidungen getroffen, auf welche die Märkte so nicht vorbereitet waren. Beispiele haben die Bank of England und die Bank of Japan geliefert. Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) enttäuschte mit ihrem Programm quantitativer Lockerungen im Dezember 2015. Lediglich die US-Notenbank Fed vermag es noch, die Markterwartungen einigermaßen zu erfüllen, obwohl ihre Chefin Janet Yellen immer wieder mit einem gewissen rhetorischen Hü und Hott schnell die Richtung wechselt. Doch auch in den USA wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Fed die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllt.

Zumal sich in den USA eine neue, gefährliche Blase aufbaut. Während dort Unternehmen durch die Aufnahme von Fremdkapital den Rückkauf von Aktien günstig finanzieren und die Kurse anheizen, erhöhen sie ihren Verschuldungsgrad. Dies wiederum macht sie anfällig für den Zeitpunkt, an dem die Konjunktur einbricht und die Vermögenspreise sinken könnten. Dann würde auch hier klar, dass eine Schuldenblase nicht dauerhaft mit weiteren Schulden bekämpft werden kann.

Zurück zu den Notenbanken: Natürlich ist es nicht deren Sache, immer die Wünsche der Märkte zu erfüllen. Erst recht nicht, wenn die Investoren wie Junkies inzwischen süchtig nach dem süßen Gift der unendlichen monetären Stimuli sind. Aber es hat sich in der Vergangenheit bewährt, die Marktteilnehmer auf Richtungsentscheidungen vorzubereiten.

Wie und wann u.a. die EZB den Exit aus ihrer süchtig machenden expansiven Geldpolitik finden wird, weiß sie wohl noch nicht mal selbst. Weil damit am Ende auch die Staaten mitfinanziert werden, spricht einiges dafür, dass die Phase noch lange andauern wird. Wichtig wäre dann, dass sich die Notenbanken wieder eines abgestimmten, eindeutigen Codes bedienen würden, der Schockwellen möglichst zu glätten hilft. An diesem klaren Code aber fehlt es derzeit. Daher laufen Märkte und Notenbanken immer wieder asynchron.

Schuldentilgungsfonds sorgt für Bauchschmerzen

In einer Zeit, in der Europa seine Brexit-Wunden leckt, macht Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann genau das Richtige: Er schaut nach vorne, indem er drei Leuchtturmprojekte der Europäischen Union (EU) anregt, mit denen die Gemeinschaft ihre Handlungsfähigkeit beweisen könnte.

Den beiden ersten Ideen, dem Aufbau eines digitalen EU-Binnenmarkts sowie der Auflegung eines Investitionsprogramms für Energieeffizienz, sei hier ausdrücklich zugestimmt. Beide Programme ließen sich zügig umsetzen, und vor allem wäre das Geld an der richtigen Stelle investiert, weil es die Grundlagen für weiteres Wachstum in der Zukunft legen würde.

Einzig, den dritten Vorschlag, den Herr Heilmann macht, bereitet dem Autor dieser Zeilen Bauchschmerzen. Der Handelsblatt-Chefökonom regt die Reform der Europäischen Währungsunion an, was er selbst als das dickste Brett, das es zu bohren gilt, bezeichnet. Dass es hier Reformbedarf gibt, bleibt unwidersprochen. Allerdings schlägt Heilmann einen temporären Schuldentilgungsfonds für Staatsschulden vor, wie er vom deutschen Sachverständigenrat bereits vor 5 Jahren entworfen wurde.

Demnach würden in diesem Fonds alle Staatsschulden der Euro-Zone gebündelt werden, die über die Maastricht-Quote von 60% des BIPs in dem jeweiligen Land hinausgehen. Diese Altschulden würden durch die Ausgabe von Euro-Bonds refinanziert werden, für die alle Euro-Staaten haften. Die Tilgung müsste über einem fixierten Zeitraum erfolgen. Wenn ein Land anschließend neue Schulden aufnehmen möchte und immer noch eine Verschuldungsquote von 60% aufweist, dürfte es dies nur mit einem eigenen Bond refinanzieren – ohne Haftung der Gemeinschaft. Damit käme es für Neuschulden zu den wünschenswerten, nach Risiko differenzierten Zinssätzen.

Einen solchen Schuldentilgungsfonds beschreibt Heilmann als wichtiges Signal der Solidarität und der Berechenbarkeit, was ohne Zweifel richtig ist. Es würde aber auch bedeuten, dass diejenigen Länder, die in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt haben, dafür im Grunde auch noch belohnt würden. Und ob sie während der Laufzeit solcher Euro-Bonds sich nicht wiederum zu sehr auf die Gemeinschaftshaftung verlassen würden, muss zumindest ins Kalkül gezogen werden. Dann würden gegebenenfalls am Ende die starken Länder tilgen und müssten im schlimmsten Fall die Krisenländer erneut retten, da diese sich nur zu marktgerechten Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren könnten.

Es soll hier dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass ein Schuldentilgungsfonds tatsächlich ein gangbarer Weg wäre. Vielleicht ist dies ja auch der Preis, den wir für eine weiterhin funktionierende Wertegemeinschaft mit freiem Handel und Frieden, bezahlen müssen. Dafür könnte man auch bis zu einem gewissen Grad Bauchschmerzen aushalten.

Lethargie am Primärmarkt

In dieser Handelswoche ist die Befürchtung aller Marktteilnehmer bereits wahr geworden. Die Aktivitäten am Primärmarkt kamen zum Erliegen und es ist auch nicht abzusehen, wann sich namhafte Emittenten wieder dem Votum der Anleger stellen werden.

Es ist allerdings nicht so, dass die Unternehmen kein Geld mehr aufnehmen, sondern manche namhaften Gesellschaften weichen verstärkt auf den Markt für Schuldscheine aus. Diese gelten vielfach als sichere und vertrauenswürdige Geldanlage und sind für die Unternehmen kostengünstiger und kurzfristiger umzusetzen. Investoren, denen diese Produkte nicht zugängig sind, haben sich in dieser Woche mit neu begebenen Financials „getröstet“. So hat JP Morgan eine 2 Mrd. € schwere Anleihe (JPM5KX) an den Kapitalmarkt gebracht. Ausgestattet mit einem Kupon von 0,625% und einer Endfälligkeit am 15.01.2024 wurde der Emissionspreis mit 99,266% fixiert. Dies entsprach einem Spread von +113,5 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe.

Der Emittent hat sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) und eine Mindeststückelung von 100.000 € in den Anleihebedingungen festschreiben lassen.

Immer noch über dem „Vor-Brexit-Level“

Der Euro-Bund-Future, der auch gerne als „Sorgenbarometer“ bezeichnet wird, hat sich in den vergangenen Handelstagen trotz der Türkei-Ereignisse für den Rückwärtsgang entschieden. Doch mit 166,04% notiert er immer noch über seinem „Vor-Brexit-Level“ bei 164,62%, aber auch deutlich unter seinem bisherigen Höchststand bei 168,86%.

Da sich die Fundamentaldaten für den Rentenmarkt nicht signifikant verändert und die allseits bekannten Probleme weiterhin Bestand haben, ist es wieder an der Zeit, eine Chartanalyse zu Rate zu ziehen. Hierbei ist zu beachten, dass sich in einem langfristigen Aufwärts- ein kurzfristiger Abwärtstrend herausgebildet hat. Dessen Leitplanken verlaufen aktuell bei 166,54% und 165,42% und reduzieren sich täglich um ca. 0,15 BP. Spätestens im Laufe der kommenden Woche wird sich das Rentenbarometer für eine Seite entscheiden müssen. Aufgrund der nachlassenden Handelsaktivitäten und diversen anstehenden Notenbankenbeschlüssen ist im Zweifel mit einem Test der Unterstützungslinien zu rechnen.

Von Japan lernen, heißt siegen lernen

Wenn 10-jährige Anleihen keine positive Rendite mehr abwerfen, dann kann man selbstverständlich die Fälligkeit soweit in die Zukunft verschieben, bis die Optik wieder passt. So geschehen gestern in Japan. Die aktuelle 10-jährige Anleihe Japans rentiert aktuell bei ca. -0,23% und die neue 20-jährige bei +0,147%. Not macht bekanntlich erfinderisch, aber den Investoren scheint es gefallen zu haben (3,4-fach überzeichnet).

In den USA hingegen ist man von solchen Renditen noch weit entfernt, so dass man für 4 Wochen-T-Bills den Investoren sogar eine effektive Verzinsung von 0,275% bieten musste, um 45 Mrd. USD refinanzieren zu können. Darüber hinaus wurden 37 Mrd. USD als 3-Monats-, 32 Mrd. USD als 6-Monats- und 20 Mrd. USD als 52-Wochen T-Bill aufgelegt. Abgerundet wird das US-Refunding heute mit der Begebung einer 10-jährigen inflationsindexierten T-Notes im Volumen von 13 Mrd. USD.

Aus europäischer Sicht war das Highlight der Woche die Auktion der neuen 10-jährigen Anleihe Spaniens (A1VQCB). Mit einem Kupon von 1,3% ausgestattet konnten 6 Mrd. € mit einer Rendite von 1,314% bei Investoren platziert werden. Die Summe der aufgegebenen Orders belief sich auf ca. 28 Mrd. €. Darüber hinaus stockten noch Belgien (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A18YM3 / 2047), Spanien (A18W6G / 2019 ; A18YPG / 2021 ; A18YZ6 / 2046) und Frankreich (A1ZW79 / 2025 ; A1ZKRV / 2030 ; A0LPPD / 2040) Altemissionen in dieser Handelswoche auf. In Deutschland wurde hingegen eine neue 5-jährige Bundesobligation (114174) emittiert. Für die angebotenen 5 Mrd. € wurden allerdings nur Kursgebote für ca. 3,4 Mrd. € abgegeben und der nicht direkt zu platzierende Betrag von ca. 1,6 Mrd. € wurde als Marktpflegequote zurückbehalten. Die dabei - trotz der technischen Unterzeichnung - zu erzielende Durchschnittsrendite von -0,51% ist dennoch als marktgerecht zu bezeichnen.

„Türken-Bonds“ im Fokus der Anleger

Seit der Einführung des Euros sind inzwischen mehr als 14 Jahre vergangen und auch nach dieser langen Zeit scheint einigen Bürgern der Abschied von der D-Mark immer noch schwerzufallen. 12,76 Mrd. D-Mark waren Ende Juni nach Angaben der Bundesbank noch im Umlauf. Obwohl dies sicherlich der Sammlerleidenschaft und der Nostalgie geschuldet ist, sorgt die derzeitige Lage in Euroland sowie die Kursentwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung nicht dafür, dass die Abkehr von der Deutschen Mark leichter fällt.

Der Euro kann momentan nicht so richtig punkten und so fiel die Einheitswährung in dieser Woche auf ein neues Juli-Tief bei 1,0979 USD. Im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung halten sich die Marktteilnehmer zurück und warten auf die Erläuterungen auf der anschließenden Pressekonferenz. So startet der Euro heute Morgen wenig verändert in den Handel und pendelt um die Marke von 1,1030 US-Dollar.

Weitaus verheerender stellt sich die aktuelle Situation in der Türkei dar. Nach dem Putschversuch befindet sich die Währung des Landes auf Talfahrt. So verbilligte sich die türkische Lira zum Euro bis auf 3,4076 TRY, nachdem sie zuvor noch um die Marke von 3,1920 TRY gehandelt wurde. Die negativen Folgen der versuchten Machtübernahme betreffen nicht nur die Währung des Landes, sondern auch die Kreditwürdigkeit der Türkei. Diese steht gleich bei allen drei großen Ratingagenturen auf dem Prüfstand. Derzeit wird die Bonität der Türkei von Moody’s mit Baa3 bewertet. Um die Kreditversorgung im eigenen Land zu gewährleisten hat die türkische Zentralbank am Dienstag den Overnight-Zinssatz um 25 Basispunkte auf derzeit 8,75% gesenkt und hofft dadurch die Märkte zu stabilisieren.

Die Turbulenzen um die Türkei sorgten für eine höhere Umsatztätigkeit in den entsprechenden Währungsanleihen. Daneben waren auch australische Dollar, brasilianische Real und US-Dollar Bonds auf den Kauflisten zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Author: Klaus Stopp

Die EZB und die fehlende Exit-Strategie

Bereits seit vielen Jahren diktieren die Notenbanken die Geschehnisse an den Finanzmärkten und haben auf diese Weise allen Anleiheinvestoren eine „Rendite-Diät“ verordnet. Die in der Vergangenheit immer wieder thematisierten Negativrenditen bei deutschen Staatsanleihen wurden nun um ein weiteres Kapitel ergänzt. So darf sich Deutschland damit brüsten, als erstes Land der Eurozone eine 10-jährige Staatsanleihe aufgelegt zu haben, die mit einem Kupon von 0% ausgestattet ist und zusammen mit einem Ausgabekurs von „über pari“ eine negative Rendite ergibt.

In diesem Zusammenhang ist allerdings die Frage erlaubt, wie lange die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) noch gut gehen kann. Sehr gerne wird hierbei auf die erfolgreiche Zinspolitik der amerikanischen Notenbank (Fed) verwiesen, die es inzwischen geschafft hat, die QE-Maßnahmen zu beenden. Dies ist zumindest das offizielle Statement. Wie so oft im Leben, wird hierbei nicht die vollständige Wahrheit gesagt. Richtig ist, dass kein neues Geld mehr zum Ankauf von US-Staatsanleihen verwendet wird, aber die endfälligen Wertpapiere und die gezahlten Zinsen sehr wohl reinvestiert werden. Trotz der fehlenden Nachfrage seitens der heimischen Notenbank ist es in den USA gelungen, das Renditeniveau für 10-jährige T-Bonds auf das Allzeittief von 1,358% zu senken. Zusammen mit schlechteren Konjunktur- und geringen Inflationsdaten sind für diese Entwicklung allerdings die unzähligen politischen und geopolitischen Krisenherde verantwortlich. Somit wurde die QE-Reduzierung in den USA von anderen Faktoren gemildert und sogar konterkariert.

Jede Beendigung einer künstlichen Nachfrage führt automatisch zu einer Preisreduzierung. Das ist unbestritten. Doch kommt es darauf an, ob zu diesem Zeitpunkt die Renditen noch positiv oder sogar negativ sind. Dies genau ist der relevante Unterschied zwischen den USA und Euroland. Konnten sich in den USA die Zinsen im positiven Bereich nach oben anpassen, so wären nach einem, wenn auch nur teilweisen, Rückzug der EZB negative Renditen nicht mehr zeitgemäß und würden sprunghaft nach oben (über die Null-Linie) korrigieren.

Momentan machen sich die europäischen Notenbankenvertreter jedoch noch keine Gedanken über eine notwendige Exit-Strategie. Dem Motto entsprechend „Nach mir die Sintflut“ zu leben, ist seitens der EZB-Notenbanker verantwortungslos und zeugt von mangelnder Weitsicht beim Betreiben der ultralockeren Geldpolitik. Die Verwerfungen an den europäischen Rentenmärkten sind also vorprogrammiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie eintreten werden.

Italienische Bankenkrise bringt EU in eine Zwickmühle

Was sich derzeit in der italienischen Finanzbranche abspielt, könnte sich zur zweiten Welle in Sachen Bankenkrise nach der Finanzmarktkrise 2008 aufbauen. Nachdem es eine achtjährige, vielleicht nur vermeintliche Ruhephase gegeben hat, in der man neue Regeln geschaffen hat, drohen nun die Problemkredite in den Büchern der italienischen Banken in Höhe von 360 Mrd. € zum toxischen Stoff für die gesamte europäische Branche zu werden.

Denn aufgrund der engen internationalen Verflechtungen der Finanzinstitute könnte sich der Zusammenbruch einzelner oder mehrerer italienischer Banken schnell zur europäischen Bankenkrise aufschaukeln. Wegen der wackeligen Situation anderer europäischer Banken ist das Problem also kein rein italienisches mehr. Nicht von ungefähr ist es der Chefökonom der angeschlagenen Deutschen Bank, David Folkerst-Landau, der ein europäisches Programm in Höhe von 150 Mrd. € zur Rekapitalisierung der europäischen Banken fordert.

