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Author: Klaus Stopp

Personalkarussell der EZB beginnt sich zu drehen

Als Irlands Finanzminister Paschal Donohoe noch vor Sitzungsbeginn der Euro-Gruppe in dieser Woche die Bewerbung „seines“ Notenbankchefs Philip Lane zurückgezogen hatte, war der Weg für Luis de Guindos geebnet. Der spanische Wirtschaftsminister wird den Posten des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) von dem Portugiesen Vitor Constancio übernehmen, was für die 2019 anstehende Wahl des Chefpostens als richtungsweisend gelten kann. Denn nun sind die Aussichten für den zumindest in den „Nordländern“ der EU sehr geschätzten Bundesbank-Chef Jens Weidmann, Mario Draghi an der EZB-Spitze zu beerben, vorsichtig ausgedrückt, nicht schlechter geworden.


Draghis Amtszeit endet im Oktober 2019. Und den bisherigen Usancen folgend werden die EZB-Chefposten stets von einem Nord- und einem Südeuropäer besetzt. Diese verfolgen traditionsgemäß unterschiedliche Philosophien. Während de Guindos als Verfechter einer eher expansiven Geldpolitik mit niedrigen Zinsen als „Taube“ gilt, gehört Weidmann als ein ausgesprochener Protagonist einer straffen Geldpolitik den „Falken“ an. Immer wieder hatte der Bundesbank-Chef in den vergangenen Monaten und Jahren die Flutung der Märkte durch EZB-Gelder kritisiert und eine weniger expansive Geldpolitik gefordert. So gesehen, wissen die europäischen Finanzpolitiker, was sie von Weidmann zu erwarten hätten. Nachdem die bisherigen EZB-Präsidenten aus den Niederlanden, Frankreich und Italien kamen, also aus zwei Südländern und einem der Nordhälfte, wäre nun ein Deutscher schlichtweg „endlich mal dran“. Doch mit Axel Weber stand schon einmal ein Bundesbanker davor, die EZB-Spitze zu bekleiden. Im Streit um die grundsätzliche geldpolitische Ausrichtung der EZB aber hatte Weber zurückgezogen – und den Weg für Draghi freigemacht.

Jedenfalls muss die Nachfolgeregelung für Draghi im Kontext des gesamten Personalkarussells gesehen werden, das sich in der EZB zu drehen beginnt. So gilt es, 2019 im EZB-Direktorium den Posten des Belgiers und EZB-Chefvolkswirts Peter Praet neu zu besetzen, bevor Ende 2019 der Franzose Benoit Coeure ausscheidet. Bereits Ende dieses Jahres endet die Amtszeit der Chefin der EZB-Bankenaufsicht, der Französin Daniele Nouy. Und ganz nebenbei finden im Jahr 2019 die Europawahlen statt, in deren Folge weitere politische Führungspositionen zu besetzen sein werden.

Neben Weidmann gilt auch der Chef der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot, als Kandidat für die Draghi-Nachfolge. Knot und Weidmann vertreten zwar ähnliche Positionen, allerdings tritt der Niederländer diplomatischer auf und wäre daher für die Südländer gegebenenfalls eher zu akzeptieren. Und ganz abgeschrieben scheint auch der Ire Lane noch nicht zu sein, nachdem er das Rennen um die Vize-Position verloren hat. Das Personalkarussell in der EZB muss also fein austariert werden, um zukünftig eine Unwucht zu vermeiden.

Sollte Weidmann tatsächlich das Rennen an der EZB-Spitze machen, würde dies nicht auf einen Schlag die Situation an den Märkten ändern. Aber auf mittlere Sicht dürfte die Aussicht bestehen, dass die EZB ihre marktverzerrende Geldpolitik zügig zurückfahren wird. Weidmann wäre der Schleusenwärter, der die aktuelle geldpolitische Schwemme der EZB wieder eindämmen könnte.

Die Finanzmärkte im Schatten der Notenbanken

Normalerweise sagt man immer: „Wenn Du nicht mehr weiterweißt, dann bilde einen Arbeitskreis“. Dies trifft im übertragenen Sinne auch auf die Notenbanker zu, und deshalb trifft man sich in gewissen Zeitabständen zu geldpolitischen Beratungen. Um den Marktbeobachtern eine Möglichkeit zu geben, in die Gedankenwelt der Währungshüter einzutauchen, hat man sich bei der US-amerikanischen Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vor längerer Zeit entschlossen, die Protokolle der Sitzungen mit einem zeitlichen Delay zu veröffentlichen.

Auf der Ratssitzung am 30. und 31. Januar wurde bei der Fed nicht nur der Wechsel an der Spitze vollzogen, sondern auch das Zinsniveau bestätigt. Die anschließenden Kommentare ließen allerdings nicht darauf schließen, dass man Zweifel an der bisherigen Markterwartung - mehrere Zinsanhebungen im Laufe des Jahres - hegen muss. Diese Einschätzung hat sich nach der Analyse der gestern publizierten Minutes nicht geändert, denn die Notenbanker äußerten die Zuversicht, dass die Inflation in diesem Jahr anziehen und man mittelfristig die angepeilte Teuerungsrate von 2% erreichen wird. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Zinserhöhung bereits im nächsten Monat deutlich.

Aber auch das heute Nachmittag zu veröffentlichende EZB-Sitzungsprotokoll vom 25. Januar wird infolge der Äußerungen Draghis zum Euro-Wechselkurs insbesondere im Hinblick auf Kommentare zu den Risiken für das Erreichen des Inflationsziels in Augenschein genommen. Denn mit der bisherigen Aufwertung des Euros ist die anvisierte Inflationsrate von annähernd 2% wieder in weite Ferne gerückt. Zumal die Wechselkursrhetorik des US-Finanzministers Steven Mnuchin sowie die Schuldenpolitik der US-Regierung nicht dazu geeignet sind, mit einem festeren US-Dollar zu rechnen. Der Handlungsspielraum für die Währungshüter in der Eurozone ist somit deutlich eingeengt worden, und die Marktbeobachter erhoffen sich Hinweise auf die weitere Vorgehensweise.

Jedoch geht es bei Notenbanksitzungen nicht nur um die weitere Geldpolitik, sondern in diesen Tagen auch um anstehende Personalentscheidungen. So wird sicherlich auf der am gestrigen Mittwoch abgehaltenen „Nicht-geldpolitischen EZB-Sitzung“ viel über anstehende Personalien (Vize-Chef und die Folgen der Korruptionsvorwürfe gegen den lettischen Zentralbankchef) gesprochen worden sein. Doch auch in den USA sind noch einige Positionen bei der Fed zu besetzen. Und nicht zuletzt steht nach der erneuten Nominierung des bisherigen japanischen Notenbankchefs, Haruhiko Kuroda, für weitere fünf Jahre noch die Bestellung zweier Stellvertreter aus. Die Wahl ist hierbei auf den Bank of Japan-Direktor Amamiya und den Universitätsprofessor Wakatabe gefallen, der als Vertreter einer aggressiven geldpolitischen Lockerung gilt.

Finanzplatz London ist auch nach dem Brexit keine Insel der Glückseligen

Manche Aussagen, die nicht mehr ganz neu sind, werden durch Wiederholungen nicht falsch. Dies trifft etwa auf das zu, was nun Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret gegenüber der „Welt“ geäußert hat. Er warnte vor einem Deregulierungswettlauf mit Großbritannien nach dem EU-Austritt des Königreichs. Während sich manche britischen Politiker für den Brexit ja tatsächlich Vorteile im Wettbewerb der Finanzplätze ausrechnen, drängt Dombret auf gemeinsame Regeln, um Risiken im globalen Finanzsystem entgegenzuwirken. „Es gibt keine rein nationalen Finanzsysteme mehr“, macht der Bundesbanker klar. Will heißen, Großbritanniens Finanzsystem kann auch nach dem Brexit keine Insel der Glückseligen sein. Dombret plädiert deshalb dafür, offen für ein von der britischen Bankenlobby vorgeschlagenes Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen zu sein. Ein solches Abkommen, das man zeitaufwändig verhandeln müsste, könnte den Banken - auch nach dem Brexit - grenzüberschreitende Geschäfte erleichtern.

Die Londoner Bankenvereinigung UK Finance hatte ein solches Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen 2017 vorgeschlagen und angeregt, die Lizenzen der Banken und Finanzdienstleister gegenseitig anzuerkennen. Ferner soll bei der Aufsicht auch nach dem Austritt des Landes am 29. März 2019 weiterhin eng zusammengearbeitet werden. Kurzum: Man würde mit dem Brexit alle bisherigen Abkommen aufkündigen, um anschließend die Regularien auf beiden Seiten so schnell wie möglich wieder anzuerkennen, nur eben nicht unter dem Label EU.

Bisher will die EU-Kommission von einem solchen Ansinnen nichts wissen, weil man den Binnenmarkt nicht aufweichen will. Dombret, der um die Bedeutung des Finanzplatzes London weiß, versucht hier schon mal über die Zeit nach dem eigentlichen Austritt hinauszudenken. Das macht die EZB ohnehin, verlangt sie doch von umzugswilligen Auslandsbanken, ihre konkreten Brexit-Pläne offenzulegen – und zwar bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2018. Schließlich brauchen die in London angesiedelten Institute Tochtergesellschaften mit Sitz in einem EU-Staat. Lizenzanträge für ihr Einlagen- und Kreditgeschäft gibt’s eben nur bei der EZB, die seit November 2014 die größten Bankengruppen im Euroraum direkt beaufsichtigt.

Letztendlich weiß auch Brexit-Minister David Davis, dass es London nach dem EU-Austritt nicht einfacher haben wird. Man wolle nicht in eine Welt wie in den düsteren Endzeit-Filmen „Mad Max“ abrutschen, in der es keine Regeln gäbe, sagte er diese Woche. Davis und andere Minister aus London waren auf Werbetour in Europa, um zu versichern, ihr Land sei auch nach dem Brexit ein verlässlicher Partner. Ob man sich konkret näherkommt, wird sich erst in der zweiten Brexit-Verhandlungsrunde zeigen, die im März beginnt. Zumindest bis dahin ist die Angst vor Mad Max noch nicht vom Tisch.

EU reagiert mit Gegenzöllen auf Harleys und Bourbon

Man will es eigentlich nicht aussprechen, das üble Wort vom Handelskrieg. Also reden wir von Reaktionen seitens der EU auf die Strafzölle, welche die US-Regierung plant, womit der Handelskonflikt Realität ist. D. T., der Unberechenbare, hat in der Tat mit seiner „America first“-Politik einen Konflikt vom Zaun gebrochen, der gewachsene Wirtschaftsbeziehungen ruiniert und die transatlantische Freundschaft mit Füßen tritt.

Sollte Washington Importbeschränkungen auf europäische Rohstoffe wie Stahl und Aluminium erlassen, wird die EU wohl binnen weniger Tage mit Strafzöllen auf Waren aus den USA reagieren. Neben vielen agrarwirtschaftlichen Produkten wie Kartoffeln, Tomaten und Orangensaft stehen Motorräder und Bourbon-Whisky auf der Liste, welche die EU-Kommission mit Strafzöllen belegen will.

Interessant ist auch, dass die Europäer laut „FAZ“ Gegenzölle auf Produkte erheben wollen, die Trump-freundliche Wahlkreise wirtschaftlich besonders treffen mögen. Dazu zählen Motorräder von Harley-Davidson aus Wisconsin, wo der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan herkommt, und Whisky aus Tennessee und Kentucky, der Heimat von Mitch McConnell, dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat.

In der Tat hat die Bundesregierung inzwischen bestätigt, dass die EU eine „angemessene Reaktion“ auf die US-Zölle vorbereitet - ohne allerdings Details zu nennen. Sollte die EU auf Einschränkungen im Stahlhandel mit Gegenzöllen auf völlig andere Produkte reagieren, wäre dies mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar. Die EU will ohnehin vor der WTO gegen die US-Importbeschränkungen vorgehen – ebenso andere Länder wie etwa Südkorea.

Kurzfristig mögen Schutzzölle für die US-Stahlindustrie dazu beitragen, lästige Konkurrenten fernzuhalten. Auf Dauer aber dürften die Maßnahmen der US-Branche schaden, weil sie damit an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen dürfte. Bleibt noch die Feststellung, dass in der Geschichte viele Handelskriege zu echten Kriegen geführt haben. Dies sollte allen Beteiligten Mahnung und Warnung zugleich sein.

Indessen wirkt sich die Steuerreform von Trump, die niedrigere Einnahmen und eine höhere Verschuldung zur Folge haben wird, an den Kapitalmärkten aus. So hat die US-Regierung in dieser Woche mit insgesamt 258 Mrd. US-Dollar so viele Anleihen emittiert wie noch nie in einer Woche. Die daraus entstehenden Schulden helfen, das Haushaltsdefizit zu stopfen, das durch Steuerreform und beschlossene Mehrausgaben ab 2019 die Billionen-Dollar-Grenze überschreiten könnte. Damit steigt auch der Aufwärtsdruck für die Renditen und die Aussicht auf weitere Leitzinserhöhungen.

Altmaier gibt den Schäuble

Natürlich sind die Fußstapfen groß, die Wolfgang Schäuble seinem Nachfolger als Bundesfinanzminister, Peter Altmaier, hinterlassen hat. Aber der Neue gibt sein Bestes. Wie Schäuble, der sich als harter Verhandlungsführer gegenüber Griechenland profiliert hatte, pocht nun auch Altmaier vor der Auszahlung weiterer Hilfsgelder an Griechenland auf die Einhaltung von Reformauflagen seitens Athens.

Die Finanzminister der Währungsunion waren diese Woche in Brüssel zusammengekommen, um über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche i.H.v. 6,7 Mrd. € an Athen zu beraten, für die eigentlich schon am 22. Januar grünes Licht gegeben wurde. Laut Diplomaten sind lediglich zwei von insgesamt 110 Reformen von Athen noch nicht umgesetzt worden. Dabei geht es zum einen um die Einführung eines Systems zur Zwangsversteigerung von Immobilien überschuldeter Eigentümer via Internet. Und zum anderen steht die Privatisierung des ehemaligen Athener Flughafens Hellenikon aus, der in ein Touristenareal umgewandelt werden soll.

Unterdessen sieht Fitch Griechenland weiter auf dem Wege der Besserung. So hat die Ratingagentur die Bonität des Landes von „B-“ auf nun „B“ heraufgesetzt, und das bei einem positiven Ausblick. Fitch begründet das Upgrade mit der zügigen Umsetzung der Reformvorgaben und der Erwartung, dass Griechenland das aktuelle Programm pünktlich bis August dieses Jahres abschließen kann. Außerdem wird erwartet, dass die Eurogruppe dem Land im Laufe des Jahres noch weitere Schuldenerleichterungen einräumen wird. Allerdings sollte man bei aller Freude über die Anhebung der Bonitätsbewertung nicht vergessen, dass die neue Bonitätsnote „B“ immer noch Ramschniveau bedeutet und der Investmentgrade-Bereich fünf Stufen entfernt ist. Gestern hat sich auch die Ratingagentur Moody’s zu diesem Schritt entschlossen. Der Eurostaat wird nun dort mit „B3“ nach zuvor „Caa2“ (extremly speculative) bewertet.

Sixt bringt 6-jährigen Bond

In dieser Handelswoche ließen es die Unternehmen am Primärmarkt für Corporate Bonds eher ruhig angehen. So besorgten sich lediglich Sixt, Grand City Properties und Icade frisches Geld am Kapitalmarkt.

Die Autovermietung Sixt begab einen 6-jährigen Bond (A2G9HU) mit einer Laufzeit bis zum 21.02.2024 und refinanzierte somit erfolgreich 250 Mio. €. Sixt zahlt seinen Investoren jährlich 1,50% Zinsen und stattete das Papier mit der bei Privatanlegern beliebten Mindeststückelung von 1.000 € aus. Ebenfalls wurde ein optionaler Kündigungstermin 2 Monate vor Endfälligkeit in den Emissionsbedingungen festgeschrieben. So ist der Bond ab dem 21.12.2023 jederzeit zu 100% kündbar. Emittiert wurde zu 98,75%, was einem Spread von +105 bps über Mid Swap gleichkam.

Grand City Properties begab in dieser Woche eine 500 Mio. € schwere Anleihe (A19WVU) mit einer Laufzeit bis zum 22.02.2027. Dieser 9-jährige Bond ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,50% ausgestattet und wurde zu 97,115% begeben. Dies kam einem Emissionsspread von +80 bps über Mid Swap gleich. Das luxemburgische Immobilienunternehmen, welches sich auf den Erwerb und die Sanierung von Wohnimmobilien in Deutschland spezialisiert hat, nahm eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen auf. Zusätzlich gibt es am 22.11.2026 ein Kündigungsrecht seitens des Emittenten zu 100%.

Als letzter im Bunde konnte das französische Immobilienunternehmen Icade erfolgreich 600 Mio. € am Kapitalmarkt einsammeln. Die Gesellschaft mit Sitz in Paris stattete den Bond (A19WVX) mit einem Kupon von 1,625% aus. Fällig wird das Papier am 28.02.2028. Der Emissionsspread belief sich auf +65 bps über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 98,438% entsprach. Icade ließ sich neben einer Make Whole Option einen optionalen Kündigungstermin in die Anleihebedingungen aufnehmen. Folglich kann der Emittent die Anleihe am 28.11.2027 zu 100% kündigen. Sowohl Grand City Properties als auch Icade wählten für Ihre Bonds die Mindeststückelung von 100.000 €.

Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten

Hatte man zu Beginn der Woche noch davon gesprochen, dass derzeit drei Faktoren das Geschehen an den Bondmärkten im Zweifel negativ bestimmen, so ist genau das Gegenteil eingetreten. Die Preisentwicklung in den USA, das immense Angebot an neuen Bonds und die jüngsten Konjunkturdämpfer wurden als Brandbeschleuniger bei den Renditen angesehen. Doch wie sagte schon Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, die schwedische Schriftstellerin, Kinderbuchautorin und Nobelpreisträgerin für Literatur (1909): „Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten.“ Und das gilt auch für die Stimmung an den Börsen. Zumindest bis gestern!

Der seit Jahresanfang intakte Abwärtstrend wurde erstmals am Dienstag getestet und durch die Steilheit des Kanals ist zur Wochenmitte das nur von wenigen Handelsteilnehmern Erwartete eingetreten. Die obere Widerstandslinie bei ca. 158,30% konnte überwunden werden und die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen fiel in der Spitze von 0,77% auf ca. 0,70% zurück. Eine solche Zwischenerholung ist nichts Ungewöhnliches, denn auf jede Bewegung folgt eine Gegenbewegung und das war hier der Fall. Doch ab heute herrschen an den Finanzmärkten - nach den Fed-Minutes - wieder andere Gesetze, denn die Fed-Zinserhöhungen werfen ihre Schatten voraus.

Charttechnisch schneiden sich die obere Leitplanke des langfristigen Abwärtstrends und eine neue Unterstützungslinie, resultierend aus dem kurzfristigen Aufwärtstrend, bei ca. 158,21%. An dieser Marke wird sich somit heute entscheiden, ob die Erholung nur ein Strohfeuer war oder ob infolge der Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten eine Stabilisierung bei Renten eintritt. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 158,35%.

Aktuelle Marktentwicklung

Deutschland:

Der März-Kontrakt des richtungsweisenden Euro-Bund-Future schloss gestern mit einem gehandelten Volumen von 0,675 Mio. Kontrakten bei 158,51% (Vw.: 157,98%).

Die Trading-Range lag im Berichtszeitraum zwischen 157,42% und 158,78% (Vw.: 157,26% und 158,65%).
Der Euro-Buxl-Future (Range: 157,48% und 160,20%) schloss bei 159,44% (Vw.: 158,80%),
der Euro-Bobl-Future (Range: 130,34% und 130,85%) bei 130,69% (Vw.: 130,53%)
und der Euro-Schatz-Future (Range: 111,845% und 111,93%) bei 111,905% (Vw.: 111,89%).

Die Rendite der aktuellen 10-jährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (110244 / 2028) lag im gestrigen Bundesbankfixing bei +0,698% (Vw.: +0,73%).

USA:

Zweijährige US-Treasuries rentieren bei 2,258% (Vw.: 2,172%),
fünfjährige Anleihen bei 2,674% (Vw.: 2,642%),
die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 2,939% (Vw.: 2,913%)
und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,212% (Vw.: 3,172%).


Die Entwicklung der wichtigsten Credit Indizes spiegelt im Vergleich zur Vorwoche eine Verengung der Spreads wider, was auf eine verminderte Risikoeinschätzung seitens der Anleger hinweist. Steigende Anleihekurse führten zu einer Reduzierung der Rendite und somit verringerte sich der I-Traxx-Main für Unternehmensanleihen guter Qualität um 2,5 auf 51,5 Punkte. Der I-Traxx-Crossover für High Yield Anleihen fiel um 6 auf 264 Punkte.

Die I-Traxx-Indizes bilden derivative Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) ab, mit denen Investoren den möglichen Default von Unternehmensanleihen absichern.

Spanien im Mittelpunkt

In der Eurozone wurden planmäßig zum Wochenbeginn zwei Anleihen der Slowakei (A18W5D / 2031 ; A19QRP / 2047) aufgestockt und morgen wird das Gleiche mit zwei Emissionen Italiens passieren. Bereits zur Wochenmitte wurden gemäß dem Emissionsplan des Bundes neue zweijährige Bundesschatzanweisungen (110471) im Tenderverfahren angeboten. Für die geplanten 5 Mrd. € wurden nur Gebote von 4,975 Mrd. € abgegeben, so dass die Auktion als technisch unterzeichnet gilt. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von minus (-) 0,51% und zur Marktpflege wurden 1,009 Mrd. € zurückbehalten.

Besondere Beachtung fand in diesen Tagen allerdings die neu emittierte Staatsanleihe Spaniens (A19W01), die mit einem jährlichen Kupon i.H.v. 2,70% bis zur Endfälligkeit am 31.10.2048 ausgestattet wurde. Wie groß das Interesse der Investoren - bei einem Emissionsspread von +105 bps über Mid Swap - an einer solchen Laufzeit war, macht das nachgefragte Volumen mehr als deutlich. Für ein Emissionsvolumen von 6 Mrd. € wurden Kaufaufträge über 25,8 Mrd. € erteilt.

In den USA sind solche Volumen zwar an der Tagesordnung, aber in dieser Handelswoche wird sogar in der Summe das Zehnfache dieses Betrages refinanziert. Hierzu werden den Investoren T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen bzw. 3 und 6 Monaten im Gesamtvolumen von 151 Mrd. USD sowie T-Notes mit Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren für insgesamt 107 Mrd. USD zum Kauf angeboten. Sollte es sich hierbei um eine einmalige Maßnahme in dieser Größenordnung handeln, so ist das noch vertretbar. Sollte es allerdings in immer kleineren Abständen zur Regel werden, so würde dies den schon bestehenden Schuldenberg weiter anwachsen lassen und früher oder später die Bonität des Schuldners USA in Frage stellen.

ZAR profitiert von der politischen Wende

Das hochverschuldete Venezuela hat aus der Not eine Tugend gemacht und eine eigene Digitalwährung eingeführt. Dadurch erhofft sich das Land mehr finanziellen Spielraum und der Plan scheint aufzugehen. Denn die staatliche Kryptowährung „Petro“ erfreute sich bereits am ersten Tag reger Nachfrage. Bis zum 19. März sollen 100 Millionen digitaler Münzen zu etwa 60 USD ausgegeben werden, wovon jede mit einem Barrel der Rohöl-Reserven des Landes besichert ist.

Den Klassiker unter den Währungen bildet natürlich das Devisenpaar EUR/USD, welches in den vergangenen Handelstagen eine gewisse Berg- und Talfahrt durchlaufen hat. So stieg die europäische Gemeinschaftswährung zum Wochenausklang auf ein neues Dreijahreshoch bei 1,2555 USD, nachdem sie noch am 9. Februar zeitweise bei Kursen um die Marke von 1,22 USD gehandelt wurde. Allerdings konnte der Euro seine Gewinne nicht lange verteidigen und fiel zur Wochenmitte zwischenzeitlich bis auf 1,2308 USD zurück. Unterstützung erhielt die US-Valuta unter anderem aufgrund der Emissionsflut in den USA. Nach dem gestern Abend veröffentlichten FOMC-Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung handelt die Einheitswährung allerdings heute Morgen bei ca. 1,2280 USD.

Von dem Rücktritt des langjährigen südafrikanischen Staatsoberhaupts, Jacob Zuma, und durch die Machtübernahme des neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa profitierte die eigene Landeswährung. Im Vergleich zum Euro verteuerte sich der Rand bis auf 14,3006 ZAR und notierte damit so hoch wie zuletzt Mitte Juni des vergangenen Jahres. Zum US-Dollar konnte die Währung Südafrikas sogar mit 11,5602 ZAR ein Dreijahreshoch markieren.

Somit waren vermehrt Aktivitäten bei Bonds lautend auf südafrikanische Rand zu beobachten. Darüber hinaus zählten Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, türkische Lira, russische Rubel sowie auch mexikanische Peso zu den Favoriten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Trump ist meilenweit von Schäuble entfernt

Manche sprechen schon von Schulden-Harakiri oder Schulden-Sumpf, wenn sie den 4,4 Billionen US-Dollar schweren US-Etat meinen, den da D. T., der Unberechenbare, vorgelegt hat. Nicht nur, dass der Entwurf eine erhebliche Steigerung des ohnehin schon weltgrößten Rüstungsetats und eine radikale Kürzung von Hilfen für Bedürftige vorsieht. Nein, der Plan straft Trumps Versprechungen im Wahlkampf Lügen, läuft er doch auf eine weitere deftige Ausweitung der Staatsverschuldung hinaus. Sicher, es ist eine schlechte Tradition von US-Präsidenten, völlig überzogene Etatentwürfe vorzulegen, die am Ende nicht durchkommen. Folglich wurde das Werk in Washington auch schnell zur Totgeburt apostrophiert.

Das Gesamtwerk dürfte auch in Trumps republikanischer Partei auf Widerstand stoßen, da die Grand Old Party (GOP) traditionell versucht, einen Stil der strengen Haushaltsdisziplin zu pflegen. Denn ungeachtet der inhaltlichen Ausrichtung von Trumps Plan gibt er insbesondere ein Kernanliegen der Republikaner auf: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts. Damit erkennt Trump indirekt an, dass sich seine zum Jahreswechsel verabschiedete Steuerreform über einen längeren Zeitraum negativ auf die US-Verschuldung auswirken wird. Manche Beobachter urteilen sogar, dass Trumps Etatentwurf gar jedes Maß sprengen würde, sollte er damit tatsächlich die Verschuldung der USA bis 2028 um weitere 7 Bill. US-Dollar aufblähen. Von den Prinzipien eines Wolfgang Schäuble, der als Bundesfinanzminister in den vergangenen Jahren die „schwarze Null“ regelrecht zu seinem Markenzeichen gemacht hat, ist Trump jedenfalls meilenweit entfernt. Nicht von Ungefähr hatte sich Trump als Immobilieninvestor auch „König der Schulden“ genannt. Dass er dieses Prinzip nun auch in seine Präsidentschaft überführen will, zeugt nicht gerade von hohem Abstraktionsvermögen.

Vor diesem Hintergrund werden die USA noch stärker als bisher auf ausländisches Geld angewiesen sein – nicht zuletzt auf Kapital aus China. Bereits jetzt sind die Zinsen für zehnjährige US-Treasuries auf ein Niveau von ca. 2,93% geklettert, Tendenz weiter steigend. Wie häufig also wird die US-Notenbank Fed 2018 die Zinsen noch erhöhen – drei oder vier Mal? Bereits seit der Finanzkrise 2008 ist die Schuldenquote der mächtigsten Volkswirtschaft der Welt um 40% gestiegen. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt: Höhere Zinsen verteuern den Schuldendienst, der aber aufgrund wegbrechender Einnahmen durch Steuererleichterungen nur mit neuen Schulden beglichen werden kann. Gleichzeitig will die Regierung Trumps insbesondere für Rüstung und Infrastrukturmaßnahmen mehr ausgeben. Dieses Szenario stößt einem auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten auf. Denn welchen Sinn soll es machen, eine ohnehin schon brummende Wirtschaft durch weitere Verschuldung nochmals anzuheizen.

