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Author: Klaus Stopp

EuGH-Urteil öffnet Hintertür für italienische Bankenrettung

Das klingt zunächst einmal nach einer guten Nachricht für alle Steuerzahler. Grundsätzlich können Anteilseigner und nachrangige Gläubiger zur Sanierung von Banken herangezogen werden, urteilte in dieser Woche der Europäische Gerichtshof (EuGH). In Italien erhöht sich damit der Druck auf eine gesetzeskonforme und professionelle Sanierung der dortigen Banken, die faule Kredite in Höhe von rund 360 Mrd. € in den Büchern stehen haben. Damit bestätigt der EuGH das Bail-in-Prinzip, allerdings lässt er den EU-Mitgliedsländern gewisse Spielräume bei der Rettung maroder Banken und öffnet damit eine Hintertür für Rom.

So ist es gemäß EuGH den EU-Staaten möglich, die Halter nachrangiger Schuldtitel von der Rettung auszuklammern und den Instituten mit Steuermitteln unter die Arme zu greifen. Die Regierung von Matteo Renzi könnte sich dann als Retter inszenieren, der dafür gesorgt hat, dass zumindest nicht sämtliche Anleger ihr Geld verloren hätten. Allerdings besteht das Risiko, dass solche Beihilfen von der EU-Kommission zurückgewiesen werden. Vom Grundsatz her dürfte der Spruch des EuGH aber Italiens Verhandlungen mit der EU entgegen kommen, auch wenn es offiziell heißt, das Urteil hätte keinen Einfluss auf die aktuellen Gespräche. Ministerpräsident Matteo Renzi will derzeit gegen den Willen von Mitgliedsländern wie Deutschland oder Österreich in Brüssel den Weg dafür ebnen, den Instituten seines Landes mit staatlichen Garantien zur Seite springen zu dürfen.

Vielleicht fände die Notenbank in Rom dabei auch noch die Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn nachdem die EZB damit begonnen hat, auch Corporate Bonds von Industrieunternehmen anzukaufen, ist nicht mehr auszuschließen, dass sie demnächst auch Financials ankaufen wird. Zum Einstieg böten sich dafür ja Titel der italienischen Banken an. Die Kuh wäre damit zunächst mal wieder vom Eis, aber eine nachhaltige Lösung sähe anders aus.

Wie findet Draghi aus der Sackgasse?

Nachdem bereits am vergangenen Donnerstag die Bank of England auf ihrer geldpolitischen Sitzung die Zinspolitik nicht geändert hat, richten sich nun die Blicke gen Frankfurt. Dort treffen sich am heutigen Donnerstag die Mitglieder des Zentralbankrats der Europäischen Zentralbank (EZB), um über die weitere Notenbankpolitik zu beraten. Unter den Marktbeobachtern herrscht die Meinung vor, dass eine Kursänderung nicht zur Disposition steht. Dennoch sollten sich die führenden Notenbanker nicht nur mit den Folgen des Brexit für die Eurozone, sondern auch mit den Auswirkungen des Ankaufprogramms für Anleihen beschäftigen.

Denn früher oder später muss ein Überdenken der bisherigen Ankaufregeln in Angriff genommen werden. Das zur Verfügung stehende Material am Primär- und Sekundärmarkt wird nicht ausreichend sein, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Somit ist inzwischen eine Diskussion entbrannt, wie die EZB die Rahmenbedingungen verändern könnte, um wieder Handlungsspielraum zu erhalten. Mit seinem legendären Halbsatz „Whatever it takes“ hat sich Mario Draghi in diese Sackgasse manövriert und muss nun alle möglichen Szenarien in Betracht ziehen, um sich aus dieser misslichen Situation zu befreien. Die Sinnhaftigkeit dieses Maßnahmenkatalogs sollte an anderer Stelle beurteilt werden.

Eine Maßnahme, die immer wieder ins Kalkül gezogen wird, ist die Senkung des Einlagensatzes von derzeit -0,40% auf -0,50%, um dadurch Manövriermasse zu gewinnen. Auch die völlige Abschaffung der durch den Einlagensatz fixierten Untergrenze für Ankäufe wäre eine Möglichkeit. Es könnte den nationalen Notenbanken aber auch erlaubt werden, zumindest die bisherige Begrenzung der ankaufbaren Volumina von Altemissionen ohne CAC-Klauseln von derzeit 33% auf 50% zu erhöhen. Sollte man sich für die von den sogenannten Südländern präferierte Loslösung der Ankaufvolumen vom EZB-Kapitalschlüssel entscheiden, so würde unmittelbar der Vorwurf der verdeckten Staatsfinanzierung aufkommen. Das würde wiederum ein politisches Veto verschiedener Regierungschefs nach sich ziehen. Nicht auszuschließen ist auch, dass die Produktpalette um Aktien, Financials und andere Assetklassen erweitert wird, um die Finanzmärkte und auch die Banken mit Geld zu überhäufen.

Bevor man aber alles ankauft, was nicht schnell genug von anderer Stelle vom Markt genommen wurde und dadurch die bisherigen Qualitätsstandards nochmals vermindert werden, sollte - wie bei Ludwig Thoma - der Engel Aloisius die göttliche Eingebung den Verantwortlichen der EZB überbringen. Man kann nur hoffen, dass er sich in diesem Fall nicht auch wieder „verfliegt“.

EZB kauft auch Mini-Anleihen auf

Gespannt blickte der Rentenmarkt in dieser Woche auf die Liste der Corporate Bonds, welche die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihres Ankaufprogramms erstmals in dieser Art veröffentlicht hat. Darunter finden sich Titel von Top-Emittenten wie Allianz, Daimler, Bayer, Metro, BASF und VW, also Adressen, die nicht unbedingt zusätzliche Nachfrage durch die Notenbank benötigen würden.

Außerdem hat die EZB Corporates erworben, deren Emittenten gar nicht börsennotiert sind - darunter Robert Bosch, Hella oder Würth. Die EZB erwarb auch Anleihen mit Volumina von unter 300 Mio. €. Mit einem Emissionsvolumen von 140 Mio. € ist ein Bond von Heineken der kleinste Titel auf der Liste, der getrost als Mini-Anleihe bezeichnet werden kann. Insgesamt sind laut EZB 440 Corporates von europaweit verschiedenen Adressen angekauft worden.

Das Firmenanleihen-Programm der EZB startete am 8. Juni. Die Bundesbank ist eine von sechs nationalen Notenbanken, die im Auftrag der EZB die Titel ankauft. Unterm Strich hat die EZB inzwischen Firmenanleihen in einem Volumen von insgesamt 10,427 Mrd. € erworben, was zu einer spürbaren Verzerrung und Austrocknung des Marktes geführt hat.

Beim Stresstest für Banken kann diesmal keiner durchfallen

Am 29. Juli werden Zensuren verteilt. Unter anderem zwar auch an die bayerischen Schülerinnen und Schüler, aber insbesondere an die europäischen Banken. Denn an diesem Tag will die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests von 51 Banken veröffentlichen, darunter 37 aus dem Euroraum.

Jetzt könnte man ja annehmen, dass etwa die italienischen Banken wegen der faulen Kredite durch solch einen Test glatt durchfallen. 2014, als die EZB mit der EBA die Tests durchgeführt hat, war dies für immerhin neun italienische Banken der Fall. Aber beim aktuellen Stresstest kann keiner durchfallen. Man versucht lediglich die Widerstandsfähigkeit der Institute gegenüber angenommenen Krisenszenarien durchzuspielen. Einige Fachleute halten die Annahmen für das Stressszenario für zu milde, schreibt die FAZ. Nicht zuletzt, weil die Tests zu rückwärtsgewandt sind und für die Länder unterschiedlich heftige Konjunkturrückgänge unterstellt wurden.

Aber es darf ja auch keiner durchfallen, etwa die Banca Monte dei Paschi di Siena. Zu gefährlich wären die Schockwellen, die von einer solchen Einschätzung ausgehen könnten. Man fragt sich dabei freilich, wie sinnvoll dann noch ein Stresstest sein mag – dies erst recht, wenn man bedenkt, dass das Risiko der Niedrigzinspolitik und die Folgen bei den Prüfungen regelrecht ausgeklammert werden. Die EZB befürchtet, dass sonst Rückschlüsse auf ihre Geldpolitik gezogen werden könnten.

Somit kann also nach der Zeugnisvergabe kein Investor beruhigter in die finanzpolitische Zukunft blicken.

Den Notenbanken ist ihr klarer Code verloren gegangen

Wenn es eines gibt, gegen das die Kapitalmärkte allergisch sind, dann sind es Überraschungen. In jüngster Zeit kommt es immer wieder vor, dass gerade die Institutionen, die für Beruhigung sorgen sollten, mit ihren Maßnahmen das Gegenteil hervorgerufen haben. Die Rede ist von den Notenbanken.

So haben ausgerechnet die Zentralbanken immer wieder Entscheidungen getroffen, auf welche die Märkte so nicht vorbereitet waren. Beispiele haben die Bank of England und die Bank of Japan geliefert. Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) enttäuschte mit ihrem Programm quantitativer Lockerungen im Dezember 2015. Lediglich die US-Notenbank Fed vermag es noch, die Markterwartungen einigermaßen zu erfüllen, obwohl ihre Chefin Janet Yellen immer wieder mit einem gewissen rhetorischen Hü und Hott schnell die Richtung wechselt. Doch auch in den USA wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Fed die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllt.

Zumal sich in den USA eine neue, gefährliche Blase aufbaut. Während dort Unternehmen durch die Aufnahme von Fremdkapital den Rückkauf von Aktien günstig finanzieren und die Kurse anheizen, erhöhen sie ihren Verschuldungsgrad. Dies wiederum macht sie anfällig für den Zeitpunkt, an dem die Konjunktur einbricht und die Vermögenspreise sinken könnten. Dann würde auch hier klar, dass eine Schuldenblase nicht dauerhaft mit weiteren Schulden bekämpft werden kann.

Zurück zu den Notenbanken: Natürlich ist es nicht deren Sache, immer die Wünsche der Märkte zu erfüllen. Erst recht nicht, wenn die Investoren wie Junkies inzwischen süchtig nach dem süßen Gift der unendlichen monetären Stimuli sind. Aber es hat sich in der Vergangenheit bewährt, die Marktteilnehmer auf Richtungsentscheidungen vorzubereiten.

Wie und wann u.a. die EZB den Exit aus ihrer süchtig machenden expansiven Geldpolitik finden wird, weiß sie wohl noch nicht mal selbst. Weil damit am Ende auch die Staaten mitfinanziert werden, spricht einiges dafür, dass die Phase noch lange andauern wird. Wichtig wäre dann, dass sich die Notenbanken wieder eines abgestimmten, eindeutigen Codes bedienen würden, der Schockwellen möglichst zu glätten hilft. An diesem klaren Code aber fehlt es derzeit. Daher laufen Märkte und Notenbanken immer wieder asynchron.

Schuldentilgungsfonds sorgt für Bauchschmerzen

In einer Zeit, in der Europa seine Brexit-Wunden leckt, macht Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann genau das Richtige: Er schaut nach vorne, indem er drei Leuchtturmprojekte der Europäischen Union (EU) anregt, mit denen die Gemeinschaft ihre Handlungsfähigkeit beweisen könnte.

Den beiden ersten Ideen, dem Aufbau eines digitalen EU-Binnenmarkts sowie der Auflegung eines Investitionsprogramms für Energieeffizienz, sei hier ausdrücklich zugestimmt. Beide Programme ließen sich zügig umsetzen, und vor allem wäre das Geld an der richtigen Stelle investiert, weil es die Grundlagen für weiteres Wachstum in der Zukunft legen würde.

Einzig, den dritten Vorschlag, den Herr Heilmann macht, bereitet dem Autor dieser Zeilen Bauchschmerzen. Der Handelsblatt-Chefökonom regt die Reform der Europäischen Währungsunion an, was er selbst als das dickste Brett, das es zu bohren gilt, bezeichnet. Dass es hier Reformbedarf gibt, bleibt unwidersprochen. Allerdings schlägt Heilmann einen temporären Schuldentilgungsfonds für Staatsschulden vor, wie er vom deutschen Sachverständigenrat bereits vor 5 Jahren entworfen wurde.

Demnach würden in diesem Fonds alle Staatsschulden der Euro-Zone gebündelt werden, die über die Maastricht-Quote von 60% des BIPs in dem jeweiligen Land hinausgehen. Diese Altschulden würden durch die Ausgabe von Euro-Bonds refinanziert werden, für die alle Euro-Staaten haften. Die Tilgung müsste über einem fixierten Zeitraum erfolgen. Wenn ein Land anschließend neue Schulden aufnehmen möchte und immer noch eine Verschuldungsquote von 60% aufweist, dürfte es dies nur mit einem eigenen Bond refinanzieren – ohne Haftung der Gemeinschaft. Damit käme es für Neuschulden zu den wünschenswerten, nach Risiko differenzierten Zinssätzen.

Einen solchen Schuldentilgungsfonds beschreibt Heilmann als wichtiges Signal der Solidarität und der Berechenbarkeit, was ohne Zweifel richtig ist. Es würde aber auch bedeuten, dass diejenigen Länder, die in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt haben, dafür im Grunde auch noch belohnt würden. Und ob sie während der Laufzeit solcher Euro-Bonds sich nicht wiederum zu sehr auf die Gemeinschaftshaftung verlassen würden, muss zumindest ins Kalkül gezogen werden. Dann würden gegebenenfalls am Ende die starken Länder tilgen und müssten im schlimmsten Fall die Krisenländer erneut retten, da diese sich nur zu marktgerechten Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren könnten.

Es soll hier dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass ein Schuldentilgungsfonds tatsächlich ein gangbarer Weg wäre. Vielleicht ist dies ja auch der Preis, den wir für eine weiterhin funktionierende Wertegemeinschaft mit freiem Handel und Frieden, bezahlen müssen. Dafür könnte man auch bis zu einem gewissen Grad Bauchschmerzen aushalten.

Lethargie am Primärmarkt

In dieser Handelswoche ist die Befürchtung aller Marktteilnehmer bereits wahr geworden. Die Aktivitäten am Primärmarkt kamen zum Erliegen und es ist auch nicht abzusehen, wann sich namhafte Emittenten wieder dem Votum der Anleger stellen werden.

Es ist allerdings nicht so, dass die Unternehmen kein Geld mehr aufnehmen, sondern manche namhaften Gesellschaften weichen verstärkt auf den Markt für Schuldscheine aus. Diese gelten vielfach als sichere und vertrauenswürdige Geldanlage und sind für die Unternehmen kostengünstiger und kurzfristiger umzusetzen. Investoren, denen diese Produkte nicht zugängig sind, haben sich in dieser Woche mit neu begebenen Financials „getröstet“. So hat JP Morgan eine 2 Mrd. € schwere Anleihe (JPM5KX) an den Kapitalmarkt gebracht. Ausgestattet mit einem Kupon von 0,625% und einer Endfälligkeit am 15.01.2024 wurde der Emissionspreis mit 99,266% fixiert. Dies entsprach einem Spread von +113,5 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe.

Der Emittent hat sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) und eine Mindeststückelung von 100.000 € in den Anleihebedingungen festschreiben lassen.

Immer noch über dem „Vor-Brexit-Level“

Der Euro-Bund-Future, der auch gerne als „Sorgenbarometer“ bezeichnet wird, hat sich in den vergangenen Handelstagen trotz der Türkei-Ereignisse für den Rückwärtsgang entschieden. Doch mit 166,04% notiert er immer noch über seinem „Vor-Brexit-Level“ bei 164,62%, aber auch deutlich unter seinem bisherigen Höchststand bei 168,86%.

Da sich die Fundamentaldaten für den Rentenmarkt nicht signifikant verändert und die allseits bekannten Probleme weiterhin Bestand haben, ist es wieder an der Zeit, eine Chartanalyse zu Rate zu ziehen. Hierbei ist zu beachten, dass sich in einem langfristigen Aufwärts- ein kurzfristiger Abwärtstrend herausgebildet hat. Dessen Leitplanken verlaufen aktuell bei 166,54% und 165,42% und reduzieren sich täglich um ca. 0,15 BP. Spätestens im Laufe der kommenden Woche wird sich das Rentenbarometer für eine Seite entscheiden müssen. Aufgrund der nachlassenden Handelsaktivitäten und diversen anstehenden Notenbankenbeschlüssen ist im Zweifel mit einem Test der Unterstützungslinien zu rechnen.

Von Japan lernen, heißt siegen lernen

Wenn 10-jährige Anleihen keine positive Rendite mehr abwerfen, dann kann man selbstverständlich die Fälligkeit soweit in die Zukunft verschieben, bis die Optik wieder passt. So geschehen gestern in Japan. Die aktuelle 10-jährige Anleihe Japans rentiert aktuell bei ca. -0,23% und die neue 20-jährige bei +0,147%. Not macht bekanntlich erfinderisch, aber den Investoren scheint es gefallen zu haben (3,4-fach überzeichnet).

In den USA hingegen ist man von solchen Renditen noch weit entfernt, so dass man für 4 Wochen-T-Bills den Investoren sogar eine effektive Verzinsung von 0,275% bieten musste, um 45 Mrd. USD refinanzieren zu können. Darüber hinaus wurden 37 Mrd. USD als 3-Monats-, 32 Mrd. USD als 6-Monats- und 20 Mrd. USD als 52-Wochen T-Bill aufgelegt. Abgerundet wird das US-Refunding heute mit der Begebung einer 10-jährigen inflationsindexierten T-Notes im Volumen von 13 Mrd. USD.

Aus europäischer Sicht war das Highlight der Woche die Auktion der neuen 10-jährigen Anleihe Spaniens (A1VQCB). Mit einem Kupon von 1,3% ausgestattet konnten 6 Mrd. € mit einer Rendite von 1,314% bei Investoren platziert werden. Die Summe der aufgegebenen Orders belief sich auf ca. 28 Mrd. €. Darüber hinaus stockten noch Belgien (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A18YM3 / 2047), Spanien (A18W6G / 2019 ; A18YPG / 2021 ; A18YZ6 / 2046) und Frankreich (A1ZW79 / 2025 ; A1ZKRV / 2030 ; A0LPPD / 2040) Altemissionen in dieser Handelswoche auf. In Deutschland wurde hingegen eine neue 5-jährige Bundesobligation (114174) emittiert. Für die angebotenen 5 Mrd. € wurden allerdings nur Kursgebote für ca. 3,4 Mrd. € abgegeben und der nicht direkt zu platzierende Betrag von ca. 1,6 Mrd. € wurde als Marktpflegequote zurückbehalten. Die dabei - trotz der technischen Unterzeichnung - zu erzielende Durchschnittsrendite von -0,51% ist dennoch als marktgerecht zu bezeichnen.

„Türken-Bonds“ im Fokus der Anleger

Seit der Einführung des Euros sind inzwischen mehr als 14 Jahre vergangen und auch nach dieser langen Zeit scheint einigen Bürgern der Abschied von der D-Mark immer noch schwerzufallen. 12,76 Mrd. D-Mark waren Ende Juni nach Angaben der Bundesbank noch im Umlauf. Obwohl dies sicherlich der Sammlerleidenschaft und der Nostalgie geschuldet ist, sorgt die derzeitige Lage in Euroland sowie die Kursentwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung nicht dafür, dass die Abkehr von der Deutschen Mark leichter fällt.

Der Euro kann momentan nicht so richtig punkten und so fiel die Einheitswährung in dieser Woche auf ein neues Juli-Tief bei 1,0979 USD. Im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung halten sich die Marktteilnehmer zurück und warten auf die Erläuterungen auf der anschließenden Pressekonferenz. So startet der Euro heute Morgen wenig verändert in den Handel und pendelt um die Marke von 1,1030 US-Dollar.

Weitaus verheerender stellt sich die aktuelle Situation in der Türkei dar. Nach dem Putschversuch befindet sich die Währung des Landes auf Talfahrt. So verbilligte sich die türkische Lira zum Euro bis auf 3,4076 TRY, nachdem sie zuvor noch um die Marke von 3,1920 TRY gehandelt wurde. Die negativen Folgen der versuchten Machtübernahme betreffen nicht nur die Währung des Landes, sondern auch die Kreditwürdigkeit der Türkei. Diese steht gleich bei allen drei großen Ratingagenturen auf dem Prüfstand. Derzeit wird die Bonität der Türkei von Moody’s mit Baa3 bewertet. Um die Kreditversorgung im eigenen Land zu gewährleisten hat die türkische Zentralbank am Dienstag den Overnight-Zinssatz um 25 Basispunkte auf derzeit 8,75% gesenkt und hofft dadurch die Märkte zu stabilisieren.

Die Turbulenzen um die Türkei sorgten für eine höhere Umsatztätigkeit in den entsprechenden Währungsanleihen. Daneben waren auch australische Dollar, brasilianische Real und US-Dollar Bonds auf den Kauflisten zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Die EZB und die fehlende Exit-Strategie

Bereits seit vielen Jahren diktieren die Notenbanken die Geschehnisse an den Finanzmärkten und haben auf diese Weise allen Anleiheinvestoren eine „Rendite-Diät“ verordnet. Die in der Vergangenheit immer wieder thematisierten Negativrenditen bei deutschen Staatsanleihen wurden nun um ein weiteres Kapitel ergänzt. So darf sich Deutschland damit brüsten, als erstes Land der Eurozone eine 10-jährige Staatsanleihe aufgelegt zu haben, die mit einem Kupon von 0% ausgestattet ist und zusammen mit einem Ausgabekurs von „über pari“ eine negative Rendite ergibt.

In diesem Zusammenhang ist allerdings die Frage erlaubt, wie lange die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) noch gut gehen kann. Sehr gerne wird hierbei auf die erfolgreiche Zinspolitik der amerikanischen Notenbank (Fed) verwiesen, die es inzwischen geschafft hat, die QE-Maßnahmen zu beenden. Dies ist zumindest das offizielle Statement. Wie so oft im Leben, wird hierbei nicht die vollständige Wahrheit gesagt. Richtig ist, dass kein neues Geld mehr zum Ankauf von US-Staatsanleihen verwendet wird, aber die endfälligen Wertpapiere und die gezahlten Zinsen sehr wohl reinvestiert werden. Trotz der fehlenden Nachfrage seitens der heimischen Notenbank ist es in den USA gelungen, das Renditeniveau für 10-jährige T-Bonds auf das Allzeittief von 1,358% zu senken. Zusammen mit schlechteren Konjunktur- und geringen Inflationsdaten sind für diese Entwicklung allerdings die unzähligen politischen und geopolitischen Krisenherde verantwortlich. Somit wurde die QE-Reduzierung in den USA von anderen Faktoren gemildert und sogar konterkariert.

Jede Beendigung einer künstlichen Nachfrage führt automatisch zu einer Preisreduzierung. Das ist unbestritten. Doch kommt es darauf an, ob zu diesem Zeitpunkt die Renditen noch positiv oder sogar negativ sind. Dies genau ist der relevante Unterschied zwischen den USA und Euroland. Konnten sich in den USA die Zinsen im positiven Bereich nach oben anpassen, so wären nach einem, wenn auch nur teilweisen, Rückzug der EZB negative Renditen nicht mehr zeitgemäß und würden sprunghaft nach oben (über die Null-Linie) korrigieren.

Momentan machen sich die europäischen Notenbankenvertreter jedoch noch keine Gedanken über eine notwendige Exit-Strategie. Dem Motto entsprechend „Nach mir die Sintflut“ zu leben, ist seitens der EZB-Notenbanker verantwortungslos und zeugt von mangelnder Weitsicht beim Betreiben der ultralockeren Geldpolitik. Die Verwerfungen an den europäischen Rentenmärkten sind also vorprogrammiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie eintreten werden.

Italienische Bankenkrise bringt EU in eine Zwickmühle

Was sich derzeit in der italienischen Finanzbranche abspielt, könnte sich zur zweiten Welle in Sachen Bankenkrise nach der Finanzmarktkrise 2008 aufbauen. Nachdem es eine achtjährige, vielleicht nur vermeintliche Ruhephase gegeben hat, in der man neue Regeln geschaffen hat, drohen nun die Problemkredite in den Büchern der italienischen Banken in Höhe von 360 Mrd. € zum toxischen Stoff für die gesamte europäische Branche zu werden.

Denn aufgrund der engen internationalen Verflechtungen der Finanzinstitute könnte sich der Zusammenbruch einzelner oder mehrerer italienischer Banken schnell zur europäischen Bankenkrise aufschaukeln. Wegen der wackeligen Situation anderer europäischer Banken ist das Problem also kein rein italienisches mehr. Nicht von ungefähr ist es der Chefökonom der angeschlagenen Deutschen Bank, David Folkerst-Landau, der ein europäisches Programm in Höhe von 150 Mrd. € zur Rekapitalisierung der europäischen Banken fordert.