Die EU sitzt dabei wieder einmal in der Zwickmühle. Schließlich hat sie im Zuge der Finanzmarktkrise beschlossen, dass nie wieder marode Banken auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden sollen. Deshalb lehnt man konsequenterweise in Brüssel Staatshilfen für die italienischen Banken ab. So spricht sich Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem gegen ein neues milliardenschweres Rettungsprogramm aus Steuergeldern aus, wie es der Internationale Währungsfonds (IWF) von der Regierung in Rom fordert. Angesichts des geringen Wirtschaftswachstums werde es schwer für die Banken, aus eigener Kraft und in einem angemessenen Zeitraum das Problem ihrer notleidenden Kredite zu lösen, heißt es beim IWF. Indessen fordert Dijsselbloem: „Die Probleme müssen in den Banken geregelt werden.“

Ob die italienischen Institute allerdings die Kraft haben, sich selbst aus dem Schlamassel zu ziehen, darf bezweifelt werden. Schon 2008 hätten sie einen dreistelligen Milliardenbetrag benötigt, um die notwendigen Wertberichtigungen vorzunehmen. Dazu ist es nicht gekommen, weil die expansive Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst den Druck von ihnen genommen hat. Gleichzeitig aber wurden alle europäischen Banken ihrer klassischen Einnahmequelle, der Zinsmarge, beraubt, so dass sie kaum mehr Fett in Form von Eigenkapitalreserven ansetzen können.

Was also wäre zu tun? Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi bevorzugt einen Staatsfonds, der die Banken mit Kapital versorgen würde und denkt sogar darüber nach, einen zweiten Bankenrettungs-Fonds aufzulegen, da der erste nicht ausreicht. Damit würden wieder einmal private in staatliche Schulden umgewandelt. Es käme also just zu dem Sündenfall, den die EU im Rahmen der Bankenunion gerade erst ausgeschlossen hat – zumindest im Prinzip. Deshalb braucht Renzi für seinen Plan auch die Zustimmung der EU-Kommission, die staatliche Rettungsprogramme nur in absoluten Ausnahmefällen vorsieht. Rom sieht einen solchen für gegeben an, weil nach dem Brexit-Votum der Druck auf die italienische Bankenbranche entsprechend zugenommen hat.

Sollten tatsächlich die Eigentümer der italienischen Banken haften, so träfe es viele Kleinsparer, die ihre Rücklagen fürs Alter ausgerechnet in Bankaktien gesteckt haben. Deshalb bedarf es eines Vorgehens mit viel Fingerspitzengefühl, das womöglich eine Ausnahmeregelung von den Maßgaben der Bankenunion vorsieht. Wichtiger als eine strenge Auslegung der EU-Regeln sei Schnelligkeit und Gründlichkeit, schreibt dazu die Süddeutsche Zeitung: „Man muss das Feuer austreten, solange es klein ist.“

Einen Part des Löscheinsatzes könnte dabei am Ende die EZB übernehmen. Nachdem die Zentralbank nicht nur Staatsanleihen und Corporate Bonds ankauft, ist nicht auszuschließen, dass sie auch noch den Ankauf von Financials, also Bankentiteln, beschließt. So viele weitere Möglichkeiten hat sie nämlich nicht mehr.

EU-Defizitsündern droht symbolisches Bußgeld

Immer wieder hat es Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt gegeben, auch von Deutschland, und stets gingen die Sünder straffrei aus. Jetzt könnten erstmals Defizitsünder mit Strafen belegt werden. Die EU-Finanzminister leiteten in dieser Woche konkrete Maßnahmen gegen Spanien und Portugal ein.

Der Vorwurf lautet, dass beide Länder nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltsdefizite vorgegangen seien. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wertete die Entscheidung der EU-Finanzminister als Beweis dafür, dass Regeln auch angewandt würden. „Das sendet das Signal der Verlässlichkeit“, so Schäuble.

Spanien und Portugal hatten im vergangenen Jahr die Vorgaben des Euro-Stabilitätspakts gerissen. Dem Regelwerk von Maastricht zufolge ist eine jährliche Neuverschuldung von höchstens 3,0% der Wirtschaftsleistung gestattet. Spanien kam hier 2015 auf 5,1% und Portugal auf 4,4%. Trotz gegenteiliger Behauptungen hätten beide Länder keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen.

Nun hat die EU-Kommission 20 Tage Zeit, um weitere Schritte einzuleiten. Es können Geldstrafen bis zu 0,2% der Wirtschaftsleistung verhängt werden. Auch das Einfrieren von Strukturfördermitteln ist möglich. Doch wenn die Signale aus Brüssel nicht täuschen, wird es auf eine milde Strafe hinauslaufen. Schließlich könnte eine harte Strafe am Ende das Wirtschaftswachstum in den Ländern gefährden, was nicht im Sinne der EU-Kommission wäre. Immerhin hat Spanien bereits avisiert, die Körperschaftssteuer zu erhöhen, was zusätzliche Mittel in Höhe von 6,0 Mrd. € in die Kassen spülen soll.

So dürfte das Ganze auf die Verhängung einer eher symbolischen Strafe hinauslaufen. Damit kann einerseits die Kommission behaupten, dass die Nichteinhaltung der Maastricht-Regeln (endlich einmal) bestraft wird. Und andererseits droht das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum in Spanien und Portugal nicht abgewürgt zu werden.

Auf die neue Hausherrin in No. 10 Downing Street wartet jede Menge Arbeit

Am Ende ist es doch ganz schnell gegangen. Nachdem die Schreihälse unter den Brexit-Trommlern, Boris Johnson und Nigel Farage, zunächst von der Fahne gegangen waren, wirkte das Lager der EU-Gegner in Großbritannien vollkommen ratlos. Nun haben die Tories mit Theresa May als neue Premierministerin doch rascher als gedacht eine Nachfolgerin für den ungeschickten Taktiker David Cameron gefunden. May, die nun in den Regierungssitz in No. 10 Downing Street in London einzieht, gilt als gemäßigter, nüchterner Kopf innerhalb der konservativen Partei. Zur Verwunderung aller hat sie in einer ersten Amtshandlung Boris Johnson zum neuen Außenminister gekürt. Frank-Walter Steinmeier wird’s sicherlich freuen.

Auf sie wartet jede Menge Arbeit. Es gilt ein gespaltenes Land zusammenzuführen, bevor es an der Auseinandersetzung um den Brexit zerbrechen mag. Dafür sind von ihr als einer Tory-Frau ungewöhnliche Töne zu hören, wenn May etwa dem „Big Business“ eine Kampfansage zukommen lässt. Dazu zählt etwa ihre Ankündigung, das Gehaltsgefälle zwischen Managern und Arbeitern abbauen zu wollen. Offenbar hat sie verstanden, dass das Brexit-Votum auch einen tiefen Graben zwischen den Privilegierten und den Verlierern in der Gesellschaft widerspiegelt.

Ob sie es schafft, „den Brexit zu einem Erfolg zu machen“, wie sie angekündigt hat, werden die kommenden Jahre zeigen. Dies wird auch von den anstehenden Verhandlungen mit der EU abhängen, die hart werden dürften. Denn natürlich wollen die Brexiteers den restlichen Europäern zeigen, dass es Großbritannien auch ohne EU-Mitgliedschaft schafft zu prosperieren.

Dabei wird May auch auf die Unterstützung durch die Bank of England (BoE) hoffen, die am heutigen Donnerstag erstmals nach dem Brexit-Referendum über die weitere Geldpolitik beraten wird. Die Notenbank in London, so ist zu erwarten, dürfte alles dafür tun, die Banken des Vereinigten Königreichs mit genügend Liquidität zu versorgen, damit es zu keinen Kreditengpässen kommen mag. Auch eine Wiederbelebung des QE-Programms (Quantitative Easing) zum direkten Ankauf von Wertpapieren erscheint nicht ausgeschlossen.

Die Urlaubszeit wirft ihre Schatten voraus

Mit Wochenbeginn starteten bereits in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien und es ist davon auszugehen, dass sich die Neuemissionstätigkeit in den kommenden Wochen immer weiter reduzieren wird.

So konnte in dieser Woche mit PepsiCo lediglich ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden. Der US-amerikanische Getränke- und Lebensmittelkonzern emittierte eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A1839D), die am 18.07.2028 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,875% ausgestattet ist. Gepreist wurde der Bond bei 99,66%, was einem Emissionsspread von +47 bps über Mid Swap entsprach. Der Emittent ließ sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) zum 18.04.2028 in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Die Wahl der Mindeststückelung von 100.000 € lässt darauf schließen, dass insbesondere institutionelle Anleger als Investoren angesprochen werden sollen.

Wann wird das Gap geschlossen?

Immer noch ist das durch die heftigen Brexit-Marktreaktionen entstandene Gap (zwischen 164,62% und 165,51%) nicht geschlossen worden. Chartanalysten verweisen gerne darauf, dass jede Lücke geschlossen wird. Die Frage ist halt nur: Wann?

Hatte man am Dienstag noch den Eindruck, dass nach der kräftigen Gegenreaktion an den Aktienmärkten die Zeit gekommen sei, das Gap zu schließen, so wurde man am gestrigen Mittwoch vorerst eines Besseren belehrt. Weder steigende noch seitwärts tendierende Aktiennotierungen konnten das Rentenbarometer in Bedrängnis bringen. Viele Stimmen werden inzwischen laut, die vor zu viel Optimismus am Aktienmarkt warnen. Aber dadurch wird wegen der „alten“ Gesetzmäßigkeit vom spiegelbildlichen Verhalten der Aktien- und Rentenmärkte sogar die Hoffnung der Rentenhändler auf ein baldiges Schließen des Gaps gedämpft. Doch in diesen Zeiten sollte man nicht resignieren, sondern stets an die Toyota-Werbung denken!

Charttechnisch verläuft aktuell ein im Mai des Jahres beginnender Aufwärtstrend bei ca. 164,83%. Doch auch oberhalb dieser Unterstützungslinie gibt es bereits eine ausgeprägte Zone bei 165,61% (mehrere Hochs im Juni), die ein Abfedern möglich macht. Trotz der „Gap-Problematik“ sollte man allerdings auch den Blick nach oben richten, um sich der einzigen nennenswerten Widerstandslinie bei 168,06% (Hoch vom 6.7.) auf dem Weg zum Allzeithoch bei 168,68% bewusst zu sein. Zur Stunde notiert das Sorgenbarometer bei 166,91% und zeigt Anzeichen einer leichten Korrektur auf hohem Niveau.

Erste „Nullkupon-Bundesanleihe“

Endlich ist es vollbracht. Die erste 10-jährige Euro-Staatsanleihe (110240) mit einem Nullkupon war zwar keine Überraschung, aber dennoch ein Novum am Rentenmarkt. Insgesamt 5 Mrd. € wollte die Deutsche Finanzagentur refinanzieren, doch nur für ca. 4,8 Mrd. € wurden Orders aufgegeben. Somit gilt die Auktion in diesem Falle als technisch unterzeichnet. Dennoch konnte sich Finanzminister Schäuble freuen, denn die Zuteilung erfolgte zu einer Durchschnittsrendite von -0,047%. Das bedeutet, dass zum einen mehr Geld als der anvisierte Nominalbetrag eingesammelt wurde und dafür in den kommenden 10 Jahren keine Zinsen bezahlt werden müssen. Zum anderen wird bei der Endfälligkeit weniger zurückgezahlt als eingenommen wurde. Super Deal. Davon träumt jede Privatperson.

Ganz so erfolgreich war zwar der niederländische Finanzminister nicht, aber immerhin konnte er fast 2,4 Mrd. € mittels einer Aufstockung der aktuellen 10-jährigen Anleihe (A1VNKY) bei einer Rendite von 0,043% refinanzieren. Unter Mitwirkung Italiens, das insgesamt die Emissionsvolumen von Altemissionen unterschiedlicher Laufzeiten um ca. 7,5 Mrd. € erhöhte und des frisch gekürten Fußball-Europameisters Portugal, das zwei Altemissionen (A1Z6CE / 2022 ; A18W15 / 2026) um insgesamt ca. 1,1 Mrd. € aufstockte, wurden in dieser Handelswoche ca. 16 Mrd. € neu aufgenommen. Portugal konnte allerdings nicht von seinem Triumph profitieren und musste beim Tender der 10-jährigen Anleihe eine Rendite von 3,093% akzeptieren. Bei der vorherigen Auktion im Juni des Jahres waren es nur 2,859% gewesen.

In den USA wurden neben den üblichen T-Bills für 114 Mrd. USD noch jeweils 20 Mrd. USD als 10-jährige T-Notes und als 30-jährige T-Bonds interessierten Investoren offeriert.

Von Normalität kann noch keine Rede sein

Der „Steuerzahler-Gedenktag“ war in diesem Jahr am Dienstag, den 12. Juli, denn ab diesem Tag arbeitet der Steuerzahler rechnerisch wieder für das eigene Portemonnaie. An den Börsen gibt es so einen Stichtag nicht, dies wäre auch zu einfach. Deshalb müssen sich Marktteilnehmer ständig darüber Gedanken machen, welche Investitionen sie tätigen.

Am Devisenmarkt ist dieses Unterfangen bei dem aktuellen Marktgeschehen alles andere als einfach. Wenngleich diese Woche die Unsicherheit und die Nervosität abnahmen, so befinden wir uns auch 3 Wochen nach dem Brexit in einem schwierigen Marktumfeld. Das Währungspaar GBP/USD steht weiterhin unter einer besonderen Beobachtung und es konnte eine leichte Erholung attestiert werden. So handelte das Pfund zeitweise bei 1,3338 USD, nachdem in der Vorwoche noch ein 31-Jahres-Tief bei 1,2798 USD markiert wurde. Zum Euro zeigt sich das Pfund-Sterling ebenfalls stabiler und notiert derzeit um die Marke von 0,84 GBP nach 0,86274 GBP in der Woche zuvor.

Die europäische Gemeinschaftswährung hatte zum Wochenausklang einen Dämpfer hinnehmen müssen. Robuste und überzeugende US-Arbeitsmarktdaten belasteten die Einheitswährung und so fiel der Euro bis auf 1,1002 USD zurück. Im weiteren Handelsverlauf konnte sich der Euro jedoch wieder erholen und notiert zur Stunde um die Marke von 1,11 USD.

Da die Einkommensbelastungsquote im Jahr 2016 durchschnittlich bei rund 52,9% liegen wird, bleiben von jedem erwirtschafteten Euro nur 47,1 Cent übrig. Das so verdiente Geld haben verschiedene Privatanleger in dieser Berichtswoche vornehmlich in Währungsanleihen lautend auf türkische Lira, brasilianische Real, Neuseeland-Dollar sowie US-Dollar-Bonds investiert.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Brexit: Bank of England greift den britischen Banken unter die Arme

Die Bank of England (BoE) trifft vor dem Hintergrund des Brexits Vorsorge gegen mögliche Engpässe bei der Kreditvergabe. Dazu will die Zentralbank in London eine wichtige Regulierungsvorschrift für Banken zurücknehmen. Die BoE verzichtet vorerst auf die Einführung eines sogenannten kontrazyklischen Kapitalpuffers von 0,5%. Nach bisheriger Planung wäre dieser Ende März 2017 in Kraft getreten. Sofern sich nichts ändern sollte, wird der Puffer nun mindestens bis Juni 2017 bei null bleiben. Mit einem Kapitalpuffer von mehr als null wären die Banken dagegen gezwungen gewesen, in konjunkturell guten Zeiten mehr Eigenkapital als Sicherheit für schwierigere Phasen aufzubauen.

Der Aufbau dieses Sicherheitspuffers wird damit zunächst auf die lange Bank geschoben, was wiederum - nach Überzeugung der BoE - direkte Auswirkungen auf die Möglichkeit der Banken zur Kreditvergabe hat. Um Überlappungen mit anderen Eigenkapitalanforderungen zu vermeiden, waren diese wegen des bislang geplanten Puffers angepasst worden. An diesen Anpassungen wolle man nun festhalten, so das Kalkül der BoE, obwohl der Puffer zurückgenommen wurde.

