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Author: Klaus Stopp

Vor der Wahl ist nach der Wahl: Stabilität ist bei Börsianern Trumpf

Ohne Frage ist die Bundestagswahl für die deutschen Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung - nicht zuletzt, weil mit der AfD ein bisher nicht gekannter Unsicherheitsfaktor ins Parlament einziehen dürfte. Und Unsicherheit ist nun einmal ein Gift, das die Kapitalmärkte hassen. Sicher scheint, dass Angela Merkels CDU der Sieg nicht mehr zu nehmen ist - vorausgesetzt, die Demoskopen erleben nicht wieder ein Waterloo wie beim Brexit. Auch vor diesem Hintergrund lautet das erste Bürgergebot: Wählen gehen!

Überwiegend dürften die Marktteilnehmer und Börsianer zu einer schwarz-gelben Koalition aus Union und FDP tendieren, etwa weil man sich davon mehr Freiheiten für Unternehmen erhofft. Die Frage ist aber, wie sich eine widerspenstige FDP zur eigenen Profilierung gebärden würde, um nicht wieder wie im Anschluss an die letzte Koalition mit der Union (2009 - 2013) aus dem Parlament zu fliegen. Außerdem verfügt die Partei über eine dünne Personaldecke. Selbst Sympathisanten der Liberalen reden ja hinter vorgehaltener Hand von einer One-Man-Show des Christian Lindner.

Stabilität versprechen sich indessen viele von einer Fortsetzung der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Und das dürften auch die Märkte mögen – vor allem dann, wenn die von der Union in Aussicht gestellten Steuerversprechungen eingelöst werden sollten. Natürlich dürfte es in einer Großen Koalition ein Ringen um die Wiedereinführung der Vermögenssteuer oder eine Anhebung der Erbschaftssteuer geben. Schließlich sorgt auch das Gefühl, dass es gerecht im Land zugeht, für eine nachhaltige Stabilität in der Gesellschaft.

Verbal vorbereitet haben in den vergangenen Tagen Union, FDP und Grüne auch die Möglichkeit einer Jamaika-Koalition - eben ein Bündnis aus diesen drei Parteien. Unter anderem offenbarte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, dass er mit einem wie seinem baden-württembergischen Pendant und Duzfreund Winfried Kretschmann „morgen im Bund koalieren“ könne, wie er der Stuttgarter Zeitung gestand. Immerhin kämen dann mit den Grünen Vertreter an die Regierung, die existenzielle Themen wie die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens oder das Insektensterben stärker ins Licht rücken würden. Schließlich soll das Klimaabkommen auch dazu dienen, die Kapitalströme weg von fossilen Brennstoffen zu lenken.

Unterm Strich sehen Börsianer aber eher gelassen auf die Bundestagswahl. Das liegt auch daran, dass die beiden großen Parteien explizit pro-europäisch sind. Man erinnere sich noch an die jüngsten Wahlen in Frankreich und den Niederlanden, wo die jeweils zweitplatzierte Partei einen scharfen anti-europäischen Kurs vertreten hat. Eine Angst um den Euro kann die Bundestagswahl damit jedenfalls nicht auslösen.

Fed gibt Startschuss für Abbau der Bilanzsumme

In Erwartung der gestrigen Zinssitzung der US-Notenbank Fed hatten sich die Akteure an den Kapitalmärkten in den vergangenen Tagen eher zurückgehalten. Nun hat Notenbank-Chefin Janet Yellen geliefert, indem sie den Startschuss für den Abbau einer enorm aufgeblähten Bilanz gegeben hat.

Schrittweise soll der auf 4,5 Billionen USD angehäufte Bestand an Staatsanleihen abgetragen werden, der nach der Finanzkrise zur Stützung der Wirtschaft gebildet worden war. Ab Oktober soll dieser monatlich um 10 Mrd. US-Dollar reduziert und das Tempo sukzessive bis auf 50 Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Der Abbau des Portfolios gilt nach acht Jahren Aufschwung als ein weiterer Schritt zu einer Normalisierung der Geldpolitik. Die Maßnahme war von der Fed sorgfältig vorbereitet und transparent kommuniziert worden. Daher kam diese Ankündigung für die Märkte nicht überraschend.

Auch mit einer Veränderung des Leitzinses hatte im Vorfeld kaum jemand gerechnet. So hat die Fed den Zielsatz für den Schlüsselzins in der Spanne von 1,0% bis 1,25% belassen. Zuletzt hatte die US-Notenbank Mitte Juni den Leitzins um 0,25% erhöht, was die vierte Erhöhung seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise darstellte. Zwischen Ende 2008 und Ende 2015 verharrte der Zinssatz an der Nulllinie.

Mit Spannung aber war erwartet worden, ob die Fed ein Signal für eine Leitzinsanhebung geben würde. Noch auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole Ende August hatte dies Yellen vermieden. An den Märkten war im Vorfeld der Zinssitzung eine Leitzinserhöhung im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 56% eingepreist worden. Die Prognosen der Fed-Mitglieder deuten nach der gestrigen Sitzung auf eine Anhebung in diesem Jahr sowie auf drei weitere im kommenden Jahr hin.

Besserung der einstigen Sorgenkinder

Sie galten lange als Sorgenkinder der Europäischen Union (EU). Doch nun haben Irland und Portugal wieder bessere Bonitätsnoten erhalten. So hat die US-Ratingagentur Moody’s wegen seiner robusten Wirtschaftsentwicklung das Rating von Irland von zuletzt A3 auf A2 hochgestuft. Der Ausblick sei „stabil“. Moody’s bescheinigt dem Euroland damit eine gute bis befriedigende Bonität. Irland hatte in der Finanz- und Schuldenkrise an der Grenze zur Staatspleite gestanden und war 2010 mit internationalen Geldern gerettet worden. 2014 verließ das Land den Euro-Rettungsschirm wieder und finanziert sich heute selbstständig am Kapitalmarkt.

Einen bedeutenden Schritt hat auch Portugal bei seiner Kreditwürdigkeit gemacht. Für die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) stellen die portugiesischen Staatsanleihen kein Ramsch mehr dar. S&P hob das Rating um eine Note auf BBB- an. Damit hat das Land nach mehr als fünf Jahren wieder das Gütesiegel Investment Grade. Die Ratingagentur begründete dies mit Fortschritten beim Schuldenabbau und bei der Wirtschaftsentwicklung. Der Ausblick für das Euroland ist ebenfalls „stabil“. Damit erwartet S&P auch auf absehbare Zeit keine Veränderung der Lage.

Die beiden anderen Agenturen Moody’s und Fitch sehen Portugal dagegen noch im Ramschbereich, in dem ein Investment als spekulativ gilt. Portugal konnte 2014 nach einer schweren Schuldenkrise ein internationales Rettungsprogramm verlassen. Das Euro-Land hatte insgesamt 78 Mrd. € von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds erhalten.

Heraufgestuft wurde von S&P auch die Kreditwürdigkeit von Zypern. Die Bonitätsnote steigt um eine Stufe auf BB, teilte S&P in London mit. Der Ausblick für das Rating ist positiv.

Ringen um Draghis Nachfolge in vollem Gange

Der Kampf um die Nachfolge von Mario Draghi an der Spitze der EZB ist in vollem Gange. Vor allem Frankreich und Italien sperren sich dagegen, Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf den Posten zu heben. Wie der Spiegel schreibt, hätten die beiden Länder nichts dagegen, einen Deutschen mit der Aufgabe zu betrauen. Aber Weidmann sollte es genau nicht sein. Denn mit seiner Person sei eben eine flexible und pragmatische Krisenpolitik, wie sie der massive Ankauf von Staatsanleihen darstellt, nicht zu machen, fürchten die beiden Südländer.

Dort ist die Skepsis gegenüber Weidmann besonders groß, hat er doch stets auf eine strikte Einhaltung der EU-Schuldenregeln gedrungen und zu große Zugeständnisse an Schuldenländer kritisiert. Ebenso hat sich Weidmann immer wieder gegen Draghis ausgedehnte Anleihekäufe ausgesprochen.

Weidmann selbst hat stets beteuert, für eine zweite Amtszeit bei der Bundesbank zur Verfügung zu stehen. Seine erste endet im April 2019. Draghis Posten wird dagegen erst Ende Oktober 2019 frei. Da erscheint es nicht aus der Welt, Weidmanns Amtszeit auf jeden Fall zu verlängern – auch wenn er später dann doch zur EZB wechseln sollte. Als sein härtester Rivale gilt Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau. Offiziell liegt die Auswahl der Mitglieder des EZB-Direktoriums in den Händen demokratisch legitimierter Gremien - Europäischer Rat, Europäisches Parlament und Eurogruppe – und nicht bei der EZB.

Brexit-Showdown zwischen May und Johnson?

Boris Johnson hat mal wieder provoziert, diesmal die Premierministerin seiner eigenen Partei, Theresa May. Im Daily Telegraph hat der britische Außenminister einen Artikel veröffentlicht, in dem er all jenen, die an der Umsetzung des EU-Austritts zweifeln, die Leviten gelesen hat. Man werde mit der „neuen nationalen Unternehmung mächtig erfolgreich sein“, versicherte er, der selbst ein ausgemachter Brexiteer ist. Und er beklagte sich prompt über zunehmende Bürokratie der EU und deren angeblich mangelnde Flexibilität, um auf britische Wünsche einzugehen.

Und dann schrieb Johnson, dass Großbritannien bei einem Brexit nichts für den Zugang zum Europäischen Binnenmarkt zahlen solle. Das Land werde sich vielmehr nach dem Brexit „die Kontrolle über rund 350 Millionen Pfund pro Woche zurückholen”.

Der Daily Telegraph schrieb bereits von einem „Brexit Showdown“ zwischen May und Johnson, will doch der Außenminister in diesen Tagen von der Premierministerin fordern, keine milliardenschweren Zahlungen an die EU zu leisten. Denn damit greift Johnson, der sich ohnehin für den besseren Premierminister hält, seine Chefin direkt an, die laut Financial Times bereit ist, der EU 20 Mrd. € zu zahlen. Brüssel will allerdings bis zu 100 Mrd. €.

May, die vor Wiederaufnahme der bisher miserabel gelaufenen Brexit-Verhandlungen mit einer Rede am Freitag eigentlich das Heft wieder in die Hand nehmen wollte, ist durch Johnsons Ausführungen desavouiert. Der Independent geht mit Bezug auf hochrangige konservative Abgeordnete sogar soweit, dass Johnson May dazu aufgefordert habe, ihn zu entlassen. Dass diese aber den offenen Konflikt mit ihrem aufmüpfigen Minister scheut, kann als Zeichen der Schwäche von May gedeutet werden.

Doch während in 10 Downing Street noch über die richtige Brexit-Strategie gestritten wird, ist angesichts des nahenden EU-Austritts die Liebe der Briten für Europa wiedererwacht. Jetzt, wo es ans Eingemachte geht, merken sie, wie wichtig die EU ist. Diese These vertritt Thomas Wieser, der Koordinator der Eurogruppe. So europäisch hätten sich die Engländer seit Jeanne d’Arc nicht mehr gefühlt, meint er. Am Ende werde es ohnehin nicht zum Brexit kommen, sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), im Welt-Interview. Der Brexit sei bisher nur verbal vollzogen. Was immer komme, so Börners Erwartung, werde ganz stark abgefedert werden, um die Wirtschaft nicht zu überfordern. So hat eine neue Umfrage von Reuters ergeben, dass ein EU-Austritt Großbritanniens allein bei Banken und Finanzdienstleistern in einem ersten Schritt 10.000 Jobs kosten wird.

Engie mit Dreier Pack

Nicht nur auf dem Markt für Corporate Bonds sind die Unternehmen zurzeit wieder sehr aktiv. Auch der Bund begab erstmalig seit 2 Jahren am gestrigen Mittwoch wieder eine 30-jährige Benchmarkanleihe. Die 2 Mrd. € schwere Emission des Bundes (110243) hat einen Kupon in Höhe von 1,25% p.a. und ist am 15.08.2048 fällig. Es wurden Zeichnungsaufträge über nominal 2,932 Mrd. € abgegeben und davon 1,6306 Mrd. € mit einer Durchschnittsrendite von 1,27% zugeteilt. Der Differenzbetrag von 369,4 Mio. € wurde zur Marktpflege zurückbehalten. Im Bereich der Unternehmensanleihen sammelten Engie, Grenke, Magna und Gecina erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt ein.

Engie legte gleich 3 Bonds mit insgesamt 2 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A19PP1), ein 6-jähriger Bond, ist am 28.02.2023 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 0,375%. Der Emissionspreis lag bei 99,552%, was +17 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 12-jährige Anleihe (A19PP2) mit Fälligkeit am 28.02.2029 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,375% jährlich und konnte zu einem Preis von 99,437% ausgegeben werden. Dies entspricht einem Emissionsspread von +40 bps über Mid Swap. Zu guter Letzt legte Engie eine 20-jährige Anleihe (A19PP3), die am 28.09.2037 fällig wird, auf. Der Kupon beträgt 2% jährlich und das Papier wurde zu 99,089% begeben (+58 bps über Mid Swap). Engie räumte sich bei allen 3 Anleihen jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit ein optionales Kündigungsrecht zu 100% ein. In die Anleihebedingungen wurde zusätzliche eine Make Whole Option für alle Titel aufgenommen und die Mindeststückelung jeweils auf 100.000 € festgelegt.

Ebenfalls gute Umsätze waren in den ersten Handelstagen bei Grenke zu verzeichnen. Der deutsche Finanzdienstleister mit Sitz in Baden-Baden, der im Leasing von Produkten der Bürokommunikation zu Hause ist, konnte mit einem Fix-to-Float Bond (A2GSE4) überzeugen. Das Papier kann ab dem 31.03.2023 jährlich zu 100% durch den Emittenten gekündigt werden. Die 75 Mio. € schwere Anleihe ist bis zum 31.03.2023 mit einem Zins von 7% ausgestattet und im Anschluss richtet sich der Zins nach dem 5-jährigen Euro Swap +670,2 bps. Emittiert wurde zu pari. Die Mindeststückelung legte Grenke mit 200.000 € fest und ist von daher besonders für institutionelle Kunden interessant.

Der Automobilzulieferer Magna sammelte erfolgreich 600 Mio. € am Kapitalmarkt ein. Zinsen werden für den Bond (A19PLJ) bis zur Fälligkeit am 25.09.2027 jährlich in Höhe von 1,5% an die Investoren gezahlt. Begeben wurde der Bond zu 100%, was einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap gleichkam.

Gecina legte einen 11-jährigen 700 Mio. € schweren Bond (A19PPU) mit Fälligkeit am 26.01.2028 auf und zahlt den Investoren jährlich 1,375% Zinsen. Ausgegeben wurde das Papier zu 98,71%, was +60 bps über Bund bedeutete.

Wie Engie ließen sich Magna und Gecina neben einer Make Whole Option ebenfalls 3 Monate vor Endfälligkeit einen optionalen Kündigungstermin zu 100% in die Anleihebedingungen aufnehmen und legten die Mindeststückelung jeweils auf 100.000 € fest.

Notenbanken geben den Takt am Devisenmarkt vor

Zum 184. Mal startete am Wochenende die Münchner Wiesn. Das Oktoberfest beginnt traditionell im September und so fiebern die vielen Besucher aus aller Welt auf diesen Monat hin.

An den Finanzmärkten hingegen warteten die Marktteilnehmer ebenfalls gespannt auf den September, denn mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (Fed) äußerten sich gleich zwei der wichtigsten Notenbanken zu ihrer künftigen Geldpolitik. Mit Blick auf den Devisenmarkt hatten diese beiden Termine ein hohes Potenzial an größeren Kursbewegungen. Jedoch fielen die Reaktionen beim Währungspaar Euro/Dollar bisher nicht gravierend aus. So handelte die Gemeinschaftswährung im September in einer Tradingrange zwischen 1,1838 USD und 1,2092 USD. Nach der Fed-Sitzung am gestrigen Mittwochabend notiert die Einheitswährung heute Morgen etwas schwächer um die Marke von 1,19 USD.

Für etwas mehr Dynamik am Devisenmarkt sorgte in den vergangenen Handelstagen das britische Pfund. So überraschte die Bank of England (BoE) vergangene Woche im veröffentlichten Protokoll ihrer letzten Ratssitzung mit Hinweisen auf eine mögliche Rücknahme des geldpolitischen Stimulus. In Reaktion darauf konnte das Pfund Sterling deutlich zulegen. In der Folge fiel der Euro bis auf 0,87743 GBP zurück, nachdem er Ende August noch oberhalb der Marke von 0,93 GBP gehandelt wurde. Zur Stunde notiert der Eurokurs wieder etwas stärker bei 0,88 GBP.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, türkische Lira und norwegische Kronen im Fokus. Aber auch Bonds lautend auf US-Dollar sowie australische Dollar wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Vorsicht bei Ausweitung der Eurozone geboten

Vielleicht wird EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ja doch noch als Modernisierer in die Annalen der Europäischen Union eingehen. In einer Grundsatzrede vor dem Europäischen Parlament hat der Luxemburger mit seinem Entwurf zur Weiterentwicklung der Gemeinschaft für frischen Wind gesorgt. Allerdings bedarf es dabei einer genauen Betrachtung seiner Vorschläge.

So hat sich Juncker dafür ausgesprochen, dass alle Mitgliedsländer der EU den Euro einführen sollten. Bisher gilt er nur in 19 von 28 Mitgliedsländern als offizielle Währung. Die Staaten, in denen der Euro bislang nicht gilt, sind Bulgarien, Dänemark, Großbritannien, Kroatien, Polen, Rumänien, Schweden, Tschechien und Ungarn. Vor einer tatsächlichen Einführung des Euro in diesen Ländern sollte man deren Budgetsituation genau unter die Lupe nehmen. Eine Ausweitung der Eurozone mag zwar eine Prüfung wert sein, aber in allen verbleibenden Ländern auf einmal den Euro einzuführen, muss doch mit Skepsis betrachtet werden. Nach heutigem Wissen war auch Griechenland nicht reif für den Euro. Den Fehler einer vorschnellen Einführung der Gemeinschaftswährung sollte man also nicht wiederholen. Im Übrigen stellt sich die Frage, ob Länder wie Dänemark und Schweden tatsächlich ein Interesse daran hätten.

Weiter schlägt Juncker vor, bis 2019 Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland abzuschließen, was angesichts der Abschottungstendenzen der USA sinnvoll erscheint. Die Abkommen sollen laut Juncker mit größtmöglicher Transparenz ausgehandelt und nationale sowie regionale Parlamente vom ersten Tag an umfassend informiert werden. Fehler, die man bei TTIP gemacht hat, gilt es zukünftig zu vermeiden.

Zudem schlägt der EU-Kommissionspräsident vor, Investoren aus Drittstaaten künftig genauer unter die Lupe zu nehmen. Dies trifft insbesondere Übernahmen durch chinesische Firmen, die dann strenger geprüft werden können.

Weiter will Juncker in der Flüchtlingskrise legale Migrationswege schaffen und die „skandalöse Situation in Flüchtlingslagern in Libyen“ beenden. Europa sei keine Festung, sagte er, sondern weiterhin ein Kontinent der Hoffnung. Juncker will aber Flüchtlinge ohne Anspruch auf Asyl konsequenter als bisher zurückschicken, damit den wirklich Hilfsbedürftigen geholfen werden könne. Dies sollte helfen, die Akzeptanz des Asylrechts zu erhöhen.

Wenn die EU noch effizienter zu arbeiten vermag, soll es nur recht sein. Dazu beitragen soll die Verschmelzung des Amtes des Ratspräsidenten mit dem des Kommissionspräsidenten - was nur mit Zustimmung des derzeitigen Ratspräsidenten Donald Tusk möglich ist. Juncker selbst käme für das neue Amt nicht mehr in Frage, da er 2019 in den Ruhestand gehen wird.

Zinswende vertagt bis ins Jahr 2018

Ein weiteres Mal hat die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche die Entscheidung vertagt, wann und wie die Zinswende kommen soll. Zwar spricht die niedrige Inflation von rund 1,5% im Euroraum eher für eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik. Doch gleichzeitig gewinnt die Konjunktur in Euroland an Fahrt, was für ein Anziehen der Zügel über höhere Zinsen sprechen würde. Sofern die Teuerungsrate und das Wirtschaftswachstum voneinander entkoppelt bleiben, droht die ultralockere Geldpolitik aber zu einer Überhitzung der Volkswirtschaft zu führen.

Hinzu kommt die anhaltende Forderung seitens der Finanzbranche, die auf eine Zinswende drängt - wovon Draghi sich bisher allerdings nicht beeindrucken ließ. Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte trotz des starken Euro enden, hallt es dem EZB-Präsidenten speziell von deutschen Banken entgegen. Nach Ansicht des Chefs des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, „überzieht die EZB langsam“.

Aktuell bereitet der EZB der kräftige Kursanstieg des Euro Kopfschmerzen, der seit Jahresbeginn mehr als 13% zugelegt hat, wodurch sich Produkte aus dem Euroraum auf dem Weltmarkt verteuern. Weil aber gleichzeitig Importwaren billiger werden, wird die Inflation gedrückt. Für die EZB wird es dann noch schwieriger, ihr Inflationsziel von knapp 2% zu erreichen. EZB-Chef Mario Draghi sitzt also in einer klassischen Zwickmühle.

Vor diesem Hintergrund hat Draghi die Entscheidung über die Zinswende erst mal wieder verschoben – und zwar bis ins kommende Jahr. Erst 2018 dürfte mit einer vorsichtigen Änderung der EZB-Geldpolitik zu rechnen sein. Schrittweise könnte dann die EZB die monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Mrd. € herunterfahren, um im Anschluss die Wirkung zu beobachten. Bis dahin dürfte es keine Erhöhung der Zinsen geben.

Eine solche Wende hat es lediglich in den USA schon gegeben. Deren Notenbank Fed trifft sich am kommenden Donnerstag wieder zu ihrer routinemäßigen Zinssitzung. Größere Entscheidungen sind zwar nicht zu erwarten. Aber dennoch gilt: Nach der EZB ist vor der Fed.

Österreichische Jahrhundertanleihe stark gefragt

Da hat man es in Wien nochmal wissen wollen. Rechtzeitig vor der für 2018 erwarteten Zinswende im Euroraum hat die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur eine Staatsanleihe (A19PCG) am Kapitalmarkt platziert, die erst am 20.9.2117, also in 100 Jahren, zurückgezahlt werden soll. Es ist die erste Anleihe dieser Art, die mit einem hohen Volumen (3,5 Mrd. €) von einem Euroland begeben wurde. Zuvor hatten schon Belgien und Irland wesentlich kleinere Emissionen als Private Placement untergebracht.

Auch Argentinien und Mexiko, also Länder mit einem schlechteren Rating als Österreich, haben bereits „Jahrhundert-Anleihen“ begeben. Frankreich, Spanien oder Italien emittierten dagegen regelmäßig 50-jährige Titel.