Die EU sitzt dabei wieder einmal in der Zwickmühle. Schließlich hat sie im Zuge der Finanzmarktkrise beschlossen, dass nie wieder marode Banken auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden sollen. Deshalb lehnt man konsequenterweise in Brüssel Staatshilfen für die italienischen Banken ab. So spricht sich Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem gegen ein neues milliardenschweres Rettungsprogramm aus Steuergeldern aus, wie es der Internationale Währungsfonds (IWF) von der Regierung in Rom fordert. Angesichts des geringen Wirtschaftswachstums werde es schwer für die Banken, aus eigener Kraft und in einem angemessenen Zeitraum das Problem ihrer notleidenden Kredite zu lösen, heißt es beim IWF. Indessen fordert Dijsselbloem: „Die Probleme müssen in den Banken geregelt werden.“

Ob die italienischen Institute allerdings die Kraft haben, sich selbst aus dem Schlamassel zu ziehen, darf bezweifelt werden. Schon 2008 hätten sie einen dreistelligen Milliardenbetrag benötigt, um die notwendigen Wertberichtigungen vorzunehmen. Dazu ist es nicht gekommen, weil die expansive Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst den Druck von ihnen genommen hat. Gleichzeitig aber wurden alle europäischen Banken ihrer klassischen Einnahmequelle, der Zinsmarge, beraubt, so dass sie kaum mehr Fett in Form von Eigenkapitalreserven ansetzen können.

Was also wäre zu tun? Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi bevorzugt einen Staatsfonds, der die Banken mit Kapital versorgen würde und denkt sogar darüber nach, einen zweiten Bankenrettungs-Fonds aufzulegen, da der erste nicht ausreicht. Damit würden wieder einmal private in staatliche Schulden umgewandelt. Es käme also just zu dem Sündenfall, den die EU im Rahmen der Bankenunion gerade erst ausgeschlossen hat – zumindest im Prinzip. Deshalb braucht Renzi für seinen Plan auch die Zustimmung der EU-Kommission, die staatliche Rettungsprogramme nur in absoluten Ausnahmefällen vorsieht. Rom sieht einen solchen für gegeben an, weil nach dem Brexit-Votum der Druck auf die italienische Bankenbranche entsprechend zugenommen hat.

Sollten tatsächlich die Eigentümer der italienischen Banken haften, so träfe es viele Kleinsparer, die ihre Rücklagen fürs Alter ausgerechnet in Bankaktien gesteckt haben. Deshalb bedarf es eines Vorgehens mit viel Fingerspitzengefühl, das womöglich eine Ausnahmeregelung von den Maßgaben der Bankenunion vorsieht. Wichtiger als eine strenge Auslegung der EU-Regeln sei Schnelligkeit und Gründlichkeit, schreibt dazu die Süddeutsche Zeitung: „Man muss das Feuer austreten, solange es klein ist.“

Einen Part des Löscheinsatzes könnte dabei am Ende die EZB übernehmen. Nachdem die Zentralbank nicht nur Staatsanleihen und Corporate Bonds ankauft, ist nicht auszuschließen, dass sie auch noch den Ankauf von Financials, also Bankentiteln, beschließt. So viele weitere Möglichkeiten hat sie nämlich nicht mehr.

EU-Defizitsündern droht symbolisches Bußgeld

Immer wieder hat es Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt gegeben, auch von Deutschland, und stets gingen die Sünder straffrei aus. Jetzt könnten erstmals Defizitsünder mit Strafen belegt werden. Die EU-Finanzminister leiteten in dieser Woche konkrete Maßnahmen gegen Spanien und Portugal ein.

Der Vorwurf lautet, dass beide Länder nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltsdefizite vorgegangen seien. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wertete die Entscheidung der EU-Finanzminister als Beweis dafür, dass Regeln auch angewandt würden. „Das sendet das Signal der Verlässlichkeit“, so Schäuble.

Spanien und Portugal hatten im vergangenen Jahr die Vorgaben des Euro-Stabilitätspakts gerissen. Dem Regelwerk von Maastricht zufolge ist eine jährliche Neuverschuldung von höchstens 3,0% der Wirtschaftsleistung gestattet. Spanien kam hier 2015 auf 5,1% und Portugal auf 4,4%. Trotz gegenteiliger Behauptungen hätten beide Länder keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen.

Nun hat die EU-Kommission 20 Tage Zeit, um weitere Schritte einzuleiten. Es können Geldstrafen bis zu 0,2% der Wirtschaftsleistung verhängt werden. Auch das Einfrieren von Strukturfördermitteln ist möglich. Doch wenn die Signale aus Brüssel nicht täuschen, wird es auf eine milde Strafe hinauslaufen. Schließlich könnte eine harte Strafe am Ende das Wirtschaftswachstum in den Ländern gefährden, was nicht im Sinne der EU-Kommission wäre. Immerhin hat Spanien bereits avisiert, die Körperschaftssteuer zu erhöhen, was zusätzliche Mittel in Höhe von 6,0 Mrd. € in die Kassen spülen soll.

So dürfte das Ganze auf die Verhängung einer eher symbolischen Strafe hinauslaufen. Damit kann einerseits die Kommission behaupten, dass die Nichteinhaltung der Maastricht-Regeln (endlich einmal) bestraft wird. Und andererseits droht das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum in Spanien und Portugal nicht abgewürgt zu werden.

Auf die neue Hausherrin in No. 10 Downing Street wartet jede Menge Arbeit

Am Ende ist es doch ganz schnell gegangen. Nachdem die Schreihälse unter den Brexit-Trommlern, Boris Johnson und Nigel Farage, zunächst von der Fahne gegangen waren, wirkte das Lager der EU-Gegner in Großbritannien vollkommen ratlos. Nun haben die Tories mit Theresa May als neue Premierministerin doch rascher als gedacht eine Nachfolgerin für den ungeschickten Taktiker David Cameron gefunden. May, die nun in den Regierungssitz in No. 10 Downing Street in London einzieht, gilt als gemäßigter, nüchterner Kopf innerhalb der konservativen Partei. Zur Verwunderung aller hat sie in einer ersten Amtshandlung Boris Johnson zum neuen Außenminister gekürt. Frank-Walter Steinmeier wird’s sicherlich freuen.

Auf sie wartet jede Menge Arbeit. Es gilt ein gespaltenes Land zusammenzuführen, bevor es an der Auseinandersetzung um den Brexit zerbrechen mag. Dafür sind von ihr als einer Tory-Frau ungewöhnliche Töne zu hören, wenn May etwa dem „Big Business“ eine Kampfansage zukommen lässt. Dazu zählt etwa ihre Ankündigung, das Gehaltsgefälle zwischen Managern und Arbeitern abbauen zu wollen. Offenbar hat sie verstanden, dass das Brexit-Votum auch einen tiefen Graben zwischen den Privilegierten und den Verlierern in der Gesellschaft widerspiegelt.

Ob sie es schafft, „den Brexit zu einem Erfolg zu machen“, wie sie angekündigt hat, werden die kommenden Jahre zeigen. Dies wird auch von den anstehenden Verhandlungen mit der EU abhängen, die hart werden dürften. Denn natürlich wollen die Brexiteers den restlichen Europäern zeigen, dass es Großbritannien auch ohne EU-Mitgliedschaft schafft zu prosperieren.

Dabei wird May auch auf die Unterstützung durch die Bank of England (BoE) hoffen, die am heutigen Donnerstag erstmals nach dem Brexit-Referendum über die weitere Geldpolitik beraten wird. Die Notenbank in London, so ist zu erwarten, dürfte alles dafür tun, die Banken des Vereinigten Königreichs mit genügend Liquidität zu versorgen, damit es zu keinen Kreditengpässen kommen mag. Auch eine Wiederbelebung des QE-Programms (Quantitative Easing) zum direkten Ankauf von Wertpapieren erscheint nicht ausgeschlossen.

Die Urlaubszeit wirft ihre Schatten voraus

Mit Wochenbeginn starteten bereits in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien und es ist davon auszugehen, dass sich die Neuemissionstätigkeit in den kommenden Wochen immer weiter reduzieren wird.

So konnte in dieser Woche mit PepsiCo lediglich ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden. Der US-amerikanische Getränke- und Lebensmittelkonzern emittierte eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A1839D), die am 18.07.2028 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,875% ausgestattet ist. Gepreist wurde der Bond bei 99,66%, was einem Emissionsspread von +47 bps über Mid Swap entsprach. Der Emittent ließ sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) zum 18.04.2028 in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Die Wahl der Mindeststückelung von 100.000 € lässt darauf schließen, dass insbesondere institutionelle Anleger als Investoren angesprochen werden sollen.

Wann wird das Gap geschlossen?

Immer noch ist das durch die heftigen Brexit-Marktreaktionen entstandene Gap (zwischen 164,62% und 165,51%) nicht geschlossen worden. Chartanalysten verweisen gerne darauf, dass jede Lücke geschlossen wird. Die Frage ist halt nur: Wann?

Hatte man am Dienstag noch den Eindruck, dass nach der kräftigen Gegenreaktion an den Aktienmärkten die Zeit gekommen sei, das Gap zu schließen, so wurde man am gestrigen Mittwoch vorerst eines Besseren belehrt. Weder steigende noch seitwärts tendierende Aktiennotierungen konnten das Rentenbarometer in Bedrängnis bringen. Viele Stimmen werden inzwischen laut, die vor zu viel Optimismus am Aktienmarkt warnen. Aber dadurch wird wegen der „alten“ Gesetzmäßigkeit vom spiegelbildlichen Verhalten der Aktien- und Rentenmärkte sogar die Hoffnung der Rentenhändler auf ein baldiges Schließen des Gaps gedämpft. Doch in diesen Zeiten sollte man nicht resignieren, sondern stets an die Toyota-Werbung denken!

Charttechnisch verläuft aktuell ein im Mai des Jahres beginnender Aufwärtstrend bei ca. 164,83%. Doch auch oberhalb dieser Unterstützungslinie gibt es bereits eine ausgeprägte Zone bei 165,61% (mehrere Hochs im Juni), die ein Abfedern möglich macht. Trotz der „Gap-Problematik“ sollte man allerdings auch den Blick nach oben richten, um sich der einzigen nennenswerten Widerstandslinie bei 168,06% (Hoch vom 6.7.) auf dem Weg zum Allzeithoch bei 168,68% bewusst zu sein. Zur Stunde notiert das Sorgenbarometer bei 166,91% und zeigt Anzeichen einer leichten Korrektur auf hohem Niveau.

Erste „Nullkupon-Bundesanleihe“

Endlich ist es vollbracht. Die erste 10-jährige Euro-Staatsanleihe (110240) mit einem Nullkupon war zwar keine Überraschung, aber dennoch ein Novum am Rentenmarkt. Insgesamt 5 Mrd. € wollte die Deutsche Finanzagentur refinanzieren, doch nur für ca. 4,8 Mrd. € wurden Orders aufgegeben. Somit gilt die Auktion in diesem Falle als technisch unterzeichnet. Dennoch konnte sich Finanzminister Schäuble freuen, denn die Zuteilung erfolgte zu einer Durchschnittsrendite von -0,047%. Das bedeutet, dass zum einen mehr Geld als der anvisierte Nominalbetrag eingesammelt wurde und dafür in den kommenden 10 Jahren keine Zinsen bezahlt werden müssen. Zum anderen wird bei der Endfälligkeit weniger zurückgezahlt als eingenommen wurde. Super Deal. Davon träumt jede Privatperson.

Ganz so erfolgreich war zwar der niederländische Finanzminister nicht, aber immerhin konnte er fast 2,4 Mrd. € mittels einer Aufstockung der aktuellen 10-jährigen Anleihe (A1VNKY) bei einer Rendite von 0,043% refinanzieren. Unter Mitwirkung Italiens, das insgesamt die Emissionsvolumen von Altemissionen unterschiedlicher Laufzeiten um ca. 7,5 Mrd. € erhöhte und des frisch gekürten Fußball-Europameisters Portugal, das zwei Altemissionen (A1Z6CE / 2022 ; A18W15 / 2026) um insgesamt ca. 1,1 Mrd. € aufstockte, wurden in dieser Handelswoche ca. 16 Mrd. € neu aufgenommen. Portugal konnte allerdings nicht von seinem Triumph profitieren und musste beim Tender der 10-jährigen Anleihe eine Rendite von 3,093% akzeptieren. Bei der vorherigen Auktion im Juni des Jahres waren es nur 2,859% gewesen.

In den USA wurden neben den üblichen T-Bills für 114 Mrd. USD noch jeweils 20 Mrd. USD als 10-jährige T-Notes und als 30-jährige T-Bonds interessierten Investoren offeriert.

Von Normalität kann noch keine Rede sein

Der „Steuerzahler-Gedenktag“ war in diesem Jahr am Dienstag, den 12. Juli, denn ab diesem Tag arbeitet der Steuerzahler rechnerisch wieder für das eigene Portemonnaie. An den Börsen gibt es so einen Stichtag nicht, dies wäre auch zu einfach. Deshalb müssen sich Marktteilnehmer ständig darüber Gedanken machen, welche Investitionen sie tätigen.

Am Devisenmarkt ist dieses Unterfangen bei dem aktuellen Marktgeschehen alles andere als einfach. Wenngleich diese Woche die Unsicherheit und die Nervosität abnahmen, so befinden wir uns auch 3 Wochen nach dem Brexit in einem schwierigen Marktumfeld. Das Währungspaar GBP/USD steht weiterhin unter einer besonderen Beobachtung und es konnte eine leichte Erholung attestiert werden. So handelte das Pfund zeitweise bei 1,3338 USD, nachdem in der Vorwoche noch ein 31-Jahres-Tief bei 1,2798 USD markiert wurde. Zum Euro zeigt sich das Pfund-Sterling ebenfalls stabiler und notiert derzeit um die Marke von 0,84 GBP nach 0,86274 GBP in der Woche zuvor.

Die europäische Gemeinschaftswährung hatte zum Wochenausklang einen Dämpfer hinnehmen müssen. Robuste und überzeugende US-Arbeitsmarktdaten belasteten die Einheitswährung und so fiel der Euro bis auf 1,1002 USD zurück. Im weiteren Handelsverlauf konnte sich der Euro jedoch wieder erholen und notiert zur Stunde um die Marke von 1,11 USD.

Da die Einkommensbelastungsquote im Jahr 2016 durchschnittlich bei rund 52,9% liegen wird, bleiben von jedem erwirtschafteten Euro nur 47,1 Cent übrig. Das so verdiente Geld haben verschiedene Privatanleger in dieser Berichtswoche vornehmlich in Währungsanleihen lautend auf türkische Lira, brasilianische Real, Neuseeland-Dollar sowie US-Dollar-Bonds investiert.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Brexit: Bank of England greift den britischen Banken unter die Arme

Die Bank of England (BoE) trifft vor dem Hintergrund des Brexits Vorsorge gegen mögliche Engpässe bei der Kreditvergabe. Dazu will die Zentralbank in London eine wichtige Regulierungsvorschrift für Banken zurücknehmen. Die BoE verzichtet vorerst auf die Einführung eines sogenannten kontrazyklischen Kapitalpuffers von 0,5%. Nach bisheriger Planung wäre dieser Ende März 2017 in Kraft getreten. Sofern sich nichts ändern sollte, wird der Puffer nun mindestens bis Juni 2017 bei null bleiben. Mit einem Kapitalpuffer von mehr als null wären die Banken dagegen gezwungen gewesen, in konjunkturell guten Zeiten mehr Eigenkapital als Sicherheit für schwierigere Phasen aufzubauen.

Der Aufbau dieses Sicherheitspuffers wird damit zunächst auf die lange Bank geschoben, was wiederum - nach Überzeugung der BoE - direkte Auswirkungen auf die Möglichkeit der Banken zur Kreditvergabe hat. Um Überlappungen mit anderen Eigenkapitalanforderungen zu vermeiden, waren diese wegen des bislang geplanten Puffers angepasst worden. An diesen Anpassungen wolle man nun festhalten, so das Kalkül der BoE, obwohl der Puffer zurückgenommen wurde.

„Das bedeutet, dass drei Viertel der Banken, die für 90% der Ausleihungen in der britischen Wirtschaft stehen, mit sofortiger Wirkung größere Flexibilität haben werden, um das Kreditangebot gegenüber der Realwirtschaft aufrecht zu erhalten”, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht der Zentralbank. Demnach erhöht der vorläufige Wegfall des Sicherheitspuffers die Ausleihungskapazität der britischen Banken um bis zu 150 Mrd. GBP. Die Maßnahmen sind vor dem Hintergrund des Brexit-Referendums zu sehen, aufgrund dessen die BoE eine erhebliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Großbritannien befürchtet.

Darüber hinaus warnte Notenbankchef Mark Carney vor Risiken für die Finanzmarktstabilität in Großbritannien und verwies auf das hohe Leistungsbilanzdefizit, das im Gegenzug einen hohen Zufluss an ausländischem Kapital erforderlich macht. Es gibt aber nach Erkenntnissen der BoE schon jetzt Hinweise, dass sich dieser Zufluss bereits verlangsamt hat. Zudem hätten sich die Risikoprämien für britische Finanzanlagen erhöht. Weitere Risiken gehen vom britischen Markt für Gewerbeimmobilien aus, wo sich der Zufluss an ausländischem Kapital bereits im ersten Quartal, also noch vor dem Brexit-Votum, um 50% reduziert hat.

Brexit 2: Großbritannien will als Steueroase seine Haut retten

Nach dem britischen Referendum zugunsten eines Austritts aus der EU gibt es Anzeichen, dass das Land sein Heil in einer Steueroase suchen könnte. Durch die Etablierung eines Niedrigsteuerlandes sollen Firmen auf der Insel gehalten werden, was zum Verdruss der EU führen müsste.

So hat der britische Finanzminister George Osborne bereits drastische steuerliche Entlastungen für Unternehmen angekündigt, um sie zu einem Verbleib in Großbritannien bewegen zu können. Demnach soll die Körperschaftsteuer von derzeit 20% auf unter 15% gesenkt werden, schreibt die „Financial Times”. Dieser Satz würde Großbritannien unter den großen Volkswirtschaften zum Steuerparadies machen. Wie groß die Verwirrung derzeit in London ist zeigt der Umstand, dass Osborne noch vor einigen Tagen allgemeine Steuererhöhungen angekündigt hatte.

Das Chaos perfekt gemacht hatten ja in den vergangenen Tagen die Rückzüge von denen, die zuvor am lautesten für den Brexit getrommelt hatten. Boris Johnson und Nigel Farage waren offenbar zu feige, Verantwortung zu übernehmen. Einen konstruktiven Plan scheinen sie offenbar nicht zu haben, nur die Lust an der Verweigerung. Dies zeigt auch, nebenbei bemerkt, dass Volksentscheide zu komplexen Themen die parlamentarische Demokratie kaum ersetzen können. Die Welt ist nun mal so vielschichtig geworden, dass viele Fragen nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten sind, sondern der politisch ausbalancierte Kompromiss gesucht werden muss.

Interessant ist auch, dass die Anwärter auf die Nachfolge von Premierminister David Cameron, Justizminister Michael Gove und die Tory-Abgeordnete Theresa May, mit den Austrittsgesprächen erst einmal warten wollen. Osborne dagegen will so schnell wie möglich zu neuen Beziehungen mit Europa kommen. Denn eins weiß er sicher: Die schwelende Unsicherheit muss verringert werden, um Investoren und Handelspartnern jeglicher Art sowie den Märkten wieder Verlässlichkeit zurückzugeben. Ansonsten droht die Gefahr einer sich unkontrolliert ausbreitenden Welle, die alles mitreißt, was sich ihr in den Weg stellt.

Brexit 3: Britische Staatsanleihen bleiben begehrt

Die erste Auktion britischer Staatsanleihen nach dem Brexit-Referendum erfreute sich diese Woche einer regen Nachfrage – mit entsprechend niedriger Rendite. Die Versteigerung der festverzinslichen Papiere, die 1/2021 fällig werden, war am Dienstag 1,8-fach überzeichnet. Einem geplanten Emissionsvolumen von 2,5 Mrd. GBP stand eine Nachfrage von 4,492 Mrd. GBP gegenüber.

Bei der Versteigerung errechnete sich eine durchschnittliche Rendite von 0,379%. Dies bedeutet, dass sich der britische Staat zu deutlich günstigeren Konditionen frisches Geld besorgen konnte, als dies zuletzt der Fall war. Bei der vorangegangenen Auktion Anfang Juni lag die Rendite noch bei 0,863%. Noch deutlicher wird der Renditeverfall der britischen Gilts, wenn man die Auktionsergebnisse mit der Rendite vergleichbarer 5-jährigen deutschen Bundesobligationen vergleicht. Am 1.6.2016 rentierte die Bundesobligation Serie 173 mit -0,379% gegenüber +0,863 bei den 5-jährigen Gilts, was einen Renditeunterschied von 1,242 Prozentpunkten (PP) ergab. Am 5.7.2016 betrug dieser bei -0,59% gegenüber +0,377% nur noch 0,967 PP, was innerhalb von fünf Wochen eine Einengung um 0,275 PP bedeutete.

Denn trotz oder sogar wegen des Brexit-Votums gelten britische Staatsanleihen weiterhin als eine sichere Anlage, die verstärkt am Markt nachgefragt werden. Und dies obwohl die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch die Bonität des Landes unmittelbar nach dem Brexit-Votum herabgestuft hatten.

In diesem Zusammenhang sei auch auf eine bis 3/2025 laufende britische Staatsanleihe (748136) verwiesen, die derzeit bei ca. 136,45% notiert und somit eine Rendite von ca. 0,67% abwirft. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Devisenkursentwicklung!

Schuldensituation spiegelt sich in Anleiherenditen wider

Die einen machen weiter kräftig Schulden, die anderen wollen bis zum Jahr 2020 die Staatsschulden auf 60% des Bruttoinlandsprodukts drücken. Spanien und Portugal hat die EU-Kommission weitere drei Wochen zugestanden, um eine wirksame Begrenzung ihrer Haushaltsdefizite vorzustellen. Die Bundesrepublik Deutschland will hingegen bis zum Jahr 2020 mit der Senkung des Schuldenstandes auf 60% des BIPs wieder ein Maastricht-Stabilitätskriterium erreichen, was ihr zuletzt 2003 gelungen war. Aufgrund der unerwartet guten Wirtschaftsentwicklung und den damit verbundenen höheren Steuereinnahmen kann das Ziel aber vielleicht schon 2019 erreicht werden.

Die Schuldensituation der Staaten spiegelt sich auch in den Renditen der Staatsanleihen wider. Dabei gilt, je höher die Rendite, desto unsicherer ist das Papier. So werfen deutsche, zehnjährige Staatsanleihen derzeit gar eine Minusrendite von ca. 0,179% ab, während vergleichbare spanische auf 1,18% und portugiesischen Staatstitel sogar auf 3,04% kommen.

Die EU-Kommission hatte festgestellt, dass Spanien und Portugal nicht entschieden genug gehandelt hätten, um ihre übermäßigen Defizite einzudämmen. Um Sanktionen abzuwenden, müssen nun beide Länder bis zum 27. Juli neue Vorschläge präsentieren. Noch im Mai hatte die Kommission entschieden, Spanien und Portugal ein Jahr mehr Zeit zu geben, die Haushaltsdefizite zu reduzieren. Unter Druck von Staaten wie Deutschland, die auf Haushaltsdisziplin dringen, kündigte sie dann für Juli ihre abschließende Bewertung darüber an, ob Sanktionen verhängt werden.

Seit Einführung des Euros waren noch nie Sanktionen gegen ein Mitgliedsland wegen Verstößen gegen die Stabilitätsregeln verhängt worden. In der EU dürften die Staaten beim Haushaltsdefizit eigentlich die Grenze von 3% des BIPs nicht überschreiten. Außerdem sollte die gesamte Verschuldung unter 60% gehalten werden. Spanien sollte 2015 das Defizit auf 4,2% reduzieren, schaffte aber nur 5,1%. Portugal kam auf 4,4%, hatte aber eine Reduzierung auf unter 3% zugesichert.

Financials schwächeln

Unter den europäischen Banken gibt es eine ganze Reihe von Kreditinstituten, die als Problemkinder der Eurozone gelten. Entsprechend tief sind ihre Aktienkurse gefallen. Aber auch die Kurse der Anleihen von Banken, die sogenannten Financials, leiden darunter.

An erster Stelle sind hier die italienischen Geldhäuser zu nennen, deren faule Kredite sich mittlerweile auf ca. 360 Mrd. € angehäuft haben. 17% aller ausstehenden Kredite der italienischen Institute gelten als notleidend. Besonders drastisch ist die Situation bei dem Traditionshaus Banca Monte dei Paschi, das der EZB bis 3. Oktober einen Plan vorlegen muss, wie es seine Problemkredite bis 2018 um 40% abbauen will.