„Das bedeutet, dass drei Viertel der Banken, die für 90% der Ausleihungen in der britischen Wirtschaft stehen, mit sofortiger Wirkung größere Flexibilität haben werden, um das Kreditangebot gegenüber der Realwirtschaft aufrecht zu erhalten”, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht der Zentralbank. Demnach erhöht der vorläufige Wegfall des Sicherheitspuffers die Ausleihungskapazität der britischen Banken um bis zu 150 Mrd. GBP. Die Maßnahmen sind vor dem Hintergrund des Brexit-Referendums zu sehen, aufgrund dessen die BoE eine erhebliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Großbritannien befürchtet.

Darüber hinaus warnte Notenbankchef Mark Carney vor Risiken für die Finanzmarktstabilität in Großbritannien und verwies auf das hohe Leistungsbilanzdefizit, das im Gegenzug einen hohen Zufluss an ausländischem Kapital erforderlich macht. Es gibt aber nach Erkenntnissen der BoE schon jetzt Hinweise, dass sich dieser Zufluss bereits verlangsamt hat. Zudem hätten sich die Risikoprämien für britische Finanzanlagen erhöht. Weitere Risiken gehen vom britischen Markt für Gewerbeimmobilien aus, wo sich der Zufluss an ausländischem Kapital bereits im ersten Quartal, also noch vor dem Brexit-Votum, um 50% reduziert hat.

Brexit 2: Großbritannien will als Steueroase seine Haut retten

Nach dem britischen Referendum zugunsten eines Austritts aus der EU gibt es Anzeichen, dass das Land sein Heil in einer Steueroase suchen könnte. Durch die Etablierung eines Niedrigsteuerlandes sollen Firmen auf der Insel gehalten werden, was zum Verdruss der EU führen müsste.

So hat der britische Finanzminister George Osborne bereits drastische steuerliche Entlastungen für Unternehmen angekündigt, um sie zu einem Verbleib in Großbritannien bewegen zu können. Demnach soll die Körperschaftsteuer von derzeit 20% auf unter 15% gesenkt werden, schreibt die „Financial Times”. Dieser Satz würde Großbritannien unter den großen Volkswirtschaften zum Steuerparadies machen. Wie groß die Verwirrung derzeit in London ist zeigt der Umstand, dass Osborne noch vor einigen Tagen allgemeine Steuererhöhungen angekündigt hatte.

Das Chaos perfekt gemacht hatten ja in den vergangenen Tagen die Rückzüge von denen, die zuvor am lautesten für den Brexit getrommelt hatten. Boris Johnson und Nigel Farage waren offenbar zu feige, Verantwortung zu übernehmen. Einen konstruktiven Plan scheinen sie offenbar nicht zu haben, nur die Lust an der Verweigerung. Dies zeigt auch, nebenbei bemerkt, dass Volksentscheide zu komplexen Themen die parlamentarische Demokratie kaum ersetzen können. Die Welt ist nun mal so vielschichtig geworden, dass viele Fragen nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten sind, sondern der politisch ausbalancierte Kompromiss gesucht werden muss.

Interessant ist auch, dass die Anwärter auf die Nachfolge von Premierminister David Cameron, Justizminister Michael Gove und die Tory-Abgeordnete Theresa May, mit den Austrittsgesprächen erst einmal warten wollen. Osborne dagegen will so schnell wie möglich zu neuen Beziehungen mit Europa kommen. Denn eins weiß er sicher: Die schwelende Unsicherheit muss verringert werden, um Investoren und Handelspartnern jeglicher Art sowie den Märkten wieder Verlässlichkeit zurückzugeben. Ansonsten droht die Gefahr einer sich unkontrolliert ausbreitenden Welle, die alles mitreißt, was sich ihr in den Weg stellt.

Brexit 3: Britische Staatsanleihen bleiben begehrt

Die erste Auktion britischer Staatsanleihen nach dem Brexit-Referendum erfreute sich diese Woche einer regen Nachfrage – mit entsprechend niedriger Rendite. Die Versteigerung der festverzinslichen Papiere, die 1/2021 fällig werden, war am Dienstag 1,8-fach überzeichnet. Einem geplanten Emissionsvolumen von 2,5 Mrd. GBP stand eine Nachfrage von 4,492 Mrd. GBP gegenüber.

Bei der Versteigerung errechnete sich eine durchschnittliche Rendite von 0,379%. Dies bedeutet, dass sich der britische Staat zu deutlich günstigeren Konditionen frisches Geld besorgen konnte, als dies zuletzt der Fall war. Bei der vorangegangenen Auktion Anfang Juni lag die Rendite noch bei 0,863%. Noch deutlicher wird der Renditeverfall der britischen Gilts, wenn man die Auktionsergebnisse mit der Rendite vergleichbarer 5-jährigen deutschen Bundesobligationen vergleicht. Am 1.6.2016 rentierte die Bundesobligation Serie 173 mit -0,379% gegenüber +0,863 bei den 5-jährigen Gilts, was einen Renditeunterschied von 1,242 Prozentpunkten (PP) ergab. Am 5.7.2016 betrug dieser bei -0,59% gegenüber +0,377% nur noch 0,967 PP, was innerhalb von fünf Wochen eine Einengung um 0,275 PP bedeutete.

Denn trotz oder sogar wegen des Brexit-Votums gelten britische Staatsanleihen weiterhin als eine sichere Anlage, die verstärkt am Markt nachgefragt werden. Und dies obwohl die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch die Bonität des Landes unmittelbar nach dem Brexit-Votum herabgestuft hatten.

In diesem Zusammenhang sei auch auf eine bis 3/2025 laufende britische Staatsanleihe (748136) verwiesen, die derzeit bei ca. 136,45% notiert und somit eine Rendite von ca. 0,67% abwirft. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Devisenkursentwicklung!

Schuldensituation spiegelt sich in Anleiherenditen wider

Die einen machen weiter kräftig Schulden, die anderen wollen bis zum Jahr 2020 die Staatsschulden auf 60% des Bruttoinlandsprodukts drücken. Spanien und Portugal hat die EU-Kommission weitere drei Wochen zugestanden, um eine wirksame Begrenzung ihrer Haushaltsdefizite vorzustellen. Die Bundesrepublik Deutschland will hingegen bis zum Jahr 2020 mit der Senkung des Schuldenstandes auf 60% des BIPs wieder ein Maastricht-Stabilitätskriterium erreichen, was ihr zuletzt 2003 gelungen war. Aufgrund der unerwartet guten Wirtschaftsentwicklung und den damit verbundenen höheren Steuereinnahmen kann das Ziel aber vielleicht schon 2019 erreicht werden.

Die Schuldensituation der Staaten spiegelt sich auch in den Renditen der Staatsanleihen wider. Dabei gilt, je höher die Rendite, desto unsicherer ist das Papier. So werfen deutsche, zehnjährige Staatsanleihen derzeit gar eine Minusrendite von ca. 0,179% ab, während vergleichbare spanische auf 1,18% und portugiesischen Staatstitel sogar auf 3,04% kommen.

Die EU-Kommission hatte festgestellt, dass Spanien und Portugal nicht entschieden genug gehandelt hätten, um ihre übermäßigen Defizite einzudämmen. Um Sanktionen abzuwenden, müssen nun beide Länder bis zum 27. Juli neue Vorschläge präsentieren. Noch im Mai hatte die Kommission entschieden, Spanien und Portugal ein Jahr mehr Zeit zu geben, die Haushaltsdefizite zu reduzieren. Unter Druck von Staaten wie Deutschland, die auf Haushaltsdisziplin dringen, kündigte sie dann für Juli ihre abschließende Bewertung darüber an, ob Sanktionen verhängt werden.

Seit Einführung des Euros waren noch nie Sanktionen gegen ein Mitgliedsland wegen Verstößen gegen die Stabilitätsregeln verhängt worden. In der EU dürften die Staaten beim Haushaltsdefizit eigentlich die Grenze von 3% des BIPs nicht überschreiten. Außerdem sollte die gesamte Verschuldung unter 60% gehalten werden. Spanien sollte 2015 das Defizit auf 4,2% reduzieren, schaffte aber nur 5,1%. Portugal kam auf 4,4%, hatte aber eine Reduzierung auf unter 3% zugesichert.

Financials schwächeln

Unter den europäischen Banken gibt es eine ganze Reihe von Kreditinstituten, die als Problemkinder der Eurozone gelten. Entsprechend tief sind ihre Aktienkurse gefallen. Aber auch die Kurse der Anleihen von Banken, die sogenannten Financials, leiden darunter.

An erster Stelle sind hier die italienischen Geldhäuser zu nennen, deren faule Kredite sich mittlerweile auf ca. 360 Mrd. € angehäuft haben. 17% aller ausstehenden Kredite der italienischen Institute gelten als notleidend. Besonders drastisch ist die Situation bei dem Traditionshaus Banca Monte dei Paschi, das der EZB bis 3. Oktober einen Plan vorlegen muss, wie es seine Problemkredite bis 2018 um 40% abbauen will.

Doch auch in Deutschland gibt es mit der Deutschen Bank ein Institut, das massiv an Glaubwürdigkeit und Wert verloren hat. Seit Jahresbeginn fiel der Aktienkurs des größten Geldhauses des Landes um rund 45%. Außerdem fiel die Deutsche Bank vergangene Woche zum zweiten Mal in Folge beim Stresstest der US-Notenbank Fed durch. Darüber hinaus kürte der Internationale Währungsfonds (IWF) das Institut zum größten Risiko für das globale Finanzsystem. Zu guter Letzt droht jetzt auch noch der “Fast Exit” aus dem Stoxx Europe 50.

Insgesamt ist der Markt für Financials vor diesem Hintergrund schwer gebeutelt. Dennoch gibt es Anleger, die bei dem derzeitigen Kursniveau bei Financials selektiv zugreifen, weil sich durch die niedrigen Kurse die Renditen erhöht haben. Anleger sollten sich allerdings stets des erhöhten Risikos bei einem solchen Investment bewusst sein.

So rentiert eine Anleihe der Deutschen Bank (DB7XJP) mit Laufzeit 3/2025 bei einem Kursniveau von 96,70% mit ca. 1,53%. Eine Nachranganleihe desselben Instituts (DL40SR), die 5/2026 fällig wird, kommt gar auf eine Rendite von ca. 5,30%. Allerdings ist hier auch das Risiko wegen des nachrangigen Charakters nochmals deutlich höher. Eine Nachranganleihe der Commerzbank (CZ40LD) mit Fälligkeit 3/2026 weist einen Kurs von 102,90% auf und bringt es auf eine Rendite von rund 3,63%.

Deutsche Bahn – schneller als gedacht

Die vergangenen Handelstage waren geprägt von Unsicherheiten und erhöhten Volatilitäten quer durch alle Assetklassen. Somit war es nicht verwunderlich, dass ein Primärmarkt für Corporate Bonds nicht wirklich existent war. Doch alles hat ein Ende und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der erste Daueremittent dem Votum der Investoren stellen würde.

Die Deutsche Bahn AG, die sonst eher durch Verspätungen auf sich aufmerksam macht, war in diesem Fall unerwartet schnell und erfolgreich am Kapitalmarkt in Erscheinung getreten. So konnte das Unternehmen durch die Emission einer 15-jährigen Anleihe (A183V0) insgesamt 750 Mio. € aufnehmen. Der Investor erhält eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,875% bis zum Laufzeitende am 11.07.2031. Gepreist wurde der Bond mit +26 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,095% entsprach. Die von der Bahn hierbei gewählte Mindeststückelung von 1.000 € wird sicherlich auch bei Privatanlegern für Nachfrage sorgen.

Die historisch günstigen Zinsen für sich genutzt hat auch das in der Erdöl- und Raffineriesparte tätige französische Unternehmen Total Capital SA und legte einen Doppelpack an neuen Bonds im Gesamtvolumen 2,75 Mrd. € auf. Bei der ersten Anleihe (A1830Q) handelt es sich um eine 7-jährige Anleihe im Umfang von 1,25 Mrd. €. Der Anleger erhält 0,25% p.a. Verzinsung bis zur Fälligkeit am 12.07.2023. Das Pricing erfolgte mit +28 bps über Mid Swap und somit lag der Reoffer bei 99,806%. Der zweite 12-jährige Bond (A1830R) ist 1,5 Mrd. € schwer und bietet eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,75% bis zum Ende der Laufzeit am 12.07.2028. Der Ausgabepreis lag bei 98,728% (+43 bps über Mid Swap). Total Capital entschied sich bei beiden Anleihen für die Mindestanlagesumme von 100.000 €.

Wenn er nicht nach unten geht, dann geht er halt nach oben.

Versuchte man das am 24. Juni, dem Brexit-Tag, erreichte – bisherige – Allzeithoch beim Euro-Bund-Future (168,86%) noch mit „Panik“ zu erklären, so wird auch am Kapitalmarkt deutlich, wie anpassungsfähig der Mensch geworden ist. Gemäß dem Motto: „Wenn es nicht mehr nach unten geht, dann geht es halt nach oben“, wurde dieses Niveau erneut ins Visier genommen. In kleinen, mühsamen Schritten hat man sich diesem bisherigen Gipfel bis auf 0,75 Prozentpunkte angenähert. Sollte diese einzige Widerstandslinie nochmals getestet werden, so würde sich eine Rendite für die zugrundeliegende 10-jährige Bundesanleihe von ca. -0,30% ergeben. Solche Aussagen hätten noch vor Wochen ungläubiges Kopfschütteln erzeugt, aber jetzt erntet man dafür nur noch ein gleichgültiges Achselzucken.

Man scheint sich mit diesen Marktgegebenheiten abgefunden zu haben und das ist bereits der erste Hinweis auf eine überfällige Korrektur. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihren Interventionen alle Mechanismen eines funktionierenden Rentenmarktes außer Kraft gesetzt und lässt nichts Gutes für die nächsten Wochen und Monate erahnen. Zu groß sind inzwischen wieder die Renditeunterschiede in der Eurozone, die zwar sicherlich zu begründen sind, aber dennoch nicht zu den bisherigen Aussagen der europäischen Notenbanker passen. Entweder sind im Falle einer umfassenden Garantie seitens der EZB die Renditen für verschiedene Staaten der Peripherie zu hoch oder die von anderen Ländern bereits zu tief. Der Markt misst also mit zweierlei Maß! Das wird sich erst dann ändern, wenn man nicht mehr das macht, was die anderen auch machen, nämlich aus Furcht vor Verlusten in anderen Assetklassen, die Anleihen von vermeintlich sicheren Emittenten zu kaufen.

Die Charttechnik hat aber neben dem Jahreshoch auch noch Unterstützungslinien zu bieten. So ergeben sich aktuell bei ca. 166,90% (mehrere Hochs im Juni) und bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) zwei Bereiche, die im Falle eines Schwächeanfalls des Rentenbarometers für Linderung sorgen sollten. Aktuell handelt der Euro-Bund-Future bei 167,67%.

Die Normalität kehrt zurück

Nach dem GB-Schock wird auch am Primärmarkt für Staatsanleihen wieder zur Tagesordnung übergegangen. Neben den Fußball-EM-Halbfinalisten Deutschland und Frankreich haben sich auch Österreich und Spanien zur Aufstockung diverser Altemissionen entschieden. Insgesamt werden dadurch ca. 20 Mrd. € den entsprechenden Staatshaushalten zur Verfügung stehen. Den kleinsten Teil davon nimmt Österreich mit den Anleihen A18X6P / 2026 und 193811 / 2027 auf. Jeweils 4 Anleihen stocken Frankreich (A18YPD / 2026 , A1Z7JJ / 2031 ; A18Z4K / 2036 ; A1AJL2 / 2041) und Spanien (A18YPG / 2021 ; A1ZJHS / 2024 ; A1ATVW / 2025 ; A1ZXQ6 / 2030) auf.

