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Author: Klaus Stopp

Bonds der Deutschen Bank stürzen ab

Ausgerechnet die Deutsche Bank, das einstige traditionsreiche Vorzeige-Institut der deutschen Finanzbranche, ist derart ins Taumeln geraten, dass längst Forderungen nach Staatshilfen laut geworden sind. Das ohnehin knapp bemessene Eigenkapital des größten deutschen Geldhauses droht durch eine enorme Strafe aus den USA in der Größenordnung von 14 Mrd. Dollar so stark dezimiert zu werden, dass Zweifel aufkommen, ob die Deutsche Bank dies noch aus eigener Kraft wird bewältigen können. Zwar dementiert die Bundesregierung die Option eines staatlichen Eingriffs und auch das Institut selbst weist die Notwendigkeit einer staatlichen Rettung zurück. Es ist allerdings abzuwarten, was im Ernstfall passieren wird.

Die Märkte bleiben weiterhin nervös, was sich an der Kursentwicklung der Deutschen Bank ablesen lässt, deren Titel sich genauso wie bei Aktien auch am Rentenmarkt zumindest im kurz- und mittelfristigen Bereich im freien Fall befinden. So rutschte ein 2016 emittierter Bond der Deutschen Bank (DL19SQ), der 3/2019 fällig wird, auf ca. 98,68% ab, nachdem noch am 7.9. ein neues Jahreshoch mit 101,35% erreicht worden war. Die Rendite liegt hier bei ca. 1,55%. Ebenso verlief die Entwicklung im fünfjährigen Bereich, was an einem Bond (DB7XJB) mit Laufzeit 9/2021 abzulesen ist. Dieser Titel fiel auf rund 98,03% ab, nachdem der Kurs ebenfalls am 7.9. mit 102,828% ein Zwölfmonatshoch erklommen hatte. Parallel dazu ist die Rendite hier auf ca. 1,67% gestiegen.

Doch es ist nicht nur die eigenkapitalschwache Deutsche Bank, die massiv unter Druck geraten ist. Mit den Schwerpunkten Deutschland und Italien ist eine ganze Reihe von europäischen Finanzwerten ins Trudeln geraten, was die Krise des Bankensektors insgesamt offenbart. So will die Commerzbank bis zum Jahr 2020 rund 9.000 Stellen abbauen und damit die Belegschaft um fast ein Fünftel reduzieren. Ebenso meldete die Barclays Bank in UK vor kurzem, rund 14.000 Arbeitsplätze streichen zu wollen.

Als italienische Krisenbank macht indessen weiterhin das Institut Monte dei Paschi di Siena von sich reden. Die Bank, die unter einem Bündel fauler Kredite leidet, erwägt durch die Umwandlung von Anleihen in Aktien, das Volumen einer geplanten Kapitalerhöhung zu drücken. Eine drohende Kapitalerhöhung möglichst gering zu halten, plant auch die italienische Großbank UniCredit durch zahlreiche Anteilsverkäufe. Dadurch sollen bis zu 10 Mrd. € zusammenkommen, während durch die Emission neuer Aktien wiederum 5 bis 6 Mrd. € eingenommen werden sollen.

Draghi nimmt Regierungen der Euro-Zone in die Pflicht

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi versucht Druck gegen die Staaten der Eurozone aufzubauen. Gestern vor dem Deutschen Bundestag ebenso wie am Montag vor dem Europäischen Parlament hat der EZB-Chef die Regierungen zum Handeln in Wirtschaftsfragen aufgefordert. Als Voraussetzung für einen Anstieg der langfristigen Zinsen nannte er mehr Investitionen und Strukturreformen seitens der Staaten - zur Steigerung von Wachstum und Produktivität. Zunächst müssten die Maßnahmen der EZB jedoch ihre volle Wirkung entfalten können. „Und dazu müssen andere Politikbereiche sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene wesentlich entschlossener beitragen“, forderte der EZB-Chef.

Nationale Regierungen müssten Maßnahmen ergreifen, um das Wachstum zu entfesseln, die Arbeitslosigkeit zu senken und die Schwächsten zu schützen, hatte er bereits vor dem Europaparlament betont. Nur auf diese Weise könne der öffentlichen Unzufriedenheit mit den europäischen Institutionen entgegengewirkt werden.

Dabei hatte er sein Credo wiederholt, dass die EZB die Probleme nicht alleine lösen könne. Damit hat Draghi seine Forderungen an die Politik weiter verschärft. Die EZB alleine kann’s tatsächlich nicht richten. Vielmehr sind es vielfach die Regierungen, die die Zeit verstreichen lassen, die ihnen die Notenbank durch ihre Nullzinspolitik erkauft hat. Seinen Kritikern im Deutschen Bundestag sagte Draghi, dass die Geldpolitik der EZB nicht der Hauptfaktor für die geringe Rentabilität der Banken sei. Es werde vergessen, dass zahlreiche Institute die sinkenden Zinserträge durch mehr Kredite, einen besseren Schuldendienst und einen geringeren Zinsaufwand mehr als ausgleichen könnten. Einige Banken müssten ihre Geschäftsmodelle möglicherweise an das derzeitige Niedrigzinsumfeld anpassen, aber auch ihre eigenen strukturellen Probleme angehen, so der EZB-Chef.

Die Staaten sollten ihre Ausgabenpolitik daher wachstumsfreundlicher gestalten und Wirtschaftsreformen durchführen, fordert Draghi. Auf diese Weise soll nach seiner Vorstellung die Politik der EZB im Kampf gegen die niedrige Inflation unterstützt werden. Dabei macht er klar: „Nur Strukturreformen können für nachhaltiges Wachstum sorgen.“

Darüber hinaus warnte Draghi in Brüssel vor einem langwierigen Brexit-Prozess. Für ihn ist es klar, dass die Konsequenzen umso bedeutsamer würden, je länger die Unsicherheit über das endgültige Ergebnis anhalte. Das Schicksal Großbritanniens hat nach seiner Überzeugung einen Einfluss auf die Euroraum-Wirtschaft. „Timing, Entwicklung und Endergebnis” der Austrittsverhandlungen würden letztlich darüber entscheiden, wie sehr die Entscheidung auf der Euroraum-Wirtschaft lasten werde, sagte er. Unabhängig von der Art der künftigen Beziehung zwischen Großbritannien und der EU sei es äußerst wichtig, dass die Integrität des Binnenmarkts respektiert werde.

Geldpolitik im Schatten des US-Wahlkampfes

„Am Ende siegt dann doch die Abgeklärtheit über das Gebell“, urteilte der „Spiegel“. Nachdem Donald Trump das erste TV-Duell im Ringen um das US-Präsidentenamt gegen seine Rivalin Hillary Clinton nach übereinstimmender Meinung rational agierender Beobachter verloren hat, lässt es sich mit der nötigen Distanz nochmals auf die Sitzung der US-Notenbank vom Mittwoch vergangener Woche blicken.

Die Fed hatte im Schatten des Wahlkampfes die Fed Funds Rate bekanntlich erwartungsgemäß in der Bandbreite zwischen 0,25% und 0,5% belassen. Damit wird ein Zinsschritt im Dezember wahrscheinlicher, wie ein solcher auch schon im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten erfolgt ist. Fed-Chefin Yellen hatte klar gemacht, dass die Argumente für eine Zinsanhebung stärker geworden seien. Sie wolle jedoch noch warten, bis sich die Volkswirtschaft den geldpolitischen Zielen, Vollbeschäftigung und Preisstabilität, weiter angenähert habe. Betrachtet man die Projektionen der Notenbank, so wird klar, dass die Fed bei der weiteren geldpolitischen Straffung 2016 und 2017 noch behutsamer vorgehen will als gedacht. So schätzen Mitglieder des Offenmarktausschusses die durchschnittlichen Leitzinserwartungen für 2017 und 2018 um 50 Basispunkte niedriger ein - und zwar bei 1,1% bzw. 1,8% - womit sie verringerten Wachstums- und Inflationserwartungen Rechnung tragen.

Auch wenn die Fed die jüngsten Konjunkturdaten positiver einschätzt, hat sie ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft für das laufende Jahr von 2% auf 1,8% gesenkt. Außerdem rechnen Yellen und Co. damit, dass die Inflation erst 2018 die Zielmarke von 2% erreichen wird. Damit scheint die Notenbank trotz aller lautstarken Töne im US-Wahlkampf kühlen Kopf zu bewahren, indem sie weiterhin äußerst vorsichtig agiert.

Unterm Strich ist damit eine Zinsanhebung im Dezember wahrscheinlich geworden. Allerdings bleibt die Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahl in den kommenden Wochen erhalten. Erst wenn in der Nacht vom 8. November die Stimmen ausgezählt sind, wird man klarer sehen können.

Lufthansa-Bond kann nicht abheben

Aufgrund der fehlenden Nachfrage durch Investoren hat die Lufthansa die Emission einer Anleihe im Volumen von 500 Mio. € am Montag kurzerhand abgesagt. Hintergrund scheint der Umstand, dass die Fluggesellschaft potentiellen Investoren nicht die Vergünstigungen gewährte, die diese gefordert hatten. Wie zu hören war, hatten diese bemängelt, die Lufthansa habe sich nicht auf Zugeständnisse bei den Konditionen eingelassen.

Aufgrund des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB), das ohnehin eine hohe Nachfrage generiert, konnten Emittenten bisher ihre Anleihebedingungen weitgehend durchdrücken. Lufthansa hat nun offenbar den Bogen überspannt, was die Investoren dazu gebracht hat, sich zurückzuziehen. Die Lufthansa erklärte, sie habe sich „mit Rücksicht auf den im gegenwärtigen Marktumfeld erzielbaren Preis und die Ziele des Unternehmens“ entschieden, die Emission derzeit nicht weiterzuverfolgen. An der geplatzten Transaktion beteiligt waren die Investmentbanken Barclays, Goldman Sachs, UBS und UniCredit.

Indessen ist gestern Abend bekannt geworden, dass die Lufthansa sich mit Air Berlin einig geworden ist über die Miete von bis zu 40 Flugzeugen samt Besatzung ab dem Sommerflugplan im März 2017. Weitere 35 Flieger sollen in einer separaten Geschäftseinheit zusammengefasst werden, mit dem Ziel, strategische Optionen zu überdenken. Damit würde die Flotte der dauerkriselnden Air Berlin auf rund 75 Flugzeuge halbiert werden. Darüber hinaus plant Air Berlin die Entlassung von rund 1.200 Beschäftigten.

Hoffnung auf goldenen Herbst

Ungeachtet aller Krisenmeldungen versprüht die deutsche Wirtschaft Optimismus. Nachdem der Ifo-Index noch im August mit einem Einbruch auf das Brexit-Votum der Briten reagiert hatte, klettert das Konjunkturbarometer nun auf den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren.

Entgegen vieler Erwartungen hat sich damit die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im September deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 109,5 Punkte von 106,3 Zählern im Vormonat. Zuvor hatte es zwei Rückgänge in Folge gegeben. „Die deutsche Wirtschaft erwartet einen goldenen Herbst”, sagte dazu Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die kräftige Stimmungsaufhellung zeigt, dass der starke Rückgang im Vormonat auf Einmalfaktoren wie die Brexit-Entscheidung zurückzuführen ist. Vor allem ist es die Bauwirtschaft, die für den Indexanstieg sorgt, während andere Industriebereiche teilweise eine schwache Auftragslage vorweisen. Vielleicht könnte sich dies mit Blick auf China bald ändern, die überraschend einige gute Konjunkturdaten vermeldeten. Ob das Stimmungshoch nur vorübergehender Natur ist oder sich stabilisieren kann, muss sich erst noch zeigen.

BASF und Vodafone am Kapitalmarkt aktiv

In dieser Handelswoche waren erneut einige Firmen am Primärmarkt aktiv. Neben BASF und Vodafone emittierten auch die Autovermietung AVIS sowie das führende Immobilienunternehmen Gecina mit Sitz in Paris erfolgreich neue Anleihen am Kapitalmarkt.

Der Chemiekonzern BASF emittierte einen 500 Mio. Euro schweren Bond (A2BPA5) mit privatanleger-freundlicher Mindeststückelung von 1.000 Euro und ließ sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in den Anleihebedingungen festschreiben. Dem Investor wird jährlich bis zur Fälligkeit am 06.10.2031 ein Zins von 0,875% gezahlt. Das Pricing erfolgt bei +38 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 98,514 entspricht.

Der Telekomunikationsdienstleister Vodafone konnte 750 Mio. Euro erfolgreich platzieren. Der Bond (A18635) ist am 30.01.2024 fällig und wirft jährlich 0,5% Zinsen ab. Der Emissionsspread lag bei +60 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,221% gleichkommt.

Auch Gecina sicherte sich günstige Konditionen für 500 Mio. Euro am Kapitalmarkt. Das französische Immobilienunternehmen zahlt seinen Kunden einen Kupon in Höhe von jährlich 1,00%. Fällig wird die Anleihe (A1861E) am 30.01.2029. Der Reoffer-Preis wurde mit 99,105 festgeschrieben, was +115,90 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entspricht. Gecina ließ sich wie BASF und auch AVIS ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen festschreiben.

Neue Autos kosten bekanntlich Geld. Daher ist es für die Autovermietung AVIS umso erfreulicher, dass sie bei den Investoren 300 Mio. Euro einsammeln konnte. Der Bond (A186TY) mit einer Fälligkeit am 15.11.2024 ist mit einem Kupon von 4,125% ausgestattet, der halbjährlich gezahlt wird. Die Anleihe wurde zu pari emittiert. Alle drei Bonds von Vodafone, Gecina und AVIS haben eine Mindeststückelung von 100.000 Euro und dürften sich daher vornehmlich an institutionelle Anleger richten.

Die im Moment rege Emissionstätigkeit wird sich auch in den kommenden Tagen fortsetzen. So stehen bereits Hutchison, ENBW, Lanxess und Veolia in den Startlöchern, um sich zu aktuell günstigen Konditionen am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Sorgenbaromter in Topform

Die Sorgenfalten der Marktteilnehmer werden dieser Tage nicht weniger. Die allgemeine Unsicherheit, die momentan zweifelsfrei aufgrund der aktuellen Entwicklung um die Deutsche Bank herrscht, schlägt sich auf den Rentenmarkt nieder.

So macht das Sorgenbarometer seinem Namen wieder einmal alle Ehre und setzt seinen seit Tagen anhaltenden Aufstieg weiter fort. Aufgrund der momentanen Lage in der deutschen Bankenlandschaft stehen deutsche Bundesanleihen als ein Hort der Sicherheit bei den Marktteilnehmern hoch im Kurs. Infolgedessen konnte der Euro-Bund-Future deutlich zulegen, der Dezember-Kontrakt stieg auf ein neues Hoch bei 166,27%. Dies wiederum sorgte für stark fallende Renditen. So notierte die zehnjährige Benchmark-Anleihe zeitweise bei -0,161% unweit ihres Rekordtiefs von -0,205% von Anfang Juli. Zum Vergleich, nach einem kurzen Schwächeanfall Mitte September notierte das Rentenbarometer noch bei 162,56 Punkten, die Bundrendite lag damals kurzzeitig sogar im positiven Bereich. Nach den Kursgewinnen der vergangen Tage handelt der Bund-Future heute Morgen leichter bei 165,85%.

Aus Sicht der Charttechnik ist der starke Widerstand bei 165,63% (Hoch 24. Juni) durchbrochen worden. Das Augenmerk richtet sich demnach auf das neue September-Hoch bei 166,27%. Der Blick in die andere Richtung offenbart die nächste Unterstützung um die wichtige Marke von 165% respektive 164,50%.

Mexikanischer Peso reagiert auf das erste Fernsehduell

Der mexikanische Peso stieg nach dem ersten Fernsehduell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump deutlich an. Vom Monats-Hoch am 26.09.2016 in Höhe von 22,4468 MXN fiel der Kurs zur europäischen Gemeinschaftswährung am Dienstagmorgen auf ein Niveau von 21,85 MXN. Hintergrund für die Aufwertung des Pesos ist wohl der Ausgang der ersten Fernsehdebatte. Zuvor war der Peso im Vergleich zum Monatsanfang, wo er in einer Range zwischen 20,50 und 21,50 MXN gehandelt wurde, deutlich unter Druck geraten, da Donald Trump mehr und mehr Chancen eingeräumt wurden, die Wahl zum US Präsidenten für sich entscheiden zu können. Er machte sich im Wahlkampf für eine harte Abgrenzungspolitik gegenüber dem Nachbarstaat Mexiko stark. Trumps Überlegungen gingen hin bis zum Bau einer Grenzmauer. Da wie zuvor bereits erwähnt, das erste Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten zu Gunsten von Hillary Clinton gewertet werden kann, erklärt sich die Erholung des mexikanischen Pesos. Aktuell handelt der Euro um die Marke von 21,79 MXN.

Im Gegensatz zum mexikanischen Peso kam das Pfund Sterling ins Straucheln. Denn am letzten Donnerstag gab der britische Außenminister Boris Johnson bekannt, dass Großbritannien Anfang 2017 die Austrittserklärung aus der Europäischen Union nach Artikel 50 abgeben wolle. Aktuell testet der Euro das Hoch vom 16.08.2016 bei 0,8725 GBP. Auch die Zahlen sprechen aktuell nicht für eine Erholung des britischen Pfunds. Die von der British Bankers’ Association genehmigten Hypotheken sind im Juli um 700 auf 37.000 gesunken und stellen einen guten Indikator für den britischen Immobilienmarkt dar. Steigen die Anträge, deutet dies auf einen gesunden Immobilienmarkt hin, der wiederum zu einer positiven Entwicklung der gesamten britischen Wirtschaft beitragen kann. Des Weiteren sind die Erwartungen für Aufträge in der britischen Industrie im September weiterhin niedrig. Der entsprechende CBI-Index entsprach den Prognosen von -5 Punkten. Auch die Bank of England hält weiter an der bisherigen Geldpolitik fest und belässt den Leitzins bei 0,25%. Daher darf man gespannt sein, ob und wenn ja, wann das Hoch vom 26.08.2016 bei 0,8725 GBP gerissen wird. Dann würde das nächste Hoch vom 25.02.2013 bei 0.8815 GBP in den Fokus rücken. Der Euro handelt aktuell um die Marke von 0,86 GBP.

In dieser Woche standen auf den Kauflisten der Investoren überwiegend Anleihen lautend auf mexikanischen Peso, brasilianische Real, US Dollar sowie vereinzelt Autowerte auf australische Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Fed spielt weiter auf Zeit

Auch auf der 6. Notenbanksitzung in diesem Jahr hat sich in Bezug auf die Leitzinsen nichts geändert. Yanet Yellen spielt weiter auf Zeit und mit einer Zinserhöhung ist wohl frühestens auf der Sitzung im Dezember zu rechnen. Im Vorfeld der Fed-Sitzung hatte die Aussicht auf weiterhin billiges Geld den US-Aktienbörsen zu Kursgewinnen verholfen. Investoren rechneten nach den jüngsten durchwachsenen Konjunkturdaten offenbar nicht damit, dass die US-Notenbank am Mittwoch den Leitzins anheben würde. Und damit behielten sie Recht.

Nie zuvor war das Zinsniveau in den USA so lange so niedrig. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 lag der Leitzins der US-Notenbank erst jahrelang knapp über 0%. Seit Ende vergangenen Jahres bewegt er sich zwischen 0,25 und 0,5%. Eigentlich waren längst weitere Zinsschritte erwartet worden, aber seit Dezember ist nichts mehr passiert. Und auch für diese Sitzung war in den Tagen zuvor nicht mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet worden.

Dabei hat der Wahlkampf in den USA die Situation für Fed-Chefin Janet Yellen nicht leichter gemacht. Je näher die Präsidentschaftswahl rückt, desto schwieriger wird es für die Fed, die Zinsen zu erhöhen. Es verwundert nicht, dass der krawallige republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Geldpolitik der Notenbank massiv attackiert und Yellen persönlich angegriffen hat. Die Fed solle die Wirtschaft ankurbeln und würde somit die Demokratin Hillary Clinton unterstützen. Donald Trump würde ohnehin eine Ablösung Yellen‘s bevorzugen, sollte er Präsident werden. Für die bietet sich am 2. November nochmals die Möglichkeit, vor den Präsidentschaftswahlen zu handeln. Dann wird es aber zeitlich eng, denn der künftige US-Präsident wird sechs Tage später, am 8. November, gewählt. Daher ist wohl frühestens auf der letzten Sitzung in diesem Jahr am 14.12.2016 mit einem Zinsschritt zu rechnen.

Indessen hat sich die japanische Notenbank (BoJ) mehr Spielraum bei der Ausweitung der Geldmenge verschafft. Grundsätzlich soll diese weiter um jährlich 80 Billionen Yen (rund 700 Mrd. €) steigen. Aber die BoJ will dabei nicht mehr starr an dieser Marke festhalten, sondern kurzfristig auch flexibel sein können. Dies soll dazu beitragen, dass die Renditen bei den Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten nicht noch weiter absacken. Unter anderem wurde das Ziel gesteckt, die Rendite für 10-jährige Staatspapiere nicht mehr unter 0% sinken zu lassen.

Deutsche Bank und VW unter besonderer Beobachtung

Zwar gibt sich Deutschlands größtes Bankhaus zuversichtlich, die Forderungen, die die US-Justiz an es heranträgt, drücken zu können. Dennoch hängen drohende Strafzahlungen in Höhe von 14 Mrd. $ wie ein Damoklesschwert über der Deutschen Bank. So viel fordert das US-Justizministerium im Streit um krumme Hypotheken-Geschäfte in den Jahren vor der großen Finanzkrise. Kein Wunder, dass die Titel der Deutschen Bank auch am Bondmarkt unter besonderer Beobachtung der Anleger stehen.

So gaben die Kurse auch eher nach, bevor sie sich im Anschluss wieder leicht erholen konnten. Im fünfjährigen Bereich notiert eine Medium-Term-Note des Bankhauses (DB7XJB) bei rund 101,46% und rentiert damit mit ca. 0,94%. Noch am 7. September hatte der Bond mit 102,828% sein Jahreshoch erreicht. Im langfristigen Bereich stand ein Titel (DB7XJP) im Blickpunkt, der im März 2025 fällig wird und bei einem Kurs von ca. 97,15% eine Rendite von 1,48% aufweist. Sein 12-Monats-Hoch hatte dieser Bond ebenfalls am 7. September mit 99,632% erreicht.