Doch auch in Deutschland gibt es mit der Deutschen Bank ein Institut, das massiv an Glaubwürdigkeit und Wert verloren hat. Seit Jahresbeginn fiel der Aktienkurs des größten Geldhauses des Landes um rund 45%. Außerdem fiel die Deutsche Bank vergangene Woche zum zweiten Mal in Folge beim Stresstest der US-Notenbank Fed durch. Darüber hinaus kürte der Internationale Währungsfonds (IWF) das Institut zum größten Risiko für das globale Finanzsystem. Zu guter Letzt droht jetzt auch noch der “Fast Exit” aus dem Stoxx Europe 50.

Insgesamt ist der Markt für Financials vor diesem Hintergrund schwer gebeutelt. Dennoch gibt es Anleger, die bei dem derzeitigen Kursniveau bei Financials selektiv zugreifen, weil sich durch die niedrigen Kurse die Renditen erhöht haben. Anleger sollten sich allerdings stets des erhöhten Risikos bei einem solchen Investment bewusst sein.

So rentiert eine Anleihe der Deutschen Bank (DB7XJP) mit Laufzeit 3/2025 bei einem Kursniveau von 96,70% mit ca. 1,53%. Eine Nachranganleihe desselben Instituts (DL40SR), die 5/2026 fällig wird, kommt gar auf eine Rendite von ca. 5,30%. Allerdings ist hier auch das Risiko wegen des nachrangigen Charakters nochmals deutlich höher. Eine Nachranganleihe der Commerzbank (CZ40LD) mit Fälligkeit 3/2026 weist einen Kurs von 102,90% auf und bringt es auf eine Rendite von rund 3,63%.

Deutsche Bahn – schneller als gedacht

Die vergangenen Handelstage waren geprägt von Unsicherheiten und erhöhten Volatilitäten quer durch alle Assetklassen. Somit war es nicht verwunderlich, dass ein Primärmarkt für Corporate Bonds nicht wirklich existent war. Doch alles hat ein Ende und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der erste Daueremittent dem Votum der Investoren stellen würde.

Die Deutsche Bahn AG, die sonst eher durch Verspätungen auf sich aufmerksam macht, war in diesem Fall unerwartet schnell und erfolgreich am Kapitalmarkt in Erscheinung getreten. So konnte das Unternehmen durch die Emission einer 15-jährigen Anleihe (A183V0) insgesamt 750 Mio. € aufnehmen. Der Investor erhält eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,875% bis zum Laufzeitende am 11.07.2031. Gepreist wurde der Bond mit +26 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,095% entsprach. Die von der Bahn hierbei gewählte Mindeststückelung von 1.000 € wird sicherlich auch bei Privatanlegern für Nachfrage sorgen.

Die historisch günstigen Zinsen für sich genutzt hat auch das in der Erdöl- und Raffineriesparte tätige französische Unternehmen Total Capital SA und legte einen Doppelpack an neuen Bonds im Gesamtvolumen 2,75 Mrd. € auf. Bei der ersten Anleihe (A1830Q) handelt es sich um eine 7-jährige Anleihe im Umfang von 1,25 Mrd. €. Der Anleger erhält 0,25% p.a. Verzinsung bis zur Fälligkeit am 12.07.2023. Das Pricing erfolgte mit +28 bps über Mid Swap und somit lag der Reoffer bei 99,806%. Der zweite 12-jährige Bond (A1830R) ist 1,5 Mrd. € schwer und bietet eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,75% bis zum Ende der Laufzeit am 12.07.2028. Der Ausgabepreis lag bei 98,728% (+43 bps über Mid Swap). Total Capital entschied sich bei beiden Anleihen für die Mindestanlagesumme von 100.000 €.

Wenn er nicht nach unten geht, dann geht er halt nach oben.

Versuchte man das am 24. Juni, dem Brexit-Tag, erreichte – bisherige – Allzeithoch beim Euro-Bund-Future (168,86%) noch mit „Panik“ zu erklären, so wird auch am Kapitalmarkt deutlich, wie anpassungsfähig der Mensch geworden ist. Gemäß dem Motto: „Wenn es nicht mehr nach unten geht, dann geht es halt nach oben“, wurde dieses Niveau erneut ins Visier genommen. In kleinen, mühsamen Schritten hat man sich diesem bisherigen Gipfel bis auf 0,75 Prozentpunkte angenähert. Sollte diese einzige Widerstandslinie nochmals getestet werden, so würde sich eine Rendite für die zugrundeliegende 10-jährige Bundesanleihe von ca. -0,30% ergeben. Solche Aussagen hätten noch vor Wochen ungläubiges Kopfschütteln erzeugt, aber jetzt erntet man dafür nur noch ein gleichgültiges Achselzucken.

Man scheint sich mit diesen Marktgegebenheiten abgefunden zu haben und das ist bereits der erste Hinweis auf eine überfällige Korrektur. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihren Interventionen alle Mechanismen eines funktionierenden Rentenmarktes außer Kraft gesetzt und lässt nichts Gutes für die nächsten Wochen und Monate erahnen. Zu groß sind inzwischen wieder die Renditeunterschiede in der Eurozone, die zwar sicherlich zu begründen sind, aber dennoch nicht zu den bisherigen Aussagen der europäischen Notenbanker passen. Entweder sind im Falle einer umfassenden Garantie seitens der EZB die Renditen für verschiedene Staaten der Peripherie zu hoch oder die von anderen Ländern bereits zu tief. Der Markt misst also mit zweierlei Maß! Das wird sich erst dann ändern, wenn man nicht mehr das macht, was die anderen auch machen, nämlich aus Furcht vor Verlusten in anderen Assetklassen, die Anleihen von vermeintlich sicheren Emittenten zu kaufen.

Die Charttechnik hat aber neben dem Jahreshoch auch noch Unterstützungslinien zu bieten. So ergeben sich aktuell bei ca. 166,90% (mehrere Hochs im Juni) und bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) zwei Bereiche, die im Falle eines Schwächeanfalls des Rentenbarometers für Linderung sorgen sollten. Aktuell handelt der Euro-Bund-Future bei 167,67%.

Die Normalität kehrt zurück

Nach dem GB-Schock wird auch am Primärmarkt für Staatsanleihen wieder zur Tagesordnung übergegangen. Neben den Fußball-EM-Halbfinalisten Deutschland und Frankreich haben sich auch Österreich und Spanien zur Aufstockung diverser Altemissionen entschieden. Insgesamt werden dadurch ca. 20 Mrd. € den entsprechenden Staatshaushalten zur Verfügung stehen. Den kleinsten Teil davon nimmt Österreich mit den Anleihen A18X6P / 2026 und 193811 / 2027 auf. Jeweils 4 Anleihen stocken Frankreich (A18YPD / 2026 , A1Z7JJ / 2031 ; A18Z4K / 2036 ; A1AJL2 / 2041) und Spanien (A18YPG / 2021 ; A1ZJHS / 2024 ; A1ATVW / 2025 ; A1ZXQ6 / 2030) auf.

In Deutschland hingegen wurden die Emissionsvolumen von lediglich zwei Anleihen mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten erhöht. Zum einen wurde die inflationsindexierte Anleihe (103057), die erst 2046 endfällig wird um 500 Mio. € auf insgesamt 4,5 Mrd. € aufgestockt. Die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,76%. Zum anderen erfreuten sich die um 4 Mrd. € aufgestockten 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110464) reger Nachfrage und konnten somit bei einer Durchschnittsrendite von -0,69% zugeteilt werden.

In den USA wurden in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche lediglich Geldmarktpapiere im Gegenwert von 108 Mrd. USD mit den üblichen Fälligkeiten (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) aufgelegt.

Mission failed

Die Raumsonde „Juno“ hat nach fünf Jahren und rund 2,8 Milliarden Kilometern den Jupiter-Orbit erreicht, also lässt sich in diesem Fall feststellen: Mission geglückt. Nun soll „Juno“ den größten Planeten des Sonnensystems zwei Jahre erkunden und neue Erkenntnisse liefern.

Mit Blick auf den Devisenmarkt lässt sich zwei Wochen nach dem Brexit-Votum konstatieren: Mission failed. Nach dem ersten Schock über das UK-Referendum schien sich das Börsengeschehen halbwegs zu normalisieren, jedoch weit gefehlt. Die zunehmende Unsicherheit sorgt weiterhin für beachtliche Kursveränderungen. So schaffte es das Pfund-Sterling, seine Verluste zum US-Dollar im Vergleich zur Vorwoche nochmals auszuweiten und fiel auf den tiefsten Stand seit über 31 Jahren. Die britische Währung kostete zeitweise nur noch 1,2796 USD. Im Vergleich zum Euro befindet sich das Pfund gleichermaßen auf Talfahrt. So verbilligte sich die Währung Großbritanniens bis auf 0,86274 GBP und handelte damit so schwach wie zuletzt im August 2013.

Die europäische Gemeinschaftswährung hat im aktuellen Marktumfeld ebenfalls einen schweren Stand. Zum Auftakt in die neue Woche zeigte sich der Euro noch relativ freundlich bei 1,1186 USD. Im weiteren Handelsverlauf geriet die Einheitswährung jedoch unter Druck und rutschte bis auf 1,1029 USD ab. Zur Stunde handelt der Euro wieder etwas fester bei 1,1075 USD.

Ein schwieriges Marktumfeld birgt sowohl Risiken als auch Chancen. Privatanleger sind somit bestrebt das Risiko zu streuen, wofür Währungsanleihen ein probates Mittel sind. So waren in dieser Berichtswoche insbesondere Bonds auf türkische Lira, südafrikanische Rand, russische Rubel, US-Dollar sowie brasilianische Real auf den Listen der meistgehandelten Anleihen zu finden.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Brexit oder Brentry?

Es gab sicherlich schon bessere Zeiten für Großbritannien! Nach dem politischen Brexit vom vergangenen Freitag, dessen Umsetzung sicherlich noch einige Zeit auf sich warten lässt, hat das englische Team bei der Fußball-Europameisterschaft bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Zumindest bei diesem sportlichen Großereignis will man fortan nicht mehr vertreten sein und überlässt diese Rolle den ebenfalls austrittwilligen Walisern. Die Außenwirkung Großbritanniens hat in den vergangenen Tagen massiv gelitten und tiefe Gräben in Europa geschaffen. Aber auch innerhalb des Vereinigten Königreichs könnte die Stimmung nicht schlechter sein.

Die junge Generation sieht sich ihrer Zukunftsperspektiven beraubt und einzelne Länder Großbritanniens streben nach Unabhängigkeit. Inzwischen zeigt sich, dass die Aufklärung der Bevölkerung zu den Folgen eines Brexit unzureichend war und nicht jedem Abstimmenden die Folgen dieses Votums bekannt waren. Doch nun ist es zum Jammern zu spät. Auch alle Petitionen sowie Hinweise auf die geringe Wahlbeteiligung und die allzu geringe 50%-Zustimmungs-Klausel zeugen von einer schlechten „Verlierer-Mentalität“. Jetzt gilt es, nicht auf Zeit zu spielen, sondern den Wählerauftrag in die Tat umzusetzen. Demokratie muss verstanden werden.

Die Verhandlungen sollten zügig beginnen, denn zu regeln gibt es einiges. Die Zeit der Ungewissheit ist für alle Finanzmärkte Gift und dieses gilt es, so gering wie nur möglich zu dosieren. Am Ende der Konsultationen wird sicherlich ein Kompromiss gefunden sein, der in einem zweiten Referendum zur Abstimmung gebracht wird und somit den Exit vom Brexit ermöglicht. Bei dieser Vorgehensweise muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Politikverdrossenheit bei der übrigen EU-Bevölkerung nicht noch gesteigert wird. Ob das aber gelingen wird, darf getrost bezweifelt werden! In der Tierwelt wird immer davon gesprochen, dass ein Bock alleine nicht stoßen kann. Auf das gesamte gesellschaftliche Leben übersetzt heißt das, dass immer zumindest zwei „Parteien“ ein Ergebnis zu verantworten haben. Deshalb wäre es auch innerhalb der EU an der Zeit, den Kapitän auszutauschen und so nach außen ein Zeichen des Neuanfangs zu setzen. Aktuell scheint es allerdings so, als wären den EU-Verantwortlichen solche Gedankenspiele nicht in den Sinn gekommen. Jean-Claude Juncker und seine Aussagen zu CETA sind das beste Beispiel für die momentan gelebte Selbstherrlichkeit.

Also bleibt uns nur die Hoffnung, dass in den kommenden Monaten das Wachrütteln unserer Politiker noch zu einer positiven Erneuerung Europas führen wird. Die 27:1 Verhandlungen werden keine Wunschveranstaltung sein, sondern eine Scheidung mit gleichzeitiger Regelung der Unterhaltszahlungen, der Besuchszeiten und der Sorgerechte. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Verhandlungsführung der Beteiligten gerichtet sein. Wird auf Zeit gespielt, wird unverhohlen gedroht bzw. verhält man sich weiterhin in allen bisherigen Vertragsbestandteilen vertragskonform? So wäre beispielsweise ein Einstellen der Zahlungen an die Gemeinschaft oder umgekehrt sicherlich kontraproduktiv.

Die EU besteht auch weiterhin noch aus 28 Mitgliedsstaaten

Mit dem Referendum hat die Welt zwar nicht aufgehört sich zu drehen, aber eine gewisse Unwucht ist zu spüren. Die Entscheidung der Briten bedeutet den Verlust des drittgrößten Nettozahlers der EU und somit eine mögliche jährliche Mehrbelastung i.H.v. ca. 3 Mrd. € für den deutschen Steuerzahler. Es gibt aber auch andere Folgen, die es zu regeln gilt.

So wird die europäische Bankenaufsichtsbehörde European Banking Authority (EBA), die in London angesiedelt ist, früher als ursprünglich angedacht, sich nach einem neuen Domizil umschauen und auch der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Investitionsbank (EIB) muss in Angriff genommen werden. Sicherlich wird im kommenden Jahr Großbritannien, das im zweiten Halbjahr die EU-Präsidentschaft übernehmen sollte, diesen Part nicht mehr wahrnehmen. Ob man die entstandene Lücke einfach dadurch schließen wird, indem man die folgenden Präsidentschaften vorverlegt oder eines der Gründungsmitglieder der Vorgängervereinigung einspringt, wird erst nach Einleiten des Austrittverfahrens zu klären sein.

Aber auch längerfristig stehen in Europa viele Entscheidungen an, die ein Stimmungsbild widergeben. So wird beispielsweise im Oktober des Jahres in Italien ein Referendum über die seit über 30 Jahren angedachte Verfassungsänderung durchgeführt. Im April bzw. Mai nächsten Jahres wählt Frankreichs Bevölkerung einen neuen Präsidenten und vorher wird am 15. März in den Niederlanden über die Zusammensetzung des Parlaments neu entschieden. Die Bundestagswahlen im Herbst 2017 runden aus deutscher Sicht ein Superwahljahr mit bis dahin noch fünf Landtagswahlen (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Saarland) und einer Wahl des Bundespräsidenten (12. Februar 2017) ab.

Die kommenden Monate werden also von diversen innen- und außenpolitischen Störfeuern geprägt sein, denn auch die Regierungen in Österreich und Spanien können nicht unbedingt als stabil bezeichnet werden.

Italien sorgt sich um die Finanzindustrie

Italiens Banken sorgen allem Anschein nach bei der eigenen Regierung für schlaflose Nächte. Denn anders ist es nicht erklärbar, dass die italienische Regierung alle möglichen Register zieht, um die Banken des Landes mit ca. 40 Mrd. € unterstützen zu dürfen. Der vor wenigen Wochen zu diesem Zwecke eingerichtete Fonds „Atlante“ mit einer Kapitalausstattung von ca. 5 Mrd. € kann im Krisenfall keine Bankenschieflage abfedern. Das ist inzwischen - nicht zuletzt durch die Brexit-Reaktion an den Finanzmärkten - allen klar geworden.

Bei den italienischen Banken haben sich inzwischen ca. 300 Mrd. € an ausfallgefährdeten Krediten angesammelt und drohen der Finanzbranche im schlimmsten Fall nachhaltig Schaden zuzufügen. Aus diesem Grunde bittet Rom um Ausnahmen bei der eigentlich verbotenen Staatsfinanzierung und bei den Bail-in-Regeln. Entsprechende Gespräche hat der Ministerpräsident Italiens, Matteo Renzi, bereits mit der EU-Kommission geführt und hofft, dass man seinem Wunsch, einer möglicherweise notwendigen Bankenrettung mit Steuergeldern, entsprechen wird.

Auch in diesem Fall wird wieder deutlich, dass niedrige Zinsen allein im Euroraum nicht ausreichen, um Kreditgeber und -nehmer zu beglücken. Denn die Finanzinstitute haben mit den gesunkenen Margen nur noch sehr begrenzte Möglichkeiten, Verluste aus notleidenden Krediten auszugleichen. Die niedrigen Zinssätze stellen für viele Kreditnehmer einen Anreiz dar, sich zu verschulden und zwar in einer Größenordnung, die man sich vorher niemals hätte leisten können. Gleichzeitig werden die Banken von der EZB immer wieder aufgefordert, den Unternehmen Geld zur Verfügung zu stellen. Doch Schulden werden auch endfällig und spätestens dann wird sich herausstellen, dass in vielen Fällen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zur Falle für Banken, Unternehmen und Privatpersonen wurde.

Die BIZ sorgt sich um die Weltwirtschaft

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist in großer Sorge um die Weltwirtschaft und verweist auf das niedrige Wirtschaftswachstum, was zusammen mit Rekordschulden bei den Staaten den Spielraum zur Bekämpfung von Krisen immer mehr einengt. Kommen dann noch solche Ereignisse wie der Brexit dazu, kann sich daraus sehr schnell ein globales Problem ergeben.

Bisher haben die Notenbanken alles daran gesetzt, die daraus resultierende Gefahr mit historischen Niedrigzinsen, die in einigen Staaten sogar zu Negativrenditen führten, einzudämmen. Doch genau das ist das Problem, denn die niedrigen Zinsen suggerieren den Politikern, dass alles gut enden wird und man nur für etwas Inflation sorgen muss. Viele Finanzchefs von Unternehmen sehen das ähnlich und wagen sich an Übernahme-Transaktionen von Mitbewerbern, da ihnen das Geld von Investoren so billig wie nie zuvor zur Verfügung gestellt wird. Teilweise können sich auch Unternehmen vor Anfragen nach Schuldscheindarlehen nicht mehr retten. Allerdings übertünchen diese Marktkonstellationen die Gefahren einer schuldenfinanzierten Wachstumspolitik. Hinzu kommen noch die ausfallgefährdeten Kredite in den Bankbüchern, die kürzlich nicht nur die Regierung Italiens auf den Plan gerufen haben.

Ein solcher Hinweis wie er auf der Jahresversammlung in Basel von dem Generaldirektor der BIZ, Jaime Caruana, ausgesprochen wurde, sollte nicht nur zur Kenntnis genommen werden, sondern einen Umdenkprozess in Gang setzen. Denn als Zentralbank der Notenbanken ist die BIZ sicherlich im Besitz von Informationen zu Gefahrenpotentialen, die im „worst case“ die globale Wirtschaft ins Wanken bringen können. Hoffen wir, dass noch die Möglichkeit zum Gegenlenken besteht und es nicht bereits zu spät ist.

Die Ratingagenturen melden sich zu Wort

Die Ratingagenturen Standard & Poor‘s und Fitch haben die Bonitäts-Einstufung von Großbritannien sehr schnell den veränderten Gegebenheiten angepasst und im Investmentgrade auf die dritte Stufe „AA“ gesenkt. Dass hierbei zusätzlich noch der Ausblick mit „negativ“ bewertet wird, ist sicherlich der Unsicherheit in puncto Stabilität, wirtschaftlicher und politischer Entwicklung geschuldet.

Doch auch andere Staaten wie zum Beispiel Österreich müssen mit einer negativeren Bewertung leben. So hat die Ratingagentur Moody’s die langfristigen Verbindlichkeiten der Alpenrepublik nur noch mit „AA1“ bewertet und ihr hiermit die bisherige Bestnote „AAA“ entzogen. Als Grund werden die Aussichten auf ein mittelfristig schwächeres Wirtschaftswachstum des Eurolandes angeführt. Diese Probleme kann aktuell Deutschland noch weit von sich weisen. Aber ob die zusätzlichen Belastungen eines Umbaus der EU-Finanzierung, die Deutschland wahrscheinlich 3 Mrd. € kosten wird sowie die Neuverteilung der bisherigen Bürgschaften früher oder später zu einer anderen Bonitäts-Einstufung führt, kann nicht ausgeschlossen werden. Noch ist Deutschland der Fels in der Brandung und wird es hoffentlich auch noch lange bleiben.

Investieren auch Fans des BVB und des FCB?

In den Tagen nach dem Brexit-Referendum ist der Primärmarkt für Corporate Bonds fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Lediglich ein Relikt aus der vergangenen Woche wurde in dieser Zeit an den Märkten zur Notierung gebracht und steht im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft. Ganz zur Freude der meisten Fußballfans hier zu Lande ist unser Team noch immer dabei. Solche Großereignisse eignen sich für die Clubs der Fußball-Bundesliga, sich personell zu verstärken und ihren bisherigen Kader für die kommende Spielzeit neu zu bestücken.

Eine Verstärkung der anderen Art gelang dem Gelsenkirchener Fußball Club Schalke 04. Durch die erfolgreiche Platzierung einer Dualtranche im Gesamtvolumen von 50 Mio. € kann die Ablösung einer ursprünglich am 11.07.2019 endfälligen Gattung (A1ML4T) in Angriff genommen werden. Die Altemission wurde zum 11. Juli des Jahres vorzeitig gekündigt und entsprechend den Anleihebedingungen zu 103% an die Gläubiger zurück bezahlt.

Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 5-jährige Anleihe (A2AA03) mit Fälligkeit am 07.07.2021 im Volumen von 16 Mio. €. Schalke 04 zahlt dem Investor einen jährlichen Kupon in Höhe von 4,25%. Der Ausgabepreis betrug 100%. Der Emittent hat sich per 07.07.2020 ein Sonderkündigungsrecht zu 100,50% festschreiben lassen.

Die zweite Anleihe (A2AA04) mit 7-jähriger Laufzeit beläuft sich auf 34 Mio. € und bietet dem Anleger eine nominale Verzinsung in Höhe von 5% p.a. bis zum 07.07.2023. Doch auch bei diesem Bond ließ der Emittent ein vorzeitiges Kündigungsrecht zum 07.07.2021 bei 101,50% in die Anleihebedingungen aufnehmen. Die Anleihe wurde zum Nennwert begeben.

Beide Anleihen wurden seitens des Emittenten Schalke 04 mit der „privatanleger-freundlichen“ Mindestanlagesumme von 1.000 € ausgestattet. Ob sich allerdings die Fans der Bundesligisten Borussia Dortmund und des FC Bayern München von den hohen Nominalzinsen zu einem Engagement verleiten lassen, ist bisher noch nicht bekannt.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

War man in der vergangenen Woche noch der Meinung, dass eine Tradingrange von 7,5 Prozentpunkten (PP) etwas Besonderes war, so musste man sich in dieser Berichtswoche eines Besseren belehren lassen. Der 30-jährige Euro-Buxl-Future hat es seit vergangenem Donnerstag auf eine Bandbreite von sage und schreibe ca. 16,5 PP und der als Sorgenbarometer bezeichnete Euro-Bund-Future auf immerhin ca. 5,3 PP gebracht. Doch nicht alle Tage hat der Markt ein Brexit-Referendum zu verkraften und somit müssen wir ähnlich wie beim Eiskunstlauf die „Ausreißer“ ausblenden.

Somit wird es in den kommenden Wochen zu einem Auspendeln auf erhöhtem Niveau kommen. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 167,xx%, also in der Nähe einer in den vergangenen Tagen herausgebildeten und zugleich psychologischen Marke bei ca. 167%. Dies ist relativ deutlich unter dem bisherigen Allzeithöchststand von 168,86%, was zugleich den einzigen Widerstand darstellt. Nach unten sind die Unterstützungslinien reichlicher vorhanden. Zuerst bei 165,61%, anschließend bei 164,60% und zuletzt bei 164,06% verlaufen momentan die Linien. Dazwischen würde bei ca. 165% die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe wieder die Nullgrenze erreichen.

Nachdem in den vergangenen Tagen allen Rentenhändlern die Welt der Zinsen neu erklärt wurde, sollte man allerdings stets auf der Hut sein vor nicht auszuschließenden Gegenbewegungen. Sicherlich werden die Notenbanken versuchen mittels künstlicher Nachfrage die Zinsen auf diesem Niveau zu halten, aber durch die geänderte Erwartungshaltung bezüglich der amerikanischen Notenbankpolitik (keine Zinsanhebung in 2016 und im Frühjahr 2017 wird man weitersehen) kann es zu währungsbedingten Gewinnmitnahmen ausländischer Investoren kommen.

