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Author: Klaus Stopp

To brexit or not to brexit

Sagen die Briten nun „Goodbye, Europe” oder nicht? Zumindest auf der Aktienseite scheint das anstehende Referendum, mit dem Großbritannien am heutigen Donnerstag, 23. Juni, über den Verbleib in der Europäischen Union entscheidet, keinen Schrecken mehr einzujagen. So ist der DAX wieder stabil über 10.000 Punkte geklettert und auch der Pfund-Kurs hat sich erholt, nachdem sich sowohl die Umfrage-Ergebnisse als auch die Quoten der Buchmacher zum Teil deutlich zugunsten der EU-Befürworter verschoben haben. Das Motto des Tages ist allerdings dennoch: „Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit.”

Doch ginge es nach der Lautstärke des Applaus‘, so wären diese Woche freilich die Brexit-Freunde um Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London, als Sieger hervorgegangen. Johnson hatte sich vor einem Millionenpublikum im Fernsehen und 6.000 Zuschauern vor Ort einen verbalen Schlagabtausch mit dem neuen Londoner Bürgermeister und EU-Befürworter Sadiq Khan geliefert. Während Johnson, der ein bisschen wie der englische Bruder von Donald Trump wirkt, der Gegenseite polternd vorhielt, sie habe nichts als Furcht verbreitet, sagte Khan, die Brexit-Befürworter würden eine Hass-Kampagne gegen Zuwanderer führen. Johnson sei sich dabei auch für „dicke, fette Lügen” nicht zu schade.

Traditionell werden die Wähler kurz vor der Entscheidung aber wohl etwas vorsichtiger, weshalb auch die Hoffnung besteht, dass sich die Briten nicht von den teilweise nationalistischen Emotionen der Brexit-Kampagne einlullen lassen, sondern den Warnungen der Ökonomen glauben werden.

So versuchen Befürworter eines Austritts tatsächlich der Bevölkerung zu vermitteln, dass die EU den Briten im Fall eines Brexits einen speziellen Handelsdeal anbieten wird, was die negativen Folgen eines Austritts begrenzen würde. Die europäische Gemeinschaft könnte es sich nicht leisten, Abstriche beim Handel mit dem Königreich zu machen, sagen sie. Experten der Citigroup und andere gehen allerdings davon aus, dass es genau andersherum sein wird. Wäre der Handel zwischen Großbritannien und der EU behindert, so wäre die Wirkung für die Briten um einiges verheerender als für die anderen EU-Wirtschaften. Schließlich macht der Export von Gütern und Dienstleistungen in andere EU-Staaten 15% des britischen Bruttoinlandsprodukts aus. In die andere Richtung tragen Exporte der EU-Staaten nach Großbritannien im Schnitt gerade einmal 2,5% zu ihrem Bruttoinlandsprodukt bei.

Auch der Londoner City würde ein Aderlass drohen. Nicht nur verschiedene Institute der Finanzwirtschaft, die in UK für 12% des BIPs steht, haben den Abzug von Personal und Wertschöpfung in Richtung EU für den Brexit-Fall bereits angekündigt. Auch die europäische Bankenaufsichtsbehörde European Banking Authority (EBA), die in London angesiedelt ist, müsste Großbritannien den Rücken kehren.

Verhandlungen, die einem Votum für den Brexit folgen würden, kämen eher Scheidungsverhandlungen gleich. Wer einmal draußen ist, kommt nicht mehr durch die Hintertür der Verhandlungen wieder rein – gemäß dem Motto: There is no way back.

Immerhin haben sich die Spitzenklubs der Premier League für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Ein EU-Austritt würde die globale Ausrichtung der Liga konterkarieren, sagte der Chairman der Premier League, Richard Scudamore. Vielleicht ist es ja am Ende gar doch der Fußball, der den Ausschlag zugunsten der EU geben wird. Dann würden wir der englischen Fußballnationalmannschaft auch gerne eine erfolgreiche EM wünschen – eben bis zum Elfmeterschießen gegen das deutsche Team.

Karlsruhe winkt den EZB-Kurs durch

Zwei Tage vor dem Brexit-Referendum hat das Bundesverfassungsgericht (BuVerfG) in Karlsruhe den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise grundsätzlich gebilligt, aber gewisse Grenzen gesetzt. Demnach darf sich die Bundesbank an Maßnahmen der EZB beteiligen, die dazu dienen, einzelne Eurostaaten im Notfall gezielt durch Staatsanleihenkäufe in großem Stil zu unterstützen.

Laut BuVerfG verstößt die EZB mit dem Ankauf von Staatstiteln nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Das Urteil bestätigt damit die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach das sogenannte OMT-Programm („Outright Monetary Transactions”) mit EU-Recht vereinbar ist und in das Mandat der EZB fällt.

Allerdings machte Karlsruhe gewisse Einschränkungen, welche die EZB befolgen muss. So verlangt das BuVerfG, dass sich die Notenbank an die Vorgaben des EuGH hält, wonach bei den Anleihekäufen das Volumen vorab begrenzt werden muss und zwischen der Emission der Titel und dem Ankauf durch die EZB gewisse Mindestfristen liegen müssen. Darüber hinaus dürfen nur Schuldentitel von Ländern erworben werden, die Zugang zum Anleihemarkt haben.

Die deutschen Verfassungshüter schlossen sich damit im Kern einem Urteil des EuGH vom Sommer 2015 an. Der Senat habe zwar weiterhin Bedenken, sehe sich aber an die Luxemburger Rechtsprechung gebunden, sagte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle in Karlsruhe.

Der Richterspruch stellt damit weder einen Freibrief für die Notenbank noch eine Kapitulation vor der magischen Kraft des Faktischen dar, wie es die „Börsen-Zeitung“ sieht. Vielmehr bestätigt das BuVerfG mit dem Urteil die Unabhängigkeit der EZB, die man ihr seitens der Politik und der Kläger immer wieder versucht hat abzusprechen. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass Mario Draghis Versicherung von 2012, alles zu tun, um die Gemeinschaftswährung Euro zu schützen („Whatever it takes“), noch etwas weiter ging. Die EZB unternehme alles im Rahmen ihres Mandats („within the mandate of the ECB“), hatte der Präsident in einer Situation gesagt, in der nicht nur Griechenland und Zypern, sondern auch Spanien und Italien auf der Kippe standen.

Dies war ein solch deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl an die Adresse von Spekulanten, die sich gegen diese Länder in Stellung gebracht hatten, dass die angedeuteten Maßnahmen der EZB gar nicht eingesetzt werden mussten. Vielmehr hat Draghis Muskelspiel gezeigt, dass die Notenbank als so stark angesehen wird, dass es sich nicht lohnt, gegen sie zu zocken.

Dies soll nicht heißen, dass die insgesamt 37.000 Kläger mit Glanz und Gloria gescheitert sind. Natürlich haben sie eine Niederlage erlitten, aber sie haben auch vom BuVerfG bestätigt bekommen, dass eine direkte Staatenrettung durch die EZB mit Hilfe der Bundesbank nicht vorgesehen ist. Dies sollte der EZB bei künftigen geldpolitischen Maßnahmen eine Mahnung sein.

Renditebringer aus Singapur

Inzwischen ist es für Investoren ein sehr mühsames Unterfangen, sich auf die Suche nach Anleihen mit einer noch aussprechbaren Rendite zu machen. Oftmals müssen sie auf Emittenten der zweiten oder sogar der dritten Reihe ausweichen. Doch hierbei ist stets der Hinweis angebracht, dass für eine bestimmte Restlaufzeit eine vergleichbar hohe Rendite auch einem entsprechenden Risiko der Position entspricht.

Dieses Risiko meiden Privatanleger vielfach ganz bewusst und legen sich zur Diversifikation ihres Depots Fremdwährungsanleihen zu. Zur Wahl stehen hierbei die unterschiedlichsten Fremdwährungen mit entsprechenden Zinskurven. Gegenüber den bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen aktuell zu erzielenden Renditen (ca. 0,06%) erscheinen die US-Treasuries inzwischen wie aus einem Hochzinsland (1,70%). Doch das mit den US-Staatsanleihen verbundene Devisenrisiko ist nicht zu unterschätzen.

Somit geht die Suche nach Alternativen weiter. Insbesondere Länder mit moderatem Wirtschaftswachstum, stabilen Devisenkursen und einer niedrigen Inflation stehen in der Gunst der Investoren. Ein solches Land ist nach dem momentanen Stand der Dinge Singapur. So rentiert aktuell ein am 01.06.2026 endfälliger Singapur-Bond (A1VPUN) mit ca. 2,00% und die Währung handelt mit ca. 1,5160 SGD in der Tradingrange der vergangenen 14 Monate (1,4348 SGD und 1,6523 SGD).

Sollte das Geld noch längerfristig angelegt werden, so stehen auch Anleihen mit längeren Restlaufzeiten (A1A0SM / 2030 ; A1G3A9 / 2042) zur Verfügung. Aktuell wird die Inflationsrate in Singapur für den Monat April gegenüber dem Vormonat mit -0,5% und gegenüber dem Vorjahresmonat mit +0,8% angegeben. Doch auch bei diesen Bonds muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, das Zins- und Devisenänderungsrisiko zu tragen.

Russland-Sanktionen gehen in die Verlängerung

Während man sich in Brüssel anschickt, die für alle Beteiligten schmerzhaften Russland-Sanktionen um sechs Monate zu verlängern, umgarnt Russlands Staatschef Vladimir Putin die EU, um genau dies zu verhindern. Seine Signale, wonach sein Land nicht nachtragend sei, kamen aber zu spät. Die EU hält den Druck auf Russland aufrecht. So haben die Botschafter der EU-Einzelstaaten der Verlängerung der Sanktionen inzwischen zugestimmt – eine Entscheidung, die voraussichtlich am morgigen Freitag auf Ebene des EU-Rats abgesegnet werden dürfte. Es gebe zwar Fortschritte, aber eben nicht genügend. So lautet der Tenor in Brüssel bei Betrachtung der Situation in der Ostukraine. „Die Bedingungen für eine Aufhebung seien nicht gegeben. Die Vereinbarung von Minsk wird nicht respektiert“, hatte der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault gesagt. Dies sei erst der Fall, wenn das Waffenstillstandsabkommen für die Ostukraine voll umgesetzt sei.

Mit der Verlängerung der Sanktionen bis Ende Januar 2017 wollen die Europäer weiterhin Druck auf Moskau ausüben. Denn noch immer gibt es fast täglich Gefechte zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee und somit hat die Regierung in Kiew keine Kontrolle über ihre Grenze zu Russland. Es ist längst geplant gewesen, Wahlen in jenen Gebieten abzuhalten, die von den Separatisten kontrolliert werden.

Bereits vor kurzem hat die EU die Krim-Sanktionen gegen Russland um ein Jahr - bis zum 23. Juni 2017 - verlängert. Diese Strafmaßnahmen umfassen Beschränkungen für den Im- und Export von Waren und Investitionen. So dürfen Europäer keine Immobilien auf der Krim erwerben und es gilt ein Verbot für Tourismusdienstleistungen.

Die nun zu beschließenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die bis 31. Juli laufen, sollen ergänzend sein und richten sich unter anderem gegen russische Staatsbanken, den Handel mit Rüstungsgütern und die russische Energiewirtschaft. Umgekehrt hatte Russland Gegensanktionen verhängt, welche die europäische Wirtschaft empfindlich getroffen haben.

Aber vielleicht läuten die jüngsten Signale Putins doch das Ende der Sanktionen ein, dessen Zeitpunkt nur verschoben worden ist. Sein Aufruf, das Vertrauen in die Beziehungen von Russland und der EU wiederherzustellen, sollte in Brüssel als Chance und Gesprächsangebot begriffen werden.

Macht die EZB Hellas-Anleihen wieder salonfähig?

Griechenland soll wieder an die normale Geldversorgung der Europäischen Zentralbank (EZB) angedockt werden, indem die EZB auch griechische Staatsanleihen kaufen kann. Ab kommendem Mittwoch werden griechische Staatsanleihen trotz ihres Ramschstatus wieder als Kreditsicherheiten von der EZB akzeptiert. Daraus folge aber nicht automatisch die Zulassung zum laufenden Anleihen-Kaufprogramm der Notenbank, hat hierzu allerdings ihr Präsident Mario Draghi in Brüssel verlauten lassen.

Das Pikante daran ist, dass die Regeln zum EZB-Ankaufprogramm offenbar sehr flexibel auszulegen sind. Erst am Dienstag hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank nur zulässig ist, wenn die Länder auch entsprechend auf dem Kapitalmarkt agieren können.

Indessen haben Hellas‘ internationale Geldgeber die nächste Finanztranche für das schuldengeplagte Land freigegeben. Demnach hat Athen diese Woche - im Windschatten von drohendem Brexit und der Fußball-EM - Hilfsgelder in Höhe von 7,5 Mrd. € erhalten. 5,7 Mrd. € davon sollen dazu dienen, griechische Schulden beim IWF und der EZB zurückzuzahlen. Mit den restlichen 1,8 Mrd. € soll Zahlungsverpflichtungen gegenüber Inländern nachgekommen werden, wovon man sich auch einen gewissen Schub für die Wirtschaft erhofft.

Zurückhaltung am Primärmarkt für Corporates Bonds und Financials

Die Anspannung der Marktteilnehmer über den Ausgang des Brexit-Referendums am heutigen Donnerstag lässt sich in diesen Tagen nicht nur anhand der hohen Volatilitäten an den Märkten ablesen, sondern spiegelt sich auch in der Zurückhaltung der Unternehmen zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt wider. In dieser Woche wurden lediglich 1,3 Mrd. € durch den kanadischen Getränkehersteller Cott sowie die beiden französischen Unternehmen Christian Dior und Eutelsat aufgenommen.

Den Anfang machte Eutelsat (A183EZ) mit einem 500 Mio. € schweren Bond, welcher am 23.06.2021 fällig ist. Der Telekommunikationsdienstleister bietet seinen Kunden eine jährliche Verzinsung von 1,125% und die Anleihe wurde zu 99,894% emittiert. Dies kommt einem Emissionsspread von +164,20 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleich.

Das für luxuriöse Mode bekannte Unternehmen Christian Dior (A183JL) emittierte 350 Mio. € mit einer Laufzeit bis zum 24.06.2021. Dior zahlt seinen Gläubigern einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,75%. Der Ausgabepreis lag bei 99,902%, was einem Emissionsspread von +82 bps über Mid Swap entsprach.

Zu guter Letzt wagte sich der kanadische Getränkehersteller Cott Finance (A183E2) an den Kapitalmarkt und konnte 450 Mio. € einsammeln. Der Bond bietet seinen Anlegern eine jährliche Verzinsung von 5,5%, die jeweils hälftig am 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres ausgezahlt wird. Der 8-jährige Bond ist am 01.07.2024 fällig und wurde zu pari begeben (+575 bps über der vergleichbaren 1,5% Bundesanleihe mit Fälligkeit am 15.05.2024).

Alle Emittenten statteten ihre Anleihen mit einem vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) sowie einer Mindeststückelung von 100.000 € aus. Aufgrund der gewählten Mindeststückelung werden sich eher institutionelle Anleger die Bonds in ihre Depots legen.

In Erwartung großer Volatilitäten

Die vergangenen Handelstage waren ein Spiegelbild der Brexit-Wettquoten bzw. der neuesten Umfrage-Ergebnisse. Hatte man vor Monaten noch unaufgeregt diesem Datum entgegengeblickt, so nahm die Nervosität in dieser Woche von Tag zu Tag zu. Dies war zwar auch an der Tradingrange beim Euro-Bund-Future (164,08% / 165,68%) abzulesen, aber noch deutlicher wurde es beim 30-jährigen Euro-Buxl-Future. Die Handelsrange innerhalb von 5 Tagen von über 7,5 Prozentpunkten ist auch bei dieser Restlaufzeit eher selten zu beobachten.

Somit stehen wir bei allen auf hohem Level korrigierten September-Kontrakten vor einem abwartenden Handelstag mit geringen Umsätzen. Da die meisten Investoren allerdings den Rentenmarkt weiterhin von der Long-Seite angehen, ist eine weitere Korrektur der Märkte nicht auszuschließen. Zusätzlich ist aber auch zu bedenken, dass sich alle Endinvestoren für eine bestimmte Art der Positionsführung entschieden haben und diese nur bei extremen Marktausschlägen adjustieren werden. Daher bleibt allen Marktteilnehmern nur die Möglichkeit, mit dem britischen Motto: „Abwarten und Tee trinken“ an die Sache heranzugehen. Am Freitag werden sich die Europäer ab ca. 5:00 Uhr an das Beurteilen des Endergebnisses wagen, um am Nachmittag und im Laufe der kommenden Woche festzustellen, zu welchem Ergebnis die ausländischen Investoren kamen.

Devisenkursverschiebungen und massive Interventionen seitens ausländischer Investoren werden hierbei den Takt vorgeben und nicht die innereuropäischen Marktteilnehmer. Dies gilt für alle Bereiche des Finanzmarktes, Aktien und Renten.

Dennoch ist es sicherlich nicht falsch, die Chartechnik zu Rate zu ziehen. Nach oben bleibt das bisherige Hoch bei 165,68% als Widerstand erhalten und nach unten sind Unterstützungslinien bei 163,45%, 162,25% und 160,50% zu registrieren. Das Benennen von drei Unterstützungen versus nur einem Widerstand sollte zwar nicht überbewertet werden, aber infolge des rasanten Anstiegs über einen Zeitraum von vielen Wochen ist natürlich die Gefahr von Gewinnmitnahmen nicht von der Hand zu weisen. Sollte es dazu kommen, dann kennt man zumindest die möglichen Haltepunkte, an denen man noch aussteigen könnte.

Deutschland zahlt für 30 Jahre 0,65% p.a.

Während sich die Eurostaaten in Zurückhaltung übten, schöpften die USA in dieser Handelswoche aus dem Vollen. So wurden für 233 Mrd. USD Geld- und Kapitalmarktpapiere zum Kauf angeboten. Für alle Interessierten sollte aufgrund der Fälligkeitspalette etwas dabei gewesen sein. T-Bills für 127 Mrd. USD mit Laufzeiten zwischen 4 und 52 Wochen sowie T-Notes für 106 Mrd. USD mit Laufzeiten von 2, 5, 7 und 30 Jahren. Aufgelegt wurden aber nicht nur Straight Bonds, sondern auch 13 Mrd. USD als 2-jähriger Floater und 5 Mrd. USD als 30-jährige inflationsindexierte Anleihe.

Die Auktionen in Euroland (für ca. 4 Mrd. €) erfolgten auf Initiative der Slowakei, Belgiens und der Bundesrepublik Deutschland. Zum einen wurden die beiden slowakischen Anleihen (A181DY / 2023 ; A1ZUZV / 2027) und diverse belgischen Staatsanleihen (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A1Z6P2 / 2038) aufgestockt. Aber auch Deutschland erhöhte das Emissionsvolumen der noch mit einer Restlaufzeit von 30 Jahren ausgestatteten Anleihe (110234) um 1 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. €. Die Zuteilung der 1,6-fach überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,65%.

Auch nach einem Brexit werden die Briten bei der EM nicht ausgeschlossen

Die Woche der Wahrheit ist nun endlich angebrochen und die Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU steht unmittelbar bevor. Bei der EM in Frankreich ist das Königreich noch bestens vertreten, denn mit Nordirland, Wales und England stehen gleich drei Teams aus Großbritannien bereits im Achtelfinale.

Im Vorfeld dieser geschichtsträchtigen Entscheidung zeigte sich das britische Pfund stärker als in der Woche zuvor, begründet wird dies mit einer gestiegenen Wahrscheinlichkeit der Briten pro Europa. So verteuerte sich das Pfund-Sterling zum Euro von 0,7994 GBP bis auf aktuell 0,7673 GBP.

Das Devisenpaar EUR/USD ist wie bereits in der vergangenen Berichtswoche als volatil zu bezeichnen. Die europäische Gemeinschaftswährung bewegte sich gegenüber dem Greenback in einer Handelsrange zwischen 1,1131 USD und 1,1382 USD. Zur Stunde handelt sie bei ca. 1,1340 USD.

Diese Handelswoche ist geprägt von der Unsicherheit bezüglich dem Ausgang des EU-Referendums und deshalb halten sich die Anleger mit ihren Engagements merklich zurück. Nichtsdestotrotz waren bei verschiedenen Währungsanleihen Umsatztätigkeiten zu beobachten. Hierzu zählten insbesondere Bonds auf US-Dollar, türkische Lira, russische Rubel sowie auch vereinzelt britische Pfund.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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85716 Unterschleißheim

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Brexit-Angst lässt 10-jährige Bunds unter die Nulllinie rutschen

Was sich die vergangenen Tage am Kapitalmarkt bereits angedeutet hat, ist nun eingetreten: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den negativen Bereich abgerutscht. Am Dienstag rentierten „Bunds“ mit zehnjähriger Laufzeit (110239) in der Spitze mit minus 0,034%. Auch eine Bundesanleihe (113504) mit 11 Jahren Laufzeit (7/2027), die bei rund 172,65% notiert, wies mit ca. minus 0,06% ebenfalls eine negative Rendite aus. Zwischenzeitlich hat das Pendel zwar wieder leicht zurückgeschlagen, aber Fakt ist, dass die Rendite von „Bunds“ mit einer Restlaufzeit von etwas über 10 Jahren derzeit um die Nulllinie schwankt. Erst Laufzeiten von mehr als 13 Jahren rentieren leicht positiv, wie ein Titel (113514) mit Fälligkeit 1/2030 zeigt, der eine Mini-Rendite von 0,02% abwirft.

Eine Hauptursache der negativen Zinsentwicklung ist in der um sich greifenden Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu sehen. Die Unsicherheit, die ein Brexit mit sich bringen würde, veranlasst Anleger dazu, Aktien abzustoßen und in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen stabiler Länder zu fliehen. Genährt wird die Angst vor dem Brexit durch jüngste Umfragen, welche eine Mehrheit für den Austritt am 23. Juni, dem Tag des Referendums, widerspiegeln.

Negative Zinsen werden aus Sicherheitsgründen offenbar in Kauf genommen. Die Risikolaune der Investoren, welche die Aktienmärkte noch bis Mitte vergangener Woche beflügelt hatte, ist also verflogen. Und nun kollidiert die Nachfrage der Anleger am Rentenmarkt mit der der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem Ankaufprogramm die Renditen am Markt ohnehin schon kräftig nach unten gedrückt hat. Parallel zu den Renditen der Bundesanleihen rutschten auch die Devisenkurse von Euro und Pfund Sterling ab.

Doch neben der Brexit-Angst ist es auch eine allgemeine Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft, die sich wiederum in einem Nachgeben der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, widerspiegelt. Unterm Strich ist daher nicht zu erwarten, dass die negative Renditeentwicklung das Ende der Fahnenstange erreicht hat, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) beteuert, sich der Grenzen ihrer Negativzinspolitik bewusst zu sein. „Wir haben nicht vor, die gegenwärtigen Levels dramatisch zu verändern“, hatte der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio diese Woche verlauten lassen. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen durch das Ankaufprogramm der EZB, das mindestens bis Frühjahr 2017 läuft, hoch bleiben wird. Nicht umsonst prüft die Commerzbank, ob sie einen Teil des Bargelds künftig in Tresoren einlagern soll, anstatt es bei der EZB mit minus 0,4% anzulegen.