In Deutschland hingegen wurden die Emissionsvolumen von lediglich zwei Anleihen mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten erhöht. Zum einen wurde die inflationsindexierte Anleihe (103057), die erst 2046 endfällig wird um 500 Mio. € auf insgesamt 4,5 Mrd. € aufgestockt. Die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,76%. Zum anderen erfreuten sich die um 4 Mrd. € aufgestockten 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110464) reger Nachfrage und konnten somit bei einer Durchschnittsrendite von -0,69% zugeteilt werden.

In den USA wurden in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche lediglich Geldmarktpapiere im Gegenwert von 108 Mrd. USD mit den üblichen Fälligkeiten (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) aufgelegt.

Mission failed

Die Raumsonde „Juno“ hat nach fünf Jahren und rund 2,8 Milliarden Kilometern den Jupiter-Orbit erreicht, also lässt sich in diesem Fall feststellen: Mission geglückt. Nun soll „Juno“ den größten Planeten des Sonnensystems zwei Jahre erkunden und neue Erkenntnisse liefern.

Mit Blick auf den Devisenmarkt lässt sich zwei Wochen nach dem Brexit-Votum konstatieren: Mission failed. Nach dem ersten Schock über das UK-Referendum schien sich das Börsengeschehen halbwegs zu normalisieren, jedoch weit gefehlt. Die zunehmende Unsicherheit sorgt weiterhin für beachtliche Kursveränderungen. So schaffte es das Pfund-Sterling, seine Verluste zum US-Dollar im Vergleich zur Vorwoche nochmals auszuweiten und fiel auf den tiefsten Stand seit über 31 Jahren. Die britische Währung kostete zeitweise nur noch 1,2796 USD. Im Vergleich zum Euro befindet sich das Pfund gleichermaßen auf Talfahrt. So verbilligte sich die Währung Großbritanniens bis auf 0,86274 GBP und handelte damit so schwach wie zuletzt im August 2013.

Die europäische Gemeinschaftswährung hat im aktuellen Marktumfeld ebenfalls einen schweren Stand. Zum Auftakt in die neue Woche zeigte sich der Euro noch relativ freundlich bei 1,1186 USD. Im weiteren Handelsverlauf geriet die Einheitswährung jedoch unter Druck und rutschte bis auf 1,1029 USD ab. Zur Stunde handelt der Euro wieder etwas fester bei 1,1075 USD.

Ein schwieriges Marktumfeld birgt sowohl Risiken als auch Chancen. Privatanleger sind somit bestrebt das Risiko zu streuen, wofür Währungsanleihen ein probates Mittel sind. So waren in dieser Berichtswoche insbesondere Bonds auf türkische Lira, südafrikanische Rand, russische Rubel, US-Dollar sowie brasilianische Real auf den Listen der meistgehandelten Anleihen zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Brexit oder Brentry?

Es gab sicherlich schon bessere Zeiten für Großbritannien! Nach dem politischen Brexit vom vergangenen Freitag, dessen Umsetzung sicherlich noch einige Zeit auf sich warten lässt, hat das englische Team bei der Fußball-Europameisterschaft bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Zumindest bei diesem sportlichen Großereignis will man fortan nicht mehr vertreten sein und überlässt diese Rolle den ebenfalls austrittwilligen Walisern. Die Außenwirkung Großbritanniens hat in den vergangenen Tagen massiv gelitten und tiefe Gräben in Europa geschaffen. Aber auch innerhalb des Vereinigten Königreichs könnte die Stimmung nicht schlechter sein.

Die junge Generation sieht sich ihrer Zukunftsperspektiven beraubt und einzelne Länder Großbritanniens streben nach Unabhängigkeit. Inzwischen zeigt sich, dass die Aufklärung der Bevölkerung zu den Folgen eines Brexit unzureichend war und nicht jedem Abstimmenden die Folgen dieses Votums bekannt waren. Doch nun ist es zum Jammern zu spät. Auch alle Petitionen sowie Hinweise auf die geringe Wahlbeteiligung und die allzu geringe 50%-Zustimmungs-Klausel zeugen von einer schlechten „Verlierer-Mentalität“. Jetzt gilt es, nicht auf Zeit zu spielen, sondern den Wählerauftrag in die Tat umzusetzen. Demokratie muss verstanden werden.

Die Verhandlungen sollten zügig beginnen, denn zu regeln gibt es einiges. Die Zeit der Ungewissheit ist für alle Finanzmärkte Gift und dieses gilt es, so gering wie nur möglich zu dosieren. Am Ende der Konsultationen wird sicherlich ein Kompromiss gefunden sein, der in einem zweiten Referendum zur Abstimmung gebracht wird und somit den Exit vom Brexit ermöglicht. Bei dieser Vorgehensweise muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Politikverdrossenheit bei der übrigen EU-Bevölkerung nicht noch gesteigert wird. Ob das aber gelingen wird, darf getrost bezweifelt werden! In der Tierwelt wird immer davon gesprochen, dass ein Bock alleine nicht stoßen kann. Auf das gesamte gesellschaftliche Leben übersetzt heißt das, dass immer zumindest zwei „Parteien“ ein Ergebnis zu verantworten haben. Deshalb wäre es auch innerhalb der EU an der Zeit, den Kapitän auszutauschen und so nach außen ein Zeichen des Neuanfangs zu setzen. Aktuell scheint es allerdings so, als wären den EU-Verantwortlichen solche Gedankenspiele nicht in den Sinn gekommen. Jean-Claude Juncker und seine Aussagen zu CETA sind das beste Beispiel für die momentan gelebte Selbstherrlichkeit.

Also bleibt uns nur die Hoffnung, dass in den kommenden Monaten das Wachrütteln unserer Politiker noch zu einer positiven Erneuerung Europas führen wird. Die 27:1 Verhandlungen werden keine Wunschveranstaltung sein, sondern eine Scheidung mit gleichzeitiger Regelung der Unterhaltszahlungen, der Besuchszeiten und der Sorgerechte. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Verhandlungsführung der Beteiligten gerichtet sein. Wird auf Zeit gespielt, wird unverhohlen gedroht bzw. verhält man sich weiterhin in allen bisherigen Vertragsbestandteilen vertragskonform? So wäre beispielsweise ein Einstellen der Zahlungen an die Gemeinschaft oder umgekehrt sicherlich kontraproduktiv.

Die EU besteht auch weiterhin noch aus 28 Mitgliedsstaaten

Mit dem Referendum hat die Welt zwar nicht aufgehört sich zu drehen, aber eine gewisse Unwucht ist zu spüren. Die Entscheidung der Briten bedeutet den Verlust des drittgrößten Nettozahlers der EU und somit eine mögliche jährliche Mehrbelastung i.H.v. ca. 3 Mrd. € für den deutschen Steuerzahler. Es gibt aber auch andere Folgen, die es zu regeln gilt.

So wird die europäische Bankenaufsichtsbehörde European Banking Authority (EBA), die in London angesiedelt ist, früher als ursprünglich angedacht, sich nach einem neuen Domizil umschauen und auch der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Investitionsbank (EIB) muss in Angriff genommen werden. Sicherlich wird im kommenden Jahr Großbritannien, das im zweiten Halbjahr die EU-Präsidentschaft übernehmen sollte, diesen Part nicht mehr wahrnehmen. Ob man die entstandene Lücke einfach dadurch schließen wird, indem man die folgenden Präsidentschaften vorverlegt oder eines der Gründungsmitglieder der Vorgängervereinigung einspringt, wird erst nach Einleiten des Austrittverfahrens zu klären sein.

Aber auch längerfristig stehen in Europa viele Entscheidungen an, die ein Stimmungsbild widergeben. So wird beispielsweise im Oktober des Jahres in Italien ein Referendum über die seit über 30 Jahren angedachte Verfassungsänderung durchgeführt. Im April bzw. Mai nächsten Jahres wählt Frankreichs Bevölkerung einen neuen Präsidenten und vorher wird am 15. März in den Niederlanden über die Zusammensetzung des Parlaments neu entschieden. Die Bundestagswahlen im Herbst 2017 runden aus deutscher Sicht ein Superwahljahr mit bis dahin noch fünf Landtagswahlen (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Saarland) und einer Wahl des Bundespräsidenten (12. Februar 2017) ab.

Die kommenden Monate werden also von diversen innen- und außenpolitischen Störfeuern geprägt sein, denn auch die Regierungen in Österreich und Spanien können nicht unbedingt als stabil bezeichnet werden.

Italien sorgt sich um die Finanzindustrie

Italiens Banken sorgen allem Anschein nach bei der eigenen Regierung für schlaflose Nächte. Denn anders ist es nicht erklärbar, dass die italienische Regierung alle möglichen Register zieht, um die Banken des Landes mit ca. 40 Mrd. € unterstützen zu dürfen. Der vor wenigen Wochen zu diesem Zwecke eingerichtete Fonds „Atlante“ mit einer Kapitalausstattung von ca. 5 Mrd. € kann im Krisenfall keine Bankenschieflage abfedern. Das ist inzwischen - nicht zuletzt durch die Brexit-Reaktion an den Finanzmärkten - allen klar geworden.

Bei den italienischen Banken haben sich inzwischen ca. 300 Mrd. € an ausfallgefährdeten Krediten angesammelt und drohen der Finanzbranche im schlimmsten Fall nachhaltig Schaden zuzufügen. Aus diesem Grunde bittet Rom um Ausnahmen bei der eigentlich verbotenen Staatsfinanzierung und bei den Bail-in-Regeln. Entsprechende Gespräche hat der Ministerpräsident Italiens, Matteo Renzi, bereits mit der EU-Kommission geführt und hofft, dass man seinem Wunsch, einer möglicherweise notwendigen Bankenrettung mit Steuergeldern, entsprechen wird.

Auch in diesem Fall wird wieder deutlich, dass niedrige Zinsen allein im Euroraum nicht ausreichen, um Kreditgeber und -nehmer zu beglücken. Denn die Finanzinstitute haben mit den gesunkenen Margen nur noch sehr begrenzte Möglichkeiten, Verluste aus notleidenden Krediten auszugleichen. Die niedrigen Zinssätze stellen für viele Kreditnehmer einen Anreiz dar, sich zu verschulden und zwar in einer Größenordnung, die man sich vorher niemals hätte leisten können. Gleichzeitig werden die Banken von der EZB immer wieder aufgefordert, den Unternehmen Geld zur Verfügung zu stellen. Doch Schulden werden auch endfällig und spätestens dann wird sich herausstellen, dass in vielen Fällen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zur Falle für Banken, Unternehmen und Privatpersonen wurde.

Die BIZ sorgt sich um die Weltwirtschaft

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist in großer Sorge um die Weltwirtschaft und verweist auf das niedrige Wirtschaftswachstum, was zusammen mit Rekordschulden bei den Staaten den Spielraum zur Bekämpfung von Krisen immer mehr einengt. Kommen dann noch solche Ereignisse wie der Brexit dazu, kann sich daraus sehr schnell ein globales Problem ergeben.

Bisher haben die Notenbanken alles daran gesetzt, die daraus resultierende Gefahr mit historischen Niedrigzinsen, die in einigen Staaten sogar zu Negativrenditen führten, einzudämmen. Doch genau das ist das Problem, denn die niedrigen Zinsen suggerieren den Politikern, dass alles gut enden wird und man nur für etwas Inflation sorgen muss. Viele Finanzchefs von Unternehmen sehen das ähnlich und wagen sich an Übernahme-Transaktionen von Mitbewerbern, da ihnen das Geld von Investoren so billig wie nie zuvor zur Verfügung gestellt wird. Teilweise können sich auch Unternehmen vor Anfragen nach Schuldscheindarlehen nicht mehr retten. Allerdings übertünchen diese Marktkonstellationen die Gefahren einer schuldenfinanzierten Wachstumspolitik. Hinzu kommen noch die ausfallgefährdeten Kredite in den Bankbüchern, die kürzlich nicht nur die Regierung Italiens auf den Plan gerufen haben.

Ein solcher Hinweis wie er auf der Jahresversammlung in Basel von dem Generaldirektor der BIZ, Jaime Caruana, ausgesprochen wurde, sollte nicht nur zur Kenntnis genommen werden, sondern einen Umdenkprozess in Gang setzen. Denn als Zentralbank der Notenbanken ist die BIZ sicherlich im Besitz von Informationen zu Gefahrenpotentialen, die im „worst case“ die globale Wirtschaft ins Wanken bringen können. Hoffen wir, dass noch die Möglichkeit zum Gegenlenken besteht und es nicht bereits zu spät ist.

Die Ratingagenturen melden sich zu Wort

Die Ratingagenturen Standard & Poor‘s und Fitch haben die Bonitäts-Einstufung von Großbritannien sehr schnell den veränderten Gegebenheiten angepasst und im Investmentgrade auf die dritte Stufe „AA“ gesenkt. Dass hierbei zusätzlich noch der Ausblick mit „negativ“ bewertet wird, ist sicherlich der Unsicherheit in puncto Stabilität, wirtschaftlicher und politischer Entwicklung geschuldet.

Doch auch andere Staaten wie zum Beispiel Österreich müssen mit einer negativeren Bewertung leben. So hat die Ratingagentur Moody’s die langfristigen Verbindlichkeiten der Alpenrepublik nur noch mit „AA1“ bewertet und ihr hiermit die bisherige Bestnote „AAA“ entzogen. Als Grund werden die Aussichten auf ein mittelfristig schwächeres Wirtschaftswachstum des Eurolandes angeführt. Diese Probleme kann aktuell Deutschland noch weit von sich weisen. Aber ob die zusätzlichen Belastungen eines Umbaus der EU-Finanzierung, die Deutschland wahrscheinlich 3 Mrd. € kosten wird sowie die Neuverteilung der bisherigen Bürgschaften früher oder später zu einer anderen Bonitäts-Einstufung führt, kann nicht ausgeschlossen werden. Noch ist Deutschland der Fels in der Brandung und wird es hoffentlich auch noch lange bleiben.

Investieren auch Fans des BVB und des FCB?

In den Tagen nach dem Brexit-Referendum ist der Primärmarkt für Corporate Bonds fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Lediglich ein Relikt aus der vergangenen Woche wurde in dieser Zeit an den Märkten zur Notierung gebracht und steht im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft. Ganz zur Freude der meisten Fußballfans hier zu Lande ist unser Team noch immer dabei. Solche Großereignisse eignen sich für die Clubs der Fußball-Bundesliga, sich personell zu verstärken und ihren bisherigen Kader für die kommende Spielzeit neu zu bestücken.

Eine Verstärkung der anderen Art gelang dem Gelsenkirchener Fußball Club Schalke 04. Durch die erfolgreiche Platzierung einer Dualtranche im Gesamtvolumen von 50 Mio. € kann die Ablösung einer ursprünglich am 11.07.2019 endfälligen Gattung (A1ML4T) in Angriff genommen werden. Die Altemission wurde zum 11. Juli des Jahres vorzeitig gekündigt und entsprechend den Anleihebedingungen zu 103% an die Gläubiger zurück bezahlt.

Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 5-jährige Anleihe (A2AA03) mit Fälligkeit am 07.07.2021 im Volumen von 16 Mio. €. Schalke 04 zahlt dem Investor einen jährlichen Kupon in Höhe von 4,25%. Der Ausgabepreis betrug 100%. Der Emittent hat sich per 07.07.2020 ein Sonderkündigungsrecht zu 100,50% festschreiben lassen.

Die zweite Anleihe (A2AA04) mit 7-jähriger Laufzeit beläuft sich auf 34 Mio. € und bietet dem Anleger eine nominale Verzinsung in Höhe von 5% p.a. bis zum 07.07.2023. Doch auch bei diesem Bond ließ der Emittent ein vorzeitiges Kündigungsrecht zum 07.07.2021 bei 101,50% in die Anleihebedingungen aufnehmen. Die Anleihe wurde zum Nennwert begeben.