Was Wien mit seiner Emission recht gibt, ist der Umstand, dass der Bond, der lediglich einen Kupon von 2,1% hat, deutlich überzeichnet war. So lagen Orders in Höhe von 11 Mrd. € für die Anleihe vor. Das Interesse ist also riesengroß. Dennoch sollte den Anlegern klar sein, dass bei dem Titel mit Kursverlusten zu rechnen ist, wenn sich die Zinsen im Euroraum eines Tages ändern sollten.

Kurios an dieser Neuemission ist nicht nur, dass sich ein Staat wie Österreich für 100 Jahre verschuldet, obwohl er erst vor 99 Jahren gegründet wurde sondern auch in dieser Zeit zweimal zahlungsunfähig war.

Unterhaus in London entmachtet sich selbst

Nur kurz dürfte das Durchatmen von Premierministerin Theresa May gedauert haben, als sie ein Gesetz im britischen Unterhaus durchgebracht hat, mit dem nach dem Brexit ein Rechtsvakuum verhindert werden soll. Denn das Gesetz geht nun in arbeitsreiche Ausschussberatungen, wo 157 Änderungsanträge eingebracht wurden.

Mit dieser Maßnahme wird vorerst der EU-Rechtsbestand in britisches Recht übertragen. Im Anschluss sollen dann Schritt für Schritt alle Bestimmungen, die vom EU-Austritt der Briten betroffen sind, angepasst werden. Da es sich um Tausende von Regelungen handelt, will die Regierung in London die Gesetzgebungsgewalt dafür erhalten. Auf diese Weise entsteht die groteske Situation, dass der EU-Austritt zur Entmachtung des Parlaments führt. Wohlgemerkt, die Brexit-Befürworter hatten diesen mit dem Argument gefordert, dem Parlament seine Souveränität zurückzugeben. Nun aber entmachtet sich das Parlament quasi selbst.

Nicht von ungefähr warf der Brexit-Sprecher der oppositionellen Labour Party, Keir Starmer, der Regierung einen „Griff nach der Macht“ vor. So beschleicht manchen Briten das Gefühl, die Brexiteers wollten den EU-Austritt am Parlament vorbei über die Bühne bringen. Aber wo soll der bestmögliche Brexit, der am wenigsten wirtschaftlichen Schaden anrichtet, denn gefunden werden, wenn nicht im Parlament?

Bewährungsprobe für Macron

Dass seine Popularität unter seinen Reformplänen für den Arbeitsmarkt leiden würde, dürfte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwartet haben. Schließlich zielt sein Vorhaben darauf ab, es den französischen Unternehmen zu ermöglichen, effizienter auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren. Dadurch sollen sie wettbewerbsfähiger und dynamischer werden – und auf diese Weise der französischen Wirtschaft Auftrieb verleihen. Umgekehrt heißt es aber auch, dass Arbeitnehmerrechte beschnitten werden, weshalb es kein Wunder ist, dass Menschen auf die Straße gehen. So haben in Frankreich mehr als 200.000 Menschen gegen die geplante Arbeitsmarktreform demonstriert. Von den größten Gewerkschaften hatte aber nur die linke CGT zu Protesten aufgerufen.

Ob sich Macron mit seiner Reform, die am 22. September verabschiedet werden soll, wird durchsetzen können, ist die eine Frage. Die andere aber dreht sich darum, ob seine Reformen auch tatsächlich von Erfolg gekrönt sein werden und somit einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sinkender Arbeitslosigkeit nach sich ziehen.

Mitentscheidend kann hier die Unterstützung der deutschen Regierung sein, von der manche erwarten, dass sie zusammen mit der Führung in Paris ein Bündel an Neuerungen für die EU entwickeln. Zuvor muss aber der Ausgang der Bundestagswahlen am 24. September und das Bilden der neuen Regierung abgewartet werden.

Vivendi bringt 850 Mio. € schwere 7-jährige Anleihe

Munter ging es in dieser Woche weiter mit der Ausgabe neuer Unternehmensanleihen. So konnten Belden, QuintilesIMS, Vivendi und die Softbank Group erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt einsammeln.

Die Softbank Group legte 2 Bonds mit insgesamt 2,25 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A19PD1), ein 8-jähriger Bond ist am 19.09.2025 fällig und hat einen Kupon in Höhe von jährlich 3,125%, der halbjährlich gezahlt wird. Das Emissionsvolumen beträgt hier 1,5 Mrd. €. Der Emissionspreis lag bei pari, was +256 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 750 Mio. € schwere 12-jährige Anleihe (A19PD2) mit Fälligkeit am 19.09.2029 zahlt dem Anleger halbjährlich Zinsen in Höhe von 4% p.a. und konnte zu einem Preis von 100% ausgegeben werden. Dies entspricht einem Emissionsspread von +300 bps über Mid Swap. Beide Anleihen haben ein optionales Kündigungsrecht jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit.

Vivendi ist der größte französische Medienkonzern und platzierte erfolgreich einen 850 Mio. € schweren Bond (A19N7U) mit Laufzeit bis zum 18.09.2024 am Kapitalmarkt. Vivendi zahlt seinen Investoren einen jährlichen Zins in Höhe von 0,875%. Das Papier wurde zu 99,367% begeben, was einem Emissionsspread von +55 bps über Mid Swap gleichkam. Vivendi legte ein optionales Kündigungsrecht am 18.06.2024 – 3 Monate vor Endfälligkeit – zu pari fest.

Als dritter im Bunde legte das mit IT-Dienstleistungen für den Pharmabereich tätige Unternehmen QuintilesIMS einen 8-jährigen Bond (A19N9R) mit einem Emissionsvolumen von 420 Mio. € auf. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in North Carolina in den USA zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zur Fälligkeit am 15.09.2025 Zinsen in Höhe von 2,875%. Die Zinszahlung teilt sich auf die Monate März und September auf. Der Emissionspreis belief sich auf 100%, was +287 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprach. In die Anleihebedingungen wurden 3 optionale Kündigungsrechte am 15.09.2020 zu 101,438%, am 15.09.2021 zu 100,719% und am 15.09.2022 zu 100% aufgenommen.

Zu guter Letzt reihte sich Belden, ein Unternehmen mit Sitz in den USA welches Lösungen für die Datenübertragung entwickelt, ein und begab eine Anleihe (A19N68) mit einem Volumen von 300 Mio. €. Belden stattete den Bond mit einem Zins von 2,875% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 22.05.2026 halbjährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu pari (+286 bps über Bund). Das Unternehmen räumte sich zusätzlich 3 optionale Kündigungsrechte am 15.09.2020 zu 101,438%, am 15.09.2021 zu 100,719% und am 15.09.2022 zu 100% ein.

Alle Unternehmen ließen sich zusätzlich zu den beschriebenen Kündigungsrechten eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen. Des Weiteren legten sie für alle Bonds die Mindeststückelung auf 100.000 € fest.

Mario Draghi kann den Euro nicht schwächen

Die europäische Gemeinschaftswährung ist nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zurück in der Erfolgsspur. Im Nachgang zur EZB-Ratssitzung verteuerte sich der Euro und konnte erneut Bestmarken erklimmen.

Trotz der kritischen Worte von EZB-Präsident Mario Draghi zur derzeitigen Euro-Stärke stieg die Einheitswährung in der Folge weiter an. So konnte der Euro zum Wochenausklang mit 1,2092 USD sein bisheriges Jahreshoch bei 1,2070 USD (29. August) übertreffen und notierte damit so hoch wie zuletzt im Januar 2015. Die gemeinsame Währung Europas profitiert weiterhin von der Schwäche des Greenback und den politischen Unwägbarkeiten aus Washington. Zudem wirkte sich die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans „Irma“ belastend auf den US-Dollar aus. Der Start in die neue Handelswoche verlief allerdings etwas verhaltener. Der Euro rutschte wieder deutlich unter die Marke von 1,20 USD und notiert aktuell bei 1,1905 USD.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) erwartungsgemäß die Zinsen unverändert beließ, überraschte die Kanadische Zentralbank mit einer Zinserhöhung. Die Notenbank hob den Schlüsselzins um 0,25% auf nun ein Prozent an. Begründet wurde der Schritt mit einer robusten und florierenden Wirtschaft. In der Folge verlor der Euro zum kanadischen Dollar und fiel bis auf 1,44432 CAD zurück, nachdem er Ende August noch bei Kursen von 1,50748 CAD gehandelt hatte.

In der vergangenen Berichtswoche konnte eine leichte Zunahme der Handelsaktivitäten bei den Fremdwährungsanleihen registriert werden. Zu den Favoriten gehörten Bonds lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen, türkische Lira und vereinzelt auch australische sowie kanadische Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

EZB spielt auf Zeit

Heute ist es wieder mal soweit. Die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) treffen sich unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Mario Draghi, um über die weitere Geldpolitik zu beraten und zu beschließen. Die Spannung vor der wie auch immer gearteten Entscheidung wächst, da Super Mario bereits im Vorfeld darauf hingewiesen hat, dass man im Herbst über die Wertpapierankäufe beraten werde. Inzwischen hat der Herbst zumindest aus meteorologischer Sicht bereits begonnen, aber aus der kalendarischen müssen wir noch etwas warten. Solche Gedankenspiele verdeutlichen in besonderer Art und Weise die Einschätzung der Analysten.

Fakt ist, dass das Umfeld für einen Beschluss zugunsten eines beginnenden Taperings nicht ideal ist und man deshalb den Untergrund noch entsprechend präparieren muss. Beim Tennis würde man das als „Zurechtlegen des Gegners“ bezeichnen. Denn schon jetzt bereitet die Aufwertung der gemeinsamen Währung gegenüber dem Greenback (2 ½-Jahreshoch) den Notenbankern Kopfschmerzen - und das könnte sich schnell zu einer Migräne auswachsen. Hat man früher stets bei einem schwachen Euro auf die Bevorteilung Deutschlands verwiesen, so wächst nun bei einer festeren Währung die Angst vor einem Abwürgen der Wirtschaft in den konjunkturell schwachen Ländern. Aber auch im Hinblick auf die nahende Bundestagswahl ist davon auszugehen, dass die EZB-Verantwortlichen noch keine feste Marschroute bekanntgeben werden.

Es wird also weiterhin auf Zeit gespielt. Bei einer anderen Sportart (Handball) wäre schon längst wegen Zeitspiel abgepfiffen worden, aber nicht an den Finanzmärkten. Jedoch wird Mario Draghi heute das Thema nicht einfach totschweigen können. Vielmehr muss er, um seine Glaubwürdigkeit zu erhalten, zumindest einen Ausblick in die nahe Zukunft geben. Doch mit welchen Hinweisen wäre das möglich? Zum Beispiel, dass man in einem ersten Schritt interne Gremien damit beauftragen wird, einen Plan zu erarbeiten, wie die Reduzierung der Wertpapierkäufe schonend für die Finanzmärkte zu gestalten wäre. Denn seitens der EZB möchte man bei der Lockerung der Zügel keine Marktverwerfungen erzeugen. Und um zugleich die mit den Hufen scharrenden Marktteilnehmer im Zaume zu halten, wird man nicht umhinkommen, den Finger zu heben und darauf hinzuweisen, dass man jederzeit in der Lage ist, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen und die Märkte zu zügeln.

Es gilt also auch heute, genau zuzuhören, wenn MD aus Rom kurz nach seinem 70. Geburtstag vor die Presse tritt und uns mit seiner Verklausulierung der Dinge beglücken will.

Die USA im Auge des Hurrikans

Den USA droht weiteres Ungemach. Nach Hurrikan Harvey, der vor allem in der texanischen Stadt Houston verheerende Schäden angerichtet hat, rast nun Irma auf Florida zu. Dieser gefährliche Tropensturm hat bereits mit Spitzenwind-Geschwindigkeiten von bis zu 360 km/h die Urlaubsparadiese St. Barth und St. Martin verwüstet und soll der stärkste Hurrikan sein, der je gemessen wurde. Um allein die Schäden von Harvey zu beseitigen, braucht Texas mindestens 100 Mrd. USD. Eine erste Hilfszahlung in Höhe von knapp 8 Mrd. USD hat US-Präsident Donald Trump bereits beantragt, jedoch wird das nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sein.

Diese Finanzhilfe wäre allerdings problematisch gewesen, weil die USA voraussichtlich Ende September an ihre bisher festgelegte Schuldenobergrenze gestoßen wären. Jedoch wurde der US-Haushaltsstreit in der Nacht auf Mittwoch zunächst entschärft. Präsident Trump, der Unberechenbare, hat sich mit dem Kongress auf eine Zwischenfinanzierung bis zu 15. Dezember des Jahres geeinigt. Damit wurde ein „Government Shutdown” vorerst verhindert! Wäre das nicht gelungen, dann hätte sich die Situation aus dem Jahr 2011 wiederholen können, als langwierige Verhandlungen über die Erhöhung der Verschuldungsgrenze sowie die darauffolgende Abstufung der Bonität der USA zu einem Einbruch des S&P 500 Index um mehr als 15% geführt hatten.

Wahrscheinlich wäre diese Einigung ohne die Naturgewalten Harvey und Irma nicht so schnell möglich gewesen, denn bei diesen Gesprächen wurde auch die Nothilfe für die Opfer des Wirbelsturms Harvey geregelt. Dadurch wurde zumindest neben dem finanziellen Freiraum auch Zeit geschaffen, um neue Regelungen zu treffen, welche die Staatspleite im Dezember verhindern sollen.

Druck wurde hierbei sicherlich auch seitens der Rating-Agentur Moody’s aufgebaut, die nach eigenen Worten mit dem Gedanken spielte, den USA das begehrte „AAA”-Rating zu entziehen. Sollte das Land nur einmal seine Schulden nicht bedienen, wäre die Top-Bonitätsnote nicht mehr zu halten, teilte Moody’s hierzu mit. Es wäre dann auch unwahrscheinlich, dass das Land die Note wieder zurückbekomme, selbst wenn die Probleme gelöst seien.

Wie angespannt die Lage in den USA war, wurde aber auch am Geldmarkt deutlich. Dort musste am Dienstag die US-Regierung bei der Auktion von 4-Wochen-T-Bills einen Anstieg der Renditen von 0,96% in der Vorwoche auf 1,30% hinnehmen. Dies war deutlich mehr als Investoren dafür verlangten, Gelder für 3 Monate (1,02%) oder 6 Monate (1,115%) zur Verfügung zu stellen. Sicherheit bzw. Unsicherheit hat also doch ihren Preis! Nach den jüngsten Ereignissen hat sich die Rendite der 4-Wochen-Gelder wieder bei 1,0654% eingependelt.

Niedrigzins setzt kleine Banken unter Druck

Die Ertragssituation kleiner und mittelgroßer deutscher Banken ist aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase massiv unter Druck geraten. Wie eine Erhebung der Bundesbank ergab, gehen die Institute in den kommenden fünf Jahren von einer starken Belastung von Gewinn und Kapitalrentabilität aus.

Immerhin, laut Bundesbank sind die Institute in Bezug auf die Gesamtrentabilität nicht mehr so pessimistisch wie zuletzt noch vor zwei Jahren. Sie planen vielmehr, ihre Ausstattung mit hartem Kernkapital zu erhöhen und geben sich Fusionen gegenüber aufgeschlossen. Jedoch sei hierbei daran erinnert, dass zwei Lahme nicht wieder gehen und zwei Blinde nicht wieder sehen können.

Folgt man der Studie der Bundesbank weiter, prognostizieren die Banken einen Rückgang ihres Jahresüberschusses vor Steuern im Jahr 2021 von 9% gegenüber dem Wert von 2016. Parallel dazu gehen die Institute von steigenden Bilanzsummen aus, weshalb die Gesamtrentabilität um 16% auf 0,43% zurückgehen dürfte. Bei der vorangegangenen Umfrage im Jahr 2015 hatten Banken und Sparkassen noch mit einem Rückgang von 25% gerechnet.

Unterm Strich bewertet die Bundesbank die deutschen Banken als „überwiegend gut kapitalisiert“. Die Kapitalausstattung der meisten Institute helfe dabei, die negativen Effekte des Niedrigzinsumfelds abzufedern. Und noch lebt man von den Pfründen der Vergangenheit.

Schwellenländer fordern mehr Einfluss

Die als BRICS-Staaten organisierten großen Schwellenländer fordern von Europa und den USA mehr Mitsprache bei welt- und wirtschaftspolitischen Themen. Wie Chinas Präsident Xi Jinping beim jährlichen Gipfeltreffen der fünf Nationen China, Brasilien, Russland, Indien und Südafrika deutlich machte, wolle man in der Weltgemeinschaft künftig kräftiger mitmischen und mehr Einfluss nehmen.

Dazu wollen die BRICS-Staaten stärker als bisher in internationalen Institutionen vertreten sein. Denn Einrichtungen wie die Weltbank würden immer noch zu stark von den USA und Westeuropa bestimmt werden, so ihr Vorwurf. Dass sich die Länder im globalen Umgang nicht immer fair behandelt fühlen, machte auch Xi Jinpings Forderung nach einer gerechteren und vernünftigeren internationalen Ordnung deutlich.

Dabei nutzte er seinen Auftritt für einen Seitenhieb gegen protektionistische Tendenzen in den USA. „Multilaterale Handelsgespräche sind nur unter großen Schwierigkeiten vorangekommen und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens ist auf Widerstand gestoßen“, beklagte Xi Jinping, der bereits beim jüngsten Weltwirtschaftsgipfel in Davos als Verteidiger des freien Welthandels aufgetreten war. Xi Jinping sagte, China werde mit gutem Beispiel vorangehen. Man wolle weiter weltweit investieren und ausländische Investitionen willkommen heißen. Allerdings zieht auch China selbst wegen seiner eigenen Handelspraktiken immer wieder massive Kritik auf sich, weil es ausländischen Investoren den Marktzugang erschwert.

Um der Dominanz des Westens etwas entgegenzusetzen, erwägt der BRICS-Finanzausschuss die Schaffung einer gemeinsamen virtuellen Währung. Daher soll eine BRICS-Kryptowährung entwickelt werden, die dazu beitragen könnte, den US-Dollar und andere Währungen als Handelswährung unter den BRICS-Schwellenländern abzulösen. Die BRICS-Staaten sehen außerdem eine Umstellung ihres Außenhandels auf lokale Währungen mit dem chinesischen Yuan als Leitwährung vor. Die von den BRICS-Staaten 2014 ins Leben gerufene New Development Bank (NDB) soll diesen Prozess anführen.

Die Sommerpause ist vorbei

Endlich, wird sich so mancher Investor denken, neigt sich die Sommerpause dem Ende entgegen und die Unternehmen starten Ihre Aktivitäten in Bezug auf die Begebung von Neuemissionen. Der September hatte sich in den letzten Jahren zu einem besonders starken Emissionsmonat entwickelt und der Auftakt ist vielversprechend. So besorgten sich mit Daimler, Glaxosmithkline Capital, Telefónica Emisiones S.A.U. und Valeo gleich vier in der Branche bekannte Unternehmen frische Gelder am Kapitalmarkt. Wie günstig für CFOs die Refinanzierungsmöglichkeiten momentan sind, verdeutlicht die Tatsache, dass der Pool der Unternehmensanleihen mit Negativrenditen ein Sechs-Monats-Hoch erreichte.

Den Auftakt machte Daimler mit einem 500 Mio. € schweren Bond (A19NY8) der am 13.09.2021 fällig wird. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Zins von 0,20% ausgestattet und wurde zu 99,857% begeben, was einem Emissionsspread von +22 bps über Mid Swap gleichkam. Als besonders attraktiv für Privatanleger kann die von Daimler gewählte Mindeststückelung von 1.000 € angesehen werden.

Glaxosmithkline Capital erfreute die Investoren mit 3 Anleihen mit Laufzeiten von 3, 9 sowie 12 Jahren und einer Mindeststückelung von 100.000 €. Insgesamt platzierte das Pharmaunternehmen aus Großbritannien 2,4 Mrd. € und ließ sich bei allen 3 Anleihen ein optionales Kündigungsrecht jeweils einen bzw. drei Monate vor Laufzeitende zu je 100% einräumen. Der 3-jährige Bond (A19NX8) ist am 12.09.2020 fällig und wurde als Zerobond zu 99,958% begeben, was einem Spread von +12 bps über Mid Swap entsprach. Das optionale Kündigungsrecht ist bei diesem Bond auf den 12.08.2020 und somit einen Monat vor Endfälligkeit datiert. Die beiden weiteren Anleihen sind jeweils drei Monate vor Fälligkeit seitens Glaxosmithkline Capital kündbar. Die zweite Tranche (A19NX9) mit Fälligkeit am 12.09.2026 zahlt dem Investor jährlich 1% Zinsen. Der Reoffer lag bei 99,906% (+35 bps über Mid Swap). Die 12-jährige Anleihe (A19NYA), mit einem Kupon in Höhe von 1,375% jährlich, läuft bis zum 12.09.2029. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,474% (+45 bps über Mid Swap).

Als Dritter im Bunde legte Telefónica Emisiones S.A.U. einen 11-jährigen Bond (A19NYC) mit einem Emissionsvolumen von 1,25 Mrd. € auf. Fällig ist das Papier am 12.01.2028. Der Telekommunikationsdienstleister mit Sitz in Spanien zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt jährlich 1,715% Zinsen an die Investoren. Der Emissionspreis belief sich auf 100,003%, was ein Spread von +90 bps über Mid Swap bedeutete. Telefónica ließ eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen und legte die Mindeststückelung auf 100.000 € fest.

Als Letzter im Bunde reihte sich Valeo ein und begab eine Anleihe (A19NX7) mit einem Volumen von 600 Mio. €. Der französische Automobilzulieferer stattete den Bond mit einem Zins von 0,375% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 12.09.2022 jährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu 99,941% (+25 bps über Mid Swap). Die Anleihe ist ebenfalls mit einer Make Whole Option und einer Mindeststückelung von 100.000 € ausgestattet. Zusätzlich hat Valeo ein Kündigungsrecht für den 12.06.2022 zu pari festschreiben lassen.

Im Zeichen des Roll-Over

Viermal im Jahr müssen sich die Rentenhändler mit einem neuen Kontrakt auseinandersetzen und hierbei den mathematischen Besonderheiten viel Beachtung schenken. So auch in diesem Fall. Am heutigen Donnerstag endet der Handel im alten September-Kontrakt um 12:15 MEZ. Bereits seit Wochenbeginn wurden verstärkt die Future-Positionen in den neuen Kontrakt gerollt. Die Unterschiede zwischen „Neu“ und „Alt“ belaufen sich im Buxl- auf ca. -1,56 BP, beim Bund- auf ca. -2,88 BP, beim Bobl auf ca. -1,62 BP und beim Schatz-Future auf ca. -0,10 BP. In der Vergangenheit hat ein solches Gap oftmals dazu geführt, dass sich der neue Kontrakt aufmachte, den Stand des alten wieder zu erreichen bzw. zu übertreffen.

