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Author: Klaus Stopp

Anlagenotstand lässt Bond-Investoren höhere Risiken eingehen

Dieses Dilemma macht Investoren in vielerlei Hinsicht zu schaffen und hat negative Folgen unterschiedlichster Ausprägung. Die eigentliche Ursache dafür ist die expansive Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und hieraus ergeben sich Konsequenzen, welche den viel zitierten Anlagenotstand nur noch verstärken. So kaufen Notenbanken nicht nur Bonds von europäischen Unternehmen, sondern z.B. auch von europäischen Tochtergesellschaften amerikanischer Firmen.

Obwohl dabei auch nicht nur Top-Qualität eingekauft wird (z.B. Steinhoff-Bonds) sind die als vernünftig zu bezeichnenden Emittenten zumeist als QE-tauglich eingestuft und werden bereits am Primärmarkt gezeichnet. Dies führt aber auch dazu, dass sich zunehmend Emittenten mit schwächerer Bonität an den Kapitalmarkt wagten, um sich die günstigen Refinanzierungsbedingungen zunutze zu machen. Eine Rechnung, die aufgegangen ist. Denn in Ermangelung von Alternativen konnten die Hochzinsanleihen bei Investoren meist erfolgreich platziert werden.

Wie die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) berichtet, hat dies allein im zweiten Halbjahr 2017 zu einem Plus von 30% bei Hochzinsanleihen geführt. Mit dem treffenden Wort vom „Yield-Tourismus“ umschreibt Rosemarie Baumann, Senior Portfolio-Managerin bei der Bantleon Bank, diese Entwicklung in der NZZ. Man kann auch von der Jagd nach Rendite reden. Im Ergebnis hat dies zu einer Verschiebung von Investment-Grade-Bonds zu Hochzinsanleihen und somit zu einer Verschlechterung der durchschnittlichen Qualität europäischer Firmenanleihen geführt. Das Topsegment von Anleihen mit bestem Rating von „AAA“ oder „AA“ ist also ständig geschrumpft, während der Anteil von Bonds mit schwächerer Bonität gewachsen ist. Der Markt nimmt die schwächer gerateten High Yield Bonds jedoch dankbar auf.

Eine weitere Ursache für die Verschiebung hin zu schwächeren Ratings liegt auch in der Tatsache, dass Emittenten aus der Finanzbranche auf die Begebung von Anleihen im Investment Grade verzichtet haben und eine Finanzierung über die Aktienmärkte bevorzugten. Vor diesem Hintergrund mag mancher Investor dazu verleitet sein, bei High Yield Bonds zuzugreifen und damit auch höhere Risiken einzugehen. Aber genau vor einer solchen übertriebenen Risikobereitschaft warnen die Experten der ESMA. Denn sollten die Zinsen in absehbarere Zeit tatsächlich anziehen, würden die Kurse der Altemissionen fallen. Neu begebene Bonds wären mit höheren Kupons ausgestattet und das würde im ersten Moment zu Bewertungsverlusten bei den bisherigen Investments führen. Im schlimmsten Fall würden sich darüber hinaus auch noch die Spreads zwischen den einzelnen Ratingklassifizierungen ausweiten und nochmals fallende Kurse bewirken.

Konstruktiv mit Macrons EU-Reformplänen umgehen!

Die Lage ist verflixt. Da wird ein pro-europäisches Land wie Deutschland von der Leidenschaft des benachbarten Präsidenten plötzlich wachgerüttelt, um das gemeinsame Projekt Europa mit Verve neu anzugehen. Doch weil wenigstens eine Regierungspartei im Dauerwahlkampfmodus ist, zeigt man Emmanuel Macron die kalte Schulter, anstatt dessen Ansätze konstruktiv aufzugreifen.

Dabei geht es ja nicht darum, alle seine Vorschläge kritiklos zu übernehmen. Selbstredend muss geprüft werden, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn man einen europäischen Finanzminister und einen gemeinsamen Haushalt für die Eurozone sowie eine parlamentarische Kontrolle etablieren würde. Darüber hinaus schwebt Macron bekanntlich ein europäisches Asyl-Amt vor sowie eine Innovationsagentur, welche die digitale Revolution vorantreiben soll – wogegen man eigentlich kaum etwas haben kann.

Aber insbesondere ein gemeinsamer EU-Haushalt stößt bei der großen Koalition in Berlin auf Skepsis, die berechtigt sein mag. Bevor es soweit kommt, gilt es daher Finanzierungsfragen zu lösen, die etwa durch den Brexit und weitere neue Aufgaben entstehen können. Dasselbe gilt auch für die ohnehin anstehende Vollendung der Bankenunion, bei der Macron nur dann Wohlwollen aus Berlin erwarten kann, wenn gewisse Voraussetzungen geschaffen werden. Bekanntlich ist die Vorstellung den deutschen Banken und Sparern wie Spitzgras, eventuell für griechische oder italienische Banken haften zu müssen. Daher sollte eine gemeinsame Einlagensicherung als Bestandteil der Bankenunion nur dann umgesetzt werden, wenn sämtliche faulen Kredite aus südosteuropäischen Ländern getilgt wären. Das sollte auch der ehemalige Investmentbanker Macron verstehen.

Also geht es darum, den europäischen Reformkurs konstruktiv und mit eigenen Vorschlägen zu gestalten, wie es der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) anmahnt. Schließlich sei die Reform der Währungsunion für die deutsche Industrie von überragender Bedeutung. Immerhin ist man sich in Berlin darüber einig, dass die europäische Zusammenarbeit essenziell ist, um Wachstum und Stabilität in Deutschland und Europa zu sichern. Dasselbe gilt für Sicherheit und Frieden in Europa – zwei Werte, die gar nicht hoch genug bewertet werden können. Daher wäre es fatal, Macron mit seinem Elan ins Leere laufen zu lassen.

Traut sich Großbritannien zum Exit vom Brexit?

Ungeachtet der zur Schau gestellten Zielstrebigkeit der britischen Regierung in Richtung EU-Austritt war die Debatte der Remainers für einen Verbleib in der Gemeinschaft nie ganz verstummt. Jüngste Umfragen in Großbritannien belegen, dass immer mehr Briten eine erneute Volksabstimmung über das für Oktober erwartete Ergebnis der Austrittsverhandlungen mit Brüssel wünschen – mit einer erneuten Option für den Verbleib in der EU. Verschiedenen Umfragen zufolge würden inzwischen 44% beziehungsweise 52% der Briten für einen Exit vom Brexit votieren, während die Gruppe der Brexit-Befürworter immer die kleinere stellt.

Ein solches Referendum schließt die oppositionelle Labour-Party noch aus, selbstredend auch die Torys von Premierministerin Theresa May. Dennoch könnte im Herbst eine Abstimmung im Londoner Unterhaus eine ähnliche Dynamik entfalten – dann nämlich, wenn das Parlament den bis dahin ausgehandelten Austrittsvertrag von May ablehnt.

Inzwischen hat sich eine parteienübergreifende Initiative mit dem Namen „Kampagne für ein Volksvotum“ gegründet, die sich für eine zweite Abstimmung stark macht. Kein Wunder, ist doch auch in der anstehenden Debatte im britischen Oberhaus mit Widerstand gegen Mays Pläne für einen harten Brexit zu rechnen. So wandte sich gestern das House of Lords gegen Mays Plan, die Zollunion mit der Europäischen Union zu verlassen.

Zur Stimmung gegen einen Brexit tragen immer wieder Warnungen aus der Wirtschaft bei, so wie sie jetzt Selbstständige geäußert haben, die nach einem Brexit um ihre Existenz bangen. Sie fürchten darum gegenüber anderen EU-Bürgern ins Hintertreffen zu geraten, haben sie erst einmal die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt verloren. Umgekehrt kommen zunehmend weniger Fachkräfte aus anderen EU-Ländern nach Großbritannien, wie im Pflegebereich deutlich wird.

Ob man daher den Mumm aufbringen wird, das Ganze einfach abzublasen, darf bezweifelt werden. Bleibt die Hoffnung auf eine Abstimmungsniederlage von May im kommenden Herbst. Immerhin hat angesichts des Oberwassers, das die Remainers derzeit haben, selbst der Hardliner und Ukip-Chef Nigel Farage vor kurzem ein zweites Referendum ins Spiel gebracht – so dass selbst einer wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble einen Exit vom Brexit nicht mehr für ausgeschlossen hält.

Unterschiedliche Signale für den Welthandel

Unterschiedliche Signale für den freien Welthandel kommen aus den USA und China. D. T., der Unberechenbare, macht seinem Ruf als unzuverlässiger Kantonist alle Ehre, während Chinas Xi Jinping den internationalen Autobauern Hoffnung macht.

Hatte der US-Präsident vergangene Woche plötzlich in einem Tweet angekündigt, dass die USA dem TPP doch noch beitreten könnten, sofern die Bedingungen besser wären als die, die sein Amtsvorgänger Barack Obama ausgehandelt habe, so machte er per Twitter gleich wieder einen Rückzieher. Bei seinem Amtsantritt hatte sich Trump noch vehement gegen das transpazifische Handelsabkommen (TPP) ausgesprochen.

Nach einem Besuch von Japans Premierminister Shinzo Abe in Florida twitterte Trump nun, dass es doch nichts werden sollte mit den USA und dem freien Handel im Pazifik. Er, der Herr im Weißen Haus, würde bilaterale Geschäfte vorziehen, seien sie doch viel effizienter, profitabler und besser für die amerikanischen Arbeitskräfte. Wäre man nicht bereits an die Kurzatmigkeit des US-Präsidenten gewöhnt, bliebe einem ob derartiger Wankelmütigkeit die Spucke weg.

Das TPP-Abkommen war im März 2018 von den elf anderen Teilnehmerländern Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam unterzeichnet worden. In Richtung Öffnung des Marktes deuten dagegen die Signale, die aus China kommen. Glaubt man den Ankündigungen von Präsident Xi Jinping, hebt das Land der Mitte für Autohersteller aus dem Ausland den Zwang zur Beteiligung einheimischer Unternehmen auf. Hersteller von Elektro- und Hybridautos sollen bereits 2018 von der Auflage befreit werden, sich in einem Joint-Venture mit einem chinesischen Partner zusammentun zu müssen. Für die Hersteller konventioneller Pkws soll es allerdings eine Übergangsfrist von fünf Jahren geben, so dass diese erst ab 2022 ohne Joint-Venture in China produzieren können. Damit geht Peking auf eine langjährige Forderung seiner wichtigsten Handelspartner USA und EU ein. Bisher dürfen Autohersteller aus dem Ausland nicht mehr als 50 % an einem Unternehmen in China halten.

China gilt mit nahezu 29 Mio. verkauften Fahrzeugen (2017) als größter Automarkt der Welt. Allein von deutschen Herstellern geht jedes fünfte Auto ins Reich der Mitte.

HeidelbergCement mit Fokus auf Privatanleger

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat in dieser Woche eine 750 Mio. € schwere 10-jährige Anleihe (A19ZL2) aufgelegt. Ausgestattet mit einem jährlichen Kupon i.H.v. 1,75% und einer Endfälligkeit am 24.04.2028 wurde die Gattung zu einem Preis von 98,87% (+90 bps über Mid Swap) begeben. Sicherlich zur Freude vieler Privatanleger wurde bei dieser Anleihe die kleinste Anlagesumme mit nominal 1.000 € festgeschrieben. Dies ist allerdings inzwischen eher die Ausnahme und die anderen namhaften Emittenten wie Softbank, Grand City Properties und Unibail-Rodamco haben sich für eine Mindeststückelung von nominal 100.000 € entschieden, was insbesondere für institutionelle Kunden interessant erscheint.

So hat der japanische Telekommunikation- und Medienkonzern Softbank eine Dualtranche mit Fälligkeiten am 20.04.2023 und am 20.04.2025 im Gesamtvolumen von 1,45 Mrd. € emittiert. Beide Gattungen wurden zu pari emittiert. Die kürzer laufende Tranche (A19ZQZ) ist mit einem Kupon von 4% p.a. ausgestattet und die Auszahlung erfolgt halbjährlich. Der Emissionsspread belief sich hierbei auf +368 bps über Mid Swap. In den Anleihebedingungen wurden neben der Kündigung zum 20.01.2023 zu 100%, auch eine Make Whole Option und eine CoC-Klausel zu 101% verankert. Die zweite Tranche (A19ZS7) im Volumen von 450 Mio. € ist vergleichbar ausgestattet, hat aber wegen der späteren Endfälligkeit einen Kupon von 4,5% p.a. erhalten, der ebenfalls halbjährlich ausbezahlt wird. Der Emissionsspread belief sich hierbei auf +391 bps über Mid Swap.

Aber auch im Immobiliengeschäft tätige Unternehmen refinanzierten sich am Kapitalmarkt. So sammelte das in Luxemburg beheimatete Unternehmen Grand City Properties mittels eines Perpetual-Bonds (A19ZQE) 350 Mio. € ein. Hierbei ist der Kupon von 2,5% bis zum 24.10.2023 festgeschrieben (+243,2 bps über Mid Swap) und anschließend richtet sich die Verzinsung nach dem gültigen 5-jährigen Euroswap-Satz (+2,432 PP bis zum 24.10.2043 und anschließend +2,682 PP). Darüber hinaus ist eine jährliche Kündigung ab dem 24.10.2023 zu pari in den Anleihebedingungen festgelegt worden.

Das französische Immobilien- und Investmentunternehmen Unibail-Rodamco wurde allerdings in einer ganz anderen Größenordnung am Bondmarkt aktiv. Mittels zweier Perpetual-Bonds wurden 2 Mrd. € aufgenommen. Die erste Anleihe (A19ZL9) - im Volumen von 1,25 Mrd. € - ist mit einer Kuponfestschreibung (2,125% p.a.) bis zum 25.10.2023 und anschließend ebenfalls mit einer variablen Verzinsung, die sich am gültigen 5-jährigen Euroswap-Satz orientiert (+1,675 PP bis zum 25.10.2028, +1,925 PP bis zum 25.10.2043 und anschließend +2,675 PP), ausgestattet. Eine erste Kündigung ist zum 25.07.2023 und anschließend jährlich jeweils zum 25.10. möglich. Die zweite Tranche (A19ZMA) hat eine Zinsfestschreibung i.H.v. 2,875% p.a. bis zum 25.04.2026 und ist ab diesem Zeitpunkt zum Kurs von 100% kündbar. Sollte eine Kündigung ausbleiben, so richtet sich die neue jährliche Verzinsung nach dem gültigen 5-jährigen Euroswap-Satz (+2,109 PP bis zum 25.04.2031, +2,359 PP bis zum 25.04.2046 und anschließend +3,109 PP).

Der Ausbruch aus dem Dreieck naht

Hatte man in der Vorwoche noch damit gerechnet, dass es im Falle einer Stabilisierung an den Aktienmärkten Umschichtungen von Bonds zu Equities geben würde, so mussten die Marktteilnehmer erkennen, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Auf der Suche nach Erklärungen für die gleichzeitige Freundlichkeit bei diesen beiden Assetklassen war eine eindeutige Ursache nicht zu erkennen. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung verschiedener Faktoren, die dazu beigetragen haben. So sind die Märkte aktuell nicht mehr als „faktgetrieben“, sondern eher als „zufallgetrieben“ zu bezeichnen. Die Sprunghaftigkeit insbesondere bei D.T., dem Unberechenbaren, der heute „hü“ und morgen „hott“ sagt, verunsichert immer mehr die Investoren. Aber auch die in der kommenden Woche stattfindende EZB-Ratssitzung wirft bereits ihre Schatten auf die Bondmärkte. Denn die Aussicht auf eine, wenn auch nochmals deutlich reduzierte, Verlängerung der Ankaufprogramme bis zum Jahresende, ist für manche Marktteilnehmer Anlass genug, nicht auf eine Trendwende zu setzen. Zu groß sind auch die wirtschaftlichen Risiken in den USA und der Europäischen Union infolge der immer noch zur Disposition stehenden Strafzölle sowie der Vielzahl an politischen Krisenherden.

Aktuell scheint sich die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen bei 0,50% festgebissen zu haben, aber das wird nicht für immer und ewig so bleiben. In solchen Situationen erinnert man sich gerne an die Charttechnik. Noch ist der Aufwärtstrend intakt, aber die bei ca. 159,60% befindliche Widerstandslinie konnte bisher nicht überwunden werden. In Kombination mit der unteren Begrenzungslinie des Aufwärtskanals ergibt sich ein Dreieck, aus dem der Euro-Bund-Future in den kommenden Tagen ausbrechen wird. Nach oben wäre anschließend ein Testen der psychologischen Marke bei 160% möglich, aber wahrscheinlicher wird ein Test der 158,40% sein. Denn es besteht immer noch die Hoffnung, dass die Krisenherde in Verhandlungen abgeschwächt werden können und man zu einem halbwegs vernünftigen Miteinander zurückkehrt. Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei 158,80% und somit bereits deutlich unterhalb der Leitplanke der bisherigen Aufwärtsbewegung bei 158,96%.

Bunds trotz Renditerückgang gesucht

In dieser Handelswoche wurden in den USA die üblichen T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei und sechs Monaten im Gesamtvolumen von 135 Mrd. USD aufgelegt und am heutigen Donnerstag können Interessierte noch bis zu 16 Mrd. USD in 5-jährige TIPS investieren. Erst in der kommenden Woche werden auch wieder Bonds mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren angeboten.

In Euroland hingegen waren neben der Slowakei bei zwei Anleihen (A18W5D / 2031 ; A19QRP / 2047) noch Frankreich mit zahlreichen Aufstockungen von Altemissionen (A19U9A / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1ZKFM / 2024 ; A18Y73 / 2021 ; A1HGEZ / 2024) am Kapitalmarkt aktiv. Aber auch die beiden im Halbfinale der Champions League vertretenen Staaten Spanien und Deutschland haben sich präsent gezeigt. So hat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland am gestrigen Mittwoch die aktuelle 10-jährige Bundesanleihe (110244) um 3 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. € aufstocken können. Trotz des gesunkenen Renditeniveaus wurden Kaufaufträge für nominal 3,492 Mrd. € eingereicht und die Zuteilung von 2,4558 Mrd. € erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,51%. Der verbleibende, nicht zugeteilte Betrag wurde zur Marktpflege in den Eigenbestand des Bundes umgebucht. Am heutigen Donnerstag beschließt somit Spanien mit der Erhöhung des Emissionsvolumens von drei Bonds (A19P6R / 2022 ; A19VKR / 2028 ; A19DZD / 2033) die Aktivitäten am Primärmarkt für europäische Staatsanleihen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Euro aus seiner Lethargie erwacht

Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich dieser Tage in einem sehr ruhigen Fahrwasser und lässt sich von den aktuellen Brandherden rund um den Globus nicht anstecken.

So handelte das Währungspaar EUR-USD in der vergangenen Berichtswoche ohne nennenswerte Impulse in einer engen Bandbreite zwischen 1,23 USD und 1,2414 USD, einem neuen Dreiwochen-Hoch. Diese Entwicklung ist wieder einmal auf einen Tweet von US-Präsident Trump zurückzuführen. In der Folge schwächte sich der Greenback ab und die Einheitswährung konnte davon leicht profitieren. Heute Morgen handelt die Währung Europas wenig verändert und somit auf dem Niveau der vergangenen Handelstage bei ca. 1,2400 USD. Jedoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Euro aus der Lethargie erwacht.

In seinem Tweet warf Donald Trump China sowie auch Russland vor, ein Abwertungs-Spiel ihrer Währungen zu betreiben. Doch er selbst hatte, zumindest im Fall Russland, mit den neuen Sanktionen den Rubel auf Talfahrt geschickt. Inzwischen konnte sich der Rubel allerdings wieder leicht erholen. So notiert der Euro derzeit bei rund 75 RUB und damit unter der wichtigen Marke von 80 RUB. Der Dollar handelt aktuell in der Nähe von 60 RUB, nachdem er vor Wochenfrist noch um die Marke von 65 RUB notiert hatte.

Für Aufmerksamkeit sorgt momentan auch die Schweizer Devise. So stieg der Euro zum Franken zur Wochenmitte zeitweise bis auf 1,19952 CHF und damit ziemlich nah an den Mindestkurs von 1,20 CHF, den die schweizerische Nationalbank bis Januar 2015 verteidigt hatte.

Um ihr Depot breiter aufzustellen, waren Privatanleger in dieser Berichtswoche vermehrt auf der Suche nach Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, südafrikanische Rand, norwegische Kronen sowie auch russische Rubel und türkische Lira.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Die Rhetorik bei der EZB verändert sich

Allen Marktteilnehmern ist klar, dass die Kehrtwende in der europäischen Zinspolitik bevorsteht. Aber wegen der sich täglich vermehrenden politischen und wirtschaftlichen Streitthemen ist eine seriöse Prognose hinsichtlich des Zeitplans nicht möglich. Jedoch ist ein sogenanntes Drehbuch für die Zinswende nur die eine Seite der Medaille. Denn bevor man den Plan in die Tat umsetzen kann, müssen die Finanzmärkte auf die geldpolitischen Anpassungen mit einer geänderten Kommunikation vorbereitet werden. Hierin liegt zunächst das Hauptproblem, denn bisher hat man den einzelnen Ratsmitgliedern außerhalb der siebentägigen „Quiet Periode“ keinen Maulkorb angelegt.

So wurde man immer wieder mit den Bedenken eines Jens Weidmann zu den aktuellen EZB-Ankaufprogrammen oder aber auch mit den Gedanken eines Vitor Constancio, dem im kommenden Monat scheidenden EZB-Vizepräsidenten, bzw. von Benoit Coeure konfrontiert. Betonte Jens Weidmann stets die Dringlichkeit eines Endes von QE, so warnte Vitor Constancio immer wieder - mit dem Hinweis auf das noch nicht erreichte Inflationsziel - vor einem zu raschen Wechsel auf eine straffere Geldpolitik. Auch der Franzose Benoit Coeure verweist bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf, dass Geldpolitik eine langfristige Angelegenheit ist und noch für längere Zeit - die Wirtschaft unterstützend - eingesetzt wird. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass für Investoren der Traum von inflationsausgleichenden Zinsen auch in naher Zukunft nicht in Erfüllung gehen wird.

Dies heißt allerdings nicht, dass Zinsanpassungen generell ausgeschlossen werden können. Es wird im Zuge der anstehenden Zinsentscheidungen der wichtigen Notenbanken sehr viel Fingerspitzengefühl von den Notenbankern um Mario Draghi verlangt werden. Doch was bedeutet das? Sollen die Marktteilnehmer immer wieder mit den gleichen Argumenten auf den Tag „X“ vorbereitet werden? Nein, das kann und wird nicht die Strategie sein. Eher stellt sich das Gefühl ein, dass die Notenbanker mit unterschiedlichen Sichtweisen eine „Schaukelbewegung“ initiieren sollen, um die Reaktionen der Marktteilnehmer besser beurteilen zu können.

Anders ist die jüngste Äußerung des österreichischen Vertreters Ewald Nowotny zu Anleihekäufen und Zinsentwicklung nicht zu verstehen. In einem Interview hat er die Möglichkeit einer Erhöhung des Einlagensatzes von -0,40% auf -0,20% ins Spiel gebracht, und zwar noch bevor der Leitzins erhöht werden würde. Die Reaktion an den Devisenmärkten ließ nicht lange auf sich warten. Aber auch die Tatsache, dass ein EZB-Sprecher sich genötigt sah, darauf hinzuweisen, dies spiegele nicht die Meinung des EZB-Rates wider, sondern nur des Gouverneurs Nowotny, lässt vermuten, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch viele dieser „Testballons“ aufsteigen werden.

Gespenst eines Handelskriegs ist erst einmal verscheucht

Soll das etwa heißen, D. T., der Unberechenbare, hat Erfolg mit seiner aggressiven Art, Wirtschaftspartner durch eine protektionistische Handelspolitik unter Druck zu setzen? Tatsächlich scheinen die Drohungen des US-Präsidenten in China Wirkung zu entfalten. Nachdem Trump seine Keule der Androhung von Strafzöllen geschwungen hat, gibt sich der Staatschef in Peking, Xi Jinping, gefügig. Bei dem Gipfel im chinesischen Davos, Boao, avisierte Xi, seine Regierung werde ausländischen Unternehmen, insbesondere aus der Finanzbranche, den Markteintritt in China erleichtern.

Auch der Forderung der Autoindustrie nach einer Lockerung von Beteiligungsregeln will Peking offenbar nachgeben. Ebenso soll geistiges Eigentum künftig besser geschützt werden. Bekanntlich beklagen westliche Firmen immer wieder, den mangelnden Schutz von Patentrechten im Reich der Mitte. Als weiteres Zugeständnis gegenüber den USA, aber auch Europa, zählt insbesondere die Ankündigung von Xi, die Zölle auf importierte Autos beträchtlich zu senken – ein Umstand, der natürlich auch in der deutschen Autoindustrie für Jubel sorgen dürfte. China belegt zurzeit die Einfuhr ausländischer Fahrzeuge mit 25% Zoll. Ebenso hat die Ankündigung der chinesischen Zentralbank, auf eine Abwertung der Landeswährung Yuan als Druckmittel gegen Washington zu verzichten, für weitere Entspannung gesorgt.

Wieviel diese Signale, die da Peking aussendet, wert sind, muss sich zwar erst noch zeigen. Schließlich hat Xi bereits vor gut einem Jahr im schweizerischen Davos sich nahezu wortgleich geäußert. Und geschehen ist bislang reichlich wenig. Im Gegenteil, Beobachter weisen immer wieder darauf hin, dass sich die Situation für ausländische Firmen in China in den vergangenen Jahren häufig verschlechtert und nicht etwa verbessert habe.

Aber dass China nun liefern wird, davon sind die Kapitalmärkte überzeugt. Dies zeigen die Reaktionen an den weltweiten Aktienmärkten, die allesamt mit steigenden Kursen reagierten. Das Gespenst eines andauernden Handelskriegs ist mit Xis Einlenken zunächst einmal verscheucht. Trump, der China gedroht hatte, Produktgruppen im Volumen von 100 Mrd. USD mit Strafzöllen zu belegen, kann die Zugeständnisse aus Peking als seinen Erfolg verbuchen. Dennoch wird seine Unberechenbarkeit etwa im Syrien-Konflikt weiterhin dazu beitragen, dass die Kapitalmärkte auch künftig volatil bleiben werden. So bereits gestern geschehen. Via Twitter einen militärischen Schlag anzukündigen, ist eines Staatsmannes nicht würdig. In Zeiten von Kennedy und Nixon hat man die Botschafter der betroffenen Staaten einbestellt, um die weiteren Schritte zu erläutern bzw. anzudrohen. Das waren noch Zeiten - gute alte Zeiten!

Von Machtproben und griechischen Dramen

Es ist die erste richtige Machtprobe zwischen den Gewerkschaften und Staatspräsident Emmanuel Macron, die sich derzeit im Nachbarland Frankreich abspielt. Im Arbeitskampf mit den Bahnarbeitern, Müllwerkern oder Air-France-Beschäftigten will sich der Hausherr im Elysée-Palast als starker Präsident profilieren – ein Spiel mit hohem Risiko. Denn sollte Macron den Kampf verlieren, wären wesentlich wichtigere Reformen, die es anzupacken gilt, gefährdet. Unter anderem liegt die Malaise in einem ausgeprägten Mangel an Fachkräften bzw. den hohen Unternehmenssteuern.

Immerhin, geliefert hat Frankreichs junger Präsident beim Thema Haushalt. Erstmals seit zehn Jahren konnte Paris 2017 mit 2,6% sein Budgetdefizit wieder unter die Maastricht-Norm von 3% drücken. Auch für das laufende und das kommende Jahr ist damit zu rechnen, dass die 3%-Grenze nicht gerissen wird.

Aber auch Italien hat 2017 das Maastricht-Kriterium für die Neuverschuldung eingehalten. Mit 2,3% liegt der Wert allerdings über den erwarteten 1,9%, von denen Rom ursprünglich ausgegangen war. Notwendig geworden war die Korrektur nach oben wegen der Pleite zweier Banken in Venetien sowie der Traditionsbank Monte dei Paschi, die allesamt durch Staatsgelder gerettet worden waren. Insgesamt beträgt der Schuldenberg in Italien 131,8% des BIPs und liegt damit doppelt so hoch wie der in Deutschland. Ungewiss ist der weitere Kurs von Italien, nachdem es bei den Parlamentswahlen am 4. März eine Pattsituation gegeben hat. Diesen Donnerstag soll die zweite Konsultationsrunde über eine Regierungsbildung starten.