Ein Jahr nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen kämpft Volkswagen immer noch an vielen Fronten. Die bisher eingereichten Schadenersatzklagen von rund 1400 Investoren belaufen sich mittlerweile auf ca. 8,2 Mrd. Euro. Doch operativ sieht es immerhin besser aus als von vielen befürchtet. So bleiben auch die Kurse der VW-Corporates nahe ihrer Jahreshöchststände. Ein bis 10/2021 laufender Titel der VW Financial Services (780516) etwa notiert mit 101,89% knapp unter dem 12-Monats-Hoch von 102,29% am 11. August. Ein im Januar 2024 fällig werdender Bond der VW Leasing (A0JCCZ) liegt bei ca. 112,50%. Dies bedeutet eine Rendite von rund 0,85%. Das Jahreshoch wurde hier mit 113,14% am 10. August erreicht.

Aufmerksamkeit generierten auch die Corporates von Bayer, nachdem bekannt geworden ist, dass der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern gemeinsam mit dem Hamburger Biotechnologie-Unternehmen Evotec neue Therapien für die Behandlung von Nierenerkrankungen entwickeln will. Ein Titel von Bayer (A1ZSAC) mit Laufzeit bis 11/2023 tendiert mit 106,15% wieder in Richtung 12-Monats-Hoch (107,16%) und wirft damit eine Rendite von ca. 0,34% ab.

Kritik an der EZB und Kritik von der EZB

Es war eine Woche, in der ausgerechnet Bundesbank-Chef Jens Weidmann die Europäische Zentralbank (EZB) gegen Kritik in Schutz nahm, und umgekehrt die EZB in Person ihres Chefvolkswirts die Exportausrichtung der deutschen Wirtschaft anprangerte.

Als ungerecht hatte der Mannheimer Professor Klaus Adam in einer Studie die Niedrigzinspolitik der EZB gebrandmarkt, weil sie kleine Sparer enteigne und wohlhabende Aktienbesitzer begünstige. Damit würde die Vermögensungleichheit verschärft. Noch bevor die EZB reagieren konnte, sprang ihr ausgerechnet Jens Weidmann bei, der ansonsten selbst ein vehementer Kritiker der EZB-Geldpolitik ist. Eine solche Schlussfolgerung sei voreilig, so der Bundesbank-Chef. Die EZB-Politik schlage sich nicht nur in einem Anstieg der Vermögenspreise nieder, sondern auch in mehr Wachstum und Arbeitsplätzen, was dann auch wieder den unteren Bevölkerungsschichten nutze. Man weiß nicht, warum sich Weidmann zu dieser Reaktion bemüßigt fühlte, hatte doch ausgerechnet eine Mitarbeiterin des hauseigenen Bundesbank-Forschungszentrums an der Studie des Professors mitgeschrieben.

Indessen haben die starke deutsche Exportindustrie und der damit verbundene Exportüberschuss immer wieder Kritiker auf den Plan gerufen. In dieser Woche hat sich auch der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet, eingereiht. Europas größte Volkswirtschaft solle seine derzeit günstige wirtschaftliche Lage doch nutzen, um endlich die Binnennachfrage anzukurbeln, fordert er. Aufgrund des Exportüberschusses in Höhe von nahezu neun Prozent der Wirtschaftsleistung sei die deutsche Volkswirtschaft zu stark abhängig von der Nachfrage im Ausland, sagte er der französischen Zeitung „L’Opinion”. Deutschland müsse nun Reformen durchsetzen und den Binnenmarkt voranbringen, so das Credo von Praet. Dies könne über höhere Löhne, eine Erhöhung der Investitionen oder eine Senkung der Steuerlast geschehen.

Ähnlich kritisch sieht dies bekanntlich die EU-Kommission, die der Bundesregierung bereits regelmäßig empfiehlt, mehr zu investieren und so die Nachfrage im Inland anzukurbeln, wodurch der Exportüberschuss schrumpfen würde. Tenor der Kritik ist dabei immer wieder, dass Länder mit hohen Überschüssen dazu beitragen, dass andere Staaten sich hoch verschulden, um ihre Importe zu finanzieren. Vielleicht aber liegt das Geheimnis deutscher Exporterfolge ja einfach in wettbewerbsfähigen Produkten.

EuGH hält Schadensersatz im Prinzip für möglich

Das Ganze erinnert ein bisschen an Radio Erivan. So haben die Richter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nun festgestellt, dass im Falle von Enteignungen „im Prinzip“ die Möglichkeit besteht, die EU-Kommission und die EZB auf Schadenersatz zu verklagen. Dann muss aber nachgewiesen werden, dass sich die Behörden falsch verhalten haben. Außerdem müssen Kläger einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer rechtswidrigen Entscheidung und ihrer persönlichen Enteignung nachweisen. Diesen Umstand nachzuweisen, dürfte einem Geschädigten schwerfallen – erst recht, wenn ein Zusammenbruch des Finanzsystems als Gegenargument ins Treffen geführt wird. „Im Prinzip“ wäre es damit unmöglich, sich Schadensersatz zu erstreiten.

Im konkreten Fall sind mehrere Kläger aus Zypern mit Beschwerden um die Bankenrettung in der Euro-Krise vor dem EuGH gescheitert. Ihre Einlagen hatten bei der Umstrukturierung des zyprischen Finanzsektors 2013 erheblich an Wert eingebüßt. Daher forderten sie nun unter anderem Schadensersatz. Die EU-Kommission habe mit ihren Maßnahmen im Sinne des Gemeinwohls der EU gehandelt, urteilte der EuGH in Luxemburg. Es sei um die Stabilität des Bankensystems im Euro-Raum gegangen.

Corporate Bonds: Anhaltende Dynamik

Dynamisch und aktiv zeigte sich der Primärmarkt für Corporate Bonds auch in dieser Woche. Ungeachtet der derzeit dominierenden Zentralbankentscheidungen gelang es Unternehmen aus verschiedenen Branchen erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Die Deutsche Bahn stellte die Weichen für die Zukunft mit einer 12-jährigen Anleihe (A186J2) im Volumen von 500 Mio. €. Das Unternehmen zahlt dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 0,625% bis zur Fälligkeit am 26.09.2028. Das Pricing erfolgte mit +20 bps über Mid Swap. Folglich lag der Ausgabepreis bei 98,696%. Die Bahn entschied sich bei diesem Papier für die „Privatanleger-freundliche“ Mindestanlagesumme von 1.000 €.

Trotz des aktuell günstigen Ölpreises machte sich das im Erdölsektor tätige Unternehmen BP fit für kommende Projekte und refinanzierte sich mittels eines 8-jährigen Bonds (A186HJ) im Volumen von 850 Mio. €. Gezahlt wird ein Kupon in Höhe von 0,83% p.a. bis zum Laufzeitende am 19.09.2024. Der Reoffer lag bei 100% und somit +106,8 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. BP entschied sich für die Aufnahme eines vorzeitigen Kündigungsrechts 3 Monate vor Fälligkeit der Anleihe. Die Mindeststückelung wurde mit 100.000 € festgesetzt.

Auch Swiss Life war am Primärmarkt präsent und begab eine Hybridanleihe (A186J7) im Umfang von 600 Mio. €. Der Anleger erhält eine feste Verzinsung in Höhe von 4,5% bis zum 19.05.2027. Im Anschluss bis zur Fälligkeit bzw. der vorzeitigen Kündigung richtet sich die Verzinsung nach dem dann gültigen 3-Monats-Euribor +5,1%. Das Unternehmen hat sich diverse Sonderkündigungsrechte festschreiben lassen. Beginnend ab dem 19.05.2027 ist die Kündigung quartalsweise vorzeitig zu 100% des Nennwertes möglich. Der Ausgabepreis lag bei 99,707% (+410 bps über Mid Swap) und Swiss Life entschied sich bei diesem Papier ebenfalls für die Mindeststückelung von 100.000 €. Deshalb dürfte sich diese Anleihe vornehmlich an institutionelle Anleger richten.

Rentenbarometer mit Jo-Jo-Effekt

Die deutsche Finanzagentur hat ihren Emissionskalender für das vierte Quartal veröffentlicht. Danach will der Bund weniger Schulden machen als veranschlagt. Für das letzte Quartal dieses Jahres sind somit Emissionen im Volumen von insgesamt 27 Milliarden Euro vorgesehen. Dies entspricht 7 Mrd. € weniger als ursprünglich geplant.

Die Pläne des richtungsweisenden Euro-Bund-Future sind für die Marktteilnehmer auch schwerlich auszumachen. Seine jüngste Talfahrt hat der Bund-Future beendet und zeigt sich wieder von seiner gewohnt beständigen Seite. So konnte sich das Rentenbarometer von dem in der Vorwoche markierten September-Tief bei 162,56% deutlich entfernen und stieg innerhalb der Berichtswoche bis auf 164,37 Punkte. Deutsche Staatsanleihen standen somit wieder in der Gunst der Anleger, nachdem sie die Tage zuvor relativ deutliche Kursverluste zu verzeichnen hatten. Im Gegensatz dazu fiel die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen wieder in den negativen Bereich und notiert derzeit bei -0,04%. Nach den wichtigen Zentralbankentscheidungen der Bank of Japan (BoJ) und insbesondere der amerikanischen Notenbank Fed startet der Euro-Bund-Future heute Morgen freundlicher bei 164,55% in den Handel.

Der obligatorische Blick auf die technische Chartanalyse offenbart uns die nächsten Widerstände bei 164,50% (mehrere September-Tiefs) sowie das Jahreshoch am 24. Juni von 165,63% im Dezember-Kontrakt. Der Blick in die andere Richtung zeigt die nächste Unterstützung bei 163,67% respektive 162,56% (Tief 13. September).

Türkei: Leitzinssenkung so gut wie sicher

Nicht nur in Japan und den USA wurde intensiv über den geldpolitischen Kurs diskutiert, den die Notenbanker ja bereits auf ihren gestrigen Sitzungen bekannt gegeben haben. Auch in der Türkei tagt am heutigen Donnerstag die Zentralbank. Anders als in Japan und den USA scheint in der Türkei aber bereits festzustehen, dass der Leitzins von 8,50% auf 8,25% gesenkt wird. Noch zu Beginn des Jahres lag der Leitzins bei 10,75%, zu dem sich die Geschäftsbanken untertägig Geld bei der Zentralbank leihen konnten. Grund für die Rücknahme des Leitzinses dürfte weiter das schwache Wirtschaftswachstum sein. Auch vom Außenhandel kommen keine nennenswerten Impulse, die als Konjunkturstütze dienen könnten. Die türkische Wirtschaft wird im Moment trotz steigender Arbeitslosigkeit fast ausschließlich vom privaten Konsum gestützt. Dies dürfte aber nicht ausreichend sein. So wird für die nächste Sitzung im Oktober bereits die nächste Senkung auf dann 8,00% erwartet. Einzig die anhaltend hohe Inflation von aktuell ca. 8% dürfte den Mitgliedern der türkischen Zentralbank Sorge bereiten, zumal für Ende 2016 eine Inflation von 8,8% prognostiziert wird. Das Ziel liegt aktuell bei 7%. Die Landeswährung zeigt sich im Vorfeld der Sitzung wenig beeindruckt und pendelt um die Marke von 3,3150 TRY. Verstärkte Handelsaktivitäten in Bonds, die in türkische Lira emittiert wurden, konnten nicht festgestellt werden.

Allerdings zählten in dieser Berichtswoche Anleihen lautend auf russische Rubel und mexikanische Peso zu den Lieblingen der Privatanleger. So wurde zum Beispiel verstärkt eine russische Staatsanleihe (A1HFLY) nachgefragt. Aktuell notiert sie um 93,35% und rentiert damit bei 8,11%. Der Euro pendelt aktuell um die Marke von 71,80 RUB. Ebenso gefragt war ein Bond der Weltbank (A1HPVJ) mit einem aktuellen Kurs von ca. 98,50% und einer Rendite von rund 4,86%. Die europäische Gemeinschaftswährung handelt gegenüber dem Peso bei rund 22,08 MXN.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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www.baaderbank.de

Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Bank of England versucht den Finanzplatz an der Themse aufzuhübschen

Die Bank of England (BoE) hat eine Liste mit rund 300 Wertpapieren veröffentlicht, die sie im Rahmen ihres 10 Mrd. Pfund schweren Anleihekaufprogramms erwerben kann. Unter den ca. 100 Unternehmen befinden sich auch eine Reihe von nichtbritischen Firmen wie der US-Technologieriese Apple und der deutsche Autobauer Daimler. Außerdem stehen das US-Biotech-Unternehmen Amgen, der französische Versorger Électricité de France und der dänische Energiekonzern Dong Energy auf der Liste. Das Programm soll am 27.9. starten und ist für 18 Monate terminiert.

Der Umstand, dass die BoE offenbar gewillt ist, auch Corporates nichtbritischer Unternehmen anzukaufen zeigt, wie weit die Notenbank in London entschlossen ist, zu gehen. So gilt der BoE als wichtigstes Kriterium für den Ankauf der Bonds, dass die Unternehmen „einen wesentlichen Beitrag zur britischen Wirtschaft” leisten. Darüber hinaus müssen die Bonds ein gutes Rating aufweisen und in Pfund denominiert sein. Dabei habe man sich die Bank of Japan zum Vorbild genommen, die nach ähnlichen Kriterien am Markt agiert, allerdings auch schon mehr als 10 Jahre lang vergeblich gegen eine nahezu stagnierende Konjunktur ankämpft.

Allein durch die Ankündigung der neuen Maßnahme hofft die BoE mehr Anleiheemissionen an die Themse zu locken. Letztendlich versucht die Notenbank, den Finanzplatz London aufzuhübschen und erhofft sich positive Effekte für internationale Investitionen. Denn theoretisch soll der BoE-Plan die Kreditkosten für die Unternehmen senken, weshalb man wiederum auf mehr internationale Investitionen in Großbritannien hofft. Natürlich sind die Kreditkosten für globale Konzerne ein Kriterium bei der Frage, an welchem Finanzplatz sie Corporate Bonds emittieren. Ob dies allerdings dazu führen mag, auch in dem Emissionsland in Produktionskapazitäten zu investieren, steht freilich auf einem anderen Blatt. Finanzplatz und Produktionsstandort sind eben zweierlei. Die Zukunft wird zeigen, ob die Rechnung der Zentralbank in London aufgehen wird.

Das Ankaufprogramm der BoE ist Teil der Reaktion auf das Brexit-Votum der britischen Bevölkerung und einem damit verbundenen drohenden Konjunktureinbruch. Die Notenbank in London hatte auf den Austritt aus der EU bereits mit der Senkung des Leitzinses reagiert. Anfang August senkte die BoE den Schlüsselsatz von 0,5% auf seinen historisch niedrigsten Stand von 0,25%. Negativzinsen hatte Notenbankchef Mark Carney damals aber ausgeschlossen.

Corporate Bonds von Linde und Bayer im Fokus

Im Blickpunkt der Nachrichten stand die Linde AG, die nach der geplatzten Fusion mit dem US-Konzern Praxair sowohl ihren Finanzchef als auch den Vorstandsvorsitzenden verloren hat. Die Bonds des Industriegase-Herstellers gaben zunächst leicht nach, stabilisierten sich dann aber bald wieder.

Ein bis 6/2021 laufender Bond (A1GRYP) stieg nach einem kurzen Rücksetzer wieder auf 118,22% an und weist damit eine Rendite von 0,00% auf. Sein 12-Monatstief hatte der Bond am 6.11.2015 mit 116,72% erreicht. Ähnlich verlief die Kurskurve der Linde-Corporates im langfristigen Bereich, was ein Titel mit Fälligkeit 4/2028 (A180B3) zeigt. Aktuell notiert die Anleihe um ca. 103,30% und rentiert damit bei ca. 0,70%.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte auch die Bayer AG, die gestern den Zuschlag für Monsanto erhalten hat. Nach den Kursabschlägen während des umstrittenen Übernahmekampfes in den vergangenen Tagen zogen die Bayer-Bonds am Rentenmarkt wieder leicht an. Ein bis 1/2021 laufender Titel von Bayer (A1YC3K) notiert mit ca. 107,75% knapp unter seinem Jahreshoch von 108,44% und rentiert somit bei ca. 0,09%. Ungefähr 0,37% Rendite wirft eine Bayer-Anleihe (A1ZSAC) mit Fälligkeit 11/2023 ab, die bei 106,176% notiert.

Unter den Titeln mit einer soliden Bonität und einer Rendite, die im Gegensatz zu Bundesanleihen noch über der Nulllinie liegen, fanden Anleger an Fresenius Gefallen. Selektiv gesucht war ein Corporate Bond des Gesundheitskonzerns (A1HEWZ) mit Laufzeit 7/2020, der bei einem Kurs von ca. 109,775% mit rund 0,31% notiert.

Fed-Gouverneurin entschärft Zinsangst

Wenn nicht alle Zeichen trügen, hat diese Woche eine ranghohe US-Notenbankerin ihrer Chefin Janet Yellen widersprochen. In einer Rede dämpfte Fed-Gouverneurin Leal Brainard die Erwartungen auf eine baldige Zinsanhebung in den USA. Brainard, die dem Direktorium der Fed angehört, sprach sich für eine vorsichtige Vorgehensweise in der Geldpolitik aus und nannte eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt unnötig und problematisch. In der Folge zogen die US-Aktienkurse an, was die Renditen bei US Bonds ebenfalls steigen ließ.

Das Besondere an Brainards Rede ist, dass sie die letzte Vertreterin der Fed ist, die sich vor deren nächster geldpolitischer Sitzung am 21. September öffentlich äußern durfte. Damit hat sie sich - als Vertreterin einer sehr lockeren Geldpolitik - einmal mehr gegen Fed-Chefin Janet Yellen gestellt. Schließlich hatte Yellen erst im August angedeutet, dass es demnächst Zeit sei für eine Zinserhöhung. Das wiederum hat die Erwartungen für einen solchen Schritt im September erhöht. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte sich Brainard im Gegensatz zu Yellen gegen eine Zinserhöhung noch im Jahr 2015 ausgesprochen. Wie zahlreiche Beobachter meinen, würde eine Anhebung des Leitzinses durch die US-Zentralbank viele Investoren wahrscheinlich auf dem falschen Fuß erwischen. So rechnet nur eine Minderheit der von der Financial Times Befragten mit einer Anhebung am 21. September. 85% gehen indessen davon aus, dass Yellen alles beim Alten belässt.

Ein Einbruch am Aktienmarkt und eine strauchelnde Konjunkturentwicklung würden nebenbei eher dem sprunghaften Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, in die Karten spielen. Die Unsicherheiten für die US-Wirtschaft, die eine Präsidentschaft von Trump mit sich bringen würde, wären allerdings groß. So rechnet das Institut Oxford Economics vor, dass eine US-Präsidentschaft von Trump die US-Wirtschaft eine Billion Dollar kosten könnte. Demnach könnte das Wirtschaftswachstum unter Trump 2019 zum Erliegen kommen. Für den Fall, dass Hillary Clinton Präsidentin werden würde, rechnet das Institut mit relativ konstanten Wachstumsraten ab 2017 von etwa zwei Prozent jährlich.

Ruferin in der Wüste

Die Vertreter der Bundesbank und deutsche Mitglieder des EZB-Direktoriums müssen sich manchmal vorkommen wie die berühmten Rufer in der Wüste. So auch EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger, die diese Woche betonte, dass sie keine Notwendigkeit für eine weitere Leitzinssenkung in der Eurozone sieht.

„Ich bin skeptisch mit Blick auf weitere Zinssenkungen”, machte Lautenschläger in Straßburg deutlich. Auch eine Zinsanhebung würde derzeit weder Sparern noch Banken nutzen, sagte sie weiter, wollte aber eine weitere Senkung dann doch nicht ganz ausschließen. Man habe noch nicht das absolut mögliche niedrigste Niveau bei den Zinsen erreicht, sagte Lautenschläger. Gleichzeitig warnte sie, das aktuelle Anleihekaufprogramm der EZB nicht zu überdehnen. Es gebe zwar keinen Grund, die Schlüsselelemente des aktuellen Anleihekaufprogramms zu ändern, allerdings könnten nach ihrer Überzeugung die Maßnahmen nicht unendlich lange fortgesetzt werden. Die Wirkung der Maßnahmen, so warnte sie, lasse im Laufe der Zeit nach und die Risiken könnten steigen.

Die EZB kauft derzeit monatlich Wertpapiere im Wert von 80 Mrd. € auf. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt derzeit auf dem Rekordtief von null Prozent, während der Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent liegt.

Corporate Bonds: Heiter bis sonnig

Ähnlich der aktuellen Hochwetterlage über Deutschland zeigte sich auch die Stimmung am Primärmarkt: heiter bis sonnig. Die rege Emissionstätigkeit setzte sich fort und so kamen namhafte Emittenten mit neuen Anleihen. Neben Schäffler (3 neue Bonds) refinanzierte sich auch Novartis mit einem Doppelpack.

Schäffler gelang es spielend insgesamt 2,25 Mrd. Euro bei den Investoren einzusammeln. Es konnte zwischen 5, 7 oder 10 Jahren Laufzeit mit identischen Emissionsvolumen gewählt werden. Die 5-jährige Anleihe (A2BPBA) bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 2,75% bis zum Laufzeitende am 15.09.2021. Der Ausgabepreis lag bei 100% (+331 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Der 7-jährige Bond (A2BPBC) wird mit 3,25% p.a. verzinst. Das Ende der Laufzeit ist am 15.09.2023. Da das Pricing mit +368 bps über Bund erfolgte, lag der Reoffer bei 100%. Last but not least die 10-jährige Anleihe (A2BPBE), die dem Investor jährlich eine Verzinsung von 3,75% bis zur Fälligkeit am 15.09.2026 zahlt. Der Emissionsspread lag hier bei +381 bps über Bund. Somit errechnete sich ein Ausgabepreis von Pari. Schäffler wählte bei allen 3 Anleihen eine Mindestanlagesumme von 100.000 Euro und ließ sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) festschreiben.

Novartis sicherte sich günstige Konditionen für insgesamt 1,75 Mrd. Euro verteilt auf 2 Schuldtitel. Bei der ersten 7-jährigen Tranche (A186FQ) handelt es sich um eine 1,25 Mrd. Euro schwere Anleihe mit Laufzeitende am 20.09.2023. Der Investor erhält hierbei eine jährliche Verzinsung von 0,125%. Emittiert wurde das Papier mit einem Spread von +61,3 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe und somit zu 99,127%. Das Doppelpack komplettiert ein 12-jähriger Bond (A186FR), welcher mit einem Kupon in Höhe von 0,625% und Fälligkeit am 20.09.2028 ausgestattet ist. Das Papier wurde zu 98,48% emittiert (+72,6 bps über Bund). Auch bei den beiden Novartis Anleihen entschied sich der Emittent für die Mindeststückelung von 100.000 Euro und die Aufnahme einer Make-Whole-Option in die Anleihebedingungen.