Doch solche „Bauernregeln“ sind nicht immer verlässlich und deshalb sollte man die Chartanalyse zu Rate ziehen. Die erste Unterstützungslinie verläuft im Dezember-Kontrakt aktuell bei 162,13% und eine weitere bei 161,76%. Nach oben geblickt sind Widerstandslinien bei 162,67 und 163,52% auszumachen. Jedoch sind auch die alten und durchaus bekannten Einflussfaktoren, wie beispielsweise Nordkorea-Konflikt, Außenwert des Euros und nicht zuletzt die Entwicklung an den Aktienmärkten, in den kommenden Wochen die für die Marktentwicklung relevanten Größen. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 162,28%.

Bundesobligation 176 war wieder gesucht

In dieser feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche mussten sich US-Investoren mit der Emission von T-Bills im Volumen von 92 Mrd. USD zufriedengeben. Hierbei wurden die üblichen Laufzeiten aufgelegt und erst in der kommenden Woche stehen auch wieder Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren auf der Agenda.

In Euroland waren mit Frankreich, Deutschland und Spanien drei in der WM-Qualifikation gut positionierte Länder am Kapitalmarkt aktiv und wurden durch ein diesbezüglich fast gescheitertes Österreich ergänzt. Österreich stockte bereits am Dienstag zwei Altemissionen (A19GCS / 2027 ; A0G4X4 / 2037) auf und zur Wochenmitte folgte Deutschland. Für die fünfjährige Bundesobligation Serie 176 (114176) wurden insgesamt Zeichnungsaufträge über nominal 3,937 Mrd. € abgegeben und bei einem angestrebten Aufstockungsbetrag von 3 Mrd. € wurden fast 2,5 Mrd. € mit einer Durchschnittsrendite von -0,36% zugeteilt. Der Differenzbetrag wurde zur Marktpflege zurückbehalten. Am heutigen Donnerstag gesellen sich mit Frankreich und Spanien noch zwei weitere Staaten zu der Gruppe der Emittenten. Paris erhofft sich hierbei Nachfrage nach drei Altemissionen (A19FUW / 2027 ; A18Z4K / 2036 ; A1AJL2 / 2060) und Spanien bei weiteren vier Bonds (A19B40 / 2022 ; A19KVL / 2027 ; A19DZD / 2033 ; A19G01 / 2027). Insgesamt wurden mit diesen Maßnahmen in dieser Woche ca. 17 Mrd. € refinanziert und Rückzahlungen standen keine an.

Franken als Krisenwährung

Die europäische Gemeinschaftswährung konnte ihre jüngste Kursrallye nicht weiter fortsetzen. Nachdem der Euro in der Vorwoche die wichtige Marke bei 1,20 USD überwinden konnte und kurzzeitig gar bei 1,2070 USD gehandelt wurde, konnte er im weiteren Handelsverlauf dieses Niveau nicht mehr halten.

Seit diesem Zeitpunkt bewegt sich die Einheitswährung seitwärts und tritt etwas auf der Stelle. Trotz der weiterhin sehr angespannten Nordkorea-Situation und der damit verbundenen geopolitischen Unsicherheit bewegte sich der Euro in den vergangenen Handelstagen in einer relativ engen Bandbreite zwischen 1,1823 USD und 1,1980 USD. Doch dies könnte sich wieder sehr schnell ändern, denn am heutigen Donnerstag steht turnusgemäß das EZB-Ratstreffen an. So üben sich die Marktteilnehmen in Geduld und warten sehr gespannt auf die anschließende Pressekonferenz und die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi zur künftigen Geldpolitik. In der Folge könnte es am Devisenmarkt zu größeren Marktbewegungen kommen, aber noch handelt der Euro im Vorfeld der heutigen EZB-Sitzung wenig verändert bei ca. 1,1940 USD.

Die sich zuspitzende Lange zwischen Nordkorea und den USA ließen die Anleger in sichere Häfen flüchten. Davon war insbesondere der Schweizer Franken betroffen. Im Vergleich zum US-Dollar konnte der Franken deutlich zulegen und notierte Ende August mit 0,9429 CHF auf einem 12-Monats-Hoch. Zum Euro ist die Entwicklung des Franken genau entgegengesetzt. So stieg der Euro Anfang August bis auf 1,15380 CHF und notierte damit so hoch wie zuletzt am 15. Januar 2015, als die Schweizerische Notenbank (SNB) die Abkopplung des Franken vom Euro bekanntgab. Inzwischen notiert die Einheitswährung allerdings wieder etwas schwächer bei 1,1405 CHF.

Auch die vergangene Berichtswoche war gekennzeichnet durch zurückhaltende Handelsaktivitäten. Hervorzuheben sind trotzdem Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen, australische Dollar sowie russische Rubel, bei denen eine gewisse Umsatztätigkeit zu registrieren war.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Wie würde Obelix sagen?

Bereits Obelix hat immer wieder bei seinem gemeinsamen Besuch mit Asterix bei den Briten darauf hingewiesen, dass die Briten spinnen. Dieser Spruch könnte allerdings inzwischen auch aus dem Munde des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker kommen, der seinen Unmut über die britischen Papiere in puncto EU-Austrittverhandlungen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Besten gibt. Anscheinend haben weder der britische Verhandlungsführer David Davis noch die Premierministerin Theresa May den Ernst der Lage erkannt. Denn von dem eigentlichen Vorhaben, die Hoheit über die eigenen Grenzen zu erhalten und wieder eigenständige Handelsbeziehungen zu allen Staaten der Welt unterhalten zu können, ist man meilenweit entfernt.

Diese Fehleinschätzung wird Großbritannien um Jahre zurückwerfen. Das macht sich bereits jetzt bemerkbar. Das britische Pfund ist auf Talfahrt, die Inflation klettert und vernichtet Kaufkraft. Die Wirtschaft schwächelt und die Banken wenden sich von London ab und verlagern ganze Abteilungen in die EU. Es macht sich also Katerstimmung breit. Noch schlimmer wiegt aber die Erkenntnis, dass in der Rest-EU die Wirtschaft brummt, die Zuversicht der Bevölkerung wächst und weiter kräftig konsumiert wird. Zusätzlich versinkt man aus britischer Sicht in der „Bedeutungslosigkeit“. Wie bei einem Fußballteam versucht man auch bei der EU eine stabile Achse zu installieren, um Halt zu geben! Früher bestand diese Achse aus Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Inzwischen kommt man aber auch ohne die Briten gut zurecht. Und das kann nicht der Anspruch einer ehemaligen Weltmacht sein. Und zu allem „Überfluss“ stehen die 27 EU-Staaten ungewohnt fest zusammen und weichen von ihrer selbst gesteckten Verhandlungsstrategie nicht ab.

Somit wurde auch in der zum Wochenstart begonnenen Verhandlungsrunde immer wieder betont, dass zuerst die Forderungen an Großbritannien final geklärt werden müssen, bevor man sich über die Ausgestaltung der zukünftigen Partnerschaft unterhalten wird. Dieser stufenweise Prozess ist die unabdingbare Forderung der EU. Dem Wunsch von der Insel nach mehr Flexibilität wurde eine Absage erteilt. Denn aus britischen Regierungskreisen verlautete, dass man sich mehr auf die zukünftigen Beziehungen und nicht auf die Scheidungsvereinbarungen konzentrieren sollte. Obelix würde sagen: „Die spinnen, die Briten.”

Wieviel Europa wird uns noch verabreicht?

Nach dem überwältigenden Sieg von Emmanuel Macron bei den Wahlen in Frankreich kommt es nun zu einer echten Nagelprobe seiner Politik. Am heutigen Donnerstag will seine Regierung die Dekrete vorstellen, mit deren Hilfe man die Reform des Arbeitsrechts umsetzen will. Jetzt muss sich zeigen, ob die Bevölkerung nur den jungen, dynamischen Ex-Investmentbanker wollte oder ob sie ihm auch bei der Sanierung des Staatsapparates folgen wird. In sämtlichen Umfragen ist nur von fallenden Beliebtheitswerten die Rede, aber das ist auch nicht verwunderlich. Denn die Veränderung der bisherigen Strukturen wird nicht bei allen Betroffenen auf Gegenliebe stoßen. Diese Mammutaufgabe ist mit einer Haussanierung zu vergleichen. Auch dort kann man nicht sanieren und gleichzeitig in gewohnter Weise weiterleben. Dreck und Staub gehören dazu, wenn man das Haus für die nächsten Jahre so gestalten will, dass man gut aufgestellt ist.

Aktuell hat Frankreich im zweiten Quartal sein Wachstumstempo beibehalten und ist somit zumindest anscheinend auf dem richtigen Weg. Die Frage wird aber sein, ob die Gewerkschaften in Frankreich die notwendigen Reformen mit begleiten oder die Konfrontation mit dem Staat suchen, ohne Rücksicht auf Verluste. Somit wird sich in den kommenden Wochen herauskristallisieren, ob die für Europa so wichtige Achse Deutschland-Frankreich funktionieren kann, denn auch die Ergebnisse der Bundestagswahlen in Deutschland sind noch nicht in trockenen Tüchern.

Dennoch ist davon auszugehen, dass mit Angela Merkel die nächste Stufe der europäischen Integration gezündet wird. So hat sie erklärt, dass sie der Idee von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, den Euro-Rettungsfonds ESM zum europäischen Währungsfonds umzubauen, durchaus etwas Positives abgewinnen kann. Ob dadurch auch der Vorschlag ihres französischen Partners Macron, einen europäischen Finanzminister zu installieren, auf fruchtbaren Boden fallen wird, bleibt abzuwarten.

Das neue Duo „Mercron“ wird uns sicherlich in den kommenden Wochen noch mit so manchen europäischen Anpassungen konfrontieren, die uns sicherlich nicht alle gefallen werden (Brexit, Griechenland, Polen, etc.), welche aber hoffentlich in dieser unruhigen Zeit zur Wahrung des Friedens in Europa beitragen.

Eskaliert der US-Haushaltsstreit?

Zeitlich ist es für den Kongress eine Herausforderung, denn nach dem Ende der Sommerferien bleiben den beiden Kammern nur noch wenige Tage, um das Schuldenlimit anzuheben. Sollte das nicht gelingen, so käme es zu einem technischen Zahlungsausfall. Doch die Erhöhung erlaubt der Regierung nicht automatisch, neue Ausgaben zu tätigen. Lediglich bereits vorher vom Kongress abgesegnete Ausgaben wären von einer solchen Entscheidung gedeckt. Da D.T. oftmals bzw. eigentlich immer solche Regeln nicht akzeptiert, hat er bereits jetzt mit einem „Government Shutdown“ gedroht, falls die von ihm gewünschten Gelder für den Bau der Mexiko-Mauer nicht bewilligt werden.

Die Ratingagentur Fitch hat für diesen Fall bereits damit gedroht, das AAA-Rating für die USA zu überprüfen. Im Gegensatz hierzu scheint Standard & Poor’s nicht gewillt zu sein, das bereits 2011 entzogene erstrangige Rating nochmals abzusenken. Dennoch warnt auch sie vor den dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Auswirkungen. Nach neuesten Berechnungen würde das Bruttoinlandsprodukt infolge des Shutdown wöchentlich um ca. 0,2% abschmelzen. Es wäre also besser, wenn eine Lösung gefunden würde.

Doch in Anbetracht der Tatsache, dass im Senat 60 Stimmen benötigt werden, um die Erhöhung zu beschließen und nur 52 Republikaner vertreten sind, werden mindestens 8 Demokraten den Antrag unterstützen müssen. Somit ist der Konflikt vorprogrammiert, denn ohne Gegenleistung wird es wohl nichts werden. Die einzige, zumindest vorübergehende Lösung wäre eine kurzfristige Anhebung des Schuldenlimits mit einem vorläufigen Haushaltsgesetz (Continuing Budget Resolution), um die Arbeitsfähigkeit der Regierung für das am 1. Oktober beginnende neue Fiskaljahr sicherzustellen.

Man darf gespannt sein, ob aber nicht die Demokraten die einmalige Chance sehen, sich für die vielen Demütigungen gegenüber ihrem Präsidenten Barack Obama zu revanchieren und zugleich bei der Demontage von Donald Trump mitzuwirken.

Wien nimmt sich Berlin als Vorbild

Mitte Oktober finden in Österreich vorgezogene Parlamentswahlen statt und seit Außenminister Sebastian Kurz den Vorsitz in der konservativen Volkspartei (ÖVP) übernommen hat, kann man sich der Zustimmung der Mehrzahl der österreichischen Bevölkerung sicher sein.

Das ist kein Zufall, denn oftmals trifft Sebastian Kurz mit seinen Kommentaren und Forderungen den Nagel auf den Kopf und spricht den Menschen aus dem Herzen. So geschehen in der Flüchtlingskrise, aber auch im Falle des Möchtegern-Sultans, Erdogan. Doch der Vorteil von Jungpolitikern ist auch, dass man nicht allzu häufig mit Altaussagen konfrontiert wird und darüber hinaus sich bei den Kollegen Anregungen nehmen darf, beispielsweise beim Eindämmen der Staatsschulden. Dazu möchte man analog zum deutschen Vorbild eine Schuldenbremse in der Verfassung verankern. Ziel soll sein, den Schuldenstand von 85% des BIPs zu reduzieren und sogar mittelfristig die geforderten 60% (Maastricht-Kriterien) zu erreichen.

Darüber hinaus verdeutlicht die Forderung nach einem Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und eine Harmonisierung des Mehrwertsteuersystems die geistige Verbundenheit zwischen Wien und Berlin. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bundestagswahl in ca. 3 Wochen nicht nach dem Vorbild Österreichs wiederholt werden muss. Damals hatten nicht richtig verschlossene Briefumschläge dazu geführt. Aber man muss nicht immer alles kopieren!

Jackson Hole und die Bankenregulierung

So kann man sich täuschen. Weder Janet Yellen noch Mario Draghi äußerten sich bei den Beratungen in Jackson Hole zu der zukünftigen Geldpolitik ihrer Häuser. Denn man hatte ein ganz anderes Thema auf der Agenda, die Bankenregulierung. Die beiden wichtigsten Notenbanker warnten eindringlich davor, die infolge der Finanzkrise ins Leben gerufene Bankenregulierung aufzuweichen. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass protektionistische Aussagen das hart umkämpfte Konstrukt der globalen Wirtschaftskooperation gefährden. Ohne den US-Präsidenten namentlich zu erwähnen, wussten alle Konferenzteilnehmer, dass viele Warnungen in direktem Zusammenhang mit Äußerungen der neuen US-Regierung zu sehen sind.

In Ermangelung der Hinweise zur weiteren Notenbankpolitik ist man im Vorfeld der im September anstehenden Sitzungen bei der EZB (7.9.) und bei der Fed (19. und 20.9.) darauf angewiesen, sich selbst eine Meinung zu bilden und sich entsprechend zu positionieren.

Die Pipeline ist gefüllt

Am Primärmarkt für Corporates Bonds ist es immer noch sehr ruhig. Allerdings stehen mit Ingenico Group, John Deere, Carlsberg und Asahi Group bereits vier Unternehmen in den Startlöchern. Der September war in den vergangenen Jahren stets ein emissionsstarker Monat und das macht den Händlern sowie den Investoren Mut. Doch das ist noch Zukunftsmusik und deshalb können wir heute lediglich auf ein Unternehmen verweisen, das sich aus der Deckung wagte.

Das dänische Unternehmen ISS Global versteht sich als Generalunternehmer im Bereich Facilitymanagement und platzierte erfolgreich einen 600 Mio. € schweren Bond (A19NHW) mit Laufzeit bis zum 31.08.2027. ISS Global zahlt seinen Investoren einen jährlichen Zins in Höhe von 1,5%. Das Papier wurde zu 99,908% begeben, was einem Emissionsspread von +70 bps über Mid Swap gleichkam. Der Dienstleister mit Sitz in Kopenhagen ließ sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen und legte die Mindeststückelung auf 100.000 € fest.

Risikoaversion zündete nächste Stufe

Die Raketentests Nordkoreas haben aufgrund der Risikoaversion der Anleger auch das Rentenbarometer abheben lassen. Somit wurde eine Woche vor dem Roll-Over mit 165,69% ein neues „Neunwochen-Hoch“ markiert und die Rendite der 10-jähriger Bundesanleihen hat sich seit dem 27. Juni (0,597%) fast halbiert (0,338%).

Vor dem Hintergrund sehr volatiler Märkte lohnt sich ein Blick auf die Charttechnik. Hierbei ist zu registrieren, dass der aktuelle Aufwärtstrend ungebrochen ist (164,93%) und somit auch ein Überschreiten der Marke bei 165,69% nicht ausgeschlossen werden kann. Jedoch steigen und fallen die Rentennotierungen infolge der neuesten Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. Niemand kann vorhersagen, wie und ob diese beiden „Alpha-Männchen“ positiv beeinflusst werden können und es folglich zu einer Deeskalation kommen kann. Vielleicht sollte man dem einen seinen Twitter-Account und dem anderen seine Raketen wegnehmen. Doch das wird nicht funktionieren und somit wird uns die spiegelbildliche Entwicklung zwischen Aktien- und Rentennotierungen noch einige Zeit beschäftigen. Denn jede neue „Wasserstandsmeldung“ wird bei den Marktteilnehmern Ängste oder Hoffnungen begründen, was sich in der Kursentwicklung niederschlägt.

Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei ca. 165,02% und somit immer noch über der sich seit einem Monat herausgebildeten unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends.

Geringes Interesse an neuen Schätzen

Endlich konnten in dieser Handelswoche die Investoren in den USA wieder aus einer größeren Palette von US-Staatspapieren auswählen. Angeboten wurden neben den üblichen T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei und sechs Monaten im Gesamtvolumen von 97 Mrd. USD auch noch T-Notes mit Fälligkeiten in 2019, 2022 und 2024 für insgesamt 88 Mrd. USD.

In der Eurozone hingegen war lediglich Italien am Kapitalmarkt aktiv und die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland refinanzierte mittels einer neuen Bundesschatzanweisung etwas über 4 Mrd. €. Das Emissionsvolumen des 2-jährigen Titels (110469) beläuft sich zwar auf 5 Mrd. €, allerdings wurden nur Gebote für 4,665 Mrd. € abgegeben. Somit spricht man von einer technischen Unterzeichnung. Die Zuteilung von nominal 4,03 Mrd. € erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,74% und die restlichen 970 Mio. € wurden zu Marktpflegezwecken zurückbehalten. Gegenüber der vor vier Wochen durchgeführten Auktion hat allerdings - trotz Krisenmodus an den Finanzmärkten – die Bereitschaft der Investoren, sich in diesem Laufzeitsegment zu engagieren, nachgelassen.

Die Euro-Rally geht weiter

Die europäische Gemeinschaftswährung setzt ihren Aufstieg fort und befindet sich mittlerweile seit Monaten nur noch auf der Siegerstraße.

So konnte der Euro im Laufe dieser Woche erstmals seit Anfang 2015 die psychologisch wichtige Marke von 1,20 USD überwinden. Anlass dieses rasanten Anstiegs waren die jüngsten Raketentests Nordkoreas. Die Märkte reagierten mit großer Sorge auf die neusten Provokationen und die Unsicherheit war merklich spürbar. Dies hatte negative Auswirkungen auf den US-Dollar und unsere Einheitswährung konnte davon profitieren. In der Folge kletterte diese am Dienstag bis auf 1,2070 USD. Es scheint so, als ob der Euro im Augenblick als neuer sicherer Hafen angesehen wird. Allerdings konnte sich der Eurokurs nicht lange oberhalb der Marke von 1,20 USD halten, denn bereits am Mittwochnachmittag setzten Gewinnmitnahmen infolge aufkeimender Hoffnung auf eine Deeskalation ein und drückten den Devisenkurs wieder unter die Marke von 1,19 USD.

Dennoch ist die Gemeinschaftswährung in diesem Jahr bisher um mehr als 15% gestiegen, was seit der Einführung im Jahre 1999 einmalig ist. Zur Stunde handelt der Euro bei 1,1885 USD.

Die anhaltenden schwierigen Brexit-Verhandlungen haben auch in dieser Woche dazu beigetragen, dass sich das britische Pfund erneut abschwächte. So kostete der Euro im High 0,93067 GBP und war damit nochmals teurer als in der Vorwoche (0,92364 GBP).

Die Handelsaktivitäten bei den Währungsanleihen bleiben aufgrund der noch vorherrschenden Urlaubszeit überschaubar. Trotzdem verzeichneten Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie norwegische Kronen eine gewisse Umsatztätigkeit.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Bescherung in Jackson Hole?

Die führenden Notenbanker ziehen sich vier Monate vor Heiligabend nach Durchschreiten der Zinstäler in die Berge zurück, um sich über die weitere Zinspolitik auszutauschen. Am heutigen Donnerstag werden die Beratungen beginnen und mit Spannung wird erwartet, ob am morgigen Freitag die beiden Hauptredner Janet Yellen und Mario Draghi (gegen 16:00 Uhr bzw. 21:00 Uhr unserer Zeit) etwas Wegweisendes bekanntgeben. Vor drei Jahren hat Super-Mario vor diesem Kreis die ersten Hinweise zum Anleihenkaufprogramm verlauten lassen und nicht wenige Marktbeobachter erhoffen sich jetzt die passenden Andeutungen zum Ende von QE. Doch hierbei scheint eher der Wunsch der Vater des Gedanken zu sein!

Insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden juristischen Überprüfung des EZB-Anleihenkaufprogramms durch die Luxemburger Richter vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) wird Mario Draghi bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen unterstreichen. Zumal bereits Ende Juli die 2 Billionen-Grenze gerissen wurde. Die Karlsruher Richter sehen zwar einen möglichen Verstoß gegen das EU-Verbot der monetären Staatsfinanzierung sowie ein Überschreiten des EZB-Mandats, aber bereits bei vorherigen EuGH-Überprüfungen wurde der EZB die TÜV-Plakette nicht verweigert. Somit stellt sich lediglich die Frage, wie lange wir auf die Luxemburger Entscheidung warten müssen. Wahrscheinlich wird zu diesem Zeitpunkt das QE-Programm bereits beendet sein. Dennoch wird man in dem Redetext des EZB-Präsidenten nach Hinweisen auf die weitere Geldpolitik und das bevorstehende Tapering suchen und diese sicherlich mit viel Phantasie auch finden. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat im heute veröffentlichten Börsenzeitung-Interview seine Ideen bereits kundgetan und die Antwort darauf werden wir am Freitag aus den USA vernehmen dürfen.