Um Staatsschulden geht es auch weiterhin in Griechenland, genauer gesagt um Schuldenerleichterungen, wie sie die Regierung in Athen erneut anstrebt. Zwar soll Griechenland nach acht Jahren Krise das internationale Rettungsprogramm beenden. Doch auch wenn dann die letzten Hilfskredite geflossen sein werden, bleibt Athen auf einem riesigen Schuldenberg sitzen. Der wird bis Jahresende auf 332 Mrd. € oder 180% des BIPs anwachsen, was für das griechische Schuldendrama heißt: Kein Ende in Sicht. Daher haben der Eurorettungsschirm ESM und Frankreich nun Vorschläge gemacht, wie man die Laufzeiten der Hilfskredite weiter strecken könnte. Dass es zu Schuldenerleichterungen für Athen kommen wird, scheint bereits festzustehen. Einzig offen ist die Frage nach dem Wie für diese insbesondere in Deutschland unpopuläre Maßnahme.

Barnier: Reibungsloser Handel auch nach dem Brexit

Dass die wirtschaftlichen Folgen eines Austritts von Großbritannien aus der EU beträchtlich sein werden, darauf weisen Wirtschaftsvertreter immer wieder hin. So drückt der Brexit laut einer Studie sogar schon länger auf die Stimmung der britischen Banken als die globale Finanzkrise. Im ersten Quartal 2017 lag der CBI/PwC-Barometer bei minus 17% und damit das achte Quartal in Folge. Nicht von Ungefähr hat EU-Chefunterhändler Michel Barnier Großbritannien zum Verbleib in Binnenmarkt und Zollunion der Gemeinschaft aufgerufen. Das sei die einzige Option, die einen reibungslosen Handel ohne Kontrollen ermöglicht, so Barnier. Daher strebt die EU ein weitgehendes Freihandelsabkommen mit Großbritannien an, sieht jedoch auch die Grenzen einer solchen Regelung mit Blick auf Mitbestimmungsrechte und den Marktzugang für britische Firmen in den EU-Binnenmarkt.

Doch die EU-Verhandlungsdelegation um Barnier hat nicht nur wirtschaftliche Themen im Blick, sondern auch die politisch brisante Frage nach der Grenzsituation zwischen Nordirland und der Republik Irland. War es doch der Status einer „no hard border“, der die Grundlage des Karfreitagsabkommens von 1998 darstellte, das zu einer Befriedung des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in der Region geführt hat. Mit Beginn des Brexits müsste es mitten in Irland wieder Zoll- und Warenkontrollen geben, weil die EU ein unbeschränktes Einfallstor in ihren Binnenmarkt nicht zulassen will.

Deshalb strebt die EU durch eine Ausnahmeregelung für Nordirland die Integration in die EU-Zollunion an. In der Konsequenz wären dann Kontrollen zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreiches nötig. Damit würde die Außengrenze der EU mitten durch Großbritannien verlaufen, was wiederum insbesondere die Brexiteers nicht zulassen wollen. Setzt sich aber die Idee von Barnier durch, würde Nordirland im Prinzip weiter wie ein Mitglied der EU behandelt werden.

Die Themen, die es für die Verhandlungspartner abzuarbeiten gilt, sind also vielfältig. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Zeit knapp wird. Auf 29. März 2019, also in weniger als 12 Monaten, ist der Brexit terminiert. Daher sollte das eigentliche Austrittsabkommen bereits bis Oktober ausgearbeitet sein. Doch wie soll das gelingen?

Schuldenberg der USA wächst kräftig

Angesichts der lauten Töne eines drohenden Handelskrieges ist die Frage nach dem Haushaltsdefizit der USA etwas in den Hintergrund getreten. Wie nun eine neue Analyse des Haushaltsbüros des US-Kongresses offenbarte, wird sich die Neuverschuldung des Landes im Fiskaljahr (bis Ende September) um 139 Mrd. USD auf 804 Mrd. USD erhöhen. Ursache dieser Entwicklung ist die Steuerreform von D. T., dem Unberechenbaren, und das erst kürzlich gebilligte Haushaltsgesetz. Zwar wird davon ausgegangen, dass die Steuerreform für jährlich 0,7% mehr Wachstum sorgt. Dieser Schub kann aber die entstehende Haushaltslücke nur teilweise ausfüllen. Trump hatte dagegen behauptet, dass sich die Steuerkürzungen selbst tragen würden. Wie das überparteiliche Haushaltsbüro (CBO) weiter feststellte, soll das Defizit weiter „substanziell wachsen”, bevor 2023 eine Stabilisierung eintrete.

Auch in relativen Zahlen ist dieser Trend besorgniserregend. So wird das Defizit von 3,5% des BIPs auf 5,1% im Jahr 2022 ansteigen. Sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wird das Defizit auch auf diesem Niveau verharren. Damit sieht sich Trump mit einer sich verschlechternden Haushaltslage konfrontiert. Entsprechend wird die Staatsschuldenquote in den kommenden zehn Jahren auf nahezu 100% des BIPs ansteigen und damit den höchsten Schuldenstand seit dem Zweiten Weltkrieg erreichen.

Coty setzt eine Duftmarke

Infolge der Marktentwicklung wurden in den vergangenen Wochen immer wieder Anleihen gemäß den Emissionsbedingungen vorzeitig gekündigt und die Investoren, der dadurch nach Wiederanlage verlangenden finanziellen Mittel, konnten unter zahlreichen Neuemissionen auswählen, wobei allerdings nicht mehr annähernd die damalige Renditen erzielt werden können.

So hat beispielsweise das Unternehmen Coty, ein Parfüm- und Kosmetikkonzern mit Sitz in New York, zwei Anleihen platziert und dadurch insgesamt 800 Mio. € refinanziert. Der erste Teil der Dualtranche (A19YUL) ist am 15.04.2023 endfällig und mit einem Kupon von 4% (halbjährliche Zinszahlung) ausgestattet. Begeben wurde diese Tranche bei pari, was einem Emissionsspread von +409 bps über Bunds entsprach. In den Anleihebedingungen wurde eine vorzeitige Rückzahlung zum 15.04.2020 zu 102%, zum 15.04.2021 zu 101% bzw. zum 15.04.2022 zu 100% festgeschrieben. Die zweite Tranche (A19YVH) ist erst am 15.04.2026 fällig und wurde nach dem gleichen Muster begeben. Das heißt ebenfalls halbjährliche Zinszahlung (Kupon: 4,75% p.a.), Begebung zu 100% (+449 bps über Bunds) und jährliche Kündigungsmöglichkeit ab dem 15.04.2021 zu gestaffelten Preisen (103,563% / 102,375% / 101,188% bzw. 100%). Bei beiden Gattungen wurde die Mindeststückelung auf nominal 100.000 € fixiert.

Aber auch Unternehmen der Autobranche, wie das niederländische Tochterunternehmen, Volkswagen Fin. Serv., stellten den Investoren Material zur Verfügung. Neben einem Floater (A2LQJZ) mit Mindeststückelung von nominal 100.000 €, der zu 100,228% emittiert wurde, am 11.10.2019 zur Rückzahlung ansteht und dessen Zins sich am 3-Monats-Euribor orientiert (+0,35 PP und aktuell bei 0,021%), wurden auch noch zwei weitere Emissionen aufgelegt. Die zweite Anleihe (A2LQJ0) ist am 12.04.2021 zurückzuzahlen, hat einen jährlichen Kupon von 0.375%, wurde zu 99,926% emittiert (+37 bps über Mid Swap) und ist 500 Mio. € schwer. Die am 12.04.2023 fällig werdende Gattung (A2LQJ1), im Volumen von 750 Mio. €, wurde zu 99,505% begeben und ist mit einem jährlichen Kupon von 0,875% ausgestattet. Dies entsprach einem Spread von +60 bps über Mid Swap. Die beiden zuletzt genannten VW-Anleihen wurden in der privatkundenfreundlichen Stückelung (nominal 1.000 €) aufgelegt. Zusammen mit dem Floater konnte Volkswagen somit 2,25 Mrd. € aufnehmen.

Andere Autohersteller wie die französischen Unternehmen PSA (XS1808861840) und Renault (FR0013329315) wollten dem nicht nachstehen. PSA hat sich dadurch die aktuellen Konditionen für fünf Jahre und Renault für sechs Jahre gesichert. Nähere Informationen zu diesen beiden Bonds erhalten Sie im Internet unter www.bondboard.de.

Nachhaltige Erholung oder nur Flucht in den sicheren Hafen?

In diesem aktuellen weltpolitischen Umfeld eine Trendeinschätzung an den internationalen Finanzmärkten zu wagen, kommt einem Blick in die Glaskugel gleich. Haben doch die unterschiedlichsten Schlagzeilen zu Handelsbeschränkungen, Strafzöllen, Brexit und zukünftiger Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks zu oftmals spiegelbildlichen Reaktionen an den Aktien- und Rentenmärkten geführt. Jetzt allerdings besteht die Möglichkeit – im Falle einer Rückkehr der Risikobereitschaft an den Aktienmärkten – zu überprüfen, ob sich dadurch die Renditenrückgänge wieder umkehren.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass der Mitte Februar initiierte Aufwärtstrend weiterhin intakt ist. Somit ergeben sich nach charttechnischer Analyse ein erster Widerstand im Bereich 159,60% und ein zweiter bei ca. 160,26%. Die untere Unterstützungslinie des aufwärtsgerichteten Trendkanals verläuft momentan bei ca. 159,14% mit einer täglichen Steigerung von +0,11 Prozentpunkten.

Insgesamt wurden viele Marktteilnehmer von der positiven Entwicklung der Anleihekurse überrascht, aber auf dem aktuellen Niveau bei den 2-, 5- und 10-jährigen Bunds besteht unter normalen Voraussetzungen keine Veranlassung, auf weiter steigende Kurse zu setzen. Sollte sich jedoch die Situation bei einem der diversen Krisenherde dramatisch verändern, so wäre auch von hier aus ein weiterer Anstieg möglich. Normalerweise sollten allerdings eine Beruhigung an den Aktienmärkten und die Rückkehr der Vernunft bei den Politikern eher für einen Rücksetzer beim Sorgenbarometer sorgen.

Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei ca. 159,45%, was einer Rendite für 10-jährige Bunds von ca. 0,50% entspricht.

USA refinanziert fast 200 Mrd. USD

In dieser Handelswoche haben die USA insgesamt T-Bills, T-Notes und T-Bonds für 199 Mrd. USD aufgelegt und somit die 200er-Milliarden-Grenze nur knapp verfehlt. Emittiert wurden einmal die wöchentlich üblichen Geldmarktpapiere (4 Wochen, 3 und 6 Monate) für 135 Mrd. USD sowie T-Notes mit Laufzeiten von 3 und 10 Jahren für insgesamt 51 Mrd. USD. Abgerundet wird das Ganze am heutigen Donnerstag mit der Aufstockung der 30-jährigen T-Bonds.

In Euroland hingegen wurden wesentlich kleinere „Brötchen“ gebacken. So zeigten sich neben Deutschland die Niederlande (A19QGZ / 2024), Österreich (A19VB0 / 2028 ; A0G4X4 / 2037) und Italien mit diversen Aufstockungen am Kapitalmarkt aktiv. Insgesamt wurden auf diesem Wege ca. 11 Mrd. € eingesammelt. Für die Bundesrepublik Deutschland wurde einmal die inflationsindexierte Anleihe (103056 / 2026) um 500 Mio. € auf nunmehr 14 Mrd. € und die 2046 endfällige Anleihe (110234) um 1,5 Mrd. € auf 24,5 Mrd. € aufgestockt. Die Zuteilung erfolgte beim Linker zur realen Durchschnittsrendite von -1,11% und bei der technisch unterzeichneten Bundesanleihe mit einer Durchschnittsrendite von 1,12%. Anzumerken ist hierbei, dass für die 1,5 Mrd. € lediglich Kaufaufträge im Volumen von 1,073 Mrd. € aufgegeben wurden. Hiervon wurden 1,043 Mrd. € berücksichtigt und die restlichen 457 Mio. € zur Marktpflege umgebucht.

Russland und Türkei werden am Devisenmarkt abgestraft

Am Devisenmarkt sind es dieser Tage die Währungen Russlands sowie der Türkei, welche die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich ziehen. Beide Staaten verbindet eine enge Handelsbeziehung und dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der Außenwert dieser beiden Währungen so stark gefallen ist.

Die neuerlichen Sanktionen der Vereinigten Staaten gegenüber Russland brachten neben dem heimischen Aktienmarkt auch die eigene Währung gewaltig unter Druck. Im Vergleich zum US-Dollar verlor der Rubel deutlich. Ein Dollar kostete zeitweise 65,0396 RUB und erreichte damit den höchsten Wert seit November 2016. Vor der Veröffentlichung der neuen Sanktionen handelte der US-Dollar noch bei einem Wechselkurs von 58 RUB. Auch zum Euro zeigt sich das gleiche Bild. So konnte die Gemeinschaftswährung erstmals seit März 2016 wieder die Marke von 80 RUB überspringen.

Eine noch schlechtere Entwicklung ist in den vergangenen Handelstagen bei der türkischen Landeswährung zu beobachten. Der Kurs der türkischen Lira ist mittlerweile seit geraumer Zeit im freien Fall. Zum Wochenstart stieg der Euro erstmals über die wichtige Marke von 5 TRY. Damit setzt die Bosporus-Währung ihre Talfahrt fort und markierte neue Rekordtiefs sowohl gegenüber dem Euro (5,1940 TRY) als auch dem Greenback (4,1934 TRY).

Das Devisenpaar EUR/USD handelte in den vergangenen drei Wochen in einer relativ engen Tradingrange zwischen 1,2215 USD und 1,2476 USD, um nach der gestrigen Veröffentlichung des Protokolls der letzten FOMC-Sitzung heute Morgen bei 1,2365 USD zu notieren.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen aufgrund der aktuellen Entwicklungen Bonds lautend auf russische Rubel und türkische Lira im Fokus der Privatanleger. Darüber hinaus zählten Währungsanleihen auf US-Dollar, südafrikanische Rand sowie auch vereinzelt mexikanische Peso zu den gesuchten Papieren.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

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Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

Jerome Powell wird sich noch freischwimmen

Am gestrigen Mittwoch hat der neue Fed-Präsident Jerome Powell auf der Pressekonferenz das bekannt gegeben, was bereits im Vorfeld der zweitägigen Sitzung eingepreist war, nämlich die sechste Zinsanhebung seit Dezember 2015. Mit dieser Anpassung des Korridors um 25 bps auf 1,50% bis 1,75% wurde der bereits unter seiner Vorgängerin Janet Yellen beschrittene geldpolitische Weg weiter fortgesetzt. Somit kann man zwar noch nicht behaupten, dass er sich mit diesem Schritt freigeschwommen hat, aber er wird schon bald Gelegenheit haben, der zukünftigen Notenbankpolitik seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Der für vier Jahre ernannte Chef der amerikanischen Notenbank hat nämlich die Aufgabe übernommen, die Leitplanken zu installieren, um die US-Konjunktur in die richtigen Bahnen zu lenken. Sicherlich besteht keine Veranlassung, ihn um diese Aufgabe zu beneiden! Denn in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump, der jeden Tag für mindestens eine Überraschung gut ist, muss er gemeinsam mit den anderen Board-Mitgliedern den für die Finanzmärkte immens wichtigen Part der geldpolitischen Zuverlässigkeit übernehmen. Deshalb wurde am gestrigen Abend sehr viel Wert auf die Wachstumsprojektionen gelegt, denn bei der letzten Vorstellung der Summary of Economic Projections (SEP) im Dezember des vergangenen Jahres waren Themen wie Handelskrieg, Steuerreform und Schuldenobergrenze noch nicht oder nur teilweise berücksichtigt.

Bei der anschließenden Erläuterung des einstimmigen FOMC-Entscheids wurde deutlich, dass es noch zu früh ist, um die Projektion auf vier Zinsanhebungen in 2018 zu erhöhen und deshalb wurden vorerst nur je drei Schritte nach oben für 2018 und für 2019 signalisiert. Für die bereits angedeuteten Anhebungen hat man noch genügend Zeit und kann zuerst die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen abwarten. Denn die Unsicherheit infolge des sich abzeichnenden Handelskrieges zwischen den USA und China bzw. anderen wirtschaftlichen Partnern ist einfach noch zu groß. Aktuell sieht es zwar so aus als würden die europäischen Partner einknicken und eine Eskalation vermeiden wollen. Aber ob auch China als größter Gläubiger der USA diesen Weg einschlagen wird, ist zu bezweifeln. Denn China drohte bereits mit einem Abverkauf amerikanischer Staatsanleihen. Sollte diese Karte gezogen werden, so hätte dies Einfluss auf die weitere Zinspolitik der amerikanischen Notenbank. Zumal die extrem flache Zinskurve zwischen 2 und 10 Jahren (aktuell 0,57 bps) sicherlich in Erwartung weiterer Zinsanhebungen einem massiven Verkaufsdruck nicht standhalten könnte. Eine Versteilerung der Kurve wäre die logische Konsequenz und würde die US-Notenbanker zum Gegensteuern zwingen. Denn in Anbetracht des riesigen Schuldenberges und den Steuergeschenken der US-Regierung kann auch die amerikanische Notenbank nicht an schnell steigenden langfristigen Zinsen interessiert sein. Zu zwei Themen gibt es in diesem Zusammenhang kurzfristig Neuigkeiten zu vermelden. So erhöhte auch Chinas Notenbank den sogenannten Reverse-Repo-Satz von 2,50% auf 2,55% und in den USA einigte sich der Kongress auf eine Zwischenlösung im US-Haushaltsstreit.

Es gibt also noch genügend Möglichkeiten für den neuen Fed-Präsidenten, sich zu profilieren und freizuschwimmen.

Einen Scotch auf die Strafzölle!

Peter Altmaier will’s richten. Bis Freitag will der neue Wirtschaftsminister, der gerade in Washington weilt, versuchen, drohende Strafzölle der US-Administration abzuwenden. Sicher, US-Handelsminister Wilbur Ross, einer der geistigen Väter der Strafzölle, hat ihn freundlich empfangen. Zumal Altmaier einen diplomatischen Hochseilakt probt, obwohl er formal bei dem Streit gar keine Rolle spielt. Vielmehr fallen die Entscheidungen beim US-Präsidenten und der EU-Kommission.

So gesehen spiegelt die Aktion von Altmaier die helle Aufregung wider, in welche die europäischen Handelspartner der USA geraten sind, nachdem D. T., der Unberechenbare, seine protektionistischen Maßnahmen angekündigt hatte. Diese verstoßen zwar gegen internationales Recht, aber einem Präsidenten wie Trump ist das einerlei. Jetzt stehen die Vertreter der Handelspartner wie Altmaier in Washington Schlange, um zu retten, was nicht zu retten ist.

Die Crux ist, dass sich die EU das Gebaren des US-Präsidenten nicht bieten lassen darf, da dieser ansonsten an dieser Machtdemonstration weiter Gefallen findet. Dies verdeutlicht sein jüngstes Vorhaben, wonach er nun 100 chinesische Produkte in Höhe von jährlich 50 Mrd. USD mit weiteren Strafzöllen belegen will. Dies soll offenbar die Revanche für Urheberrechtsverletzungen der Chinesen sein.

Aber nicht nur bei den Handelspartnern der USA, auch in der eigenen Wirtschaft regt sich Widerstand gegen den von Trump praktizierten Protektionismus. 45 Unternehmensverbände aus den Branchen Hightech, Textilhandel, Landwirtschaft und Automobil, die Firmen wie Apple, die Google-Mutter Alphabet, Walmart und Nike repräsentieren, warnen in einem Brief vor einer „Kettenreaktion negativer Folgen für die US-Wirtschaft“. Befürchten sie doch einen Rückgang der US-Exporte von Agrar- und Industriegütern sowie Dienstleistungen und steigende Kosten für Unternehmen und Verbraucher in den USA.

Doch Hand aufs Herz, es ist ja auch was dran, wenn Trump Ungerechtigkeiten an den Zollpraktiken beklagt. So zeigt sich, dass die EU für Autos und Produkte aller Handelssparten bislang zum Teil deutlich höhere Zölle verlangt als die USA. Bekanntlich erhebt die EU 10% auf die Einfuhr von Autos, die USA ihrerseits aber nur 2,5%. Und vergleicht man die durchschnittlichen Zölle aller Handelssparten, langt die EU mit 5,2% mehr zu als die USA mit 3,5%. Das kann auch jemand wie Altmaier nicht einfach wegargumentieren. Allerdings vermischt Trump immer wieder Themen wie Handelsungleichgewichte, Nato-Verpflichtungen oder unterschiedliche Zölle und entzieht sich damit einer rationalen Diskussion.

Ob der deutsche Wirtschaftsminister nun einen von ihm angestrebten Kompromiss bis Freitag präsentieren kann, darf bezweifelt werden. Der Handelskrieg dürfte seinen Lauf nehmen. Darauf sollte sich die EU einstellen. Also wird die EU wohl mit Steuern auf „Ausweichprodukte“ wie Jeans und Bourbon Whiskey reagieren. Und das wird wenigstens die Whisky Distilleries in Schottland, Irland und auf der schwäbischen Alb oder am Schliersee freuen. Darauf einen Scotch!

Bankenunion wird zu einem Knackpunkt in der EU

Während die Kanzlerin Europa eher in Trippelschritten voranbringen will, möchte Emmanuel Macron die Gemeinschaft mit Verve weiterentwickeln. Aber nicht nur beim gewünschten Tempo einer EU-Reform gibt es zwischen den angestammten Partnern Deutschland und Frankreich gewisse Dissonanzen. Es ist insbesondere das Thema Bankenunion, bei dem die Unterschiede in der deutsch-französischen Freundschaft zum Ausdruck kommen. Ok, Angela Merkel hat sich zur Vollendung der Bankenunion bekannt, stellt allerdings Bedingungen. Zuvor müsse es einen weiteren Abbau der Schulden und Risiken nationaler Banken in den EU-Staaten geben, fordert die Kanzlerin.

Deutschland sei zum einen bereit, Souveränität abzugeben, wenn Dinge durch Europa besser geregelt werden könnten und zum anderen, in der nächsten EU-Finanzperiode mehr Geld nach Brüssel zu überweisen, sagte Merkel. Was sie aber ausschließt ist, dass Haftung und Verantwortung durcheinandergebracht oder Schulden einfach vergemeinschaftet werden, ohne wettbewerbsfähig zu werden. Damit wird offensichtlich, dass ihr Macrons Pläne für einen Euro-Finanzminister und ein Eurozonen-Budget zu weit gehen, zumindest in Anbetracht der bestehenden Risikosituation europäischer Banken. Die ist zum Teil enorm, betrachtet man Griechenlands Banken, wo Problemkredite 46% der Bilanzsumme ausmachen. In Portugal sind es 14% und in Italien 12%.

Den Abbau von faulen Krediten will nun die EU-Kommission vorantreiben, um der deutschen Skepsis gegenüber der Vollendung der Bankenunion den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dies würde den Einstieg in die Einlagensicherung Edis (European Deposit Insurance Scheme) zur Folge haben, gegen den die deutschen Bankenverbände Sturm laufen. Europa dürfe sich nicht in eine Transferunion verwandeln, warnte erst vor Kurzem der Deutsche Genossenschaftsverband.

Die Europäische Zentralbank (EZB) räumt den Geldhäusern nun die Zeit bis 2021 ein, um die Vorgaben der Kontrolleure in die turnusmäßige Bankenprüfung einfließen zu lassen. Dann müssen die Banken alle Darlehen, die neu als ausfallgefährdet eingestuft werden, stärker als bisher mit Rückstellungen abfedern. Die Crux liegt hier in dem Wörtchen „neu“. Denn die Frage bleibt, wie sollen die alten faulen Kredite abgesichert werden.

Skeptisch sieht auch Jens Weidmann die zentralen finanzpolitischen Reformvorhaben der EU-Kommission. Ohne Debatte über den künftigen Umfang von EU-Aufgaben darf es auch keine zusätzlichen europäischen Steuereinnahmen geben, fordert der Bundesbankpräsident. Denn, so Weidmanns Credo: Der EU mehr Mittel zu verschaffen, ist schließlich kein Selbstzweck! Auch muss seines Erachtens zuerst geklärt werden, welche Aufgaben auf europäischer Ebene erledigt werden sollen.

Geordneter Brexit wird wahrscheinlicher

Da will sich Großbritannien bekanntlich von der Europäischen Union scheiden lassen. Aber nun vereinbart man eine Übergangsfrist von 21 Monaten, was gerade so ist, als ob man kurz vor der Scheidung doch nochmal zusammen eine gemeinsame Wohnung mietet. Immerhin, die verhandelnden Parteien haben sich etwas Zeit verschafft, wenn es nach dem Vollzug des Brexit im März 2019 noch eine Übergangsfrist geben soll, in der sich London weiter an die EU-Regeln halten muss. So lange bleibt Großbritannien auch Mitglied der Zollunion.

Damit wurde für alle Beteiligten eine gewisse Art der Planungssicherheit geschaffen. Dies gilt für die Verhandler genauso wie für die Unternehmen. Mit der vereinbarten Schonfrist ist zumindest die Chance auf einen geordneten Austritt der Briten gestiegen. Das geplante Austrittsabkommen will die EU aber dennoch bis Oktober unter Dach und Fach bringen. Nur wenn dies gelingt, kann auch die Schonfrist kommen. In diesen 21 Monaten soll dann geklärt werden, wie die künftige Partnerschaft genau gestaltet werden soll.

Dass dafür dennoch die Zeit drängt, zeigt der Umstand, dass viele Unternehmen bereits heute sich auf den Brexit einrichten. Wie eine vom Branchenverband CIPS durchgeführte Umfrage ergab, haben bereits 14% der EU-Firmen mit britischen Zulieferern zumindest Teile ihres Geschäfts aufs europäische Festland verlagert. 9% sagen, dass sie bereits Aufträge als direkte Folge des Brexit-Votums verloren haben. 22% geben an, dass EU-Zulieferer keine Bestellungen mehr annehmen, die über das Austrittsdatum vom März 2019 hinauslaufen. Damit erhält die britische Wirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf das, was ein Dasein außerhalb von Binnenmarkt und Zollunion bedeuten mag.

Von zentraler Bedeutung ist weiterhin die ungelöste Frage der Grenze zwischen dem EU-Land Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland. Hier beharrt die irische Regierung darauf, dass es keine harte Grenze geben darf. Regierungschef Leo Varadkar weiß wovon er redet, wenn er auf das Karfreitagsabkommen von 1998 verweist, das den blutigen Bürgerkrieg zwischen den irisch-katholischen Nationalisten und den protestantischen Royalisten beendet hatte. Zentraler Bestandteil des damaligen Abkommens war eine Grenze ohne Kontrollen zu Irland. Hier hat die EU London bereits die Bestätigung abgetrotzt, dass notfalls im Norden der Insel weiter wichtige EU-Regeln gelten sollen.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) will indessen zumindest teilweise die Lücke schließen, welche der EU-Austritt der Briten aufreißt. Wie der Vize-Präsident der EU-eigenen Bank, Alexander Stubb, erklärte, sei die EIB willens ihren Anteil beim nächsten mehrjährigen Finanzrahmen von derzeit 3% auf 5% zu erweitern. Dies wäre eine Steigerung um etwa 3 Mrd. € pro Jahr - von 4,8 auf 7,8 Mrd. €. Je nach Einsatzbereich ließen sich die öffentlichen Mittel in ihrer Wirkung vervielfachen - auf Grundlage der Erfahrungen mit dem sogenannten Juncker-Fonds etwa um den Faktor neun.

Trump lässt kleine und mittlere Banken von der Leine

Die Maßnahme gilt als der größte Eingriff des Gesetzgebers seit der Finanzmarktregulierung nach dem Kollaps der Großbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Der US-Senat hat nun Grünes Licht für die von D. T., dem Unberechenbaren, forcierte Lockerung der Bankenregulierung gegeben. Das Gesetz sieht vor, die kleinen und mittleren Institute in den USA in Zukunft von der Leine zu lassen. Damit wird der von Präsident Barack Obama eingeführte Dodd-Frank-Act zur Eindämmung der Crash-Gefahr weitestgehend ausgehebelt.

Inzwischen haben sich Republikaner und Demokraten darauf geeinigt, dass die Schwelle, nach der Banken als systemrelevant gelten, angehoben wird. Bisher werden Institute mit mehr als 50 Mrd. USD Bilanzsumme als systemrelevant eingestuft und streng von der US-Notenbank unter die Lupe genommen. Künftig, wenn Trump die Banken an die lange Leine nehmen lässt, werden die Banken nach einer gestaffelten Regelung von Auflagen befreit. Ein Stresstest der Fed für Institute zwischen 50 und 100 Mrd. USD wird damit gestrichen. Banken mit Bilanzsummen zwischen 100 und 250 Mrd. USD soll dieser 18 Monate später ebenfalls erlassen werden. Als systemrelevant gelten dann nur noch Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als 250 Mrd. USD. 67 Mitglieder des Senats stimmten für den Gesetzentwurf, 31 dagegen. Nun muss der Gesetzentwurf noch dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden. Im Kern hat der Senat damit einen wesentlichen Teil von Obamas Finanzmarktkontrolle gekippt und das Bankensystem in den USA ist damit nicht sicherer geworden.