Ein Schwerpunkt in Trumps Programm ist es, die teils mangelhafte Infrastruktur im Land auf Vordermann zu bringen. 200 Mrd. US-Dollar der Bundesregierung sollen dazu führen, dass innerhalb von zwei Jahren Bundesstaaten, Kommunen und private Investoren die Summe auf 1,5 Bill. US-Dollar aufstocken mögen, so die Hoffnung in Washington. Vorausgesetzt diese Rechnung geht überhaupt auf, könnten zwar auch ausländische Ausrüster profitieren, doch die sollen ja bekanntlich mit einer Importsteuer belegt werden, um Einfuhren in die USA zu verteuern. Wie Trumps Zoll-Pläne en détail aussehen sollen, hat der Präsident bisher für sich behalten. Sollten die USA aber ihre Zollbarrieren hochfahren, könnte dies eine gefährliche Spirale in Gang setzen, hat nun der Präsident des Industrieverbands BDI, Dieter Kempf, gewarnt.

Abgewendet ist inzwischen der Government Shutdown, nachdem der US-Senat und der Kongress ein neues Haushaltsgesetz verabschiedet haben. Immerhin ist das Budget damit bis zum 23. März gesichert. Vieles erinnert in diesem Zusammenhang an eine Telenovela, die allerdings immer wieder von Werbung unterbrochen wird.

Weidmann erneuert Kritik am OMT-Programm

Um kritische Worte nie verlegen ist Jens Weidmann. Nun hat das EZB-Ratsmitglied sein grundsätzliches Missbehagen an den Outright Monetary Transactions (OMT) der EZB erneuert, wonach die Notenbank im Notfall gezielt Staatsanleihen kaufen kann, deren Renditen sie für überhöht hält. Seine Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Fähigkeit der EZB, Preisstabilität zu erreichen, seien geradezu substanziell, sagte er in Frankfurt. Der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken birgt nach seiner Überzeugung das Risiko, öffentliche Verbindlichkeiten über die Zentralbankbilanzen zu vergemeinschaften. Bislang wurde noch von keinem Staat ein OMT-Programm in Anspruch genommen. Man kann jedoch annehmen, dass bereits die bloße Ankündigung in der Vergangenheit eine zinssenkende Wirkung auf die Finanzmärkte ausgeübt hat, und das muss nicht in Ewigkeit so bleiben. Amen.

Weidmann dürfte mit diesen Äußerungen erneut die Aufmerksamkeit der Regierungschefs jener Länder auf sich gezogen haben, die von einer solchen Maßnahme bzw. deren Ankündigung profitieren. Immerhin gehört er zum Kreis derer, die 2019 Mario Draghi an der EZB-Spitze beerben könnten. Zumindest könnte dann am Ende keiner sagen, man hätte nicht gewusst, wen man sich da mit Weidmann einhandeln würde.

Mit Francois Villeroy de Galhau hat indessen diese Woche ein weiteres Ratsmitglied der EZB auf sich aufmerksam gemacht. So befürchtet der Gouverneur der Banque de France, dass die Geldpolitik mit der nächsten Rezession im Euroraum überfordert sei, sofern es nicht zu einer Stärkung der Währungsunion kommt. Dabei geht es ihm aber weder um eine Transferunion, noch um Euro-Bonds, die in Deutschland ohnehin bisher sehr kritisch gesehen wurden. Vielmehr macht sich Villeroy de Galhau für die Entwicklung der Kapitalmarktunion stark, wobei ihm eine Finanzierungsunion für Investitionen und Innovation vorschwebt. Damit macht ein französischer Bankmanager einen veritablen Vorschlag, in welche Richtung eine Stärkung der EU gehen kann, ohne dass das unangenehme Wort von der Vergemeinschaftung der Schulden im Zentrum der Überlegungen steht.

Green Bonds eröffnen neue Finanzierungsmöglichkeiten

Nachhaltig orientierte Anlagen unter dem Stichwort Green Bonds, die zur Finanzierung von Klima- und Umweltschutzprojekten dienen, gelten vielen Beobachtern als neuer Trend am Rentenmarkt. Der Markt sei deutlich reifer geworden, argumentiert die Ratingagentur Moody’s und verweist auf eine starke Nachfrage durch die Investoren. Wie zu beobachten ist, reichert eine wachsende Zahl an institutionellen Anlegern ihre Portfolios mit nachhaltigen Kapitalanlageformen an, zu denen die Green Bonds gehören. Dies dient den Investoren einerseits zur Risikostreuung und andererseits eröffnen Green Bonds den emittierenden Unternehmen den Zugang zu neuen Anlegerschichten, die explizit Wert auf eine nachhaltige Kapitalanlage legen – von einem guten Gewissen mal ganz abgesehen.

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Markt für nachhaltige Anlagen weiter stark wachsen und die Nachfrage nach derartigen Produkten deutlich zunehmen wird. So rechnet die Ratingagentur Moody’s für Green Bonds im laufenden Jahr mit einem weltweiten Emissionsvolumen von 250 Mrd. US-Dollar, was ein Plus von mehr als 60% bedeuten würde. Dafür spricht auch die wachsende Zahl an Ländern, aus denen die Green Bonds kommen. Nachdem 2016 Green Bonds in 27 Ländern emittiert wurden, waren es 2017 schon 39 Länder. Für die nahe Zukunft geht Moody’s davon aus, dass sich immer mehr Staaten, aber auch die Regulierer verstärkt mit Green Bonds auseinandersetzen. Denn natürlich ist es hier so wie im Bioladen. Man muss dem Verkäufer trauen, dass die Eier tatsächlich aus Bodenhaltung kommen.

Wie im Bioladen gibt es dafür auch bei Green Bonds Prüfer wie etwa die Agentur Sustainalytics, welche die Green Bond Principles der International Capital Market Association überwacht. Frei nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

Bank of England baut vor

Als am Donnerstag vergangener Woche bei der Bank of England (BoE) die Ratsmitglieder zu ihrer turnusgemäßen Sitzung zusammenkamen, rechnete zwar niemand mit einer Zinsänderung, aber auch nicht mit dem zinspolitischen Ausblick, den Gouverneur Mark Carney verkündete. Zuletzt hatte man am 2. November 2017 an der Zinsschraube gedreht und den Leitzins um 25 BP auf 0,50% angehoben. Angedacht wurde zum damaligen Zeitpunkt eine weitere Zinserhöhung innerhalb der kommenden drei Jahre.

Jedoch haben sich inzwischen neue Rahmenbedingungen ergeben, die ein früheres und mehrmaliges Handeln erforderlich machen. Die Wirtschaft entwickele sich im Großen und Ganzen im Einklang mit den Prognosen, weshalb die Geldpolitik etwas früher und in größerem Umfang gestrafft werden müsse, hatte Carney gesagt. Diese Worte des Zentralbankchefs sind als Hinweis auf sogar mehrere Zinsschritte innerhalb eines Jahres interpretiert worden. Zwar schwebt über all diesen Prognosen noch immer das Damoklesschwert „Brexit“, aber inzwischen wächst auch die britische Wirtschaft wie die anderen Volkswirtschaften wieder, was zu einer Neubewertung des wirtschaftlichen Wachstums geführt hat. Wurde bisher für 2018 mit plus 1,5% und für 2019 mit plus 1,7% gerechnet, so hat man nun beide Werte auf plus 1,8% angehoben.

Aller Unsicherheitsfaktoren zum Trotz wird die Inflation - nach Einschätzung der Notenbanker - durch dieses Wachstum nicht zusätzlich angeheizt, jedoch ist man immer noch weit von der angepeilten Rate bei 2% entfernt. Dies wurde erst am Dienstag dieser Woche bei der Bekanntgabe der Inflationsraten für Januar deutlich. Eigentlich hatte man mit einem Rückgang der Hauptrate von 3% auf 2,9% gerechnet, aber diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Da auch die Kernrate im Jahresvergleich mit plus 2,7% nach 2,5% keine Entwarnung signalisierte, ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bereits im Mai sehr hoch. Schenkt man den Worten des Notenbank-Vizes, Ben Broadbent, Glauben, so würden sogar mehrere solcher Schritte innerhalb kürzester Zeit keine großen Verwerfungen auslösen. Seine Worte in Gottes Gehörgang!

Es bleibt also spannend und die zukünftigen Zinsentscheidungen werden sicherlich nicht zuletzt von den Fortschritten bei den Brexit-Verhandlungen abhängig sein.

Höhere Risiken durch Rekordkreditvergabe in China

Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass man bei der Beurteilung der Weltwirtschaft stets einen intensiven Blick auf China richten muss. So auch in dieser Woche. Zum Jahresbeginn haben die Banken im Reich der Mitte mal wieder einen Rekord zu verzeichnen. Noch nie zuvor wurden so viele Kredite vergeben wie heuer. Mit 2,9 Bill. Yuan (374 Mrd. US-Dollar) liegt die Summe deutlich über den von Experten erwarteten 2,0 Bill. Yuan und das Fünffache über dem Wert vom Vormonat.

Dabei war die Nachfrage sowohl von Firmen als auch Verbrauchern getrieben - eine Entwicklung, die sicher den Immobilienboom weiter anheizen und die Risiken in den Bankbilanzen nicht verringern wird. Nicht umsonst will die Bankenaufsicht in Peking die Institute genauer unter die Lupe nehmen. Ein Problem sind dabei die Schattenbanken, die bisher kaum reguliert sind. Sollte es hier aufgrund von Kreditausfällen zu Insolvenzen kommen, so könnte die weitere Kreditversorgung gefährdet sein. Die daraus resultierenden Verwerfungen wären sicherlich nicht nur auf die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft begrenzt, sondern würden weltweit ausstrahlen.

Indessen registriert Peking eine gedämpfte Inflation, die im Januar mit 1,5% hinter dem Dezember-Wert von 1,8% zurücklag. Die Erzeugerpreise stiegen allerdings im gleichen Zeitraum um 4,3% (nach 4,9%). Trotzdem ist damit zu rechnen, dass die Führung das Ziel für die Verteuerung der Verbraucherpreise bei 3% belässt.

Novartis mit Dreierpack

Passend zu der von der kommissarischen Bundesregierung jüngst angestoßenen Diskussion des „kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs“ zur Verbesserung der Luftqualität in deutschen Großstädten, hat sich die Deutsche Bahn Finanz GmbH am Kapitalmarkt aktiv gezeigt. Die mit einem Kupon i.H.v. 1,625% ausgestattete, 750 Mio. € schwere Anleihe (A2G8U8) ist am 16.08.2033 endfällig und wurde mit 99,583% (+18 bps über Mid Swap) begeben. Die sicherlich bei Privatanlegern wegen ihrer kleinsten handelbaren Stückelung von nominal 1.000 € mit Interesse registrierte Gattung ist drei Monate vor Endfälligkeit zu pari kündbar.

Im Unterschied hierzu haben sich das schweizerische Pharmaunternehmen Novartis und das in der textilen Miet- und Pflegebranche tätige französische Unternehmen Elis bei ihren Bonds für eine Mindeststückelung von nominal 100.000 € entschieden. Dadurch werden sicherlich insbesondere institutionelle Kunden mit einem Engagement liebäugeln. Insgesamt hat der Pharmariese mit Sitz in Basel mit drei Gattungen jeweils 750 Mio. € refinanziert und in die Anleihebedingungen eine Make Whole Option - jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit - aufnehmen lassen. Bei der erste Tranche (A19WB6) zahlt Novartis einen jährlichen Zins i.H.v. 0,50% bis zur Endfälligkeit am 14.08.2023 und die Begebung erfolgte bei einem Kurs von 99,655% (+2 bps über Mid Swap). Die zweite mit einer jährlichen Verzinsung von 1,375% ausgestattete Anleihe (A19WB7) ist am 14.08.2030 zurückzuzahlen und wurde bei einem Emissionsspread von +10 bps über Mid Swap (99,957%) aufgelegt. Zu guter Letzt wird den Investoren, die dem Unternehmen bis zum 14.08.2038 (A19WB8) Gelder zur Verfügung stellen, ein Zins i.H.v. 1,70% p.a. angeboten. Bei einem Emissionspreis von 99,217% kommt das einem Spread von +20 bps über Mid Swap gleich.

Das mit dem Slogan „Hygiene leicht gemacht“ werbende Unternehmen Elis hat mittels zweier Anleihen insgesamt 1 Mrd. € refinanziert und zahlt dabei für die am 15.02.2023 fällige erste Tranche (A19WGD) jährlich Zinsen von 1,875%. Die mit einem Spread von +144,6 bps über Mid Swap aufgelegte Tranche i.H.v. 650 Mio. € wurde bei einem Kurs von 99,646% platziert. Der zweite Teil der Refinanzierungsmaßnahme i.H.v. 350 Mio. € (A19WGE) ist auf den 15.02.2026 terminiert und wird mit einem jährlichen Kupon von 2,875% belohnt. Die Platzierung zu pari entsprach hierbei einem Emissionsspread von +193,2 bps über Mid Swap. In die Anleihebedingungen der beiden Bonds hat sich die Elis SA eine Make Whole Option sowie einen optionalen Kündigungstermin drei Monate vor Endfälligkeit aufnehmen lassen.

Wer nähert sich wem?

Inzwischen sind viele Marktteilnehmer zu der Überzeugung gelangt, dass die Zinsdifferenz zwischen den Staatspapieren in den USA und Deutschland wie das Eis an den Polen schmelzen wird. Jüngst haben amerikanische Forscher die Folgen der Schmelze erläutert und das hört sich nicht gut an. Abgesehen davon, dass im übertragenen Sinne das Abschmelzen der Renditespreads in vielen Banken und Kapitalsammelstellen negative Folgen auf die Ertragslage hätte, stellt sich hierbei aber insbesondere die Frage: „Wer nähert sich wem?“

Sollte man in den USA mit dem Erreichen eines 4-Jahres-Hochs bei der Rendite 10-jähriger T-Notes bereits den Gipfel erreicht haben, so würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass die Bunds erst vor einem deutlichen Renditeanstieg stehen. Oder war die bisherige Reaktion in den USA bereits überzogen und es kommt dort zu einer Reduzierung der Rendite infolge einer Seitwärtsbewegung bei Bunds?

In der Mathematik eignet sich zum Lösen von linearen Gleichungssystemen mit vielen Unbekannten das Gaußsche Elimationsverfahren, aber in diesem Fall stößt auch die Mathematik an ihre Grenzen. Somit bleiben nur die Fundamental- und die Chartalanalyse, um die Marktentwicklung zu prognostizieren.

Die neuesten Inflationszahlen lassen für die USA noch mehrere Zinserhöhungen wahrscheinlich erscheinen und auch der gewaltige Schuldenberg wird nur mittels höherer Zinsen zu bewerkstelligen sein. Dies bedeutet aber zugleich, dass die anderen Mitspieler an den internationalen Finanzmärkten auch etwas bieten müssen, um Investoren zu gewinnen. Es beginnt also ein Wettlauf um die Gunst der Anleger. Das verheißt allerdings noch lange kein Platzen der Zinsblase, denn die Notenbanken werden weiterhin versuchen, das von ihnen seit 2008 in mühsamer Kleinstarbeit erstellte Konstrukt nicht mit einer ungeschickten Bewegung einzureißen. Die Normalisierung der Zinskurven am langen Ende hat dies- und jenseits des Atlantiks begonnen und ist noch nicht zu Ende. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei ca. 157,70% und somit charttechnisch unterhalb der ehemals psychologisch wichtigen Unterstützungslinie bei 158% (ca. 0,75% Rendite 10-jähriger Bundesanleihe). Ein nachhaltiges Durchbrechen dieser Linie lässt erneut einen Test des bisherigen Tiefstkurses bei 157,26% (8. Februar) erwarten. Nach oben blickend sind größere Widerstände bei 158,00% sowie 158,55% und 158,85% auszumachen. Die Fülle der Hindernisse lässt allerdings erahnen, wie schwer die Bewegung in diese Richtung sein wird.

In den USA kehrt wieder Normalität ein

Nachdem in der Vorwoche noch das Gespenst vom „Government Shutdown“ zu einer deutlichen Reduzierung der vierwöchentlichen finanziellen Mittel führte, ist in dieser Woche wieder Normalität eingekehrt (50 Mrd. USD zu 1,36% nach 15 Mrd. USD zu 1,48%). Mittels T-Bills wurden somit insgesamt 140 Mrd. USD refinanziert. Den Schlusspunkt setzen die USA am Donnerstag mit einer TIPS-Auktion (2048) im Volumen von 7 Mrd. USD.

Da die erste grüne Anleihe Belgiens (Laufzeit: ca. 20 Jahre), trotz mehrfacher Ankündigung, immer noch nicht angeboten wird, müssen die Investoren bei anderen Staaten ihre Gelder anlegen. Hierbei wurden bereits am Dienstag viele italienische Altemissionen und zur Wochenmitte noch Anleihen Portugals (A1Z6CE / 2022 ; A19UWV / 2028) sowie Deutschlands aufgestockt. Im Zuge dessen bot die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland nominal 1,5 Mrd. € der 2,50% Bundesanleihe von 2012 / 2044 (113548) im Tenderverfahren an. Insgesamt wurden Bietungen für fast 2 Mrd. € eingereicht und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,33%. Für die Marktpflege wurden lediglich 226,9 Mio. € zurückbehalten.

Frankreich und Spanien buhlen am heutigen Donnerstag um die Gunst der Investoren und erhöhen hierbei das Emissionsvolumen einer Vielzahl von Bonds. Frankreich beabsichtigt in sechs Gattungen (A19U9A / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1ZW79 / 2025 ; 413038 / 2025 ; A1GMH7 / 2027 ; A18675 / 2047) und Spanien in drei Bonds (A19P6R / 2022 ; A19VKR / 2028 ; A19DZD / 2033) aktiv zu werden.

Nach kurzem Wackler wieder in der Spur

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea sind im vollen Gange und die Athleten kämpfen um die begehrten Goldmedaillen. Jedoch bleiben die Zuschauer aus, was sich nicht zuletzt auf die Stimmung vor Ort niederschlägt. Nur die Rennrodler betonen, dass bei ihnen die Stimmung phänomenal ist.

Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten hat auch schon bessere Zeiten erlebt. So wirken die Unsicherheit der vergangenen Handelstage und Wochen, aufgrund der Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten, noch nach. Am Devisenmarkt hingegen waren die Schwankungen beim Währungspaar EUR-USD lange Zeit als überschaubar zu bezeichnen. Zum Wochenausklang erlitt die europäische Gemeinschaftswährung zwar einen leichten Schwächeanfall und gab bis auf 1,2206 USD nach, jedoch fand der Euro schnell wieder in die Erfolgsspur - wie nach der Kurve 9 bei den Rennrodlern in Pyeonchang - zurück. Im weiteren Handelsverlauf stieg die Einheitswährung zur Wochenmitte zeitweise bis auf 1,2392 USD. Nach der Veröffentlichung der vielbeachteten US-Inflationszahlen am gestrigen Nachmittag kam es erneut zu einem Wackler, der den Euro zuerst auf 1,2277 USD drückte, um ihn anschließend über 1,2450 USD steigen zu lassen. Heute Morgen handelt der Euro nun sogar bei ca. 1,25 USD.

Zum Wochenende hin hat die russische Notenbank die Leitzinsen, wie von den meisten Marktbeobachtern erwartet, angepasst und von 7,75% auf derzeit 7,50% gesenkt. Zu Beginn der Woche und nach dem Zinsentscheid stieg der Euro im Vergleich zum Rubel bis auf 71,8834 RUB und damit auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Zur Stunde handelt der Euro wieder etwas schwächer bei Kursen um die Marke von 70,8 RUB.

In der vergangenen Berichtswoche zählten Währungsanleihen lautend auf türkische Lira, russische Rubel, südafrikanische Rand, norwegische Kronen sowie US-Dollar zu den Favoriten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Der Bann der Niedrigzinsen ist gebrochen

Ups, was war das denn? Nach dem Kurseinbruch an den Aktienbörsen vom Montag und Dienstag reiben sich viele immer noch verwundert die Augen. Die plötzlich aufgekommene Sorge vor dem globalen Ende der lockeren Geldpolitik hatte die Kurse insbesondere an der Wall Street abstürzen lassen. Aber im Grunde war die Reaktion nicht überraschend, zu lange gab es schon Zinserhöhungs-Phantasien am Markt. Einzig die Heftigkeit der Reaktion mag verwundern und kann als übertrieben bezeichnet werden. Grundsätzlich ist ja zu unterscheiden, ob steigende Renditen durch mangelnde Nachfrage oder infolge einer brummenden Konjunktur entstehen. Und da Letzteres der Fall ist, hat die aktuelle Entwicklung bis zu einem gewissen Punkt nur bedingt einen negativen Touch.

Ok, die USA sind auf Zinsanhebungen eingestellt, aber vieles spricht für eine weiterhin vorsichtige Vorgehensweise seitens der US-Notenbank Fed. Natürlich hätte sich der neue Notenbankpräsident in Washington, Jerome Powell, seinen ersten Arbeitstag anders vorgestellt, aber es ist davon auszugehen, dass er den behutsamen Stil seiner Vorgängerin, Janet Yellen, mehr oder weniger beibehalten wird. Und die Europäische Zentralbank (EZB)? Nun, ihre Strafzinsen, die Ankaufprogramme und die Reinvestitionen werden den Zinsanstieg bei 10-jährigen Bunds weiterhin bremsen, allerdings auch einen manipulationsfreien Markt verhindern. Ohne diese Eingriffe könnte sich zwar das Zinsniveau mittels echter und nicht künstlicher Nachfrage am Angebot ausrichten, aber auch eine Rendite von 1% würde bei einer Inflation zwischen 1,3% und 1,6% den Kapitalsammelstellen nicht wirklich etwas nützen.

Wie geht’s also weiter? Noch befinden wir uns im „Schüttelmodus”, in dem wir uns am Aktienmarkt von den Investoren mit den zittrigen Händen trennen – jenen, die in den letzten Tagen schon panikartige Reaktionen an den Tag legten. Es ist davon auszugehen, dass die Unsicherheit und damit die Volatilität in den kommenden Tagen noch sehr hoch sein werden. Dafür gibt es vielschichtige Gründe wie diverse politische Entscheidungen dies- und jenseits des Atlantiks, den Streikaufruf der Gewerkschaften in Frankreich sowie die unterschiedlichen Äußerungen der Notenbanker zu Sinn und Unsinn einer lockeren Geldpolitik. Aber insbesondere die hohe Volatilität an den Aktienmärkten ist den Algorithmen von Handelsprogrammen geschuldet, deren Wirkung durch die modernen Handelsapplikationen nur noch verstärkt wird. Weitere Erdbeben an den Märkten sind daher immer wieder möglich und führen zumindest kurzfristig zu einer spiegelbildlichen Kursentwicklung am Aktien- und Rentenmarkt.

Allerdings solange die kurzen Zinsen im Euroraum nicht angehoben werden, ist nicht mit kollabierenden Bondmärkten zu rechnen, denn noch funktioniert die Finanzierung langer Laufzeiten mit billigem Geld. Im Fokus der europäischen Notenbanker werden aber in den kommenden Wochen insbesondere die Anleihen Griechenlands -wegen der geplanten „Wiedergeburt am Kapitalmarkt”- und Italiens -wegen der bevorstehenden Wahl- stehen. Sei es mit Kommentaren oder sogar im Falle Italiens mit handfesten Stützungskäufen. Hierzu ist noch anzumerken, dass in den vergangenen Wochen insbesondere italienische Banken der EZB - im Rahmen des Anleihekaufprogramms - italienische Staatsanleihen verkauft haben. Generell sollte man beim Thema Stützungskäufe allerdings stets die im Jahre 2015 getroffenen Maßnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Hinterkopf haben. Denn wie sang schon Gottlieb Wendehals: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.”

Jedoch ist grundsätzlich anzumerken, dass der Bann der Niedrigzinsen gebrochen ist und das wird auch so bleiben. Die Finanzmärkte können mit höheren Zinsen ja grundsätzlich -bis zu einem gewissen Level- ganz gut leben. Jedoch hätte ein zu rasanter Anstieg der Zinsen im Euroraum nicht nur negative Folgen für stark verschuldete Staaten, sondern auch für die inzwischen sehr hohe Verschuldung von Unternehmen (teils auf Vorrat) - ein Umstand, der übrigens in Zukunft zu einem Anstieg der Ausfallraten führen dürfte.

Tory-Hinterbänkler hoch im Kurs

Die grimmigen alten Männer der britischen Tory-Partei haben Jacob Rees-Mogg zum Königinnenmörder auserkoren. Geht es nach dem Willen der EU-Hasser in der Regierungspartei, so soll der 48-Jährige die Premierministerin Theresa May beerben. Rees-Mogg gehört zu den Hardlinern, die einen harten Brexit befürworten und May innerhalb der eigenen Partei massiv unter Druck setzen. Zu den Rebellen gehört auch Außenminister Boris Johnson, der May vor Kurzem „mit der Kavallerie“ gedroht hatte, sollte der Vorschlag einer künftigen Mitgliedschaft in der Zollunion bei Kabinettssitzungen auf den Tisch kommen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn in dieser Woche die Premierministerin plötzlich eine Zollunion mit der EU kategorisch ausschließt. Zuvor wurde in London darüber spekuliert, die Regierung könnte eine teilweise Mitgliedschaft in der Zollunion anstreben. Mit diesem pragmatischen Ansatz wäre ein freier Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU auch nach dem Brexit gesichert. Ebenso wären Grenzkontrollen zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland obsolet gewesen. Letzteres gilt als eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen, welche der britische EU-Austritt mit sich bringt. Dass May der Idee einer Zollunion nun eine Absage erteilt, muss folglich als Einknicken gegenüber den Brexiteers in den eigenen Reihen gewertet werden.

Die Antwort der EU ließ nicht lange auf sich warten. Michel Barnier, Brexit-Chefverhandler der EU, hat London prompt gewarnt, dass neue Handelsschranken zwischen der Union und Großbritannien „unvermeidlich“ seien, wenn das Land die Zollunion tatsächlich verlasse. Und diese Einschränkungen werden auch den Finanzsektor betreffen, so dass der EU-Pass, mit dem britische Banken bisher reibungslos Geschäfte mit dem Rest der EU machen konnten, laut Barnier dann „ebenfalls weg“ wäre.

US-Handelsdefizit verdirbt Trump die Laune

Und das passiert ausgerechnet ihm, D. T., dem Unberechenbaren! Wollte sich doch Donald Trump als ein Präsident profilieren, der die US-Wirtschaft im internationalen Handel stärkt. Nun aber häufen die USA im ersten Jahr von Trumps Amtszeit ein Handelsdefizit an, das so hoch ist wie zuletzt 2008, im Jahr der Finanzkrise. Nach Angaben des US-Handelsministeriums in Washington legte der Fehlbetrag im Gesamtjahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 12% auf 566 Mrd. USD zu. Die USA haben also 2017 deutlich mehr aus dem Ausland importiert als ins Ausland verkauft.

Man kann das US-Handelsdefizit schon als chronisch bezeichnen. Ob allerdings eine protektionistische Wirtschaftspolitik, wie sie Trumps Regierung betreibt, eine gedeihliche Lösung zum Wohle aller am Welthandel Beteiligten sein wird, darf bezweifelt werden. Bekanntlich will Trump ja durch Neuverhandlungen von Handelsabkommen und hohen Einfuhrzöllen das Handelsbilanzdefizit der USA senken.