Bund braucht weniger Geld

Italien hatte immer schon ein gewisses Eigenleben vorzuweisen und das merkte man in dieser Handelswoche auch daran, dass sich alle Euroländer wegen der Marktunsicherheiten in Zurückhaltung übten. Nur Italien stockte diverse Altemissionen im Volumen von ca. 8 Mrd. € auf. Diese Anleihen werden aber aus steuertechnischen Gründen nicht an den deutschen Börsen gehandelt. Auch in den USA wurden in Erwartung eines sehr volatilen Marktes den Investoren lediglich Geldmarktpapiere zum Kauf angeboten. Hierbei wurden 50 Mrd. USD als T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen und 31 Mrd. USD mit einer Fälligkeit in 3 sowie 26 Mrd. USD in 6 Monaten aufgelegt.

Ende Juni war es wieder soweit und die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland machte bei den Refinanzierungsvorhaben für das 3. Quartal den Feinschliff. Aufgrund der erhöhten Steuereinnahmen werden die ursprünglich geplanten Emissionsvolumina um 3 Mrd. € gekürzt. Allerdings hat sich nichts an der Terminierung der einzelnen Tender geändert, um Planungssicherheit zu gewährleisten und als verlässlicher Geschäftspartner aufzutreten. Insgesamt sollen in diesem Quartal 47 Mrd. € als Kapitalmarkt-, 12,5 Mrd. € als Geldmarktpapiere und ca. 2 Mrd. € als inflationsindexierte Anleihen platziert werden.

GBP-Schockstarre löst sich im Schneckentempo

Jetzt ist es Gewissheit, Großbritannien hat sich gegen einen Verbleib in der Europäischen Union entschieden. So hat England das Kunststück vollbracht, innerhalb weniger Tage die EU gleich zweimal zu verlassen. Einmal freiwillig und gewollt, bei der EM in Frankreich mit Sicherheit ungewollt, aber verdient.

Abgesehen vom Fußball hat der wahre Brexit zu außerordentlichen Verwerfungen am Devisenmarkt geführt. Insbesondere das britische Pfund wurde von diesem Marktereignis mit voller Härte getroffen. So fiel das Pfund-Sterling zum Euro bis auf 0,83797 GBP zurück, dies entspricht dem tiefsten Stand seit März 2014. Zum US-Dollar war der Kursverfall wesentlich dramatischer. Die Währung Großbritanniens verlor drastisch an Wert und fiel auf den tiefsten Stand seit über 30 Jahren. Das Pfund war im Tief somit nur 1,3020 USD wert, nachdem es noch kurz vor dem UK-Referendum um die Marke von 1,50 USD gehandelt wurde.

Das Devisenpaar EUR/USD war durch die Marktturbulenzen ebenfalls hohen Schwankungen unterworfen. Im Vergleich zur Vorwoche hatte die europäische Gemeinschaftswährung kräftige Abschläge hinzunehmen. So sackte der Euro am Freitag infolge des Brexit von 1,1420 USD bis auf 1,0913 USD ab. Mit dem Start in die neue Handelswoche konnte der Euro die wichtige Marke bei 1,10 USD nachhaltig überwinden und handelt zur Stunde sogar bei 1,1105 USD.

Das Vertrauen in den Euro ist durch die jüngsten Entwicklungen nicht unbedingt gestiegen. Die Privatanleger sind somit bestrebt, ihr Vermögen sorgfältig und risikobewusst anzulegen. So stehen Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, australische Dollar, türkische Lira sowie russische Rubel im Fokus der Anleger.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

To brexit or not to brexit

Sagen die Briten nun „Goodbye, Europe” oder nicht? Zumindest auf der Aktienseite scheint das anstehende Referendum, mit dem Großbritannien am heutigen Donnerstag, 23. Juni, über den Verbleib in der Europäischen Union entscheidet, keinen Schrecken mehr einzujagen. So ist der DAX wieder stabil über 10.000 Punkte geklettert und auch der Pfund-Kurs hat sich erholt, nachdem sich sowohl die Umfrage-Ergebnisse als auch die Quoten der Buchmacher zum Teil deutlich zugunsten der EU-Befürworter verschoben haben. Das Motto des Tages ist allerdings dennoch: „Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit.”

Doch ginge es nach der Lautstärke des Applaus‘, so wären diese Woche freilich die Brexit-Freunde um Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London, als Sieger hervorgegangen. Johnson hatte sich vor einem Millionenpublikum im Fernsehen und 6.000 Zuschauern vor Ort einen verbalen Schlagabtausch mit dem neuen Londoner Bürgermeister und EU-Befürworter Sadiq Khan geliefert. Während Johnson, der ein bisschen wie der englische Bruder von Donald Trump wirkt, der Gegenseite polternd vorhielt, sie habe nichts als Furcht verbreitet, sagte Khan, die Brexit-Befürworter würden eine Hass-Kampagne gegen Zuwanderer führen. Johnson sei sich dabei auch für „dicke, fette Lügen” nicht zu schade.

Traditionell werden die Wähler kurz vor der Entscheidung aber wohl etwas vorsichtiger, weshalb auch die Hoffnung besteht, dass sich die Briten nicht von den teilweise nationalistischen Emotionen der Brexit-Kampagne einlullen lassen, sondern den Warnungen der Ökonomen glauben werden.

So versuchen Befürworter eines Austritts tatsächlich der Bevölkerung zu vermitteln, dass die EU den Briten im Fall eines Brexits einen speziellen Handelsdeal anbieten wird, was die negativen Folgen eines Austritts begrenzen würde. Die europäische Gemeinschaft könnte es sich nicht leisten, Abstriche beim Handel mit dem Königreich zu machen, sagen sie. Experten der Citigroup und andere gehen allerdings davon aus, dass es genau andersherum sein wird. Wäre der Handel zwischen Großbritannien und der EU behindert, so wäre die Wirkung für die Briten um einiges verheerender als für die anderen EU-Wirtschaften. Schließlich macht der Export von Gütern und Dienstleistungen in andere EU-Staaten 15% des britischen Bruttoinlandsprodukts aus. In die andere Richtung tragen Exporte der EU-Staaten nach Großbritannien im Schnitt gerade einmal 2,5% zu ihrem Bruttoinlandsprodukt bei.

Auch der Londoner City würde ein Aderlass drohen. Nicht nur verschiedene Institute der Finanzwirtschaft, die in UK für 12% des BIPs steht, haben den Abzug von Personal und Wertschöpfung in Richtung EU für den Brexit-Fall bereits angekündigt. Auch die europäische Bankenaufsichtsbehörde European Banking Authority (EBA), die in London angesiedelt ist, müsste Großbritannien den Rücken kehren.

Verhandlungen, die einem Votum für den Brexit folgen würden, kämen eher Scheidungsverhandlungen gleich. Wer einmal draußen ist, kommt nicht mehr durch die Hintertür der Verhandlungen wieder rein – gemäß dem Motto: There is no way back.

Immerhin haben sich die Spitzenklubs der Premier League für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Ein EU-Austritt würde die globale Ausrichtung der Liga konterkarieren, sagte der Chairman der Premier League, Richard Scudamore. Vielleicht ist es ja am Ende gar doch der Fußball, der den Ausschlag zugunsten der EU geben wird. Dann würden wir der englischen Fußballnationalmannschaft auch gerne eine erfolgreiche EM wünschen – eben bis zum Elfmeterschießen gegen das deutsche Team.

Karlsruhe winkt den EZB-Kurs durch

Zwei Tage vor dem Brexit-Referendum hat das Bundesverfassungsgericht (BuVerfG) in Karlsruhe den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise grundsätzlich gebilligt, aber gewisse Grenzen gesetzt. Demnach darf sich die Bundesbank an Maßnahmen der EZB beteiligen, die dazu dienen, einzelne Eurostaaten im Notfall gezielt durch Staatsanleihenkäufe in großem Stil zu unterstützen.

Laut BuVerfG verstößt die EZB mit dem Ankauf von Staatstiteln nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Das Urteil bestätigt damit die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach das sogenannte OMT-Programm („Outright Monetary Transactions”) mit EU-Recht vereinbar ist und in das Mandat der EZB fällt.

Allerdings machte Karlsruhe gewisse Einschränkungen, welche die EZB befolgen muss. So verlangt das BuVerfG, dass sich die Notenbank an die Vorgaben des EuGH hält, wonach bei den Anleihekäufen das Volumen vorab begrenzt werden muss und zwischen der Emission der Titel und dem Ankauf durch die EZB gewisse Mindestfristen liegen müssen. Darüber hinaus dürfen nur Schuldentitel von Ländern erworben werden, die Zugang zum Anleihemarkt haben.

Die deutschen Verfassungshüter schlossen sich damit im Kern einem Urteil des EuGH vom Sommer 2015 an. Der Senat habe zwar weiterhin Bedenken, sehe sich aber an die Luxemburger Rechtsprechung gebunden, sagte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle in Karlsruhe.

Der Richterspruch stellt damit weder einen Freibrief für die Notenbank noch eine Kapitulation vor der magischen Kraft des Faktischen dar, wie es die „Börsen-Zeitung“ sieht. Vielmehr bestätigt das BuVerfG mit dem Urteil die Unabhängigkeit der EZB, die man ihr seitens der Politik und der Kläger immer wieder versucht hat abzusprechen. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass Mario Draghis Versicherung von 2012, alles zu tun, um die Gemeinschaftswährung Euro zu schützen („Whatever it takes“), noch etwas weiter ging. Die EZB unternehme alles im Rahmen ihres Mandats („within the mandate of the ECB“), hatte der Präsident in einer Situation gesagt, in der nicht nur Griechenland und Zypern, sondern auch Spanien und Italien auf der Kippe standen.

Dies war ein solch deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl an die Adresse von Spekulanten, die sich gegen diese Länder in Stellung gebracht hatten, dass die angedeuteten Maßnahmen der EZB gar nicht eingesetzt werden mussten. Vielmehr hat Draghis Muskelspiel gezeigt, dass die Notenbank als so stark angesehen wird, dass es sich nicht lohnt, gegen sie zu zocken.

Dies soll nicht heißen, dass die insgesamt 37.000 Kläger mit Glanz und Gloria gescheitert sind. Natürlich haben sie eine Niederlage erlitten, aber sie haben auch vom BuVerfG bestätigt bekommen, dass eine direkte Staatenrettung durch die EZB mit Hilfe der Bundesbank nicht vorgesehen ist. Dies sollte der EZB bei künftigen geldpolitischen Maßnahmen eine Mahnung sein.

Renditebringer aus Singapur

Inzwischen ist es für Investoren ein sehr mühsames Unterfangen, sich auf die Suche nach Anleihen mit einer noch aussprechbaren Rendite zu machen. Oftmals müssen sie auf Emittenten der zweiten oder sogar der dritten Reihe ausweichen. Doch hierbei ist stets der Hinweis angebracht, dass für eine bestimmte Restlaufzeit eine vergleichbar hohe Rendite auch einem entsprechenden Risiko der Position entspricht.

Dieses Risiko meiden Privatanleger vielfach ganz bewusst und legen sich zur Diversifikation ihres Depots Fremdwährungsanleihen zu. Zur Wahl stehen hierbei die unterschiedlichsten Fremdwährungen mit entsprechenden Zinskurven. Gegenüber den bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen aktuell zu erzielenden Renditen (ca. 0,06%) erscheinen die US-Treasuries inzwischen wie aus einem Hochzinsland (1,70%). Doch das mit den US-Staatsanleihen verbundene Devisenrisiko ist nicht zu unterschätzen.

Somit geht die Suche nach Alternativen weiter. Insbesondere Länder mit moderatem Wirtschaftswachstum, stabilen Devisenkursen und einer niedrigen Inflation stehen in der Gunst der Investoren. Ein solches Land ist nach dem momentanen Stand der Dinge Singapur. So rentiert aktuell ein am 01.06.2026 endfälliger Singapur-Bond (A1VPUN) mit ca. 2,00% und die Währung handelt mit ca. 1,5160 SGD in der Tradingrange der vergangenen 14 Monate (1,4348 SGD und 1,6523 SGD).

Sollte das Geld noch längerfristig angelegt werden, so stehen auch Anleihen mit längeren Restlaufzeiten (A1A0SM / 2030 ; A1G3A9 / 2042) zur Verfügung. Aktuell wird die Inflationsrate in Singapur für den Monat April gegenüber dem Vormonat mit -0,5% und gegenüber dem Vorjahresmonat mit +0,8% angegeben. Doch auch bei diesen Bonds muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, das Zins- und Devisenänderungsrisiko zu tragen.

Russland-Sanktionen gehen in die Verlängerung

Während man sich in Brüssel anschickt, die für alle Beteiligten schmerzhaften Russland-Sanktionen um sechs Monate zu verlängern, umgarnt Russlands Staatschef Vladimir Putin die EU, um genau dies zu verhindern. Seine Signale, wonach sein Land nicht nachtragend sei, kamen aber zu spät. Die EU hält den Druck auf Russland aufrecht. So haben die Botschafter der EU-Einzelstaaten der Verlängerung der Sanktionen inzwischen zugestimmt – eine Entscheidung, die voraussichtlich am morgigen Freitag auf Ebene des EU-Rats abgesegnet werden dürfte. Es gebe zwar Fortschritte, aber eben nicht genügend. So lautet der Tenor in Brüssel bei Betrachtung der Situation in der Ostukraine. „Die Bedingungen für eine Aufhebung seien nicht gegeben. Die Vereinbarung von Minsk wird nicht respektiert“, hatte der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault gesagt. Dies sei erst der Fall, wenn das Waffenstillstandsabkommen für die Ostukraine voll umgesetzt sei.

Mit der Verlängerung der Sanktionen bis Ende Januar 2017 wollen die Europäer weiterhin Druck auf Moskau ausüben. Denn noch immer gibt es fast täglich Gefechte zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee und somit hat die Regierung in Kiew keine Kontrolle über ihre Grenze zu Russland. Es ist längst geplant gewesen, Wahlen in jenen Gebieten abzuhalten, die von den Separatisten kontrolliert werden.

Bereits vor kurzem hat die EU die Krim-Sanktionen gegen Russland um ein Jahr - bis zum 23. Juni 2017 - verlängert. Diese Strafmaßnahmen umfassen Beschränkungen für den Im- und Export von Waren und Investitionen. So dürfen Europäer keine Immobilien auf der Krim erwerben und es gilt ein Verbot für Tourismusdienstleistungen.

Die nun zu beschließenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die bis 31. Juli laufen, sollen ergänzend sein und richten sich unter anderem gegen russische Staatsbanken, den Handel mit Rüstungsgütern und die russische Energiewirtschaft. Umgekehrt hatte Russland Gegensanktionen verhängt, welche die europäische Wirtschaft empfindlich getroffen haben.

Aber vielleicht läuten die jüngsten Signale Putins doch das Ende der Sanktionen ein, dessen Zeitpunkt nur verschoben worden ist. Sein Aufruf, das Vertrauen in die Beziehungen von Russland und der EU wiederherzustellen, sollte in Brüssel als Chance und Gesprächsangebot begriffen werden.

Macht die EZB Hellas-Anleihen wieder salonfähig?

Griechenland soll wieder an die normale Geldversorgung der Europäischen Zentralbank (EZB) angedockt werden, indem die EZB auch griechische Staatsanleihen kaufen kann. Ab kommendem Mittwoch werden griechische Staatsanleihen trotz ihres Ramschstatus wieder als Kreditsicherheiten von der EZB akzeptiert. Daraus folge aber nicht automatisch die Zulassung zum laufenden Anleihen-Kaufprogramm der Notenbank, hat hierzu allerdings ihr Präsident Mario Draghi in Brüssel verlauten lassen.

Das Pikante daran ist, dass die Regeln zum EZB-Ankaufprogramm offenbar sehr flexibel auszulegen sind. Erst am Dienstag hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank nur zulässig ist, wenn die Länder auch entsprechend auf dem Kapitalmarkt agieren können.

Indessen haben Hellas‘ internationale Geldgeber die nächste Finanztranche für das schuldengeplagte Land freigegeben. Demnach hat Athen diese Woche - im Windschatten von drohendem Brexit und der Fußball-EM - Hilfsgelder in Höhe von 7,5 Mrd. € erhalten. 5,7 Mrd. € davon sollen dazu dienen, griechische Schulden beim IWF und der EZB zurückzuzahlen. Mit den restlichen 1,8 Mrd. € soll Zahlungsverpflichtungen gegenüber Inländern nachgekommen werden, wovon man sich auch einen gewissen Schub für die Wirtschaft erhofft.

Zurückhaltung am Primärmarkt für Corporates Bonds und Financials

Die Anspannung der Marktteilnehmer über den Ausgang des Brexit-Referendums am heutigen Donnerstag lässt sich in diesen Tagen nicht nur anhand der hohen Volatilitäten an den Märkten ablesen, sondern spiegelt sich auch in der Zurückhaltung der Unternehmen zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt wider. In dieser Woche wurden lediglich 1,3 Mrd. € durch den kanadischen Getränkehersteller Cott sowie die beiden französischen Unternehmen Christian Dior und Eutelsat aufgenommen.

Den Anfang machte Eutelsat (A183EZ) mit einem 500 Mio. € schweren Bond, welcher am 23.06.2021 fällig ist. Der Telekommunikationsdienstleister bietet seinen Kunden eine jährliche Verzinsung von 1,125% und die Anleihe wurde zu 99,894% emittiert. Dies kommt einem Emissionsspread von +164,20 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleich.

Das für luxuriöse Mode bekannte Unternehmen Christian Dior (A183JL) emittierte 350 Mio. € mit einer Laufzeit bis zum 24.06.2021. Dior zahlt seinen Gläubigern einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,75%. Der Ausgabepreis lag bei 99,902%, was einem Emissionsspread von +82 bps über Mid Swap entsprach.

Zu guter Letzt wagte sich der kanadische Getränkehersteller Cott Finance (A183E2) an den Kapitalmarkt und konnte 450 Mio. € einsammeln. Der Bond bietet seinen Anlegern eine jährliche Verzinsung von 5,5%, die jeweils hälftig am 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres ausgezahlt wird. Der 8-jährige Bond ist am 01.07.2024 fällig und wurde zu pari begeben (+575 bps über der vergleichbaren 1,5% Bundesanleihe mit Fälligkeit am 15.05.2024).

Alle Emittenten statteten ihre Anleihen mit einem vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) sowie einer Mindeststückelung von 100.000 € aus. Aufgrund der gewählten Mindeststückelung werden sich eher institutionelle Anleger die Bonds in ihre Depots legen.

In Erwartung großer Volatilitäten

Die vergangenen Handelstage waren ein Spiegelbild der Brexit-Wettquoten bzw. der neuesten Umfrage-Ergebnisse. Hatte man vor Monaten noch unaufgeregt diesem Datum entgegengeblickt, so nahm die Nervosität in dieser Woche von Tag zu Tag zu. Dies war zwar auch an der Tradingrange beim Euro-Bund-Future (164,08% / 165,68%) abzulesen, aber noch deutlicher wurde es beim 30-jährigen Euro-Buxl-Future. Die Handelsrange innerhalb von 5 Tagen von über 7,5 Prozentpunkten ist auch bei dieser Restlaufzeit eher selten zu beobachten.

Somit stehen wir bei allen auf hohem Level korrigierten September-Kontrakten vor einem abwartenden Handelstag mit geringen Umsätzen. Da die meisten Investoren allerdings den Rentenmarkt weiterhin von der Long-Seite angehen, ist eine weitere Korrektur der Märkte nicht auszuschließen. Zusätzlich ist aber auch zu bedenken, dass sich alle Endinvestoren für eine bestimmte Art der Positionsführung entschieden haben und diese nur bei extremen Marktausschlägen adjustieren werden. Daher bleibt allen Marktteilnehmern nur die Möglichkeit, mit dem britischen Motto: „Abwarten und Tee trinken“ an die Sache heranzugehen. Am Freitag werden sich die Europäer ab ca. 5:00 Uhr an das Beurteilen des Endergebnisses wagen, um am Nachmittag und im Laufe der kommenden Woche festzustellen, zu welchem Ergebnis die ausländischen Investoren kamen.

Devisenkursverschiebungen und massive Interventionen seitens ausländischer Investoren werden hierbei den Takt vorgeben und nicht die innereuropäischen Marktteilnehmer. Dies gilt für alle Bereiche des Finanzmarktes, Aktien und Renten.

Dennoch ist es sicherlich nicht falsch, die Chartechnik zu Rate zu ziehen. Nach oben bleibt das bisherige Hoch bei 165,68% als Widerstand erhalten und nach unten sind Unterstützungslinien bei 163,45%, 162,25% und 160,50% zu registrieren. Das Benennen von drei Unterstützungen versus nur einem Widerstand sollte zwar nicht überbewertet werden, aber infolge des rasanten Anstiegs über einen Zeitraum von vielen Wochen ist natürlich die Gefahr von Gewinnmitnahmen nicht von der Hand zu weisen. Sollte es dazu kommen, dann kennt man zumindest die möglichen Haltepunkte, an denen man noch aussteigen könnte.

Deutschland zahlt für 30 Jahre 0,65% p.a.

Während sich die Eurostaaten in Zurückhaltung übten, schöpften die USA in dieser Handelswoche aus dem Vollen. So wurden für 233 Mrd. USD Geld- und Kapitalmarktpapiere zum Kauf angeboten. Für alle Interessierten sollte aufgrund der Fälligkeitspalette etwas dabei gewesen sein. T-Bills für 127 Mrd. USD mit Laufzeiten zwischen 4 und 52 Wochen sowie T-Notes für 106 Mrd. USD mit Laufzeiten von 2, 5, 7 und 30 Jahren. Aufgelegt wurden aber nicht nur Straight Bonds, sondern auch 13 Mrd. USD als 2-jähriger Floater und 5 Mrd. USD als 30-jährige inflationsindexierte Anleihe.

Die Auktionen in Euroland (für ca. 4 Mrd. €) erfolgten auf Initiative der Slowakei, Belgiens und der Bundesrepublik Deutschland. Zum einen wurden die beiden slowakischen Anleihen (A181DY / 2023 ; A1ZUZV / 2027) und diverse belgischen Staatsanleihen (A18W1U / 2026 ; A1ZWX5 / 2031 ; A1Z6P2 / 2038) aufgestockt. Aber auch Deutschland erhöhte das Emissionsvolumen der noch mit einer Restlaufzeit von 30 Jahren ausgestatteten Anleihe (110234) um 1 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. €. Die Zuteilung der 1,6-fach überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,65%.

Auch nach einem Brexit werden die Briten bei der EM nicht ausgeschlossen

Die Woche der Wahrheit ist nun endlich angebrochen und die Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU steht unmittelbar bevor. Bei der EM in Frankreich ist das Königreich noch bestens vertreten, denn mit Nordirland, Wales und England stehen gleich drei Teams aus Großbritannien bereits im Achtelfinale.

Im Vorfeld dieser geschichtsträchtigen Entscheidung zeigte sich das britische Pfund stärker als in der Woche zuvor, begründet wird dies mit einer gestiegenen Wahrscheinlichkeit der Briten pro Europa. So verteuerte sich das Pfund-Sterling zum Euro von 0,7994 GBP bis auf aktuell 0,7673 GBP.

Das Devisenpaar EUR/USD ist wie bereits in der vergangenen Berichtswoche als volatil zu bezeichnen. Die europäische Gemeinschaftswährung bewegte sich gegenüber dem Greenback in einer Handelsrange zwischen 1,1131 USD und 1,1382 USD. Zur Stunde handelt sie bei ca. 1,1340 USD.

Diese Handelswoche ist geprägt von der Unsicherheit bezüglich dem Ausgang des EU-Referendums und deshalb halten sich die Anleger mit ihren Engagements merklich zurück. Nichtsdestotrotz waren bei verschiedenen Währungsanleihen Umsatztätigkeiten zu beobachten. Hierzu zählten insbesondere Bonds auf US-Dollar, türkische Lira, russische Rubel sowie auch vereinzelt britische Pfund.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

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Author: Klaus Stopp

Brexit-Angst lässt 10-jährige Bunds unter die Nulllinie rutschen

Was sich die vergangenen Tage am Kapitalmarkt bereits angedeutet hat, ist nun eingetreten: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den negativen Bereich abgerutscht. Am Dienstag rentierten „Bunds“ mit zehnjähriger Laufzeit (110239) in der Spitze mit minus 0,034%. Auch eine Bundesanleihe (113504) mit 11 Jahren Laufzeit (7/2027), die bei rund 172,65% notiert, wies mit ca. minus 0,06% ebenfalls eine negative Rendite aus. Zwischenzeitlich hat das Pendel zwar wieder leicht zurückgeschlagen, aber Fakt ist, dass die Rendite von „Bunds“ mit einer Restlaufzeit von etwas über 10 Jahren derzeit um die Nulllinie schwankt. Erst Laufzeiten von mehr als 13 Jahren rentieren leicht positiv, wie ein Titel (113514) mit Fälligkeit 1/2030 zeigt, der eine Mini-Rendite von 0,02% abwirft.