Das österreichische Unternehmen Novomatic entschied sich bei der Finanzierung von 500 Mio. Euro mittels einer 7-jährigen Anleihe (A186FM) für eine „privatanlegerfreundliche“ Stückelung von 500 Euro. Novomatic zahlt dem Investor jährlich eine Verzinsung von 1,625% bis zur Fälligkeit am 20.09.2023. Gepreist wurde mit +170 bps über Midswap. Folglich betrug der Ausgabepreis 98,969%.

Rentenbarometer vor Trendwende?

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future hat seine in der vergangenen Woche eingeleitete Kurskorrektur weiter fortgesetzt. Seit der EZB-Sitzung am Donnerstag kennt das Rentenbarometer demnach nur noch eine Richtung, gen Süden. So verlor der Euro-Bund-Future innerhalb der Berichtswoche mehrere Prozentpunkte und fiel am späten Dienstagnachmittag auf ein neues Monatstief bei 162,56%. In der Woche zuvor und kurz vor der Ratssitzung der EZB handelte er noch um die Marke von 165,50 Punkten. Fallende Kurse am Bondmarkt gehen mit steigenden Renditen einher. Folglich stieg die zehnjährige Bundrendite bis auf +0,07% an, damit notiert sie erstmals seit knapp zwei Monaten wieder im positiven Bereich. Dies ist gleichzeitig der höchste Stand seit dem Brexit-Votum von Ende Juni.

Ob diese Kurskorrektur nachhaltig ist, wird sich zeigen. In den nächsten Tagen stehen wichtige Notenbankentscheidungen an, die das Pendel wieder in die andere Richtung schwingen lassen können. Aber noch ist es nicht soweit und so handelt der Dezember-Kontrakt heute Morgen wenig verändert bei 163,30%.

Aus Sicht der Charttechnik ergibt sich der erste Widerstand um den Bereich von 164,50% (mehrere September-Tiefs). Darüber hinaus bildet das Jahreshoch bei 165,63% (24. Juni) im neuen Dezember-Kontrakt einen starken Widerstand. Der Blick in die andere Richtung offenbart uns die nächste Unterstützung bei 162,56% (Tief 13. September) sowie der psychologisch wichtigen Marke von 160 Punkten.

Vor den Spielen ist nach den Spielen

Die Redewendung „Vor den Olympischen Spielen ist nach den Olympischen Spielen“ trifft auch auf den brasilianischen Real zu. Seit Jahresbeginn konnte sich die Währung bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro deutlich verbessern und verzeichnete am 09.08.2016 ein Jahreshoch bei 3,4770 BRL. Am 12.02.2016 markierte der Real bei 4,5525 BRL sein Jahrestief. Kaum neigten sich die Spiele in Rio dem Ende, verlor der brasilianische Real wieder an Boden und handelt aktuell um die Marke von 3,75 BRL.

Die Konjunkturdaten Brasiliens verstärken diesen Trend. So sanken die Umsätze im Einzelhandel im Juli 2016 um 0,3% gegenüber dem Vormonat. Besonders stark betroffen waren die Einbußen bei Lebensmitteln, Getränken und Treibstoff, die ca. 60% der Umsätze ausmachen. Weiterhin belastet die Arbeitsmarktsituation in Brasilien die Einkommen der privaten Haushalte und deren Konsumverhalten. Insofern bleibt abzuwarten, wie die Währungshüter versuchen werden, die Konjunktur wieder anzukurbeln. Aus dem jüngsten Sitzungsprotokoll der Notenbank geht hervor, dass mit Zinssenkungen erst Ende des Jahres respektive im ersten Halbjahr 2017 zu rechnen ist.

Beim Greenback herrscht wieder einmal abwartende Haltung. Alles schaut gebannt auf die Entscheidung der FED am kommenden Mittwochabend. In der letzten Berichtswoche handelte der Euro in einer engen Range zwischen 1,1200 und 1,1350 USD. Aktuell notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1230 USD.

In dieser Handelswoche waren verstärkt Handelsaktivitäten bei Anleihen lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie brasilianische Real zu verzeichnen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Spiel mir das Lied vom Zins-Tod

Heute ist es wieder soweit - die erste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der Sommerpause steht an. Der Regisseur des Italo-Zins-Klassikers, Mario Draghi, wird bei seiner heutigen Pressekonferenz sicherlich erneut betonen, dass man mit den bisher eingeleiteten Maßnahmen zwar noch nicht das Ziel erreicht, aber noch eine Vielzahl an Pfeilen im Köcher habe. Um seine Gedanken zum „Lied vom Zins-Tod“ näher zu erläutern, wird Draghi am 28. September vor dem Europa-Ausschuss des Deutschen Bundestages ausgiebig Gelegenheit haben. Denn es sind die deutschen Banken, die in besonderem Maße unter der extremen Niedrigzinspolitik der EZB leiden. Deshalb herrscht für Draghi ein gewisser Erklärungsbedarf gegenüber dem Deutschen Bundestag.

Wer auf eine rasche Zinsanhebung durch die amerikanische Notenbank gesetzt hat, wurde in den vergangenen Monaten ein ums andere Mal enttäuscht und sieht nach den jüngsten US-Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten nur noch eine geringe Chance auf eine baldige Zinserhöhung. Dennoch plädieren vereinzelt führende Repräsentanten der US-Notenbank Fed für eine baldige Änderung der Notenbankpolitik und argumentieren hierbei, dass der US-Arbeitsmarkt immer noch auf Erholungskurs sei und man Spielräume für die Zukunft schaffen müsse.

Immerhin meint die OECD, dass sich die Zeit der niedrigen Zinsen allmählich ihrem Ende entgegen neige. Denn nach ihrer Einschätzung haben die führenden Notenbanken weltweit ihre Möglichkeiten zur Konjunkturbelebung weitestgehend ausgeschöpft. Diese These steht allerdings im krassen Widerspruch zur Sichtweise des japanischen Notenbank-Gouverneurs Haruhiko Kuroda, der noch reichlich Spielraum für geldpolitische Maßnahmen sieht. Doch blieb er bisher schuldig, den Märkten mitzuteilen, an welche Schritte er dabei denkt. Am 21. September werden wir die Zinswelt vielleicht mit anderen Augen sehen, denn an diesem Tag werden die Vertreter der Notenbanken in Japan und in den USA zusammensitzen, um über künftige Maßnahmen zu beraten.

Doch zuvor gilt es den Worten von Mario Draghi zu lauschen. Die Erwartungshaltungen für die heutige Sitzung der EZB könnten nicht unterschiedlicher sein. So erhofft sich ein Teil der Marktteilnehmer Hinweise zu möglichen weiteren geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen wie einer zeitlichen Ausweitung der Ankaufprogramme, dem Wegfall der Zinsuntergrenze, der Streichung der prozentualen Volumenbegrenzung je Gattung oder die Einführung eines Staffelzinses, um sinnvolles Liquiditätsmanagement der Banken nicht noch zu bestrafen.

Zumindest für heute aber scheint sicher zu sein, dass eine weitere Absenkung der Zinsen nicht auf der Agenda steht und dass nach einer Notenbanksitzung auch stets vor einer Notenbanksitzung ist. Die nächste findet am 15. September in England statt und eine Woche später blicken wir nach Japan und den USA.

Maßanzüge für die EZB

Die Wirkung des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt bekanntlich zu wünschen übrig. Von dem Inflationsziel 2% und einem Anspringen der Konjunktur im Euroraum ist man jedenfalls noch weit entfernt. Außerdem hat das Kaufprogramm, wie schon vielfach beschrieben, ohnehin eine marktverzerrende Wirkung.

Hinzu kommt nun ein weiterer Aspekt. So sind die Investmentbanken dazu übergegangen, zielgenau solche Anleihen maßzuschneidern, die von der EZB angekauft werden. Seit die EZB im März ihre Ankaufpläne verkündet hat, begaben die Banken EZB-fähige Firmenanleihen im Volumen von mehr als 110 Mrd. €. Das war mehr als das Doppelte gegenüber dem Vorjahreszeitraum und kann somit ohne Übertreibung als Emissionsboom bezeichnet werden.

Damit wurde ein weiterer Marktmechanismus außer Kraft gesetzt. Nicht von ungefähr hat die Tageszeitung „Die Welt“ bereits von einer Art Schulden-Bonanza geschrieben, die das Anleihekaufprogramm ausgelöst hat und am Ende zu einer Pleitewelle führen könnte. Anleihen, welche die Kriterien der EZB erfüllen, finden damit in der Notenbank ihre Käufer. Alles andere, etwa Bonds von kleinen und mittleren Unternehmen, gehen leer aus - zumindest was den Einkaufszettel der EZB angeht. Die Schere zwischen den großen Emittenten, denen das Geld nachgeworfen wird, und den kleinen Unternehmen, die auch einen großen Beitrag zur Wirtschaftsleistung beitragen, geht immer weiter auseinander.

Insgesamt muss man feststellen, dass die EZB durchaus mit Hochdruck ihr Ankaufprogramm vorantreibt. So hat die Notenbank bisher im Wochenschnitt Corporate Bonds im Wert von ca. 1,7 Mrd. € erworben. Unverständlich erscheint es vor diesem Hintergrund, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm und die damit verbundenen Kriterien so offen gegenüber dem Markt kommuniziert hat. Wenn eine Seite ihre Absichten so berechenbar zeigt, wie es die EZB getan hat, fällt es den anderen Marktteilnehmern leicht, darauf bereits im Vorfeld zu reagieren und die Marktmechanismen auszuhebeln. Hätte nicht einfach die bloße Ankündigung der EZB, ein Aufkaufprogramm starten zu wollen, genügt? Die Rolle als verdeckter Finanzmarktpolizist wäre vielleicht sinnvoller gewesen.

Erst jüngst musste auch die Bank von England feststellen, dass der Markt nicht die gewünschte Menge an Anleihen zur Verfügung stellte. Daraufhin wurde der Fehlbetrag auf die nächste Kaufaktion vorgetragen.

Alte Baustellen in Europa und ein Hoffnungsschimmer in Italien

Nach dem Ende der Sommerpause stellt man fest, dass die Zahl der europäischen Baustellen nicht abgenommen hat. Im Gegenteil, die eine oder andere ist neu hinzugekommen.

Zum Beispiel Spanien: Das Land ist seit mehr als 250 Tagen ohne handlungsfähige Regierung und wird zur Belastung für die gesamte Eurozone. Nachdem der konservative Ministerpräsident Rajoy im Parlament zum zweiten Mal bei seinem Versuch gescheitert ist, wiedergewählt zu werden, sind Neuwahlen im Dezember immer wahrscheinlicher. Die Sozialisten hatten ihm vergangene Woche wegen der Korruptionsskandale in seiner Partei die Unterstützung verweigert und den Stillstand im Land verlängert. Doch dieser Stillstand kostet Geld und Zeit – Zeit, die den Reformstau in Spanien weiter verlängert. Nun haben die Parteien bis Ende Oktober Zeit, sich noch einmal über mögliche Regierungskonstellationen auszutauschen. Sofern diese Gespräche scheitern, steht Spanien vor einer weiteren Neuwahl. Nach den gesetzlichen Fristen würde der Wahltermin ausgerechnet auf den ersten Weihnachtstag fallen. Immerhin sind sich in diesem Fall Sozialisten und Konservative darüber einig, das Wahlrecht so zu ändern, dass eine Neuwahl ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest stattfinden könnte.

Zum Beispiel Griechenland: Während der Internationale Währungsfonds (IWF) noch immer nicht bereit ist, an dem aktuellen Finanzierungsprogramm für Griechenland teilzunehmen, hält der Euro-Rettungsfonds ESM Schuldenerleichterungen für leicht durchführbar. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte erneut betont, dass es in Hellas signifikante Reformen geben müsse und die Schulden tragfähig nach IWF-Standards sein müssten.

Voraussetzung für Erleichterungen ist seitens des ESM einmal mehr die Umsetzung von Reformen. Hierbei geht es vor allem um die Pläne für einen Privatisierungsfonds und den Verkauf einiger Staatsanteile. Das derzeitige Hilfsprogramm für Griechenland läuft bis 2018. Darin stellten die Geldgeber von EZB, EU und IWF bis zu 86 Mrd. € an Krediten in Aussicht – immer unter der Bedingung, dass das Land Reformen durchführt.

Zum Beispiel Italien: Dort soll zwischen dem 15. November und dem 5. Dezember ein Referendum über eine Verfassungsreform stattfinden, mit dem Ministerpräsident Matteo Renzi die Macht des Senats stark begrenzen will. Damit bestünde die Chance, das blockadeanfällige System aus zwei gleichberechtigten Parlamentskammern zu überwinden. Mit dem neuen System hätte die Abgeordnetenkammer das letzte Wort bei der Verabschiedung von Gesetzen. Reformen würden erleichtert und das durch häufige Regierungswechsel geprägte politische System könnte stabilisiert werden. Stimmen die Italiener mit „Ja“, dürfte sich Renzi als erfolgreicher Reformer feiern lassen. Der Ausgang des Referendums ist offen. Dennoch sind die Bemühungen von Renzi als Hoffnungsschimmer zu werten.

Neuer Anlauf zur Lösung des Heta-Streits

Der milliardenschwere Streit um die österreichische Pleitebank Heta könnte vor einer Einigung stehen. Das Bundesland Kärnten hat den Gläubigern ein neues Angebot vorgelegt, das 7,8 Mrd. € kosten würde.

Inhaber besicherter Anleihen würden demnach rund 90% ihrer Forderungen zurückbekommen, die Inhaber von nachrangigen Papieren nur rund 45%. Insgesamt müssen zwei Drittel der Geldgeber dem neuen Angebot zustimmen. Außerdem müssen von den Inhabern vorrangiger und nachrangiger Heta-Anleihen jeweils mindestens 75% zustimmen. Die Frist für die Annahme läuft bis zum 7. Oktober, 17.00 Uhr. Große Gläubiger-Gruppen haben bereits im Vorfeld zum Ausdruck gebracht, die neue Offerte annehmen zu wollen.

Die Heta stellt eine der größten Banken-Abwicklungen in Europa dar. Kärnten hat Garantien für Anleihen der ehemaligen Hypo Alpe Adria von rund elf Milliarden Euro übernommen, sieht sich aber nicht in der Lage, die Schulden vollständig zurückzuzahlen. Das österreichische Bundesland plant vorrangige Anleihen nun zu 75% des Nennwerts zurückkaufen und nachrangige Papiere zu 30%. In der Konsequenz könnten die Gläubiger dann die Erlöse in andere staatliche Papiere stecken, so dass sie am Ende auf eine Rückzahlungsquote von 90% beziehungsweise 45% kämen.

Die Gläubigerbanken mussten Anfang 2015 auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) die Hälfte des Werts ihrer Heta-Papiere abschreiben. Würde nun mehr zurückbezahlt, könnten Rückstellungen aufgelöst und laut der Ratingagentur Fitch Buchgewinne von bis zu 1,5 Mrd. € entstehen.

Die Liste von Draghis Kritikern wird länger

Jens Weidmann, Axel Weber, Wolfgang Schäuble und nicht zuletzt Experten aus unserem Hause. Die Liste der Kritiker des Mario Draghi ist vor allem in Deutschland lang. Ende August hat sich nun auch noch John Cryan eingereiht. In ungewohnt scharfer Form hat der Chef der Deutschen Bank in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) angegriffen.

Natürlich habe die Notenbank viel für Europa getan, attestiert er der EZB. Aber inzwischen wirkt die Geldpolitik laut Cryan den Zielen entgegen, die Wirtschaft zu stärken und das europäische Bankensystem sicherer zu machen. „Die erhofften positiven Effekte sind ausgeblieben“, stellt der Brite fest. Unternehmen hielten sich aufgrund der anhaltenden Unsicherheit mit Investitionen zurück und fragten kaum mehr Kredite nach. Damit werden die Ziele der Notenbank im Kern konterkariert. Cryan fordert vor diesem Hintergrund EZB-Präsident Mario Draghi zu einem Kurswechsel auf, sprich: Zum Ausstieg aus den Minuszinsen. Es könne nicht sein, so der Spitzenbanker, dass die Finanzaufseher höhere Sicherheitspolster von den Banken fordern, für diese zusätzlichen Reserven dann aber Strafzinsen verlangen. Der Zinsüberschuss, der die wichtigste Ertragsquelle der Banken darstellt, sei seit 2009 um 7% geschrumpft, stellt Cryan fest. Kein Geld aufzunehmen, sondern Geld vorzuhalten kostet Zinsen. „Sicherheit wird damit bestraft”, resümiert Cryan.

Jetzt auch Corporates mit negativer Emissionsrendite

Pünktlich zum Ende der Sommerferien und der Urlaubszeit kehren auch verschiedene Akteure an den Primärmarkt zurück. Das aktuell günstige Renditelevel sicherte sich neben Henkel auch Sanofi durch die Emission diverser Anleihen. Erstmals wurden Bonds der beiden Emittenten mit negativer Rendite am Primärmarkt für Corporates platziert, was allerdings der Nachfrage seitens der Investoren keinen Abbruch tat.

Der Konsumgüterhersteller Henkel refinanzierte insgesamt 1,2 Mrd. € als Dualtranche. Bei der ersten Anleihe (XS1488370740) handelt es sich um einen 2-jährigen Zerobond im Volumen von 500 Mio. € mit Laufzeitende am 13.09.2018. Das Pricing erfolgte zu 100,10% (Rendite -0,05%) und damit bei +18,9 bps über Mid Swap.

Das zweite Papier (XS1488418960) wurde als 5-jährige Nullkuponanleihe im Umfang von 700 Mio. € und einer Fälligkeit am 13.09.2021 emittiert. Der Ausgabepreis von 100% entsprach einem Emissionsspread von +16,6 bps über Mid Swap. Henkel entschied sich bei beiden Anleihen ebenfalls für die „Privatanleger-freundliche“ Mindestanlagesumme von 1.000 €, aber gleichzeitig auch zur Festschreibung eines optionalen Kündigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Das in der Pharmazeutika Herstellung tätige Unternehmen Sanofi refinanzierte insgesamt 3 Mrd. € verteilt auf drei Anleihen. Der erste Tranche, ein etwas mehr als 3-jähriger Bond (FR0013201613) hat ein Volumen von 1 Mrd. € und wurde als Zerobond begeben. Das Laufzeitende ist am 13.01.2020. Der Ausgabepreis lag bei 100,167% (Rendite -0,05%) und somit bei +16,8 bps über Mid Swap. Die zweite Anleihe (FR0013201621) im Volumen von 850 Mio. € ist am 13.09.2022 endfällig und wurde ebenfalls als Nullkupon begeben. Das Pricing erfolgte bei +17 bps über Mid Swap und folglich betrug der Ausgabepreis 99,539%. Bei der dritten Anleihe (FR0013201639) im Bunde handelt es sich um ein etwas mehr als 10-jähriges, 1,15 Mrd. € schweres Papier, welches den Investoren eine nominale Verzinsung in Höhe von 0,5% p.a. bis zum Laufzeitende am 13.01.2027 bietet. Der Reoffer lag bei 99,449% und somit bei +27 bps über Mid Swap.

Sanofi entschied sich bei allen Anleihen für die Mindeststückelung von 100.000 € und ließ auch die sogenannte Make-Whole-Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Der Roll-Over ermöglicht uns optisch einen billigen Einstieg

Viermal im Kalenderjahr steht ein Roll-Over bei den Zins-Futures an und heute ist es wieder soweit. Also nicht wundern, wenn der September-Kontrakt nicht mehr updatet, denn ab heute spielt die Musik im Dezember-Kontrakt. Beim ersten Blick wird sich mancher Investor verwundert die Augen reiben, da jetzt wieder Kurse von ca. 165,50% angezeigt werden. Das bisherige Kontrakthoch lag am D-Day (Draghi-Day) bei 168,86%, allerdings im Juni-Kontrakt. Die Rendite der 10-jährigen Anleihe belief sich damals auf -0,19% und heute bei 165,55% auf -0,122%. Also sind die preislichen Unterschiede lediglich der Finanzmathematik geschuldet und bedeuten nicht den von vielen Investoren herbeigesehnten Kursrutsch.

Die Preisunterschiede infolge des Kontraktwechsels belaufen sich beim Euro-Buxl-Future auf ca. -1,72 Prozentpunkte (PP), beim Euro-Bund-Future auf ca. -2,75 PP und beim Euro-Bobl-Future auf ca. 2,05 PP. Lediglich der Euro-Schatz-Future hat sein Niveau beibehalten. Da die teilweise großen preislichen Anpassungen jedoch ein verfälschtes Bild aufzeigen können, sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass der bereits Mitte des vergangenen Jahres entstandene Rendite-Abwärtstrend bei der 10-jährigen Benchmark-Anleihe der Bundesrepublik Deutschland weiterhin intakt ist.

Zugleich ergeben sich folgende charttechnische Marken für den aktuellen Dezember-Kontrakt: Die erste Unterstützung verläuft bei ca. 164,44% (Tief am 5. und 6.9.) und erst beim Durchbrechen richtet sich der Blick auf den Bereich bei ca. 163,67% (Tief am 27.7. und 2.8.). Das bisherige Allzeit-Hoch bei 168,86% ist um die Roll-Over-Differenzen zu bereinigen und somit ergibt sich rechnerisch ein Wert von ca. 166,40%. Der Weg ist also vorgezeichnet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Niveau erneut in Angriff genommen wird.

Bundesanleihe technisch unterzeichnet

In der infolge eines US-Feiertages verkürzten Handelswoche wurden in den USA nur T-Bills im Volumen von 114 Mrd. USD mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten emittiert.

Auch in Euroland legte der Primärmarkt für Staatsanleihen eine kleine Verschnaufpause ein. Lediglich Österreich stockte am Dienstag dieser Woche zwei Altemissionen (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026) auf. Am gleichen Tag erhöhte auch die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland das Emissionsvolumen der inflationsindexierten Anleihe (103056) um 500 Mio. € auf insgesamt 8 Mrd. €. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -1,00%. Die am gestrigen Mittwoch ebenfalls im Tenderverfahren angebotene 10-jährige Anleihe (110240) konnte allerdings nicht in dem ursprünglich geplanten Volumen bei Kaufinteressenten platziert werden. Von den angepeilten 5 Mrd. € mussten fast 1,5 Mrd. € in den Eigenbestand des Bundes umgebucht werden. Für ca. 3,5 Mrd. € der aufgegebenen Kaufaufträge von ca. 3,95 Mrd. € erfolgte die Zuteilung trotz der technischen Unterzeichnung bei einer Durchschnittsrendite von -0,11%.