Sanofi platziert erfolgreich die größte Euro-Corporate-Emission des Jahres

Sanofi machte in dieser Berichtswoche mit der größten Euro-Corporate-Emission des Jahres auf sich aufmerksam und sammelte so 8 Mrd. € mittels 6 neuer Bonds ein. Die Nachfrage nach den Anleihen mit Laufzeiten zwischen 2 und 20 Jahren war mit 18,5 Mrd. € sehr hoch. Der Pharmakonzern aus Frankreich mit Sitz in Paris will mit dem Geld die Übernahme von Bioverativ und Ablynx finanzieren. Nähere Infos zu den einzelnen Anleihen erhalten sie auf der Internetseite www.bondboard.de. Aber nicht nur Sanofi war in dieser Berichtswoche aktiv, sondern auch die Deutsche Börse AG, Danone und Iberdrola brachten je einen Bond an den Kapitalmarkt.

Die Deutsche Börse AG erfreute dabei die Privatanleger mit einem 10-jährigen Bond und einer Mindeststückelung von 1.000 €. Der Bond (A2LQJ7) ist mit einem jährlichen Kupon von 1,125% bis zur Fälligkeit am 26.03.2028 ausgestattet. 3 Monate vor Endfälligkeit, ab dem 26.12.2027, hat die Deutsche Börse AG entsprechend der Anleihebedingungen jederzeit die Möglichkeit den Bond zu 100% zu kündigen. Emittiert wurde die 600 Mio. € schwere Emission zu 99,036%, was einem Spread von +20 bps über Mid Swap gleichkam.

Der französische Lebensmittelkonzern Danone begab einen 7-jährigen Bond (A19YD7) mit einem Volumen von 300 Mio. €. Hierbei wird den Investoren bis zur Fälligkeit am 26.03.2025 ein fester jährlicher Zins in Höhe von 1% gezahlt. Die Anleihe ist ab dem 26.12.2024 jederzeit bis zur Endfälligkeit zu 100% seitens des Emittenten kündbar. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,805% (+32 bps über Mid Swap). Eine Make Whole Option sowie eine 100.000 € Mindeststückelung komplettieren die Daten des Rentenpapiers.

Zu guter Letzt reihte sich der spanische Versorger Iberdrola in den Emissionsreigen ein und refinanzierte sich mittels einer Anleihe (A19YD2) mit 700 Mio. € auf unbestimmte Laufzeit. Bis zum 26.03.2024 wird ein Zins in Höhe von 2,625% p.a. fällig. Fortan richtet sich der Zins nach dem 5-Jahres-Swap und bis zum 26.03.2029 gibt es einen Aufschlag von +2,061 PP. Dieser erhöht sich in der Folge bis zum 26.03.2044 auf 2,086 PP. Ab dann wird der 5-Jahres-Swap +2,161 PP herangezogen. Das Wertpapier kann seitens des Emittenten jährlich ab dem 26.03.2024 jeweils zur Zinszahlung zu 100% gekündigt werden. Angeboten wurde der Bond zu pari (+206,1 bps über Mid Swap). Iberdrola legte ebenfalls eine Mindeststückelung von 100.000 € für diesen Bond fest.

Ermüdungserscheinungen

Der Aufwärtstrend beim Euro-Bund-Future ist zwar noch intakt, aber dennoch konnte der Widerstand bei 158,35% nicht nachhaltig überwunden werden. Die somit aufgetretenen Ermüdungserscheinungen sind durchaus nachvollziehbar. Jedoch kam es anschließend nicht zu massiven Kursverlusten, sondern lediglich zu einer leicht abwärts gerichteten Seitwärtsbewegung. Denn die Renditedifferenz zwischen den 10-jährigen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen hat sich wieder dem bisherigen Höchstwert von 235 bps (erzielt Ende Dezember 2016) angenähert und in Erwartung der gestrigen Zinserhöhung in den USA wäre es töricht gewesen, nur noch auf ein steigendes Rentenbarometer zu setzen. Doch das war alles gestern und heute muss die Geschichte aufgrund veränderter Rahmenbedingungen wieder neu geschrieben werden.

Unabhängig von der heutigen Tagestendenz wird sich der Euro-Bund-Future über kurz oder lang nicht dem Einfluss der weiteren Zinsanhebungen in den USA entziehen können und somit ist der Blick auf die erste sinnvolle Unterstützungslinie bei 157,63% zu richten. Sollte dieser Bereich nachhaltig durchstoßen werden, so ist eine Reaktion bis knapp unter die psychologische Marke von 157% möglich. Der Vollständigkeit halber sei aber auch die Widerstandslinie bei 158,35% erwähnt. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 158,25%.

Aktuelle Marktentwicklung

Deutschland:

Der Juni-Kontrakt des richtungsweisenden Euro-Bund-Future schloss gestern mit einem gehandelten Volumen von 0,490 Mio. Kontrakten bei 157,88% (Vw.: 157,94%).

Die Trading-Range lag im Berichtszeitraum zwischen 157,67% und 158,35% (Vw.: 156,22% und 157,97%).

Der Euro-Buxl-Future (Range: 162,00% und 163,50%) schloss bei 162,94% (Vw.: 162,30%),

der Euro-Bobl-Future (Range: 130,51% und 130,76%) bei 130,64% (Vw.: 130,60%)

und der Euro-Schatz-Future (Range: 111,855% und 111,915%) bei 111,905% (Vw.: 111,87%).

Die Rendite der aktuellen 10-jährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (110244 / 2028) lag im gestrigen Bundesbankfixing bei +0,592% (Vw.: +0,615%).

USA:

Zweijährige US-Treasuries rentieren bei 2,304% (Vw.: 2,262%),

fünfjährige Anleihen bei 2,671% (Vw.: 2,606%),

die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 2,874% (Vw.: 2,819%)

und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,101% (Vw.: 3,057%).

Am Aktien- und Devisenmarkt waren gegenüber der Vorwoche folgende Änderungen zu registrieren:

Die Entwicklung der wichtigsten Credit Indizes spiegelt im Vergleich zur Vorwoche eine Ausweitung der Spreads wider, was auf eine gestiegene Risikoeinschätzung seitens der Anleger hinweist. Fallende Anleihekurse führten zu einer Erhöhung der Rendite und somit erhöhte sich der I-Traxx-Main für Unternehmensanleihen guter Qualität um 8 auf 58 Punkte. Der I-Traxx-Crossover für High Yield Anleihen stieg sogar um 28 auf 283 Punkte.

Wird die Refinanzierung für die USA jetzt nochmals teurer?

In den USA wurden in dieser Handelswoche neben den üblichen Geldmarktpapieren (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) für insgesamt 161 Mrd. USD noch 11 Mrd. USD als 10-jährige inflationsindexierte T-Note begeben. Jedoch bereits in der kommenden Woche werden auch Laufzeiten von 52 Wochen sowie zwei, fünf und sieben Jahren den interessierten Käufern angeboten. Man darf gespannt sein, ob sich die gestrige Zinsentscheidung erneut in den Refinanzierungskosten der 4-Wochen T-Bills niederschlagen wird. Denn auch in dieser Woche erhöhte sich die Rendite von 1,65% auf 1,72%.

In der Eurozone konnte die Slowakei zum Wochenauftakt zwei Altemissionen (A181DY / 2023 ; A18W5D / 2031) trotz tiefer politischer Krise aufstocken. Zeitgleich wurde auch Belgien am Kapitalmarkt mit vier Gattungen aktiv (A180Z5 / 2023 ; A19U5T / 2028 ; A19H8V / 2037 ; A180Z6 / 2066), bevor Deutschland am Dienstag und Mittwoch bei zwei bereits aufgelegten Anleihen das Emissionsvolumen erhöhte. Angestrebt war bei den 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (110471) eine Platzierung von nominal 4 Mrd. €. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,59% und zur Marktpflege der somit 9 Mrd. € schweren Gattung wurden 760 Mio. € umgebucht. Bei der 10-jährigen Bundesanleihe (110244) wurde das von der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland angestrebte Platzierungsvolumen von 3 Mrd. € mit 3,127 Mrd. € nur knapp übertroffen. Das Gesamtvolumen der Emission beläuft sich inzwischen auf 14 Mrd. € und die Zuteilung wurde bei einer Durchschnittsrendite von 0,60% vorgenommen.

Nach dem FOMC-Meeting ist vor dem FOMC-Meeting

Fast wie an der Börse schwankt dieser Tage die Wetterlage und somit die Temperaturen. Nach einem kurzen Frühlingserwachen feierte der Winter ein gelungenes Comeback mit Schneefall und Kälte, obwohl bereits am Dienstag der Frühling kalendarisch begonnen hat.

Mit Comeback-Qualitäten konnte in der vergangenen Berichtswoche weder der Euro noch sein Pendant aus den Vereinigten Staaten so richtig überzeugen. In einer sehr ereignisreichen Woche handelte das Devisenpaar EUR-USD in einer relativ engen Bandbreite, obwohl das FOMC-Meeting das omnipräsente Thema an den Finanzmärkten war. So bewegte sich die europäische Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn in einer Tradingrange zwischen 1,2240 USD und 1,2359 USD, um am gestrigen Mittwochabend nach dem Ende des zweitägigen FOMC-Treffen der US Federal Reserve sein wahres Gesicht zu zeigen. Infolge der Zinsentscheidung und der ergänzenden Kommentare notiert der Euro heute Morgen bei ca. 1,2370 USD.

Nachdem in den Brexit-Verhandlungen nun endlich ein erster Teilerfolg erzielt wurde und sich die EU mit der britischen Regierung auf eine Übergangsphase nach dem Brexit verständigte, konnte die Währung Großbritanniens deutlich zulegen. So fiel der Euro in der Folge zum Pfund Sterling zeitweise bis auf 0,87074 GBP. Anfang März notierte die gemeinsame Währung noch bei einem Wechselkurs von 0,89680 GBP, dem bisherigen Jahreshoch.

Auch die vergangene Berichtswoche war gekennzeichnet durch zurückhaltende Handelsaktivitäten. Hervorzuheben sind trotzdem Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen, türkische Lira sowie russische Rubel, bei denen eine gewisse Umsatztätigkeit zu registrieren war.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

Baader Bank AG

Weihenstephaner Str. 4

85716 Unterschleißheim

Deutschland

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

Kategorien: Bonds, Uncategorized
Author: Klaus Stopp

Draghi lässt sich ein Hintertürchen offen

Am vergangenen Donnerstag hat Mario Draghi die meisten Finanzmarktakteure mit einem Kommunikationswechsel überrascht, den man zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt erwartet hatte. Grundsätzlich ist es so, dass die Notenbanker bei all ihren Entscheidungen immer nur zwei Möglichkeiten haben. Entweder vorweggreifen oder aber dem Druck nachgeben und reagieren. In diesem Fall hat sich das oberste Entscheidungsorgan der Europäischen Zentralbank (EZB), der EZB-Rat, für die erste Variante entschieden. Dieser Schritt wurde anschließend immer wieder als Ende der Geldschwemme bezeichnet. Bei genauerer Analyse aber kann man diesen Beschluss auch als geschickten Schachzug titulieren.

Denn die Streichung des Satzes bei der Forward Guidance „Sollte sich der Ausblick eintrüben […], so sind wir bereit, das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten im Hinblick auf Umfang und Ausdauer auszuweiten.“ ist durch das Nichtstreichen des Passus „[…] und erforderlichenfalls darüber hinaus erfolgen soll und in jedem Fall so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht.“ zu relativieren. Mit dem Hinweis auf die Inflation ist also weiterhin alles möglich. Zumal sich auch nach dem Einstellen der Ankäufe die Summe der Wertpapiere nicht automatisch verringert. Endfällige Wertpapiere werden zeitnah reinvestiert und somit bleibt die „Schwungmasse“ konstant. Diese Menge an Bonds hat inzwischen weitaus größere Bewandtnis für die weitere Zinsentwicklung als ein monatlicher Zukauf in Höhe von zehn, 20 oder 30 Milliarden Euro.

Vor zwei Jahren wurde die EZB zu einem der größten Ankäufer von Unternehmensanleihen. Dass hierbei auch Anleihen der Tochterunternehmen von u.a. Coca-Cola, Caterpillar, Anheuser-Busch angekauft werden, dient vielen QE-Kritikern als Beweis des damit verbundenen Irrsinns. Monatlich wurden seit Juni 2016 im Schnitt Unternehmensanleihen für ca. 7 Mrd. € gekauft, was wiederum nach Berechnungen der amerikanischen Anlageberatungsgesellschaft CreditSights ca. 60% der im vergangenen Jahr begebenen Anleihen in dem der EZB offenstehenden Segment entspricht. Diese Prozentzahl spricht für sich und verdeutlicht die marktbeherrschende Position der europäischen Notenbank. Im Umkehrschluss stellen sich natürlich die Investoren die Frage: Was passiert mit den Spreads, wenn der EZB-Rat ein QE-Ende beschließen sollte?

Die Auswirkungen sollten sich jedoch in Grenzen halten, denn es wird noch viele Jahre oder Jahrzehnte dauern bis die künstlich erzeugte Nachfrage abgebaut sein wird. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass uns das aktuelle Zinsniveau noch auf Jahre hinaus erhalten bleibt. Abhängig ist die Entwicklung der zu erzielenden Rendite somit in erster Linie von den in der Eurozone erzeugten Rahmenbedingungen in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch von der Umsetzung der notwendigen haushaltspolitischen Veränderungen in den einzelnen Staaten.

Denn nach der EZB-Sitzung ist auch vor der EZB-Sitzung und man sollte nicht allzu viel in diese Anpassung des Statements, die für mich eine kosmetische ist, hineininterpretieren. Dies versuchte auch Super-Mario mit den Worten „Diese Entscheidung ist rückwärtsgewandt und ohne Signalwirkung für die Zukunft“ zum Ausdruck zu bringen.

Klaus Stopp, Head of Market Making Bonds der Baader Bank

Drohender Handelskrieg lässt Fed über Geldpolitik neu nachdenken

In einer Zeit, in der ständig neue Twittermeldungen von D. T., dem Unberechenbaren, über den Atlantik kommen, ist es nicht leicht, den Überblick über Geld- und Kapitalmärkte zu bewahren. Kein Zweifel, die drohende Eskalation eines Handelskriegs aus Zöllen und weiteren protektionistischen Maßnahmen zwischen den USA und anderen Handelsblöcken hat das Potenzial, eine Dekade der weltwirtschaftlichen Erholung zu gefährden.

Zwar hofft die EU einerseits immer noch, die von Trump angekündigten Schutzzölle auf Stahl und Aluminium vermeiden zu können. Andererseits ist sie aber auch gezwungen zu reagieren, um nicht unglaubwürdig zu werden und gar nicht noch weitere Länder zu protektionistischen Maßnahmen zu animieren.

Vor diesem Hintergrund wird das Treffen des Offenmarktausschusses des U.S. Federal Reserve Systems, der sich in der kommenden Woche zu seiner turnusmäßigen geldpolitischen Sitzung trifft, an den Kapitalmärkten mit Spannung beobachtet werden. Nachdem die jüngsten Inflationszahlen in den USA keine Überraschungen gebracht hatten, wird nach wie vor von drei bis vier Zinserhöhungen in diesem Jahr ausgegangen. Dennoch hat sich mit dem anbrechenden Handelskrieg auch für die Geldpolitik ein großes Fragezeichen aufgebaut. Denn der Nutzen, den Trumps Schutzzölle der verhältnismäßig kleinen heimischen Stahlindustrie stiften können, ist wesentlich kleiner als der Schaden, den ein transatlantischer Handelskrieg zur Folge haben könnte.

So muss der neue Fed-Chef Jerome Powell genau austarieren, inwieweit ein eskalierender globaler Handelsstreit die eigene Wirtschaftsentwicklung abwürgen und die Wirkung von Trumps Steuerreform eindämmen könnte. Kein Wunder, dass Geldpolitiker wie der Präsident des Fed-Ablegers von Atlanta, Raphael Bostic, gewarnt hat, ein sich verschärfender Handelsstreit könnte die Schubkraft der Steuerreform aushebeln. Bei einem solchen Szenario müsste die Fed auch die Zahl der bisher angedeuteten Zinsschritte wieder zurückfahren. Es wäre also durchaus möglich, dass bei einem regelrechten Handelskrieg die Fed ihre bisherige Strategie über den Haufen werfen und eher an Zinssenkungen denken müsste. Umso genauer werden die Kapitalmarktbeobachter den Worten von Fed-Präsident Powell lauschen, wenn er kommenden Mittwoch vor die Presse tritt. Zumindest eine Verlangsamung des angedeuteten Zinserhöhungskurses kann nicht mehr ausgeschlossen werden.

Es darf keinen Binnenmarkt à la Carte geben

Dass der EU-Austritt die Briten teuer zu stehen kommt, haben inzwischen auch manch eingefleischte Brexiteers kapiert. Umso heftiger tobt der Streit um die Kostenverteilung im Rahmen der Austrittsverhandlungen zwischen der EU-Kommission und London. Auf 37 Mrd. GBP, also rund 41 Mrd. €, taxiert die britische Haushaltsbehörde OBR die offene Rechnung, die Großbritannien bei seinem anvisierten Austritt aus der Europäischen Union bezahlen müsste. Dieser Betrag liegt in der Spanne von 35 bis 39 Mrd. GBP, welche die britische Regierung genannt hatte, und weit unter der Austrittsrechnung von mindestens 52 Mrd. GBP, welche die EU aufgemacht hatte.

Dies wäre freilich nur ein Teil der Kosten, welche im Zusammenhang mit dem für März 2019 geplanten Brexit entstehen werden. Schließlich bringt der EU-Austritt der Briten weitere Folgekosten mit sich, die heute noch gar nicht zu beziffern sind. Unberücksichtigt sind hierbei die negativen Auswirkungen der immer noch unklaren zukünftigen Beziehungen zur britischen Wirtschaft. So hat bereits heute das Engagement deutscher Firmen in Großbritannien deutlich abgenommen, wie der Industrieverband BDI konstatiert. Kein Wunder, dass sich in vielen deutschen Unternehmen im Vereinigten Königreich zunehmend mehr Mitarbeiter auf Stellen an anderen Standorten innerhalb der EU bewerben. Ablesen lässt sich die große Zurückhaltung ausländischen Engagements in UK auch am Einbruch der Auslandsinvestitionen, die von 200 Mrd. Dollar im Jahr 2016 auf nur noch 20 Mrd. Dollar im Folgejahr zurückgegangen sind.

Auch ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen würde die Unternehmen teuer zu stehen kommen. Auf deutsche Firmen könnten Kosten von jährlich 9 Mrd. € zukommen, rechnen das Beratungsunternehmen Oliver Wyman und die Anwaltssozietät Clifford Chance vor, sollte der Handel zu den Zoll-Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückkehren. Die britischen Unternehmen würde diese Variante mit 32 Mrd. € noch deutlich teurer kommen. So gesehen, erscheint der Brexit als ein gigantisches Kostenerhöhungsprogramm, das der Verbohrtheit einer nationalistisch orientierten Denke zu verdanken ist.

Mit einher geht auch das „Risiko von Dumping“, wie es EU-Unterhändler Michel Barnier genannt hat. Damit meinte er einen drohenden Wettlauf um die laxesten Regeln nach dem Brexit. Dieses Risiko, so machte Barnier nun klar, könnte die Ratifizierung des Austrittsvertrages gefährden. Die britische Regierung ist hier immer noch die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, ob sie gemeinsam entwickelte Grundsätze verwerfen oder sie unterschreiten wolle.

Man wird sehen, ob es gelingt, in den kommenden Tagen bei den reinen Austrittsfragen Fortschritte zu erzielen - ebenso bei der von Großbritannien gewünschten Übergangsphase von etwa zwei Jahren. Klar muss aber auch sein, dass sich Großbritannien nicht nur dort an die EU-Regeln hält, wo es dem Land passt. Oder, wie es Barnier ausdrückt: „Man kann keinen Binnenmarkt à la carte haben.“

Doch bei aller unterschiedlichen Denkweise zum Brexit ist in Großbritannien inzwischen ein anderes Thema in den Mittelpunkt des nationalen Interesses gerückt. Vielleicht kam ihr das Thema ja nicht ungelegen, um von dem Brexit-Schlamassel abzulenken, und man kann Verständnis dafür haben, wie Premierministerin Theresa May auf den Giftanschlag von Salisbury reagiert hat. So verhängte die britische Regierung harte Vergeltungsmaßnahmen gegen Russland, unter anderem durch die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten aus Großbritannien. Außerdem sollen die bilateralen Kontakte zwischen beiden Ländern auf Eis gelegt werden. Sicherlich wird die harte Linie der amtierenden Premierministerin nicht schaden und ihrem Ansehen bei der eigenen Bevölkerung förderlich sein. Aber auch der im Wahlkampfmodus befindliche Wladimir Putin wird auf die seines Erachtens unberechtigte Schuldzuweisung mit einer Machtdemonstration reagieren.

Türkei bewertet sich lieber selbst

Jetzt reicht’s dem türkischen Staatspräsidenten. Nachdem Moody’s die Kreditwürdigkeit seines Landes erneut herabgestuft hat, plant Recep Tayyip Erdogan die Gründung einer eigenen Ratingagentur. Diese soll im Laufe des Jahres aufgebaut werden, kündigte nun die türkische Bankenaufsichtsbehörde an. Und natürlich soll sie internationalen Standards genügen und „unabhängig und objektiv“ arbeiten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In der Vergangenheit gab es eine Reihe von Downgrades der türkischen Bonität durch internationale Ratingagenturen, die Erdogan immer wieder kritisiert hatte. Nach der jüngsten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Moody’s auf „Ba2“, was der zweiten Stufe im Ramschbereich entspricht, wird die Schuldenfinanzierung der Türkei, die jetzt auf einer Stufe mit Costa Rica und Kroatien steht, teurer werden. Mit einer Staatsschuldenquote von knapp 29% des BIPs kann man das Land aber eher zu den Musterschülern in Sachen Schuldenpolitik zählen. Denn damit bleibt die Türkei deutlich unter dem Maastricht-Kriterium von 60% - eine Hürde, die fast alle EU-Mitgliedsländer reißen. Die Türkei offenbart zwar eine gute konjunkturelle Entwicklung. Doch kämpft das Land gegen hohe Inflation und Arbeitslosigkeit sowie ein großes Handelsbilanzdefizit.

Künftig mag die Ratingagentur im eigenen Land die Kreditwürdigkeit der Türkei vielleicht besser bewerten als Moody’s oder Standard & Poor’s. Eben so, wie es Erdogan zupasskommt. Aber was sollte das bringen, insbesondere an den internationalen Finanzmärkten, wo die Türkei ihre Schulden refinanzieren muss? Oder will man damit auch bei der Bonitätsbewertung anderer Staaten auf die Diplomatie der Nadelstiche setzen. Man wird aber auf die türkische Ratingagentur nicht hören, wird ihr doch jegliche Glaubwürdigkeit fehlen. Kredit kommt schließlich vom lateinischen credere. Und das heißt glauben.

Griechenland lernt an den Kapitalmärkten wieder laufen

Folgt man Klaus Regling, so kann Griechenland nach Ende des laufenden Hilfspakets finanziell auf eigenen Beinen stehen. Ein weiterer vorsorglicher Kreditrahmen sei wahrscheinlich nicht nötig, wenn das Land auf Reformkurs bleibe, sagte der Chef des europäischen Rettungsfonds ESM. Wegen dieser Einschätzung gab es auch Grünes Licht für weitere 5,7 Mrd. € an Hilfskrediten durch den Euro-Rettungsschirm. Nachdem dann im Frühsommer die letzte Kreditrate in Höhe von 11,7 Mrd. € geflossen sein wird und das Programm am 18. August endet, soll sich Hellas wieder selbst Geld an den Kapitalmärkten leihen.

Auch die Finanzminister der Eurozone stellen sich für August 2018 auf ein Ende der Hilfskredite für Hellas ein. Noch im April will Athen dazu eine langfristige Wachstumsstrategie vorlegen. Vorher muss Ministerpräsident Alexis Tsipras noch 88 Reformmaßnahmen liefern. Parallel dazu tüfteln die EU-Finanzminister an weiteren Maßnahmen zur Schuldenerleichterung für Griechenland.

Am Ende werden es acht Jahre gewesen sein, die das Land mit Finanzspritzen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Wasser gehalten wurde. Von den 86 Mrd. € des dritten Rettungspakets sind erst 46 Mrd. € verbraucht, inklusive der aktuellen Rate.

Ist damit alles gelöst? Mitnichten, wie Euro-Gruppenchef Mario Centeno warnt, sei Griechenland nach wie vor empfänglich für interne und externe Schocks. Deshalb soll Athen einen Sicherheitspuffer von 18 Mrd. € aufbauen, eine Rücklage, die den Finanzierungsbedarf bis 2019 decken würde. 3 Mrd. € davon hat Griechenland bereits durch eine siebenjährige Anleihe im Februar eingesammelt. Hierzu passt auch die Tatsache, dass am gestrigen Mittwoch Griechenland erstmals seit 2010 wieder mit einem 12 Monate laufenden Geldmarktpapier zu 1,25% am Markt zugange war. Weitere 6 Mrd. € sollen demnächst durch zwei Anleihen eingespielt werden. Man darf gespannt sein, wie die Investoren reagieren, wenn Athen an den Kapitalmärkten wieder auf eigenen Beinen stehen wird.

Türkei bewertet sich lieber selbst

Jetzt reicht’s dem türkischen Staatspräsidenten. Nachdem Moody’s die Kreditwürdigkeit seines Landes erneut herabgestuft hat, plant Recep Tayyip Erdogan die Gründung einer eigenen Ratingagentur. Diese soll im Laufe des Jahres aufgebaut werden, kündigte nun die türkische Bankenaufsichtsbehörde an. Und natürlich soll sie internationalen Standards genügen und „unabhängig und objektiv“ arbeiten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In der Vergangenheit gab es eine Reihe von Downgrades der türkischen Bonität durch internationale Ratingagenturen, die Erdogan immer wieder kritisiert hatte. Nach der jüngsten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Moody’s auf „Ba2“, was der zweiten Stufe im Ramschbereich entspricht, wird die Schuldenfinanzierung der Türkei, die jetzt auf einer Stufe mit Costa Rica und Kroatien steht, teurer werden. Mit einer Staatsschuldenquote von knapp 29% des BIPs kann man das Land aber eher zu den Musterschülern in Sachen Schuldenpolitik zählen. Denn damit bleibt die Türkei deutlich unter dem Maastricht-Kriterium von 60% - eine Hürde, die fast alle EU-Mitgliedsländer reißen. Die Türkei offenbart zwar eine gute konjunkturelle Entwicklung. Doch kämpft das Land gegen hohe Inflation und Arbeitslosigkeit sowie ein großes Handelsbilanzdefizit.

Künftig mag die Ratingagentur im eigenen Land die Kreditwürdigkeit der Türkei vielleicht besser bewerten als Moody’s oder Standard & Poor’s. Eben so, wie es Erdogan zupasskommt. Aber was sollte das bringen, insbesondere an den internationalen Finanzmärkten, wo die Türkei ihre Schulden refinanzieren muss? Oder will man damit auch bei der Bonitätsbewertung anderer Staaten auf die Diplomatie der Nadelstiche setzen. Man wird aber auf die türkische Ratingagentur nicht hören, wird ihr doch jegliche Glaubwürdigkeit fehlen. Kredit kommt schließlich vom lateinischen credere. Und das heißt glauben.

Trump beflügelt das Sorgenbarometer

Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer und es ist nichts einfacher, als den Vortag an der Börse nochmals handeln zu dürfen. Der Traum eines jeden Börsianers! Jedoch muss man sagen, dass die Rücksetzer an den Aktienmärkten in der jüngsten Vergangenheit im Vergleich zur monatelangen Aufwärtsbewegung nicht sonderlich ins Gewicht fielen, aber inzwischen ist Donald Trump dabei, die Grundlage für die Wiedergeburt steigender Bondspreise zu legen. Zu groß ist die Verunsicherung hinsichtlich der willkürlichen Entscheidungen des US-Präsidenten und es fragen sich immer mehr Menschen: Was wird er als nächstes machen? Hat man zu Beginn seiner Amtszeit ihn noch belächelt, so mussten inzwischen auch seine Kritiker erkennen, dass er immer mehr traute Vasallen um sich schart und dadurch noch unberechenbarer wird. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass trotz Zinserhöhungsphantasie in den USA und anderswo, Gelder in Anleihen zwischengeparkt werden. Was wiederum die Kurse nach oben und die Renditen nach unten treibt. Allerdings kann niemand seriös vorhersagen, ob diese Umschichtungen nur eine vorübergehende Erscheinung sind oder erst der Anfang.