Eine Hauptursache der negativen Zinsentwicklung ist in der um sich greifenden Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu sehen. Die Unsicherheit, die ein Brexit mit sich bringen würde, veranlasst Anleger dazu, Aktien abzustoßen und in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen stabiler Länder zu fliehen. Genährt wird die Angst vor dem Brexit durch jüngste Umfragen, welche eine Mehrheit für den Austritt am 23. Juni, dem Tag des Referendums, widerspiegeln.

Negative Zinsen werden aus Sicherheitsgründen offenbar in Kauf genommen. Die Risikolaune der Investoren, welche die Aktienmärkte noch bis Mitte vergangener Woche beflügelt hatte, ist also verflogen. Und nun kollidiert die Nachfrage der Anleger am Rentenmarkt mit der der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem Ankaufprogramm die Renditen am Markt ohnehin schon kräftig nach unten gedrückt hat. Parallel zu den Renditen der Bundesanleihen rutschten auch die Devisenkurse von Euro und Pfund Sterling ab.

Doch neben der Brexit-Angst ist es auch eine allgemeine Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft, die sich wiederum in einem Nachgeben der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, widerspiegelt. Unterm Strich ist daher nicht zu erwarten, dass die negative Renditeentwicklung das Ende der Fahnenstange erreicht hat, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) beteuert, sich der Grenzen ihrer Negativzinspolitik bewusst zu sein. „Wir haben nicht vor, die gegenwärtigen Levels dramatisch zu verändern“, hatte der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio diese Woche verlauten lassen. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen durch das Ankaufprogramm der EZB, das mindestens bis Frühjahr 2017 läuft, hoch bleiben wird. Nicht umsonst prüft die Commerzbank, ob sie einen Teil des Bargelds künftig in Tresoren einlagern soll, anstatt es bei der EZB mit minus 0,4% anzulegen.

Natürlich begünstigt eine negative Rendite bei Bundesanleihen zunächst den Bundesfinanzminister, der beim Schuldenmachen nun eben auch im zehnjährigen Bereich Geld verdient. Allerdings zeigt es auch, dass die Kapitalmärkte nicht mehr funktionieren, was unter anderem Versicherer und Pensionsfonds noch stärker unter Druck setzt. So erachtet der Branchenverband der Versicherungen (GDV) die stark gefallenen Renditen als eines der größten Stabilitätsrisiken überhaupt.

Bereits seit März befinden sich auch die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen im Minus-Bereich (aktuell: -0,209%). In der Schweiz liegt die Rendite für Zehnjährige mit -0,553% sogar noch deutlicher unter Null.

Wie ansteckend ist der Brexit-Virus?

So, wie es aussieht, haben die Befürworter eines Brexits in den Umfragen mehr als nur die Nase vorn. Beschließen die Briten am 23. Juni tatsächlich den Austritt aus der EU, so wird dies wohl zu einem Schicksalstag für Europa werden.

Fest steht, dass der Austritt neben den konkret neu zu regulierenden Beziehungen zwischen EU und UK gravierende Konsequenzen für ganz Europa haben würde. Schwächeres Wachstum und weniger Handel dürften die Folgen sein. Die Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zu Großbritannien würde sicherlich zu einer Zurückhaltung bei Investoren führen.

Die Crux der Brexit-Gegner scheint zu sein, dass sie es bisher kaum geschafft haben, positive Gründe zugunsten eines Verbleibs in der EU vorzubringen. Vielmehr lesen sich ihre Argumente im Stile einer Angstkampagne so, als müsse das Vereinigte Königreich über die Apokalypse oder den Verbleib in einem Staatenbund abstimmen.

Und den darf ein Land laut Artikel 50 des Vertrags von Lissabon auch wieder verlassen. Eine Neuordnung der britischen Beziehungen zur EU nach einem EU-Austritt würde laut EU-Ratspräsident Donald Tusk bis zu sieben Jahre in Anspruch nehmen. Allein eine Auflösung aller vertraglichen Verbindungen würde zwei Jahre dauern. Jedes einzelne der dann 27 EU-Mitgliedsländer sowie das Europäische Parlament müssten anschließend einer ausgehandelten Neuordnung zustimmen. „Das wird mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, und ich fürchte, ohne jede Erfolgsgarantie”, sagte Tusk der „Bild“.

Und wie könnte sich der Virus des Brexit auf andere Mitgliedsstaaten auswirken? Wäre es möglich, dass bei einem Votum zugunsten des Brexits noch mehr Länder dem Beispiel eines Referendums folgen wollten? Er könne jedenfalls nicht ausschließen, dass der britische Austritt Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern. Dies hatte vor kurzem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingeräumt. Vielleicht würde ja eine Wirtschaftskrise in Großbritannien, zu der es als Folge des Brexits kommen würde, Nachahmer von der Austrittsidee wieder abschrecken und sie gegen den Brexit-Virus immunisieren. Es könnte aber auch anders kommen.

Der Blick auf die Notenbanken

Der heutige Donnerstag steht ganz im Zeichen dreier Notenbanken. Bereits am gestrigen Abend hat im Anschluss an eine zweitägige Fed-Sitzung eine Pressekonferenz der Präsidentin der amerikanischen Notenbank (Fed), Janet Yellen, stattgefunden. Und heute wird es auch die turnusgemäße Sitzung bei der Bank of England geben, der im Hinblick auf das anstehende Brexit-Referendum große Bedeutung zukommt.

Im Vorfeld hat bereits in den frühen Morgenstunden die Bank of Japan (BoJ) von weiteren geldpolitischen Anreizen abgesehen, was bei Investoren für Enttäuschung sorgte.

Mit einem einstimmigen Beschluss eröffnete die Fed den Reigen. Die Zinsen verbleiben auf dem bisherigen Niveau und wider Erwarten wurden in der anschließenden Pressekonferenz weder der Brexit noch andere spezifische Risiken erwähnt. Mit verantwortlich für diesen Entscheid waren sicherlich die schwachen US-Arbeitsmarktdaten und auch die gestrigen Daten zur Industrieproduktion. Es scheint so, als würden die US-Notenbanker immer mehr von ihrem ursprünglichen Plan Abstand nehmen und eine mögliche Zinserhöhung erst im September wieder auf der Agenda stehen.

Bei der Bank of England (BoE) beschäftigt man sich allerdings auch heute nicht mit einer möglichen Zinsanhebung, die vor vielen Monaten in England immer wieder heiß diskutiert wurde, sondern mit den Auswirkungen eines möglichen Brexits. Eine Warnung der Notenbanker gilt als sehr wahrscheinlich, da die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien vorerst nicht zu überblicken sind. Allem Anschein nach werden nur die negativen Folgen von den Brexit-Gegnern thematisiert, und eine positive Herausstellung von den Vorteilen einer Mitgliedschaft findet nicht statt.

Man darf gespannt sein, ob auch in diesem Fall wieder die Notenbanker die eigentliche Arbeit der vom Volk gewählten Vertreter übernehmen und die Vorteile beim Namen nennen. Sicherlich wird sich die BoE mit entsprechenden Maßnahmen darauf vorbereiten, sollte es am kommenden Donnerstag, dem Tag der Wahrheit, zu großen Marktturbulenzen kommen. So könnte auch die Wiederbelebung des bestehenden QE-Programms eine Option sein. Die Bekanntgabe eines solchen Beratungsergebnisses würde sicherlich im Vorfeld des Referendums einer Beruhigungspille für die Finanzmärkte gleichkommen.

Bundesbank will USA bei IWF-Finanzierung wieder ins Boot holen

Die Bundesbank will dem Internationalen Währungsfonds (IWF) demnächst auslaufende Kredite nicht so ohne weiteres verlängern. Von Oktober an laufen nach und nach bilaterale Kreditlinien zwischen dem Fonds und seinen Mitgliedsländern im Umfang von 430 Mrd. USD aus. Der Betrag war von den Zentralbanken mehrerer Industriestaaten dem IWF während der Hochphase der Eurokrise für Notfälle zur Verfügung gestellt worden.

Dem IWF wäre es nun am liebsten, wenn diese Gelder einfach verlängert würden. Dieser Wunsch stößt aber bei der Bundesbank auf wenig Gegenliebe. Die aktuelle Ressourcenausstattung des Fonds sei recht komfortabel, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem „Handelsblatt”. Immerhin waren die regulären Mittel für den Fonds erst kürzlich erhöht worden. Zusammen mit Mitteln aus regulären Kreditvereinbarungen verfügt der IWF über 930 Mrd. USD Eigenkapital, von denen 650 Mrd. USD für weltweite Kriseneinsätze sofort verfügbar sind.

Die Bundesbank, welche sich mit 41,5 Mrd. € an den bilateralen Krediten beteiligt hatte, will den Fonds nach eigenen Worten nicht knapp halten. Sie will aber lieber die regulären Mittel, also die Quoten, die jedes Mitgliedsland aufbringt, weiter erhöhen. Dadurch wären auch die USA, der größte IWF-Aktionär, wieder mit von der Partie. Schließlich waren die bilateralen Kredite nur deshalb gewährt worden, weil die USA fünf Jahre lang eine Quotenerhöhung blockiert hatten. Weil dies nun nicht mehr der Fall ist, will die Bundesbank wieder zurück zu regulären Finanzierungsmitteln. Es handelt sich also eigentlich nicht um einen Streit zwischen IWF und Bundesbank, sondern um den Versuch der Bundesbank die USA bei der IWF-Finanzierung wieder stärker ins Obligo zu nehmen.

China pocht auf Status einer Marktwirtschaft

Die Volksrepublik China will von der EU als Marktwirtschaft anerkannt werden. Dieser Status war dem Reich der Mitte in einem vor 15 Jahren geschlossenen Vertrag in Aussicht gestellt worden. Nun drohen die Chinesen, falls China die Anerkennung verweigert wird, könnte dies in einen Handelskrieg münden.

Hintergrund des Disputs ist der Umstand, dass die Gewährung des Marktwirtschaftsstatus‘ China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen würde, die unter anderem in der Stahlkrise relevant geworden sind. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte dem „Spiegel“ gesagt, China könne den Status einer Marktwirtschaft erst erhalten, wenn es sich auch so verhalte. Peking beruft sich bei seiner Forderung auf Artikel 15 des Vertrags für den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) von 2001, in welchem dem Land für Dezember 2016 die Anerkennung als Marktwirtschaft versprochen worden ist.

Ob sich die EU rein rechtlich der vertraglichen Zusage wird entziehen können, ist fraglich, auch wenn die EU-Abgeordneten im Mai wegen chinesischer Billigimporte gegen eine Einstufung Chinas als Marktwirtschaft votiert hatten.

Griechenlands Zentralbank macht Druck

Obwohl in den vergangenen Wochen immer nur noch nach Großbritannien geblickt wird, ist auch an der „Großbaustelle Griechenland“ weiterhin nicht alles zum Besten gerichtet. Eigentlich könnte man auch konstatieren: „Alles beim Alten“. Doch die Zeit drängt, denn Griechenland ist auf die Auszahlung von 10,3 Mrd. € angewiesen. Die in diesem Zusammenhang von den Gläubigern geforderten Steuererhöhungen sieht der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras als das größte Risiko für die bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogene hellenische Wirtschaft an. So wird auch für das laufende Jahr von einer Schrumpfung des BIPs um 0,3% ausgegangen. Jede Steuererhöhung, jede Verzögerung bei Reformvorhaben und Privatisierungen lässt die Zuversicht an ein Überwinden der Krise schwinden.

Aus diesem Grund wird inzwischen seitens der griechischen Notenbank vehement ein Entgegenkommen der europäischen Partner in Form von Schuldenerleichterung und einer geringeren Vorgabe beim Überschuss des Primärhaushalts gefordert. Die bisher von Griechenland geforderten 3,5% werden nur von wenigen Euroländern selbst erreicht, weshalb eine Reduzierung auf 2% zumindest aus Sicht Athens rechtens erscheint.

Diese Forderung kommt aus Sicht der EU-Staaten zu einer Unzeit, denn im Falle einer Zersplitterung der Europäischen Union wären die Pakete der einzelnen Mitgliedsländer nicht nur neu zu schnüren, sondern auch nicht unwesentlich schwerer.

Zweite Reihe feiert Euro-Anleihen Debüt

Das aktuell historisch tiefe Zinsumfeld und die Ankündigungen der EZB, nun auch in großem Stil Corporate Bonds anzukaufen, ermutigt auch den ein oder anderen bisher unbekannteren Emittenten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen.

So unter anderem auch Southern Power. Der US-amerikanische Versorger debütierte in Euro und emittierte gleich einen Anleihen-Doppelpack mit 1,1 Mrd. €. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe (A1828W) im Gesamtvolumen von 600 Mio. €. Die nominale Verzinsung beträgt 1% p.a. bis zum Laufzeitende am 20.06.2022. Der Ausgabepreis lag bei 99,342% (+105 bps über Mid Swap). Das zweite Papier (A1828X) ist 500 Mio. € schwer und bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,85% bis zur Fälligkeit am 20.06.2026. Ausgegeben wurde die Anleihe zu 99,855% und somit bei +140 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen entschied sich das Unternehmen zur Festschreibung der Mindeststückelung auf 100.000 € und eines vorzeitigen Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Ebenso aktiv war das amerikanische Bekleidungsunternehmen PVH Corporation und legte eine 8-jährige 350 Mio. € schwere Anleihe (A183EC) mit Laufzeitende am 15.07.2024 auf. Der Investor erhält eine Verzinsung in Höhe von 3,625% jährlich. Die Anleihe wurde zu 100% emittiert (+386 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei dieser Anleihe wurde die Mindeststückelung von 100.000 € durch den Emittenten gewählt.

Aber nicht nur neue Emittenten nutzen die Gunst der Stunde. Die auch bei vielen Privatanlegern bekannte Otto GmbH & Co KG hat sich ebenfalls zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt entschieden. Hierbei wurde eine am 16.06.2023 fällige Anleihe (A2AAWQ) im Volumen von 250 Mio. € aufgelegt. Die jährliche Verzinsung beläuft sich auf 2,5% und bei einem Ausgabepreis von 99,21% ergab sich ein Emissionsspread von +245 bps über Mid Swap. In diesem Falle wurde neben der inzwischen weit verbreiteten Make-Whole-Option auch die bei Privatanlegern beliebte Mindeststückelung von 1.000 € gewählt.

Ziel erreicht! Und nun?

Es ist vollbracht. Sicherlich hat am Dienstag unser Finanzminister Wolfgang Schäuble in seiner schwäbischen Heimat ein „Viertele“ auf das Erreichen bzw. kurzzeitige Unterschreiten der Nulllinie bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen getrunken. In der Spitze notierte das Sorgenbarometer bei 165,61% und wurde im Zuge der Brexit-Diskussion seiner in der europäischen Finanzkrise verliehenen Bezeichnung gerecht.

Nach Erreichen der in Aussicht gestellten Ziellinie fragen sich allerdings jetzt alle Marktbeobachter: „Und nun?“ Die Beantwortung dieser Frage ist aber nicht eindeutig möglich, da zu viele unbekannte Größen die Lösung der Gleichung verhindern. Das ist in der Mathematik auch nicht anders. Doch ist mit einem kräftigen Anstieg der Zinsen auch in naher Zukunft nicht zu rechnen, da die Notenbanken weiterhin u.a. durch das Ankaufprogramm für eine künstliche Nachfrage sorgen und so die Renditen -aus Sicht der Investoren- im „Würgegriff“ haben. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf das anstehende EU-Referendum verwiesen, dessen Ausgang zu Verwerfungen führen und massive Interventionen seitens der Notenbanken auf den Plan rufen wird.

In solchen Zeiten bietet die Chartanalyse eine Möglichkeit, neutral den Kursverlauf des Euro-Bund-Future zu bewerten. Hieraus ergibt sich eine erste Unterstützungslinie bei 165,10%. Sollte das Rentenbarometer allerdings unter die psychologisch wichtige Marke von 165% fallen, so ist eine Korrektur bis in den Bereich von 164,20% möglich. Nach oben wird vorerst der bisherige Höchstkurs bei 165,61% das Maß aller Dinge bleiben. Aktuell notiert der September-Kontrakt bei 165,38%.

Eurostaaten stocken 11 Altemissionen auf

In dieser Woche zeigten sich die Eurostaaten Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien am Kapitalmarkt präsent und stockten diverse Altemissionen auf. Hierbei ist besonders das Auftreten Finnlands, welches das Volumen der 10-jährigen Anleihe (A18YM5) um 1 Mrd. € zu einer Rendite von 0,311% auf insgesamt 5 Mrd. € erweiterte, zu nennen. Deutschland konnte im gleichen Laufzeitsegment das bisherige Emissionsvolumen um 4 Mrd. € auf insgesamt 26 Mrd. € erhöhen. Hierbei erfolgte die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe (lediglich Gebote für 3,656 Mrd. €) zu einer Durchschnittsrendite von 0,005%.

In den USA wurden in dieser Handelswoche nur Geldmarkttitel den interessierten Investoren zum Kauf angeboten. Das Gesamtvolumen von 102 Mrd. USD ergibt sich durch T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen für 45 Mrd. USD, von 3 Monaten für 31 Mrd. USD und von 6 Monaten für 26 Mrd. USD. In der kommenden Woche dürfen sich Anleger sogar der gesamten Angebotspalette (4 Wochen bis 30 Jahre als TIPS) erfreuen.

Wechselnde Pole-Position bei EUR/USD

Die Europameisterschaft in Frankreich läuft bereits seit fast einer Woche und die bisherige Erkenntnis lautet: Die Favoriten mühen sich ab und die Underdogs sorgen für die eine oder andere Überraschung.

Am Devisenmarkt hingegen bleiben größere Überraschungen noch aus. So ist beim Währungspaar EUR/USD momentan kein eindeutiger Favorit auszumachen. War in der Vorwoche der europäische Part noch klar auf der Siegerstraße, so sieht das Bild in dieser Woche wiederum ganz anders aus. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel in den vergangenen Handelstagen von ihrem Hoch bei 1,1415 USD bis auf 1,1186 USD zurück. Starke Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz stützten den US-Dollar und setzten den Euro unter Druck. In der Woche zuvor waren es noch schwache US-Arbeitsmarktdaten, die für ein gänzlich umgekehrtes Kursbild sorgten. Aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten bleibt die Stimmung angespannt und nervös. So wird sich beim europäisch/amerikanischen Devisenpaar womöglich noch mehrfach die Pole-Position ändern. Nach der gestrigen nicht erhellenden FOMC-Sitzung handelt der Euro heute Morgen bei 1,1275 USD.

Im Vorfeld der Abstimmung Großbritanniens zum Verbleib in der EU meiden die Anleger größtenteils das britische Pfund. Daher verbilligte sich das Pfund-Sterling gegenüber dem Euro und notierte zuletzt bei 0,7965 GBP, nachdem Ende Mai noch Devisenkurse von 0,7573 GBP festgestellt wurden.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds, aber auch Anleihen auf australische Dollar, norwegische Kronen und brasilianische Real fanden ihre Käufer.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

EZB-Programm sorgt für Verzerrung des Wettbewerbs

Der Start des EZB-Kaufprogramms für Unternehmensanleihen, das am gestrigen Mittwoch begann, hat seine Schatten längst vorausgeworfen. Schon im Vorfeld waren die Renditen von Corporate Bonds aufgrund der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zurückgegangen. So fiel der durchschnittliche Ertrag bei risikoarmen Anleihen mit Investment Grade laut Reuters am Montag auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Von dieser Marktentwicklung profitierten aber auch Anleihen von als risikoreicher eingestuften Emittenten. So rentiert ein Corporate Bond von Rheinmetall (A1EWSC) mit Laufzeit 9/2017 mit rund 0,40% und ein 8/2018 fälliger Titel von Thyssen-Krupp (A1R08U) wirft nur noch ca. 1,10% ab.

Klar ist, dass die EZB mit ihrer Entscheidung, neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen anzukaufen, massiv in das Spiel der Marktkräfte der Realwirtschaft eingreifen wird. Damit betreibt die Notenbank tatsächlich ihre eigene Version von Industriepolitik. Denn mit dem Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) wird sie zu einem der größten Investoren in Europa. Dies hat eine ganze Reihe von offenen Fragen zur Folge. Führt das Programm etwa zur unverhältnismäßigen Emission weiterer Corporate Bonds, was letztlich zu einer Schuldenblase beitragen könnte? Werden die Unternehmen das Geld in riskantere Geschäfte stecken, die sie ohne die Nachfrage der EZB gar nicht gemacht hätten?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Unternehmensanleihen in welchen Ländern und Branchen die EZB anzukaufen gedenkt. Es ist aufgrund der Komplexität der Märkte fast schon zwangsläufig, dass dies zu Verzerrungen des Wettbewerbs führen wird. Hinzu kommt, dass die Intensität der Finanzierung über Unternehmensanleihen in den Euroländern unterschiedlich ausgeprägt ist. Während Corporates in Frankreich sehr verbreitet sind, verschulden sich in Italien nur wenige Firmen am Bondmarkt. Wie weit die EZB den Rahmen ihres Programms steckt, zeigt auch der Umstand, dass die Muttergesellschaft des Emittenten, von dem Corporates angekauft werden, nicht zwingend im Euroraum sitzen muss.

Noch ist nicht klar, wie umfassend das CSPP ausfallen soll. Die Rede ist von immerhin 5 bis 10 Mrd. € pro Monat bei vermutlich 9 Monaten Laufzeit. Bei einer angenommenen Marktgröße von 700 Mrd. €, wie ihn die Deutsche Bank taxiert, würde die Notenbank mit Sicherheit zum größten Investor am europäischen Markt für Corporates aufsteigen. Hinweise zur weiteren Beurteilung des Programms liefert die EZB am 18. Juli, wenn sie erstmals Namen von den Emittenten nennen will, deren Titel sie bis dahin gekauft hat.

Anleihen in Fremdwährung sagen die Wahrheit

Seit Mario Draghi mit seiner legendären Ankündigung „What ever it takes“ im Jahre 2014 den Eurostaaten verbal unter die Arme gegriffen hat, ist viel passiert. Die Renditen in der Eurozone sind inzwischen auf ein Rekordtief gesunken und spiegeln sicherlich nicht mehr die damit verbundenen Risiken wider. So hat sich das Renditeniveau der 10-jährigen Anleihen innerhalb von 2 Jahren drastisch reduziert - in Frankreich von 2,217% auf 0,399%, in Italien von 3,432% auf 1,384%, in Spanien von 3,369% auf 1,422% und in Portugal von 4,577% auf 3,026%.

Wenn man sich diese Veränderungen anschaut, könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Märkten mit ihrer „Unbedenklichkeitserklärung“ die Richtung vorgegeben hat und alle Investoren, ohne ein schlechtes Gefühl zu haben, dies nicht mehr hinterfragen. Doch weit gefehlt, denn die Ankündigung hat in dieser Dimension nur die Renditen der Staatsanleihen, die auf Euro lauten, bewegt. Anleihen europäischer Wackelkandidaten, welche in anderen Währungen begeben wurden, werden unabhängig vom Renditeniveau nicht angekauft und geben somit ein realistisches Bild der Risikobewertung durch die Investoren ab.

So rentiert zum Beispiel eine portugiesische Staatsanleihe auf Euro und mit Fälligkeit 2024 (A1HKUP) aktuell mit ca. 2,80%. Die auf USD lautende Anleihe Portugals mit vergleichbarer Laufzeit (A1ZLWS) rentiert allerdings bei ca. 4,95%, was wiederum einen Aufschlag gegenüber US-Notes von +3,4 Prozentpunkten bedeutet. Eine belgische Anleihe (A1ZP0B) in USD mit vergleichbarer Endfälligkeit wirft aber nur 1,90% an Rendite ab. Das bedeutet gegenüber der amerikanischen Zinskurve lediglich einen Aufschlag von 0,3 Prozentpunkten.

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man eine Staatsanleihe Polens in USD, die ebenfalls im Jahre 2024 endfällig wird (A1VEF0), mit der portugiesischen Staatsanleihe vergleicht. Ohne die erhöhte Nachfrage seitens der EZB kann hierbei Polen mit einer Rendite von 2,84% und einem Aufschlag gegenüber amerikanischen T-Notes von +1,25 Prozentpunkten auf deutlich bessere Werte seitens der Investoren verweisen als Portugal mit seinen 4,95% Rendite. Sprich, Polen wird als vertrauenswürdiger eingeschätzt als Portugal.