Insbesondere das US-Defizit gegenüber China, das Trump ein Dorn im Auge ist, hat sich 2017 weiter erhöht. Es ist um weitere 8% auf den Rekordwert von 375 Mrd. USD gestiegen. Vor kurzem hatte Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos chinesische Praktiken im Welthandel als „Raubtierpraktiken“ gegeißelt. Richtig ist, dass westliche Firmen immer wieder Ungleichgewichte im Handel mit China beklagen. So hatte auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Januar, bei seinem ersten Staatsbesuch in Peking, einen besseren Zugang für europäische Firmen auf dem chinesischen Markt gefordert. Im Handel mit allen Ländern der Europäischen Union ging Chinas Handelsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr um etwas mehr als 4% auf 129 Milliarden Dollar zurück.

Achterbahnfahrt des Bitcoin-Kurses

Die umstrittene Kryptowährung Bitcoin ist auf Talfahrt gegangen, hat sich aber am Mittwoch wieder auf über 8.000 USD erholt. Aber mit einem zwischenzeitigen Kurs von fast 6.000 USD am Dienstag hatte die Digitalwährung ihren Wert seit Jahresbeginn mal locker mehr als gedrittelt. Noch Mitte Dezember notierte der Bitcoin auf einem Rekordhoch von ca. 19.800 USD. Laut der Informationsplattform Coindesk hat sich die allgemeine Marktkapitalisierung der Kryptowährungen seit Anfang Januar auf 366 Mrd. USD halbiert. Auf das Gesamtjahr 2017 bezogen ist der Bitcoin aber immer noch um mehr als 600% nach oben geschnellt.

Als Auslöser des Kurssturzes ist eine Gemengelage aus Regulierungsbestrebungen des bisher unregulierten Handels mit Kryptowährungen und zunehmenden Hackerangriffen zu sehen. Hinzu kommt, dass unter der Talfahrt an den internationalen Aktienmärkten riskante Anlagen wie die Kryptowährungen besonders zu leiden haben. Damit werden die Bitcoins zum Opfer ihrer eigenen riskanten Konstruktion, handelt es sich dabei doch nicht um Währungen im klassischen Sinn und somit fehlt ihnen die Wertstabilität. Darüber hinaus besteht eine hohe Missbrauchsgefahr wegen der Anonymität des Zahlungsvorgangs. Erst am Montag hatte EZB-Chef Mario Draghi vor Digitalwährungen gewarnt, würden sie doch als sehr riskante Wertanlagen gelten. Die Bankenaufsicht der EZB untersucht derzeit die Risiken der Digitalwährungen.

Bekanntlich frisst die Produktion von Kryptowährungen auch Unmengen an Strom. Aufgrund der hohen Rechnerleistungen, die zur Herstellung nötig sind, verbrauchen die für die Digitalwährungen eingesetzten Computer ähnlich viel Strom wie ganz Argentinien. So wird für 2018 ein Verbrauch in Höhe von 140 Terrawattstunden erwartet, was 0,6% des weltweiten Stromverbrauchs entsprechen würde. Bitcoins konterkarieren also auch den Klimaschutz.

Athen verschiebt Testlauf am Kapitalmarkt

Eigentlich wollte Athen seinen Testlauf mit einer siebenjährigen Staatsanleihe bereits in dieser Woche starten. Doch die Turbulenzen an den internationalen Börsen machten den Griechen einen Strich durch die Rechnung. So hat Athen seine Rückkehr an den Kapitalmarkt zunächst verschoben, wie die „Financial Times“ schreibt. Um die 3 Mrd. € hoffte Griechenland aufnehmen zu können und damit ein Geld-Polster für die dauerhafte Rückkehr an die Märkte zu schaffen.

Bereits 2014 war Athen ein erster Testlauf gelungen und ein zweiter schloss sich im Juli 2017 an, als das Finanzministerium mit Anleihen insgesamt 3 Mrd. € bei einer Laufzeit von fünf Jahren einsammelte. Jetzt sollte der dritte Testballon am Bond-Primärmarkt nach der Schuldenrestrukturierung folgen, um die Investitionsbereitschaft erneut auszuloten.

Allzu lange wird man sich allerdings nicht mehr gedulden müssen, denn die Häuser Barclays, BNP Paribas, Citigroup, J.P. Morgan und Nomura warten nur auf stabile Marktverhältnisse, um die Maßnahme zu starten.

Unilever legte einen 3er-Pack auf

Auch in der Karnevalswoche ließ die Emissionstätigkeit der Unternehmen nicht nach. So begaben Unilever einen 3er-Pack, Ford Motor Credit eine Dualtranche und KME platzierte erfolgreich einen 5-jährigen Bond.

Einer der weltweit größten Hersteller von Verbrauchsgütern, Unilever, sammelte insgesamt 2 Mrd. € am Kapitalmarkt mittels Anleihen ein. Die erste 500 Mio. € schwere Tranche (A19V7Q) ist am 12.08.2023 fällig und hat einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,5%. Begeben wurde der Bond zu 99,494%, was einem Emissionsspread von +3 bps über Mid Swap gleichkam. Der zweite Bond (A19V7R) hat ein Emissionsvolumen von 700 Mio. € und zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 12.02.2027 einen jährlichen Zins von 1,125%. Der Reoffer lag bei 99,609% (+15 bps über Mid Swap). Die dritte Anleihe (A19V7S) läuft bis zum 12.02.2033 und ist mit einem Kupon von 1,625% ausgestattet. Die nominal 800 Mio. € konnte Unilever mit 99,132% erfolgreich platzieren, was einem Spread von +25 bps über Mid Swap entsprach. Unilever wählte bei allen 3 Anleihen, wie auch Ford Motor Credit und KME, die bei Privatanlegern unbeliebte Mindeststückelung von 100.000 €.

Ford Motor Credit nahm mittels einer 4- und 7-jährigen Anleihe frisches Geld am Kapitalmarkt auf. Mit dem ersten 750 Mio. € schweren Bond (A19V3P) refinanziert sich das Unternehmen bis zum 07.12.2022 variabel. Der Kupon richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor plus 0,42PP. Ausgegeben wurde das Papier zu pari. Der zweite Bond (A19V3Q) hat ein Emissionsvolumen von 500 Mio. € und ist am 07.02.2025 endfällig. Ford Motor Credit zahlt den Anlegern hierbei jährlich 1,355% Zinsen. Der Reoffer lag ebenfalls bei 100% und entsprach damit einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap.

Als letzter im Bunde begab der deutsche Hersteller von Produkten aus Kupfer, KME, eine Anleihe mit einem Volumen von 300 Mio. €. Der Bond (A2G8U5) zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 01.02.2023 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 6,75%. Dieser kommt jeweils im April und Oktober eines jeden Jahres zur Auszahlung. Der Emissionspreis lag bei 98,953%, was einen Spread von +693 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe bedeutete. Die hundertprozentige Tochter des Mailänder Unternehmens Intek Group S.p.A. mit Sitz in Osnabrück nahm neben einer Make Whole Option drei zusätzliche Kündigungstermine in die Emissionsbedingungen auf. So ist der Bond vom Emittenten jederzeit ab dem 01.02.2020 zu 103,375%, ab dem 01.02.2021 zu 101,688% und ab dem 01.02.2022 zu pari kündbar.

Wann kommt die zweite Welle?

Nachdem am vergangenen Freitag sich in den USA mit der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts ein Lohndruck abzeichnete, haben die internationalen Aktienmärkte den „Freien Fall ohne Fallschirm“ getestet, was zu massiven Umschichtungen in amerikanische und teilweise europäische Staatsanleihen führte. Doch bereits nach 48 Stunden hat sich die Lage zumindest vorübergehend beruhigt und die meisten Trades wurden wieder rückgängig gemacht, so dass jetzt die eigentlichen Themen am Rentenmarkt in den Fokus der Investoren rücken.

Die anvisierte Marke von 0,75% als Rendite für 10-jährige Bundesanleihen hat unterm Strich gehalten und bekanntlich gehört den Mutigen die Welt. Aber viele der ursprünglich auf diesem Niveau geplanten Käufe wurden nicht getätigt, so dass die alte Börsenweisheit: “Wer wartet, ist immer zu spät.“ zum Tragen kam. Allerdings ist noch nicht aller Tage Abend und die zweite Welle wird kommen. Denn ohne die Turbulenzen an den Aktienmärkten wäre diese Gegenbewegung in dem weiterhin intakten Abwärtskanal nicht möglich gewesen. Fakt ist, die Zinswende wurde eingeleitet, und sollte kein Störfeuer von anderen Assetklassen erzeugt werden, so wird das auch in den nächsten Monaten das marktbeherrschende Thema sein.

Charttechnisch verläuft eine Unterstützungslinie bei ca. 157,50% und erst bei einem nachhaltigen Überspringen der oberen Begrenzungslinie des Abwärtskanals bei ca. 159,40% würde ein Umdenken notwendig werden. In den kommenden Tagen ist innerhalb dieser Tradingrange alles möglich. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 158,15% und somit in der neutralen Zone.

Warten auf die „grüne“ Staatsanleihe Belgiens

In „freudiger“ Erwartung der ersten „grünen“ Staatsanleihe Belgiens mussten sich die Investoren noch mit den Aufstockungen von Altemissionen in Österreich (A188ES / 2023 ; A19VB0 / 2028) und Deutschland bzw. einer neuen finnischen Anleihe (A19WBB / 2034) zufrieden geben.

Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland hat am Dienstag bereits 1 Mrd. € in der inflationsindexierten Anleihe des Bundes und zur Wochenmitte 3 Mrd. € in der aktuellen 10-jährigen Bundesanleihe im Tenderverfahren angeboten. Die Zuteilung des Linkers (103056) erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,90% und für die Benchmarkanleihe (110244) wurde eine Durchschnittsrendite von +0,69% akzeptiert. Beide Tender waren überzeichnet, so dass zur Marktpflege weniger als 20% des angestrebten Emissionsvolumens umgebucht wurden. Den Schlusspunkt im staatlichen, europäischen Primärmarkt beabsichtigt am heutigen Donnerstag Irland zu setzen. Hierzu ist die Aufstockung zweier Altemissionen (A19UMH / 2028 ; A19BHN / 2037) geplant.

In den USA hatten die Anleger in dieser Woche eher die „Qual der Wahl“. Denn insgesamt wurden T-Bills (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) für 105 Mrd. USD und für 64 Mrd. USD T-Notes (3 sowie 10 Jahre) und 30-jährige T-Bonds angeboten. Bemerkenswert war hierbei insbesondere vor dem möglichen „Government Shutdown“ bzw. der fünften Übergangsfinanzierung, dass das Volumen der kurzen T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen auf ein Drittel des durchschnittlichen Volumens in 2017 gekürzt wurde. Die Zuteilung der 15 Mrd. USD wurde bei einer Rendite von 1,480% (Vw.: 1,440%) vorgenommen und nach der nun möglichen Einigung im Haushaltsstreit ist die Rendite für das 4-Wochen-Geld wieder auf 1,355% gesunken.

Turbulenzen lassen EUR/USD annähernd kalt

Die stärkste und größte Rakete der Welt startete erfolgreich ins Weltall. An Bord hatte die „Falcon Heavy“ einen roten Tesla-Roadster. Damit wird dieses Ereignis in die Geschichtsbücher eingehen und der Traum, Menschen auf den Mars fliegen zu können, wird ein wenig realer.

An den internationalen Finanzmärkten sorgte der Kurseinbruch bei Aktien zu Wochenbeginn ebenfalls für geschichtsträchtige Schlagzeilen. Am Devisenmarkt hingegen hatte das Börsenbeben beim Währungspaar EUR/USD anfänglich kaum Auswirkungen. Zum Start in die neue Woche eröffnete die Einheitswährung den Handel bei 1,2456 USD. Seither bewegt sich das Devisenpaar in einer Handelsspanne zwischen 1,2245 USD und 1,2475 USD, was insbesondere den mahnenden Worten von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny geschuldet ist, der den USA vorwarf, den USD bewusst zu drücken. Mit Blick auf die vergangenen Handelstage zeigt sich die US-Valuta leicht verbessert und konnte sich von ihrem Dreijahrestief, aufgestellt am 25. Januar 2018 bei 1,2537 USD, wieder etwas lösen. Zur Stunde notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,2270 USD.

Nach dem gestrigen Zinsentscheid der brasilianischen Notenbank (Reduzierung des SELIC-Satzes von 7% auf 6,75%) handelt der Euro im Vergleich zum brasilianischen Real derzeit bei ca. 4,015 BRL. Im Vorfeld der Zentralbanksitzung stieg die Einheitswährung bis auf 4,0617 BRL und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2016.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds. Darüber hinaus standen Anleihen auf australische Dollar, südafrikanische Rand, russische Rubel und vereinzelt auch brasilianische Real auf den Kauflisten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Baader Bank AG

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Robert Halver,

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Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Egal wie’s ausgeht – die Briten verlieren

Peinlich, verdammt peinlich für die britische Regierung ist das, was da eine an die Öffentlichkeit gelangte Analyse über die Folgen des Brexits für die Wirtschaft enthüllt. Wie der regierungseigene Report zeigt, ist Großbritannien nämlich immer der Verlierer, egal wie der Deal mit der Europäischen Union aussehen wird. Nach allen drei der wahrscheinlichsten Szenarien wird das Wachstum der britischen Wirtschaft zurückgehen, nahezu alle Wirtschaftsbereiche werden leiden. Im schlimmsten Fall wird es über die kommenden 15 Jahre zu einem konjunkturellen Absturz um 8% kommen. Das Papier mit dem Namen „EU Exit Analysis – Cross Whitehall Briefing” war durch die Nachrichtenseite Buzzfeed unter Berufung auf einen Entwurf des Dokuments ans Licht gekommen.

Selbst ein Verbleib im Europäischen Binnenmarkt als sanfteste Lösung würde nach der Regierungsanalyse lediglich den Schaden begrenzen und für ein Minus beim Wirtschaftswachstum von 2% sorgen. Nach offizieller Lesart aber leugnet die Regierung in London diese Effekte und behauptet immer noch, dass der Brexit dem Land erhebliche Chancen eröffne. Noch Ende 2017 hatte der Brexit-Minister David Davis vor dem Brexit-Ausschuss des Parlaments bestritten, dass eine solche Analyse überhaupt existiere. Prompt stellte nun der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende des Brexit-Ausschusses, Hilary Benn, Davis’ Fähigkeiten als Brexit-Chefunterhändler infrage. Nicola Sturgeon, Regierungschefin von Schottland, das bei dem Brexit-Referendum für einen Verbleib in der EU gestimmt hatte, bezeichnete die Enthüllung als „Wendepunkt in den Brexit-Verhandlungen”.

Durch das Bekanntwerden der Regierungsanalyse hat sich der Druck auf Premierministerin Theresa May weiter erhöht, steht sie doch ohnehin im Spannungsfeld zwischen den Brexiteers und den europafreundlichen Kräften in ihrer Tory-Partei. Forderungen nach ihrem Rücktritt wies May jedoch zurück.

Eine Veröffentlichung der Analyse lehnt die Regierung ab. Es handle sich schließlich nur um einen Entwurf und außerdem sei keines der durchgespielten Szenarien von der Regierung erwünscht. Diese Aussage ist ja noch nachvollziehbar. Aber es drängt sich der Eindruck auf, dass wenn’ s einem nicht passt, solche Ergebnisse einfach unterdrückt werden! Man könnte es auch folgendermaßen formulieren: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Das Bild, das die britische Regierung in Sachen Brexit abgibt, wird jedenfalls immer absurder.

Vertrauensschub durch Macron

Der positive Effekt, der von der Wahl Emmanuel Macrons ausging, schlägt sich nun auch auf die Konjunktur nieder. So hat die französische Wirtschaft im Jahr 2017 einen deutlichen Schub erhalten und die höchste Wachstumsrate seit 2011 verbucht. In einer ersten Einschätzung meldete die nationale Statistikbehörde ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,9%. Der Wachstumskurs der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone erweist sich damit als robust. Für das letzte Quartal 2017 wurde sogar ein Wachstum von 2,4% registriert. Mit dieser Beschleunigung geht für Frankreich ein halbes Jahrzehnt mit trägem Wachstum, das die Arbeitslosigkeit in der Nähe von 10% gehalten hat, zu Ende.

Neben der steigenden globalen Nachfrage und der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trug der Vertrauensvorschuss für Macron und seine Partei „En Marche“ zu dieser positiven Entwicklung bei. Unternehmen und Investoren hatten die Maßnahmen des Präsidenten begrüßt, die er zum Abbau von Bürokratie und Steuern eingeleitet hat und auch die Gewerkschaften konnten überzeugt werden. Aber auch der private Konsum zeigt sich in Frankreich sehr robust. Unterm Strich deutet die Entwicklung an, dass es mit einem vielleicht radikalen, aber doch pragmatischen und durchdachten Änderungsansatz, wie ihn Macron vorantreibt, gelingen kann, verkrustete Strukturen aufzuweichen und für neuen Schwung zu sorgen.

Man mag sich mit Blick auf die kommende Regierung in Deutschland eine ähnliche Frischzellenkur wünschen. Bisher verleitet der Verlauf der Koalitionsverhandlungen für eine Neuauflage der Großen Koalition in Berlin aber nicht gerade zu Optimismus.

Auch die spanische Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs. 2017 lag das Wirtschaftswachstum bei 3,1%. Allerdings schwächte sich die Dynamik im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf 0,7% ab und für die kommenden Quartale wird ein noch langsameres Wachstum erwartet. Der Rückgang der wirtschaftlichen Leistung ist allerdings nicht die Folge der Katalonien-Krise, die sich bisher kaum auf die Gesamtwirtschaft auswirkte.

Indessen bereitet sich Griechenland weiter auf eine Loslösung von den internationalen Hilfskrediten vor. So soll demnächst ein siebenjähriges Papier ausgegeben werden. Und bis zum Auslaufen des Hilfsprogramms im August dieses Jahres plant Athen die Emission einer drei- und einer zehnjährigen Anleihe. Damit will Finanzminister Euklid Tsakalotos die fallenden Renditen nutzen, um zu günstigem Geld zu kommen. Aktuell notiert eine griechische Staatsanleihe (WKN: A19S2V) mit Laufzeit 1/2028 bei ca. 100,50%, was einer Rendite von ca. 3,70% entspricht.

Doch die Hoffnung könnte sich ganz schnell in Wohlgefallen auflösen, wenn die dieser Tage von DIW-Präsident Marcel Fratzscher geäußerte scharfe Kritik, der dem damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine bewusste Wählertäuschung beim Schuldenschnitt für Griechenland vorgeworfen hat, den Tatsachen entsprechen würde. Nach seiner Lesart habe es vor der Bundestagswahl zwischen Schäuble und den anderen Geldgebern die Absprache gegeben, einen Schuldenschnitt nicht zu besprechen, weil dies zu viele Wählerstimmen kosten würde.

EZB hält sich eine Hintertür weit offen

In dieser Woche war es der niederländische Notenbankchef, der als Vertreter eines „Nordlandes“ in der EU Kritik an EZB-Präsident Mario Draghi geübt hat. Die Geldschwemme der Zentralbank müsse „so schnell wie möglich“ beendet werden, forderte Klaas Knot. Seit Januar hat die EZB ihre Anleihekäufe auf 30 Mrd. € pro Monat halbiert und reinvestiert zusätzlich durchschnittlich 10 Mrd. € infolge von Fälligkeiten. Ihr Ziel, die Inflation auf 2% zu heben, wurde aber immer noch nicht ganz erreicht. Und genau daran scheint es in den Augen der EZB zu haken. Denn umgehend nach Knots Statement folgte die Replik durch den EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, der dem Ruf nach einem raschen Ende der Anleihekäufe eine Absage erteilt hat. Das Ende der expansiven Geldpolitik ist damit weiter offen.

Die EZB wird nach Einschätzung von Praet das Programm erst stoppen, wenn sie noch stärker von einem Anziehen der Inflation überzeugt ist. Erst dann sei eine Normalisierung der Geldpolitik möglich. Daher brauche man weiterhin Geduld und Beharrlichkeit in der Steuerung der Geldpolitik, so Praet. Damit bereitet die EZB die Märkte auf die Möglichkeit vor, dass die Anleihekäufe auch noch über den avisierten September 2018 hinaus fortgesetzt werden könnten. Denn bisher wurde auch noch kein konkretes Enddatum genannt. Mit den Äußerungen von Praet hat die Notenbank die Hintertür, über die sie das expansive Programm fortsetzen kann, nochmals weit aufgestoßen.

Dazu passt auch Draghis Aussage, man habe noch nicht gewonnen - einen Satz, den er vergangene Woche auf der Sitzung des Rates der EZB geäußert hatte. Ob er damit den Kurs des Euro drücken wollte, ist nicht sicher. Fest steht, dass die Gemeinschaftswährung nochmals zugelegt hat. Aber dafür hat wohl auch die Aussage von US-Finanzminister Steven Mnuchin gesorgt, der in Davos sagte, dass ein schwacher Dollar gut für die USA sei. Das Wort der US-Amerikaner hat an den Devisenmärkten dann doch noch mehr Gewicht als das der Europäer.

Goodbye Janet – Welcome Jerome

Ungeachtet der unzähligen, weltweiten Diskussionen über „Frauenpower“ im Berufsleben wird ab heute die mächtigste Zentralbank der Welt, die US-amerikanische Notenbank (Fed), wieder von einem Mann geführt. Aber ändern wird sich dadurch - bis auf diese Personalie - eigentlich nichts. Jerome Powell, der am 5. Februar seinen Amtseid ablegen wird, war schon seit Jahren direkt in die Entscheidungen zur Geldpolitik eingebunden und hat die von Janet Yellen, die auch als „weiße Taube“ bezeichnet wurde, vorgegebenen Beschlüsse stets mitgetragen. Somit stellt sich in diesen politisch unsicheren Zeiten lediglich die Frage nach der Anzahl der Zinserhöhungen, welche die Marktteilnehmer in diesem Jahr noch erwarten können. Denn bei der gestrigen Verlautbarung wurde deutlich, dass angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs bereits bei der nächsten Sitzung im März dies der Fall sein könnte. Auch das Streichen der Formulierung zur Entwicklung der Inflation wird als Indiz hierfür gewertet.

Die bisherige Fed-Präsidentin war zwar keine begeisterte Anhängerin des neuen politischen Stils in den USA und musste von Zeit zu Zeit auch Kritik über sich ergehen lassen. Aber ungeachtet mancher Schmähungen durch D.T., den Unberechenbaren, stand sie für eine verlässliche Geldpolitik. Diese Tatsache allein war insbesondere in Zeiten politischer Wankelmütigkeit kein zu unterschätzendes Gut und wird es unter diesem US-Präsidenten auch in Zukunft bleiben müssen. Somit findet der Verantwortungswechsel auf einem konjunkturell fast perfekt aufbereiteten Untergrund statt. Jedoch bedeutet das nicht, dass sich Jerome Powell einfach nur zurücklehnen kann.

Denn alleine schon die Rede Donald Trumps „Zur Lage der Nation“ und die darin angedeuteten Projekte sowie die wieder anstehenden Verhandlungen zur Vermeidung des „Government Shutdown“ am 8. Februar verlangen vom ersten Tag an volle Konzentration und die Bereitschaft, das bisher Erreichte zu verteidigen. Der Fed-Chef von Dallas, Robert S. Kaplan, sieht es hierbei als eine besondere Herausforderung für sich und seine Board-Kollegen an, die künftige Überhitzung des US-Arbeitsmarktes zu steuern - und zwar in Kombination mit einer Inflation unter der Zielmarke von 2 Prozent. Nach seinen Worten ist die Erfolgsbilanz der Fed für Perioden, in denen sie aufholen musste, nicht besonders gut. Diese Selbsterkenntnis sollte allerdings Anlass zur Zuversicht sein. Denn somit scheint man sich der Tatsache bewusst zu sein, nicht zu lange warten bzw. in einen Überaktionismus verfallen zu dürfen.

Ein „Selbstläufer“ wird es also nicht sein - und man darf gespannt sein, wie sich der „Neue“ schlägt.

Ei des Kolumbus entpuppt sich als Mogelpackung

Die Pläne, die da eine Arbeitsgruppe des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) zur künftigen Schuldenfinanzierung in Europa gebastelt hat, lassen aufhorchen. Alle europäischen Staatsanleihen sollen demnach zusammen in einen Korb gelegt werden, um daraus sogenannte Sovereign Bond-Backed Securities (SBBS) zu formen. Mit dieser Konstruktion soll die unglückselige Verbindung aus Banken- und Staatspleiten durchbrochen werden. Die Staaten sollen dabei weiter für ihre Schulden haften. Doch das, was auf den ersten Blick wie das „Ei des Kolumbus“ aussieht, kann am Ende zu einer Vergemeinschaftung der Schulden führen.

Deshalb stößt die Idee nicht nur in Berlin, sondern auch in Paris und sogar in Rom auf Skepsis, wobei die Länder aufgrund unterschiedlicher Beweggründe gegen die SBBS-Idee sind. Denn die Festlegung, wieviel Papiere gebündelt werden, soll sich nicht nach der jeweils ausstehenden Staatsschuld richten, sondern nach dem Anteil der Wirtschaftskraft eines Landes im Euro-Raum. Dies hätte zur Folge, dass Deutschland den höchsten Anteil bekommen würde, Länder wie Italien aber Nachteile bei der Aufnahme von Schulden zu erwarten hätten. Entsprechend kritisch hatten die Chefs der europäischen Schuldenagenturen laut „Handelsblatt“ bereits 2017 in einem Brief an die ESRB reagiert. Darin beklagten sie, dass die neuen Anleihen der Effizienz des europäischen Staatsanleihen-Marktes schaden könnten, indem etwa Titel, die nicht in den SBBS enthalten wären, schwerer gehandelt werden könnten. Das, was zuerst als Ei des Kolumbus schien, entpuppt sich also als Mogelpackung und würde im Zweifel die EZB zum Eingreifen zwingen.

Ubisoft Entertainment nimmt spielend 500 Mio. € auf

In dieser Berichtswoche machte der französische Spiele-Hersteller Ubisoft Entertainment auf sich aufmerksam. Dem ein oder anderen dürften die Spiele-Reihen „Die Siedler“ oder „Anno“ bekannt sein. Eben diese Spiele entwickelt das Unternehmen mit Sitz in Montreuil sur Bois. Erstmals in der 32-jährigen Geschichte refinanzierten sich die fünf Guillemot-Brüder (Gründer) mittels einer 500 Mio. € schweren Anleihe (A19VPD) am Kapitalmarkt. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahlt das Unternehmen jährlich 1,289% Zinsen bis zum 30.01.2023. Begeben wurde das Papier zu pari, was einem Emissionsspread von +85 bps über Mid Swap entsprach. Neben einer Make Whole Option ist der Bond drei Monate vor Endfälligkeit am 30.10.2022 zu 100% kündbar. In die Anleihebedingungen wurde die bei Privatanlegern unbeliebte Mindeststückelung von 100.000 € festgeschrieben. Diese wählten auch Nordex und Alliander, die sich ebenfalls mit je einem Bond an den Kapitalmarkt wagten.

Der börsennotierte Hersteller von Windkraftanlagen Nordex mit Sitz in Rostock brachte ebenfalls eine 5-jährige Anleihe (A2GSSM) mit Laufzeit bis zum 01.02.2023. Das Unternehmen stattete den 275 Mio. € schweren Bond mit einem Zinssatz von jährlich 6,5% aus, welcher im Februar und August eines jeden Jahres zur Auszahlung kommt. Der Ausgabepreis lag bei 100% (+649 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Das Wertpapier ist neben einer Make Whole Option mit drei weiteren Kündigungsrechten jeweils ab dem 01.02.2020 zu 103,25%, ab dem 01.02.2021 zu 101,625% und ab dem 01.02.2022 zu 100% ausgestattet.