Natürlich begünstigt eine negative Rendite bei Bundesanleihen zunächst den Bundesfinanzminister, der beim Schuldenmachen nun eben auch im zehnjährigen Bereich Geld verdient. Allerdings zeigt es auch, dass die Kapitalmärkte nicht mehr funktionieren, was unter anderem Versicherer und Pensionsfonds noch stärker unter Druck setzt. So erachtet der Branchenverband der Versicherungen (GDV) die stark gefallenen Renditen als eines der größten Stabilitätsrisiken überhaupt.

Bereits seit März befinden sich auch die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen im Minus-Bereich (aktuell: -0,209%). In der Schweiz liegt die Rendite für Zehnjährige mit -0,553% sogar noch deutlicher unter Null.

Wie ansteckend ist der Brexit-Virus?

So, wie es aussieht, haben die Befürworter eines Brexits in den Umfragen mehr als nur die Nase vorn. Beschließen die Briten am 23. Juni tatsächlich den Austritt aus der EU, so wird dies wohl zu einem Schicksalstag für Europa werden.

Fest steht, dass der Austritt neben den konkret neu zu regulierenden Beziehungen zwischen EU und UK gravierende Konsequenzen für ganz Europa haben würde. Schwächeres Wachstum und weniger Handel dürften die Folgen sein. Die Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zu Großbritannien würde sicherlich zu einer Zurückhaltung bei Investoren führen.

Die Crux der Brexit-Gegner scheint zu sein, dass sie es bisher kaum geschafft haben, positive Gründe zugunsten eines Verbleibs in der EU vorzubringen. Vielmehr lesen sich ihre Argumente im Stile einer Angstkampagne so, als müsse das Vereinigte Königreich über die Apokalypse oder den Verbleib in einem Staatenbund abstimmen.

Und den darf ein Land laut Artikel 50 des Vertrags von Lissabon auch wieder verlassen. Eine Neuordnung der britischen Beziehungen zur EU nach einem EU-Austritt würde laut EU-Ratspräsident Donald Tusk bis zu sieben Jahre in Anspruch nehmen. Allein eine Auflösung aller vertraglichen Verbindungen würde zwei Jahre dauern. Jedes einzelne der dann 27 EU-Mitgliedsländer sowie das Europäische Parlament müssten anschließend einer ausgehandelten Neuordnung zustimmen. „Das wird mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, und ich fürchte, ohne jede Erfolgsgarantie”, sagte Tusk der „Bild“.

Und wie könnte sich der Virus des Brexit auf andere Mitgliedsstaaten auswirken? Wäre es möglich, dass bei einem Votum zugunsten des Brexits noch mehr Länder dem Beispiel eines Referendums folgen wollten? Er könne jedenfalls nicht ausschließen, dass der britische Austritt Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern. Dies hatte vor kurzem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingeräumt. Vielleicht würde ja eine Wirtschaftskrise in Großbritannien, zu der es als Folge des Brexits kommen würde, Nachahmer von der Austrittsidee wieder abschrecken und sie gegen den Brexit-Virus immunisieren. Es könnte aber auch anders kommen.

Der Blick auf die Notenbanken

Der heutige Donnerstag steht ganz im Zeichen dreier Notenbanken. Bereits am gestrigen Abend hat im Anschluss an eine zweitägige Fed-Sitzung eine Pressekonferenz der Präsidentin der amerikanischen Notenbank (Fed), Janet Yellen, stattgefunden. Und heute wird es auch die turnusgemäße Sitzung bei der Bank of England geben, der im Hinblick auf das anstehende Brexit-Referendum große Bedeutung zukommt.

Im Vorfeld hat bereits in den frühen Morgenstunden die Bank of Japan (BoJ) von weiteren geldpolitischen Anreizen abgesehen, was bei Investoren für Enttäuschung sorgte.

Mit einem einstimmigen Beschluss eröffnete die Fed den Reigen. Die Zinsen verbleiben auf dem bisherigen Niveau und wider Erwarten wurden in der anschließenden Pressekonferenz weder der Brexit noch andere spezifische Risiken erwähnt. Mit verantwortlich für diesen Entscheid waren sicherlich die schwachen US-Arbeitsmarktdaten und auch die gestrigen Daten zur Industrieproduktion. Es scheint so, als würden die US-Notenbanker immer mehr von ihrem ursprünglichen Plan Abstand nehmen und eine mögliche Zinserhöhung erst im September wieder auf der Agenda stehen.

Bei der Bank of England (BoE) beschäftigt man sich allerdings auch heute nicht mit einer möglichen Zinsanhebung, die vor vielen Monaten in England immer wieder heiß diskutiert wurde, sondern mit den Auswirkungen eines möglichen Brexits. Eine Warnung der Notenbanker gilt als sehr wahrscheinlich, da die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien vorerst nicht zu überblicken sind. Allem Anschein nach werden nur die negativen Folgen von den Brexit-Gegnern thematisiert, und eine positive Herausstellung von den Vorteilen einer Mitgliedschaft findet nicht statt.

Man darf gespannt sein, ob auch in diesem Fall wieder die Notenbanker die eigentliche Arbeit der vom Volk gewählten Vertreter übernehmen und die Vorteile beim Namen nennen. Sicherlich wird sich die BoE mit entsprechenden Maßnahmen darauf vorbereiten, sollte es am kommenden Donnerstag, dem Tag der Wahrheit, zu großen Marktturbulenzen kommen. So könnte auch die Wiederbelebung des bestehenden QE-Programms eine Option sein. Die Bekanntgabe eines solchen Beratungsergebnisses würde sicherlich im Vorfeld des Referendums einer Beruhigungspille für die Finanzmärkte gleichkommen.

Bundesbank will USA bei IWF-Finanzierung wieder ins Boot holen

Die Bundesbank will dem Internationalen Währungsfonds (IWF) demnächst auslaufende Kredite nicht so ohne weiteres verlängern. Von Oktober an laufen nach und nach bilaterale Kreditlinien zwischen dem Fonds und seinen Mitgliedsländern im Umfang von 430 Mrd. USD aus. Der Betrag war von den Zentralbanken mehrerer Industriestaaten dem IWF während der Hochphase der Eurokrise für Notfälle zur Verfügung gestellt worden.

Dem IWF wäre es nun am liebsten, wenn diese Gelder einfach verlängert würden. Dieser Wunsch stößt aber bei der Bundesbank auf wenig Gegenliebe. Die aktuelle Ressourcenausstattung des Fonds sei recht komfortabel, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem „Handelsblatt”. Immerhin waren die regulären Mittel für den Fonds erst kürzlich erhöht worden. Zusammen mit Mitteln aus regulären Kreditvereinbarungen verfügt der IWF über 930 Mrd. USD Eigenkapital, von denen 650 Mrd. USD für weltweite Kriseneinsätze sofort verfügbar sind.

Die Bundesbank, welche sich mit 41,5 Mrd. € an den bilateralen Krediten beteiligt hatte, will den Fonds nach eigenen Worten nicht knapp halten. Sie will aber lieber die regulären Mittel, also die Quoten, die jedes Mitgliedsland aufbringt, weiter erhöhen. Dadurch wären auch die USA, der größte IWF-Aktionär, wieder mit von der Partie. Schließlich waren die bilateralen Kredite nur deshalb gewährt worden, weil die USA fünf Jahre lang eine Quotenerhöhung blockiert hatten. Weil dies nun nicht mehr der Fall ist, will die Bundesbank wieder zurück zu regulären Finanzierungsmitteln. Es handelt sich also eigentlich nicht um einen Streit zwischen IWF und Bundesbank, sondern um den Versuch der Bundesbank die USA bei der IWF-Finanzierung wieder stärker ins Obligo zu nehmen.

China pocht auf Status einer Marktwirtschaft

Die Volksrepublik China will von der EU als Marktwirtschaft anerkannt werden. Dieser Status war dem Reich der Mitte in einem vor 15 Jahren geschlossenen Vertrag in Aussicht gestellt worden. Nun drohen die Chinesen, falls China die Anerkennung verweigert wird, könnte dies in einen Handelskrieg münden.

Hintergrund des Disputs ist der Umstand, dass die Gewährung des Marktwirtschaftsstatus‘ China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen würde, die unter anderem in der Stahlkrise relevant geworden sind. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte dem „Spiegel“ gesagt, China könne den Status einer Marktwirtschaft erst erhalten, wenn es sich auch so verhalte. Peking beruft sich bei seiner Forderung auf Artikel 15 des Vertrags für den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) von 2001, in welchem dem Land für Dezember 2016 die Anerkennung als Marktwirtschaft versprochen worden ist.

Ob sich die EU rein rechtlich der vertraglichen Zusage wird entziehen können, ist fraglich, auch wenn die EU-Abgeordneten im Mai wegen chinesischer Billigimporte gegen eine Einstufung Chinas als Marktwirtschaft votiert hatten.

Griechenlands Zentralbank macht Druck

Obwohl in den vergangenen Wochen immer nur noch nach Großbritannien geblickt wird, ist auch an der „Großbaustelle Griechenland“ weiterhin nicht alles zum Besten gerichtet. Eigentlich könnte man auch konstatieren: „Alles beim Alten“. Doch die Zeit drängt, denn Griechenland ist auf die Auszahlung von 10,3 Mrd. € angewiesen. Die in diesem Zusammenhang von den Gläubigern geforderten Steuererhöhungen sieht der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras als das größte Risiko für die bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogene hellenische Wirtschaft an. So wird auch für das laufende Jahr von einer Schrumpfung des BIPs um 0,3% ausgegangen. Jede Steuererhöhung, jede Verzögerung bei Reformvorhaben und Privatisierungen lässt die Zuversicht an ein Überwinden der Krise schwinden.

Aus diesem Grund wird inzwischen seitens der griechischen Notenbank vehement ein Entgegenkommen der europäischen Partner in Form von Schuldenerleichterung und einer geringeren Vorgabe beim Überschuss des Primärhaushalts gefordert. Die bisher von Griechenland geforderten 3,5% werden nur von wenigen Euroländern selbst erreicht, weshalb eine Reduzierung auf 2% zumindest aus Sicht Athens rechtens erscheint.

Diese Forderung kommt aus Sicht der EU-Staaten zu einer Unzeit, denn im Falle einer Zersplitterung der Europäischen Union wären die Pakete der einzelnen Mitgliedsländer nicht nur neu zu schnüren, sondern auch nicht unwesentlich schwerer.

Zweite Reihe feiert Euro-Anleihen Debüt

Das aktuell historisch tiefe Zinsumfeld und die Ankündigungen der EZB, nun auch in großem Stil Corporate Bonds anzukaufen, ermutigt auch den ein oder anderen bisher unbekannteren Emittenten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen.

So unter anderem auch Southern Power. Der US-amerikanische Versorger debütierte in Euro und emittierte gleich einen Anleihen-Doppelpack mit 1,1 Mrd. €. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe (A1828W) im Gesamtvolumen von 600 Mio. €. Die nominale Verzinsung beträgt 1% p.a. bis zum Laufzeitende am 20.06.2022. Der Ausgabepreis lag bei 99,342% (+105 bps über Mid Swap). Das zweite Papier (A1828X) ist 500 Mio. € schwer und bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,85% bis zur Fälligkeit am 20.06.2026. Ausgegeben wurde die Anleihe zu 99,855% und somit bei +140 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen entschied sich das Unternehmen zur Festschreibung der Mindeststückelung auf 100.000 € und eines vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Ebenso aktiv war das amerikanische Bekleidungsunternehmen PVH Corporation und legte eine 8-jährige 350 Mio. € schwere Anleihe (A183EC) mit Laufzeitende am 15.07.2024 auf. Der Investor erhält eine Verzinsung in Höhe von 3,625% jährlich. Die Anleihe wurde zu 100% emittiert (+386 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei dieser Anleihe wurde die Mindeststückelung von 100.000 € durch den Emittenten gewählt.

Aber nicht nur neue Emittenten nutzen die Gunst der Stunde. Die auch bei vielen Privatanlegern bekannte Otto GmbH & Co KG hat sich ebenfalls zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt entschieden. Hierbei wurde eine am 16.06.2023 fällige Anleihe (A2AAWQ) im Volumen von 250 Mio. € aufgelegt. Die jährliche Verzinsung beläuft sich auf 2,5% und bei einem Ausgabepreis von 99,21% ergab sich ein Emissionsspread von +245 bps über Mid Swap. In diesem Falle wurde neben der inzwischen weit verbreiteten Make-Whole-Option auch die bei Privatanlegern beliebte Mindeststückelung von 1.000 € gewählt.

Ziel erreicht! Und nun?

Es ist vollbracht. Sicherlich hat am Dienstag unser Finanzminister Wolfgang Schäuble in seiner schwäbischen Heimat ein „Viertele“ auf das Erreichen bzw. kurzzeitige Unterschreiten der Nulllinie bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen getrunken. In der Spitze notierte das Sorgenbarometer bei 165,61% und wurde im Zuge der Brexit-Diskussion seiner in der europäischen Finanzkrise verliehenen Bezeichnung gerecht.

Nach Erreichen der in Aussicht gestellten Ziellinie fragen sich allerdings jetzt alle Marktbeobachter: „Und nun?“ Die Beantwortung dieser Frage ist aber nicht eindeutig möglich, da zu viele unbekannte Größen die Lösung der Gleichung verhindern. Das ist in der Mathematik auch nicht anders. Doch ist mit einem kräftigen Anstieg der Zinsen auch in naher Zukunft nicht zu rechnen, da die Notenbanken weiterhin u.a. durch das Ankaufprogramm für eine künstliche Nachfrage sorgen und so die Renditen -aus Sicht der Investoren- im „Würgegriff“ haben. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf das anstehende EU-Referendum verwiesen, dessen Ausgang zu Verwerfungen führen und massive Interventionen seitens der Notenbanken auf den Plan rufen wird.

In solchen Zeiten bietet die Chartanalyse eine Möglichkeit, neutral den Kursverlauf des Euro-Bund-Future zu bewerten. Hieraus ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 165,10%. Sollte das Rentenbarometer allerdings unter die psychologisch wichtige Marke von 165% fallen, so ist eine Korrektur bis in den Bereich von 164,20% möglich. Nach oben wird vorerst der bisherige Höchstkurs bei 165,61% das Maß aller Dinge bleiben. Aktuell notiert der September-Kontrakt bei 165,38%.

Eurostaaten stocken 11 Altemissionen auf

In dieser Woche zeigten sich die Eurostaaten Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien am Kapitalmarkt präsent und stockten diverse Altemissionen auf. Hierbei ist besonders das Auftreten Finnlands, welches das Volumen der 10-jährigen Anleihe (A18YM5) um 1 Mrd. € zu einer Rendite von 0,311% auf insgesamt 5 Mrd. € erweiterte, zu nennen. Deutschland konnte im gleichen Laufzeitsegment das bisherige Emissionsvolumen um 4 Mrd. € auf insgesamt 26 Mrd. € erhöhen. Hierbei erfolgte die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe (lediglich Gebote für 3,656 Mrd. €) zu einer Durchschnittsrendite von 0,005%.

In den USA wurden in dieser Handelswoche nur Geldmarkttitel den interessierten Investoren zum Kauf angeboten. Das Gesamtvolumen von 102 Mrd. USD ergibt sich durch T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen für 45 Mrd. USD, von 3 Monaten für 31 Mrd. USD und von 6 Monaten für 26 Mrd. USD. In der kommenden Woche dürfen sich Anleger sogar der gesamten Angebotspalette (4 Wochen bis 30 Jahre als TIPS) erfreuen.

Wechselnde Pole-Position bei EUR/USD

Die Europameisterschaft in Frankreich läuft bereits seit fast einer Woche und die bisherige Erkenntnis lautet: Die Favoriten mühen sich ab und die Underdogs sorgen für die eine oder andere Überraschung.

Am Devisenmarkt hingegen bleiben größere Überraschungen noch aus. So ist beim Währungspaar EUR/USD momentan kein eindeutiger Favorit auszumachen. War in der Vorwoche der europäische Part noch klar auf der Siegerstraße, so sieht das Bild in dieser Woche wiederum ganz anders aus. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel in den vergangenen Handelstagen von ihrem Hoch bei 1,1415 USD bis auf 1,1186 USD zurück. Starke Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz stützten den US-Dollar und setzten den Euro unter Druck. In der Woche zuvor waren es noch schwache US-Arbeitsmarktdaten, die für ein gänzlich umgekehrtes Kursbild sorgten. Aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten bleibt die Stimmung angespannt und nervös. So wird sich beim europäisch/amerikanischen Devisenpaar womöglich noch mehrfach die Pole-Position ändern. Nach der gestrigen nicht erhellenden FOMC-Sitzung handelt der Euro heute Morgen bei 1,1275 USD.

Im Vorfeld der Abstimmung Großbritanniens zum Verbleib in der EU meiden die Anleger größtenteils das britische Pfund. Daher verbilligte sich das Pfund-Sterling gegenüber dem Euro und notierte zuletzt bei 0,7965 GBP, nachdem Ende Mai noch Devisenkurse von 0,7573 GBP festgestellt wurden.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds, aber auch Anleihen auf australische Dollar, norwegische Kronen und brasilianische Real fanden ihre Käufer.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

EZB-Programm sorgt für Verzerrung des Wettbewerbs

Der Start des EZB-Kaufprogramms für Unternehmensanleihen, das am gestrigen Mittwoch begann, hat seine Schatten längst vorausgeworfen. Schon im Vorfeld waren die Renditen von Corporate Bonds aufgrund der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zurückgegangen. So fiel der durchschnittliche Ertrag bei risikoarmen Anleihen mit Investment Grade laut Reuters am Montag auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Von dieser Marktentwicklung profitierten aber auch Anleihen von als risikoreicher eingestuften Emittenten. So rentiert ein Corporate Bond von Rheinmetall (A1EWSC) mit Laufzeit 9/2017 mit rund 0,40% und ein 8/2018 fälliger Titel von Thyssen-Krupp (A1R08U) wirft nur noch ca. 1,10% ab.

Klar ist, dass die EZB mit ihrer Entscheidung, neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen anzukaufen, massiv in das Spiel der Marktkräfte der Realwirtschaft eingreifen wird. Damit betreibt die Notenbank tatsächlich ihre eigene Version von Industriepolitik. Denn mit dem Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) wird sie zu einem der größten Investoren in Europa. Dies hat eine ganze Reihe von offenen Fragen zur Folge. Führt das Programm etwa zur unverhältnismäßigen Emission weiterer Corporate Bonds, was letztlich zu einer Schuldenblase beitragen könnte? Werden die Unternehmen das Geld in riskantere Geschäfte stecken, die sie ohne die Nachfrage der EZB gar nicht gemacht hätten?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Unternehmensanleihen in welchen Ländern und Branchen die EZB anzukaufen gedenkt. Es ist aufgrund der Komplexität der Märkte fast schon zwangsläufig, dass dies zu Verzerrungen des Wettbewerbs führen wird. Hinzu kommt, dass die Intensität der Finanzierung über Unternehmensanleihen in den Euroländern unterschiedlich ausgeprägt ist. Während Corporates in Frankreich sehr verbreitet sind, verschulden sich in Italien nur wenige Firmen am Bondmarkt. Wie weit die EZB den Rahmen ihres Programms steckt, zeigt auch der Umstand, dass die Muttergesellschaft des Emittenten, von dem Corporates angekauft werden, nicht zwingend im Euroraum sitzen muss.

Noch ist nicht klar, wie umfassend das CSPP ausfallen soll. Die Rede ist von immerhin 5 bis 10 Mrd. € pro Monat bei vermutlich 9 Monaten Laufzeit. Bei einer angenommenen Marktgröße von 700 Mrd. €, wie ihn die Deutsche Bank taxiert, würde die Notenbank mit Sicherheit zum größten Investor am europäischen Markt für Corporates aufsteigen. Hinweise zur weiteren Beurteilung des Programms liefert die EZB am 18. Juli, wenn sie erstmals Namen von den Emittenten nennen will, deren Titel sie bis dahin gekauft hat.

Anleihen in Fremdwährung sagen die Wahrheit

Seit Mario Draghi mit seiner legendären Ankündigung „What ever it takes“ im Jahre 2014 den Eurostaaten verbal unter die Arme gegriffen hat, ist viel passiert. Die Renditen in der Eurozone sind inzwischen auf ein Rekordtief gesunken und spiegeln sicherlich nicht mehr die damit verbundenen Risiken wider. So hat sich das Renditeniveau der 10-jährigen Anleihen innerhalb von 2 Jahren drastisch reduziert - in Frankreich von 2,217% auf 0,399%, in Italien von 3,432% auf 1,384%, in Spanien von 3,369% auf 1,422% und in Portugal von 4,577% auf 3,026%.

Wenn man sich diese Veränderungen anschaut, könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Märkten mit ihrer „Unbedenklichkeitserklärung“ die Richtung vorgegeben hat und alle Investoren, ohne ein schlechtes Gefühl zu haben, dies nicht mehr hinterfragen. Doch weit gefehlt, denn die Ankündigung hat in dieser Dimension nur die Renditen der Staatsanleihen, die auf Euro lauten, bewegt. Anleihen europäischer Wackelkandidaten, welche in anderen Währungen begeben wurden, werden unabhängig vom Renditeniveau nicht angekauft und geben somit ein realistisches Bild der Risikobewertung durch die Investoren ab.

So rentiert zum Beispiel eine portugiesische Staatsanleihe auf Euro und mit Fälligkeit 2024 (A1HKUP) aktuell mit ca. 2,80%. Die auf USD lautende Anleihe Portugals mit vergleichbarer Laufzeit (A1ZLWS) rentiert allerdings bei ca. 4,95%, was wiederum einen Aufschlag gegenüber US-Notes von +3,4 Prozentpunkten bedeutet. Eine belgische Anleihe (A1ZP0B) in USD mit vergleichbarer Endfälligkeit wirft aber nur 1,90% an Rendite ab. Das bedeutet gegenüber der amerikanischen Zinskurve lediglich einen Aufschlag von 0,3 Prozentpunkten.

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man eine Staatsanleihe Polens in USD, die ebenfalls im Jahre 2024 endfällig wird (A1VEF0), mit der portugiesischen Staatsanleihe vergleicht. Ohne die erhöhte Nachfrage seitens der EZB kann hierbei Polen mit einer Rendite von 2,84% und einem Aufschlag gegenüber amerikanischen T-Notes von +1,25 Prozentpunkten auf deutlich bessere Werte seitens der Investoren verweisen als Portugal mit seinen 4,95% Rendite. Sprich, Polen wird als vertrauenswürdiger eingeschätzt als Portugal.

Fazit: Wenn auch die EZB mit ihrem Ankaufprogramm die Finanzmärkte der Eurozone massiv beeinflusst, so ist der Einfluss auf Anleihen der gleichen Emittenten in anderen Währungen begrenzt. Oder anders ausgedrückt, Anleihen von Ländern der Eurozone, die nicht in Euro begeben wurden, sagen die Wahrheit, weil keine direkte Beeinflussung erfolgt.

EZB-Politik vor weiterer Nagelprobe

Ein Datum, das gut zu dem jüngsten Ankaufprogramm der EZB passt, ist der 21. Juni. An diesem Tag steht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum OMT-Programm (Outright Monetary Transactions) der EZB an. Die Karlsruher Richter befinden dabei über die Frage, ob die Bundesbank sich an der unbegrenzten Deckungszusage beteiligen darf, welche die EZB vor vier Jahren den Käufern von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer gegeben hat.