Man kann also konstatieren, dass zumindest vorerst D.T., der Unberechenbare, den Euro-Bund-Future beflügelt hat und dadurch die Rendite der 10-jährigen Benchmark-Anleihe wieder unter die Marke von 0,60% gedrückt hat. Das Sorgenbarometer konnte somit den Aufwärtstrend bestätigen und es sollte nur noch eine Frage von Tagen oder Stunden sein, bis die psychologische Marke von 158% getestet wird. Bei einem nachhaltigen Überwinden dieses Bereiches wäre bei ca. 158,60% die nächste Widerstandslinie auszumachen, die den Anstieg abbremsen könnte. Sollte es dennoch zu Gewinnmitnahmen auf diesem Niveau kommen, so würde bei ca. 157,12% eine erste nennenswerte Unterstützungslinie verlaufen und dem Treiben vorerst Einhalt gebieten.

Aktuell notiert das Rentenbarometer bei ca. 157,86% und die daraus resultierende Rendite der 10-jährigen Bundanleihe beläuft sich auf 0,589%.

Aktuelle Marktentwicklung

Deutschland:

Der Juni-Kontrakt des richtungsweisenden Euro-Bund-Future schloss gestern mit einem gehandelten Volumen von 0,674 Mio. Kontrakten bei 157,94% (Vw.: 156,81%).

Die Trading-Range lag im Berichtszeitraum zwischen 156,22% und 157,97% (Vw.: 1156,24% und 157,73%).

Der Euro-Buxl-Future (Range: 158,58% und 162,32%) schloss bei 162,30% (Vw.: 160,36%),

der Euro-Bobl-Future (Range: 129,84% und 130,62%) bei 130,60% (Vw.: 130,20%)

und der Euro-Schatz-Future (Range: 111,725% und 111,88%) bei 111,87% (Vw.: 111,785%).

Die Rendite der aktuellen 10-jährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (110244 / 2028) lag im gestrigen Bundesbankfixing bei +0,615% (Vw.: +0,667%).

USA:

Zweijährige US-Treasuries rentieren bei 2,262% (Vw.: 2,254%),

fünfjährige Anleihen bei 2,606% (Vw.: 2,642%),

die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 2,819% (Vw.: 2,881%)

und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,057% (Vw.: 3,151%).

Am Aktien- und Devisenmarkt waren gegenüber der Vorwoche folgende Änderungen zu registrieren:

Die Entwicklung der wichtigsten Credit Indizes spiegelt im Vergleich zur Vorwoche eine Verengung der Spreads wider, was auf eine verminderte Risikoeinschätzung seitens der Anleger hinweist. Steigende Anleihekurse führten zu einer Reduzierung der Rendite und somit verringerte sich der I-Traxx-Main für Unternehmensanleihen guter Qualität um 3 auf 50 Punkte. Der I-Traxx-Crossover für High Yield Anleihen fiel um 8,5 auf 255 Punkte.

Die I-Traxx-Indizes bilden derivative Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) ab, mit denen Investoren den möglichen Default von Unternehmensanleihen absichern.

Investoren hatten die Qual der Wahl

In den USA wird die Refinanzierung für die 4-wöchigen T-Bills immer teurer. Nachdem in der vergangenen Woche mit 1,55% bereits Mehrkosten entstanden sind, mussten jetzt sogar 1,65% geboten werden, um 65 Mrd. USD aufnehmen zu können. Jedoch konnten die Investoren noch mit anderen Fristigkeiten Liquidität zur Verfügung stellen. So wurden auch die üblichen T-Bills mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten angeboten, wodurch insgesamt in Geldmarkttiteln 161 Mrd. USD refinanziert wurden. Abgerundet wurde das Emissionsvorhaben mit der Begebung von 3- und 10-jährigen T-Notes sowie 30-jährigen T-Bonds. Dadurch konnten nochmals 62 Mrd. USD aufgenommen werden.

In der Eurozone waren in dieser Woche ebenfalls diverse Emittenten auf der Suche nach neuen finanziellen Mitteln. Den Reigen eröffneten die Niederlande mit der Auktion einer neuen 10-jährigen Anleihe (A19XZC) und Italien mit der Aufstockung verschiedener Altemissionen. Am Tag der Vereidigung der neuen Bundesregierung blickte zumindest refinanzierungstechnisch die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland in die Zukunft und bot interessierten Investoren insgesamt 1,5 Mrd. € der 30-jährigen Bundesanleihe an (110243). Die Nachfrage (1,281 Mrd. €) entsprach allerdings nicht dem gewünschten Aufstockungsbetrag und so wird auch diese Emission als technisch unterzeichnet gelten. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,27% und 289 Mio. € wurden zur Marktpflege umgebucht. Am gleichen Tag war auch Portugal mit zwei Emissionen (A19UWV / 2028 ; A1ZU1N / 2045) auf Käufersuche gegangen. Abgerundet wird der Emissionsmarathon am heutigen Donnerstag von Spanien (A19P6R / 2022 ; A19VKR / 2028 ; A19DZD / 2033 ; A0NXYY / 2040) und Frankreich (A180JV / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1ZVTR / 2025 ; A0LPPD / 2040 ; A0TRKW / 2023 ; A19DMN / 2028). Insgesamt wurden so in der Eurozone ca. 30 Mrd. € aufgenommen.

Euro im Windschatten von D.T.‘s Personalkarussell

Der weltberühmte Astrophysiker Stephen Hawking ist verstorben. Die Welt trauert um ein Jahrhundert-Genie unserer Zeit. „Das Leben wäre tragisch, wenn es nicht lustig wäre“, sagte er einst.

Die aktuellen Geschehnisse aus dem Weißen Haus finden die Marktteilnehmer alles andere als amüsant. Wieder einmal sorgt Präsident Donald Trump mit seinen personellen Veränderungen für Unsicherheit an den Märkten. Nach dem Wirtschaftsberater Gary Cohn muss nun innerhalb kürzester Zeit auch der Außenminister Rex Tillerson seinen Posten zum Monatsende räumen. Diese Entwicklungen gingen am Währungspaar EUR/USD nicht spurlos vorbei. So stieg die Gemeinschaftswährung von 1,2291 USD zu Wochenbeginn bis auf 1,2413 USD an. Damit hat es der US-Präsident erneut geschafft mit seiner unberechenbaren Politik die US-Währung zu schwächen. Zur Stunde notiert die Einheitswährung bei ca. 1,2370 USD.

Innerhalb der vergangenen Berichtswoche konnte der Euro auch im Vergleich zum kanadischen Dollar deutlich zulegen. So stieg die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,61224 CAD und damit auf den höchsten Stand seit September 2009. Der kanadische Notenbank-Chef Stephen Poloz sagte, die Währungshüter würden bei künftigen Zinserhöhungen mehr Vorsicht walten lassen und brachte dadurch die eigene Valuta auf die Verliererstraße.

Diese Handelswoche ist geprägt von den Unsicherheiten rund um den Globus, so halten sich die Anleger mit ihren Engagements zurück. Dennoch waren bei verschiedenen Währungsanleihen Umsatztätigkeiten zu beobachten. Hierzu zählten insbesondere Bonds auf US-Dollar, russische Rubel, mexikanische Peso, südafrikanische Rand sowie auch vereinzelt australische Dollar.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Ein Spiel aus Drohung und Gegendrohung

Gary Cohn schmeißt hin. Im Streit um die von seinem Präsidenten favorisierten Strafzölle verlässt der Chefökonom das Weiße Haus. Und weil Cohn, Mitglied der Demokraten, der wichtigste Wirtschaftsberater von D. T., dem Unberechenbaren, war, reagierten die Märkte sofort. Dies zeigt, wie groß die Hoffnung der Investoren gewesen ist, dass der ehemalige Vizechef von Goldman Sachs als letzte Stimme der wirtschaftspolitischen Vernunft den sprunghaften Trump mit seinem aggressiven Handelsansatz einhegen könnte.

Cohns Abgang aber ist nun ein Signal dafür, dass es ihm nicht gelungen ist, seinen Präsidenten von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl und damit von dem Weg in einen Handelskrieg abzuhalten. Auch der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan, hatte zuvor dem US-Präsidenten von den Strafzöllen abgeraten und weitere 100 republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses appellierten in einem offenen Brief an die Vernunft von D.T. - welche Vernunft? Denn es besteht die Gefahr, dass Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten in den USA bis zu 150.000 Jobs vernichten. Die Wege des mächtigsten Mannes im Weißen Haus sind eben unergründlich und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass damit auch Wahlhilfe für den republikanischen Kandidaten bei einer Sonderwahl am kommenden Dienstag im Bundesstaat Pennsylvania, einem traditionellen Stahl-Standort, betrieben werden soll.

Dabei ist Cohn, der als Architekt von Trumps Steuerreform gilt, nicht der einzige, der vor kurzem dem Präsidenten den Rücken gekehrt hat. Zuletzt musste Stabssekretär Rob Porter gehen, dann schmiss Kommunikationschefin Hope Hicks hin, die als Trumps rechte Hand galt. Wenn der Präsident dann auch noch zu witzeln versucht, indem er fragt, wer wohl als nächstes gehe und dabei den Namen seiner Ehefrau Melania ausspricht, dann verdeutlicht dies nur, wessen Geistes Kind er ist. Zumal dies nicht der rechte Zeitpunkt für Scherze ist und es um das Funktionieren der immer noch mächtigsten Nation der Welt geht.

Noch ist nicht klar, wie genau die US-Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium aussehen sollen. Bisher ist es ein Spiel aus Drohung und Gegendrohung. Sollte etwa die Europäische Union mit Gegenmaßnahmen reagieren, wie sie Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigt hat, würden die USA „zurückschlagen“, polterte Trump. Dann würde man eben europäische Autos mit einer Steuer von 25% belegen. Dass es Einfuhrzölle auf beiden Seiten des Atlantiks gibt, ist ja unbestritten. Und die sind auch nicht immer gleich hoch. So belegt die EU importierte Autos mit 10%, die USA nur mit 2,5%. Umgekehrt ist es etwa bei Tabak.

Trump stößt sich am riesigen Handelsdefizit, das sich im Januar des Jahres so stark ausweitete wie seit neun Jahren nicht mehr. Insbesondere gegenüber China und Deutschland fordert er eine deutliche Reduzierung des Handelsüberschusses. Im gleichen Atemzug stellt er allerdings auch in Aussicht, dass falls die EU einige ihrer „furchtbaren Hürden“ abbauen würde, man ja anfangen könne zu reden. Wie er das meint, ist nicht ganz klar. Denn wenn sich eine Nation im Welthandel übervorteilt sieht, gibt es bei der Welthandelsorganisation (WTO) einen geordneten Prozess der Schlichtung. Ob Trump diesen etablierten Weg beschreiten würde, ist fraglich. Hat er doch selbst die WTO infrage gestellt und mit einem Austritt der USA gedroht. Aber vielleicht benutzt er auch schon bald das Argument der nationalen Sicherheit, um Ausnahmen zu gestatten.

Was aber schon jetzt klar ist: Einfuhrzölle, etwa auf Stahl, würden Produkte teurer machen. Und den Preis dafür zahlen am Ende die Verbraucher – auf beiden Seiten des Atlantiks. Daneben droht die Gefahr sinkender Handelsvolumina und eines geringeren Wirtschaftswachstums. Am Ende hätte man also das, was schon immer das Resultat einer protektionistischen Wirtschaftspolitik gewesen ist: Verlierer auf allen Seiten.

Wann kommt mehr Licht ins Dunkel?

Inzwischen hat der Zins zwar seine ursprünglich ihm zugedachte Funktion größtenteils verloren, aber dennoch ist das alle sechs Wochen stattfindende Treffen der europäischen Notenbanker eine gute Gelegenheit, sich neu zu orientieren. So wird man auch heute wieder gespannt den Worten von Super-Mario lauschen und versuchen zwischen den Zeilen zu lesen, was die Zukunft bringen wird. Nachdem bereits am Dienstag die australische Notenbank den seit dem 2. August 2016 gültigen Leitzins erwartungsgemäß nicht verändert hat, beschlossen die Notenbanken Kanadas und der Türkei zur Wochenmitte, das Gleiche zu tun. Somit stehen in dieser Woche mit der heutigen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und am morgigen Tag mit der Bank of Japan (BoJ) noch zwei Zinsentscheide aus, bei denen jedoch ebenfalls keine Änderung erwartet wird.

Geht es bei der BoJ eher darum, den Anlegern schonend den nahenden Ausstieg aus der ultra-akkommodierenden Geldpolitik schmackhaft zu machen, so sind die Notenbanker der EZB schon einen Schritt weiter. Sie müssen sich in den kommenden Wochen und Monaten mit der Feinadjustierung bei der Wortwahl beschäftigen. Denn trotz guter Konjunktur und einer bisher nicht gekannten Mittelzufuhr seitens der Zentralbank, sank die Inflation in der Eurozone im Februar den dritten Monat in Folge. Somit entfernt sie sich immer weiter von dem angepeilten Ziel von 2%. Deshalb ist davon auszugehen, dass an diesem Donnerstag der EZB-Rat an der bisherigen Forward Guidance festhalten wird. Das ist auch die Meinung im Hause Barclays. Deren Analysten erwarten frühestens in der nächsten Sitzung im April ein Abrücken von der bisherigen Aussage einer möglichen Ausweitung der Ankäufe. Im Zuge dieser Anpassung würden auch erst Beratungen über die Weiterentwicklung des Hauptrefinanzierungssatzes nach einem möglichen QE-Ende Sinn machen. Zusammen mit Nomura und Wermuth Asset Management erwarten diese drei Häuser sogar eine erste Zinserhöhung in 2018 – jedoch in sehr unterschiedlicher Ausprägung.

Jedoch steht und fällt eine solche Prognose nicht zuletzt mit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Europa, den USA, Japan und China. Aber auch jede Art protektionistischer Maßnahmen zum Schutze der heimischen Wirtschaft wird nicht ohne Auswirkung auf die Notenbankpolitik bleiben und somit in die Überlegungen mit einzubeziehen sein. Dies hat sogar der Präsident der Fed Atlanta, Raphael Bostic, jüngst angedeutet. Denn seines Erachtens würde ein eskalierender Handelsstreit gegebenenfalls eine Verlangsamung des bisherigen Kurses der behutsamen Zinserhöhungen erforderlich machen.

Doch so weit ist man in der Eurozone noch nicht und hierzulande sind sich alle Marktbeobachter darin einig, dass zuerst das QE-Volumen reduziert wird, bevor man es final einstellt. Und erst anschließend ist der Weg frei für eine Zinsanhebung. Denn inzwischen spielt der Bestand an Anleihen bereits eine größere Rolle als der weitere Ankauf von Papieren. Dadurch hat man Zeit gewonnen, so dass erst die Sitzung am 14. Juni wieder etwas mehr Licht ins Dunkel bringen wird.

Italien vor politischer Hängepartie

Die Lähmung in der deutschen Politik werde von der Lähmung in Italien abgelöst, schrieb das Wall Street Journal mit Blick auf den vergangenen Sonntag. Da hatte das SPD-Mitgliedervotum endlich den Weg zu einer Regierungsbildung in Deutschland freigemacht, während der Wahlausgang in Italien den Beginn einer Paralyse eingeläutet hat. Sicher dürfte sein, dass den Italienern ein quälend langer Prozess der Regierungsbildung bevorsteht. Denn zwischen der stärksten Gruppierung, der Fünf-Sterne-Bewegung, und der rechtsgerichteten Lega liegen politische Welten. Beide aber machen ihren Führungsanspruch geltend und beide sind als populistisch zu bezeichnen.

Kritisch ist für Europa, dass sich beide Seiten europakritisch geben. Undank ist der Welten Lohn, mag man hier aus europäischer Sicht denken. Denn ausgerechnet der Italiener Mario Draghi hat in seiner Funktion als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) mit seiner Niedrigzinspolitik insbesondere Ländern wie Italien in der Schuldenkrise jede Menge an Zeit erkauft – und das zum Verdruss der Finanzindustrie in den „Nordländern“. Tatsächlich aber hat insbesondere Italien die Zeit nicht genutzt, um Reformen anzupacken. Die Verschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft in Europa liegt bei 132% des BIPs, die Jugendarbeitslosigkeit bei über 31% und da nutzt auch das stärkste wirtschaftliche Wachstum seit 2010 nicht wirklich viel. Zu groß sind die strukturellen Schwierigkeiten in Italien. Das Wahlergebnis macht noch einmal deutlich, dass die italienische Misere ein europäisches Problem ist. Könnte sich doch von dort aus der Spaltpilz weiterverbreiten. Deshalb muss die Europäische Union unter Führung von Deutschland und Frankreich die Zeit bis zur Europa-Wahl 2019 nutzen, die Euro- und die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen. Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht, weil eine boomende Konjunktur in vielen Ländern für Jobs und Steuern sorgt und die Zahl der Flüchtlinge abnimmt.

Zunächst aber steht Italien eine weitere Hängepartie bevor. Königsmacher könnte ausgerechnet die noch regierende sozialdemokratische Partei werden, die unter Matteo Renzi eine historische Niederlage eingefahren hatte. Der hat aber in Erinnerung an Martin Schulz schon mal angekündigt, in die Opposition gehen zu wollen. Am 23. März, wenn das Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammentrifft, können offiziell Koalitionsgespräche beginnen. Kommt an deren Ende keine Regierung zustande, bliebe Staatspräsident Sergio Mattarella die Möglichkeit, Neuwahlen auszurufen. Aber was sollte sich dann ändern?

May lässt Wirtschaft im Ungewissen

Innerhalb der britischen Wirtschaft wächst der Unmut gegen die Brexit-Strategie der Regierung unter Premierministerin Theresa May. Diese hatte zwar gesagt, sie favorisiere in Regulierungsfragen eine enge Anlehnung an die EU. Das aber ist der Wirtschaft offenbar zu vage, weil es immer noch einen zu starken „Nebel der Unsicherheit“ gebe, um Investitions- und Geschäftsentscheidungen zu treffen. Dafür aber agieren viele Firmen nach dem Prinzip „Rette sich wer kann“, denn immerhin haben 60% der Unternehmen bereits Notfallpläne initiiert, sollten die Verhandlungen mit der EU vollständig scheitern, heißt es beim Wirtschaftsverband Confederation of British Industry (CBI), deren Mitglieder zu 80% im Binnenmarkt bleiben wollen.

Deren Chefin Carolyn Fairbairn hat nun im Interview mit der „Welt“ klargemacht, dass ein reibungsloser Handel außerhalb des Binnenmarktes nicht mehr möglich sein werde. Aber die Beibehaltung gleicher Rechtsvorschriften könne den Vorteil der Mitgliedschaft im Binnenmarkt nachbilden. Dennoch fordert der CBI weiterhin, dass Großbritannien in der Zollunion bleibt, was wiederum die Regierung ablehnt. Denn immer noch vermissen die Firmen Klarheit, was das Verhältnis zur EU nach dem 29. März 2019 bringen wird. Zwar deutet vieles auf eine zweijährige Übergangszeit hin, in der zunächst alles beim Alten bleibt. Dennoch ist auch eine solche Zwischenlösung noch nicht vereinbart und bleibt für die Unternehmen daher ein Unsicherheitsfaktor.

Dabei wirft der anstehende Brexit seine Schatten längst voraus. Durch die Abwertung des britischen Pfunds wurde die Inflation auf 3% getrieben. Dies frisst Lohnsteigerungen auf, weshalb die Einkommen im 4. Quartal 2017 um 0,2% hinter dem Vorjahreswert zurückblieben, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vorrechnet.

Die Wirtschaft, aber auch einige Tory-Rebellen kritisieren an May, dass sie insgesamt sehr schwammig bleibt. So spricht die Regierungschefin zwar davon, statt eines Verbleibs in der Zollunion einen „guten Zugang“ zu den anderen Märkten aushandeln zu wollen. Doch dies ist Unternehmen, die eben auch Entscheidungen treffen müssen, zu unkonkret.

So bewertet auch die EU Mays Stil in der Brexit-Debatte zwar als eine Änderung im Ton, aber nicht in der Sache. Dies schreibt der britische „Guardian“ mit Blick auf ein internes EU-Dokument. Demnach lässt May weiterhin jegliche Klarheit vermissen, geschweige denn, dass sie ein schlüssiges Austrittsszenario vorlegen kann. Vielmehr sei das, was die Regierungschefin anstrebe, so etwas wie „doppelte Rosinenpickerei“.

In diese Kerbe schlägt auch der UBS Präsident, Axel Weber, der die fehlenden Fortschritte bei den Verhandlungen anprangert. Seines Erachtens verkennt Großbritannien die Brenzligkeit der Situation und die EU wiege sich noch zu stark in der Sicherheit, dass am Ende ein Kompromiss gelingen wird. Darüber hinaus warnt er die EU vor Eigentoren beim Brexit!

Griechische Banken müssen noch in eine Reha

Die Not dauert noch etwas länger. Nach Einschätzung der EZB-Bankenaufsicht benötigen die Kreditinstitute von Griechenland länger als gedacht, um die Schuldenkrise abschließen zu können. Nach einer langen Phase der Krankheit müssen die Institute wohl erst in eine Reha. Kernproblem der griechischen Banken ist ein Anteil von nahezu 50% an notleidenden Kreditengagements. Dies ist die höchste Quote im Euroraum.

Die griechischen Banken haben mit den Aufsehern der EZB eine Reduzierung fauler Kredite um 40% bis Ende 2019 vereinbart. Das planmäßige Erreichen dieses Ziels würde den Instituten wieder bessere Möglichkeiten an die Hand geben, ihre Mittel für die traditionellen Geschäftsbereiche einzusetzen.

In einem vorgezogenen Stresstest nimmt die EZB derzeit zusammen mit der Europäischen Bankenaufsicht EBA die vier größten griechischen Banken unter die Lupe. Damit will man sich bis Mai, wenn die Ergebnisse veröffentlicht werden, Klarheit über deren Lage verschaffen. Die Ergebnisse für die 33 anderen europäischen Banken, die noch untersucht werden, sollen im November bekanntgegeben werden.

RCI Banque sammelt 1,3 Mrd. € ein

Die Investoren hatten in dieser Berichtswoche die Auswahl unter vier nennenswerten Neuemissionen. Zum einen legte RCI Banque eine Dualtranche auf und A.P. Møller Mærsk sowie Belden begaben jeweils einen Bond.

RCI Banque legte gleich zwei Bonds mit insgesamt 1,3 Mrd. € auf. Die erste Tranche (A19XGP), ein 3-jähriger Bond, ist am 12.07.2021 fällig und hat einen Kupon in Höhe von 0,25%. Das Emissionsvolumen beläuft sich auf 750 Mio. € und das Pricing bei 99,597% entsprach +23 bps über Mid Swap. Eine Make Whole Option und ein Kündigungsrecht ab dem 12.06.2021 zu 100% runden die Bedingungen für dieses Wertpapier ab. Eine zweite, 550 Mio. € schwere, 7-jährige Anleihe (A19XGQ) mit Fälligkeit am 12.03.2025 wurde als Floater begeben und der Zins richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor plus 0,58 PP. Der Ausgabepreis lag bei pari.

Das dänische Unternehmen A.P. Møller Mærsk legte einen 750 Mio. € schweren Bond (A19XNN) mit Fälligkeit am 16.03.2026 auf. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Zins von 1,75% ausgestattet. A.P. Møller Mærsk ist insbesondere im Bereich Logistik tätigt und seit etwas mehr als 20 Jahren die größte Containerschiffsreederei der Welt. In die Anleihebedingungen wurde neben einer Make Whole Option ein weiterer Kündigungstermin (ab dem 16.12.2025 jederzeit zu 100%) aufgenommen. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,719%, was einen Aufschlag von +90 bps über Mid Swap bedeutete.

Zu guter Letzt wurde Belden, ein Unternehmen mit Sitz in den USA, das Lösungen für die Datenübertragung entwickelt, am Kapitalmarkt aktiv und begab eine Anleihe (A19XSF) mit einem Volumen von 350 Mio. €. Belden stattete den Bond mit einem Zins von 3,875% aus, welcher bis zur Fälligkeit am 15.03.2028 halbjährlich gezahlt wird. Emittiert wurde zu pari (+320 bps über Bund). Das Unternehmen räumte sich zusätzlich vier optionale Kündigungsrechte ab 15.03.2023 zu 101,938%, ab 15.03.2024 zu 101,292%, ab 15.03.2025 zu 100,646% und ab 15.03.2026 zu 100% ein.

Alle hier genannten Bonds wurden mit der bei Privatanlegern eher unbeliebten Mindeststückelung von 100.000 € emittiert.

Dank Roll-Over tiefere Kurse, aber keine höheren Renditen

Alle drei Monate muss man sich wegen des Roll-Overs bei den Rentenbarometern an neue Future-Stände gewöhnen. Beim Wechsel vom März- in den Juni-Kontrakt beläuft sich der mathematisch zu begründende Differenzbetrag beim Buxl- auf ca. -1,52 PP, beim Bund- auf ca. -2,65 PP, beim Bobl auf ca. -0,78 PP und beim Schatz-Future auf ca. -0,19 PP. Somit notieren ab sofort alle auf deutsche Staatspapiere referenzierenden Kontrakte tiefer als bisher. Dennoch hat sich das Renditeniveau nicht erhöht und dieses beläuft sich bei der aktuellen 10-jährigen Benchmark-Anleihe (110244) heute Morgen auf ca. 0,658%, was einem Euro-Bund-Future von 156,80% entspricht.

Dennoch ist bei der charttechnischen Analyse infolge des kurzfristigen Aufwärtstrends eine Unterstützungslinie bei ca. 156,47% auszumachen. Hingegen stellt der seit Dezember vergangenen Jahres längerfristig zu registrierende Abwärtstrend eine Widerstandslinie bei ca. 157,50% dar. Diese beiden Linien bilden ein Dreieck aus dem der Euro-Bund-Future im Laufe der kommenden Woche spätestens ausbrechen wird.

Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Krisenherde in der Welt kann das Rentenbarometer schon bald wieder zum Sorgenbarometer werden und somit seinem Namen alle Ehre machen.

USA müssen für 4-Wochen-T-Bills schon wieder mehr zahlen

Nachdem in der vergangenen Woche zur Refinanzierung der vierwöchigen Geldmarkttitel im Volumen von 60 Mrd. USD die Investoren mit 1,495% geködert wurden, musste in dieser Woche nochmals etwas draufgelegt werden (1,55%). Zu diesem erhöhten Satz wurden 65 Mrd. USD und zusätzlich mittels T-Bills mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten nochmals 99 Mrd. USD aufgenommen. Wer in längere Laufzeiten investieren möchte, muss sich noch etwas gedulden, denn in der kommenden Woche werden zusätzlich Bonds mit Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren aufgelegt.

In der Eurozone hingegen wurde in diesem Zeitraum bisher lediglich die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland aktiv und stockte zwei inflationsindexierte Anleihen (103056 / 2026 ; 103055 / 2030) um jeweils 500 Mio. € sowie die aktuelle 5-jährige Bundesobligation Serie 177 (114177) um 4 Mrd. € auf. Die Zuteilung der beiden Linker erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,87% (103056) bzw. -0,55% (103055). Die zu erzielende Rendite bei der Bundesobligation bewegte sich mit 0,05% wieder im positiven Bereich und die Nachfrage entsprach mit 4,19 Mrd. € in etwa dem anvisierten Aufstockungsbetrag. Den Schlusspunkt wird am heutigen Donnerstag Irland mit der Erhöhung der bisherigen Emissionsvolumen bei zwei Altemissionen (A19QHF / 2022 ; A19UMH / 2028) setzen.

Freundliche Wetterlage beim Euro

Auf Regen folgt Sonnenschein sagt ein Sprichwort. Übertragen auf die jetzige Wetterlage folgen auf tiefwinterliche Minusgrade frühlingshafte Temperaturen.

Die europäische Gemeinschaftswährung scheint sich ebenfalls der Wetterlage anzupassen und kann nach den Verlusten in der vergangenen Berichtswoche wieder mit einem deutlichen Kursplus glänzen.

So begann der Monat März für den Euro nicht allzu freundlich und er fiel sogar bis auf 1,2155 USD zurück. Allerdings konnte die Einheitswährung an vier Tagen in Folge gegenüber der US-Valuta zulegen. Zur Wochenmitte stieg somit der Wechselkurs bis auf 1,2444 USD. Diese Kursentwicklung ist das Resultat der aktuellen US-Zollpolitik. Insbesondere nach dem Rücktritt von Wirtschaftsberater Cohn nehmen die Sorgen zu, es könnte zu einem Handelskrieg zwischen den USA und der EU kommen. Dies setzte den Greenback immens unter Druck. Neben diesem marktbeherrschenden Thema richtet sich die Aufmerksamkeit am heutigen Donnerstag auf die zweite EZB-Sitzung des Jahres. Im Vorfeld des Treffens der Währungshüter handelt der Euro heute Morgen bei ca. 1,2410 USD.