Darüber hinaus begab in dieser Berichtswoche Alliander einen Perpetual-Bond. Der niederländische Gas- und Stromnetzbetreiber legte einen Fix-to-Float Bond (A19VX6) mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. € auf. Das Unternehmen, welches auch Dienstleister für Energienetze in den Niederlanden ist, zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 30.06.2025 einen festen Zins in Höhe von 1,625% p.a. an die Gläubiger. Im Anschluss richtet sich der Zinssatz nach dem 5-Jahres-Swap plus 0,952 PP. Ferner ist das Wertpapier ab dem 30.06.2025 alle fünf Jahre jeweils am 30. Juni zu pari kündbar. Der Emissionspreis belief sich auf 99,144 (+95,2 bps über Mid Swap).

Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden

Es ist schon immer wieder faszinierend. Bei einer negativen Rendite von ca. -0,20% für 10-jährige Bundesanleihen zuckten die Investoren mit den Schultern und gaben zu bedenken, dass man gegen die EZB sowieso keine Chance habe. Ist aber die Rendite bei ca. +0,70% und die EZB hat ihre Maschinen etwas gedrosselt, dann wird über Absicherungen nachgedacht. Doch ehrlich gesagt, macht das jetzt auch nicht wirklich viel Sinn. Klar, die Rahmenbedingungen haben sich am Rentenmarkt geändert, aber nur weil jetzt die Inflation wieder bei ca. 1,6% ist, heißt das noch lange nicht, dass man schon bald wieder zu den „guten“ alten Zeiten zurückkehrt. Damals knapperte die Inflation zwar einen Großteil der Rendite ab, aber es blieb noch meist ein positiver Rest übrig. Doch davon sind wir noch meilenweit entfernt.

Jedoch macht sich seit Jahresanfang immer mehr Verunsicherung unter den Marktteilnehmern breit, weil man Angst hat, die Trendwende verschlafen zu haben. Dem war mit Sicherheit in den meisten Fällen auch so, aber aus charttechnischer Sicht ist beim Rentenbarometer noch ein kleines Gap zwischen 159,64% und 159,66% zu schließen. Und Chartanalysten betonen immer, dass jedes Gap irgendwann geschlossen wird. Jedoch ist hierbei das „Wann“ ausschlaggebend. Dies sollte allerdings nicht überbewertet werden, denn die Zinsanpassung ist noch lange nicht abgeschlossen. Nur ist das keine Angelegenheit von ein paar Tagen oder Wochen, sondern von Monaten und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde.

Der Abwärtstrend beim Euro-Bund-Future ist weiterhin intakt und daran würde auch das Schließen des Gaps sowie ein Anstieg bis in den Bereich zwischen 159,80% und der psychologischen Marke von 160% nichts ändern. Die auf diesem Niveau zu erzielende Rendite von ca. 0,60% sollte allerdings im momentanen Umfeld die Untergrenze darstellen und erneut zur Positionsabsicherung genutzt werden. Ohne konjunkturelle bzw. politische Impulse ist in den kommenden Handelstagen mit einem Test der 158,00% zu rechnen, was einer Rendite von ca. 0,75% für 10-jährige Bundesanleihen entspricht. Ob die ursprünglich in diesem Bereich angedachte Kaufbereitschaft der Investoren einsetzen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 158,40% und somit an der unteren Begrenzungslinie des Abwärtstrendkanals.

Bund zahlt wieder für 5-jährige Mittelaufnahme

In dieser Handelswoche konnten die US-Investoren lediglich in Geldmarkttitel investieren und dabei zwischen den Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten wählen. Im Hinblick auf die möglicherweise erneut anstehende Haushaltssperre und weiterer Zinserhöhungen in den USA war bei der Auktion der kurzen 4-Wochen-T-Bills eine Rendite von 1,44% (Vw.: 1,21%) zu erzielen.

Aber auch in der Eurozone werden neue finanzielle Mittel benötigt und so führte Italien bereits am Dienstag mehrere Auktionen durch. Jedoch sind italienische Staatsanleihen aus steuerlichen Gründen auch weiterhin nicht an deutschen Börsen handelbar. Dennoch war das Highlight der Woche der Tender der neuen 5-jährigen Bundesobligationen (114177). Nachdem im Laufe der Woche erstmals seit 2015 in diesem Laufzeitsegment wieder positive Renditen bei deutschen Staatsanleihen erzielt werden konnten, war man gespannt auf das Tenderverhalten der institutionellen Kunden zur Wochenmitte. Avisiert wurde ein Emissionsvolumen von 4 Mrd. € und hierfür wurden auch Gebote von insgesamt 4,246 Mrd. € abgegeben. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von +0,08% und etwas über 796 Mio. € wurden zur Marktpflege zurückbehalten.

Den Schlusspunkt unter die Emissionsaktivitäten setzen am heutigen Donnerstag noch Frankreich sowie Spanien und nutzen dadurch die wirtschaftlich positive Nachrichtenlage für sich. So werden drei französische Altemissionen (A19U9A / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1HS3U / 2024) und vier spanische (A19JJJ / 2021 ; A1Z2RV / 2025 ; A19G01 / 2027 ; A1AM06 / 2041) aufgestockt.

Auch beim Außenwert des Dollars hat die US-Regierung keinen Plan!

Zum vierten Mal in diesem Jahr erscheint unser Wochenbericht, und ebenso oft hat es die Gemeinschaftswährung in diesem Zeitraum geschafft, neue Bestmarken zu erreichen.

So konnte der Euro in der vergangenen Woche erstmals in diesem Jahr die wichtige Marke von 1,25 USD überspringen. Mit 1,2537 USD markierte die Einheitswährung demzufolge ein neues Jahreshoch und notierte somit in der Nähe ihres Dreijahreshochs von 1,2570 USD (Dezember 2014). Damit beträgt der Wertzuwachs des Euro in diesem Jahr ca. 5% im Vergleich zur US-Valuta. Ausgelöst wurde der Höhenflug beim Devisenpaar EUR-USD durch die Aussage des amerikanischen Finanzministers Steven Mnuchin, wonach ein schwacher Dollar gut für die USA sei. Im Anschluss korrigierte US-Präsident Trump diese Aussage und meinte, der US-Dollar wird stärker werden. Dies wiederum brachte den Euro unter Druck und er fiel zwischenzeitlich bis auf 1,2364 USD zurück. Nach diesen Währungsturbulenzen und der gestrigen Fed-Sitzung handelt die gemeinsame Währung heute Morgen bei 1,2430 USD.

Doch im Devisenhandel dreht sich nicht alles um das Verhältnis von Euro und Greenback, sondern es gibt auch noch andere Währungspaare. So präsentierte sich im bisherigen Jahresverlauf auch die Währung Norwegens ziemlich robust. Der Euro verlor im Vergleich zur norwegischen Krone und erreichte mit 9,5262 NOK einen neuen Tiefstwert in 2018. Zu Jahresbeginn notierte der Devisenkurs noch bei 9,85 NOK.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche verstärkt Anleihen auf türkische Lira, südafrikanische Rand, norwegische Kronen und russische Rubel im Fokus der Anleger. Aber auch US-Dollar Bonds wurden vermehrt angefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Erhebliche Lawinengefahr in Davos

Es herrscht erhebliche Lawinengefahr im tiefverschneiten Schweizer Skiort Davos. Rechtzeitig vor seinem Besuch des dortigen Weltwirtschaftsforums (WEF), wo die Freunde des freien Welthandels in der Mehrzahl sind, hat D. T., der Unberechenbare, vorgelegt. Der US-Präsident kündigte die Einführung weiterer Handelsschranken gegen die vermeintlichen Billigimporte aus dem Ausland an. Diesmal trifft es Waschmaschinen und Solarmodule, die mit Zöllen zwischen 20% und 50% belegt werden sollen, bevor sie in die USA eingeführt werden können. Mit diesen Einfuhrzöllen brüskiert der Protektionist aus Washington insbesondere China und Südkorea, die sich allerdings wehren und die Welthandelsorganisation (WTO) anrufen wollen.

Man kann davon ausgehen, dass damit noch nicht das Ende der protektionistischen Maßnahmen der US-Regierung erreicht ist. Demnächst dürfte Billigstahl aus China eine Reaktion Trumps hervorrufen, ebenso wie der mangelnde Marktzugang nach China sowie der Druck auf ausländische Unternehmen, bei einem Engagement im Reich der Mitte zwangsweise Technologie zu transferieren. Wobei auch die Europäer bei den beiden zuletzt genannten Punkten immer wieder mit den chinesischen Usancen gehadert haben und somit Trump zustimmen dürften.

Dennoch, mit seinen jüngsten Ankündigungen heizt Trump den Handelsstreit zwischen den Ländern erneut an. Seine zeitweilige Zurückhaltung dürfte nur dem Umstand geschuldet gewesen sein, dass die USA auf China und Südkorea als Partner in der Nordkorea-Krise angewiesen waren. Die Frage ist nun, ob und wie sich China revanchieren wird. Immerhin ist es just das Land, das die größten Währungsreserven in US-Dollar hält. Mit 3,14 Billionen US-Dollar per Ende Dezember hat das Polster aus dem Reich der Mitte seinen höchsten Stand seit September 2016 erreicht.

In Davos hat zunächst der indische Regierungschef Narendra Modi indirekt Kritik an Trumps Kurs der wirtschaftlichen Abschottung geübt. Als eigentlicher Gegenspieler entpuppte sich aber einmal mehr Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der auf dem WEF den am Dienstag in Tokio erzielten Abschluss eines neuen Freihandelsabkommens für den Pazifikraum (CPTPP) gelobt hat. Das ursprünglich geplante Handelsabkommen TPP sollte rund um den Pazifik die größte Freihandelszone der Welt schaffen und eigentlich ein Gegengewicht zu China bilden. Doch Trump hatte das Abkommen kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2017 aufgekündigt. Nun bildet sich stattdessen ein Bündnis ohne die USA, aber eben mit China. Des Weiteren sind unter anderem Neuseeland, Australien, Chile, Japan und Singapur mit an Bord.

Über sein Plädoyer für den freien Welthandel hinaus hielt Trudeau in Davos eine „Wutrede“, wie das „Manager-Magazin“ es nannte, indem er sich für eine gerechtere Welt stark machte und dabei insbesondere die Rechte von Frauen betonte. So forderte der kanadische Premier von Unternehmen, verstärkt Frauen einzustellen und zu fördern. Dies sei keine nette Geste, sondern es sei der richtige Weg für jedes einzelne Unternehmen und für wirtschaftliches Wachstum. Es gelte vor allem, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen, sagte Trudeau und bildete damit einmal mehr einen Kontrapunkt zu dem Sexisten im Oval Office.

Man darf nun gespannt sein, ob Trump mit seiner Rede am Freitag eine Lawine lostritt, unter der wieder ein Stück des freien Welthandels begraben wird. Es herrscht ohnehin schon Lawinenwarnstufe 3 in Davos. Die Medienaufmerksamkeit wird groß sein, allerdings wird dann wohl die Hälfte der 3.000 Forumsgäste schon abgereist sein - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bereits am Mittwoch wieder nach Berlin zurückgeflogen ist. Dadurch verpasst sie nicht nur eine mögliche Begegnung mit Trump, sondern auch den Austausch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Aber dazu muss Merkel ja nun wirklich nicht ins tiefverschneite Davos reisen.

Draghi wird sich auch heute treu bleiben

Es wäre mehr als eine Überraschung, wenn sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, bei der heutigen Pressekonferenz zu einer Änderung der Forward Guidance hinreißen lassen würde. Obwohl nach der Veröffentlichung des Protokolls der Dezember-Sitzung der Eindruck entstehen konnte, dass eine Anpassung der Geldpolitik nicht mehr vehement ausgeschlossen wird, ist bei der heutigen Sitzung in Frankfurt nicht damit zu rechnen, dass Super Mario sich untreu wird. Das bedeutet aber auch, dass eine zeitnahe Anpassung der Zinsen und des Ankaufvolumens nicht das Thema sein werden, obwohl in den vergangenen Wochen der Eindruck entstehen konnte, dass die Notenbanker von den Treibern zu den Getriebenen geworden sind.

Eine Anpassung der Kommunikation wird von den Marktteilnehmern frühestens im zweiten Quartal des Jahres erwartet. Somit ist noch genügend Zeit, die Entwicklung der Inflation, des Euro-Außenwerts und der Wirtschaft zu beobachten. In der Vergangenheit wurde stets betont, die EZB werde solange Anleihen ankaufen, bis die Inflation eine überzeugende Wende hin zu 2 Prozent vollzogen hat. Ob dies aber ohne Änderung der selbst gesteckten Obergrenzen überhaupt möglich sein wird, darf bezweifelt werden. Ein Themenschwerpunkt dürfte heute allerdings auch die Stärke des Euros sein, der immer mehr zum Problem wird. Er bremst nämlich die Inflation wieder ein und wirkt somit der Zinswende entgegen.

Die Nervosität an den Märkten ist allerdings zu spüren, denn die Ära der ultraniedrigen Zinsen ist vorbei. Und jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie das Ende des langen Booms verlaufen wird. Vieles erinnert in diesem Zusammenhang an das Münchner Oktoberfest. Ab einer gewissen Uhrzeit werden keine Getränke mehr ausgegeben, die Gäste werden musikalisch zum Gehen aufgefordert und dann wird zu guter Letzt das Licht angeschaltet.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt erkennt der ein oder andere Wies’n-Besucher die Auswirkungen seines Treibens – es gibt ein böses Erwachen.

So ähnlich wird das auch sein, wenn die EZB den Banken das billige Geld entzieht. Hinweise auf den Tag „X“ erhoffen sich die Finanzmarktakteure heute von Mario Draghi, und so werden sie seine Aussagen in den kommenden Tagen auf Herz und Nieren überprüfen.

Berg fauler Kredite schmilzt nur langsam ab

Der schleppende Abbau von Problemkrediten, die als Folge der Finanzkrise entstanden sind, bleibt für Europas Banken eine Bedrohung. Der Anteil dieser Non-Performing Loans (NPL) an allen Darlehen ist in den Bilanzen der Geldhäuser im zweiten Quartal 2017 um einen Punkt auf 4,6% gefallen, teilte die EU-Kommission mit. Ungeachtet dieser positiven Entwicklung addierten sich die faulen Kredite in der gesamten EU auf 950 Mrd. €. In den 19 Euro-Ländern beliefen sie sich auf 5,4% des Kreditvolumens. Per Ende 2016 hatte PwC‘s Strategy den Berg an ausfallgefährdeten Krediten mit einer Billion € angegeben.

Bemerkenswert ist die breite Spanne zwischen den Quoten an faulen Krediten der einzelnen Mitgliedsländer. So stecken in den Bilanzen deutscher Banken noch 2,3% ausfallgefährdeter Darlehen, nach 2,8% im Juni 2016. In Griechenland ist dagegen mit 46,9% fast jeder zweite Kredit ein wackeliger. Dies liegt besonders an dem eher verhaltenen Wirtschaftswachstum in Griechenland. Absolut betrachtet sind es italienische Banken, die mit rund 350 Mrd. € die schwerste Last an NPLs mit sich herumschleppen. Dies entspricht einer Quote von 12,2%, was gegenüber 2015 (18%) einen Fortschritt darstellt.

Unterm Strich machen Europas Banken zwar Fortschritte beim Abbau problembehafteter Kredite. Es lauert aber immer noch ein hoher Wertberichtigungsbedarf in den Bilanzen. Es bleibt zu hoffen, dass der Fortschrittsbericht der EU-Kommission, in dem sie die Entwicklung der Wackelkredite dargelegt hat, politischen Rückenwind für weitere Strukturreformen in der EU auslösen wird. Sollten diese zum Abbau weiterer NPLs führen, dürfte auch die deutsche Seite nichts dagegen haben. Vor einem Ausbau der Bankenunion, der mit einer gemeinsamen Einlagensicherung einhergehen sollte, sei allerdings an dieser Stelle nochmals gewarnt.

EZB steht Personalrochade bevor

Das Personalkarussell der europäischen Institutionen beginnt sich zu drehen. Mit der Suche eines neuen Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) beginnt die weitgehende Neubesetzung wichtiger Posten. Da ist zunächst der EZB-Vize, Vitor Constancio aus Portugal, für den nach acht Jahren Amtszeit ein Nachfolger gesucht wird. Als Favorit geht der bisherige spanische Wirtschafts- und Finanzminister Luis de Guindos ins Rennen. Damit wäre Spanien nach sechs Jahren Abstinenz wieder im EZB-Direktorium vertreten. Da man de Guindos große Verdienste um die wirtschaftliche Erholung in Spanien zuschreibt, dürften mit dieser Wahl alle gut leben können.

Wenn aber der Vize ein „Südländer“ wäre, müsste nach der europäischen Arithmetik der nächste Chef der EZB ein „Nordlicht“ sein. Und da macht immer wieder Jens Weidmann von sich reden. Sicher, der Bundesbankpräsident ist zu klug, um offiziell mit den Hufen zu scharren. Aber inhaltlich hat er sich immer wieder als Kritiker der expansiven Geldpolitik von EZB-Chef Mario Draghi, den es im Oktober 2019 zu beerben gilt, in Position gebracht. Jedoch hat er damit bei manchen EU-Partnern auch für Verdruss gesorgt. Insbesondere Italien und Frankreich scheinen hier Vorbehalte zu haben. Daher könnte es sein, dass man den Deutschen zwar den Chefposten bei der EZB zugesteht, aber just Weidmann an dieser Stelle nicht sehen will. So gelten auch Klaus Regling, Chef des Stabilitätsmechanismus ESM, und der Wirtschaftsweise Volker Wieland als mögliche Kandidaten. Auch Frankreichs Zentralbankchef Francois Villeroy, der fließend deutsch spricht, werden Chancen eingeräumt.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wird es eines sorgsamen Ausbalancierens bedürfen, wie weitere wichtige EU-Posten, die demnächst frei werden, besetzt werden. So endet Ende 2018 die fünfjährige Amtszeit von Danièle Nouy, der Chefin der Bankenaufsicht in der EZB, und im nächsten Jahr werden dann gleich drei weitere Ämter im sechsköpfigen EZB-Direktorium frei. Neben Draghi räumen auch der belgische EZB-Chefvolkswirt Peter Praet und der französische „Außenminister“ der EZB, Benoît Cœuré, ihre Posten.

EZB-Ankäufe geraten aus der Balance

Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) geraten aus der Balance. Immer häufiger werden Schuldentitel aus Österreich, Belgien, Frankreich und Italien bevorzugt, so dass die EZB ihre selbst gesetzten Maßstäbe verletzt. Ursprünglich sollten die Länder bei den Ankäufen ja entsprechend ihrer Größe berücksichtigt werden, um einen Umverteilungseffekt innerhalb der Eurozone zu verhindern.

Aber nach einer Studie des ZEW-Instituts verschieben sich die Gewichte immer mehr. Als Ursache für das Ungleichgewicht nennt der Autor der Untersuchung, dass einige Staaten zu wenig Anleihen begeben und andere lediglich Staatstitel geringerer Bonität anbieten würden. Im Ergebnis entfallen immer mehr Anleihekäufe auf Staaten mit hohen Schuldenständen. Der Vergleich der Käufe von 2015, dem ersten Jahr des Ankaufprogramms für Wertpapiere im öffentlichen Sektor (Public Sector Purchasing Programme, PSPP), mit dem Ankaufvolumen im Jahr 2017 belegt diesen Trend.

Nach Berechnungen des ZEW lag der Anteil von Staatsanleihen aus Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und Österreich an den Käufen des Jahres 2015 noch bei 59,0%, der jedoch 2017 um gut vier Prozentpunkte auf 63,3% angestiegen ist. Immer stärker weichen demnach die Anleihekäufe anteilig vom EZB-Kapitalschlüssel ab, welcher der EZB als Steuerungsgröße des Programms dient. Für die im vergangenen Jahr getätigten Käufe liegen die Anteile von Italien, Frankreich, Belgien und Österreich inzwischen um etwa 10% über dem Niveau, das der Anwendung des EZB-Kapitalschlüssels entsprechen würde. Eine Analyse des ZEW im Oktober 2017 hatte bereits gezeigt, dass die südeuropäischen Länder wie Spanien und Italien von den Wertpapierkäufen der EZB am stärksten profitieren.

Entsprechend folgert das ZEW: Mit jedem Monat neuer Käufe verschärft sich die jetzt bereits sichtbare Übergewichtung der Schulden-Staaten. Damit wachsen die Zweifel an der Vereinbarkeit des Programms mit dem Verbot der monetären Staatsfinanzierung laut Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Insbesondere in Bezug auf Italien kann dies schon bald zum Problem werden, wenn nämlich nach den Wahlen am 4. März des Jahres europafeindliche Parteien die Regierung stellen und aus dem Verbund, der ihre Anleihen angekauft hat, ausscheren wollen.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen auch in den USA

Inzwischen wurde im US-Haushaltsstreit zwar die vierte kurzfristige Übergangsfinanzierung seit Oktober 2017 beschlossen und immerhin dadurch sind bis zum 8. Februar des Jahres die Haushaltsmittel für die Bundesbehörden gesichert. Aber in den kommenden Wochen muss dennoch eine vernünftige, langfristige Lösung gefunden werden. Dies wird sicherlich nicht einfach sein, und im schlimmsten Fall in einer fünften Übergangslösung enden.

Doch auch in solchen Zeiten - und sogar bei einem Regierungsstillstand - wird die Verschuldung der USA weiter anwachsen. Somit sollten alle Formen der Übergangsmaßnahmen spätestens Ende Februar ausgereizt sein. Daher bedarf es dringend einer Anhebung der gesetzlich geregelten - aber seit Oktober 2017 gerissenen - Schuldenobergrenze. Denn nur dadurch kann die fiskalpolitische Sicherheit wiederhergestellt werden, welche für eine „vernünftige“ Regierungsarbeit unabdinglich ist.

Die ansonsten in diesem Zusammenhang notwendige langsame Beendigung des Schuldendienstes kann schlussendlich sogar in die Zahlungsunfähigkeit der USA münden. Darauf haben in den vergangenen Monaten immer wieder die US-Ratingagenturen hingewiesen und deshalb mit einem Downgrade gedroht. Noch scheint man aber davon Abstand zu nehmen und sich nicht der Meinung der chinesischen Ratingagentur anzuschließen, welche die US-Bonität in der vergangenen Woche abgewertet hat. Jedoch vermag niemand zu sagen, wann dieser Zustand enden wird. Vielleicht ist es an der Zeit, die Verschuldung in einer anderen Art zu begrenzen. So wäre z.B. eine Koppelung an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vorstellbar. Der positive Nebeneffekt von einer Neuregelung wäre nicht zuletzt, dass die nervigen, gegenseitigen Vorwürfe seitens der Republikaner und der Demokraten uns erspart blieben und das „Schattenboxen“ ein Ende hätte.

Selecta Group und Crown Euro Holdings je mit Doppelpack

Der doppelte Griff in die „Emissionskiste“ verdeutlicht die Denkweise mancher CFOs, die sich noch günstige Kreditspreads sichern wollen. Jedoch begnügte sich der Versorger Gas Natural mit der Begebung einer 850 Mio. € schweren Anleihe (A19U5P) mit einer Laufzeit bis zum 29.01.2028 über seine Tochter Gas Natural Fenosa Finance. Die Gläubiger erhalten für ihr Investment jährlich Zinsen in Höhe von 1,5%. Ausgegeben wurde die Anleihe zu 98,937%, was einem Emissionsspread von +67 bps über Mid Swap gleichkam. Neben einer Make Whole Option ist das Wertpapier ab dem 29.10.2027 jederzeit bis zur Endfälligkeit zu 100% kündbar. Neben Gas Natural Fenosa Finance wagten sich in dieser Berichtswoche auch die Unternehmen Selecta Group und Crown Euro Holdings an den Kapitalmarkt. Bei allen Bonds wurde die insbesondere für institutionelle Investoren interessante Mindeststückelung von 100.000 € festgeschrieben.

Selecta Group legte dabei zwei Bonds über insgesamt 1,09 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A19VGT), ein 6-jähriger Floater ist am 01.02.2024 fällig und der Zinssatz richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor plus 5,375 PP. Der Emissionspreis der 325 Mio. € schweren Anleihe lag bei pari. Ein zweiter 765 Mio. € schwerer 6-jähriger Fix-Bond (A19VGG) mit Fälligkeit am 01.02.2024 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 5,875% jährlich. Die Auszahlung des Kupons erfolgt jeweils im April und Oktober eines jeden Jahres. Der Reoffer lag bei 100% (+581 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Beide Anleihen sind mit einer Make Whole Option sowie weiteren optionalen Kündigungsterminen ausgestattet.

Ebenfalls einen Doppelpack mit insgesamt 835 Mio. € emittierte Crown Euro Holdings. Mit Fälligkeiten am 01.02.2023 und 01.02.2026 refinanzierte sich das Unternehmen mit Sitz in Frankreich erfolgreich am Kapitalmarkt. Dabei ist der 5-jährige Bond (A19VCM) mit einem Zins von jährlich 2,25% ausgestattet, was bei einem Spread von +234 bps über Bund einen Emissionspreis von pari ergab. Die Auszahlung des Kupons erfolgt jeweils im Februar und August. Die erste Tranche ist 335 Mio. € schwer. Das zweite Papier (A19VCK) mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. € zahlt den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 2,875%, welche ebenfalls im Februar und August auf das Konto der Anleger fließen. Emittiert wurde ebenfalls zu 100%, was einem Spread von +257 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach. Neben einer Make Whole Option ist der 5-jährige Bond drei Monate vor Endfälligkeit und die 8-jährige Anleihe ab dem 01.08.2025 jederzeit zu 100% kündbar.

Lässt die EZB heute wieder einen Testballon steigen?

Die heutige EZB-Sitzung gilt als ausgemachte „Nullnummer“ und trotzdem ist die Gefahr einer heftigen Reaktion auf eventuell unbedachte Äußerungen vorhanden. Es kann aber durchaus auch zu einer bewussten Beeinflussung der Märkte kommen. Denn bereits in der Vergangenheit ließ man verbal auf Pressekonferenzen ganz beiläufig einen „Testballon“ steigen, um die Marktreaktion im Vorfeld von anstehenden Zinsentscheidungen besser einschätzen zu können. Dies kann auch für heute nicht ausgeschlossen werden. Unter anderem sind auch schon aus diesem Grund Großteile der Positionen abgesichert worden und werden es auch bleiben.

Zurückblickend auf die bisherige Handelswoche lässt sich konstatieren, dass die Ursachen für das aktuelle Geschehen an den Rentenmärkten größtenteils in den USA zu suchen sind. So sind der festere Euro, die „America first“ Politik unter D.T., dem Unberechenbaren, aber auch die Geldpolitik unter dem neuen Fed-Präsidenten marktbeherrschende Themen. Doch auch der US-Bondmarkt strahlt auf unseren Kapitalmarkt aus. Denn in Anbetracht der Tatsache, dass die Rendite der 10-jährigen amerikanischen Staatsanleihen mit 2,659% ein neues Dreijahreshoch markierte, konnte sich auch das Rentenbarometer hierzulande diesem Trend nicht vollständig entziehen. Nach einer kurzzeitigen Gegenbewegung ist der Euro-Bund-Future wieder in den Abwärtskanal abgerutscht und schickt sich zum wiederholten Male an, die „Downside“ zu testen.