Wenn es nach der von der EZB geschaffenen Logik geht, brauchen Investoren die Pleite eines Landes, dessen Papiere sie erworben haben, nicht mehr zu fürchten. Denn bevor das Land in Konkurs geht, kauft die Notenbank die Schulden auf. Ein Antrag beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) genügt. Damit übernehmen die Steuerzahler der stabilen Euroländer das Konkursrisiko der Krisenländer.

Am 21. Juni geht es nun darum, ob die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bereits abgesegnete Regelung mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist oder ob nicht das Budgetrecht des Bundestags ausgehöhlt wird. Zwei Tage vor dem Votum über den Brexit stellt diese Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die EZB-Politik vor eine erneute Nagelprobe.

Umlaufrendite sackt in roten Bereich

Die Umlaufrendite der Bundesanleihen ist zum Wochenstart erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Am Montag fiel der Wert auf -0,02% und am gestrigen Mittwoch sogar auf -0,05%. Analog hierzu erreichte der Euro-Bund-Future neue Höchststände.

Die Umlaufrendite, die auch Sekundärmarktrendite genannt wird, ist die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, inländischen festverzinslichen Wertpapiere erster Bonität mit einer Restlaufzeit von 3 bis 30 Jahren - also vor allem Staatsanleihen.

Die Spanne der Renditen deutscher Staatsanleihen reicht von minus 0,525 % bei einer Laufzeit von einem Jahr bis zur Rendite von minus 0,03 % bei neunjähriger Laufzeit. Erst ab einer Laufzeit von 10 Jahren rentieren „Bunds“ wieder leicht positiv. Dies ist am Beispiel eines bis 2/2026 laufenden Bundestitels (WKN: 110239) abzulesen, der mit rund 0,05% rentiert. Eine Bundesanleihe (113527) mit einer Laufzeit von mehr als 20 Jahren (Fälligkeit 1/2037) wirft derzeit eine Rendite von ca. 0,51% ab.

Wider die gemeinsame Einlagensicherung

Der Widerstand aus Deutschland gegen die geplante europäische Einlagensicherung wächst. Während die EZB-Bankenaufsicht darauf drängt, sie zügig durchzusetzen, springen nun zehn hiesige Wirtschaftsverbände, darunter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH), den deutschen Banken und Sparkassen in ihrem Kampf gegen eine gemeinsame Einlagensicherung zur Seite. Auch die Bundesbank warnt ja schon seit geraumer Zeit vor dem Schritt.

Sicher, die Bankenunion ist mit Einführung einer gemeinsamen Aufsicht und einem Absicherungsfonds für Banken ordentlich vorangekommen. Und nun soll bis zum Jahr 2024 mit dem gemeinsamen Sparerschutz nach dem Willen der EU-Kommission der Bankenunion die Krone aufgesetzt werden. Die Kritik aus Deutschland an dem Unterfangen speist sich vor allem aus dem Umstand, dass es einen gemeinsamen Topf zur Absicherung nur geben kann, wenn für alle Banken dieselben Regeln gelten, was noch lange nicht der Fall ist. Die Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben hierzulande jeweils eigene Sicherungssysteme selbstverantwortlich aufgebaut, die nicht zur Entschädigung bei Bankpleiten in anderen Ländern herangezogen werden dürfen. Da wäre eine rote Linie überschritten, die sich deutschen Anlegern nicht vermitteln ließe. Denn eine zentralisierte Einlagensicherung würde weit über das Ziel hinausschießen und zu einer unkontrollierten Transferunion führen. Die Entkoppelung von Haftung und wirtschaftlicher Verantwortung wäre fatal.

Ein europäisches Einlagensicherungssystem könnte auch zu einer Vermischung von guten und schlechten Risiken führen. Es würde die Gefahr bestehen, dass finanzschwächere Banken versuchen, die Lasten auf den gemeinsamen Topf abzuwälzen, was wiederum zu erhöhter Unsicherheit in anderen Euroländern führen könnte. Das Ziel der Euro-Bankenaufsicht, mit der Vollendung der Bankenunion für mehr Sicherheit zu sorgen, wäre konterkariert.

Janet Yellens Worte auf der Goldwaage

Momentan schießen im Vorfeld jeder Sitzung der US-Notenbank (Fed) die Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung ins Kraut. Dazu tragen immer wieder Überinterpretationen der Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen bei, deren Worte viele Marktbeobachter auf die Goldwaage legen.

Wie Yellen nun diese Woche sagte, hält sie nach wie vor eine graduelle Anhebung des Leitzinsniveaus von derzeit zwischen 0,25% und 0,5% für „wahrscheinlich angemessen“, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung weiter günstig erweise. Damit hat sie eine zeitliche Festlegung wie noch vor rund zwei Wochen weggelassen, als sie sagte, eine Anhebung sei „in den nächsten Monaten wahrscheinlich angemessen“.

Aufgrund der bisherigen Kommentare aus dem Fed-Umfeld konnte man eine Zinsanhebung für die Sitzung im Juni oder Juli erwarten. Nun scheint Yellen den zeitlichen Horizont wieder zu weiten. Unter anderem gilt es, die Entscheidung über den Brexit am 23. Juni, vor dem die Fed-Chefin warnt, abzuwarten. Auch angesichts der wirtschaftlichen Beziehungen mit China ist es gegebenenfalls wichtig, das Pulver trocken zu halten. Und je mehr man sich mit der Entscheidung dem November nähern sollte, desto vorsichtiger gilt es zu taktieren. Denn dann stehen in den USA Präsidentschaftswahlen an.

Versorger nehmen den Markt in Anspruch

Von den aktuell niedrigen Rekord-Minirenditen beflügelt, hat sich Tennet Holding dazu entschlossen, eine Dualtranche an neuen Bonds zu begeben. Die Investoren versorgten das Unternehmen mit frischem Kapital von insgesamt 1 Mrd. €, hälftig verteilt auf beide Emissionen. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 10-jährige Anleihe (A182UP) mit jährlichem Kupon in Höhe von 1% bis zum Laufzeitende am 13.06.2026. Die Anleihe wurde mit +52 bps über Mid Swap bzw. zu 99,764% begeben. Bei der zweiten Tranche handelt es sich um eine 20-jährige Anleihe (A182UQ). Der Investor erhält hier eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,875% bis zur Endfälligkeit am 13.06.2036. Der Ausgabepreis lag bei 98,28% (Mid Swap +98 bps).

Auch der Immobilien-Finanzierer Vonovia Finance ließ sich mit einem Doppelpack im Gesamtvolumen von 1 Mrd. € am Markt blicken. Beide Anleihen besitzen ein identisches Emissionsvolumen von 500 Mio. €. Bei der ersten Anleihe (A182VS) handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe mit einer Nominalverzinsung von 0,875% über die gesamte Laufzeit. Die Anleihe wurde zu 99,53%, was einem Emissionsspread von +87 bps über Mid Swap entsprach. Der zweite Bond (A182VT) bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,5% bis zum Ende der Laufzeit am 10.06.2026. Das Pricing erfolgte zu 99,165% und somit bei +108 bps über Mid Swap.

Alle hier beschriebenen Bonds verfügen über ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option). Weiterhin haben sich die Emittenten jeweils für die Mindeststückelung von 100.000 € entschieden.

Die Null sehen und ….. ?

Diese Frage stellen sich aktuell alle Marktbeobachter, haben aber keine Antwort darauf. Rollover-Phasen sind immer etwas ganz Besonderes, aber in diesem Fall wurde fast unbemerkt ein neues Renditetief markiert. Das ist durch den geringeren Wert des September-Kontrakts nicht so deutlich geworden und es fehlt nur noch ein kleiner Schritt bis zur Null-Linie bei deutschen 10-jährigen Staatsanleihen. Momentan notiert das Rentenbarometer bei 164,54%. Die 165%-Marke hatten wir bereits im Juni-Kontrakt überschritten, aber im neuen Kontrakt reicht ein Wert bei ca. 165%, um das für Unmöglich gehaltene zu erreichen, die Null-Linie.

Doch was passiert dann? Sicherlich ist nicht auszuschließen, dass dieses niedrige Renditeniveau uns noch zwangsweise einige Monate, vielleicht auch Jahre begleiten wird. Allerdings ist allen Marktteilnehmern klar, wie das Ende aussehen wird, nur weiß niemand, wann es soweit ist.

Aus diesem Grunde wird oftmals die Charttechnik zu Rate gezogen. Dabei wird deutlich, dass der Bereich um die psychologische Marke von 165%, die identisch mit der Nullgrenze ist, eine Widerstandslinie darstellt. Nach unten ergibt sich in dem jüngsten Aufwärtstrend (seit Ende April) zuerst bei ca. 163,50% (diverse Hochs und Tiefs im Mai/Juni) eine kleine Unterstützung, die zusätzlich von der unteren Aufwärts-Trendkanallinie, die aktuell bei 162,92% verläuft, abgesichert wird.

Zumindest die Finanzminister sind glücklich

In den USA kehrte man in dieser Woche zur Normalität zurück und refinanzierte mittels Geld- und Kapitalmarkt insgesamt 153 Mrd. USD. Davon wurden 97 Mrd. USD als T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten offeriert. Die restlichen 56 Mrd. USD wurden als T-Notes mit einer Fälligkeit in 3 bzw. 10 Jahren sowie als 30-jährigen T-Bonds aufgelegt.

In Euroland war das Verlangen nach frischem Geld mit insgesamt 14 Mrd. € wesentlich geringer, wobei die Niederlande einen neuen Bond auflegte (A1VPZX / 2022). Darüber hinaus stockten neben Deutschland auch Österreich (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026) und Portugal (A0DY6V / 2021 ; A1ZU1M / 2025) Altemissionen auf. In Deutschland wurde hierbei zum einen das Emissionsvolumen der inflationindexierten Anleihe (103056 / 2026) um 1 Mrd. € auf insgesamt 7,5 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung der überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,81%. Zum anderen wurden auch die aktuellen 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110464 / 2018) um 5 Mrd. € auf insgesamt 10 Mrd. € aufgestockt. Hierfür lagen Zeichnungsaufträge für insgesamt ca. 6,5 Mrd. € vor und die Zuteilung wurde bei einer Durchschnittsrendite von -0,55% vorgenommen. Somit wurde auch in diesem Laufzeitsegment ein neuer Rendite-Tiefpunkt markiert.

Der Greenback musste Federn lassen

Am Freitag geht’s endlich los, die europäische Elite trifft sich in Frankreich. Dabei geht es aber nicht um die geldpolitische Ausrichtung Europas, sondern um Fußball. Es wird ein neuer Europameister gesucht. Im Vorfeld der EM versuchen viele Marktteilnehmer ihr Fachwissen in Tipprunden unter Beweis zu stellen.

Doch die wenigsten hätten wohl am vergangenen Freitag darauf getippt, dass der US-Arbeitsmarktbericht so überraschend schlecht ausfällt. Die doch sehr schwachen Daten hinterließen ihre Spuren am Devisenmarkt. Die europäische Gemeinschaftswährung schoss katapultartig bis auf 1,1374 USD in die Höhe, nachdem sie kurz zuvor noch bei ca. 1,1150 USD gehandelt wurde. Dieses Niveau wurde auch zum Wochenauftakt gehalten und nach einer Rede von Fed-Chefin Janet Yellen stieg der Eurokurs inzwischen sogar auf 1,1415 USD, den höchsten Stand seit Mitte Mai. Die Ungewissheit über die weiteren Zinsschritte der US-Notenbank Fed sorgt für einen schwachen US-Dollar und beflügelt gleichzeitig die gemeinsame Währung Europas. Heute Morgen handelt der Euro um die Marke von 1,1395 USD.

Etwas anders präsentiert sich der Euro im Vergleich zum Neuseeland-Dollar. Notierte der Euro noch Anfang Mai bei 1,6932 NZD, so zeigte sich die Kiwi-Währung in den vergangenen Wochen ziemlich robust und handelt nach dem heutigen Zinsentscheid aktuell bei 1,5965 NZD.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen im Fokus, aber auch US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Ein heißer Juni steht uns bevor

In den vergangenen Tagen wurde den Menschen in Deutschland von der Natur sehr deutlich demonstriert, welche Urgewalten in ihr stecken. Binnen kürzester Zeit wurde in manchen Ortschaften über Jahrzehnte aufgebaute Infrastruktur zerstört. Wer bisher immer gedacht hat, dass sich solche Katastrophen in unseren Breitengraden nicht ereignen könnten, wurde eines Besseren belehrt. Verantwortlich hierfür war unter anderem eine hoch explosive Wetterlage, wie sie sich im übertragenen Sinn im Monat Juni auch an den Finanzmärkten einstellt. Ob die Auswirkung in ähnlicher Art und Weise verheerend sein wird, zeigen die nächsten Wochen. Aber bereits jetzt ist zu prognostizieren, dass uns ein „heißer“ Juni bevorsteht.

Gleich zu Beginn des Monats überprüft am heutigen Donnerstag der Zentralrat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Wien die aktuelle geldpolitische Ausrichtung, um sie gegebenenfalls anzupassen. Dies wird zwar kein „Null-Event“, aber die Beschlüsse sollten den Markterwartungen entsprechen. Ganz anders verhält es sich bei der für den 15. Juni anberaumten Sitzung der amerikanischen Notenbank (Fed). Dort ist aufgrund der bisherigen Kommentare aus dem Fed-Umfeld eine Zinsanhebung auf dieser oder der nächsten Sitzung im Juli zu erwarten.

Auch brisante wirtschaftliche und politische Entscheidungen werden im Juni-Finanzmarkt-Thriller eine Hauptrolle spielen. So werden am Tag des OPEC-Treffens in Wien auch die US-Arbeitsmarktdaten bei den Börsianern Beachtung finden.

Doch das Hauptaugenmerk liegt im Juni auf dem Ausgang des „Brexit“-Referendums in Großbritannien am 23. des Monats. Abgerundet wird dieser ereignisreiche Monat noch von den Parlamentswahlen in Spanien am 26. Juni sowie den allen finanzmarktaffinen Marktteilnehmern bekannten Themen wie „Griechenland und das fehlende Geld“, „Flüchtlingskrise und die Rolle der Türkei“, „Frankreich und seine Streikbereitschaft“ und nicht zuletzt den Endspurt zur Nominierung des Kandidaten Trump für den anstehenden Kampf um das Weiße Haus in Washington.

Ach ja, und fast hätte man es vergessen, die Fußball-Europameisterschaft beginnt auch noch in diesem Monat, mit ebenfalls ungewissem Ausgang wie das Referendum in Großbritannien, das an einem spielfreien Wochentag stattfinden wird. Von den Planern des sportlichen Großereignisses wurde den Investoren sogar am Folgetag die Ablenkung genommen, so dass erst am 25. Juni der Sport wieder zum Thema wird.


EZB im Standby-Modus

Heute ist es wieder soweit. Die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) – unter dem Vorsitz von Mario Draghi – treffen sich in Wien, um die neuen geldpolitischen Rahmenbedingungen festzulegen. Eine Zinsanpassung oder etwas Ähnliches wird zwar nicht erwartet, aber gewisse Klarstellungen bzw. Erläuterungen zu bereits angekündigten Maßnahmen sind überfällig.

So wird „Super Mario“ sicherlich auf seine bisher erfolgreiche Geldpolitik verweisen und zugleich betonen, dass der Munitionsgürtel weiterhin noch gut bestückt ist. Details wird er aber verschweigen! Zusätzlich ist es an der Zeit, sich zu einem konkreten Starttermin für den bereits im März beschlossenen Ankauf von Unternehmensanleihen und auch zu dem am 24. Juni anstehenden langfristigen Refinanzierungsgeschäft zu äußern.

Überraschen könnte der EZB-Präsident die von seinen Lippen ablesenden Marktteilnehmer lediglich mit einer Ausnahmeregelung für griechische Staatsanleihen und anderer vom Staat garantierter Anleihen. Doch dazu ist es noch zu früh, denn Griechenland ist noch lange nicht über’ n Berg.


Schwere Zeiten für Privatanleger jetzt auch bei Corporate Bonds

Am 10. März hatte die Europäische Zentralbank beschlossen, ab Juni 2016 Euro-Unternehmensanleihen in ihr Anleiheankaufprogramm einzubinden. Dies gilt auch für solche, die nur bei einer der vier international bedeutenden Ratingagenturen ein Investment-Grade-Rating erhalten haben. Darunter fallen auch Hochzinsanleihen. Die EZB erweitert damit ihren Spielraum für Marktinterventionen erheblich und begeht einen weiteren Tabubruch.

Die Notenbank leiht dadurch den Firmen nicht nur Geld, was ordnungspolitisch problematisch erscheint, sondern wird auch auf einem Feld tätig, wohin Anleger bisher vor den niedrigen Zinsen flüchteten, um unter Umständen noch eine einigermaßen ordentliche Rendite zu erzielen.

Je nachdem, wie stark sich die EZB in diesem Segment engagieren wird, droht nach dem Markt für Staatsanleihen und Covered Bonds auch der für Corporate Bonds - zum Nachteil der privaten Investoren - auszutrocknen. Natürlich sind die Renditen für Corporate Bonds längst gesunken, dennoch galten sie bisher bei Privatanlegern als Alternative. Die effektive Verzinsung dieser Gattungen wird aber durch die höhere Nachfrage der Zentralbank weiter sinken.

In Erwartung der EZB-Aktivitäten hat diese Entwicklung schon eingesetzt, so dass die Kurse tendenziell anziehen und die Renditen schrumpfen. So rentiert im Moment etwa eine Anleihe von Thyssen-Krupp (A1R08U), die bis 8/2018 läuft, mit rund 1,19%. Der Kurs steht bei ca. 106,15% nach 102,90% noch im Januar. Auch ein Corporate von Bilfinger SE (A1R0TU) hat die Tendenz nach oben und notiert bei 102,65% nach seinem Jahrestief von 93,90% im Juli 2015. Die Rendite des bis 12/2019 laufenden Titels ist im Zuge des jüngsten Kursanstiegs auf ca. 1,59% gesunken. Noch deutlicher wird die Entwicklung bei einer Strabag-Anleihe (A1ZVMF), die 2/2022 fällig wird, und mit 103,40% auf Allzeithoch notiert und eine Rendite von ca. 1% aufweist.


Der Umgang mit dem griechischen Patienten:
Augen zu und durch

Die Euroländer haben mit ihrem Beschluss von Ende Mai, der griechischen Regierung die weitere Auszahlung einer Kredittranche über 10,3 Mrd. € zu gewähren, wieder mal Zeit gewonnen. Im Grunde wurden die Probleme aber nur in die Zukunft verschoben, denn strukturell hat sich in Hellas nichts verbessert. Im Gegenteil, da ist zunächst der Internationale Währungsfonds (IWF), der sich bisher an dem dritten Hilfspaket über 86 Mrd. € nicht mit einem Cent beteiligt hat. Den Schuldenschnitt, auf den der IWF drängt, will man in Berlin vor der Bundestagswahl 2017 partout verhindern – ganz nach dem Motto: Augen zu und durch. Da ist aber auch ein Steuersystem, das aktuell 87 Mrd. € Steuerschulden der griechischen Bürger aufweist, was laut IWF einen europäischen Rekord darstellt. Demnach zahlen die Griechen von 100 € Steuerausstand nur noch 45 € - ein Wert, der sich seit Krisenbeginn 2010 eher noch verschlechtert hat.

Gleichzeitig haben vor allem griechische Staatsbeamte den frühzeitigen Ruhestand beantragt, um der geplanten Rentenkürzung der Regierung Tsipras zuvorzukommen. So ist die Zahl der Rentenanträge von Staatsbeamten in diesem Jahr auf 40.000 gestiegen und könnte sich zum Jahresende noch verdoppeln. Athen hatte mit den Gläubigern eine Art Bestandsschutz für bestehende Rentenzahlungen ausgehandelt.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Hellas im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt. So ist Griechenland in dem vom Schweizer International Institute for Management Development (IMD) jährlich gemessenen Ranking der Wettbewerbsfähigkeit von Platz 50 auf 56 zurückgefallen - und liegt damit auf der Höhe von Venezuela und der Mongolei.


Brexit-Entscheid auf des Messers Schneide

Der Ausgang der Abstimmung über einen so genannten Brexit, also den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, am 23. Juni ist völlig offen. Zwei neue Meinungsumfragen des Instituts ICM ergaben einen Vorsprung der Austrittsbefürworter von 47 zu 44 Prozent. Dagegen sieht die wöchentliche „Daily Telegraph”-Umfrage die EU-Anhänger weiter in Führung, allerdings mit rückläufigen Werten. Demnach wäre eine Mehrheit von 51 Prozent für den Verbleib in der EU. Auf der anderen Seite wären 46 Prozent für einen Austritt. Der Vorsprung der EU-Anhänger ist demnach innerhalb einer Woche von 13 auf 5 Punkte zusammengeschmolzen. Den EU-Befürwortern um Premierminister David Cameron schadet sicher die anhaltende Debatte über die mangelnde Kontrolle der Zuwanderung in die EU.

Sollte Großbritannien die EU verlassen, wird es teuer. Davon ist jedenfalls Clemens Fuest überzeugt. Die Wirtschaftsleistung könnte um bis zu 20 Prozent einbrechen, rechnet der neue Präsident des ifo Instituts in München. Positiv für Großbritannien wäre zwar, dass der Nettobeitrag zum EU-Haushalt in Höhe von 0,5% des BIPs entfallen würde. Die Vorstellungen aber, dass sich daraus Gewinne von bis zu 4,5% des BIPs ergeben können, hält Fuest für unrealistisch. Vielmehr sei die Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Austauschs mit der EU kaum zu vermeiden. Denn ein voller Zugang zum Binnenmarkt würde voraussetzen, dass Großbritannien auch relevante europäische Regulierungen übernimmt, folgert der ifo-Chef. Diese loszuwerden ist paradoxerweise einer der Hauptgründe für den Brexit.

Nicht von ungefähr stellt sich auch die Deutsche Bank im Falle eines Brexits auf Marktturbulenzen ein. Auf lange Sicht würde das Geldhaus, das rund 8.000 Beschäftigte in London zählt, Geschäfte nach Kontinentaleuropa verlagern, sagt John Cryan. „Unsere Kunden wollen Staatsanleihen von Euro-Zonen-Staaten dann vermutlich nicht mehr in London handeln“, so der Deutsche-Bank-Chef.

Sollten sich die britischen Wähler am 23. Juni also tatsächlich für den EU-Austritt entscheiden, hätte dies zunächst jahrlange Verhandlungen über die künftigen Beziehungen mit der EU zur Folge. Für die Wirtschaft wäre dies eine andauernde Phase der Unsicherheit, in der Investitionen erstmal auf die lange Bank geschoben würden.

Zumindest offiziell gibt es in der EU keinen „Plan B“ für den Fall eines Austritts Großbritanniens. Immerhin, die Rechtsabteilung der EU-Kommission hat offenbar eine Urlaubssperre für Juli erhalten, um für den Fall eines Brexit-Votums gerüstet zu sein. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete allerdings von einer Diskussion über einen gemeinsamen Plan der Regierungen Deutschlands und Frankreichs.