Ein weiteres am Markt hinlänglich bekanntes Thema ist der Brexit. Nach wie vor gibt es dafür keinen verlässlichen Fahrplan und so geriet in den vergangenen Tagen das britische Pfund Sterling erneut unter Druck. Die europäische Einheitswährung konnte davon profitieren und stieg in dieser Berichtswoche bis auf 0,89680 GBP und markierte damit ein neues Hoch in 2018.

Um im aktuellen Marktumfeld für jeden Fall gewappnet zu sein, investierten Privatanleger zur Risikostreuung in ausgesuchte Fremdwährungsanleihen. Dazu gehörten Währungsanleihen auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand, russische Rubel sowie norwegische Kronen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Theresa May, die schwankende Lady

Die Frage, wie die künftige Grenze zwischen dem EU-Land der Republik Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland aussehen soll, entpuppt sich immer mehr als Knackpunkt der Brexit-Verhandlungen. Dies wurde einmal mehr deutlich, als gestern EU-Chefunterhändler Michael Barnier den ersten Entwurf für den Austrittsvertrag mit Großbritannien vorgelegt hatte. Da das Papier nicht ausschließt, dass die britische Provinz notfalls im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion bleibt, schlugen in London die Wogen der Empörung hoch. Kein britischer Premierminister könnte einer Zoll- und Regulierungsgrenze entlang der Irischen See, die zwischen Großbritannien und Irland liegt, je zustimmen, sagte Premierministerin Theresa May in London.

Würde der Entwurf bei einer Umsetzung laut May doch die freie Wirtschaft von Großbritannien untergraben und dessen Verfassungsintegrität gefährden. Jedoch gilt auch hier: Das Ziel ist der Weg. Denn war doch 1998 die offene Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland der Schlüssel zur Beendigung des Nordirlandkonflikts – und damit eine Frage von Krieg und Frieden. Deshalb will London auch bei einem harten Brexit offene Grenzen ohne Kontrollen, kann aber bisher keine praktikable Lösung präsentieren. Dies offenbart einmal mehr die Planlosigkeit der britischen Regierung und ihrer Premierministerin.

Und die gerät immer mehr unter Druck. Denn nun bietet die britische Labour-Party eine politische Alternative zu einem harten Brexit. So will die Oppositionspartei in Westminster nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU für den Verbleib des Landes in einer Zollunion mit der Gemeinschaft kämpfen. Die Partei strebt auch eine „neue, starke Beziehung“ zum EU-Binnenmarkt an und schließt eine erneute Teilhabe am Binnenmarkt nicht mehr grundsätzlich aus. So fordert Parteiführer James Corbyn Verhandlungen über eine „neue und umfassende Zollunion”, die britischen Unternehmen auch nach dem Brexit den zollfreien Warenverkehr mit der EU ermöglichen soll. Dies würde einem sogenannten weichen Brexit gleichkommen, wie ihn auch eine Reihe von Tory-Rebellen fordert. Corbyn, der sich um die Frage nach einem harten oder weichen Brexit immer herumdrückte, hat sich nun klar positioniert. Damit eröffnet Labour den Briten nicht nur eine neue Option, gleichzeitig setzt die Opposition auch Premierministerin Theresa May massiv unter Druck. Denn im Unterhaus gibt es mindestens zwölf Abgeordnete von Mays Tory-Party, die ihr Land ebenfalls in der Zollunion halten und gegen einen harten Brexit stimmen wollen. Rein rechnerisch verfügen die Gegner einer harten Linie nun über eine knappe Mehrheit im Unterhaus.

Theresa May wird damit immer mehr zur schwankenden Lady, denn eine Niederlage der Premierministerin nach Ostern, wenn das Parlament über einen Gesetzentwurf der May-Kritiker abstimmen wird, rückt nun vollends in den Bereich des Möglichen. Mit dem zur Abstimmung stehenden Gesetz soll Großbritannien eng an die EU-Zollunion gebunden werden, um Nachteile für die Wirtschaft zu verhindern und Kontrollen an der künftigen EU-Außengrenze zwischen Irland und dem britischen Nordirland zu vermeiden. Wenn May dieses Votum verliert, müsste sie wohl zurücktreten. Ja, möglicherweise könnte dies auch zu Neuwahlen führen. Der folgende Wahlkampf wäre dann nahezu ausschließlich von Brexit-Themen geprägt. Man darf gespannt sein auf den kommenden Freitag, an dem die Premierministerin ihren Standpunkt zu der neuen Situation erläutern will. Immerhin, die Hoffnung auf einen sanften Brexit hat wieder neue Nahrung erhalten.

Drei, vier oder doch nur zwei Zinserhöhungen in den USA?

Eine Antwort auf diese Frage erhofften sich die Marktteilnehmer von der ersten Anhörung des neuen Fed-Präsidenten, Jerome Powell, im Kongress. Das halbjährlich stattfindende Testimony vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses war die erste Gelegenheit, eine seriöse Einschätzung der zukünftigen US-Notenbankpolitik vorzunehmen. Die mit Spannung erwarteten Ausführungen lassen den Eindruck entstehen, dass die von seiner Vorgängerin eingeleitete behutsame Normalisierung der Geldpolitik auch weiterhin Bestand haben wird. Somit wird sich die Zinspolitik an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren und nicht als ausgesprochen aggressiv zu bezeichnen sein.

Die Schwierigkeit wird also darin bestehen, einen Mittelweg zwischen dem Vermeiden einer Überhitzung der US-Wirtschaft und dem Erreichen des angepeilten Inflationszieles zu finden. Sollte wider Erwarten die Konjunktur zu heiß laufen, so hat Powell bereits jetzt signalisiert, die Zinsen auch schneller anzuheben. Viele Marktbeobachter haben diesen Hinweis als Indiz für vier Zinsanhebungen in 2018 angesehen, jedoch erscheint mir diese Schlussfolgerung als zu voreilig. Denn die US-Unternehmen und somit die gesamte US-Konjunktur profitieren aktuell von einer Vielzahl von Faktoren, die nur eine begrenzte Haltbarkeit haben. So werden die jetzt wirksam gewordenen steuerlichen Effekte nicht ewig die Ertragslage der Unternehmen verbessern und auch die Schutzzölle sind nicht dazu geeignet, eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu erzeugen. Bezeichnete man früher die USA immer als die Lokomotive der Weltwirtschaft, so trifft die Aussage nach der Installation von Schutzzöllen und den damit provozierten Gegenmaßnahmen betroffener Handelspartner mit Sicherheit nicht mehr zu. Somit führt die „America-First“- Denkweise des Lokomotivführers D.T., dem Unberechenbaren, für die USA früher oder später aufs Abstellgleis. Es ist also noch nicht sicher, ob die US-Wirtschaft das halten kann, was man sich in den USA von den ganzen Maßnahmenpaketen verspricht und somit Jerome Powell überhaupt auf einen strafferen Kurs umschwenken muss.

Ob und wann die andere bedeutende Notenbank, die Europäische Zentralbank (EZB), auf den Kurs der US-Notenbank (Fed) einschwenken wird, ist die zweite an den Finanzmärkten oftmals gestellte Frage. Jedoch gibt es bereits zwischen Chef und designiertem Vize unterschiedliche Auffassungen hierzu. So sieht der neue Stellvertreter de Guindos eine Annäherung der EZB-Politik an die Fed-Vorgaben. EZB-Präsident Mario Draghi betont hingegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit - trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Eurozone - die Notwendigkeit einer sehr lockeren Geldpolitik. Hatte man nach der Veröffentlichung des Protokolls der Ratssitzung vom 25. Januar noch den Eindruck, dass sich alle Mitglieder des EZB-Rates inzwischen mit einem Kommunikationswechsel inclusive der Forward Guidance zu Anleihekäufen und Zinsen angefreundet hätten, so ist dies eher als neuerliches Indiz für die Zerrissenheit innerhalb des EZB-Rates zu werten. Vor diesem Hintergrund bekommt die im Protokoll nachzulesende Ankündigung, „die Sprachregelung zum geldpolitischen Kurs könne im frühen Jahresverlauf 2018 überprüft werden“, einen anderen Sinn. Denn dieser Prozess kann sich auch über einen Zeitraum von mehreren Sitzungen hinziehen und nicht Gegenstand eines einzigen Treffens der EZB-Ratsmitglieder sein. Es scheint also weiterhin bei den EZB-Notenbankern so zu sein, dass die Angst vor der eigenen Courage einen eindeutigen Kommunikationswechsel verhindert.

Wo Parteien das Azurblaue vom Himmel herunter versprechen

Am 4. März finden in Italien die Parlamentswahlen statt. Und wieder reden viele Beobachter von einem Schicksalstag für Europa. Gar von einem „Countdown ins Chaos“ schreibt der „Stern“. Denn die volkswirtschaftlichen Herausforderungen des Landes sind enorm. So verharrt die italienische Staatsverschuldung zwar wegen des anziehenden Wirtschaftswachstums, das die EU auf unterdurchschnittliche 1,5% für 2018 taxiert, auf stabilem Level. Allerdings befinden sich die wirtschaftlichen Kennzahlen allesamt auf sehr hohem Niveau. Mit 2,3 Bill. € oder horrenden 132% des BIPs weist Italien die weltweit dritthöchste Staatsverschuldung auf und mit gut 15% an der Gesamtkreditsumme bilden Problemkredite einen dreimal so hohen Anteil wie im Durchschnitt der Währungsunion. Zieht man die Rückstellungen ab, so haben die faulen Kredite laut der italienischen Zentralbank ein Volumen von 81 Mrd. €. Und die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 32,2% weiterhin extrem hoch.

Auf die Parteien, die um den Einzug ins Parlament ringen, warten also riesige Herausforderungen. Aber nicht die wirtschaftliche Lage ist es, die zentrales Thema des Wahlkampfes geworden ist. Nach Schlagzeilen über einen angeblich von einem Nigerianer verübten Mord und den darauffolgenden Schüssen eines Neofaschisten auf dunkelhäutige Menschen in der Kleinstadt Macerata dreht sich alles um das Thema Sicherheit. Natürlich ist dies ein wichtiges Thema. Aber den großen wirtschaftlichen Problemen scheint keine Partei in Italien gerecht zu werden. Ein Macron à la Italiana ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, sinnvolle Reformen der früheren italienischen Regierungen Monti und Renzi, etwa in puncto Rente und Arbeitsmarkt, werden infrage gestellt. Von Steuersenkungen bis Grundeinkommen würden „vor allem Wahlgeschenke“ versprochen, beobachtet die Konrad-Adenauer-Stiftung. Anders ausgedrückt, die Parteien versprechen dem Wahlvolk das „Azurblaue vom Himmel“ herunter.

Dabei ist völlig unklar, wer Italien künftig regieren wird. Denn drei ähnlich starke Lager stellen sich zur Wahl. Stärkste Einzelpartei könnte die populistische, europafeindliche Bewegung „Fünf Sterne“ werden. Aber auch die Rechtspopulisten der Lega Nord konnten in den aktuellen Umfragen deutlich zulegen. Und dann ist da noch Silvio Berlusconi. Auf den Wahlplakaten seiner Forza Italia steht zwar „Berlusconi Presidente”, obwohl er bis Ende 2019 als verurteilter Steuerhinterzieher gar kein politisches Amt bekleiden darf. Man darf also gespannt sein auf den 4. März und das Ergebnis der italienischen Parlamentswahl – zumal das auch noch der Tag ist, an dem das Ergebnis des Mitgliedervotums der SPD bekanntgegeben werden soll.

Für beide Ereignisse wappnet man sich bereits in Brüssel. Die EU-Kommission bereite sich auf mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten nach der Italien-Wahl und dem SPD-Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag in Deutschland vor, hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei einer Diskussionsveranstaltung zunächst verraten, um das Gesagte danach wieder zurückzuziehen. Nein, so sollte seine Aussage nicht fehlinterpretiert werden, betonte Juncker. Des Weiteren merkte er noch an, dass es seines Erachtens nach der Wahl in Italien eine handlungsfähige Regierung geben werde.

Sinn warnt vor Macron

Hans-Werner Sinn ist auf Emmanuel Macron nicht gut zu sprechen. So hat der ehemalige Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung die kommende Bundesregierung in der „Welt am Sonntag“ davor gewarnt, dem französischen Staatspräsidenten bei der Reform der Euro-Zone zu weit entgegenzukommen. Bei einer Umsetzung von Macrons Ideen würde die Euro-Zone nur kurzfristig stabilisiert, aber langfristig destabilisiert werden. Dabei dreht es sich im Kern immer wieder um dasselbe Thema: Die Vertiefung der Eurozone als eine Umschreibung für die Vergemeinschaftung von Schulden. Wenn Deutschland für die Schulden der Euro-Partner bürgt, so Sinns Argumentation, können sich die Länder Südeuropas munter weiterverschulden. Und dies würde eine neue Verschuldungswelle lostreten, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des ganzen Kontinents schwächen würde.

Neue Schulden muss die Bundesrepublik derzeit jedenfalls nicht machen. Mit 1.475 Mrd. € Einnahmen und Ausgaben von 1.438 Mrd. € erzielte der deutsche Staat 2017 einen rekordhohen Finanzierungsüberschuss von 36,6 Mrd. €. Noch nimmt die Bundesrepublik also mehr ein als sie ausgibt. Ob das mit einer Großen Koalition aus Union und SPD auch noch so sein wird, darf zumindest bezweifelt werden. Auch das Versprechen des designierten Wirtschaftsministers Altmaier, die erfolgreiche Arbeit von Wolfgang Schäuble weiterzuführen, hat keine beruhigende Wirkung entfalten können. Zumal den Sozialdemokraten oftmals nachgesagt wird, dass sie am liebsten das Geld der Anderen ausgeben.

EZB sieht keine Zukunft für lettische Bank

Die drittgrößte Bank Lettlands, die ABLV, steht vor dem Aus. Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) steht das Institut vor dem Zusammenbruch und muss abgewickelt werden. Eine Rettung sei nicht im öffentlichen Interesse, teilten die EZB und das für die Bankenabwicklung zuständige Gremium, das Single Resolution Board (SRB), mit. Erst vergangene Woche hatte die EZB gegen die ABLV eine Auszahlungssperre verhängt. Angesichts einer signifikanten Verschlechterung ihrer Liquidität sei die Bank wahrscheinlich nicht in der Lage, ihre Schulden und andere Verpflichtungen zu bedienen, wenn sie fällig werden, hieß es bei der EZB.

Die ABLV gilt in Lettland nicht als systemrelevant, weshalb die Regierung in Riga auch nicht einzugreifen gedenkt. Die USA hatten der ABLV, von deren Einlagen 40% aus dem Ausland kommen, vorgeworfen, in Geldwäsche von Kunden aus Russland und der Ukraine verwickelt zu sein. Daraufhin flossen rund 600 Mio. € an Einlagen ab. In der Folge hatte die lettische Notenbank fast 300 Mio. € sogenannter ELA-Nothilfen (ELA: Emergency Liquidity Assistance) an das angeschlagene Institut überwiesen.

Diese Maßnahme hatte wiederum den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, dazu veranlasst, erneut eine Änderung der Regeln für die umstrittenen Notkredite für angeschlagene Banken zu fordern. Nur wenn die Hilfen mit geldpolitischen Aufgaben in Verbindung gestanden hätten, wäre ein Untersagen seitens der EZB möglich gewesen. Daher will Draghi die ELA-Notkredite bei der EZB zentralisiert sehen. Erstmals in den Fokus gerückt waren die ELA-Notkredite in der Griechenland-Krise, als damit griechische Banken mit Milliardenhilfen über Wasser gehalten wurden.

Und wie es nach seiner Überzeugung in Sachen Regulierung auf keinen Fall weitergehen soll, hat uns Draghi diese Woche ebenfalls mitgeteilt – nämlich mit einer Aufweichung der Regeln. Ein Rückbau oder eine Abschwächung der bestehenden Regulierung sei das Letzte, was die EZB sehen wolle. Damit wäre auch das klar!

EU erwägt Regulierung des Bitcoins

Noch im Dezember war der Bitcoin auf ein Rekordhoch von 20.000 US-Dollar geklettert. Anfang Februar erfolgte dann der Absturz der Digitalwährung auf 6.000 US-Dollar, bevor sie sich wieder auf über 10.000 US-Dollar erholt hat. Kein Zweifel, der Bitcoin ist heftigen Schwankungen ausgesetzt. Und wie die EU-Kommission es sieht, ist die Kryptowährung in ihrem Wert nicht sicher, so dass Investoren Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren. Daher schließt Brüssel ein Vorangehen bei der Regulierung von Kryptowährungen nicht mehr aus, wie jetzt der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis sagte. Bereits vor zwei Wochen hat die Kommission die Finanzaufsichtsbehörden gebeten, die Warnhinweise für Anleger zu verschärfen.

Bei einer künftigen Regulierung geht es der EU auch darum, die Anti-Geldwäscherichtlinie auf Bitcoins anzuwenden. Für weiterführende Regulierungsschritte bedarf es aber Absprachen auf internationaler Ebene. Schließlich werden Kryptowährungen auf der ganzen Welt gehandelt. Es sei ein globales Phänomen, und deshalb sei eine globale Antwort nötig, sagte Dombrovskis. Allerdings merkte er auch an, dass Europa die Chancen annehmen müsse, welche die Kryptowährungen bieten. Wie die genau aussehen sollen, ließ Dombrovskis aber offen.

Bisher jedenfalls eröffnet insbesondere die Nicht-Regulierung von Bitcoin und Co. die Chance für wilde Spekulationen.

Metro erstmals seit 3 Jahren wieder am Kapitalmarkt aktiv

Nach drei Jahren Abstinenz wagte sich der börsennotierte Großhandelskonzern Metro wieder an die Börse und begab einen 5-jährigen Bond (A2LQJK). Das Unternehmen mit der Zentrale in Düsseldorf zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 06.03.2023 einen jährlichen Zins in Höhe von 1,125%. Der Ausgabepreis des 500 Mio. € schweren Bonds lag bei 99,706%, was einem Emissionsspread von +72 bps über Mid Swap entsprach. Metro legte wie die ebenfalls in dieser Woche am Primärmarkt aktiven Unternehmen Red Electrica und Securitas die Mindeststückelung von nominal 100.000 € fest.

Red Electrica, ein spanischer Versorger, begab einen Bond (XS1788586375) mit einem Emissionsvolumen von 600 Mio. € und einer Laufzeit bis zum 13.03.2027. Diese 9-jährige Anleihe wurde zu 99,443% begeben und ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,25% ausgestattet. Dies kam einem Spread von +32 bps über Mid Swap gleich. Das in Spanien für den Betrieb des elektrischen Höchstspannungsnetzes zuständige Unternehmen ließ sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen. Ferner ist das Wertpapier drei Monate vor Endfälligkeit, sprich am 13.12.2026, zu 100% kündbar.

Der schwedische Sicherheitskonzern Securitas mit Sitz in Stockholm sammelte 300 Mio. € frisches Geld am Kapitalmarkt ein. Die Anleihe (XS1788605936) hat ebenfalls einen jährlichen Kupon von 1,25% und ist am 06.03.2025 fällig. Begeben wurde das Papier zu 99,257%, was einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap entsprach. Securitas hat sich ein jederzeitiges Kündigungsrecht ab dem 06.12.2024 zu 100% in die Anleihebedingungen schreiben lassen.

Nun ist endlich das Gap geschlossen

Es war zwar nur ein kleines Gap und viele Marktbeobachter hatten es nicht mehr für möglich gehalten, doch nun endlich kann auch daran ein Haken gemacht werden. Am 25. auf den 26. Januar entstand eine Handelslücke zwischen 159,64% und 159,66%, die nun endlich einen Monat später egalisiert werden konnte. Dadurch werden sich die Chartisten wieder in ihrer Aussage bestätigt fühlen, dass jedes Gap geschlossen wird. Das Schöne daran ist aber auch, dass es noch vor dem Roll-Over in den Juni-Kontrakt erfolgte. Doch wie geht es weiter?

Die Schwierigkeit einer seriösen Prognose für die Kursentwicklung an den Bondmärkten ist zum einen in den unterschiedlichen Signalen der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks begründet und zum anderen sind innereuropäische Themen wie Brexit, Wahlen in Italien und die Regierungsbildung in Berlin Unsicherheitsfaktoren für die Finanzmärkte. Deshalb greift man in solchen Zeiten gerne auf die Chartanalyse zurück und diese bestätigt dem Rentenbarometer eine Aufwärtstendenz. Diese verhältnismäßig sehr steile Unterstützungslinie verläuft aktuell bei der psychologisch wichtigen Marke von 159,00% und erfordert täglich eine Fortsetzung des positiven Trends. Sollten sich allerdings auf diesem Niveau Ermüdungsanzeichen einstellen und der Euro-Bund-Future eine Seitwärtsbewegung beschreiben, so wird bereits in den kommenden Tagen der Aufwärtskanal verlassen und ein Test der Unterstützungslinie bei ca. 158,60% sehr wahrscheinlich. Insgesamt ist in den kommenden Wochen mit einer Erhöhung der Volatilitäten am Rentenmarkt zu rechnen und deshalb sollte man sich nicht zuletzt auch wegen des nahenden Roll-Overs mehr an der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen orientieren. Die Tradingrange wird hierbei zwischen 0,60% und 0,75% zu sehen sein.

Aktuell notiert das Sorgenbarometer der Eurozone (März-Kontrakt) bei 159,59%, was einer Rendite von 0,645% bei der 10-jährigen Bundesanleihe entspricht.

Der 23. März lässt grüßen!

Nachdem das US-Schatzamt in der vergangenen Handelswoche den Investoren ein Potpourri an Wertpapieren offerierte, hat man in dieser Woche lediglich T-Bills zum Kauf angeboten. Insgesamt wurden dennoch 156 Mrd. USD mit den üblichen Laufzeiten (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) refinanziert. Bemerkenswert hierbei war, dass bei den vierwöchigen Geldmarktpapieren in dieser Woche ein nicht unbeträchtlicher Renditeanstieg von 1,38% auf 1,495% zu registrieren war. Der 23. März lässt grüßen!

In der Eurozone hat Italien mit Aufstockungen und einer 5-jährigen Neuemission kurz vor den Parlamentswahlen nochmals bei den Anlegern Geld aufgenommen und zur Wochenmitte hat die Finanzagentur des Bundes die aktuelle 10-jährige Benchmark-Anleihe (110244) um weitere 3 Mrd. € auf insgesamt 11 Mrd. € aufgestockt. Aufgrund der nicht von allen Marktteilnehmern erwarteten Marktbewegung hielten sich die Investoren allerdings merklich zurück und so wurden lediglich Aufträge für 2,865 Mrd. € aufgegeben. Die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 0,67% und zur Marktpflege wurden 587,25 Mio. € zurückbehalten. Am heutigen Donnerstag beschließen Frankreich (A18YPD / 2026 ; A19QFA / 2028 ; A1AJL2 / 2041 ; A19HR9 / 2048) und Spanien (A19JJJ / 2021 ; A19P6R / 2022 ; A1HNMJ / 2028 ; A1ZZBE / 2030) mit der Aufstockung von jeweils vier Altemissionen den Reigen. Insgesamt wurden von den Staaten der Eurozone in dieser Woche am Kapitalmarkt ca. 26 Mrd. € aufgenommen.

Gemeinschaftswährung kalt erwischt

In den vergangenen Tagen hat der Winter seinem Namen alle Ehre gemacht und europaweit die Temperaturen in den zweistelligen Minusbereich abstürzen lassen.

Es scheint so, als ob der harte Winter auch die europäische Gemeinschaftswährung kalt erwischt hätte. So fiel die Einheitswährung zur Wochenmitte zeitweise bis auf 1,2184 USD zurück und markierte damit ein neues Monatstief. Mitte Februar handelte der Euro noch auf einem Dreijahreshoch bei 1,2555 USD. Die aktuelle Schwäche der Gemeinschaftswährung ist teilweise auf den ersten öffentlichen Auftritt des neuen Fed-Chefs Jerome Powell zurückzuführen. Dessen Ausführungen vor dem US Kongress wurden am Markt leicht „hawkish“ interpretiert. In der Folge konnte der Greenback aufwerten und der Euro geriet unter Druck. Damit geht eigentlich ein starker Februar für die Einheitswährung schwach zu Ende. Heute Morgen startet der Euro bei ca. 1,22 USD in den neuen Monat März.

Bei den Olympischen Winterspielen musste sich Schweden überraschend Deutschland im Eishockey geschlagen geben. Beim Währungspaar EUR/SEK ist die Überraschung nicht so hoch, jedoch hat auch hier die schwedische Krone das klare Nachsehen. So stieg der Euro in den vergangenen Handelstagen bis auf 10,1403 SEK und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2010.

Ausgewählte Fremdwährungsanleihen waren bei einer abnehmenden Umsatztätigkeit dennoch nachgefragt. Dazu zählen Anleihen auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie vereinzelt auch Bonds auf mexikanische Peso und russische Rubel.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Personalkarussell der EZB beginnt sich zu drehen

Als Irlands Finanzminister Paschal Donohoe noch vor Sitzungsbeginn der Euro-Gruppe in dieser Woche die Bewerbung „seines“ Notenbankchefs Philip Lane zurückgezogen hatte, war der Weg für Luis de Guindos geebnet. Der spanische Wirtschaftsminister wird den Posten des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) von dem Portugiesen Vitor Constancio übernehmen, was für die 2019 anstehende Wahl des Chefpostens als richtungsweisend gelten kann. Denn nun sind die Aussichten für den zumindest in den „Nordländern“ der EU sehr geschätzten Bundesbank-Chef Jens Weidmann, Mario Draghi an der EZB-Spitze zu beerben, vorsichtig ausgedrückt, nicht schlechter geworden.


Draghis Amtszeit endet im Oktober 2019. Und den bisherigen Usancen folgend werden die EZB-Chefposten stets von einem Nord- und einem Südeuropäer besetzt. Diese verfolgen traditionsgemäß unterschiedliche Philosophien. Während de Guindos als Verfechter einer eher expansiven Geldpolitik mit niedrigen Zinsen als „Taube“ gilt, gehört Weidmann als ein ausgesprochener Protagonist einer straffen Geldpolitik den „Falken“ an. Immer wieder hatte der Bundesbank-Chef in den vergangenen Monaten und Jahren die Flutung der Märkte durch EZB-Gelder kritisiert und eine weniger expansive Geldpolitik gefordert. So gesehen, wissen die europäischen Finanzpolitiker, was sie von Weidmann zu erwarten hätten. Nachdem die bisherigen EZB-Präsidenten aus den Niederlanden, Frankreich und Italien kamen, also aus zwei Südländern und einem der Nordhälfte, wäre nun ein Deutscher schlichtweg „endlich mal dran“. Doch mit Axel Weber stand schon einmal ein Bundesbanker davor, die EZB-Spitze zu bekleiden. Im Streit um die grundsätzliche geldpolitische Ausrichtung der EZB aber hatte Weber zurückgezogen – und den Weg für Draghi freigemacht.

Jedenfalls muss die Nachfolgeregelung für Draghi im Kontext des gesamten Personalkarussells gesehen werden, das sich in der EZB zu drehen beginnt. So gilt es, 2019 im EZB-Direktorium den Posten des Belgiers und EZB-Chefvolkswirts Peter Praet neu zu besetzen, bevor Ende 2019 der Franzose Benoit Coeure ausscheidet. Bereits Ende dieses Jahres endet die Amtszeit der Chefin der EZB-Bankenaufsicht, der Französin Daniele Nouy. Und ganz nebenbei finden im Jahr 2019 die Europawahlen statt, in deren Folge weitere politische Führungspositionen zu besetzen sein werden.

Neben Weidmann gilt auch der Chef der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot, als Kandidat für die Draghi-Nachfolge. Knot und Weidmann vertreten zwar ähnliche Positionen, allerdings tritt der Niederländer diplomatischer auf und wäre daher für die Südländer gegebenenfalls eher zu akzeptieren. Und ganz abgeschrieben scheint auch der Ire Lane noch nicht zu sein, nachdem er das Rennen um die Vize-Position verloren hat. Das Personalkarussell in der EZB muss also fein austariert werden, um zukünftig eine Unwucht zu vermeiden.

Sollte Weidmann tatsächlich das Rennen an der EZB-Spitze machen, würde dies nicht auf einen Schlag die Situation an den Märkten ändern. Aber auf mittlere Sicht dürfte die Aussicht bestehen, dass die EZB ihre marktverzerrende Geldpolitik zügig zurückfahren wird. Weidmann wäre der Schleusenwärter, der die aktuelle geldpolitische Schwemme der EZB wieder eindämmen könnte.

Die Finanzmärkte im Schatten der Notenbanken

Normalerweise sagt man immer: „Wenn Du nicht mehr weiterweißt, dann bilde einen Arbeitskreis“. Dies trifft im übertragenen Sinne auch auf die Notenbanker zu, und deshalb trifft man sich in gewissen Zeitabständen zu geldpolitischen Beratungen. Um den Marktbeobachtern eine Möglichkeit zu geben, in die Gedankenwelt der Währungshüter einzutauchen, hat man sich bei der US-amerikanischen Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vor längerer Zeit entschlossen, die Protokolle der Sitzungen mit einem zeitlichen Delay zu veröffentlichen.