Nicht anders wird es auch Janet Yellen ergehen, die wahrscheinlich zum letzten Mal in diesem Kreis die US-Notenbankpolitik erläutern darf. Ob allerdings Gary Cohn, der von D.T., dem Unberechenbaren, als neuer Chef der Fed in Erwägung gezogen wurde, für dieses Amt zur Verfügung stehen wird, ist nach den politischen Turbulenzen im Weißen Haus alles andere als gesichert. In ihrer mit Spannung erwarteten Rede wird die Fed-Chefin sicherlich zuerst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA bewerten und dann einen Blick in die Zukunft wagen. Im Sitzungsprotokoll zur FOMC-Sitzung vom 25./26. Juli war zu lesen, dass im Gremium Uneinigkeit über die zinspolitische Reaktion auf die Inflationsschwäche herrscht. Manche Beobachter sprechen sogar von einer Patt-Situation und deshalb erhofft man sich von der Rede am Freitag Klarheit bezüglich der Einschätzungen durch die Fed-Präsidentin. Nicht wenige Marktteilnehmer erwarten für die kommende Fed-Sitzung (19./20. September) nur die Veröffentlichung des Fed-Fahrplans zum Bilanzabbau. In den nächsten Monaten hätte man dann die Möglichkeit, die Inflationsentwicklung zu beobachten. Da ein sprunghafter Anstieg nicht zu erwarten ist, wird es erst im Frühjahr zu einem erneuten Drehen an der Zinsschraube kommen. Man darf in diesem Zusammenhang aber gespannt sein, wer diese Entscheidung bekanntgeben und erläutern wird.

Stillstand in der „Causa Brexit“

Auch fünf Monate nach dem „Einreichen der Scheidungspapiere“ sind keinerlei Ergebnisse bei den Gesprächen über den Austritt Großbritanniens aus der EU sichtbar. Ursprünglich hatte man den Oktober ins Auge gefasst, um sich erneut gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Jedoch wurden bisher keine ausreichenden Fortschritte erzielt, so dass eine Verzögerung bis in den Dezember hinein als durchaus möglich erscheint. Der ursprüngliche Zeitplan wird nur noch schwerlich zu halten sein und folglich kann ein ungeordneter Brexit nicht ausgeschlossen werden. Die Meinungsverschiedenheiten in der britischen Regierung über die Strategie beim EU-Austritt konnten zwar beigelegt werden, aber ob die anderen EU-Staaten mit den angekündigten Arbeitspapieren einverstanden sein werden, muss sich erst noch erweisen. Denn u.a. muss auch der Grenzverkehr zwischen Irland und Nordirland sowie die Höhe der Abschlagszahlung geregelt werden und das sind nur zwei unter vielen zu lösenden Tagesordnungspunkten.

So warnte zuletzt auch der oberste Richter Großbritanniens David Neuberger davor, dass nach dem EU-Austritt Grauzonen im Recht entstehen würden. Er fordert eine klare Stellungnahme wie zukünftig Urteilssprüche des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu deuten seien. Darüber hinaus wächst die Unsicherheit in der Bevölkerung von Tag zu Tag und nicht wenige Briten sehen in dem Schweigen des Big Ben ein weiteres Zeichen, dass in Großbritannien seit dem Referendum nichts mehr ist, wie es früher einmal war. Die Renovierungsarbeiten am Elisabeth Tower sollen vier Jahre andauern und nur zu wenigen Anlässen wird das Schweigegelübde gebrochen werden. Jedoch besteht die Hoffnung, dass 2021 die Gespräche über den EU-Austritt abgeschlossen sein werden und spätestens dann das Wahrzeichen den Briten wieder anzeigen kann, was die Stunde geschlagen hat.

D.-T. geht bald das Geld aus

In Deutschland wird man immer stärker mit dem Countdown zur Bundestagswahl konfrontiert, aber zur fast gleichen Zeit steht in den USA die Anhebung der Schuldenobergrenze auf der Agenda. Nach den Berechnungen des US-Finanzministers Steve Mnuchin wird dem Fiskus am 29. September das Geld ausgehen. Das Ansinnen, ein entsprechendes Gesetz noch vor den Sommerferien zu verabschieden, war allerdings gescheitert und somit bleibt nur noch wenig Zeit, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Denn Ende des kommenden Monats sind die Gehaltszahlungen an sämtliche Bundesbedienstete und kurze Zeit später auch noch die Rentenzahlungen sowie die Überweisungen an die gesetzliche Sozialversicherung zu leisten. Am 5. September tritt der Kongress nach seiner Sommerpause wieder zusammen, aber obwohl die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit haben, ist der Ausgang der Abstimmung völlig offen.

In dem aktuellen politischen Umfeld in den USA wird dieses Thema für die Regierung unter Donald Trump inzwischen zu einer echten Herausforderung. Bereits seit März wird der „Laden” mittels buchhalterischer Tricks am Laufen gehalten. Zwar hat man sich schon in Vorgesprächen mit dem Direktor der Budgetbehörde Office of Management and Budget (OMB), Mick Mulvaney, für eine „saubere“ Anhebung des Limits ausgesprochen, aber nach den diversen Rücktritten von D.T.-Beratern und dem Auflösen verschiedener Gremien mehren sich die Zweifel an der Durchsetzungskraft der US-Regierung. Die Zeit ist knapp bemessen und noch reagieren die Märkte nicht auf diesen Unsicherheitsfaktor. Manchmal hat man allerdings auch den Eindruck, dass infolge der sich in Washington überstürzenden Ereignisse, nicht alle Politiker sich der langsam zuspitzenden Haushaltssituation bewusst sind. Jedoch tickt die Uhr unbarmherzig vor sich hin.

Sollte die üblicherweise zu erwartende Einigung in einem Eilverfahren im Kongress scheitern, so hätte Donald Trump zumindest mit einer vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit Amerikas zu kämpfen und könnte seiner „Liste der Fehlschläge“ einen weiteren Punkt hinzufügen. Bei fast 20 Billionen US-Dollar an Schulden wäre ein dramatischer Wertverlust der amerikanischen Währung die logische Konsequenz und auch eine erneute Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen kann nach der gestrigen Verlautbarung seitens der US-Agentur Fitch nicht ausgeschlossen werden. Ob er es schaffen würde, diese Tatsache ebenfalls der ungeliebten Presse in die Schuhe zu schieben, bleibt abzuwarten.

Neue Vorboten einer Finanzkrise?

Mit dem Slogan „America First“ und mit seiner vollmundigen Ankündigung Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen hat Donald Trump vielen in der US-Bevölkerung aus dem Herzen gesprochen. Nicht zuletzt mit solchen Aussagen wurden viele US-Verbraucher animiert, den privaten Konsum anzukurbeln. Die Stimmung am Arbeitsmarkt ist grundsätzlich so gut wie seit langem nicht mehr und die Kommentare der Notenbanker zielen in die gleiche Richtung. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die US-Haushalte mit ihren Kreditkarten so tief in der Kreide stehen wie noch nie. Im Februar des Jahres wurde erstmals seit 2008 wieder die Schwelle von einer Billion US-Dollar durchbrochen und die US-Notenbank vermeldete vor kurzem mit 1,021 Bill. USD sogar ein neues Allzeithoch.

Grundsätzlich freuen sich die US-Banken über eine Ausweitung der Kreditkartenschulden und hierbei fürchtet man sich auch nicht vor den sogenannten Premiumkunden der Kreditkartenbetreiber. Jedoch haben inzwischen immer mehr Kunden mit einer geringeren Kreditwürdigkeit ihr Konsumverhalten verändert und bringen die Kreditkarten verstärkt zum Einsatz. Nach einer Auswertung der Ratingagentur Fitch hat sich dies bereits im 2. Quartal negativ auf die Ausfallquoten der größten Anbieter ausgewirkt. Im Durchschnitt wurden demnach Abschreibungen auf 3,29% der Kreditkartenportfolios vorgenommen. Auch dabei handelt es sich, um den höchsten Wert seit vielen Jahren.

Doch nicht nur in den USA gibt es erste Anzeichen einer neuen Krise. Auch in Kanada und hierbei insbesondere in Toronto deutet sich eine Überhitzung des Immobilienmarktes an. Nach der jüngsten Leitzinserhöhung durch die kanadische Notenbank, die erste seit 2010, haben sich die Konditionen für Kaufinteressenten deutlich erhöht. Zugleich ist die Erwartungshaltung bezüglich eines weiteren Preisanstieges auf null gesunken, was bei ausgewählten Wohnobjekten in Toronto bereits zu deutlichen Abschlägen führte. Ob es sich hierbei um Anzeichen für das Platzen der Immobilienblase in Kanada oder nur um eine Überreaktion einzelner Marktteilnehmer handelt, kann jetzt noch nicht beurteilt werden. Aber auszuschließen ist die erste These nicht, denn als vor 10 Jahren der US-Immobilienmarkt in sich zusammenbrach, hat das in Kanada nicht zu fallenden Immobilienpreisen geführt, sondern sogar zu steigenden. Die Krise ist also damals an Kanada spurlos vorbei gezogen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist man jetzt besonders sensibilisiert bei diesem Thema.

Ein Silberstreif am Horizont

Nach vielen Wochen der Zurückhaltung am Primärmarkt für Corporate Bonds wurde in dieser Woche ein Silberstreif am Horizont wahrgenommen. Die Finanztochter des größten Baustoffhändlers der Welt Holcim Finance hat sich für 12 Jahre die aktuellen Konditionen gesichert und eine Anleihe (A19NG8) im Volumen von 750 Mio. € aufgelegt. Die am 29.08.2029 endfällige und mit einem jährlichen Kupon von 1,75% ausgestattete Gattung wurde mit 98,774% gepreist, was einem Emissionsspread von +85 bps über Mid Swap entsprach. Bei einer Mindeststückelung von 100.000 € ist die mit einer Make Whole Option ausgestattete Anleihe eher für institutionelle Anleger von Interesse.

In diesem Zusammenhang ist auch sicherlich erwähnenswert, dass europäische Konzerne aus Angst vor einer kontraktiven Geldpolitik seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Wege beschreiten. So haben sich unter anderem die Deutsche Bahn, Vodafone und die Deutsche Telekom in anderen Währungen verschuldet und diese Titel verstärkt über Privatplatzierungen asiatischen Investoren angeboten. Verschiedene Firmenchefs schätzen demnach die Gefahren des geldpolitischen Wechsels, der für das kommende Jahr erwartet wird, als so hoch ein, dass man sich jetzt noch die günstigen Refinanzierungskosten sichern möchte. Auch will man dadurch vermeiden, zukünftig unter einer fehlenden Liquidität zu leiden, die oft im Zusammenhang mit kontraktiven Schritten entsteht.

Wer früher steigt ist länger oben

Hatten sich die Marktteilnehmer Anfang Juli noch im Korrekturmodus gewähnt, so muss man inzwischen zugestehen, dass dies der Beginn einer Wiederauferstehung war. Hervorgerufen durch die unterschiedlichsten Ereignisse hat das Rentenbarometer seit diesen Tagen mehr als vier volle Punkte zugelegt. Totgesagte leben halt doch länger oder in Anlehnung an die Filmkomödie von Marcus H. Rosenmüller: „Wer früher steigt ist länger oben“.

Im Vorfeld der heute beginnenden Sitzung in Jackson Hole werden keine neuen Risiken eingegangen und somit die relevanten Positionen neutralisiert. Die politische Unsicherheit in den USA, der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea sowie die Angst vor neuen Terroranschlägen lässt die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen. Die logische Konsequenz ist in solchen Zeiten die Flucht in den sicheren Hafen. Charttechnisch ist aktuell noch Luft bis knapp über die Marke von 165%, aber mit den entsprechenden Meldungen ist auch ein Überschießen durchaus vorstellbar. Weitere Widerstandslinien verlaufen bei 165,40% und knapp über 166%. Doch auch in solchen Phasen ist es wichtig, die Unterstützungslinien zu kennen. Die erste signifikante verläuft bei ca. 163,80% und die nächste bei ca. 162,99%.

Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei ca. 164,73% und somit nur noch knapp unter der psychologisch wichtigen 165er Marke.

Allein auf weiter Flur

In den USA bleibt auch in dieser Handelswoche alles beim Alten und somit wurden die üblichen Geldmarkttitel im Volumen von 102 Mrd. USD mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten neu aufgelegt. Abgerundet wird das Emissionspaket heute mit einer 2-jährigen Floating Rate Note über 13 Mrd. USD und einer 5-jährigen inflationsindexierten T-Note über 14 Mrd. USD. In der kommenden Woche werden den Investoren neben den T-Bills noch T-Notes mit Endfälligkeiten in zwei, fünf und sieben Jahren angeboten.

In Euroland ist man von einer Normalität am Primärmarkt noch weit entfernt und lediglich die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland hat am gestrigen Mittwoch die aktuelle 10-jährige Bundesanleihe (110242) um 3 Mrd. € auf nunmehr insgesamt 11 Mrd. € aufgestockt. Die Nachfrage übertraf das Angebot nur geringfügig (3,086 Mrd. €) und die Zuteilung erfolgte bei einer durchschnittlichen Rendite von 0,41%. Zur Marktpflege wurden insgesamt 560,9 Mio. € zurückbehalten.

Der Höhenflug des Euros

Dieser Tage war in Teilen der Vereinigten Staaten ein seltenes Schauspiel zu beobachten, eine totale Sonnenfinsternis. Dieses für Deutschland erst wieder im September 2081 anstehende Ereignis ist symptomatisch für den Zustand der US-amerikanischen Währung. Man kann zwar nicht behaupten, dass beim US-Dollar die Lichter ausgehen, aber gegenüber seinem Pendant aus Europa ist er nicht auf der Sonnenseite anzutreffen und hat ganz klar das Nachsehen. In unserer Sommerpause hat die europäische Gemeinschaftswährung ihren Aufwärtstrend weiter fortgesetzt und einen neuen Höchststand bei 1,1910 USD. erreicht. Dies ist der höchste Wert seit Januar 2015. Innerhalb weniger Wochen hat die Einheitswährung demnach über zehn Prozent aufgewertet. Denn noch Mitte Mai kostete ein Euro rund 1,08 USD. Inzwischen hat sich der Devisenkurs seit einigen Tagen um die Marke von 1,18 USD eingependelt. Neue Impulse erwarten sich die Marktteilnehmer von dem heute beginnenden Treffen in Jackson Hole, denn mit Mario Draghi und Janet Yellen äußern sich gleich die beiden wichtigsten Notenbank-Chefs. Im Vorfeld dieses Treffens handelt der Euro heute Morgen wenig verändert bei ca. 1,1800 USD.

Ganz dunkle Wolken ziehen ebenfalls über der Währung des Königreichs Großbritannien auf. Das britische Pfund präsentiert sich ganz schwach und steht wegen den Brexit-Verhandlungen massiv unter Druck. So kostete der Euro am gestrigen Mittwoch zwischenzeitlich 0,92364 GBP und erreichte damit den höchsten Stand seit 2009. Ausgenommen ist hierbei der „Flash-Crash“ beim Pfund Sterling im vergangenen Oktober, als die Währung kurzzeitig überproportional stark zum Euro abwertete und vorübergehend bei 0,9415 GBP gehandelt wurde.

Die Sommerpause ist noch merklich spürbar und somit sind die Handelsaktivitäten dementsprechend übersichtlich. Der Flaute zum Trotz engagieren sich einige Privatanleger in Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, südafrikanische Rand sowie norwegische Kronen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Janet Yellen mit der Geldpolitik der ruhigen Hand

Mit der gestrigen Veröffentlichung des Fed-Beschlusses endete ein zweiwöchiger Zeitraum mit Leitzinsentscheidungen der vier wichtigsten Notenbanken. Nachdem die Bank of Japan (BoJ), die Bank of England (BoE) und die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihren Sitzungen die Beibehaltung der Leitzinsen beschlossen hatten, wurde auch von den amerikanischen Notenbankern keine Änderung der Zinspolitik erwartet. Vielmehr richtete sich das Augenmerk der Beobachter auf einen erhofften Hinweis bezüglich des Zeitpunkts für den Einstieg in die Bilanznormalisierung. Die gestern hierzu gewählte Formulierung „baldmöglichst” ist allerdings alles andere als konkret und somit rückt der Termin der nächsten Fed-Sitzung am 20. September wieder in den Mittelpunkt des Interesses.

Der zusätzliche Hinweis, dass auch weiterhin die auslaufenden Anleihen ersetzt werden, dämpft aber die Hoffnung auf eine baldige Reduzierung der Bilanzsumme, die in den Jahren seit der Finanzkrise auf 4,5 Billionen US-Dollar angestiegen ist. Zugleich betonte Janet Yellen die Notwendigkeit schrittweiser Zinserhöhungen, da die konjunkturelle Entwicklung diese zulasse. Doch die Erwartungen der Analysten sind diesbezüglich geteilt. So ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bis zum Jahresende von über 60% zum Monatsanfang auf zuletzt nur noch 45% gefallen. Dieser Meinungsumschwung resultiert sicherlich auch aus den durchaus begründeten Zweifeln über die Fähigkeit der Trump-Regierung, ihre angekündigte Politik durchzusetzen.

Die einzige Konstante bei D.T., dem Unberechenbaren, ist nämlich die Unbeständigkeit. Aus diesem Grund ist die wohldurchdachte und dosierte Geldpolitik der amerikanischen Notenbanker - unter dem Vorsitz von Janet Yellen - eine Wohltat für alle Finanzmarktakteure. Doch die Tage der „Geldpolitik der ruhigen Hand” könnten bald Geschichte sein, auch wenn der US-Präsident sich zuletzt gegenüber dem Wall Street Journal positiv über ihre Arbeit geäußert hat.

Die Krise feiert einen runden Geburtstag

Im Jahr 2007 war’s, als hierzulande mit Bekanntwerden der Schieflage der IKB die Finanzkrise eingeläutet wurde. Man wusste damals zwar noch nicht, was da alles kommen würde, aber die Schwierigkeiten des vermeintlich soliden Mittelstandfinanzierers waren die Schatten, welche die 2008 um sich greifende Finanzkrise vorauswarf. Beschleunigt durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers verbreitete sich dann die Krise in Windeseile und ließ in Deutschland die WestLB sowie die Hypo Real Estate verschwinden. Anderen Instituten sollte der Bankenrettungsfonds SoFFin unter die Arme greifen.

Dass inzwischen, zum zehnjährigen Geburtstag der Krise, die Finanzwelt sicherer geworden ist, wird zwar immer wieder behauptet. Aber sind wir da, wo wir sein müssten? Das hat neulich der damalige Staatssekretär Jörg Asmussen gefragt. „Nein, noch nicht“, hat er sich selbst geantwortet. Trotz Fortschritten bei den Kapitalmarktvorschriften sind die Reparaturarbeiten noch längst nicht abgeschlossen, wie auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann einräumt.

Zu groß sind immer noch die Altlasten in Form von faulen Krediten und die Gefahren aufgrund von Verflechtungen zwischen Staaten und Banken sowie der Banken untereinander. Ob sich mit den neuen Auflagen, insbesondere in Form von Eigenkapitalanforderungen und der Einrichtung eines europäischen Sicherungsfonds, ein neuer Flächenbrand verhindern ließe, kann nur der Praxisfall zeigen. Denn, so hart es klingt, die nächste Krise kommt bestimmt. Die entscheidende Frage wird dann sein, ob das System standhalten wird.

Und was die Staaten angeht, so ist die Schuldenlast in der Euro-Zone zwar leicht gesunken, was sich in einem Rückgang der durchschnittlichen Schuldenquote von 91,2% auf 89,5% des durchschnittlichen BIPs niederschlägt. Dennoch betragen die Verbindlichkeiten aller Länder der Euro-Zone stattliche 9,7 Billionen €. Kein Grund zur Entwarnung also, macht die hohe Quote doch insgesamt deutlich, wie fragil das ganze System ist und wodurch es ins Wanken geraten könnte, wenn sich die Wirtschaftsleistung verringert.

Aber auch die enge Verflechtung von Banken und Staaten trägt die Gefahr der Ansteckung in sich. Noch immer müssen Banken für Staatsanleihen kein Eigenkapital, also keinen Risikopuffer, vorhalten - genau der Umstand, den Weidmann als Brandbeschleuniger der letzten Krise bezeichnet hat. Auch der Umgang mit Krisenbanken in der jüngsten Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Länder, allen voran Italien, nicht um europäische Abwicklungsregeln scheren, wenn es die eigenen Institute trifft. Nur in Spanien hat man im Fall der Banco Popular erlebt, dass es gemäß europäischer Abwicklungsregeln zum Bail-in gekommen ist.

Immerhin wurden inzwischen, zehn Jahre nach Ausbruch der Krise, die Eigenkapitalquoten der Institute kräftig nach oben geschraubt - europaweit auf 13,7%. Wie gesagt, ob dies ausreichen würde, einen Flächenbrand zu verhindern, könnte nur der Praxistest zeigen – eine Situation, die sich selbstverständlich keiner herbeiwünscht.

EU-Staaten profitieren vom Niedrigzins

Am Ende profitieren sie alle von der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) – die vereinigten Schuldnerstaaten von Europa, einschließlich der Bundesrepublik. Seit 2008 haben die Staaten laut Bundesbank insgesamt rund 1 Bill. € gespart. Für Deutschland errechnet sich eine Entlastung von 240 Mrd. €, was rund 7,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.

Eine noch höhere Einsparquote erreichte Italien, das von 2008 bis 2016 auf 10,5% Ersparnis gemessen am BIP kommt. Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen dürften die Staatsfinanzen auch noch weiter entlastet werden. Dennoch sollten sich Finanzpolitiker nicht zurücklehnen, sondern sich auf Zeiten steigender Zinsen vorbereiten. Noch immer wird die Zeit, welche die EZB durch die niedrigen Zinsen den Staaten erkauft hat, nicht richtig genutzt - etwa zum Abbau der Schuldenquoten. Diese liegen mit 133% des BIPs in Italien und Portugal (130%) besonders hoch. Spanien und Frankreich liegen bei knapp 100%, Deutschland bei 68%. Bekanntlich liegt die Maastricht-Obergrenze allerdings bei 60% und die verantwortlichen Politiker sollten sich stets vor Augen führen, wie hoch die Haushaltsdefizite wären, wenn die Manipulation der Zinsen durch die EZB nicht so gnadenlos umgesetzt werden würde. Dann würden in vielen europäischen Staaten die Alarmglocken permanent läuten.

Ob vor diesem Hintergrund EZB-Präsident Mario Draghi, der an den Märkten als Schutzpatron Italiens gilt, tatsächlich den Ausstieg des milliardenschweren Anleihenankaufprogramms der EZB vorbereitet, muss sich erst noch zeigen. Schließlich ist die EZB der einzige große Player, der derzeit italienische Staatsanleihen aufkauft. Wäre dies nicht mehr der Fall, würden die Zinsen für italienische Bonds in die Höhe schnellen. Dies würde das System wegen der hohen Staatsverschuldung, der schwächelnden Wirtschaft und einem Berg fauler Bankkredite noch mehr ins Wanken bringen, als es ohnehin schon der Fall ist. Daher muss Italien ein Ende der Niedrigzinsphase am meisten fürchten.