Schwache Daten machen Greenback zu schaffen

Das Handelsgeschehen an den Finanzmärkten war in den vergangenen Wochen durch nahezu gespenstische Ruhe gekennzeichnet. Doch so ganz allmählich erwachen die Märkte aus ihrer Lethargie.

Am Devisenmarkt zeigte sich das Währungspaar EUR/USD dieser Tage recht schwankungsanfällig. Aufgrund des Feiertags am Montag in den Vereinigten Staaten startete die europäische Gemeinschaftswährung zunächst ziemlich verhalten in die neue Woche und pendelte um die Marke von 1,1150 USD. Im weiteren Handelsverlauf sorgten jedoch überraschend schlechte US-Zahlen aus dem Dienstleistungssektor für einen Schwächeanfall beim Greenback. Unter anderem konnte der Euro davon profitieren und stieg in der Folge bis auf 1,1271 USD. Mit der heute anstehenden EZB-Pressekonferenz könnte die Volatilität beim Devisenpaar Euro/Dollar weiterhin bestehen bleiben. Im Vorfeld der Ratssitzung handelt die Einheitswährung heute Morgen bei 1,1255 USD.

Vor der EZB tagte in dieser Woche bereits die Notenbank Australiens. Nach zwei Zinssenkungen in den vergangenen vier Monaten blieb der Leitzins diesmal unverändert bei 1,50%. Die australische Wirtschaft entwickelt sich nach den jüngsten Zahlen bestens. Das Bruttoinlandsprodukt hat im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,3% zugenommen. Damit bleibt Australien inzwischen seit 25 Jahren von einer Rezession verschont und das drückt sich auch im Währungskurs gegenüber dem Euro aus. Aktuell notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,4625 AUD.

Die Handelsaktivitäten bei den Währungsanleihen bleiben aufgrund der noch vorherrschenden Urlaubszeit überschaubar. Trotzdem verzeichneten Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie brasilianische Real eine gewisse Umsatztätigkeit.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Italien kämpft an mehreren Fronten

Italien kommt einfach nicht zur Ruhe, weder politisch noch wirtschaftlich. Insbesondere die Bankenbranche sorgt beim Regierungschef Matteo Renzi sicherlich für manche schlaflose Nacht. Nicht genug, das Italiens Banken einen Berg fauler Kredite von ca. 360 Mrd. € vor sich herschieben und niemand sagen kann, wie in diesem Falle mit der erst seit Jahresanfang geltenden EU-Richtlinie zur Rettung maroder Banken umgegangen wird. Italiens Notenbankchef Ignazio Visco hält die Möglichkeit von Staatshilfen für strauchelnde Kreditinstitute seines Landes weiterhin für möglich und auch für sinnvoll. Doch dazu ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Den Banken Italiens droht allerdings auch von anderer Seite Ungemach. So hat die kanadische Rating-Agentur DBRS angekündigt, eine Herabstufung des Landes zu prüfen, was wiederum Auswirkungen auf die Refinanzierungskonditionen der heimischen Banken haben würde. Doch auch der Risikoaufschlag beim Anleihen-Ankauf durch die Europäische Zentralbank (EZB) würde angepasst werden müssen, da mit dieser angedachten Herabstufung keiner der vier von der EZB ausgewählten Bonitätswächter Italien mehr mit „A“ bewerten würde. Zur Begründung eines solchen Schrittes wird auf die Kombination aus schwacher wirtschaftlicher Entwicklung und hoher Staatsverschuldung sowie die politische Unsicherheit des anstehenden Referendums verwiesen. Das Ergebnis dieser Volksbefragung hat auch Matteo Renzi sehr eng mit seiner politischen Zukunft verknüpft, wie es inzwischen so Usus geworden ist.

Bedenklich im Zusammenhang mit der Ankündigung seitens der DBRS ist allerdings, dass man sich in Rom nicht mit den zugrundeliegenden Fakten einer solchen Herabstufung beschäftigt, sondern einen Widerspruch gegen die Überprüfung der bisherigen Einstufung in Erwägung zieht. Der hierbei angeführte Grund der Bekanntgabe außerhalb des dafür vorgesehenen Mitteilungskalenders ist vielleicht juristisch haltbar, sagt aber sehr viel über die Nervenanspannung bei den politisch Verantwortlichen Italiens aus.

Man darf also durchaus auf die neuesten Entwicklungen in der Sache „Italien“ gespannt sein.

Muss sich Europa neu erfinden?

Diese Frage stellt sich der interessierte EU-Bürger nicht erst seit dem Brexit-Referendum, sondern bereits seit vielen Jahren. In den Zeiten der Finanzkrise wurden viele Unterschiede bei der Wirtschafts-, Steuer- und Haushaltspolitik überdeutlich. Aber auch im Umgang mit Flüchtlingen wurden getroffene Entscheidungen in den Mitgliedsstaaten oftmals als Diktate abgetan und somit nicht umgesetzt.

Insbesondere die Regierungschefs von Griechenland und Italien sind von der Haltung ihrer Partner in Nordeuropa bezüglich der Migrationspolitik sehr enttäuscht. Bis September 2017 sollen 160.000 Flüchtlinge aus Italien und Griechenland aufgenommen werden, aber bisher wurden nur ca. 3.700 Menschen entsprechend der Beschlüsse vom September 2015 umverteilt. Nicht zuletzt aus diesem Grund und um dem sogenannten haushaltspolitischen Spardiktat der Nordeuropäer zu begegnen, hat Alexis Tsipras die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Italien, Malta, Portugal, Spanien und Zypern für den 9. September des Jahres zu einer Konferenz nach Athen eingeladen. Das Ziel dieser Konsultationen ist die Bildung einer Allianz gegen die Sparmaßnahmen. Dies wurde auf dem EU-Gipfel am 28. und 29. Juni zwischen Tsipras und Renzi unter dem Begriff „Pro-Wachstumsagenda” andiskutiert.

Gemeinsame Probleme sind oftmals ein Grund, um sich dem Projekt „gemeinsame Zukunft“ zu widmen. Insbesondere nach dem Brexit-Referendum scheint es an der Zeit zu sein, Europa zu verändern. Jetzt muss es gelingen, den nationalistischen Kräften in Europa die Grundlage zu entziehen und nicht mit fragwürdigen Entscheidungen gegenüber Defizitsündern das Gesamtkonstrukt in Frage zu stellen. Gleichzeitig sollte aber auch den Nettozahlern nicht das Gefühl des Aufbaus einer Transferunion gegeben werden.

Viel Zeit hat man nicht mehr, denn ansonsten kann dieses Treffen der Anfang vom Ende des gemeinsamen europäischen Gedankens sein. Ob das den Zerfall Europas in seine Einzelbestandteile oder eine Aufteilung der Eurozone in einen Nord- und einen Südteil bedeuten würde, muss abgewartet werden. Vielleicht wird aber auf diesem kleinen Gipfel nicht nur die Transferunion gefordert, sondern werden neue Möglichkeiten für ein friedvolles geeinigtes Europa gefunden. Querdenken ist in diesen Tagen nicht nur erlaubt, sondern einzufordern!

Auch Banken müssen betriebswirtschaftlich denken

Bereits seit Wochen und Monaten fragen sich viele Privatpersonen, ob es auch für sie irgendwann soweit sein wird, dass Strafzinsen fällig werden. Noch wird es von Bankenvertretern - wie dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer - nicht für möglich gehalten. Seines Erachtens ist der Wettbewerbsdruck zu groß. Dennoch hat bisher die thüringische Skatbank den Negativzins für Beträge ab 500.000 € eingeführt. Die Alternativ-Bank GLS plant einen Solidarbeitrag zu erheben und ab September wird die dritte genossenschaftliche Bank, die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, ein „Verwahrentgelt“ für Beträge ab 100.000 € einführen. Des Weiteren ist zu befürchten, dass die Banken sich andere Mittel und Wege suchen werden, um den bei ihrer Hauptertragsquelle - dem Zinsüberschuss - entstandenen Verlust auszugleichen.

Wenn Banken die ihnen für das Aufrechterhalten des Geschäftsbetriebs in Rechnung gestellten Strafzinsen nicht an ihre Kunden weitergeben können, so werden sie nicht umhinkommen, Gebührenerhöhungen zu beschließen. Dies ist auch das Ergebnis, welches die FMH-Finanzberatung gestern veröffentlicht hat. Auch Banken müssen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ihre Leistungen bewerten und man stelle sich mal vor, was die Bankenaufsicht mit einem Kreditinstitut machen würde, das aufgrund seines Geschäftsmodells nachhaltig Verluste schreibt. Banken sind also gezwungen zu reagieren, machen dies allerdings bisher sehr vorsichtig.

Trotz aller gegenteiligen Statements werden die Kleinsparer auf diese Weise indirekt für die Niedrigzinspolitik der Europäischen Notenbank zur Kasse gebeten. Diese Konditionenanpassungen werden die Privatpersonen in unterschiedlicher Weise treffen und so zu dem ein oder anderen Ende einer langjährigen Geschäftsbeziehung führen.

Die geldpolitische Debatte zwischen BoE und EZB ist vorprogrammiert

Die Bank of England (BoE) hat es am vergangenen Donnerstag geschafft, die Finanzmärkte zu überraschen und die Kurse der unterschiedlichen Assetklassen positiv zu beeinflussen. Die Senkung des Leitzinses von 0,50% auf 0,25% war der allseits erwartete erste Schritt und der zweite und dritte folgte sogleich. Die Ausweitung der Staatsanleihenkäufe um 60 Mrd. GBP in den kommenden 6 Monaten und der Ankauf von Unternehmensanleihen im Volumen von 10 Mrd. GBP während der nächsten 18 Monate waren hingegen nicht von allen Marktbeobachtern in Erwägung gezogen worden. Die Einführung eines Term Funding Scheme zur Stützung der Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken rundete das Maßnahmenpaket ab. Die anschließende Ankündigung, dass man durchaus gewillt sei, die Zinsen nochmals im Verlauf des Jahres zu senken, hat ebenfalls ihre Wirkung nicht verfehlt und strahlt noch immer auf die Finanzmärkte aus. So beläuft sich die Rendite der 10-jährigen britischen Staatsanleihen aktuell auf 0,525%, nachdem sie am vergangenen Donnerstag vor der Zinsentscheidung noch bei ca. 0,80% verharrte. Zur Erinnerung: Am Tag vor dem Brexit-Referendum rentierten die 10-jährigen Gilts bei 1,371%.

Die seitens der BoE-Notenbankenvertreter unter Vorsitz von Mark Carney beschlossenen Maßnahmen sind alternativlos gewesen, aber in punkto Zinspolitik lassen die Erläuterungen Carneys zukünftig eine geldpolitische Debatte zwischen der BoE und der EZB erwarten. So sieht der britische Notenbankgouverneur die effektive Untergrenze bei den Leitzinsen knapp über null und nicht wie die EZB im negativen Bereich. Damit ist ein Negativzins unter seinem Vorsitz auszuschließen. Seines Erachtens wird eine solche Maßnahme nach hinten losgehen, weil die Banken im Zweifel ihre Kreditzinsen erhöhen müssten, um ihre Margen zu schützen. Es wird also spannend sein zu beobachten, wie zwei Notenbanken auf engstem Raum mit unterschiedlicher geldpolitischer Sichtweise und wirtschaftlichen Verflechtungen ihre zukünftige Zinspolitik betreiben.

In diesem Zusammenhang sei noch kurz ein Mitglied des Geldpolitischen Rates der japanischen Notenbank zitiert, der das Limit der durch eine Notenbank anzukaufenden Staatsanleihen nur dadurch begrenzt sieht, was die Regierung ausgibt. Hoffentlich hat das nicht „Super-Mario“ gehört.

EU-Defizitsünder werden in Watte gepackt

Bis zum 15. Oktober haben Portugal und Spanien Zeit bekommen, um neue Pläne zu präsentieren, wie sie ihre Haushalte in Ordnung bringen möchten. Das ist das vorläufige Ergebnis der Verstöße gegen die europäischen Schuldenregeln. Zuvor hatte die EU-Kommission bereits für einen Straferlass plädiert, um die EU-kritische Stimmung nicht weiter anzuheizen. Sollten sich die Regierungen der beiden Länder nicht an die Vorgaben halten, so würde als Sanktionierungsmöglichkeit noch die Kürzung der EU-Fördermittel bestehen.

Über diese Möglichkeit will die EU-Kommission, also die Straferlass-Befürworter, nach der Sommerpause mit Vertretern des Europaparlaments beraten. Das Ergebnis dieser Unterredung sollte allerdings nicht überraschen. Bereits im Jahre 2003 wurden die Defizitverfahren gegen Frankreich und Deutschland nicht umgesetzt und dies rächt sich nun. Denn den Vorwurf „Die Kleinen fängt man und die Großen lässt man laufen” kann man nicht entkräften und um den europafeindlichen Kräften nicht noch mehr „Munition“ zu liefern, beißt man in den sauren Apfel und macht auf „liebes Kind“.

Doch mit solchen Einzelaktionen kann man nicht verhindern, dass Europa bei der Bevölkerung auf den Prüfstand gestellt wird. Sollte es einen politischen TÜV geben, so würden sicherlich verschiedene europäische Gremien ihre Betriebserlaubnis verlieren. Und das wäre auch gut so!

Sind die Sommerferien bald vorbei?

Ein Großteil der Deutschen befindet sich aktuell im Urlaub und somit ist es nicht verwunderlich, dass auch am Primärmarkt für Corporate Bonds Ferienstimmung aufkommt.

Solch ruhige Phasen bieten sich allerdings auch immer an, den Blick zurück und nach vorne zu werfen. Nach Informationen der Bayerischen Landesbank und der Ratingagentur S&P ist ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, denn bis zum Jahresende soll sich bei gerateten Corporate Bonds sogar ein Refinanzierungsbedarf in Höhe von ca. 276 Mrd. USD aufgestaut haben. Das wäre volumenstechnisch mehr als die bisher seit Jahresbeginn aufgelegten Unternehmensanleihen im Volumen ca. 201 Mrd. USD. Diese prognostizierte Zunahme der Emissionstätigkeit lässt hoffen und positiv für Corporates auf die kommenden Monate blicken.

Den Anfang machte der Portugiesische Versorger EDP, der eine 7½-jährige Anleihe (A184XQ) im Volumen von 1 Mrd. € begab. Der Investor erhält hierbei eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,125% bis zur Endfälligkeit am 12.02.2024. Die Anleihe wurde mit +113 bps über Mid Swap bzw. 99,616% gepreist. EDP entschied sich für eine Mindeststückelung von 100.000 € weshalb die Anleihe eher für institutionelle Anleger von Interesse sein dürfte.

Mit Liquidität schafft man alles

Im Gleichschritt marschieren weiterhin die Assetklassen und lassen die Investoren ungläubig auf die Kurstafeln blicken. Mit den Notenbanken als großem Bruder schwinden die Ängste vor Fehlinvestitionen und das Hirn wird nur noch selten eingesetzt. Es ist schon ungewöhnlich, wenn die Kurse von Aktien und Renten über einen längeren Zeitraum Hand-in-Hand nach oben tendieren, aber auch diese Phase wird vorübergehen.

Bei solch einem atypischen Verhalten ist es sicherlich sinnvoll, die Charttechnik zu befragen. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 167,91%, nahe dem 1. Widerstand bei 168% (mehrere Hochs im Juli). Ein Durchstoßen dieser Marke würde die Blicke auf das bisherige Allzeithoch bei 168,86% lenken, denn es ist nicht auszuschließen, dass im Zuge der Liquiditätsschwemme dieses Niveau erneut getestet wird. Der kurzfristige Aufwärtstrend mit einer täglichen Steigung von 8 Ticks bildet momentan bei 166,37% eine erste Unterstützungslinie. Sollte diese durchbrochen werden, so würde eine zweite, sehr massive Unterstützung bei ca. 165,61% (mehrere Hochs und Tiefs im Juni) zum Tragen kommen.

Österreich knapp hinter Deutschland

In dieser Handelswoche waren lediglich Österreich und Deutschland am Kapitalmarkt aktiv. Beide Länder stockten ihre 10-jährigen Emissionen auf und verdeutlichten hierbei den aus den Zinskurven resultierenden Renditeabstand. Das Volumen der österreichischen Bundesanleihe (A18X6P) wurde um 500 Mio. € auf rund 7 Mrd. € und das deutsche Pendant (110240) um 5 Mrd. € auf 10 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte in der Alpenrepublik zu einer Rendite von +0,073% und in Deutschland zu -0,094%.

USA-interessierte Anleger durften in dieser Woche nicht nur in den üblichen Geldmarkttiteln (55 Mrd. USD für 4 Wochen ; 40 Mrd. USD für 3 und 34 Mrd. USD für 6 Monate), sondern auch in T-Notes mit einer Laufzeit von 3 Jahren (24 Mrd. USD) und 10 Jahren (23 Mrd. USD) investieren. Den Schlusspunkt bildet heute die Versteigerung der T-Bonds über 15 Mrd. USD. Somit wurden insgesamt 191 Mrd. USD refinanziert.

Brasilien - nicht nur für Sportler lohnenswert

Während in Brasilien die Olympischen Spiele stattfinden und mancher Sportler sich Hoffnung auf den Gewinn einer Medaille macht, lohnt der Blick nach Südamerika. Trotz schlechter Wirtschaftsdaten und politischer Unruhen hat die brasilianische Währung gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten wieder deutlich zulegen können. Wurde die europäische Gemeinschaftswährung am 24.09.2015 noch bei 4,7830 BRL gehandelt, so notiert sie aktuell bei ca. 3,4900 BRL.

Doch auch der Greenback steht im Fokus der Anleger und erfreut sich großer Handelsaktivitäten. Alle US-Konjunkturdaten werden in den kommenden Wochen auf Hinweise einer wirtschaftlichen Stabilität untersucht, um schnell auf eine mögliche Zinsanhebung reagieren zu können. Hat man in der vergangenen Woche noch für September mit einem solchen Schritt gerechnet, so hat sich inzwischen die Meinung etabliert, dass man sich noch etwas Zeit lassen wird. So konnte sich der Euro von seinem Tief bei 1,1043 USD auf fast 1,12 USD erholen und handelt zurzeit bei ca. 1,1165 USD.

Rege Handelsaktivitäten konnten aber auch in Fremdwährungsanleihen auf türkische Lira und südafrikanische Rand festgestellt werden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

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Author: Klaus Stopp

Die Märkte warten auf ein Signal aus London

Am heutigen Tag richten sich die Blicke der Börsianer nach London, denn dort tagt der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) und wird über die zukünftige Zinspolitik beraten. Am Markt herrscht einvernehmlich die Meinung vor, dass die Bank Rate von 0,50% auf 0,25% gesenkt wird. Es wäre die erste Reduzierung nach 7 ½ Jahren und alles andere als ein solcher Beschluss wäre ein Desaster für die Finanzmärkte. Darüber hinaus sind allerdings auch weitere flankierende Maßnahmen wie Ausweitung des Funding for Lending Schemes (FLS) oder der Wertpapierankäufe vorstellbar und notwendig, um der extrem hohen Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zu entsprechen.

Doch das Enttäuschungspotential ist extrem hoch. Erst am 15. September würden die britischen Notenbanker wieder zusammenkommen, aber das wären weitere 6 Wochen der Spekulation und der Unsicherheit. Das Grundproblem bei solchen Entscheidungen ist allerdings, dass Notenbanken mit ihrer Geldpolitik nur agieren oder reagieren können. Manchmal ist es besser, noch abzuwarten und in anderen Situationen ist es dringend erforderlich, sofort zu reagieren. Darüber hinaus bleibt den Verantwortlichen in nicht eindeutigen Konjunkturzyklen nur, wie die amerikanische Notenbank auf die Kraft der Worte zu setzen. Und das wird auch heute nicht anders sein.

Schenkt man jüngsten britischen Konjunkturdaten Glauben, so leidet die Wirtschaft bereits jetzt massiv unter dem Brexit. Das Stimmungsbarometer des Instituts Markit ist im Juli auf 48,3 Punkte gefallen, nachdem es im Juni noch bei 52,4 Punkten und somit über der sogenannten Wachstumsschwelle von 50 Punkten gelegen hat. Hervorgerufen wird dieser sogar noch stärker als erwartete Rückgang durch die Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Großbritannien. Dies kam zum Beispiel im Teilindex für die Bestellungen überdeutlich zum Ausdruck, der so stark einbrach wie seit 1998 nicht mehr.

Vor Monaten hat man sich noch mit den USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, wer zuerst die Zinsen erhöhen wird. Dass man den USA hierbei bereits im Dezember des vergangenen Jahres den Vortritt lassen musste, konnte man noch verkraften. Aber jetzt nach dem Brexit-Referendum auch noch die entgegengesetzte Richtung einschlagen zu müssen, schmerzt die Notenbanker besonders. Bei allen heute und zukünftig zu treffenden Entscheidungen gilt es, ein großes Maß an Fingerspitzengefühl zu beweisen, um nicht mit einem unbedachten Kommentar oder übertriebenem Aktionismus Panikstimmung zu erzeugen.

Das 26. Konjunkturpaket soll es richten

Bereits am vergangenen Freitag hat die japanische Notenbank (BoJ) beschlossen, die Leitzinsen nicht weiter nach unten anzupassen und zugleich angekündigt, zukünftig mehr Wertpapiere anzukaufen. Allerdings handelt es sich hierbei um börsengehandelte Fonds und nicht - wie erhofft - auch um Staatsanleihen. Mit diesen Maßnahmen legten die Notenbanker ihre Rahmenbedingungen fest, wie sie die Regierung im Kampf gegen Wirtschaftsschwäche und Deflation unterstützen wollen.