Beide Anleihen wurden seitens des Emittenten Schalke 04 mit der „privatanleger-freundlichen“ Mindestanlagesumme von 1.000 € ausgestattet. Ob sich allerdings die Fans der Bundesligisten Borussia Dortmund und des FC Bayern München von den hohen Nominalzinsen zu einem Engagement verleiten lassen, ist bisher noch nicht bekannt.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

War man in der vergangenen Woche noch der Meinung, dass eine Tradingrange von 7,5 Prozentpunkten (PP) etwas Besonderes war, so musste man sich in dieser Berichtswoche eines Besseren belehren lassen. Der 30-jährige Euro-Buxl-Future hat es seit vergangenem Donnerstag auf eine Bandbreite von sage und schreibe ca. 16,5 PP und der als Sorgenbarometer bezeichnete Euro-Bund-Future auf immerhin ca. 5,3 PP gebracht. Doch nicht alle Tage hat der Markt ein Brexit-Referendum zu verkraften und somit müssen wir ähnlich wie beim Eiskunstlauf die „Ausreißer“ ausblenden.

Somit wird es in den kommenden Wochen zu einem Auspendeln auf erhöhtem Niveau kommen. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 167,xx%, also in der Nähe einer in den vergangenen Tagen herausgebildeten und zugleich psychologischen Marke bei ca. 167%. Dies ist relativ deutlich unter dem bisherigen Allzeithöchststand von 168,86%, was zugleich den einzigen Widerstand darstellt. Nach unten sind die Unterstützungslinien reichlicher vorhanden. Zuerst bei 165,61%, anschließend bei 164,60% und zuletzt bei 164,06% verlaufen momentan die Linien. Dazwischen würde bei ca. 165% die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe wieder die Nullgrenze erreichen.

Nachdem in den vergangenen Tagen allen Rentenhändlern die Welt der Zinsen neu erklärt wurde, sollte man allerdings stets auf der Hut sein vor nicht auszuschließenden Gegenbewegungen. Sicherlich werden die Notenbanken versuchen mittels künstlicher Nachfrage die Zinsen auf diesem Niveau zu halten, aber durch die geänderte Erwartungshaltung bezüglich der amerikanischen Notenbankpolitik (keine Zinsanhebung in 2016 und im Frühjahr 2017 wird man weitersehen) kann es zu währungsbedingten Gewinnmitnahmen ausländischer Investoren kommen.

Bund braucht weniger Geld

Italien hatte immer schon ein gewisses Eigenleben vorzuweisen und das merkte man in dieser Handelswoche auch daran, dass sich alle Euroländer wegen der Marktunsicherheiten in Zurückhaltung übten. Nur Italien stockte diverse Altemissionen im Volumen von ca. 8 Mrd. € auf. Diese Anleihen werden aber aus steuertechnischen Gründen nicht an den deutschen Börsen gehandelt. Auch in den USA wurden in Erwartung eines sehr volatilen Marktes den Investoren lediglich Geldmarktpapiere zum Kauf angeboten. Hierbei wurden 50 Mrd. USD als T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen und 31 Mrd. USD mit einer Fälligkeit in 3 sowie 26 Mrd. USD in 6 Monaten aufgelegt.

Ende Juni war es wieder soweit und die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland machte bei den Refinanzierungsvorhaben für das 3. Quartal den Feinschliff. Aufgrund der erhöhten Steuereinnahmen werden die ursprünglich geplanten Emissionsvolumina um 3 Mrd. € gekürzt. Allerdings hat sich nichts an der Terminierung der einzelnen Tender geändert, um Planungssicherheit zu gewährleisten und als verlässlicher Geschäftspartner aufzutreten. Insgesamt sollen in diesem Quartal 47 Mrd. € als Kapitalmarkt-, 12,5 Mrd. € als Geldmarktpapiere und ca. 2 Mrd. € als inflationsindexierte Anleihen platziert werden.

GBP-Schockstarre löst sich im Schneckentempo

Jetzt ist es Gewissheit, Großbritannien hat sich gegen einen Verbleib in der Europäischen Union entschieden. So hat England das Kunststück vollbracht, innerhalb weniger Tage die EU gleich zweimal zu verlassen. Einmal freiwillig und gewollt, bei der EM in Frankreich mit Sicherheit ungewollt, aber verdient.

Abgesehen vom Fußball hat der wahre Brexit zu außerordentlichen Verwerfungen am Devisenmarkt geführt. Insbesondere das britische Pfund wurde von diesem Marktereignis mit voller Härte getroffen. So fiel das Pfund-Sterling zum Euro bis auf 0,83797 GBP zurück, dies entspricht dem tiefsten Stand seit März 2014. Zum US-Dollar war der Kursverfall wesentlich dramatischer. Die Währung Großbritanniens verlor drastisch an Wert und fiel auf den tiefsten Stand seit über 30 Jahren. Das Pfund war im Tief somit nur 1,3020 USD wert, nachdem es noch kurz vor dem UK-Referendum um die Marke von 1,50 USD gehandelt wurde.

Das Devisenpaar EUR/USD war durch die Marktturbulenzen ebenfalls hohen Schwankungen unterworfen. Im Vergleich zur Vorwoche hatte die europäische Gemeinschaftswährung kräftige Abschläge hinzunehmen. So sackte der Euro am Freitag infolge des Brexit von 1,1420 USD bis auf 1,0913 USD ab. Mit dem Start in die neue Handelswoche konnte der Euro die wichtige Marke bei 1,10 USD nachhaltig überwinden und handelt zur Stunde sogar bei 1,1105 USD.

Das Vertrauen in den Euro ist durch die jüngsten Entwicklungen nicht unbedingt gestiegen. Die Privatanleger sind somit bestrebt, ihr Vermögen sorgfältig und risikobewusst anzulegen. So stehen Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, australische Dollar, türkische Lira sowie russische Rubel im Fokus der Anleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

To brexit or not to brexit

Sagen die Briten nun „Goodbye, Europe” oder nicht? Zumindest auf der Aktienseite scheint das anstehende Referendum, mit dem Großbritannien am heutigen Donnerstag, 23. Juni, über den Verbleib in der Europäischen Union entscheidet, keinen Schrecken mehr einzujagen. So ist der DAX wieder stabil über 10.000 Punkte geklettert und auch der Pfund-Kurs hat sich erholt, nachdem sich sowohl die Umfrage-Ergebnisse als auch die Quoten der Buchmacher zum Teil deutlich zugunsten der EU-Befürworter verschoben haben. Das Motto des Tages ist allerdings dennoch: „Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit.”

Doch ginge es nach der Lautstärke des Applaus‘, so wären diese Woche freilich die Brexit-Freunde um Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London, als Sieger hervorgegangen. Johnson hatte sich vor einem Millionenpublikum im Fernsehen und 6.000 Zuschauern vor Ort einen verbalen Schlagabtausch mit dem neuen Londoner Bürgermeister und EU-Befürworter Sadiq Khan geliefert. Während Johnson, der ein bisschen wie der englische Bruder von Donald Trump wirkt, der Gegenseite polternd vorhielt, sie habe nichts als Furcht verbreitet, sagte Khan, die Brexit-Befürworter würden eine Hass-Kampagne gegen Zuwanderer führen. Johnson sei sich dabei auch für „dicke, fette Lügen” nicht zu schade.

Traditionell werden die Wähler kurz vor der Entscheidung aber wohl etwas vorsichtiger, weshalb auch die Hoffnung besteht, dass sich die Briten nicht von den teilweise nationalistischen Emotionen der Brexit-Kampagne einlullen lassen, sondern den Warnungen der Ökonomen glauben werden.

So versuchen Befürworter eines Austritts tatsächlich der Bevölkerung zu vermitteln, dass die EU den Briten im Fall eines Brexits einen speziellen Handelsdeal anbieten wird, was die negativen Folgen eines Austritts begrenzen würde. Die europäische Gemeinschaft könnte es sich nicht leisten, Abstriche beim Handel mit dem Königreich zu machen, sagen sie. Experten der Citigroup und andere gehen allerdings davon aus, dass es genau andersherum sein wird. Wäre der Handel zwischen Großbritannien und der EU behindert, so wäre die Wirkung für die Briten um einiges verheerender als für die anderen EU-Wirtschaften. Schließlich macht der Export von Gütern und Dienstleistungen in andere EU-Staaten 15% des britischen Bruttoinlandsprodukts aus. In die andere Richtung tragen Exporte der EU-Staaten nach Großbritannien im Schnitt gerade einmal 2,5% zu ihrem Bruttoinlandsprodukt bei.

Auch der Londoner City würde ein Aderlass drohen. Nicht nur verschiedene Institute der Finanzwirtschaft, die in UK für 12% des BIPs steht, haben den Abzug von Personal und Wertschöpfung in Richtung EU für den Brexit-Fall bereits angekündigt. Auch die europäische Bankenaufsichtsbehörde European Banking Authority (EBA), die in London angesiedelt ist, müsste Großbritannien den Rücken kehren.

Verhandlungen, die einem Votum für den Brexit folgen würden, kämen eher Scheidungsverhandlungen gleich. Wer einmal draußen ist, kommt nicht mehr durch die Hintertür der Verhandlungen wieder rein – gemäß dem Motto: There is no way back.

Immerhin haben sich die Spitzenklubs der Premier League für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Ein EU-Austritt würde die globale Ausrichtung der Liga konterkarieren, sagte der Chairman der Premier League, Richard Scudamore. Vielleicht ist es ja am Ende gar doch der Fußball, der den Ausschlag zugunsten der EU geben wird. Dann würden wir der englischen Fußballnationalmannschaft auch gerne eine erfolgreiche EM wünschen – eben bis zum Elfmeterschießen gegen das deutsche Team.

Karlsruhe winkt den EZB-Kurs durch

Zwei Tage vor dem Brexit-Referendum hat das Bundesverfassungsgericht (BuVerfG) in Karlsruhe den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise grundsätzlich gebilligt, aber gewisse Grenzen gesetzt. Demnach darf sich die Bundesbank an Maßnahmen der EZB beteiligen, die dazu dienen, einzelne Eurostaaten im Notfall gezielt durch Staatsanleihenkäufe in großem Stil zu unterstützen.

Laut BuVerfG verstößt die EZB mit dem Ankauf von Staatstiteln nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Das Urteil bestätigt damit die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach das sogenannte OMT-Programm („Outright Monetary Transactions”) mit EU-Recht vereinbar ist und in das Mandat der EZB fällt.

Allerdings machte Karlsruhe gewisse Einschränkungen, welche die EZB befolgen muss. So verlangt das BuVerfG, dass sich die Notenbank an die Vorgaben des EuGH hält, wonach bei den Anleihekäufen das Volumen vorab begrenzt werden muss und zwischen der Emission der Titel und dem Ankauf durch die EZB gewisse Mindestfristen liegen müssen. Darüber hinaus dürfen nur Schuldentitel von Ländern erworben werden, die Zugang zum Anleihemarkt haben.

Die deutschen Verfassungshüter schlossen sich damit im Kern einem Urteil des EuGH vom Sommer 2015 an. Der Senat habe zwar weiterhin Bedenken, sehe sich aber an die Luxemburger Rechtsprechung gebunden, sagte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle in Karlsruhe.

Der Richterspruch stellt damit weder einen Freibrief für die Notenbank noch eine Kapitulation vor der magischen Kraft des Faktischen dar, wie es die „Börsen-Zeitung“ sieht. Vielmehr bestätigt das BuVerfG mit dem Urteil die Unabhängigkeit der EZB, die man ihr seitens der Politik und der Kläger immer wieder versucht hat abzusprechen. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass Mario Draghis Versicherung von 2012, alles zu tun, um die Gemeinschaftswährung Euro zu schützen („Whatever it takes“), noch etwas weiter ging. Die EZB unternehme alles im Rahmen ihres Mandats („within the mandate of the ECB“), hatte der Präsident in einer Situation gesagt, in der nicht nur Griechenland und Zypern, sondern auch Spanien und Italien auf der Kippe standen.

Dies war ein solch deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl an die Adresse von Spekulanten, die sich gegen diese Länder in Stellung gebracht hatten, dass die angedeuteten Maßnahmen der EZB gar nicht eingesetzt werden mussten. Vielmehr hat Draghis Muskelspiel gezeigt, dass die Notenbank als so stark angesehen wird, dass es sich nicht lohnt, gegen sie zu zocken.

Dies soll nicht heißen, dass die insgesamt 37.000 Kläger mit Glanz und Gloria gescheitert sind. Natürlich haben sie eine Niederlage erlitten, aber sie haben auch vom BuVerfG bestätigt bekommen, dass eine direkte Staatenrettung durch die EZB mit Hilfe der Bundesbank nicht vorgesehen ist. Dies sollte der EZB bei künftigen geldpolitischen Maßnahmen eine Mahnung sein.

Renditebringer aus Singapur

Inzwischen ist es für Investoren ein sehr mühsames Unterfangen, sich auf die Suche nach Anleihen mit einer noch aussprechbaren Rendite zu machen. Oftmals müssen sie auf Emittenten der zweiten oder sogar der dritten Reihe ausweichen. Doch hierbei ist stets der Hinweis angebracht, dass für eine bestimmte Restlaufzeit eine vergleichbar hohe Rendite auch einem entsprechenden Risiko der Position entspricht.

Dieses Risiko meiden Privatanleger vielfach ganz bewusst und legen sich zur Diversifikation ihres Depots Fremdwährungsanleihen zu. Zur Wahl stehen hierbei die unterschiedlichsten Fremdwährungen mit entsprechenden Zinskurven. Gegenüber den bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen aktuell zu erzielenden Renditen (ca. 0,06%) erscheinen die US-Treasuries inzwischen wie aus einem Hochzinsland (1,70%). Doch das mit den US-Staatsanleihen verbundene Devisenrisiko ist nicht zu unterschätzen.

Somit geht die Suche nach Alternativen weiter. Insbesondere Länder mit moderatem Wirtschaftswachstum, stabilen Devisenkursen und einer niedrigen Inflation stehen in der Gunst der Investoren. Ein solches Land ist nach dem momentanen Stand der Dinge Singapur. So rentiert aktuell ein am 01.06.2026 endfälliger Singapur-Bond (A1VPUN) mit ca. 2,00% und die Währung handelt mit ca. 1,5160 SGD in der Tradingrange der vergangenen 14 Monate (1,4348 SGD und 1,6523 SGD).

Sollte das Geld noch längerfristig angelegt werden, so stehen auch Anleihen mit längeren Restlaufzeiten (A1A0SM / 2030 ; A1G3A9 / 2042) zur Verfügung. Aktuell wird die Inflationsrate in Singapur für den Monat April gegenüber dem Vormonat mit -0,5% und gegenüber dem Vorjahresmonat mit +0,8% angegeben. Doch auch bei diesen Bonds muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, das Zins- und Devisenänderungsrisiko zu tragen.

Russland-Sanktionen gehen in die Verlängerung

Während man sich in Brüssel anschickt, die für alle Beteiligten schmerzhaften Russland-Sanktionen um sechs Monate zu verlängern, umgarnt Russlands Staatschef Vladimir Putin die EU, um genau dies zu verhindern. Seine Signale, wonach sein Land nicht nachtragend sei, kamen aber zu spät. Die EU hält den Druck auf Russland aufrecht. So haben die Botschafter der EU-Einzelstaaten der Verlängerung der Sanktionen inzwischen zugestimmt – eine Entscheidung, die voraussichtlich am morgigen Freitag auf Ebene des EU-Rats abgesegnet werden dürfte. Es gebe zwar Fortschritte, aber eben nicht genügend. So lautet der Tenor in Brüssel bei Betrachtung der Situation in der Ostukraine. „Die Bedingungen für eine Aufhebung seien nicht gegeben. Die Vereinbarung von Minsk wird nicht respektiert“, hatte der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault gesagt. Dies sei erst der Fall, wenn das Waffenstillstandsabkommen für die Ostukraine voll umgesetzt sei.

Mit der Verlängerung der Sanktionen bis Ende Januar 2017 wollen die Europäer weiterhin Druck auf Moskau ausüben. Denn noch immer gibt es fast täglich Gefechte zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee und somit hat die Regierung in Kiew keine Kontrolle über ihre Grenze zu Russland. Es ist längst geplant gewesen, Wahlen in jenen Gebieten abzuhalten, die von den Separatisten kontrolliert werden.