Aus charttechnischer Sicht stellt zwar die psychologische Marke von 160% eine Unterstützung dar, allerdings ist ein Abgleiten bis in den Bereich von 159,80% noch kein Beinbruch. Momentan rentiert die neue 10-jährige Benchmarkanleihe bei ca. 0,58% und bei einem Renditeanstieg auf 0,75% würde das einem Kursverfall beim Euro-Bund-Future auf ca. 158,50% entsprechen. Dieses Szenario ist nicht auszuschließen, obwohl das Sorgenbarometer der Eurozone heute im Vorfeld der EZB-Sitzung bei ca. 160,65% handelt. Sollte jedoch die Upside getestet werden, so wäre dies eine gute Gelegenheit, um sich vor weiteren Zinsanpassungen zu schützen.

Run auf neuen spanischen Bond

Ungeachtet der Schuldenobergrenze refinanzierten die USA auch in dieser Handelswoche nominal 129 Mrd. USD als T-Bills mit den üblichen Laufzeiten und T-Notes im Volumen von 103 Mrd. USD mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren - also „Business as usual“.

Der europäische Primärmarkt für Staatsanleihen war hingegen geprägt von der Begebung einer neuen 10-jährigen spanischen Staatsanleihe (A19VKR). Infolge der Anhebung der Bonität Spaniens durch die Ratingagentur Fitch auf „A-“ mit Ausblick „stabil“ wurden für die geplanten 10 Mrd. € insgesamt ca. 45 Mrd. € an Zeichnungsgeboten abgegeben. Die Zuteilung erfolgte bei einer Rendite von ca. 1,45% (+46 bps über Mid Swap). Ebenfalls am Dienstag hat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland das Emissionsvolumen der aktuellen Bundesschatzanweisungen (110470) um 5 Mrd. € auf nunmehr 13 Mrd. € erhöht. Trotz der technischen Unterzeichnung wurden bei einer Durchschnittsrendite von minus (-) 0,61% etwas über 4 Mrd. € zugeteilt. Die restlichen 967,5 Mio. € wurden zur Marktpflege umgebucht.

Darüber hinaus wird am Freitag zum Wochenschluss noch Italien mit diversen Aufstockungen am Kapitalmarkt aktiv werden.

Greenback schwächelt auf der ganzen Linie

Die internationalen Aktienmärkte jagen von einem Rekord zum nächsten und erklimmen sowohl in Europa als auch in Übersee bisher noch nicht dagewesene Höchstkurse. Am Devisenmarkt kann das Währungspaar EUR-USD mit diesem Tempo nicht ganz mithalten.

Allerdings präsentiert sich die europäische Gemeinschaftswährung weiterhin sehr stark. Bereits am vergangenen Mittwoch konnte der Euro ein neues Dreijahreshoch bei 1,2323 USD markieren. Dieses konnte er zu Wochenmitte nochmals verbessern und stieg heute im frühen Handel bis auf 1,2459 USD und damit auf den höchsten Stand seit Dezember 2014. Bezeichnend ist derzeit die Schwäche der amerikanischen Währung im Allgemeinen. Dies zeigt sich auch am sogenannten Bloomberg Dollar Spot Index, der den Greenback gegenüber den zehn wichtigsten Währungen abbildet. Dieser notiert aktuell so niedrig wie zuletzt im Januar 2015. Mit der EZB-Sitzung sowie dem Weltwirtschaftsforum in Davos bietet diese Woche noch einiges an Potenzial für kursbewegende Nachrichten. Im Vorfeld der ersten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im neuen Jahr handelt die Einheitswährung heute Morgen bei ca. 1,2420 USD.

Aber auch die türkische Lira zeigte sich in den vergangenen Handelstagen wieder sehr volatil. So stieg der Euro im Vergleich zur Lira zu Wochenbeginn bis auf 4,7237 TRY und verfehlte damit nur marginal das bisherige Allzeithoch vom 24. November 2017 bei 4,7249 TRY. Im weiteren Handelsverlauf konnte sich die Währung der Türkei wieder etwas stabilisieren und der Euro notiert zur Stunde bei 4,6530 TRY.

In dieser Berichtswoche engagierten sich Privatanleger hauptsächlich in Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie mexikanische Peso und russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Rückt die Zinswende ein bisschen näher?

Jens Weidmann lässt nicht locker. Zum wiederholten Male hat der Bundesbankpräsident seine grundsätzliche Kritik am Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das durch die nationalen Notenbanken umgesetzt wird, geäußert. Die Käufe hätten nicht vernachlässigbare negative Nebenwirkungen, sagte Weidmann der FAZ. Schließlich sind die Zentralbanken auf diese Weise zu den größten Gläubigern der Staaten geworden. Über alle Assetklassen sind bisher ca. 2,3 Billionen € in Wertpapierkäufe geflossen. Das ist kein Pappenstiel! Deshalb drängt Weidmann, der im Herbst 2019 Mario Draghi an der EZB-Spitze gegebenenfalls beerben könnte, auf ein Ende der milliardenschweren Ankäufe noch in diesem Jahr. Damit geht die Debatte über das Ende der Anleihekäufe in der Eurozone in eine neue Runde. Wie lange die Geldschleusen geöffnet bleiben, ist aber weiterhin ungewiss.

Rückendeckung erhält Weidmann unter anderem von Estlands Notenbank-Chef Ardo Hansson. Nach dessen Überzeugung könnten die Ankäufe nach dem September 2018 abrupt beendet werden, ohne dass dies die Märkte stark beeindrucken würde. Auch Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hätte keine Probleme damit, die Ankäufe 2018 auslaufen zu lassen, wenn die Konjunktur weiter mitspielt. Dagegen vertritt EZB-Vizepräsident Vitor Constancio das Lager der Vertreter einer expansiven Geldpolitik. Nach seiner Lesart hat sich die EZB zwar mit der Halbierung der monatlichen Anleihekäufe auf ein neues wirtschaftliches Umfeld und eine kommende, höhere Inflation eingestellt. Das bedeute aber nicht, dass die Geldpolitik nicht für lange Zeit konjunkturunterstützend bleiben wird, sagte er dem Handelsblatt.

Die Frage ist nun, welche Seite die Oberhand gewinnen wird. Bekanntlich hat sich ja EZB-Chef Mario Draghi nicht eindeutig geäußert, wie es ab Oktober mit der Ausrichtung der Notenbank weitergehen wird. Misst man Draghi an seinen eigenen Worten, müssten ihm eigentlich so langsam die Argumente für eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik ausgehen. Die Konjunktur brummt und die Inflation hat sich mit 1,8% im Jahr 2017 zumindest in Deutschland der Zielmarke von 2% stark genähert. Hielte diese Entwicklung an, würden sich die Spielräume der EZB einengen – und der Druck im Hinblick auf eine straffere Geldpolitik zunehmen.

Nachdem man am Markt bisher von einer echten Zinswende vielfach erst für Mitte 2019 ausgegangen war, ist man nach entsprechenden Äußerungen von Notenbankern wie Weidmann aber nun nicht mehr so sicher. Inzwischen konzentrieren sich die Erwartungen an eine Zinsanhebung auf das Frühjahr kommenden Jahres. Manche rechnen sogar mit dem Dezember 2018. Immerhin, die Hoffnung auf eine etwas frühere Zinswende ist da.

Indessen ist das Ankaufsvolumen in der zweiten gegenüber der ersten Januar-Woche wieder deutlich angestiegen. Im Wochenvergleich nahm der Umfang von 2,9 Mrd. € auf rund 10 Mrd. € zu. Insbesondere der Anteil von Corporate Bonds hat hier zugelegt und damit wurden die Erwartungen bestätigt, weil die selbst gesteckten Obergrenzen bei den Staatsanleihen fast erreicht sind. Folglich wird dadurch die relative Bedeutung der Unternehmensanleihen erhöht, was wiederum Fragen nach deren Auswahl aufwirft.

Die Notenbanken – der Nabel der Finanzwelt

Es war zu erwarten, dass die Geldpolitik der Notenbanken auch in diesem Jahr wieder die Entwicklung an den Finanzmärkten bestimmen wird. Jedoch wurden viele Investoren im Falle der europäischen Notenbank (EZB) von der Diskussion um die geldpolitische Ausrichtung überrascht. Die Auswertung der Sitzungsprotokolle lässt den Rückschluss zu, dass die bisherigen Zinsanhebungserwartungen zeitlich vorgezogen werden müssen.

Somit wird in den kommenden Monaten u.a. das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der Konjunktur und der Inflation im Euroraum liegen. Im Bewusstsein der Abhängigkeit zwischen der von ihm geführten Zentralbank und der EZB betont jedoch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass eine Prognose, wann seine Notenbank wieder zu positiven Einlagezinsen zurückkehren wird, nicht möglich ist - und man in naher Zukunft auch nicht von den rekordtiefen Negativzinsen abrücken wird. Im Gegensatz dazu hält die britische Notenbankerin Tenreyro in den nächsten drei Jahren einige weitere Zinserhöhungen auf der Insel für nötig. Allerdings relativierte sie diese Aussage durch den Zusatz: Die Zentralbank habe aber noch reichlich Zeit, bevor sie wieder eine Anhebung in Erwägung ziehen müsse. Vor dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen ist diese Einschränkung sogar nachvollziehbar.

Sogar aus dem Land der aufgehenden Sonne sind völlig ungewohnte Signale zu vernehmen, die ein Abrücken von der jahrzehntelang betriebenen ultralockeren Geldpolitik andeuten. So hat der japanische Notenbankgouverneur, Haruhiko Kuroda, am Rande eines Treffens mit den regionalen Notenbankmanagern die Inflationsentwicklung leicht optimistischer eingeschätzt und sieht die heimische Volkswirtschaft inzwischen auf einem Wachstumspfad. Befeuert wurde diese Art der Interpretation noch durch ein zuletzt geringeres Volumen bei den Anleihekäufen der Notenbank.

Das gestern veröffentlichte Beige Book ist als Datengrundlage für das anstehende FOMC-Meeting am 30. und 31. Januar anzusehen und hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Sitzung der US-amerikanischen Notenbank (Fed) wird voraussichtlich bereits von dem neuen Chef, Jerome Powell, geleitet werden. Die hierbei zu vollziehende „Machtübergabe“ wird an den Finanzmärkten allerdings als unkompliziert angesehen und somit wird sich an der Ausrichtung der Geldpolitik auch nur wenig - falls überhaupt - ändern. Ob es in diesem Jahr zu noch zwei oder sogar drei Zinsanhebungen kommen wird, ist somit nicht der Personalie geschuldet, sondern der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in den USA.

Eine weitere Notenbank hat am gestrigen Abend angesichts positiver Konjunkturaussichten eine geldpolitische Straffung beschlossen. So hat die Notenbank Kanadas zum dritten Mal binnen sieben Monaten die Zinsen auf das höchste Niveau (1,25% bis 1,50%) seit 2009 angehoben und die Möglichkeit weiterer Schritte angedeutet.

Hat Tsipras Wort gehalten?

In dieser Woche ist es wieder soweit. Griechenland hätte gerne eine weitere Auszahlung von 7 Mrd. € - und zwar als nächste Tranche des dritten Hilfspaketes über insgesamt 86 Mrd. €. Hierüber werden die Finanzminister der Eurozone unter der Maßgabe befinden müssen, ob bis zum 22. Januar die 110 sogenannten vordringlichen Maßnahmen, zu denen sich die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras verpflichtet hat, erfüllt sein werden. Nachdem bis vor kurzem unter Berufung auf einen aktuellen Prüfbericht der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds lediglich knapp die Hälfte davon umgesetzt war, muss also noch nachgebessert werden.

In der Folge hat das griechische Parlament weitere Reformen verabschiedet, welche den Arbeitsmarkt, die Steuern und die Energiebranche betreffen. Die dabei u.a. beschlossene Einschränkung des Streikrechts war besonders umstritten, und es wurde zum „Streik für den Streik“ aufgerufen. Begleitet wurden die Protestaktionen auch von Ausschreitungen gewaltbereiter Demonstranten, wobei Sicherheitskräfte mit Brandsätzen und Steinen beworfen wurden.

Zu welchem Ergebnis die Prüfungskommission am nächsten Montag kommen wird, muss abgewartet werden. Es sollte allerdings nicht überraschen, wenn unabhängig vom Prüfungsbericht die Politiker wieder einen Weg finden werden, die Hilfsgelder zu bewilligen. Es wäre nicht das erste Mal, wenn in Bezug auf Griechenland die rosarote Brille zum Einsatz käme! Zumal Politiker beider Lager nicht müde werden zu betonen, dass Griechenland schon bald wieder in der Lage sein wird, sich an den internationalen Kapitalmärkten zu refinanzieren.

Bundesbank legt in Yuan an

Aufgrund der steigenden Bedeutung der chinesischen Wirtschaft will die deutsche Bundesbank den Yuan in den Kreis der Reservewährungen aufnehmen. Ausschlaggebend dafür war, dass die Europäische Zentralbank (EZB) diesen Weg bereits im vergangenen Jahr gegangen ist und für eine halbe Milliarde Euro Yuan gekauft hat. Bundesbankvorstand Andreas Dombret wollte aber nicht sagen, welchen Betrag die Bundesbank zu investieren gedenkt. Dieses Engagement soll allerdings zunächst nur eine symbolische Bedeutung haben. Dennoch bedeutet diese Maßnahme für China einen weiteren Schritt, den Yuan, auch Renminbi genannt, als weltweite Reservewährung zu etablieren. Bereits 2016 hat der Internationale Währungsfonds (IWF) den Yuan als Bestandteil seiner Sonderziehungsrechte, einer Art Kunstwährung, aufgenommen.

Dieser Schritt wurde damals als „Ritterschlag” für Chinas Währung gewertet. Neben der chinesischen Währung gehören dazu der US-Dollar, der Euro, der japanische Yen und das britische Pfund. Allerdings wurde die Aufnahme des Yuan als Sonderziehungsrecht heftig kritisiert, weil der Kurs des Yuan, im Gegensatz zu den anderen großen Währungen, nur in engen Grenzen schwanken darf. Die chinesische Notenbank übt also weiterhin großen Einfluss auf den Wechselkurs ihrer Währung aus.

Peking stuft Bonität der USA herab

Die Folgen der umstrittenen Steuerreform von D. T., dem Unberechenbaren, bekommt die Kreditwürdigkeit der USA bereits jetzt zu spüren. So begründet die chinesische Ratingagentur Dadong die Herabstufung der US-Bonität mit der schwindenden Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Refinanzierung der bestehenden Schulden. Dieser Trend verschlimmert sich laut Dadong durch die massiven Steuersenkungen zusätzlich.

Als Konsequenz hat die Ratingagentur in Peking die Bonitätsnote der USA von „A-“ auf „BBB+“ (mit Ausblick „negativ“) gesenkt, womit eine weitere Abstufung droht.

Während die Steuerreform dazu führt, dass der Finanzierungsbedarf der USA zusätzlich steigt, machen Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed sowie deren allmähliche Bilanzreduzierung die Refinanzierung für den Staat teurer, argumentieren die Ratinganalysten. Auf lange Sicht sieht Dadong den US-Schuldenberg damit als unkalkulierbaren Faktor an und außerdem steigt das Ausfallrisiko von Jahr zu Jahr. Aufgrund des Umstands, dass China der größte Gläubiger der USA ist, sollte diese Herabstufung in Washington als deutlicher Schuss vor den Bug wahrgenommen werden.

Indessen droht in den USA erneut ein Government Shutdown. Sollten sich bis Freitag, 19. Januar, um Mitternacht Republikaner und Demokraten nicht in letzter Minute doch noch auf einen Kompromiss zu einem erneuten Übergangshaushalt einigen, käme es zur Schließung verschiedener Regierungseinrichtungen. Um die Finanzierung des Regierungsbetriebs zu sichern, brauchen die regierenden Republikaner den Rückhalt von wenigstens neun demokratischen US-Senatoren. Die Demokraten aber wollen sich nur verständigen, wenn sich der Präsident bei einem Schutzprogramm für Migranten mit dem Kürzel Daca bewegt. Und hier ist eine Einigung wesentlich schwieriger geworden, seit Trump die Verhandlungen mit abfälligen Bemerkungen über „Drecksloch-Staaten“ in Afrika und der Karibik massiv belastet hat.

Superman versus Kryptowährungen

Zugegeben, die folgende Analogie ist weit hergeholt und beruht auch nur auf der Ähnlichkeit der Wörter. Kryptowährungen, also digitale Zahlungsmittel wie Bitcoin, haben ihren Namen von der Kryptographie, also der Verschlüsselungstechnik. Aber sie klingen wie Krypton, der fiktive Heimatplanet von Superman. Na, und der hatte vor allem eins zu befürchten: Grünes Kryptonit, der Supermans Körperaura schwächen und ihn schlussendlich töten würde.

Nachdem die Kryptowährung Bitcoin noch Mitte Dezember einen Superman-artigen Höhenflug erlebt hatte, ist sie nun diese Woche regelrecht eingebrochen. Kursverluste von bis zu 25 % an einem Tag darf man schon als Absturz bezeichnen. Die wachsende Furcht vor einer staatlich überfälligen Regulierung in dem Bitcoin-affinen Land Südkorea sei es gewesen, die den Kurs zum Sturz unter die 9.500-US-Dollar-Marke gebracht hat, so hieß es. Außerdem sollen Meldungen, wonach China wegen des hohen Stromverbrauchs die Schaffung von Bitcoins durch Private eindämmen will, für den Kursverfall mit verantwortlich sein. Seit dem Rekordhoch von rund 20.000 US-Dollar Ende Dezember 2017 hat die Cyberwährung damit rund 50% ihres Wertes eingebüßt.

Aber muss das wirklich verwundern? Der Bitcoin, der im Gegensatz zu Zentralbankgeld ausschließlich durch Private geschöpft wird, ist eine reine Spekulationsblase. Und jede Blase wird nun mal so lange aufgeblasen, bis sie platzt. Der Bitcoin-Preis spiegle einzig und allein die Nachfrage nach der „Illusion des spekulativen Wertes” wider, wie Finanzexperten sagen. Dass die Angst vor Regulierung zu einem Kurssturz führen kann, zeigt ja auch, dass die Schattenmänner im Hintergrund, die sich mit der Kryptowährung eine goldene Nase verdienen, Transparenz fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Man kann sich sicher sein, dass sie zum Zeitpunkt des Kurssturzes ihr Geld in Sicherheit gebracht haben. Man kann sich aber nicht sicher sein, dass man als Anleger überhaupt so einfach aus seinem Investment wieder rauskommt.

Wer Kryptowährungen handelt, weicht bewusst dem staatlich regulierten und gesicherten System aus, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Eine wirksame Regulierung von Cyber-Devisen ist nach seiner Ansicht nur durch eine größtmögliche internationale Kooperation zu erreichen. In der EU sei im Dezember mit der neuen Geldwäsche-Richtlinie ein erster Schritt erfolgt. Hier kommen doch wieder die Vorzüge eines regulierten Handelsplatzes zum Ausdruck, den man seit Jahrhunderten Börse nennt.

Insgesamt kann man konstatieren, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen digitale Schneeballsysteme sind und somit die reine Spekulation verkörpern. Superman hätte es wegen seiner Aversion gegenüber allem, was mit „Krypto“ beginnt, gewusst.

Stürmische Woche nicht nur am Kapitalmarkt

In Deutschland wurden in dieser Woche wieder viele Regionen mit regnerischem, stürmischem und windigem Wetter überrascht. Während man besonders im Süden der Republik mit Schnee umzugehen vermag, fällt es westlichen Regionen teilweise eher schwer, sich auf den Schnee einzustellen. Das Räumen der Straßen und Wege dauert dann bekanntlich etwas länger. Am Kapitalmarkt hingegen hatten unter anderem die Deutsche Bahn Finance und der französische Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France freie Fahrt. Aber auch andere Gesellschaften wie Telefonica Emisiones, Engie und Aroundtown nahmen frisches Geld am Kapitalmarkt auf.

Die Deutsche Bahn Finance begab eine 1 Mrd. € schwere Emission mit der Privatanleger-freundlichen Stückelung von 1.000 €. Das Papier (A2G9G4) wird am 17.12.2027 fällig und zahlt den Investoren jährlich 1% Zinsen. Der Emissionsspread lag bei 99,476%, was einem Spread von +10 bps über Mid Swap entsprach. Die Anleihe ist drei Monate vor Endfälligkeit am 17.09.2027 zu 100% kündbar.

Frankreichs Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France konnte ebenfalls erfolgreich 1 Mrd. € bis zum 22.01.2030 am Kapitalmarkt aufnehmen. Das Unternehmen stattete den Bond (A19UWX) mit einem Zinssatz von 1,375% aus und begab das Papier zu 99,223% (+35 bps über Mid Swap). Das Wertpapier ist neben einer Make Whole Option mit einem Kündigungsrecht am 22.10.2029 zu 100% ausgestattet.

Auch 1 Mrd. € sammelte Telefonica Emisiones am Markt für Corporate Bonds ein. Die Anleihe (A19U5E) des spanischen Telekommunikation-Dienstleisters läuft bis zum 22.01.2027 und hat einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,447%. Der Reoffer lag bei pari, was einem Emissionsspread von +58 bps über Mid Swap bedeutete. Zusätzlich zur Festschreibung einer Make Whole Option ist der Bond ab dem 22.10.2026 jederzeit zu 100% kündbar.

Abschließend für diese Berichtswoche begaben Engie und Aroundtown jeweils einen Perpetual-Bond. Wie auch schon Autoroutes du Sud de la France und Telefonica Emisiones sind diese Anleihen mit einer Mindeststückelung von 100.000 € ausgestattet und daher eher für institutionelle Investoren interessant. Der französische Stromlieferant Engie legte einen Fix-to-Float Bond (A19UWT) mit einem Emissionsvolumen von 1 Mrd. € auf. Das Unternehmen zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 16.04.2023 einen festen Zins in Höhe von 1,375% p.a. an die Gläubiger. Anschließend richtet sich der Zinssatz nach dem 5-Jahres-Swap. Bis zum 16.04.2028 gibt es einen Aufschlag in Höhe von +1,145 PP. Fortan bis zum 16.04.2043 beträgt der Aufschlag +1,395 PP und schließlich werden ab 2043 +2,145 PP addiert. Die Anleihe ist jährlich ab dem 16.04.2023 zu jedem Zinstermin zu 100% kündbar. Der Emissionspreis belief sich auf 99,376 (+114,5 bps über Mid Swap).

Das luxemburgische Unternehmen Aroundtown, welches Anteile an Gewerbeimmobilien in Deutschland und den Niederlanden hält, refinanzierte sich mittels einer Anleihe (A19UWS) mit 400 Mio. € auf unbestimmte Zeit. Bis zum 17.01.2024 wird ein Zins in Höhe von 2,125% p.a. fällig. Fortan richtet sich der Zins ebenfalls nach dem 5-Jahres-Swap und bis zum 17.01.2029 gibt es einen Aufschlag von +2 PP. Dieser erhöht sich in der Folge bis zum 17.01.2044 auf +2,25 PP und zu guter Letzt auf +3 PP. Das Wertpapier kann seitens des Emittenten jährlich ab dem 17.01.2024 jeweils zur Zinszahlung zu 100% gekündigt werden. Angeboten wurde der Bond zu 98,174% (+200 bps über Mid Swap).

Nur eine Gegenbewegung im Abwärtstrend

Die Handelsaktivitäten am Rentenmarkt waren so nur von den wenigsten Investoren eingeschätzt worden und deshalb stehen viele Handelsteilnehmer bereits jetzt vor einem kleinen „Scherbenhaufen“. Denn Verunsicherung macht sich breit und bei charttechnischer Analyse der Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe ist der langfristige Abwärtstrend zumindest kurzzeitig getestet worden. Noch ist der Durchbruch nicht gelungen, aber die Frage ist natürlich: „Wird das so bleiben?“. Zumindest hat in den beiden vergangenen Handelstagen eine Gegenbewegung eingesetzt, die den Druck etwas abmildern konnte. Aber dennoch ist die Gefahr eines weiteren Abgleitens nicht zu unterschätzen.

Vieles erinnert am Bondmarkt momentan an mutige Segler, die trotz Sturmwarnung die Segel setzen und versuchen, ihr Ziel am anderen Ufer zu erreichen. Dies kann bekanntlich gut gehen, kann aber auch mit einem Mastbruch enden. Übertragen auf die aktuelle Situation am Bondmarkt bedeutet das: Kaufen, verkaufen oder absichern? Jede Entscheidung kann kurzfristig richtig, aber bereits nach wenigen Tagen falsch sein. Somit sollte man versuchen im Wind mit zu segeln, aber auch bei Böen das Segel zu raffen und dadurch die Kontrolle über das Boot zu behalten.

Das Rentenbarometer notiert zu Handelsbeginn bei 160,47% und somit unterhalb der oberen Begrenzungslinie des Abwärtstrends (161,18%), aber auch unter der ehemaligen leichten Unterstützungslinie bei 160,64%. Nach unten blickend ist erst bei der psychologischen Marke von 160% mit echter Unterstützung zu rechnen.

Belgien erfreut sich reger Nachfrage

In dieser Handelswoche konnten interessierte Investoren in den USA zwischen den üblichen Geldmarktpapieren für nominal 135 Mrd. USD und einer inflationsindexierten T-Notes für 13 Mrd. USD wählen. In der kommenden Woche werden neben den T-Bills auch wieder T-Notes mit einer Laufzeit von zwei, fünf und sieben Jahren angeboten.

In der Eurozone wurde am gestrigen Mittwoch entsprechend dem Emissionskalender die Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit Endfälligkeit in 2048 (110243) um 1,5 Mrd. € auf 5,5 Mrd. € aufgestockt. Im Rahmen des Tenders wurden Orders für insgesamt nominal 1,724 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung von 1,2614 Mrd. € erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von +1,28%. Zur Marktpflege behielt die Finanzagentur des Bundes allerdings 238,6 Mio. € zurück.

Aber auch andere Eurostaaten stellten Material zur Verfügung. So begab Belgien am Dienstag eine neue 10-jährige Anleihe (A19UST) im Volumen von 5 Mrd. € und zog somit eine für den 22. Januar geplante Auktion zeitlich vor. Insgesamt wurden allerdings Kauforders für nominal über 20 Mrd. € aufgegeben, was einen gewissen „Anlagenotstand“ vieler Investoren verdeutlicht. Bereits am Montag stockte die Slowakei zwei Altemissionen (A1ZUZV / 2027; A19D6Y / 2037) auf und am heutigen Tag werden mit jeweils drei Titeln Spanien (A19P6R / 2022 ; A19DZD / 2033; A18YZ6 / 2046) und Frankreich (A1HGEZ / 2024 ; A19DMN / 2028 ; A1ZKRV / 2030) diesem Beispiel folgen.

Der Euro im Höhenflug

Einem guten Jahresauftakt für die europäische Gemeinschaftswährung sollten noch bessere Handelstage folgen. Trotz der verkürzten Handelswoche in den USA wegen des Feiertages zu Ehren von Martin Luther King zeigte sich das Währungspaar EUR-USD sehr volatil.

So konnte der Euro in den bislang wenigen Handelstagen im neuen Jahr gleich ein neues Dreijahreshoch markieren. Bereits am vergangenen Freitag stieg die Einheitswährung zeitweise bis auf 1,2218 USD nachdem bekannt wurde, dass es womöglich erneut zu einer großen Koalition kommen könnte. Diesen Schwung konnte der Euro auch in die neue Woche übertragen und stieg in der Folge bis auf 1,2323 USD, den höchsten Stand seit Ende 2014. Allerdings sorgten Aussagen von EZB-Vizepräsident Vitor Constancio für einen kleinen Dämpfer, dieser zeigte sich besorgt über den aktuellen Höhenflug des Euros. Daraufhin fiel dieser zum Greenback bis auf 1,2209 USD zurück. Heute Morgen handelt die gemeinsame Währung bei 1,2210 USD.