Banken steht heißer Sommer bevor

Sowohl Andreas Dombret als auch Danièle Nouy schlagen Alarm. Die Aufseher der Bundesbank sowie der EZB sorgen sich angesichts zinsabhängiger Geschäftsmodelle und fauler Kredite um die Sicherheit der Eurobanken.

Die Deutsche Bundesbank hat die Kreditinstitute dazu aufgefordert, ihre Geschäfte wegen des Niedrigzinsumfelds und der zunehmenden Digitalisierung anzupassen. Es sei höchst bedenklich, wenn Institute erst dann aktiv würden, wenn ihr Winterspeck abgeschmolzen sei und sich ihre Ertragslage verschlechtere, machte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in dieser Woche klar. Aus diesem Grund stehe nicht wenigen Instituten ein heißer Sommer unmittelbar bevor, indem sie zukunftsfähige Geschäftsmodelle einführen müssten, sagte Dombret, der bei der Bundesbank auch die Bankenaufsicht verantwortet.

Die Bundesbank spielt damit auf die geschmälerten Gewinne und die Geschäftsmodelle der Banken an, die vielfach stark vom Zinsgeschäft abhängig sind. Dabei sind laut Dombret die strukturellen Probleme der deutschen Banken auch auf den europäischen Bankensektor insgesamt übertragbar. Ein „chronisches Profitabilitätsproblem“ in der Branche sei auch ein Stabilitätsrisiko, so der Bundesbanker.

Ins gleiche Horn stieß an anderer Stelle Europas oberste Bankenaufseherin, Danièle Nouy, die ebenfalls diese Woche mangelnde Profitabilität vieler Geldhäuser in der Eurozone beklagte. Die Chefin der EZB-Bankenaufsicht will den Instituten zwar keine Vorschriften machen, wie sie aus der aktuellen Misere herauskommen. Aber die Banken müssten ihre Geschäftsmodelle überprüfen, effizienter, flinker und flexibler werden, forderte Nouy. Und jetzt, da es eine paneuropäische Bankenaufsicht gebe, könne man auch über grenzüberschreitende Zusammenschlüsse nachdenken.

Parallel dazu arbeitet die EZB wohl an Vorschlägen, die zu einem Abbau von Problemkrediten in den Bilanzen vieler Geldhäuser führen sollen. Der hohe Bestand an faulen Darlehen stellt laut Nouy eines der größten Probleme für die Wirtschaft der Eurozone dar. Immerhin sitzen die Eurobanken derzeit auf Problemkrediten in Höhe von 900 Mrd. €. Wie die EZB die Banken konkret unterstützen will, ließ Nouy allerdings offen.


Chinas Banken vor Umgestaltung

Eine Zeitbombe tickt in den Bankbilanzen chinesischer Institute. Wie die französische Großbank Société Générale vorrechnet, könnten die Problemkredite in Chinas Finanzsystem einen Gesamtschaden von mehr als 1 Bill. € verursachen. Derartige Verluste würden rund 60% des Gesamtkapitals der Geschäftsbanken gleichkommen. Mittelfristig geht die Société Générale daher von einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine radikale Umgestaltung des Bankensystems aus.

Nach Beobachtung der Großbank hat die Schuldendynamik durch die Liberalisierung der Wirtschaft und des Finanzmarkts zugenommen. So haben die Unternehmensschulden rund 250% des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Nun hat die Regierung in Peking damit begonnen, die Banken an hochverschuldeten Staatsbetrieben zu beteiligen. So können die Banken ihre Forderungen gegenüber den Unternehmen in Aktien umtauschen, womit die Institute zu Miteigentümern der oft unrentablen Gesellschaften werden. Damit mag manche Zeitbombe vorübergehend entschärft werden, der Ertragsentwicklung der Banken aber hilft diese Strategie allerdings auf Dauer nicht.


Die Qual der Wahl

Manche Investoren haben die Mai-Feiertage für eine Auszeit genutzt. Die Märkte hatten allerdings keinen Urlaub, ganz im Gegenteil. Diverse Neuemissionen von Corporate Bonds und Financials waren zu beobachten. So kam es, dass der ein oder andere Investor wegen des Überangebots Schwierigkeiten hatte, für sich das richtige Asset zu finden. Daher eine kleine Auswahl der von Privatanlegern rege gehandelten Neuemissionen.

Sehr zur Freude der Anleger brachte der Baustoff- und Zementhersteller HeidelbergCement AG eine 8-jährige Anleihe (A2AAQY) im Volumen von 750 Mio. €. Der Investor erhält eine jährliche Verzinsung in Höhe von 2,25% bis zum Laufzeitende am 03.06.2024. Der Bond wurde zu 98,963% bzw. +205 bps über Mid Swap begeben und beinhaltet ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option). HeidelbergCement entschied sich im Sinne der Privatanleger für eine Mindeststückelung von 1.000 €.

Ebenso war die US-Technologiebörse Nasdaq aktiv, welche sich mittels einer 600 Mio. € schweren Anleihe (A181ZY), mit Laufzeitende am 19.05.2023, refinanzierte. Der Anleger erhält einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,75%. Gepreist wurde der Bond mit +162 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,408% entsprach. Auch die Nasdaq entschied sich für die Festschreibung einer Make-Whole-Option, allerdings bei einer Mindestanlagesumme von 100.000 €.

Gleich im Doppelpack sicherte sich Kraft Heinz Foods frisches Kapital für neue Vorhaben. So wurden insgesamt 1,8 Mrd. € aufgenommen. Die erste Tranche (A181S5) umfasst ein Volumen von 550 Mio. € und ist am 24.05.2024 endfällig. Es werden jährlich Zinsen in Höhe von 1,5% gezahlt. Die Anleihe wurde mit 99,552% begeben (+125 bps über Mid Swap). Bei der zweiten Tranche (A181S6) handelt es sich um eine 12-jährige Anleihe im Volumen von 1,25 Mrd. € und einer jährlichen Verzinsung von 2,25% bis zur Fälligkeit am 25.05.2028. Der Bond wurde +158 bps über Mid Swap bzw. bei 99,688% gepreist. Auch Kraft Heinz Foods ließ sich eine optionale Make-Whole-Option sowie eine Mindeststückelung von 100.000 € in die Anleihebedingungen aufnehmen.


Kurz vor dem Rollover

In der kommenden Woche (8. Juni) steht bei den Fixed-Income-Futures der Kontraktwechsel (Juni auf September) an. Beläuft sich der Preisunterschied beim Euro-Bund-Future auf minus ca. 1 Punkt, so notiert der BUXL-Future bei ca. plus 9 Punkten! Die Finanzmathematik lässt grüßen!

Die noch vor fast drei Wochen vorherrschende Meinung einer notwendigen Korrektur hat sich inzwischen in Luft aufgelöst. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass das Rentenbarometer bereits jetzt Schwung holt, um in den noch verbleibenden Handelstagen den bisherigen Höchststand bei 164,60% (11. April) zu testen. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 164,18%.

Zum meteorologischen Sommerauftakt ist das Unterfangen bisher nicht geglückt, aber noch ist nicht aller Tage Abend. Im Hinblick auf die heutige EZB-Sitzung mit anschließender Pressekonferenz sind sowohl ein Überspringen des charttechnischen Widerstands bei 164,60% als auch Gewinnmitnahmen möglich. Die Downside des Juni-Kontrakts verläuft aktuell bei ca. 163,10% (mehrere Hochs / Tiefs Ende Januar) und erst in ganz weiter Ferne ist das „Draghi-Tief“ vom 10. März bei 160,81% auszumachen. Aber daran vermag zum jetzigen Zeitpunkt niemand zu denken.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Finanzmärkte immer dorthin tendieren, wo den Investoren die meisten Schmerzen zugefügt werden. Das will heißen: Wenn alle Marktteilnehmer sich mit den niedrigen Zinsen abgefunden haben und vollständig investiert sind, wird es einen Trendwechsel geben. Das ist nicht zuletzt in der Marktpsychologie begründet. Man darf gespannt sein, ob es schon bald soweit sein wird oder ob die Vorstandschefin von HSBC Trinkaus & Burkhardt, von Schmettow, Recht behalten wird, die niedrige Zinsen noch für mindestens vier bis fünf Jahre vorhersagt.


Die großen Vier

In dieser Woche haben sich Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien am Primärmarkt präsent gezeigt und bestehende Altemissionen aufgestockt. Dadurch konnten fast 25 Mrd. € aufgenommen werden, obwohl keine Rückzahlungen anstanden. Ob diese vier großen Nationen auch bei der Fußball-Europameisterschaft die beherrschenden Teams stellen werden, bleibt abzuwarten. Die von Italien zum Wochenstart aufgestockten Bonds (5 und 10 Jahre) sind weiterhin aus steuertechnischen Gründen nicht an den deutschen Regionalbörsen gelistet. Doch heute werden Frankreich (A1HS3U / 2024 ; A18YPD / 2026 ; A1HH3K / 2045) und Spanien (A18YPG / 2021 ; A18W1C / 2026 ; A18YZ6 / 2046) den interessierten Investoren Material zur Verfügung stellen. Auch Deutschland erhöhte bereits am gestrigen Mittwoch das Emissionsvolumen der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 173 (114173) um 4 Mrd. € auf insgesamt 21 Mrd. €. Die dabei zu erzielende Durchschnittsrendite belief sich auf -0,38% und wird Privatanleger nicht reizen können.

In den USA wurden in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche „lediglich“ 97 Mrd. USD als Geldmarkttitel mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten refinanziert. In der kommenden Woche hingegen stehen zusätzlich auch Bonds mit Fälligkeiten in 3, 10 und 30 Jahren auf der Agenda.


Erhöhte Volatilitäten sind vorprogrammiert

Der Start in die neue Handelswoche verlief sehr ruhig. Aufgrund von Feiertagen sowohl in Großbritannien als auch in den Vereinigten Staaten war der Auftakt in die neue Woche ziemlich unspektakulär. So zeigte sich das Devisenpaar EUR/USD dementsprechend wenig inspiriert und handelt bislang in einer Range von 1,1098 und 1,1219 USD. Dies kann sich jedoch sehr schnell ändern, denn im weiteren Wochenverlauf stehen für die Marktteilnehmer wichtige Termine sowie Konjunkturdaten an. Zum einen ist da die heutige EZB-Pressekonferenz und zum anderen werden zum Wochenausklang Arbeitsmarktdaten aus den USA präsentiert. Diese bevorstehenden Ereignisse werden am Devisenmarkt sicherlich ihre Spuren hinterlassen und beim Währungspaar EUR/USD für eine erhöhte Volatilität sorgen. Heute Morgen handelt die europäische Gemeinschaftswährung kaum verändert bei 1,1215 USD.

Um die Währungen der Schwellenländer ist es in letzter Zeit zwar etwas ruhiger geworden, aber dennoch unterliegen sie zum Teil größeren Schwankungen, wie das Beispiel der türkischen Währung zeigt. Am 11. Mai erreichte der Euro im Vergleich zur türkischen Lira ein neues Jahreshoch bei 3,3888 TRY, nachdem er noch am 10. März mit 3,1138 TRY das bisherige Jahrestief markierte. Aktuell präsentiert sich die Währung vom Bosporus trotz der politisch angespannten Situation wieder etwas stabiler um die Marke von 3,29 TRY.

In dieser Berichtswoche wurden Währungsanleihen auf US-Dollar verstärkt nachgefragt. Höhere Umsätze wurden auch in Bonds registriert lautend auf türkische Lira, südafrikanische Rand sowie norwegische Kronen.


Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de


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Author: Klaus Stopp

Durch Draghis Brille betrachtet

Es ist zwar noch lange hin, aber nach der Sommerpause des Deutschen Bundestages will der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Gelegenheit nutzen, den deutschen Politikern die Beweggründe seiner aktuellen Geldpolitik näher zu erläutern. Dabei wird er sicherlich darauf verweisen, dass jeder Investor für die Rentabilität seiner Vermögensanlage selbst verantwortlich ist und es nicht Aufgabe der Notenbanken ist, die Zinsen auf hohem Niveau zu halten. Vielmehr richtet sich der aktuelle Zins für relativ sichere Investments nach der Inflationsrate, und diese wiederum rechtfertigt das aktuelle Renditeniveau.

Obwohl ich nicht zu den Befürwortern der europäischen Notenbankpolitik gehöre, kann ich diese Sichtweise zumindest im Grundsatz akzeptieren. Auch Draghis Schlussfolgerung, dass die Zinsen erst dann wieder ansteigen werden, wenn die Wirtschaft stärker wächst, ist logisch und nachvollziehbar. Doch der Einwand, dass die EZB mit ihrer Geldpolitik reformunwillige Staaten „salonfähig“ macht, ist nicht von der Hand zu weisen. Das scheint inzwischen sogar Mario Draghi erkannt zu haben. Und so fordert er die Regierungen der Eurostaaten bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf, die Sanierung ihrer Haushalte voranzutreiben. Die niedrigen Zinsen geben den Politikern dazu den Spielraum, den sie allerdings nur unzureichend nutzen. Es gehört aber auch nicht zu den Aufgaben der Notenbanker, solche Maßnahmen zu diktieren.

Seit Gründung der EZB wird immer wieder ihre Unabhängigkeit betont, weshalb auch umgekehrt eine Einmischung der Banker in haushaltspolitische Belange nicht vermittelbar wäre. Aus diesem Grund haben auch nur die Vertreter der Mitgliedsstaaten darüber zu entscheiden, wer zum Club der Eurostaaten gehören darf. Im Falle Griechenlands wird diese Entscheidung bereits seit Jahren mit kurzfristigen Durchhalteparolen in die Zukunft verschoben, was wiederum neben der Flüchtlingsproblematik für den schwebenden Zustand der Europäischen Union mit verantwortlich ist.

In den kommenden Wochen wird viel die Zukunft Europas betreffend zu entscheiden sein. Die in unregelmäßigen Zeitabständen auftauchenden, aber unterschwellig immer präsenten Themen wie Griechenland, Portugal und die alles überschattende Brexit-Entscheidung werden an den Finanzmärkten nicht nur in den nächsten Monaten für dicke Luft sorgen. Niemand vermag die Reaktionen vor dem Referendum in Großbritannien vorherzusagen und auch im Anschluss erscheint alles möglich. Somit sind die Vertreter der europäischen Notenbanken gut beraten, die Finanzmärkte nicht mit überhasteten Aktionen zu verunsichern, sondern eine Politik der „ruhigen Hand“ zu praktizieren.

Burgfrieden der internationalen Notenbanker

Fakt ist: Für die meisten Währungen hat der Leitzins seine Steuerungsfunktion verloren! Dennoch mutet es seltsam an, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar langsam aber stetig an Boden gewinnt. Immerhin bewegt sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Minusbereich, während die US-Notenbank Fed am 17. Dezember 2015 das erste Mal seit fast zehn Jahren die Zinsen in Erwartung weiterer Zinsanpassungen angehoben hat. Dennoch ist der Euro seitdem von 1,09 USD auf 1,16 USD gestiegen. Nach der reinen Lehre wäre eine gegenteilige Entwicklung zu erwarten gewesen.

Liegt es an der Enttäuschung der Investoren, die nach dem Zinsschritt der Fed vom Dezember in kurzen Intervallen weitere erwartet hatten? Ließ die Fed sie zunächst mit vier Aufwärtsschritten in diesem Jahr rechnen, gehen sie nun allenfalls von insgesamt zwei aus. Parallelen bei der Devisenkurs-Entwicklung sind in Japan festzustellen, wo die Bank of Japan den Leitzins unter die Nulllinie gedrückt hat und der Yen gegenüber dem US-Dollar ebenfalls zugelegt hat. Ähnliches ist bei der Norwegischen Krone zu beobachten. Seit die Zentralbank in Oslo am 17. März den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,5% abgesenkt hat, ist die norwegische Krone wertvoller geworden.

Man könnte geradezu meinen, die alten Regeln seien außer Kraft gesetzt. Vielleicht sind die Kursgewinne der Währungen, deren Notenbanken mit Minuszinsen aufwarten, ja auch nur ein Strohfeuer, dem eine rasche Trendumkehr folgen könnte. Es könnte aber auch eine Art Burgfrieden der internationalen Notenbanker, die auch in ihrer Wortwahl extrem vorsichtig agieren, sein, um einen Währungskrieg, der etwa in einem Abwertungswettlauf durch Minuszinsen gipfeln könnte, möglichst zu vermeiden. Am Ende dürfte es von allem ein bisschen sein.

Neues vom Club der EU-Defizitsünder

Es knirscht wieder im Gebälk der Europäischen Union. Die Ursachen sind natürlich auch weiterhin in Griechenland verankert, aber auch die überhöhten Staatsdefizite in Spanien und Portugal bereiten Sorgen. Weil die Neuverschuldung der Regierung in Lissabon mit 4,4% im vergangenen Jahr über der vereinbarten Höchstgrenze lag, drohen dem Land nun Sanktionen seitens der EU. In diesem Zusammenhang wurden Stimmen laut, welche die Kommission auffordern, Geldstrafen zu erheben, sofern sie im laufenden Defizitverfahren nicht ihre Glaubwürdigkeit riskieren wolle. Am Bondmarkt notierten portugiesische Staatsanleihen dennoch über ihren Zwölfmonatstiefs, was ein bis 4/2021 laufender Titel (WKN A0DY6V) zeigt, der mit ca. 1,84 % rentiert.

Massiven Druck bekommt auch Spanien zu spüren. Anstatt in diesem Jahr die Maastrichter Defizitgrenze von 3% einzuhalten, erwartet Brüssel 3,9% Neuverschuldung. Nachdem in Spanien die Frist zur Regierungsbildung abgelaufen war, stehen am 26. Juni Neuwahlen an. Ministerpräsident Rajoy von der konservativen Volkspartei ist seitdem nur geschäftsführend im Amt. Anleger verhalten sich vor diesem Hintergrund abwartend, was eher für vorsichtigen Optimismus spricht. Eine spanische Staatsanleihe mit Fälligkeit 7/2021 (A18YPG) notierte gestern mit 101,06% knapp unter dem Jahreshoch. Die Rendite liegt bei ca. 0,54%.

Und dann wäre da noch Frankreich. Für das nächste Jahr hat sich Paris fest vorgenommen, aus dem Club der Defizitsünder auszutreten. Bisher geht Brüssel noch von einem Defizit von 3,2% aus. Dass Frankreich das Ziel von 3,0% Neuverschuldung erreicht, wird aber als machbar angesehen. Defizitsündern in der Eurozone drohen formal zwar hohe Geldstrafen, welche aber bisher in der Praxis nie verhängt wurden. Ein fataler Fehler, den es zu korrigieren gilt. Ansonsten bleibt uns nur die kleine Freude, dass die Defizite in der Eurozone tatsächlich rückläufig sind.

Gericht in Portugal bremst Zentralbank aus

Ein portugiesisches Gericht hat der Nationalbank Portugals zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Demnach darf die Notenbank Anleihen („Senior Bonds”) der angeschlagenen Novo Banco - im Wert von rund 2 Mrd. € - nicht in eine Bad Bank auslagern. Dadurch wäre ein sogenannter „bail-in“ eingefädelt worden, bei dem Anleger direkt zur Kasse gebeten werden. Sie würden vermutlich nur eine einstellige Quote ihres Investments zurückbekommen. Doch die portugiesische Zentralbank will laut Financial Times die einstweilige Verfügung des Lissabonner Gerichtes, die auf Antrag von Merrill Lynch zustande kam, umgehend anfechten.

Die Problembank Novo Banco war aus dem überlebensfähigen Teil der früheren Banco Espirito Santo (BES) hervorgegangen. Das einst zweitgrößte Bankhaus des Landes wurde mit Staatsgeldern in Höhe von 5 Mrd. € aufgepäppelt, um nicht unter der Schuldenlast zusammenzubrechen, welche die Gründerfamilie hinterlassen hatte.

Immer weniger Garantiezins bei Lebensversicherungen

Zum 1.1.2017 soll der Garantiezins für Lebensversicherungen von derzeit 1,25% auf 0,9% sinken. So hat es das Bundesfinanzministerium als erneute Reaktion auf die anhaltende Niedrigzinsphase vorgeschlagen, was wiederum vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) als zu weitgehend kritisiert wurde. Man mag darüber streiten, ob der Schritt zu heftig ausgefallen ist, zumal die Lebensversicherer 2015 bei der Neuanlage im Branchenschnitt eine deutlich über dem Höchstrechnungszins liegende Verzinsung von mehr als 2% erzielten. Auch Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten hält die geplante Senkung des Höchstrechnungszinses für falsch. Dies schwäche die Garantien, ohne dass die Unternehmen nachhaltig entlastet würden, sagte er.

Fest steht, dass die Branche schon seit längerer Zeit insbesondere wegen der Niedrigzinsen unter Druck steht. Nach einem Minus beim Neugeschäft von 3% in 2015 rechnet der GDV auch für das laufende Jahr mit einem Rückgang. Was dabei der Branche vor allem Kummer bereitet, ist die sogenannte Zinszusatzreserve. Um die hohen Garantien für Altkunden in der Niedrigzinsphase abzusichern, müssen die Versicherer einen Finanzpuffer aufbauen. Nach Berechnungen der Assekurata Rating-Agentur mussten so seit dem Jahr 2011 mehr als 30 Mrd. € an Rückstellungen gebildet werden. Zusätzliche 12 Mrd. € kommen in diesem Jahr hinzu.

Die Versicherer legen das Geld der Versicherten vor allem in Anleihen mit guter Bonität an. Doch jährlich werden Papiere endfällig, und die neuen Anlagen werfen weniger Zinsen ab. Daher fällt es den Versicherern zunehmend schwerer, die Garantien zu bedienen. Als Reaktion darauf rücken die Versicherer immer mehr davon ab, klassische Garantieverträge anzubieten. Stattdessen verkaufen sie den Kunden neue Tarife mit höherer Rendite – aber eben auch mit eingeschränkter oder fehlender Garantie. Nur noch 10% wählten eine klassische Lebensversicherung, erklärt die Allianz Deutschland. Damit nimmt die Bedeutung der Garantieverzinsung von Lebensversicherungen am Markt ohnehin ab.

Dass dies aber nicht nur ein europäisches Problem ist, wurde deutlich als in dieser Woche AIG, eine internationale Versicherungsorganisation für das 1. Quartal des Jahres ein Minus von 183 Mio. USD (ggü. 250 Mio. USD im Vorjahreszeitraum) bekannt gab. Der Rückgang wird mit fallenden Renditen und fehlenden Prämieneinnahmen erklärt.

Daimler 3x auf Pole-Position

Erster am Ende der Qualifikation und somit das Rennen von einem Startplatz ganz vorne im Feld anzuführen, ist der Traum eines jeden Rennfahrers. Das ist Daimler bestens aus der Formel 1 bekannt. Nun glückte dem baden-württembergischen Autobauer auch mit 3 neuen Anleihen die Pole-Position am Primärmarkt.