Auf der Ratssitzung am 30. und 31. Januar wurde bei der Fed nicht nur der Wechsel an der Spitze vollzogen, sondern auch das Zinsniveau bestätigt. Die anschließenden Kommentare ließen allerdings nicht darauf schließen, dass man Zweifel an der bisherigen Markterwartung - mehrere Zinsanhebungen im Laufe des Jahres - hegen muss. Diese Einschätzung hat sich nach der Analyse der gestern publizierten Minutes nicht geändert, denn die Notenbanker äußerten die Zuversicht, dass die Inflation in diesem Jahr anziehen und man mittelfristig die angepeilte Teuerungsrate von 2% erreichen wird. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Zinserhöhung bereits im nächsten Monat deutlich.

Aber auch das heute Nachmittag zu veröffentlichende EZB-Sitzungsprotokoll vom 25. Januar wird infolge der Äußerungen Draghis zum Euro-Wechselkurs insbesondere im Hinblick auf Kommentare zu den Risiken für das Erreichen des Inflationsziels in Augenschein genommen. Denn mit der bisherigen Aufwertung des Euros ist die anvisierte Inflationsrate von annähernd 2% wieder in weite Ferne gerückt. Zumal die Wechselkursrhetorik des US-Finanzministers Steven Mnuchin sowie die Schuldenpolitik der US-Regierung nicht dazu geeignet sind, mit einem festeren US-Dollar zu rechnen. Der Handlungsspielraum für die Währungshüter in der Eurozone ist somit deutlich eingeengt worden, und die Marktbeobachter erhoffen sich Hinweise auf die weitere Vorgehensweise.

Jedoch geht es bei Notenbanksitzungen nicht nur um die weitere Geldpolitik, sondern in diesen Tagen auch um anstehende Personalentscheidungen. So wird sicherlich auf der am gestrigen Mittwoch abgehaltenen „Nicht-geldpolitischen EZB-Sitzung“ viel über anstehende Personalien (Vize-Chef und die Folgen der Korruptionsvorwürfe gegen den lettischen Zentralbankchef) gesprochen worden sein. Doch auch in den USA sind noch einige Positionen bei der Fed zu besetzen. Und nicht zuletzt steht nach der erneuten Nominierung des bisherigen japanischen Notenbankchefs, Haruhiko Kuroda, für weitere fünf Jahre noch die Bestellung zweier Stellvertreter aus. Die Wahl ist hierbei auf den Bank of Japan-Direktor Amamiya und den Universitätsprofessor Wakatabe gefallen, der als Vertreter einer aggressiven geldpolitischen Lockerung gilt.

Finanzplatz London ist auch nach dem Brexit keine Insel der Glückseligen

Manche Aussagen, die nicht mehr ganz neu sind, werden durch Wiederholungen nicht falsch. Dies trifft etwa auf das zu, was nun Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret gegenüber der „Welt“ geäußert hat. Er warnte vor einem Deregulierungswettlauf mit Großbritannien nach dem EU-Austritt des Königreichs. Während sich manche britischen Politiker für den Brexit ja tatsächlich Vorteile im Wettbewerb der Finanzplätze ausrechnen, drängt Dombret auf gemeinsame Regeln, um Risiken im globalen Finanzsystem entgegenzuwirken. „Es gibt keine rein nationalen Finanzsysteme mehr“, macht der Bundesbanker klar. Will heißen, Großbritanniens Finanzsystem kann auch nach dem Brexit keine Insel der Glückseligen sein. Dombret plädiert deshalb dafür, offen für ein von der britischen Bankenlobby vorgeschlagenes Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen zu sein. Ein solches Abkommen, das man zeitaufwändig verhandeln müsste, könnte den Banken - auch nach dem Brexit - grenzüberschreitende Geschäfte erleichtern.

Die Londoner Bankenvereinigung UK Finance hatte ein solches Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen 2017 vorgeschlagen und angeregt, die Lizenzen der Banken und Finanzdienstleister gegenseitig anzuerkennen. Ferner soll bei der Aufsicht auch nach dem Austritt des Landes am 29. März 2019 weiterhin eng zusammengearbeitet werden. Kurzum: Man würde mit dem Brexit alle bisherigen Abkommen aufkündigen, um anschließend die Regularien auf beiden Seiten so schnell wie möglich wieder anzuerkennen, nur eben nicht unter dem Label EU.

Bisher will die EU-Kommission von einem solchen Ansinnen nichts wissen, weil man den Binnenmarkt nicht aufweichen will. Dombret, der um die Bedeutung des Finanzplatzes London weiß, versucht hier schon mal über die Zeit nach dem eigentlichen Austritt hinauszudenken. Das macht die EZB ohnehin, verlangt sie doch von umzugswilligen Auslandsbanken, ihre konkreten Brexit-Pläne offenzulegen – und zwar bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2018. Schließlich brauchen die in London angesiedelten Institute Tochtergesellschaften mit Sitz in einem EU-Staat. Lizenzanträge für ihr Einlagen- und Kreditgeschäft gibt’s eben nur bei der EZB, die seit November 2014 die größten Bankengruppen im Euroraum direkt beaufsichtigt.

Letztendlich weiß auch Brexit-Minister David Davis, dass es London nach dem EU-Austritt nicht einfacher haben wird. Man wolle nicht in eine Welt wie in den düsteren Endzeit-Filmen „Mad Max“ abrutschen, in der es keine Regeln gäbe, sagte er diese Woche. Davis und andere Minister aus London waren auf Werbetour in Europa, um zu versichern, ihr Land sei auch nach dem Brexit ein verlässlicher Partner. Ob man sich konkret näherkommt, wird sich erst in der zweiten Brexit-Verhandlungsrunde zeigen, die im März beginnt. Zumindest bis dahin ist die Angst vor Mad Max noch nicht vom Tisch.

EU reagiert mit Gegenzöllen auf Harleys und Bourbon

Man will es eigentlich nicht aussprechen, das üble Wort vom Handelskrieg. Also reden wir von Reaktionen seitens der EU auf die Strafzölle, welche die US-Regierung plant, womit der Handelskonflikt Realität ist. D. T., der Unberechenbare, hat in der Tat mit seiner „America first“-Politik einen Konflikt vom Zaun gebrochen, der gewachsene Wirtschaftsbeziehungen ruiniert und die transatlantische Freundschaft mit Füßen tritt.

Sollte Washington Importbeschränkungen auf europäische Rohstoffe wie Stahl und Aluminium erlassen, wird die EU wohl binnen weniger Tage mit Strafzöllen auf Waren aus den USA reagieren. Neben vielen agrarwirtschaftlichen Produkten wie Kartoffeln, Tomaten und Orangensaft stehen Motorräder und Bourbon-Whisky auf der Liste, welche die EU-Kommission mit Strafzöllen belegen will.

Interessant ist auch, dass die Europäer laut „FAZ“ Gegenzölle auf Produkte erheben wollen, die Trump-freundliche Wahlkreise wirtschaftlich besonders treffen mögen. Dazu zählen Motorräder von Harley-Davidson aus Wisconsin, wo der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan herkommt, und Whisky aus Tennessee und Kentucky, der Heimat von Mitch McConnell, dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat.

In der Tat hat die Bundesregierung inzwischen bestätigt, dass die EU eine „angemessene Reaktion“ auf die US-Zölle vorbereitet - ohne allerdings Details zu nennen. Sollte die EU auf Einschränkungen im Stahlhandel mit Gegenzöllen auf völlig andere Produkte reagieren, wäre dies mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar. Die EU will ohnehin vor der WTO gegen die US-Importbeschränkungen vorgehen – ebenso andere Länder wie etwa Südkorea.

Kurzfristig mögen Schutzzölle für die US-Stahlindustrie dazu beitragen, lästige Konkurrenten fernzuhalten. Auf Dauer aber dürften die Maßnahmen der US-Branche schaden, weil sie damit an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen dürfte. Bleibt noch die Feststellung, dass in der Geschichte viele Handelskriege zu echten Kriegen geführt haben. Dies sollte allen Beteiligten Mahnung und Warnung zugleich sein.

Indessen wirkt sich die Steuerreform von Trump, die niedrigere Einnahmen und eine höhere Verschuldung zur Folge haben wird, an den Kapitalmärkten aus. So hat die US-Regierung in dieser Woche mit insgesamt 258 Mrd. US-Dollar so viele Anleihen emittiert wie noch nie in einer Woche. Die daraus entstehenden Schulden helfen, das Haushaltsdefizit zu stopfen, das durch Steuerreform und beschlossene Mehrausgaben ab 2019 die Billionen-Dollar-Grenze überschreiten könnte. Damit steigt auch der Aufwärtsdruck für die Renditen und die Aussicht auf weitere Leitzinserhöhungen.

Altmaier gibt den Schäuble

Natürlich sind die Fußstapfen groß, die Wolfgang Schäuble seinem Nachfolger als Bundesfinanzminister, Peter Altmaier, hinterlassen hat. Aber der Neue gibt sein Bestes. Wie Schäuble, der sich als harter Verhandlungsführer gegenüber Griechenland profiliert hatte, pocht nun auch Altmaier vor der Auszahlung weiterer Hilfsgelder an Griechenland auf die Einhaltung von Reformauflagen seitens Athens.

Die Finanzminister der Währungsunion waren diese Woche in Brüssel zusammengekommen, um über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche i.H.v. 6,7 Mrd. € an Athen zu beraten, für die eigentlich schon am 22. Januar grünes Licht gegeben wurde. Laut Diplomaten sind lediglich zwei von insgesamt 110 Reformen von Athen noch nicht umgesetzt worden. Dabei geht es zum einen um die Einführung eines Systems zur Zwangsversteigerung von Immobilien überschuldeter Eigentümer via Internet. Und zum anderen steht die Privatisierung des ehemaligen Athener Flughafens Hellenikon aus, der in ein Touristenareal umgewandelt werden soll.

Unterdessen sieht Fitch Griechenland weiter auf dem Wege der Besserung. So hat die Ratingagentur die Bonität des Landes von „B-“ auf nun „B“ heraufgesetzt, und das bei einem positiven Ausblick. Fitch begründet das Upgrade mit der zügigen Umsetzung der Reformvorgaben und der Erwartung, dass Griechenland das aktuelle Programm pünktlich bis August dieses Jahres abschließen kann. Außerdem wird erwartet, dass die Eurogruppe dem Land im Laufe des Jahres noch weitere Schuldenerleichterungen einräumen wird. Allerdings sollte man bei aller Freude über die Anhebung der Bonitätsbewertung nicht vergessen, dass die neue Bonitätsnote „B“ immer noch Ramschniveau bedeutet und der Investmentgrade-Bereich fünf Stufen entfernt ist. Gestern hat sich auch die Ratingagentur Moody’s zu diesem Schritt entschlossen. Der Eurostaat wird nun dort mit „B3“ nach zuvor „Caa2“ (extremly speculative) bewertet.

Sixt bringt 6-jährigen Bond

In dieser Handelswoche ließen es die Unternehmen am Primärmarkt für Corporate Bonds eher ruhig angehen. So besorgten sich lediglich Sixt, Grand City Properties und Icade frisches Geld am Kapitalmarkt.

Die Autovermietung Sixt begab einen 6-jährigen Bond (A2G9HU) mit einer Laufzeit bis zum 21.02.2024 und refinanzierte somit erfolgreich 250 Mio. €. Sixt zahlt seinen Investoren jährlich 1,50% Zinsen und stattete das Papier mit der bei Privatanlegern beliebten Mindeststückelung von 1.000 € aus. Ebenfalls wurde ein optionaler Kündigungstermin 2 Monate vor Endfälligkeit in den Emissionsbedingungen festgeschrieben. So ist der Bond ab dem 21.12.2023 jederzeit zu 100% kündbar. Emittiert wurde zu 98,75%, was einem Spread von +105 bps über Mid Swap gleichkam.

Grand City Properties begab in dieser Woche eine 500 Mio. € schwere Anleihe (A19WVU) mit einer Laufzeit bis zum 22.02.2027. Dieser 9-jährige Bond ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,50% ausgestattet und wurde zu 97,115% begeben. Dies kam einem Emissionsspread von +80 bps über Mid Swap gleich. Das luxemburgische Immobilienunternehmen, welches sich auf den Erwerb und die Sanierung von Wohnimmobilien in Deutschland spezialisiert hat, nahm eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen auf. Zusätzlich gibt es am 22.11.2026 ein Kündigungsrecht seitens des Emittenten zu 100%.

Als letzter im Bunde konnte das französische Immobilienunternehmen Icade erfolgreich 600 Mio. € am Kapitalmarkt einsammeln. Die Gesellschaft mit Sitz in Paris stattete den Bond (A19WVX) mit einem Kupon von 1,625% aus. Fällig wird das Papier am 28.02.2028. Der Emissionsspread belief sich auf +65 bps über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 98,438% entsprach. Icade ließ sich neben einer Make Whole Option einen optionalen Kündigungstermin in die Anleihebedingungen aufnehmen. Folglich kann der Emittent die Anleihe am 28.11.2027 zu 100% kündigen. Sowohl Grand City Properties als auch Icade wählten für Ihre Bonds die Mindeststückelung von 100.000 €.

Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten

Hatte man zu Beginn der Woche noch davon gesprochen, dass derzeit drei Faktoren das Geschehen an den Bondmärkten im Zweifel negativ bestimmen, so ist genau das Gegenteil eingetreten. Die Preisentwicklung in den USA, das immense Angebot an neuen Bonds und die jüngsten Konjunkturdämpfer wurden als Brandbeschleuniger bei den Renditen angesehen. Doch wie sagte schon Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, die schwedische Schriftstellerin, Kinderbuchautorin und Nobelpreisträgerin für Literatur (1909): „Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten.“ Und das gilt auch für die Stimmung an den Börsen. Zumindest bis gestern!

Der seit Jahresanfang intakte Abwärtstrend wurde erstmals am Dienstag getestet und durch die Steilheit des Kanals ist zur Wochenmitte das nur von wenigen Handelsteilnehmern Erwartete eingetreten. Die obere Widerstandslinie bei ca. 158,30% konnte überwunden werden und die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen fiel in der Spitze von 0,77% auf ca. 0,70% zurück. Eine solche Zwischenerholung ist nichts Ungewöhnliches, denn auf jede Bewegung folgt eine Gegenbewegung und das war hier der Fall. Doch ab heute herrschen an den Finanzmärkten - nach den Fed-Minutes - wieder andere Gesetze, denn die Fed-Zinserhöhungen werfen ihre Schatten voraus.

Charttechnisch schneiden sich die obere Leitplanke des langfristigen Abwärtstrends und eine neue Unterstützungslinie, resultierend aus dem kurzfristigen Aufwärtstrend, bei ca. 158,21%. An dieser Marke wird sich somit heute entscheiden, ob die Erholung nur ein Strohfeuer war oder ob infolge der Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten eine Stabilisierung bei Renten eintritt. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 158,35%.

Aktuelle Marktentwicklung

Deutschland:

Der März-Kontrakt des richtungsweisenden Euro-Bund-Future schloss gestern mit einem gehandelten Volumen von 0,675 Mio. Kontrakten bei 158,51% (Vw.: 157,98%).

Die Trading-Range lag im Berichtszeitraum zwischen 157,42% und 158,78% (Vw.: 157,26% und 158,65%).
Der Euro-Buxl-Future (Range: 157,48% und 160,20%) schloss bei 159,44% (Vw.: 158,80%),
der Euro-Bobl-Future (Range: 130,34% und 130,85%) bei 130,69% (Vw.: 130,53%)
und der Euro-Schatz-Future (Range: 111,845% und 111,93%) bei 111,905% (Vw.: 111,89%).

Die Rendite der aktuellen 10-jährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (110244 / 2028) lag im gestrigen Bundesbankfixing bei +0,698% (Vw.: +0,73%).

USA:

Zweijährige US-Treasuries rentieren bei 2,258% (Vw.: 2,172%),
fünfjährige Anleihen bei 2,674% (Vw.: 2,642%),
die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 2,939% (Vw.: 2,913%)
und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,212% (Vw.: 3,172%).


Die Entwicklung der wichtigsten Credit Indizes spiegelt im Vergleich zur Vorwoche eine Verengung der Spreads wider, was auf eine verminderte Risikoeinschätzung seitens der Anleger hinweist. Steigende Anleihekurse führten zu einer Reduzierung der Rendite und somit verringerte sich der I-Traxx-Main für Unternehmensanleihen guter Qualität um 2,5 auf 51,5 Punkte. Der I-Traxx-Crossover für High Yield Anleihen fiel um 6 auf 264 Punkte.

Die I-Traxx-Indizes bilden derivative Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) ab, mit denen Investoren den möglichen Default von Unternehmensanleihen absichern.

Spanien im Mittelpunkt

In der Eurozone wurden planmäßig zum Wochenbeginn zwei Anleihen der Slowakei (A18W5D / 2031 ; A19QRP / 2047) aufgestockt und morgen wird das Gleiche mit zwei Emissionen Italiens passieren. Bereits zur Wochenmitte wurden gemäß dem Emissionsplan des Bundes neue zweijährige Bundesschatzanweisungen (110471) im Tenderverfahren angeboten. Für die geplanten 5 Mrd. € wurden nur Gebote von 4,975 Mrd. € abgegeben, so dass die Auktion als technisch unterzeichnet gilt. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von minus (-) 0,51% und zur Marktpflege wurden 1,009 Mrd. € zurückbehalten.

Besondere Beachtung fand in diesen Tagen allerdings die neu emittierte Staatsanleihe Spaniens (A19W01), die mit einem jährlichen Kupon i.H.v. 2,70% bis zur Endfälligkeit am 31.10.2048 ausgestattet wurde. Wie groß das Interesse der Investoren - bei einem Emissionsspread von +105 bps über Mid Swap - an einer solchen Laufzeit war, macht das nachgefragte Volumen mehr als deutlich. Für ein Emissionsvolumen von 6 Mrd. € wurden Kaufaufträge über 25,8 Mrd. € erteilt.

In den USA sind solche Volumen zwar an der Tagesordnung, aber in dieser Handelswoche wird sogar in der Summe das Zehnfache dieses Betrages refinanziert. Hierzu werden den Investoren T-Bills mit Laufzeiten von 4 Wochen bzw. 3 und 6 Monaten im Gesamtvolumen von 151 Mrd. USD sowie T-Notes mit Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren für insgesamt 107 Mrd. USD zum Kauf angeboten. Sollte es sich hierbei um eine einmalige Maßnahme in dieser Größenordnung handeln, so ist das noch vertretbar. Sollte es allerdings in immer kleineren Abständen zur Regel werden, so würde dies den schon bestehenden Schuldenberg weiter anwachsen lassen und früher oder später die Bonität des Schuldners USA in Frage stellen.

ZAR profitiert von der politischen Wende

Das hochverschuldete Venezuela hat aus der Not eine Tugend gemacht und eine eigene Digitalwährung eingeführt. Dadurch erhofft sich das Land mehr finanziellen Spielraum und der Plan scheint aufzugehen. Denn die staatliche Kryptowährung „Petro“ erfreute sich bereits am ersten Tag reger Nachfrage. Bis zum 19. März sollen 100 Millionen digitaler Münzen zu etwa 60 USD ausgegeben werden, wovon jede mit einem Barrel der Rohöl-Reserven des Landes besichert ist.

Den Klassiker unter den Währungen bildet natürlich das Devisenpaar EUR/USD, welches in den vergangenen Handelstagen eine gewisse Berg- und Talfahrt durchlaufen hat. So stieg die europäische Gemeinschaftswährung zum Wochenausklang auf ein neues Dreijahreshoch bei 1,2555 USD, nachdem sie noch am 9. Februar zeitweise bei Kursen um die Marke von 1,22 USD gehandelt wurde. Allerdings konnte der Euro seine Gewinne nicht lange verteidigen und fiel zur Wochenmitte zwischenzeitlich bis auf 1,2308 USD zurück. Unterstützung erhielt die US-Valuta unter anderem aufgrund der Emissionsflut in den USA. Nach dem gestern Abend veröffentlichten FOMC-Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung handelt die Einheitswährung allerdings heute Morgen bei ca. 1,2280 USD.

Von dem Rücktritt des langjährigen südafrikanischen Staatsoberhaupts, Jacob Zuma, und durch die Machtübernahme des neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa profitierte die eigene Landeswährung. Im Vergleich zum Euro verteuerte sich der Rand bis auf 14,3006 ZAR und notierte damit so hoch wie zuletzt Mitte Juni des vergangenen Jahres. Zum US-Dollar konnte die Währung Südafrikas sogar mit 11,5602 ZAR ein Dreijahreshoch markieren.

Somit waren vermehrt Aktivitäten bei Bonds lautend auf südafrikanische Rand zu beobachten. Darüber hinaus zählten Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, türkische Lira, russische Rubel sowie auch mexikanische Peso zu den Favoriten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

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Author: Klaus Stopp

Trump ist meilenweit von Schäuble entfernt

Manche sprechen schon von Schulden-Harakiri oder Schulden-Sumpf, wenn sie den 4,4 Billionen US-Dollar schweren US-Etat meinen, den da D. T., der Unberechenbare, vorgelegt hat. Nicht nur, dass der Entwurf eine erhebliche Steigerung des ohnehin schon weltgrößten Rüstungsetats und eine radikale Kürzung von Hilfen für Bedürftige vorsieht. Nein, der Plan straft Trumps Versprechungen im Wahlkampf Lügen, läuft er doch auf eine weitere deftige Ausweitung der Staatsverschuldung hinaus. Sicher, es ist eine schlechte Tradition von US-Präsidenten, völlig überzogene Etatentwürfe vorzulegen, die am Ende nicht durchkommen. Folglich wurde das Werk in Washington auch schnell zur Totgeburt apostrophiert.

Das Gesamtwerk dürfte auch in Trumps republikanischer Partei auf Widerstand stoßen, da die Grand Old Party (GOP) traditionell versucht, einen Stil der strengen Haushaltsdisziplin zu pflegen. Denn ungeachtet der inhaltlichen Ausrichtung von Trumps Plan gibt er insbesondere ein Kernanliegen der Republikaner auf: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts. Damit erkennt Trump indirekt an, dass sich seine zum Jahreswechsel verabschiedete Steuerreform über einen längeren Zeitraum negativ auf die US-Verschuldung auswirken wird. Manche Beobachter urteilen sogar, dass Trumps Etatentwurf gar jedes Maß sprengen würde, sollte er damit tatsächlich die Verschuldung der USA bis 2028 um weitere 7 Bill. US-Dollar aufblähen. Von den Prinzipien eines Wolfgang Schäuble, der als Bundesfinanzminister in den vergangenen Jahren die „schwarze Null“ regelrecht zu seinem Markenzeichen gemacht hat, ist Trump jedenfalls meilenweit entfernt. Nicht von Ungefähr hatte sich Trump als Immobilieninvestor auch „König der Schulden“ genannt. Dass er dieses Prinzip nun auch in seine Präsidentschaft überführen will, zeugt nicht gerade von hohem Abstraktionsvermögen.

Vor diesem Hintergrund werden die USA noch stärker als bisher auf ausländisches Geld angewiesen sein – nicht zuletzt auf Kapital aus China. Bereits jetzt sind die Zinsen für zehnjährige US-Treasuries auf ein Niveau von ca. 2,93% geklettert, Tendenz weiter steigend. Wie häufig also wird die US-Notenbank Fed 2018 die Zinsen noch erhöhen – drei oder vier Mal? Bereits seit der Finanzkrise 2008 ist die Schuldenquote der mächtigsten Volkswirtschaft der Welt um 40% gestiegen. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt: Höhere Zinsen verteuern den Schuldendienst, der aber aufgrund wegbrechender Einnahmen durch Steuererleichterungen nur mit neuen Schulden beglichen werden kann. Gleichzeitig will die Regierung Trumps insbesondere für Rüstung und Infrastrukturmaßnahmen mehr ausgeben. Dieses Szenario stößt einem auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten auf. Denn welchen Sinn soll es machen, eine ohnehin schon brummende Wirtschaft durch weitere Verschuldung nochmals anzuheizen.

Ein Schwerpunkt in Trumps Programm ist es, die teils mangelhafte Infrastruktur im Land auf Vordermann zu bringen. 200 Mrd. US-Dollar der Bundesregierung sollen dazu führen, dass innerhalb von zwei Jahren Bundesstaaten, Kommunen und private Investoren die Summe auf 1,5 Bill. US-Dollar aufstocken mögen, so die Hoffnung in Washington. Vorausgesetzt diese Rechnung geht überhaupt auf, könnten zwar auch ausländische Ausrüster profitieren, doch die sollen ja bekanntlich mit einer Importsteuer belegt werden, um Einfuhren in die USA zu verteuern. Wie Trumps Zoll-Pläne en détail aussehen sollen, hat der Präsident bisher für sich behalten. Sollten die USA aber ihre Zollbarrieren hochfahren, könnte dies eine gefährliche Spirale in Gang setzen, hat nun der Präsident des Industrieverbands BDI, Dieter Kempf, gewarnt.

Abgewendet ist inzwischen der Government Shutdown, nachdem der US-Senat und der Kongress ein neues Haushaltsgesetz verabschiedet haben. Immerhin ist das Budget damit bis zum 23. März gesichert. Vieles erinnert in diesem Zusammenhang an eine Telenovela, die allerdings immer wieder von Werbung unterbrochen wird.

Weidmann erneuert Kritik am OMT-Programm

Um kritische Worte nie verlegen ist Jens Weidmann. Nun hat das EZB-Ratsmitglied sein grundsätzliches Missbehagen an den Outright Monetary Transactions (OMT) der EZB erneuert, wonach die Notenbank im Notfall gezielt Staatsanleihen kaufen kann, deren Renditen sie für überhöht hält. Seine Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Fähigkeit der EZB, Preisstabilität zu erreichen, seien geradezu substanziell, sagte er in Frankfurt. Der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken birgt nach seiner Überzeugung das Risiko, öffentliche Verbindlichkeiten über die Zentralbankbilanzen zu vergemeinschaften. Bislang wurde noch von keinem Staat ein OMT-Programm in Anspruch genommen. Man kann jedoch annehmen, dass bereits die bloße Ankündigung in der Vergangenheit eine zinssenkende Wirkung auf die Finanzmärkte ausgeübt hat, und das muss nicht in Ewigkeit so bleiben. Amen.

Weidmann dürfte mit diesen Äußerungen erneut die Aufmerksamkeit der Regierungschefs jener Länder auf sich gezogen haben, die von einer solchen Maßnahme bzw. deren Ankündigung profitieren. Immerhin gehört er zum Kreis derer, die 2019 Mario Draghi an der EZB-Spitze beerben könnten. Zumindest könnte dann am Ende keiner sagen, man hätte nicht gewusst, wen man sich da mit Weidmann einhandeln würde.

Mit Francois Villeroy de Galhau hat indessen diese Woche ein weiteres Ratsmitglied der EZB auf sich aufmerksam gemacht. So befürchtet der Gouverneur der Banque de France, dass die Geldpolitik mit der nächsten Rezession im Euroraum überfordert sei, sofern es nicht zu einer Stärkung der Währungsunion kommt. Dabei geht es ihm aber weder um eine Transferunion, noch um Euro-Bonds, die in Deutschland ohnehin bisher sehr kritisch gesehen wurden. Vielmehr macht sich Villeroy de Galhau für die Entwicklung der Kapitalmarktunion stark, wobei ihm eine Finanzierungsunion für Investitionen und Innovation vorschwebt. Damit macht ein französischer Bankmanager einen veritablen Vorschlag, in welche Richtung eine Stärkung der EU gehen kann, ohne dass das unangenehme Wort von der Vergemeinschaftung der Schulden im Zentrum der Überlegungen steht.

Green Bonds eröffnen neue Finanzierungsmöglichkeiten

Nachhaltig orientierte Anlagen unter dem Stichwort Green Bonds, die zur Finanzierung von Klima- und Umweltschutzprojekten dienen, gelten vielen Beobachtern als neuer Trend am Rentenmarkt. Der Markt sei deutlich reifer geworden, argumentiert die Ratingagentur Moody’s und verweist auf eine starke Nachfrage durch die Investoren. Wie zu beobachten ist, reichert eine wachsende Zahl an institutionellen Anlegern ihre Portfolios mit nachhaltigen Kapitalanlageformen an, zu denen die Green Bonds gehören. Dies dient den Investoren einerseits zur Risikostreuung und andererseits eröffnen Green Bonds den emittierenden Unternehmen den Zugang zu neuen Anlegerschichten, die explizit Wert auf eine nachhaltige Kapitalanlage legen – von einem guten Gewissen mal ganz abgesehen.