Auch die Entwicklung des Euros zum Schweizer Franken erreichte dieser Tage ein neues Dreijahreshoch. So stieg der Euro zu Wochenbeginn auf 1,18328 CHF und damit auf den höchsten Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 CHF durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang 2015. Trotz dieser Kursentwicklung erklärte SNB-Präsident Thomas Jordan, der Franken sei auch weiterhin zu hoch bewertet. Zur Stunde handelt der Euro bei 1,1760 CHF.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, türkische Lira und australische Dollar im Fokus, aber auch US-Dollar-Bonds werden nach wie vor verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Das Börsenjahr 2018: Ein Buch mit sieben Siegeln!

Das abgelaufene Börsenjahr war in der Rückbetrachtung vieler Investoren ein Selbstläufer und so etwas wie ein „Geschenk des Himmels“. Doch nicht alle Anleger werden diese Meinung teilen, zumal deutsche Sparer nach jüngsten Hochrechnungen 38 Mrd. € an privatem Vermögen im vergangenen Jahr - aufgrund der EZB-Geldpolitik mit Negativzinsen - verloren haben. Die in diesem Zusammenhang gehegte Hoffnung, dass 2018 kein weiteres Abschmelzen der Vermögenswerte zu beklagen, sondern sogar ein Wertzuwachs zu vermelden sein wird, lässt uns spannungsgeladen ins neue Jahr starten. Jedoch sind die Unwägbarkeiten so zahlreich, dass es schon mit einem Blick in die Glaskugel zu vergleichen ist, möchte man eine seriöse Prognose abgeben.

Die Bewertung der einzelnen Faktoren sollte nicht das eigentliche Problem darstellen. Denn hierbei kann man sehr wohl die positiven und negativen Folgen analysieren. Aber was man nicht vorherbestimmen kann, ist die zeitliche Komponente. Damit ist gemeint, welche Themen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Fokus der Anleger stehen. Denn die Börse ist nicht wie ein Einwohnermeldeamt organisiert - und dementsprechend werden die Themen nicht nacheinander abgearbeitet, sondern müssen gleichzeitig an den Finanzmärkten analysiert werden.

Meine Aufzählung der „Fallstricke“ für 2018 erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und auch die Reihenfolge stellt keine Wertung dar. So steht 2018 u. a. weiterhin ganz im Zeichen der unterschiedlichen Geldpolitik der Notenbanken der USA, der Eurozone und Japans. Einerseits wird in den USA auch in diesem Jahr eine Kombination aus Zinsanhebung und Bilanzabbau betrieben. Und andererseits wird die Bank of Japan (BoJ) an der bisherigen starren Haltung festhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen ist weiter auf der Suche nach dem Königsweg, um die Abhängigkeit von der Droge „billiges Geld“ so nebenwirkungsfrei wie möglich zu gestalten. Fingerspitzengefühl ist hierbei Trumpf! In diesem Kontext werden auch die Entwicklung der Inflation in der Eurozone, beginnende Rangeleien um die Nachfolge von Mario Draghi und die Forderung von Jens Weidmann nach einem verbindlichen Termin für das Ende von QE eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Ergänzt wird dieser Themenkomplex um politische Unsicherheitsfaktoren wie die Weiterentwicklung der europäischen Idee, die Regierungsbildung in Deutschland, Wahlen in Italien und die US-Schuldenobergrenze sowie diverse wirtschaftliche Komponenten wie die „America First“-Sichtweise von D.T., dem Unberechenbaren, und dem Brexit. Die Unwägbarkeiten sind also vielschichtig, und die Analysten vertrauen auch weiterhin auf die Unterstützung der Notenbanken und die guten Konjunkturdaten. Dennoch ist anzumerken, dass insbesondere der wirtschaftliche Aufschwung nur geborgt wurde und irgendwann die Rechnung dafür bezahlt werden muss. Nur das „Wann“ ist noch nicht bekannt.

Die Mär von den sicheren Griechen-Bonds

Nanu, sind jetzt griechische Anleihen im zweijährigen Bereich sicherer als US-Anleihen mit gleicher Laufzeit? Betrachtet man die Renditen dieser Titel, könnte man diesen Eindruck erhalten. So rentieren Zweijährige aus Athen mit 1,29% gegenüber gleichlang laufenden Bonds aus Washington, die eine Rendite von 1,97% aufweisen.

Diese Situation suggeriert die Mär von den risikolosen Anleihen aus Griechenland – und lässt manchen Anleger der Versuchung erliegen, sich dort zu engagieren. Sind sie doch das renditeträchtigste Engagement, das man unter Euro-Staatspapieren derzeit noch eingehen kann. Angesichts des Umstands, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone inzwischen vom Tisch scheint, mag das auch kein Wunder sein. Man sollte sich aber klarmachen, dass selbst die Europäische Zentralbank (EZB) trotz ihrer weiterhin expansiven Geldpolitik noch immer keine Bonds aus Athen ankauft und die Bonität Griechenlands anhand anderer Staatsanleihen, die in gleicher Währung emittiert werden, gemessen werden muss. Nimmt man nämlich zweijährige Bundestitel zum Vergleich, die eine negative Rendite von minus (-) 0,63% aufweisen, ergibt sich ein großer Abstand zum griechischen Wert. Dieser Vergleich spiegelt die tatsächliche Risikosituation besser wider als die Relation zu den US-Renditen.

Weil Athen alles daransetzt, sich 2018 mit einem neuen Reform- und Sparpaket vom Tropf der Hilfskredite zu lösen, um wieder frei am Kapitalmarkt agieren zu können, lassen sich Anleger offenbar auf das Spiel ein. Im langfristigen Bereich spiegeln sich die wahren Verhältnisse besser wider. So rentieren zehnjährige Anleihen aus Griechenland mit 3,64% gegenüber 2,54% vergleichbarer US-Bonds. Bundesanleihen weisen hier eine Rendite von 0,54% auf.

In der Diskrepanz zwischen den Renditen von US-Papieren und Bundestiteln kommt hier eher das Auseinanderklaffen der Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks zum Ausdruck. Nicht nur die Verzerrungen bei den Renditen griechischer Anleihen gehören zu den Merkwürdigkeiten des derzeitigen Zinsmarktes, sondern auch der viel zu große Abstand zwischen den Renditen deutscher und US-amerikanischer Anleihen sowie die extrem flache Zinsstrukturkurve in den USA.

London spielt beim Brexit auf Zeit

Ein untrügliches Zeichen dafür, wie ernst es die Banken in London mit dem Abzug von Arbeitsplätzen meinen, ist die Tatsache, dass diese bereits jetzt versuchen, sich Wohnraum für ihre Mitarbeiter und auch Plätze an internationalen Schulen für deren Kinder zu sichern. Allein die Deutsche Bank will rund 4.000 Angestellte von der Themse an den Main umsiedeln.

Zwar stellt der Brexit-Unterhändler der EU, Michel Barnier, den Briten eine teilweise Anerkennung ihrer Finanzmarktregeln in Aussicht, weil einige Regeln mit EU-Recht vergleichbar seien. Einen Freifahrtschein für die britische Finanzbranche aber wird Barnier nicht ausstellen. Es sei die EU, die eigenständig die Regeln festlege, so Barniers Tenor.

Weil sie bei der EU immer wieder auf Granit beißen, suchen die Briten offenbar einen Ausweg, indem sie sich zunehmend auf eine Übergangsphase nach dem Brexit konzentrieren. Sie spielen also auf Zeit. So werben Finanzminister Philip Hammond und Brexit-Minister David Davis via „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ im Vorfeld ihres Berlin-Besuchs für eine zeitlich befristete Periode, in welcher der Zugang zu den Märkten der anderen EU-Partner in seiner jetzigen Form erhalten bleiben soll. Die Prioritäten der EU seien nicht unvereinbar mit den unseren, heißt es da. Und wenn man die Minister weiter sagen hört, nach dem Ausstieg der Briten aus der Zollunion eine wirtschaftliche Partnerschaft über sämtliche Branchen hinweg schaffen zu wollen, einschließlich eines Abkommens zur verstärkten Kooperation innerhalb des europäischen Bankensektors, dann fragt man sich, warum man an der Themse den Brexit überhaupt noch will. Der Eiertanz der britischen Regierung um die Brexit-Verhandlungen geht offenbar weiter.

Dennoch wappnet sich die britische Premierministerin Theresa May für einen harten Brexit, also den Fall eines EU-Austritts ohne Einigung mit Brüssel, indem sie dafür einen neuen Posten im Kabinett schaffen will. Der Schritt gilt in London als ein Signal an Brüssel, dass Großbritannien den Brexit in jedem Fall vollziehen werde – auch wenn die Verhandlungen über ein Anschlussabkommen scheitern sollten. Jüngsten Umfragen zufolge sehen zwei Drittel der Briten die EU in den Brexit-Verhandlungen in einer stärkeren Position als Großbritannien. Nachdem die Briten im Verlauf der Verhandlungen immer deutlicher mit den Realitäten eines Brexits konfrontiert worden sind, hatte vor Weihnachten erstmals das wachsende Lager der Remainer überwogen. Vor dem Brexit-Referendum im Juni 2016 hatte bekanntlich die Fraktion der Befürworter immer wieder mit falschen Behauptungen (Fake News) für einen Austritt agitiert.

Nutzt Italien nach der Wahl die Gunst der Stunde?

In diesem Jahr erwartet Europa einmal mehr eine wegweisende Wahl, die das Prädikat schicksalhaft haben kann. Es handelt sich um den Urnengang in Italien am 4. März. Nachdem Staatspräsident Sergio Mattarella wie vorgesehen zum Jahresende 2017 das Parlament aufgelöst hat, ist der Weg für Neuwahlen frei. Bis im Anschluss eine neue Regierung gebildet werden kann, dürfte es, wie derzeit in Deutschland, aufgrund eines zu erwartenden unklaren Wahlergebnisses Monate dauern, rechnen politische Beobachter. Derzeit liegt die populistische Fünf-Sterne-Bewegung vorne, in deren Parteiprogramm sich Parallelen sowohl zur AfD als auch zur Linkspartei finden. Bemerkenswert ist hierbei, dass Luigi Di Maio nach einer Internet-Abstimmung zum Spitzenkandidat gekürt wurde und vieles dabei an eine TV-Castingshow erinnerte!

Die „Fünf Sterne“ kommen Umfragen zufolge auch nur auf bis zu 29%, gefolgt von der sozialdemokratischen Regierungspartei PD mit 23%. Lachender Dritter könnte Forza Italia werden, für die der wegen Steuervergehen verurteilte Silvio Berlusconi die Trommel rührt. Zusammen mit den Rechts-Parteien Lega Nord und Fratelli d’Italia könnte Forza Italia noch die besten Aussichten auf eine Regierungsbildung haben. Wird also ausgerechnet der „Bunga-Bunga-Berlusconi“, bisher dreimal Ministerpräsident, zum Königsmacher in Rom? Immerhin trägt der 81-Jährige, der sich aufgrund seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung 2013 keine Hoffnungen auf eine vierte Amtszeit machen kann, eine große Mitschuld an der enormen Schuldenlast Italiens in Höhe von 135% des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Aber um diese zu senken, müsste man in diesem Jahr endlich die Gunst der Stunde nutzen. Denn das italienische Wirtschaftswachstum hat sich auf 1,5% beschleunigt und die Zinsen sind auf historisch niedrigem Niveau. Außerdem wurde die Bonität des Landes von Standard & Poor’s 2017 auf Triple-B heraufgestuft. Hinzu kommt, dass Rom seine durchschnittliche Refinanzierung am Bondmarkt auf fast sieben Jahre gestreckt hat. Vor diesem Hintergrund rechnet der IWF damit, dass es dem Land gelingen kann, seine Schulden bis 2020 auf 126% des BIP zu drücken (Beachte: 60% gemäß Vertrag von Maastricht!). Für Italien tut sich also ein Zeitfenster auf, ein gutes Stück weit aus dem Schlamassel der Schuldenmisere herauszukommen. Es ist nur zu hoffen, dass diese Chance nach der Wahl im März genutzt wird. Sonst drohen weitere Jahre des Stillstands.

Trump verfehlt das Thema von Davos

Soll man die Ankündigung als Drohung oder Hoffnungsschimmer verstehen? D. T., der Unberechenbare, kommt zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos vom 23. bis 26. Januar, um seine „America First“-Agenda voranzutreiben und für „amerikanische Unternehmen, die amerikanische Industrie und die amerikanischen Arbeiter“ zu werben. Natürlich ist das WEF schon immer ein Platz gewesen, wo Wirtschaftsvertreter und Politiker für ihre Ansichten und Interessen geworben haben. Es stellt aber auch einen Ort des Meinungsaustausches dar, bei dem man gegenseitig für Verständnis wirbt.

Ob dies ausgerechnet mit Trump gelingen mag, darf zumindest bezweifelt werden – erst recht, wenn seine Entourage ankündigt, der US-Präsident wolle auf dem WEF vor allem „Business machen“. Trump wolle in Davos erklären, was sein Leitspruch „America First“ bedeute, sagte Martin Naville, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, nämlich nicht Protektionismus, sondern Freihandel – aber eben, wer hätte es gedacht, nach amerikanischen Regeln. So benutzt ist der Begriff Freihandel schlicht und einfach ein Fake Word. Vielleicht will Trump ja Chinas Präsident Xi Jinping entgegentreten, der sich 2017 beim WEF in Anbetracht des damaligen Wahlsiegs von Trump zu einem Verteidiger des Freihandels gemacht hatte.

An dem WEF, für das sich in diesem Jahr ca. 3.000 Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angekündigt haben, hatte vor Trump bislang nur Bill Clinton als US-Präsident teilgenommen. Eigentlich hat Trump auf dem WEF auch nichts verloren! Denn das diesjährige Thema lautet „Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt“. Und das widerspricht ja Trumps politischem Credo einer isolationistischen Wirtschafts- und Außenpolitik. Konkret sollen nach dem Willen der Veranstalter „innovative Ideen“ vorgelegt werden, um etwa den Freihandel beizubehalten und den Umweltschutz zu stärken. Unter einen entsprechenden Schulaufsatz von Donald Trump würde der Lehrer schreiben: Thema verfehlt!

Als Europas Hoffnung hat immerhin der französische Präsident Emanuel Macron seine Teilnahme in Davos angekündigt. Man darf gespannt sein, mit welcher Gegenposition er Trump Paroli bieten wird.

Jahresauftakt nach Maß

Gleich in den ersten beiden Wochen reihte sich am Markt für Corporate Bonds Neuemission an Neuemission und somit kann der Jahresauftakt als durchaus gelungen bezeichnet werden. Investoren hatten demnach die Qual der Wahl und konnten zwischen Emittenten wie BMW Finance, Anheuser-Busch InBev, Vonovia Finance, Orange und Daimler International Finance wählen.

Der Münchener Automobilhersteller BMW refinanzierte sich über seine Tochter BMW Finance gleich mittels zweier Bonds und sammelte so 2 Mrd. € am Bondmarkt ein. Die erste, 1,25 Mrd. € schwere Tranche (A19UK1) hat einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,375%. Fällig wird das Papier am 10.07.2023 und wurde zu einem Preis von 99,378% begeben (+12 bps über Mid Swap). Die restlichen 750 Mio. € sammelte BMW mittels der zweiten Tranche (A19UK0) ein, die am 10.01.2028 fällig wird. Der Zins beträgt 1,125% jährlich und der Emissionspreis lag bei 99,831%. Dies entsprach +25 bps über Mid Swap. Beide Anleihen haben eine Mindeststückelung von 1.000 € und dürften daher auch für Privatanleger interessant sein.

Die größte Brauereigruppe der Welt, Anheuser-Busch InBev, legte gleich drei neue Wertpapiere auf und konnte so spielend 4,25 Mrd. € am Kapitalmarkt einsammeln. Dabei ist der 6-jährige Bond (A19UUP) ein 1,5 Mrd. € schwerer Floater, der am 15.04.2024 fällig wird. Der Zins richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor +0,3 PP. Der Reoffer lag bei 100,183%. Die zweite, 9-jährige Anleihe (A19UUQ) zahlt seinen Investoren bis zur Fälligkeit am 22.01.2027 einen jährlichen Zins in Höhe von 1,15%. Emittiert wurde der 2 Mrd. € schwere Bond zu 99,314%, was einem Emissionsspread von +43 bps über Mid Swap gleichkam. Neben einer Make Whole Option ist das Papier am 22.10.2026 zu 100% kündbar. Weitere 750 Mio. € finanzierte Anheuser-Busch InBev über 17 Jahre mit einem Zinssatz von 2%. Die Rückzahlung des Bonds (A19UUR) erfolgt am 23.01.2035. Ausgegeben wurde der Bond bei 98,33% (+75 bps über Mid Swap). Auch hier entschied sich der Emittent neben der Make Whole Option zu einer Kündigungsoption am 23.07.2034 zu pari. Die Mindeststückelung von 100.000 € bei diesen drei und den folgenden Anleihen dürften allerdings eher institutionelle Investoren ansprechen.

Als Dritter im Bunde legte die Tochter des größten deutschen Wohnungsunternehmen Vonovia Finance einen 6- und 10-jährigen Bond mit einem Emissionsvolumen von jeweils 500 Mio. € auf. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in Bochum zahlt für die Aufnahme der ersten Tranche (A19UR6) bis zur Fälligkeit am 15.01.2024 Zinsen i.H.v. 0,75% p.a. an die Gläubiger. Der Emissionspreis belief sich auf 99,33%, was +45 bps über Mid Swap entsprach. Das 10-jährige Papier (A19UR7) hat eine Laufzeit bis zum 14.01.2028 und ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,5% ausgestattet. Begeben wurde der Bond zu 99,439%, was einen Emissionsspread von +70 bps über Mid Swap bedeutete. Vonovia Finance ließ sich bei beiden Anleihen eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Der französische Telekommunikationsdienstleister Orange sammelte erfolgreich 1 Mrd. € über die bis zum 16.01.2030 laufende Anleihe (A19UUF) am Kapitalmarkt ein. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahlt das Unternehmen jährlich 1,375% Zinsen an die Gläubiger. Emittiert wurde zu 99,572% (+37 bps über Mid Swap). Eine Make Whole Option sowie ein optionaler Kündigungstermin am 16.10.2029 zu 100% ergänzen die Details zu diesem Wertpapier.

Auch der große Automobilhersteller aus Baden-Württemberg wagte sich in den ersten Wochen des neuen Jahres an den Kapitalmarkt. Die Daimler International Finance begab einen variabel verzinsten Bond (A19UNN) mit Fälligkeit am 11.01.2023. Der Zinssatz des Floaters entspricht dem 3 Monats- Euribor +0,25 PP. Der Emissionspreis der 750 Mio. € schweren Emission lag bei 100,401%.

Die Angst vor einer weiteren Konsolidierung

Zu Jahresbeginn setzte sich beim Euro-Bund-Future die im Dezember begonnene Konsolidierung und somit das Wechselspiel zwischen Aktien- und Rentenmärkten weiter fort. Zusätzlich befürchten die Handelsteilnehmer aber auch, dass infolge der guten Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks es plötzlich zu einer Versteilerung der Zinskurven kommen könnte. Die aktuelle und nach heutigem Kenntnisstand zu erwartende Notenbankpolitik ist größtenteils eingepreist und somit wächst die Gefahr, dass wenige schlechte Meldungen eine hohe Volatilität erzeugen können, wie gestern die Meldungen zu Chinas Währungsreserven eindrucksvoll verdeutlichten. Diese Erwartungshaltung führte sicherlich u.a. dazu, das Renditeniveau abzusichern, um mit den entsprechenden Finanzmarktnachrichten Neupositionierungen vorzunehmen.

In solchen orientierungslosen Zeiten greift man gerne auf die Charttechnik zurück und hierbei ist zu erkennen, dass der bereits am 15. Dezember eingeläutete Abwärtstrend weiterhin intakt ist. Die Unterstützungslinien verlaufen aktuell bei ca. 160,75% und 160,25%. Nach oben ist eine Widerstandslinie bei ca. 161,80% auszumachen, die zugleich die obere Begrenzungslinie des Abwärtskanals darstellt.

Aktuell notiert das Rentenbarometer mit 161,41% knapp über der psychologischen Marke von 161% und somit vorerst im „Niemandsland“, was renditemäßig bei der neuen 10-jährigen Bundesanleihe einer Range zwischen 0,50% und 0,65% entspricht.

Bund technisch unterzeichnet

Bereits in der ersten Arbeitswoche des noch jungen Jahres hatte Irland mit einer neuen 10-jährigen Anleihe (A19UMH) den Emissionsreigen für 2018 eröffnet. Das Nachfragevolumen von 14 Mrd. € bei einem Emissionsvolumen von 4 Mrd. € spricht hierbei Bände und bildete den Nährboden für die Suche nach weiteren Staatsanleihen in der Eurozone.

So stockten am Dienstag die Niederlande eine im Januar 2024 endfällige Altemission (A19QGZ) und die Alpenrepublik Österreich zwei Anleihen (A19GCS / 2027 ; A18X6Q / 2047) auf. Am gleichen Tag erhöhte die Bundesrepublik Deutschland die inflationsindexierte Anleihe (103057) um 500 Mio. € auf 7 Mrd. €. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von minus (-) 0,45%. Auch zur Wochenmitte zeigte sich die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland aktiv und legte eine neue 10-jährige Benchmarkanleihe (110244) auf. Die Zuteilung der technisch unterzeichneten Bundesanleihe (Nachfrage nominal 4,561 Mrd. €) erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,54%. Das Emissionsvolumen beläuft sich auf 5 Mrd. €, wovon ca. 975 Mio. € in den Regulierungsbestand umgebucht wurden. Den Schlusspunkt setzt am heutigen Donnerstag Italien mit der Begebung diverser Anleihen.

In den USA, das nach heutigem Stand über einen bis zum 19. Januar des Jahres gesicherten Haushalt verfügt, wurden neben den Geldmarkttiteln mit den üblichen Laufzeiten (4 Wochen, 3 und 6 Monaten) für insgesamt 140 Mrd. USD auch noch T-Notes mit Fälligkeiten in 2021 und 2027 für weitere 44 Mrd. USD sowie 12 Mrd. USD als T-Bonds (2047) aufgelegt.

Lässt China die Muskeln spielen?

Der Start in das Jahr 2018 verlief für die europäische Gemeinschaftswährung wesentlich erfreulicher als der Beginn des vergangenen Jahres. Damals fiel der Euro direkt zum Handelsauftakt am 03. Januar 2017 auf ein Jahrestief bei 1,0341 USD. In den ersten Handelstagen in 2018 machte sich die Einheitswährung hingegen sofort daran, die Bestmarkte aus 2017 (1,2092 USD) zu verbessern. Sie scheiterte nur marginal an diesem Ziel und musste bei 1,2089 USD kapitulieren. Im weiteren Handelsverlauf konnte der Euro dieses Niveau allerdings nicht halten und fiel sogar wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1,20 USD. Zeitweise notierte das Währungspaar EUR-USD bei 1,1916 USD. Börsianern zufolge lösten Investoren ihre spekulativen Euro-Long-Positionen auf und brachten die gemeinsame Währung dadurch etwas unter Druck.

Am gestrigen Mittwoch sorgten allerdings Nachrichten aus China für Bewegung am Devisenmarkt. So überprüft China anscheinend die Verwendung seiner Währungsreserven und im Zuge dieser Überlegungen sollen Offizielle empfohlen haben, Käufe in US-Staatsanleihen zu reduzieren bzw. sogar ganz einzustellen. In der Folge stieg der Euro bis auf 1,2018 USD, handelt heute Morgen aber wieder bei 1,1940 USD, nachdem sich die Meldung inzwischen als Fake News entpuppte.

Einen guten Auftakt ins neue Jahr konnte auch die kanadische Währung vorweisen. Nachdem vergangene Woche die Arbeitsmarktdaten erneut positiv überraschten und auf den niedrigsten Stand seit 1974 fielen, waren Spekulationen um eine baldige Zinserhöhung die logische Konsequenz. Denn am 17. Januar steht die nächste Notenbanksitzung der Bank of Canada an und zuletzt wurde der Leitzins im September auf derzeit 1,00% angehoben. Von dieser Phantasie konnte der kanadische Dollar deutlich profitieren und so verlor der Euro zwischenzeitlich bis auf 1,48185 CAD, den niedrigsten Wert seit Mitte November 2017.

In den bisher wenigen Handelstagen wurden von Privatanlegern Währungsanleihen auf US-Dollar, russische Rubel, südafrikanische Rand sowie auch mexikanische Peso und brasilianische Real bevorzugt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

EU-Rat pfeift EZB bei faulen Krediten zurück

Die Europäische Zentralbank (EZB) überschreitet nach einer Rechtseinschätzung des Europäischen Rates mit ihrer jüngsten Initiative zur Vermeidung fauler Kredite ihre Kompetenzen. Die EZB-Bankenaufsicht sei durch die geltenden Gesetze rechtlich nicht ermächtigt, derartige Leitlinien zu verabschieden, heißt es laut Reuters in einem Dokument des Europäischen Rates. Die EU folgt Beobachtern zufolge üblicherweise derartigen rechtlichen Einschätzungen, obgleich die endgültigen Entscheidungen politisch sind. Ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission zur weiteren Vorgehensweise ist für den 28. März anvisiert.

Die EZB hatte im Oktober neue Leitlinien veröffentlicht, nach denen Banken vom 1. Januar 2018 an alle faulen Kredite schrittweise in voller Höhe über Rückstellungen abdecken müssen. Dies stieß insbesondere in Italien auf Kritik, wo befürchtet wird, dass künftig noch mehr Kredite abgeschrieben werden sollen. In der Euro-Zone entfallen rund 25% des zuletzt rund 844 Mrd. € hohen Berges an Problemdarlehen auf Banken in Italien. Doch nach bisher unbestätigten Meldungen wird diese Regelung auf Druck der Politiker um mindestens 3 Monate verschoben. Befremdlich ist hierbei, dass Druck von Politikern auf die unabhängige EZB Früchte trägt, aber die Appelle der Notenbanker an die Adresse der Politiker zur Haushaltssanierung auf taube Ohren stoßen.

In diesem Zusammenhang hat die EZB auch einen Handelsplatz für Problemkredite ins Spiel gebracht. Dies könnte dazu beitragen, den großen Gebirgskamm an ausfallgefährdeten Darlehen abzubauen. Mit solchen Plattformen, die an den Märkten schon mal als „Schrottplatz“ bezeichnet werden, könnten einheitliche Kreditdaten bereitgestellt, Prüfungskosten gesenkt und mehr Investoren angelockt werden, so das Kalkül der EZB.

Um die Sinnhaftigkeit eines solchen „Schrottplatzes“ endgültig bewerten zu können, fehlt es allerdings noch an Details. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass eine solche Einrichtung die Handelbarkeit und damit die Verlässlichkeit von Preisen sicherstellen müsste. Hinzu käme ein Höchstmaß an Transparenz, um zu verhindern, dass sich Käufer womöglich ein Überraschungsei ins Nest legen. Ob dann Pakete an faulen Krediten tatsächlich ihre Besitzer wechseln werden, muss letztendlich die Praxis zeigen.

Beim Brexit geht’s auch um Extrawürste

Ja, das mutet schon seltsam an, wenn man liest, dass bestimmte britische Regionen weiter die Annehmlichkeiten der EU-Mitgliedschaft genießen wollen, die Einwohner dieser Regionen aber für den Brexit gestimmt haben. So hat der Gemeinderat von South Tyneside im englischen Nordosten von der Regierung in London gefordert, diese solle doch die Zahlungen, die bisher aus Brüssel kamen, ersetzen. In Tyneside haben sie mehrheitlich für den EU-Austritt gestimmt, ebenso in Grimsby östlich von Leeds, Stoke-on-Trent oder Cornwall, wo man nun um die Zukunft der jeweiligen Industrie fürchtet und Extrawürste in Form von Finanzspritzen gebraten bekommen möchte.