Das Unternehmen refinanzierte ein Gesamtvolumen von insgesamt 3,25 Mrd. €. Bei der ersten Tranche (A169NA) handelt es sich um eine 1,25 Mrd. € schwere Anleihe mit Fälligkeit am 11.05.2020 und einer jährlichen Verzinsung von 0,25%. Das Papier wurde mit 99,607% und somit +40 bps über Mid Swap gepreist. Der zweite Bond im Bunde (A169NB) hat ein Emissionsvolumen von 750 Mio. €. Die jährliche Verzinsung beträgt 0,75% bis zum Laufzeitende am 11.05.2023. Das Pricing erfolgte mit +53 bps über Mid Swap und somit lag der Ausgabepreis bei 99,783%. Komplettiert wird das Ganze durch eine 1,25 Mrd. € große Emission (A169NC) mit 1,375% jährlicher Nominalverzinsung bis zur Fälligkeit am 11.05.2028. Der Reoffer lag bei 99,594% und somit +65 bps über Mid Swap. Daimler entschied sich bei allen 3 Bonds für die „Privatanleger-freundliche“ Mindestanlagesumme von 1.000 €.

Ebenso am Markt aktiv war der US-amerikanische Tabakhersteller Philip Morris und legte eine 20-jährige Anleihe (XS1408421763) im Volumen von 500 Mio. € auf. Der Anleger erhält eine jährliche Verzinsung bis zum Laufzeitende am 9.05.2036 in Höhe von 2%. Der Bond wurde mit +90bps über Mid Swap gepreist und somit zu 99,56% begeben. Der Emittent hat sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) festschreiben lassen und für die kleinste handelbare Einheit von 100.000€ entschieden.

Reversal-Trend mit Ansage

Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine Meldung her und bringt das ganze Gedankenkonstrukt zum Einsturz. So ist es auch wieder in dieser Handelswoche geschehen. Hatte man zu Beginn noch den Eindruck, dass sich endlich mal die Bären durchsetzen könnten, so machten dies u.a. die weltweit „verschnupften“ Aktionäre zunichte. Infolgedessen stieg das Sorgenbarometer von 161,57% um mehr als 1,5 Prozentpunkte auf in der Spitze 163,12%. Unterstützt wurde dieser Reversal-Trend, der nicht wirklich überraschen konnte, auch von den jüngsten Meldungen zu Griechenland, Portugal sowie der Entwicklung an den Devisenmärkten und bei den Rohölpreisen.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend! Die erste nennenswerte Widerstandslinie verläuft bei ca. 163,20% (mehrere Tiefs Mitte April). Erst nach einer nachhaltigen Überwindung wäre der Weg auf die psychologisch wichtige Marke bei 164% frei. Um vor bösen Überraschungen geschützt zu sein, sollte man aber auch die gegenteilige Marktentwicklung mit ins Kalkül ziehen. Einem schwachen Fangnetz vergleichbar verläuft eine erste Unterstützungslinie bei ca. 162,40%, bevor das Tief vom 10. März (Draghi-Day) bei 160,81% zum Tragen kommt. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 162,89%.

Spanien setzt heute den Schlusspunkt

Nachdem in den USA in dieser Handelswoche lediglich Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 92 Mrd. USD Investoren zum Kauf angeboten wurden, refinanzierten sich die Eurostaaten in Summe mit ca. 15 Mrd. €.

Hierbei sicherte sich am gestrigen Mittwoch Frankreich mit ca. 8 Mrd. € den Löwenanteil durch die Aufstockung diverser Anleihen (413038 / 2025; A18YPD / 2026; A1Z7JJ / 2031) und auch Deutschland erhöhte das Emissionsvolumen der mit einem Nullkupon ausgestatteten Bundesobligation Serie 173 (114173) um 4 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. €. Die Zuteilung der überzeichneten Gattung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,33%. Für die Marktpflege wurde ein Betrag von 755 Mio. € zurückbehalten. Den Schlusspunkt setzt heute Spanien mit der Neubegebung einer inflationsindexierten Anleihe (endfällig: 2021) und mit der Aufstockung dreier langlaufenden Anleihen (A18W1C / 2026; A1ZXQ6 / 2030; A0NXYY / 2040).

Tanz in den Mai

Trotz einiger Feiertage in verschiedenen Ländern zeigt sich der Devisenmarkt von seiner lebhaften Seite. So tanzte die europäische Gemeinschaftswährung fröhlich in den Mai und insbesondere gegenüber dem Greenback stellte sich der Start in den neuen Monat als sehr positiv dar.

In den ersten Handelstagen kletterte der Euro bis auf 1,1616 USD, den höchsten Stand seit August 2015. Zuvor war die Einheitswährung bereits sieben Tage in Folge gestiegen, wobei es sich um die längste Gewinnserie seit Dezember 2013 handelte. Am Dienstagnachmittag änderte sich das Handelsbild jedoch und der Euro fiel bis auf 1,1470 US-Dollar zurück. Konjunktursorgen in der Eurozone sowie Äußerungen zweier Mitglieder der US-Notenbank Fed zu einer möglichen baldigen Leitzinserhöhung bremsten die Währung Eurolands ein. Nach dem Auf und Ab der vergangenen Tage handelt der Euro heute Morgen um die Marke von 1,1480 USD.

Neben dem amerikanischen Dollar beschäftigte aber auch der australische Dollar die Devisenhändler. Die Notenbank Australiens senkte nämlich in dieser Woche überraschend ihre Leitzinsen um 0,25% auf das Rekordtief von 1,75%. Die Währung des Landes geriet daraufhin kräftig unter Druck und verlor gegenüber dem Euro mit 1,54 AUD deutlich an Wert, nachdem er zuvor noch bei 1,4938 AUD gehandelt wurde.

In dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf türkische Lira, brasilianische Real sowie US-Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Die Notenbanker schwingen den Taktstock

Am gestrigen Abend war es endlich soweit. Die amerikanischen Notenbanker beendeten ihre zweitägige Tagung und teilten der sehnsüchtig wartenden Investorenschar mit, was in den nächsten Monaten geldpolitisch zu erwarten ist. Eine Zinsanhebung, mit der man noch zum Jahresbeginn für den April gerechnet hatte, war bereits im Vorfeld der Sitzung nicht mehr wirklich erwartet worden. Aber bei den erläuternden Worten der Fed-Präsidentin, Janet Yellen, wird stets versucht, Tendenzen herauszulesen. Manchmal erinnert das an „Kaffeesatzleserei“, aber leider ist diese Vorgehensweise alternativlos und die Ergebnisse sind oftmals der Beginn des sogenannten Bandwagon-Effekts.

Viel schlauer sind wir durch die gestrigen Erläuterungen zwar nicht geworden, aber anscheinend versucht man in den USA mittels einer wohlüberlegten Wortwahl die Phantasie für weitere Zinsanhebungen nicht abzuwürgen. Gleichzeitig möchte man die negativen Auswirkungen möglicher geldpolitischer Entscheidungen nicht überbetonen. Aus diesem Grund wurde gestern auch die Passage gestrichen, wonach die globale finanzielle Entwicklung und die Wirtschaft weiterhin Risiken darstellen. Die generelle positive Einschätzung des Arbeitsmarktes lässt Spielraum für eine Zinserhöhung im Juni des Jahres und der Glaube an ein behutsames Vorgehen der Notenbanker lässt Investoren beruhigter in die Zukunft blicken. Zumal die Entscheidung der Beibehaltung der Leitzinsen mit 9:1 Stimmen beschlossen wurde.

Die eine Notenbank kann also auf eine gewisse Inflation verweisen, muss sich aber aus anderen Gründen zurückhalten. Die andere Zentralbank, die Bank of Japan (BoJ), deren Zinsentscheid uns am heutigen Donnerstag ebenfalls beschäftigt, wird alles dafür tun, die Inflation zu beleben. In der Vergangenheit wurden alle möglichen Maßnahmen ergriffen, aber bisher ohne nachhaltigen Erfolg. So ist heute damit zu rechnen, dass ein Beschluss gefasst wird, nachdem bei Erreichen eines bestimmten Devisenkurses im Auftrag des japanischen Finanzministeriums am Devisenmarkt interveniert werden soll. Damit würde man zwar streng genommen gegen die kürzlich erst beschlossenen Vermeidung „willkürlicher Interventionen“ verstoßen, aber in Japan sieht man darin lediglich die Dämpfung schneller Wechselkursbewegungen. Auch eine Volumenausweitung des bisherigen QQE-Programms oder die Anpassung der durchschnittlichen Laufzeit auf 5 bis 12 Jahre wäre denkbar gewesen. Doch die Notenbanker blieben ihrer bisherigen Linie treu und beschlossen keine weiteren Lockerungsmaßnahmen.

Bundesbank bremst bei EU-Einlagensicherung

Nicht zum ersten Mal hat die Bundesbank die Gefahren benannt, die von den Staatsanleihen ausgehen, welche ohne Unterlegung von Eigenkapital in den Bankbilanzen schlummern. Nun macht ihr Präsident Jens Weidmann seine Zustimmung zu einer europäischen Einlagensicherung davon abhängig, dass die Banken in Europa ihre Bestände an Staatsanleihen reduzieren. Sonst käme es zu einer Haftung aller für die Staatsschulden in Europa, argumentiert er und mahnt in der Diskussion über neue Vorschriften für Staatsanleihen-Käufe von Banken zur Eile. Gerade weil man für neue Regelungen Übergangsfristen brauche, müsse die grundsätzliche Weichenstellung zügig getroffen werden. Die Risikobewertung von Staatsanleihen war mit der Euro-Schuldenkrise in den Fokus geraten, als sich zeigte, dass auch bei Euro-Staaten ein Ausfallrisiko besteht. Dieses Risiko will Weidmann bewertet haben – mit einer adäquaten Unterlegung der Staatsbonds mit Eigenkapital.

Weidmann zufolge sprechen gerade die hohen Bestände an Staatsanleihen in vielen Bankbilanzen gegen eine rasche Einführung einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung. Daher macht er die Verringerung der mit solchen Anleihen verbundenen Risiken zur Voraussetzung eines europäischen Einlagenschutzes. Dies könnte eine kluge Strategie des obersten Bundesbankers sein, um den von den deutschen Bankengruppen ungeliebten EU-Einlagenschutz zumindest hinauszuzögern – wenn er schon nicht zu verhindern ist. Sollte er dann unter der von Weidmann gestellten Bedingung doch kommen, wäre wenigstens eine Risikobewertung der Staatsbonds und damit mehr Sicherheit im europäischen Bankensystem erreicht worden.

Im Sommer wollen die Finanzminister der EU die Frage angehen, wie künftig Risiken aus Staatsanleihen in den Bankbilanzen verringert werden können. Nach den Vorschlägen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem soll es dann zu einer Verschärfung der Anforderungen an Staatsanleihen kommen.

Wie zuvor EZB-Präsident Mario Draghi fordert auch Weidmann mehr strukturelle Reformen in der Eurozone. Sonst besteht seines Erachtens die Gefahr, dass sich das nächste Vertrauensproblem für die Währungsunion aufbaut. Dann würde erneut die EZB für die Fiskalpolitik von Eurostaaten in die Bresche springen müssen.

Die Crux liegt darin, dass die Spielräume, die durch die lockere EZB-Politik für eine zügige Verringerung struktureller Haushaltsdefizite entstanden sind, von den Staaten vielfach nicht genutzt wurden. Und dies, so Weidmanns Befürchtung, könnte die Schuldentragfähigkeit einzelner Eurostaaten dann enorm belasten, wenn die EZB ihre Geldpolitik bei einer steigenden Inflation wieder straffen muss.

Bonds von Apple und Thyssen bleiben auf Kurs

Apple und Thyssen-Krupp – das sind zwei Unternehmen, wie sie verschiedener kaum sein können. Gemeinsam war ihnen aber in dieser Woche, dass es schlechte Nachrichten zu beiden Firmen gab. Apple musste im 1. Quartal 2016 den ersten Absatzrückgang seiner iPhones überhaupt hinnehmen. Und Thyssen-Krupp musste sich beim Ringen um einen Milliardenauftrag der australischen Regierung zum Bau von zwölf U-Booten dem französischen Staatskonzern DCNS geschlagen geben. In beiden Fällen hat auch der Aktienkurs gelitten, so dass sich ein Blick auf die Preisentwicklung der Corporate Bonds dieser Unternehmen lohnt.

Eine bis 11/2024 laufende Unternehmensanleihe (A1ZWW8) von Apple war in den vergangenen Tagen etwas zurückgekommen, um jetzt aber wieder bei 103,20% und damit knapp unter dem Jahreshoch von 103,62% (15.4.) zu notieren. Die Rendite liegt für den auf Schweizer Franken lautenden Titel bei 0%. Etwas schwächer präsentiert sich eine Euro-Anleihe von Apple (A1Z6UE), die momentan mit 104,772% unter dem Jahreshoch von 105,533% (7.4.) notiert. Die Anleihe rentiert bei einer Fälligkeit am 17.01.2024 mit ca. 0,73% und ist mit einer Make-Whole-Option ausgestattet

Thyssen-Krupp ficht die Nachricht von dem verpassten Großauftrag am Bondmarkt indessen nicht an. Ein bis 8/2018 laufender Corporate Bond (A1R08U) des Unternehmens notiert bei ca. 106,90% und liegt damit unter seinem Zwölfmonatshoch von 108,00% vom April 2015 und rentiert mit 0,98%. Auch im langfristigen Bereich bleibt Thyssen-Krupp auf Kurs. Ein Bond (A14J58) mit Fälligkeit 2/2025 notiert mit ca. 99,35% und einer Rendite von 2,58% knapp unter dem Zwölfmonatshoch von 99,82% im April 2015.

Insgesamt kann in diesen Fällen konstatiert werden, dass die schlechten Nachrichten die Anleger am Bondmarkt nur wenig beeindruckt haben.

Goldman Sachs entdeckt die US-Sparer für sich

Ausgerechnet Goldman Sachs, Wall-Street-Legende, Investment Bank und Global Player, umwirbt nun die einfachen Sparer. Von nun an können US-Privatkunden bei der Goldman-Tochter GS Bank, einer Onlinebank, Sparkonten eröffnen und ab 500 US-Dollar Einlagezertifikate zeichnen. Die Bank offeriert noch kein vollwertiges Privatkundengeschäft. So fehlt es an Geldautomaten oder Filialen. Aber die Zinsen, die Goldman zahlt, können sich mehr als sehen lassen. 1,05% auf Spareinlagen und 1% auf einjährige Einlagezertifikate sowie 2% auf zweijährige Zertifikate erscheinen durchaus als Lockvogelangebote für US-Kunden.

Die neue Sparte von Goldman war durch die Übernahme der Onlinebank GE Capital im August 2015 entstanden, die aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur bereits derart attraktive Konditionen geboten hat. Nun führt Goldman diese Konditionen weiter. Basis der neuen Strategie sind die neuen Bankenregeln, die Spareinlagen als besonders hochwertig einstufen. Das Ganze geschieht vor dem Hintergrund, dass das Kerngeschäft von Goldman, das Investmentbanking und der Wertpapierhandel, ein schwieriges erstes Quartal 2016 verdauen mussten. Mit den Spargeldern will Goldman kostengünstige Einlagen gewinnen, um diese in anderen Geschäftsbereichen wie dem Investmentbanking zu verleihen. Während der Finanzkrise 2008 war das Institut in die Bredouille geraten, als kurzfristige Kredite von anderen Finanzfirmen, die üblicherweise zur Absicherung ihrer Wetten am Terminmarkt benutzt werden, plötzlich nicht mehr zur Verfügung standen. Die Bankenaufsicht drängte sie aus diesem Grunde, ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Geldern anderer Banken zu reduzieren. Ob dafür aber ausgerechnet Kundengelder ein guter Ersatz sein sollen, darf zumindest in Frage gestellt werden. Die GS Bank verzeichnet Einlagen in der Größenordnung von 88 Mrd. US-Dollar.

Crashtest für Tsipras

Die Gespräche über einen griechischen Sparkurs sind zunächst gescheitert. Die Vorstellungen darüber, wie es weitergehen soll, liegen bei der Regierung und den Gläubigern weit auseinander. Daher wollte Regierungschef Alexis Tsipras einen EU-Sondergipfel beantragen, doch dies wurde bereits von den anderen Verhandlungspartnern abgelehnt. Der Druck auf die griechische Regierung wird täglich größer und es gibt in Athen schon wieder Spekulationen über Neuwahlen.

Der Streit hat sich vor allem an der Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) entzündet, der Zweifel an der Einhaltung der Vereinbarungen durch Athen hegt und deshalb „Reservebeschlüsse“ verlangt. Dieser Notfallplan soll noch einmal Einsparungen in Höhe von 2% des BIPs bringen.

Griechenland soll deshalb neben den im Juli 2015 vereinbarten Reform- und Sparmaßnahmen im Umfang von 5,4 Mrd. € weitere Maßnahmen für rund 3,6 Mrd. € treffen. Dieses zweite Paket soll quasi auf Vorrat beschlossen werden und in Kraft treten, falls Athen bis 2018 das gesetzte Ziel, einen Überschuss von 3,5% des Bruttoinlandsproduktes vor Abzug der Kreditzinsen, nicht erreicht.

Einen solchen Beschluss aber dürfte die Regierung Tsipras nicht überleben. Athen schlägt daher eine Art „automatischen fiskalen Stabilisator” vor, nach dem alle Staatsausgaben um einen bestimmten Prozentsatz gekürzt werden sollen, wenn das Land sein Einsparziel um genau diese Quote verfehlt. Die Gläubiger können sich damit nicht anfreunden und fordern konkrete Maßnahmen.

Um den Griechen den Abschluss der Überprüfung des Hilfsprogramms schmackhaft zu machen, stellt man zumindest hinter vorgehaltener Hand den Griechen eine Teilnahme am Anleihe-Kaufprogramm der EZB unter bestimmten Bedingungen in Aussicht.

Saudis planen Abschied vom Öl

Saudi-Arabien bereitet sich auf den Abschied vom Öl vor. Angesichts des Preisverfalls beim Rohöl will sich das Land auf spektakuläre Art und Weise unabhängig von den Rohstoffeinnahmen machen. Dazu gründet Riad nun den größten Staatsfonds der Welt. „Vision 2030“ wird der Plan genannt, wonach weniger als 5% der staatlichen Ölgesellschaft Aramco an die Börse gebracht werden. Der zu erzielende Erlös soll neben den Erträgen aus einer 5%-igen Mehrwertsteuer in einen insgesamt 2 Billionen Dollar schweren Staatsfonds fließen, der 10% der weltweiten Investitionskraft umfassen würde. Der Gesamtwert von Aramco liegt bei rund 2,5 Billionen US-Dollar.

Geht die Rechnung auf, welche der „Vision 2030“ zugrunde liegt, will Saudi-Arabien bereits im Jahr 2020 ohne Öl leben. Immerhin, in einem größeren Ausmaß als viele andere Länder der Erde verfügt Saudi-Arabien über eine unerschöpfliche Energiequelle: die Sonne, die als Alternative zum Erdöl besser genutzt werden soll.

EZB-Politik lockt Emittenten an

Mancher Emittent sieht sich in Kombination mit seiner eigenen Bonitätsbeurteilung und der Ankündigung des EZB-Präsidenten, zukünftig auch Corporate Bonds guter Unternehmen anzukaufen, mit einem „Luxus-Problem“ konfrontiert und wagt den Schritt an den Primärmarkt, um sich die günstigen Refinanzierungskosten zu sichern.

So nutzte das niederländische Unternehmen Unilever die Gunst der Stunde und nahm 1,5 Mrd. € mittels dreier Anleihen mit einer Mindeststücklung von 100.000,– € auf. Die erste Tranche (A180VF) ist am 29.04.2020 endfällig und wurde als Null-Prozenter bei 99,67% begeben. Auf diesem Weg konnten 300 Mio. € eingesammelt werden. Für eine um 4 Jahre längere Laufzeit wurde ein jährlicher Kupon von 0,5% vereinbart, was wiederum 500 Mio. € in die Unternehmenskasse spülte. Gepreist wurde die Anleihe (A180VG) bei 98,419%, was einem Emissionsspread von +71,9 bps über der vergleichbaren deutschen Staatsanleihe entspricht. Wer sein Geld noch länger investieren möchte, der hat die Möglichkeit jährlich 1,125% Zinsen bis zur Endfälligkeit am 29.04.2028 zu erhalten. Diese Anleihe (A180VH) ist 700 Mio. € schwer und wurde bei 99,034% begeben (+93,8 bps über Bund).

Etwas mehr Zinsen muss McDonald‘s zahlen, das ebenfalls 3 Emissionen an den Markt brachte und dadurch 2,5 Mrd. € einsammeln konnte. Eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A180VT) ist mit einem Kupon von 0,5% ausgestattet und am 15.01.2021 fällig. Der Emissionspreis von 99,736% bedeutete einen Spread von +50 bps über Mid Swap. Die zweite Tranche (A180VU) mit Rückzahlung am 15.11.2023 ist mit einem Kupon von 1% ausgestattet. Das Emissionsvolumen der mit 99,282% begebenen Anleihe (+70 bps über Mid Swap) beläuft sich auf 1 Mrd. €. Wem die bisherigen Laufzeiten allerdings zu kurz waren, der kann McDonald’s bis zum 03.05.2028 sein Geld zur Verfügung stellen und kassiert dafür jährlich 1,75%. Die Anleihe (A180VV) im Volumen von 750 Mio. € wurde bei 99,262% bzw. +95 bps über Mid Swap gepreist. Kumuliert lagen insgesamt Orders für über 14 Mrd. € vor!

Aber auch Emittenten wie Bertelsmann (A2AASY / 2026) und Carrefour (A180M6 / 2024) buhlen mit Neuemissionen um die Gunst der Investoren. Das deutsche Medienunternehmen zahlt einen jährlichen Zins von 1,125% und die französische Supermarktkette muss nur 0,75% veranschlagen.

War’s das mit der Korrektur?

Endlich haben die Bären mal Recht bekommen, aber die spannende Frage wird nun sein: War’s das oder geht die Party jetzt erst richtig los? Für beide Thesen gibt es plausible Erklärungen.

Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der weiteren Weltwirtschafts-Entwicklung und möglicherweise geschönter Konjunkturdaten in China könnte es sich um eine kurze Schwächeperiode handeln. Sollten sich aber große institutionelle Investoren zu Gewinnmitnahmen genötigt sehen, so ist eine Entwicklung wie vor einem Jahr nicht auszuschließen. Da man die Frage aber nur in Verbindung mit vielen „Wenn und Aber“ beantworten kann, zieht man in einem solchen Fall gerne die Charttechnik zu Rate.

Der intakte Abwärtstrend verfügt über eine schwache Unterstützungslinie bei 161,50% und erst das Tief vom 10.03.2016 (Draghi-Day) bei 160,81%, stellt eine nennenswerte Unterstützung dar. Nach oben blickend registrierten wir am gestrigen Handelstag noch bei 162,33% (Tief vom 21.04.) einen ersten Widerstand, der inzwischen zur Unterstützungslinie mutierte. Daher ist jetzt der Weg bis zur psychologischen Marke bei 163% wieder frei.

Aktuell handelt das Rentenbarometer infolge der gestrigen amerikanischen und heutigen japanischen Zinsentscheidung bei 162,46%.

Belgien refinanziert 100 Jahre

In dieser Handelswoche wurden in der Eurozone Anleihen im Gegenwert von über 50 Mrd. € endfällig. Neuaufnahmen gab es aber lediglich in Höhe von 9 Mrd. €. Die beiden Emittenten, die sich hierzu am Kapitalmarkt tummelten, waren Italien, das diverse Altemissionen aufstockte und Deutschland. Die Platzierung der deutschen 30-jährigen Staatsanleihe (110234) erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,03% und das angestrebte Volumen von 1 Mrd. € stellte sich im aktuellen Marktumfeld nicht als Problem dar. Das Gesamtvolumen beläuft sich nun auf 16 Mrd. €.