Jetzt galt es nur noch, auf die ergänzenden Erläuterungen der japanischen Regierung zu warten. Am Dienstag war es dann soweit. Das größte Konjunkturpaket seit der Finanzmarktkrise hat insgesamt ein Volumen von 28,1 Bill. Yen (ca. 248 Mrd. €), allerdings belaufen sich die eigentlichen Fiskalmaßnahmen lediglich auf 13,5 Bill. Yen. Die restlichen 14,6 Bill. Yen beruhen auf nicht direkt definierten Ausgaben und auf Maßnahmen öffentlich-privater Partnerschaften. Insgesamt hat das Maßnahmenpaket zwar die Erwartungen der Marktteilnehmer übertroffen, aber die Tatsache, dass im laufenden Haushaltsjahr lediglich 4,6 Bill. Yen veranschlagt wurden, hat zunehmend für Enttäuschung gesorgt.

Seit 1990 haben die Regierungen in Tokio 25 Konjunkturpakete ohne nachhaltigen Erfolg aufgelegt und somit sind Zweifel angebracht, ob wirklich das 26. die erhoffte Wende bringen wird. An der Börse scheint diese Hoffnung von Tag zu Tag zu schwinden. Kritisch wird inzwischen auch gesehen, dass die Bank of Japan nicht - wie von vielen Marktbeobachtern erwartet – das Anleihenkaufprogramm aufstockte. Dies ließ Spekulationen aufkommen, dass der BoJ zukünftig die finanziellen Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen werden und man dadurch gezwungen sei, die Unterstützung der heimischen Wirtschaft mehr in die Hände der japanischen Regierung zu legen.

Ob die japanische Notenbank wirklich an ihre geldpolitischen Grenzen gestoßen ist, werden die nächsten Monate zeigen. Auch wenn normalerweise die Notenbanken am längeren Hebel sitzen, so musste sogar die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015 am Devisenmarkt kapitulieren. Denn irgendwann ist einfach Schuss!

Entschuldung durch Schulden

Es ist schon eine verrückte Finanzwelt, die solche Auswüchse hervorbringt. In der Vergangenheit mussten Schuldner Zinsen an die Gläubiger zahlen und heute zeigen sich die Investoren finanziell erkenntlich bei den „guten“ Emittenten. In der Hoffnung ihr Geld bei Endfälligkeit zurückzuerhalten, sind viele Investoren - teilweise freiwillig, teilweise gezwungenermaßen - bereit, eine Sicherheitsprämie zu zahlen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind neben der wirtschaftlichen Kraft Deutschlands sowie der zuverlässigen Haushaltspolitik diverse Krisen und insbesondere die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Aber nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen Euroländer profitieren von dieser Zinspolitik. Doch einen großen Unterschied gibt es. Die anderen Staaten haben eine geringere Zinsbelastung als früher, aber nur Deutschland kehrt den Spieß um und verdient teilweise Geld mit seinen Schulden. Dies lässt andere Finanzminister neidisch nach Deutschland blicken! Doch Neid muss man sich hart erarbeiten, Mitleid hingegen wird einem geschenkt.

So haben sich die Zinsausgaben des Bundes im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 2,7 Mrd. € auf 7 Mrd. € reduziert. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass auch noch Zinsen auf Altemissionen zu zahlen sind. Aber für viele neu begebene Wertpapiere des Bundes muss nicht nur kein Zins mehr bezahlt werden, sondern die Gläubiger zahlen bereits beim Erwerb mehr als Ihnen später am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird. Nach Recherchen der „Bild“-Zeitung belaufen sich diese „Überzahlungen“ alleine im ersten Halbjahr 2016 auf ca. 1,5 Mrd. €.

Allerdings ist es auch in diesem Fall so, dass alles zwei Seiten hat. Den Finanzminister freut es, aber alle Privatanleger, Kapitalsammelstellen und auch die Banken stöhnen unter der Last der Negativzinsen.

Japans oberster Bankenaufseher warnt die Zentralbanken

Japan gilt als das Paradebeispiel, wie man mit einer Finanzkrise lange vor Europa und den USA sowie einer extremen Staatsverschuldung noch immer als kreditwürdig gilt. Doch das bedeutet nicht, dass Japan alles richtig gemacht hat und man den gleichen Weg beschreiten sollte.

Bereits Ende der 90er-Jahre waren die japanischen Banken infolge der hausgemachten Immobilienkrise gezwungen worden, ihre Bilanzen zu entgiften und dies hat sie in der globalen Finanzkrise vor großen Verlusten beschützt. Zumal eine Rückkehr zu alten Verhaltensmustern bei der Kreditvergabe in Japan nie wieder stattgefunden hat. Die Risikolust wurde auf ein Minimum reduziert und somit war dem Gewinnwachstum die Grundlage entzogen. Diesen Gedanken teilt auch der oberste Bankenaufseher Japans, Nobuchika Mori, und er warnt zugleich die anderen Zentralbanken davor, die gleichen Fehler zu begehen.

Denn in den Krisen wird stets darauf geachtet, wie man Banken mit immer neuen Kapitalanforderungen und anderen Einschränkungen widerstandsfähiger machen kann. Das ist in gewissen Zinsphasen auch sinnvoll, aber wenn wie jetzt die Zinsen teilweise unter null gesenkt wurden, dann schwächt man die Banken, weil sie bei der klassischen Kreditvergabe der Möglichkeit des Geldverdienens beraubt werden. War man vor Jahren in Japan noch stolz auf die sauberen Bilanzen der Banken, so werden die Banken nun gedrängt, mehr Risiken einzugehen und das wiederum schafft Angriffspunkte für neue Krisen.

Die Kunst der Bankenaufsicht liegt also weltweit nicht im Aufoktroyieren von Vorschriften, sondern im ausgewogenen Gestalten von Kapitalanforderungen und Risiken. Auswüchse der Vergangenheit gilt es zu vermeiden und gleichzeitig stehen die Bankenmodelle vor einem Gezeitenwechsel. Aber um Wirtschaftswachstum zu erreichen, ist jede Volkswirtschaft in gewissen Grenzen auf risikobereite Banken angewiesen. Wären die deutschen Banken nach dem Zweiten Weltkrieg mit den heutigen Vorschriften konfrontiert gewesen, so hätte es kein deutsches Wirtschaftswunder gegeben! Dem Wirtschaftswachstum muss wieder mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden und nicht dem risikolosen, margenarmen Geschäft, das keinem Beteiligten nutzt.

Kommt nach der Diagnose auch die Therapie?

Der Bankenstresstest, der uns vermitteln sollte, dass die Mehrzahl der europäischen Banken gut aufgestellt ist und auch einen Schock abfedern kann, wurde nach Meinung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) diesem Anspruch gerecht. Über die Sinnhaftigkeit eines solchen Tests kann weiterhin diskutiert werden, zumal die Prüfungen auf Szenarien von vor über einem Jahr aufbauten und die aktuelle Niedrigzinsphase außer Acht gelassen wurde.

Die Verlierer dieser Simulation, und darüber sind sich die meisten Fachleute einig, sind die deutschen Banken. Unter den 10 krisenanfälligsten Banken der 51 getesteten Kreditinstitute sind die Commerzbank und die Deutsche Bank zu finden und dies stellt kein Ruhmesblatt dar. Das Abschneiden der italienischen Banken hingegen war zu erwarten und wird von allen Vertretern der deutschen Bankenbranche gerne als Negativbeispiel verwendet, um von den eigenen Problemen abzulenken.

Ob der Stresstest das Geld wert ist, was er gekostet hat, steht auf einem anderen Papier. Denn alleine schon die Tatsache, dass die Förderbank Nordrhein-Westfalen ohne Risiko- und Kundengeschäft auf Platz 1 gelandet ist, lässt tief blicken. Grundsätzlich krankt die europäische und insbesondere die deutsche Bankenbranche an der fehlenden Profitabilität. Wo keine Gewinne erzielt werden, kann auch kein Eigenkapital aufgebaut werden. Viel wichtiger als die bekanntgegebenen Ergebnisse ist, dass auf die Diagnose auch eine Therapie folgen muss. Doch davon ist noch nichts zu spüren.

Nur noch vereinzelte Emissionsaktivitäten am Primärmarkt

Warum sollte es in diesem Jahr anders sein als in den Jahren zuvor? Trotz des für Unternehmen lukrativen Marktumfeldes halten sich die Finanzchefs in den Sommermonaten merklich zurück bei der Begebung neuer Anleihen. Insbesondere die namhaften Gesellschaften haben entweder keinen Bedarf an neuen Mitteln oder sie bedienen sich wie die Autovermittlung Sixt bzw. die Norma Group, einem führenden Anbieter von Verbindungstechnik, des wesentlich flexibleren Schuldschein-Marktes. So refinanzierte Sixt 375 Mio. € und Norma umgerechnet ca. 150 Mio. € bei institutionellen Anlegern.

Doch manche Unternehmen setzen weiterhin auf die klassische Refinanzierungsform der Anleihe und so legte das spanische Telekomunikations-Unternehmen Cellnex in dieser Woche einen am 16.01.2024 endfälligen Bond (A184QY) mit einem jährlichen Kupon von 2,375% auf. Hierbei wurde der „Anlage-Notstand“ vieler Investoren deutlich, denn für ein Volumen von 750 Mio. € wurden Zeichnungsaufträge von ca. 4 Mrd. € aufgegeben. Gepreist wurde die Emission bei +245 bps über Mid Swap, was einem Kurs von 99,175% entsprach.

Als Mindeststückelung wurde hierbei nominal 100.000 € gewählt und der Emittent ließ zum 16.10.2023 die bei vielen Neuemissionen zur Anwendung kommende Make-Whole-Option festschreiben. Somit richtet sich auch dieser Bond in erster Line an institutionelle Investoren und vermögende Privatkunden.

Seitwärts im Niemandsland

Nachdem das Rentenbarometer in den beiden ersten Handelstagen der neuen Woche einen leichten „Schwächeanfall“ erlitten hat, wurde dieser Trend am gestrigen Mittwoch zumindest vorübergehend gestoppt. Die kleine Gegenreaktion endete allerdings bei 166,92%, knapp oberhalb der Begrenzungslinie des kurzfristigen Abwärtstrends. In Erwartung der heutigen Zinsentscheidung aus London und der morgigen US-Arbeitsmarktdaten ist von einer Seitwärtsbewegung im Niemandsland auszugehen.

Das bedeutet unter charttechnischen Gesichtspunkten eine Tradingrange zwischen 166,38% (Tief vom 2.8.) und 167,37% (Hoch vom 2.8.). Erst beim Verlassen dieses Korridors kommen die Widerstandslinie bei 168% (mehrere Hochs im Juli) und die Unterstützung bei ca. 166,00% zum Tragen. Es ist zu befürchten, dass also auch der Euro-Bund-Future, der aktuell bei 166,75% notiert, eine kleine Sommerpause einlegt.

Europäisches Dreigestirn aktiv

In dieser Handelswoche haben sich in Euroland lediglich drei Länder am Kapitalmarkt aktiv gezeigt und insgesamt ca. 16 Mrd. € refinanziert. Bereits am gestrigen Mittwoch hat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue 2-jährige Bundesschatzanweisung (110465) im Volumen von 5 Mrd. € platzieren können. Insgesamt lagen Kaufaufträge für über 6,5 Mrd. € vor, aber nur ca. 4 Mrd. € wurden bei einer Durchschnittsrendite von -0,60% zugeteilt. Die restliche Milliarde wird zur Marktpflege verwendet. Darüber hinaus werden heute Spanien eine inflationsindexierte (A1ZQ4J / 2019) und zwei klassische Anleihen (A18YPG / 2021 ; 197017 / 2029) sowie Frankreich diverse Anleihen (A18YPD / 2026 ; 686543 / 2032 ; A0AXNP / 2035 ; A1GMH7 / 2027 ; 352709 / 2029) aufstocken.

In den USA gönnte man den Investoren eine Pause und emittierte „lediglich“ 119 Mrd. USD als Geldmarkttitel mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten. In der kommenden Woche werden allerdings wieder Anleihen mit Fälligkeiten in drei, zehn und 30 Jahren angeboten.

Türkische Bonds im Fokus

In dieser Handelswoche waren aufgrund der jüngsten Ereignisse rund um das Thema Türkei insbesondere Handelsaktivitäten bei Anleihen auf Türkische Lira zu beobachten. Zu stark sind die Auswirkungen der „Entdemokratisierung“ auf die Wirtschaftsleistung des Landes, um diesen Faktor außer Acht zu lassen. Bereits durch den gescheiterten Putschversuches soll der Türkei ein Schaden von umgerechnet 90 Mrd. € entstanden sein. Unter diesen Voraussetzungen ist es sogar beachtlich, dass die türkische Landeswährung gegenüber dem Euro recht stabil bei ca. 3,3670 TRY gehandelt wird. Die infolge des Putschversuchs erreichten 3,4074 TRY wurden bisher nicht mehr überboten und das vorherige Niveau bei ca. 3,21 TRY gilt als realitätsfremd. Doch das kann sich in den nächsten Wochen noch ändern.

Trotz aller Sonderfaktoren ist allerdings das Währungspaar USD/EUR weiterhin das aus europäischer Sicht am meisten beobachtete und gehandelte. Nach dem jüngsten Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank Fed und infolge diverser US-Konjunkturdaten konnte die europäische Gemeinschaftswährung von dem Tiefpunkt bei 1,0959 USD in der Spitze auf 1,1233 USD klettern. Zu groß ist die Unsicherheit, ob und wann der US-Leitzins angehoben wird, aber auch die nicht zu starke negative Auswirkung des Brexit ließen den Euro auf ein 6-Wochen-Hoch klettern. Am Tag vor den US-Arbeitsmarktdaten notiert die Währung der Euroländer aktuell bei 1,1140 USD.

Privatanleger setzen weiterhin verstärkt auf Fremdwährungsanleihen, um einerseits dem Niedrigzinsumfeld im Euroland zu entgehen und andererseits die damit verbundenen Devisenkursveränderungen bewusst in Kauf zu nehmen. Im Fokus standen insbesondere Anleihen auf Türkische Lira, US-Dollar, Brasilianische Real und Australische Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Baader Bank AG

Weihenstephaner Str. 4

85716 Unterschleißheim

Deutschland

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Fed lässt alles beim Alten

Zum fünften Mal in Folge hat die US-Notenbank Fed den Schlüsselzins zur Versorgung der Banken mit Geld nicht angefasst und lässt ihn auch fast 5 Wochen nach dem Brexit unverändert bei 0,25% bis 0,50%. Die Entscheidung fiel mit 9:1 Stimmen. Lediglich die Chefin der Fed in Kansas City, Ester George, sprach sich für eine Leitzinserhöhung aus. Dies kann als Zeichen gedeutet werden, dass eine Anhebung der Zinsen nicht generell vom Tisch ist, aber zumindest bis zum 21.September, dem nächsten Fed-Treffen, gewartet werden muss. Ob sich allerdings dann - so kurz vor der Präsidentschaftswahl - die Notenbanker zu einem solchen Schritt durchringen werden, darf bezweifelt werden.

Ursprünglich hatte die Fed-Chefin eine Erhöhung für Juni oder Juli des Jahres angedeutet, aber auch gestern hat sich der geldpolitische Ausschuss der Fed nicht getraut, diesen Schritt zu gehen. Es könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass man die Phantasie zwar am Leben halten möchte und dabei wie bei der Echternacher Springprozession vorgeht. So hat die Fed-Chefin auf eine Verringerung der kurzfristigen Risiken für den US-Wirtschaftsausblick und auf die Belebung des US-Arbeitsmarktes verwiesen, aber anscheinend haben diverse internationale Entwicklungen ein aggressiveres Vorgehen verhindert.

Einerseits möchte man sicherlich gerne mit einem solchen Zinsschritt die Robustheit der US-Wirtschaft unterstreichen, aber zugleich befürchtet man die Stärkung der heimischen Währung und die damit geringeren Exportmöglichkeit eigener Waren. Aber auch ein Anstieg der staatlichen Refinanzierungs-Kosten und ein „Störfeuer“ für die Aktienkurse an der Wallstreet gilt es zu vermeiden. Um alle diese Aspekte zu berücksichtigen, bedarf es Fingerspitzengefühl und zwar einer großen Menge.

Bankenkrise Reloaded

Am morgigen 29. Juli gibt die EU-Bankenbehörde EBA die Ergebnisse des jüngsten Stresstests für die europäische Finanzbranche bekannt. Die EU-Bankenbehörde EBA will ihre Zeugnisse an diesem Tag erst um 22 Uhr veröffentlichen – also dann, wenn auch die US-Börsen geschlossen sind. Damit haben Investoren genügend Zeit, die Ergebnisse bis zur Öffnung der Märkte am kommenden Montag richtig einzuschätzen.

Angesichts der faulen Kredite, welche die italienischen Banken in den Büchern haben, sind die Finanzmärkte auf die Zensuren gespannt. Aber auch die beiden größten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, stehen im Fokus des Interesses. Nachdem klar geworden ist, dass die Commerzbank in diesem Jahr um ihren Milliardengewinn bangen muss, schrumpft die Kapitaldecke des Instituts. Und auch die Deutsche Bank steckt im Schlamassel, sieht sie sich doch in den USA mit einer neuen Klage wegen undurchsichtiger Hypothekengeschäfte konfrontiert. Dabei gehört das Geldhaus mit einer Kernkapitalquote von 10,7% schon jetzt nicht gerade zu den stärksten der Branche.

Doch es sind insbesondere die italienischen Geldhäuser, die durch den Stresstest unter Druck stehen. Sie tragen faule Kredite von 360 Mrd. € mit sich herum und werden wohl mit besonders schlechten Zensuren zu rechnen haben. Nicht umsonst hat EZB-Chef Mario Draghi bereits eine rasche Lösung der Probleme angemahnt – whatever that means. Es könnte nämlich sein, dass man die Stresstest-Ergebnisse heranzieht, um einen Grund zu haben, die italienischen Banken staatlich zu stützen. Nach einer derartigen Lösung sucht ja seit Wochen Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Regeln der Europäischen Bankenunion die Schuld für das eigene Dilemma zuschiebt. Nach seiner Lesart war es alleine die Brexit-Entscheidung der Briten, welche die Probleme der italienischen Banken verursacht hat. Und daher müsse man auch den Weg durch die Hintertür der staatlichen Hilfen gehen, den die Bankenunion erlaubt, wenn das gesamte Bankensystem in der EU bedroht sei. Dass die italienischen Geldhäuser schon viel länger riskante Kredite mit sich herumtragen, wird dabei elegant verschwiegen.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny will hingegen die Lage der italienischen Banken indessen „nicht überdramatisieren”, gesteht aber zu, dass es bei der drittgrößten italienischen Bank, Monte dei Paschi di Siena, „ein aktuelles Problem“ gebe. Daher sei es notwendig, „in sehr rascher Zeit eine konkrete Lösung zu finden”. Bei den anderen Instituten schätzt er die faulen Kredite als „ein lösbares Problem“ ein - etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank.

Sollte es aber tatsächlich zu einem staatlichen Eingriff zur Rettung der italienischen Banken kommen, dürfte Rom alleine dazu schwerlich in der Lage sein. Immerhin ist das Land schon jetzt in Höhe von 137% des BIPs verschuldet. Das sind zwar noch keine griechischen Verhältnisse (175%), aber man wäre auf einem guten Weg dorthin.

Auch in Portugal kämpfen wichtige Banken zunehmend mit Problemen. So braucht etwa die größte Bank des Landes, die Novo Banco, mehrere Milliarden an zusätzlichem Geld. Die Großbank Barclays geht davon aus, dass portugiesische Geldhäuser insgesamt bis zu 7,5 Mrd. € an Kapitalhilfen benötigen.

Die Branche ist also in vielen europäischen Ländern im Krisenmodus, weshalb eine Rückkehr der Bankenkrise zu befürchten ist. So kommt auch auf kleinere Institute in Deutschland ein neuer Branchencheck zu. Diesmal ist es die Bundesbank, die überprüfen will, wie kleine und mittlere Banken im Land mit den rekordniedrigen Zinsen zurechtkommen. Ein wichtiger Aspekt, der beim Stresstest für die großen Banken ausgeklammert wurde.

Zu allem Überfluss hat sich dann zum Thema Banken auch noch Boris Johnson, der neue Außenminister von Großbritannien, zu Wort gemeldet und vollmundig erklärt, dass die britischen Banken auch nach dem Brexit ihren EU-Pass behalten dürften. Eine Sichtweise, die sich nicht jedem Beobachter erschließt und für die er nur Erstaunen geerntet hat.

Anleger bleiben VW treu

Nachdem ein US-Gericht den Deal zwischen Volkswagen und US-Klägern abgesegnet hat, ist der Weg frei für den bisher höchsten Vergleich in der Automobilindustrie. Demnach zahlt der deutsche Automobilkonzern wegen manipulierter Abgaswerte umgerechnet 13,3 Mrd. € an VW-Fahrer und staatliche Institutionen.

Corporate Bonds des Konzerns setzten daraufhin ihren Höhenflug fort. So notiert ein bis 10/2021 laufender Titel der VW Financial Services (780516) mit rund 102,60% auf einem neuen Jahreshoch. Die Rendite liegt hier bei 0,25%. Auch im langfristigen Bereich vertrauen die Anleger weiterhin VW. So kletterte auch ein bis 1/2030 laufender Bond (A1ZUTM) auf sein Jahreshoch, das bei nun ca. 103,57% liegt, und rentiert mit ca. 1,33%.

Brüssel verschont wieder die Defizitsünder

Die EU-Kommission verschont vorerst die Defizitsünder Spanien und Portugal. So verzichtete die Brüsseler Behörde darauf, Strafzahlungen für die beiden Länder vorzuschlagen. Nicht einmal eine symbolische Strafe hat die Kommission gefordert, was sogar Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kritisierte. Die EU hätte theoretisch Strafen von bis zu 0,2% der jeweiligen Wirtschaftsleistung eines Landes verhängen können. Der Hinweis von Jean-Claude Juncker auf das Aussetzen der Gelder aus den Strukturfonds kann in diesem Zusammenhang nur als letzter Versuch gesehen werden, das Gesicht zu wahren.

Nun müssen die Finanzminister der EU-Staaten entscheiden, ob die Empfehlungen der EU-Kommission umgesetzt werden oder ob dennoch Strafen ausgesprochen werden sollen. Auch gegen Länder wie Deutschland und Frankreich waren in der Vergangenheit trotz mehrerer Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt keine Geldbußen verhängt worden. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich nicht ganz einfach, Spanien und Portugal zu erklären, warum sie denn nun zu zahlen hätten. Der Fall zeigt aber auch, dass es schwierig ist, seine Prinzipien durchzusetzen, wenn man sie gleich bei erster Gelegenheit schon nicht eingehalten hat. Aber wozu bedarf es dann eigentlich noch Prinzipien?