Eine Sonderregelung strebt man auch in Dublin an, allerdings aus anderen Gründen. Sobald Großbritannien aus der EU austritt, wird die Grenze zwischen Irland und Nordirland zur EU-Außengrenze, was dem dortigen Handel enorm schaden würde. Deshalb pocht Dublin auf eine schriftliche Zusicherung aus London, wie eine feste Grenze zwischen Irland und Nordirland vermieden werden kann. Als Ausweg wird immer wieder ein Verbleib Großbritanniens in der Zollunion und im Binnenmarkt vorgebracht, weil es dann auch keine Grenzfrage gäbe. London aber spielt hier auf Zeit und will die Grenzfrage erst klären, wenn Klarheit über die künftigen Handelsbeziehungen der EU zu Großbritannien herrscht. Jedenfalls scheint es, als hätten die Austrittsbefürworter bei dem Brexit-Referendum auch diesen Punkt vollkommen übersehen. Irland fürchtet bei einer festen Grenze nicht nur Handelshemmnisse, sondern auch Spannungen in der früheren Bürgerkriegsregion. Und damit wäre wirklich keinem gedient.

Es wird also immer deutlicher, dass der Brexit eine Menge an unkalkulierbaren Folgen haben wird. Die wirtschaftlichen Konsequenzen des britischen EU-Ausstiegs könnten jedenfalls weitaus drastischer sein, als es die jüngsten Wirtschaftszahlen aus London vermuten lassen. Einem Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge sind die Wachstumserwartungen für das britische Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum 2016 bis 2020 inzwischen um 5 Prozentpunkte niedriger als vor dem Brexit-Wahlkampf. Die Erwartungen für das Wachstum der Firmeninvestitionen für den gleichen Zeitraum sind sogar um 30 Prozentpunkte geschrumpft. Der Brexit schwäche also schon jetzt und in der nahen Zukunft die ehemals so starke britische Wirtschaft, schlussfolgert das IW.

Die britische Finanzbranche dagegen, die in den zwölf Monaten bis März 2017 mit 72 Mrd. GBP Rekordsteuern zahlte, ist in der Lage, den EU-Austritt zu verkraften. So lautet zumindest die Lesart der Bank of England nach einem aktuellen Stresstest für die Banken. Erstmals waren bei dem Stresstest keine Institute durchgefallen. Barclays und die Royal Bank of Scotland schafften dies allerdings nur, weil sie im Jahresverlauf ihr Eigenkapital aufgebessert hatten.

Um nun etwas Druck aus dem Verhandlungskessel mit Großbritannien zu nehmen, hat indessen die Europäische Union weitere zehn Tage Zeit für Zugeständnisse beim Brexit gemacht. Damit ist der Start der zweiten Verhandlungsphase Mitte Dezember wieder möglich geworden. Nun soll London am 4. Dezember neue Angebote etwa zur Behandlung der EU-Bürger in Großbritannien vorlegen.

In die Frage der Scheidungskosten scheint indessen Bewegung gekommen zu sein. Wie Reuters berichtet, stünden beide Seiten kurz vor einer Einigung. Laut dem britischen Blatt Daily Telegraph soll die Schlussrechnung zwischen 45 und 55 Mrd. € liegen, nachdem die EU 60 Mrd. € gefordert hatte. Wie die Financial Times schreibt, hat Großbritannien inzwischen akzeptiert, dass die Gesamtverpflichtungen des Landes gegenüber der EU bis zu 100 Mrd. € umfassen. Die tatsächlichen Nettozahlungen dürften sich demzufolge aber über mehrere Jahrzehnte gerechnet auf etwa die Hälfte dieses Betrages reduzieren.

Eurogruppe ohne Chef?

Am kommenden Montag soll in Brüssel beim Treffen der Euro-Finanzminister ein neuer Vorsitzender für die Euro-Gruppe gekürt werden. Noch ist man auf der Suche nach dem geeigneten Kandidaten. Doch die Zeit drängt, denn heute um 12:00 Uhr endet offiziell die Bewerbungsfrist für den Euro-Gruppen-Vorsitz. Dass sich die Suche nach einem Nachfolger für den Niederländer Jeroen Dijsselbloem nicht einfach gestalten wird, war zwar vielen Marktbeobachtern klar. Aber so schwer hatte man es sich dann doch nicht vorgestellt. Inzwischen gibt es sogar Anzeichen dafür, den Vertrag mit dem amtierenden Vorsitzenden vorerst um ein weiteres halbes Jahr zu verlängern. „Zeit zu erkaufen“, scheint also auch in anderen europäischen Angelegenheiten unverzichtbar geworden zu sein.

Wie manche Medien berichten, gilt eine Verlängerung von Dijsselbloems Amtszeit um ein halbes Jahr für viele schon als ausgemacht. Normalerweise würde die Amtszeit im Januar 2018 enden, aber in Ermangelung eines Kandidaten, der einerseits willens und andererseits auch mit den EU-Regularien vereinbar wäre, wird man wahrscheinlich diese Karte ziehen müssen. Viele EU-Finanzminister würden es zwar begrüßen, wenn der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos den Vorsitz übernehme, aber der ziert sich noch. Dagegen stehen der Franzose Bruno Le Maire und der Luxemburger Pierre Gramegna definitiv nicht zur Verfügung, da bereits ein anderes EU-Spitzenamt von Landsleuten besetzt ist. Ebenso können mögliche Kandidaten aus Italien und Österreich nicht sicher sein, ob sie im Frühjahr in ihrem eigenen Land noch der Regierung angehören.

Nicht zuletzt verhindert auch die politische Hängepartie in Deutschland die Lösung dieser wichtigen Personalie. So dürfen wir gespannt sein, mit welchem Winkelzug man dieses Problem lösen wird. Zumal die Euro-Gruppe in Zeiten des Brexits und vieler anderer Unwägbarkeiten in Europa eine Führungsperson benötigt, die in der Lage ist, die unterschiedlichen Interessen zu bündeln und eine klare Position nach innen und außen zu vertreten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob dieses Vorhaben - die Suche nach dem starken Mann oder der starken Frau - von Erfolg gekrönt sein wird.

Athen schöpft Hilfsprogramm nicht aus

Immerhin, Griechenland wird nach Einschätzung des Eurorettungsfonds ESM das laufende Hilfsprogramm nicht komplett ausschöpfen und wohl deutlich unter dem ESM-Programmdeckel von 86 Mrd. € bleiben. Allerdings könnten nicht abgerufene Gelder teilweise dazu genutzt werden, Griechenlands Darlehen an andere Gläubiger zurückzuzahlen. Voraussetzung für derartige Schuldenerleichterungen sei aber, dass Athen die Reformauflagen umsetze und dass alle Euro-Staaten zustimmen, hatte ESM-Chef Klaus Regling dem Handelsblatt gesagt. Das ist zwar besser, als wenn Athen das Rettungspaket voll hätte ausschöpfen müssen, aber dennoch erinnert eine solche Vorgehensweise an das Prinzip „Rechte Tasche, linke Tasche“ und bedeutet eben nicht, dass Griechenland seinen Schuldendienst selbst leistet.

Ab Sommer 2018 will das Krisenland - nach mehr als acht Jahren am finanziellen Tropf - wieder selbstständig wirtschaften können. Bis dahin, so hofft man in Athen, soll an den Finanzmärkten wieder so viel Vertrauen eingekehrt sein, dass sich das Land am Kapitalmarkt zu auskömmlichen Zinsen Geld leihen kann. Aktuell hat Griechenland fünf neue Staatsanleihen (A19S2W, A19S2V, A19S2U, A19S2T und A19S2S) mit Laufzeiten zwischen fünf und 25 Jahren aufgelegt, in welche die Altanleihen getauscht werden konnten. Die Kupons der Titel reichen von 3,5% bis 4,2%.

Inzwischen hat auch die EZB auf die verbesserte Liquiditätslage in Griechenland reagiert. So wurde der Umfang der Notkredite um 1,1 Mrd. € auf 25,8 Mrd. € zurückgefahren. Diese sogenannten ELA-Kredite gibt es seit 2015 und werden gegen Sicherheiten von der Notenbank in Athen vergeben. ELA-Kredite sind teurer als eine direkte Geldversorgung über die EZB, von der Griechenlands Banken abgeschnitten sind.

Indessen nehmen die internationalen Gläubiger seit dieser Woche wieder Griechenlands Reformbemühungen unter die Lupe. Die Prüfungen, bei denen es um die Entwicklung der Staatsfinanzen geht, werden mindestens bis Januar andauern. Griechenland hofft aufgrund einer anziehenden Wirtschaft und sinkender Arbeitslosigkeit auf bessere Haushaltszahlen als von den internationalen Geldgebern gefordert. So soll 2018 der sogenannte Primärüberschuss, also ohne die Kosten für Schuldendienste, bei 3,8% der Wirtschaftsleistung liegen. Die internationalen Kreditgeber hatten zuletzt für 2018 3,5% vorgegeben. Die Arbeitslosenquote soll um 1,5 Prozentpunkte sinken, läge dann 2018 aber immer noch bei 20,2%.

Erdogan mit Notenbank über Kreuz

Die Geldentwertung wächst mit zuletzt rund 12% zweistellig und die eigene Währung sinkt von einem auf das nächste Tief. Das passt einem wie Recep Erdogan nicht in den Kram. Und natürlich macht der türkische Staatspräsident einen anderen dafür verantwortlich. Diesmal ist es die türkische Zentralbank. Weil sie nicht eingreife, sei es so weit gekommen, mäkelt er und zielt damit auf diejenigen, die immer noch auf die Unabhängigkeit der Notenbank pochen. 20% hat die türkische Lira im Jahresverlauf schon gegenüber dem Euro verloren. Auch gegenüber anderen Währungen ist die Lira so schwach wie nie zuvor.

Ok, Branchen, wie die heimische Tourismusindustrie, profitieren von der Entwicklung. Ist der Urlaub in der Türkei damit doch sehr günstig geworden. Was viele Besucher von einem Urlaub allerdings abschreckt, ist die unsichere Lage in dem Mittelmeerland.

Während die Zentralbank nach gängiger Lehre die Zinsen deutlich erhöhen müsste, um die Inflation abzubremsen und den Zerfall der Lira zu stoppen, beschimpft Erdogan die Befürworter einer solchen Strategie. „Zinslobby“ nennt er sie und bescheinigt ihnen eine „westliche Geisteshaltung“. Diese macht sich in Erdogans Augen auch am Rentenmarkt bemerkbar, wo türkische Staatsanleihen tendenziell unter Druck sind. So bewegt sich ein Titel mit Laufzeit bis 1/2030, der in US-Dollar notiert (451038), auf einem Kursniveau von ca. 154%, nachdem Anfang September mit 162,525% noch ein Zwölfmonatshoch erreicht worden war.

Große Auswahl für die Investoren

Die Investoren haben in dieser Berichtswoche wieder die Qual der Wahl. Insgesamt gab es vier nennenswerte Neuemissionen aus diversen Sektoren der Industrie. Mit der Deutschen Bahn, Arcelormittal, Cemex und Prosegur Cash dürfte somit für jeden Investor in dieser Handelswoche etwas dabei gewesen sein.

Die Deutsche Bahn erfreute dabei die Privatanleger mit einem Bond (A2G868), der mit einer kleinsten handelbaren Einheit von 1.000 € aufgelegt wurde. Der Reisedienstleister konnte erfolgreich einen Floater im Volumen von 300 Mio. € mit einem variablen Zins in Höhe des 3-Monats-Euribor +0,37 PP platzieren. Der 7-jährige Bond ist am 06.12.2024 fällig und wurde zu 101,428% emittiert.

Als nächster im Bunde legte Arcelormittal einen 6-jährigen Bond (A19S70) mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. € auf. Fällig wird das Papier am 17.01.2023. Das Unternehmen Arcelormittal ist ein Stahlkonzern mit Hauptsitz in Luxemburg und zahlt den Investoren für Ihr Investment jährlich 0,95% Zinsen. Der Emissionspreis belief sich auf 99,38%, was einem Spread von +85 bps über Mid Swap entsprach. Das Unternehmen räumt sich neben einer Make Whole Option ein Kündigungsrecht ab dem 17.10.2022 zu 100% ein. Die Mindeststückelung wurde wie auch bei Cemex und Prosegur Cash auf 100.000 € festgelegt und dürfte daher eher für institutionelle Investoren interessant sein.

Cemex legte einen 650 Mio. € schweren Bond (A19S7N) mit Fälligkeit am 05.12.2024 auf. Die Anleihe ist mit einem Zins von jährlich 2,75% ausgestattet, welcher im Juni und Dezember eines jeden Jahres zur Auszahlung kommt. Cemex, ein global operierender Baustoff- und drittgrößter Zementhersteller der Welt, nahm neben einer Make Whole Option drei weitere Kündigungstermine in die Anleihebedingungen auf. So kann der Emittent den Bond jederzeit ab dem 05.12.2020 zu 101,375%, ab dem 05.12.2021 zu 100,688% und ab dem 05.12.2022 zu 100% kündigen. Ausgegeben wurde das Papier zu pari, was +283 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe bedeutete.

Zu guter Letzt wurde Prosegur Cash, ein weltweit agierender Sicherheitsdienstleister mit Sitz in Spanien, am Kapitalmarkt aktiv und begab eine Anleihe (A19S32) mit einem Volumen von 600 Mio. €. In Deutschland agiert das Unternehmen unter drei rechtlich selbstständigen Firmen und ist Marktführer im Geld- und Werttransport. Prosegur Cash stattete den Bond mit einem Zins von 1,375% p.a. aus. Fällig wird die Anleihe am 04.02.2026 und begeben wurde sie zu 99,252% (+87 bps über Bund). Ebenfalls wurde eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen aufgenommen.

Wie der Vulkan Agung?

Ob es mit der vorweihnachtlichen Ruhe oder gar mit dem kurz bevorstehenden Roll-Over des Euro-Bund-Future zusammenhängt, kann man nicht genau sagen. Aber momentan ist das Handelsgeschehen beim Rentenbarometer als sehr überschaubar zu bezeichnen. So wurde in den vergangenen Handelstagen lange Zeit nur eine kleine Tradingrange von 0,65 Prozentpunkten „bespielt“ und man hatte den Eindruck, dass der Ausbruch wie beim Vulkan Agung auf Bali, kurz bevorstehen würde. Dies hat sich am gestrigen Mittwoch bewahrheitet und so kam es infolge von Gewinnmitnahmen zu einem Rücksetzer auf 162,40%. Es bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei lediglich um die Vorboten des Ausbruchs handelte.

Über den Kurs der Benchmark-Anleihe beim entsprechenden Bund-Futures ergibt sich eine Rendite-Tradingrange, die von Roll-Over-Verzerrungen verschont bleibt. Dabei fällt auf, dass die 10-jährige Bundrendite seit Oktober des Jahres den Bereich zwischen 0,316% und 0,557% nicht verlassen hat. Noch bezeichnender ist aber die Tatsache, dass seit der Wahl von D.T. zum US-Präsidenten - vor mehr als einem Jahr - diese Rendite lediglich zwischen 0,64% und 0,10% pendelte. Diese Entwicklung entspricht sicherlich nicht den diversen Zinserhöhungen in den USA, sondern ist eher der EZB-Geldpolitik geschuldet.

Dennoch wird es früher oder später zu einer Zerreißprobe kommen, denn man sollte sich nicht blenden lassen, dass die Europäische Zentralbank mit ihrem finanziellen Füllhorn auch die nächsten Zinserhöhungen in den USA wird ausgleichen können. Oftmals wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass die Notenbanken über unbegrenzte Liquidität verfügen, aber hierbei sollte man sich auch an die Reaktion der Schweizerischen Notenbank im Jahre 2015 erinnern. Noch sind wir nicht soweit, aber „Holzauge sei wachsam“.

Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 162,41%. Widerstände sind im Bereich um die Marken von 162,80% und 163,32% auszumachen. Die entsprechende Unterstützungslinie ist bei 162,22% angesiedelt und nicht mehr weit entfernt.

Klammes Italien refinanziert

In dieser Handelswoche könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Finanzminister der Euroländer im Geld schwimmen und deshalb nur das ewig „klamme“ Italien am Kapitalmarkt aktiv wurde. Diese Anleihen werden aus steuer- und abwicklungstechnischen Gründen weiterhin nicht an deutschen Regionalbörsen gehandelt. Die ursprünglich für Mittwoch geplante Aufstockung der fünfjährigen Bundesobligation Serie 176 (114176) wurde bereits zum Quartalsbeginn seitens der Deutschen Finanzagentur abgesagt. Die deutsche Vorgehensweise verdeutlicht zum wiederholten Male die unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen innerhalb der Eurozone.

In den USA hingegen wurde kurz vor der Neuadjustierung der Schuldenobergrenze nochmals kräftig refinanziert. So wurden insgesamt für 123 Mrd. USD T-Bills emittiert und mit zwei-, fünf- und siebenjährigen T-Notes weitere 88 Mrd. USD aufgenommen.

Bitcoin schlägt alles

Die Internetwährung Bitcoin hat es erstmals geschafft, die unglaubliche Marke von 10.000 US-Dollar zu überspringen und weil es so schön war, auch noch die 11.000 US-Dollar bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Damit hat die Krypto-Währung alleine in 2017 ihren Wert in der Spitze mehr als verzehnfacht.

Solche Entwicklungen sind an dem gesetzlich geregelten und unter Aufsicht stehenden Devisenmarkt unvorstellbar. Aber auch dort sind von Zeit zu Zeit bei vereinzelten Währungen größere Volatilitäten zu beobachten. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Entwicklung der türkischen Lira sowie der Landeswährung von Südafrika.

So handelte der südafrikanische Rand Ende März dieses Jahres bei 13,3792 ZAR. In den darauf folgenden Handelsmonaten verlor er allerdings kontinuierlich an Wert und fiel zeitweise bis auf 17,0683 ZAR (15.11.2017) zurück, was einem neuen Jahrestief entspricht. Vergangene Woche wurde nun auch noch die Bonität des Landes durch die Ratingagenturen S&P und Fitch herabgesetzt. Somit hat das Land bei zwei von drei Agenturen das Investmentgrade verloren. Nur noch Moody’s bewertet die Papiere bei Baa3, allerdings mit negativem Ausblick. In erster Reaktion fiel der Rand von 16,4313 ZAR bis auf 16,90 ZAR. Jedoch konnte sich die Währung wieder etwas erholen und notiert derzeit bei 16,22 ZAR.

Bei dem wohl wichtigsten Währungspaar EUR-USD sind außergewöhnliche Schwankungen eher eine Seltenheit. In der vergangenen Berichtswoche zeigte sich die europäische Gemeinschaftswährung robuster und stieg von 1,1733 bis auf 1,1961 USD und damit in die Nähe der psychologischen wichtigen Marke bei 1,20 USD. Heute Morgen handelt der Euro in der Handelsspanne der Tage zuvor bei 1,1855 USD.

Um ihr Depot breiter aufzustellen, suchten Privatanleger in dieser Berichtswoche vornehmlich Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, südafrikanische Rand, norwegische Kronen sowie russische Rubel und türkische Lira.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Draghi macht Druck wegen fauler Kredite

Endlich macht Mario Draghi Druck auf europäische Banken, die einen Haufen Problemkredite in ihren Bilanzen mit sich herumschleppen. Seit kurzem nimmt der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nun jede Gelegenheit wahr, die Reduzierung fauler Kredite anzumahnen.

Denn Draghi weiß genau, dass deren Abbau Voraussetzung für die Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa ist – einem wichtigen, großen Baustein einer europäischen Bankenunion. Wer die gemeinsame Einlagensicherung will, muss zuerst das Problem der faulen Kredite lösen. Dann würde man den Deutschen auch den argumentativen Wind aus den Segeln nehmen, die diese Themen eng miteinander verknüpft haben. Risikoverringerung und Risikoteilung sollten daher parallel erfolgen, so das Credo der EZB, die seit Herbst 2014 zusätzlich für die Aufsicht über die größten Banken im Währungsraum zuständig ist.

Besonders in Deutschland stößt die Idee einer gemeinsamen EU-Einlagensicherung bekanntlich auf große Vorbehalte. Erst kürzlich hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gesagt, für ihn sei der hohe Bestand an Problemdarlehen ein gewichtiges Argument gegen ihre Einführung.

Doch auch unabhängig von der Frage einer EU-Einlagensicherung ist das Thema der faulen Kredite, die europaweit rund 844 Mrd. € umfassen, ein großes Problem. Nicht nur Geldhäuser und Regulatoren müssten handeln, fordert Draghi. Auch Regierungen und Gesetzgeber in den Mitgliedsstaaten müssten für ein Umfeld sorgen, in dem faule Kredite gehandelt werden könnten.

Die Problematik lässt sich nicht zuletzt in Draghis Heimat Italien beobachten, wo mit der Regionalbank Banca Carige abermals ein Geldinstitut in Schwierigkeiten geraten ist. Dies hat neuerlich Zweifel am italienischen Bankensektor genährt, wo zuletzt die Regierung im Sommer mit einem umstrittenen Rettungsplan die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mehrheitlich verstaatlicht hat.

Doch nun ist es Banca Carige erstmal gelungen, Schlimmeres zu verhindern. Sie konnten sich doch noch im letzten Schritt mit den wichtigsten Anteilseignern auf eine Kapitalerhöhung verständigen. Über die Ausgabe neuer Aktien erhält die Bank von ihren Aktionären 500 Mio. € sowie weitere 60 Mio. € von ihren Anleihegläubigern. Ein internationales Bankenkonsortium, dem Credit Suisse, Deutsche Bank und Barclays angehören, hat sich verpflichtet, die bis dahin nicht veräußerten neuen Aktien zu kaufen.

Das Scheitern von Jamaika lässt die Märkte kalt

Nach wochenlangen Verhandlungen sind die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition in Deutschland spektakulär gescheitert. An den Kapitalmärkten aber entpuppte sich diese Nachricht als „Nicht-Ereignis“. Weder an den Anleihe- noch an den Aktienmärkten, aber auch nicht an der Kursentwicklung des Euro, schlug sich der Verhandlungsabbruch wirklich nieder – bleibt doch die wirtschaftliche Dynamik der Eurozone und in Deutschland ungebrochen.

Dass sich das Ende der Sondierungsgespräche, an dem alle Beteiligten eine Mitschuld tragen dürften, auch langfristig negativ auf den Kapitalmarkt auswirken wird, ist kaum zu erwarten. Zum einen handelt es sich dabei um einen relativ normalen Vorgang in einer Demokratie – nur hat man das eben in der Bundesrepublik noch nicht erlebt. Zum anderen ist auch die Option einer Minderheitsregierung denkbar, was in anderen demokratischen Ländern, etwa in Skandinavien, eine geübte Praxis ist. Eine Minderheitsregierung würde nicht nur die Position der Bundestagsabgeordneten stärken, sondern auch das politische „Weiter so“ relativieren. Ob man dann, etwa nach zwei Jahren, wieder Neuwahlen ausrufen wird, muss sich zeigen.

Entscheidend wird am Ende sein, ob man die großen Themen der Zeit in der Lage ist, herzhaft anzugehen. Dazu zählen insbesondere eine gewisse Bildungsmisere, die Herausforderungen durch die Digitalisierung sowie die Umbrüche, die die Mobilität der Zukunft und der Klimawandel mit sich bringen werden. Erst wenn die Börse sehen sollte, dass die Bundesrepublik auf diesen Feldern den Zug verpasst, wird sie reagieren.

May bewegt sich bei Brexit-Gebühr

Theresa May hat sich bei der Frage der finalen Zahlung an die Europäische Union (EU) für den Brexit bewegt. So ist die britische Regierung offenbar bereit, die „Austrittsgebühr“ für Großbritannien aus der EU auf 40 Mrd. € zu verdoppeln. Mit diesem Schritt sollen die Verhandlungspartner auf EU-Seite dazu gebracht werden, im Dezember die nächste Runde der Austrittsverhandlungen einzuleiten. Dann will London Gespräche über eine Übergangsfrist erreichen und das künftige Handelsverhältnis Großbritanniens mit der EU besprechen.

Folgt man britischen Zeitungsberichten, hat die Premierministerin auch die Hardliner unter den Brexiteers in der Regierung in dieser Frage hinter sich gebracht. Eine offizielle Bestätigung dieser Summe gab es aber nicht.

Bisher steht lediglich ein Angebot von 20 Mrd. € im Raum. Mit der Verdopplung der Summe verbindet London die Erwartung, dass die Gegenseite keine höheren finanziellen Forderungen mehr stellen dürfe. Schließlich hat Brüssel ja Rechnungen von bis zu 100 Mrd. € aufgemacht. Erst der 8. Dezember gilt als wahrscheinliches Datum für eine offizielle Bekanntgabe des neuen Angebots. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte London eigentlich eine Frist für Zugeständnisse bis Ende dieser Woche gesetzt, um sie bei der nächsten Sitzung berücksichtigen zu können.

Die Höhe der „Austrittsgebühr“ gilt als einer von drei Punkten, bei denen Brüssel ausreichende Fortschritte sehen will, bevor die nächste Phase der Gespräche eingeläutet werden kann. Des Weiteren sind das Bleiberecht von EU-Ausländern auf der Insel sowie Briten auf dem Kontinent wichtige Punkte. Außerdem drängt Brüssel auf eine Regelung für die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

Yellens Abgang bietet mehr Spielraum für Trump

Die Chefin der US-Zentralbank, Janet Yellen, verzichtet auf einen Direktorenposten bei der Fed, wenn ihr Nachfolger im Amt, Jerome Powell, im Februar 2018 vereidigt wird. Noch bis 2024 hätte sie auf diese Weise im Führungsgremium der Zentralbank die Geldpolitik mitentscheiden können. Nach ihrem Ausscheiden werden damit vier von sieben Direktoriumsplätze frei sein – was ungeahnten Spielraum für D. T., den Unberechenbaren, eröffnet.

Denn damit hat Präsident Donald Trump die Möglichkeit, die Führungsriege der mächtigsten Notenbank der Welt personell noch stärker zu prägen als durch die Personalentscheidung für seinen republikanischen Parteifreund Powell. Schließlich werden die Mandate mit Zustimmung des Senats für 14 Jahre vergeben.

Yellen sitzt seit 2010 im Direktorium und hätte diesem noch bis 2024 angehören können, auch wenn ihr vierjähriges Mandat als Fed-Chefin Anfang Februar abläuft. In einem Brief an Trump zog die 71-jährige Ökonomin eine positive Bilanz ihrer Zeit im Direktorium, indem sie darauf verwies, dass in diesem Jahrzehnt unter dem Strich 17 Millionen Jobs in den USA entstanden seien.

Als möglicher Anwärter auf einen der Direktorenposten gilt Ökonomie-Professor John Taylor, der bereits für die Fed-Spitze im Gespräch gewesen war. Er schlägt die nach ihm benannte Taylor Rule als Richtschnur für die US-Geldpolitik vor, was bisher bei der Notenbank auf heftigen Widerstand gestoßen war.

Yellen steht für einen Kurs behutsamer Zinserhöhungen, der unter ihrem Nachfolger Powell fortgesetzt werden dürfte. Am 12. und 13. Dezember wird die Fed zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung zusammenkommen. Es wird erwartet, dass Yellen dann als ihre letzte große Amtshandlung an der Spitze der Fed den Zinssatz zur Versorgung der Banken mit Geld zum dritten Mal in diesem Jahr nochmals anheben wird.

Banken in Quarantäne!

Damit Kriseninstitute vor massenhaften Abhebungen und dem Zugriff der Gläubiger (Bank Run) geschützt werden können, sollten den Behörden weitreichende Instrumente zugestanden werden. Ein solches Werkzeug sollte nicht nur dazu dienen, Guthaben einfrieren zu können, sondern möglichst alle Verbindlichkeiten einer Bank abzuschirmen. Diese These vertrat die Chefin der europäischen Bankenabwicklungsbehörde, Elke König, auf der „Euro Finance Week“ in Frankfurt.