Das Comeback von Hellas

Nach einer Zwangspause von drei Jahren kehrt Griechenland an den Kapitalmarkt zurück. Erstmals seit April 2014 platziert das Land wieder eine Staatsanleihe – diesmal über ein Volumen von 3 Mrd. € und mit einem Kupon von 4 3/8 % bei einer Endfälligkeit am 1.8.2022 (A19MEC). Die Nachfrage belief sich mit 6,5 Mrd. € auf mehr als das Doppelte der Emission, die Rendite liegt bei 4,625%. Darin spiegelt sich dennoch eine gewisse Skepsis wider, denn 2014 wurden bei der bislang letzten Anleihe (Emissionsvolumen und Laufzeit waren identisch) mehr als 20 Mrd. € gezeichnet. Die Rendite belief sich damals auf 4,95%.

Diese langersehnte Emission stellt für Athen somit einen wichtigen Test dar. Denn die Kapitalmarktfähigkeit von Hellas ist die Voraussetzung dafür, dass die EZB griechische Staatstitel in ihr Aufkaufprogramm aufnimmt, woran Athen großes Interesse hat. Ob dies gelingt, hängt davon ab, ob das Land die Tragfähigkeit seiner Schulden nachweisen kann. Noch immer ist das Rating des Landes weit von Investment Garde entfernt. Immerhin hat die Ratingagentur S&P den Ausblick für Griechenland von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Moody’s hat zuletzt sein Rating auf Caa2 angehoben. Um über die Aufnahme in das Ankaufprogramm zu entscheiden, behält sich die EZB eine weitere, eigene Analyse der Schuldentragfähigkeit vor. Und es ist ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Zuletzt hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) avisiert, Griechenland mit weiteren 1,6 Mrd. € Kredithilfe zu unterstützen. Diese Zahlung verknüpfte der Fonds jedoch mit der Bedingung, dass die europäischen Hellas-Gläubiger dem Land Schuldenerleichterungen gewähren würden. Dagegen hat sich die Bundesregierung immer wieder ausgesprochen – und daran dürfte sich auch, zumindest bis zur Bundestagswahl im September, nichts ändern. Somit ist der IWF-Beschluss nicht mehr und nicht weniger als eine Mogelpackung. Aber das ist ja nichts Neues!

Brexit-Unterhändler leisten sich eine Sommerpause

Man ist sowieso schon unter Zeitdruck und gönnt sich nun noch eine Verhandlungspause von einem Monat. Erst Ende August sollen die Brexit-Verhandlungen der Unterhändler aus London und Brüssel weitergehen, die aufgrund von tiefgehenden Meinungsunterschieden ohnehin kaum aus den Startlöchern gekommen sind. Nun spricht der britische Handelsminister Liam Fox plötzlich von einer Übergangsperiode bis maximal 2022, betont aber im gleichen Interview mit der BBC, die EU bis Ende März 2019 verlassen zu wollen. Ja, was denn nun?

Sobald man die EU verlassen hätte, müsse man sehen, wie ein möglichst sanfter Übergang gelingen könne, so Fox. Dies kann nach seiner Vorstellung in einer Übergangsperiode von etwa 24 Monaten machbar sein, während der Großbritannien weitere Handelsabkommen schließen könne. Offenbar dämmert es den Briten, dass der eigene, ehrgeizige Zeitplan nicht zu halten ist. Ansonsten will man zwar erst einmal raus aus der EU, um dann offenbar doch noch einen weichen Brexit hinzubekommen, wie Fox sagte. Letztlich bedeutet der Vorschlag einer Übergangsfrist lediglich eine Ausdehnung der Verhandlungsphase. Zudem gibt London noch ganz nebenbei bekannt, bereits Sondierungsgespräche mit den USA über eine bipolare Vereinbarung zu führen.

Unterdessen mehren sich die negativen Signale, die von einem drohenden EU-Austritt Großbritanniens ausgehen. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für das Land nach unten korrigiert. Das Wirtschaftswachstum werde lediglich um 1,7% und nicht um 2% zunehmen.

Und nachdem bisher mehrere Banken aufgrund des Brexits die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt angekündigt hatten, gab nun die Bank of America bekannt, die Europa-Zentrale ihres Investmentgeschäfts ebenfalls aus London abzuziehen. Allerdings soll es nicht nach Frankfurt, sondern nach Dublin gehen.

Vielleicht ist es ja diese magische Kraft des Faktischen in Form der Verlagerung von Arbeitsplätzen, die den Verhandlungspartnern in Sachen Brexit nach der Sommerpause neuen Schwung verleiht.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Draghi und die Kunst des Eierlaufens

Zum Abschluss des zweitägigen EZB-Ratstreffens hat Mario Draghi am heutigen Donnerstag die Gelegenheit, seine Gedanken bezüglich der zukünftigen Ausrichtung der Geldpolitik - im Rahmen einer Pressekonferenz - der gespannten Zuhörerschaft mitzuteilen. Als er Ende Juni auf der Konferenz im portugiesischen Sintra einen ersten Einblick gewährt hatte, kam es an den Finanzmärkten zu heftigen Reaktionen. Ob der EZB-Chef mit seinen Äußerungen nur die Stabilität der Märkte testen wollte oder schlichtweg zu euphorisch war, kann nur er selbst beantworten. Dennoch weiß Draghi seit dieser Veranstaltung, was er tunlichst nicht sagen sollte!

Somit steht er heute vor einer sehr heiklen Mission: Einerseits den Kurswechsel zu kommunizieren, aber andererseits möglichst keine oder nur geringe Reaktionen hervorzurufen. Vielleicht wäre in diesem Fall das Motto „Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“ wieder mal das einzig Richtige. Die Kunst des Sprechens liegt also manchmal nicht darin, was man sagt, sondern eher darin, was man nicht sagt. Dadurch bliebe die Phantasie erhalten und Super-Mario könnte sich bis zum 7. September überlegen, wie er eine Schockreaktion verhindern will. In diesem Zusammenhang wird auch sehr häufig auf seine anstehende Rede (Ende August) bei der von der US-Notenbank veranstalteten Konferenz in Jackson Hole verwiesen. Bei seiner bisher letzten Rede vor diesem Auditorium hatte er im August 2014 den massiven Ankauf von Anleihen angekündigt. Vielleicht schließt sich in diesem Jahr der Kreis dahingehend, dass er nach drei Jahren in seiner Rede an gleicher Stelle das Ende verkünden wird.

Somit wird das zentrale Anliegen der heutigen Sitzung sein, die Erwartungen auf die September-Sitzung der EZB zu lenken und den Ausstieg vorsichtig in Aussicht zu stellen. Untermauert werden könnte dies durch das Streichen der Formulierung: „falls erforderlich, die Anleiheankäufe auszuweiten“. Es liegt also noch ein weiter Weg vor dem jetzigen und zukünftigen EZB-Präsidenten, und manches erinnert hierbei an das auf Kindergeburtstagen beliebte Spiel des Eierlaufens. Auch dabei kommt es auf Geschicklichkeit an, und man muss sich entscheiden, ob man eher langsam oder schnell das Ziel erreichen will. Denn zu viel Zeit sollte man sich seitens der Notenbanker nicht lassen, um im Falle einer notwendigen Unterstützung durch die Geldpolitik wieder Möglichkeiten zu haben. Als Vorbild dient hierbei sicherlich die US-amerikanische Notenbank Fed, aber nicht die Bank of Japan.

Yellens Nachfolger läuft sich warm

Vergangene Woche hat Fed-Chefin Janet Yellen die Börsen auf weitere Zinserhöhungen eingestimmt. Die Zentralbank erwarte, dass die Konjunktur behutsame Anhebungen erlauben werde, sagte Yellen in Washington. Die Wirtschaft werde in den nächsten Jahren wie bisher mit moderater Geschwindigkeit wachsen. Verlässliche und mit Bedacht vorgetragene Ankündigungen waren die Märkte von Yellen stets gewohnt. Damit hat Yellen den bisherigen Kurs der Fed bestätigt.

Die Ankündigung war daher im Grunde nichts Besonderes, wenn da nicht eine andere Nachricht aus dem Weißen Haus gewesen wäre, mit der „D. T., der Unberechenbare“ Yellens wahrscheinlichen Nachfolger ins Spiel gebracht hat. Wenn nicht alles täuscht wird nämlich Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn neuer Präsident der Fed werden, wie das politische Magazin „Politico“ berichtete. Die Amtszeit Yellens, die von Trump während des Wahlkampfs massiv kritisiert worden war, endet damit im Februar 2018. Von seiner harten Kritik war Trump zwar im April abgewichen und hatte sogar eine zweite Amtsperiode Yellens nicht mehr ausgeschlossen, aber D.T. ist ein Meister der Sprunghaftigkeit.

Dass sich nun Cohn gedanklich bereits warmlaufen darf, schwächt jedenfalls die Autorität von Yellen, deren Job als das wichtigstes Amt in der globalen Finanzwelt gilt. An der Wall Street steht Cohn, der eigentlich gerne Chef von Goldman Sachs werden wollte, für niedrige Zinsen und einen billigen Dollar. Würde er diese Haltung an der Spitze der Fed umsetzen, könnte es einem Konjunkturprogramm für Trump gleichkommen. Die Frage ist daher, ob Yellen, die als Chefin auf Abruf zur „lame duck“ werden kann, nicht die Zinsen in einer Art Torschlusspanik schneller erhöhen wird als bisher von der Fed vorgesehen. Aufgrund ihrer bisherigen, eher besonnenen Vorgehensweise erscheint dies nicht sehr wahrscheinlich. Dennoch beschert die verfrühte Positionierung ihres Nachfolgers durch Trump den Kapitalmärkten einmal mehr ein neues Stück Unsicherheit.

London fehlt der Kompass für den Brexit

Allmählich müssen die Londoner Banken handeln. Vor dem Hintergrund des drohenden Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union machen immer mehr Institute Nägel mit Köpfen und suchen sich ihre Brückenpfeiler auf dem Kontinent. Wegen des Brexits benötigen sie von März 2019 an eine EU-Banklizenz, wenn sie ihre Services in den verbleibenden 27 Staaten anbieten wollen. So planen Institute wie Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre jeweils rund 200 Mitarbeiter in Frankfurt zumindest zu verdoppeln. JP Morgan erwägt sein Headquarter für das Investment Banking am Main aufzuschlagen, während die Citigroup dort ihre Zentrale für Wertpapierhandel in der EU ansiedeln will. Die Bank of America zieht es zwar nicht nach Frankfurt, liebäugelt dafür aber mit einer Niederlassung in Dublin. Tatsächlich scheint sich Frankfurt zum Favoriten unter den Standorten herauszukristallisieren, unter denen Londoner Banken auswählen können, um eine EU-Banklizenz über März 2019 hinaus aufrechterhalten zu können. Nicht von ungefähr erwartet der Branchenverband Frankfurt Main Finance für die Mainmetropole auf Sicht von fünf Jahren mit einem Brexit-bedingten Stellenzuwachs von 10.000 Jobs.

Langsam scheint auch den Briten klar zu werden, was der Brexit nicht nur für den Bankenstandort der City of London bedeuten wird. So lässt eine Umfrage aufhorchen, wonach inzwischen mehr als die Hälfte der Briten ein erneutes Referendum wünschen. Zu diesem Stimmungsumschwung hat auch der Eindruck beigetragen, dass sich die Situation für im Land lebende EU-Bürger und Briten auf dem Kontinent eben doch verschlechtern würde. Ebenso wird klar, dass sich für Großbritannien langfristige, milliardenschwere Verpflichtungen aus der bisherigen EU-Mitgliedschaft ergeben werden. Und von der Behauptung, wonach das Land wöchentlich 350 Mio. Pfund an Mitgliedsbeiträgen zugunsten des eigenen Gesundheitssystems sparen könnte, will keiner der Austrittbefürworter mehr etwas wissen. So hatte sich diese zentrale Behauptung von Brexiteers wie Nigel Farage als schlichte Lüge entpuppt. Hinzu kommt die Problematik, die sich an der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und Nordirland, das mit UK austreten müsste, ergeben würde.

Immer deutlicher wird also, welch komplexes Unterfangen der Brexit darstellt und wie schwer es sein wird, bis zum avisierten Austrittsdatum März 2019 tragfähige Regelungen auszuhandeln. Hinzu kommt der Richtungsstreit unter den Konservativen, die sich nicht auf einen harten oder weichen Brexit-Kurs einigen können. Der Regierung in London unter der geschwächten Premierministerin Theresa May scheint hier planlos und ohne Kompass vorzugehen. Während Finanzminister Philip Hammond wiederholt vor den wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexit warnt, beharrt der rechte Parteiflügel auf einen schnellen Austritt aus der EU um jeden Preis. Gleichzeitig gilt es für viele politische Beobachter als sicher, dass May diese Legislaturperiode nicht überstehen wird. Die Frage ist nur, wann und von wem die Attacke kommen wird. Einer, der sie beerben könnte, ist der europaskeptische Brexit-Minister David Davis. Angesichts der Planlosigkeit, die London derzeit vermittelt, mag man auf eine möglichst frühe Revolte hoffen. Dann wäre wenigstens hier etwas mehr Klarheit erreicht. Vielleicht ist es ja schon im Herbst soweit – dann nämlich, wenn die Tories ihren nächsten Parteitag abhalten.

Russische Bank fährt in die Pleite

Es ist eine der größten russischen Banken, die sich da in die Pleite manövriert hat. Vergangene Woche hat sich die Zentralbank in Moskau die schwankende Jugra-Bank vorgenommen und unter staatliche Aufsicht gestellt. Dies ist nichts Neues im Staate von Wladimir Putin. Seit 2013 wurden ganze 338 Geldinstitute geschlossen, weil sie nicht den geforderten Standards entsprochen hatten. Aber weil es sich immer nur um kleine Institute handelte, war das gesamte Bankensystem nicht ins Wanken geraten.

Nun aber ist erstmals ein großer Player betroffen, der unter den insgesamt 550 russischen Banken zu den größten 30 Instituten gehört. Mit 170 Mrd. Rubel (ca. 2,8 Mrd. €) mussten bisher die Zentralbank und die Einlagensicherung für die Bank einspringen. Das ist der größte Versicherungsfall in der russischen Finanzgeschichte. Für vorerst ein halbes Jahr wurde das Geldinstitut unter die Verwaltung der Agentur für Einlagensicherung gestellt. Die Forderungen der Gläubiger sind so lange eingefroren.

Beobachter gehen nun davon aus, dass die Zentralbank diesmal sogar die Notenpresse wird anwerfen müssen, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Auszahlungen an die Sparer, von denen jeder Anspruch auf Versicherungszahlungen von 1,4 Mio. Rubel hat, sollen kommende Woche beginnen. Ob die Jugra-Bank am Ende von einem größeren Institut übernommen oder abgewickelt wird, steht noch nicht fest.

Klar ist allerdings, dass die Jugra-Bank nicht die einzige ist, die Moskau Sorgen macht. Auch der staatliche Platzhirsch, die Sberbank, kämpft mit einem faulen Großkredit. Den hat sie in Kroatien in Höhe von 1,1 Mrd. € an den landesweit größten Retailkonzern Agrokor vergeben. Nach dessen Pleite hat die Sberbank die Hoffnung auf Rückzahlung inzwischen aufgegeben. Immerhin ist die Sberbank durch das misslungene Kreditengagement in Kroatien nicht ins Wanken geraten. Das Institut hat seinen Erholungskurs fortgesetzt und kann für das erste Halbjahr 2017 trotz erhöhter Rücklagen für Agrokor einen gestiegenen Gewinn ausweisen.

IWF mahnt Madrid: Banken krisenfest zu machen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Spanien angemahnt, die Finanzbranche des Landes besser für die nächste Krise zu wappnen und die Ertragskraft der Banken zu stärken. Trotz jüngster Fusionen sieht der IWF noch Spielraum für weitere Zusammenschlüsse und geeignete Maßnahmen, um die Profitabilität der Institute zu steigern.

So fordert der Fonds in seinem jährlichen Spanien-Bericht ein „proaktiveres Vorgehen“ zu Versäumnissen der Vergangenheit. Dies würde helfen, das Bankensystem auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Der IWF erkennt aber auch an, dass die vor kurzem erfolgte Übernahme - der in die Krise geratenen Banco Popular durch die Großbank Santander - die Unsicherheit im Bankensystem reduziert hätte.

Weiter fordert der IWF von der Regierung in Madrid, die Staatsschulden und die Arbeitslosigkeit zu senken. Es sei an der Zeit, die verbliebenen Verwundbarkeiten anzugehen. Für das spanische Wirtschaftswachstum rechnet der Fonds für 2017 mit einem kräftigen Plus von 3,1% - gegenüber einer bisherigen Prognose von 2,6%.

Was folgt nach sieben mageren Jahren in Hellas?

Sieben magere Jahre der Schuldenkrise hat Griechenland hinter sich. Vergangene Woche hat nun die EU-Kommission das Land aus dem im Jahr 2009 eröffneten Defizitverfahren entlassen. Die Anstrengungen und Opfer hätten sich gelohnt, nun könne Athen das Kapitel Austerität abschließen und sich auf Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze freuen, sagte der für Finanzfragen zuständige Kommissar, Pierre Moscovici.

Für 2016 verzeichnet Athen nach offizieller Statistik einen Haushaltsüberschuss von 0,7% des Bruttoinlandsprodukts. Für das laufende Jahr wird ein Fehlbetrag von 1,2% prognostiziert. 2018 soll’s dann wieder einen Überschuss von 0,6% geben. Immerhin, denn noch 2013 hatte das Budgetdefizit 13,1% der Wirtschaftsleistung betragen.

In Griechenland stellt sich aber auch die Frage nach den Folgen eines rigiden Sparkurses, den die Regierung von Alexis Tsipras aller sonstigen starken Worte zum Trotz auf Druck der EU durchsetzen musste. In Prozentzahlen liest sich die Entwicklung positiv, aber das Bruttoinlandsprodukt ist niedriger denn je und mehr Bürger als zuvor können ihre Steuern nicht zahlen. Mit 1,5 Millionen Menschen lebt ein großer Teil der Griechen in akuter Armut.

Dafür hält sich die Finanzbehörde ausgerechnet an den Pensionisten schadlos, deren Rente seit Jahren sukzessive gekürzt wurde. Von 2019 an soll es eine Reduktion um weitere 18% geben, damit 1,8 Mrd. € gespart werden. Dass den sieben mageren Jahren nun sieben fette folgen werden, dürfte zumindest für diese Klientel bereits jetzt ausgeschlossen sein.

Nach der Entlassung Griechenlands aus dem EU-Defizitverfahren verbleiben mit Spanien, Großbritannien und Frankreich noch drei Mitgliedsstaaten unter ständiger Beobachtung der Kommission. Während die Briten wegen des Brexits ab 2019 kein Thema mehr sein werden, könnte Spanien nach EU-Prognosen 2018 unter die Drei-Prozent-Schwelle rutschen. Damit verbliebe Frankreich als einziges Sorgenkind, das nach jüngsten Berechnungen 4 Mrd. € zusätzlich einsparen muss, um die Ziele von 2017 noch zu erreichen.

Der Sommerpause zum Trotz

In dieser Berichtswoche nutzte Thermo Fisher Scientific die Gunst der Stunde und refinanzierte sich erfolgreich am Kapitalmarkt. Aber auch die Eurofins Scientific SE und der Betreiber von Einrichtungshäusern in Europa Steinhoff Europe AG konnten jeweils eine Neuemission am Markt platzieren. Zumindest kurzfristig gab es daher ein wenig Bewegung am Primärmarkt für Corporate Bonds. Jedoch ist für die nächsten Wochen - nach aktuellem Stand - nur mit einer sehr geringen Emissionstätigkeit zu rechnen.

Das börsennotierte Unternehmen Thermo Fisher Scientific emittierte gleich vier Anleihen im Gesamtvolumen von 2,6 Mrd. €. Der 500 Mio. € schwere Floater (XS1651071521) ist am 24.07.2019 fällig und der Zinssatz richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor +23 bps. Begeben wurde das Papier zu 100,205%. Die weiteren 3 Tranchen (XS1651071877, XS1651071950, XS1651072099) haben jeweils ein Emissionsvolumen von 700 Mio. € und Laufzeiten von 9, 12 und 20 Jahren. Die erste Tranche ist am 23.01.2026 fällig und hat einen Zinssatz von jährlich 1,4%. Begeben wurde das Papier zu 99,526%, was einem Spread von +70 bps über Mid Swap gleichkam. Die Anleihe besitzt eine Kündigungsoption am 23.11.2025 zu 100%. Der zweite Bond mit Fälligkeit am 24.07.2029 zahlt den Investoren jährlich 1,95% Zinsen und wurde zu 99,282% (+90 bps über Mid Swap) begeben. Ebenfalls räumte Thermo Fisher sich hier am 24.04.2029 ein optionales Kündigungsrecht zu 100% ein. Die letzte Anleihe im Bunde ist mit einem Kupon von 2,875% p.a. ausgestattet und am 24.07.2037 fällig. Der Reoffer lag bei diesem Bond bei 99,76%, was +140 bps über Mid Swap entsprach. Auch hier gibt es 3 Monate vor Endfälligkeit ein optionales Kündigungsrecht zu pari.

Steinhoff Europe AG emittierte einen 8-jährigen 800 Mio. € schweren Bond (XS1650590349) mit Fälligkeit am 24.01.2025 und zahlt den Investoren jährlich 1,875% Zinsen. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,444%, was einen Emissionsspread von +130 bps über Mid Swap bedeutete.

Als Dritter im Bunde emittierte das mit bioanalytischen Dienstleistungen für die Bereiche Lebens- und Futtermittel, Pharmazeutika sowie Umwelt tätige Unternehmen Eurofins Scientific SE einen 7-jährigen Bond (XS1651444140) mit einem Emissionsvolumen von 650 Mio. €. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in Luxemburg zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zur Fälligkeit am 25.07.2024 jährlich 2,125% Zinsen an die Gläubiger. Der Emissionspreis belief sich auf 99,046%, was +170 bps über Mid Swap entsprach.

Alle Unternehmen legten für ihre Bonds eine Mindeststückelung von 100.000 € fest und ließen für ihre Titel - mit Ausnahme des Floaters von Thermo Fisher - eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Höhenflug oder Tauchstation?

Im Hinblick auf die heute anstehende EZB-Sitzung ist der Kursverlauf beim Euro-Bund-Future nur damit zu erklären, dass die Investoren trotz einer unterschwelligen Angst vor fallenden Notierungen neutral das Ergebnis abwarten wollen. Notierte das Rentenbarometer vor neun Tagen nur noch knapp über der Marke von 160%, so konnte es sich inzwischen wieder knapp über 162% hocharbeiten. Zum Handelsstart notiert es heute bei ca. 161,71%.