Fazit: Wenn auch die EZB mit ihrem Ankaufprogramm die Finanzmärkte der Eurozone massiv beeinflusst, so ist der Einfluss auf Anleihen der gleichen Emittenten in anderen Währungen begrenzt. Oder anders ausgedrückt, Anleihen von Ländern der Eurozone, die nicht in Euro begeben wurden, sagen die Wahrheit, weil keine direkte Beeinflussung erfolgt.

EZB-Politik vor weiterer Nagelprobe

Ein Datum, das gut zu dem jüngsten Ankaufprogramm der EZB passt, ist der 21. Juni. An diesem Tag steht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum OMT-Programm (Outright Monetary Transactions) der EZB an. Die Karlsruher Richter befinden dabei über die Frage, ob die Bundesbank sich an der unbegrenzten Deckungszusage beteiligen darf, welche die EZB vor vier Jahren den Käufern von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer gegeben hat.

Wenn es nach der von der EZB geschaffenen Logik geht, brauchen Investoren die Pleite eines Landes, dessen Papiere sie erworben haben, nicht mehr zu fürchten. Denn bevor das Land in Konkurs geht, kauft die Notenbank die Schulden auf. Ein Antrag beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) genügt. Damit übernehmen die Steuerzahler der stabilen Euroländer das Konkursrisiko der Krisenländer.

Am 21. Juni geht es nun darum, ob die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bereits abgesegnete Regelung mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist oder ob nicht das Budgetrecht des Bundestags ausgehöhlt wird. Zwei Tage vor dem Votum über den Brexit stellt diese Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die EZB-Politik vor eine erneute Nagelprobe.

Umlaufrendite sackt in roten Bereich

Die Umlaufrendite der Bundesanleihen ist zum Wochenstart erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Am Montag fiel der Wert auf -0,02% und am gestrigen Mittwoch sogar auf -0,05%. Analog hierzu erreichte der Euro-Bund-Future neue Höchststände.

Die Umlaufrendite, die auch Sekundärmarktrendite genannt wird, ist die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, inländischen festverzinslichen Wertpapiere erster Bonität mit einer Restlaufzeit von 3 bis 30 Jahren - also vor allem Staatsanleihen.

Die Spanne der Renditen deutscher Staatsanleihen reicht von minus 0,525 % bei einer Laufzeit von einem Jahr bis zur Rendite von minus 0,03 % bei neunjähriger Laufzeit. Erst ab einer Laufzeit von 10 Jahren rentieren „Bunds“ wieder leicht positiv. Dies ist am Beispiel eines bis 2/2026 laufenden Bundestitels (WKN: 110239) abzulesen, der mit rund 0,05% rentiert. Eine Bundesanleihe (113527) mit einer Laufzeit von mehr als 20 Jahren (Fälligkeit 1/2037) wirft derzeit eine Rendite von ca. 0,51% ab.

Wider die gemeinsame Einlagensicherung

Der Widerstand aus Deutschland gegen die geplante europäische Einlagensicherung wächst. Während die EZB-Bankenaufsicht darauf drängt, sie zügig durchzusetzen, springen nun zehn hiesige Wirtschaftsverbände, darunter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH), den deutschen Banken und Sparkassen in ihrem Kampf gegen eine gemeinsame Einlagensicherung zur Seite. Auch die Bundesbank warnt ja schon seit geraumer Zeit vor dem Schritt.

Sicher, die Bankenunion ist mit Einführung einer gemeinsamen Aufsicht und einem Absicherungsfonds für Banken ordentlich vorangekommen. Und nun soll bis zum Jahr 2024 mit dem gemeinsamen Sparerschutz nach dem Willen der EU-Kommission der Bankenunion die Krone aufgesetzt werden. Die Kritik aus Deutschland an dem Unterfangen speist sich vor allem aus dem Umstand, dass es einen gemeinsamen Topf zur Absicherung nur geben kann, wenn für alle Banken dieselben Regeln gelten, was noch lange nicht der Fall ist. Die Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben hierzulande jeweils eigene Sicherungssysteme selbstverantwortlich aufgebaut, die nicht zur Entschädigung bei Bankpleiten in anderen Ländern herangezogen werden dürfen. Da wäre eine rote Linie überschritten, die sich deutschen Anlegern nicht vermitteln ließe. Denn eine zentralisierte Einlagensicherung würde weit über das Ziel hinausschießen und zu einer unkontrollierten Transferunion führen. Die Entkoppelung von Haftung und wirtschaftlicher Verantwortung wäre fatal.

Ein europäisches Einlagensicherungssystem könnte auch zu einer Vermischung von guten und schlechten Risiken führen. Es würde die Gefahr bestehen, dass finanzschwächere Banken versuchen, die Lasten auf den gemeinsamen Topf abzuwälzen, was wiederum zu erhöhter Unsicherheit in anderen Euroländern führen könnte. Das Ziel der Euro-Bankenaufsicht, mit der Vollendung der Bankenunion für mehr Sicherheit zu sorgen, wäre konterkariert.

Janet Yellens Worte auf der Goldwaage

Momentan schießen im Vorfeld jeder Sitzung der US-Notenbank (Fed) die Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung ins Kraut. Dazu tragen immer wieder Überinterpretationen der Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen bei, deren Worte viele Marktbeobachter auf die Goldwaage legen.

Wie Yellen nun diese Woche sagte, hält sie nach wie vor eine graduelle Anhebung des Leitzinsniveaus von derzeit zwischen 0,25% und 0,5% für „wahrscheinlich angemessen“, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung weiter günstig erweise. Damit hat sie eine zeitliche Festlegung wie noch vor rund zwei Wochen weggelassen, als sie sagte, eine Anhebung sei „in den nächsten Monaten wahrscheinlich angemessen“.

Aufgrund der bisherigen Kommentare aus dem Fed-Umfeld konnte man eine Zinsanhebung für die Sitzung im Juni oder Juli erwarten. Nun scheint Yellen den zeitlichen Horizont wieder zu weiten. Unter anderem gilt es, die Entscheidung über den Brexit am 23. Juni, vor dem die Fed-Chefin warnt, abzuwarten. Auch angesichts der wirtschaftlichen Beziehungen mit China ist es gegebenenfalls wichtig, das Pulver trocken zu halten. Und je mehr man sich mit der Entscheidung dem November nähern sollte, desto vorsichtiger gilt es zu taktieren. Denn dann stehen in den USA Präsidentschaftswahlen an.

Versorger nehmen den Markt in Anspruch

Von den aktuell niedrigen Rekord-Minirenditen beflügelt, hat sich Tennet Holding dazu entschlossen, eine Dualtranche an neuen Bonds zu begeben. Die Investoren versorgten das Unternehmen mit frischem Kapital von insgesamt 1 Mrd. €, hälftig verteilt auf beide Emissionen. Bei der ersten Tranche handelt es sich um eine 10-jährige Anleihe (A182UP) mit jährlichem Kupon in Höhe von 1% bis zum Laufzeitende am 13.06.2026. Die Anleihe wurde mit +52 bps über Mid Swap bzw. zu 99,764% begeben. Bei der zweiten Tranche handelt es sich um eine 20-jährige Anleihe (A182UQ). Der Investor erhält hier eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,875% bis zur Endfälligkeit am 13.06.2036. Der Ausgabepreis lag bei 98,28% (Mid Swap +98 bps).

Auch der Immobilien-Finanzierer Vonovia Finance ließ sich mit einem Doppelpack im Gesamtvolumen von 1 Mrd. € am Markt blicken. Beide Anleihen besitzen ein identisches Emissionsvolumen von 500 Mio. €. Bei der ersten Anleihe (A182VS) handelt es sich um eine 6-jährige Anleihe mit einer Nominalverzinsung von 0,875% über die gesamte Laufzeit. Die Anleihe wurde zu 99,53%, was einem Emissionsspread von +87 bps über Mid Swap entsprach. Der zweite Bond (A182VT) bietet dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,5% bis zum Ende der Laufzeit am 10.06.2026. Das Pricing erfolgte zu 99,165% und somit bei +108 bps über Mid Swap.

Alle hier beschriebenen Bonds verfügen über ein optionales Kündigungsrecht zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option). Weiterhin haben sich die Emittenten jeweils für die Mindeststückelung von 100.000 € entschieden.

Die Null sehen und ….. ?

Diese Frage stellen sich aktuell alle Marktbeobachter, haben aber keine Antwort darauf. Rollover-Phasen sind immer etwas ganz Besonderes, aber in diesem Fall wurde fast unbemerkt ein neues Renditetief markiert. Das ist durch den geringeren Wert des September-Kontrakts nicht so deutlich geworden und es fehlt nur noch ein kleiner Schritt bis zur Null-Linie bei deutschen 10-jährigen Staatsanleihen. Momentan notiert das Rentenbarometer bei 164,54%. Die 165%-Marke hatten wir bereits im Juni-Kontrakt überschritten, aber im neuen Kontrakt reicht ein Wert bei ca. 165%, um das für Unmöglich gehaltene zu erreichen, die Null-Linie.

Doch was passiert dann? Sicherlich ist nicht auszuschließen, dass dieses niedrige Renditeniveau uns noch zwangsweise einige Monate, vielleicht auch Jahre begleiten wird. Allerdings ist allen Marktteilnehmern klar, wie das Ende aussehen wird, nur weiß niemand, wann es soweit ist.

Aus diesem Grunde wird oftmals die Charttechnik zu Rate gezogen. Dabei wird deutlich, dass der Bereich um die psychologische Marke von 165%, die identisch mit der Nullgrenze ist, eine Widerstandslinie darstellt. Nach unten ergibt sich in dem jüngsten Aufwärtstrend (seit Ende April) zuerst bei ca. 163,50% (diverse Hochs und Tiefs im Mai/Juni) eine kleine Unterstützung, die zusätzlich von der unteren Aufwärts-Trendkanallinie, die aktuell bei 162,92% verläuft, abgesichert wird.

Zumindest die Finanzminister sind glücklich

In den USA kehrte man in dieser Woche zur Normalität zurück und refinanzierte mittels Geld- und Kapitalmarkt insgesamt 153 Mrd. USD. Davon wurden 97 Mrd. USD als T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten offeriert. Die restlichen 56 Mrd. USD wurden als T-Notes mit einer Fälligkeit in 3 bzw. 10 Jahren sowie als 30-jährigen T-Bonds aufgelegt.

In Euroland war das Verlangen nach frischem Geld mit insgesamt 14 Mrd. € wesentlich geringer, wobei die Niederlande einen neuen Bond auflegte (A1VPZX / 2022). Darüber hinaus stockten neben Deutschland auch Österreich (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026) und Portugal (A0DY6V / 2021 ; A1ZU1M / 2025) Altemissionen auf. In Deutschland wurde hierbei zum einen das Emissionsvolumen der inflationindexierten Anleihe (103056 / 2026) um 1 Mrd. € auf insgesamt 7,5 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung der überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,81%. Zum anderen wurden auch die aktuellen 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110464 / 2018) um 5 Mrd. € auf insgesamt 10 Mrd. € aufgestockt. Hierfür lagen Zeichnungsaufträge für insgesamt ca. 6,5 Mrd. € vor und die Zuteilung wurde bei einer Durchschnittsrendite von -0,55% vorgenommen. Somit wurde auch in diesem Laufzeitsegment ein neuer Rendite-Tiefpunkt markiert.

Der Greenback musste Federn lassen

Am Freitag geht’s endlich los, die europäische Elite trifft sich in Frankreich. Dabei geht es aber nicht um die geldpolitische Ausrichtung Europas, sondern um Fußball. Es wird ein neuer Europameister gesucht. Im Vorfeld der EM versuchen viele Marktteilnehmer ihr Fachwissen in Tipprunden unter Beweis zu stellen.

Doch die wenigsten hätten wohl am vergangenen Freitag darauf getippt, dass der US-Arbeitsmarktbericht so überraschend schlecht ausfällt. Die doch sehr schwachen Daten hinterließen ihre Spuren am Devisenmarkt. Die europäische Gemeinschaftswährung schoss katapultartig bis auf 1,1374 USD in die Höhe, nachdem sie kurz zuvor noch bei ca. 1,1150 USD gehandelt wurde. Dieses Niveau wurde auch zum Wochenauftakt gehalten und nach einer Rede von Fed-Chefin Janet Yellen stieg der Eurokurs inzwischen sogar auf 1,1415 USD, den höchsten Stand seit Mitte Mai. Die Ungewissheit über die weiteren Zinsschritte der US-Notenbank Fed sorgt für einen schwachen US-Dollar und beflügelt gleichzeitig die gemeinsame Währung Europas. Heute Morgen handelt der Euro um die Marke von 1,1395 USD.

Etwas anders präsentiert sich der Euro im Vergleich zum Neuseeland-Dollar. Notierte der Euro noch Anfang Mai bei 1,6932 NZD, so zeigte sich die Kiwi-Währung in den vergangenen Wochen ziemlich robust und handelt nach dem heutigen Zinsentscheid aktuell bei 1,5965 NZD.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche Anleihen auf südafrikanische Rand, brasilianische Real und norwegische Kronen im Fokus, aber auch US-Dollar-Bonds wurden verstärkt nachgefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

Ein heißer Juni steht uns bevor

In den vergangenen Tagen wurde den Menschen in Deutschland von der Natur sehr deutlich demonstriert, welche Urgewalten in ihr stecken. Binnen kürzester Zeit wurde in manchen Ortschaften über Jahrzehnte aufgebaute Infrastruktur zerstört. Wer bisher immer gedacht hat, dass sich solche Katastrophen in unseren Breitengraden nicht ereignen könnten, wurde eines Besseren belehrt. Verantwortlich hierfür war unter anderem eine hoch explosive Wetterlage, wie sie sich im übertragenen Sinn im Monat Juni auch an den Finanzmärkten einstellt. Ob die Auswirkung in ähnlicher Art und Weise verheerend sein wird, zeigen die nächsten Wochen. Aber bereits jetzt ist zu prognostizieren, dass uns ein „heißer“ Juni bevorsteht.

Gleich zu Beginn des Monats überprüft am heutigen Donnerstag der Zentralrat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Wien die aktuelle geldpolitische Ausrichtung, um sie gegebenenfalls anzupassen. Dies wird zwar kein „Null-Event“, aber die Beschlüsse sollten den Markterwartungen entsprechen. Ganz anders verhält es sich bei der für den 15. Juni anberaumten Sitzung der amerikanischen Notenbank (Fed). Dort ist aufgrund der bisherigen Kommentare aus dem Fed-Umfeld eine Zinsanhebung auf dieser oder der nächsten Sitzung im Juli zu erwarten.

Auch brisante wirtschaftliche und politische Entscheidungen werden im Juni-Finanzmarkt-Thriller eine Hauptrolle spielen. So werden am Tag des OPEC-Treffens in Wien auch die US-Arbeitsmarktdaten bei den Börsianern Beachtung finden.

Doch das Hauptaugenmerk liegt im Juni auf dem Ausgang des „Brexit“-Referendums in Großbritannien am 23. des Monats. Abgerundet wird dieser ereignisreiche Monat noch von den Parlamentswahlen in Spanien am 26. Juni sowie den allen finanzmarktaffinen Marktteilnehmern bekannten Themen wie „Griechenland und das fehlende Geld“, „Flüchtlingskrise und die Rolle der Türkei“, „Frankreich und seine Streikbereitschaft“ und nicht zuletzt den Endspurt zur Nominierung des Kandidaten Trump für den anstehenden Kampf um das Weiße Haus in Washington.

Ach ja, und fast hätte man es vergessen, die Fußball-Europameisterschaft beginnt auch noch in diesem Monat, mit ebenfalls ungewissem Ausgang wie das Referendum in Großbritannien, das an einem spielfreien Wochentag stattfinden wird. Von den Planern des sportlichen Großereignisses wurde den Investoren sogar am Folgetag die Ablenkung genommen, so dass erst am 25. Juni der Sport wieder zum Thema wird.


EZB im Standby-Modus

Heute ist es wieder soweit. Die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) – unter dem Vorsitz von Mario Draghi – treffen sich in Wien, um die neuen geldpolitischen Rahmenbedingungen festzulegen. Eine Zinsanpassung oder etwas Ähnliches wird zwar nicht erwartet, aber gewisse Klarstellungen bzw. Erläuterungen zu bereits angekündigten Maßnahmen sind überfällig.

So wird „Super Mario“ sicherlich auf seine bisher erfolgreiche Geldpolitik verweisen und zugleich betonen, dass der Munitionsgürtel weiterhin noch gut bestückt ist. Details wird er aber verschweigen! Zusätzlich ist es an der Zeit, sich zu einem konkreten Starttermin für den bereits im März beschlossenen Ankauf von Unternehmensanleihen und auch zu dem am 24. Juni anstehenden langfristigen Refinanzierungsgeschäft zu äußern.

Überraschen könnte der EZB-Präsident die von seinen Lippen ablesenden Marktteilnehmer lediglich mit einer Ausnahmeregelung für griechische Staatsanleihen und anderer vom Staat garantierter Anleihen. Doch dazu ist es noch zu früh, denn Griechenland ist noch lange nicht über’ n Berg.


Schwere Zeiten für Privatanleger jetzt auch bei Corporate Bonds

Am 10. März hatte die Europäische Zentralbank beschlossen, ab Juni 2016 Euro-Unternehmensanleihen in ihr Anleiheankaufprogramm einzubinden. Dies gilt auch für solche, die nur bei einer der vier international bedeutenden Ratingagenturen ein Investment-Grade-Rating erhalten haben. Darunter fallen auch Hochzinsanleihen. Die EZB erweitert damit ihren Spielraum für Marktinterventionen erheblich und begeht einen weiteren Tabubruch.

Die Notenbank leiht dadurch den Firmen nicht nur Geld, was ordnungspolitisch problematisch erscheint, sondern wird auch auf einem Feld tätig, wohin Anleger bisher vor den niedrigen Zinsen flüchteten, um unter Umständen noch eine einigermaßen ordentliche Rendite zu erzielen.

Je nachdem, wie stark sich die EZB in diesem Segment engagieren wird, droht nach dem Markt für Staatsanleihen und Covered Bonds auch der für Corporate Bonds - zum Nachteil der privaten Investoren - auszutrocknen. Natürlich sind die Renditen für Corporate Bonds längst gesunken, dennoch galten sie bisher bei Privatanlegern als Alternative. Die effektive Verzinsung dieser Gattungen wird aber durch die höhere Nachfrage der Zentralbank weiter sinken.

In Erwartung der EZB-Aktivitäten hat diese Entwicklung schon eingesetzt, so dass die Kurse tendenziell anziehen und die Renditen schrumpfen. So rentiert im Moment etwa eine Anleihe von Thyssen-Krupp (A1R08U), die bis 8/2018 läuft, mit rund 1,19%. Der Kurs steht bei ca. 106,15% nach 102,90% noch im Januar. Auch ein Corporate von Bilfinger SE (A1R0TU) hat die Tendenz nach oben und notiert bei 102,65% nach seinem Jahrestief von 93,90% im Juli 2015. Die Rendite des bis 12/2019 laufenden Titels ist im Zuge des jüngsten Kursanstiegs auf ca. 1,59% gesunken. Noch deutlicher wird die Entwicklung bei einer Strabag-Anleihe (A1ZVMF), die 2/2022 fällig wird, und mit 103,40% auf Allzeithoch notiert und eine Rendite von ca. 1% aufweist.


Der Umgang mit dem griechischen Patienten:
Augen zu und durch

Die Euroländer haben mit ihrem Beschluss von Ende Mai, der griechischen Regierung die weitere Auszahlung einer Kredittranche über 10,3 Mrd. € zu gewähren, wieder mal Zeit gewonnen. Im Grunde wurden die Probleme aber nur in die Zukunft verschoben, denn strukturell hat sich in Hellas nichts verbessert. Im Gegenteil, da ist zunächst der Internationale Währungsfonds (IWF), der sich bisher an dem dritten Hilfspaket über 86 Mrd. € nicht mit einem Cent beteiligt hat. Den Schuldenschnitt, auf den der IWF drängt, will man in Berlin vor der Bundestagswahl 2017 partout verhindern – ganz nach dem Motto: Augen zu und durch. Da ist aber auch ein Steuersystem, das aktuell 87 Mrd. € Steuerschulden der griechischen Bürger aufweist, was laut IWF einen europäischen Rekord darstellt. Demnach zahlen die Griechen von 100 € Steuerausstand nur noch 45 € - ein Wert, der sich seit Krisenbeginn 2010 eher noch verschlechtert hat.

Gleichzeitig haben vor allem griechische Staatsbeamte den frühzeitigen Ruhestand beantragt, um der geplanten Rentenkürzung der Regierung Tsipras zuvorzukommen. So ist die Zahl der Rentenanträge von Staatsbeamten in diesem Jahr auf 40.000 gestiegen und könnte sich zum Jahresende noch verdoppeln. Athen hatte mit den Gläubigern eine Art Bestandsschutz für bestehende Rentenzahlungen ausgehandelt.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Hellas im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt. So ist Griechenland in dem vom Schweizer International Institute for Management Development (IMD) jährlich gemessenen Ranking der Wettbewerbsfähigkeit von Platz 50 auf 56 zurückgefallen - und liegt damit auf der Höhe von Venezuela und der Mongolei.


Brexit-Entscheid auf des Messers Schneide

Der Ausgang der Abstimmung über einen so genannten Brexit, also den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, am 23. Juni ist völlig offen. Zwei neue Meinungsumfragen des Instituts ICM ergaben einen Vorsprung der Austrittsbefürworter von 47 zu 44 Prozent. Dagegen sieht die wöchentliche „Daily Telegraph”-Umfrage die EU-Anhänger weiter in Führung, allerdings mit rückläufigen Werten. Demnach wäre eine Mehrheit von 51 Prozent für den Verbleib in der EU. Auf der anderen Seite wären 46 Prozent für einen Austritt. Der Vorsprung der EU-Anhänger ist demnach innerhalb einer Woche von 13 auf 5 Punkte zusammengeschmolzen. Den EU-Befürwortern um Premierminister David Cameron schadet sicher die anhaltende Debatte über die mangelnde Kontrolle der Zuwanderung in die EU.

Sollte Großbritannien die EU verlassen, wird es teuer. Davon ist jedenfalls Clemens Fuest überzeugt. Die Wirtschaftsleistung könnte um bis zu 20 Prozent einbrechen, rechnet der neue Präsident des ifo Instituts in München. Positiv für Großbritannien wäre zwar, dass der Nettobeitrag zum EU-Haushalt in Höhe von 0,5% des BIPs entfallen würde. Die Vorstellungen aber, dass sich daraus Gewinne von bis zu 4,5% des BIPs ergeben können, hält Fuest für unrealistisch. Vielmehr sei die Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Austauschs mit der EU kaum zu vermeiden. Denn ein voller Zugang zum Binnenmarkt würde voraussetzen, dass Großbritannien auch relevante europäische Regulierungen übernimmt, folgert der ifo-Chef. Diese loszuwerden ist paradoxerweise einer der Hauptgründe für den Brexit.

Nicht von ungefähr stellt sich auch die Deutsche Bank im Falle eines Brexits auf Marktturbulenzen ein. Auf lange Sicht würde das Geldhaus, das rund 8.000 Beschäftigte in London zählt, Geschäfte nach Kontinentaleuropa verlagern, sagt John Cryan. „Unsere Kunden wollen Staatsanleihen von Euro-Zonen-Staaten dann vermutlich nicht mehr in London handeln“, so der Deutsche-Bank-Chef.

Sollten sich die britischen Wähler am 23. Juni also tatsächlich für den EU-Austritt entscheiden, hätte dies zunächst jahrlange Verhandlungen über die künftigen Beziehungen mit der EU zur Folge. Für die Wirtschaft wäre dies eine andauernde Phase der Unsicherheit, in der Investitionen erstmal auf die lange Bank geschoben würden.

Zumindest offiziell gibt es in der EU keinen „Plan B“ für den Fall eines Austritts Großbritanniens. Immerhin, die Rechtsabteilung der EU-Kommission hat offenbar eine Urlaubssperre für Juli erhalten, um für den Fall eines Brexit-Votums gerüstet zu sein. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete allerdings von einer Diskussion über einen gemeinsamen Plan der Regierungen Deutschlands und Frankreichs.


Banken steht heißer Sommer bevor

Sowohl Andreas Dombret als auch Danièle Nouy schlagen Alarm. Die Aufseher der Bundesbank sowie der EZB sorgen sich angesichts zinsabhängiger Geschäftsmodelle und fauler Kredite um die Sicherheit der Eurobanken.