Das Highlight der Woche war allerdings die Ankündigung Belgiens, das sich als zweiter Staat - nach Irland - an die Begebung einer 100-jährigen Anleihe wagt. Das Volumen ist mit 100 Mio. € sicherlich übersichtlich, aber die Laufzeit erstreckt sich - auch ohne Verlängerung der Lebensarbeitszeit - auf mindestens 3 Generationen. Dies ermöglicht den Investoren, die Duration ihrer Portfolios mit einer Transaktion deutlich zu verlängern. Ob sinnvoll oder weniger sinnvoll, das müssen die Nachfolger entscheiden. Die Rendite für diese Investitionsdauer beläuft sich auf ca. 2,3% p.a.

In den USA denkt man zwar immer gerne in XXL-Kategorien, aber auch in diesen Tagen wurden konservativ Geldmarktpapiere für insgesamt 107 Mrd. USD sowie 5-jährige T-Notes für 34 Mrd. USD, 7-jährige für 28 Mrd. USD und ein 2-jähriger Floater für 15 Mrd. USD aufgelegt. Nicht jeder Trend ist nachahmenswert!

Brasilien und die Olympischen Spiele

Nach dem ersten Großereignis und der Austragung der Fußball-WM 2014 steht für Brasilien das nächste Spektakel an. Seit dem gestrigen Mittwoch sind es noch exakt 100 Tage bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Die ohnehin schwierige politische Lage im Land wird durch die bevorstehenden Spiele nochmals verschärft. Es drohen Proteste gegen die Regierung.

Doch Investoren interessieren sich nicht nur aus sportlichen Gründen für Brasilien, sondern stellen auch währungstechnische Überlegungen an. Seit der Weltmeisterschaft bewegte sich der brasilianische Real in einer Tradingrange zwischen 2,8679 BRL und 4,7832 BRL und infolge einer rückläufigen Inflationserwartung im laufenden und kommenden Jahr richten sich die Blicke auf mögliche Zinsentscheidungen der Zentralbank Brasiliens, was wiederum Auswirkungen auf die Devisenkurse hätte. Der Euro notiert aktuell um die Marke von 4,00 BRL.

Neben Brasilien tagt am kommenden Freitag auch die Notenbank Russlands. Im Vorfeld der Notenbanksitzung zeigt sich der Rubel sehr robust und handelt im Moment bei 74,10 RUB. In der Vorwoche wurde gar ein neues Jahreshoch bei 72,4749 RUB zum Euro markiert.

Diese Berichtswoche steht ganz im Zeichen der Notenbanken, so endete gestern Abend die zweitägige Sitzung der Federal Reserve (Fed). Erwartungsgemäß gab es keine großen Überraschungen aus Übersee und so notiert die europäische Gemeinschaftswährung heute Morgen bei 1,1355 USD, nachdem sie noch vor Wochenfrist bei 1,1398 USD gehandelt wurde.

Im Fokus der Privatanleger standen in den vergangenen Handelstagen vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, brasilianische Real, norwegische Kronen und vereinzelt auch russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Im Korsett der Geldpolitik

Inzwischen mehren sich die Stimmen, die da meinen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) das aktuelle Leitzinsniveau in diesem Jahr nicht mehr unterbieten könne. Unter anderem hält der frühere Vorstandschef von Pimco, dem weltgrößten Anleiheinvestor, Mohamed El-Erian, die Einführung negativer Zinsen für ein „wahnwitziges“ Experiment mit unkalkulierbaren Risiken für die gesamte Finanzbranche. Manche Ertragslöcher lassen sich momentan noch auf andere Weise stopfen, aber nicht ewig. Im Finanzsystem sind alle Beteiligten auf Zinserträge angewiesen und wenn diese nicht zu erzielen sind, so bleibt dies nicht ohne Folgen.

In diesem Zusammenhang wird von den Anhängern der expansiven Geldpolitik immer wieder gerne angemerkt, dass der aktuelle Kurs der EZB alternativlos sei. Das mag auf den ersten Blick zutreffend sein, aber wenn durch diese Niedrigzinspolitik Banken, Pensionsfonds, Versicherungen und andere Kapitalsammelstellen in Schieflagen geraten, hat dies gravierende Auswirkungen, die jeder Bürger spüren wird. Und an dieser Stelle sei auch nochmals darauf hingewiesen, dass Euroland nicht mit Japan zu vergleichen ist. Nur weil es dort seit vielen Jahren so praktiziert wird, heißt das nicht, dass damit eine Blaupause für andere Staaten gefunden wäre. In Japan wird ein Land mittels dieser Geldpolitik gelenkt, aber in Euroland sollen Staaten mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft in ein Korsett gezwängt werden. Das kann nur eine begrenzte Zeit gut gehen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass bereits jetzt Finanzexperten die Frage stellen, wann mit dem Tapering begonnen wird.

Sechs Wochen nach der Aufstockung des Ankaufprogramms ist es zwar noch nicht soweit, aber der Zeitpunkt wird früher oder später kommen. Doch hierzu wird Mario Draghi auf der heutigen EZB-Pressekonferenz sicherlich nichts sagen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass andere Themen im Mittelpunkt seiner Erklärung stehen werden. So erwartet man weitere Informationen zum geplanten Ankauf von Corporate Bonds, zu den Langzeittendern und zum sinnlosen „Helikoptergeld“. Sicherlich wird er alles unternehmen, um Zweifel an der Handlungsbereitschaft des Gremiums zu zerstreuen. Lassen wir uns also von „Super-Mario“ überraschen und ihn die Zinswelt neu erklären!

Auch Lissabon werkelt an eigener Bad Bank

Nachdem Italien einen Rettungsfonds für seine Kreditinstitute über 5 bis 6 Mrd. Euro ins Leben gerufen hat, will nun auch Portugal das Problem der faulen Bankkredite mit einer Lösung in den Griff bekommen, die allerdings anders geartet sein soll.

Ministerpräsident Antonio Costa sprach sich gegen eine Lösung mit Hilfe von Steuergeldern aus. Er sei dagegen, öffentliches Geld in die Banken zu pumpen, sagte Costa. Natürlich bleibt es für Lissabon eine große Herausforderung, einen solchen Rettungsfonds oder eine Bad-Bank auf die Beine zu stellen. Ende 2015 hatte Portugal die Bank Banif mit 2,2 Mrd. € stützen müssen.

Wie Lissabon das Problem lösen will, ist noch unklar. Laut Costa will man dabei nicht nach dem Vorbild von Italien oder Spanien vorgehen, wo die Banken mit Krediten der Euro-Partner bzw. privater Investoren gestützt wurden. Er hoffe, man werde eine gute Lösung nach portugiesischer Art haben, orakelte der Regierungschef, um den Banken neuen Spielraum zu verschaffen.

Basteln an Notfalllösung erinnert an Sisyphus-Aufgabe

Die Bewältigung der griechischen Schuldentragödie erinnert immer wieder an die Aufgabe von Sisyphus, was als Synonym für eine sinnlose und dabei schwere Tätigkeit ohne absehbares Ende steht. Nun sagte der Chef des ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus), Klaus Regling, die finanzielle Rettung Griechenlands könne noch immer gelingen. Ja, er glaube sogar, es sei nicht unrealistisch, dass eine Lösung in den nächsten vier Wochen beschlossen werden könne.

Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt angesichts der vergangenen Erfahrungen ein Stück weit der Glaube. Die Umsetzung versprochener Reformen ist eine Voraussetzung für weitere Auszahlungen des ESM an Athen. 2015 hatten die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationalen Währungsfonds (IWF) ein drittes Hilfspaket für Griechenland von bis zu 86 Mrd. € geschnürt. Damit wird eine für morgen angedachte Lösung im Rahmen eines Treffens der EU-Finanzminister zum wiederholten Male nach hinten verschoben.

Bei den aktuellen Gesprächen in Athen geht es nun darum, eine Notfalllösung zu erarbeiten, sollte das Land mit den bisherigen Maßnahmen seine Sparziele nicht erreichen. Man baut schon vor für den Fall, dass Athen seine Haushaltsziele verfehlen wird. Dies impliziert, dass die Verhandlungspartner sehr wohl wissen, dass es so weit kommen wird. Man bastelt also bereits jetzt an der nächsten Auffanglösung. Der Grund liegt wohl darin, dass die europäischen Geldgeber unbedingt den IWF im Boot halten wollen, der immer wieder einen Schuldenschnitt fordert. Andernfalls droht der IWF, aus dem Kreis der Gläubiger auszuscheren.

Um nun eine Notfalllösung auf Vorrat zu finden, drängt wie üblich die Zeit. In den Kassen des Landes herrscht eine gähnende Leere und dennoch muss bis Mitte Juli eine Lösung her, denn dann müssen 2,3 Mrd. € zurückgezahlt werden.

EZB-Politik lässt kostenloses Girokonto sterben

Mit der Infragestellung des kostenlosen Girokontos durch Postbank-Chef Frank Strauß wurde einmal mehr deutlich, wie sehr die Zinspolitik der EZB den Banken zusetzt. Strauß, hatte der „Welt am Sonntag“ gesagt, dass die Postbank das kostenlose Girokonto für Privatkunden in Frage stelle und an einem neuen Preismodell arbeitet.

Klar ist, dass derzeit viele Institute neue Preismodelle durchkalkulieren und gegebenenfalls gezwungen sind, die Kontogebühren zu erhöhen. Seit EZB-Präsident Mario Draghi den Leitzins auf null % und den Einlagenzins der Banken bei der EZB ins Negative gesenkt hatte, versuchen die Banken zu vermeiden, den Kunden Negativzinsen für Spareinlagen aufzubrummen. Allerdings werden dafür andere Stellschrauben gedreht, um irgendwo noch Ertrag zu generieren. Dass die Zeit der kostenlosen Kontoführung vorbei ist, hatte bereits der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, betont. Dafür würden Leistungen verursachergerecht bepreist werden. Alle Marktteilnehmer müssten angesichts der „falschen Zinspolitik“ der EZB neue Ertragsquellen erschließen.

Sparen würde dann aber über Gebühren „bestraft“ werden. Mit der Folge, dass die Bürger in die Versuchung geraten, ihr Geld lieber abzuheben und es zuhause zu verwahren. Dies könnte auch für Unternehmen eine Alternative sein. Dann würde nur noch die Wiedergeburt der Lohntüte fehlen und wir wären wieder im 20. Jahrhundert angekommen.

Konkurrent der Weltbank beginnt mit Kreditvergabe

Die New Development Bank hatte 2015 in Shanghai den Geschäftsbetrieb aufgenommen. Sie war 2014 von den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika ins Leben gerufen worden, die damit gleichzeitig ihre wirtschaftliche Stärke dokumentierten. Gleichzeitig beabsichtigten diese Länder, mit der New Development Bank einen Gegenpol zum Internationalen Währungsfonds und zur Weltbank zu schaffen. Denn bereits seit 2010 sollen z.B die IWF-Stimmrechte neu verteilt und den wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen angepasst werden.

Schwerpunkt der Kreditvergabe sollen erneuerbare Energien sein. Und nun war es endlich soweit. Die New Development Bank gewährt zum ersten Mal grüne Kredite im Volumen von ca. 811 Mio. US-Dollar (717 Mio. €), welche in Projekte für erneuerbare Energien in vier Gründerländern der Bank fließen. Dazu zählen Kraftwerke in Brasilien und Solarkraftwerke in China. Die Laufzeit der Darlehen liegt zwischen 12 und 20 Jahren.

IWF plant neue Quotenreform

Bevor die Quotenreform von 2010 überhaupt umgesetzt ist, sollen 2017 bereits die Vorstellungen für eine neue vorgelegt werden. So fordert der Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF) das operative Führungsgremium des IWF auf, rasch die anstehende 15. Quotenreform anzugehen.

Mit dieser überfälligen Anpassung soll beispielsweise die Repräsentation großer Schwellenländer wie China im IWF aufgewertet werden. Aktuell halten die USA knapp 17% der IWF-Stimmrechte. Die Sperrminorität liegt bei 15%. China kommt auf nur knapp 4% und die Mitglieder der Eurozone halten insgesamt 22%.

Um die Schwellenländer entsprechend ihrer gewachsenen wirtschaftlichen Bedeutung besser im IWF zu repräsentieren, müssten die so genannten Industrieländer – allen voran die USA – Stimmrechte abgeben. Letzteres durchzusetzen gilt aber als aussichtslos, da für den US-Kongress eine Minderung der US-Stimmrechte im IWF nicht in Frage kommt.

Shanghai fordert London beim Gold-Fixing heraus

Mit der Aufnahme eines eigenen Gold-Fixings fordert die Shanghai Gold Exchange (SGE) den Handelsplatz London heraus. Am Dienstag wurde in Shanghai zum ersten Mal ein Referenzpreis für Gold bestimmt. Da in London der Goldpreis in US-Dollar festgestellt wird, bedeutet das Fixing in Shanghai, das in Yuan erfolgt, auch eine stärkere Positionierung der chinesischen Landeswährung gegenüber dem US-Dollar. Der Yuan soll offenbar immer mehr als Alternative zur US-Währung aufgebaut werden. Passend hierzu ließ die Aufstockung der Goldbestände durch die chinesische Zentralbank während der vergangenen Monate Spekulationen aufkommen, wonach China die Einführung eines neuen Goldstandards plane.

Ein Gramm Gold kostete am Dienstag in Shanghai 256,92 Yuan (etwa 35 €). Da China als wichtigster Importeur des Edelmetalls gilt und inzwischen auch dessen größter Produzent ist, hat die Aufnahme des Fixings eine gewisse Logik.

Nach der Ebbe kommt die Flut und umgekehrt

Das Emissionsverhalten am Primärmarkt für Corporate Bonds erinnert immer mehr an die Gezeiten. Herrschte in der vergangenen Woche noch Flut, so könnte man in dieser Woche eher von einer partiellen Ebbe sprechen.

Dieser Zeit brachte der deutsche Versicherungskonzern Allianz zwei gleich schwere Anleihen im Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. € bei den Investoren unter. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 4-jährige Nullkupon-Anleihe (A180B7) mit Laufzeitende am 21.04.2020. Gepreist wurde das Papier mit +18 bps über Mid Swap bzw. bei 99,557%. Die zweite Tranche (A180B8) ist eine mit 1,375% p.a. verzinste 15-jährige Anleihe mit Laufzeitende am 21.04.2031. Der Bond wurde mit 99,731% emittiert (Mid Swap +50 bps).

Ebenso am Markt aktiv war der deutsche Bertelsmann Konzern. Es wurde eine Anleihe (A2AASY) im Umfang von 500 Mio. € mit Laufzeitende am 27.04.2026 aufgelegt. Das Unternehmen zahlt jährlich einen Kupon von 1,125%. Der Reoffer betrug 99,223% und somit +67 bps über Mid Swap.

Auch der spanische Versorger Iberdrola trat am Kapitalmarkt in Erscheinung und refinanzierte 1 Mrd. € als 10-jährige Anleihe (A180HH). Die Zinsen in Höhe von 1,125% werden jährlich bis zum Laufzeitende am 21.04.2026 gezahlt. Das Preising erfolgte mit +63 bps über Mid Swap und dadurch errechnete sich ein Ausgabepreis von 99,493%.

Alle Bonds sind nur für Investoren geeignet, die mindestens 100.000,– € anzulegen haben und die Emittenten Allianz und Bertelsmann haben sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) festschreiben lassen.

Seitwärts auf dem Weg nach Süden

Nachdem in dieser Woche die Finanzmärkte von Rohstoff- und Aktienpreisen beeinflusst wurden, verharrte der Euro-Bund-Future in einer engen Range zwischen 163,09% und 164,17%. Die untere Begrenzungslinie des seit Dezember 2015 vorhandenen Aufwärtstrends verläuft aktuell bei 163,60% und ergibt zusammen mit einem seit dem 11. April herausgebildeten Abwärtstrend eine Dreiecksformation, die spätestens zum Beginn der kommenden Woche verlassen wird. Die Frage wird nur sein: Nach Norden oder nach Süden.

Aufgrund der vielen kritischen Kommentare zur aktuellen Geldpolitik ist die Gefahr einer Reaktion nach unten wesentlich größer, als ein Test des bisherigen Höchstkurses bei 164,60% (11.04.2016). Wird doch für die kommenden Monate von einem leichten Anstieg der Bund-Rendite ausgegangen, was die Blicke auf die Unterstützungslinien lenkt. Bei einem nachhaltigen Scheitern an der Marke 163,60% rücken die psychologische Marke bei 163% sowie der Bereich um 162,40% in den Fokus der Überlegungen.

Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 163,24% und profitiert vorerst noch von den Unsicherheiten rund um den Brexit und die diversen politischen Krisen.

Pleitier wird wieder salonfähig

In dieser Handelswoche buhlten die Staaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Slowakei und Spanien um die Gunst der Investoren. Hierzu wurden diverse Staatsanleihen um ca. 19 Mrd. € aufgestockt. Den Anfang machte die Slowakei (A1HLL8 / 2018 ; A1ZUZV / 2027 ; A18W5D / 2031), gefolgt von Belgien (A1GLKR / 2021 ; A18W1U / 2026 ; A0BCKS / 2035) und Deutschland (110239 / 2026). Den Abschluss bilden am heutigen Donnerstag Frankreich (A180JV / 2021 ; A0D2UV / 2022 ; A1HGEZ / 2024 ; A1ZKRV / 2030) und Spanien (A1GNNU / 2026 ; 607762 / 2032 ; A1AM06 / 2041).

Das Emissionsvolumen der 10-jährigen Benchmarkanleihe der Bundesrepublik Deutschland wurde hierbei um 4 Mrd. € auf insgesamt 18 Mrd. € erhöht. Hierfür wurden Zeichnungsaufträge für ca. 4,4 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,15%. Zur Marktpflege wurden ca. 0,8 Mrd. € zurückbehalten.

In den USA konnten Anleger nur zwischen einer 5-jährige inflationsindexierten T-Note und den üblichen T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten auswählen. In der kommenden Woche werden zusätzlich T-Notes mit einer Endfälligkeit in ein, zwei, fünf und sieben Jahren offeriert.

Das besondere Highlight dieser Woche war aber ein jahrelang geächteter Staat. Argentinien wurde wieder am Kapitalmarkt aktiv. Nach 15 Jahren Abstinenz und infolge des aktuellen Rendite-Notstands konnte man kurzerhand 16,5 Mrd. USD mit Laufzeiten von drei, fünf, zehn und 30 Jahren refinanzieren. Erschreckend ist hierbei, wie vergesslich doch Investoren sind. Gestern noch pleite und heute ist bereits alles vergessen und verziehen. Vielleicht hat also Österreich mit Heta doch alles richtig gemacht!

Devisenhändler warten auf Mario Draghi

Die neue 5-Euro-Münze löste einen wahren Hype aus. Die Nachfrage nach der Gedenkmünze „Blauer Planet Erde“ war enorm. Es ist zudem die erste 5-Euro-Münze seit Einführung des Euros.

Mit diesem Hype konnte die europäische Gemeinschafswährung nicht ganz mithalten, obwohl sie in der vergangenen Woche mit einem neuen Jahreshoch bei 1,1465 USD glänzte, aber im weiteren Handelsverlauf legte sich die Euphorie und es gab einen Rücksetzer bis auf 1,1234 USD. Seither handelt die Einheitswährung in einer Bandbreite zwischen 1,1250 und 1,1385 USD und es fehlen die entscheidenden Impulse. Diese erhoffen sich die Marktteilnehmer von der heutigen EZB-Ratssitzung, wenngleich größere Überraschungen nicht zu erwarten sind. Aufgrund der abwartenden Haltung der Marktteilnehmer wird der Euro heute in der Früh bei ca. 1,1295 USD gehandelt und man könnte das auch als „Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnen.

Obwohl die brasilianische Regierung momentan mit ihrem Handeln nicht unbedingt für positive Nachrichten sorgt, scheinen viele Investoren in dem möglichen Amtsenthebungs-Verfahren einen Neuanfang zu sehen und waren zu Engagements bereit. So konnte die Landeswährung zum Euro ein neues Jahreshoch bei 3,8957 BRL markieren, nachdem Mitte Februar noch ca. 4,53 BRL aufgerufen waren. Aktuell notiert die Währung der Euroländer bei 3,985 BRL.

Dieser Trend spiegelt sich bereits seit Wochen in verstärkten Handelsaktivitäten in Bonds auf brasilianische Real wider. Darüber hinaus standen aber auch Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, türkische Lira sowie südafrikanische Rand im Fokus der Privatanleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Schäubles Kampf gegen Windmühlen

Wolfgang Schäubles Wortmeldungen gegen die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken werden lauter. Im Vorfeld des IWF-Frühjahrstreffen drängt der Bundesfinanzminister nun auf einen Kurswechsel in der globalen Zinspolitik. Sowohl die Finanzbranche als auch die Altersvorsorge leiden darunter, so sein Credo. Und wenn die Ersparnisse der deutschen Anleger von der Euro-Rettung aufgefressen werden, ist auch ihm klar, dass sich das Vertrauen der Bürger in die europäische Integration weiter abkühlen dürfte. Also will Schäuble auf der IWF-Frühjahrskonferenz für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik die Trommel rühren und sieht dabei auch die Staaten in der Pflicht.

„Die Finanz- und Wirtschaftspolitik muss den Notenbanken eine Brücke bauen, damit der Einstieg in den Ausstieg von der lockeren Geldpolitik möglich wird“, sagte Schäuble der Nachrichtenagentur Reuters. Doch sind derartige Töne nur fürs Publikum mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 gedacht? Schließlich gibt es mächtige Befürworter der Geldmengenflut. An allererster Stelle ist hier der Internationale Währungsfonds (IWF) zu nennen, der die Einführung von Negativzinsen ausdrücklich begrüßt hat. Von einer solchen Maßnahme verspricht sich der Fonds zusätzliche Konjunkturimpulse und Erleichterung für die Kreditvergabe.

Aber es kommt noch ein anderer Umstand hinzu. Während das deutsche Rentensystem einschließlich Lebensversicherungen auf Verzinsungen, also auf dem Rentenmarkt beruht, basiert die Altersvorsorge in den USA auf Aktien. Vor diesem Hintergrund fühlt man sich in den USA ganz wohl mit einer Nullzinspolitik, die den Aktienmarkt weiter befeuert - erst recht in diesem Jahr, in dem US-Präsidentschaftswahlen anstehen. So gesehen ficht der Finanzminister derzeit einen Kampf gegen Windmühlen und ist zugleich einer der größten Profiteure der Geldpolitik.

Bleibt also die von Schäuble angesprochene Brücke, die die Finanz- und Wirtschaftspolitik den Notenbanken bauen muss, um wenigstens halbwegs wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Die Grundlage dafür wäre eine stabilere und nachhaltigere Wachstumspolitik, bei der alle Finanzminister selbst gefordert wären. Die Crux daran ist freilich, dass einer verstärkten Ausgabebereitschaft der Länder vielfach hohe Schuldenquoten entgegenstehen und damit die Mittel für eine Unterstützung der Notenbankpolitik nur über erhöhte Schulden finanzierbar wären. Der ohnehin schon herrschende Teufelskreis würde sich also noch schneller drehen.