Spanien und Portugal wird vorgeworfen, jahrelang übermäßige Haushaltsdefizite aufgebaut zu haben, bzw. nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltslöcher vorgegangen zu sein. Spanien wies 2015 ein Defizit von 5,1% auf, Portugal verzeichnete 4,4%. Erlaubt ist nach den Maastricht-Kriterien eine maximale Neuverschuldung von jährlich 3,0% der Wirtschaftsleistung.

Tokio öffnet die Schleusen

Für die kommende Woche kündigte die japanische Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe ein neuerliches Konjunkturprogramm an, in dessen Rahmen die gigantische Summe von ca. 235 Mrd. € für eine nachhaltige Belebung der Konjunktur zur Verfügung gestellt werden soll. Bereits diesen Freitag wird die japanische Notenbank (BoJ) bekannt geben, wie man diesen „Kraftakt“ unterstützen wird. Man darf also durchaus gespannt sein, welche Register gezogen werden.

Die Maßnahmen dürften eine Mischung aus öffentlichen Ausgaben und Anreizen für günstige Kredite umfassen, die dem Privatsektor seitens der Finanzinstitute zur Verfügung gestellt werden. Bei diese Gelegenheit wird auch die BoJ ins Spiel kommen und entweder mit einer Zinssenkung oder der Ausweitung der Ankäufe von Anleihen, Aktien oder ETFs Liquidität in die Märkte pumpen. Der zwischenzeitlich in Erwägung gezogene Einsatz von „Helikopter-Geld“ scheint allerdings nicht praktikabel und somit keine Option zu sein.

Bereits die Ankündigung der Maßnahmen zu einem bewussten Konjunkturstimulus reichte aus, um die Aktienkurse der exportorientierten Unternehmen zu beflügeln. Dies wiederum erscheint logisch, da bereits durch die avisierte Geldschwemme eine Schwächung der eigenen Währung initiiert wurde. Dies könnte der Beginn eines Währungskrieges sein, weshalb es interessant zu beobachten sein wird, wie die exportorientierten Unternehmen außerhalb von Japan auf diese Ansage reagieren werden. Sicher kann man sich nur sein, dass man auf Reaktionen nicht lange wird warten müssen.

Es kommt wieder Leben in die „Bude“

Obwohl die vergangenen Tage von einer abwartenden Haltung der Marktteilnehmer geprägt waren und viele bereits im wohlverdienten Sommerurlaub weilen, haben sich verschiedene Emittenten am Kapitalmarkt aktiv gezeigt.

So konnte mit Teva Pharmaceutical Finance ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden, der es sogleich schaffte, 3 Anleihen im Gesamtvolumen von 4 Mrd. € zu platzieren. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 1,75 Mrd. € schwere Anleihe (A1VQDC), die am 25.07.2020 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,375% ausgestattet ist. Gepreist wurde der Bond bei 99,644%, was einem Emissionsspread von +65 bps über Mid Swap entsprach. Die zweite Tranche (A1VQDA) umfasst 1,5 Mrd. € und bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,125% bis zum Laufzeitende am 15.10.2024. Die Anleihe wurde zu 99,231% begeben (+105 bps über Mid Swap). Der dritte Bond (A1VQDB) im Bunde umfasst ein Volumen von 750 Mio. €. Das Papier ist mit einer jährlichen Verzinsung in Höhe von 1,625% bis zur Endfälligkeit am 15.10.2028 ausgestattet. Das Pricing erfolgte mit +120 bps über Mid Swap. Folglich betrug der Ausgabepreis 98,898%. Der Emittent ließ bei allen Bonds ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen und entschied sich für eine Mindeststückelung von 100.000 €.

Ebenso schaffte das im Mobilfunksektor tätige Unternehmen Vodafone den Weg an den Primärmarkt und refinanzierte 1 Mrd. €. Dabei wurde eine Anleihe (A184MY) mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,6% und Fälligkeit am 29.07.2031 aufgelegt. Der Ausgabepreis wurde bei +95 bps über Mid Swap und somit bei 99,788% fixiert. Vodafone entschied sich bei diesem Bond ebenfalls für eine Mindestanlagesumme von 100.000 €, weshalb auch diese Anleihe insbesondere institutionelle Anleger interessieren wird.

Änderung des Verhaltensmusters

Momentan scheinen die gegenläufigen Entwicklungen an den Aktien- und Rentenmärkten der Vergangenheit anzugehören. Hatten noch vor wenigen Wochen fallende Aktienkurse zur Flucht in den sicheren Hafen - und umgekehrt - geführt, so schreiten beide Assetklassen nun im Gleichschritt. Wie lange das so sein mag, vermag allerdings niemand zu prophezeien.

Diese Entwicklung ist einzig und allein der Geldpolitik der führenden Notenbanken geschuldet und weil diesbezüglich keine Trendwende zu vermelden ist, wird diese „Karte“ weiterhin seitens der Investoren gespielt. Die Preise der Anleihen und auch der Future-Kontrakte entfernen sich immer weiter von der Realität und eine „rote“ Linie bei den Negativzinsen, die nicht überschritten werden sollte, scheint es ebenfalls nicht zu geben.

Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass ein kleiner Abwärtstrend nach oben verlassen wurde und das Rentenbarometer wieder über der psychologischen Marke von 167% notiert. Dies hat sich auch nach der gestrigen Fed-Sitzung nicht geändert. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future mit 167,47% in der vom bisherigen Höchstkurs bei 168,86% (24. Juni) und der starken Unterstützung bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) gebildeten Tradingrange.

Italien auf der Suche nach Investoren

Bezeichnenderweise hat in dieser Handelswoche Italien mittels der Aufstockung diverser Altemissionen am Kapitalmarkt ca. 10 Mrd. € refinanziert. Lediglich Deutschland zeigte sich ebenfalls aktiv und hat entsprechend dem Emissionskalender bei der bereits 2014 aufgelegten Bundesanleihe (110234), die am 15.08.2046 endfällig ist, das Emissionsvolumen um 1 Mrd. € auf insgesamt 18 Mrd. € erhöht. Hierfür wurden Kaufaufträge über insgesamt ca. 1,2 Mrd. € aufgegeben und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,45%.

In den USA wurden im gleichen Zeitraum 114 Mrd. USD als T-Bills mit den üblichen Laufzeiten (4 Wochen, 3 und 6 Monate) emittiert. Zusätzlich wurden den Investoren auch T-Notes mit einer Fälligkeit in 2018 für 26 Mrd. USD, in 2021 für 34 Mrd. USD und in 2023 für 28 Mrd. USD zum Kauf angeboten. Abgerundet wurde das Emissionspaket in dieser Woche mit einer 2-jährigen Floating Rate Note im Volumen von 15 Mrd. USD.

Die Fed wirft ihre Schatten voraus

In dieser Woche fanden in den USA die Nominierungsparteitage der Demokraten und der Republikaner statt und jetzt ist es amtlich, dass sich erstmals eine Frau um das höchste Amt der USA bewirbt. Ob es Hillary Clinton gelingen wird, das Volk hinter sich zu bringen und als erste US-Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen, muss abgewartet werden. Entschieden ist dieser Wahlkampf noch lange nicht und es ist zu befürchten, dass er einer der schmutzigsten werden wird.

Doch vor der am 8. November anstehenden Abstimmung warteten die Marktteilnehmer auf das Ergebnis der gestrigen 2-tägigen Fed-Sitzung. In Erwartung einer Bestätigung der bisherigen Geldpolitik durch die amerikanische Notenbank hat sich das Währungspaar Euro/Dollar in den vergangenen Handelstagen als sehr schwankungsarm erwiesen (1,0950 USD / 1,1058 USD). Beeinflusst durch das gestrige Statement der Fed-Chefin, Janet Yellen, notiert die europäische Gemeinschaftswährung inzwischen bei 1,11 USD und somit etwas fester.

Die beiden anderen im Fokus stehenden Währungen (GBP und TRY) konnten sich in den vergangenen Tagen von ihren Tiefstständen etwas entfernen. In beiden Ländern ist allerdings die weitere Entwicklung sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht nicht absehbar, so dass sich viele Privatanleger mit in diesen Währungen begebenen Anleihen befassen und Handelsaktivitäten entfalteten. Darüber hinaus standen auch Anleihen lautend auf US- und Neuseeland-Dollar sowie Brasilianische Real im Fokus der Investoren.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Author: Klaus Stopp

EuGH-Urteil öffnet Hintertür für italienische Bankenrettung

Das klingt zunächst einmal nach einer guten Nachricht für alle Steuerzahler. Grundsätzlich können Anteilseigner und nachrangige Gläubiger zur Sanierung von Banken herangezogen werden, urteilte in dieser Woche der Europäische Gerichtshof (EuGH). In Italien erhöht sich damit der Druck auf eine gesetzeskonforme und professionelle Sanierung der dortigen Banken, die faule Kredite in Höhe von rund 360 Mrd. € in den Büchern stehen haben. Damit bestätigt der EuGH das Bail-in-Prinzip, allerdings lässt er den EU-Mitgliedsländern gewisse Spielräume bei der Rettung maroder Banken und öffnet damit eine Hintertür für Rom.

So ist es gemäß EuGH den EU-Staaten möglich, die Halter nachrangiger Schuldtitel von der Rettung auszuklammern und den Instituten mit Steuermitteln unter die Arme zu greifen. Die Regierung von Matteo Renzi könnte sich dann als Retter inszenieren, der dafür gesorgt hat, dass zumindest nicht sämtliche Anleger ihr Geld verloren hätten. Allerdings besteht das Risiko, dass solche Beihilfen von der EU-Kommission zurückgewiesen werden. Vom Grundsatz her dürfte der Spruch des EuGH aber Italiens Verhandlungen mit der EU entgegen kommen, auch wenn es offiziell heißt, das Urteil hätte keinen Einfluss auf die aktuellen Gespräche. Ministerpräsident Matteo Renzi will derzeit gegen den Willen von Mitgliedsländern wie Deutschland oder Österreich in Brüssel den Weg dafür ebnen, den Instituten seines Landes mit staatlichen Garantien zur Seite springen zu dürfen.

Vielleicht fände die Notenbank in Rom dabei auch noch die Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn nachdem die EZB damit begonnen hat, auch Corporate Bonds von Industrieunternehmen anzukaufen, ist nicht mehr auszuschließen, dass sie demnächst auch Financials ankaufen wird. Zum Einstieg böten sich dafür ja Titel der italienischen Banken an. Die Kuh wäre damit zunächst mal wieder vom Eis, aber eine nachhaltige Lösung sähe anders aus.

Wie findet Draghi aus der Sackgasse?

Nachdem bereits am vergangenen Donnerstag die Bank of England auf ihrer geldpolitischen Sitzung die Zinspolitik nicht geändert hat, richten sich nun die Blicke gen Frankfurt. Dort treffen sich am heutigen Donnerstag die Mitglieder des Zentralbankrats der Europäischen Zentralbank (EZB), um über die weitere Notenbankpolitik zu beraten. Unter den Marktbeobachtern herrscht die Meinung vor, dass eine Kursänderung nicht zur Disposition steht. Dennoch sollten sich die führenden Notenbanker nicht nur mit den Folgen des Brexit für die Eurozone, sondern auch mit den Auswirkungen des Ankaufprogramms für Anleihen beschäftigen.

Denn früher oder später muss ein Überdenken der bisherigen Ankaufregeln in Angriff genommen werden. Das zur Verfügung stehende Material am Primär- und Sekundärmarkt wird nicht ausreichend sein, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Somit ist inzwischen eine Diskussion entbrannt, wie die EZB die Rahmenbedingungen verändern könnte, um wieder Handlungsspielraum zu erhalten. Mit seinem legendären Halbsatz „Whatever it takes“ hat sich Mario Draghi in diese Sackgasse manövriert und muss nun alle möglichen Szenarien in Betracht ziehen, um sich aus dieser misslichen Situation zu befreien. Die Sinnhaftigkeit dieses Maßnahmenkatalogs sollte an anderer Stelle beurteilt werden.

Eine Maßnahme, die immer wieder ins Kalkül gezogen wird, ist die Senkung des Einlagensatzes von derzeit -0,40% auf -0,50%, um dadurch Manövriermasse zu gewinnen. Auch die völlige Abschaffung der durch den Einlagensatz fixierten Untergrenze für Ankäufe wäre eine Möglichkeit. Es könnte den nationalen Notenbanken aber auch erlaubt werden, zumindest die bisherige Begrenzung der ankaufbaren Volumina von Altemissionen ohne CAC-Klauseln von derzeit 33% auf 50% zu erhöhen. Sollte man sich für die von den sogenannten Südländern präferierte Loslösung der Ankaufvolumen vom EZB-Kapitalschlüssel entscheiden, so würde unmittelbar der Vorwurf der verdeckten Staatsfinanzierung aufkommen. Das würde wiederum ein politisches Veto verschiedener Regierungschefs nach sich ziehen. Nicht auszuschließen ist auch, dass die Produktpalette um Aktien, Financials und andere Assetklassen erweitert wird, um die Finanzmärkte und auch die Banken mit Geld zu überhäufen.

Bevor man aber alles ankauft, was nicht schnell genug von anderer Stelle vom Markt genommen wurde und dadurch die bisherigen Qualitätsstandards nochmals vermindert werden, sollte - wie bei Ludwig Thoma - der Engel Aloisius die göttliche Eingebung den Verantwortlichen der EZB überbringen. Man kann nur hoffen, dass er sich in diesem Fall nicht auch wieder „verfliegt“.

EZB kauft auch Mini-Anleihen auf

Gespannt blickte der Rentenmarkt in dieser Woche auf die Liste der Corporate Bonds, welche die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihres Ankaufprogramms erstmals in dieser Art veröffentlicht hat. Darunter finden sich Titel von Top-Emittenten wie Allianz, Daimler, Bayer, Metro, BASF und VW, also Adressen, die nicht unbedingt zusätzliche Nachfrage durch die Notenbank benötigen würden.

Außerdem hat die EZB Corporates erworben, deren Emittenten gar nicht börsennotiert sind - darunter Robert Bosch, Hella oder Würth. Die EZB erwarb auch Anleihen mit Volumina von unter 300 Mio. €. Mit einem Emissionsvolumen von 140 Mio. € ist ein Bond von Heineken der kleinste Titel auf der Liste, der getrost als Mini-Anleihe bezeichnet werden kann. Insgesamt sind laut EZB 440 Corporates von europaweit verschiedenen Adressen angekauft worden.

Das Firmenanleihen-Programm der EZB startete am 8. Juni. Die Bundesbank ist eine von sechs nationalen Notenbanken, die im Auftrag der EZB die Titel ankauft. Unterm Strich hat die EZB inzwischen Firmenanleihen in einem Volumen von insgesamt 10,427 Mrd. € erworben, was zu einer spürbaren Verzerrung und Austrocknung des Marktes geführt hat.

Beim Stresstest für Banken kann diesmal keiner durchfallen

Am 29. Juli werden Zensuren verteilt. Unter anderem zwar auch an die bayerischen Schülerinnen und Schüler, aber insbesondere an die europäischen Banken. Denn an diesem Tag will die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests von 51 Banken veröffentlichen, darunter 37 aus dem Euroraum.

Jetzt könnte man ja annehmen, dass etwa die italienischen Banken wegen der faulen Kredite durch solch einen Test glatt durchfallen. 2014, als die EZB mit der EBA die Tests durchgeführt hat, war dies für immerhin neun italienische Banken der Fall. Aber beim aktuellen Stresstest kann keiner durchfallen. Man versucht lediglich die Widerstandsfähigkeit der Institute gegenüber angenommenen Krisenszenarien durchzuspielen. Einige Fachleute halten die Annahmen für das Stressszenario für zu milde, schreibt die FAZ. Nicht zuletzt, weil die Tests zu rückwärtsgewandt sind und für die Länder unterschiedlich heftige Konjunkturrückgänge unterstellt wurden.

Aber es darf ja auch keiner durchfallen, etwa die Banca Monte dei Paschi di Siena. Zu gefährlich wären die Schockwellen, die von einer solchen Einschätzung ausgehen könnten. Man fragt sich dabei freilich, wie sinnvoll dann noch ein Stresstest sein mag – dies erst recht, wenn man bedenkt, dass das Risiko der Niedrigzinspolitik und die Folgen bei den Prüfungen regelrecht ausgeklammert werden. Die EZB befürchtet, dass sonst Rückschlüsse auf ihre Geldpolitik gezogen werden könnten.

Somit kann also nach der Zeugnisvergabe kein Investor beruhigter in die finanzpolitische Zukunft blicken.

Den Notenbanken ist ihr klarer Code verloren gegangen

Wenn es eines gibt, gegen das die Kapitalmärkte allergisch sind, dann sind es Überraschungen. In jüngster Zeit kommt es immer wieder vor, dass gerade die Institutionen, die für Beruhigung sorgen sollten, mit ihren Maßnahmen das Gegenteil hervorgerufen haben. Die Rede ist von den Notenbanken.

So haben ausgerechnet die Zentralbanken immer wieder Entscheidungen getroffen, auf welche die Märkte so nicht vorbereitet waren. Beispiele haben die Bank of England und die Bank of Japan geliefert. Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) enttäuschte mit ihrem Programm quantitativer Lockerungen im Dezember 2015. Lediglich die US-Notenbank Fed vermag es noch, die Markterwartungen einigermaßen zu erfüllen, obwohl ihre Chefin Janet Yellen immer wieder mit einem gewissen rhetorischen Hü und Hott schnell die Richtung wechselt. Doch auch in den USA wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Fed die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllt.

Zumal sich in den USA eine neue, gefährliche Blase aufbaut. Während dort Unternehmen durch die Aufnahme von Fremdkapital den Rückkauf von Aktien günstig finanzieren und die Kurse anheizen, erhöhen sie ihren Verschuldungsgrad. Dies wiederum macht sie anfällig für den Zeitpunkt, an dem die Konjunktur einbricht und die Vermögenspreise sinken könnten. Dann würde auch hier klar, dass eine Schuldenblase nicht dauerhaft mit weiteren Schulden bekämpft werden kann.

Zurück zu den Notenbanken: Natürlich ist es nicht deren Sache, immer die Wünsche der Märkte zu erfüllen. Erst recht nicht, wenn die Investoren wie Junkies inzwischen süchtig nach dem süßen Gift der unendlichen monetären Stimuli sind. Aber es hat sich in der Vergangenheit bewährt, die Marktteilnehmer auf Richtungsentscheidungen vorzubereiten.

Wie und wann u.a. die EZB den Exit aus ihrer süchtig machenden expansiven Geldpolitik finden wird, weiß sie wohl noch nicht mal selbst. Weil damit am Ende auch die Staaten mitfinanziert werden, spricht einiges dafür, dass die Phase noch lange andauern wird. Wichtig wäre dann, dass sich die Notenbanken wieder eines abgestimmten, eindeutigen Codes bedienen würden, der Schockwellen möglichst zu glätten hilft. An diesem klaren Code aber fehlt es derzeit. Daher laufen Märkte und Notenbanken immer wieder asynchron.

Schuldentilgungsfonds sorgt für Bauchschmerzen

In einer Zeit, in der Europa seine Brexit-Wunden leckt, macht Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann genau das Richtige: Er schaut nach vorne, indem er drei Leuchtturmprojekte der Europäischen Union (EU) anregt, mit denen die Gemeinschaft ihre Handlungsfähigkeit beweisen könnte.

Den beiden ersten Ideen, dem Aufbau eines digitalen EU-Binnenmarkts sowie der Auflegung eines Investitionsprogramms für Energieeffizienz, sei hier ausdrücklich zugestimmt. Beide Programme ließen sich zügig umsetzen, und vor allem wäre das Geld an der richtigen Stelle investiert, weil es die Grundlagen für weiteres Wachstum in der Zukunft legen würde.

Einzig, den dritten Vorschlag, den Herr Heilmann macht, bereitet dem Autor dieser Zeilen Bauchschmerzen. Der Handelsblatt-Chefökonom regt die Reform der Europäischen Währungsunion an, was er selbst als das dickste Brett, das es zu bohren gilt, bezeichnet. Dass es hier Reformbedarf gibt, bleibt unwidersprochen. Allerdings schlägt Heilmann einen temporären Schuldentilgungsfonds für Staatsschulden vor, wie er vom deutschen Sachverständigenrat bereits vor 5 Jahren entworfen wurde.

Demnach würden in diesem Fonds alle Staatsschulden der Euro-Zone gebündelt werden, die über die Maastricht-Quote von 60% des BIPs in dem jeweiligen Land hinausgehen. Diese Altschulden würden durch die Ausgabe von Euro-Bonds refinanziert werden, für die alle Euro-Staaten haften. Die Tilgung müsste über einem fixierten Zeitraum erfolgen. Wenn ein Land anschließend neue Schulden aufnehmen möchte und immer noch eine Verschuldungsquote von 60% aufweist, dürfte es dies nur mit einem eigenen Bond refinanzieren – ohne Haftung der Gemeinschaft. Damit käme es für Neuschulden zu den wünschenswerten, nach Risiko differenzierten Zinssätzen.

Einen solchen Schuldentilgungsfonds beschreibt Heilmann als wichtiges Signal der Solidarität und der Berechenbarkeit, was ohne Zweifel richtig ist. Es würde aber auch bedeuten, dass diejenigen Länder, die in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt haben, dafür im Grunde auch noch belohnt würden. Und ob sie während der Laufzeit solcher Euro-Bonds sich nicht wiederum zu sehr auf die Gemeinschaftshaftung verlassen würden, muss zumindest ins Kalkül gezogen werden. Dann würden gegebenenfalls am Ende die starken Länder tilgen und müssten im schlimmsten Fall die Krisenländer erneut retten, da diese sich nur zu marktgerechten Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren könnten.

Es soll hier dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass ein Schuldentilgungsfonds tatsächlich ein gangbarer Weg wäre. Vielleicht ist dies ja auch der Preis, den wir für eine weiterhin funktionierende Wertegemeinschaft mit freiem Handel und Frieden, bezahlen müssen. Dafür könnte man auch bis zu einem gewissen Grad Bauchschmerzen aushalten.

Lethargie am Primärmarkt

In dieser Handelswoche ist die Befürchtung aller Marktteilnehmer bereits wahr geworden. Die Aktivitäten am Primärmarkt kamen zum Erliegen und es ist auch nicht abzusehen, wann sich namhafte Emittenten wieder dem Votum der Anleger stellen werden.