Bereits vor kurzem hat die EU die Krim-Sanktionen gegen Russland um ein Jahr - bis zum 23. Juni 2017 - verlängert. Diese Strafmaßnahmen umfassen Beschränkungen für den Im- und Export von Waren und Investitionen. So dürfen Europäer keine Immobilien auf der Krim erwerben und es gilt ein Verbot für Tourismusdienstleistungen.

Die nun zu beschließenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die bis 31. Juli laufen, sollen ergänzend sein und richten sich unter anderem gegen russische Staatsbanken, den Handel mit Rüstungsgütern und die russische Energiewirtschaft. Umgekehrt hatte Russland Gegensanktionen verhängt, welche die europäische Wirtschaft empfindlich getroffen haben.

Aber vielleicht läuten die jüngsten Signale Putins doch das Ende der Sanktionen ein, dessen Zeitpunkt nur verschoben worden ist. Sein Aufruf, das Vertrauen in die Beziehungen von Russland und der EU wiederherzustellen, sollte in Brüssel als Chance und Gesprächsangebot begriffen werden.

Macht die EZB Hellas-Anleihen wieder salonfähig?

Griechenland soll wieder an die normale Geldversorgung der Europäischen Zentralbank (EZB) angedockt werden, indem die EZB auch griechische Staatsanleihen kaufen kann. Ab kommendem Mittwoch werden griechische Staatsanleihen trotz ihres Ramschstatus wieder als Kreditsicherheiten von der EZB akzeptiert. Daraus folge aber nicht automatisch die Zulassung zum laufenden Anleihen-Kaufprogramm der Notenbank, hat hierzu allerdings ihr Präsident Mario Draghi in Brüssel verlauten lassen.

Das Pikante daran ist, dass die Regeln zum EZB-Ankaufprogramm offenbar sehr flexibel auszulegen sind. Erst am Dienstag hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank nur zulässig ist, wenn die Länder auch entsprechend auf dem Kapitalmarkt agieren können.

Indessen haben Hellas‘ internationale Geldgeber die nächste Finanztranche für das schuldengeplagte Land freigegeben. Demnach hat Athen diese Woche - im Windschatten von drohendem Brexit und der Fußball-EM - Hilfsgelder in Höhe von 7,5 Mrd. € erhalten. 5,7 Mrd. € davon sollen dazu dienen, griechische Schulden beim IWF und der EZB zurückzuzahlen. Mit den restlichen 1,8 Mrd. € soll Zahlungsverpflichtungen gegenüber Inländern nachgekommen werden, wovon man sich auch einen gewissen Schub für die Wirtschaft erhofft.

Zurückhaltung am Primärmarkt für Corporates Bonds und Financials

Die Anspannung der Marktteilnehmer über den Ausgang des Brexit-Referendums am heutigen Donnerstag lässt sich in diesen Tagen nicht nur anhand der hohen Volatilitäten an den Märkten ablesen, sondern spiegelt sich auch in der Zurückhaltung der Unternehmen zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt wider. In dieser Woche wurden lediglich 1,3 Mrd. € durch den kanadischen Getränkehersteller Cott sowie die beiden französischen Unternehmen Christian Dior und Eutelsat aufgenommen.

Den Anfang machte Eutelsat (A183EZ) mit einem 500 Mio. € schweren Bond, welcher am 23.06.2021 fällig ist. Der Telekommunikationsdienstleister bietet seinen Kunden eine jährliche Verzinsung von 1,125% und die Anleihe wurde zu 99,894% emittiert. Dies kommt einem Emissionsspread von +164,20 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleich.

Das für luxuriöse Mode bekannte Unternehmen Christian Dior (A183JL) emittierte 350 Mio. € mit einer Laufzeit bis zum 24.06.2021. Dior zahlt seinen Gläubigern einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,75%. Der Ausgabepreis lag bei 99,902%, was einem Emissionsspread von +82 bps über Mid Swap entsprach.

Zu guter Letzt wagte sich der kanadische Getränkehersteller Cott Finance (A183E2) an den Kapitalmarkt und konnte 450 Mio. € einsammeln. Der Bond bietet seinen Anlegern eine jährliche Verzinsung von 5,5%, die jeweils hälftig am 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres ausgezahlt wird. Der 8-jährige Bond ist am 01.07.2024 fällig und wurde zu pari begeben (+575 bps über der vergleichbaren 1,5% Bundesanleihe mit Fälligkeit am 15.05.2024).

Alle Emittenten statteten ihre Anleihen mit einem vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) sowie einer Mindeststückelung von 100.000 € aus. Aufgrund der gewählten Mindeststückelung werden sich eher institutionelle Anleger die Bonds in ihre Depots legen.

In Erwartung großer Volatilitäten

Die vergangenen Handelstage waren ein Spiegelbild der Brexit-Wettquoten bzw. der neuesten Umfrage-Ergebnisse. Hatte man vor Monaten noch unaufgeregt diesem Datum entgegengeblickt, so nahm die Nervosität in dieser Woche von Tag zu Tag zu. Dies war zwar auch an der Tradingrange beim Euro-Bund-Future (164,08% / 165,68%) abzulesen, aber noch deutlicher wurde es beim 30-jährigen Euro-Buxl-Future. Die Handelsrange innerhalb von 5 Tagen von über 7,5 Prozentpunkten ist auch bei dieser Restlaufzeit eher selten zu beobachten.

Somit stehen wir bei allen auf hohem Level korrigierten September-Kontrakten vor einem abwartenden Handelstag mit geringen Umsätzen. Da die meisten Investoren allerdings den Rentenmarkt weiterhin von der Long-Seite angehen, ist eine weitere Korrektur der Märkte nicht auszuschließen. Zusätzlich ist aber auch zu bedenken, dass sich alle Endinvestoren für eine bestimmte Art der Positionsführung entschieden haben und diese nur bei extremen Marktausschlägen adjustieren werden. Daher bleibt allen Marktteilnehmern nur die Möglichkeit, mit dem britischen Motto: „Abwarten und Tee trinken“ an die Sache heranzugehen. Am Freitag werden sich die Europäer ab ca. 5:00 Uhr an das Beurteilen des Endergebnisses wagen, um am Nachmittag und im Laufe der kommenden Woche festzustellen, zu welchem Ergebnis die ausländischen Investoren kamen.

Devisenkursverschiebungen und massive Interventionen seitens ausländischer Investoren werden hierbei den Takt vorgeben und nicht die innereuropäischen Marktteilnehmer. Dies gilt für alle Bereiche des Finanzmarktes, Aktien und Renten.

Dennoch ist es sicherlich nicht falsch, die Chartechnik zu Rate zu ziehen. Nach oben bleibt das bisherige Hoch bei 165,68% als Widerstand erhalten und nach unten sind Unterstützungslinien bei 163,45%, 162,25% und 160,50% zu registrieren. Das Benennen von drei Unterstützungen versus nur einem Widerstand sollte zwar nicht überbewertet werden, aber infolge des rasanten Anstiegs über einen Zeitraum von vielen Wochen ist natürlich die Gefahr von Gewinnmitnahmen nicht von der Hand zu weisen. Sollte es dazu kommen, dann kennt man zumindest die möglichen Haltepunkte, an denen man noch aussteigen könnte.

Deutschland zahlt für 30 Jahre 0,65% p.a.

Während sich die Eurostaaten in Zurückhaltung übten, schöpften die USA in dieser Handelswoche aus dem Vollen. So wurden für 233 Mrd. USD Geld- und Kapitalmarktpapiere zum Kauf angeboten. Für alle Interessierten sollte aufgrund der Fälligkeitspalette etwas dabei gewesen sein. T-Bills für 127 Mrd. USD mit Laufzeiten zwischen 4 und 52 Wochen sowie T-Notes für 106 Mrd. USD mit Laufzeiten von 2, 5, 7 und 30 Jahren. Aufgelegt wurden aber nicht nur Straight Bonds, sondern auch 13 Mrd. USD als 2-jähriger Floater und 5 Mrd. USD als 30-jährige inflationsindexierte Anleihe.

Die Auktionen in Euroland (für ca. 4 Mrd. €) erfolgten auf Initiative der Slowakei, Belgiens und der Bundesrepublik Deutschland. Zum einen wurden die beiden slowakischen Anleihen (A181DY / 2023 ; A1ZUZV / 2027) und diverse belgischen Staatsanleihen (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A1Z6P2 / 2038) aufgestockt. Aber auch Deutschland erhöhte das Emissionsvolumen der noch mit einer Restlaufzeit von 30 Jahren ausgestatteten Anleihe (110234) um 1 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. €. Die Zuteilung der 1,6-fach überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,65%.

Auch nach einem Brexit werden die Briten bei der EM nicht ausgeschlossen

Die Woche der Wahrheit ist nun endlich angebrochen und die Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU steht unmittelbar bevor. Bei der EM in Frankreich ist das Königreich noch bestens vertreten, denn mit Nordirland, Wales und England stehen gleich drei Teams aus Großbritannien bereits im Achtelfinale.

Im Vorfeld dieser geschichtsträchtigen Entscheidung zeigte sich das britische Pfund stärker als in der Woche zuvor, begründet wird dies mit einer gestiegenen Wahrscheinlichkeit der Briten pro Europa. So verteuerte sich das Pfund-Sterling zum Euro von 0,7994 GBP bis auf aktuell 0,7673 GBP.

Das Devisenpaar EUR/USD ist wie bereits in der vergangenen Berichtswoche als volatil zu bezeichnen. Die europäische Gemeinschaftswährung bewegte sich gegenüber dem Greenback in einer Handelsrange zwischen 1,1131 USD und 1,1382 USD. Zur Stunde handelt sie bei ca. 1,1340 USD.

Diese Handelswoche ist geprägt von der Unsicherheit bezüglich dem Ausgang des EU-Referendums und deshalb halten sich die Anleger mit ihren Engagements merklich zurück. Nichtsdestotrotz waren bei verschiedenen Währungsanleihen Umsatztätigkeiten zu beobachten. Hierzu zählten insbesondere Bonds auf US-Dollar, türkische Lira, russische Rubel sowie auch vereinzelt britische Pfund.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Brexit-Angst lässt 10-jährige Bunds unter die Nulllinie rutschen

Was sich die vergangenen Tage am Kapitalmarkt bereits angedeutet hat, ist nun eingetreten: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den negativen Bereich abgerutscht. Am Dienstag rentierten „Bunds“ mit zehnjähriger Laufzeit (110239) in der Spitze mit minus 0,034%. Auch eine Bundesanleihe (113504) mit 11 Jahren Laufzeit (7/2027), die bei rund 172,65% notiert, wies mit ca. minus 0,06% ebenfalls eine negative Rendite aus. Zwischenzeitlich hat das Pendel zwar wieder leicht zurückgeschlagen, aber Fakt ist, dass die Rendite von „Bunds“ mit einer Restlaufzeit von etwas über 10 Jahren derzeit um die Nulllinie schwankt. Erst Laufzeiten von mehr als 13 Jahren rentieren leicht positiv, wie ein Titel (113514) mit Fälligkeit 1/2030 zeigt, der eine Mini-Rendite von 0,02% abwirft.

Eine Hauptursache der negativen Zinsentwicklung ist in der um sich greifenden Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu sehen. Die Unsicherheit, die ein Brexit mit sich bringen würde, veranlasst Anleger dazu, Aktien abzustoßen und in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen stabiler Länder zu fliehen. Genährt wird die Angst vor dem Brexit durch jüngste Umfragen, welche eine Mehrheit für den Austritt am 23. Juni, dem Tag des Referendums, widerspiegeln.

Negative Zinsen werden aus Sicherheitsgründen offenbar in Kauf genommen. Die Risikolaune der Investoren, welche die Aktienmärkte noch bis Mitte vergangener Woche beflügelt hatte, ist also verflogen. Und nun kollidiert die Nachfrage der Anleger am Rentenmarkt mit der der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem Ankaufprogramm die Renditen am Markt ohnehin schon kräftig nach unten gedrückt hat. Parallel zu den Renditen der Bundesanleihen rutschten auch die Devisenkurse von Euro und Pfund Sterling ab.

Doch neben der Brexit-Angst ist es auch eine allgemeine Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft, die sich wiederum in einem Nachgeben der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, widerspiegelt. Unterm Strich ist daher nicht zu erwarten, dass die negative Renditeentwicklung das Ende der Fahnenstange erreicht hat, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) beteuert, sich der Grenzen ihrer Negativzinspolitik bewusst zu sein. „Wir haben nicht vor, die gegenwärtigen Levels dramatisch zu verändern“, hatte der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio diese Woche verlauten lassen. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen durch das Ankaufprogramm der EZB, das mindestens bis Frühjahr 2017 läuft, hoch bleiben wird. Nicht umsonst prüft die Commerzbank, ob sie einen Teil des Bargelds künftig in Tresoren einlagern soll, anstatt es bei der EZB mit minus 0,4% anzulegen.

Natürlich begünstigt eine negative Rendite bei Bundesanleihen zunächst den Bundesfinanzminister, der beim Schuldenmachen nun eben auch im zehnjährigen Bereich Geld verdient. Allerdings zeigt es auch, dass die Kapitalmärkte nicht mehr funktionieren, was unter anderem Versicherer und Pensionsfonds noch stärker unter Druck setzt. So erachtet der Branchenverband der Versicherungen (GDV) die stark gefallenen Renditen als eines der größten Stabilitätsrisiken überhaupt.

Bereits seit März befinden sich auch die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen im Minus-Bereich (aktuell: -0,209%). In der Schweiz liegt die Rendite für Zehnjährige mit -0,553% sogar noch deutlicher unter Null.

Wie ansteckend ist der Brexit-Virus?

So, wie es aussieht, haben die Befürworter eines Brexits in den Umfragen mehr als nur die Nase vorn. Beschließen die Briten am 23. Juni tatsächlich den Austritt aus der EU, so wird dies wohl zu einem Schicksalstag für Europa werden.

Fest steht, dass der Austritt neben den konkret neu zu regulierenden Beziehungen zwischen EU und UK gravierende Konsequenzen für ganz Europa haben würde. Schwächeres Wachstum und weniger Handel dürften die Folgen sein. Die Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zu Großbritannien würde sicherlich zu einer Zurückhaltung bei Investoren führen.

Die Crux der Brexit-Gegner scheint zu sein, dass sie es bisher kaum geschafft haben, positive Gründe zugunsten eines Verbleibs in der EU vorzubringen. Vielmehr lesen sich ihre Argumente im Stile einer Angstkampagne so, als müsse das Vereinigte Königreich über die Apokalypse oder den Verbleib in einem Staatenbund abstimmen.

Und den darf ein Land laut Artikel 50 des Vertrags von Lissabon auch wieder verlassen. Eine Neuordnung der britischen Beziehungen zur EU nach einem EU-Austritt würde laut EU-Ratspräsident Donald Tusk bis zu sieben Jahre in Anspruch nehmen. Allein eine Auflösung aller vertraglichen Verbindungen würde zwei Jahre dauern. Jedes einzelne der dann 27 EU-Mitgliedsländer sowie das Europäische Parlament müssten anschließend einer ausgehandelten Neuordnung zustimmen. „Das wird mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, und ich fürchte, ohne jede Erfolgsgarantie”, sagte Tusk der „Bild“.

Und wie könnte sich der Virus des Brexit auf andere Mitgliedsstaaten auswirken? Wäre es möglich, dass bei einem Votum zugunsten des Brexits noch mehr Länder dem Beispiel eines Referendums folgen wollten? Er könne jedenfalls nicht ausschließen, dass der britische Austritt Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern. Dies hatte vor kurzem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingeräumt. Vielleicht würde ja eine Wirtschaftskrise in Großbritannien, zu der es als Folge des Brexits kommen würde, Nachahmer von der Austrittsidee wieder abschrecken und sie gegen den Brexit-Virus immunisieren. Es könnte aber auch anders kommen.

Der Blick auf die Notenbanken

Der heutige Donnerstag steht ganz im Zeichen dreier Notenbanken. Bereits am gestrigen Abend hat im Anschluss an eine zweitägige Fed-Sitzung eine Pressekonferenz der Präsidentin der amerikanischen Notenbank (Fed), Janet Yellen, stattgefunden. Und heute wird es auch die turnusgemäße Sitzung bei der Bank of England geben, der im Hinblick auf das anstehende Brexit-Referendum große Bedeutung zukommt.