IWF beharrt auf Schuldenschnitt für Athen

Dass die Verhandlungen über ein drittes Finanzierungspaket zwischen Griechenland und den internationalen Geldgebern wieder mal ohne Ergebnis vertagt worden sind, überrascht niemanden mehr. EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB), der Europäische Stabilitätsfonds (ESM) und der IWF fordern eine Steuerreform und Kürzungen bei den Renten. Vor allem die letzte Forderung hat bereits zu mehreren Generalstreiks in Griechenland geführt.

Längst hält der IWF die Schuldensituation des Landes in hohem Maß für untragbar, weshalb er im Gegensatz zur Bundesregierung einen Schuldenschnitt für unausweichlich erachtet. Neben den Reformen müssten die europäischen Partner dem Land Verbindlichkeiten in einem wesentlichen Umfang erlassen, so die Forderung.

Athen will nun nächste Woche seine Gesetzesvorlagen für eine Renten- und Steuerreform dem Parlament vorlegen, dessen Bewertung als entscheidend für eine positive Beurteilung durch IWF, EZB und EU-Kommission gilt. Und davon hängt wiederum ab, ob dem Land weiteres Geld ausgezahlt wird. Bis zum Treffen der Eurozonen-Finanzminister am 22. April soll eine Lösung gefunden werden.

Die griechischen Staatsanleihen reagierten auf die jüngsten Ereignisse. So fiel die zehnjährige Rendite von 11,47% Mitte Februar 2016 auf 8,70% Anfang April, um aktuell wieder auf 9,37% anzuziehen. Im kurzfristigen Bereich rentiert ein Hellas-Bonds (A1ZGWQ), der bis 4/2019 läuft, derzeit sogar über 10%.

Erste Zivilklage gegen Heta eingereicht

Nach dem seitens der österreichischen Behörde angekündigten Heta-Schuldenschnitt ist am Montag bereits die erste Zivilklage gegen das Land Kärnten eingereicht worden. Eine niederländische Bank beruft sich auf die Landeshaftungen und fordert 1,5 Mio. € von Kärnten. Erst am Sonntagabend hatte die Finanzmarktaufsicht ihren Schuldenschnitt bekannt gegeben, womit Heta-Gläubiger bei vorrangig besicherten Anleihen 54% ihrer Forderungen verlieren und die Laufzeiten der Heta-Anleihen bis 2023 gestreckt werden. Halter von nachrangigen Bonds sollen komplett leer ausgehen.

Zuvor hatten die Gläubiger ein Rückkaufangebot für die Heta-Anleihen von Bund und Land abgewiesen. Das österreichische Bundesland hat einst Garantien für Heta-Papiere in Höhe von rund 11 Mrd. € übernommen und ist nach eigenen Angaben aber nicht in der Lage, die Schulden zu begleichen. Natürlich fragt man sich seit diesem Schritt, was denn eine Landesbürgschaft noch wert sein soll, wenn man sie im Haftungsfall einfach einschränkt. Es war zu erwarten, dass die Gläubiger nach dem Schuldenschnitt versuchen werden, ihre Forderungen auf dem Gerichtsweg einzuklagen.

Indessen zeichnen Gläubiger einen Weg für einen möglichen außergerichtlichen Kompromiss vor, denn einige Geldgeber der früheren Kärntner Bank Hypo Alpe Adria scheinen nun nicht mehr auf eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen zu bestehen. So ist von der Gläubigergruppe „Teutonia” zu hören, dass „ein Neuner“ vorne stehen müsse, aber eine Quote von nur 90% zu wenig sein werde.

IWF warnt vor Brexit

Vor den Auswirkungen eines Nein der Briten zur EU auf die heimische Wirtschaft wurde schon zur Genüge gewarnt. Sollte sich Britannien am 23. Juni dennoch für den Brexit entscheiden, könnte dies auch negative Folgen für die globale Wirtschaft haben. Diese Befürchtung hegt der Internationale Währungsfonds (IWF) und warnt in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick vor der bereits geschaffenen „Unsicherheit für Investoren”.

Ein EU-Austritt würde vermutlich langwierige Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU über eine Neuordnung der Beziehungen zur Folge haben. Diese Phase würde zur Hängepartie für Investoren werden, die nicht wüssten, woran sie sind.

Der mögliche Brexit ist somit konträr zur grenzüberschreitenden ökonomischen Integration zu sehen. So fürchtet der IWF, dass der politische Konsens über die Freihandelspolitik in Europa zu „zerfransen“ droht. Ebenso beobachtet der Fonds in den USA eine wachsende Tendenz, „sich nach innen zu wenden”. Sollte diese Entwicklung in einen neuen Protektionismus bei den Handelsbeziehungen münden, wäre dies Gift für eine am Export orientierte Wirtschaft, wie sie die deutsche darstellt.

Top-Note auch für die USA

Anfang April hatte Moody’s die Bestnote AAA für Deutschland bestätigt und den Ausblick als stabil bewertet, womit sich kurzfristig nichts an der Bewertung der deutschen Kreditwürdigkeit ändern dürfte. Kurz zuvor hatte Fitch das Spitzenzeugnis bestätigt, um nun auch für die USA die Top-Bonitätsnote mit einem stabilen Ausblick beizubehalten.

Obwohl sich das US-Budgetdefizit auf Bundesebene im Fiskaljahr 2016 erstmals seit 2009 ausweiten wird, sieht Fitch die Entwicklung immer noch im Rahmen einer Bewertung im Bereich AAA. Im Oktober hatte Moody’s sein AAA-Rating für die USA bestätigt, aber vor Unsicherheiten gewarnt. Standard & Poor’s hat seine Einschätzung bei AA+ belassen.

DAX-Unternehmen am Primärmarkt

Die Emissionstätigkeit bei Corporate Bonds stand in den vergangenen Tagen größtenteils im Zeichen der großen Unternehmen Deutschlands. Für die zukünftige Freude am Fahren sorgte die BMW AG. Das Unternehmen sicherte sich die günstigen Konditionen für insgesamt 1,5 Mrd. € - hälftig verteilt auf 2 Bonds. Eine 4-jährige Anleihe (A18Z74) bietet dem Anleger eine jährliche Zinszahlung in Höhe von 0,125% bis zum Ende der Laufzeit am 15.04.2020. Die Anleihe wurde mit +28 bps über Mid Swap und somit zu 99,686% begeben. Bei dem zweiten Papier (A18Z75) handelt es sich um eine mit 0,75% jährlich verzinste Anleihe mit Endfälligkeit am 15.04.2024, deren Emissionspreis bei 99,969% fixiert wurde. Dies entspricht einem Spread von +43 bps über Mid Swap.

Davon inspiriert, refinanzierte Linde 0,75 Mrd. € im Rahmen einer 12-jährigen Anleihe (A180B3). Das Unternehmen zahlt dem Investor jährlich 1,0% bis zum 20.04.2028. Das Papier wurde mit 98,737% bzw. einem Emissionsspread von +40 bps über Mid Swap gepreist.

Auch der Breitbandausbau in Deutschland kostet Geld. So refinanzierte die Deutsche Telekom 0,5 Mrd. € mittels einer 5-jährigen Anleihe (A180BW) mit Laufzeitende am 19.04.2021. Der Anleger erhält einen jährlichen Zins in Höhe von 0,25%. Ausgegeben wurde die Anleihe mit 99,456% (+35 bps über Mid Swap).

Aber auch Nicht-Dax-Unternehmen zeigten sich am Primärmarkt und so wurde nach langer Abwesenheit der französische Autobauer Peugeot wieder aktiv. Das Unternehmen begab eine 0,5 Mrd. € schwere 7-jährige Anleihe (A18Z7V). Der Investor erhält Zinsen in Höhe von 2,375% bis zur Fälligkeit am 14.04.2023. Der Bond wurde zu pari emittiert und somit bei +263,8 bps über der entsprechenden Bundesanleihe den Investoren überlassen. Darüber hinaus hat sich Peugeot ein optionales Kündigungsrecht festschreiben lassen (Make-Whole-Option).

Alle oben genannten Anleihen wurden mit einem „Privatanleger-freundlichen“ Mindestbetrag von 1.000 € begeben.

Die 7 Leben der Katze

Seit vergangenem Donnerstag hegten viele Marktteilnehmer die Hoffnung, das bisherige Renditetief bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen zu testen. Leider konnte das Ziel nicht ganz erreicht werden und so stellte sich mit 0,088% nur ein neues 12-Monatstief ein. Anschließend wurde infolge von Gewinnmitnahmen eine kleine Korrektur auf hohem Niveau beobachtet, welche das Rentenbarometer auf 163,16% fallen ließ. Sicherlich waren hierfür auch Äußerungen unseres Finanzministers mit verantwortlich, die bei dem ein oder anderen Investor zu einer vorsichtigen Neubewertung der Risiken der EZB-Geldpolitik führten. Doch der Euro-Bund-Future ist bekanntlich mit den 7 Leben einer Katze ausgestattet und so hat er sich nach der Veröffentlichung des „Beige Books“ in den USA wieder nach oben bewegt und die Widerstandslinie bei ca. 164,00% (diverse Hochs und Tiefs im April) ins Visier genommen.

Charttechnisch gibt es allerdings auch eine „Downside“ und die verläuft aktuell bei der psychologisch wichtigen Marke von 163,00%. Wie lange das Rentenbarometer sich innerhalb der Range zwischen 163% und 164% halten kann, hängt nicht zuletzt von den Ergebnissen der IWF und Weltbank-Tagung sowie den Konsultationen der Vertreter Erdöl exportierender Staaten ab. Garniert wird diese ereignisreiche Zeit noch von der heutigen Sitzung der Bank of England, bei der allerdings keine Zinsänderung erwartet wird und von diversen öffentlichen Auftritten europäischer und amerikanischer Notenbanker. Für Spannung ist also gesorgt. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 163,80%.

Frankreich legt 50-jährige Anleihe auf

In dieser Woche wurden die Blicke der Investoren nicht unmittelbar auf die Emissionstätigkeit der USA gerichtet. Obwohl dort neben den üblichen Geldmarkttiteln im Volumen von 87 Mrd. USD auch noch T-Notes mit Laufzeiten von 3 und 10 Jahren für insgesamt 44 Mrd. USD sowie 30-jährige T-Bonds für 12 Mrd. USD angeboten wurden.

Vielmehr wurde neben den Aufstockungen der im Jahre 2047 endfälligen Staatsanleihe der Niederlande (A1ZDY6) und der inflationsindexierten Anleihe des Bundes (103057 / 2046) - bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,42% - insbesondere das Statement Frankreichs beachtet. Die Ankündigung einer Anleihe mit einer Fälligkeit in 20 Jahren (A18Z4K) war hierbei nicht das Besondere, sondern die Tatsache, dass man zum dritten Mal nach 2005 und 2010 jetzt wiederum eine Anleihe mit einer Laufzeit von 50 Jahren (A180CR) am Kapitalmarkt begeben wird. Die Kupons wurden mit 1,25% bzw. 1,75% fixiert.

Zu erwähnen ist auch noch, dass Griechenland ca. 810 Mio. € am Geldmarkt für 3 Monate zu 2,70% und Italien insgesamt 9 Mrd. € mittels der Aufstockung unterschiedlicher Altemissionen aufnehmen konnte. Diese italienischen Bonds werden allerdings aus steuerlichen Gründen nicht an deutschen Börsen gehandelt.

Der Euro verliert an Boden

April, April, der weiß nicht, was er will. Dieser Spruch bezieht sich vornehmlich auf das wechselhafte April-Wetter. Der Euro scheint sich diesem Sprichwort ebenfalls verschrieben zu haben. In den vergangenen Handelstagen zeigte sich die Einheitswährung schwankungsintensiv.

Die europäische Gemeinschaftswährung startete zunächst sehr freundlich in die neue Handelswoche und konnte das vor Wochenfrist erreichte Jahreshoch mit 1,1465 USD sogar leicht verbessern. Die Freude währte allerdings nur kurz, denn im weiteren Handelsverlauf setzten Gewinnmitnahmen ein. Die Einheitswährung verlor deutlich und fiel sogar unter die Marke von 1,13 USD. Heute Morgen handelt der Euro bei 1,1250 USD.

Aktuell ist aber auch das Währungspaar EUR/GBP stets einen Blick wert. Nach einem Kommentar der UBS-Strategen würde ein Brexit das Pfund um rund 25% abstürzen lassen und somit Richtung Parität bringen. Aber soweit ist es noch nicht und das Pfund Sterling konnte sich in dieser Woche etwas stabilisieren. Nachdem der Euro in der Vorwoche noch knapp oberhalb der Marke von 0,81 GBP notierte, handelt er aktuell bei 0,7973 GBP.

Der Handel mit Währungsanleihen auf britische Pfund geriet in dieser Woche etwas ins Stocken, aber Bonds auf US-Dollar, südafrikanische Rand, norwegische Kronen und brasilianische Real konnten sich großer Beliebtheit erfreuen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Author: Klaus Stopp

Hilferuf der EZB an die Regierungen

Seit Monaten bemüht sich die Europäische Zentralbank (EZB) nun mit immer weiteren Lockerungen der Geldpolitik, der Eurozone eine Deflation zu ersparen – ohne spürbaren Erfolg, die Preise fallen dennoch. Vor diesem Hintergrund sieht Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny die Euro-Länder am Zug und fordert von ihnen Schützenhilfe zur Ankurbelung der Konjunktur. Natürlich könne die EZB eine Deflation verhindern, so seine These, aber Geldpolitik reiche nicht aus, um tatsächlich Wachstum zu schaffen, sagt er.

Diese Aussage birgt angesichts Nowotnys Mitgliedschaft im geldpolitischen Rat der EZB eine gewisse Brisanz, ist er doch mit den Überlegungen im Inneren der EZB vertraut. Bislang hält EZB-Chef Mario Draghi an dem Ziel fest, die Kreditvergabe im Euroraum mit einer Mischung aus einer aggressiven Nullzinspolitik, Strafzinsen für Banken und einem gigantischen Wertpapierkaufprogramm anzukurbeln. Damit aber ist die EZB allmählich mit ihrem Latein am Ende. Denn viel mehr als einen negativen Leitzins kann sie kaum liefern. „Wir füllen die Tränke, aber die realwirtschaftlichen Impulse müssen von woanders kommen”, heißt das mit den Worten Nowotnys. Damit wirken seine Aussagen wie ein Hilferuf der EZB an die Regierungen, ihrerseits doch ihren Beitrag zur Gesundung der Konjunktur in Euroland zu leisten.

Inzwischen hegt auch Wolfgang Schäuble öffentliche Zweifel an der ultralockeren Geldpolitik der EZB – allerdings zunächst in einem anderen Kontext. Man könne nicht bestreiten, dass die Auswirkungen der Geldpolitik in Deutschland zunehmend euroskeptische Bestrebungen in einem wachsenden Teil der Bevölkerung nährten, gab der Bundesfinanzminister zu Protokoll. Vor allem bei der älteren Bevölkerung stoßen die niedrigen Zinsen auf Ablehnung – trotz niedriger Inflation. Preisstabilität aber kann laut Schäuble nicht bei null sein, sondern muss bei rund 2% liegen. „Wenn es nicht ein bisschen mehr wird“, so Schäuble, „wird es in der Wahrnehmung weniger.“

Damit nimmt der Bundesfinanzminister indirekt zu den Sorgen der Lebensversicherer Stellung, die mit einem Zinssatz von null nicht mehr wirtschaften können. Dadurch sind auch die privaten Renten bedroht, die auf einem Garantieversprechen der Versicherer beruhen. Nicht von ungefähr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) dieser Tage vorgeschlagen, Versicherern künftig das Vorhalten eines Eigenkapitalpuffers vorzuschreiben. Neben der Schwankungsanfälligkeit des Aktienmarkts erachtet der IWF die niedrigen Zinsen als ein bedeutendes Risiko für die Branche. Doch sollten nun auch noch Versicherungen hoch liquide Wertpapiere kaufen müssen, so würde zusätzliches Öl ins Feuer der Negativzinsen gegossen werden.

Dass die niedrigen Zinsen auch Schäuble beunruhigen, hat er bisher eher vermieden zu sagen und sich auf die Position zurückgezogen, dass die EZB unabhängig sei. Jetzt aber ließ er erstmals durchblicken, dass ihn das Thema sehr wohl umtreibt. Eine öffentliche Debatte darüber wird aber von der Bundesregierung tunlichst unterlassen, dürfte diese doch zu einer gewissen Verunsicherung bei den Rentnern und den Sparern führen. Das will man partout vermeiden.

Neue Töne vom IWF

Die Notenbanken beherrschen zwar nicht erst seit gestern die internationalen Finanzmärkte, aber inzwischen mehren sich die mahnenden Worte aus den unterschiedlichsten Richtungen. Hat in der Vergangenheit insbesondere der Internationale Währungsfonds (IWF) zu den Befürwortern einer lockeren Geldpolitik gehört, so stimmt deren Chefin Christine Lagarde im Vorfeld der am 12. April in Washington beginnenden IWF-Frühjahrskonferenz nun neue Töne an. Das anhaltend niedrige Wachstum der Weltwirtschaft birgt ihres Erachtens Risiken für den aktuellen Konjunkturausblick. Da die Möglichkeiten der Geldpolitik in den Industrieländern nahezu ausgeschöpft sind, sieht sie die Politiker am Zuge. Nun müssen nationale Maßnahmen das vollenden, was die Geldpolitik in den Jahren zuvor vorbereitet hat.

Zur Jahreszeit passend drängt sich das Bild vom pflügenden IWF und den Saatgut ausbringenden Parlamentariern auf, damit später die Ernte eingefahren werden kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Notenbanker nach dem Pflügen vollständig zurückziehen, sondern weiterhin akkommodierend aktiv bleiben werden. Vor diesem Hintergrund wird am heutigen Donnerstag mit Spannung auf die Veröffentlichung des EZB-Sitzungsprotokolls vom 10. März 2016 gewartet, um darin nach Hinweisen für die zukünftige Zinsentwicklung zu suchen. Damals hatte sich EZB-Präsident Mario Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz bezüglich weiterer Zinssenkungen nur sehr zögerlich geäußert. Interessant wird jetzt sein, ob dies die Meinung aller Gremiumsmitglieder war und welche Themen zusätzlich diskutiert wurden. Geht es nach den Vorstellungen von Benoit Coeure, so besteht bei der EZB kein Mangel an Instrumenten. Er bezeichnet die Auswahl sogar als ziemlich groß. Allerdings betont er in diesem Zusammenhang, dass die Zinsen nicht in ein absolut negatives Territorium sinken werden. Was auch immer darunter zu verstehen ist.

Weniger zurückhaltend äußerte sich der Chef der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, am Dienstag im Parlament vor den Abgeordneten. Seiner Meinung nach können notfalls das Wertpapierkaufprogramm sowie der Strafzins für Geschäftsbanken noch weiter verschärft werden. Auch für den SNB-Präsident, Thomas Jordan, ist der Negativzins unverzichtbar, um den Kurs des Franken auf einem erträglichen Niveau halten zu können. Die kommenden Monate werden zeigen, welche Notenbank auf welche Strategie setzen wird und ob das gewünschte Ergebnis erzielt wird.

Hellas-Krise reloaded

Wer Griechenland vorübergehend in ruhigem Fahrwasser vermutete, sieht sich getäuscht. Aufgrund eines auf der Enthüllungsplattform Wikileaks publizierten Protokolls bricht Premierminister Alexis Tsipras aus innenpolitischem Kalkül einen Streit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Zaun. Das Protokoll gibt die Beratung von IWF-Mitgliedern - auch der Delegationschefin von Athen - darüber wieder, wie man Griechenland zu weiteren Reformschritten und die Euro-Partner zu einem Schuldenverzicht drängen könne. Demnach merkte Poul Thomsen, IWF-Europachef in Washington, an, dass sich Griechenland bisher immer erst dann zu Reformen bereiterklärte, wenn dem Land das Wasser bis zum Hals stand. Diese Aussage hat Tspiras schäumen lassen. Der IWF wolle Athen offenbar mit der Androhung eines Staatsbankrotts in die Knie zwingen, sagt er und fordert von IWF-Chefin Christine Lagarde eine Erklärung.

In Athen gibt es unterdessen Spekulationen, dass Tsipras die Enthüllung selbst initiiert hat. Dadurch kann er sich nach innen als David gegen den Goliath IWF inszenieren. Warum sollte er sich auch den IWF zum Feind machen? Immerhin ist der Fonds derjenige Geldgeber, der einen expliziten Schuldenschnitt für Athen fordert, was etwa die Bundesregierung bzw. das österreichische EZB-Mitglied, Ewald Nowotny, ablehnen. Nowotny sagt sogar, man brauche den IWF nicht mehr zur finanziellen Stabilisierung Griechenlands. Anders die Bundesbank, die den IWF als unverzichtbaren Bestandteil der Hilfsprogramme für Länder im Euroraum ansieht.

Nun laufen sie wieder, die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Institutionen (Kommission der Europäischen Union, EZB und IWF), was ursprünglich als Troika bezeichnet wurde. Geprüft wird, wie Athen bei der Sanierung seiner maroden Finanzen vorankommt. So wie es aussieht, ist Athen mit der Umsetzung der Reformen weiterhin im Rückstand. Dies zeigt sich auch darin, dass man von den einst anvisierten 50 Mrd. € an Privatisierungserlösen erst 2,5 Mrd. € eingenommen hat. Doch am 20. Juli muss Griechenland fast 2,3 Mrd. € an die EZB zurückzahlen. Ohne Anschlusskredite der internationalen Geldgeber droht dann erneut die Staatspleite.

In diesem Zusammenhang sei an 1865 erinnert, als Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz sich auf Silber- und Goldgehalt ihrer Münzen einigten. Man könnte es als erste Währungsunion bezeichnen. Später wurde ein Land aufgenommen, das Papiergeld, welches normalerweise nur im eigenen Land eingesetzt werden durfte, in wertvollere Münzen umtauschte. Es wurde also Baumwolle zu Gold bzw. Silber. Dieses Land wurde 1908 zu guter Letzt aus der Union ausgeschlossen und jetzt darf geraten werden, wer das wohl war.

Sozialausgaben erreichen Rekordwert

Was in einer guten wirtschaftlichen Lage wie der jetzigen eigentlich nicht passieren sollte, vollzieht sich derzeit in Deutschland, und zwar rasant: Die Ausgaben für Soziales werden im Bundeshaushalt des kommenden Jahres mit mehr als 50% so hoch ausfallen wie noch nie.

Wie Reuters vermeldete sollen die Sozialausgaben von 51,0% auf 52,6% klettern. Inklusive der Zinsausgaben sind es sogar rekordträchtige 55,8%, obwohl so viele Menschen in Arbeit sind wie noch nie. Vor kurzem hatte auch der Bundesrechnungshof vor dieser Entwicklung gewarnt.

Besonders bedenklich ist die hohe Sozialleistungsquote, weil damit immer weniger Steuergelder für Zukunftsinvestitionen in Forschung und Entwicklung oder die Sanierung von Schulen und Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung stehen. Allein der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung, das Arbeitslosengeld II und der Zuschuss zum Gesundheitsfonds machen etwa 40% der jährlichen Gesamtausgaben des Bundes aus.

Insgesamt steigen die Sozialausgaben damit von 161,5 Mrd. € 2016 auf 171,1 Mrd. € in 2017, was unter anderem der Erhöhung des Wohngeldes, der abschlagsfreien Altersrente ab 63 und einer verbesserten Erwerbsminderungsrente geschuldet ist.