In den kommenden Wochen und Monaten wird sich das Schicksal dann entscheiden. Denn falls es in den kommenden Monaten zum Wegfall der künstlich erzeugten Nachfrage kommen wird, stellt sich die Frage nach echten Interessenten für Staatsanleihen aus der Peripherie und somit ist eine Spreadausweitung bereits vorprogrammiert.

Nach der heutigen Pressekonferenz wird sich sehr schnell zeigen, ob der Euro-Bund-Future nochmals zum Höhenflug ansetzen oder aber erneut auf Tauchstation gehen wird. Charttechnisch bedeutet dies, dass nur ein dauerhaftes Überwinden der 162,40%-Marke das Erklimmen neuer, alter Höhen ermöglicht. Aber zugleich würde das Abprallen die Gefahr eines Abverkaufs bei Renten erhöhen und einen Test der Unterstützungslinie bei ca. 160% wahrscheinlich machen.

Um nicht Gefahr zu laufen, in die sogenannten Bullen- oder Bärenfallen zu tappen, ist es sinnvoll, nur beim Bruch wichtiger Chartmarken die vorher eingegangene Position zu überdenken und abzusichern. Das Motto des heutigen Handelstages lautet also: Kühlen Kopf bewahren und nichts überstürzen.

Bund zahlt für 29 Jahre 1,29%

In dieser Handelswoche wurden in den USA insgesamt für 137 Mrd. USD Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten aufgelegt. Abgerundet wird dies am heutigen Donnerstag durch die Emission einer 10-jährigen TIPS im Volumen von 13 Mrd. USD.

In der Eurozone richtet sich heute das Augenmerk auf die Aufstockung dreier Anleihen Spaniens (A19JJJ / 2021 ; A19B40 / 2022 ; A19KVL / 2027) und sechs französischer Staatsanleihen (A19FUW / 2027 ; A1G87J / 2027 ; A19HR9 / 2048 ; A19DMN / 2028 ; A1GMH7 / 2027 ; A18675 / 2047). Bereits am gestrigen Mittwoch wurde planmäßig das Emissionsvolumen der Bundesanleihe (110234 / 2046) um 1 Mrd. € auf nun insgesamt 23 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,29%. Insgesamt wurde diese Anleihe nach der Erstbegebung im Februar 2014 zu 99,40% fünfzehnmal aufgestockt und zwar zu Preisen zwischen 105,58% und 157,52%. Bei diesem Tender wurde ein durchschnittlicher Preis von 129,16% erzielt.

Der Euro und die Bergwertung

Es läuft gerade die Tour de France, bekanntlich das schwerste Radrennen der Welt. Über Sieg und Niederlage entscheiden die Bergetappen und die außergewöhnlich schwierigen Anstiege.

Die europäische Gemeinschaftswährung hat hingegen derzeit keinerlei Probleme mit Anstiegen und meistert diese mit Leichtigkeit. So hat es der Euro in dieser Woche erneut geschafft, Bestmarken zu erklimmen. Aufgrund der abermals gescheiterten Gesundheitsreform in den USA sowie wachsender Skepsis über die Reformpläne von Präsident Trump und deren Umsetzung hatte der Euro kräftigen Rückenwind erhalten. In der Folge stieg der Wechselkurs bis auf 1,1583 USD und notierte damit so hoch wie zuletzt Anfang Mai vergangenen Jahres (1,1616 USD). Im weiteren Wochenverlauf rücken wieder die Notenbanken in den Fokus der Märkte und das kann zu größeren Kursbewegungen am Devisenmarkt führen. Nach dem heutigen Beschluss der BoJ die Leitzinsen nicht zu verändern und im Vorfeld der EZB-Ratssitzung handelt der Euro zum Tagesstart etwas leichter bei 1,1515 USD.

Die Schwäche des Greenbacks zeigt sich auch im Vergleich zum australischen Dollar. So kletterte die Währung Australiens auf ein 2-Jahres-Hoch bei 0,7989 USD. Im Vergleich zum Euro konnte der Aussie-Dollar ebenfalls überzeugen und verteuerte sich seit Ende Mai von 1,52276 AUD bis auf 1,4424 AUD. Dies ist bemerkenswerterweise auch auf die Veröffentlichung des Notenbankprotokolls vom Juli zurückzuführen. Darin wird von einem anziehenden Wachstum gesprochen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung im Mai 2018 erhöht.

In dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf australische Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie US-Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Die Hütchenspieler vom Stiefel

Obwohl bereits in der vergangenen Woche kurz erwähnt, erscheint die Schuldenpolitik der italienischen Regierung - nach einer Art konspirativen Sitzung in Rom - nochmals eine genauere Betrachtung wert. Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass im Anschluss an dieses Treffen weder von der EU-Kommission noch von der bundesdeutschen Regierung Kommentare abgegeben wurden. Ebenso wenig waren auf dem G20-Gipfel Misstöne zu vernehmen. Doch insbesondere vor dem Hintergrund leicht anziehender Refinanzierungskosten in der Eurozone stellen sich immer mehr Investoren und Politiker die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit der italienischen Staatsschulden.

Spätestens seit den ersten Hinweisen auf ein nahendes Ende der ultralockeren EZB-Geldpolitik ist man jenseits der Alpen bestrebt, eine Lösung des Schuldenproblems zu finden. Und hierbei scheint es keine Tabus zu geben. Die Möglichkeiten zur Reduzierung der drückenden Verbindlichkeiten Roms erstrecken sich von einem Schuldenschnitt über die Einführung einer Parallelwährung bis hin zum Austritt aus der Währungsunion. Die Überlegungen von Wirtschaftswissenschaftlern, Politikern, Schuldenexperten und Investoren zielen anscheinend insbesondere darauf ab, die Schmerzgrenzen Deutschlands auszuloten. Wird doch Deutschland bei jeder sich bietenden Gelegenheit als der große Profiteur der europäischen Finanzkrise genannt. Nicht nur durch die Ersparnisse bei der Haushaltsfinanzierung und die hohen Exportüberschüsse ist der Nutznießer der EZB-Geldpolitik ins Fadenkreuz der übrigen Euroländer geraten. Wie verrückt die Welt inzwischen geworden ist, zeigt sich daran, dass die ursprünglichen Verursacher der Krise nun sogar einen Teil der Ersparnisse Berlins für sich reklamieren, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass sich auch ihre Zinslast mit Hilfe der EZB und somit Deutschlands drastisch verringert hat. Nur haben die Politiker selbstzufrieden die erkaufte Zeit nicht für eine Haushaltssanierung genutzt.

Konnte man in den vergangenen Wochen den Eindruck gewinnen, dass nach den Frankreich-Wahlen in der Eurozone etwas Ruhe eingekehrt war, so dürfte sich in den kommenden Wochen die Lage in der drittgrößten Wirtschaftsnation der Eurozone, Italien, wieder zuspitzen. Denn eines sollte allen Beteiligten klar sein, Italien ist nicht Griechenland und somit zu groß, um nebenbei gerettet werden zu können. Dass Italien gemäß Weltbank-Index auf dem zweitletzten Platz in der Eurozone vor Griechenland gelistet wird und das Pro-Kopf-BIP so langsam wächst wie in kaum einem anderen Euroland, lässt allerdings nur wenig Hoffnung auf Besserung aufkeimen.

Doch die Zeit drängt, denn die politischen Risiken der anstehenden Wahl in Italien sollten nicht unterschätzt werden, zumal über die Hälfte der zur Wahl stehenden Parteien nicht gerade als europafreundlich einzustufen sind. Die Eurozone braucht aber eine stabile, europafreundliche Regierung in Rom, um die Herausforderungen in Europa bewerkstelligen zu können. Sich zum jetzigen Zeitpunkt von dem europäischen Gedanken zu verabschieden, wäre allerdings das falsche Zeichen gegenüber den Machtblöcken Russland und den USA. Somit darf man gespannt sein, was den Hütchenspielern vom Stiefel in den kommenden Wochen und Monaten noch einfallen wird, um eine möglichst weitgehende Vergemeinschaftung der europäischen Schulden zu erreichen.

In Italien wird sich das Schicksal der Eurozone entscheiden. Dessen sollte man sich bewusst sein!

Berg fauler Bankkredite soll abgetragen werden

Insbesondere seit der Finanzkrise 2008 haben Europas Banken einen Berg fauler Kredite angehäuft. Seitdem ist es insbesondere den Notenbanken und nur zu einem geringen Anteil den Politikern gelungen, einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Dennoch sind kleine Banken auf Altlasten in Höhe von rund einer Billion Euro sitzengeblieben. „Problemkredite“, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, lassen sich eben nicht über Nacht aus der Welt schaffen.

Das dürfte auch den EU-Finanzministern klar sein, welche die faulen Kredite so rasch wie möglich abbauen wollen. Ein entsprechender Aktionsplan sieht vor, unter anderem die Aufsicht zu stärken und die Regeln für die Gründung sogenannter Bad Banks zu vereinheitlichen. Wolfgang Schäuble hat ja schon Recht, wenn er sagt, man müsse es vorsichtig machen, aber man müsse es angehen. So drängt der deutsche Finanzminister darauf, die gute wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen, um potenzielle Risiken abzubauen.

Allerdings zeigt der Aktionsplan der EU-Finanzminister auch, welche Gratwanderung Brüssel hier eingeht. Denn wenn die Bankenaufsicht den Instituten künftig auferlegen kann, ihre Kapitalpuffer zur Risikovorsorge weiter zu erhöhen, sorgt dies wiederum für einen eingeengten Spielraum bei der Kreditvergabe. Salopp gesagt, beißt sich die Katze hier in den Schwanz.

Bliebe also noch das Instrumentarium einer Bad Bank, an die man die faulen Kredite auslagern könnte. Immerhin, aus Angst vor einer Vergemeinschaftung der Bankrisiken ist eine gesamteuropäische Bad Bank vom Tisch. Stattdessen verständigten sich die Minister auf EU-weite Regeln für nationale Verwertungsgesellschaften (AMC) - also Bad Banks auf Länderniveau, die Problemdarlehen zu Preisen ankauft, welche für die Institute vorteilhaft sind, so zumindest die Theorie. Um Missbrauch zu verhindern, wurden zugleich strikte Vorgaben für Staatshilfen geschaffen.

Ob die dann auch eingehalten werden, muss man erst mal abwarten. Denn insbesondere die Banken der Südländer haben teilweise ein solches Ausmaß an faulen Krediten in den Büchern, dass der Glaube an möglichst staatsferne Lösungen schwerfällt. So weisen griechische Banken Problemkredite von 46% des gesamten Darlehensbestands auf, Portugal fast 20% und Italien rund 15%. Der EU-Durchschnitt liegt bei 5,1%. Deutsche Banken kommen auf 2,5%.

Wird die HSH Nordbank kentern?

Im Schatten der Diskussion um faule Kredite bei Europas Banken hat auch ein deutsches Institut gehörig Schlagseite bekommen. Wackelige Schiffskredite über 10 Mrd. € haben die HSH Nordbank so ins Schlingern gebracht, dass nach dem Willen der EU-Kommission bis Februar 2018 ein Käufer gefunden werden muss.

Als Finanzinvestoren werden Apollo und Cerberus genannt. Aber auch die Beteiligungsgesellschaft Lone Star und der Investor J.C. Flowers, der einen Minderheitsanteil an der HSH hält, kommen in Frage. Aber die haben nur Interesse an den gesunden Teilen, die das profitable Kerngeschäft der HSH ausmachen. Von der internen Bad Bank, in der die faulen Schiffskredite eingebracht sind, wollen sie nichts wissen – es sei denn, die Eigner, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, legen noch etwas drauf. Das aber hieße, dass zusätzlich zu den Garantien, mit denen die Länder das Institut vor bestimmten Risiken abschirmen, ein weiterer Finanzbedarf von 3 bis 4 Mrd. € entstehen könnte.

Als wahrscheinlich gilt es, dass die bestehende Bad Bank (genannt „Abbaubank“) mit weiteren Bürgschaften der Länder ausgestattet und unter deren Dach abgewickelt wird. Als Vehikel stünde dafür die HSH Portfoliomanagement AöR der Länder bereit, die von der HSH bereits faule Schiffskredite übernommen hat. Dazu könnte sich auch Niedersachsen gesellen, deren Nord LB selbst unter faulen Schiffskrediten leidet.

Die Frage ist nun, ob eine separate Abwicklung der Abbaubank möglich sein wird, ohne ein weiteres Beihilfeverfahren der EU auszulösen. Brüssel hat die Unterstützung der Länder nur unter der Auflage genehmigt, dass die Bank privatisiert oder geschlossen wird. Sollte aber die komplette HSH abgewickelt werden, müssten die Länder mit weiteren Belastungen rechnen. Somit wären wohl auch private Anleger betroffen. Immerhin hat die HSH Investmentzertifikate über mehrere Milliarden € begeben, von denen das Gros von den Sparkassen an ihre Privatkunden verkauft wurde. Sollte die HSH also geschlossen werden, droht den Anlegern der Ausfall ihrer Forderungen. Denn laut EU-Bankenabwicklungs-Richtlinie müssen die Anleger für Verluste aus einer Bankenpleite haften. In einem solchen Fall würde sich zeigen, was den Sparkassen die „Institutssicherung“ wert ist, nach der sie füreinander haften.

Des Brexits langer Schatten

Der geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) wirft seinen langen Schatten voraus. So rechnet die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) aufgrund der mit dem Brexit verbundenen Unsicherheit mit einem deutlichen Dämpfer für die britische Wirtschaft. Für 2017 erwartet S&P nur noch ein Wachstum von 1,4% und 2018 gar von 0,9%. Im vergangenen Jahr war die britische Wirtschaft noch um 1,8% gewachsen. Die Schätzung sei aber eher noch optimistisch, heißt es in einer Mitteilung der Ratingagentur. S&P führt seine Prognose insbesondere auf das schwache Pfund und die dadurch gesunkene Kaufkraft einerseits sowie die zögerlichen Investitionen infolge der Brexit-Unsicherheiten andererseits zurück.

Inzwischen kam es bereits bei der ersten zentralen Frage der Brexit-Verhandlungen zum Zwist zwischen dem Europaparlament und der Regierung in London. Sollte Letztere das Angebot für Bleiberechte der 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien nicht nachbessern, werde man notfalls ein Veto gegen das geplante Austrittsabkommen einlegen, drohte Brüssel. Die Zukunft der 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien und der 1,2 Millionen Briten in der EU ist ein zentrales Thema für die zweite Verhandlungsrunde über den britischen EU-Austritt am kommenden Montag.

Premierministerin Theresa Mays Angebot vom Juni an alle EU-Bürger, sich um ein Bleiberecht bewerben zu können, reicht dem EU-Parlament nicht aus. Brüssel besitzt hier einen starken Hebel, weil das Parlament einem Abkommen mit Großbritannien letztlich zustimmen muss und damit eben auch blockieren könnte.

Zudem ist der Konjunkturoptimismus britischer Firmen im zweiten Quartal deutlich zurückgegangen. Die Ursachen sind in den Wahlen vom Juni zu suchen, bei denen Mays Torys ihre Mehrheit verloren haben. Hinzu kommt, dass inzwischen das Gros der britischen Unternehmen Nachteile durch den Austritt aus der EU befürchtet und daher einen sanften Brexit fordert.

Kein Zweifel, May weht der Wind kräftig ins Gesicht. Nicht umsonst reden manche Beobachter derzeit bereits von der „Woche der Wahrheit“ für die Premierministerin. Fast schon verzweifelt mutete es da an, als sie am Dienstag alle Parteien im britischen Unterhaus aufforderte, in puncto Brexit Ideen und Ansichten beizusteuern, um diese Herausforderungen bewältigen zu können. Das sei schließlich ein Markenzeichen der Demokratie, sagte May, die seit der von ihr selbst eingetüteten Neuwahl im Juni eine Minderheitsregierung anführt. Ihr jetziger Aufruf nach Zusammenarbeit mit den Oppositionsparteien klingt allerdings eher nach einem Hilferuf als nach einem Plan.

Macron und die Quadratur des Kreises

Emmanuel Macron versucht sich an der Quadratur des Kreises. So mutet es zumindest an, wenn man sieht, was der neue französische Präsident alles gleichzeitig anpackt. Die französische Regierung will nicht nur sparen, um erstmals seit einem Jahrzehnt die europäische Defizitgrenze einzuhalten. Nein, sie will außerdem auch noch Unternehmen und Bürger steuerlich entlasten.

Durch einen Nachlass bei den Steuern in Höhe von fast 11 Mrd. € will Paris einen Schub für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum auslösen. Erleichterungen soll es bei der Wohnungs-, der Vermögens- sowie der Unternehmenssteuer geben. Letztere soll schrittweise von 33,3% auf 25% gedrückt werden. Bis 2022 soll die Erleichterung bei der Steuerlast sogar auf 20 Mrd. € ansteigen.

Parallel dazu leitet die Regierung Einsparungen in Höhe von 4,5 Mrd. € ein, die dafür sorgen sollen, dass Frankreich endlich wieder die europäische Defizitgrenze von 3% einhalten kann. Wie das erreicht werden soll? Das Gros der Einsparungen sollen das Innen- und das Verteidigungsministerium tragen. Weder öffentliche Dienstleistungen noch Kommunen und Regionen sollen zur Finanzierung herangezogen werden. Vielmehr ist vorgesehen, dass etwa Ausschreibungen verbessert und der Fuhrpark effektiver gemanagt werden soll. Es sei einfach eine Frage der Strenge, hatte dazu Haushaltsminister Gerald Darmanin gesagt.

In Sachen Defizitgrenze wird man schon bald sehen, ob Macron hier reüssieren kann oder ob er sich doch an der Quadratur des Kreises versucht hat. Denn die gehört ja bekanntlich zu den unlösbaren Aufgaben der Geometrie.

Französische Reederei sammelt 650 Mio. € ein

Auch in dieser Berichtswoche hielten sich die meisten Unternehmen am Primärmarkt zurück und somit dünnte die Liste der Neuemissionen weiter aus. Mit der französischen Reederei CMA CGM und dem staatlichen Energieversorger Lietuvos energija aus Litauen wagten sich immerhin zwei nicht unbekannte Unternehmen an den Kapitalmarkt und sammelten insgesamt 950 Mio. € ein.

CMA CGM ist ein Schifffahrts- und Logistikunternehmen mit Sitz in Marseille und derzeit mit 400 Containerschiffen die drittgrößte Reederei der Welt. Den Investoren der 650 Mio. € schweren Anleihe (A19LKG) werden bei halbjährlicher Erstattung Zinsen i.H.v. 6,5% p.a. ausgezahlt. Der Bond ist am 15.07.2022 fällig und mit einer Make Whole Option sowie drei optionalen Kündigungsterminen und entsprechenden Rückzahlungskursen ausgestattet. Der erste ist am 15.07.2019 zu 103,25%, der zweite folgt ein Jahr später am 15.07.2020 zu 101,625% und der letzte ist ein Jahr vor Endfälligkeit am 15.07.2021 zu 100%. Das Papier wurde zu pari begeben, was einem Emissionsspread von +667 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichkam.

Der Energiekonzern Lietuvos energija sammelte ebenfalls erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt ein. So flossen 300 Mio. € in die Kassen des staatlichen Unternehmens mit Sitz in Vilnius. Der am 14.07.2027 endfällige Bond (A19LD4) ist mit einem jährlichen Zins von 2% ausgestattet und der Emissionspreis betrug 98,284%, was einem Spread von +120 bps über Mid Swap entsprach.

Sowohl CMA CGM als auch Lietuvos energija entschieden sich für eine Mindeststückelung von 100.000 € und daher dürften die Bonds eher für institutionelle Investoren interessant sein.

Gesund sieht anders aus!

Noch vor wenigen Wochen hatten nur wenige Marktteilnehmer damit gerechnet, dass die irgendwann zu erwartende Marktkorrektur schon so kurz bevorsteht. Doch unverhofft kommt oft und so gibt es an den Finanzmärkten weder eine Startaufstellung wie bei der Formel 1 noch die Regel, dass man erst losfahren darf, wenn die Ampeln ausgehen. An den Finanzmärkten gibt es nur „fliegende“ Starts und somit muss man jederzeit auf der Hut sein.

Natürlich ist es jetzt - nach einem Rückgang beim Rentenbarometer um fast 5 Punkte - ein Einfaches zu sagen: Das war’s dann wohl. Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Sicherlich wird der Weg nach oben steinig sein, aber auszuschließen ist in diesen Zeiten nichts mehr. Obwohl sich erst mit einem nachhaltigen Unterschreiten der 10-Jahres-Rendite bei 0,50% die dunklen Wolken wieder verziehen würden. Jedoch wäre hierzu ein Anstieg beim Euro-Bund-Future über die psychologische Marke bei 162% notwendig und dazu muss man schon viel Phantasie haben. Trotz der gestrigen Gegenbewegung lässt sich konstatieren, dass das Sorgenbarometer der Eurozone aktuell wirklich nicht besonders gesund aussieht.

Beim Blick auf den Chart ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 160,71% und eine weitere bei 160,46%. Somit ist vorerst zu erwarten, dass in den kommenden Tagen die Tradingrange zwischen 160,71% und 161,52% nicht „freiwillig“ verlassen wird. Die äußeren Einflüsse seitens der Notenbanker sind allerdings nicht vorhersehbar und daher ist jederzeit ein Test der Downside möglich. Aktuell notiert der September-Kontrakt bei 161,31%.

Bund bietet für 10 Jahre Nominalzins von 0,50%

In dieser Woche hat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland planmäßig eine neue 10-jährige Benchmark-Anleihe (110242) aufgelegt. Für die mit einem Emissionsvolumen von 5 Mrd. € geplante Anleihe wurden insgesamt Kaufaufträge für ca. 5,65 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,59%. Zur Marktpflege wurden 990,4 Mio. € zurückbehalten. Nachdem noch im Vorjahr die damals aktuelle Anleihe (110240 / 2026) mit einem Kupon von 0% ausgestattet wurde, war bereits bei der im Februar aufgelegten Gattung (110241 / 2027) der Kupon mit 0,25% fixiert. Dieser Trend setzte sich zwar auch bei diesem Tender fort, aber man sollte nicht den Fehler machen, diese Schritte für zukünftige Neuemissionen als gegeben einzuplanen.

Aber auch andere Euroländer haben sich in dieser Woche am Kapitalmarkt aktiv gezeigt. So stockten die Niederlande eine Anleihe (A1ZDY6 / 2047) und Portugal zwei Bonds (A19BUN / 2027 ; A1ZU1N / 2045) auf. Am heutigen Donnerstag werden Irland nochmals die Emissionsvolumina von zwei Anleihen (A1ZUS5 / 2022 ; A1ZVUJ / 2045) und Italien von vier Bonds mit Fälligkeiten in drei, sieben, 15 und 20 Jahren erhöhen.