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Markt für nachhaltige Anlagen weiter stark wachsen und die Nachfrage nach derartigen Produkten deutlich zunehmen wird. So rechnet die Ratingagentur Moody’s für Green Bonds im laufenden Jahr mit einem weltweiten Emissionsvolumen von 250 Mrd. US-Dollar, was ein Plus von mehr als 60% bedeuten würde. Dafür spricht auch die wachsende Zahl an Ländern, aus denen die Green Bonds kommen. Nachdem 2016 Green Bonds in 27 Ländern emittiert wurden, waren es 2017 schon 39 Länder. Für die nahe Zukunft geht Moody’s davon aus, dass sich immer mehr Staaten, aber auch die Regulierer verstärkt mit Green Bonds auseinandersetzen. Denn natürlich ist es hier so wie im Bioladen. Man muss dem Verkäufer trauen, dass die Eier tatsächlich aus Bodenhaltung kommen.

Wie im Bioladen gibt es dafür auch bei Green Bonds Prüfer wie etwa die Agentur Sustainalytics, welche die Green Bond Principles der International Capital Market Association überwacht. Frei nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

Bank of England baut vor

Als am Donnerstag vergangener Woche bei der Bank of England (BoE) die Ratsmitglieder zu ihrer turnusgemäßen Sitzung zusammenkamen, rechnete zwar niemand mit einer Zinsänderung, aber auch nicht mit dem zinspolitischen Ausblick, den Gouverneur Mark Carney verkündete. Zuletzt hatte man am 2. November 2017 an der Zinsschraube gedreht und den Leitzins um 25 BP auf 0,50% angehoben. Angedacht wurde zum damaligen Zeitpunkt eine weitere Zinserhöhung innerhalb der kommenden drei Jahre.

Jedoch haben sich inzwischen neue Rahmenbedingungen ergeben, die ein früheres und mehrmaliges Handeln erforderlich machen. Die Wirtschaft entwickele sich im Großen und Ganzen im Einklang mit den Prognosen, weshalb die Geldpolitik etwas früher und in größerem Umfang gestrafft werden müsse, hatte Carney gesagt. Diese Worte des Zentralbankchefs sind als Hinweis auf sogar mehrere Zinsschritte innerhalb eines Jahres interpretiert worden. Zwar schwebt über all diesen Prognosen noch immer das Damoklesschwert „Brexit“, aber inzwischen wächst auch die britische Wirtschaft wie die anderen Volkswirtschaften wieder, was zu einer Neubewertung des wirtschaftlichen Wachstums geführt hat. Wurde bisher für 2018 mit plus 1,5% und für 2019 mit plus 1,7% gerechnet, so hat man nun beide Werte auf plus 1,8% angehoben.

Aller Unsicherheitsfaktoren zum Trotz wird die Inflation - nach Einschätzung der Notenbanker - durch dieses Wachstum nicht zusätzlich angeheizt, jedoch ist man immer noch weit von der angepeilten Rate bei 2% entfernt. Dies wurde erst am Dienstag dieser Woche bei der Bekanntgabe der Inflationsraten für Januar deutlich. Eigentlich hatte man mit einem Rückgang der Hauptrate von 3% auf 2,9% gerechnet, aber diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Da auch die Kernrate im Jahresvergleich mit plus 2,7% nach 2,5% keine Entwarnung signalisierte, ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bereits im Mai sehr hoch. Schenkt man den Worten des Notenbank-Vizes, Ben Broadbent, Glauben, so würden sogar mehrere solcher Schritte innerhalb kürzester Zeit keine großen Verwerfungen auslösen. Seine Worte in Gottes Gehörgang!

Es bleibt also spannend und die zukünftigen Zinsentscheidungen werden sicherlich nicht zuletzt von den Fortschritten bei den Brexit-Verhandlungen abhängig sein.

Höhere Risiken durch Rekordkreditvergabe in China

Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass man bei der Beurteilung der Weltwirtschaft stets einen intensiven Blick auf China richten muss. So auch in dieser Woche. Zum Jahresbeginn haben die Banken im Reich der Mitte mal wieder einen Rekord zu verzeichnen. Noch nie zuvor wurden so viele Kredite vergeben wie heuer. Mit 2,9 Bill. Yuan (374 Mrd. US-Dollar) liegt die Summe deutlich über den von Experten erwarteten 2,0 Bill. Yuan und das Fünffache über dem Wert vom Vormonat.

Dabei war die Nachfrage sowohl von Firmen als auch Verbrauchern getrieben - eine Entwicklung, die sicher den Immobilienboom weiter anheizen und die Risiken in den Bankbilanzen nicht verringern wird. Nicht umsonst will die Bankenaufsicht in Peking die Institute genauer unter die Lupe nehmen. Ein Problem sind dabei die Schattenbanken, die bisher kaum reguliert sind. Sollte es hier aufgrund von Kreditausfällen zu Insolvenzen kommen, so könnte die weitere Kreditversorgung gefährdet sein. Die daraus resultierenden Verwerfungen wären sicherlich nicht nur auf die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft begrenzt, sondern würden weltweit ausstrahlen.

Indessen registriert Peking eine gedämpfte Inflation, die im Januar mit 1,5% hinter dem Dezember-Wert von 1,8% zurücklag. Die Erzeugerpreise stiegen allerdings im gleichen Zeitraum um 4,3% (nach 4,9%). Trotzdem ist damit zu rechnen, dass die Führung das Ziel für die Verteuerung der Verbraucherpreise bei 3% belässt.

Novartis mit Dreierpack

Passend zu der von der kommissarischen Bundesregierung jüngst angestoßenen Diskussion des „kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs“ zur Verbesserung der Luftqualität in deutschen Großstädten, hat sich die Deutsche Bahn Finanz GmbH am Kapitalmarkt aktiv gezeigt. Die mit einem Kupon i.H.v. 1,625% ausgestattete, 750 Mio. € schwere Anleihe (A2G8U8) ist am 16.08.2033 endfällig und wurde mit 99,583% (+18 bps über Mid Swap) begeben. Die sicherlich bei Privatanlegern wegen ihrer kleinsten handelbaren Stückelung von nominal 1.000 € mit Interesse registrierte Gattung ist drei Monate vor Endfälligkeit zu pari kündbar.

Im Unterschied hierzu haben sich das schweizerische Pharmaunternehmen Novartis und das in der textilen Miet- und Pflegebranche tätige französische Unternehmen Elis bei ihren Bonds für eine Mindeststückelung von nominal 100.000 € entschieden. Dadurch werden sicherlich insbesondere institutionelle Kunden mit einem Engagement liebäugeln. Insgesamt hat der Pharmariese mit Sitz in Basel mit drei Gattungen jeweils 750 Mio. € refinanziert und in die Anleihebedingungen eine Make Whole Option - jeweils 3 Monate vor Endfälligkeit - aufnehmen lassen. Bei der erste Tranche (A19WB6) zahlt Novartis einen jährlichen Zins i.H.v. 0,50% bis zur Endfälligkeit am 14.08.2023 und die Begebung erfolgte bei einem Kurs von 99,655% (+2 bps über Mid Swap). Die zweite mit einer jährlichen Verzinsung von 1,375% ausgestattete Anleihe (A19WB7) ist am 14.08.2030 zurückzuzahlen und wurde bei einem Emissionsspread von +10 bps über Mid Swap (99,957%) aufgelegt. Zu guter Letzt wird den Investoren, die dem Unternehmen bis zum 14.08.2038 (A19WB8) Gelder zur Verfügung stellen, ein Zins i.H.v. 1,70% p.a. angeboten. Bei einem Emissionspreis von 99,217% kommt das einem Spread von +20 bps über Mid Swap gleich.

Das mit dem Slogan „Hygiene leicht gemacht“ werbende Unternehmen Elis hat mittels zweier Anleihen insgesamt 1 Mrd. € refinanziert und zahlt dabei für die am 15.02.2023 fällige erste Tranche (A19WGD) jährlich Zinsen von 1,875%. Die mit einem Spread von +144,6 bps über Mid Swap aufgelegte Tranche i.H.v. 650 Mio. € wurde bei einem Kurs von 99,646% platziert. Der zweite Teil der Refinanzierungsmaßnahme i.H.v. 350 Mio. € (A19WGE) ist auf den 15.02.2026 terminiert und wird mit einem jährlichen Kupon von 2,875% belohnt. Die Platzierung zu pari entsprach hierbei einem Emissionsspread von +193,2 bps über Mid Swap. In die Anleihebedingungen der beiden Bonds hat sich die Elis SA eine Make Whole Option sowie einen optionalen Kündigungstermin drei Monate vor Endfälligkeit aufnehmen lassen.

Wer nähert sich wem?

Inzwischen sind viele Marktteilnehmer zu der Überzeugung gelangt, dass die Zinsdifferenz zwischen den Staatspapieren in den USA und Deutschland wie das Eis an den Polen schmelzen wird. Jüngst haben amerikanische Forscher die Folgen der Schmelze erläutert und das hört sich nicht gut an. Abgesehen davon, dass im übertragenen Sinne das Abschmelzen der Renditespreads in vielen Banken und Kapitalsammelstellen negative Folgen auf die Ertragslage hätte, stellt sich hierbei aber insbesondere die Frage: „Wer nähert sich wem?“

Sollte man in den USA mit dem Erreichen eines 4-Jahres-Hochs bei der Rendite 10-jähriger T-Notes bereits den Gipfel erreicht haben, so würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass die Bunds erst vor einem deutlichen Renditeanstieg stehen. Oder war die bisherige Reaktion in den USA bereits überzogen und es kommt dort zu einer Reduzierung der Rendite infolge einer Seitwärtsbewegung bei Bunds?

In der Mathematik eignet sich zum Lösen von linearen Gleichungssystemen mit vielen Unbekannten das Gaußsche Elimationsverfahren, aber in diesem Fall stößt auch die Mathematik an ihre Grenzen. Somit bleiben nur die Fundamental- und die Chartalanalyse, um die Marktentwicklung zu prognostizieren.

Die neuesten Inflationszahlen lassen für die USA noch mehrere Zinserhöhungen wahrscheinlich erscheinen und auch der gewaltige Schuldenberg wird nur mittels höherer Zinsen zu bewerkstelligen sein. Dies bedeutet aber zugleich, dass die anderen Mitspieler an den internationalen Finanzmärkten auch etwas bieten müssen, um Investoren zu gewinnen. Es beginnt also ein Wettlauf um die Gunst der Anleger. Das verheißt allerdings noch lange kein Platzen der Zinsblase, denn die Notenbanken werden weiterhin versuchen, das von ihnen seit 2008 in mühsamer Kleinstarbeit erstellte Konstrukt nicht mit einer ungeschickten Bewegung einzureißen. Die Normalisierung der Zinskurven am langen Ende hat dies- und jenseits des Atlantiks begonnen und ist noch nicht zu Ende. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei ca. 157,70% und somit charttechnisch unterhalb der ehemals psychologisch wichtigen Unterstützungslinie bei 158% (ca. 0,75% Rendite 10-jähriger Bundesanleihe). Ein nachhaltiges Durchbrechen dieser Linie lässt erneut einen Test des bisherigen Tiefstkurses bei 157,26% (8. Februar) erwarten. Nach oben blickend sind größere Widerstände bei 158,00% sowie 158,55% und 158,85% auszumachen. Die Fülle der Hindernisse lässt allerdings erahnen, wie schwer die Bewegung in diese Richtung sein wird.

In den USA kehrt wieder Normalität ein

Nachdem in der Vorwoche noch das Gespenst vom „Government Shutdown“ zu einer deutlichen Reduzierung der vierwöchentlichen finanziellen Mittel führte, ist in dieser Woche wieder Normalität eingekehrt (50 Mrd. USD zu 1,36% nach 15 Mrd. USD zu 1,48%). Mittels T-Bills wurden somit insgesamt 140 Mrd. USD refinanziert. Den Schlusspunkt setzen die USA am Donnerstag mit einer TIPS-Auktion (2048) im Volumen von 7 Mrd. USD.

Da die erste grüne Anleihe Belgiens (Laufzeit: ca. 20 Jahre), trotz mehrfacher Ankündigung, immer noch nicht angeboten wird, müssen die Investoren bei anderen Staaten ihre Gelder anlegen. Hierbei wurden bereits am Dienstag viele italienische Altemissionen und zur Wochenmitte noch Anleihen Portugals (A1Z6CE / 2022 ; A19UWV / 2028) sowie Deutschlands aufgestockt. Im Zuge dessen bot die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland nominal 1,5 Mrd. € der 2,50% Bundesanleihe von 2012 / 2044 (113548) im Tenderverfahren an. Insgesamt wurden Bietungen für fast 2 Mrd. € eingereicht und die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von 1,33%. Für die Marktpflege wurden lediglich 226,9 Mio. € zurückbehalten.

Frankreich und Spanien buhlen am heutigen Donnerstag um die Gunst der Investoren und erhöhen hierbei das Emissionsvolumen einer Vielzahl von Bonds. Frankreich beabsichtigt in sechs Gattungen (A19U9A / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1ZW79 / 2025 ; 413038 / 2025 ; A1GMH7 / 2027 ; A18675 / 2047) und Spanien in drei Bonds (A19P6R / 2022 ; A19VKR / 2028 ; A19DZD / 2033) aktiv zu werden.

Nach kurzem Wackler wieder in der Spur

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea sind im vollen Gange und die Athleten kämpfen um die begehrten Goldmedaillen. Jedoch bleiben die Zuschauer aus, was sich nicht zuletzt auf die Stimmung vor Ort niederschlägt. Nur die Rennrodler betonen, dass bei ihnen die Stimmung phänomenal ist.

Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten hat auch schon bessere Zeiten erlebt. So wirken die Unsicherheit der vergangenen Handelstage und Wochen, aufgrund der Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten, noch nach. Am Devisenmarkt hingegen waren die Schwankungen beim Währungspaar EUR-USD lange Zeit als überschaubar zu bezeichnen. Zum Wochenausklang erlitt die europäische Gemeinschaftswährung zwar einen leichten Schwächeanfall und gab bis auf 1,2206 USD nach, jedoch fand der Euro schnell wieder in die Erfolgsspur - wie nach der Kurve 9 bei den Rennrodlern in Pyeonchang - zurück. Im weiteren Handelsverlauf stieg die Einheitswährung zur Wochenmitte zeitweise bis auf 1,2392 USD. Nach der Veröffentlichung der vielbeachteten US-Inflationszahlen am gestrigen Nachmittag kam es erneut zu einem Wackler, der den Euro zuerst auf 1,2277 USD drückte, um ihn anschließend über 1,2450 USD steigen zu lassen. Heute Morgen handelt der Euro nun sogar bei ca. 1,25 USD.

Zum Wochenende hin hat die russische Notenbank die Leitzinsen, wie von den meisten Marktbeobachtern erwartet, angepasst und von 7,75% auf derzeit 7,50% gesenkt. Zu Beginn der Woche und nach dem Zinsentscheid stieg der Euro im Vergleich zum Rubel bis auf 71,8834 RUB und damit auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Zur Stunde handelt der Euro wieder etwas schwächer bei Kursen um die Marke von 70,8 RUB.

In der vergangenen Berichtswoche zählten Währungsanleihen lautend auf türkische Lira, russische Rubel, südafrikanische Rand, norwegische Kronen sowie US-Dollar zu den Favoriten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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Author: Klaus Stopp

Der Bann der Niedrigzinsen ist gebrochen

Ups, was war das denn? Nach dem Kurseinbruch an den Aktienbörsen vom Montag und Dienstag reiben sich viele immer noch verwundert die Augen. Die plötzlich aufgekommene Sorge vor dem globalen Ende der lockeren Geldpolitik hatte die Kurse insbesondere an der Wall Street abstürzen lassen. Aber im Grunde war die Reaktion nicht überraschend, zu lange gab es schon Zinserhöhungs-Phantasien am Markt. Einzig die Heftigkeit der Reaktion mag verwundern und kann als übertrieben bezeichnet werden. Grundsätzlich ist ja zu unterscheiden, ob steigende Renditen durch mangelnde Nachfrage oder infolge einer brummenden Konjunktur entstehen. Und da Letzteres der Fall ist, hat die aktuelle Entwicklung bis zu einem gewissen Punkt nur bedingt einen negativen Touch.

Ok, die USA sind auf Zinsanhebungen eingestellt, aber vieles spricht für eine weiterhin vorsichtige Vorgehensweise seitens der US-Notenbank Fed. Natürlich hätte sich der neue Notenbankpräsident in Washington, Jerome Powell, seinen ersten Arbeitstag anders vorgestellt, aber es ist davon auszugehen, dass er den behutsamen Stil seiner Vorgängerin, Janet Yellen, mehr oder weniger beibehalten wird. Und die Europäische Zentralbank (EZB)? Nun, ihre Strafzinsen, die Ankaufprogramme und die Reinvestitionen werden den Zinsanstieg bei 10-jährigen Bunds weiterhin bremsen, allerdings auch einen manipulationsfreien Markt verhindern. Ohne diese Eingriffe könnte sich zwar das Zinsniveau mittels echter und nicht künstlicher Nachfrage am Angebot ausrichten, aber auch eine Rendite von 1% würde bei einer Inflation zwischen 1,3% und 1,6% den Kapitalsammelstellen nicht wirklich etwas nützen.

Wie geht’s also weiter? Noch befinden wir uns im „Schüttelmodus”, in dem wir uns am Aktienmarkt von den Investoren mit den zittrigen Händen trennen – jenen, die in den letzten Tagen schon panikartige Reaktionen an den Tag legten. Es ist davon auszugehen, dass die Unsicherheit und damit die Volatilität in den kommenden Tagen noch sehr hoch sein werden. Dafür gibt es vielschichtige Gründe wie diverse politische Entscheidungen dies- und jenseits des Atlantiks, den Streikaufruf der Gewerkschaften in Frankreich sowie die unterschiedlichen Äußerungen der Notenbanker zu Sinn und Unsinn einer lockeren Geldpolitik. Aber insbesondere die hohe Volatilität an den Aktienmärkten ist den Algorithmen von Handelsprogrammen geschuldet, deren Wirkung durch die modernen Handelsapplikationen nur noch verstärkt wird. Weitere Erdbeben an den Märkten sind daher immer wieder möglich und führen zumindest kurzfristig zu einer spiegelbildlichen Kursentwicklung am Aktien- und Rentenmarkt.

Allerdings solange die kurzen Zinsen im Euroraum nicht angehoben werden, ist nicht mit kollabierenden Bondmärkten zu rechnen, denn noch funktioniert die Finanzierung langer Laufzeiten mit billigem Geld. Im Fokus der europäischen Notenbanker werden aber in den kommenden Wochen insbesondere die Anleihen Griechenlands -wegen der geplanten „Wiedergeburt am Kapitalmarkt”- und Italiens -wegen der bevorstehenden Wahl- stehen. Sei es mit Kommentaren oder sogar im Falle Italiens mit handfesten Stützungskäufen. Hierzu ist noch anzumerken, dass in den vergangenen Wochen insbesondere italienische Banken der EZB - im Rahmen des Anleihekaufprogramms - italienische Staatsanleihen verkauft haben. Generell sollte man beim Thema Stützungskäufe allerdings stets die im Jahre 2015 getroffenen Maßnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Hinterkopf haben. Denn wie sang schon Gottlieb Wendehals: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.”

Jedoch ist grundsätzlich anzumerken, dass der Bann der Niedrigzinsen gebrochen ist und das wird auch so bleiben. Die Finanzmärkte können mit höheren Zinsen ja grundsätzlich -bis zu einem gewissen Level- ganz gut leben. Jedoch hätte ein zu rasanter Anstieg der Zinsen im Euroraum nicht nur negative Folgen für stark verschuldete Staaten, sondern auch für die inzwischen sehr hohe Verschuldung von Unternehmen (teils auf Vorrat) - ein Umstand, der übrigens in Zukunft zu einem Anstieg der Ausfallraten führen dürfte.

Tory-Hinterbänkler hoch im Kurs

Die grimmigen alten Männer der britischen Tory-Partei haben Jacob Rees-Mogg zum Königinnenmörder auserkoren. Geht es nach dem Willen der EU-Hasser in der Regierungspartei, so soll der 48-Jährige die Premierministerin Theresa May beerben. Rees-Mogg gehört zu den Hardlinern, die einen harten Brexit befürworten und May innerhalb der eigenen Partei massiv unter Druck setzen. Zu den Rebellen gehört auch Außenminister Boris Johnson, der May vor Kurzem „mit der Kavallerie“ gedroht hatte, sollte der Vorschlag einer künftigen Mitgliedschaft in der Zollunion bei Kabinettssitzungen auf den Tisch kommen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn in dieser Woche die Premierministerin plötzlich eine Zollunion mit der EU kategorisch ausschließt. Zuvor wurde in London darüber spekuliert, die Regierung könnte eine teilweise Mitgliedschaft in der Zollunion anstreben. Mit diesem pragmatischen Ansatz wäre ein freier Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU auch nach dem Brexit gesichert. Ebenso wären Grenzkontrollen zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland obsolet gewesen. Letzteres gilt als eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen, welche der britische EU-Austritt mit sich bringt. Dass May der Idee einer Zollunion nun eine Absage erteilt, muss folglich als Einknicken gegenüber den Brexiteers in den eigenen Reihen gewertet werden.

Die Antwort der EU ließ nicht lange auf sich warten. Michel Barnier, Brexit-Chefverhandler der EU, hat London prompt gewarnt, dass neue Handelsschranken zwischen der Union und Großbritannien „unvermeidlich“ seien, wenn das Land die Zollunion tatsächlich verlasse. Und diese Einschränkungen werden auch den Finanzsektor betreffen, so dass der EU-Pass, mit dem britische Banken bisher reibungslos Geschäfte mit dem Rest der EU machen konnten, laut Barnier dann „ebenfalls weg“ wäre.

US-Handelsdefizit verdirbt Trump die Laune

Und das passiert ausgerechnet ihm, D. T., dem Unberechenbaren! Wollte sich doch Donald Trump als ein Präsident profilieren, der die US-Wirtschaft im internationalen Handel stärkt. Nun aber häufen die USA im ersten Jahr von Trumps Amtszeit ein Handelsdefizit an, das so hoch ist wie zuletzt 2008, im Jahr der Finanzkrise. Nach Angaben des US-Handelsministeriums in Washington legte der Fehlbetrag im Gesamtjahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 12% auf 566 Mrd. USD zu. Die USA haben also 2017 deutlich mehr aus dem Ausland importiert als ins Ausland verkauft.

Man kann das US-Handelsdefizit schon als chronisch bezeichnen. Ob allerdings eine protektionistische Wirtschaftspolitik, wie sie Trumps Regierung betreibt, eine gedeihliche Lösung zum Wohle aller am Welthandel Beteiligten sein wird, darf bezweifelt werden. Bekanntlich will Trump ja durch Neuverhandlungen von Handelsabkommen und hohen Einfuhrzöllen das Handelsbilanzdefizit der USA senken.

Insbesondere das US-Defizit gegenüber China, das Trump ein Dorn im Auge ist, hat sich 2017 weiter erhöht. Es ist um weitere 8% auf den Rekordwert von 375 Mrd. USD gestiegen. Vor kurzem hatte Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos chinesische Praktiken im Welthandel als „Raubtierpraktiken“ gegeißelt. Richtig ist, dass westliche Firmen immer wieder Ungleichgewichte im Handel mit China beklagen. So hatte auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Januar, bei seinem ersten Staatsbesuch in Peking, einen besseren Zugang für europäische Firmen auf dem chinesischen Markt gefordert. Im Handel mit allen Ländern der Europäischen Union ging Chinas Handelsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr um etwas mehr als 4% auf 129 Milliarden Dollar zurück.

Achterbahnfahrt des Bitcoin-Kurses

Die umstrittene Kryptowährung Bitcoin ist auf Talfahrt gegangen, hat sich aber am Mittwoch wieder auf über 8.000 USD erholt. Aber mit einem zwischenzeitigen Kurs von fast 6.000 USD am Dienstag hatte die Digitalwährung ihren Wert seit Jahresbeginn mal locker mehr als gedrittelt. Noch Mitte Dezember notierte der Bitcoin auf einem Rekordhoch von ca. 19.800 USD. Laut der Informationsplattform Coindesk hat sich die allgemeine Marktkapitalisierung der Kryptowährungen seit Anfang Januar auf 366 Mrd. USD halbiert. Auf das Gesamtjahr 2017 bezogen ist der Bitcoin aber immer noch um mehr als 600% nach oben geschnellt.

Als Auslöser des Kurssturzes ist eine Gemengelage aus Regulierungsbestrebungen des bisher unregulierten Handels mit Kryptowährungen und zunehmenden Hackerangriffen zu sehen. Hinzu kommt, dass unter der Talfahrt an den internationalen Aktienmärkten riskante Anlagen wie die Kryptowährungen besonders zu leiden haben. Damit werden die Bitcoins zum Opfer ihrer eigenen riskanten Konstruktion, handelt es sich dabei doch nicht um Währungen im klassischen Sinn und somit fehlt ihnen die Wertstabilität. Darüber hinaus besteht eine hohe Missbrauchsgefahr wegen der Anonymität des Zahlungsvorgangs. Erst am Montag hatte EZB-Chef Mario Draghi vor Digitalwährungen gewarnt, würden sie doch als sehr riskante Wertanlagen gelten. Die Bankenaufsicht der EZB untersucht derzeit die Risiken der Digitalwährungen.

Bekanntlich frisst die Produktion von Kryptowährungen auch Unmengen an Strom. Aufgrund der hohen Rechnerleistungen, die zur Herstellung nötig sind, verbrauchen die für die Digitalwährungen eingesetzten Computer ähnlich viel Strom wie ganz Argentinien. So wird für 2018 ein Verbrauch in Höhe von 140 Terrawattstunden erwartet, was 0,6% des weltweiten Stromverbrauchs entsprechen würde. Bitcoins konterkarieren also auch den Klimaschutz.

Athen verschiebt Testlauf am Kapitalmarkt

Eigentlich wollte Athen seinen Testlauf mit einer siebenjährigen Staatsanleihe bereits in dieser Woche starten. Doch die Turbulenzen an den internationalen Börsen machten den Griechen einen Strich durch die Rechnung. So hat Athen seine Rückkehr an den Kapitalmarkt zunächst verschoben, wie die „Financial Times“ schreibt. Um die 3 Mrd. € hoffte Griechenland aufnehmen zu können und damit ein Geld-Polster für die dauerhafte Rückkehr an die Märkte zu schaffen.

Bereits 2014 war Athen ein erster Testlauf gelungen und ein zweiter schloss sich im Juli 2017 an, als das Finanzministerium mit Anleihen insgesamt 3 Mrd. € bei einer Laufzeit von fünf Jahren einsammelte. Jetzt sollte der dritte Testballon am Bond-Primärmarkt nach der Schuldenrestrukturierung folgen, um die Investitionsbereitschaft erneut auszuloten.

Allzu lange wird man sich allerdings nicht mehr gedulden müssen, denn die Häuser Barclays, BNP Paribas, Citigroup, J.P. Morgan und Nomura warten nur auf stabile Marktverhältnisse, um die Maßnahme zu starten.

Unilever legte einen 3er-Pack auf

Auch in der Karnevalswoche ließ die Emissionstätigkeit der Unternehmen nicht nach. So begaben Unilever einen 3er-Pack, Ford Motor Credit eine Dualtranche und KME platzierte erfolgreich einen 5-jährigen Bond.

Einer der weltweit größten Hersteller von Verbrauchsgütern, Unilever, sammelte insgesamt 2 Mrd. € am Kapitalmarkt mittels Anleihen ein. Die erste 500 Mio. € schwere Tranche (A19V7Q) ist am 12.08.2023 fällig und hat einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,5%. Begeben wurde der Bond zu 99,494%, was einem Emissionsspread von +3 bps über Mid Swap gleichkam. Der zweite Bond (A19V7R) hat ein Emissionsvolumen von 700 Mio. € und zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 12.02.2027 einen jährlichen Zins von 1,125%. Der Reoffer lag bei 99,609% (+15 bps über Mid Swap). Die dritte Anleihe (A19V7S) läuft bis zum 12.02.2033 und ist mit einem Kupon von 1,625% ausgestattet. Die nominal 800 Mio. € konnte Unilever mit 99,132% erfolgreich platzieren, was einem Spread von +25 bps über Mid Swap entsprach. Unilever wählte bei allen 3 Anleihen, wie auch Ford Motor Credit und KME, die bei Privatanlegern unbeliebte Mindeststückelung von 100.000 €.

Ford Motor Credit nahm mittels einer 4- und 7-jährigen Anleihe frisches Geld am Kapitalmarkt auf. Mit dem ersten 750 Mio. € schweren Bond (A19V3P) refinanziert sich das Unternehmen bis zum 07.12.2022 variabel. Der Kupon richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor plus 0,42PP. Ausgegeben wurde das Papier zu pari. Der zweite Bond (A19V3Q) hat ein Emissionsvolumen von 500 Mio. € und ist am 07.02.2025 endfällig. Ford Motor Credit zahlt den Anlegern hierbei jährlich 1,355% Zinsen. Der Reoffer lag ebenfalls bei 100% und entsprach damit einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap.