Aufgrund des demografischen Wandels lässt sich diese Entwicklung nicht beliebig fortsetzen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, den Trend zu beenden. Denn wenn die Alterung der Gesellschaft in den 2020er Jahren voll auf den Bundesetat durchschlagen wird, ist es zu spät. Eine Neuadjustierung bei diesem Thema dürfte es aber vor den Bundestagswahlen im Herbst 2017 nicht geben, denn bis dahin wird keine Partei ihre Wähler verschrecken wollen.

Druck auf Portugal

Der FC Bayern München hat es in seinem Viertelfinalspiel gegen Benfica Lissabon nicht geschafft, aber der Internationale Währungsfonds (IWF). Er setzt Portugal massiv unter Druck, indem er das Land aufgefordert hat, seine Haushaltsziele für das Jahr 2016 zu erfüllen. Statt der angestrebten 2,7% Budgetdefizit hat Lissabon für 2015 vornehmlich aufgrund der Bankenrettung ein Haushaltsloch von rund 4,4% ausgewiesen. Doch das lässt der IWF nur bedingt gelten und so weist der Fonds darauf hin, dass etwa die Einsparungen bei den Zinsen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus größer als vorgesehen gewesen seien. Außerdem sind die Sozialausgaben wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit zurückgegangen.

Deshalb pocht der IWF nun auf einen Notfallplan für 2016, um fiskalischen Risiken zu begegnen und das Vertrauen der Märkte aufrecht zu erhalten. Die Kurse der Staatsanleihen aus Lissabon sind zum Jahresbeginn zwar stark gestiegen, aber im Verlauf der erneuten Lockerung der Zinspolitik der EZB wieder leicht zurückgekommen. Im zehnjährigen Bereich rentieren die Staatsanleihen des Landes derzeit auf dem Niveau von 3,14%, wie das Beispiel eines bis 7/2026 laufenden Bonds (A18W15) zeigt.

Neuemissionsflut kommt Investoren gelegen

Verwunderlich ist es nicht, dass sich nahe dem Renditetief diverse Unternehmen die günstigen Finanzierungskonditionen am Kapitalmarkt sichern wollen. Nachdem erst vor kurzem die Deutsche Post aktiv wurde, hat sich nun das ebenfalls im Transportwesen tätige US-amerikanische Unternehmen Fedex Corporation mittels vier Bonds insgesamt 3 Mrd. € beschafft.

Die Ausstattung der einzelnen Anleihen richtet sich nach der Laufzeit und stellt sich wie folgt dar: A18ZZ5 / 2019 als Floater (3-Monats-Euribor +55 bps), A18ZZ6 / 2020 mit 0,50% p.a., A18ZZ7 / 2023 mit 1,00% p.a. sowie A18ZZ8 / 2027 mit einer Zinszahlung von 1,625% p.a. Bei allen Anleihen wurde eine Mindestanlagesumme von 100.000 € festgelegt und mit Ausnahme des Floaters wurde auch immer ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) festgeschrieben.

Ebenso aktiv war das im Pharmasektor ansässige französische Unternehmen Sanofi. Es wurden spielend 1,8 Mrd. € als Tri-Bonds am Markt platziert. Bei der ersten Anleihe handelt es sich um einen Zerobond (A18ZSB) im Volumen von 500 Mio. € mit Fälligkeit am 05.04.2019. Das Papier wurde mit 99,85% und somit +17 bps über Mid Swap emittiert. Die zweite im Bunde ist eine 8-jährige Anleihe (A18ZSC), die 600 Mio. € schwer ist. Das Papier bietet dem Investor einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,625% bis zum Laufzeitende am 05.04.2024. Die Anleihe wurde mit +37 bps über Mid Swap gepreist und folglich zu 99,38% emittiert. Eine 12-jährige Anleihe (A18ZSD) im Volumen von 700 Mio. € komplettiert das Dreigestirn. Es werden jährlich Zinsen in Höhe von 1,125% bis zum Laufzeitende am 05.04.2028 bezahlt. Gepreist wurde mit +50 bps über Mid Swap bzw. bei 99,133%. Sanofi entschied sich bei allen hier aufgeführten Anleihen für die Mindeststückelung von 100.000 € und mit Ausnahme des Zerobonds besitzen alle Papiere ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Geschichte wiederholt sich doch!

In den vergangenen Handelstagen war das Geschehen im Rentenhandel von der Angst vor einem „Big Bang“ am Aktienmarkt geprägt und die deutschen Bundesanleihen sowie der damit korrelierende Euro-Bund-Future profitierten von der Flucht in Sicherheit. Es war also nicht verwunderlich, dass die psychologische Marke bei 164% nach oben durchbrochen werden konnte. Hierbei wurde ein neues Hoch bei 164,43% erreicht. Die dabei erzielte Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe belief sich auf 0,105% und näherte sich dem knapp vor einem Jahr erreichten Rekordtief bei 0,07% an. Somit lässt sich konstatieren: Geschichte wiederholt sich doch!

Die Frage wird nun allerdings sein, ob sich der zweite Teil der Ereignisse von 2015 ebenfalls wiederholt. Damals stieg die Rendite innerhalb von 1½ Monaten auf 0,99%. Es darf trotz der Gefahr eines Zinsschocks allerdings bezweifelt werden, dass sich dieser Teil ebenfalls wiederholen wird. Daher bleibt nur die Chartanalyse, um die künftige Entwicklung zu prognostizieren.

Nachdem am gestrigen Handelstag das Hoch vom Dienstag nicht mehr erreicht werden konnte, besteht grundsätzlich die Gefahr von Gewinnmitnahmen beim Rentenbarometer. Die erste Unterstützung verläuft im Bereich der psychologischen Marke bei 163% und besteht aus mehreren Mitte März erreichten Hochs und Tiefs. Nach oben blickend gilt es die 164%-er Hürde zu überwinden, um dann das bisherige Renditetief nochmals zu testen. Doch aufgrund der hohen Bewertung beim Euro-Bund-Future ist die Aufwärtsbewegung ohne massive Eingriffe von außen begrenzt.

Es bleibt also spannend, denn zumindest am Rentenmarkt klettert immer etwas. Entweder der Kurs oder die Rendite!

Eurostaaten kochen auf Sparflamme

In den USA wurde den Investoren eine Verschnaufpause gegönnt und „lediglich“ T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen bzw. 3 und 6 Monaten zum Kauf im Gesamtvolumen von 87 Mrd. USD angeboten. Doch bereits in der kommenden Woche werden T-Notes mit Laufzeiten von 3 und 10 Jahren bzw. T-Bonds mit einer Endfälligkeit in 30 Jahren neu aufgelegt werden.

Griechenland hat sich in dieser Woche trotz diverser Vorwürfe bezüglich des nicht vorhandenen Reformwillens ca. 1,14 Mrd. € für 6 Monate am Geldmarkt beschaffen können. Die dafür zu akzeptierende Rendite belief sich auf unverändert 2,97%. Ansonsten waren in Euroland lediglich Deutschland, Österreich und Spanien am Kapitalmarkt aktiv geworden. Die Neuemissionen im Gegenwert von ca. 9 Mrd. € entsprechen nur der Hälfte der Rückzahlungen von ca. 18 Mrd. €, was wiederum der guten Kassenlage geschuldet sein könnte. Österreich stockte 2 Altemissionen (A18X6P / 2026 ; A18X6Q / 2047) auf und Spanien plant die Refinanzierung bei 3 Anleihen (A18YPG / 2021 ; A18W1C / 2026 ; A18YZ6 / 2046). In Deutschland wurde bereits am gestrigen Mittwoch das Emissionsvolumen der aktuellen 2-jährigen Bundesschatzanweisung (110463) um 4 Mrd. € auf insgesamt 13 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,48%.

Euro bestätigt seine Stärke

Ob auch in diesem Jahr Benfica keine Möglichkeit haben wird, einen internationalen Titel zu gewinnen, entscheidet sich am kommenden Mittwoch im Rückspiel gegen den deutschen Rekordmeister. Doch auch im Falle eines Weiterkommens hätte das Team aus Lissabon den sogenannten Guttmann-Fluch, auferlegt im Jahre 1962 vom damaligen Trainer Bela Guttmann, nach über 50 Jahren nicht automatisch gebrochen.

So mancher wird momentan die internationalen Finanzmärkte des Öfteren verfluchen, aber beim Währungspaar EUR/USD gab es in den vergangenen Handelstagen keinen Anlass dazu. Im Gegenteil, die europäische Gemeinschaftswährung zeigte sich zum Wochenende zunächst sehr beständig und stieg bis auf 1,1438 USD. Damit markierte der Euro ein neues Jahreshoch und gleichzeitig entspricht dies dem höchsten Stand seit Oktober 2015. Allerdings sorgten zum Wochenausklang robuste US-Arbeitsmarktdaten für Gegenwind und der Euro fiel bis auf 1,1335 USD zurück. Seither handelt das Devisenpaar EUR/USD in einem engen Kurskorridor zwischen 1,1453 USD und 1,1327 USD.

Nachdem das Pfund Sterling bereits vergangene Woche zu den größten Verlierern der Leitwährungen gehörte, setzt sich die Talfahrt fast ungebremst fort. Notierte die britische Währung vor Wochenfrist noch unterhalb der wichtigen Marke von 0,80 GBP, so verbilligte sie sich weiter und handelt aktuell bei 0,8108 GBP. Mitte Juli vergangenen Jahres handelte die Währung Großbritanniens noch um die Marke von 0,70 GBP. Begründet werden kann dieser Wertverfall u.a. mit dem drohenden Brexit und den schlechteren Konjunkturaussichten. Außerdem wurde ursprünglich auf eine Zinsanhebung in 2015 bzw. Anfang 2016 spekuliert und da diese Prognose sich nicht erfüllt hat und auch in naher Zukunft nicht erfüllen wird, kam zusätzlich Druck auf.

Obwohl sich Privatanleger aktuell etwas zurückhalten, waren dennoch Aktivitäten bei einigen Währungsanleihen zu beobachten. Insbesondere gilt dies für Anleihen auf norwegische Kronen, südafrikanische Rand und die neuen USD-BMW-Anleihen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

EZB verdrängt Privatanleger aus der ersten Reihe

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzen Privatanleger nicht in der ersten Reihe. Gemeint ist die erste Reihe von Anleihen mit bester Bonität. Denn die hat die EZB durch ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen längst selbst belegt – mit der Folge, dass der Markt für potenzielle Investoren fast leergefegt ist. Darüber hinaus wirkt sich die Ankündigung der Zentralbank, künftig auch Corporate Bonds ankaufen zu wollen, bereits auf die nächste Reihe aus - dort, wo sich Unternehmensanleihen mit Topbonität befinden.

In Erwartung einer erhöhten Nachfrage durch die EZB haben die Notierungen von Titeln bestens gerateten Emittenten wie BASF, Nestlé oder BMW deutlich angezogen. Im Schlepptau negativer Renditen bei Staatsanleihen beläuft sich inzwischen die effektive Verzinsung „guter“ Unternehmensanleihen annähernd bei null oder sogar im negativen Bereich. Sobald die EZB mit dem Ankauf von Corporate Bonds beginnen sollte, wird sich diese Entwicklung bei verschiedenen Anleihen sicherlich nochmals verschärfen.

Den Anlegern bleibt damit nur noch der Spagat zwischen eben jenen Bonds aus den vorderen Reihen, die Minusrenditen bringen, und Anleihen von Schuldnern, denen man eine fristgerechte Rückzahlung nebst Zinszahlung zutraut. Oftmals werden in diesem Zusammenhang auch Mittelstandsanleihen als Alternative angepriesen. Aber nicht erst seit der Insolvenz des Modeunternehmens Steilmann sollten sich Investoren der erheblichen Risiken eines Engagements in den hinteren Reihen bewusst sein. Vor diesem Hintergrund weichen viele Anleger auf Titel aus, deren Emittenten oftmals mit Beständigkeit gleichgesetzt werden.

So sind vermehrt Handelsaktivitäten in einem Bond von ThyssenKrupp (WKN: A1R041) mit Laufzeit 10/2019, der mit rund 1,92% rentiert und einem Corporate Bond von Peugeot (A1HQZP), der 1/2019 fällig wird und eine Rendite von ca. 1,10% vorweist, zu registrieren. Gesucht ist auch ein Titel von Mahle (A161HE) mit Endfälligkeit 5/2022, der auf seinem Jahreshoch von 103,65 % mit 1,74% rentiert. Anleger, die sich des Währungsrisikos bewusst sind, weichen auch auf Bonds in ausländischer Währung aus, wie etwa ein Corporate Bond von Apple (A18X83) auf US-Dollar, der 2/2046 fällig wird. Bei einem Kurs von 107,55% liegt hier die Rendite - unter Nichtberücksichtigung des Devisenrisikos - derzeit bei 4,25%.

Der Überlebenskampf der risikobewussten Anleger erinnert inzwischen immer mehr an finanzielle Selbstverteidigung.

Vorsicht ist die Mutter der Fed-Kiste

Die jüngsten Aussagen von Janet Yellen zur Geldpolitik kamen an den Märkten gut an, denn von allen Marktteilnehmern wird grundsätzlich eine anhaltende Liquidität mit Zinsen nahe null geschätzt. Die Notenbank-Chefin machte in ihrer Rede in New York deutlich, dass die Fed noch „erheblichen Spielraum“ für stimulierende Maßnahmen habe - falls dies notwendig werden sollte. Gleichzeitig betonte sie aber ausdrücklich, dass bei allen weiteren Zinsschritten eine vorsichtige Vorgehensweise garantiert sei. Das war zwar nichts Neues, aber in der Deutlichkeit so nicht erwartet worden.

Obwohl das Wirtschaftswachstum zwar „Besorgnis erregend” sei, betonte sie aber zugleich, dass die globalen Wirtschaftsrisiken voraussichtlich nicht gravierend auf die Vereinigten Staaten ausstrahlen würden. Yellen sieht es nach wie vor als angemessen an, dass die Fed „vorsichtig“ mit ihren Zinsschritten fortfahre. Aus den Entwicklungen im Ausland folgt nach ihrer Einschätzung, dass das Erreichen der Fed-Ziele für Beschäftigung und Inflation wahrscheinlich einen etwas niedrigeren Pfad der Leitzinsen erfordert als noch im Dezember vorhergesehen.

Yellen dürfte damit insbesondere auf die stockende Wirtschaftsentwicklung in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, angespielt haben. Den Umstand, dass der Gegenwind für die amerikanische Wirtschaft aus dem Ausland nachlasse, sieht sie als einen wichtigen Grund dafür, dass die Fed in der Geldpolitik „graduelle Erhöhungen“ für angemessen hält.

Insgesamt konnte Yellen mit ihren Aussagen beruhigend auf die Märkte einwirken, so wie es der Vorgehensweise einer Fed-Chefin gebührt. Der Eindruck wurde verstärkt, dass die US-Notenbank bei ihren weiteren Zinsschritten mit Vorsicht und Bedacht vorgehen wird. Als Zeitpunkt für einen möglichen Zinsentscheid gilt bei vielen Marktbeobachtern inzwischen der Juni, nachdem zuvor vereinzelt auch immer wieder eine Erhöhung auf der Fed-Sitzung im April in Erwägung gezogen wurde.

Blase oder Nicht-Blase?

Ist es nun eine Blase oder nicht, was sich da am Immobilienmarkt abspielt? Fest steht, dass die Abschaffung des Zinses zu einer Flucht in Sachwerte wie Immobilien geführt hat. So dürften nach Schätzungen der amtlichen Gutachterausschüsse im vergangenen Jahr Wohnungen, Häuser und Grundstücke im Wert von 200 bis 210 Mrd. € den Besitzer gewechselt haben. Die 200-Mrd.-€-Marke ist damit erstmals geknackt worden. Peter Ache, Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse, rechnet angesichts weiter gesunkener Zinsen damit, dass die Summe 2016 weiter steigen wird.

Seit 2010 gehen die Werte, zu denen Immobilen den Besitzer wechseln, linear nach oben. 2015 war der Anstieg sogar noch ein bisschen stärker. Nicht für jeden rechne sich da jetzt noch der Kauf, sagte Ache. Im Hochpreissegment würde er jetzt nichts kaufen, sondern abwarten.

Die Gefahr einer Immobilienblase sehen die Gutachterausschüsse, wo seit 2007 bundesweit Zahlen erhoben werden, aber noch nicht. Einen weiteren Anstieg der Preise beurteilen sie jedoch skeptisch. Entscheidend wird aber auch sein, inwieweit Immobilien kreditfinanziert wurden. Der Hauskauf auf Pump hat zuletzt so stark zugenommen wie seit 13 Jahren nicht mehr. Folglich nimmt der Immobilienboom in deutschen Großstädten nach Ansicht der Bundesbank allmählich bedenkliche Züge an, wie Vorstand Andreas Dombret gegenüber Spiegel Online erklärte. Deshalb habe er, Dombret, heute mehr Bedenken als in den vergangenen Jahren. Vor diesem Hintergrund müssten die Finanzinstitute „angesichts des jetzigen Marktes sehr vorsichtig sein und ihre Immobilienkreditentscheidungen besonders gut abwägen”. Die künftige Entwicklung wird sich auch an der Antwort auf die Frage messen lassen, ob die Immobilien ihren Wert behalten, wenn die Zinsen wieder ansteigen.

Nachdem die Interessenten in den Trendstädten inzwischen kaum mehr geeignete Objekte finden, ziehen nun die Preise auch in Städten wie Hildesheim und Holzminden an. Dies hat der Arbeitskreis der Gutachterausschüsse registriert, der seine Erkenntnisse aus den Kaufverträgen gewinnt. Weiter gestiegen sind im vergangenen Jahr auch die Preise für Ackerland, das an manchen Orten kaum günstiger als Gewerbeland ist. Da könne man, nach Meinung von Peter Ache, die Kühe besser auf einer Gewerbefläche inklusive voller Erschließung melken. Denn klar ist, dass diese Entwicklung viele Bauern unter Druck setzt, weil auch die Pachten entsprechend steigen.

Deutsche Post im Doppelpack

Seit vielen Monaten hat sich die Deutsche Post nicht mehr am Kapitalmarkt als Emittent gezeigt, aber bei solch günstigen Refinanzierungskonditionen hat sich auch der Branchen-Primus entschieden, 1,25 Mrd. € aufzunehmen. Hierzu wurden 2 neue Anleihen aufgelegt.

Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 750 Mio. € schwere 5-jährige Anleihe (A2AASK) und der Anleger erhält bis zum Laufzeitende am 01.04.2021 eine jährliche Zinszahlung in Höhe von 0,375%. Das Papier wurde mit +45 bps über Mid Swap gepreist, was einen Ausgabepreis von 99,355% ergab. Die zweite Tranche (A2AASL) ist eine Anleihe mit Fälligkeit am 01.04.2026 und einer jährlichen Verzinsung von 1,25%. Diese 500 Mio. €-Anleihe wurde bei einem Emissionskurs von 99,506% bzw. bei +70 bps über Mid Swap begeben. Beide Anleihen wurden mit einer Mindeststückelung von 1.000 € ausgestattet und besitzen ein vorzeitiges Kündigungsrecht jeweils drei Kalendermonate vor der entsprechenden Fälligkeit zu pari.

Das „Draghi-Tief” vom 10.03.16 rückt in weite Ferne

Seit letztem Donnerstag wurde lediglich an 3 Börsentagen gehandelt und in dieser Zeit wurde erneut versucht, das bisherige Renditetief der 10-jährigen Benchmark-Anleihe bei 0,07% zu unterbieten. Doch noch ist es nicht vollbracht!

Aber was nicht ist, kann noch werden. Unter dem Gesichtspunkt, dass schon in wenigen Stunden die nächste Stufe der EZB-Rakete gezündet wird, haben die Kurse der „kaufenswerten” Anleihen und somit auch das Rentenbarometer nochmals an Wert zugelegt. Und ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht in Sicht.

Charttechnisch wird der erste Widerstand auf dem Weg zur psychologisch wichtigen 164er-Marke bei 163,84% (Hoch vom 30.03.) gesehen. Nach unten blickend stellt sich die untere Trendkanallinie des seit über 2 Wochen andauernden Aufwärtstrends bei ca. 163% als eine Unterstützung dar. Erst bei einem nachhaltigen Durchbrechen dieser Linie wäre ein Test des „Draghi-Tiefs” vom 10.03. bei 160,81% in Erwägung zu ziehen. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 163,41%.

Schwindendes Interesse bei Bobl-Tender

In dieser Woche lohnt sich der Blick in die USA, denn dort wurden für T-Bills und T-Notes im Volumen von 210 Mrd. USD neue Investoren gesucht. Neben den üblichen Geldmarkttiteln mit den Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten von 122 Mrd. USD wurden auch noch T-Notes mit Fälligkeiten in 2018, 2021 und 2023 für insgesamt 88 Mrd. USD aufgelegt.

In Euroland hingegen standen im gleichen Zeitraum nur Emissionen für ca. 11 Mrd. € auf der Agenda. So sammelte Italien ca. 7 Mrd. € mittels diverser Emissionen ein und in Deutschland wurde seitens der Finanzagentur des Bundes die aktuelle Bundesobligation Serie 173 (114173) um 4 Mrd. € auf insgesamt 13 Mrd. € aufgestockt. Verwunderlich war hierbei, dass die abgegebenen Kaufangebote (3,55 Mrd. €) nicht das angestrebte Volumen der Aufstockung erreichte. Dieses lange Zeit unübliche Bieterverhalten bei einer 5-jährigen Gattung war sicherlich nicht so zu erwarten gewesen. Die Zuteilung erfolgte dennoch bei einer Durchschnittsrendite von -0,34%.

Euro im Aufwind

Am Ostersonntag erfolgte dieses Jahr die Umstellung auf die Sommerzeit. Um 2 Uhr morgens wurden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Da die Zeitumstellung nicht sonderlich beliebt ist, stellt sich der Gewöhnungseffekt nur selten ein.

Am Devisenmarkt hingegen laufen die Uhren wie gewohnt und die europäische Gemeinschaftswährung präsentiert sich weiterhin stark. So verlief der Start in eine verkürzte Handelswoche für die Einheitswährung ziemlich erfreulich und der Euro stieg in der Spitze bis auf 1,1364 USD, nachdem er zuvor noch um die Marke von 1,12 USD gehandelt wurde. Hauptsächlich verantwortlich für diesen Kursanstieg war eine Rede von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. Die Präsidentin der Fed äußerte sich zurückhaltend zu möglichen weiteren Zinsschritten. Dies schwächte den Greenback merklich und im Gegenzug konnte der Euro davon profitieren. Zum Wochenausklang könnte der US-Arbeitsmarktbericht für weitere Impulse am Devisenmarkt sorgen. Im Vorfeld dieser wichtigen Kennzahlen handelt der Euro heute Morgen bei 1,1320 USD.

Das Pfund-Sterling hat aufgrund der Brexit-Diskussion nach wir vor einen schwierigen Stand. So verlor die britische Währung deutlich an Wert und verbilligte sich bis auf 0,7946 GBP. Auf diesem Niveau notierte das Pfund zuletzt Mitte Dezember 2014 (0,8006 GBP).

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf türkische Lira und brasilianische Real im Fokus der Anleger. Aber auch der „Klassiker“, die US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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