Im Vorfeld hat bereits in den frühen Morgenstunden die Bank of Japan (BoJ) von weiteren geldpolitischen Anreizen abgesehen, was bei Investoren für Enttäuschung sorgte.

Mit einem einstimmigen Beschluss eröffnete die Fed den Reigen. Die Zinsen verbleiben auf dem bisherigen Niveau und wider Erwarten wurden in der anschließenden Pressekonferenz weder der Brexit noch andere spezifische Risiken erwähnt. Mit verantwortlich für diesen Entscheid waren sicherlich die schwachen US-Arbeitsmarktdaten und auch die gestrigen Daten zur Industrieproduktion. Es scheint so, als würden die US-Notenbanker immer mehr von ihrem ursprünglichen Plan Abstand nehmen und eine mögliche Zinserhöhung erst im September wieder auf der Agenda stehen.

Bei der Bank of England (BoE) beschäftigt man sich allerdings auch heute nicht mit einer möglichen Zinsanhebung, die vor vielen Monaten in England immer wieder heiß diskutiert wurde, sondern mit den Auswirkungen eines möglichen Brexits. Eine Warnung der Notenbanker gilt als sehr wahrscheinlich, da die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien vorerst nicht zu überblicken sind. Allem Anschein nach werden nur die negativen Folgen von den Brexit-Gegnern thematisiert, und eine positive Herausstellung von den Vorteilen einer Mitgliedschaft findet nicht statt.

Man darf gespannt sein, ob auch in diesem Fall wieder die Notenbanker die eigentliche Arbeit der vom Volk gewählten Vertreter übernehmen und die Vorteile beim Namen nennen. Sicherlich wird sich die BoE mit entsprechenden Maßnahmen darauf vorbereiten, sollte es am kommenden Donnerstag, dem Tag der Wahrheit, zu großen Marktturbulenzen kommen. So könnte auch die Wiederbelebung des bestehenden QE-Programms eine Option sein. Die Bekanntgabe eines solchen Beratungsergebnisses würde sicherlich im Vorfeld des Referendums einer Beruhigungspille für die Finanzmärkte gleichkommen.

Bundesbank will USA bei IWF-Finanzierung wieder ins Boot holen

Die Bundesbank will dem Internationalen Währungsfonds (IWF) demnächst auslaufende Kredite nicht so ohne weiteres verlängern. Von Oktober an laufen nach und nach bilaterale Kreditlinien zwischen dem Fonds und seinen Mitgliedsländern im Umfang von 430 Mrd. USD aus. Der Betrag war von den Zentralbanken mehrerer Industriestaaten dem IWF während der Hochphase der Eurokrise für Notfälle zur Verfügung gestellt worden.

Dem IWF wäre es nun am liebsten, wenn diese Gelder einfach verlängert würden. Dieser Wunsch stößt aber bei der Bundesbank auf wenig Gegenliebe. Die aktuelle Ressourcenausstattung des Fonds sei recht komfortabel, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem „Handelsblatt”. Immerhin waren die regulären Mittel für den Fonds erst kürzlich erhöht worden. Zusammen mit Mitteln aus regulären Kreditvereinbarungen verfügt der IWF über 930 Mrd. USD Eigenkapital, von denen 650 Mrd. USD für weltweite Kriseneinsätze sofort verfügbar sind.

Die Bundesbank, welche sich mit 41,5 Mrd. € an den bilateralen Krediten beteiligt hatte, will den Fonds nach eigenen Worten nicht knapp halten. Sie will aber lieber die regulären Mittel, also die Quoten, die jedes Mitgliedsland aufbringt, weiter erhöhen. Dadurch wären auch die USA, der größte IWF-Aktionär, wieder mit von der Partie. Schließlich waren die bilateralen Kredite nur deshalb gewährt worden, weil die USA fünf Jahre lang eine Quotenerhöhung blockiert hatten. Weil dies nun nicht mehr der Fall ist, will die Bundesbank wieder zurück zu regulären Finanzierungsmitteln. Es handelt sich also eigentlich nicht um einen Streit zwischen IWF und Bundesbank, sondern um den Versuch der Bundesbank die USA bei der IWF-Finanzierung wieder stärker ins Obligo zu nehmen.

China pocht auf Status einer Marktwirtschaft

Die Volksrepublik China will von der EU als Marktwirtschaft anerkannt werden. Dieser Status war dem Reich der Mitte in einem vor 15 Jahren geschlossenen Vertrag in Aussicht gestellt worden. Nun drohen die Chinesen, falls China die Anerkennung verweigert wird, könnte dies in einen Handelskrieg münden.

Hintergrund des Disputs ist der Umstand, dass die Gewährung des Marktwirtschaftsstatus‘ China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen würde, die unter anderem in der Stahlkrise relevant geworden sind. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte dem „Spiegel“ gesagt, China könne den Status einer Marktwirtschaft erst erhalten, wenn es sich auch so verhalte. Peking beruft sich bei seiner Forderung auf Artikel 15 des Vertrags für den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) von 2001, in welchem dem Land für Dezember 2016 die Anerkennung als Marktwirtschaft versprochen worden ist.

Ob sich die EU rein rechtlich der vertraglichen Zusage wird entziehen können, ist fraglich, auch wenn die EU-Abgeordneten im Mai wegen chinesischer Billigimporte gegen eine Einstufung Chinas als Marktwirtschaft votiert hatten.

Griechenlands Zentralbank macht Druck

Obwohl in den vergangenen Wochen immer nur noch nach Großbritannien geblickt wird, ist auch an der „Großbaustelle Griechenland“ weiterhin nicht alles zum Besten gerichtet. Eigentlich könnte man auch konstatieren: „Alles beim Alten“. Doch die Zeit drängt, denn Griechenland ist auf die Auszahlung von 10,3 Mrd. € angewiesen. Die in diesem Zusammenhang von den Gläubigern geforderten Steuererhöhungen sieht der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras als das größte Risiko für die bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogene hellenische Wirtschaft an. So wird auch für das laufende Jahr von einer Schrumpfung des BIPs um 0,3% ausgegangen. Jede Steuererhöhung, jede Verzögerung bei Reformvorhaben und Privatisierungen lässt die Zuversicht an ein Überwinden der Krise schwinden.

Aus diesem Grund wird inzwischen seitens der griechischen Notenbank vehement ein Entgegenkommen der europäischen Partner in Form von Schuldenerleichterung und einer geringeren Vorgabe beim Überschuss des Primärhaushalts gefordert. Die bisher von Griechenland geforderten 3,5% werden nur von wenigen Euroländern selbst erreicht, weshalb eine Reduzierung auf 2% zumindest aus Sicht Athens rechtens erscheint.

Diese Forderung kommt aus Sicht der EU-Staaten zu einer Unzeit, denn im Falle einer Zersplitterung der Europäischen Union wären die Pakete der einzelnen Mitgliedsländer nicht nur neu zu schnüren, sondern auch nicht unwesentlich schwerer.

Zweite Reihe feiert Euro-Anleihen Debüt

Das aktuell historisch tiefe Zinsumfeld und die Ankündigungen der EZB, nun auch in großem Stil Corporate Bonds anzukaufen, ermutigt auch den ein oder anderen bisher unbekannteren Emittenten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen.

So unter anderem auch Southern Power. Der US-amerikanische Versorger debütierte in Euro und emittierte gleich einen Anleihen-Doppelpack mit 1,1 Mrd. €. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe (A1828W) im Gesamtvolumen von 600 Mio. €. Die nominale Verzinsung beträgt 1% p.a. bis zum Laufzeitende am 20.06.2022. Der Ausgabepreis lag bei 99,342% (+105 bps über Mid Swap). Das zweite Papier (A1828X) ist 500 Mio. € schwer und bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,85% bis zur Fälligkeit am 20.06.2026. Ausgegeben wurde die Anleihe zu 99,855% und somit bei +140 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen entschied sich das Unternehmen zur Festschreibung der Mindeststückelung auf 100.000 € und eines vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Ebenso aktiv war das amerikanische Bekleidungsunternehmen PVH Corporation und legte eine 8-jährige 350 Mio. € schwere Anleihe (A183EC) mit Laufzeitende am 15.07.2024 auf. Der Investor erhält eine Verzinsung in Höhe von 3,625% jährlich. Die Anleihe wurde zu 100% emittiert (+386 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei dieser Anleihe wurde die Mindeststückelung von 100.000 € durch den Emittenten gewählt.

Aber nicht nur neue Emittenten nutzen die Gunst der Stunde. Die auch bei vielen Privatanlegern bekannte Otto GmbH & Co KG hat sich ebenfalls zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt entschieden. Hierbei wurde eine am 16.06.2023 fällige Anleihe (A2AAWQ) im Volumen von 250 Mio. € aufgelegt. Die jährliche Verzinsung beläuft sich auf 2,5% und bei einem Ausgabepreis von 99,21% ergab sich ein Emissionsspread von +245 bps über Mid Swap. In diesem Falle wurde neben der inzwischen weit verbreiteten Make-Whole-Option auch die bei Privatanlegern beliebte Mindeststückelung von 1.000 € gewählt.

Ziel erreicht! Und nun?

Es ist vollbracht. Sicherlich hat am Dienstag unser Finanzminister Wolfgang Schäuble in seiner schwäbischen Heimat ein „Viertele“ auf das Erreichen bzw. kurzzeitige Unterschreiten der Nulllinie bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen getrunken. In der Spitze notierte das Sorgenbarometer bei 165,61% und wurde im Zuge der Brexit-Diskussion seiner in der europäischen Finanzkrise verliehenen Bezeichnung gerecht.

Nach Erreichen der in Aussicht gestellten Ziellinie fragen sich allerdings jetzt alle Marktbeobachter: „Und nun?“ Die Beantwortung dieser Frage ist aber nicht eindeutig möglich, da zu viele unbekannte Größen die Lösung der Gleichung verhindern. Das ist in der Mathematik auch nicht anders. Doch ist mit einem kräftigen Anstieg der Zinsen auch in naher Zukunft nicht zu rechnen, da die Notenbanken weiterhin u.a. durch das Ankaufprogramm für eine künstliche Nachfrage sorgen und so die Renditen -aus Sicht der Investoren- im „Würgegriff“ haben. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf das anstehende EU-Referendum verwiesen, dessen Ausgang zu Verwerfungen führen und massive Interventionen seitens der Notenbanken auf den Plan rufen wird.

In solchen Zeiten bietet die Chartanalyse eine Möglichkeit, neutral den Kursverlauf des Euro-Bund-Future zu bewerten. Hieraus ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 165,10%. Sollte das Rentenbarometer allerdings unter die psychologisch wichtige Marke von 165% fallen, so ist eine Korrektur bis in den Bereich von 164,20% möglich. Nach oben wird vorerst der bisherige Höchstkurs bei 165,61% das Maß aller Dinge bleiben. Aktuell notiert der September-Kontrakt bei 165,38%.

Eurostaaten stocken 11 Altemissionen auf

In dieser Woche zeigten sich die Eurostaaten Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien am Kapitalmarkt präsent und stockten diverse Altemissionen auf. Hierbei ist besonders das Auftreten Finnlands, welches das Volumen der 10-jährigen Anleihe (A18YM5) um 1 Mrd. € zu einer Rendite von 0,311% auf insgesamt 5 Mrd. € erweiterte, zu nennen. Deutschland konnte im gleichen Laufzeitsegment das bisherige Emissionsvolumen um 4 Mrd. € auf insgesamt 26 Mrd. € erhöhen. Hierbei erfolgte die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe (lediglich Gebote für 3,656 Mrd. €) zu einer Durchschnittsrendite von 0,005%.

In den USA wurden in dieser Handelswoche nur Geldmarkttitel den interessierten Investoren zum Kauf angeboten. Das Gesamtvolumen von 102 Mrd. USD ergibt sich durch T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen für 45 Mrd. USD, von 3 Monaten für 31 Mrd. USD und von 6 Monaten für 26 Mrd. USD. In der kommenden Woche dürfen sich Anleger sogar der gesamten Angebotspalette (4 Wochen bis 30 Jahre als TIPS) erfreuen.

Wechselnde Pole-Position bei EUR/USD

Die Europameisterschaft in Frankreich läuft bereits seit fast einer Woche und die bisherige Erkenntnis lautet: Die Favoriten mühen sich ab und die Underdogs sorgen für die eine oder andere Überraschung.

Am Devisenmarkt hingegen bleiben größere Überraschungen noch aus. So ist beim Währungspaar EUR/USD momentan kein eindeutiger Favorit auszumachen. War in der Vorwoche der europäische Part noch klar auf der Siegerstraße, so sieht das Bild in dieser Woche wiederum ganz anders aus. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel in den vergangenen Handelstagen von ihrem Hoch bei 1,1415 USD bis auf 1,1186 USD zurück. Starke Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz stützten den US-Dollar und setzten den Euro unter Druck. In der Woche zuvor waren es noch schwache US-Arbeitsmarktdaten, die für ein gänzlich umgekehrtes Kursbild sorgten. Aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten bleibt die Stimmung angespannt und nervös. So wird sich beim europäisch/amerikanischen Devisenpaar womöglich noch mehrfach die Pole-Position ändern. Nach der gestrigen nicht erhellenden FOMC-Sitzung handelt der Euro heute Morgen bei 1,1275 USD.

Im Vorfeld der Abstimmung Großbritanniens zum Verbleib in der EU meiden die Anleger größtenteils das britische Pfund. Daher verbilligte sich das Pfund-Sterling gegenüber dem Euro und notierte zuletzt bei 0,7965 GBP, nachdem Ende Mai noch Devisenkurse von 0,7573 GBP festgestellt wurden.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds, aber auch Anleihen auf australische Dollar, norwegische Kronen und brasilianische Real fanden ihre Käufer.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Redaktion:

Robert Halver,

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Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

EZB-Programm sorgt für Verzerrung des Wettbewerbs

Der Start des EZB-Kaufprogramms für Unternehmensanleihen, das am gestrigen Mittwoch begann, hat seine Schatten längst vorausgeworfen. Schon im Vorfeld waren die Renditen von Corporate Bonds aufgrund der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zurückgegangen. So fiel der durchschnittliche Ertrag bei risikoarmen Anleihen mit Investment Grade laut Reuters am Montag auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Von dieser Marktentwicklung profitierten aber auch Anleihen von als risikoreicher eingestuften Emittenten. So rentiert ein Corporate Bond von Rheinmetall (A1EWSC) mit Laufzeit 9/2017 mit rund 0,40% und ein 8/2018 fälliger Titel von Thyssen-Krupp (A1R08U) wirft nur noch ca. 1,10% ab.

Klar ist, dass die EZB mit ihrer Entscheidung, neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen anzukaufen, massiv in das Spiel der Marktkräfte der Realwirtschaft eingreifen wird. Damit betreibt die Notenbank tatsächlich ihre eigene Version von Industriepolitik. Denn mit dem Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) wird sie zu einem der größten Investoren in Europa. Dies hat eine ganze Reihe von offenen Fragen zur Folge. Führt das Programm etwa zur unverhältnismäßigen Emission weiterer Corporate Bonds, was letztlich zu einer Schuldenblase beitragen könnte? Werden die Unternehmen das Geld in riskantere Geschäfte stecken, die sie ohne die Nachfrage der EZB gar nicht gemacht hätten?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Unternehmensanleihen in welchen Ländern und Branchen die EZB anzukaufen gedenkt. Es ist aufgrund der Komplexität der Märkte fast schon zwangsläufig, dass dies zu Verzerrungen des Wettbewerbs führen wird. Hinzu kommt, dass die Intensität der Finanzierung über Unternehmensanleihen in den Euroländern unterschiedlich ausgeprägt ist. Während Corporates in Frankreich sehr verbreitet sind, verschulden sich in Italien nur wenige Firmen am Bondmarkt. Wie weit die EZB den Rahmen ihres Programms steckt, zeigt auch der Umstand, dass die Muttergesellschaft des Emittenten, von dem Corporates angekauft werden, nicht zwingend im Euroraum sitzen muss.