Als letzter im Bunde begab der deutsche Hersteller von Produkten aus Kupfer, KME, eine Anleihe mit einem Volumen von 300 Mio. €. Der Bond (A2G8U5) zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 01.02.2023 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 6,75%. Dieser kommt jeweils im April und Oktober eines jeden Jahres zur Auszahlung. Der Emissionspreis lag bei 98,953%, was einen Spread von +693 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe bedeutete. Die hundertprozentige Tochter des Mailänder Unternehmens Intek Group S.p.A. mit Sitz in Osnabrück nahm neben einer Make Whole Option drei zusätzliche Kündigungstermine in die Emissionsbedingungen auf. So ist der Bond vom Emittenten jederzeit ab dem 01.02.2020 zu 103,375%, ab dem 01.02.2021 zu 101,688% und ab dem 01.02.2022 zu pari kündbar.

Wann kommt die zweite Welle?

Nachdem am vergangenen Freitag sich in den USA mit der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts ein Lohndruck abzeichnete, haben die internationalen Aktienmärkte den „Freien Fall ohne Fallschirm“ getestet, was zu massiven Umschichtungen in amerikanische und teilweise europäische Staatsanleihen führte. Doch bereits nach 48 Stunden hat sich die Lage zumindest vorübergehend beruhigt und die meisten Trades wurden wieder rückgängig gemacht, so dass jetzt die eigentlichen Themen am Rentenmarkt in den Fokus der Investoren rücken.

Die anvisierte Marke von 0,75% als Rendite für 10-jährige Bundesanleihen hat unterm Strich gehalten und bekanntlich gehört den Mutigen die Welt. Aber viele der ursprünglich auf diesem Niveau geplanten Käufe wurden nicht getätigt, so dass die alte Börsenweisheit: “Wer wartet, ist immer zu spät.“ zum Tragen kam. Allerdings ist noch nicht aller Tage Abend und die zweite Welle wird kommen. Denn ohne die Turbulenzen an den Aktienmärkten wäre diese Gegenbewegung in dem weiterhin intakten Abwärtskanal nicht möglich gewesen. Fakt ist, die Zinswende wurde eingeleitet, und sollte kein Störfeuer von anderen Assetklassen erzeugt werden, so wird das auch in den nächsten Monaten das marktbeherrschende Thema sein.

Charttechnisch verläuft eine Unterstützungslinie bei ca. 157,50% und erst bei einem nachhaltigen Überspringen der oberen Begrenzungslinie des Abwärtskanals bei ca. 159,40% würde ein Umdenken notwendig werden. In den kommenden Tagen ist innerhalb dieser Tradingrange alles möglich. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 158,15% und somit in der neutralen Zone.

Warten auf die „grüne“ Staatsanleihe Belgiens

In „freudiger“ Erwartung der ersten „grünen“ Staatsanleihe Belgiens mussten sich die Investoren noch mit den Aufstockungen von Altemissionen in Österreich (A188ES / 2023 ; A19VB0 / 2028) und Deutschland bzw. einer neuen finnischen Anleihe (A19WBB / 2034) zufrieden geben.

Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland hat am Dienstag bereits 1 Mrd. € in der inflationsindexierten Anleihe des Bundes und zur Wochenmitte 3 Mrd. € in der aktuellen 10-jährigen Bundesanleihe im Tenderverfahren angeboten. Die Zuteilung des Linkers (103056) erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,90% und für die Benchmarkanleihe (110244) wurde eine Durchschnittsrendite von +0,69% akzeptiert. Beide Tender waren überzeichnet, so dass zur Marktpflege weniger als 20% des angestrebten Emissionsvolumens umgebucht wurden. Den Schlusspunkt im staatlichen, europäischen Primärmarkt beabsichtigt am heutigen Donnerstag Irland zu setzen. Hierzu ist die Aufstockung zweier Altemissionen (A19UMH / 2028 ; A19BHN / 2037) geplant.

In den USA hatten die Anleger in dieser Woche eher die „Qual der Wahl“. Denn insgesamt wurden T-Bills (4 Wochen sowie 3 und 6 Monate) für 105 Mrd. USD und für 64 Mrd. USD T-Notes (3 sowie 10 Jahre) und 30-jährige T-Bonds angeboten. Bemerkenswert war hierbei insbesondere vor dem möglichen „Government Shutdown“ bzw. der fünften Übergangsfinanzierung, dass das Volumen der kurzen T-Bills mit einer Laufzeit von 4 Wochen auf ein Drittel des durchschnittlichen Volumens in 2017 gekürzt wurde. Die Zuteilung der 15 Mrd. USD wurde bei einer Rendite von 1,480% (Vw.: 1,440%) vorgenommen und nach der nun möglichen Einigung im Haushaltsstreit ist die Rendite für das 4-Wochen-Geld wieder auf 1,355% gesunken.

Turbulenzen lassen EUR/USD annähernd kalt

Die stärkste und größte Rakete der Welt startete erfolgreich ins Weltall. An Bord hatte die „Falcon Heavy“ einen roten Tesla-Roadster. Damit wird dieses Ereignis in die Geschichtsbücher eingehen und der Traum, Menschen auf den Mars fliegen zu können, wird ein wenig realer.

An den internationalen Finanzmärkten sorgte der Kurseinbruch bei Aktien zu Wochenbeginn ebenfalls für geschichtsträchtige Schlagzeilen. Am Devisenmarkt hingegen hatte das Börsenbeben beim Währungspaar EUR/USD anfänglich kaum Auswirkungen. Zum Start in die neue Woche eröffnete die Einheitswährung den Handel bei 1,2456 USD. Seither bewegt sich das Devisenpaar in einer Handelsspanne zwischen 1,2245 USD und 1,2475 USD, was insbesondere den mahnenden Worten von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny geschuldet ist, der den USA vorwarf, den USD bewusst zu drücken. Mit Blick auf die vergangenen Handelstage zeigt sich die US-Valuta leicht verbessert und konnte sich von ihrem Dreijahrestief, aufgestellt am 25. Januar 2018 bei 1,2537 USD, wieder etwas lösen. Zur Stunde notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,2270 USD.

Nach dem gestrigen Zinsentscheid der brasilianischen Notenbank (Reduzierung des SELIC-Satzes von 7% auf 6,75%) handelt der Euro im Vergleich zum brasilianischen Real derzeit bei ca. 4,015 BRL. Im Vorfeld der Zentralbanksitzung stieg die Einheitswährung bis auf 4,0617 BRL und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2016.

Zu den favorisierten Währungsanleihen zählten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds. Darüber hinaus standen Anleihen auf australische Dollar, südafrikanische Rand, russische Rubel und vereinzelt auch brasilianische Real auf den Kauflisten.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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Author: Klaus Stopp

Egal wie’s ausgeht – die Briten verlieren

Peinlich, verdammt peinlich für die britische Regierung ist das, was da eine an die Öffentlichkeit gelangte Analyse über die Folgen des Brexits für die Wirtschaft enthüllt. Wie der regierungseigene Report zeigt, ist Großbritannien nämlich immer der Verlierer, egal wie der Deal mit der Europäischen Union aussehen wird. Nach allen drei der wahrscheinlichsten Szenarien wird das Wachstum der britischen Wirtschaft zurückgehen, nahezu alle Wirtschaftsbereiche werden leiden. Im schlimmsten Fall wird es über die kommenden 15 Jahre zu einem konjunkturellen Absturz um 8% kommen. Das Papier mit dem Namen „EU Exit Analysis – Cross Whitehall Briefing” war durch die Nachrichtenseite Buzzfeed unter Berufung auf einen Entwurf des Dokuments ans Licht gekommen.

Selbst ein Verbleib im Europäischen Binnenmarkt als sanfteste Lösung würde nach der Regierungsanalyse lediglich den Schaden begrenzen und für ein Minus beim Wirtschaftswachstum von 2% sorgen. Nach offizieller Lesart aber leugnet die Regierung in London diese Effekte und behauptet immer noch, dass der Brexit dem Land erhebliche Chancen eröffne. Noch Ende 2017 hatte der Brexit-Minister David Davis vor dem Brexit-Ausschuss des Parlaments bestritten, dass eine solche Analyse überhaupt existiere. Prompt stellte nun der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende des Brexit-Ausschusses, Hilary Benn, Davis’ Fähigkeiten als Brexit-Chefunterhändler infrage. Nicola Sturgeon, Regierungschefin von Schottland, das bei dem Brexit-Referendum für einen Verbleib in der EU gestimmt hatte, bezeichnete die Enthüllung als „Wendepunkt in den Brexit-Verhandlungen”.

Durch das Bekanntwerden der Regierungsanalyse hat sich der Druck auf Premierministerin Theresa May weiter erhöht, steht sie doch ohnehin im Spannungsfeld zwischen den Brexiteers und den europafreundlichen Kräften in ihrer Tory-Partei. Forderungen nach ihrem Rücktritt wies May jedoch zurück.

Eine Veröffentlichung der Analyse lehnt die Regierung ab. Es handle sich schließlich nur um einen Entwurf und außerdem sei keines der durchgespielten Szenarien von der Regierung erwünscht. Diese Aussage ist ja noch nachvollziehbar. Aber es drängt sich der Eindruck auf, dass wenn’ s einem nicht passt, solche Ergebnisse einfach unterdrückt werden! Man könnte es auch folgendermaßen formulieren: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Das Bild, das die britische Regierung in Sachen Brexit abgibt, wird jedenfalls immer absurder.

Vertrauensschub durch Macron

Der positive Effekt, der von der Wahl Emmanuel Macrons ausging, schlägt sich nun auch auf die Konjunktur nieder. So hat die französische Wirtschaft im Jahr 2017 einen deutlichen Schub erhalten und die höchste Wachstumsrate seit 2011 verbucht. In einer ersten Einschätzung meldete die nationale Statistikbehörde ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,9%. Der Wachstumskurs der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone erweist sich damit als robust. Für das letzte Quartal 2017 wurde sogar ein Wachstum von 2,4% registriert. Mit dieser Beschleunigung geht für Frankreich ein halbes Jahrzehnt mit trägem Wachstum, das die Arbeitslosigkeit in der Nähe von 10% gehalten hat, zu Ende.

Neben der steigenden globalen Nachfrage und der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trug der Vertrauensvorschuss für Macron und seine Partei „En Marche“ zu dieser positiven Entwicklung bei. Unternehmen und Investoren hatten die Maßnahmen des Präsidenten begrüßt, die er zum Abbau von Bürokratie und Steuern eingeleitet hat und auch die Gewerkschaften konnten überzeugt werden. Aber auch der private Konsum zeigt sich in Frankreich sehr robust. Unterm Strich deutet die Entwicklung an, dass es mit einem vielleicht radikalen, aber doch pragmatischen und durchdachten Änderungsansatz, wie ihn Macron vorantreibt, gelingen kann, verkrustete Strukturen aufzuweichen und für neuen Schwung zu sorgen.

Man mag sich mit Blick auf die kommende Regierung in Deutschland eine ähnliche Frischzellenkur wünschen. Bisher verleitet der Verlauf der Koalitionsverhandlungen für eine Neuauflage der Großen Koalition in Berlin aber nicht gerade zu Optimismus.

Auch die spanische Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs. 2017 lag das Wirtschaftswachstum bei 3,1%. Allerdings schwächte sich die Dynamik im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf 0,7% ab und für die kommenden Quartale wird ein noch langsameres Wachstum erwartet. Der Rückgang der wirtschaftlichen Leistung ist allerdings nicht die Folge der Katalonien-Krise, die sich bisher kaum auf die Gesamtwirtschaft auswirkte.

Indessen bereitet sich Griechenland weiter auf eine Loslösung von den internationalen Hilfskrediten vor. So soll demnächst ein siebenjähriges Papier ausgegeben werden. Und bis zum Auslaufen des Hilfsprogramms im August dieses Jahres plant Athen die Emission einer drei- und einer zehnjährigen Anleihe. Damit will Finanzminister Euklid Tsakalotos die fallenden Renditen nutzen, um zu günstigem Geld zu kommen. Aktuell notiert eine griechische Staatsanleihe (WKN: A19S2V) mit Laufzeit 1/2028 bei ca. 100,50%, was einer Rendite von ca. 3,70% entspricht.

Doch die Hoffnung könnte sich ganz schnell in Wohlgefallen auflösen, wenn die dieser Tage von DIW-Präsident Marcel Fratzscher geäußerte scharfe Kritik, der dem damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine bewusste Wählertäuschung beim Schuldenschnitt für Griechenland vorgeworfen hat, den Tatsachen entsprechen würde. Nach seiner Lesart habe es vor der Bundestagswahl zwischen Schäuble und den anderen Geldgebern die Absprache gegeben, einen Schuldenschnitt nicht zu besprechen, weil dies zu viele Wählerstimmen kosten würde.

EZB hält sich eine Hintertür weit offen

In dieser Woche war es der niederländische Notenbankchef, der als Vertreter eines „Nordlandes“ in der EU Kritik an EZB-Präsident Mario Draghi geübt hat. Die Geldschwemme der Zentralbank müsse „so schnell wie möglich“ beendet werden, forderte Klaas Knot. Seit Januar hat die EZB ihre Anleihekäufe auf 30 Mrd. € pro Monat halbiert und reinvestiert zusätzlich durchschnittlich 10 Mrd. € infolge von Fälligkeiten. Ihr Ziel, die Inflation auf 2% zu heben, wurde aber immer noch nicht ganz erreicht. Und genau daran scheint es in den Augen der EZB zu haken. Denn umgehend nach Knots Statement folgte die Replik durch den EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, der dem Ruf nach einem raschen Ende der Anleihekäufe eine Absage erteilt hat. Das Ende der expansiven Geldpolitik ist damit weiter offen.

Die EZB wird nach Einschätzung von Praet das Programm erst stoppen, wenn sie noch stärker von einem Anziehen der Inflation überzeugt ist. Erst dann sei eine Normalisierung der Geldpolitik möglich. Daher brauche man weiterhin Geduld und Beharrlichkeit in der Steuerung der Geldpolitik, so Praet. Damit bereitet die EZB die Märkte auf die Möglichkeit vor, dass die Anleihekäufe auch noch über den avisierten September 2018 hinaus fortgesetzt werden könnten. Denn bisher wurde auch noch kein konkretes Enddatum genannt. Mit den Äußerungen von Praet hat die Notenbank die Hintertür, über die sie das expansive Programm fortsetzen kann, nochmals weit aufgestoßen.

Dazu passt auch Draghis Aussage, man habe noch nicht gewonnen - einen Satz, den er vergangene Woche auf der Sitzung des Rates der EZB geäußert hatte. Ob er damit den Kurs des Euro drücken wollte, ist nicht sicher. Fest steht, dass die Gemeinschaftswährung nochmals zugelegt hat. Aber dafür hat wohl auch die Aussage von US-Finanzminister Steven Mnuchin gesorgt, der in Davos sagte, dass ein schwacher Dollar gut für die USA sei. Das Wort der US-Amerikaner hat an den Devisenmärkten dann doch noch mehr Gewicht als das der Europäer.

Goodbye Janet – Welcome Jerome

Ungeachtet der unzähligen, weltweiten Diskussionen über „Frauenpower“ im Berufsleben wird ab heute die mächtigste Zentralbank der Welt, die US-amerikanische Notenbank (Fed), wieder von einem Mann geführt. Aber ändern wird sich dadurch - bis auf diese Personalie - eigentlich nichts. Jerome Powell, der am 5. Februar seinen Amtseid ablegen wird, war schon seit Jahren direkt in die Entscheidungen zur Geldpolitik eingebunden und hat die von Janet Yellen, die auch als „weiße Taube“ bezeichnet wurde, vorgegebenen Beschlüsse stets mitgetragen. Somit stellt sich in diesen politisch unsicheren Zeiten lediglich die Frage nach der Anzahl der Zinserhöhungen, welche die Marktteilnehmer in diesem Jahr noch erwarten können. Denn bei der gestrigen Verlautbarung wurde deutlich, dass angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs bereits bei der nächsten Sitzung im März dies der Fall sein könnte. Auch das Streichen der Formulierung zur Entwicklung der Inflation wird als Indiz hierfür gewertet.

Die bisherige Fed-Präsidentin war zwar keine begeisterte Anhängerin des neuen politischen Stils in den USA und musste von Zeit zu Zeit auch Kritik über sich ergehen lassen. Aber ungeachtet mancher Schmähungen durch D.T., den Unberechenbaren, stand sie für eine verlässliche Geldpolitik. Diese Tatsache allein war insbesondere in Zeiten politischer Wankelmütigkeit kein zu unterschätzendes Gut und wird es unter diesem US-Präsidenten auch in Zukunft bleiben müssen. Somit findet der Verantwortungswechsel auf einem konjunkturell fast perfekt aufbereiteten Untergrund statt. Jedoch bedeutet das nicht, dass sich Jerome Powell einfach nur zurücklehnen kann.

Denn alleine schon die Rede Donald Trumps „Zur Lage der Nation“ und die darin angedeuteten Projekte sowie die wieder anstehenden Verhandlungen zur Vermeidung des „Government Shutdown“ am 8. Februar verlangen vom ersten Tag an volle Konzentration und die Bereitschaft, das bisher Erreichte zu verteidigen. Der Fed-Chef von Dallas, Robert S. Kaplan, sieht es hierbei als eine besondere Herausforderung für sich und seine Board-Kollegen an, die künftige Überhitzung des US-Arbeitsmarktes zu steuern - und zwar in Kombination mit einer Inflation unter der Zielmarke von 2 Prozent. Nach seinen Worten ist die Erfolgsbilanz der Fed für Perioden, in denen sie aufholen musste, nicht besonders gut. Diese Selbsterkenntnis sollte allerdings Anlass zur Zuversicht sein. Denn somit scheint man sich der Tatsache bewusst zu sein, nicht zu lange warten bzw. in einen Überaktionismus verfallen zu dürfen.

Ein „Selbstläufer“ wird es also nicht sein - und man darf gespannt sein, wie sich der „Neue“ schlägt.

Ei des Kolumbus entpuppt sich als Mogelpackung

Die Pläne, die da eine Arbeitsgruppe des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) zur künftigen Schuldenfinanzierung in Europa gebastelt hat, lassen aufhorchen. Alle europäischen Staatsanleihen sollen demnach zusammen in einen Korb gelegt werden, um daraus sogenannte Sovereign Bond-Backed Securities (SBBS) zu formen. Mit dieser Konstruktion soll die unglückselige Verbindung aus Banken- und Staatspleiten durchbrochen werden. Die Staaten sollen dabei weiter für ihre Schulden haften. Doch das, was auf den ersten Blick wie das „Ei des Kolumbus“ aussieht, kann am Ende zu einer Vergemeinschaftung der Schulden führen.

Deshalb stößt die Idee nicht nur in Berlin, sondern auch in Paris und sogar in Rom auf Skepsis, wobei die Länder aufgrund unterschiedlicher Beweggründe gegen die SBBS-Idee sind. Denn die Festlegung, wieviel Papiere gebündelt werden, soll sich nicht nach der jeweils ausstehenden Staatsschuld richten, sondern nach dem Anteil der Wirtschaftskraft eines Landes im Euro-Raum. Dies hätte zur Folge, dass Deutschland den höchsten Anteil bekommen würde, Länder wie Italien aber Nachteile bei der Aufnahme von Schulden zu erwarten hätten. Entsprechend kritisch hatten die Chefs der europäischen Schuldenagenturen laut „Handelsblatt“ bereits 2017 in einem Brief an die ESRB reagiert. Darin beklagten sie, dass die neuen Anleihen der Effizienz des europäischen Staatsanleihen-Marktes schaden könnten, indem etwa Titel, die nicht in den SBBS enthalten wären, schwerer gehandelt werden könnten. Das, was zuerst als Ei des Kolumbus schien, entpuppt sich also als Mogelpackung und würde im Zweifel die EZB zum Eingreifen zwingen.

Ubisoft Entertainment nimmt spielend 500 Mio. € auf

In dieser Berichtswoche machte der französische Spiele-Hersteller Ubisoft Entertainment auf sich aufmerksam. Dem ein oder anderen dürften die Spiele-Reihen „Die Siedler“ oder „Anno“ bekannt sein. Eben diese Spiele entwickelt das Unternehmen mit Sitz in Montreuil sur Bois. Erstmals in der 32-jährigen Geschichte refinanzierten sich die fünf Guillemot-Brüder (Gründer) mittels einer 500 Mio. € schweren Anleihe (A19VPD) am Kapitalmarkt. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahlt das Unternehmen jährlich 1,289% Zinsen bis zum 30.01.2023. Begeben wurde das Papier zu pari, was einem Emissionsspread von +85 bps über Mid Swap entsprach. Neben einer Make Whole Option ist der Bond drei Monate vor Endfälligkeit am 30.10.2022 zu 100% kündbar. In die Anleihebedingungen wurde die bei Privatanlegern unbeliebte Mindeststückelung von 100.000 € festgeschrieben. Diese wählten auch Nordex und Alliander, die sich ebenfalls mit je einem Bond an den Kapitalmarkt wagten.

Der börsennotierte Hersteller von Windkraftanlagen Nordex mit Sitz in Rostock brachte ebenfalls eine 5-jährige Anleihe (A2GSSM) mit Laufzeit bis zum 01.02.2023. Das Unternehmen stattete den 275 Mio. € schweren Bond mit einem Zinssatz von jährlich 6,5% aus, welcher im Februar und August eines jeden Jahres zur Auszahlung kommt. Der Ausgabepreis lag bei 100% (+649 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Das Wertpapier ist neben einer Make Whole Option mit drei weiteren Kündigungsrechten jeweils ab dem 01.02.2020 zu 103,25%, ab dem 01.02.2021 zu 101,625% und ab dem 01.02.2022 zu 100% ausgestattet.

Darüber hinaus begab in dieser Berichtswoche Alliander einen Perpetual-Bond. Der niederländische Gas- und Stromnetzbetreiber legte einen Fix-to-Float Bond (A19VX6) mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. € auf. Das Unternehmen, welches auch Dienstleister für Energienetze in den Niederlanden ist, zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 30.06.2025 einen festen Zins in Höhe von 1,625% p.a. an die Gläubiger. Im Anschluss richtet sich der Zinssatz nach dem 5-Jahres-Swap plus 0,952 PP. Ferner ist das Wertpapier ab dem 30.06.2025 alle fünf Jahre jeweils am 30. Juni zu pari kündbar. Der Emissionspreis belief sich auf 99,144 (+95,2 bps über Mid Swap).

Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden

Es ist schon immer wieder faszinierend. Bei einer negativen Rendite von ca. -0,20% für 10-jährige Bundesanleihen zuckten die Investoren mit den Schultern und gaben zu bedenken, dass man gegen die EZB sowieso keine Chance habe. Ist aber die Rendite bei ca. +0,70% und die EZB hat ihre Maschinen etwas gedrosselt, dann wird über Absicherungen nachgedacht. Doch ehrlich gesagt, macht das jetzt auch nicht wirklich viel Sinn. Klar, die Rahmenbedingungen haben sich am Rentenmarkt geändert, aber nur weil jetzt die Inflation wieder bei ca. 1,6% ist, heißt das noch lange nicht, dass man schon bald wieder zu den „guten“ alten Zeiten zurückkehrt. Damals knapperte die Inflation zwar einen Großteil der Rendite ab, aber es blieb noch meist ein positiver Rest übrig. Doch davon sind wir noch meilenweit entfernt.

Jedoch macht sich seit Jahresanfang immer mehr Verunsicherung unter den Marktteilnehmern breit, weil man Angst hat, die Trendwende verschlafen zu haben. Dem war mit Sicherheit in den meisten Fällen auch so, aber aus charttechnischer Sicht ist beim Rentenbarometer noch ein kleines Gap zwischen 159,64% und 159,66% zu schließen. Und Chartanalysten betonen immer, dass jedes Gap irgendwann geschlossen wird. Jedoch ist hierbei das „Wann“ ausschlaggebend. Dies sollte allerdings nicht überbewertet werden, denn die Zinsanpassung ist noch lange nicht abgeschlossen. Nur ist das keine Angelegenheit von ein paar Tagen oder Wochen, sondern von Monaten und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde.

Der Abwärtstrend beim Euro-Bund-Future ist weiterhin intakt und daran würde auch das Schließen des Gaps sowie ein Anstieg bis in den Bereich zwischen 159,80% und der psychologischen Marke von 160% nichts ändern. Die auf diesem Niveau zu erzielende Rendite von ca. 0,60% sollte allerdings im momentanen Umfeld die Untergrenze darstellen und erneut zur Positionsabsicherung genutzt werden. Ohne konjunkturelle bzw. politische Impulse ist in den kommenden Handelstagen mit einem Test der 158,00% zu rechnen, was einer Rendite von ca. 0,75% für 10-jährige Bundesanleihen entspricht. Ob die ursprünglich in diesem Bereich angedachte Kaufbereitschaft der Investoren einsetzen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Aktuell notiert das Rentenbarometer bei 158,40% und somit an der unteren Begrenzungslinie des Abwärtstrendkanals.

Bund zahlt wieder für 5-jährige Mittelaufnahme

In dieser Handelswoche konnten die US-Investoren lediglich in Geldmarkttitel investieren und dabei zwischen den Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten wählen. Im Hinblick auf die möglicherweise erneut anstehende Haushaltssperre und weiterer Zinserhöhungen in den USA war bei der Auktion der kurzen 4-Wochen-T-Bills eine Rendite von 1,44% (Vw.: 1,21%) zu erzielen.

Aber auch in der Eurozone werden neue finanzielle Mittel benötigt und so führte Italien bereits am Dienstag mehrere Auktionen durch. Jedoch sind italienische Staatsanleihen aus steuerlichen Gründen auch weiterhin nicht an deutschen Börsen handelbar. Dennoch war das Highlight der Woche der Tender der neuen 5-jährigen Bundesobligationen (114177). Nachdem im Laufe der Woche erstmals seit 2015 in diesem Laufzeitsegment wieder positive Renditen bei deutschen Staatsanleihen erzielt werden konnten, war man gespannt auf das Tenderverhalten der institutionellen Kunden zur Wochenmitte. Avisiert wurde ein Emissionsvolumen von 4 Mrd. € und hierfür wurden auch Gebote von insgesamt 4,246 Mrd. € abgegeben. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von +0,08% und etwas über 796 Mio. € wurden zur Marktpflege zurückbehalten.

Den Schlusspunkt unter die Emissionsaktivitäten setzen am heutigen Donnerstag noch Frankreich sowie Spanien und nutzen dadurch die wirtschaftlich positive Nachrichtenlage für sich. So werden drei französische Altemissionen (A19U9A / 2021 ; A19PMK / 2023 ; A1HS3U / 2024) und vier spanische (A19JJJ / 2021 ; A1Z2RV / 2025 ; A19G01 / 2027 ; A1AM06 / 2041) aufgestockt.

Auch beim Außenwert des Dollars hat die US-Regierung keinen Plan!

Zum vierten Mal in diesem Jahr erscheint unser Wochenbericht, und ebenso oft hat es die Gemeinschaftswährung in diesem Zeitraum geschafft, neue Bestmarken zu erreichen.

So konnte der Euro in der vergangenen Woche erstmals in diesem Jahr die wichtige Marke von 1,25 USD überspringen. Mit 1,2537 USD markierte die Einheitswährung demzufolge ein neues Jahreshoch und notierte somit in der Nähe ihres Dreijahreshochs von 1,2570 USD (Dezember 2014). Damit beträgt der Wertzuwachs des Euro in diesem Jahr ca. 5% im Vergleich zur US-Valuta. Ausgelöst wurde der Höhenflug beim Devisenpaar EUR-USD durch die Aussage des amerikanischen Finanzministers Steven Mnuchin, wonach ein schwacher Dollar gut für die USA sei. Im Anschluss korrigierte US-Präsident Trump diese Aussage und meinte, der US-Dollar wird stärker werden. Dies wiederum brachte den Euro unter Druck und er fiel zwischenzeitlich bis auf 1,2364 USD zurück. Nach diesen Währungsturbulenzen und der gestrigen Fed-Sitzung handelt die gemeinsame Währung heute Morgen bei 1,2430 USD.

Doch im Devisenhandel dreht sich nicht alles um das Verhältnis von Euro und Greenback, sondern es gibt auch noch andere Währungspaare. So präsentierte sich im bisherigen Jahresverlauf auch die Währung Norwegens ziemlich robust. Der Euro verlor im Vergleich zur norwegischen Krone und erreichte mit 9,5262 NOK einen neuen Tiefstwert in 2018. Zu Jahresbeginn notierte der Devisenkurs noch bei 9,85 NOK.

Bei den Fremdwährungsanleihen standen in dieser Woche verstärkt Anleihen auf türkische Lira, südafrikanische Rand, norwegische Kronen und russische Rubel im Fokus der Anleger. Aber auch US-Dollar Bonds wurden vermehrt angefragt.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

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