In den USA haben Investoren heute noch die Chance, sich an der Refinanzierung des Haushaltes mit einer Laufzeit von 30 Jahren zu beteiligen. Zuvor wurden bereits die üblichen Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 112 Mrd. USD offeriert. Aber auch für T-Notes mit Fälligkeiten in 3 bzw. 10 Jahren wurden Käufer gesucht. Mit diesen Kapitalmarkttiteln wurden zusätzlich 56 Mrd. USD aufgenommen.

Euro weiter im Aufwind

Bei der europäischen Gemeinschaftswährung war in den vergangen Monaten eine klare Richtung zu erkennen und so konnte sie in den vergangenen Handelstagen ihre Dominanz, abgesehen von kleineren Rücksetzern, weiter ausbauen.

Zum wiederholten Male profitierte der Euro von negativen Nachrichten in Zusammenhang mit der US- Präsidentschaftswahl. Diese wollen auch nach über einem halben Jahr Trump-Präsidentschaft nicht enden. Zudem waren es Äußerungen von Fed-Vertretern zur künftigen Geldpolitik und gute EU-Konjunkturdaten, die sich ebenfalls belastend auf den Greenback auswirkten. Somit profitierte der Euro nicht nur von seiner eigenen Stärke, sondern auch von der Schwäche des US-Dollars. Dementsprechend war ein neues 14-Monats-Hoch mit 1,1489 USD die logische Konsequenz. Nach der gestrigen Anhörung der Fed-Chefin Yellen vor dem US-Kongress und der Veröffentlichung des Beige Book startet die Einheitswährung heute Morgen bei 1,1450 USD in den Handel.

Neben dem schwachen US-Dollar hat es auch das britische Pfund sehr schwer, positiv zu überzeugen. So handelte EUR-GBP bei einem Wechselkurs von 0,89489 GBP, so hoch wie zuletzt im November 2016.

Innerhalb der vergangenen Handelswoche standen insbesondere Währungsanleihen auf US-Dollar sowie russische Rubel im Fokus der Privatanleger. Darüber hinaus waren Bonds lautend auf norwegische Kronen, südafrikanische Rand und türkische Lira mehrheitlich nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Am kommenden Montag sind wir schlauer

Die aktuelle Handelswoche ist erneut von den Entscheidungen der Notenbanken geprägt. So haben am gestrigen Mittwoch die Fed-Minutes die bisher angenommenen Thesen untermauert, dass die US-Notenbank schon im Herbst mit dem Bilanzabbau beginnen wird. Bei den noch zu erwartenden Zinsanhebungen scheint sich allerdings unterschwellig eine abwartende Haltung bei verschiedenen Ratsmitgliedern zu etablieren. Denn zuerst sollen die bisherigen Anhebungen - möglicherweise in Kombination mit einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr - zur Entfaltung kommen, bevor man im neuen Jahr weitere Maßnahmen beschließen wird.

Das am heutigen Donnerstag zu veröffentlichende Protokoll der EZB-Sitzung vom 8. Juni wird solche Themen nicht beinhalten. Darin werden Analysten eher nach Hinweisen auf eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik suchen, was bereits der überraschende Tenor der Rede Draghis im portugiesischen Sintra war.

Doch erst mit der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten am morgigen Freitag wird sich zumindest für die USA abzeichnen, ob die konjunkturelle Erholung nur eine vorübergehende Erscheinung war oder auch in den kommenden Monaten mit einer nachhaltigen Belebung des US-Arbeitsmarktes zu rechnen ist. In diesem Zusammenhang wird auch der G20-Gipfel in Hamburg Aufschluss darüber geben, ob die Weltgemeinschaft zukünftig wieder gemeinsam Lösungen erarbeiten möchte oder sich Egozentriker weiter ihre spezielle Welt schaffen.

Somit darf man also gespannt sein, wie die Kapitalmärkte auf diese Vielzahl an Ereignissen reagieren werden und ob die Rendite der 10-jährigen deutschen Benchmark-Anleihe am Montagmorgen über oder unter der magischen Marke von 0,50% in den Handel starten wird.

Wer A sagt, muss auch B wie Bail-in sagen

Jens Weidmann hat sich bei so manchen Südländern, insbesondere Italien, wieder mal unbeliebt gemacht. So bemängelte der Bundesbank-Präsident in dieser Woche die mangelhafte Einhaltung europäischer Regeln bei der Abwicklung von Banken. In solchen Vorfällen drücke sich der Unwillen vieler Europäer aus, sich von der EU reinreden zu lassen, meinte er in einer Rede in Stuttgart anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundesbank. Das wiederum mache eine „mutige” Vertiefung der Währungsunion unmöglich.

Deutlich wird dies nach Einschätzung von Weidmann nicht nur am Umgang mit den Haushaltsregeln, sondern auch an der Einhaltung der neuen Abwicklungsprinzipien für Banken. Dabei spielte er mit seinem Hinweis „insbesondere in Ländern, die ein Mehr an Gemeinschaftshaftung fordern, sollte man sich dies verdeutlichen“ auf die Regierung in Rom und auf die Erlaubnis der EU-Kommission an, bei der Abwicklung zweier kleinerer italienischer Sparkassen Steuergelder in zweistelliger Milliardenhöhe einzusetzen. Darüber hinaus hat Brüssel vorläufig einer Rettung der weitaus größeren Monte dei Paschi zugestimmt.

Damit hat die EU zwar den Umstand berücksichtigt, dass eine striktere Einhaltung der Regeln, etwa durch ein Bail-in vorrangiger Anleihen, die Stabilität des italienischen Bankensektors gefährdet hätte. Auf der anderen Seite gehört es allerdings zu den Standardvorschlägen von Ländern wie Italien, die Währungsunion durch die Schaffung einer gemeinsamen Einlagensicherung, einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung und die Ernennung eines europäischen Finanzministers zu vertiefen. Anders ausgedrückt: Es soll zu einer stärkeren Risikoteilung kommen. Aber auch hierbei gilt: Wer A sagt, muss auch B wie Bail-in sagen.

Dies kann jedoch nicht erfolgen, wenn gemeinsam beschlossene Regeln nicht eingehalten werden. So kann „kein hinreichendes Vertrauen” entstehen, führte Weidmann weiter aus. So lange keine Bereitschaft bestehe, Souveränitätsrechte auf die europäische Ebene zu übertragen, bleibe nur der Weg, die nationale Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten zu stärken, schlussfolgert der Bundesbank-Präsident ganz in unserem Sinne.

In diesem Zusammenhang lässt auch noch ein weiterer Umstand aufhorchen. Zum Wochenstart haben sich in Rom Wirtschaftswissenschaftler, Investoren, Schuldenexperten und Politiker getroffen, um darüber zu debattieren, wie man ohne zu sparen die Schuldenlast nachhaltig reduzieren kann. Die dabei angedachten Lösungen würden allerdings die Eurozone in Schutt und Asche legen. Solche Gedankenspiele verdeutlichen, dass trotz Macron Europa noch lange nicht gesundet ist.

Plazet aus Brüssel für Bankenrettung durch Rom

Die EU-Kommission hat dem italienischen Rettungsplan für die Traditionsbank Monte dei Paschi (MPS) ihr Plazet erteilt. Damit darf der italienische Staat dem Institut vorsorglich mit 5,4 Mrd. € unter die Arme greifen. Bis zum ersten Halbjahr 2018 könne es der Bank gelingen, die notleidenden Kredite fast vollständig auszugliedern, sagte Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan.

Eine bereits im Juni getroffene Grundsatzeinigung zwischen Rom und Brüssel unterlag noch zwei Bedingungen, die erst jetzt erfüllt sind. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) inzwischen bestätigt, dass die MPS solvent ist. Außerdem hat Italien nun die Zusage privater Investoren zum Ankauf notleidender Kredite der Bank erhalten. Die faulen Kredite gelten als das Hauptproblem des bereits 1472 gegründeten Traditionshauses und diese sollen nun zu Marktbedingungen an eine privat finanzierte Zweckgesellschaft abgetreten werden.

Die Kapitalspritze war nach EU-Recht nur deshalb erlaubt, weil die Bank als grundsätzlich überlebensfähig gilt und die Rekapitalisierung als Vorsorgemaßnahme von der EZB eingestuft wurde. Voraussetzung dafür war, dass Gläubiger und Anteilseigner 4,3 Mrd. € beisteuern und somit nur beschränkt Steuergelder eingesetzt werden müssen. Damit stellt sich dieser Fall anders dar als bei den Ende Juni von Rom geretteten Krisenbanken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza, für welche die Regierung ein Notfallpaket über 17 Mrd. € schnürte. Diese Institute hatte die EZB als nicht überlebensfähig eingestuft.

Allerdings ist die Entscheidung der EU-Kommission nicht unumstritten. Die EU-Kommission breche unverhohlen die Regeln der Bankenunion, die von den EU-Staaten und dem Europaparlament beschlossen wurden, sagen Kritiker. „Die Glaubwürdigkeit der Bankenunion ist schwer beschädigt“, sagte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Sven Giegold. Schließlich wird dabei - entgegen ursprünglicher Beteuerungen - das Geld der Steuerzahler benutzt. Daher sehen die EU-Regeln eigentlich vor, dass im Falle einer Bankenpleite zunächst Aktionäre und Kreditgeber haften müssen. Da in Italien aber zahlreiche Privatanleger den Instituten Geld über Anleihen geliehen haben, neigt die Regierung in Rom eher dazu, den Privatpersonen einen solchen Aderlass zu ersparen.

Die europäischen Banken haben Problemdarlehen in Höhe von rund 900 Mrd. € in ihren Büchern. Um dieser Last besser Herr zu werden, hat sich nun EZB-Direktor Yves Mersch offen für ein EU-weites Register für faule Bankkredite gezeigt. Eine solche Art von Berichtssystem zusammen mit Transparenz-Standards stellt seines Erachtens eine Möglichkeit dar, das Problem der vielen notleidenden Darlehen zu bekämpfen, sagte Mersch. Aber man müsse darauf achten, die kreditgebenden Banken „nicht über Gebühr zu stigmatisieren und die Vertraulichkeit angemessen zu respektieren“.

Mehr Transparenz und Standardisierung bei ausfallgefährdeten Krediten könnten nach dieser Überlegung helfen, einen Markt für solche Risiko-Darlehen zu schaffen. Die EU bemüht sich schon seit langem um eine Lösung dieses Problems. Denn die faulen Kredite drücken nicht nur auf die Gewinne der Banken, sondern bremsen auch das Wachstum in der EU.

Man darf gespannt sein, wie Italien bei der nächsten Bankenpleite reagieren wird. Denn die könnte bereits vor der Tür stehen. So muss die Banca Carige in Genua mit einer Kapitallücke von 600 Mio. € auf Geheiß der EZB frisches Geld aufnehmen und die faulen Kredite in den Büchern reduzieren.

Haftungsgemeinschaft durch die Hintertür?

Der Umstand, dass die Zukunft der EU und damit auch die Interessen der Bundesrepublik stark mit der künftigen Performance von Emmanuel Macron verbunden sind, hat sowohl in Brüssel als auch in Berlin zu kreativen Überlegungen bei der Schuldenfinanzierung geführt.

Als einen neuen Ansatz betrachtet man dabei in Brüssel die sogenannten European Safe Bonds, also Anleihen, welche die Euro-Zone stabilisieren und fatale Ansteckungsgefahren von Staats- und Bankpleiten mindern sollen. Dabei würde eine Schuldenagentur vorher Bonds der 19 Euro-Staaten kaufen, sie ähnlich wie bei US-Hypothekenverbriefungen zu European Safe Bonds bündeln und an Großanleger weiterverkaufen. Zu diesem Zwecke würde die paneuropäische Schuldenagentur zwei Tranchen im Verhältnis 70 zu 30 ausgeben: eine sichere und eine risikobehaftete, die sogenannte Junior-Tranche. Letztere wäre nachrangig und würde für erste Ausfälle herangezogen werden, um damit die erste Tranche der European Safe Bonds abzusichern.

Interessant ist, dass im Gegensatz zu der Idee der Eurobonds explizit keine gemeinsame Haftung der Euro-Staaten vorgesehen ist. Dennoch gilt die Schaffung eines sicheren gemeinsamen Wertpapiers als Ziel. Nur die erste, risikolose Tranche der European Safe Bonds würde dann als sicheres Papier gelten, weshalb die Banken dafür kein Risikokapital als Sicherheit zurücklegen müssten. Derzeit gilt diese Regelung für alle Staatsanleihen der Eurozone. Dieses Privileg soll entfallen, jedoch ist fraglich, ob eine solche Maßnahme gegen die Stimmen der Südländer durchzusetzen wäre.

Wie die „Welt“ schreibt, bezweifelt man beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) außerdem, dass es im Krisenfall genügend Nachfrage nach nachrangigen Titeln geben würde. Bei einem solchen Praxistest dürften sich der staatliche Rettungsfonds ESM oder die EZB gezwungen sehen, einzugreifen, mutmaßt man beim IW. Solche Interventionen aber könnten dazu führen, dass der Disziplinierungseffekt, der von einem Risikoaufschlag für weniger solide Staaten ausgeht, wegfallen könnte. Daher müssten laut IW Länder wie Deutschland befürchten, am Ende doch für die Schulden anderer Länder mithaften zu müssen. Die European Safe Bonds, die mancher auch Eurobonds light nennt, würden dann die Einführung einer Haftungsgemeinschaft durch die Hintertür darstellen.

Dazu trägt auch die Sorge bei, dass die European Safe Bonds kein Spitzenrating AAA erhalten könnten, wie es Bundesanleihen derzeit haben. So hat Standard & Poor’s bereits signalisiert, dass die erstrangige Tranche der neuen Finanzierungskonstrukte lediglich ein BBB- Rating erhalten würde.

Auf dem Papier bieten European Safe Bonds durchaus einige Vorteile, es kommt aber darauf an, dass das Konstrukt der neuen Anleihen in Krisensituationen nicht ausgehöhlt wird. Denn die European Safe Bonds können nur dann reüssieren, wenn sie nach den klaren Regeln, die man ihnen gibt, auch umgesetzt werden.

Märkte, hört die Signale!

Wenn man die Signale aus dem Hause der Europäischen Zentralbank (EZB) richtig deutet, steht die Zinswende unmittelbar bevor – zumindest der vorsichtige Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik. Mario Draghi hatte vergangene Woche geradezu überbordend optimistisch gesagt, alle Zeichen deuten auf eine Verfestigung und Verbreiterung der konjunkturellen Erholung in Euroland hin. Weiter gab er sich zuversichtlich, dass die europäische Notenbank demnächst wieder mit einer Inflation von zwei Prozent konfrontiert werde. Diese Botschaft war so deutlich, dass die Kapitalmärkte regelrecht erschreckt wurden. Sowohl der Kurs des Euros als auch die Kapitalmarktzinsen stiegen in Folge kräftig an.

In der Zwischenzeit legten weitere Vertreter der EZB nach – etwas vorsichtiger zwar, aber wie der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, sagte, sei die Mission der Zentralbank noch nicht erfüllt. Die EZB brauche Ausdauer und Geduld in ihrer aktuellen Geldpolitik, so Praet. Die Inflation werde in Richtung des Zielwerts der EZB steigen, allerdings nur schrittweise. Der unterliegende Preisauftrieb, der sich in der Kerninflation ausdrückt, sei nach wie vor gedämpft. Damit bestätigte Praet Äußerungen von Draghi, die vergangene Woche Spekulationen auf eine absehbar straffere Geldpolitik ausgelöst hatten. Indessen kündigte EZB-Direktor Yves Mersch an, dass die EZB „in nicht allzu ferner Zukunft“ die spezielle Rolle der so genannten ABS-Papiere für die Zeit nach 2017 überprüfen will. Diese Titel sind wichtiger Teil des laufenden Anleihekaufprogramms der Notenbank, das noch bis Ende dieses Jahres Bestand hat.

Man darf nun davon ausgehen, dass die EZB nach der Sommersaison im September oder spätestens im Oktober entscheiden wird, wie es mit den Wertpapierkäufen nach dem Jahresende weitergeht.

Hapag-Lloyd mit 450 Mio. € Emission

Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd trotzt der Branchenkrise und bringt eine neue Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 450 Mio. € an den Markt. Der Containerriese steuert mit seiner Aktie ebenfalls Richtung MDax. Die fünftgrößte Reederei der Welt mit Firmensitz in Hamburg und 230 Schiffen generiert fast 11 Mrd. € Umsatz. Aufgrund des geringen Streubesitzes von gerade mal 15,6% handelt die Aktie allerdings nur im SDax. Das soll sich nun ändern. Vorstandschef Rolf Habben sagte zur von der HV abgesegneten Kapitalerhöhung von umgerechnet 400 Mio. US-Dollar, dass möglichst viele Papiere über den Markt verkauft werden sollen. Zusätzlich ist im Gespräch, dass der Großaktionär TUI sein Paket über die Börse verkauft, was den Streubesitz um zusätzliche 7,9% erhöhen würde.

Auch die aktuelle Katar-Krise betrifft den Konzern wohl kaum. Seit der Fusion mit der arabischen United Arab Shipping (UASC) halten die Emirate Katar und Saudi-Arabien zusammen ca. 24% der Anteile an Hapag-Lloyd, aber die Stadt Hamburg bleibt mit 52% Mehrheitseigentümer.

Aufgrund der Nachfrage bei der Bond Emission (A2GSC1) konnte das ursprünglich geplante Volumen von 300 Mio. € auf 450 Mio. € erhöht werden. Die Anleihe ist am 15.07.2024 endfällig und zahlt den Investoren einen Zins in Höhe von 5,125%, welcher halbjährlich zur Auszahlung kommt. Die Anleihe wurde zu pari begeben, was einem Emissionsspread von +505 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichkam. Ausgestattet ist der Bond mit drei optionalen Kündigungsterminen. Der erste ist am 15.07.2020 zu 102,563%, der zweite folgt ein Jahr später am 15.07.2021 zu 101,281% und der letzte ist ein Jahr vor Endfälligkeit am 15.07.2022 zu 100%. Durch die gewählte Mindeststückelung von 100.000 € spricht Hapag-Lloyd eher institutionelle Investoren an.

Am gestrigen Mittwoch wagte sich ebenfalls die Annington Funding an den Kapitalmarkt und platzierte erfolgreich 4 Anleihen in britischen Pfund und eine Euro-Anleihe. Dabei ist der 600 Mio. € schwere Bond (XS1645519031) am 12.07.2024 fällig und ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,65% ausgestattet. Der Reoffer lag bei 100%, was einem Spread von +110 bps über Mid Swap entsprach. Die Mindeststückelung wurde ebenfalls auf 100.000 € festgelegt und Annington ließ sich sowohl eine Make Whole Option als auch einen festen Kündigungstermin am 12.06.2024 zu pari in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Was ist der Unterschied zum Bungee-Springen?

Beim Blick auf den Chart vom vergangenen Donnerstag kamen sich die Rentenhändler vor wie beim Bungee-Springen. Doch im Unterschied dazu, geht es nach dem Erreichen des Tiefpunktes dort wieder – zumindest – für kurze Zeit nach oben und was noch viel wichtiger ist: Man kann auch nicht mehr so tief fallen wie im ersten Abwärts-Move. Das kann man beim Euro-Bund-Future allerdings so nicht behaupten.

Zwar hat bisher das Low bei 161,52% gehalten und es kam auch zu einer technischen Gegenreaktion über die 162%-Marke. Aber angesichts der Tatsache, dass man innerhalb weniger Tage von 165,44% um fast vier volle Punkte in die Tiefe stürzte, lässt viele Investoren ihre Anlagestrategie überdenken. Doch wer denkt, dass sich mit dieser Bewegung die Materialknappheit verflüchtigen wird, der hat weit gefehlt. Die Marktreaktion ist lediglich dem Einsatz von Absicherungsinstrumenten zu verdanken. Im Hinblick auf die zu erwartenden Daten von den Notenbanken, der Wirtschaft und der Weltpolitik ist vorerst mit einer Seitwärtsbewegung zwischen der Unterstützungslinie bei ca. 161,52% und dem ersten rechnerischen Widerstand bei ca. 162,83% (33% Gegenreaktion der Abwärtsbewegung) zu rechnen.

Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 161,60% und die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe beläuft sich dabei auf 0,48%. Sollte der Negativtrend anhalten, so ist ein Test der zuletzt im Dezember 2015 zu erzielenden Rendite von 0,67% zu erwarten. Dies würde ohne gravierende Basisverschiebung einem Future von ca. 160% entsprechen.

Der Bund und seine Regeln

Obwohl in dieser Woche die US-Amerikaner zum 242. Mal ihre Unabhängigkeit gefeiert haben, war die Kassenlage nicht so angespannt und es wurden lediglich Geldmarktpapiere für nominal 112 Mrd. USD offeriert. Somit konnten interessierte Investoren nur zwischen Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten wählen. Erst in der kommenden Woche werden zusätzlich Bonds mit Fälligkeiten in drei, zehn und 30 Jahren emittiert.

In der Eurozone waren neben dem frisch gebackenen Confed-Cup-Sieger Deutschland noch Österreich, Spanien und Frankreich am Kapitalmarkt aktiv. Die Alpenrepublik stockte hierbei am Dienstag zwei Altemissionen (A19GCS / 2027 ; A18X6Q / 2047) auf. Am heutigen Donnerstag werden Spanien mit vier Gattungen (A19B40 / 2022 ; A1ZZBE / 2030 ; A0NXYY / 2040 ; A18YZ6 / 2046) und Frankreich mit drei Bonds (A19FUW / 2027 ; A1G87J / 2027 ; A19HR9 / 2048) dem Beispiel folgen.

In Deutschland wurde zuerst am Dienstag das Emissionsvolumen der inflationsindexierten Anleihe (103055 / 2030) um 500 Mio. € auf nunmehr 9 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,45%. Am Mittwoch wurde die Woche aus Sicht der Deutschen Finanzagentur mit der Neubegebung der 5-jährigen Bundesobligation Serie 176 (114176) abgeschlossen. Dass hierbei zum wiederholten Male gegen die selbst auferlegten Regeln bei Neuemissionen verstoßen wurde, scheint an den Kapitalmärkten keine besondere Rolle mehr zu spielen. In diesem Fall erfüllt die erste Tranche im Volumen von 4 Mrd. € nicht die Voraussetzung der Future-Belieferung, da hierfür ein Emissionsvolumen von mindestens 5 Mrd. € nötig wäre. Aber durch die Aufstockung am 9. August um weitere 4 Mrd. € wird dieser Malus noch vor der theoretischen Belieferung beseitigt. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,14% und es lagen insgesamt Kaufaufträge für 4,518 Mrd. € vor.