Noch ist nicht klar, wie umfassend das CSPP ausfallen soll. Die Rede ist von immerhin 5 bis 10 Mrd. € pro Monat bei vermutlich 9 Monaten Laufzeit. Bei einer angenommenen Marktgröße von 700 Mrd. €, wie ihn die Deutsche Bank taxiert, würde die Notenbank mit Sicherheit zum größten Investor am europäischen Markt für Corporates aufsteigen. Hinweise zur weiteren Beurteilung des Programms liefert die EZB am 18. Juli, wenn sie erstmals Namen von den Emittenten nennen will, deren Titel sie bis dahin gekauft hat.

Anleihen in Fremdwährung sagen die Wahrheit

Seit Mario Draghi mit seiner legendären Ankündigung „What ever it takes“ im Jahre 2014 den Eurostaaten verbal unter die Arme gegriffen hat, ist viel passiert. Die Renditen in der Eurozone sind inzwischen auf ein Rekordtief gesunken und spiegeln sicherlich nicht mehr die damit verbundenen Risiken wider. So hat sich das Renditeniveau der 10-jährigen Anleihen innerhalb von 2 Jahren drastisch reduziert - in Frankreich von 2,217% auf 0,399%, in Italien von 3,432% auf 1,384%, in Spanien von 3,369% auf 1,422% und in Portugal von 4,577% auf 3,026%.

Wenn man sich diese Veränderungen anschaut, könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Märkten mit ihrer „Unbedenklichkeitserklärung“ die Richtung vorgegeben hat und alle Investoren, ohne ein schlechtes Gefühl zu haben, dies nicht mehr hinterfragen. Doch weit gefehlt, denn die Ankündigung hat in dieser Dimension nur die Renditen der Staatsanleihen, die auf Euro lauten, bewegt. Anleihen europäischer Wackelkandidaten, welche in anderen Währungen begeben wurden, werden unabhängig vom Renditeniveau nicht angekauft und geben somit ein realistisches Bild der Risikobewertung durch die Investoren ab.

So rentiert zum Beispiel eine portugiesische Staatsanleihe auf Euro und mit Fälligkeit 2024 (A1HKUP) aktuell mit ca. 2,80%. Die auf USD lautende Anleihe Portugals mit vergleichbarer Laufzeit (A1ZLWS) rentiert allerdings bei ca. 4,95%, was wiederum einen Aufschlag gegenüber US-Notes von +3,4 Prozentpunkten bedeutet. Eine belgische Anleihe (A1ZP0B) in USD mit vergleichbarer Endfälligkeit wirft aber nur 1,90% an Rendite ab. Das bedeutet gegenüber der amerikanischen Zinskurve lediglich einen Aufschlag von 0,3 Prozentpunkten.

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man eine Staatsanleihe Polens in USD, die ebenfalls im Jahre 2024 endfällig wird (A1VEF0), mit der portugiesischen Staatsanleihe vergleicht. Ohne die erhöhte Nachfrage seitens der EZB kann hierbei Polen mit einer Rendite von 2,84% und einem Aufschlag gegenüber amerikanischen T-Notes von +1,25 Prozentpunkten auf deutlich bessere Werte seitens der Investoren verweisen als Portugal mit seinen 4,95% Rendite. Sprich, Polen wird als vertrauenswürdiger eingeschätzt als Portugal.

Fazit: Wenn auch die EZB mit ihrem Ankaufprogramm die Finanzmärkte der Eurozone massiv beeinflusst, so ist der Einfluss auf Anleihen der gleichen Emittenten in anderen Währungen begrenzt. Oder anders ausgedrückt, Anleihen von Ländern der Eurozone, die nicht in Euro begeben wurden, sagen die Wahrheit, weil keine direkte Beeinflussung erfolgt.

EZB-Politik vor weiterer Nagelprobe

Ein Datum, das gut zu dem jüngsten Ankaufprogramm der EZB passt, ist der 21. Juni. An diesem Tag steht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum OMT-Programm (Outright Monetary Transactions) der EZB an. Die Karlsruher Richter befinden dabei über die Frage, ob die Bundesbank sich an der unbegrenzten Deckungszusage beteiligen darf, welche die EZB vor vier Jahren den Käufern von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer gegeben hat.

Wenn es nach der von der EZB geschaffenen Logik geht, brauchen Investoren die Pleite eines Landes, dessen Papiere sie erworben haben, nicht mehr zu fürchten. Denn bevor das Land in Konkurs geht, kauft die Notenbank die Schulden auf. Ein Antrag beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) genügt. Damit übernehmen die Steuerzahler der stabilen Euroländer das Konkursrisiko der Krisenländer.

Am 21. Juni geht es nun darum, ob die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bereits abgesegnete Regelung mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist oder ob nicht das Budgetrecht des Bundestags ausgehöhlt wird. Zwei Tage vor dem Votum über den Brexit stellt diese Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die EZB-Politik vor eine erneute Nagelprobe.

Umlaufrendite sackt in roten Bereich

Die Umlaufrendite der Bundesanleihen ist zum Wochenstart erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Am Montag fiel der Wert auf -0,02% und am gestrigen Mittwoch sogar auf -0,05%. Analog hierzu erreichte der Euro-Bund-Future neue Höchststände.

Die Umlaufrendite, die auch Sekundärmarktrendite genannt wird, ist die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, inländischen festverzinslichen Wertpapiere erster Bonität mit einer Restlaufzeit von 3 bis 30 Jahren - also vor allem Staatsanleihen.

Die Spanne der Renditen deutscher Staatsanleihen reicht von minus 0,525 % bei einer Laufzeit von einem Jahr bis zur Rendite von minus 0,03 % bei neunjähriger Laufzeit. Erst ab einer Laufzeit von 10 Jahren rentieren „Bunds“ wieder leicht positiv. Dies ist am Beispiel eines bis 2/2026 laufenden Bundestitels (WKN: 110239) abzulesen, der mit rund 0,05% rentiert. Eine Bundesanleihe (113527) mit einer Laufzeit von mehr als 20 Jahren (Fälligkeit 1/2037) wirft derzeit eine Rendite von ca. 0,51% ab.

Wider die gemeinsame Einlagensicherung

Der Widerstand aus Deutschland gegen die geplante europäische Einlagensicherung wächst. Während die EZB-Bankenaufsicht darauf drängt, sie zügig durchzusetzen, springen nun zehn hiesige Wirtschaftsverbände, darunter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH), den deutschen Banken und Sparkassen in ihrem Kampf gegen eine gemeinsame Einlagensicherung zur Seite. Auch die Bundesbank warnt ja schon seit geraumer Zeit vor dem Schritt.

Sicher, die Bankenunion ist mit Einführung einer gemeinsamen Aufsicht und einem Absicherungsfonds für Banken ordentlich vorangekommen. Und nun soll bis zum Jahr 2024 mit dem gemeinsamen Sparerschutz nach dem Willen der EU-Kommission der Bankenunion die Krone aufgesetzt werden. Die Kritik aus Deutschland an dem Unterfangen speist sich vor allem aus dem Umstand, dass es einen gemeinsamen Topf zur Absicherung nur geben kann, wenn für alle Banken dieselben Regeln gelten, was noch lange nicht der Fall ist. Die Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben hierzulande jeweils eigene Sicherungssysteme selbstverantwortlich aufgebaut, die nicht zur Entschädigung bei Bankpleiten in anderen Ländern herangezogen werden dürfen. Da wäre eine rote Linie überschritten, die sich deutschen Anlegern nicht vermitteln ließe. Denn eine zentralisierte Einlagensicherung würde weit über das Ziel hinausschießen und zu einer unkontrollierten Transferunion führen. Die Entkoppelung von Haftung und wirtschaftlicher Verantwortung wäre fatal.

Ein europäisches Einlagensicherungssystem könnte auch zu einer Vermischung von guten und schlechten Risiken führen. Es würde die Gefahr bestehen, dass finanzschwächere Banken versuchen, die Lasten auf den gemeinsamen Topf abzuwälzen, was wiederum zu erhöhter Unsicherheit in anderen Euroländern führen könnte. Das Ziel der Euro-Bankenaufsicht, mit der Vollendung der Bankenunion für mehr Sicherheit zu sorgen, wäre konterkariert.

Janet Yellens Worte auf der Goldwaage

Momentan schießen im Vorfeld jeder Sitzung der US-Notenbank (Fed) die Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung ins Kraut. Dazu tragen immer wieder Überinterpretationen der Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen bei, deren Worte viele Marktbeobachter auf die Goldwaage legen.

Wie Yellen nun diese Woche sagte, hält sie nach wie vor eine graduelle Anhebung des Leitzinsniveaus von derzeit zwischen 0,25% und 0,5% für „wahrscheinlich angemessen“, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung weiter günstig erweise. Damit hat sie eine zeitliche Festlegung wie noch vor rund zwei Wochen weggelassen, als sie sagte, eine Anhebung sei „in den nächsten Monaten wahrscheinlich angemessen“.

Aufgrund der bisherigen Kommentare aus dem Fed-Umfeld konnte man eine Zinsanhebung für die Sitzung im Juni oder Juli erwarten. Nun scheint Yellen den zeitlichen Horizont wieder zu weiten. Unter anderem gilt es, die Entscheidung über den Brexit am 23. Juni, vor dem die Fed-Chefin warnt, abzuwarten. Auch angesichts der wirtschaftlichen Beziehungen mit China ist es gegebenenfalls wichtig, das Pulver trocken zu halten. Und je mehr man sich mit der Entscheidung dem November nähern sollte, desto vorsichtiger gilt es zu taktieren. Denn dann stehen in den USA Präsidentschaftswahlen an.

Versorger nehmen den Markt in Anspruch

Von den aktuell niedrigen Rekord-Minirenditen beflügelt, hat sich Tennet Holding dazu entschlossen, eine Dualtranche an neuen Bonds zu begeben. Die Investoren versorgten das Unternehmen mit frischem Kapital von insgesamt 1 Mrd. €, hälftig verteilt auf beide Emissionen. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 10-jährige Anleihe (A182UP) mit jährlichem Kupon in Höhe von 1% bis zum Laufzeitende am 13.06.2026. Die Anleihe wurde mit +52 bps über Mid Swap bzw. zu 99,764% begeben. Bei der zweiten Tranche handelt es sich um eine 20-jährige Anleihe (A182UQ). Der Investor erhält hier eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,875% bis zur Endfälligkeit am 13.06.2036. Der Ausgabepreis lag bei 98,28% (Mid Swap +98 bps).

Auch der Immobilien-Finanzierer Vonovia Finance ließ sich mit einem Doppelpack im Gesamtvolumen von 1 Mrd. € am Markt blicken. Beide Anleihen besitzen ein identisches Emissionsvolumen von 500 Mio. €. Bei der ersten Anleihe (A182VS) handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe mit einer Nominalverzinsung von 0,875% über die gesamte Laufzeit. Die Anleihe wurde zu 99,53%, was einem Emissionsspread von +87 bps über Mid Swap entsprach. Der zweite Bond (A182VT) bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,5% bis zum Ende der Laufzeit am 10.06.2026. Das Pricing erfolgte zu 99,165% und somit bei +108 bps über Mid Swap.

Alle hier beschriebenen Bonds verfügen über ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option). Weiterhin haben sich die Emittenten jeweils für die Mindeststückelung von 100.000 € entschieden.

Die Null sehen und ….. ?

Diese Frage stellen sich aktuell alle Marktbeobachter, haben aber keine Antwort darauf. Rollover-Phasen sind immer etwas ganz Besonderes, aber in diesem Fall wurde fast unbemerkt ein neues Renditetief markiert. Das ist durch den geringeren Wert des September-Kontrakts nicht so deutlich geworden und es fehlt nur noch ein kleiner Schritt bis zur Null-Linie bei deutschen 10-jährigen Staatsanleihen. Momentan notiert das Rentenbarometer bei 164,54%. Die 165%-Marke hatten wir bereits im Juni-Kontrakt überschritten, aber im neuen Kontrakt reicht ein Wert bei ca. 165%, um das für Unmöglich gehaltene zu erreichen, die Null-Linie.

Doch was passiert dann? Sicherlich ist nicht auszuschließen, dass dieses niedrige Renditeniveau uns noch zwangsweise einige Monate, vielleicht auch Jahre begleiten wird. Allerdings ist allen Marktteilnehmern klar, wie das Ende aussehen wird, nur weiß niemand, wann es soweit ist.

Aus diesem Grunde wird oftmals die Charttechnik zu Rate gezogen. Dabei wird deutlich, dass der Bereich um die psychologische Marke von 165%, die identisch mit der Nullgrenze ist, eine Widerstandslinie darstellt. Nach unten ergibt sich in dem jüngsten Aufwärtstrend (seit Ende April) zuerst bei ca. 163,50% (diverse Hochs und Tiefs im Mai/Juni) eine kleine Unterstützung, die zusätzlich von der unteren Aufwärts-Trendkanallinie, die aktuell bei 162,92% verläuft, abgesichert wird.

Zumindest die Finanzminister sind glücklich

In den USA kehrte man in dieser Woche zur Normalität zurück und refinanzierte mittels Geld- und Kapitalmarkt insgesamt 153 Mrd. USD. Davon wurden 97 Mrd. USD als T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten offeriert. Die restlichen 56 Mrd. USD wurden als T-Notes mit einer Fälligkeit in 3 bzw. 10 Jahren sowie als 30-jährigen T-Bonds aufgelegt.

In Euroland war das Verlangen nach frischem Geld mit insgesamt 14 Mrd. € wesentlich geringer, wobei die Niederlande einen neuen Bond auflegte (A1VPZX / 2022). Darüber hinaus stockten neben Deutschland auch Österreich (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026) und Portugal (A0DY6V / 2021 ; A1ZU1M / 2025) Altemissionen auf. In Deutschland wurde hierbei zum einen das Emissionsvolumen der inflationindexierten Anleihe (103056 / 2026) um 1 Mrd. € auf insgesamt 7,5 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung der überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,81%. Zum anderen wurden auch die aktuellen 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110464 / 2018) um 5 Mrd. € auf insgesamt 10 Mrd. € aufgestockt. Hierfür lagen Zeichnungsaufträge für insgesamt ca. 6,5 Mrd. € vor und die Zuteilung wurde bei einer Durchschnittsrendite von -0,55% vorgenommen. Somit wurde auch in diesem Laufzeitsegment ein neuer Rendite-Tiefpunkt markiert.

Der Greenback musste Federn lassen

Am Freitag geht’s endlich los, die europäische Elite trifft sich in Frankreich. Dabei geht es aber nicht um die geldpolitische Ausrichtung Europas, sondern um Fußball. Es wird ein neuer Europameister gesucht. Im Vorfeld der EM versuchen viele Marktteilnehmer ihr Fachwissen in Tipprunden unter Beweis zu stellen.

Doch die wenigsten hätten wohl am vergangenen Freitag darauf getippt, dass der US-Arbeitsmarktbericht so überraschend schlecht ausfällt. Die doch sehr schwachen Daten hinterließen ihre Spuren am Devisenmarkt. Die europäische Gemeinschaftswährung schoss katapultartig bis auf 1,1374 USD in die Höhe, nachdem sie kurz zuvor noch bei ca. 1,1150 USD gehandelt wurde. Dieses Niveau wurde auch zum Wochenauftakt gehalten und nach einer Rede von Fed-Chefin Janet Yellen stieg der Eurokurs inzwischen sogar auf 1,1415 USD, den höchsten Stand seit Mitte Mai. Die Ungewissheit über die weiteren Zinsschritte der US-Notenbank Fed sorgt für einen schwachen US-Dollar und beflügelt gleichzeitig die gemeinsame Währung Europas. Heute Morgen handelt der Euro um die Marke von 1,1395 USD.

Etwas anders präsentiert sich der Euro im Vergleich zum Neuseeland-Dollar. Notierte der Euro noch Anfang Mai bei 1,6932 NZD, so zeigte sich die Kiwi-Währung in den vergangenen Wochen ziemlich robust und handelt nach dem heutigen Zinsentscheid aktuell bei 1,5965 NZD.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen im Fokus, aber auch US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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