Die Deutsche Bundesbank hat die Kreditinstitute dazu aufgefordert, ihre Geschäfte wegen des Niedrigzinsumfelds und der zunehmenden Digitalisierung anzupassen. Es sei höchst bedenklich, wenn Institute erst dann aktiv würden, wenn ihr Winterspeck abgeschmolzen sei und sich ihre Ertragslage verschlechtere, machte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in dieser Woche klar. Aus diesem Grund stehe nicht wenigen Instituten ein heißer Sommer unmittelbar bevor, indem sie zukunftsfähige Geschäftsmodelle einführen müssten, sagte Dombret, der bei der Bundesbank auch die Bankenaufsicht verantwortet.

Die Bundesbank spielt damit auf die geschmälerten Gewinne und die Geschäftsmodelle der Banken an, die vielfach stark vom Zinsgeschäft abhängig sind. Dabei sind laut Dombret die strukturellen Probleme der deutschen Banken auch auf den europäischen Bankensektor insgesamt übertragbar. Ein „chronisches Profitabilitätsproblem“ in der Branche sei auch ein Stabilitätsrisiko, so der Bundesbanker.

Ins gleiche Horn stieß an anderer Stelle Europas oberste Bankenaufseherin, Danièle Nouy, die ebenfalls diese Woche mangelnde Profitabilität vieler Geldhäuser in der Eurozone beklagte. Die Chefin der EZB-Bankenaufsicht will den Instituten zwar keine Vorschriften machen, wie sie aus der aktuellen Misere herauskommen. Aber die Banken müssten ihre Geschäftsmodelle überprüfen, effizienter, flinker und flexibler werden, forderte Nouy. Und jetzt, da es eine paneuropäische Bankenaufsicht gebe, könne man auch über grenzüberschreitende Zusammenschlüsse nachdenken.

Parallel dazu arbeitet die EZB wohl an Vorschlägen, die zu einem Abbau von Problemkrediten in den Bilanzen vieler Geldhäuser führen sollen. Der hohe Bestand an faulen Darlehen stellt laut Nouy eines der größten Probleme für die Wirtschaft der Eurozone dar. Immerhin sitzen die Eurobanken derzeit auf Problemkrediten in Höhe von 900 Mrd. €. Wie die EZB die Banken konkret unterstützen will, ließ Nouy allerdings offen.


Chinas Banken vor Umgestaltung

Eine Zeitbombe tickt in den Bankbilanzen chinesischer Institute. Wie die französische Großbank Société Générale vorrechnet, könnten die Problemkredite in Chinas Finanzsystem einen Gesamtschaden von mehr als 1 Bill. € verursachen. Derartige Verluste würden rund 60% des Gesamtkapitals der Geschäftsbanken gleichkommen. Mittelfristig geht die Société Générale daher von einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine radikale Umgestaltung des Bankensystems aus.

Nach Beobachtung der Großbank hat die Schuldendynamik durch die Liberalisierung der Wirtschaft und des Finanzmarkts zugenommen. So haben die Unternehmensschulden rund 250% des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Nun hat die Regierung in Peking damit begonnen, die Banken an hochverschuldeten Staatsbetrieben zu beteiligen. So können die Banken ihre Forderungen gegenüber den Unternehmen in Aktien umtauschen, womit die Institute zu Miteigentümern der oft unrentablen Gesellschaften werden. Damit mag manche Zeitbombe vorübergehend entschärft werden, der Ertragsentwicklung der Banken aber hilft diese Strategie allerdings auf Dauer nicht.


Die Qual der Wahl

Manche Investoren haben die Mai-Feiertage für eine Auszeit genutzt. Die Märkte hatten allerdings keinen Urlaub, ganz im Gegenteil. Diverse Neuemissionen von Corporate Bonds und Financials waren zu beobachten. So kam es, dass der ein oder andere Investor wegen des Überangebots Schwierigkeiten hatte, für sich das richtige Asset zu finden. Daher eine kleine Auswahl der von Privatanlegern rege gehandelten Neuemissionen.

Sehr zur Freude der Anleger brachte der Baustoff- und Zementhersteller HeidelbergCement AG eine 8-jährige Anleihe (A2AAQY) im Volumen von 750 Mio. €. Der Investor erhält eine jährliche Verzinsung in Höhe von 2,25% bis zum Laufzeitende am 03.06.2024. Der Bond wurde zu 98,963% bzw. +205 bps über Mid Swap begeben und beinhaltet ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option). HeidelbergCement entschied sich im Sinne der Privatanleger für eine Mindeststückelung von 1.000 €.

Ebenso war die US-Technologiebörse Nasdaq aktiv, welche sich mittels einer 600 Mio. € schweren Anleihe (A181ZY), mit Laufzeitende am 19.05.2023, refinanzierte. Der Anleger erhält einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,75%. Gepreist wurde der Bond mit +162 bps über Mid Swap, was einem Ausgabepreis von 99,408% entsprach. Auch die Nasdaq entschied sich für die Festschreibung einer Make-Whole-Option, allerdings bei einer Mindestanlagesumme von 100.000 €.

Gleich im Doppelpack sicherte sich Kraft Heinz Foods frisches Kapital für neue Vorhaben. So wurden insgesamt 1,8 Mrd. € aufgenommen. Die erste Tranche (A181S5) umfasst ein Volumen von 550 Mio. € und ist am 24.05.2024 endfällig. Es werden jährlich Zinsen in Höhe von 1,5% gezahlt. Die Anleihe wurde mit 99,552% begeben (+125 bps über Mid Swap). Bei der zweiten Tranche (A181S6) handelt es sich um eine 12-jährige Anleihe im Volumen von 1,25 Mrd. € und einer jährlichen Verzinsung von 2,25% bis zur Fälligkeit am 25.05.2028. Der Bond wurde +158 bps über Mid Swap bzw. bei 99,688% gepreist. Auch Kraft Heinz Foods ließ sich eine optionale Make-Whole-Option sowie eine Mindeststückelung von 100.000 € in die Anleihebedingungen aufnehmen.


Kurz vor dem Rollover

In der kommenden Woche (8. Juni) steht bei den Fixed-Income-Futures der Kontraktwechsel (Juni auf September) an. Beläuft sich der Preisunterschied beim Euro-Bund-Future auf minus ca. 1 Punkt, so notiert der BUXL-Future bei ca. plus 9 Punkten! Die Finanzmathematik lässt grüßen!

Die noch vor fast drei Wochen vorherrschende Meinung einer notwendigen Korrektur hat sich inzwischen in Luft aufgelöst. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass das Rentenbarometer bereits jetzt Schwung holt, um in den noch verbleibenden Handelstagen den bisherigen Höchststand bei 164,60% (11. April) zu testen. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 164,18%.

Zum meteorologischen Sommerauftakt ist das Unterfangen bisher nicht geglückt, aber noch ist nicht aller Tage Abend. Im Hinblick auf die heutige EZB-Sitzung mit anschließender Pressekonferenz sind sowohl ein Überspringen des charttechnischen Widerstands bei 164,60% als auch Gewinnmitnahmen möglich. Die Downside des Juni-Kontrakts verläuft aktuell bei ca. 163,10% (mehrere Hochs / Tiefs Ende Januar) und erst in ganz weiter Ferne ist das „Draghi-Tief“ vom 10. März bei 160,81% auszumachen. Aber daran vermag zum jetzigen Zeitpunkt niemand zu denken.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Finanzmärkte immer dorthin tendieren, wo den Investoren die meisten Schmerzen zugefügt werden. Das will heißen: Wenn alle Marktteilnehmer sich mit den niedrigen Zinsen abgefunden haben und vollständig investiert sind, wird es einen Trendwechsel geben. Das ist nicht zuletzt in der Marktpsychologie begründet. Man darf gespannt sein, ob es schon bald soweit sein wird oder ob die Vorstandschefin von HSBC Trinkaus & Burkhardt, von Schmettow, Recht behalten wird, die niedrige Zinsen noch für mindestens vier bis fünf Jahre vorhersagt.


Die großen Vier

In dieser Woche haben sich Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien am Primärmarkt präsent gezeigt und bestehende Altemissionen aufgestockt. Dadurch konnten fast 25 Mrd. € aufgenommen werden, obwohl keine Rückzahlungen anstanden. Ob diese vier großen Nationen auch bei der Fußball-Europameisterschaft die beherrschenden Teams stellen werden, bleibt abzuwarten. Die von Italien zum Wochenstart aufgestockten Bonds (5 und 10 Jahre) sind weiterhin aus steuertechnischen Gründen nicht an den deutschen Regionalbörsen gelistet. Doch heute werden Frankreich (A1HS3U / 2024 ; A18YPD / 2026 ; A1HH3K / 2045) und Spanien (A18YPG / 2021 ; A18W1C / 2026 ; A18YZ6 / 2046) den interessierten Investoren Material zur Verfügung stellen. Auch Deutschland erhöhte bereits am gestrigen Mittwoch das Emissionsvolumen der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 173 (114173) um 4 Mrd. € auf insgesamt 21 Mrd. €. Die dabei zu erzielende Durchschnittsrendite belief sich auf -0,38% und wird Privatanleger nicht reizen können.

In den USA wurden in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche „lediglich“ 97 Mrd. USD als Geldmarkttitel mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten refinanziert. In der kommenden Woche hingegen stehen zusätzlich auch Bonds mit Fälligkeiten in 3, 10 und 30 Jahren auf der Agenda.


Erhöhte Volatilitäten sind vorprogrammiert

Der Start in die neue Handelswoche verlief sehr ruhig. Aufgrund von Feiertagen sowohl in Großbritannien als auch in den Vereinigten Staaten war der Auftakt in die neue Woche ziemlich unspektakulär. So zeigte sich das Devisenpaar EUR/USD dementsprechend wenig inspiriert und handelt bislang in einer Range von 1,1098 und 1,1219 USD. Dies kann sich jedoch sehr schnell ändern, denn im weiteren Wochenverlauf stehen für die Marktteilnehmer wichtige Termine sowie Konjunkturdaten an. Zum einen ist da die heutige EZB-Pressekonferenz und zum anderen werden zum Wochenausklang Arbeitsmarktdaten aus den USA präsentiert. Diese bevorstehenden Ereignisse werden am Devisenmarkt sicherlich ihre Spuren hinterlassen und beim Währungspaar EUR/USD für eine erhöhte Volatilität sorgen. Heute Morgen handelt die europäische Gemeinschaftswährung kaum verändert bei 1,1215 USD.

Um die Währungen der Schwellenländer ist es in letzter Zeit zwar etwas ruhiger geworden, aber dennoch unterliegen sie zum Teil größeren Schwankungen, wie das Beispiel der türkischen Währung zeigt. Am 11. Mai erreichte der Euro im Vergleich zur türkischen Lira ein neues Jahreshoch bei 3,3888 TRY, nachdem er noch am 10. März mit 3,1138 TRY das bisherige Jahrestief markierte. Aktuell präsentiert sich die Währung vom Bosporus trotz der politisch angespannten Situation wieder etwas stabiler um die Marke von 3,29 TRY.

In dieser Berichtswoche wurden Währungsanleihen auf US-Dollar verstärkt nachgefragt. Höhere Umsätze wurden auch in Bonds registriert lautend auf türkische Lira, südafrikanische Rand sowie norwegische Kronen.


Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de


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Author: Klaus Stopp

Durch Draghis Brille betrachtet

Es ist zwar noch lange hin, aber nach der Sommerpause des Deutschen Bundestages will der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Gelegenheit nutzen, den deutschen Politikern die Beweggründe seiner aktuellen Geldpolitik näher zu erläutern. Dabei wird er sicherlich darauf verweisen, dass jeder Investor für die Rentabilität seiner Vermögensanlage selbst verantwortlich ist und es nicht Aufgabe der Notenbanken ist, die Zinsen auf hohem Niveau zu halten. Vielmehr richtet sich der aktuelle Zins für relativ sichere Investments nach der Inflationsrate, und diese wiederum rechtfertigt das aktuelle Renditeniveau.

Obwohl ich nicht zu den Befürwortern der europäischen Notenbankpolitik gehöre, kann ich diese Sichtweise zumindest im Grundsatz akzeptieren. Auch Draghis Schlussfolgerung, dass die Zinsen erst dann wieder ansteigen werden, wenn die Wirtschaft stärker wächst, ist logisch und nachvollziehbar. Doch der Einwand, dass die EZB mit ihrer Geldpolitik reformunwillige Staaten „salonfähig“ macht, ist nicht von der Hand zu weisen. Das scheint inzwischen sogar Mario Draghi erkannt zu haben. Und so fordert er die Regierungen der Eurostaaten bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf, die Sanierung ihrer Haushalte voranzutreiben. Die niedrigen Zinsen geben den Politikern dazu den Spielraum, den sie allerdings nur unzureichend nutzen. Es gehört aber auch nicht zu den Aufgaben der Notenbanker, solche Maßnahmen zu diktieren.

Seit Gründung der EZB wird immer wieder ihre Unabhängigkeit betont, weshalb auch umgekehrt eine Einmischung der Banker in haushaltspolitische Belange nicht vermittelbar wäre. Aus diesem Grund haben auch nur die Vertreter der Mitgliedsstaaten darüber zu entscheiden, wer zum Club der Eurostaaten gehören darf. Im Falle Griechenlands wird diese Entscheidung bereits seit Jahren mit kurzfristigen Durchhalteparolen in die Zukunft verschoben, was wiederum neben der Flüchtlingsproblematik für den schwebenden Zustand der Europäischen Union mit verantwortlich ist.

In den kommenden Wochen wird viel die Zukunft Europas betreffend zu entscheiden sein. Die in unregelmäßigen Zeitabständen auftauchenden, aber unterschwellig immer präsenten Themen wie Griechenland, Portugal und die alles überschattende Brexit-Entscheidung werden an den Finanzmärkten nicht nur in den nächsten Monaten für dicke Luft sorgen. Niemand vermag die Reaktionen vor dem Referendum in Großbritannien vorherzusagen und auch im Anschluss erscheint alles möglich. Somit sind die Vertreter der europäischen Notenbanken gut beraten, die Finanzmärkte nicht mit überhasteten Aktionen zu verunsichern, sondern eine Politik der „ruhigen Hand“ zu praktizieren.

Burgfrieden der internationalen Notenbanker

Fakt ist: Für die meisten Währungen hat der Leitzins seine Steuerungsfunktion verloren! Dennoch mutet es seltsam an, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar langsam aber stetig an Boden gewinnt. Immerhin bewegt sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Minusbereich, während die US-Notenbank Fed am 17. Dezember 2015 das erste Mal seit fast zehn Jahren die Zinsen in Erwartung weiterer Zinsanpassungen angehoben hat. Dennoch ist der Euro seitdem von 1,09 USD auf 1,16 USD gestiegen. Nach der reinen Lehre wäre eine gegenteilige Entwicklung zu erwarten gewesen.

Liegt es an der Enttäuschung der Investoren, die nach dem Zinsschritt der Fed vom Dezember in kurzen Intervallen weitere erwartet hatten? Ließ die Fed sie zunächst mit vier Aufwärtsschritten in diesem Jahr rechnen, gehen sie nun allenfalls von insgesamt zwei aus. Parallelen bei der Devisenkurs-Entwicklung sind in Japan festzustellen, wo die Bank of Japan den Leitzins unter die Nulllinie gedrückt hat und der Yen gegenüber dem US-Dollar ebenfalls zugelegt hat. Ähnliches ist bei der Norwegischen Krone zu beobachten. Seit die Zentralbank in Oslo am 17. März den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,5% abgesenkt hat, ist die norwegische Krone wertvoller geworden.

Man könnte geradezu meinen, die alten Regeln seien außer Kraft gesetzt. Vielleicht sind die Kursgewinne der Währungen, deren Notenbanken mit Minuszinsen aufwarten, ja auch nur ein Strohfeuer, dem eine rasche Trendumkehr folgen könnte. Es könnte aber auch eine Art Burgfrieden der internationalen Notenbanker, die auch in ihrer Wortwahl extrem vorsichtig agieren, sein, um einen Währungskrieg, der etwa in einem Abwertungswettlauf durch Minuszinsen gipfeln könnte, möglichst zu vermeiden. Am Ende dürfte es von allem ein bisschen sein.

Neues vom Club der EU-Defizitsünder

Es knirscht wieder im Gebälk der Europäischen Union. Die Ursachen sind natürlich auch weiterhin in Griechenland verankert, aber auch die überhöhten Staatsdefizite in Spanien und Portugal bereiten Sorgen. Weil die Neuverschuldung der Regierung in Lissabon mit 4,4% im vergangenen Jahr über der vereinbarten Höchstgrenze lag, drohen dem Land nun Sanktionen seitens der EU. In diesem Zusammenhang wurden Stimmen laut, welche die Kommission auffordern, Geldstrafen zu erheben, sofern sie im laufenden Defizitverfahren nicht ihre Glaubwürdigkeit riskieren wolle. Am Bondmarkt notierten portugiesische Staatsanleihen dennoch über ihren Zwölfmonatstiefs, was ein bis 4/2021 laufender Titel (WKN A0DY6V) zeigt, der mit ca. 1,84 % rentiert.

Massiven Druck bekommt auch Spanien zu spüren. Anstatt in diesem Jahr die Maastrichter Defizitgrenze von 3% einzuhalten, erwartet Brüssel 3,9% Neuverschuldung. Nachdem in Spanien die Frist zur Regierungsbildung abgelaufen war, stehen am 26. Juni Neuwahlen an. Ministerpräsident Rajoy von der konservativen Volkspartei ist seitdem nur geschäftsführend im Amt. Anleger verhalten sich vor diesem Hintergrund abwartend, was eher für vorsichtigen Optimismus spricht. Eine spanische Staatsanleihe mit Fälligkeit 7/2021 (A18YPG) notierte gestern mit 101,06% knapp unter dem Jahreshoch. Die Rendite liegt bei ca. 0,54%.

Und dann wäre da noch Frankreich. Für das nächste Jahr hat sich Paris fest vorgenommen, aus dem Club der Defizitsünder auszutreten. Bisher geht Brüssel noch von einem Defizit von 3,2% aus. Dass Frankreich das Ziel von 3,0% Neuverschuldung erreicht, wird aber als machbar angesehen. Defizitsündern in der Eurozone drohen formal zwar hohe Geldstrafen, welche aber bisher in der Praxis nie verhängt wurden. Ein fataler Fehler, den es zu korrigieren gilt. Ansonsten bleibt uns nur die kleine Freude, dass die Defizite in der Eurozone tatsächlich rückläufig sind.

Gericht in Portugal bremst Zentralbank aus

Ein portugiesisches Gericht hat der Nationalbank Portugals zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Demnach darf die Notenbank Anleihen („Senior Bonds”) der angeschlagenen Novo Banco - im Wert von rund 2 Mrd. € - nicht in eine Bad Bank auslagern. Dadurch wäre ein sogenannter „bail-in“ eingefädelt worden, bei dem Anleger direkt zur Kasse gebeten werden. Sie würden vermutlich nur eine einstellige Quote ihres Investments zurückbekommen. Doch die portugiesische Zentralbank will laut Financial Times die einstweilige Verfügung des Lissabonner Gerichtes, die auf Antrag von Merrill Lynch zustande kam, umgehend anfechten.

Die Problembank Novo Banco war aus dem überlebensfähigen Teil der früheren Banco Espirito Santo (BES) hervorgegangen. Das einst zweitgrößte Bankhaus des Landes wurde mit Staatsgeldern in Höhe von 5 Mrd. € aufgepäppelt, um nicht unter der Schuldenlast zusammenzubrechen, welche die Gründerfamilie hinterlassen hatte.

Immer weniger Garantiezins bei Lebensversicherungen

Zum 1.1.2017 soll der Garantiezins für Lebensversicherungen von derzeit 1,25% auf 0,9% sinken. So hat es das Bundesfinanzministerium als erneute Reaktion auf die anhaltende Niedrigzinsphase vorgeschlagen, was wiederum vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) als zu weitgehend kritisiert wurde. Man mag darüber streiten, ob der Schritt zu heftig ausgefallen ist, zumal die Lebensversicherer 2015 bei der Neuanlage im Branchenschnitt eine deutlich über dem Höchstrechnungszins liegende Verzinsung von mehr als 2% erzielten. Auch Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten hält die geplante Senkung des Höchstrechnungszinses für falsch. Dies schwäche die Garantien, ohne dass die Unternehmen nachhaltig entlastet würden, sagte er.

Fest steht, dass die Branche schon seit längerer Zeit insbesondere wegen der Niedrigzinsen unter Druck steht. Nach einem Minus beim Neugeschäft von 3% in 2015 rechnet der GDV auch für das laufende Jahr mit einem Rückgang. Was dabei der Branche vor allem Kummer bereitet, ist die sogenannte Zinszusatzreserve. Um die hohen Garantien für Altkunden in der Niedrigzinsphase abzusichern, müssen die Versicherer einen Finanzpuffer aufbauen. Nach Berechnungen der Assekurata Rating-Agentur mussten so seit dem Jahr 2011 mehr als 30 Mrd. € an Rückstellungen gebildet werden. Zusätzliche 12 Mrd. € kommen in diesem Jahr hinzu.

Die Versicherer legen das Geld der Versicherten vor allem in Anleihen mit guter Bonität an. Doch jährlich werden Papiere endfällig, und die neuen Anlagen werfen weniger Zinsen ab. Daher fällt es den Versicherern zunehmend schwerer, die Garantien zu bedienen. Als Reaktion darauf rücken die Versicherer immer mehr davon ab, klassische Garantieverträge anzubieten. Stattdessen verkaufen sie den Kunden neue Tarife mit höherer Rendite – aber eben auch mit eingeschränkter oder fehlender Garantie. Nur noch 10% wählten eine klassische Lebensversicherung, erklärt die Allianz Deutschland. Damit nimmt die Bedeutung der Garantieverzinsung von Lebensversicherungen am Markt ohnehin ab.

Dass dies aber nicht nur ein europäisches Problem ist, wurde deutlich als in dieser Woche AIG, eine internationale Versicherungsorganisation für das 1. Quartal des Jahres ein Minus von 183 Mio. USD (ggü. 250 Mio. USD im Vorjahreszeitraum) bekannt gab. Der Rückgang wird mit fallenden Renditen und fehlenden Prämieneinnahmen erklärt.

Daimler 3x auf Pole-Position

Erster am Ende der Qualifikation und somit das Rennen von einem Startplatz ganz vorne im Feld anzuführen, ist der Traum eines jeden Rennfahrers. Das ist Daimler bestens aus der Formel 1 bekannt. Nun glückte dem baden-württembergischen Autobauer auch mit 3 neuen Anleihen die Pole-Position am Primärmarkt.

Das Unternehmen refinanzierte ein Gesamtvolumen von insgesamt 3,25 Mrd. €. Bei der ersten Tranche (A169NA) handelt es sich um eine 1,25 Mrd. € schwere Anleihe mit Fälligkeit am 11.05.2020 und einer jährlichen Verzinsung von 0,25%. Das Papier wurde mit 99,607% und somit +40 bps über Mid Swap gepreist. Der zweite Bond im Bunde (A169NB) hat ein Emissionsvolumen von 750 Mio. €. Die jährliche Verzinsung beträgt 0,75% bis zum Laufzeitende am 11.05.2023. Das Pricing erfolgte mit +53 bps über Mid Swap und somit lag der Ausgabepreis bei 99,783%. Komplettiert wird das Ganze durch eine 1,25 Mrd. € große Emission (A169NC) mit 1,375% jährlicher Nominalverzinsung bis zur Fälligkeit am 11.05.2028. Der Reoffer lag bei 99,594% und somit +65 bps über Mid Swap. Daimler entschied sich bei allen 3 Bonds für die „Privatanleger-freundliche“ Mindestanlagesumme von 1.000 €.

Ebenso am Markt aktiv war der US-amerikanische Tabakhersteller Philip Morris und legte eine 20-jährige Anleihe (XS1408421763) im Volumen von 500 Mio. € auf. Der Anleger erhält eine jährliche Verzinsung bis zum Laufzeitende am 9.05.2036 in Höhe von 2%. Der Bond wurde mit +90bps über Mid Swap gepreist und somit zu 99,56% begeben. Der Emittent hat sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) festschreiben lassen und für die kleinste handelbare Einheit von 100.000€ entschieden.