Es ist allerdings nicht so, dass die Unternehmen kein Geld mehr aufnehmen, sondern manche namhaften Gesellschaften weichen verstärkt auf den Markt für Schuldscheine aus. Diese gelten vielfach als sichere und vertrauenswürdige Geldanlage und sind für die Unternehmen kostengünstiger und kurzfristiger umzusetzen. Investoren, denen diese Produkte nicht zugängig sind, haben sich in dieser Woche mit neu begebenen Financials „getröstet“. So hat JP Morgan eine 2 Mrd. € schwere Anleihe (JPM5KX) an den Kapitalmarkt gebracht. Ausgestattet mit einem Kupon von 0,625% und einer Endfälligkeit am 15.01.2024 wurde der Emissionspreis mit 99,266% fixiert. Dies entsprach einem Spread von +113,5 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe.

Der Emittent hat sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) und eine Mindeststückelung von 100.000 € in den Anleihebedingungen festschreiben lassen.

Immer noch über dem „Vor-Brexit-Level“

Der Euro-Bund-Future, der auch gerne als „Sorgenbarometer“ bezeichnet wird, hat sich in den vergangenen Handelstagen trotz der Türkei-Ereignisse für den Rückwärtsgang entschieden. Doch mit 166,04% notiert er immer noch über seinem „Vor-Brexit-Level“ bei 164,62%, aber auch deutlich unter seinem bisherigen Höchststand bei 168,86%.

Da sich die Fundamentaldaten für den Rentenmarkt nicht signifikant verändert und die allseits bekannten Probleme weiterhin Bestand haben, ist es wieder an der Zeit, eine Chartanalyse zu Rate zu ziehen. Hierbei ist zu beachten, dass sich in einem langfristigen Aufwärts- ein kurzfristiger Abwärtstrend herausgebildet hat. Dessen Leitplanken verlaufen aktuell bei 166,54% und 165,42% und reduzieren sich täglich um ca. 0,15 BP. Spätestens im Laufe der kommenden Woche wird sich das Rentenbarometer für eine Seite entscheiden müssen. Aufgrund der nachlassenden Handelsaktivitäten und diversen anstehenden Notenbankenbeschlüssen ist im Zweifel mit einem Test der Unterstützungslinien zu rechnen.

Von Japan lernen, heißt siegen lernen

Wenn 10-jährige Anleihen keine positive Rendite mehr abwerfen, dann kann man selbstverständlich die Fälligkeit soweit in die Zukunft verschieben, bis die Optik wieder passt. So geschehen gestern in Japan. Die aktuelle 10-jährige Anleihe Japans rentiert aktuell bei ca. -0,23% und die neue 20-jährige bei +0,147%. Not macht bekanntlich erfinderisch, aber den Investoren scheint es gefallen zu haben (3,4-fach überzeichnet).

In den USA hingegen ist man von solchen Renditen noch weit entfernt, so dass man für 4 Wochen-T-Bills den Investoren sogar eine effektive Verzinsung von 0,275% bieten musste, um 45 Mrd. USD refinanzieren zu können. Darüber hinaus wurden 37 Mrd. USD als 3-Monats-, 32 Mrd. USD als 6-Monats- und 20 Mrd. USD als 52-Wochen T-Bill aufgelegt. Abgerundet wird das US-Refunding heute mit der Begebung einer 10-jährigen inflationsindexierten T-Notes im Volumen von 13 Mrd. USD.

Aus europäischer Sicht war das Highlight der Woche die Auktion der neuen 10-jährigen Anleihe Spaniens (A1VQCB). Mit einem Kupon von 1,3% ausgestattet konnten 6 Mrd. € mit einer Rendite von 1,314% bei Investoren platziert werden. Die Summe der aufgegebenen Orders belief sich auf ca. 28 Mrd. €. Darüber hinaus stockten noch Belgien (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A18YM3 / 2047), Spanien (A18W6G / 2019 ; A18YPG / 2021 ; A18YZ6 / 2046) und Frankreich (A1ZW79 / 2025 ; A1ZKRV / 2030 ; A0LPPD / 2040) Altemissionen in dieser Handelswoche auf. In Deutschland wurde hingegen eine neue 5-jährige Bundesobligation (114174) emittiert. Für die angebotenen 5 Mrd. € wurden allerdings nur Kursgebote für ca. 3,4 Mrd. € abgegeben und der nicht direkt zu platzierende Betrag von ca. 1,6 Mrd. € wurde als Marktpflegequote zurückbehalten. Die dabei - trotz der technischen Unterzeichnung - zu erzielende Durchschnittsrendite von -0,51% ist dennoch als marktgerecht zu bezeichnen.

„Türken-Bonds“ im Fokus der Anleger

Seit der Einführung des Euros sind inzwischen mehr als 14 Jahre vergangen und auch nach dieser langen Zeit scheint einigen Bürgern der Abschied von der D-Mark immer noch schwerzufallen. 12,76 Mrd. D-Mark waren Ende Juni nach Angaben der Bundesbank noch im Umlauf. Obwohl dies sicherlich der Sammlerleidenschaft und der Nostalgie geschuldet ist, sorgt die derzeitige Lage in Euroland sowie die Kursentwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung nicht dafür, dass die Abkehr von der Deutschen Mark leichter fällt.

Der Euro kann momentan nicht so richtig punkten und so fiel die Einheitswährung in dieser Woche auf ein neues Juli-Tief bei 1,0979 USD. Im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung halten sich die Marktteilnehmer zurück und warten auf die Erläuterungen auf der anschließenden Pressekonferenz. So startet der Euro heute Morgen wenig verändert in den Handel und pendelt um die Marke von 1,1030 US-Dollar.

Weitaus verheerender stellt sich die aktuelle Situation in der Türkei dar. Nach dem Putschversuch befindet sich die Währung des Landes auf Talfahrt. So verbilligte sich die türkische Lira zum Euro bis auf 3,4076 TRY, nachdem sie zuvor noch um die Marke von 3,1920 TRY gehandelt wurde. Die negativen Folgen der versuchten Machtübernahme betreffen nicht nur die Währung des Landes, sondern auch die Kreditwürdigkeit der Türkei. Diese steht gleich bei allen drei großen Ratingagenturen auf dem Prüfstand. Derzeit wird die Bonität der Türkei von Moody’s mit Baa3 bewertet. Um die Kreditversorgung im eigenen Land zu gewährleisten hat die türkische Zentralbank am Dienstag den Overnight-Zinssatz um 25 Basispunkte auf derzeit 8,75% gesenkt und hofft dadurch die Märkte zu stabilisieren.

Die Turbulenzen um die Türkei sorgten für eine höhere Umsatztätigkeit in den entsprechenden Währungsanleihen. Daneben waren auch australische Dollar, brasilianische Real und US-Dollar Bonds auf den Kauflisten zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Die EZB und die fehlende Exit-Strategie

Bereits seit vielen Jahren diktieren die Notenbanken die Geschehnisse an den Finanzmärkten und haben auf diese Weise allen Anleiheinvestoren eine „Rendite-Diät“ verordnet. Die in der Vergangenheit immer wieder thematisierten Negativrenditen bei deutschen Staatsanleihen wurden nun um ein weiteres Kapitel ergänzt. So darf sich Deutschland damit brüsten, als erstes Land der Eurozone eine 10-jährige Staatsanleihe aufgelegt zu haben, die mit einem Kupon von 0% ausgestattet ist und zusammen mit einem Ausgabekurs von „über pari“ eine negative Rendite ergibt.

In diesem Zusammenhang ist allerdings die Frage erlaubt, wie lange die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) noch gut gehen kann. Sehr gerne wird hierbei auf die erfolgreiche Zinspolitik der amerikanischen Notenbank (Fed) verwiesen, die es inzwischen geschafft hat, die QE-Maßnahmen zu beenden. Dies ist zumindest das offizielle Statement. Wie so oft im Leben, wird hierbei nicht die vollständige Wahrheit gesagt. Richtig ist, dass kein neues Geld mehr zum Ankauf von US-Staatsanleihen verwendet wird, aber die endfälligen Wertpapiere und die gezahlten Zinsen sehr wohl reinvestiert werden. Trotz der fehlenden Nachfrage seitens der heimischen Notenbank ist es in den USA gelungen, das Renditeniveau für 10-jährige T-Bonds auf das Allzeittief von 1,358% zu senken. Zusammen mit schlechteren Konjunktur- und geringen Inflationsdaten sind für diese Entwicklung allerdings die unzähligen politischen und geopolitischen Krisenherde verantwortlich. Somit wurde die QE-Reduzierung in den USA von anderen Faktoren gemildert und sogar konterkariert.

Jede Beendigung einer künstlichen Nachfrage führt automatisch zu einer Preisreduzierung. Das ist unbestritten. Doch kommt es darauf an, ob zu diesem Zeitpunkt die Renditen noch positiv oder sogar negativ sind. Dies genau ist der relevante Unterschied zwischen den USA und Euroland. Konnten sich in den USA die Zinsen im positiven Bereich nach oben anpassen, so wären nach einem, wenn auch nur teilweisen, Rückzug der EZB negative Renditen nicht mehr zeitgemäß und würden sprunghaft nach oben (über die Null-Linie) korrigieren.

Momentan machen sich die europäischen Notenbankenvertreter jedoch noch keine Gedanken über eine notwendige Exit-Strategie. Dem Motto entsprechend „Nach mir die Sintflut“ zu leben, ist seitens der EZB-Notenbanker verantwortungslos und zeugt von mangelnder Weitsicht beim Betreiben der ultralockeren Geldpolitik. Die Verwerfungen an den europäischen Rentenmärkten sind also vorprogrammiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie eintreten werden.

Italienische Bankenkrise bringt EU in eine Zwickmühle

Was sich derzeit in der italienischen Finanzbranche abspielt, könnte sich zur zweiten Welle in Sachen Bankenkrise nach der Finanzmarktkrise 2008 aufbauen. Nachdem es eine achtjährige, vielleicht nur vermeintliche Ruhephase gegeben hat, in der man neue Regeln geschaffen hat, drohen nun die Problemkredite in den Büchern der italienischen Banken in Höhe von 360 Mrd. € zum toxischen Stoff für die gesamte europäische Branche zu werden.

Denn aufgrund der engen internationalen Verflechtungen der Finanzinstitute könnte sich der Zusammenbruch einzelner oder mehrerer italienischer Banken schnell zur europäischen Bankenkrise aufschaukeln. Wegen der wackeligen Situation anderer europäischer Banken ist das Problem also kein rein italienisches mehr. Nicht von ungefähr ist es der Chefökonom der angeschlagenen Deutschen Bank, David Folkerst-Landau, der ein europäisches Programm in Höhe von 150 Mrd. € zur Rekapitalisierung der europäischen Banken fordert.

Die EU sitzt dabei wieder einmal in der Zwickmühle. Schließlich hat sie im Zuge der Finanzmarktkrise beschlossen, dass nie wieder marode Banken auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden sollen. Deshalb lehnt man konsequenterweise in Brüssel Staatshilfen für die italienischen Banken ab. So spricht sich Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem gegen ein neues milliardenschweres Rettungsprogramm aus Steuergeldern aus, wie es der Internationale Währungsfonds (IWF) von der Regierung in Rom fordert. Angesichts des geringen Wirtschaftswachstums werde es schwer für die Banken, aus eigener Kraft und in einem angemessenen Zeitraum das Problem ihrer notleidenden Kredite zu lösen, heißt es beim IWF. Indessen fordert Dijsselbloem: „Die Probleme müssen in den Banken geregelt werden.“

Ob die italienischen Institute allerdings die Kraft haben, sich selbst aus dem Schlamassel zu ziehen, darf bezweifelt werden. Schon 2008 hätten sie einen dreistelligen Milliardenbetrag benötigt, um die notwendigen Wertberichtigungen vorzunehmen. Dazu ist es nicht gekommen, weil die expansive Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst den Druck von ihnen genommen hat. Gleichzeitig aber wurden alle europäischen Banken ihrer klassischen Einnahmequelle, der Zinsmarge, beraubt, so dass sie kaum mehr Fett in Form von Eigenkapitalreserven ansetzen können.

Was also wäre zu tun? Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi bevorzugt einen Staatsfonds, der die Banken mit Kapital versorgen würde und denkt sogar darüber nach, einen zweiten Bankenrettungs-Fonds aufzulegen, da der erste nicht ausreicht. Damit würden wieder einmal private in staatliche Schulden umgewandelt. Es käme also just zu dem Sündenfall, den die EU im Rahmen der Bankenunion gerade erst ausgeschlossen hat – zumindest im Prinzip. Deshalb braucht Renzi für seinen Plan auch die Zustimmung der EU-Kommission, die staatliche Rettungsprogramme nur in absoluten Ausnahmefällen vorsieht. Rom sieht einen solchen für gegeben an, weil nach dem Brexit-Votum der Druck auf die italienische Bankenbranche entsprechend zugenommen hat.

Sollten tatsächlich die Eigentümer der italienischen Banken haften, so träfe es viele Kleinsparer, die ihre Rücklagen fürs Alter ausgerechnet in Bankaktien gesteckt haben. Deshalb bedarf es eines Vorgehens mit viel Fingerspitzengefühl, das womöglich eine Ausnahmeregelung von den Maßgaben der Bankenunion vorsieht. Wichtiger als eine strenge Auslegung der EU-Regeln sei Schnelligkeit und Gründlichkeit, schreibt dazu die Süddeutsche Zeitung: „Man muss das Feuer austreten, solange es klein ist.“

Einen Part des Löscheinsatzes könnte dabei am Ende die EZB übernehmen. Nachdem die Zentralbank nicht nur Staatsanleihen und Corporate Bonds ankauft, ist nicht auszuschließen, dass sie auch noch den Ankauf von Financials, also Bankentiteln, beschließt. So viele weitere Möglichkeiten hat sie nämlich nicht mehr.

EU-Defizitsündern droht symbolisches Bußgeld

Immer wieder hat es Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt gegeben, auch von Deutschland, und stets gingen die Sünder straffrei aus. Jetzt könnten erstmals Defizitsünder mit Strafen belegt werden. Die EU-Finanzminister leiteten in dieser Woche konkrete Maßnahmen gegen Spanien und Portugal ein.

Der Vorwurf lautet, dass beide Länder nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltsdefizite vorgegangen seien. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wertete die Entscheidung der EU-Finanzminister als Beweis dafür, dass Regeln auch angewandt würden. „Das sendet das Signal der Verlässlichkeit“, so Schäuble.

Spanien und Portugal hatten im vergangenen Jahr die Vorgaben des Euro-Stabilitätspakts gerissen. Dem Regelwerk von Maastricht zufolge ist eine jährliche Neuverschuldung von höchstens 3,0% der Wirtschaftsleistung gestattet. Spanien kam hier 2015 auf 5,1% und Portugal auf 4,4%. Trotz gegenteiliger Behauptungen hätten beide Länder keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen.

Nun hat die EU-Kommission 20 Tage Zeit, um weitere Schritte einzuleiten. Es können Geldstrafen bis zu 0,2% der Wirtschaftsleistung verhängt werden. Auch das Einfrieren von Strukturfördermitteln ist möglich. Doch wenn die Signale aus Brüssel nicht täuschen, wird es auf eine milde Strafe hinauslaufen. Schließlich könnte eine harte Strafe am Ende das Wirtschaftswachstum in den Ländern gefährden, was nicht im Sinne der EU-Kommission wäre. Immerhin hat Spanien bereits avisiert, die Körperschaftssteuer zu erhöhen, was zusätzliche Mittel in Höhe von 6,0 Mrd. € in die Kassen spülen soll.

So dürfte das Ganze auf die Verhängung einer eher symbolischen Strafe hinauslaufen. Damit kann einerseits die Kommission behaupten, dass die Nichteinhaltung der Maastricht-Regeln (endlich einmal) bestraft wird. Und andererseits droht das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum in Spanien und Portugal nicht abgewürgt zu werden.

Auf die neue Hausherrin in No. 10 Downing Street wartet jede Menge Arbeit

Am Ende ist es doch ganz schnell gegangen. Nachdem die Schreihälse unter den Brexit-Trommlern, Boris Johnson und Nigel Farage, zunächst von der Fahne gegangen waren, wirkte das Lager der EU-Gegner in Großbritannien vollkommen ratlos. Nun haben die Tories mit Theresa May als neue Premierministerin doch rascher als gedacht eine Nachfolgerin für den ungeschickten Taktiker David Cameron gefunden. May, die nun in den Regierungssitz in No. 10 Downing Street in London einzieht, gilt als gemäßigter, nüchterner Kopf innerhalb der konservativen Partei. Zur Verwunderung aller hat sie in einer ersten Amtshandlung Boris Johnson zum neuen Außenminister gekürt. Frank-Walter Steinmeier wird’s sicherlich freuen.

Auf sie wartet jede Menge Arbeit. Es gilt ein gespaltenes Land zusammenzuführen, bevor es an der Auseinandersetzung um den Brexit zerbrechen mag. Dafür sind von ihr als einer Tory-Frau ungewöhnliche Töne zu hören, wenn May etwa dem „Big Business“ eine Kampfansage zukommen lässt. Dazu zählt etwa ihre Ankündigung, das Gehaltsgefälle zwischen Managern und Arbeitern abbauen zu wollen. Offenbar hat sie verstanden, dass das Brexit-Votum auch einen tiefen Graben zwischen den Privilegierten und den Verlierern in der Gesellschaft widerspiegelt.

Ob sie es schafft, „den Brexit zu einem Erfolg zu machen“, wie sie angekündigt hat, werden die kommenden Jahre zeigen. Dies wird auch von den anstehenden Verhandlungen mit der EU abhängen, die hart werden dürften. Denn natürlich wollen die Brexiteers den restlichen Europäern zeigen, dass es Großbritannien auch ohne EU-Mitgliedschaft schafft zu prosperieren.

Dabei wird May auch auf die Unterstützung durch die Bank of England (BoE) hoffen, die am heutigen Donnerstag erstmals nach dem Brexit-Referendum über die weitere Geldpolitik beraten wird. Die Notenbank in London, so ist zu erwarten, dürfte alles dafür tun, die Banken des Vereinigten Königreichs mit genügend Liquidität zu versorgen, damit es zu keinen Kreditengpässen kommen mag. Auch eine Wiederbelebung des QE-Programms (Quantitative Easing) zum direkten Ankauf von Wertpapieren erscheint nicht ausgeschlossen.

Die Urlaubszeit wirft ihre Schatten voraus

Mit Wochenbeginn starteten bereits in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien und es ist davon auszugehen, dass sich die Neuemissionstätigkeit in den kommenden Wochen immer weiter reduzieren wird.

So konnte in dieser Woche mit PepsiCo lediglich ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden. Der US-amerikanische Getränke- und Lebensmittelkonzern emittierte eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A1839D), die am 18.07.2028 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,875% ausgestattet ist. Gepreist wurde der Bond bei 99,66%, was einem Emissionsspread von +47 bps über Mid Swap entsprach. Der Emittent ließ sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) zum 18.04.2028 in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Die Wahl der Mindeststückelung von 100.000 € lässt darauf schließen, dass insbesondere institutionelle Anleger als Investoren angesprochen werden sollen.

Wann wird das Gap geschlossen?

Immer noch ist das durch die heftigen Brexit-Marktreaktionen entstandene Gap (zwischen 164,62% und 165,51%) nicht geschlossen worden. Chartanalysten verweisen gerne darauf, dass jede Lücke geschlossen wird. Die Frage ist halt nur: Wann?

Hatte man am Dienstag noch den Eindruck, dass nach der kräftigen Gegenreaktion an den Aktienmärkten die Zeit gekommen sei, das Gap zu schließen, so wurde man am gestrigen Mittwoch vorerst eines Besseren belehrt. Weder steigende noch seitwärts tendierende Aktiennotierungen konnten das Rentenbarometer in Bedrängnis bringen. Viele Stimmen werden inzwischen laut, die vor zu viel Optimismus am Aktienmarkt warnen. Aber dadurch wird wegen der „alten“ Gesetzmäßigkeit vom spiegelbildlichen Verhalten der Aktien- und Rentenmärkte sogar die Hoffnung der Rentenhändler auf ein baldiges Schließen des Gaps gedämpft. Doch in diesen Zeiten sollte man nicht resignieren, sondern stets an die Toyota-Werbung denken!

Charttechnisch verläuft aktuell ein im Mai des Jahres beginnender Aufwärtstrend bei ca. 164,83%. Doch auch oberhalb dieser Unterstützungslinie gibt es bereits eine ausgeprägte Zone bei 165,61% (mehrere Hochs im Juni), die ein Abfedern möglich macht. Trotz der „Gap-Problematik“ sollte man allerdings auch den Blick nach oben richten, um sich der einzigen nennenswerten Widerstandslinie bei 168,06% (Hoch vom 6.7.) auf dem Weg zum Allzeithoch bei 168,68% bewusst zu sein. Zur Stunde notiert das Sorgenbarometer bei 166,91% und zeigt Anzeichen einer leichten Korrektur auf hohem Niveau.

Erste „Nullkupon-Bundesanleihe“

Endlich ist es vollbracht. Die erste 10-jährige Euro-Staatsanleihe (110240) mit einem Nullkupon war zwar keine Überraschung, aber dennoch ein Novum am Rentenmarkt. Insgesamt 5 Mrd. € wollte die Deutsche Finanzagentur refinanzieren, doch nur für ca. 4,8 Mrd. € wurden Orders aufgegeben. Somit gilt die Auktion in diesem Falle als technisch unterzeichnet. Dennoch konnte sich Finanzminister Schäuble freuen, denn die Zuteilung erfolgte zu einer Durchschnittsrendite von -0,047%. Das bedeutet, dass zum einen mehr Geld als der anvisierte Nominalbetrag eingesammelt wurde und dafür in den kommenden 10 Jahren keine Zinsen bezahlt werden müssen. Zum anderen wird bei der Endfälligkeit weniger zurückgezahlt als eingenommen wurde. Super Deal. Davon träumt jede Privatperson.

Ganz so erfolgreich war zwar der niederländische Finanzminister nicht, aber immerhin konnte er fast 2,4 Mrd. € mittels einer Aufstockung der aktuellen 10-jährigen Anleihe (A1VNKY) bei einer Rendite von 0,043% refinanzieren. Unter Mitwirkung Italiens, das insgesamt die Emissionsvolumen von Altemissionen unterschiedlicher Laufzeiten um ca. 7,5 Mrd. € erhöhte und des frisch gekürten Fußball-Europameisters Portugal, das zwei Altemissionen (A1Z6CE / 2022 ; A18W15 / 2026) um insgesamt ca. 1,1 Mrd. € aufstockte, wurden in dieser Handelswoche ca. 16 Mrd. € neu aufgenommen. Portugal konnte allerdings nicht von seinem Triumph profitieren und musste beim Tender der 10-jährigen Anleihe eine Rendite von 3,093% akzeptieren. Bei der vorherigen Auktion im Juni des Jahres waren es nur 2,859% gewesen.