Mit einer solchen „Quarantäne“ könnten nicht nur Einlagen, sondern auch Anleihen einer notleidenden Bank eingefroren werden. König will den Behörden solche Mittel nur vorübergehend, „idealerweise fünf Tage“, an die Hand geben, denn dann wäre es einfacher, eine in Schwierigkeiten geratene Bank zu retten oder abzuwickeln. In dieser Zeit könnten Aufseher und Abwickler über weitere Maßnahmen beraten, um etwa die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine „Bad Bank“ einzuleiten, ohne dass permanent Geld abgezogen wird.

Renault und Südzucker jeweils mit 1.000 € Mindeststückelung

Die Emissionstätigkeit der Unternehmen ist weiter sehr rege. So entschlossen sich in dieser Handelswoche unter anderem Renault und Südzucker frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Auch McDonald’s platzierte erfolgreich eine Dualtranche.

Der französische Automobilhersteller Renault begab jetzt eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A19SW3). Der 8-jährige Bond ist am 28.11.2025 fällig und mit einem Kupon von jährlich 1% ausgestattet. Der Ausgabepreis lag bei 99,109%, was einem Emissionsspread von +53 bps über Mid Swap entsprach. Renault erfreut die Privatanleger mit einer Mindeststückelung von 1.000 €. In die Anleihebedingungen wurde eine Make Whole Option aufgenommen und der Bond ist seitens des Emittenten ab dem 28.08.2025 zu 100% kündbar.

Ebenfalls mit einer privatanleger-freundlichen Mindeststückelung begab Südzucker einen 500 Mio. € schweren Bond (A19SRU) mit einer Laufzeit bis zum 28.11.2025. Dieser 8-jährige Bond zahlt den Investoren jährlich ebenfalls 1% Zinsen und wurde zu 99,367% begeben. Dies kam einem Spread von +50 bps über Mid Swap gleich. Der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Lebensmittelkonzerne Deutschlands ließ sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben. Ebenfalls ist das Wertpapier 3 Monate vor Endfälligkeit, sprich ab dem 28.08.2025, jederzeit zu 100% kündbar.

Als letzter im Bunde konnte der US-amerikanische Betreiber und Franchisegeber von Fast-Food-Restaurants McDonald‘s erfolgreich eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1,2 Mrd. € am Kapitalmarkt platzieren. Dabei ist die erste Tranche (A19SWU) 700 Mio. € schwer und am 29.01.2024 fällig. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahlt das Unternehmen jährlich 0,625% Zinsen an die Investoren. Ausgegeben wurde der Bond bei 99,832% (+30 bps über Mid Swap). Im Bereich der Fast-Food-Konzerne ist McDonald’s das umsatzstärkste Unternehmen der Welt und stattete die zweite 500 Mio. € schwere Tranche (A19SWV) mit einem Kupon in Höhe von 1,5% aus. Fällig ist das Papier am 28.11.2029. Der Emissionsspread belief sich auf +57 bps über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 99,164% entsprach. Die Mindeststückelung von 100.000 € legte McDonald’s für beide Bonds fest und eine Make Whole Option wurde ebenfalls in die Emissionsbedingungen aufgenommen.

Europäische Gemeinschaftswährung bleibt gelassen

Am 24. September 2017 fanden die Bundestagswahlen in Deutschland mit dem Ergebnis statt, dass bis heute keine neue Regierung gebildet werden konnte. Mit dem Abbruch der Koalitionsverhandlungen könnte es erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zu Neuwahlen kommen.

An den internationalen Finanzmärkten wurde dies mit erstaunlicher Gelassenheit registriert. In erster Reaktion fiel der Euro zu Beginn der Handelswoche von 1,1790 USD zeitweise bis auf 1,1722 USD. Jedoch konnte sich die Gemeinschaftswährung im weiteren Handelsverlauf davon erholen und kletterte in der Spitze bis auf 1,1846 USD. Für die restliche Handelswoche ist nicht mit neuen Impulsen zur rechnen. Denn in den USA wird heute Thanksgiving gefeiert und das Börsengeschehen ruht. Am morgigen Freitag wird in den Vereinigten Staaten ebenfalls nur verkürzt gehandelt. Damit fehlen viele Marktakteure, das Währungspaar EUR-USD handelt heute Morgen bei 1,1830 USD.

Weiterhin ziemlich schwach präsentiert sich die türkische Lira. Damit hält der seit Monaten anhaltende Abwärtstrend der Währung an. So konnte der Euro in dieser Handelswoche einen neuen historischen Rekordstand erreichen und notierte mit 4,6773 TRY so hoch wie nie zuvor. Staatschef Erdogan sorgte selbst mit seinen Äußerungen und der Kritik an der Unabhängigkeit der Notenbank für ein Abrutschen der eigenen Währung.

In dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf australische Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie US-Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Schon wieder Südamerika

Nicht nur Investoren, sondern auch die Bevölkerung Venezuelas sehnt sich zurück in die Zeit, als noch Hugo Chávez die Geschicke des südamerikanischen Staates lenkte. Zu diesem Zeitpunkt war zwar sicherlich auch nicht alles Gold, was glänzt, aber zumindest konnte die Bevölkerung von dem Reichtum des Landes profitieren. Als aber im Jahre 2013 die Staatsführung an Nicolás Maduro übertragen wurde, begann die Leidenszeit insbesondere der ärmeren Bevölkerungsschichten. Die Regierung Venezuelas hat über viele Jahre hinweg von den steigenden Preisen des „Schwarzen Goldes“ profitiert und somit - in dem Bewusstsein, dass man eines der erdölreichsten Länder der Welt ist - keinerlei Bemühungen unternommen, diese Abhängigkeit zu mildern. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass der dramatische Öl-Preisverfall die Regierung in Caracas in finanzielle Nöte brachte, und die Verschuldung an den internationalen Finanzmärkten bis auf fast 200 Mrd. USD anwuchs.

Jedoch hat Venezuela von dem wieder kräftig gestiegenen Ölpreis nicht profitieren können, da inzwischen die Förderung auf das niedrigste Niveau seit fast drei Jahrzehnten gefallen ist. Dies verschärfte die Situation in dem hochverschuldeten Staat nochmals. Und so kam es, dass Venezuela vor der größten Staatspleite in der Wirtschaftsgeschichte steht. Bisher hatte Argentinien diese „Auszeichnung“ für sich beanspruchen dürfen. Vor 16 Jahren ging es damals „nur“ um 100 Mrd. USD, und viele Privatinvestoren haben mit argentinischen Anleihen schmerzliche Verluste erlitten.

Die politische Führung Venezuelas hat das wirtschaftlich schwer gebeutelte Land inzwischen weitgehend isoliert. Denn Kritiker im In- und Ausland werfen Präsident Maduro vor, die Demokratie abschaffen und eine Diktatur errichten zu wollen. Infolgedessen haben sowohl die EU als auch die USA Sanktionen gegen die venezolanische Regierung verhängt. Auf dieser US-Sanktionsliste stehen unter anderem die Namen von Venezuelas Vizepräsident El Aissami und Wirtschaftsminister Zerpa. In einem am vergangenen Montag anberaumten Gespräch zwischen diesen Vertretern der Regierung und Gläubigern konnte keine Einigung erzielt werden, da erstens keine konkreten Pläne für eine Umschuldung vorgestellt wurden und zweitens nur wenige Verhandlungspartner bereit waren, sich mit den beiden Regierungsvertretern - aus Angst vor Repressalien - an einen Tisch zu setzen. Lediglich mit Moskau, das sich bekanntlich mit US-Sanktionen auskennt, konnte gestern eine erste Schulden-Umstrukturierung i.H.v. ca. 3 Mrd. USD vereinbart werden. China, das Forderungen über 23 Mrd. USD an Venezuela hat, bot zwar keine Umschuldung an, betonte aber wie normal die Zusammenarbeit in allen Bereichen verlaufe.

An den Finanzmärkten hat allerdings die drohende Staatspleite Venezuelas viele Spekulanten angelockt. Verantwortlich hierfür ist sicherlich die Hoffnung, dass Mut und Beharrlichkeit sich wie bei Argentinien lohnen werden. Jedoch sollte man immer bedenken, dass sich Geschichte nur selten wiederholt, und nur wenige Investoren mit Argentinienbonds wirklich Geld verdient haben. Zu lange musste gestritten werden, und nur die involvierten Hedgefonds ermöglichten die Lösung. Darüber hinaus wurden die Bonds an den Finanzmärkten immer noch mit Stückzinsen gehandelt. Dies bedeutet, dass der Käufer dem Verkäufer die aufgelaufenen Zinsen zahlt, unabhängig davon, ob er sie später bekommen wird oder nicht. Da am Dienstag bei zwei Anleihen Venezuelas (A1ANQ2 und A1ANQ3) der „Technische Default“ festgestellt wurde, und infolgedessen die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch den Zahlungsverzug bzw. begrenzten Zahlungsausfall verkündeten, ist an verschiedenen Börsen vorübergehend der Handel in diesen Anleihen - aus Gründen des Anlegerschutzes - ausgesetzt worden. An anderen Börsenplätzen wurde die Art der Notierung von „clean“ auf „dirty“ umgestellt. Risikobewusste Anleger sollten sich somit stets vor einer Ordererteilung in Venezuela-Bonds sachkundig machen, welche Art der Notierung an dem entsprechenden Handelsplatz zugrunde liegt. Denn der alleinige Vergleich der Börsenpreise ist nicht aussagekräftig!

Ohne Deal wird’s ein teurer Abschied von den Briten

Mit Engelszungen haben europäische Wirtschaftsvertreter auf Theresa May eingeredet, um der britischen Premierministerin klarzumachen, wie teuer ein ungeregelter EU-Austritt ihres Landes werden würde. Man erwarte bis zum nächsten EU-Gipfel Mitte Dezember von der Londoner Regierung Ergebnisse, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter. Aber das klingt schon wie das Pfeifen im Walde, bereiten viele Unternehmen doch schon Notfallpläne für den Fall eines harten Brexits vor. Kein Wunder also, dass das Thema Brexit für zahlreiche Volkswirte inzwischen zu einem zentralen Risiko für die europäische Wirtschaft 2018 geworden ist.

Die Überzeugung, dass ein Brexit ohne Deal für die Wirtschaft fatal wäre, eint die 15 Wirtschaftsverbände, die unter anderem aus Frankreich, Irland, Schweden und Deutschland nach London gekommen waren. Allein auf die deutsche Automobilindustrie würden Zölle in Höhe von jährlich 2,35 Mrd. € zukommen. Hinzu kommt die Sorge der Arbeitgeber, welchen legalen Status ihre Mitarbeiter in Großbritannien im Falle eines ungeregelten Ausstiegs nach dem März 2019 wohl hätten. Und weil die Verhandlungspartner aus Brüssel und London nicht vorankommen, drängen die Unternehmen nun auf Übergangsregeln, sollte es hart auf hart kommen.

Wegen der stockenden Verhandlungen hatte Brüssel der Regierung in London vergangene Woche eine Zwei-Wochen-Frist für Zugeständnisse gesetzt. Gibt es bis dahin keine Grundsatzeinigung, wird man im Dezember nicht wie geplant mit den Gesprächen über die künftigen Beziehungen starten können. Dann aber wäre auch klar, dass die ohnehin schon knappe Zeit für ein Austrittsabkommen noch knapper werden würde. Brüssel beharrt zu Recht darauf, zuerst die britischen Finanzverpflichtungen nach mehr als 40 Jahren EU-Mitgliedschaft, den künftigen Status der nordirisch-irischen Grenze sowie Garantien für Millionen EU-Bürger in Großbritannien zu klären.

Ein Riesenproblem bei den Verhandlungen ist auch die Kakophonie im britischen Kabinett und der konservativen Partei. May, die mit Brexit-Minister David Davis die Verhandlungen führt, verliert in ihrer Partei zunehmend an Rückhalt. Vierzig Abgeordnete der regierenden Tories sind bereit, ihr das Misstrauen auszusprechen. Damit fehlen nur noch acht Unterzeichner, um eine Neuwahl an der Parteispitze zu erzwingen.

Und glaubt man einem Medienbericht, so haben zwei ihrer Minister in einem geheimen Brief May aufgefordert, notfalls einen „harten Brexit” durchzuziehen. Außenminister Boris Johnson und Umweltminister Michael Gove, die im Wahlkampf beide für den Brexit getrommelt hatten, forderten, dass alle Übergangsregelungen nach einem Austritt aus der EU spätestens am 30. Juni 2021 enden müssten. Was soll mit solchen markigen Worten demonstriert werden – Entschlusskraft oder Stärke gar? Wann setzen sich solche Herren einmal mit den Folgen für die Volkswirtschaft auseinander? Vielleicht findet eine solche Debatte ja im Parlament statt, wenn die Abgeordneten über ein künftiges Brexit-Abkommen abstimmen sollen. Ob dann noch die Sachargumente zum Tragen kommen, darf allerdings bezweifelt werden!

Tsipras gibt den Weihnachtsmann

Alexis Tsipras gibt den Weihnachtsmann. Rechtzeitig zum Christfest will der griechische Ministerpräsident die Bedürftigen seines Landes mit einem Sozialpaket in Höhe von 1,4 Mrd. € bedenken. Dessen Finanzierung wird möglich, weil der Überschuss im Staatshaushalt über den 1,75% liegt, welchen die internationalen Gläubiger von Griechenland gefordert hatten.

Damit zahlt Athen zum zweiten Mal in Folge ärmeren Rentnern und Familien sowie Arbeitslosen im November und Dezember eine zusätzliche Unterstützung aus. Insgesamt sollen die Gelder etwa 3,4 Millionen Menschen zu Gute kommen. Je besser die Finanzlage des Landes werde, desto mehr Unterstützung erhielten diejenigen, die es am nötigsten haben, so Tsipras. Jetzt mag man nicht daran zweifeln, dass in Griechenland viele Menschen durchaus bedürftig sind. Dennoch kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass die Zahlungen eine Reaktion auf Tsipras schlechte Umfragewerte sein könnten und somit haftet dem Ganzen ein „Gschmäckle“ an.

Gleichzeitig müht sich das Land, das immer noch eine Schuldenquote von 179% des Bruttosozialprodukts aufweist, um eine routinemäßige Rückkehr an die Kapitalmärkte. Bereits im Juli hat Athen eine fünfjährige Anleihe erfolgreich begeben. Die seit Wochen immer wieder ins Spiel gebrachte Umstrukturierung von 20 Anleihen über insgesamt knapp 30 Mrd. € auf vier bis fünf Tranchen wurde am gestrigen Mittwoch endlich Gewissheit. Die neuen Bonds sollen eine Laufzeit von 5 bis 25 Jahren haben und die Zinssätze variieren je nach Laufzeit zwischen 3,5% und 4,2%. Damit sollen griechische Staatsanleihen wieder handelbarer gemacht werden.

Darüber hinaus soll es bis August 2018 zwei oder drei weitere Emissionen über 6 Mrd. € geben, um mit deren Erlös zusammen mit dem Rettungsfonds ESM einen Finanzpuffer von 15 Mrd. € aufzubauen. Dies alles soll der Beruhigung der Finanzmärkte und der künftigen Normalisierung der Kapitalbeschaffung dienen.

Eine Voraussetzung dafür ist aber auch ein gutes Abschneiden der griechischen Banken bei dem im Februar anstehenden Stresstest. Mit einer durchschnittlichen Kernkapitalquote von 17% gelten die Institute zwar als gut kapitalisiert, aber kritisch zu sehen ist die Höhe fauler Kredite - mit rund der Hälfte aller ausgereichten Darlehen ist dies eine enorme Quote!

Der Aufschwung in Euroland gewinnt an Breite

Überraschend stark präsentierte sich die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2017. Steigende Exporte und höhere Investitionen haben das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September um 0,8% wachsen lassen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal gab es einen Wachstumsschub von 2,3%. Dabei profitiert Europas größte Volkswirtschaft von einer verbesserten Weltkonjunktur und dem Aufschwung in der Euro-Zone. Kein Zweifel, die deutsche Wirtschaft befindet sich im Höhenflug – und zwar seit 13 Quartalen in Folge. Und wenn es nach den meisten Experten geht, wird der Boom auch 2018 anhalten.

Dafür sorgen günstige Rahmenbedingungen wie niedrige Zinsen, eine geringe Teuerungsrate und eine entsprechend hohe Kaufkraft der Verbraucher. Mit 1,6% im Oktober blieb die Inflation unter dem Zielwert der EZB von knapp 2%.

Der Aufschwung hat nun auch auf das restliche Europa übergegriffen. So kletterte das BIP in den 19 Euroländern im 3. Quartal um 0,6%. Besonders erfreulich ist dabei die Entwicklung in den bisher schwächelnden Volkswirtschaften. So schaffte auch Spanien ein Wachstum von 0,8%, während Frankreich und Italien um jeweils 0,5% zulegen konnten. Spanien ist damit wieder auf dem Niveau von vor der Finanzmarktkrise angekommen, während Italien immer noch hinterherhinkt. Allerdings ist ein Wachstum von 0,5% für Italien ein gutes Ergebnis, da das Land zu normalen Zeiten eine solche Quote meist nur im ganzen Jahr geschafft hat. Aber natürlich darf man nicht vergessen, von welch niedrigem Niveau man kommt.

Der Aufschwung in Euroland hat also nun an Breite gewonnen und selbst Nachzügler auf Trab gebracht. Das steilste Wachstum innerhalb der Euro-Zone legte übrigens Lettland mit 1,5% hin, während für Griechenland, das immer noch am Finanztropf seiner Europartner hängt, zunächst noch keine Daten von Eurostat vorlagen.

Deutsche Banken bleiben bei europaweiter Einlagensicherung hart

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) wird nicht müde, vor der Einführung einer europäischen Einlagensicherung zu warnen. Denn noch immer bergen die Pläne der EU-Kommission die große Gefahr, dass deutsche Sparer für marode europäische Institute haften müssen, die in ihrem Kern als unsolide gelten. Aus diesem Grund ist es angesagt, die Risiken in den einzelnen Bankensektoren zunächst zu reduzieren. In einem ersten Schritt müssen erst einmal die nationalen Einlagensicherungssysteme und das Schutzniveau vollständig harmonisiert werden. Erst dann kann der nächste Schritt erfolgen. Geschieht dies nicht, läuft man nach Überzeugung des Verbandes Gefahr, das Vertrauen der Bankkunden in Deutschland aufs Spiel zu setzen. Und Vertrauen ist ja bekanntlich das höchste Gut in einer Bank-Kunden-Beziehung.

Aber auch die zunehmende Regulierung und die damit einhergehende ausufernde Bürokratie macht den Geldhäusern zu schaffen. Dazu trägt aktuell die neue Finanzmarkt-Richtlinie der Europäischen Union (EU), MiFID II, bei. Diese regelt viele sinnvolle Dinge, aber das Prinzip der Verhältnismäßigkeit werde teilweise mit Füßen getreten, machte BdB-Präsident Walter Peters unlängst klar.

Um die weitere Belastung durch die Niedrigzinsphase etwas zu reduzieren, hat der Verband nun vorgeschlagen, einen Freibetrag für die Überschussliquidität der Banken bei der EZB und eine Halbierung des negativen Einlagenzinses in Höhe von bislang 0,4% einzuführen. Noch besser wäre es, die EZB würde ihren für 2018 angedeuteten Kurswechsel entschlossener durchführen. Die anziehende Konjunktur in Euroland sowie die sich aufbauenden Risiken würden dies allemal rechtfertigen.

Weihnachten steht vor der Tür

In etwas mehr als fünf Wochen ist Weihnachten und die Kinder überlegen bereits fleißig, was sie alles auf den Wunschzettel schreiben können. Die Spannung steigt somit zunehmend. Auch am Markt für Corporate Bonds ist in diesen Wochen besonders viel los und einige Unternehmen starten bereits jetzt ihre Weihnachtsoffensive. So refinanzierten sich mit British Telecommunications, Toyota Motor Credit, PostNL und Ferrari gleich vier in der Branche bekannte Unternehmen am Kapitalmarkt.

Den Auftakt machte British Telecommunications mit einem 1,1 Mrd. € schweren Bond (A19SLK), der am 21.11.2024 fällig wird. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Zins von 1% ausgestattet und wurde zu 99,263% begeben, was einem Emissionsspread von +62 bps über Mid Swap gleichkam. Der britische Telekommunikationsdienstleister ließ sich eine Make Whole Option sowie ein Kündigungsrecht am 21.08.2024 zu 100% in die Emissionsbedingungen aufnehmen. Die Mindeststückelung wurde auf 100.000 € festgelegt.

Toyota Motor Credit erfreute dabei die Investoren mit zwei Anleihen und einer Mindeststückelung von je 100.000 €. Insgesamt platzierte der Automobilhersteller aus den USA 1,2 Mrd. €. Der 4-jährige Bond (A19SLA) ist am 21.07.2021 fällig und wurde als Zerobond begeben. Emittiert wurde zu 99,81%, was einem Spread von +3 bps über Mid Swap gleichkam. Die zweite Tranche (A19SLB) mit Fälligkeit am 21.11.2024 zahlt dem Investor jährlich 0,625% Zinsen. Der Reoffer lag bei 99,727% (+17 bps über Mid Swap).

Als dritter im Bunde legte der niederländische Postdienstleister PostNL einen 7-jährigen Bond (A19SFZ) mit einem Emissionsvolumen von 400 Mio. € auf. Fällig ist das Papier am 21.11.2024. Der Dienstleister mit Hauptsitz in Den Haag zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt 1% Zinsen p.a. an die Investoren. Der Emissionspreis belief sich auf 99,987%, was einem Spread von +50 bps über Mid Swap entsprach. PostNL ließ sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen und legte die Mindeststückelung auf 100.000 € fest. Des Weiteren ist der Bond seitens des Emittenten am 21.08.2024 zu 100% kündbar.

Zu guter Letzt reihte sich der Arbeitgeber des deutschen Formel 1 Fahrers Sebastian Vettel – Ferrari – ein und begab eine Anleihe (A19SDD) mit einem Volumen von 700 Mio. €. Der italienische Automobilhersteller aus Maranello stattete den Bond mit einem Zins von 0,25% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 16.01.2021 jährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu 99,557% (+45 bps über Mid Swap). Die Anleihe ist ebenfalls mit einer Make Whole Option und einer Mindeststückelung von 100.000 € ausgestattet.

„Central Bank Communications“ vertreibt die Sorgen

Die in dieser Woche abgehaltene Konferenz „Central Bank Communications“ der führenden Notenbanker konnte anscheinend die Gemüter der besorgten Rentenhändler wieder etwas beruhigen. So wurde von den Chefs der Zentralbanken der wichtigsten Industriestaaten immer wieder betont, dass die Transparenz in geldpolitischen Fragen in Zukunft sogar noch ausgebaut werden soll. Somit ist nach Ansicht der Marktteilnehmer ein hinreichendes Frühwarnsystem installiert, was Investoren auf dem ermäßigten Niveau wieder zugreifen ließ.

Noch in der vergangenen Woche wurde mit 163,63% ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt erreicht und Gewinnmitnahmen sowie Absicherungsmaßnahmen ließen das Sorgenbarometer am Dienstag sogar bis auf 161,91% abstürzen. Jedoch konnte die psychologische Marke von 162% nicht nachhaltig unterschritten werden, was zu einer 66%-igen Gegenreaktion (163,06%) führte, die fast punktgenau erreicht wurde.

Dennoch darf auch in den kommenden Tagen ein Test der Unterstützungslinie bei 162,43% nicht ausgeschlossen werden. Mit dem Durchbrechen dieser “Leitplanke“ wäre sogar ein erneuter Test des Bereichs um 162% und ein Rücksetzer bis auf ca. 161,77% möglich. Nach oben blickend verlaufen die Widerstandslinien in der Nähe von 163,06% und 163,40%. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 162,65%.

Bund verdient weiterhin Geld bei der kurzen Refinanzierung

In dieser Handelswoche wurden in den USA lediglich die üblichen T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten im Gesamtvolumen von 128 Mrd. USD aufgelegt und die 10-jährigen TIPS um 11 Mrd. USD aufgestockt.

In der Eurozone hat Italien am Tag vor dem Scheitern ihrer Fußball-Nationalmannschaft noch die Investoren mit der Aufstockung diverser Altemissionen erfreut, bevor am Dienstag die Niederlande (A19C29 / 2027) aktiv wurde. Taggleich und zur Wochenmitte stellte Deutschland mit zwei Emissionen Material zur Verfügung. Zum einen wurden eine neue 2-jährige Bundeschatzanweisung (110470) im Volumen von 5 Mrd. € und zum anderen weitere 3 Mrd. € in der aktuellen 10-jährige Benchmark-Anleihe (110242) im Tenderverfahren angeboten.

Hierbei wurden für die kurzen Titel insgesamt Käufe von ca. 6,1 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,71%. Zur Marktpflege wurde allerdings fast 1 Mrd. € zurückbehalten. Die Anleihe mit Fälligkeit in 2027 hingegen war technisch unterzeichnet, da lediglich Kaufinteresse für nominal 2,97 Mrd. € bekundet wurde. In diesem Fall wurden 525 Mio. € zur Marktpflege umgebucht und die zugeteilte Durchschnittsrendite belief sich auf 0,36%.

Den Schlusspunkt unter eine Woche ohne Rückzahlung, aber mit Neuemissionen für ca. 26 Mrd. €, setzen heute Spanien (A19JJJ / 2021 ; A19P6R / 2022 ; A19KVL / 2027 ; A181RK / 2066) und Frankreich mit 3 Straight Bonds (A1AS9F / 2020 ; A19PMK / 2023 ; A1ZVTR / 2025) sowie 3 Linkern (A18Y73 / 2021 ; A1HGEZ / 2024 ; A18675 / 2047).

Eurostärke auf breiter Front

In der vergangenen Woche hatte der Euro eindeutig das Nachsehen zu seinem Pendant aus den USA. Diese Woche sieht es wiederum ganz anders aus. Wie so oft gilt die Devise, die Börse ist keine Einbahnstraße.

Die Verluste der jüngeren Vergangenheit konnte der Euro in den vergangenen Handelstagen gänzlich wettmachen und stieg auf ein neues Monatshoch bei 1,1861 USD. In der Vorwoche handelte er zeitweise noch bei 1,1554 USD und damit so schwach wie vor gut drei Monaten. Starke BIP-Zahlen für Deutschland und auch für Italien beflügelten die europäische Gemeinschaftswährung. Die Hängepartie um die geplante US-Steuerreform wirkt sich ebenfalls belastend auf den US-Dollar aus. Somit präsentiert sich die Einheitswährung derzeit allgemein stark und notiert heute Morgen weiterhin gut behauptet bei ca. 1,1790 USD.

Eine wahre Berg- und Talfahrt ist beim Pfund-Sterling zu beobachten. Die Brexit-Verhandlungen sowie die aktuelle politische Situation bringen die Währung immer wieder aufs Neue unter Abgabedruck. Konnte das Pfund Anfang November noch bei Kursen von 0,8733 GBP kurz durchatmen, geht der Währung Großbritanniens jetzt wieder die Luft aus. Zur Stunde handelt der Euro knapp unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 0,90 GBP.

Enttäuschende Daten zur Lohnentwicklung und damit sinkende Aussichten auf steigende Zinsen haben den australischen Dollar ebenfalls auf Talfahrt geschickt. Davon konnte der Euro profitieren und stieg kurzzeitig über die Marke von 1,56 AUD und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2016.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in der vergangenen Berichtswoche Bonds lautend auf US-Dollar, australische Dollar, türkische Lira und vereinzelt auch auf südafrikanische Rand sowie russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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