Reversal-Trend mit Ansage

Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine Meldung her und bringt das ganze Gedankenkonstrukt zum Einsturz. So ist es auch wieder in dieser Handelswoche geschehen. Hatte man zu Beginn noch den Eindruck, dass sich endlich mal die Bären durchsetzen könnten, so machten dies u.a. die weltweit „verschnupften“ Aktionäre zunichte. Infolgedessen stieg das Sorgenbarometer von 161,57% um mehr als 1,5 Prozentpunkte auf in der Spitze 163,12%. Unterstützt wurde dieser Reversal-Trend, der nicht wirklich überraschen konnte, auch von den jüngsten Meldungen zu Griechenland, Portugal sowie der Entwicklung an den Devisenmärkten und bei den Rohölpreisen.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend! Die erste nennenswerte Widerstandslinie verläuft bei ca. 163,20% (mehrere Tiefs Mitte April). Erst nach einer nachhaltigen Überwindung wäre der Weg auf die psychologisch wichtige Marke bei 164% frei. Um vor bösen Überraschungen geschützt zu sein, sollte man aber auch die gegenteilige Marktentwicklung mit ins Kalkül ziehen. Einem schwachen Fangnetz vergleichbar verläuft eine erste Unterstützungslinie bei ca. 162,40%, bevor das Tief vom 10. März (Draghi-Day) bei 160,81% zum Tragen kommt. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 162,89%.

Spanien setzt heute den Schlusspunkt

Nachdem in den USA in dieser Handelswoche lediglich Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 92 Mrd. USD Investoren zum Kauf angeboten wurden, refinanzierten sich die Eurostaaten in Summe mit ca. 15 Mrd. €.

Hierbei sicherte sich am gestrigen Mittwoch Frankreich mit ca. 8 Mrd. € den Löwenanteil durch die Aufstockung diverser Anleihen (413038 / 2025; A18YPD / 2026; A1Z7JJ / 2031) und auch Deutschland erhöhte das Emissionsvolumen der mit einem Nullkupon ausgestatteten Bundesobligation Serie 173 (114173) um 4 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. €. Die Zuteilung der überzeichneten Gattung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,33%. Für die Marktpflege wurde ein Betrag von 755 Mio. € zurückbehalten. Den Schlusspunkt setzt heute Spanien mit der Neubegebung einer inflationsindexierten Anleihe (endfällig: 2021) und mit der Aufstockung dreier langlaufenden Anleihen (A18W1C / 2026; A1ZXQ6 / 2030; A0NXYY / 2040).

Tanz in den Mai

Trotz einiger Feiertage in verschiedenen Ländern zeigt sich der Devisenmarkt von seiner lebhaften Seite. So tanzte die europäische Gemeinschaftswährung fröhlich in den Mai und insbesondere gegenüber dem Greenback stellte sich der Start in den neuen Monat als sehr positiv dar.

In den ersten Handelstagen kletterte der Euro bis auf 1,1616 USD, den höchsten Stand seit August 2015. Zuvor war die Einheitswährung bereits sieben Tage in Folge gestiegen, wobei es sich um die längste Gewinnserie seit Dezember 2013 handelte. Am Dienstagnachmittag änderte sich das Handelsbild jedoch und der Euro fiel bis auf 1,1470 US-Dollar zurück. Konjunktursorgen in der Eurozone sowie Äußerungen zweier Mitglieder der US-Notenbank Fed zu einer möglichen baldigen Leitzinserhöhung bremsten die Währung Eurolands ein. Nach dem Auf und Ab der vergangenen Tage handelt der Euro heute Morgen um die Marke von 1,1480 USD.

Neben dem amerikanischen Dollar beschäftigte aber auch der australische Dollar die Devisenhändler. Die Notenbank Australiens senkte nämlich in dieser Woche überraschend ihre Leitzinsen um 0,25% auf das Rekordtief von 1,75%. Die Währung des Landes geriet daraufhin kräftig unter Druck und verlor gegenüber dem Euro mit 1,54 AUD deutlich an Wert, nachdem er zuvor noch bei 1,4938 AUD gehandelt wurde.

In dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf türkische Lira, brasilianische Real sowie US-Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Author: Klaus Stopp

Die Notenbanker schwingen den Taktstock

Am gestrigen Abend war es endlich soweit. Die amerikanischen Notenbanker beendeten ihre zweitägige Tagung und teilten der sehnsüchtig wartenden Investorenschar mit, was in den nächsten Monaten geldpolitisch zu erwarten ist. Eine Zinsanhebung, mit der man noch zum Jahresbeginn für den April gerechnet hatte, war bereits im Vorfeld der Sitzung nicht mehr wirklich erwartet worden. Aber bei den erläuternden Worten der Fed-Präsidentin, Janet Yellen, wird stets versucht, Tendenzen herauszulesen. Manchmal erinnert das an „Kaffeesatzleserei“, aber leider ist diese Vorgehensweise alternativlos und die Ergebnisse sind oftmals der Beginn des sogenannten Bandwagon-Effekts.

Viel schlauer sind wir durch die gestrigen Erläuterungen zwar nicht geworden, aber anscheinend versucht man in den USA mittels einer wohlüberlegten Wortwahl die Phantasie für weitere Zinsanhebungen nicht abzuwürgen. Gleichzeitig möchte man die negativen Auswirkungen möglicher geldpolitischer Entscheidungen nicht überbetonen. Aus diesem Grund wurde gestern auch die Passage gestrichen, wonach die globale finanzielle Entwicklung und die Wirtschaft weiterhin Risiken darstellen. Die generelle positive Einschätzung des Arbeitsmarktes lässt Spielraum für eine Zinserhöhung im Juni des Jahres und der Glaube an ein behutsames Vorgehen der Notenbanker lässt Investoren beruhigter in die Zukunft blicken. Zumal die Entscheidung der Beibehaltung der Leitzinsen mit 9:1 Stimmen beschlossen wurde.

Die eine Notenbank kann also auf eine gewisse Inflation verweisen, muss sich aber aus anderen Gründen zurückhalten. Die andere Zentralbank, die Bank of Japan (BoJ), deren Zinsentscheid uns am heutigen Donnerstag ebenfalls beschäftigt, wird alles dafür tun, die Inflation zu beleben. In der Vergangenheit wurden alle möglichen Maßnahmen ergriffen, aber bisher ohne nachhaltigen Erfolg. So ist heute damit zu rechnen, dass ein Beschluss gefasst wird, nachdem bei Erreichen eines bestimmten Devisenkurses im Auftrag des japanischen Finanzministeriums am Devisenmarkt interveniert werden soll. Damit würde man zwar streng genommen gegen die kürzlich erst beschlossenen Vermeidung „willkürlicher Interventionen“ verstoßen, aber in Japan sieht man darin lediglich die Dämpfung schneller Wechselkursbewegungen. Auch eine Volumenausweitung des bisherigen QQE-Programms oder die Anpassung der durchschnittlichen Laufzeit auf 5 bis 12 Jahre wäre denkbar gewesen. Doch die Notenbanker blieben ihrer bisherigen Linie treu und beschlossen keine weiteren Lockerungsmaßnahmen.

Bundesbank bremst bei EU-Einlagensicherung

Nicht zum ersten Mal hat die Bundesbank die Gefahren benannt, die von den Staatsanleihen ausgehen, welche ohne Unterlegung von Eigenkapital in den Bankbilanzen schlummern. Nun macht ihr Präsident Jens Weidmann seine Zustimmung zu einer europäischen Einlagensicherung davon abhängig, dass die Banken in Europa ihre Bestände an Staatsanleihen reduzieren. Sonst käme es zu einer Haftung aller für die Staatsschulden in Europa, argumentiert er und mahnt in der Diskussion über neue Vorschriften für Staatsanleihen-Käufe von Banken zur Eile. Gerade weil man für neue Regelungen Übergangsfristen brauche, müsse die grundsätzliche Weichenstellung zügig getroffen werden. Die Risikobewertung von Staatsanleihen war mit der Euro-Schuldenkrise in den Fokus geraten, als sich zeigte, dass auch bei Euro-Staaten ein Ausfallrisiko besteht. Dieses Risiko will Weidmann bewertet haben – mit einer adäquaten Unterlegung der Staatsbonds mit Eigenkapital.

Weidmann zufolge sprechen gerade die hohen Bestände an Staatsanleihen in vielen Bankbilanzen gegen eine rasche Einführung einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung. Daher macht er die Verringerung der mit solchen Anleihen verbundenen Risiken zur Voraussetzung eines europäischen Einlagenschutzes. Dies könnte eine kluge Strategie des obersten Bundesbankers sein, um den von den deutschen Bankengruppen ungeliebten EU-Einlagenschutz zumindest hinauszuzögern – wenn er schon nicht zu verhindern ist. Sollte er dann unter der von Weidmann gestellten Bedingung doch kommen, wäre wenigstens eine Risikobewertung der Staatsbonds und damit mehr Sicherheit im europäischen Bankensystem erreicht worden.

Im Sommer wollen die Finanzminister der EU die Frage angehen, wie künftig Risiken aus Staatsanleihen in den Bankbilanzen verringert werden können. Nach den Vorschlägen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem soll es dann zu einer Verschärfung der Anforderungen an Staatsanleihen kommen.

Wie zuvor EZB-Präsident Mario Draghi fordert auch Weidmann mehr strukturelle Reformen in der Eurozone. Sonst besteht seines Erachtens die Gefahr, dass sich das nächste Vertrauensproblem für die Währungsunion aufbaut. Dann würde erneut die EZB für die Fiskalpolitik von Eurostaaten in die Bresche springen müssen.

Die Crux liegt darin, dass die Spielräume, die durch die lockere EZB-Politik für eine zügige Verringerung struktureller Haushaltsdefizite entstanden sind, von den Staaten vielfach nicht genutzt wurden. Und dies, so Weidmanns Befürchtung, könnte die Schuldentragfähigkeit einzelner Eurostaaten dann enorm belasten, wenn die EZB ihre Geldpolitik bei einer steigenden Inflation wieder straffen muss.

Bonds von Apple und Thyssen bleiben auf Kurs

Apple und Thyssen-Krupp – das sind zwei Unternehmen, wie sie verschiedener kaum sein können. Gemeinsam war ihnen aber in dieser Woche, dass es schlechte Nachrichten zu beiden Firmen gab. Apple musste im 1. Quartal 2016 den ersten Absatzrückgang seiner iPhones überhaupt hinnehmen. Und Thyssen-Krupp musste sich beim Ringen um einen Milliardenauftrag der australischen Regierung zum Bau von zwölf U-Booten dem französischen Staatskonzern DCNS geschlagen geben. In beiden Fällen hat auch der Aktienkurs gelitten, so dass sich ein Blick auf die Preisentwicklung der Corporate Bonds dieser Unternehmen lohnt.

Eine bis 11/2024 laufende Unternehmensanleihe (A1ZWW8) von Apple war in den vergangenen Tagen etwas zurückgekommen, um jetzt aber wieder bei 103,20% und damit knapp unter dem Jahreshoch von 103,62% (15.4.) zu notieren. Die Rendite liegt für den auf Schweizer Franken lautenden Titel bei 0%. Etwas schwächer präsentiert sich eine Euro-Anleihe von Apple (A1Z6UE), die momentan mit 104,772% unter dem Jahreshoch von 105,533% (7.4.) notiert. Die Anleihe rentiert bei einer Fälligkeit am 17.01.2024 mit ca. 0,73% und ist mit einer Make-Whole-Option ausgestattet

Thyssen-Krupp ficht die Nachricht von dem verpassten Großauftrag am Bondmarkt indessen nicht an. Ein bis 8/2018 laufender Corporate Bond (A1R08U) des Unternehmens notiert bei ca. 106,90% und liegt damit unter seinem Zwölfmonatshoch von 108,00% vom April 2015 und rentiert mit 0,98%. Auch im langfristigen Bereich bleibt Thyssen-Krupp auf Kurs. Ein Bond (A14J58) mit Fälligkeit 2/2025 notiert mit ca. 99,35% und einer Rendite von 2,58% knapp unter dem Zwölfmonatshoch von 99,82% im April 2015.

Insgesamt kann in diesen Fällen konstatiert werden, dass die schlechten Nachrichten die Anleger am Bondmarkt nur wenig beeindruckt haben.

Goldman Sachs entdeckt die US-Sparer für sich

Ausgerechnet Goldman Sachs, Wall-Street-Legende, Investment Bank und Global Player, umwirbt nun die einfachen Sparer. Von nun an können US-Privatkunden bei der Goldman-Tochter GS Bank, einer Onlinebank, Sparkonten eröffnen und ab 500 US-Dollar Einlagezertifikate zeichnen. Die Bank offeriert noch kein vollwertiges Privatkundengeschäft. So fehlt es an Geldautomaten oder Filialen. Aber die Zinsen, die Goldman zahlt, können sich mehr als sehen lassen. 1,05% auf Spareinlagen und 1% auf einjährige Einlagezertifikate sowie 2% auf zweijährige Zertifikate erscheinen durchaus als Lockvogelangebote für US-Kunden.

Die neue Sparte von Goldman war durch die Übernahme der Onlinebank GE Capital im August 2015 entstanden, die aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur bereits derart attraktive Konditionen geboten hat. Nun führt Goldman diese Konditionen weiter. Basis der neuen Strategie sind die neuen Bankenregeln, die Spareinlagen als besonders hochwertig einstufen. Das Ganze geschieht vor dem Hintergrund, dass das Kerngeschäft von Goldman, das Investmentbanking und der Wertpapierhandel, ein schwieriges erstes Quartal 2016 verdauen mussten. Mit den Spargeldern will Goldman kostengünstige Einlagen gewinnen, um diese in anderen Geschäftsbereichen wie dem Investmentbanking zu verleihen. Während der Finanzkrise 2008 war das Institut in die Bredouille geraten, als kurzfristige Kredite von anderen Finanzfirmen, die üblicherweise zur Absicherung ihrer Wetten am Terminmarkt benutzt werden, plötzlich nicht mehr zur Verfügung standen. Die Bankenaufsicht drängte sie aus diesem Grunde, ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Geldern anderer Banken zu reduzieren. Ob dafür aber ausgerechnet Kundengelder ein guter Ersatz sein sollen, darf zumindest in Frage gestellt werden. Die GS Bank verzeichnet Einlagen in der Größenordnung von 88 Mrd. US-Dollar.

Crashtest für Tsipras

Die Gespräche über einen griechischen Sparkurs sind zunächst gescheitert. Die Vorstellungen darüber, wie es weitergehen soll, liegen bei der Regierung und den Gläubigern weit auseinander. Daher wollte Regierungschef Alexis Tsipras einen EU-Sondergipfel beantragen, doch dies wurde bereits von den anderen Verhandlungspartnern abgelehnt. Der Druck auf die griechische Regierung wird täglich größer und es gibt in Athen schon wieder Spekulationen über Neuwahlen.

Der Streit hat sich vor allem an der Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) entzündet, der Zweifel an der Einhaltung der Vereinbarungen durch Athen hegt und deshalb „Reservebeschlüsse“ verlangt. Dieser Notfallplan soll noch einmal Einsparungen in Höhe von 2% des BIPs bringen.

Griechenland soll deshalb neben den im Juli 2015 vereinbarten Reform- und Sparmaßnahmen im Umfang von 5,4 Mrd. € weitere Maßnahmen für rund 3,6 Mrd. € treffen. Dieses zweite Paket soll quasi auf Vorrat beschlossen werden und in Kraft treten, falls Athen bis 2018 das gesetzte Ziel, einen Überschuss von 3,5% des Bruttoinlandsproduktes vor Abzug der Kreditzinsen, nicht erreicht.

Einen solchen Beschluss aber dürfte die Regierung Tsipras nicht überleben. Athen schlägt daher eine Art „automatischen fiskalen Stabilisator” vor, nach dem alle Staatsausgaben um einen bestimmten Prozentsatz gekürzt werden sollen, wenn das Land sein Einsparziel um genau diese Quote verfehlt. Die Gläubiger können sich damit nicht anfreunden und fordern konkrete Maßnahmen.

Um den Griechen den Abschluss der Überprüfung des Hilfsprogramms schmackhaft zu machen, stellt man zumindest hinter vorgehaltener Hand den Griechen eine Teilnahme am Anleihe-Kaufprogramm der EZB unter bestimmten Bedingungen in Aussicht.

Saudis planen Abschied vom Öl

Saudi-Arabien bereitet sich auf den Abschied vom Öl vor. Angesichts des Preisverfalls beim Rohöl will sich das Land auf spektakuläre Art und Weise unabhängig von den Rohstoffeinnahmen machen. Dazu gründet Riad nun den größten Staatsfonds der Welt. „Vision 2030“ wird der Plan genannt, wonach weniger als 5% der staatlichen Ölgesellschaft Aramco an die Börse gebracht werden. Der zu erzielende Erlös soll neben den Erträgen aus einer 5%-igen Mehrwertsteuer in einen insgesamt 2 Billionen Dollar schweren Staatsfonds fließen, der 10% der weltweiten Investitionskraft umfassen würde. Der Gesamtwert von Aramco liegt bei rund 2,5 Billionen US-Dollar.

Geht die Rechnung auf, welche der „Vision 2030“ zugrunde liegt, will Saudi-Arabien bereits im Jahr 2020 ohne Öl leben. Immerhin, in einem größeren Ausmaß als viele andere Länder der Erde verfügt Saudi-Arabien über eine unerschöpfliche Energiequelle: die Sonne, die als Alternative zum Erdöl besser genutzt werden soll.

EZB-Politik lockt Emittenten an

Mancher Emittent sieht sich in Kombination mit seiner eigenen Bonitätsbeurteilung und der Ankündigung des EZB-Präsidenten, zukünftig auch Corporate Bonds guter Unternehmen anzukaufen, mit einem „Luxus-Problem“ konfrontiert und wagt den Schritt an den Primärmarkt, um sich die günstigen Refinanzierungskosten zu sichern.

So nutzte das niederländische Unternehmen Unilever die Gunst der Stunde und nahm 1,5 Mrd. € mittels dreier Anleihen mit einer Mindeststücklung von 100.000,– € auf. Die erste Tranche (A180VF) ist am 29.04.2020 endfällig und wurde als Null-Prozenter bei 99,67% begeben. Auf diesem Weg konnten 300 Mio. € eingesammelt werden. Für eine um 4 Jahre längere Laufzeit wurde ein jährlicher Kupon von 0,5% vereinbart, was wiederum 500 Mio. € in die Unternehmenskasse spülte. Gepreist wurde die Anleihe (A180VG) bei 98,419%, was einem Emissionsspread von +71,9 bps über der vergleichbaren deutschen Staatsanleihe entspricht. Wer sein Geld noch länger investieren möchte, der hat die Möglichkeit jährlich 1,125% Zinsen bis zur Endfälligkeit am 29.04.2028 zu erhalten. Diese Anleihe (A180VH) ist 700 Mio. € schwer und wurde bei 99,034% begeben (+93,8 bps über Bund).

Etwas mehr Zinsen muss McDonald‘s zahlen, das ebenfalls 3 Emissionen an den Markt brachte und dadurch 2,5 Mrd. € einsammeln konnte. Eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A180VT) ist mit einem Kupon von 0,5% ausgestattet und am 15.01.2021 fällig. Der Emissionspreis von 99,736% bedeutete einen Spread von +50 bps über Mid Swap. Die zweite Tranche (A180VU) mit Rückzahlung am 15.11.2023 ist mit einem Kupon von 1% ausgestattet. Das Emissionsvolumen der mit 99,282% begebenen Anleihe (+70 bps über Mid Swap) beläuft sich auf 1 Mrd. €. Wem die bisherigen Laufzeiten allerdings zu kurz waren, der kann McDonald’s bis zum 03.05.2028 sein Geld zur Verfügung stellen und kassiert dafür jährlich 1,75%. Die Anleihe (A180VV) im Volumen von 750 Mio. € wurde bei 99,262% bzw. +95 bps über Mid Swap gepreist. Kumuliert lagen insgesamt Orders für über 14 Mrd. € vor!

Aber auch Emittenten wie Bertelsmann (A2AASY / 2026) und Carrefour (A180M6 / 2024) buhlen mit Neuemissionen um die Gunst der Investoren. Das deutsche Medienunternehmen zahlt einen jährlichen Zins von 1,125% und die französische Supermarktkette muss nur 0,75% veranschlagen.

War’s das mit der Korrektur?

Endlich haben die Bären mal Recht bekommen, aber die spannende Frage wird nun sein: War’s das oder geht die Party jetzt erst richtig los? Für beide Thesen gibt es plausible Erklärungen.

Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der weiteren Weltwirtschafts-Entwicklung und möglicherweise geschönter Konjunkturdaten in China könnte es sich um eine kurze Schwächeperiode handeln. Sollten sich aber große institutionelle Investoren zu Gewinnmitnahmen genötigt sehen, so ist eine Entwicklung wie vor einem Jahr nicht auszuschließen. Da man die Frage aber nur in Verbindung mit vielen „Wenn und Aber“ beantworten kann, zieht man in einem solchen Fall gerne die Charttechnik zu Rate.

Der intakte Abwärtstrend verfügt über eine schwache Unterstützungslinie bei 161,50% und erst das Tief vom 10.03.2016 (Draghi-Day) bei 160,81%, stellt eine nennenswerte Unterstützung dar. Nach oben blickend registrierten wir am gestrigen Handelstag noch bei 162,33% (Tief vom 21.04.) einen ersten Widerstand, der inzwischen zur Unterstützungslinie mutierte. Daher ist jetzt der Weg bis zur psychologischen Marke bei 163% wieder frei.

Aktuell handelt das Rentenbarometer infolge der gestrigen amerikanischen und heutigen japanischen Zinsentscheidung bei 162,46%.

Belgien refinanziert 100 Jahre

In dieser Handelswoche wurden in der Eurozone Anleihen im Gegenwert von über 50 Mrd. € endfällig. Neuaufnahmen gab es aber lediglich in Höhe von 9 Mrd. €. Die beiden Emittenten, die sich hierzu am Kapitalmarkt tummelten, waren Italien, das diverse Altemissionen aufstockte und Deutschland. Die Platzierung der deutschen 30-jährigen Staatsanleihe (110234) erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,03% und das angestrebte Volumen von 1 Mrd. € stellte sich im aktuellen Marktumfeld nicht als Problem dar. Das Gesamtvolumen beläuft sich nun auf 16 Mrd. €.

Das Highlight der Woche war allerdings die Ankündigung Belgiens, das sich als zweiter Staat - nach Irland - an die Begebung einer 100-jährigen Anleihe wagt. Das Volumen ist mit 100 Mio. € sicherlich übersichtlich, aber die Laufzeit erstreckt sich - auch ohne Verlängerung der Lebensarbeitszeit - auf mindestens 3 Generationen. Dies ermöglicht den Investoren, die Duration ihrer Portfolios mit einer Transaktion deutlich zu verlängern. Ob sinnvoll oder weniger sinnvoll, das müssen die Nachfolger entscheiden. Die Rendite für diese Investitionsdauer beläuft sich auf ca. 2,3% p.a.

In den USA denkt man zwar immer gerne in XXL-Kategorien, aber auch in diesen Tagen wurden konservativ Geldmarktpapiere für insgesamt 107 Mrd. USD sowie 5-jährige T-Notes für 34 Mrd. USD, 7-jährige für 28 Mrd. USD und ein 2-jähriger Floater für 15 Mrd. USD aufgelegt. Nicht jeder Trend ist nachahmenswert!

Brasilien und die Olympischen Spiele

Nach dem ersten Großereignis und der Austragung der Fußball-WM 2014 steht für Brasilien das nächste Spektakel an. Seit dem gestrigen Mittwoch sind es noch exakt 100 Tage bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Die ohnehin schwierige politische Lage im Land wird durch die bevorstehenden Spiele nochmals verschärft. Es drohen Proteste gegen die Regierung.

Doch Investoren interessieren sich nicht nur aus sportlichen Gründen für Brasilien, sondern stellen auch währungstechnische Überlegungen an. Seit der Weltmeisterschaft bewegte sich der brasilianische Real in einer Tradingrange zwischen 2,8679 BRL und 4,7832 BRL und infolge einer rückläufigen Inflationserwartung im laufenden und kommenden Jahr richten sich die Blicke auf mögliche Zinsentscheidungen der Zentralbank Brasiliens, was wiederum Auswirkungen auf die Devisenkurse hätte. Der Euro notiert aktuell um die Marke von 4,00 BRL.

Neben Brasilien tagt am kommenden Freitag auch die Notenbank Russlands. Im Vorfeld der Notenbanksitzung zeigt sich der Rubel sehr robust und handelt im Moment bei 74,10 RUB. In der Vorwoche wurde gar ein neues Jahreshoch bei 72,4749 RUB zum Euro markiert.

Diese Berichtswoche steht ganz im Zeichen der Notenbanken, so endete gestern Abend die zweitägige Sitzung der Federal Reserve (Fed). Erwartungsgemäß gab es keine großen Überraschungen aus Übersee und so notiert die europäische Gemeinschaftswährung heute Morgen bei 1,1355 USD, nachdem sie noch vor Wochenfrist bei 1,1398 USD gehandelt wurde.

Im Fokus der Privatanleger standen in den vergangenen Handelstagen vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, brasilianische Real, norwegische Kronen und vereinzelt auch russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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