In den USA wurden neben den üblichen T-Bills für 114 Mrd. USD noch jeweils 20 Mrd. USD als 10-jährige T-Notes und als 30-jährige T-Bonds interessierten Investoren offeriert.

Von Normalität kann noch keine Rede sein

Der „Steuerzahler-Gedenktag“ war in diesem Jahr am Dienstag, den 12. Juli, denn ab diesem Tag arbeitet der Steuerzahler rechnerisch wieder für das eigene Portemonnaie. An den Börsen gibt es so einen Stichtag nicht, dies wäre auch zu einfach. Deshalb müssen sich Marktteilnehmer ständig darüber Gedanken machen, welche Investitionen sie tätigen.

Am Devisenmarkt ist dieses Unterfangen bei dem aktuellen Marktgeschehen alles andere als einfach. Wenngleich diese Woche die Unsicherheit und die Nervosität abnahmen, so befinden wir uns auch 3 Wochen nach dem Brexit in einem schwierigen Marktumfeld. Das Währungspaar GBP/USD steht weiterhin unter einer besonderen Beobachtung und es konnte eine leichte Erholung attestiert werden. So handelte das Pfund zeitweise bei 1,3338 USD, nachdem in der Vorwoche noch ein 31-Jahres-Tief bei 1,2798 USD markiert wurde. Zum Euro zeigt sich das Pfund-Sterling ebenfalls stabiler und notiert derzeit um die Marke von 0,84 GBP nach 0,86274 GBP in der Woche zuvor.

Die europäische Gemeinschaftswährung hatte zum Wochenausklang einen Dämpfer hinnehmen müssen. Robuste und überzeugende US-Arbeitsmarktdaten belasteten die Einheitswährung und so fiel der Euro bis auf 1,1002 USD zurück. Im weiteren Handelsverlauf konnte sich der Euro jedoch wieder erholen und notiert zur Stunde um die Marke von 1,11 USD.

Da die Einkommensbelastungsquote im Jahr 2016 durchschnittlich bei rund 52,9% liegen wird, bleiben von jedem erwirtschafteten Euro nur 47,1 Cent übrig. Das so verdiente Geld haben verschiedene Privatanleger in dieser Berichtswoche vornehmlich in Währungsanleihen lautend auf türkische Lira, brasilianische Real, Neuseeland-Dollar sowie US-Dollar-Bonds investiert.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Author: Klaus Stopp

Brexit: Bank of England greift den britischen Banken unter die Arme

Die Bank of England (BoE) trifft vor dem Hintergrund des Brexits Vorsorge gegen mögliche Engpässe bei der Kreditvergabe. Dazu will die Zentralbank in London eine wichtige Regulierungsvorschrift für Banken zurücknehmen. Die BoE verzichtet vorerst auf die Einführung eines sogenannten kontrazyklischen Kapitalpuffers von 0,5%. Nach bisheriger Planung wäre dieser Ende März 2017 in Kraft getreten. Sofern sich nichts ändern sollte, wird der Puffer nun mindestens bis Juni 2017 bei null bleiben. Mit einem Kapitalpuffer von mehr als null wären die Banken dagegen gezwungen gewesen, in konjunkturell guten Zeiten mehr Eigenkapital als Sicherheit für schwierigere Phasen aufzubauen.

Der Aufbau dieses Sicherheitspuffers wird damit zunächst auf die lange Bank geschoben, was wiederum - nach Überzeugung der BoE - direkte Auswirkungen auf die Möglichkeit der Banken zur Kreditvergabe hat. Um Überlappungen mit anderen Eigenkapitalanforderungen zu vermeiden, waren diese wegen des bislang geplanten Puffers angepasst worden. An diesen Anpassungen wolle man nun festhalten, so das Kalkül der BoE, obwohl der Puffer zurückgenommen wurde.

„Das bedeutet, dass drei Viertel der Banken, die für 90% der Ausleihungen in der britischen Wirtschaft stehen, mit sofortiger Wirkung größere Flexibilität haben werden, um das Kreditangebot gegenüber der Realwirtschaft aufrecht zu erhalten”, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht der Zentralbank. Demnach erhöht der vorläufige Wegfall des Sicherheitspuffers die Ausleihungskapazität der britischen Banken um bis zu 150 Mrd. GBP. Die Maßnahmen sind vor dem Hintergrund des Brexit-Referendums zu sehen, aufgrund dessen die BoE eine erhebliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Großbritannien befürchtet.

Darüber hinaus warnte Notenbankchef Mark Carney vor Risiken für die Finanzmarktstabilität in Großbritannien und verwies auf das hohe Leistungsbilanzdefizit, das im Gegenzug einen hohen Zufluss an ausländischem Kapital erforderlich macht. Es gibt aber nach Erkenntnissen der BoE schon jetzt Hinweise, dass sich dieser Zufluss bereits verlangsamt hat. Zudem hätten sich die Risikoprämien für britische Finanzanlagen erhöht. Weitere Risiken gehen vom britischen Markt für Gewerbeimmobilien aus, wo sich der Zufluss an ausländischem Kapital bereits im ersten Quartal, also noch vor dem Brexit-Votum, um 50% reduziert hat.

Brexit 2: Großbritannien will als Steueroase seine Haut retten

Nach dem britischen Referendum zugunsten eines Austritts aus der EU gibt es Anzeichen, dass das Land sein Heil in einer Steueroase suchen könnte. Durch die Etablierung eines Niedrigsteuerlandes sollen Firmen auf der Insel gehalten werden, was zum Verdruss der EU führen müsste.

So hat der britische Finanzminister George Osborne bereits drastische steuerliche Entlastungen für Unternehmen angekündigt, um sie zu einem Verbleib in Großbritannien bewegen zu können. Demnach soll die Körperschaftsteuer von derzeit 20% auf unter 15% gesenkt werden, schreibt die „Financial Times”. Dieser Satz würde Großbritannien unter den großen Volkswirtschaften zum Steuerparadies machen. Wie groß die Verwirrung derzeit in London ist zeigt der Umstand, dass Osborne noch vor einigen Tagen allgemeine Steuererhöhungen angekündigt hatte.

Das Chaos perfekt gemacht hatten ja in den vergangenen Tagen die Rückzüge von denen, die zuvor am lautesten für den Brexit getrommelt hatten. Boris Johnson und Nigel Farage waren offenbar zu feige, Verantwortung zu übernehmen. Einen konstruktiven Plan scheinen sie offenbar nicht zu haben, nur die Lust an der Verweigerung. Dies zeigt auch, nebenbei bemerkt, dass Volksentscheide zu komplexen Themen die parlamentarische Demokratie kaum ersetzen können. Die Welt ist nun mal so vielschichtig geworden, dass viele Fragen nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten sind, sondern der politisch ausbalancierte Kompromiss gesucht werden muss.

Interessant ist auch, dass die Anwärter auf die Nachfolge von Premierminister David Cameron, Justizminister Michael Gove und die Tory-Abgeordnete Theresa May, mit den Austrittsgesprächen erst einmal warten wollen. Osborne dagegen will so schnell wie möglich zu neuen Beziehungen mit Europa kommen. Denn eins weiß er sicher: Die schwelende Unsicherheit muss verringert werden, um Investoren und Handelspartnern jeglicher Art sowie den Märkten wieder Verlässlichkeit zurückzugeben. Ansonsten droht die Gefahr einer sich unkontrolliert ausbreitenden Welle, die alles mitreißt, was sich ihr in den Weg stellt.

Brexit 3: Britische Staatsanleihen bleiben begehrt

Die erste Auktion britischer Staatsanleihen nach dem Brexit-Referendum erfreute sich diese Woche einer regen Nachfrage – mit entsprechend niedriger Rendite. Die Versteigerung der festverzinslichen Papiere, die 1/2021 fällig werden, war am Dienstag 1,8-fach überzeichnet. Einem geplanten Emissionsvolumen von 2,5 Mrd. GBP stand eine Nachfrage von 4,492 Mrd. GBP gegenüber.

Bei der Versteigerung errechnete sich eine durchschnittliche Rendite von 0,379%. Dies bedeutet, dass sich der britische Staat zu deutlich günstigeren Konditionen frisches Geld besorgen konnte, als dies zuletzt der Fall war. Bei der vorangegangenen Auktion Anfang Juni lag die Rendite noch bei 0,863%. Noch deutlicher wird der Renditeverfall der britischen Gilts, wenn man die Auktionsergebnisse mit der Rendite vergleichbarer 5-jährigen deutschen Bundesobligationen vergleicht. Am 1.6.2016 rentierte die Bundesobligation Serie 173 mit -0,379% gegenüber +0,863 bei den 5-jährigen Gilts, was einen Renditeunterschied von 1,242 Prozentpunkten (PP) ergab. Am 5.7.2016 betrug dieser bei -0,59% gegenüber +0,377% nur noch 0,967 PP, was innerhalb von fünf Wochen eine Einengung um 0,275 PP bedeutete.

Denn trotz oder sogar wegen des Brexit-Votums gelten britische Staatsanleihen weiterhin als eine sichere Anlage, die verstärkt am Markt nachgefragt werden. Und dies obwohl die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch die Bonität des Landes unmittelbar nach dem Brexit-Votum herabgestuft hatten.

In diesem Zusammenhang sei auch auf eine bis 3/2025 laufende britische Staatsanleihe (748136) verwiesen, die derzeit bei ca. 136,45% notiert und somit eine Rendite von ca. 0,67% abwirft. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Devisenkursentwicklung!

Schuldensituation spiegelt sich in Anleiherenditen wider

Die einen machen weiter kräftig Schulden, die anderen wollen bis zum Jahr 2020 die Staatsschulden auf 60% des Bruttoinlandsprodukts drücken. Spanien und Portugal hat die EU-Kommission weitere drei Wochen zugestanden, um eine wirksame Begrenzung ihrer Haushaltsdefizite vorzustellen. Die Bundesrepublik Deutschland will hingegen bis zum Jahr 2020 mit der Senkung des Schuldenstandes auf 60% des BIPs wieder ein Maastricht-Stabilitätskriterium erreichen, was ihr zuletzt 2003 gelungen war. Aufgrund der unerwartet guten Wirtschaftsentwicklung und den damit verbundenen höheren Steuereinnahmen kann das Ziel aber vielleicht schon 2019 erreicht werden.

Die Schuldensituation der Staaten spiegelt sich auch in den Renditen der Staatsanleihen wider. Dabei gilt, je höher die Rendite, desto unsicherer ist das Papier. So werfen deutsche, zehnjährige Staatsanleihen derzeit gar eine Minusrendite von ca. 0,179% ab, während vergleichbare spanische auf 1,18% und portugiesischen Staatstitel sogar auf 3,04% kommen.

Die EU-Kommission hatte festgestellt, dass Spanien und Portugal nicht entschieden genug gehandelt hätten, um ihre übermäßigen Defizite einzudämmen. Um Sanktionen abzuwenden, müssen nun beide Länder bis zum 27. Juli neue Vorschläge präsentieren. Noch im Mai hatte die Kommission entschieden, Spanien und Portugal ein Jahr mehr Zeit zu geben, die Haushaltsdefizite zu reduzieren. Unter Druck von Staaten wie Deutschland, die auf Haushaltsdisziplin dringen, kündigte sie dann für Juli ihre abschließende Bewertung darüber an, ob Sanktionen verhängt werden.

Seit Einführung des Euros waren noch nie Sanktionen gegen ein Mitgliedsland wegen Verstößen gegen die Stabilitätsregeln verhängt worden. In der EU dürften die Staaten beim Haushaltsdefizit eigentlich die Grenze von 3% des BIPs nicht überschreiten. Außerdem sollte die gesamte Verschuldung unter 60% gehalten werden. Spanien sollte 2015 das Defizit auf 4,2% reduzieren, schaffte aber nur 5,1%. Portugal kam auf 4,4%, hatte aber eine Reduzierung auf unter 3% zugesichert.

Financials schwächeln

Unter den europäischen Banken gibt es eine ganze Reihe von Kreditinstituten, die als Problemkinder der Eurozone gelten. Entsprechend tief sind ihre Aktienkurse gefallen. Aber auch die Kurse der Anleihen von Banken, die sogenannten Financials, leiden darunter.

An erster Stelle sind hier die italienischen Geldhäuser zu nennen, deren faule Kredite sich mittlerweile auf ca. 360 Mrd. € angehäuft haben. 17% aller ausstehenden Kredite der italienischen Institute gelten als notleidend. Besonders drastisch ist die Situation bei dem Traditionshaus Banca Monte dei Paschi, das der EZB bis 3. Oktober einen Plan vorlegen muss, wie es seine Problemkredite bis 2018 um 40% abbauen will.

Doch auch in Deutschland gibt es mit der Deutschen Bank ein Institut, das massiv an Glaubwürdigkeit und Wert verloren hat. Seit Jahresbeginn fiel der Aktienkurs des größten Geldhauses des Landes um rund 45%. Außerdem fiel die Deutsche Bank vergangene Woche zum zweiten Mal in Folge beim Stresstest der US-Notenbank Fed durch. Darüber hinaus kürte der Internationale Währungsfonds (IWF) das Institut zum größten Risiko für das globale Finanzsystem. Zu guter Letzt droht jetzt auch noch der “Fast Exit” aus dem Stoxx Europe 50.

Insgesamt ist der Markt für Financials vor diesem Hintergrund schwer gebeutelt. Dennoch gibt es Anleger, die bei dem derzeitigen Kursniveau bei Financials selektiv zugreifen, weil sich durch die niedrigen Kurse die Renditen erhöht haben. Anleger sollten sich allerdings stets des erhöhten Risikos bei einem solchen Investment bewusst sein.

So rentiert eine Anleihe der Deutschen Bank (DB7XJP) mit Laufzeit 3/2025 bei einem Kursniveau von 96,70% mit ca. 1,53%. Eine Nachranganleihe desselben Instituts (DL40SR), die 5/2026 fällig wird, kommt gar auf eine Rendite von ca. 5,30%. Allerdings ist hier auch das Risiko wegen des nachrangigen Charakters nochmals deutlich höher. Eine Nachranganleihe der Commerzbank (CZ40LD) mit Fälligkeit 3/2026 weist einen Kurs von 102,90% auf und bringt es auf eine Rendite von rund 3,63%.

Deutsche Bahn – schneller als gedacht

Die vergangenen Handelstage waren geprägt von Unsicherheiten und erhöhten Volatilitäten quer durch alle Assetklassen. Somit war es nicht verwunderlich, dass ein Primärmarkt für Corporate Bonds nicht wirklich existent war. Doch alles hat ein Ende und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der erste Daueremittent dem Votum der Investoren stellen würde.

Die Deutsche Bahn AG, die sonst eher durch Verspätungen auf sich aufmerksam macht, war in diesem Fall unerwartet schnell und erfolgreich am Kapitalmarkt in Erscheinung getreten. So konnte das Unternehmen durch die Emission einer 15-jährigen Anleihe (A183V0) insgesamt 750 Mio. € aufnehmen. Der Investor erhält eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,875% bis zum Laufzeitende am 11.07.2031. Gepreist wurde der Bond mit +26 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,095% entsprach. Die von der Bahn hierbei gewählte Mindeststückelung von 1.000 € wird sicherlich auch bei Privatanlegern für Nachfrage sorgen.

Die historisch günstigen Zinsen für sich genutzt hat auch das in der Erdöl- und Raffineriesparte tätige französische Unternehmen Total Capital SA und legte einen Doppelpack an neuen Bonds im Gesamtvolumen 2,75 Mrd. € auf. Bei der ersten Anleihe (A1830Q) handelt es sich um eine 7-jährige Anleihe im Umfang von 1,25 Mrd. €. Der Anleger erhält 0,25% p.a. Verzinsung bis zur Fälligkeit am 12.07.2023. Das Pricing erfolgte mit +28 bps über Mid Swap und somit lag der Reoffer bei 99,806%. Der zweite 12-jährige Bond (A1830R) ist 1,5 Mrd. € schwer und bietet eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,75% bis zum Ende der Laufzeit am 12.07.2028. Der Ausgabepreis lag bei 98,728% (+43 bps über Mid Swap). Total Capital entschied sich bei beiden Anleihen für die Mindestanlagesumme von 100.000 €.

Wenn er nicht nach unten geht, dann geht er halt nach oben.

Versuchte man das am 24. Juni, dem Brexit-Tag, erreichte – bisherige – Allzeithoch beim Euro-Bund-Future (168,86%) noch mit „Panik“ zu erklären, so wird auch am Kapitalmarkt deutlich, wie anpassungsfähig der Mensch geworden ist. Gemäß dem Motto: „Wenn es nicht mehr nach unten geht, dann geht es halt nach oben“, wurde dieses Niveau erneut ins Visier genommen. In kleinen, mühsamen Schritten hat man sich diesem bisherigen Gipfel bis auf 0,75 Prozentpunkte angenähert. Sollte diese einzige Widerstandslinie nochmals getestet werden, so würde sich eine Rendite für die zugrundeliegende 10-jährige Bundesanleihe von ca. -0,30% ergeben. Solche Aussagen hätten noch vor Wochen ungläubiges Kopfschütteln erzeugt, aber jetzt erntet man dafür nur noch ein gleichgültiges Achselzucken.

Man scheint sich mit diesen Marktgegebenheiten abgefunden zu haben und das ist bereits der erste Hinweis auf eine überfällige Korrektur. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihren Interventionen alle Mechanismen eines funktionierenden Rentenmarktes außer Kraft gesetzt und lässt nichts Gutes für die nächsten Wochen und Monate erahnen. Zu groß sind inzwischen wieder die Renditeunterschiede in der Eurozone, die zwar sicherlich zu begründen sind, aber dennoch nicht zu den bisherigen Aussagen der europäischen Notenbanker passen. Entweder sind im Falle einer umfassenden Garantie seitens der EZB die Renditen für verschiedene Staaten der Peripherie zu hoch oder die von anderen Ländern bereits zu tief. Der Markt misst also mit zweierlei Maß! Das wird sich erst dann ändern, wenn man nicht mehr das macht, was die anderen auch machen, nämlich aus Furcht vor Verlusten in anderen Assetklassen, die Anleihen von vermeintlich sicheren Emittenten zu kaufen.

Die Charttechnik hat aber neben dem Jahreshoch auch noch Unterstützungslinien zu bieten. So ergeben sich aktuell bei ca. 166,90% (mehrere Hochs im Juni) und bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) zwei Bereiche, die im Falle eines Schwächeanfalls des Rentenbarometers für Linderung sorgen sollten. Aktuell handelt der Euro-Bund-Future bei 167,67%.

Die Normalität kehrt zurück

Nach dem GB-Schock wird auch am Primärmarkt für Staatsanleihen wieder zur Tagesordnung übergegangen. Neben den Fußball-EM-Halbfinalisten Deutschland und Frankreich haben sich auch Österreich und Spanien zur Aufstockung diverser Altemissionen entschieden. Insgesamt werden dadurch ca. 20 Mrd. € den entsprechenden Staatshaushalten zur Verfügung stehen. Den kleinsten Teil davon nimmt Österreich mit den Anleihen A18X6P / 2026 und 193811 / 2027 auf. Jeweils 4 Anleihen stocken Frankreich (A18YPD / 2026 , A1Z7JJ / 2031 ; A18Z4K / 2036 ; A1AJL2 / 2041) und Spanien (A18YPG / 2021 ; A1ZJHS / 2024 ; A1ATVW / 2025 ; A1ZXQ6 / 2030) auf.

In Deutschland hingegen wurden die Emissionsvolumen von lediglich zwei Anleihen mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten erhöht. Zum einen wurde die inflationsindexierte Anleihe (103057), die erst 2046 endfällig wird um 500 Mio. € auf insgesamt 4,5 Mrd. € aufgestockt. Die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,76%. Zum anderen erfreuten sich die um 4 Mrd. € aufgestockten 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110464) reger Nachfrage und konnten somit bei einer Durchschnittsrendite von -0,69% zugeteilt werden.

In den USA wurden in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche lediglich Geldmarktpapiere im Gegenwert von 108 Mrd. USD mit den üblichen Fälligkeiten (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) aufgelegt.

Mission failed

Die Raumsonde „Juno“ hat nach fünf Jahren und rund 2,8 Milliarden Kilometern den Jupiter-Orbit erreicht, also lässt sich in diesem Fall feststellen: Mission geglückt. Nun soll „Juno“ den größten Planeten des Sonnensystems zwei Jahre erkunden und neue Erkenntnisse liefern.

Mit Blick auf den Devisenmarkt lässt sich zwei Wochen nach dem Brexit-Votum konstatieren: Mission failed. Nach dem ersten Schock über das UK-Referendum schien sich das Börsengeschehen halbwegs zu normalisieren, jedoch weit gefehlt. Die zunehmende Unsicherheit sorgt weiterhin für beachtliche Kursveränderungen. So schaffte es das Pfund-Sterling, seine Verluste zum US-Dollar im Vergleich zur Vorwoche nochmals auszuweiten und fiel auf den tiefsten Stand seit über 31 Jahren. Die britische Währung kostete zeitweise nur noch 1,2796 USD. Im Vergleich zum Euro befindet sich das Pfund gleichermaßen auf Talfahrt. So verbilligte sich die Währung Großbritanniens bis auf 0,86274 GBP und handelte damit so schwach wie zuletzt im August 2013.

Die europäische Gemeinschaftswährung hat im aktuellen Marktumfeld ebenfalls einen schweren Stand. Zum Auftakt in die neue Woche zeigte sich der Euro noch relativ freundlich bei 1,1186 USD. Im weiteren Handelsverlauf geriet die Einheitswährung jedoch unter Druck und rutschte bis auf 1,1029 USD ab. Zur Stunde handelt der Euro wieder etwas fester bei 1,1075 USD.

Ein schwieriges Marktumfeld birgt sowohl Risiken als auch Chancen. Privatanleger sind somit bestrebt das Risiko zu streuen, wofür Währungsanleihen ein probates Mittel sind. So waren in dieser Berichtswoche insbesondere Bonds auf türkische Lira, südafrikanische Rand, russische Rubel, US-Dollar sowie brasilianische Real auf den Listen der meistgehandelten Anleihen zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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