Euro profitiert von schwindender Trump-Euphorie

Das erste Halbjahr stand ganz im Zeichen des Euros. Dieser kannte nur eine Richtung und zwar gen Norden. Noch am Anfang des Jahres handelte die europäische Gemeinschaftswährung um die Marke von 1,04 USD und markierte am 03.01.2017 ihr Jahrestief bei 1,0341 USD. Anschließend konnte sie sich immer weiter erholen und verzeichnete am 29.06.2017 nicht nur ihr bisheriges Jahreshoch bei 1,1445 USD sondern auch den höchsten Stand seit Mai 2016.

Die Gründe für diese Entwicklung können sehr einfach auf den Punkt gebracht werden. Zum einen ist die „Trump-Euphorie“ wie vom Winde verweht und zum anderen legte sich die Angst vor dem Zerfall der Gemeinschaftswährung. Deshalb konnte der Euro knapp 5% nach dem ersten Wahlgang in Frankreich zulegen, obwohl die Umsetzung der Ziele kein Spaziergang werden dürfte. Aber sie erscheinen allemal realistischer als die des US-Präsidenten Donald Trump. Ein weiterer Grund für den Anstieg des Euros dürfte eine mögliche Zinswende bei der EZB sowie der Ausstieg aus dem Quantitative Easing Programm (QE) sein. Sollte dies bis Mitte 2018 nicht erfolgen, könnte es einen Dämpfer für den Euro geben. Allerdings sprechen die Konjunkturdaten der Eurozone, die aktuell besser sind als die in den USA, ebenfalls für einen weiteren Anstieg. Daher rücken die beiden Hochpunkte der letzten beiden Jahre bei 1,1614 USD und 1,1711 USD in den Fokus. Aktuell handelt die Gemeinschaftswährung um die Marke von 1,1345 USD.

Auch in dieser Woche wurden wieder verstärkt Anleihen auf US-Dollar von den Privatanlegern nachgefragt. Ebenso beliebt waren Bonds lautend auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

EZB testet die Märkte

Hoppla, was war das denn? Kaum hatte EZB-Präsident Mario Draghi verlautbart, dass der Konjunkturaufschwung im Euro-Währungsraum aus seiner Sicht an Schub gewinne, kam es zu heftigen Ausschlägen an den Kapitalmärkten. Sofort machten Spekulationen um eine straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Runde. Während der Euro sich um einen US-Cent verteuerte, büßten die Aktienbarometer Dax und EuroStoxx50 spürbar an Wert ein. Doch nicht nur das, auch der Rentenmarkt reagierte heftig. So ging der wegweisende Bund Future am Dienstag von 165,33% auf 163,13% um satte zwei Prozentpunkte in die Knie.

Die Reaktionen der Märkte machen deutlich, wie sensibel die Marktakteure den Worten lauschen, die aus dem Hause der EZB dringen. Bei einer Notenbank-Konferenz hatte Draghi gesagt, alle Zeichen deuteten auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin. Faktoren, welche die Inflation drückten, seien vor allem temporär. Am Markt wurde dies vielfach als ein klares Indiz für eine gewachsene Bereitschaft der EZB zur Straffung der Geldpolitik gedeutet. Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt so recht der Glaube daran und die Dementis folgten bereits am gestrigen Mittwoch. Denn kurz vor der nächsten Zinsentscheidung will sich Draghi immer noch nicht auf eine mögliche Leitzinserhöhung festlegen. So sei starke geldpolitische Hilfe trotz abnehmender Konjunkturrisiken noch immer nötig, sagte er.

Man kann vielmehr die ermutigenden Konjunkturaussagen von Draghi als Testballon deuten, der einmal losgelassen wurde, um zu sehen, wie die Märkte denn auf Andeutungen reagieren, die auf eine Kehrtwende in der Gelpolitik hinweisen. So gesehen hat die EZB ein Testergebnis erhalten: Die Märkte sind extrem sensibel, was die Erwartung einer Änderung der Zinspolitik angeht. Der Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik, sollte er überhaupt absehbar bevorstehen, wird also kein leichter sein. Und so hat die EZB auch rasch versichert, dass die positiven Konjunkturdaten noch keinen Grund darstellen, ihre lockere Geldpolitik zurückzufahren. EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio hält daher „vorschnelle” Reaktionen für falsch. Dass die geldpolitische Wende aber dringend erforderlich sei, darauf hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit einem ungewöhnlich deutlichen Warnsignal hingewiesen.

Warnsignal der Bank der Zentralbanken

Mit einem deutlichen Warnsignal hat sich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu Wort gemeldet. So sagte der BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana auf der Generalversammlung der in Basel ansässigen Zentralbank der Zentralbanken, er sehe die Zeit für Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gekommen, um damit besser für den nächsten Schock oder Abschwung gewappnet zu sein.

Die BIZ hält damit ihre Kritik an der extrem expansiven Geldpolitik der Zentralbanken aufrecht. Allerdings erkennt sie auch die Gründe für deren vorsichtiges Handeln an. Weiterhin ist das Basler Institut der Überzeugung, dass der Geldpolitik viel zu lange zu viel aufgebürdet wurde. In dem derzeit günstigen Konjunkturumfeld legt die BIZ den Notenbanken nahe, die geldpolitische Normalisierung einzuleiten. Der Grund ist klar: Damit könnte der geldpolitische Handlungsspielraum ausgedehnt werden, sollte es wieder zu einer Rezession kommen. Schließlich sind die Leitzinsen so niedrig, dass eine weitere Senkung nur mehr eine stumpfe Waffe bei der Stimulierung der Konjunktur wäre.

Italien probt erneut den Sündenfall

Polemisch gesprochen hat man in der Europäischen Union bisweilen den Eindruck, dass es keine Regel gibt, die nicht gebrochen werden kann. Bei Betrachtung der gerade erst erfolgten Rettung zweier italienischer Krisenbanken durch den Steuerzahler kommt wieder mal ein solcher Gedanke auf.

So hat die Regierung in Rom für die Stützung der notleidenden Institute Banca Popolare di Vicenza und die Banca Veneto 5,2 Mrd. € zur Verfügung gestellt - ein Betrag, der noch auf bis zu 17 Mrd. € steigen kann. Wohlgemerkt: Die EZB, welche die beiden Institute für nicht überlebensfähig hält, hatte zuvor die Rettung der Banken verwehrt.

Mit der Aktion sollen der Bankenbetrieb aufrechterhalten und die Sparer geschützt werden. Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte zwar, die beschlossenen Maßnahmen stünden im Einklang mit den EU-Regeln zu Regierungshilfen für Banken. Die EU aber hatte auf eine Abwicklung nach italienischem Insolvenzrecht gepocht - vergeblich, wie sich herausstellte.

Nach den Vorstellungen in Rom soll der gesunde Teil der beiden Regionalbanken an die Intesa Sanpaolo verkauft werden. Der schlechte Teil soll ausgelagert werden. Diesen Plan müssen noch das Parlament sowie die Bankenaufseher von EU und EZB absegnen.

Eigentlich verbieten die europäischen Regeln staatliche Rettungsaktionen für Banken. Nur weil die ebenfalls angeschlagene Monte dei Paschi di Siena langfristig als profitabel gilt, durfte Rom in Einklang mit der EU der Traditionsbank vor einigen Wochen mit einer milliardenschweren Kapitalspritze helfen. 2016 hatte man versucht über den Rettungsfonds „Atlante” mit 3,5 Mrd. € an Steuergeldern die Veneto Banca und die Banca Popolare di Vicenza zu retten - wie sich inzwischen herausstellt, offenbar erfolglos. Italien, zu dessen Grundproblemen ein maroder Bankensektor gehört, probt also nicht zum ersten Mal den Sündenfall.

Kein Wunder also, dass die aktuelle Banken-Rettung in Italien für die deutschen Sparkassen ein Beleg ist, warum eine europäische Einlagensicherung abgelehnt werden müsse. Nach dem Fall Monte dei Paschi zeige auch der Umgang mit den beiden Volksbanken in Norditalien, dass Haftung und Risiko weiterhin auf nationaler Ebene bleiben müssen, hieß es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Daher würde man völlig falsche Strukturen aufbauen, wenn zusätzlich über eine weitere europaweite Vergemeinschaftung von Bankrisiken etwa im Rahmen einer zentralisierten Einlagensicherung nachgedacht wird. Dies bedeutet nicht, dass man nicht die europäische Idee weiter unterstützt. Wenn aber beim Abwicklungsprozedere von Krisenbanken die Allgemeingültigkeit von Regeln an ihre Grenzen stößt, kann auch die Vergemeinschaftung der Bankrisiken nicht über ganz Europa ausgedehnt werden. Dies nüchtern zu betrachten, wäre im Sinne einer Stärkung der europäischen Idee.

Bei EZB schlummert ein hohes Verlustpotenzial

Wer Ramschpapier als Sicherheiten akzeptiert, dem drohen hohe Verluste. So einfach wie einleuchtend ist die Quintessenz von Kjell Nyborg, Ökonom aus Norwegen, der die Wertigkeit der Anleihen analysiert hat, welche die Europäische Zentralbank (EZB) als Sicherheiten für Geldleihegeschäfte akzeptiert.

Mit Zentralbankgeld schöpft die EZB Werte aus dem Nichts, um es Banken zu leihen, die damit Mindestreserven für die Einlagen ihrer Kunden bilden, Bargeldwünsche befriedigen und untereinander Zahlungen abwickeln. Gerät eine solche Bank ins Wanken, kann sich die EZB ja an den hinterlegten Sicherheiten schadlos halten. Das funktioniert aber nur, wenn diese Sicherheiten auch wertstabil sind und die Zentralbank sie nicht zu hoch beliehen hat. Funktioniert dieser Mechanismus nicht, entstehen dem Geldverleiher Verluste. So einfach ist das. Bei der EZB werden diese auf die nationalen Zentralbanken des Euro-Systems verteilt, entsprechend der Anteile der einzelnen nationalen Zentralbanken am voll eingezahlten Kapital der EZB. Davon entfällt auf die Bundesbank aktuell ein Anteil von 25,6%.

„Je schlechter die Sicherheiten und je geringer der Bewertungsabschlag, desto schwächer ist die auf ihnen basierende Währung“, sagt Nyborg, der darauf hinweist, dass sich unter den zugelassenen Sicherheiten auch Anleihen der Banco Popular befinden, die jüngst abgewickelt worden ist. Oder Papiere der italienischen Krisenbanken Banca Popolare di Vicenza, Veneto Banca und Banca Monte dei Paschi di Siena, welche die EZB als Sicherheiten weiterhin akzeptiert.

Und auf eine weitere Sicherheitslücke weist Nyborg hin: Die Mehrheit der zugelassenen Anleihen wird gar nicht mehr gehandelt. Es gibt also keinen Marktpreis für sie und damit keinen objektiven Wert. Daher verlassen sich die Notenbanker auf ihre hauseigenen Schätzungen. Zweifel meldet Nyborg auch an den Wertabschlägen an, welche die EZB für Staatsanleihen vornimmt. So setzte sie in der Euro-Krise für italienische und spanische Staatsanleihen die gleichen Bewertungsabschläge an wie für deutsche Staatsanleihen, obwohl das Ausfallrisiko für erstgenannte Anleihen schon damals deutlich höher war als für Bundespapiere. Hinzu kommt das Anleihekaufprogramm, in dessen Rahmen die EZB seit 2015 Titel im Wert von fast zwei Billionen € gekauft hat und ihre Bilanzsumme auf 4,2 Billionen € hat anschwellen lassen. Ebenso wie das Geldleihegeschäft erhöhen auch die Anleihekäufe der EZB die Risiken der Notenbank. Anfallende Verluste würden den nationalen Notenbanken zufallen - entsprechend ihres Anteils am EZB-Kapital. Für die Bundesbank wäre dies ein maximales Verlustpotenzial von sagenhaften 196 Mrd. € - ein Risiko, das ohne Zustimmung des Bundestags getragen wird und auf das uns erst mal wieder ein Norweger aufmerksam machen muss, der ja gar nicht in Euro bezahlt.

Schulden für die Ewigkeit

Ausgerechnet der ewige Pleitestaat Argentinien, der in den vergangenen 200 Jahren achtmal insolvent war, leiht sich nun Geld, das erst in 100 Jahren zur Rückzahlung ansteht. Doch trotz seiner schlechten Reputation konnte der Schuldner spielend eine Anleihe im Volumen von 2,75 Mrd. USD am Kapitalmarkt platzieren (A19J68). Für das Papier, das am 28. Juni 2117 fällig wird, lagen Kaufaufträge über 9,75 Mrd. USD vor.

Nicht nur Argentinien ist der Verlockung erlegen, sich die aktuell niedrigen Zinsen für Jahrzehnte zu sichern. Auch Frankreich brachte bereits 2005 einen Ultra-Langläufer mit 50 Jahren Laufzeit heraus, um im Mai 2017 ihre bis 2066 laufende Anleihe um eine Milliarde Euro aufzustocken.

Im Oktober 2016 war es Österreich, welches einen Bond über 2 Mrd. € am Kapitalmarkt platzierte, der erst 70 Jahre später zurückgezahlt wird. Ein weiteres Beispiel ist Italien, das ebenfalls im Oktober 2016 eine 50-jährige Anleihe herausgab. Bereits 2013 hatte Italien einen Bond mit gleicher Laufzeit gebracht. Erfahrungen mit 50 Jahre Laufzeit hat auch Belgien. Während Irland; Mexiko und der brasilianische Ölkonzern Petrobras 100-jährige Anleihen platziert haben.

Klar ist in allen Fällen, dass man bei der Verantwortung für die Rückzahlung der Schulden gleich mehrere Generationen übersprungen hat.

Es ist verwunderlich, dass zumeist die „Wackelkandidaten“ unter den Schuldnern sich die Zinsarmut zu Nutze machen und nicht etwa Deutschland, das sich aktuell sicherlich auch bei diesen Fälligkeiten sehr günstig refinanzieren könnte. Bisher hat sich die Finanzagentur noch gegen eine Laufzeit von mehr als 32 Jahren ausgesprochen, aber das muss nicht für immer so bleiben. Sicherlich würde man mit einem solchen Paradigmenwechsel noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Gilt doch Deutschland hinsichtlich der Zinsersparnis bereits als der große Profiteur und würde noch argwöhnischer beäugt werden. Sollten jedoch mal wieder gemeinsame Euro-Bonds ins Gespräch kommen, so wären andere Finanzminister sicherlich zum Umdenken bereit.

US-Banken bestehen die Stresstests

Die 34 größten US-Banken können aufatmen. Sie haben die diesjährigen Stresstests der Fed bestanden. Demnach hat sich die Kreditqualität in bestimmten Immobiliengeschäften sogar verbessert. Selbst für ein extremes Szenario mit einem Einbruch der Weltwirtschaft und einem starken Anstieg der Arbeitslosenrate sieht die Fed die Banken in der Lage, die Kreditversorgung aufrechtzuerhalten.

Auch wenn die getesteten Banken im schlimmsten Fall auf Kredite von insgesamt 383 Mrd. USD verzichten müssten, würden sie dennoch über deutlich mehr Kapital verfügen als vorgeschrieben. Die Quote hat sich laut Fed im Jahresvergleich verbessert.

Als Konsequenz aus der Finanzkrise von 2008 führte die Notenbank die Tests ein, um die Stabilität der Branche regelmäßig zu überprüfen. Die Belastungstests bestehen aus zwei Teilen und der zweite Teil gilt als der härtere. Aber auch in diesem Fall gab die Fed am gestrigen Abend grünes Licht und segnete bei allen 34 Instituten die vorgelegten Kapitalpläne ab.

Ferienstimmung macht sich breit

Mit Niedersachsen ist Ende vergangener Woche das erste Bundesland in die wohlverdienten Sommerferien gegangen. Auch am Primärmarkt für Corporates Bonds wird es in den nächsten Wochen wahrscheinlich etwas ruhiger zugehen. In dieser Berichtswoche wagten sich jeweils mit einem Doppelpack Daimler und BP Capital an den Kapitalmarkt.

Daimler legte neben einem Floater über 1,25 Mrd. € noch zwei weitere Bonds mit insgesamt 2,8 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A2GSCW), ein 12-jähriger Bond, ist am 03.07.2029 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 1,5%. Das Emissionsvolumen beträgt 1,5 Mrd. €. Der Emissionspreis lag bei 99,913%, was +60 bps über Mid Swap entsprach. Eine zweite 1,3 Mrd. € schwere 20-jährige Anleihe (A2GSCX) mit Fälligkeit am 07.03.2037 zahlt dem Anleger Zinsen in Höhe von 2,125% jährlich und konnte zu einem Preis von 99,855% ausgegeben werden. Dies entspricht einem Emissionsspread von +85 bps über Mid Swap. Beide Anleihen sind mit einer privatanleger-freundlichen Mindeststückelung von 1.000 € ausgestattet.

Ebenfalls einen Doppelpack über 1,5 Mrd. € emittierte BP Capital. Mit Fälligkeiten am 26.06.2025 und 26.06.2029 refinanziert sich das Unternehmen mit Sitz in Großbritannien langfristig am Kapitalmarkt. Dabei ist der 8-jährige Bond (A19KJG) mit einem Zins von jährlich 1,077% ausgestattet, was wiederum bei einem Emissionspreis von pari einen Spread von +57 bps über Mid Swap ergab. Diese erste Tranche ist 850 Mio. € schwer. Das zweite Papier (A19KJH) mit einem Emissionsvolumen von 650 Mio. € zahlt den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 1,637%. Emittiert wurde ebenfalls zu 100%, was einem Spread von +72 bps über Mid Swap entsprach. Die gewählte Mindeststückelung von 100.000 € spricht eher institutionelle Investoren an. BP ließ sich bei beiden Anleihen ein optionales Kündigungsrecht seitens des Emittenten jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit zu 100% in die Anleihebedingungen festschreiben.

Nichts für schwache Nerven!

Zum Wochenauftakt herrschte bei den Rentenhändlern noch Friede, Freude, Eierkuchen. Aber dann kam es am Dienstag zu einem ersten Stresstest für die Futuremärkte. Denn Mario Draghi ließ mit seinen Kommentaren zur Geldpolitik die Marktteilnehmer aufhorchen und diese schickten das Rentenbarometer im Stile von „Geier-Sturzflug“ auf Talfahrt. Über zwei Punkte büßte der Euro-Bund-Future (165,33% auf 163,13%) ein, der Buxl-Future sogar fast vier Punkte (170,32% auf 166,36%) und auch der Bobl-Future notierte ca. einen Punkt tiefer.

Nachdem seit Monaten seitens der EZB den Besitzern von „hochwertigen“ Bonds ein Gefühl der Sicherheit vermittelte wurde, zeigen diese Reaktionen auf inzwischen durch EZB-Insider dementierte Äußerungen wie nervös die Marktteilnehmer sind. Jedoch haben die Investoren entsprechend der alten Weisheit: „Kein Rauch ohne Feuer“ das Gottvertrauen vorerst verloren. Auch hat die Marktreaktion gezeigt, dass es keine spiegelbildliche Gegenbewegung gab, sondern beide Assetklassen miteinander, also Hand in Hand, marschierten.

In solchen ungewöhnlichen Marktphasen lohnt sich jedoch immer ein Blick auf die Charttechnik des angeknacksten Sorgenbarometers. Als Unterstützungslinie fungiert momentan das gestrige Tief bei 162,78% und nach oben verläuft der erste nennenswerte Widerstand bei 163,89%. Sollte diese Leitplanke in den kommenden Tagen wieder überwunden werden, so bietet sich eine Absicherung alter Longpositionen an. Denn die Welt ist nicht stabiler geworden. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei ca. 162,70% und hat zumindest im frühen Handel bereits mit 162,59% die Downside getestet.

Spanien fast vierfach überzeichnet

In den USA wurden in dieser Handelswoche zum einen Geldmarktpapiere im Volumen von 112 Mrd. USD mit den üblichen Laufzeiten (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) und für 101 Mrd. USD T-Notes mit Fälligkeiten in zwei, fünf und sieben Jahren begeben.

In Euroland hatten für den gleichen Zeitraum lediglich Deutschland und Italien Kapitalmaßnahmen angekündigt. Es mag Zufall sein, dass insbesondere Italien hierbei einen kräftigen Schluck aus der Pulle nahm (ca. 10 Mrd. €) und sich Deutschland mit der Aufstockung der zweijährigen Bundes-Schatzanweisungen (110468) um 4 Mrd. € auf ein Gesamtvolumen von 9 Mrd. € begnügte. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,61% und die Nachfrage überstieg den Aufstockungsbetrag um fast 70%.

Doch das war im Vergleich zu der außerplanmäßig aufgelegten neuen zehnjährigen Staatsanleihe Spaniens nicht der Rede wert. Diese Anleihe (ES0000012A89) ist mit einem jährlichen Kupon von 1,45% ausgestattet, am 31.10.2027 endfällig und wurde bei 99,249% ausgegeben. Für die geplante 8 Mrd. € schwere Emission wurden sogar Orders im Volumen von fast 29 Mrd. € aufgegeben, was wiederum nur mit Materialknappheit bei Investitionen zu erklären ist.

Draghi und der Euro

Der Geldautomat ist 50 geworden. Ein halbes Jahrhundert lang genießen wir nun die Bequemlichkeit zu jeder Tag- und Nachtzeit an Bargeld zu kommen. Am 27.06.1967 feierte damit der erste Automat in Enfiled Town, nördlich von London, seine Premiere. Seither ist er aus dem Alltag von Millionen Menschen nicht mehr wegzudenken.

Hebt man derzeit Geld ab und möchte dieses in US-Dollar wechseln, so bekommt man aktuell mehr für sein Geld. Denn die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich nach einem kurzen Rücksetzer (1,1128 USD) in der vergangenen Woche wieder im Aufwind und konnte endlich die Marke bei 1,13 USD nachhaltig überwinden. Mit 1,1388 USD konnte sogar ein neues 12-Monats-Hoch erklommen werden. Ursache des neuerlichen Kursanstiegs sind die von Mario Draghi auf einem Notenbank-Forum gemachten Aussagen, welche die Marktteilnehmer so deuten, dass eine mögliche Tapering-Ankündigung im September bevorstehe. Jedoch vermeldete die EZB am gestrigen Mittwochnachmittag, dass sie die Reaktion der Märkte auf die Draghi-Rede als falsch einstuft. In der Folge fiel der Euro innerhalb weniger Minuten von 1,1380 USD bis auf 1,1292 USD zurück. Nach dem Auf- und Ab handelt die Einheitswährung heute Morgen über 1,14 USD, nachdem inzwischen das neue 12-Monats-Hoch bei 1,1431 markiert wurde.

Sollte man den Euro in norwegische Kronen tauschen wollen, ist dies aktuell ein guter Zeitpunkt. Die Währung Norwegens schwächelt momentan, nicht zuletzt aufgrund der Preisentwicklung am Ölmarkt. Dies konnte der Euro für sich nutzen und stieg bis auf 9,6291 NOK, dem höchsten Stand seit Februar 2016. Zur Stunde notiert das Währungspaar EUR/NOK bei ca. 9,57 NOK.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen im Fokus, aber auch US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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